zuwachsen,
v. die enge verbindung des zu
mit dem verb noch nicht mhd., reicher und deutlich seit dem 17.
jh. 11)
im wachsthum sich verschlieszen: iedoch lerent etleich, daz man zuogewahsen flaisch abgesnaiden müg Konrad v. Megenberg
buch d. natur 17
Pf.; die wunde wächst zu Frisius 239
a; Stieler 2405; welcher risz hernachmals in der saftzeit mit saffte in der schale wiederum anläuft und zuwächset Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 167; es mag wohl von allen wunden ... die einzige sein, welche nie wieder zuwächst Klinger
w. 10, 165.
ähnlich: die augen sind ihm vor fett ... zugewachsen Immermann 19, 6
B.; dem fahrschacht eines salzbergwerks gleich, welches in einigen jahrhunderten durch das anschieszen der kristallinischen gebilde ganz zuwächst S.
Brunner erz. u. schr. 2, 68.
sich mit pflanzenwuchs und laub bedecken: freye gruppen haben ... einen vorzug vor alleen, die ... oben z. Hirschfeld
gartenkunst (1779-85) 5, 116; aber da ist leider alles zugewachsen und zugebaut W. Raabe
schüdderump 3, 65; wir haben unsre kräfte ehrlich angesetzt, dasz unter den nächstfolgenden menschen unser andenken noch unverschollen sein wird, hernach mag es z. Jac. Grimm
kl. schr. 1, 114.
drastische redensart: wenn man auf den mund fällt, wächst er einem zu Gutzkow
ritter vom geiste 4, 276; dasz dir das maul zuwüchse! Iffland
theatr. w. 2, 34. 22)
sich wachsend vermehren, ohne persönlichen bezug: 2@aa) aus einer kranckheit ein zuwachsen wirdt und ein widergebärung seines samens Paracelsus
chir. 242
H.; so vertrucknet und verdorret von groszem holz mehr als zuwechset Dan. Schaller
theol. herold (1604) 119; die bäume wachsen allgemach zu Kramer 2, 1227
b; wann
auch das weiblein wegen der zuwachsenden leuse sich ein weinig auszschütten ... wil Gabr. Rollenhagen
indian. reisen (1603) 276; das er den ackermann als einen groszen lehnherren ... vorstellet, eine herrliche krone tragende von den zuwachsenden jahresfrüchten Treuer
dtscher Dädalus 1, 38; die an einem nadelbaume ... alljährlich zuwachsenden triebe Roszmäszler
d. wald 72; ja, drüben, über der Elbe, da giebts äcker, wos von selbst zuwächst W. Alexis
Isegrim 1, 43. 2@bb)
vom mond und der zeit: mnd. in deme thowassende des maendes Schiller-Lübben 4, 603
b; mit zuwachsendem monat Prätorius
winterfl. d. sommervögel (1678) 398; mit zuwachsenden jahren Harsdörfer
gesprächspiele 4, 26;
poet. trichter 3, 2; Leibnitz
dtsche schr. 1, 458; mit zuwachsendem alter
Amadis 1, 38
lit. ver. 2@cc)
von menschen: der helffe der zuwachsenden und studierenden jugend Pape
bettel- u. garteteufel (1586) 586; hier wächst ein geschickter sohn, dort eine edle tochter zu P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 434; die unter dem berg-, hütt- und hammervolk immerdar mehr zuwachsende jugend Lori
baier. bergrecht 524 (1693).
vgl. auch een toewassend zoon Verwijs-Verdam 6, 509. 2@dd)
auf ein ziel hin wachsen, durchweg übertragen: kein guter baum giebt böse frucht, gern schlägt der mutter nach die zucht, ein gutes kalb, eine gute kuh, das junge wächst dem vater zu Simrock
dtsche volksbücher 5, 1; so wachsen gleichfalls ich und du dem tode zu Triller
poet. betrachtungen (1750) 1, 330; pyramiden, mit der breiten basis beginnend und immer schmaler dem himmel ... zuwachsend fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 279; der inhalt mochte der form allmählich z. H. Prutz
preusz. gesch. 2, 316; alles zu fassen, was der nation an erhabenen idealen zureifte und zuwuchs Kürnberger
lit. herzenssachen 85. 33)
in der regel mit einem persönlichen dativ verbunden. 3@aa)
vom eigentlichen wachsen: und ist mir das erste jahr zugewachsen 2½ schock wintergerste H. v. Schweinichen
denkw. 286
Ö.; wie dann die heilige patriarchen selbst mit dem, was ihnen zugewachsen, ihren handel getrieben
V. Herberger
Jesus Sirach 428
b; wenn sie ihre kinder mit den victualien, die ihnen zuwüchsen, nach nothdurfft besorgten A. Spangenberg
Zinzendorfs leben (1774) 1450; sie ... zehrten richtig dasjenige auf, was ihnen zuwuchs Nicolai
Seb. Nothanker 1, 22; in südlichen ländern, ... wo den einwohnern alles mühelos zuwächst H. Steffens
was ich erlebte 3, 46; so'n mensch, dem es so zuwächst Fontane I 5, 129. 3@bb)
an einen heran-, mit ihm zusammenwachsen: stirbt einem ein koter ab, so wechset im ein ackerman wider zu Petri 2, t t 2
a; der staat, der sie (
die der schule entwachsenden jünglinge) sich z. sieht Hegel 16, 182; zusehends bildet sich hier eine parthei, die man die des prinzen von Preuszen nennen musz und die ihm gleichsam zuwächst Varnhagen
tageb. 2, 284; aber sie war dem reitertrupp zugewachsen, als wär sie sein guter geist Scheffel
ges. w. 1, 267. 3@cc)
damit verbindet sich die vorstellung des hinzu, als zugabe zu dem was man schon hat: so soll des mans heiratguot den kinden in der nachgenden ee ertzelet z. und under dieselben gleich verteilt werden
der stat Worms reformation (1553) 83
b; und weil der könig von Hispanien ... anderswo zu thun gehabt, ist ... dem könig von Portugal ... das recht über die molukkischen inseln zugewachsen E. Weigel
erdspiegel (1665) 85; dieser nachnam ist ihnen aus der gelegenheit zugewachsen, die ihr vor die allerheiligste haltet Grimmelshausen 2, 356
Keller; dasz ... der gemeinen stadtkasse eine grosze summe z. könnte Rabener
w. 2, 143; dasz jeder augenblick, der seinem leben zuwächst, das meine mir zu rauben droht Schiller 13, 73
G.; wiewol ihr (
der kirche) ... immer neue theile aus dem gebiet des judenthums z. Schleiermacher I 4, 330; die ansprüche, die ihnen nach dem tode des kaisers
M. ... z. muszten Ranke
s. w. 38, 292; dann liesz ich mich von dem küster, dem drauszen sichtlich seine würde wieder zuwuchs, an den wagen geleiten Storm 3, 100; scheidet ein gesellschafter ... aus, so wächst sein anteil am gesellschaftsvermögen dem übrigen zu
bgb. § 738. 3@dd)
mit immer matterer betonung des wachsens: was dem land dardurch vor ein herrlicher nutzen z. müsse Marperger
beschr. des hanfs u. flachs (1710) 144; welche vortheile auf diese weise der ganzen menschheit z. würden J. H. Liebeskind
rückerinn. (1795) 50; was der physik im ganzen hieraus gutes zuwüchse, werden wir uns mit freuden aneignen Göthe II 5, 1, 252
W.; wir wollen sehen, was den einzelnen und dem ganzen durch diese veränderung zuwächst IV 12, 100
W. glück, segen, ehre: o gleicher mutter sohn! es wachse glück und gelt dir in der wiegen zu, als wie der regen felt Rachel
sat. ged. 56
ndr.; hierdurch wird dir ehre und ruhm z. Kramer; das vergnügen, welches meinem gnädigsten herrn ebenfalls in so hohem maasze zuwuchs Göthe IV 34, 48
W. 3@ee)
schlieszlich wachsen einem aufgaben und pflichten zu: weil ... was der eine nicht leisten kann, den andern nothwenig zuwächst Just. Möser 1, 407; da nun durch diese einrichtung den übrigen lehrern ... eine neue arbeit zuwächst Göthe IV 30, 92
W.; da uns dadurch keine neue ausgabe zuwächst, so wollen wir abwarten IV 19, 149
W.; und wenn ein druckbogen ... zuwächst, so schadet es auch nichts Stifter
br. 1, 83. 3@ff)
im ggs. wächst einem auch schaden zu: es ist laider disz nicht der wenigste schaden, der ... mir und den meinigen zugewachsen J. Kepler
opera omnia 8, 1, 4; dasz nicht aus der furcht ihrer gefahr mir selbst lebensgefahr z. würde A. Olearius
pers. rosenthal 1, 10; ihrer zier wird davon eben so wenig etwas z., als einem natürlich-schönen angesichte durch die schwartze pflästerlein, womit das frauenzimmer ... sein helles und weiszes antlitz zu schattieren pflegt E. Francisci
alleredelste veränderung (1671) 79; von dem ... unheil, das dem christenthum in dieser zeit zugewachsen ist G. Arnold
kirchen- und ketzerhist. (1699) 139
b; den verderb, der den jünglingen auf ihre lebenszeit zuwächst, wenn sie kritiker werden, da sie noch lernen sollten Herder 2, 223
S.; dasz ... ihr groszes übel daraus z. würde br. Grimm
dtsche sagen 1, 290. —