gebrauch,
m. subst. zu gebrauchen
und brauchen,
als sachliches subst. verb. einfachster, ältester art (
s. sp. 1615);
noch einfacher brauch,
das noch in geltung ist als nebenform, nur mit dem klange des alterthümlichen, auszer in nieszbrauch, misbrauch,
neben denen nieszgebrauch, misgebrauch
ungebräuchlich sind, wie misbrauchen
allein den platz hat und selbst im part. misbraucht
das ge-
nicht zuläszt (
vgl. sp. 1621).
übrigens kann älteres oberd. brauch,
besonders prauch
in wahrheit vielmehr gebrauch
meinen (
sp. 1606
ff.);
so erklärt sich z. b. dasz Maaler
neben brauch
gar kein gebrauch
aufführt (
auch kein gebrauchen,
nur gebraucht).
Das wort ist ahd. nicht bezeugt, mhd. gebrûch
selten (1,
a. 2,
f),
wie das einfache brûch
ahd. selten, mhd. nicht bezeugt, beide mögen erst gegen die nhd. zeit zu eigentlicher entwickelung im gebrauch gekommen sein; alem. gbrûch,
s. Brant
unter 3,
b. auch mnd. brûk, gebrûk
nicht bezeugt, doch wol vorhanden, wie mnl. gebrûc
lekensp. I, 21, 91;
nnl. gebruik
n. ein pl. gebrauche,
mehr nd., unter 3,
e, sonst gebräuche. 11) gebrauch,
das brauchen im bestimmten falle, mit bestimmtem, wenn auch oft nur gedachtem subject und object. 1@aa)
activisch (
passiv. s. unter e);
mhd. z. b. rehter gebrûch der dinge,
die rechte art der weltdinge zu gebrauchen: diu dritte dêmüetikeit lît an den sinnen, alsô daʒ si aller dinge (
lies al dinc?) nâch sînem rehten gebrûche minnet.
offenb. der schwester Mechthild 133.
von gott heiszt es in den versen vom himmelreiche aus dem früheren 12.
jh., die dem hexameter nachstreben: du hâst in gebrûche dînere gwaltigen hente allere dinge anegenge jouh den ente. Haupts
zeitschr. 8, 145,
deine hände können sie brauchen, verwenden wie du willst. noch jetzt vielfach so, dasz darin das zeitwort deutlich anklingt, z. b. einem etwas zu beliebigem gebrauche überlassen,
dasz er es nach belieben gebrauche; das geld aber können sie zu ihrem freien gebrauch anwenden. Gellert
lustsp. (1748) 171; notizen .. die wir zu künftigem unbestimmten gebrauch .. aufgezeichnet. Göthe 53, 7. etwas in gebrauch nehmen,
z. b. ein neues kleid, wo in dem in
der artikel mit versteckt sein wird, [] wie oft (
z. b. bei in stand setzen
neben im stande sein); im täglichen gebrauch haben, der stuhl ist für den täglichen gebrauch zu schö
n. es kommt alles auf den richtigen gebrauch
an. durch häufigen gebrauch abgenutzt. 1@bb) gebrauch machen von etwas,
als kräftigere umschreibung von gebrauchen,
wie sie manche fälle wünschenswert machen: weil diese thorheiten in dem gebrauche, den Cervantes davon macht, ihren verständig (
bewuszt) vorbedachten nutzen haben. Bodmer
poet. gem. 544; wenigstens hat keiner den gebrauch davon gemacht, der sich davon machen läszt. Lessing 7, 337; ich werde also sicherlich alle vorschläge dahin (
nach Wien zu gehn) ablehnen, und keinen weitern gebrauch davon machen, als dasz ich mir hier (
in Wolfenbüttel) .. eine verbesserung zu verschaffen suche. 12, 320; er sprach nichts als italiänisch, und wir fanden hier gelegenheit von den übungen, die wir uns das frühjahr in dieser sprache gegeben, gebrauch zu machen. Göthe 16, 301; dafür verspricht der verfasser, von diesen einmal abgedruckten aufsätzen drei jahre nach ihrer erscheinung keinen andern öffentlichen gebrauch zu machen.
ankünd. der horen 1794 (Schiller
an Göthe 1, 3); ich bitte sie, von meiner mittheilung keinen weiteren gebrauch zu machen; einem geiste .. wie es dieser ist .. bleibt der hohe gebrauch nicht lange verborgen, der sich von dem jetzigen augenblicke machen läszt. Schiller 765
b.
ungewöhnlich mit aus: noch ist ein wichtiger und merkwürdiger gebrauch, der sich aus vorliegender stelle machen läszt, zurück. Lessing 8, 389 (
Bereng. T. 4
am ende).
die ganze wendung wird dem franz. faire usage
nachgemacht sein, woraus sich auch aus
für de
begreifen läszt, wie von
für den gen.; noch Steinbach, Frisch
verzeichnen die wendung nicht. 1@cc)
sonst bezeichnet der gen. das object des subst. verb. (
doch vergl. das von
unter g): dasz man solches verteutschens bald müde worden und den alten (
früheren) gebrauch der latinischen sprach behalten. Faust im
vorw. zur Limb. chr. 4
R., von den ersten versuchen, die deutsche sprache in den gebrauch der canzleien einzuführen; du wirst sehen, dasz kein gebrauch der gestirn seie. Schuppius 702 (
kunst reich zu w.),
dasz man die gestirne nicht mehr zum befragen gebrauchen werde; von dem gebrauch der h. sacrament ausschlieszen. Henisch 1394; er verlor vor schreck den gebrauch der sprache; der freie gebrauch des verstandes. Bodmer
mahler d. sitten 1, 539; gebrauch der reinen vernunft. Kant
kr. d. r. v. xxv; wie schwer es hält, einen menschen zu richtigem sinn und blick im gebrauch der bibel zu bringen. Herder
br. d. stud. d. th. betr. 1, 5; es ist diejenige zeit (
die akademischen jahre), deren guten oder schlimmen gebrauch man sein ganzes leben nachempfindet. Göthe
bei Schöll aufs. 48 (
der junge G. 1, 243); gebrauch der welt.
an frau v. Stein 2, 224,
s. u. 2,
e; Stettins einnahme verschaffte dem könige in Pommern festen fusz, den gebrauch der Oder. Schiller 923
b,
freie benutzung. 1@dd)
auch das subject erscheint natürlich im gen., oder dafür adjectiva: das vieh ist zum gebrauche der menschen geschaffen. Steinbach 1, 188; Moritz studiert jetzt die antiquitäten und wird sie zum gebrauch der jugend und zum gebrauch eines jeden denkenden vermenschlichen. Göthe 29, 61 (
aus Rom 18.
aug. 1787),
dasz die jugend u. s. w. sie künftig brauchen könne, für die sie bisher nicht wol brauchbar waren, uns schiebt sich da jetzt in gedanken zum nutzen
unter, was doch auch eigentlich '
zur benutzung'
meint; der gebrauch und nutzen der reden in der poesie. Bodmer
poet. gem. 513; nimm das für deinen gebrauch,
für deinen nutzen; für jedermanns gebrauch,
z. b. ein öffentlicher brunnen, auch für allgemeinen gebrauch,
obwol da benutzung
jetzt dem sprachgefühle näher liegt. überhaupt ist zu sehen, wie mancher gebrauch des wortes hier seitdem erloschen oder ins wanken gekommen ist, hauptsächlich weil die abgeleitete bedeutung 2. 3
sich vorgedrängt hat, die denn seit dem 17.
jh. die wörterb. auch voran stellen; es gilt nun vielfach dafür verwendung, anwendung, nutzung, benutzung
u. ä., wie früher eine zeit lang auch gebrauchung.
übrigens fehlt ihm in dieser bedeutung ein plur. 1@ee)
passivisch z. b.: (
wird er so beklommen) das er ganz erstutzet und sein gesicht und gehörd allen iren gebrauch verlierent. Keisersb.
irrig schaf E 2
b,
von einem der öffentlich reden soll (
s. u.krampf 1,
c); der wein hat seinen gebrauch nicht nur zum täglichen getränke, sondern auch in der küche ..
öcon. lex. 2616,
vgl.dreck hat seinen brauch,
ist auch brauchbar Luther
unter brauch 1. im gebrauch sein,
gebraucht werden: der titul magnificenz ist nicht viel im gebrauch, seit er unter
[] den gelehrten allzugemein ist. Weise
pol. redner 197. auszer gebrauch sein, kommen, auszer gebrauch setzen.
dem seinen gebrauch haben
entsprechend ist 'keines gebrauches'
in Herm. u. Dor., was keinen gebrauch mehr hat, obwol die wendung undeutsch ist, lat. gedacht, res nullius usus: auch so seufzten die weiber und kinder, mit bündeln sich schleppend, unter körben und butten voll sachen keines gebrauches. Göthe 40, 239.
vgl. bei Ludwig 353 ein ding von keinem brauch und nutzen,
of no use, und unten gebrauchlos
nutzlos. 1@ff)
übrigens schwebt mancher gebrauch zwischen act. und pass. unscheidbar, wie beim subst. verb. auf -ung
und beim inf. ja auch (
und bei lat. usus
auch): selbige summe gelds, welche zum gebrauch der allmusen gesamlet worden. Schuppius 750; die mannichfaltige habe .. die ein guter wirth umher an die rechten stellen gesetzt hat, immer bereit zum gebrauche. Göthe 40, 239,
dasz es gebraucht werde oder dasz mans brauche, oder auch wenn mans braucht (
s. 5); dagegen steckte sie ihm den schleier des geistes in den mantelsack, ob er ihr gleich sagte, dasz ihm dieser flor zu keinem gebrauch sei. 19, 261 (
lehrj. 5, 16),
doch auch mehr lat. oder franz. gedacht, nulli usui, à nul usage. 1@gg)
ähnlich schwankend gebrauch,
nutzung, z. b. rechtlich, die in der almende, gemeindeweide zuwächst: so ein gebrauch in der almay von bandweiden oder dorn were, soll und mag aus jedem haus .. ein person holen, hauen und gebrauchen, bei sonnenschein aus und einzugehen (
nur für einen tag).
weisth. 4, 559.
aber deutlich activisch nutzlich gebrauch,
in einem kaufbriefe: und ist sie des in nutzlich gebrauch gesetzt. Haltaus 597,
vom j. 1380,
vgl. im brauche haben
das. 183,
ususfructus, und gebräuchlich 5,
zur bedeutung auch unter 7. 1@hh)
in zusammensetzungen z. b. dienstgebrauch,
wie ein gewehr für den dienstgebrauch,
gebrauch im dienste; alltagsgebrauch, hausgebrauch,
auch haus
brauch (
s. d. 1),
schon im 16.
jh.: (
zu recht erkannt) das die unseren von Suamendingen dem wagner dri stumpen holz zuo sinem husbruch geben soltend. Hotz
Zür. urk. 1, 54,
verbrauch im hause; s. auch mitgebrauch, halbgebrauch, kunstgebrauch.
anders z. b. vernunftgebrauch,
gebrauch der vernunft Kant
kr. der r. vern. s. xxiii. 22)
Der begriff erfährt aber im leben unter der hand besondere bestimmung, auch erweiterung, vertiefung. 2@aa) gebrauch
kurz für richtiger gebrauch: dafür künstelte er so lange, bis er den gebrauch eines jeden dinges herausbrachte.
Siegfr. v. Lind. (1790) 1, 176,
von den einzelnen stücken einer taschenbuchdruckerei (
vergl. gebrauchsinstruction), '
wie man es zu gebrauchen habe'.
ähnlich für freier, ungehinderter gebrauch: du brachtest mir die freiheit wieder, nun verschaffe mir, ich bitte, den gebrauch. Göthe 9, 209 (
Tasso 4, 4).
vgl. mnl. gebrûc,
voller gebrauch, unter gebräuchig 1. 2@bb)
besonders für fortgesetzten, täglichen gebrauch u. dgl., wie brauchen
und gebrauchen
selbst sich so erweitert haben: wie froh bin ich, dasz nunmehr die geliebte (
ital.) sprache lebendig, die sprache des gebrauchs wird. Göthe 27, 39,
aus Roveredo 11.
sept. 1786; alles nutzt sich ab durch den gebrauch; gebrauch thut mehr, denn aller meister lehr. Henisch 1395,
übung macht den meister; der gebrauch macht erfahren.
das., also zugleich für das beliebte praxis
von heute; eine sprache blosz aus dem gebrauch und ohne grammatic lernen. Ludwig 353; der gebrauch übertrifft alle regeln. Frisch 1, 127
c; erwehle das allerbeste (
für den unterricht, zugleich das schwerste), süsz und leicht wird der gebrauch solches machen. Schupp 732 (1700
s. 687). gebrauch,
übung Rädlein 326
a,
z. b. er hat es durch langen gebrauch Frisch,
eine fertigkeit durch lange übung gewonnen; etwas durch brauch und übung erfahren. Aler 420
b. 2@cc)
daher für gewöhnung, gewohnheit: er folget seinem alten gebrauch,
antiquum obtinet. Stieler 222; es ist mein gebrauch so. Rädlein 325
b; er hat den gebrauch so,
hoc ipsi solenne est. Steinbach 1, 188; er hat im gebrauche so gleich verse zu machen.
das., zugleich nach b, hat es in der übung; wer kan gewohnheit bessern? sie hat es im gebrauch den stockfisch einzuwässern. Günther 452.
die änderung des begriffes wird besonders klar, wenn man bemerkt, dasz da ein gen. obj. ganz verschwunden und unmöglich ist, der doch noch beim vorigen gedacht werden kann; s. weiter 3. 2@dd)
ein fortgesetzter, regelmäsziger ist auch folgender gebrauch
nach ärztlicher weisung: dasz ich wahrscheinlich kommenden
[] sommer den gebrauch des Karlsbads werde wiederholen müssen. Schiller
an Baggesen 16.
dec. 1791; von meiner Karlsbader cur kann ich nur kürzlich so viel sagen, dasz es mich reut sie nicht früher angestellt zu haben. der gebrauch des trinkens und badens ist mir sehr wohl bekommen. Göthe
an Zelter 1, 240;
es entspricht der wendung in der alltagsrede, dasz man das und das brauche,
nämlich als arzenei (
unter brauchen 1,
e). 2@ee) gebrauch
gleich umgang mit menschen, wie lat. usus,
s. dazu gebrauchen 4,
b in gleicher bedeutung; so wol im folg.: dem (
aufrührer) hawet man die zeune umb, verbeut im wasser und weide und allen gemeinen gebrauch. Milichius
schrapteufel O 3
a;
vgl. in einem voc. des 15.
jh.: couti, mitgebruch
vel geselschaft han. Dief. 149
b.
mit gen. gebrauch der welt, Göthe
schreibt im j. 1782
von einer eben entweichenden tiefen verstimmung: es wird leidlicher mit mir, doch hab ich noch keinen gebrauch der welt.
an frau v. Stein 2, 224,
weisz die menschen noch nicht wieder richtig zu brauchen, mit ihnen umzugehn; es ist aber zugleich franz. gedacht, avoir l'usage du monde
u. ähnl., auch kurz l'usage
genannt, feine lebensart u. ähnl. (
s. Littré 4, 2400
b fg.),
vergl. übrigens Henisch
unter gebrauchen 4,
a. 2@ff)
ähnlich gebrauch,
verkehr, geschäftlich, mhd., es heiszt von bürgern Straszburgs: weliche aber ir hofe hie inne haben und doch ir beste huser und ir meiste wonunge do usze haben .. die sollent zolle und ungelt von irem gebruche allhie in unser statt und was sie allhie in disem burgban koufen und verkoufen, geben und richten als ander unser burger. Scherz 181;
er legt es aus als res quibus ad vitam quotidie utimur, also bedarf, verbrauch, aber nach dem verkoufen
müssen wesentlich geschäftsleute gedacht sein, daher wol der verkehr überhaupt, handel und wandel; die bestätigung gibt gebrauchen 4,
c. zugleich ein wink, wie sehr dem worte noch genaue beobachtung entgeht, wie dem zeitworte gleichfalls. 33)
Die erweiterung u. 2,
c noch gesteigert, noch mehr erweitert zeigt gebrauch
schlechthin für allgemeinen gebrauch, allgemeine, alte gewohnheit u. ä.; dabei ist denn für einen gen. obj. gar keine stelle mehr, der neue begriff hat sich vom subst. verb. völlig gelöst. auch tritt hier der plur. auf. 3@aa)
es heiszt auch lange noch vollständig gemeiner gebrauch
oder brauch,
z. b.: nach dem gemeinen brauch der wält,
more hominum. Maaler 76
b; wie der gemein brauch ist,
ut mos est. 76
c; dem gemeinen gebrauch nachleben. Krämer
teutsch-it. wb. 506
a.
auch der gebrauch der welt (
vgl. unter b): der welt gebrauch und sitten. Weckherlin 55 (
ps. 17, 5).
aber auch kurz: es ist also der gebrauch,
man pfleget das zu thun, mos obtinuit. Henisch 1394; es ist bei den Teutschen der gebrauch, dasz .. Frisch 1, 127
c; vom gebrauche abgehen, den gebrauch in acht nehmen. Steinbach 1, 188;
man bemerke aber den bestimmten artikel, in dem sich der begriff des allgemeinen birgt. einen gebrauch haben, halten: die Armener .. halten fast eben solchen gebrauch. Olearius
pers. ros. 6, 3; er zielet auf den gebrauch, den die weibespersonen in Persien halten. 8, 56;
auch so: sollen die fürnehmsten geschlechter vor alters in gebrauch gehabt haben, dasz sie diejenigen, welche umb ihre töchter zu heirathen gekommen, sich erst im schachspiel haben sehen lassen. 7, 13;
denn es heiszt ebenso mit in (
vgl. 2,
c): im gebrauch sein,
in usu esse. Frisch,
man bemerke das im,
nicht in (
vgl. unter 1,
a); das erfreuliche des farbigen, bunten wurde gleich gefühlt, und .. so war die anwendung der farben auf den nackten körper und zu gewändern bald im gebrauch. Göthe 53, 11,
im gebrauch aller, der ursprüngliche verbale begriff von gebrauch
ist da auf anwendung
übergegangen, sonst würde es heiszen die farben waren im gebrauch,
wie unter 2. 3@bb)
im einzelnen z. b. von volkssitte, landessitte u. ä.: es war aber nicht anders, als (wie an vielen orten der gebrauch ist) ein königreich zu machen, maszen es eben an der heil. drei könige abend war.
Simpl. 1, 332
Kz. (brauch 338); nach dem gebrauch des landes da.
M. Krämer 506
a; also haben gewisse heidnische priester im gebrauche gehabt, sich mit pfriemen zu stechen
u. s. w. Bodmer
mahler d. sitten 1, 571; kein menschenfresser friszt seine brüder und kinder, der unmenschliche gebrauch ist ihnen ein grausames kriegsrecht. Herder
ideen 9, 5.
von sitten bei tische, tischgebrauch: des hat der disch manch seltzen gbruch, wann ich die all erzelen solt, ein ganz legend ich schriben wolt. Brant 110
a, 170.
[] dieser gebrauch
als maszgebend, als gesellschaftliche gewalt, wie ein ungeschriebnes gesetzbuch (
vgl. d, β): dann aller ding meister ist der gebrauch und die gewonheit. S. Brant
bei Steinhöwel 141
b; man musz dem gebrauch (der mode) folgen,
il faut suivre l'usage. Rädlein 326
a; dem gebrauch zuwider,
contre la coûtume. das.; er wollte mehr als eine frau heirathen .. der bibel, der obrigkeit und dem gebrauche zum trutze! Lessing 1, 234 (
d. j. gel. 1, 6).
von den höflichkeitsformen: drum lasz uns schnell hinhüpfen über den gebrauch. H. v. Kleist 1, 25.
wol auch wie mode
von dem aufwande, den die gesellschaftliche sitte vorschreibt, eine schwäb. ratsordn. von 1411
spricht von der unmäszigkeit des bruchs (Schmid
schwäb. wb. 91);
vgl. kleiderbrauch
und Maaler
unter 4. 3@cc)
von handwerksgebrauch u. ä., wo der begriff eine besondere gewalt gewann (
vgl. d, β),
gern mit gewohnheit
gesellt: wie die goldschmide irem werksilber und die münzer der münze ire zusetze und die kandengieszer dem zin plei zusetzen, welches nun (
d. h. obwol eigentlich fälschung) handwerks gewonheit und münzers gebrauch mit vorwissen der obrigkeit und münzherrn sein sol. Mathesius
Sar. 55
b; bergleut gebrauch. 9
b; mach er alsdann .. nach bergs gebrauch behalden.
zeitschr. f. bergische gesch. 11, 173,
nach bergmännischem rechtsgebrauch; dasz ich sein schleifpfaff sein und ihn heutiges tages schleifen .. soll, nach dem es handwerks gebrauch ist.
weim. jahrb. 4, 259,
d. h. mit berufung auf den gebrauch und ihm entsprechend, worte der büttnergesellen beim lossprechen eines lehrlings, auch nach handwerks gewonheit .. nachdem es handwerks gebrauch ist
s. 260; so ist hier und anderswo mehr handwerks gewonheit und gebrauch. 264.
der geselle muszte in einer fremden stadt den herbergsvater fragen: herr vater, ich habe lust hier zu arbeiten. mit gunst, dasz ich fragen mag, wie ist allhier der gebrauch? wer schauet einem um arbeit um?
u. s. w. 275,
und nachdem er ihn erfahren, beruft er sich auf denselben beim meister, nach handwerks gebrauch und gewonheit
s. 276. 3@dd)
im gemeindeleben, in städten und dörfern u. a. 3@d@aα)
z. b.: es ist hier der gebrauch (
belehrt der thorwärter den handwerksgesellen), dasz wenn ein fremder geselle in die stadt will, so musz er das bündel ablegen, zuvor auf die herberge gehen und das zeichen holen.
weim. jahrb. 4, 272,
wieder mit dem bestimmten artikel; dis ist die ordenung und gebruch, so gehalten sall werden zu Wolf im dorf.
weisth. 2, 815,
so führt sich ein weisthum des 15.
jahrh. von der Mosel ein; weistumb und gemeindlicher gebrauch der nachbarschaft Weilbach und Edersheim. 4, 559. 3@d@bβ)
das gieng dann förmlich in einen begriff mit rechtskraft über, gewohnheitsrecht, rechtsgebrauch (
vgl.gebrauchen 4,
f): rechtem gebrauch nach,
legitime. Henisch 1394; dasz die statt Frankfurt diesen brauch habe, so zum recht erwachsen, dasz sie keinen römischen könig lassen in ihre statt kommen, der in zwitracht neben einem andern erwählt ist, er lege sich dann vorhin etliche monat vor die statt und streite daselbst mit seinem gegentheil (
um das vorrecht) .. aber die alten historici .. thun dieses gebrauchs oder rechtens keine meldung. Lehmann
chron. von Speier 779
b; auch die sportel oder clagschatz, wo die im gebrauch sein, dem fisco (
zu entrichten). Tengler
laiensp. 18
a. die gebräuche und gewohnheiten auf der see. Rädlein 326
a. die berggebräuche,
das gewohnheitsrecht im bergbau, s. Veith 75, '
darauf bei bergurtheln gesehen und gesprochen wird'
Chemn. berglex. 79
b.
auch von der form des rechtsverfahrens: allda helt man guote gerechtigkeit, des gebrauchs (
in derselben weise) wie zuo Calicut. Frank
weltb. 207
a;
der gen. ist wie bei rechtens, herkommens (
s. unter γ). 3@d@gγ)
mit berufung auf das alter zur stützung der rechtskraft: wie dann der (
Leipziger jahrmarkt) .. auf si in übung und gebrauch herbracht ist.
Leipz. urk. 1, 364; so haben wir unsern alten und lang herbrachten bruch .. laszen anstellen. Haltaus 890,
vom Straszb. rate im j. 1530; wie es von undenklicher zeit des rechtens in unverrucktem brauch und steter observanz gehalten worden.
das aus der Breslauer gerichtsordn. von 1591; nach altem gebrauch.
weim. jahrb. 6, 338; zum ersten ists ein alt herkomender brauch. Luther 1, 354
b; nach altem herkommendlichem gebrauch. Reuter
kriegsordn. 56; alteingeführten gebrauch nach.
pol. maulaffe c. 143 (
s. unter klagsache).
Auch häufte man es mit dem gleichbedeutenden herkommen
u. ähnl.: nach altem brauch, herkommen und gewohnheit.
rechtsalt. 15;
nd. gebrûk, wîse und gewonheit.
das.; nein! das ist nicht der gebrauch noch herkommens!
Simpl. 2, 152
Kz.; obgemelter
[] lang harkommener fridlicher gebruch und friheit (
privilegium). Haltaus 895. 3@ee)
auch der plur. erscheint hier, der in der bed. 1
fehlt: die gemeine ritterschaft .. umb ir adeliche freiheiten, gebreuch und herkommen .. zu bringen.
Flersh. chron. 80, 20; darauf (
vom neuen bischof den Naumburgern) durch seinen canzler geantwort worden, dasz die stadt bei aller gerechtigkeit, privilegien und gebrauchen sollt gelaszen werden.
neue mitth. des thür.-sächs. v. 11, 479,
in der bitte der stadt ist von ihrer gerechtigkeit, privilegien und gewonheit
die rede, in der niederschrift eines Niederdeutschen; als unser doctor .. die unreine lehre und falsche gottesdienst .. sampt vil ergerlichen gebreuchen .. umbstiesz. Mathesius
Luther 195
a; was auch die alten gebräuche, die noch von dem rohen zustande der völker übrig waren, für grobe religionsbegriffe eingeführt haben mochten. Kant
kr. der r. vern. 880; immer befiehlt die höflichkeit .. ohn unterlasz folget man den gebräuchen und niemals seinen eignen empfindungen. Lessing 3, 198,
aus Rousseau (
zu b); jetzt ist aber das alles, mit andern guten gebräuchen, aus der mode gekommen, und jeder freit für sich selber. Göthe 40, 302. fastnachtsgebräuche, studentische gebräuche, volksgebräuche
u. a., auch sitten und gebräuche. 3@ff)
da stellt sich zum theil der begriff des ceremoniells ein: dasz er (
der neue praedicant) die religion, kirchengebrauch und ceremonien dieser stadt und kirchen zu Essen sich gefallen liesze.
zeitschr. des Berg. geschichtsv. 11, 152,
aus dem 17.
jahrh.; vergl. von den kathol. kirchengebräuchen
bei Mathesius
vorhin, Henisch 1394
gibt ausdrücklich. gebrauch
ritus in sacris praesertim, auch ritus et gestus corporum externus, also selbst mit geberde
sich berührend (
s. dazu sich brauchen
sich geberden unter gebrauchen 5,
b a. e.).
vgl. heiliger festgebrauch,
rituale Göthe 41, 182. 3@gg)
auch der sprachgebrauch
wird oft kurz der gebrauch
genannt, wie lat. usus,
unter umständen noch jetzt: nur, wo der gebrauch ungewiss oder verschieden ist, da kann ein guter sprachlehrer .. entscheiden, welcher gebrauch den andern vorzuziehen sei. Gottsched
sprachk. 7; man (
d. h. ich) hat sich dabei .. auf den heutigen gebrauch der besten mundart in Deutschland und der beliebtesten schriftsteller gegründet. 10; weil es unsrer sprache an geschickten ausdrücken mangelt, und der gebrauch so eigensinnig ist .. Möser
phant. 3, 312; wenn man den gewöhnlichen gebrauch zur regel nimmt. Humboldt
an Schiller 138.
vgl.gebrauchsfolge
bei Göthe. 44)
Jetzt ist der gebrauch des wortes besonders beschränkt durch lat., franz. u. a. wörter, die man vielfach an seine stelle gesetzt hat, zum theil schon seit dem 17.
jh.; so spricht nicht blosz der gelehrte mehr auch in ganz deutschem zusammenhange lieber vom usus (
aber wunderlich usuell,
nicht usual,
also mit franz. endung, für gebräuchlich),
der kaufmann braucht dasselbe wort in ital. gestalt, uso,
oder franz. usance,
nur in höherem tone noch gebrauch, geschäftsgebrauch;
in anderm sinne ist dafür praxis, routine
u. ä., oder mode, manier
u. ä., ferner ceremonie, ritual,
auch consum
im gebrauch, man kann da recht sehen, wie das schöne erbe von unsern vätern her nun vergeudet und zerstört wird durch falsche vornehmheit. 55)
ungewöhnlich ist gebrauch
als subst. zu brauchen,
bedürfen (
wie doch auch lat. usus),
auch gebrauchen 7: und wenn du (
professor) ja entweder des gebrauchs halber .. für geld collegia halten must .. Thomasius 675,
weil du es brauchst; vgl. im 16.
jh. der brauch,
das täglich uszgeben, täglicher brauch,
was einer an eim ieden tag verbraucht Maaler 76
a,
wo beide bed. von brauchen
an einander rühren. 66)
aus Keisersbergs
post. 81
b gibt Frisch 1, 128
b ein neuer gebrauch
für novale, und zwar als schwäb., Keisersberg
selbst verdeutlicht es mit ein neues gerüt.
dazu stimmt schon in mhd. zeit bei Herbort 1762 busche und ungebrûche (: gestrûche),
die abgereutet werden, nach dem herausgeber s. 238
wildnis, ungebrauchtes land, gewiss richtig; das zeitwort wird danach auch vom brauchbar oder nutzbar machen und nutzen des landes, von feldarbeit in gebrauch gewesen sein; das ungebrûche
möchte seinem reimworte nach ein collectivum sein, mit mhd. vocal wäre es ungebriuche.
anders gebrüch,
s. dort, vergl. neubruch (
ahd. niwipruht
novale Graff 3, 270). 77) gebrauch
gleich genusz, sinnlich und unsinnlich, ist anzunehmen nach gebrauchen 4,
a, der urbed. sogar am nächsten stehend (
s.gebrauchen 2,
b),
nur zufällig fehlen ältere belege; [] aber mnl. z. b. im lekensp. I, 21, 91
von der gott minnenden seele, die in einem unbeschreiblichen ghebruuc van zoetheden (
süszigkeiten)
lebe. anklingend selbst noch im 17. 18.
jh. in folgender verwendung: dieser tag setzte ihn in vorige sorgen, dasz er zum theil vor zorn und unmuth den gebrauch des essens vergasz. Riemer
pol. stockf. 337; wir meinen den übermäszigen gebrauch des weins. Göthe 6, 206.
s. auch gebrauch, nutzlich gebrauch
gleich nutzung
unter 1,
g.