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gnepfen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gnepfen vb.

Bd. 8, Sp. 641
gnepfen, vb. , aus dem gleichgewicht kommen, kippen; wanken, schwanken, wackeln, schaukeln; hinken, stoszen. herkunft, verbreitung und form. gnepfen mit altem e aus gnëppōn, vgl.gnapfen, gnipfen, gnupfen. das nebeneinander ist nicht 'ablaut', sondern erklärt sich wie die kons. variationen nepfen, knepfen, gnappen, gnippen, gnuppen aus dem expressiven charakter der sippe. sicher seit dem 14. jh. bezeugt (älteres doppeldeutiges prät. gnafte s. unten 2 a β), literarisch kaum übers 17. jh. hinaus gebräuchlich, im wesentlichen alem., darüber hinaus nur lexikalisch aufgeführt bei Henisch (1616) 1672, Aler dict. (Köln 1727) 1, 963b, Veneroni wb. (Köln 1766) 77. wie gnapfen, 2gnappen u. a., s. sp. 616f., mit der anlautvariante auf k (in den kantonen Basel, Bern, Zürich) Staub-Tobler 2, 671 sowie n- nepfen 'ein wenig hinken, den einen fusz etwas nachziehen' Schmeller-Fr. bair. 1, 1752; nepfen 'synonymon von gnepfen' Staub-Tobler 2, 672; näpfen 'stoszen, von geiszen, schafen' Fischer schwäb. 4, 1941. neben der gewöhnlichen schreibung mit e findet sich vereinzelt gnäpfen Spreng Basler id. (mscr.) nach Seiler Basel 143a s. v. gnappe, in dialektliteratur bei Fischer schwäb. 3, 726 s. v. gnäpfen (ausgesprochen mit geschlossenem e); g'näpfen im südwestl. Schwaben Schmid schwäb. 398; im gebiet von St. Gallen Staub-Tobler 2, 672 s. v. gnepfen 4; vgl. auch gnäpfe, f., unter gnepfe. bei (er) gnöpfft Eulenspiegel 13 ndr., übergnöpfen Th. Platter 8 Boos wird kontamination von gnepfen und gnoppen vorliegen, weniger wahrscheinlich rundung von gnepfen, s. Wilmanns dtsche gramm. 13 § 230, 3. bedeutung und gebrauch. in transitiver verwendung im elsäss. 'umkippen', s. Martin-Lienhart 1, 265a, fürs schweizer. verzeichnet Schmid ma. d. amtes Entlebuch 43 gnεpfə 'schaukeln machen (z. b. eine wiege)', aber 171 a der wiege gnεpfə 'die wiege durch stösze in bewegung bringen' (Staub-Tobler geben 2, 672 die bedeutungen 'einen gegenstand sachte oder stoszweise von der stelle rücken, z. b. mit einem hebel' und 'eine wiege leise bewegen' ohne belege). wie 2gnappen sp. 617 begegnet auch gnepfen in verbindung mit mit (s. u.) und mit an im sinne von 'rütteln, rücken', z. b. an einem tisch gnepfen Staub-Tobler schweizer. 2, 672. 11) gegenüber sonst teilweise synonymem 2gnappen tritt bei gnepfen die bedeutung 'umzuschlagen drohen, aus dem gleichgewicht kommen, kippen' stärker hervor, vgl. Staub-Tobler schweizer. 2, 671; ex aequilibrio in alterutram partem nutare Schmidt id. Bernense 31a; ebenso Baumgartner ma. des Berner seelandes 99; 'das übergewicht bekommen, umkippen' Fischer schwäb. 3, 726; 'umkippen' Martin-Lienhart elsäss. 1, 265a; vgl. auch ab-, um-, übergnepfen Staub-Tobler 2, 672 und gnepfe, f., 'schwankende lage, schwebe, augenblick des kippens' sp. 640. 1@aa) von lebenden wesen, auch mit über-: ich forcht, wen ich hinder sich (mich) sprunge, ich wurde übergnöpfen und über den grusamen felsen verfallen Thomas Platter 8 Boos; übertragen: xxi jor ... das ist ein beschörjor (stufenjahr, annus climacterius), ... xlii jor machend zwey beschörjor, do gnepfft der mensch aber gern (kommt zu fall) und stot sorglich umb in; item lxiii jor machend dry beschörjor, do muosz sich der mensch aber förchten Keisersberg postill. (1522) 1, 13b; mundartlich: uf einmal gnepft er mit dem stuel und überzieht und fallt abe Staub-Tobler 2, 672; vgl. auch die bedeutung 'ausgleiten, straucheln, fallen, bes. infolge von schiefem auftreten', ebda. 1@bb) unpersönlich es gnepft 'das glück wendet sich, schlägt um, es geht abwärts': (der kaiser auf eine hiobsbotschaft hin:) die zeitung macht mir bange. es gnepf gern, man lang sange, wann es am höchsten wär (auf das jahr 1631) dreiszigjähriger krieg 288, 2 Opel-Cohn. redensartlich im schweizer. und schwäb.: es gnepft mit im 'seine sachen (ökonomischen verhältnisse) stehen schlecht' Staub-Tobler 2, 672; es gnäpft mit ihm 'es steht schlimm mit ihm' Fischer schwäb. 3, 726. 1@cc) von gegenständen, mit über- 'das übergewicht bekommen, umschlagen, z. b. von einem schwankenden brett' Staub-Tobler schweizer. 2, 672; es isch äim, jetz mies er (der auf einem riffähnlichen kalkfelsen ruhende erratische block) ibergnepfe (umkippen) Friedli Bärndütsch 5, 148. 22) wanken, wackeln, schwanken, schaukeln, sich hin und her oder auf und ab bewegen, nicken; hinken. 2@aa) von lebenden wesen. 2@a@aα) mit dem kopf nicken (vgl. 2gnappen A 6): dubia cervice labare den kopff nit mögen tragen, mit dem kopff plampen oder hin und här gnepffen Frisius dict. (1556) 215a; ein pferd, welchem nit aufgebunden der zügel, daher es stets darauf trittet, mit dem kopf gnepft Breitinger (1628) bei Staub-Tobler 2, 672; so auch noch heute mundartlich 'den kopf auf und ab bewegen', insonderheit 'schlaftrunken nicken, mit dem schlafe kämpfen', s. ebda. 2@a@bβ) mit dem ganzen körper schwanken, schaukeln u. ä., 'sich auf dem rand eines schwankenden körpers bewegen, schaukeln, z. b. auf einem stuhl' Staub-Tobler schweizer. 2, 672; vor allem beim gehen: 'wankend, schwerfällig, mit gespreizten beinen gehen', 'affektiert gehen' (vor alter, krankheit oder gewohnheit; auch von berauschten) ebda; vgl. 2gnappen A 1. hierher als rückumlautendes prät. gnafte bei Ulrich v. Zazikhofen zu ziehen, eher als zu gnapfen sp. 615: dar nâch rant in einer an, als si ze samen kâmen, dô wolt Karjet râmen, daz er sîn sper behafte. sîn ros ûf gnafte (bäumte sich), daz im der schûf (die schaukelnde bewegung) den stich und der ritter für kam benam Lanzelot 6364 Hahn; wie 2gnappen A 4 auch von den tanzbewegungen der bauern: söleich gnepfen und ein hoppen, hupfen, lupfen und ein zoppen hiet sich an dem ring derhaben (beim tanze) Wittenweiler ring v. 6285 Wieszner; vgl. auch den namen Gnepferin v. 6350; 6382. 2@a@gγ) insonderheit: claudico hincken, gnepffen, vgl. Frisius dict. (1556) 235a; ebenso Dentzler clavis ling. lat. (31686) 2, 136a; auch noch modern mundartlich gnepfen 'ein wenig hinken' Staub-Tobler 2, 672; gnäpfen 'hinken' Spreng Basler id. a. a. o.: dahär so kumpt, das sich der aff seine schenkel nit anderst gebrauchen kan, dann als ein mensch, der etwan eines andern hinkenden spottet mit gnepfen, hoppen und zäppeln, nit aufrechtig noch steif stadt Forer Gesners thierbuch (1583) 2a; die wirthstochter ... gnepfte manchmal so bedenklich durch die stube, als ob sie an jedem fusze fünf hühneraugen hätte Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 7, 326. 2@a@dδ) mit einer richtungsbezeichnung, vgl. 2gnappen A 7. gnepfen an (mit dem akk.) 'an etwas anstoszen': (Eulenspiegel) zücht ... den fordersten (der beiden bienenstockdiebe) noch einist (einmal), daz im der kopff an den ymenstock gnöpfft Till Eulenspiegel 13 ndr. 2@a@eε) im schweizer. bedeutet gnepfen ferner 'das gnepfnetz einsenken und aufziehen' (seit dem 17. jh. bezeugt), 'den hinterwagen lenken' Staub-Tobler 2, 672; vgl.gnepfe 2 b. 2@bb) von gegenständen (vgl. 2gnappen B): darnach machentz (die mönche) ain gewett, ieder man mit ainer zu bett, da werdent sy so gämenlich, die kuttenzipfel ubent sich, die gnepfent und(e) gnüttent (nicken) aus einer hs. des 14. jh. bei Laszberg liedersaal 3, 395; do stand die docterna (doctorsfrau) zu inen (den am flusz waschenden frauen) uf ein pritt und, wie sie anfacht, uf ir manier zu weschen, ... so gnepft das pret ungeferdt mit ir; darmit wardt sie so trümlich (schwindelig), das sie überabfiel in Necker zimmer. chron.2 4, 36, 20 Bar.; ich ... wogt esz auch mit meim rosz (einzusteigen), do fieng der weidling (kahn) an gnepfen, also dasz dasz rosz schier am anderen port heraus sprang ins wasser Felix Platter 281 Boos; so auch mundartlich, 'z. b. von einem tisch, der nicht auf allen beinen aufsteht, von einer bank, auf deren ende man sich setzt' Staub-Tobler 2, 671.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gnepfenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    gnepfen swv. BMZ prät. gnafte sich neigen, hinken Ls. Zimr. chr. 4. 134,24. — mit ûf Lanz. vgl. gnappen u. Schm. 2,700. …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gnepfenvb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gnepfen , vb. , aus dem gleichgewicht kommen, kippen; wanken, schwanken, wackeln, schaukeln; hinken, stoszen. herkunft, …

  3. modern
    Dialekt
    gnepfen

    Elsässisches Wb.

    gnepfe n [knèpfə Su. bis Bf. ] umkippen. 1. intrans. d e r Karre n gnepft, is t g e gnepft fällt mit dem hinteren Ende z…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gnepfen

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gnepfen als Zweitglied (1 von 1)

ūfgnepfen

KöblerMhd

ūfgnepfen , sw. V. nhd. sich aufbäumen Q.: UvZLanz (nach 1193) E.: s. ūf, gnepfen W.: nhd. DW- L.: Lexer 458b (ūfgnepfen), Hennig (ūfgnepfen…

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Cotta, M. (2026). „gnepfen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gnepfen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gnepfen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gnepfen/dwb. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gnepfen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gnepfen/dwb.
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