gnepfen,
vb. ,
aus dem gleichgewicht kommen, kippen; wanken, schwanken, wackeln, schaukeln; hinken, stoszen. herkunft, verbreitung und form. gnepfen
mit altem e aus gnëppōn,
vgl.gnapfen,
gnipfen,
gnupfen.
das nebeneinander ist nicht '
ablaut',
sondern erklärt sich wie die kons. variationen nepfen, knepfen, gnappen, gnippen, gnuppen
aus dem expressiven charakter der sippe. sicher seit dem 14.
jh. bezeugt (
älteres doppeldeutiges prät. gnafte
s. unten 2 a
β),
literarisch kaum übers 17.
jh. hinaus gebräuchlich, im wesentlichen alem., darüber hinaus nur lexikalisch aufgeführt bei Henisch (1616) 1672, Aler
dict. (
Köln 1727) 1, 963
b, Veneroni
wb. (
Köln 1766) 77.
wie gnapfen,
2gnappen
u. a., s. sp. 616
f., mit der anlautvariante auf k (
in den kantonen Basel, Bern, Zürich) Staub-Tobler 2, 671
sowie n- nepfen '
ein wenig hinken, den einen fusz etwas nachziehen' Schmeller-Fr.
bair. 1, 1752; nepfen '
synonymon von gnepfen' Staub-Tobler 2, 672; näpfen '
stoszen, von geiszen, schafen' Fischer
schwäb. 4, 1941.
neben der gewöhnlichen schreibung mit e
findet sich vereinzelt gnäpfen Spreng
Basler id. (
mscr.)
nach Seiler
Basel 143
a s. v. gnappe,
in dialektliteratur bei Fischer
schwäb. 3, 726
s. v. gnäpfe
n (
ausgesprochen mit geschlossenem e); g'näpfen
im südwestl. Schwaben Schmid
schwäb. 398;
im gebiet von St. Gallen Staub-Tobler 2, 672
s. v. gnepfen 4;
vgl. auch gnäpfe,
f., unter gnepfe.
bei (
er) gnöpfft
Eulenspiegel 13
ndr., übergnöpfen Th. Platter 8
Boos wird kontamination von gnepfen
und gnoppen
vorliegen, weniger wahrscheinlich rundung von gnepfen,
s. Wilmanns
dtsche gramm. 1
3 § 230, 3.
bedeutung und gebrauch. in transitiver verwendung im elsäss. '
umkippen',
s. Martin-Lienhart 1, 265
a,
fürs schweizer. verzeichnet Schmid
ma. d. amtes Entlebuch 43 gnεpfə '
schaukeln machen (
z. b. eine wiege)',
aber 171 a der wiege gnεpfə '
die wiege durch stösze in bewegung bringen' (Staub-Tobler
geben 2, 672
die bedeutungen '
einen gegenstand sachte oder stoszweise von der stelle rücken, z. b. mit einem hebel'
und '
eine wiege leise bewegen'
ohne belege).
wie 2gnappen
sp. 617
begegnet auch gnepfen
in verbindung mit mit (
s. u.)
und mit an
im sinne von '
rütteln, rücken',
z. b. an einem tisch gnepfen Staub-Tobler
schweizer. 2, 672. 11)
gegenüber sonst teilweise synonymem 2gnappen
tritt bei gnepfen
die bedeutung '
umzuschlagen drohen, aus dem gleichgewicht kommen, kippen'
stärker hervor, vgl. Staub-Tobler
schweizer. 2, 671;
ex aequilibrio in alterutram partem nutare Schmidt
id. Bernense 31
a;
ebenso Baumgartner
ma. des Berner seelandes 99; '
das übergewicht bekommen, umkippen' Fischer
schwäb. 3, 726; '
umkippen' Martin-Lienhart
elsäss. 1, 265
a;
vgl. auch ab-, um-, übergnepfen Staub-Tobler 2, 672
und gnepfe,
f., '
schwankende lage, schwebe, augenblick des kippens'
sp. 640. 1@aa)
von lebenden wesen, auch mit über-: ich forcht, wen ich hinder sich (
mich) sprunge, ich wurde übergnöpfen und über den grusamen felsen verfallen Thomas Platter 8
Boos; übertragen: xxi jor ... das ist ein beschörjor (
stufenjahr, annus climacterius), ... xlii jor machend zwey beschörjor, do gnepfft der mensch aber gern (
kommt zu fall) und stot sorglich umb in; item lxiii jor machend dry beschörjor, do muosz sich der mensch aber förchten Keisersberg
postill. (1522) 1, 13
b;
mundartlich: uf ei
nmal gnepft er mit dem stuel und überzieht und fallt abe Staub-Tobler 2, 672;
vgl. auch die bedeutung '
ausgleiten, straucheln, fallen, bes. infolge von schiefem auftreten',
ebda. 1@bb)
unpersönlich es gnepft '
das glück wendet sich, schlägt um, es geht abwärts': (
der kaiser auf eine hiobsbotschaft hin:) die zeitung macht mir bange. es gnepf gern, man lang sange, wann es am höchsten wär (
auf das jahr 1631)
dreiszigjähriger krieg 288, 2
Opel-Cohn. redensartlich im schweizer. und schwäb.: es gnepft mit im '
seine sachen (
ökonomischen verhältnisse)
stehen schlecht' Staub-Tobler 2, 672; es gnäpft mit ihm '
es steht schlimm mit ihm' Fischer
schwäb. 3, 726. 1@cc)
von gegenständen, mit über- '
das übergewicht bekommen, umschlagen, z. b. von einem schwankenden brett' Staub-Tobler
schweizer. 2, 672; es isch äim, jetz mies er (
der auf einem riffähnlichen kalkfelsen ruhende erratische block) ibergnepfe (
umkippen) Friedli
Bärndütsch 5, 148. 22)
wanken, wackeln, schwanken, schaukeln, sich hin und her oder auf und ab bewegen, nicken; hinken. 2@aa)
von lebenden wesen. 2@a@aα)
mit dem kopf nicken (
vgl. 2gnappen A 6):
dubia cervice labare den kopff nit mögen tragen, mit dem kopff plampen oder hin und här gnepffen Frisius
dict. (1556) 215
a; ein pferd, welchem nit aufgebunden der zügel, daher es stets darauf trittet, mit dem kopf gnepft Breitinger (1628)
bei Staub-Tobler 2, 672;
so auch noch heute mundartlich '
den kopf auf und ab bewegen',
insonderheit '
schlaftrunken nicken, mit dem schlafe kämpfen',
s. ebda. 2@a@bβ)
mit dem ganzen körper schwanken, schaukeln u. ä., '
sich auf dem rand eines schwankenden körpers bewegen, schaukeln, z. b. auf einem stuhl' Staub-Tobler
schweizer. 2, 672;
vor allem beim gehen: '
wankend, schwerfällig, mit gespreizten beinen gehen', '
affektiert gehen' (
vor alter, krankheit oder gewohnheit; auch von berauschten)
ebda; vgl. 2gnappen A 1.
hierher als rückumlautendes prät. gnafte
bei Ulrich v. Zazikhofen
zu ziehen, eher als zu gnapfen
sp. 615: dar nâch rant in einer an, als si ze samen kâmen, dô wolt Karjet râmen, daz er sîn sper behafte. sîn ros ûf gnafte (
bäumte sich), daz im der schûf (
die schaukelnde bewegung) den stich und der ritter für kam benam
Lanzelot 6364
Hahn; wie 2gnappen A 4
auch von den tanzbewegungen der bauern: söleich gnepfen und ein hoppen, hupfen, lupfen und ein zoppen hiet sich an dem ring derhaben (
beim tanze) Wittenweiler
ring v. 6285
Wieszner; vgl. auch den namen Gnepferin
v. 6350; 6382. 2@a@gγ)
insonderheit: claudico hincken, gnepffen,
vgl. Frisius
dict. (1556) 235
a;
ebenso Dentzler
clavis ling. lat. (
31686) 2, 136
a;
auch noch modern mundartlich gnepfen '
ein wenig hinken' Staub-Tobler 2, 672; gnäpfen '
hinken' Spreng
Basler id. a. a. o.: dahär so kumpt, das sich der aff seine schenkel nit anderst gebrauchen kan, dann als ein mensch, der etwan eines andern hinkenden spottet mit gnepfen, hoppen und zäppeln, nit aufrechtig noch steif stadt Forer
Gesners thierbuch (1583) 2
a; die wirthstochter ... gnepfte manchmal so bedenklich durch die stube, als ob sie an jedem fusze fünf hühneraugen hätte Jer. Gotthelf
ges. schr. (1855) 7, 326. 2@a@dδ)
mit einer richtungsbezeichnung, vgl. 2gnappen A 7. gnepfen an (
mit dem akk.) '
an etwas anstoszen': (
Eulenspiegel) zücht ... den fordersten (
der beiden bienenstockdiebe) noch einist (
einmal), daz im der kopff an den ymenstock gnöpfft
Till Eulenspiegel 13
ndr. 2@a@eε)
im schweizer. bedeutet gnepfen
ferner '
das gnepfnetz einsenken und aufziehen' (
seit dem 17.
jh. bezeugt), '
den hinterwagen lenken' Staub-Tobler 2, 672;
vgl.gnepfe 2 b. 2@bb)
von gegenständen (
vgl. 2gnappen B): darnach machentz (
die mönche) ain gewett, ieder man mit ainer zu bett, da werdent sy so gämenlich, die kuttenzipfel ubent sich, die gnepfent und(e) gnüttent (
nicken)
aus einer hs. des 14. jh. bei Laszberg
liedersaal 3, 395; do stand die docterna (
doctorsfrau) zu inen (
den am flusz waschenden frauen) uf ein pritt und, wie sie anfacht, uf ir manier zu weschen, ... so gnepft das pret ungeferdt mit ir; darmit wardt sie so trümlich (
schwindelig), das sie überabfiel in Necker
zimmer. chron.2 4, 36, 20
Bar.; ich ... wogt esz auch mit meim rosz (
einzusteigen), do fieng der weidling (
kahn) an gnepfen, also dasz dasz rosz schier am anderen port heraus sprang ins wasser Felix Platter 281
Boos; so auch mundartlich, '
z. b. von einem tisch, der nicht auf allen beinen aufsteht, von einer bank, auf deren ende man sich setzt' Staub-Tobler 2, 671.