zielen,
verb. gemeingerm. mit ausnahme des nord., mit zwei sich nicht deckenden formen und bedeutungen auftretend: got. gatilon
erlangen, erzielen, andtilon
jem. anhangen, sich jemandes oder einer sache annehmen, afränk. zilôn,
aber altobd. zilên,
as.-ags. tilian,
afries. tilia (ên-
klasse).
da im got. nicht das perfektivische und trans. gewordene gatilon,
sondern andtilon
die ursprüngliche intrans. bedeutung bewahrt, läszt sich das got. mit dem ahd. und ags. zu der bedeutungsgruppe nach etwas eifrig streben, trachten, studere, niti, intendere, conari, moliri zusammenfassen. der anderen gehört das as., afries. und nach ausweis von eorðtilð,
f., agricultura, tilia,
m., colonus auch das ags. an; sie hat die bedeutung land bebauen, erzeugen. nur die erste bedeutung läuft der von ziel parallel. der teil 4, 1, 4, 7060
unternommene versuch, eine sinnliche grundbedeutung von zielen
aus der anwendung auf den ackerbau (
bedeutung II)
zu erschlieszen, befriedigt nicht; vielmehr sind eine intrans.-trans. doppelreihe sich etwas zum ziel setzen und zum ziel setzen und eine rein trans. reihe etwas zum ziel bringen anzusetzen: die erste ist von dem substantiv ahd. zil
abgeleitet, die zweite tritt bereits in dem adjektiv got. gatils
und *tils,
ags., afries. til
sowie in dem germ.-finn. tila (
s. ob. ziel)
ausgeprägt auf, indem zum ziel bringen sich leicht in die bedeutung etwas passend machen überführen läszt; s. auch teil 3, 1094.
den trans. zweig der ersten doppelreihe belegt eine einzige, vielleicht zwei glossen für die ahd. zeit, in der mhd. steht er in vollem wachstum. der zweiten reihe ist das freilich unsichere salfränk. *tillis
das eigene land im gegensatz zum salland entsprossen (
lex salica edict. Chilper. 409
Hessels).
verbalnomen ist ahd. zila,
f., studium, genus (Graff 5, 658).
während bereits in der mhd. periode die bedeutung zeugen, erzeugen, züchten, aufziehen im obd. auftritt, sind die bedeutungen streben, zielen, bestimmen, in welche sich die intrans. reihe des obd. zerlegt, dem nd. fremd geblieben; spätmnd. telen
zielen, aus dem süden entlehnt, hat sich nicht gehalten und keinen zugang ins ndld. gefunden; in den heutigen nd. mundarten gilt das schriftsprachliche zielen
in diesem sinne. —
md. lautregel senkt den stammvokal zu -e-: czelen
zeugen, generare (
nordripuar. 14.
jahrh.) Mone
anz. 8, 493; zelen Burk. Waldis
Äsop 3, 24, 23; 3, 61, 14
K.; gezelt (
gezeugt) Mathesius
Sarepta (1571) 31
b; zöhlen, zehlen (
zeugen) Heyden
Plin. (1571) 194
f.; gezehlet Steph. Isaak
s. leb. 107
R.; doch bieten die heutigen fränk. mundarten an Rhein und Mosel zillen: Follmann 558
a; Bertrang
Areler ma. 443; Christa
Trier. wb. 224
a;
lux. wb. 504
b;
vokalkürze, im infinitiv, partizip und gelegentlich auch an anderen formen durch -ll-
kenntlich, überdauert die mhd. zeit. orthographische besonderheiten wie bei ziel.
die berührung mit dem gleichbedeutenden ziegeln (
sp. 913
und teil 16, 416)
hat keine etymologische verwandtschaft zur ursache; die ausgabe von 1597
des arzneibuchs von Wirsung
ersetzt ziegeln
durch zielen:
s. 9; 40; 525.
in die nhd. schriftsprache gehn nur die bedeutungen I A 1
a und 2
über. die Schweiz gebraucht in einigen landschaften den nachkömmling des mhd. *zâlen
nachstellen als ersatzwort: Bühler
Davos 1, 215; E. Wipf
ma. v. Visperterminen im Wallis 33; K. Schmid
ma. d. amtes Entlebuch 59. II.
sich zum ziel setzen, zum ziel setzen. diese formeln drücken die erschlossene bedeutungsgrundlage der intrans.-trans. gruppe, welche von dem denominativen verbum ausgeht, aus. ihr intrans. teil beherrscht die ahd. und ags. überlieferung, der zweite ist nur durch einen oder vielleicht zwei ahd. belege vertreten, aber doch als alt und ursprünglich anzusprechen. I@AA.
die intrans. teilgruppe umschlieszt die älteste und die jüngste, als einzige von allen älteren zu allgemeinem gebrauch in die nhd. schriftsprache übergegangene bedeutung. in ihr herrscht die bedeutung I 1
des grundworts ziel,
d. h. end-, zielpunkt. I@A@11)
bedeutsam stimmt zu der vorstellung ziel von ziel I 1
der begriff des strebens und sich bemühens der ahd. und ags. zeugnisse. wenn der ihnen nach idg. brauch zustehende genitiv des ziels (
s. Behaghel
syntax 1, 564)
in mhd. zeit in einem sinnlicheren zusammenhang angewendet wird (
s. a und 2
a α),
so liegt der schlusz nahe, diesen genitiv des ziels als die ursprüngliche konstruktion auch des konkreten zielens auf einen gegenstand anzusetzen. I@A@1@aa)
nach etwas eifrig streben, trachten, eilen, sich um etwas bemühen; ahd. seit beginn der schriftlichen überlieferung vielfach bezeugt, vgl.: contendere cilen, zilen Steinmeyer-Sievers 1, 94, 6;
nititur zilet,
conamur zilemes,
conantur cilent Graff 5, 656;
moliebatur zileta 657,
mehrfach; mit abhängigem infinitiv: pibot cotes tatim tagalihhin zilee erfullen (
praecepta dei factis cotidie studeat adimplere)
Benediktinerregel bei Steinmeyer
ahd. sprachdenkm. 206
b; 276
b; manage zilotun ordinon saga (
multi conati sunt ordinare narrationem)
Luk. 1, 1
Tatian 1, 1;
mit genitiv des ziels: stilli sculun cilen (
silentium debent studere)
Benediktinerregel bei Steinmeyer
ahd. sprachdenkm. 248
b; hwanta des siu inwerthlihho ist brinnanti ira za zilenne (
quia quo ardenter intus ad sua satagit)
Monseer fragm. 29, 30
H.; thie zuene es wola zilotunjoh wola iz merotun Otfrid IV 7, 75; iltun sie tho harto sarsines thionostes thar, thes zilotun se io thuruh not:sie hogtun gerno wio er gibot IV 9, 16; IV 36, 17;
auch mit reflexivem genitiv, wobei die bedeutung sich beeilen, eilen hervortritt: druhtin, quad er, zilo thin,oba thu ginadon wili min Otfrid III 2, 19; IV 9, 11; III 17, 44; thie jungoron iro zilotun,in koufe in muas tho holetun II 14, 11; so zilot iwer hera sar II 14, 48.
diese bedeutung bereits alt, gesichert durch das lat. contendere der glossenvorlagen (
s. ob.)
und durch die variante zilenten
der glosse: adnitentem ilantem Steinmeyer-Sievers 1, 4, 20.
das mhd. genitivzeugnis für die bedeutung zielen s. I A 2
a α.
im mhd. tritt ein sich ziln
sich erstrecken, eine richtung nehmen in beschränktem umfange auf, das vielleicht an den ahd. gebrauch anknüpft: und daz der strît sich zilte gein dem her mit maneger hurte Wolfram
Willehalm 28, 8; aldâ sich strîten zilde
jüng. Titurel 4027; 5578. I@A@1@bb)
die bedeutung streben nach lebt nach ersatz der genitivdurch eine präpositionalkonstruktion, allmählich seltener werdend, bis in die neueste zeit fort; die infinitivkonstruktion, im ahd. noch selten, wird häufiger: vil hôhes topels er doch spilt, der an ritterschaft nâch minnen zilt Wolfram
Parz. 115, 20; ahtzic küngen ist gezilt (80
könige streben nach) ûf die selben rîchait Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 13 504; unter ... brullenden lewen ..., die alle ... zielen, das sie uns zureiszen und fressen Luther 28, 163
W.; hab auch schon alleweil gezielt, folgends acht gülden zu erlangen
jedermanns jammerklage (1621) E 1
b; ich wil in ruh immerzu nach dem himmel zielen Rist
Parnasz 689; 423; weil dann alles lieben fhlet, himmel, erd zur liebe zielet
Königsberger dichterkreis 201
ndr.; alle regung und bewegung der welt zielt und strebt nach der begattung J. J. Chr. Bode
Montaigne 5, 183; Chr. Ew. v. Kleist 1, 235
S.; Brentano
ges. schr. 2, 511; und ich zielte, mir mit meinen münzen einen weg in ihren schlaf zu bahnen Rückert
ges. poet. schr. 1, 333;
in voller bedeutung noch bei Stieler: zielen
etiam est moliri, conari, contendere, elaborare, eniti 2617.
auffällig die ruhekonstruktion bei Seuse: Christus ist ... der natúrlich sun, wan sin geburt zilet in der natur, aber ... únser geberunge heiszet ein widergeburt, wan si zilet in einförmikeit siner nature 355
B.; underscheid ... enzwúschent dien menschen, die da zilent uf ordenlicher einvaltikeit, und etlichen, die da zilent ... uf ungeordneter friheit 327
B. den übergang zu 2
vermitteln belege mit ausdrücken, die auf das mitwirken des auges hinweisen: gein allen tugenden er mit râme zilde
jüng. Titurel 1109; mancher scharf ziehlet,wie er uns stiehlet bald einen kusz ohn unsern dank Voigtländer
oden u. lieder (1642) 29, 4. I@A@1@cc)
obd. sprachgebrauch knüpft an die ahd. bedeutung eilen nach einem orte an, wenn er zielen
für reisen, gehn, ziehen
oder gehn wollen
setzt: von Spanhain auch dar zilde (
zog dorthin) Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 16 912; im alter die haar grau oder weisz ... erinnern ... die menschen ..., dasz sie hinab zum grab und zum todt zilen Äg. Albertinus
hirnschleifer (1664) 47; dasz der Schwed ... auf die Schärnitz zihle v. Brandis
tirol. adler (1678) 223; dieselbigen landschaften, dahin sie (
die zugvögel) zielen J. Prätorius
winterflucht (1678) 395; bisz ihr an das ort, nach welchem ir zihlet (
reisen wollt), würdet hinkommen
disc. d. mahlern 2, 110; der dorthin (
in die kolonie) zielende Römer Niebuhr
röm. gesch. 2, 379; Stifter
s. w. 4, 1, 275; Hans zielte ... niederwärts seiner gemse (
die er geschossen hatte) zu Jak. Schaffner
meisternov. (1936) 345;
s. hierzu Heynatz
antibarb. 2, 668.
möglich scheint hier der anschlusz des bewegungsvorganges des zur tiefe stürzenden wassers: wasser, das alles über den hang ... niederrann und zu der tiefe zielte Stifter
s. w. 2, 250;
auch im folgenden beleg, wenn dessen pfeilvergleich nur auf die geschwindigkeit des wassers zielt: in groszer meng sie (
die quellen) mit gedräng wie pfeil vom felsen zielen Spee
trutznachtigall 26
B.; selbst dann bliebe der eindruck des pfeilschnellen eilens, wenn, wie im folgenden fall, das zielen
miszbräuchlich noch auf den schon fliegenden pfeil bezogen würde: wie die pfeil vom bogen zielen lief er (
der bach) ab auf nasser meil A. v. Arnim
w. 13, 169;
zutreffende belege für einen zielenden
pfeil s. 2
a β.
sinnvoll auch auf die in einer reise geschehende vorwärtsbewegung und auf wege, die diese vermitteln, angewandt: von dem forsthaus ab, wohin die reise zielte v. König
gedichte 208; wo sein weg auch hin mag zielen Brentano
ges. schr. 2, 448; Stifter
s. w. 2, 356;
nicht anders von fenstern, von denen man auch sagt, sie gehn auf die strasze: wessen fenster auf die heerstrasze zielen Scheffel
ges. w. (1907) 1, 180,
wenn auch hier der vergleich mit augen (
s. u. 2
a β)
nahe läge. auf eine bewegungsvorstellung geht nach sp. 1022
auch der begriff des sich erstreckens von geländeteilen zurück, daher denn zielen
in folgendem beleg wohl begründet auftritt: die berg und wäld fahen gemeinlich in gebirgen an und schweifen herumb in ein cirkel wider in sich selbst, zilen und neigen sich all uff Behemer berg und wäld S. Franck
Germ. chron. 455
a.
hierfür gelegentlich reflexive konstruktion: der Taurus trage viel und neue namen, nachdem er sich ziele
abentheur (1656) 20. I@A@22)
zielen als ein schätzen der entfernung, ein richtung nehmen und auf beides die für schusz, wurf oder schlag aufzuwendende kraft abmessen und einstellen. I@A@2@aa)
in eigentlichem sinne. I@A@2@a@aα)
konkret: die alte genitivkonstruktion noch an einem mhd. beleg übertragenen inhalts erkennbar: dîner hœhe und dîner breite, dîner tiefe antreite wart nie gezilt anz ende Wolfram
Willehalm 2, 1.
den vorgang des konkreten zielens, die tätigkeit von auge und hand, die verschiedenen arten, mit denen das geschosz oder die waffe bewegt werden, u. a. beschreiben einige belege, vgl. beim schieszen: ich mösz, ich zihl, mein pfeil schwing ich (
sagt der tod) Meichel
Bidermanns Cenodoxus (1635) 145
F.; grobkorn heiszt beim zielen das überragen des korns über die kante des visiers v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 392;
jetzt vollkorn,
das gegenteil ist feinkorn,
richtig gezielt
wird mit gestrichenem korn;
auge, zwei punkte am gewehr und der zielpunkt sollen eine gerade linie bilden, vgl.: wenn einer zwei absehen auf einer büchsen und das orth, dahin er zielet, in ein aug fassen musz L. Zubler
kurz. bericht (1607) 14; es zielt einer zu nieder, zu hoch oder zu seythen ..., dasz der schusz nicht zutrifft Lehman
flor. polit. (1662) 2, 777;
sprichwörtlich vom schalk mit ungewöhnlicher fähigkeit im zielen: aber wer sich kan zur seiten lenken ... und kan vor beiden augen zilen, der schalkheit underm htlin spielen Burk. Waldis
Äsop 2, 187
K.; collimare manum et oculos mit den henden und augen zylen oder auf das schwartz sehen und faaren Frisius
dict. 247
a; wer scharf nur zielt nach korn und knopfe, der trift: so sagt ein alter reim J. H. Voss
s. ged. (1802) 6, 238; er ... legte an und zielte
deutsche sag. 1, 200;
das ausrichten eines geschützes: so es zu hoch oder zu niedrig gezielet stünde, werden die stell- oder richtkeilen mehr oder weniger untergesteckt oder zurückgezogen v. Fleming
teutsch. sold. 63;
wurfgeschosse: mit scharfer blitzender lanze zielen die Troer, es starret der schild des helden von speeren grafen zu Stolberg
ges. w. 11, 179; J. H. Voss
Odyss. 408
B. (
ges. 22,
v. 265); Schiller 11, 277
G.; 14, 41
G.; stein: J. G. Forster
s. schr. 2, 128; sicher gezielt kam ein pantoffel durch die luft gewirbelt P. Alverdes
pfeiferstube 47;
kegelkugel: zielte vorsichtig, gab der kugel besonderen nachdruck — und sieben kegel lagen am boden Melch. Meyr
erz. aus d. Ries 3, 284;
von streichen und schlägen, auch stöszen: Moscherosch
insomn. cura 11
ndr.; mancher thut wie ein scheler fechter, der zielt zum kopf und schlägt auf die arm oder fsz Lehman
flor. polit. (1662) 2, 777; er entblöszt seine brust, sie zielt mit dem degen nach ihm
Shakespeare 9, 25;
ungewöhnlich vom sprung: sie (
die unsterblichen) gaben muth dem löwen ..., ... dem tiger zielenden sprung und dem rosse feuer grafen zu Stolberg
ges. w. 5, 26;
ebenso ungewöhnlich für das abmessen von entfernung, lage und güte von stand- und haltepunkten an der bergwand: Tscharner als führer ... ertastete halte, schlug stufen in den fels, rechnete und zielte Jak. Schaffner
meisternov. 331;
seltene fälle des zielens, mit einem fernrohr: Eichendorf
s. w. 3, 232;
mit dem wasserstrahl des schlauches einer feuerspritze: Karmarsch-Heer.
techn. wb.3 5, 638.
das wort steht oft für sich, da es genügend begrifflich bestimmt ist: er ... hat seinen bogen gespannet und zielet
psalm 7, 13; also hab ich gezielt vor zeiten und traf ein hasen von weiten H. Sachs 17, 196
K.-G.; zu psalm 58, 8
setzt er einen reflexiven dativ hinzu: mit iren pfeylen zilens in
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 65
b; es treffen nicht alle, die da zielen Stieler 2617;
mit bestimmendem adv.: gut zielen Diefenbach
gl. 613
a; doch will ich rathen, ziele gut, dasz du den apfel treffest auf den ersten schusz Schiller 14, 357
G. (
Tell III 3); und nacha werds summer, und na hoaszts fei zieln, da werd wohl der rehbock sei gwichtl verspieln Karl Stieler
ged. 4, 59
Recl.; G. Keller
ges. w. 6, 248; wohlgeziehlte schüsse
unterr. üb. d. bau d. gewehrs (1813) 58;
die richtung wird durch präpositionen bestimmt; das altgebräuchliche zu
ist im nhd. selten: ein bogen trifft nicht allzeit alles, wozu er zielt Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, S 8
a;
übertrag.: gut gespiel ziehlet auch zum ziel Lehman
flor. polit. (1662) 3, 135;
vorwiegend auf
und nach: wenn ich gewust hette, das so viel teufel auf mich gezilet heten, als zigel auf den dechern waren zu Worms, were ich dennoch eyngeritten Luther 15, 214
W.; mich deucht nit anderst warhaftig, als ob er gleich zielet auf mich H. Sachs 17, 161
K.-G.; die welt voll räuber wer, die in einem busch verborgen hieltn und auf reisende leute zieltn
jedermanns jammerklage (1621) C 1
a; wohin, wonach, worauf zielet er? Kramer
teutsch-ital. 2, 1461
c; er zielt mit der büchse auf den vogel Steinbach 2, 1091; auf einen zweck zielen Apinus
gl. n. (1728) 131; auf etwas zielen
intendere aliquid Frisch 2, 476
a; ihr (
der preuszischen krieger) bestes wild ist ein tyrann, drauf zielen alle mann für mann Schenkendorf
ged. (1815) 44; das sie (
die musketiere) recht nach dem ziel zielen Amos Comenius
janua (1644) 218; nach etwas zielen Kramer
teutsch-ital. 2, 1461
c; Frisch
n. dict. 688; er zielte nach einem hirsch Stahl
gewehrgerecht. jäg. (1762) 122; Adelung
2 4, 1710;
selten in,
aber regelmäszig ins schwarze: mein freund, ins schwarze zielt ein jeder, doch trifft es nur der rechte mann
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 203;
danach übertragen ins blaue
in unbestimmte ferne, d. h. nur ungefähr: die gewagten worte zielen ... ins blaue Jac. Grimm
kl. schr. 3, 6;
sonst noch am platze bei einem ungefähren zielen in eine menge menschen: (
ich) kehrte ... meine büchse gegen den feind und zielte in ein recht dichtes gedräng Göthe 43, 100
W.; ungewöhnlich der akkusativ der richtung, entstanden aus einem objektsakkusativ einer trans. verbindung etwas ins auge fassen: ein vogelrohr, das alles trifft, was ich ziele
kind.- u. hausmärch. (1812) 2, 135;
ebenso ungewöhnlich der objektsakkusativ für das geschosz: eine erbse, die ich ihm mit einem blaserohr in die perücke ziele Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 292.
waffe und geschosz werden in der regel mit der präposition mit
erbunden: welcher mit einem pistol nach einem ... kater zielet A. Gryphius
Horribil. 90
ndr.; mit dem spisze auf was zielen Steinbach 2, 1091; mit der büchse zielen Frisch 2, 476
a; Tieck
schr. 9, 253; und vettern, kinder eines vaters, zielen. mit dolchen zielen sie auf ihre brüste H. v. Kleist 1, 13
Schm. buchungen: mnd. telen
in späten denkmälern s. bei Schiller-Lübben 4, 521
b;
brem. wb. 4, 638;
dirigo ich ziel Alberus
n. dict. gen. f f 3
b; zylen, absähen wie die schutzen
collimare Maaler 536
a; Decimator
thes. (1608) 265;
nomencl. lat.-germ. (1634) 559; Stieler 2617; Kramer
teutsch-ital. 2, 1461
c; Ludwig
teutsch-engl. 2591;
u. a.; auch in den maa. das sprichwort behandelt meist den zusammenhang von zielen
und treffen,
z. b.: gut zielen ist gut, aber treffen gilt Wander 5, 582. I@A@2@a@bβ)
in freier oder bildlicher, übertragener verwendung; zunächst wird die waffe oder das geschosz in der hand des schützen und streiters als zielend
bezeichnet: wir ... stehn als unter eitel buchsen und spieszen, da sie alle auf uns zielen Luther 34, 2, 396
W., nicht sicher, da sie
auch auf die feinde gehn kann; ein kalter mörderstahl zielt dir nach dem genicke Henrici
ged. 1, 214; wie er dem schwerdt entweicht, das hitzig nach ihm zielet Joh. El. Schlegel
w. 4, 33; kein ort, der schutz gewähren kann, wenn meine flinte zielt Franz v. Schober
bei Böhme
volkst. lied. d. Deutsch. 448; G. Freytag
ges. w. 5, 207;
so auch der pfeil, solange er noch in der gewalt des schützen ist: nicht stummer kann der pfeil vom bogen zielen Cl. Brentano
ges. schr. 6, 281;
der bewegte gegenstand ist ein boot: mit weichem sand sich öffnet eine kleine bucht, er zielt hinein, den sand mit knirschen unten fühlt Paul Ernst
kaiserb. 3, 1, 132;
ähnl. übertrag. Lohenstein
Agripp. v. 334;
fachsprachlich: fichiren heist, wann ein stück schief zielet und an einen ort schief anschlägt Apinus
gl. n. (1728) 222;
verständlich beim blitz: häuser ..., nach welchen der blitz zielt U. Bräker
s. schr. 2, 187;
dichterisch: doch umsonst die küsse zielen, seine lippen nicht belebend Cl. Brentano
ges. schr. 3, 318.
vom stosz einer schlachtordnung: das mittel der armee ... spitzte sich in form eines kegels vornen zu und zielte gleichsam auf des feindes trennung Ziegler
asiat. Banise 670,
schon zu 2
b α überleitend; der richtung einer armee: die rote armee ... ziele ... auf Ostpreuszen Aug. Winnig
heimkehr 153.
sodann treten elementare oder abstrakte subjekte, z. t. mit neuartigen waffen auf, vgl.: gleich als ob die sonne ziele zu ihr mit vertrautem scheine Cl. Brentano
ges. schr. 2, 184; Neptun, der lasse freundlich spielen die wellen, dasz sie nicht mit brausen etwan zielen auf unser vatterland Rist
Parnasz (1652) 5; wo sonst durch holen grund ein stinkend athem zeucht, der auf die fersen zielt und in die nasen kreucht Logau 9
E.; o ich fühle, der todt ist mir nahe und zielet mir nach meinem hertzen
engl. comed. (1624) R 3
b; der tod zielt jetzt eben in meine verwandtschaft Vischer
auch einer 2, 419; weil er den zweck nicht in acht nimmt, darauf sein glücke ziehlt, geht alles den krebsgang Weise
erznarr. 48
ndr. bei persönlichen subjekten schwächt sich der begriff des verbums ab, wenn als geschosz hohn- und spottworte gebraucht werden und der schieszvorgang entsinnlicht wird, vgl.: Christus ist das tzill, das sich iderman anhengt, alles widdersprechen tzielet auf ihn Luther 10, 1, 1, 399
W., s. hierzu auch ob. ziel I 1
a γ; grosze herrn (
sind) die zielstatt oder scheibe ..., dahin jede böse zung zielet und treffen will Zinkgref
apophthegm. (1628) 1, 70; Herm. Schmid
gesch. aus Bayern (1861) 298; Hannibal wuszte wohl, dasz man den Römern nach dem herzen zielen müsse Leibniz
d. schr. 1, 227; o meine kinder! wie sie nach meinem herzen zielen! Schiller 2, 19
G. (
räub. I 1); Schupp
schr. (1663) 15;
ähnlich H. v. Kleist 2, 104
Schm.; vergeistigt: über den stoff hinweg (
mit dem denken) ins unirdische ... zielen Watzlik
d. alp 187; er kann nicht mehr über jahre zielen (
mit seinen plänen) Wilh. Schäfer
erz. schr. (1918) 4, 158;
indem nur das auge an dem zielvorgange beteiligt und höchstens der blick als geschosz verwendet wird: sein augen zieln uf den armen elenden P. Schede-Melissus
psalm. 40
ndr.; itzt rings umlegt han unsre stras, aug-zilen, mich zu stürtzen, trutzig 57
ndr.; sie (
die bienen) zielen scharf mit augen zum reichsten blümlein zart Spee
trutznachtigall 93
B.; die hände faltet sie, die lipp auch stille hielt, mit nassen augen stets hinauf gen himmel zielt D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 106; aus der braunen nacht der augen mich zwei sterne zielend trafen, die mir nie mehr untertauchen Cl. Brentano
ges. schr. 2, 188; der amme lied ertönte still, und nieder die winternacht mit kalten sternen zielet 1, 1;
mit ob. 1
b berührt sich: gleichwie ein grimmer wolf auf einen schafstall zielet, darin ein junges schaf mit seiner mutter spielet Godofr. Sacer
reime dich od. ich fresse dich (1673) a 3
b; auf etwas zielen
bedeutet schwäb. begehrlich auf etwas blicken H. Fischer 6, 1201. zielen,
so auf den sehvorgang eingeengt, tritt jetzt mit ausdrücken des sehens zusammen, z. b.: wann man hinauf schielet, zehlet und zielet Fischart
Garg. 30
ndr., aber das wort zielen
selbst die bedeutung schielen übernehmen lassen, wie es ostdeutsche maa. zu verlangen scheinen, wenn man ostpreusz. zielen, zîlen
schielen Frischbier 2, 493
a und obersächs. ziele,
f., blinzelnde person Müller-Fraureuth 2, 704
b heranzieht, geht nicht an; vielmehr ist durch einen ostdeutschen lautwandel š > ts (
neben ts > š)
bloszer zusammenfall von schielen
mit zielen
eingetreten. —
gar das ohr ersetzt noch das auge in der dichtersprache: in einem horchenden zielen Jean Paul 7, 66
Reimer. I@A@2@bb)
weiter rückt die vorstellung von den verhältnissen des sinnlichen zielvorganges ab, wenn sich I@A@2@b@aα)
eine absicht einstellt; zielen
besagt hier soviel wie es worauf absehen, es worauf anlegen, hinstreben nach, etwas bezwecken, auf etwas aus sein;
das völlige fehlen einer sinnlichen oder körperlichen bewegungsvorstellung verbietet die vereinigung dieses abschnittes mit ob. 1
b, er ist vielmehr aus der reinen zielanschauung abzuleiten, so dasz dieselbe bedeutung aus zwei quellen entspringt. die ausdrückliche nennung des finalen ausdrucks zweck
befördert den übergang in dieses begriffsfeld: ich ... habe mit meiner unternehmung zu gleichem zwekke gezielt S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäf. vorr. 3
a;
häufig, s. noch Chemnitz
schwed. krieg 2, 175; Heinichen
generalbasz 19; Hegner
ges. schr. 5, 156; Zimmermann
einsamk. 4, 368; alles, was uns dient, uns mit ihr (
der ewigen liebe) näher zu vereinigen, ist uns liebenswürdig, was zu diesem zwecke nicht zielt, gleichgültig Göthe 37, 170
W.; Schiller 4, 226
G.; im übrigen genügen die präpositionen auf
und zu
vor dem erstrebten wert, weil sich dieser leicht als der zweck und das ziel des strebens erkennen läszt, vgl.: als wie der zeitverdrusz mit schachbret, kartenspielen biszweilen wird gestillt bey denen, die nicht zielen auf gold und auf gewinn Logau 286
E.; 432; jeder wil beym weibernemen meistens auf die schönheit zielen 335; aller dieser eingeweide unerforschliche natur zielet auf des cörpers freude Brockes
ird. vergnüg. 2, 331; wann nur alles, was er thut, zu des reiches bestem zielt? Schönaich
Heinr. d. vogl. 12; alle seine reden zielten auf busze und bekehrung Jung-Stilling
s. schr. 6, 35; (
die) auf den ... vortheil Englands zielenden unternehmungen: Ranke
s. w.2 14, 36; er zielte auf einen lehrstuhl Gutzkow
ritt. v. geiste 9, 120; Mommsen
röm. gesch. 1, 462; immer zielt er auf das gute, immer übt er nur das rechte Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 81;
ein eigenes mittel, die absicht und den zweck zu kennzeichnen, ist der verbale ausdruck durch aktionsnomina und satzgebilde: man stöszt und schlägt und nennt ihn (
den hund) toll, ... doch alles dient zu seinem wol und zielt auf nichts als besserungen Hagedorn
s. poet. w. (1764) 2, 27; die regsten neigungen und triebe unsres geschlechts zielen auf ... das streben nach selbsterhaltung Herder 16, 45
S.; auf diese ausbildung des verstandes zielen fast alle gegenstände, die hier vorkommen Göthe 38, 346
W.; Ranke
s. w. 1, 58; der ... besuch ... zielte auf nichts anders, als das herz seiner ... tochter ... zu erforschen Klinger
w. 10, 45;
eigenartig: seine ansicht und sein leben wurde ohne sein zielen (
ohne angelegte absicht) über den grafen mächtig Jean Paul 23, 138
R. reich ausgebildet ist in diesem sinne der gebrauch der partikel dahin;
sie tritt in älterer sprache zunächst relativ auf und wird danach von wohin
abgelöst: das ist der zweck, dahin wir sollen sehen und zielen Luther 16, 145
W.; die vereinigung ... der gemther und waffen, wohin der ... könig gezielet Chemnitz
schwed. krieg 2, 7; mein zweck, wohin ich ziehle Ad. Olearius
reisebeschreib. (1656)
vorr. 2
b; Ramler
einl. in d. schön. wiss. 2, 126;
dem steht das fragewort gleich: wozu dient es, wohin zielt es? Logau 403
E.; wohin zielet die klage? Weise
polit. redn. (1677) 20; merkte ... gar wol, wohin dieser schertz zielete Joh. Riemer
polit. maulaffe 142; vom weiblichen herzen wissen frauen immer, wohin es zielt Gutzkow
ritt. v. geiste 3, 68;
vielfach; auch einmal passivisch (
kaum zu I B 1
zu stellen): ich weisz, wohin es gezielet ist
à che si mira, si tende Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a. dahin
weist entweder auf den gedanklichen zweck zurück, wie in folgenden fällen: eben dahin ziele ich, ich habe durchausz kein anderes absehen als dieses Rist
friedejauchz. Teutschland 220; Stranitzky
ollapatrida 62
Wien. ndr.; dahin (
vor täuschendem glück zu warnen) zielen so viel ... sittensprüche der Griechen Herder 15, 418
S.; Göthe 40, 207
W.; meine regierung wird ihnen einen dahin zielenden entwurf vorlegen Bismarck
polit. red. 4, 65;
zu dahinaus
erweitert: dahinaus zielte deine theilnehmung? Schiller 3, 47
G.; oder es wird durch eine nachfolgende satzkonstruktion aufgenommen: ihres königs ... absehen dahin zielete, Parthien und Medien ... unter seine beide ältere söhne zu vertheilen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 101; als wenn unser nachdenken dahin zielet, ... eine vermengung ... anzudeuten Schottel
haubtsprache 95; was nur dahin zielte, ihn aus seiner trauer zu ziehen Jung-Stilling
s. schr. 1, 59; Kotzebue
s. dram. w. 1, 57; ziehlet unser ... absehn ... dahin, dasz man das ... vertrauen ... wieder aufrichte Neumark
palmb. 102; weil meistens dahin geziehlet wird, dasz man copiam verborum erlanget Weise
polit. redn. 4; dessen vorhaben ... allein dahin zielet, damit er den gemeinen frieden ... verrücke Schupp
schr. (1663) 557; leib und seel hab ich verspielet, drumb der teufel dahin zielet, wie er mich zum schlaven mach seines reichs David v. Schweidnitz
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 1, 375;
Reinicke fuchs (1650) 198;
wörterbücher: seine rede zielet dahin
oratio eius tendit eo Stieler 2617; alles zielet dahin, dasz Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a; Steinbach 2, 1091; Frisch 2, 476
a; Campe 5, 864
b. I@A@2@b@bβ)
weniger häufig ist die folge oder der hinweis auf etwas oder jem. ausgedrückt: Adams sündliche begier mag sich an der lust vergaffen, die in Sodoms häusern spielt und auf tod und schande zielt J. Chr. Günther
ged. (1735) 7; so merket denn, dasz dieses leben auf eine lange zukunft zielt Drollinger
ged. 23; ein bunter haufen von einfällen, die, nur vom geiste eines geistes belebt, nach einem ziele zielen Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 2, 197
M.; alles zielt auf wahrheit und gesunde vernunft Ramler
einl. in d. schön. wiss. 2, 172; meine hoffnung zielt auf das eintreten der winterruhe Stifter
s. w. 21, 312; denn was ich zu melden habe, zielt auf ihn zumeist Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 334;
hierher noch: weil ... kraft deren (
verträge) die nachfolg auf höchsternentes haus zihlte v. Brandis
tirol. adler 120. I@A@2@b@gγ)
ein hindeuten, eine anspielung besagt schlieszlich zielen auf (nach),
auch meinen, bedeuten, besagen, ferner vorbedeuten drückt es aus; ausgeht diese wirkung von anzeichen, mienen, bes. aber worten; dem meist versteckten und dunklen aussehen und sinne liegt eine geheime bedeutung unter; vgl. hierzu Heynatz
syn. wb. 1, 192
a; Maasz-Eberhard
synonym. 1, 61;
belege: der vollmond erglanzet den 11. disz zu nacht nach halber 8 uhr im krebsen, zilet auf schneewolken und rauhe luft
bei Birlinger
augsburg. wb. 439
b; mir schwitzt die stirn, das zielt auf feuchte zeit Grillparzer 8, 143
S.; mit diesen worten zieleten sie auf mich Grimmelshausen
Simplic. 227
ndr.; Neumark
palmb. 460; nun folgen drei capittel, welche hieher zu zielen scheinen A. v. Franckenberg
gemma magica (1684) 10; Leibniz
d. schr. 1, 436; auf etwas zielen (
in der rede) Kramer
teutsch-ital. 2, 1461
c; (
der ausdruck) sprung zielet nicht auf die zeit, sondern auf den zusammenhang der dinge Chr. Wolff
vern. gedank. 376; ohne zweifel hat der poet mit den dreyen ersten zeilen auf den bekannten vers des Horatz gezielet Bodmer
crit. poet. schr. 1, 95; die wörter methode, gout oder gusto werden insgemein verwechselt oder ... gar zu einer sache gebrauchet, worauf sie garnicht zielen J. A. Scheibe
crit. music. 121; sie werden wol wissen, worauf ich ziele Schiller
br. 1, 135
Jon.; wohin zielt das? auf das acheloische füllhorn der späteren fabel? J. H. Voss
antisymb. 1, 59;
alludere auf etwas zielen,
alludieren in der rede Castelli
ital.-teutsch. wb. 1, 33
a; du darfst ... nicht glauben, mit obigem dummkopf hätt ich wollen nach dir zielen Holtei
erz. schr. 15, 82; worauf er zielte, stichelte und anspielte Fr. L. Jahn
w. 2, 262
E.; auf astrologische dinge zielende wandbilder Ritter
erdkde 1, 729; diese geradeaus auf ihn zielende wendung des gespräches Laube
ges. schr. 2, 153; ich dachte daran, dasz er durch seine vorfahren mit diesem boden verwandt sein könne, und unterbrach seine arbeit mit einer dahin zielenden bemerkung Aug. Winnig
d. weite weg 350;
in mundarten: dad ös ob meisch (
auf mich) gezillt
gemünzt, angespielt Christa
wb. d. Trier. ma. 224
a; wo zielt 'n der hin?
was hat er im sinne? wen meint er? Müller-Fraureuth 2, 704
b. I@A@33)
mit derselben sonderentwicklung wie zieler 1
b im bairischen: zilen
die auf die scheibe gefallenen schüsse markieren und anzeigen Schmeller-Fr. 2, 1114; Schöpf 829; Weinhold
schles. wb. 2, 109
b. I@BB.
in die transitive teilgruppe, für welche ob. die grundbedeutung zum ziel setzen erschlossen ist, gehören, der bedeutung von ziel I 2
und II
entsprechend, einen ort oder grenze und, daraus abgeleitet, ein masz setzen, stecken, bestimmen und zweitens einen zeitpunkt oder eine frist festsetzen, setzen, bestimmen; objektswechsel führt zu gegenständlichen objekten, so dasz sich die bedeutung begrenzen ergibt. I@B@11)
ein mal setzen, ein reiseziel oder einen weg weisen: erbarmede hâst du daz hôchste mâl gezilt Boppe
bei v. d. Hagen minnesing. 3, 405
b;
metare mal seczen, zilen Diefenbach
gl. 359
b;
limitare n. gl. 235
b; zilen
markstein setzen, terminare, enden Maaler 522
a;
dieser unterstreicht eigens die tätigkeit des messens bei der grenzsetzung: zilen, ein zil setzen
praefinire, determinare, metiri 522
a; gefuoren hundert mîle daz mer, als in was gezilt Konrad Fleck
Flore 3295; den wart berihtlich gezilt in daz lant ze Garmiler Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 7690; diu szze minne in zilen natrlich wart die rehten trift 1688;
an den letzten beleg schlieszt sich der bis zur frühnhd. zeit reichlich belegte gebrauch von jemandem zielen
jemand einen ort zum stelldichein angeben, s. hierfür den besonderen abschnitt unt. B 2
a. im anschlusz an ziel I 2
a β findet zielen
ferner als der fachausdruck für die private und öffentliche grenzmarkierung und -ziehung und verwandtes verwendung, be-, abgrenzen, der acker, die gemarkung und das weichbild sind objekt: westert scheidet si der Rin, nordent dú Elbe als sie noch gat, dú die marche undirscheidin hat und ir gezilte marche git Rudolf v. Ems
weltchronik 2234; als es do wart mit marckstecken gezilt (1302)
bei H. Fischer 6, 1201; by den zylenden boumen
bei Buck
obd. flurnamenb.2 307; so han wir die güter ... gezielt, als wir och hant gehöret und gesehen an iren hantvesten (1318) Schöpflin
Alsat. diplom. 2, 121; das (
land Kanaan) werde gezilt (wirt geendet
Zainersche ausg.; sol ... seine grentze haben Luther;
his finibus terminabitur) in disen enden
4. Mos. 34, 2
erste dt. bib. 4, 125;
horizon nostrum aspectum definit marchet oder zilet Frisius
dict. 377
a;
vgl.: eim ein eyngezilte wonung geben oder eim ein ort verordnen, darausz er nit möge kommen
circumscribere locum habitandi alicui ebda 226
a; wan dan des höchsten reich so weit, dasz weder himmel, ort noch zeit es gränzet, zihlet noch bedöcket Weckherlin
ged. 2, 82
F.; ouch hât diu gotlîchiu maht den liehten tac, die trüeben naht gezilt und underscheiden mit der sunnen louft in beiden Wolfram
Willehalm 2, 11;
bilder von turnier u. a. ritterlichen wettkämpfen hatte dieser dichter geschaffen; vgl.: einen turnei alsô gezilt (
abgesteckt, eingerichtet), des manegen zagen noch bevilt
Parzival 60, 11; sît daz sîn herze nie verdrôz, sîn dienest wære gein in (
frauen) sô grôz, daz vor andern sînen genôzen was gezilt und gestôzen sîn hôher prîs sô verre vür
ders., Willehalm 378, 22;
vgl. noch dess. lieder 9, 25;
abgrenzen gegen, zusammenstellen mit, vergleichen mit: daz man gein liehter varwe zilt, daz begunde ir ougen süezen
Parz. 244, 4;
andere belege s. teil 4, 1, 4, 7061;
beim zutrinken angeben, anbieten, d. h. vorkommen: ein guot gesel dem andern zielt: gantz usz das glas oder vier stein! Murner
schelmenzunft 63
ndr.; danach, wie ziel I 3
b δ,
im bereich von zahl und masz: das munster was edler leut voll, der graven und der ritter was gar vill, das man ir niht konde alle geziel (
zählen) Joh. Rothe
Elisabeth 2, 2099
Mencken; mensus gemässen, gezilt Frisius 818
b;
zumessen: ze rîcheit ist dir wunsch gezilt (
das höchste bestimmt) Wolfram
Parz. 252, 8; der mir hât laster vor gezilt (
zugedacht) 304, 29; wenn ain man üt buwen wil, so spricht er: lieber maister, nun zil (
mach einen überschlag), bedarf ich vil zuo disem ding?
des teufels netz 10 682; so denkt der arm, wan du nit wilt, vileicht hat im der ander zilt (
seine dienste angeboten) (
elsäss.)
Alemannia 7, 171.
von der bedeutung einen grenzstein, eine marke setzen leitet sich her die stelle für einen gegenstand festsetzen, den gegenstand an einer stelle anbringen, befestigen: eintweder ûf helm oder ûf den schilt nâch Ilinôtes wâpen gezilt Wolfram
Parz. 383, 4; 662, 14; nach dem ze næhst was gezilt ain diamant an dem ringe Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 3962.
da in I A 2
intrans. konstruktion gilt, musz gegen teil 4, 1, 4, 7062
auch der folgende fall hier untergebracht werden: her hête im einen slac gezilt (
versetzt) Heinrich v. Freiberg 5609
Bernt; und da unter II
eine anknüpfung fehlt, auch: ob ich den iendert vunde, der mir verhiuwe mînen schilt und mir den heln verrœte, daz er ze stucken wurde gezilt (
gehauen)
Eckenlied 16, 9
Zupitza; bêdiu brünne unde schilt daz wart allez enzwai gezilt
altd. bll. 1, 338;
dann ist auch die konstruktion mit einem prädikatsadjektiv hier anzubringen: denselbigen seiner zusage wider ledig zu zielen (
machen) Kirchhof
milit. disc. 58;
ders., wendunm. 2, 382
Ö.; uwer begerunge ist, sie solichs gefengnis ledig zu zielen (
Frankf. 1432)
bei Diefenbach
hoch- u. nd. wb. 913;
an ob. einen weg weisen läszt sich anschlieszen die bedeutung richten, ausrichten: damit mein thun und tichten sey eintzig und allein geziehlt dahin, wo mir dein wort befiehlt Neumark
poet. u. musik. lustwäldch. (1652) 10;
noch leichter gerät die verbindung im folgenden falle: will dich ein heylig erhören und gesund machen ..., so zielt (
weist) er dich nicht auf sein grab, sondern das ziehl steht in deim hertzen Paracelsus
op. (1616) 1, 105
c Hus. schlieszlich den begriff grenze auf eine handlung, ein werk anwendend: determinare zilen, enden, vollenden Frisius
dict. 402
b.
aus derselben vorstellung der abgrenzung scheint auch die ahd. glosse zilta Steinmeyer-Sievers 2, 437, 22
zu dem worte tangit bei Prudentius peristephanon 11, 98
ableitbar zu sein: temonis vice funis inest, qui terga duorum (
iumentorum)
dividit et medius tangit utrumque latus. I@B@22)
ort und stunde eines stelldicheins oder überhaupt eines zusammentreffens bestimmen; die ortsangabe verwendet die richtungsbezeichnung oder ein gleichwertiges satzgefüge, die zeit sowohl diese wie auch das akkusativobjekt; für die person steht der dativ. I@B@2@aa)
den ort; hierher wohl die unsichere ahd. glosse zile
für convocet oder vocabit Steinmeyer-Sievers 2, 148, 74;
vgl. hierzu Graff 5, 657; Schmeller-Fr. 2, 1114; Voellus-Justellus
bibl. juris canonici veteris 733; an die stat ..., do die ... keczer ... dohin dem volk gezilt hetten zu kómen Joh. Hartlieb
Cäsarius dial. miracul. 217
Dr.; an die stat, da er hin dem teufel gezilt ... het (
Nürnb.)
städtechron. 11, 673; si tut mir gar oft zu ir zilen
fastnachtsspiele 116; 111; 153; 653;
oft; dem hett sy haym gezilet
liederbuch d. Hätzlerin 96
a; Hannibal ... kam bei nacht für die statt an das ort, dahin ihm die zwen ... zilt hetten Carbach
Livius 137
a; dem hab ich zilt in den thiergarten H. Sachs 12, 260
K.-G.; 13, 6; 17, 13; Wickram 1, 259
B.; trans. in bezug auf die person: als er eins tags nach seinem brauch auf des ammeysters stuben spielet, von etlichen bürgern hingezielet H. Sachs 9, 298
K.; mein her der wirt von mir gezilt, ee heint die glocke schlecht acht
pfarrer v. Kalenberg 852
ndr.; mehr belege bei H. Fischer 6, 1201; Ch. Schmidt
elsäss. wb. 441
a; Schmeller-Fr. 2, 1114. I@B@2@bb)
zeit und stunde: und hât dir alsô gezilt, daz du maht komen, wenn du wilt Hans v. Bühel
Diokletians leben 7872
K.; bis ich im heint gezilet hab, ze chomen zum garten hinab
liederbuch d. Hätzlerin 292
a; der mir gezilt hat, uf huit in mein hus ze komen Neidhart
Terenz 38; (
Nürnb.)
städtechron. 11, 645;
fastnachtsp. 731
K.; H. Sachs 3, 37
K. ältere belege zeigen noch den objektsakkusativ für die zeit, auch die frist: dy susze minnikleiche zile mir den werden tag, aller salikait pejag Heinrich v. Neustadt
Apollonius 2044
Si.; do nun die zeit kam, die im sein muter vorhin het gezilt (15.
jahrh.) Schmeller-Fr. 2, 1114; aber zilt er in einen tag (
praefinit; endet er 1475; bestimpt er ... einen tag Luther)
Ebr. 4, 7
erste dt. bib. 2, 248; sô sî daz zil dâ hin gezilt über sehs wochen oder ê Ulrich v. Türheim
Tristan 510, 14
Massm.; nach ausgang der gezielten zeit Eschenloer
gesch. d. st. Breslau 1, 178; auf den gezielten zahltag H. Rätel
Curäi chron. v. Schles. 474;
auch für die schuldzahlungen u. a. geldliche verpflichtungen (
s. ziel II 1
c γ): den was ir solt alsus gezilt, volleclîchen zwei jâr Wolfram
Parz. 210, 16; wenn er dieselben (
schuld) ziele (
ihm aufschub gebe) G. Blarer
br. u. akt. (1530) 1, 151;
acta publ. d. schles. fürst. 1, 25
P.; sy (
die herren) kynnent under dem htlin spilen, nüt bezalen und vil zilen Murner
narrenbeschwör. 173
ndr.; mit präpositionalem ausdruck: dem hat man herwider tzilt auf unser frauen tag lichtmess schirst (
Nürnb.)
städtechron. 2, 90;
dabei ein akkusativ der person: um derentwillen wir auch unsere schuldgläubiger bisz dahero auf die erndt zielen (
vertrösten) ... mieszen (1651)
bei H. Fischer 6, 1201;
objekt ist eine andere terminmäszige handlung: da die sittenrichter ... ein ... purgation ... in der stadt Rom zyelten Eppendorf
Plinius 30; die gefangenen zielen
sehr knapp, sehr kurz, anscheinend auf deren austausch oder rückgabe bezüglich: dieweil in dem fridbrief stunde, dasz die gefangenen in zeit des fridens gezielet sollen werden, und nicht darin benant ist, auf welchen tag das beschehen soll B. Hertzog
chron. Alsat. 5, 28;
bis in die moderne ma. hinein dauernd: en uhr, die redlich zilt
die zeit richtig angibt Schmeller- Fr. 2, 1114. IIII.
aus der grundbedeutung des zweiten astes etwas passend, brauchbar machen flieszt unmittelbar der gebrauch als ein ausdruck der ackerbestellung, -bebauung; weiter ergibt sich daraus früchte und haustiere züchten und zuletzt kinder erzeugen und er- und aufziehen. II@11)
den acker, das land bebauen; nur ein beleg in hd. sprachform, aber nd. herkunft: arare aeren, zielen, zackern, uben, bauen, pflgen Schöpper
syn. 77
a Sch.-K.; viele im mnd. wb., vgl.: un al de lüde, de uppe dessen gode un erve wonet, un dat telet un bowet (1354)
bei Schiller-Lübben 4, 522
b (
s. d.),
in der regel in der zusammenstellung telen unde buwen;
ebenso bei Verwijs-Verdam 8, 202;
colere agrum, exercere tellurem Kilian (1777) 665
a H.; afries. tilia Richthofen
wb. 1085
b;
nicht mehr nnd. und ndld. II@22)
früchte, pflanzen erzielen, hervorbringen, erzeugen, züchten: Heliand 2543 (
zit. teil 4, 1, 4, 7060); alle ersten vruchte des kornes, de de erde teleth
4. Mos. 18, 13
Lübeck. bib.; vruchten telen G. v.
d. Schueren
Teuthon. 394
b Verd.; sol der bestender ... nicht abhawen oder auszgraben baum, die er in dem bestanden guot die zeit seiner bestentnung gepflanzt oder gezielet hette
d. st. Worms reformat. (1513) 62
a; kOell ..., so wir ... im garten zilen Bock
kräuterb. (1539) 2, 43; Tabernämontanus (1588) 2; Ryff
spieg. d. gesundh. (1544) 166
a;
bulapathum groszlendikraut oder groszmangelwurtz ..., so man in gärtnen zylet oder pflanzet Frisius
dict. 166
b; die bauren, die da weiden und felber zielen Paracelsus
chirurg. büch. (1618) 239
c Hus.; sehr häufig; er (
der spielplatz) samet und zielet sich selbst Kirchhof
milit. disc. 136; Rist
Parnasz 85; Joh. S. Elsholtz
gartenbau (1672) 19; stabwurtz wird in Braband in den gärten gezielet Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1, 550
b; junge pflantzen, bäume zielen Ludwig
teutsch-engl. 2591;
Noel Chomel 8, 416;
als obd. verzeichnet Adelung nelken aus samen zielen
ziehen, viel getreide zielen
bauen 2 4, 1710;
elsäss. e baum bitz ans dach zielen
einen spalierbaum bis ans dach wachsen lassen Martin-Lienhart 2, 902
b; saadwark telen
samen von küchenkräutern und gartengewächsen ziehen brem. wb. 5, 50; dat land têld fl kôrn ten Doornkaat-Koolman
ostfries. wb. 3, 401
a;
darüber hinaus in den mundartwörterbüchern nicht verzeichnet. H. Fischer 6, 1201
bietet nur ältere belege; vgl. noch: viel biehnen, so honig in den baumen zielen (
Frankf. 1590)
bei Diefenbach
hoch- u. nd. wb. 914. II@33)
zeugen, ziehen, aufziehen. II@3@aa)
zeugen, gebären: daz kint sult ir dâ geziln Otte
Eraklius 248
G.; ein ware got, ein war mensch ouch von siner gotlichen art in der megede gezilet wart Heinrich v. Hesler
apokalypse 15 938;
Daniel 7927;
Hiob 1252; 1301;
erlösung 2786
M.; Seifrit
Alexander 402; 575;
histor. d. ald. e 326; alle volck und geschlecht der menschen, das nahet bei der sonne gezilt und geboren wirt, das wirt durch die hitze der sonnen verzeret und gederret Flav. Vegetius Renatus
v. d. rittersch. (1511) A 4
a; dasz er von einem priester und einer ledigen frauen gezielet Chr. Zobel
sechsisch weichbild- u. lehenrecht (1537) 125
a; er spricht: du bist mein lieber son, an dem ich wolgefallen han, heut hab ich dich gezielet Burk. Waldis
psalter (1553) 26;
ders., Äsop 3, 24, 23; 3, 61, 14; Zach. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 206; gleichwie ein kind aus der eltern samen im mutterleib gezielet wird Mathesius
Sarepta (1679) 122; klosternonnen, so kinder gezehlet hatten Steph. Isaak
s. leb. 107
Rotscheidt; viele alte belege bei H. Fischer 6, 1202; Schmeller-Fr. 2, 1114;
reichlich im mnd. bezeugt, s. Schiller-Lübben 4, 522
a;
brem. wb. 5, 50; hê hed gên kind têld, sê têlde nôit gên kinder ten Doornkaat-Koolman 3, 401
a;
von tieren und menschen bei Mensing 5, 39;
auch im mndld. und nndld. — sie (
die wilden bienen) werden gezielt oder erschaffen ... Fischart
binenkorb 263
a; affen, deren viel in den bergen gezielt werden G. Schwarzkopf
Herodot (1593) 226; (
der Nil) zielet ... das zu wasser und land hochgefährliche thier, den crocodil Schupp
schr. (1663) 409;
ziehen, züchten: das man junge vögel von inen (
zur lust gehaltenen vögeln) zilen wolte Sebiz
feldbau 117; zillen
tiere aufziehen, züchten Follmann 558
a; Christa
Trier. wb. 224
a;
frei in bezug auf sub- und objekt: (
Europa) ziehlt und erhelt in allen landen und städten verständige und gelährte leuthe Pet. Uffenbach
Atlas minor (1609) B 1
a; die zeit zielet gute regenten Lehman
flor. polit. (1662) 2, 936; alle ding, wie die sein gezilt (
er-, beschaffen), lobt ainer, der ander si schilt Vintler
blumen d. tugend 3560; Sleidanus
red. 40
B.; der Sathan ... hat ... sein laster auch hiebey gezylet Paracelsus
opera (1616) 1, 105
b Hus.; sintemahl die natur selbst ein solche ... anmuth ... von unserer geburt an in uns gezielet Zinkgref
apophthegm. (1628) 1,
vorrede ** 3
b; dann ... wird diese (
die hohheit des regenten) wol bewahret, wann sie liebe ausz nicht allzugroszer willfährigkeit und keine tyranney ausz allzugroszer strengigkeit zielet Schupp
schr. (1663) 556; all sang und klang, all ton und schall in dir gezielet werden Spee
trutznachtigall 116
B.; haar und bart lang wachsen lassen: die Chinesen zielen ein langes haar
abentheur (1656) 919; sie haben aus stoltz lange bAert gezielt Dippel
orthodoxia orthodoxum (1697) 165;
produzieren, tragen: bey den heydnischen fasnachten die mannsbild lange weiberzöpf zielen Dannhauer
katechism.-milch 2, 431;
nd.: de klepsche tunge ... telet alle arch to manger stunt
bei Schiller-Lübben 4, 522
a; me schal sik hoden vor aller grover derte vlesch, wente se telen an den lichammen grove vuchticheyt
ebda; ên sünde têld de andere ten Doornkaat-Koolman 3, 401
a;
auch intrans.: hir telede en nyge orloch an (
fing an)
bei Schiller-Lübben 4, 522
a;
buchungen und maa.: generare telen Diefenbach
gl. 259
c;
gignere kinder telen, tielen 262
b;
progenitus gezilt 463
c;
gignere telen
n. gl. 192
b;
gignere gebieren (!), zilen, zeugen Schöpper 58
b Sch.-K.; pubes mannbar ..., der gebären, zielen kan Apherdianus
method. disc. (1601) 153; zielen
kinder zeugen Hulsius-Rav. (1616) 431
a;
generare, gignere kinder zielen Stieler 2617; Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a; kinder zielen (
veraltet) Adelung
2 4, 1710; zielen
zeugen nennt Heynatz
antibarb. 2, 668
noch veralteter als erzielen; kinder zielen Bauer-Collitz 184; telen, tielen
zeugen Stürenburg 279
a; 281
b. II@3@bb)
auf-, erziehen, ziehen: sucht ein fleisziger schuolmeister ... saubere schreiber, so wolen gute rechner zu zilen, damit er ... ruhm erlange (1635)
bei H. Fischer 6, 1202; mer meechde ne früej ziele for zuem studdiere
anleiten Martin-Lienhart 2, 902
b;
veraltet für erziehen, aufziehen Steinbach 2, 1092; dat kend es nit gezilt
erzogen Follmann 558
a;
kinder, tiere, pflanzen aufziehen, züchten Christa
Trier. wb. 224
a; wann ê wöllt kanner zillen, dârf ên d rutt net spu
eren (
sparen)
lux. wb. 504
b; zillen
aufziehen, züchten, bauen A. Bertrang
Areler ma. 443.
vgl. noch: so werden ir die ssze diser holdseligen bchlein ... flen und hoch zilen Fischart
Garg. 23
ndr. IIIIII.
grammatisches. III@11)
infinitiv: drumb heists, der bog trifft nit allzeit pas, dem er mit seim zilen dreut Eyering
proverb. copia (1601) 2, 500; gewöhne dir ... das lange zielen nicht an Stahl
gewehrgerecht. jäg. 118; nach zu tiefem zielen J. A. Naumann
naturgesch. d. vög. 9, 717; sein zielen Grillparzer 1, 201
S. III@22)
partizip präteriti gezielt
s. teil 4, 1, 4, 7061
ff. III@33)
zusammensetzungen: (
zu I) ab- (
teil 1, 159), an- (1, 529), aus- (1, 1040; Schmeller-Fr. 2, 1114), be- (
teil 1, 1801; Schmeller-Fr. 2, 1114), er- (
teil 3, 1094), verzielen (Schmeller-Fr. 2, 1114; H. Fischer 2, 1431); (
zu II) be- (
teil 1, 1891), erzielen (
teil 3, 1094).