ziel,
n. herkunft und verbreitung. gemeingerm., aber nur im hd. voll ausgebildet; nebenher läuft eine adjektivbildung. got.-run. tilarids
zum ziel strebend als speername, aus dem got.-nord. früh entlehnt finn. tila
gelegenheit; Wulfila
gebraucht wahrscheinlich nur das adj., auch Luk. 6, 7
ἵνα εὕρωσι κατηγορίαν αὐτοῦ ei bigeteina til (
gelegenheit) du wrohjan ina,
ferner gatils
εὔκαιρος,
passend, adv. gatilaba
εὐκαίρως,
zur rechten zeit; ein adj. til
tauglich, gut besitzt auch das ags. und til
gut das afries.; dazu das as.-ingwäon. adv. atela
unpassend, unangemessen (ni atela attedun
non ab re putavimus Merseb. gloss. bei Wadstein 71
b, 3).
die nord., ags., afries. präpos. til,
die germ. tô
zu verdrängt hat, gilt wegen des genitivs, den sie im nord. und ags. regiert, gewöhnlich als verkürzte substantivfügung, doch wäre auch adjektivische konstruktion als ausgang denkbar, und nahegelegt wird diese durch den im afries. nach til
gebräuchlichen dativ. das subst. zeigt sich im altnord. in den zss. aldrtili
lebensende und útili
schade. das ahd. weist nur einen glossenbeleg des 8./9.
jahrh. cil
destinatum Graff 5, 658
auf; daneben kommt, etwas mehr bezeugt, ein schwaches, einmal stark flektiertes fem. zila
studium, genus ebda (
s. auch I 3
b β und zielen)
vor. reich entfaltet sich zil
in der mhd. periode, worauf im nhd. nachlassen und einengung folgt. das gesamte nd. gebiet hat sich des wortes entledigt und ersatz an anderen ausdrücken gefunden; allein die Halberstädter bibel von 1522
führt es aus dem md. nachbarbezirk an der stelle 1. Sam. 20, 20 (alse ick tho eynem tele schOete)
wieder ein, wo die Kölner teken
und die Lübecker das heimische ersatzwort mal
gebrauchen; aber Hiob 16, 12
hat auch die Halberstädt. bibel teken;
und auch in der md. gefärbten nd. Brandanlegende 560
Sch. erscheint til (
zit. I 3
b δ).
ebenso ist das spätmnd. til, tel
als einfuhr aus dem hd. zu verstehen. als lehnwort tritt tsiel
und tsijl
im Teuthonista des Gerd v.
d. Schueren (407
b Verd.)
auf. im ndld. lebt nur eine aus dem verbum abgeleitete form tele
f. (
s. zielen).
den obd. maa. ist nirgends der ganze begriffsumfang der mhd. und frühnhd. periode bewahrt geblieben, am weitesten erscheint er noch in den alem.-schwäb. maa.; reste halten sich in teilen des md.: auszer dem luxemb. (
s. u.)
hat nach der angabe der wörterbücher nur das obersächs. (
s. I 2
b δ)
an dem worte anteil. im thür.-mansfeld. raum war ziel
zu Luther
s zeit kaum ein volksläufiges wort, s. hierzu unt. I 1
a α und I 2
a α.
sichere verwandtschaft hat sich im idg. nicht auffinden lassen; am ehesten läszt sich eine beziehung zu der wurzel von zeit (
s. sp. 523)
herstellen, auch kann man zeile
naherücken. form. im obd. ist nach der aussage der mundartlichen sprachverhältnisse der stammvokal des singulars mit beginn der nhd. periode als gedehnt anzunehmen, wenn sich auch die mhd. schreibung zil
noch lange hält. zihl
schreiben Weckherlin
ged. 2, 113
F.; 2, 152; 317; Rompler
erst. geb. reimget. 104; 147; Meichel
Bidermanns Cenodox. 132
F.; A. a
s. Clara
n. pred. 225
Bertsche; gelegentlich auch Zesen
adriat. Rosem. 6
ndr. neben der obsiegenden schreibform ziel
begegnet auch ziehl: Elis. Charl. v. Orleans 3, 93
H.; Paracelsus
op. (1616) 1, 195
c Hus.; P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 351
a;
Königsb. dichterkr. 38
ndr.; Drollinger
ged. 23.
kürze bewahrt der fränk. bezirk: zill Hutten
op. 4, 268; Th. Höck
blumenfeld 83
ndr.; Laz. Spengler
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 49;
seltenes zill
bei H. Sachs 22, 106
K.-G. könnte für heimische kürze sprechen. auch Luther
mag zill,
wie er 10, 2, 385
W.; 11, 266; 18, 69
u. öft. schreibt, gesprochen haben, hat sich dann aber der obd. aussprache in dem häufigeren ziel (
so 14, 20
W.; 16, 300; 30, 2, 224)
gefügt. diphthongischen lautwert besitzt das aus brechung vor l
entstandene ie
in ndalem. texten: ziel Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) B 3
b; ziehl Moscherosch
ins. cura par. 30
ndr.; s. hierzu V. Moser
frühnhd. gramm. 1, 1, 130.
die über das mhd. hinaus fortbestehende endungslose form zil
des nom. und akk. plur. hat im obd. kurzen vokal, vgl.: zwai zill (
Augsb.)
städtechron. 5, 9;
auf zimliche zil Stumpf
Schweizerchron. (1606) 377
a; gewisse zil und marckstein Heyden
Plin. (1565) 450; die zill und march (
salzb. 17.
jahrh.)
österr. weist. 1, 194.
für die bedeutung zahlungstermin und bes. abschlagszahlung (
s. II 1
c β;
γ),
selten für grenzpunkt (I 2
a α;
auch b α)
tritt später eine pluralform zieler
auf, während sich im übrigen für den plur. ziele
durchsetzt. obd. texte des 15.
und 16.
jahrh. fügen -e
auch dem nom.-akk. des sing. an: sein zile Richental
chron. d. Const. conz. 43
a; ein zile (
Straszb.)
städtechron. 8, 41; sein zile Albr. v. Eyb
spieg. d. sitt. (1511) K 6
b; das zille Tucher
baumeisterb. 273
L.; ain zile Nicl. v. Wyle
translat. 43
K.; das ziele D. Federmann
Niderlands beschreib. (1581) 138 (
zit. I 3
b α).
im dat. sing. regelt sich in jüngerer zeit ein- oder zweisilbigkeit nach dem satzrhythmus, vgl.: zum ziel zu fördern Klinger
w. 3, 197: dasz wir ... an dem ziele hinsänken 3, 287; es treibt vom stolzen ziele, kaum geendet, nach neuem ziel dich neues unbehagen Eichendorf
s. w. 1, 615.
abweichungen im geschlecht kommen überwiegend auf rechnung landschaftlicher besonderheit: das mask. begegnet im Alsfeld. passionssp. 132
Gr., im südl. Tirol (
s. u. I 1
b γ),
in Obersachs. (
s. u. I 2
b δ)
und in nd. einzelfällen des 17.
jahrh.: den ersten ziel der heure
seerecht d. Hansa v. 1614
art. 5, 4
bei J.
M. Pardessus
coll. de lois marit. 2, 545;
meta der ziel
oder ende des renneplatzes
nomencl. lat.-germ. (1634) 477;
beispiele des fem.: in langer zil
pilgerf. d. träum. mönchs 12 445
M.; zill
aufschub, frist lux. wb. 504
a; in menger zil Folz
meisterlied. 89, 17
Mayer; uber der zill (
ndösterr. 16.
jahrh.)
österr. weist. 7, 544.
md. dehnung in offener silbe geht mit senkung zusammen: zu eyme zele
Jerem. 5, 22
übersetzung des Claus Cranc 88
Zies.; von syme zcele (14.
jahrh.)
urkb. d. st. Freiberg 2, 287; in seinem zele (1411) 2, 73; czu rechtem czeile unde cziet (1442) 1, 165;
vereinzelt erscheint alem. ähnliches im sing.: ain rechtes zeil
Zimmersch. chron. 4, 309; 314
B. die ursprüngliche kürze wahren im nom. sing. dialektgeographische randgebiete: zill E. Wipf
ma. v. Visperterm. im Wallis 78; zil Schmeller
cimbr. 244
a; Bacher
Lusern 428; zil
neben langem und gebrochenem vokal (tsìèl)
kennt noch das Elsasz: Martin-Lienhart 2, 902
a,
kürze Luxemburg: zill Gangler 492.
ein diminutivum zile
metula melden Maaler 522
a und zilli Stalder 2, 474;
die einmalige -d-
erweiterung zilde (
dat. sing. n.)
bei Jeroschin 25 018
scheint durch den reimzwang von wilde
hervorgerufen zu sein. bedeutung. die grundbedeutung scheint in dem begriff '
den endpunkt einer bewegung messen, abmessen, bestimmen'
zu liegen und zwar in dem sinne einer punktuellen vorstellung, die sich sowohl für die räumliche wie für die zeitliche bedeutung als ursprünglich erweisen läszt. die verwendung als längen- und raumbegriff läszt sich als sonderergebnis abkürzender konstruktion fachsprachlichen ursprungs erweisen, s. hierzu unt. I 2
a; a α;
β;
ζ; II 2
a. da die ältesten germ. zeugnisse einen abstrakten sinn enthalten, könnte die in der mhd. und nhd. sprachperiode beherrschende konkrete bedeutung '
zielpunkt'
als jüngere entwicklung angesehen werden, wenn sie nicht durch die got. runeninschrift tilarids
und die ags.-afries.-altnord. präposition til
auch für die frühzeit gesichert wäre. II.
als räumliche vorstellung, auch auf das geistige gebiet übertragen. I@11)
zielpunkt, endpunkt. I@1@aa)
der mittelpunkt einer scheibe und weiter die ganze scheibe, auch jeder gegenstand oder das lebende wesen, auf welche der schütze pfeil, bolzen oder kugel abschieszt, oder wonach er den speer oder ger schleudert und einen stein wirft; die aufrichtung des ziels bezeichnen die verben stecken
und stoszen (
das letzte bevorzugt Wolfram),
die zielrichtung die präpositionen zu
und nach,
das ergebnis drücken treffen
oder fehlen, vorbeischieszen
u. a. aus; vgl. die belege I@1@a@aα)
zu zielscheibe, zielgegenstand für ein geschosz: swen schiezens niht verdriuzet, swie übele er danne geschiuzet, er triffet doch etswenn daz zil Freidank 128, 24; dise schuzzen zuo dem zil, dise hôrten seitspil Hartmann v. Aue
Iwein 69; alse ein schútze ein zil wil eben treffen, so tuot er ein ouge zuo, das das ander deste nauwer sehe Tauler
pred. 9
Vett.; als ein schútze der sins zils nohe war nimet
ebda 212;
paradis. anim. intellig. 89
Str.; auch werden unser herrn von Nürmberg irs rats freunt darzu geben zu unserm geschworen ziler pei dem zil (
aus einem einladungsschreiben zu einem öffentlichen preisschieszen Nürnb. 1457)
städtechron. 10, 232; den dritten schusz ich do schiszen wil, ich hoff, das ich nit feel das zil
pfarrer v. Kalenberg 554
ndr.; das ziel treffen, das ziel
oder des ziels verfehlen Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a.
dasz Luther
dem worte ziel
anfangs fremd gegenüberstand, lehrt der erklärende ausdruck schiesztzill 10, 1, 1, 393
W. und die stelle 1. Sam. 20, 20,
in der er das heimische wort mal,
hier in einer zss., gebraucht: so wil ich zu seiner seiten drey pfeile schieszen, als ich zum sichermal schösse,
während die erste dt. bib. zyl
hat; oft erklärt er ziel
durch hinzugefügtes mal,
z. b. 18, 384
W., oder wechselt mit beiden wie 10, 1, 1, 399
W.; so ich versteh, das ir seind meh, die zu dem zyl thunt schieszen Forster
frische teutsche liedl. 16
ndr.; er ... schosz zum ziel Fischart
Garg. 73
ndr.; glück zu dem theuren helden, ... er weisz zu treffen auf das ziel
Königsberg. dichterkreis 138
ndr.; so wird ... mit pürschröhren umb die wette nach dem ziel geschossen v. Fleming
teutsch. jäg. (1719) 259; will man eine canone richten und nach dem ziel damit schieszen
ders., teutsch. sold. 63; (
der lehrling musz) denen jägern ziel und scheiben setzen v. Heppe
lehrprinz (1751) 244; abgeschossen fliegt er (
der pfeil) durchs dunkel, bis er sein ziel erreicht Klinger
w. 4, 39; Göthe 33, 290
W.; (
die artillerie) schosz ... nach dem ziele G. Keller
ges. w. 1, 137; am jägerhause ..., wo ich ... die büchsen spannen lernte und manchmal das an einen eichbaum gesteckte bunte ziel traf Gutzkow
ritter v. geist 2, 106; (
sie) schossen mit dem bogen nach dem ziel G. Freytag
ges. w. 18, 61; wo einer scheibe vieldurchlöchert ziel das erste war, was mir ins auge fiel A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 97. ziel
bedeutet die ganze scheibe (
wofür später zielblatt,
s. d., aufkommt),
deren mittel- oder eigentlicher treffpunkt wurde früher durch einen nagel (zweck)
oder schwarzen fleck (fleck)
bezeichnet, vgl. die sprichwörtliche wendung: man kan nicht alle mal den zweck treffen, wenn man nur des ziels oder pletlein nicht gar feilet Mathesius
Sarepta (1571) 21
a; das mal ... ist ein ziel oder flecke Gueintz
rechtschr. 100; haben alle ... die pfeil neben das blatt und zum zweck und ziel fehl verschossen Paracelsus
oper. (1616) 1, 934
a Hus. in den wörterbüchern wird ziel
durch lat. scopus, signum wiedergegeben: scopus zil Diefenbach
gl. 520
a; Hulsius (1618) 283
a; Decimator
thes.; Kramer
teutschital. 2, 1462
a; Ludwig
teutsch-engl. 2591; Frisch 2, 476
a; Adelung
2 4, 1710.
in den obd. mundartwörterbüchern: zum zil schieszen Schmeller-Fr. 2, 1114; zîl
n. Schöpf 829;
ältere belege bei H. Fischer 6, 1197; Meisinger
Rappen. ma. 212
a.
lebende ziele oder in das ziel geratende tiere oder menschen: si sezzent si (
die einwohner) ze ir zil und schizent dar zu
Rolandslied 208
Wesle; er schôz prîslîchen wol: ouch gienc der walt wildes vol: swâ daz gestuont an sîn zil Hartmann v. Aue
Iwein 3273; er hat seinen bogen gespannen und mich dem pfeil zum ziel gesteckt (und satzt mich als ein zaichen zuo dem geschosz
erste dt. bib. 9, 214;
statuit me sagittae suae ut scopum)
klagelied. Jer. 3, 12; hat mich im zum ziel aufgericht (een teken daer vele na schethen
Köln. bib.)
Hiob 16, 12; etliche stelleten ihre gefangene auf der abgehauenen bäume stöcke empor und lieszen ihre knaben nach ihnen mit pfeilen zum ziel schüszen Lohenstein
Armin. 1, 60
b;
anscheinend hierher die übertragene redensart: eim s zil setzen
es auf jem. abgesehen haben Hunziker 309; zum hirten hat natur mich nicht gebildet, rastlos musz ich (
Tell) ein flüchtig ziel verfolgen Schiller 14, 388
G. (
Tell III 1).
am bilde der flugbahn, bezeichnet durch die verbindung zwischen kugel (
bolz)
und ziel, veranschaulicht das volk gefahr und ängstliche ungewiszheit und ratlosigkeit: inter sacrum et saxum er ist zwischen kogel und zil kommen Tappius
adag. (1545) K
b;
inter sacrum et saxum stare zwüschend thür und angel, zwüschend kugel und zil ston, in groszer angst seyn, die nit wüssend was sy thuon söllend, die stond zwüschend dem opfer und altar Frisius
dict. 1172
a; er steht zwischen kugel und ziel Körte
sprichw. 262;
in derselben wendung liegt aber auch die vorstellung der kurzen flugdauer, so dasz sie den sinn '
eben noch rechtzeitig'
ausdrückt: eben zwischen kugel und zile, ee sie zusam (1525)
bei H. Fischer 6, 1197;
dazu tritt der begriff groszer schnelligkeit: rüst dich gar heimlich mit gefehr, eh es dein anherr innen wehr, dir kumb zwischen kugel und zil H. Sachs 13, 317
K.; als nun die drei teil hinüber waren und die Thurgeuer das vierteil auch morgens hinüber wolten, kompt Julius Cesar zwischen kugel und zil und überfelt sie in groszer eil S. Franck
Germ. chron. (1539) 220
b;
anderseits kann damit auch ein zwischenfall, eine wendung in letzter sekunde angedeutet werden: dann, wie man im sprichwort sagt, vil zwischen kugel und zil mag underlaufen
M. Eisengrün
beschaid. erklärung (1568) 150
b; es kompt viel zwischen boltz und ziel Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, Cc 1
a; Neander
d. sprichw. 12
Lat.; in anderer form: es hat ziel und boltz, ziel und boltz steht bei einander
agitur salus, caput fortunae Aler
dict. 2, 2248
a.
den zwang scharfen zielens deutet an: vom anstand bis zum zil
sprichw. klugred. (1548) 135
b,
welches vom ersten muosz
spricht. freie objektswahl setzt ziel
für angriff: sie (
die weiber) seind euch (
flöhen) gar zuo listig viel, sie richten auf euch alle ziel Fischart
flöhhatz 1264
ndr. I@1@a@bβ)
zielpunkt für stosz und wurf;
in der tjost ist es der körper des gegners: Assur schwindelt vor dem zil Heinrich v. Neustadt
Apollon. 18 883
Si.; nach essen reyt man an die hetz zu jagen, paitzen und zu letz stieszen ihr etlich zu dem ziel, ihr etlich trieben ritterspiel mit laufen ... H. Sachs 2, 264
K., oder auf einen zielgegenstand? die brust des gegners meint: was soll das degenspiel? hier ist das ziel! Grabbe
w. 1, 105
Bl.; für einen steinwurf: lief eilend zuo, legte das zil Schaidenreiszer
Odyssee 31
b; ire kinder ben sy zuo einem fürgesteckten zil zuo werfen S. Franck
weltb. (1534) 13
b;
dort fliegt ein schwerer stein nach dem gesteckten ziele, von starker hand beseelt, durch die zertrennte luft Haller
ged. 25
Hirzel; vom kegelspiel: gebt mir die kugel und macht das ziel, das mahl Duez
nomencl. (1652) 170;
ebenso bildlich 1522
in flugschr. aus d. erst. jahr. d. reformat. (1907) 3, 6, 241; ziel
beim stünzer- oder bohnenspiel: wer mit der kugel zunächst kommt, darf anfangen Martin-Lienhart 2, 902
a; es wurde ... mit ringen nach dem ziel geworfen H. Seidel
Leb. Hühnchen 40. I@1@a@gγ)
in diesem vorstellungskreise haben sich eigene wendungen und redensarten ausgeprägt: kriegsman, bist gsin in menger schlacht, ... din leben was dir oft bim zil
N. Manuel
totentanz str. 74
B. das bild des pfeilschusses oder steinwurfs und auch des zielens wird gern auf nachrede, spott, nachstellung übertragen: fürsten und andere vortreffliche leute sein gleich zu einem zweck und ziel gestelt, darnach alle giftige zungen schieszen H. Rätel
J. Curäi chron. Schles. 573;
so verleiht Luther
der bibelstelle Luk. 2, 34
ecce positus est hic in ruinam et in resurrectionem multorum in Israel et in signum, cui contradicetur leben und inhalt, wenn er das widersprechen mit dem schieszen nach einem lebenden ziel vergleicht: er ist eyn mal gesteckt datzu, das ihm alltzeyt widdersprochen wirt, gleychwie man den schutzen eyn tziell oder schieszmal steckt, das alle bogen und buchsen und steyn darauf gericht und getrieben werden 10, 1, 1, 399
W.; 393;
auch von sich selbst sagt er es aus: der Luther ist das mal und zill des widersprechens, an dem mus sich iderman versuchen,
ob er möcht ritter werden 18, 384
W. andere fälle: dis ist der zweck, schieszblat und zil, darnach alle gute ... christen ihre pfeil und augenmerck richten mssen Fischart
binenk. 50
b; er nahm sich ... leute zum ziele, auf die er seine pfeile abdrückte Rabener
s. w. 1, 11; er (
der mensch) ist ein ziehl, wornach der todt sein absehen nimmt J.
V. Neiner
tändlmarckt (1734) 1; grosz ist, wer zu heilgem ziele mit gerechtem wurfe trifft Cl. Brentano
ges. schr. 2, 37.
die ritterliche periode hatte dieses gebiet besonders angebaut; sie nahm ihre bilder aus den wettkämpfen; die beispiele, die das verb stoszen
verwenden, sind in der hauptmasse dem abschnitt I 1
b γ zuzuweisen; jegliches streben findet darin ausdruck, vgl. z. b. für den liebesgenusz: sie schuzzen beidiu an daz zil, als ez was ûf gestôzen Ulrich v. Türheim
Trist. 540, 24
Massm.; vür diu wîp stôze ich disiu zil Wolfram
Parz. 2, 25 nû wol her die wellen guot! des wil i'n geben alsô vil, daz ander küngîn ir zil niht durfen für mich stôzen (
keinen gröszern lohn versprechen)
ders., Willehalm 165, 10;
weitere fälle s. I 1
b γ.
auch stecken
und setzen
werden in groszem umfange in übertragenen bildern verwendet, s. I 3
b α und 3
c α.
die tätigkeit des auges im erfassen des ziels beschreibt Tauler
pred. 9
Vett.; daran knüpfen sich bildliche wendungen: wenn sie einmal ein ziel in das auge gefaszt hatte O. Ludwig
ges. schr. 2, 323; O. Jahn
Mozart 2, 5; ein ziel im auge: den dienst des vaterlandes Moltke
ges. schr. 1, 237; haben vor zil
auf etwas zielen, bezielen Schmeller
cimbr. 244
a; er war ... das ziel von manchen schönen augen Stifter
s. w. 3, 191.
stark ausgebildet ist die anwendung bildlicher ausdrücke für schusz und wurf nach einem ziel im geistigen bereich im sinne von '
das rechte treffen'
oder '
verfehlen': du hast gar nach zuom zyl geschossen Val. Boltz
weltspieg. 1562
in schweiz. schausp. 2, 172
B.; welcher ... zuo dem nechsten zuo dem zil schüsz im antwurt geben uff die frag ... Pauli
schimpf 90
Ö.; welche mit ihrer meinung wol ein wenig näher zum zil schieszen Stumpf
Schweizerchron. 699
b; Chemnitz
schwed. krieg 1, 2; Gottsched
anmuth. gelehrs. 3, 130; dem ist es zlützel, dem ists zvil und schüszet keiner recht zum zil H. R. Manuel
weinspiel 1980
ndr.; sie ... sagen, er könde nit irren, so er doch weit vom ziel geschossen hat Sleidanus
red. 96
B.; wie etliche sehr weit vom ziel geschossen haben Schütz
hist. rer. Pruss. 1, A 1
b; du thust ein feilschusz, weit vom ziel Hayneccius
Hans Pfriem 933
ndr.; haben weit neben das ziel geschossen
disc. d. mahl. 1, 4; sie hatten im blinden eifer immer über das ziel hinaus geschossen Eichendorf
s. w. 3, 191; Jhering
geist d. röm. rechts 2, 1, 26;
allgem., auch mundartlich, s. H. Fischer 6, 1197; darum schieszen sie immer dem ziel ihrer wünsche vorbei Fr. L. Schröder
dram. w. 1, 135; dasz die ... abhandlung ... an dem ziele vorbeigeschossen hatte Gutzkow
ges. w. 5, 6; treffen
wird teils mit dem akk., teils mit zu,
selten in
verbunden: und alles recht also wilt blenden, das sich die sach kan nymmer enden, die allein durch dyn muotwil nymmer treffen kan das zil Murner
narrenbeschw. 64
ndr.; wer ihm vertraut, stets auf ihn baut und festiglich kan hoffen, der hat das ziel auf disem spiel (
auf dieser welt) zum allerbesten troffen Rist
himml. lied. (1643) 2, 119; weil der ... mann ... das rechte ziel ... nicht getroffen hat Jung-Stilling
w. 3, 7
Gr.; gar nahe zum ziel der warheit getroffen S. v. Birken
ostländ. lorbeerh. 112; andere kunstrichter haben noch weniger zum ziele getroffen Lessing 6, 200
M.; 3, 162 (
Nath. V 6); es trifft nicht zum ziel, wenn Ranke
s. w. 30, 244; vermutungen ..., die nicht weit vom ziele treffen mochten Storm
w. 6, 52; dasz meistens ich gar wohlgetroffen in das ziel, wann ich geglaubt eh nichts als etwa gar zu viel Logau 650
E. besonderes: im gleichen (
habe ich angehängt) auch etliche sprichwörter der Araber, weil sie neben des Lokmans fabeln mit unserm Saadi nach einem ziel schieszen
pers. rosenth. (1696) 111
Olearius;
jem. zu gefallen lügen: wem ein herr yetz übel wil, die schieszent all der herren zil Murner
narrenbeschw. 274
ndr.; bild des kegelspiels: nu lâz wir daz hie besten, ez ist genuog an daz zil gepolt
d. h. meinungen sind genug vorgebracht worden Konrad v. Megenberg
buch d. natur 197. I@1@bb)
die als end- oder wendepunkt einer bahn aufgestellte stange, das steinmal oder irgendein gegenstand, bis zu dem oder um den herum sich ein wettlauf vollzieht; die freistätte, das mal
bei bewegungsspielen, auch wohl beim sprung; auch das ziel einer wanderung. I@1@b@aα)
das ziel
des wettlaufs wird abgemessen: ihnen ward von dem stande das ziel gemessen, und eilend flogen sie alle mit einmal dahin durch die stäubende laufbahn Voss
Odyssee 132
B. (8, 121);
oder es wird eine stange in die erde gestoszen (
belege dieser nur mhd. verwendung s. b γ)
oder gesteckt (
belege I 3
c α),
antike zeugnisse meinen eine steinerne zielsäule; neue zielbezeichnung durch ein zwischen zwei stangen gespanntes band (
s. zielband).
belege für ein wettrennen: Luther
hält sich an der bibelstelle 1. Kor. 9, 24
οἱ ἐν σταδίω τρέχοντες,
qui in stadio currunt eng an den wortlaut: die so in den schrancken laufen,
was der Basler nachdruck von 1523
nach obd. wortwahl ändert in zuom zil laufen,
wie schon die erste dt. bib. 2, 84
übersetzt hatte: die do lauffent zuo dem zyl; qui vult spielen, rennen, laufen, der mus ihm das ziel aus den augen nicht lassen rennen Luther 34, 1, 154
W.; jouer aux barres nach dem ziel laufen Duez
nomencl. (1652) 171; man schosz, man lief, man fuhr, man ritte nach dem ziel v. König
ged. 53; gleichnis vom wettrennen, rasch ums ziel, den hohen preis im auge Göthe 41, 1, 320
W.; wie die jünglinge ... nach dem ziel laufen Bettine
Günd. 1, 47; sie (
die knaben) rannten nach dem ziel, sprangen über ein rosz und schossen mit dem rohrpfeil nach der stange G. Freytag
ges. w. 8, 26;
ziel beim barlauf Martin-Lienhart 2, 902
a;
der als freistätte beim fangspiel vereinbarte platz H. Fischer 6, 1198;
wettlauf und zielstosz vereinigt Oswald v. Wolkenstein: ich lamermit jamer nicht treffenkan das zil 16, 36
Sch. antike wagenrennen schildern folgende belege: und wie oftmals auf weitem plan ein rennen wird gestellet an mit zweyen pferden gar subtil, die laufen sollen zu dem zil Spreng
Ilias 307
a; und wenn ihr wagen ohne fehl mit heiszer achs zum ziel gelanget Lessing 8, 13
M.; wenn die räder rasselten rad an rad rasch ums ziel weg Göthe 2, 70
W.; eure tempel lachten gleich pallästen, euch verherrlichte das heldenspiel an des Isthmus kronenreichen festen, und die wagen donnerten zum ziel Schiller 6, 24
G.; buchungen: meta male, zyl Diefenbach
gl. 359
b; Venantius
dict. (1595) H 3
a;
meta der ziel oder ende des renneplatzes
nomencl. lat.-germ. (1634) 477;
carceres das zil oder ort in einem rennplatz, da die rösser in schauwspilen an- oder auszlauffend Frisius 191
a.
wettlauf zwischen tieren: die schnecke und der hase haben einsmahls unterredung mit einander gepflogen, wer einander im gehen und das ziel zu erreichen, überlegen: sie setzen ... das mahl und ziel an einem bach Olearius
Lokmans fab. nr. 21
in: pers. rosenthal (1654) 187.
auf einen sprung deutet ein beleg mit übertragener verwendung: obgleich sie (
worte) ihr ziel übersprangen Dahlmann
gesch. d. franz. revol. 358. I@1@b@bβ)
auch das endziel, der endpunkt einer wanderung, fahrt oder seereise: als in daz zil uf der vart gestozen nach der verre wart, do kamens an den stundin da si Joseben fundin Rudolf v. Ems
weltchronik 7522; da ... ward ir (
der Israeliten) ziel verkeret, das aus 11 tagen 40 jar worden Luther 28, 512
W.; des wandrers, der ... auf zu der hütte sich sehnt, zu dem ziele des tages, der stillen hirtlichen wohnung Göthe 1, 281
W.; schau hin! dort hebt sich Rheims mit seinen thürmen, das ziel und ende deiner fahrt Schiller 13, 277
G. (
jungfrau v. Orl. III 9); wir sind am ziel, hier ist das Rütli 14, 315 (
Tell II 2); wir sind am ziel unserer reise, wir haben die herrliche hauptstadt ... vor uns Brentano
ges. schr. 5, 194; das ist ja das ziel unsrer wallfahrt A. v. Arnim
w. 16, 342; Rückert
w. 1, 19; G. Keller
ges. w. 2, 135; unsicher lag das ziel vor dem wanderer in der dämmerung G. Freytag
ges. w. 17, 177; Storm
w. 1, 80; Moltke
ges. schr. 1, 232; wunderbar sind wir gekommen, wunderbar zurückgeschwommen, unser groszes ziel ist da! schalle zu dem heiligen strande losung dem gelobten lande: Godofred und Solyma! Göthe 2, 45
W.; immer hatten die seefahrer irgend ein ziel vor augen Peschel
völkerk. 225; 429. I@1@b@gγ)
menschliches streben wird in bildern aus diesen bereichen anschaulich gemacht: daz waz ze verr von dem zil gerant (
eine verfehlte meinung) Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 111; wie mancher ist fürs zil geloffen, da es der gänger basz hett troffen Fischart
ehzuchtb. 162
H.; kamst eher noch zum ziel als andre zu den schranken v. König
ged. 2; kein menschlicher verstand kann hier ein ziel ereilen Brockes
ird. vergnüg. 2, 7; was darf sich denn die jugend viel um das zu nah gesteckte ziel des kurzen lebenslaufs beklagen? Gottsched
ged. (1751) 279; in diese gefahr kann ich nicht kommen, weil wir beyde nicht nach einem ziele laufen Nicolai
literaturbr. 5, 39; denn ein gott hat jedem seine bahn vorgezeichnet, die der glückliche rasch zum freudigen ziele rennt Göthe 2, 61
W.; das ziel musz man früher kennen als die bahn W. Weigand
löffelstelze (1919) 52. Luther
behält das
bild der rennbahn, das Paulus Philipp. 3, 14
gebraucht (
κατὰ σκοπὸν διώκω)
und die vulgata unverändert läszt (
scopum versus feror),
bei: und (
ich) jage nach dem furgesteckten ziel (
unbeholfen die erste dt. bib. 2, 180: ich nachvolg dem vorgeordneten lon);
nicht mehr so scharf Berthold v. Chiemsee: darumb hat Paulus zuom aufgesetzten zyl geeylt 78
R.; steht mir gleich die rennbahn offen, schreckt mich doch das ferne ziel Gottsched
ged. (1751) 242; der sammlet sich olympischen staub, dem ists sein höchster wunsch, ein ziel umzufahren Herder 3, 330
S.; wenn zwei gegner zufällig nach einem und demselben ziele hinsteuern Holtei
erz. schr. 5, 51; so erreichte ich endlich etwelches fahrwasser, auf welchem ich ganz still dem ziele einer leidlichen arbeit zusteuerte G. Keller
ges. w. 2, 26; wenn man vor einem ziele, das man kühn zu erreichen beschlosz, auf halbem wege stehn bleibt Gerstenberg
rec. 48
lit.-denkm.; den geraden weg ... gehen, der sie gewisz zu einem ziele führen wird Knigge
rom. m. leb. 2, 52; wir wollen doch, wenn wir genug geklommen, zur rechten zeit dem ziele näher kommen Göthe 16, 171
W.; auf schlimmem weg verfolget ihr diesz ziel Schiller 12, 434
G. (
Maria Stuart I 7); im spiegel stiller ahndung schaut mein geist der wallfahrt ziel Salis
ged. 42; wer sich deiner (
gottes) rühmen will, musz auch an des kreutzes ziel Neukirch
ged. 75;
wie eben in christlicher gedankenwelt auch: wir gehen beyde einem letzten ziele (
der besseren welt) entgegen Schiller
br. 1, 11
Jon.; dann wird die luft so sanft und leicht, wenn ihr das rechte ziel erreicht, und oben strahlt die krone der ewiglichen wonne S.
Brunner erz. 1, 130;
auch im folgenden der siegespreis am ziel
gedacht: wenn ein frischer rittersmann die gesetzte göldne krohne ... nehmen wil ..., musz er rennen, fechten, streiten, ehbevor er sie bekömmt und vom ziel mit freuden langet Neumark
fortgepfl. lustw. 2, 10; zeig mir die laufbahn, wo an dem fernen ziel die palme wehet Klopstock
od. 1, 97
M.-P.; ist das die bahn, an deren bestäubtem ziel der frische zweig olympischer palmen weht? Stägemann
kriegsgesänge 15;
der schlag mit der hand an die zielstange zum zeichen der beendigung des laufes schwebt vor, wenn die verben er-, begreifen
auftreten: hat in d arbot dorgrift (
ergriffen) den lesten zil
hat in der kunst das letzte ziel erreicht Schmeller
cimbr. 244
a; ob ich zu lützel oder zu vil und nit begriffen het das zil
pfarrer v. Kalenberg 2174
ndr.; das ziel
steht leuchtend vor augen: mir stand vorm blick als letztes ziel der doppelte triumph Rückert
w. 1, 53; muthig schritt er vorwärts auf der bahn der ehre, Ida war das ziel, das ihm vorleuchtete Moltke
ges. schr. 1, 84;
an Kol. 2, 18: lasset euch niemand das ziel verrücken
knüpft die vorstellung an, dasz ein anderer das ziel
verrücken könne; daraus gespeist: zwar es kan ein falscher wahn die gedanken irrig machen und gestecktes ziel unverhoft verrücken Knittel
sinnensprüche 142; o wann dir nicht der neid hierbey das ziel verrückt, welch ein vollkommner sieg hätt uns daselbst beglückt v. König
ged. 10;
ebenso Lohenstein
Armin. 1, e 3
b; Göthe 13, 1, 306
W.; ähnlich in dichterischer sprache: wan du nicht bei mir bist, du meine sonn und zier, musz ich zurücke wenden mein ziel in schneller eil Zesen
verm. Helik. 1,
dichterische auffassung gibt dem ziel
leben: bisz ihn (
Alexander) sein ziel nach Babel rief Kempe
poesis triumph. (1676) 5.
ankunft am ziel: wan di sele Ihesu Christi ein creature ist di maze hait, daz ouch ein ander sel mochte cumen zu dem zile und zu dem lone der sele Ihesu Christi
parad. anim. intellig. 34
Str.; Luther 10, 2, 385
W.; weitere fälle für die wendung zum ziel kommen
s. III 4;
ad metam pervenio ich erlang das ziel, das end, kumm zum end Er. Alberus
n. dict. gen. 55
a; (
er) stehet ... am ziel
bei O. Jahn
Mozart 3, 369; nahe am ziele ... sein Ranke
s. w. 40/41, 46.
die höfische epik nutzt die ziel- und kampfvorstellung zu kraftvollen bildern aus und überträgt sie auf reale lebensgebiete und auch auf geistige bereiche: stieze in diu sælde rehtiu zil, si erwürben rîches lônes vil Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 5, 29; er (
gott) mac mir lachebæriu zil wol stôzen nâch dem weinen 259, 28; 419, 16;
vgl. Parz. 9, 4.
das adj. oder adv. hoch
entsinnlicht oft die vorstellung, vgl.: er stiez der ritterschefte zil sô hô mit rechter manheit Heinr. v. Freiberg
Trist. 2006
Bernt; dine hohe swebende fluoge hant dinen muot so hohe braht, ist der sAelden dir gedaht das du gewahsest ze ainem man, das niemannes gemte kan mit hOehe ergriffen dinú zil (
dir nahekommen) Rudolf v. Ems
Wilh. v. Orlens 3289.
die weiterführende vergeistigung des begriffes ziel
wird unt. I 3
dargestellt. I@1@b@dδ)
den übergang zu einem reinen ortsbegriff, der sich in gruppe 2
einstellt, wenn die vorstellung des festsetzens verschwunden oder vergessen ist, können auch fälle, die noch zu 1
gehören, bilden; in ihnen tritt der begriff des strebens nach einem punkte, das '
ziel'
streben zurück; vgl.: im abgrunde ist kein finden, denn es ist kein ort oder ziel (
endpunkt), sondern nur der ungrund Jac. Böhme
s. w. 6, 8
Schiebler; in der quellen klarer fluth treibt kein fischlein mehr sein spiel, jedes suchet, wo es ruht, sein gewöhnlich ort und ziel Brentano
ges. schr. 5, 32; ein widerhall vernahm es, der trug von ziel zu ziel es weiter Rückert
w. 1, 141; das (
land) anders ganz ist eingericht', als wir die länder kennen; das punkt für punkt und ziel um ziel von jedem ist das widerspiel 3, 50. I@22)
grenzpunkt, auch grenzlinie, grenze, sogar bezirk, gebiet, ferner strecke, entfernung; über diese verschiebung der bedeutung s. u. I@2@aa)
im grenzpunkt stoszen die interessen zweier parteien aufeinander, während bei der zielvorstellung (
s. 1)
eine partei der andern einen punkt bestimmt; im grenzpunkt und der grenzlinie finden die gegenbewegungen ihren vertraglichen abschlusz. dieser grundtatbestand und ursprungsvorgang verblaszt indessen, und die blosze vorstellung des endes einer bewegung oder ausdehnung an einem orte bleibt. mit dem zielbegriff von 1
sind noch einige beispiele verknüpft, z. b. der ort des stelldicheins: war het min vrǒwe ir zil genomen, da wir sOelint zuo ain ander komen? Rudolf v. Ems
Wilh. v. Orlens 8871;
auch noch für den merkpunkt, die marke am strande: daz auch daz wazzer sinbel sei, dez zaichen nem wir also: man setz ain zil (
signum) an des meres ufer oder an daz gestat; und ge ain schif von dem zil. daz schif mag als verre in daz mere treten, daz aines menschen auge unden pei dem mastpaum daz zil an dem ufer oder an dem gestat niht gesehen mag, und die augen oben in der hOehen des mastpaumes sehen daz selb zil wol Konrad v. Megenberg
d. sphära 12
M.; eine merkstelle ähnlicher art erklärt sich mehr schon nach gruppe 2: die ander art der saitenspiel dyeselben haben nit schlüssel, aber bünde und sunst gewise zile oder gemercke, do man sicher griff mag haben Virdung
musica B
b;
ebenso: must du messen mit deinen füszen disz ander vermerckt ziel vom ersten stand bisz zum andern S. Münster
cosmogr. (1628) 38. I@2@a@aα)
markstein, landmarke als grenzpunkt; in den grenzbeschreibungen der weistümer, urkunden und anderer schriftsätze sind bergspitzen, bäume oder andere hervorstechende punkte als richtpunkte des grenzverlaufs gewählt; vgl.: die zil der vorgenanten güter die vohent an, do der Rotenbach entspringet, und als derselbe bach herabe flüszet in das alte Paris, und von demselben bach uf bis an den groszen stein uf der höchte des Künberges und ... bis an das steinerne brücklein obewendig des dorfes ze Urbeisz ... und denselben bach uf biz an den wiszen see (1318) Schöpflin
Alsatia 2, 121; dü zil des hofes von
M. dü vachen an in dem Reingbach und gand an den Grawen Stein in Sparren Rüti (
Luzern 14.
jahrh.)
weist. 4, 376; zwischen den genannten zyln, dem steig und der Staig (1441)
bei H. Fischer 6, 1198; die zill und march der finf gerichtsstäb in Pongei: erstlich angehebt auf dem Prunegg im Lueg auf der hech bei dem creiz und von demselben creiz nach dem gepirg hinein in die Friz gegen dem Mändl miten auf die pruggen, auch von derselben pruggen hinein über das gepirg an den Grindtegg und ... bisz auf den eiszeristen steg gegen Wagraihn (
salzb. 17.
jahrh.)
österr. weist. 1, 194;
die grenzbäume (
s. zielbaum)
tragen marken (lache,
mhd. lâche,
s. teil 6, 14): das sint die zil und die lachinan ze Schluochse (
st. Blasien 1373)
weist. 4, 498; alle lehen und guoter, die in den vorgeschribenen zilen und lachinan ligent 499.
in gebirgsgegenden werden auch marken aus steinen geschichtet oder wird ein markstein aufgerichtet, vgl.: zil
m. spitz, kegelförmig, pyramidenförmig geschichtete steine Bacher
Lusern 428;
dessen gestalt beschreibt: alsdann so werden auf sie (
die scheiter) gelegt allerley geschüb, ... erstmalen die gröste, darnach die mittelmäszige, zuletst die kleinste, und wird also die zusammenfgung (
des röstofens) ... wie ein zil gestaltet Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. 219; der stempfel ... sol rund sein und dreyer spannen lang, unden fünf quärfinger breit, oben drey quärfinger und ein halben. dann er sol geformiert sein wie ein zil, das oben auszgehauwen ist 316;
nicht sicher auf den grenzstein zu beziehen bei Frisius:
meta ein kegel und also gestaltet zyl, ein yetlich auszgespitzt ding, das unden breit und oben zuogespitzt ist wie ein kegel
dict. 818
a; ziel
markstein Hulsius (1618) 283
a; zil und march, das untreue ziel
bei Buck obd. flurnamenb. 2 307; ziel
markstein und mal eines ackers Hulsius-Rav. (1616) 431
a; das er die genannten zyl und stein halten soll
clag, antwurt (
Augsb. 1497) 78
a.
sichere fälle für mark-, grenzstein: zyll und gemärckh, wie und wa marckhen steen und geseczt werden sollen, gemacht (1556)
bei H. Fischer 6, 1198; wölcher auch ain zil oder margstain sehe, der gevallen were oder vallen wölt, der sol es ofnen, darumb das dasselbig zil uffgericht werd (1586)
ebda. der begriff grenz- und endpunkt liegt noch vor in folgenden bibelstellen: Ysaschar ein starcker esel, ruoent under den zilen (
dafür setzt die vom md. beeinfluszte ausgabe Zainers 1475 czwischen den enden; Luther: wird sich lagern zwischen die grentzen;
cubans inter duas sarcinas)
erste dt. bib. 3, 215
1. Mos. 49, 14; von den jungsten zilen Egipt untz zu seinen auszersten enden (von den letzsten enden Egipti
Zainer 1475, von einem ort Egypten bis ans andere Luther,
ab una extremitate limitis usque ad alteram extremitatem eius)
ebda 209
1. Mos. 47, 21; von den höchen der himel untz zuo iren zielen (vom einem ende des himmels zu dem andern Luther)
ebda 1, 94
Matth. 24, 31; und hab die zile (ende 1475) bey dem gesaltzen mer
ebda 4, 125
4. Mos. 34, 3;
er ist auch in mark- und bergwerksbeschreibungen leicht erkenntlich: die end und zil sins hoff Österreicher
Columella 2, 210; was ... des bischofs meinung, dasz ein ieglicher kilchherr ... möcht wüssen die zil und marchen des kilchspels
Stretlinger chron. 36
Bächtold; welcher dem feldmesser die anstösz, grentzen, end, zil und marcksteyn des stucks, so zu messen, zeyge Sebiz
feldbau 473; mit diesen zielen beschreibt der bergmeister die gerechtigkeit des herren Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. 60; den genanten wald innert den nachbegriffnen zilen und marchen Tschudi
chron. helv. 1, 53;
ferner: in disen ziln sint elli gericht des gotzhus (
Zürich 14.
jahrh.)
weist. 1, 4; und sol inernt der zilen nieman enkein wighaften bu buwen (
Schwyz 1561) 4, 359; in dises landfridens zillen Hertzog
chron. Alsat. (1592) 3, 4; und würdet er ... gesehen in den zilen und im deu stat verpoten ist
Nürnberg. polizeiordn. 32
B.; wichtig ist die bedeutungsangabe grenze für den plur.: zieler und mârcha
grenzlinie und grenzpfosten Bühler
Davos 1, 242; zieler
auch bei Joh. v. Müller
schweiz. eidgenoss. 2, 447;
so gehört auch noch hierher: in den ziln und bi den tagin do si herbergetin da, Jacob der machte gote sa da einin altere Rudolf v. Ems
weltchronik 6727;
ferner als eigens festgesetzte scheidepunkte: daz her was komen ze bêder sît ûf den grüenen anger wît iewederhalp an sîniu zil Wolfram
Parz. 706, 3.
dasz der übersetzer der ersten dt. bibel 3, 285
2. Mos. 19, 23
noch die bedeutung grenzstein im sinn hat, folgt aus seinem plur. gegenüber dem sing. der vulgata: setze die zyle umb den perge (
terminum pone),
und Luther
hält sie bis 1540
mit steck zeichen
fest, während seine endgültige fassung mache ein gehege umb den berg
die neue auffassung annimmt. in der md. sprachauffassung der Zainerbibel tritt diese in vers 21
schon 1475
zu tage, s. u. β.
buchungen: ziel
terminus Alberus
n. dict. gen. Aa 1
b; Decimator
thes. (1608) 1348.
eingerammte baumstämme als kennmarken der scheidelinie (
der '
schranken')
bei turnier und tjost gibt eine Parzivalstelle ausdrücklich an: ûz beiden hern geselleschaft mit rotte kom in hie und dort, ieweder her an sînen ort, dâ ir zil wâren gestôzen mit gespiegelten ronen grôzen Wolfram
Parz. 690, 19; dâ was ouch turnierens zil: guoter ritter kom dar vil Hartmann v. Aue
Erec 2356;
vgl. zilstat
turnierplatz (
unt. zielstatt 1);
auf turnier weist auch: sie liefen oder sprungen, die alten zuo den jungen: sô verre brach er in diu zil, ir wære lützel oder vil, daz man im prîses muoste jehen
Biterolf 3387; er haltet ouch gegen künigen wol sîn zil
Wartburgkrieg in minnesing. 2, 4
b v. d. Hag.; Heinrich v.
d. Türlin
krone 13876.
die grenzlinie, über die ein bursche den andern zu ziehen sucht, oder die linie, an der zwei kämpferreihen im nahkampf zusammengestoszen sind, ist gemeint in der redensart einem zum ziel stehn:
collato pede praeliari streyten, da hand an hand oder mann an mann ist
oder nach zuohin trätten, eim wol zuo zil ston Frisius
dict. 289
a;
übertragen: ich hab daheimen ouch ein wyb, es ist kein luchs uff erd so bschyb, sy dörft im handtlich zum zil stan H. R. Manuel
weinspiel 1109
ndr. die wendungen bei dem ziele liegen
und sich zum ziel legen
s. III 1. I@2@a@bβ)
die neue auffassung stellt sich bei grenzbestimmungen in den ziln, innert den zielen
als die verbindungslinie zwischen den zielen
ein und sucht nun einen eigenen ausdruck im sing. des wortes ziel
selbst, ein abkürzendes verfahren, das noch deutlicher an anderen mitteln bei der zeitlichen verwendung von ziel
im sinne von frist, aufschub (
s. II 2
a)
erkennbar wird. noch die bedeutung von α könnte in folgendem fall angenommen werden: deme folget das gehauen ertz mit dem gange billich, so weit sein zcil begreift (14.
jahrh.)
urkundenb. d. st. Freiberg 2, 373;
auch noch für das zweite ziel
des nachstehenden belegs: der erbestolle hat ouch daz recht, daz nymant tar in synem zcyle inslan, is sy vorbrochen feld ader unvorbrochen rase, von syme zcele bis an den lochstein 2, 287,
wogegen der erste ausdruck, ebenso wie an der stelle: so sal itzlich erbe adir lehen sein wasser halten in seinem zele 2, 73,
soviel wie umkreis, gebiet (
s. u.)
bedeutet. zunächst aber steht ziel
für eine bestimmte strecke der grenzlinie, die grenze, wofür die wahl des verbums gehn
spricht: in dem zile, das von dem obern tor gat unzit zem malitor
zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 29, 296.
so gilt ziel
zunächst für eine grundstücksgrenze: in der greniczen und czil des burgerlehens (
in metis lanei civium; Iglau 15.
jahrh.)
bei Jelinek
wb. 991; mit welchem (
meszstab) ihr vermögt ein artlich hausz zu gründen, der felder, wässer, stätt und länder ziehl zu finden Opitz
teutsch. poem. 234
ndr.; vgl. Buck
flurnamenb. 2 308.
ferner für politische grenze: an der ungeloubigen zil was ein man lanc und groz
väterbuch 7102
R.; bis an der Tenen marke ze berge biz an Walhen zil hôhez lop erwarp er vil Ulrich v. Eschenbach
Wilh. v. Wenden 7681; als úns dú warheit wiset des, ist ouh der marche alda ein zil Rudolf v. Ems
weltchronik 2206; vor im was die Pegnitz ein zil zwischen Wirtzburger bistumb und Eistet (
Nürnb.)
städtechron. 3, 71; doch bindt sich dis nicht nur an teutscher gräntze zil Lohenstein
Armin. 1, e 2.
sodann bedeutet ziel
eine scheidelinie, die nicht überschritten werden darf; die erste dt. bibel verwendet 2. Mos. 19, 21,
wie 19, 23 (
s. sp. 1050
u.),
den plur.: das sy villeicht icht wellen ubergen die zil, ze sechen den heren 2, 285,
seit Zainer 1475
erscheint hier der sing. das zil;
dieser beherrscht die folgezeit im eigentlichen und übertragenen sinne der bibelstelle, begegnet aber auch schon bei Rudolf v. Ems: mach in vor dem berge ein zil, da nichtis nit uber sol gan, ez mze den lib verlorn han
weltchronik 11 535; darin (
in gottes schwert) wirdt sich verschneiden, wer guets verachten will, die armen bringt in leiden und schreit uber das zill
volks- u. gesellschaftslied. d. 15. u. 16. jahrh. 60, 32
Kopp; stateram ne transgrediaris trit nit über das zil S. Franck
sprichw. (1545) 1, 74
b; eim ein zil stecken, das er nit darüber fare Frisius
dict. 224
a; wann man in rechten schrancken bleibet und nit ausz der leisen und ubers ziel fähret Nigrinus
anticalvinism. (1595) 177;
ferner: man ... beschiet ieder parten ein zil, uber daz sü nüt getürstent wandeln noch gon, daz sü üt zuosamene kement (
Straszb. 1362)
städtechron. 8, 123; also koment die wilden tiere dernoch nüt me für die gerten und für daz zil (
ebda 1420) 9, 631;
deutsch. sag. 2, 59;
fluchtlinie: welcher im fur das zille, das die pauleut geben hetten ..., pauen liesz Tucher
baumeisterb. d. st. Nürnb. 273
L. gröszeres masz hat die geographische grenze von sprüch. 8, 29
cum imponeret mari statutum suum do er umgab dem mere sein zil
erste dt. bib. 8, 24,
was Luther
wiedergibt mit: da er dem meer das ziel setzet und den wassern;
die nd. Halberst. bibel von 1522
gebraucht das klare wort ende: do he dem meere settede synen ende unde synen gangk;
danach: und dasz fürhin das meer in seiner gräntzen rand verblieb, und dasz die erd sicher, unüberflossen, hast du mit des gestads unverbrüchlichem band und mit des ufers zihl solches wol einbeschlossen Weckherlin
ged. 1, 369
F.; du hast dem meer sein ziel gesteckt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 328
a; das meer wird selbst verdrängt, sein altes ziel entfernt, wo manches schiff vergieng, wird reiches korn geerndt Haller
ged. 45
Hirzel; der gestirnte himmel hat sein ziel Jac. Böhme
von der menschwerdung Jesu Christi (1682) 24.
buchungen: terminus ende, zill Diefenbach
gl. 580
a;
termino, determino, terminum pono, finio ich setz das ziel Er. Alberus
n. dict. gen. 55
a;
finitor der das ziel macht
ebda; meta, terminus Frisch 2, 476
a. I@2@a@gγ)
hier fügt sich die bedeutung wehr eines baches oder flusses, die für Westfalen bezeugt ist, an: Benzler
lex. d. deichbaus 2, 297; Krünitz 241, 305; Mothes
baulex. 4, 510. I@2@a@dδ)
zu 2
a α stellt sich ziel
als endpunkt eines weges: schweig! besinn 's! tritt ein in die nacht (
der gruft)! gesetzt ist hier dem weg ein ziel Jos. Weinheber
späte krone (1936) 29;
die endspitze eines fadens oder das äuszerste ende eines gegenstandes bezeichnet das schweizer. dim. zilli Stalder 2, 474. I@2@a@eε)
die in sich geschlossene grenze, den umkreis drückt ziel
aus in der bibelstelle Hiob 26, 10
decreto circinavit superficiem aquarum er umbgabe das zyl den wassern
erste dt. bib. 7, 200, er hat umb das wasser ein ziel gesetzt Luther, he hefft termynen umme dat water ghemaket
Köln. bib., dafür ende
Zainer 1475
und die Halberst. bibel; auch: cum statueret ambitum in superficie abyssi da er die tiefen mit seim ziel verfasset (do er umbhalbt die abgrunde mit dem umbring
erste dt. bib. 8, 24)
sprüch. 8, 27.
daran schlieszt sich: der thierkreis steckt so wol der sonne nicht ein ziel, als er ihr lusthaus ist, darinnen sich zu breiten Lohenstein
Sophonisbe widmung; der handel hat ... entdeckt, wie weit das runde ziel der erden sich erstreckt Neukirch
ged. 110;
determinant spatia aquilae die adler setzend inen selbs ein zil und kreisz, innert welchem sy fliegend Frisius
dict. 402
b;
übertr. bei Luther: der rechte recht brauchen und in ihrem ziel und rinck behalten 30, 3, 247
W.; wieder eig.: also Patrocli cörper zart war hin und her getriben hart in einem kleinen kraisz und zil von mancherley kriegsleuten vil Spreng
Ilias 245
b; alum sechs mîle in daz lant, swaz in dem zil geschiht (
im umkreis von sechs meilen) Wolfram
Parz. 592, 5.
daraus erwächst die vorstellung eines bezirks, bereichs und gebietes, vgl.: maniger ouch enruhte, daz er binnen des closters zil solte bliben jare vil
väterbuch 17 457; 33 990
R.; der drier teil enkeinir ist also smal, doch hat sin zil isiln und sunder lande vil Rudolf v. Ems
weltchronik 2856; do er quam in ebenez zil zu disen, die er beten sach
passional 652, 90
K. (
oder zu I 3
b β?); vier jaugert weid nemb wir ein zil, da bauen wir hie einen saal Ayrer
dram. 1, 209
K.; Plutonis hausz steht offen weyt bey tag und nacht zu jeder zeit, doch braucht es müh und arbeit vil, das einer kom von disem zil Spreng
Ilias 109
a; Ascalon und Accaron mit iren zylen (
cum terminis, mit irer zugehör Luther)
erste dt. bib. 4, 340
richt. 1, 18;
die räumliche ausdehnung wird durch adjektiva besonders hervorgehoben: andre gietter vil, schnuor stracks eben, ein weittes zil Joh. Fizion
chron. v. Reutling. 93
Bacm.; der ecker findst ein langes zil 91.
unter anschlusz an die bedeutung fluchtlinie läszt sich der übergang zu folgenden stellen begreifen, in welchen das masz einer figur ausgedrückt wird: der anfang der schöpfung in verbo fiat hat diese welt als ein modell in sich geschlossen und das ziel gegründet Jac. Böhme
viertzig fragen v. d. seelen urstand (1682) 124; (
die knochenhaut) setzet den beinen (
knochen) das ziel und figur, denn wenn es (
das knochenhäutchen) beschädigt, entstehen gewächse, knoten, die caries oder zerfressung des beines v. Fleming
teutsch. sold. 343. I@2@a@zζ)
wird der umkreis oder umfang gemessen, so ergibt sich der begriff eines längenmaszes, vgl.: die gröst (
pyramide) im umbkreis ein halb meil, welcher rechnung in ihrem ziel achthundert feunf und zwentzig schrit Rebmann
naturae magnalia (1620) 198;
hier spielt bei geraden strecken zum ersten mal auch der ausgangspunkt, der als anstand
in der gruppe 1
vorausgesetzt wird, eine stärkere rolle, indem von ihm aus bis zum endpunkt, dem ziel
im sinne von 1,
gemessen wird. deutlich aber zeigt sich, dasz die bedeutung bahn, strecke, entfernung aus dem ursprünglichen gesamtbegriff ziel (
in gruppe 1)
erst nachträglich abgeleitet ist; ja sie braucht in den ersten drei der folgenden bibelstellen erst aus der bedeutung grenzpunkt entnommen und in sie hineingelegt zu werden: und er saczte ein zile des weges czwischen im und dem eydem dreyer tag
erste dt. bib. 3, 143
1. Mos. 30, 36,
aber Zainer 1475
druckt zile oder weyte,
und Luther
nimmt wie die vulgata (
interposuit iter trium dierum)
die streckenvorstellung auf: macht raum dreier tagereise weit; und zwischen euch und der arch wirt ein zil (
spatium; raum Luther) zweier hundert elen
ebda 4, 258
Jos. 3, 4;
das antike stadienmasz (
stadium)
gibt ziel
wieder: er masz die statt von dem guldin rore durch XIIM zile (
dafür roszleúff oder gwandten
Zainers ausgabe von 1475, er mas die stad mit dem rhor auf zwelf tausent feldwegs Luther)
ebda 2, 524
offenb. 21, 16;
ebenso ebda 506
offenb. 14, 20; in ein castell, daz do waz von Iherusalem in dem zile LX lauff bey namen Emaus (in der weit bey sechtzig gwandten 1475, waz bei dem zil von Iherusalem alz LX leuft
cod. Teplens. und Fribergens., sechzig feldwegs weit Luther)
ebda 1, 326
Luk. 24, 13; die (
calvarienberge) man jetzund vil aufricht, mit iren zilen und masz oder weyten (
entfernungen zwischen den einzelnen leidensstationen)
geistl. strasz (1521) A 2
a;
doch gebraucht schon Wolfram v. Eschenbach ziel
in der bedeutung strecke, entfernung: dô er eine wîle von dan gereit, wol nâch gein der mîle zil
Parzival 122, 27. I@2@bb)
einige sonderbedeutungen ergeben sich in fach- und berufssprachen. I@2@b@aα) ziel
führt H. Fischer 6, 1198
aus seinem fränk. gebiet als benennung des kleinen hölzernen pflocks, den im märz jede hopfenpflanze und rebe bekommt, an; offenbar als marke (
s. 2
a α); zieler
kleine pfähle bei frischgelegten weinreben (
hohenlohisch)
journ. v. u. f. Deutschl. (1788) 7, 55; Klein 2, 246. I@2@b@bβ)
aus 2
a ζ folgt ziel
als teil eines längenmaszes: er (
der werschuh, ein masz) wird gleich wie der Römern in zwölf ziel getheilt Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. 59. I@2@b@gγ)
ein anderer teil ist: ziel
kapitel eines biblischen buches Götze
frühnhd. gloss. 2 236
b. I@2@b@dδ)
zu- und abgemessen wie ein scheidepunkt und eine grenz- oder trennungslinie wird die tagesaufgabe der spinnerinnen und weber: s ziel musz noch gesponnen, fertig sein,
bevor die spinnerin etwas anderes macht H. Fischer 6, 1198;
in der sprache der lausitzischen weber als mask.: hast n ziel no ne? ich hob n ziel Müller-Fraureuth 2, 704
b;
zugewiesen wird das zîl
der anteil an speisen (
um weihnachten und ostern),
welchen die dienstboten mitnehmen und ihren angehörigen überbringen dürfen Schöpf 829. I@33)
aus den bedeutungen von 1
und 2
wird die verwendung von ziel
auszerhalb der sphäre des wettkampfs, der wanderung und reise, besonders aber im geistigen bereich gespeist. I@3@aa)
das bild des zielpunktes, wobei das wort zielpunkt (
s. d.)
selbst in wettbewerb tritt, und des standortes des zielenden schwebt vor: vom anstand bisz zum zil S. Franck
sprichw. (1545) 1, 1
a,
doch auf einen vorgang bezogen, wie die parallele wendung von anfang bisz zum end
erkennen läszt; vielleicht hierher: nu gibe der warheit schiere ein zil, ob du vor mir genesen wilt Ulrich v. Türheim
Tristan 510, 12
Massm. hierbei stellt sich der sinn '
masz' (
s. 3
b α)
ein: dessen allen war ursach, dasz man das in äuszerlicher witze und kunst gesuchet, und nicht am rechten ziel Jac. Böhme
s. w. 6, 211
Schiebler; im küssen trifft ein mensch nicht gleich das rechte ziel, je mehr man hat geküst, je mehr man küssen will Lohenstein
bei Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 2, 112; die jugend ist zu schüchtern allzu oft, das alter dann gewöhnlich zu verwegen, doch wer in beiden maasz und ziel nur trifft, wird auch des rechten zieles nicht verfehlen Tieck
schr. 2, 97;
die laufbahn gibt das bild her: der gottlosen seelen haben im ziel ihr bildnisz verloren, denn sie sind in ein ziel eingegangen, und das ziel ist das ende des bildnisz Jac. Böhme
s. w. 6, 88
Schiebler; und wanke ... entgegen meinem ziele, meinem grabe Chamisso
w. 3, 3; er war am ziele seiner heldenlaufbahn Ranke
s. w. 2, 273.
das äuszerste, der gipfel, die vollendung, krone, höhepunkt: erhör ich umb mich her vil vögelein süsz singen, und mit den stimlein klar uns zu bekennen zwingen, das keines menschen stim, wind- oder saitenspihl erraichen kan, wie sie, der besten musik zihl Weckherlin
ged. 2, 372
F.; reich hat die sprache der mhd. höfischen epik diesen gebrauch, in dem ziel
den begriff des abhängigen substantivs steigert, ausgebildet, vgl.: dô saz diu maget an vreuden zil (
in groszer freude) Wolfram v. Eschenbach
Parz. 190, 18; 272, 14; er (
der schild) ist zer werlte sunder wân ein hôchgemezzen vreuden zil
Winsbeke 17, 7
H.; valsches slôz, untriuwen zil daz was der heiden Wirnt v. Gravenberg
Wigal. 7625; 9238; Heinrich v. Neustadt
gott. zuk. 7857
Si.; des wunsches zil
das höchste, schönste, was man wünschen kann, vgl.: si was gar ob dem wunsches zil Wolfram
Parz. 102, 30; Ulrich v. Eschenbach
Alexand. 4023;
verschieden davon die nhd. verbindung das ziel seiner wünsche (
s. c β).
nahe steht der begriff vollendet, vollständig, ausgebildet: er enhete der jâr doch niht sô vil, diu reichent gein des bartes zil (
zu einem ordentlichen bart) Wolfram
Willeh. 271, 2; sich umbgewendt, gegangen fort, in maszen dasz mir kaum so vil zeit hat gebürt zum gruszes zil (
zu einem ordentlichen grusz) D. Federmann
sechs triumph (1578) 54; dô erwarp im swîgen sünden zil (
grosze sünde) Wolfram
Parz. 316, 23.
bisweilen schwebt auch der sinn abschlusz, ende vor, wenngleich die mehrzahl der beispiele dem vorstellungskreis der grenze zugehört (
s. ob. 2
a): swer dem bade volgen wil, der wirt gesetzet an daz zil (
seines vermögens), er habe wênic oder vil
der Wiener meerfahrt 63;
in diesen zusammenhang können auch gezogen werden die stellen: von Provenze in tiuschiu lant diu rehten mære uns sint gesant und dirre âventiure endes zil (
das ende dieser geschichte) Wolfram
Parz. 827, 11; hie hâte ein zil (
ende) daz brievelîn
Konstanzer minnelehre 1528;
vgl.: das zil und end eins jeden dings
terminus Maaler 522
a.
zielpunkt als briefanschrift: so dasz beide briefe ihr ziel nicht erreichten A. v. Arnim
w. 9, 36.
den siegespreis und -lohn am ziel bezeichnet der genitiv: unser herr sprach: es kompt der tag, das ich usz Davides künnen wil ain zwy erkiken, das der zil der rechtikait behalte, und richsne mit gewalte Mone
schausp. d. mittelalt. 1 149; die gekerkerten sind am ziele ihrer freiheit Gerstenberg
Ugolino 260
lit.-denkm.; der name Walsing wird ein ziel des segens bleiben und eine zuflucht der unglücklichen Iffland
theatr. w. 3, 289.
gewöhnlicher wird der siegespreis eines realen kampfes vom verbum abhängig gemacht oder in einer präpositionalen fügung ausgedrückt: so bleib ich hier und streite fort um sie, bisz dasz die fehd ihr rechtes ziel gewinnt Bürger 154
a Bohtz; dem heldenmuth der kaiserschaaren soll sich der durst nach beute paaren, und allen sei das ziel gestellt: des gegenkaisers reiches zelt Göthe 15, 267
W. (
Faust 10 527); heldengeister, schaar der ehren! seht, wir grüszen euch am ziel Cl. Brentano
ges. schr. 2, 34;
zielpunkt, zielscheibe: das ziel des neides ihrer mitbürger Haller
Alfred 164; Niobe, dem schweren zorn der himmlischen ein ziel Schiller 11, 395
G.; er war das ziel vieler spöttereien Tieck
schr. 5, 435; das ziel allgemeiner gespräche Caroline 1, 58; Rückert
ges. poet. w. 1, 62.
zielpunkt von kampfhandlungen, der ort, welcher bei einem angriff erreicht werden soll: bei französischen angriffen mit groszen zielen
kriegsdepesch. vom 16. 5. 1915. I@3@bb)
der vorstellung grenzpunkt, -linie, grenze und gebiet, umkreis entspringt eine anzahl bilder, welche, oft in verbindung mit synonymen von ziel,
beschränkung oder masz ausdrücken. I@3@b@aα)
räumliche und zeitliche (
s. II)
grenze lassen sich in den belegen nicht immer reinlich von einander sondern; manchmal sind beide gemeint: gar mancher steht lebendig hier, den euer vater noch zuletzt der heiszen fieberwuth entrisz, als er der seuche ziel gesetzt Göthe 14, 53
W. (
Faust 1000).
der ausdehnung wird eine schranke gesetzt: es läst sich der ehrsucht nicht so leicht ein ziel als ländern ein gräntzstein setzen Lohenstein
Armin. 1, 6
b;
aus diesem beleg erhellt deutlich die herkunft der wendung ein ziel setzen
von dem brauch, einen grenz- oder markstein in die erde zu graben, ihn einzusetzen: seiner macht ziel und schranken setzen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. 3, 216; die wollust ist vergönnt, wenn man ein ziel ihr setzt Lohenstein
Ibrahim sult. 10; allem eigenen forschen wäre auf diese weise ein ziel gesetzt Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 301
lit.-denkm.; was tugend ist, hat keine grenze, ... wir können ihm kein ziel setzen Bettine
Günderode 2, 162;
das ziel des strebens und handelns ist zu ergänzen: denk nicht in deiner drangsalshitze, dasz du von gott verlassen seyst und dasz gott der im schosze sitze, der sich mit stetem glükke speist. die folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein ziel Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustwald 1, 30; sintemahl gott ihm (
dem Türken) ... ein ziel gesetzet J. Prätorius
anthropodem. pluton. 3, 251.
die beiden letzten fälle gehn auf bibelworte zurück, s. ob. 2
a β;
diese setzt unmittelbar fort: got hat aim yeden mensche sein zile gesetzt, das der mensch nit übergeen mag Albrecht v. Eyb
spieg. d. sitt. (1511) K 6
b.
die verbindung ein ziel setzen
geht durch die kanzleisprache auch in die mundarten ein: zil setzen
wie masz geben,
vgl. unzilsetzlich
wie unmaszgeblich Schmeller-Fr. 2, 1113; einem (sich) ein zil setzen H. Fischer 6, 1198;
wörterbücher: definire grentze und ziel setzen Bas. Faber (1587) 322
a; ziel setzen
metam finemque constituere, terminum parare Stieler 2617; Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a; ein ziel setzen
finem stauere rei, terminos constituere rei Frisch 2, 476
a.
sehr geläufig ist der zusatz von masz,
belege s. 3
b γ.
weniger häufig erscheint setzen
mit ziel '
zielpunkt'
verbunden, s. I 3
c α.
in beiden grundanwendungen von ziel
ist die fügung das (ein) ziel stecken
zu hause, indem sie sowohl einen ziel- (
s. I 1)
wie einen grenzpfahl (
s. I 2)
in die erde stecken bedeutet; der gebrauch der ersten anwendung im geistigen bereich wird unt. I 3
c α abgehandelt. für die zweite folgen die beispiele hier: damit er ... der weltlichen gewalt eyn zill steckt Luther 11, 266
W.; irem bracht ein zil stecken
sprichw. klugred. (1548) 132
a; dann ihm (
dem teufel) gott verhenckt, das ziel steckt und die masz fürschreibt Nigrinus
zäuber. 278; S.
Dach 709
Ö.; doch weil der eitelkeit ein enges ziel gesteckt Lohenstein
Armin. 1, d 4; und so wird ihre flucht umsäumet und ihrem fusz das ziel gesteckt Pietsch
geb. schr. 160; eine ausgebildete technik ... steckt der dramatischen poesie ... ziel und grenze ab G. Freytag
ges. w. 14, 5;
selten dafür stellen: darauf wil ...
s. Petrus keyn regel, mas oder ziel stellen Luther 14, 20
W.;
oder geben: alhie gebe ich hute ein zil alles ungelouben kraft
passional 263, 88
K.; auch weisen: die wollen gotte das zil weisen, zeit und masze legen Luther 18, 519
W. aber sehr geläufig, an die bibelstellen oben angelehnt, wendungen für den begriff '
übertreten, überschreiten': also schiet got uz die clien des vleisches an Marien, wen sie daz zil ubertrat unser naturen in der stat, do sie den gotes sun entpflenc Heinrich v. Hesler
apokalypse 3255; der mensch ... ubertritt das zyl menschlicher ordnung Berthold v. Chiemsee 214
R.; wo ditz tzil wird ubergangen Luther 6, 246
W.; wann sie das zil irer blödikait übertretten Steinhöwel
de clar. mul. 64
D.; dasz ich ... das ziel der höflichkeit ... habe überschritten Rist
friedejauchz. Teutschl. (1653) 147; damit sy nit über das zil der guoten hauszhaltung trätte Frisius
dict. 226
a; demnach sie ... das ziele der bescheidenheit ubertroffen (
haben) D. Federmann
Niderlands beschreib. (1581) 138; doch musz das misztrauen nicht über sein ziel getrieben werden Lessing 2, 307
M.; nun ist gewalts so viel, sie gehet für alle ziel Petri
d. Teutsch. weiszheit 2, Qq 6
a; alsdann gehts über ziel und schnur, das herz möcht sich zerspalten Spee
trutznachtigall 16
Balke; wie oben durch synonyme verdeutlicht: da ... die Normänner kein ziel und schranken mehr hielten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. 2, 238; weder ziel noch gränzlinie kennen Matthisson
schr. 3, 199; treu und ergeben ... ohne schranken noch ziel G. Keller
ges. w. 4, 64.
verneintes ziel
in der bedeutung grenze s. I 3
b δ.
in der klaren bedeutung grenze vgl. noch: ob sie (
die seele) tausend meilen führe, so wäre sie doch auf dem orte, da sie ausgefahren, denn in gott ist kein ziel Jac. Böhme
s. w. 6, 90
Schiebler; denn wer ergründet, herr, doch deines geistes ziel? Neukirch
ged. 221;
circumscripte dicere sein red innert gewüsznen zilen behalten Frisius 226
b; die termin und zile der poesi D. Federman
sechs triumph (1578)
vorr. 4
a. —
einigemal gewinnt ziel
auch die bedeutung bereich, gebiet, umkreis: dâ gienc ez ûz der vreuden zil Wolfram
Parz. 105, 4; aus dem zil edler höfligkeit geschritten Butschky
hochd. kanz. 56. I@3@b@bβ)
als bloszen stilistischen schmuck verwendet Wolfram ziel
im sinne eines begrifflichen rahmens für den vorstellungsinhalt der durch ziel
bestimmten substantive; anknüpfung an die in I 2
ausgebildet auftretende vorstellung eines gebietes, bezirks oder bereichs scheint diesem sprachgebrauch am nächsten zu kommen: slegels urkünde lac dâ âne mâze vil, suln grôze ronen sîn slegels zil (
eine art von schlegeln sein)
Parz. 180, 14; diu (
königin Sekundille) hete in ir rîche harte unlougenlîche von alter dar der liute vil mit verkêrtem antlitzes zil (
mit entstelltem antlitz): si truogen vremdiu wilden mâl 519, 8; solde ich si alle nennen ... liute und lant mit namen zil 319, 19;
abgewandelt durch Rudolf v. Ems: die nu daz zil der welte (
das was welt heiszt) treit
Barlaam 80, 20.
mehr nachdruck besitzt ziel
in einem anderen mhd. und über diese periode hinaus lebenden sprachgebrauch, der den raum- in einen artbegriff umwandelt. vorbereitet ist dieser begriff in dem stammgleichen ahd. schwachen fem. zila,
das neben der bedeutung studium, eifer, streben (
s. ob.)
auch die bedeutung genus, art aufweist, vgl.: in demo einin apostole (
Petrus) ... gahwe dera zilun was bauhnenti (
utrumque genus significandum fuit)
Monseer fragm. 39, 16
H.; mhd. und spätere fälle: ez brach niht wîplîchiu zil Wolfram
Parz. 192, 2; der rinc wart bî der schœnen naht gemezzen unde vor bedâht wol nâch rîlîchen ziln 775, 23;
klarer tritt der zielbegriff als bestimmung hervor: also musz menschlich natur weychen göttlichem will, dann die jungkfrau schwanger war wider natürlich zil Joh. Horn (1560)
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 351.
bei einer handlung stellt sich der sinn '
verfahren'
ein: daz man die balde hînge oder sie slûge âne rehtes zil Eilhart v. Oberg 997
L.; wenn am besten steht das spiel, ist aufhören das rechte ziel Binder 185;
zu geschehnissen und vorgängen paszt die übersetzung lage oder gang, lauf, auch fügung: du bis nu billich starker vil, dan du souldes syn in sulcher tzil (
lage)
pilgerfahrt d. träum. mönchs 4698
M.; Julianus ... ward do von gelúcks zil (
nach fügung des schicksals) keyser
d. heil. leb. summerteil 70; der kiel der gie in snellem zil
Wartburgkrieg in minnesing. 2, 18
a v. d. Hag. wie oben wîplîchiu zil
auch in eines diebes zil
wie ein dieb: so müeze ich nu erstochen werden in eines diebes zil 2, 6
a;
ähnlich in der katzen zil
wie katzen ebda. I@3@b@gγ)
anders als die in β dargestellte verwendung, welche völlig abgestorben ist, hat sich die bedeutung masz, die sich an α anschlieszt, kräftig entfaltet. der begriff schranke, grenze von α schwebt noch vor: küszt und trinkt nicht allzuviel; jede wollust hat ihr ziel; lernt euch selbst besiegen Cronegk
schr. (1766) 2, 286;
die verknüpfung mit der maszvorstellung erzielt das adj. recht: zu wenig oder zu viel ist kein rechtes ziel P. Kentz
güld. handwerksbod. (1629) 177; ein dukaten ist zu viel, a zehnerl, a zwanzgerl steht im rechten ziel Hartmann
spiele in Bayern 11; zehn dukat' ist viel zu viel, eine mark ist das rechte ziel
fastnachtsvers bei H. Fischer 6, 1198; ein dutzend thaler wär nicht zu viel, zwei dutzend wär das rechte ziel E. Baumeister
zimmermannssprüche 69;
s. auch Binder 185 (
zit. ob. 3
b β);
hierher auch: er hat das rechte zilli (
das rechte mittel) getroffen Stalder 2, 474.
mitten in den begriff masz führt die besondere nennung des maszes oder messens selbst: des menschens gerechtikait hat zuo iglicher zeit ir gemessen zyl, wo sy dasselb zyl erraicht, alsdenn wirt sy geacht für gnuogsam und volkommen Berth. v. Chiemsee 38
R. belege: in deiner (
gottes) hand so steht das zil, zu helfen durch weng wie durch vil H. Sachs 1, 235
K.; keinr thu zu wenig noch zuviel, ein jeder bleib bey seinem ziel Er. Alberus
fabeln 138
ndr. in verbindung mit präpositionen: alles mit masz und ziel Deinhardstein
ges. dram. w. 1, 31;
häufiger ist über: die nagel waren uber zil (
übertief) getriben in dez cruces bogen, mit noten worden sie uzgezogen Heinrich v. Neustadt
gott. zukunft 3326
Si.; swer in (
den wein) trinket uber daz zil und kein maze haben wil, daz ist der sele unheil
der Wiener meerfahrt 664; dann Lucretia das fromm wyblich bild ward zwungen, drungen ganz unmilt und wider iren willen übers zyl
schweiz. schauspiele d. 16. jahrh. 3, 16
B.; gott läst nichts übers ziel wachsen Lehman
flor. pol. (1662) 1, 375; mir schien sie stolz, weit über ziel und masz A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 103; treten über
in älterer sprache, wovon hierher etwa ein beleg wie: du bist getreten ubers ziel und hast der speisz gfressen zuviel Er. Alberus
fabeln 163
ndr.; ich hab getretten ubers ziel und hab des dings zuviel gemacht
ebda 51;
weitere belege für treten über
s. teil 11, 1, 2, 228;
andere bewahren den begriff grenze besser (
s. ob. 3
b α): wir aber rhmen uns nicht uber das ziel, sondern nur nach dem ziel der regel, damit uns gott abgemessen hat das ziel, zu gelangen auch bis an euch
2. Kor. 10, 13;
am häufigsten ohne: der gottlos helt sie (
tochter Zion) ohne ziel zum affenwerk und fasnachtspiel Sim. Dach 172
Ö.; het an seiner landherren vil mordes gestiftet ane zyl H. Sachs 2, 95
K.; spahrt sie gerne viel, so seuft er ohne ziel Gabr. Voigtländer
od. u. lied. (1642) 45; als ... der tribun ohne ziel mit grausamen strafen wüthete Niebuhr
röm. gesch. 2, 207,
wo auch der sinn ohne ende, in einem fort möglich ist; weitere belege s. unt. II 1
a δ.
ein anderes mittel, den begriff ziel
der maszvorstellung ein- oder unterzuordnen, besteht in der zusammenstellung zu einer gruppe; diese enthält die wörter masz
und ziel;
von verben erscheinen setzen, geben, halten, beobachten, haben, kennen, wissen;
mit dem verbum setzen
hält sich das bild des grenzsteins frisch, und daher bewahrt sich in diesem falle der begriff der grenze noch eine gewisse selbständigkeit: ihm ist gesetzet masz und ziel, was ihm soll werden und nit mehr H. Sachs 5, 99
K.; setz auch eines jeden plage ihr bestimmtes maasz und ziel Benj. Schmolcke
schr. (1740) 1, 29; ein schöner früling setzt dem winter ziel und maasz Chr. Warnecke
poet. vers. 381; euch ist kein maasz und ziel gesetzt Göthe 14, 84
W. (
Faust 1760); Schleiermacher II 4, 34; Hebbel I 4, 154
W.; (
du gott) gabst dem unfall masz und ziel P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 356
b; disser spruch 'du sollt keyne götter haben' ist ... der heubtspruch, das mas und das zil, darnach sich zihen, lenken und messen sollen alle wort Luther 18, 69
W.; Endinger judenspiel 154
ndr.; o kaiserliches here, halt christlich masz und zil, nicht zutrink oder schwere
bei Liliencron
histor. volkslied. 4, 53; H. Sachs 22, 378
K.-G.; ders., fastnachtssp. 1, 67
ndr.; masz und ziel halten Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a; dasz diese eigenschaften ... ihr ziel und masz haben Bodmer
abh. v. d. wund. 16; maasz und ziel hierin ... beobachten Adelung
mag. f. d. deutsche sprache 2, 2, 33; masz und ziel (
der belehrung) ist dir nicht verborgen Göthe 24, 256
W.; finem et modum transire uberschreiten ziel und masz Bas. Faber
thes. (1587) 281
a.
der menschlichen schwäche als einer stets beobachteten anlage geht die grosze zahl verneinter fälle parallel: (
Philine) kannte weder masz noch ziel Göthe 25, 266
W.; dasz sie (
eine freundschaftliche verbindung) ... kein masz noch ziel mehr wisse Fr. H. Jacobi
w. 1, 64; kein masz und kein ziel kennen
sich nicht zu mäszigen verstehen Schöpf 829; kain masz und kain zil haben Schmeller-Fr. 2, 1113; der hat kein masz noch zil H. Fischer 6, 1198;
sonst: es geht zurück mit diesem edeln haus. — kein masz noch ziel! Schiller 12, 164
G. (
Piccol. IV 5); Wolfh. Spangenberg
ausgew. dicht. 150
Mart.; abhängig von der präpos. ohne: darumb mag er (
der freie wille) uberal frey umbfliegen on all zyl und mas Berth. v. Chiemsee 294
R.; dieweyl sich die gottlose rott nemt uberhand on masz und zil H. Sachs 18, 56
K.-G.; Göthe 9, 249
W.; aoni maos on zil
maszlos Christa
wb. d. Trier. ma. 224
a.
weitere verwandte begriffe treten hinzu: er solle ... gotts gnaden nicht stet noch ziel, noch zeyt, noch mas, noch person, noch verdienst setzen Luther 19, 204
W.; es wird derjenige ein verschwender genennet, welcher im geldverthun weder zeit, ziel noch maasz gebrauchet v. Hohberg
georg. cur. auct. 3, 1, 11
a; die liebe schreibt mir vor gesetze, maas und ziel
schausp. engl. comöd. 84
Creiz.; jedoch hat alles seine zeit, ziel, masz und gewicht Thomasius
ged. u. erinn. 1,
vorr. 4; denn meine feder hält nicht regel, maasz noch ziel Neukirch
ged. 188; wenn maasz, ziel und verhältnisz nicht in der seele des dichters ist Lenz
ges. schr. 2, 339
Tieck. einige ältere sonderfälle berühren die maszvorstellung, stehn aber noch näher bei dem begriff grenze, schranke: Adame tet er undertan gar wilde und zam biz uf ein zil: ein obez daz du soldest miden dur solh ungemach bruder Wernher
in minnesing. 2, 227
a v. d. H.; trahekeit hatte ziel sich zu pynigen und auch mich zu hindern
pilgerfahrt d. träum. mönchs 8818
B. (
Berleburg. hs.),
wovon die Kölner hs. folgende fassung bietet: traicheit en dorfte sich neit underwynden mich zo halden vor noch hynden 8772
f. M. dagegen liegt die vorstellung des maszes rein vor: der welte unstætekeit ist vil. niemen kan an halbez zil gemezzen der werlde unstæte grôz Rudolf v. Ems
Barlaam 11, 2
Pf.; ei schneid sie (
die ohren) im ab zu halben zil, er hat ir dennoch mer dann zu vil
fastnachtspiele 188
K. I@3@b@dδ)
zur bedeutung grenze, schranke, ende führt die verbindung kein ziel
zurück: der gnade enist kein zil gegebin
paradis. anim. intellig. 134
Str.; dasz er beschwert werd mit dem zoll uber d gbühr, wie sonsten wol an andern orthen gschicht gar vil, da des berupfens ist kein zil Marx Mangold
markschiffergespräch v. d. Frankfurt. mess (1596) 104; gottes hand zu helfen hat kein ziel Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. D
b,
nr. 12; er wuszte seines grams kein ziel Kretschmann
s. w. 6, 327; der tyranney, der härte wird kein ziel Schiller 12, 405 (
Maria Stuart I 2); 14, 297
G.; beschränkung, festsetzung, bestimmung: bei üns in darf (
dorf) hàts kaen zil, tuət ən iədər hin worə will
bei Schmeller-Fr. 2, 1113; es, das hat kain zil
darüber ist nichts beschränkendes festgesetzt ebda. das verneinte ziel
nimmt leicht die bedeutung unendliche, übermäszige menge an: des volkes menje âne zil
Elisabeth 9328
R.; de schepe drogen ane til der werlde gudes so vil
nd. Brandan 560
Sch.; im landt Phönicia ohn zil hett er ligender gter vil Spreng
Ilias 10
a;
ebenso bei kein ziel: fleisch hat kain zil
es ist überflusz an fleisch Schmeller-Fr. 2, 1113;
verdeutlichend tritt zahl
hinzu: der guoten lon ist so vil uber zal und uber zil Heinrich v. Neustadt
gott. zukunft 7773
Si.; denn bey dir ist der gnaden viel, erlösung auch on zahl und ziel Dav. Lang
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 1, 184; was hilft es, das gemähld, gesang, die zahl und maasz wol zu verstehen, der sternen lauf, der welt fortgang und alle länder zu besehen, wan in sich selbs mein hertz, verblindet, kein zihl, maasz, zahl noch regul findet? Weckherlin
ged. 1, 183
F.; bei zählbaren wesen stellt sich der sinn unzählig viel ein; dahin führt: ir ist mit zal also vil, das dy zal ist uber zill (
unnennbar grosz) Heinrich v. Neustadt
Apollon. 3017
Si.; so nun: die Christum sahen, der waz vil: den dauf enpfingen sie ane zil
ders., gottes zukunft 4925
Si.; ich zeuch hner und gäns ohn zil H. Sachs 17, 259; 14, 11
K.-G.; zudem hab ich noch one ziel uber disz heimlich leiden verfolger und miszgönner viel Ringwaldt
handbüchlein B 1
b;
laut. wahrh. (1598) 101; Spreng
Ilias 89
b;
dieselbe bedeutung auch in der verbindung kein ziel: der schöpplein wird kein ziel Mörike
ges. schr. (1905) 1, 71;
aber einigemal besitzt sogar das unverneinte ziel
die bedeutung zahl: dar nach in dú selben lant wart sant Thoman och gesant tovffen und leren, ir zil ze gotte meren schweizer Wernher
Marienleben 3480
H.; was ist das vierte kind? es ist ein gutes ziel, nach diesen sage man: zuviel, zuviel, zuviel Chr. Weise
grünend. jugend 170
ndr. ebenso unverneintes ziel
in der bedeutung menge: bekümmerens viel und sorgen ziel der mensch ihm macht beid tag und nacht Petri
d. Teutsch. weiszheit 2, K 4
a.
verneintes ziel
in der bedeutung grenze: wan sine maze an zil ist lenger wen daz ertrich vil und ist vil breiter wan daz mer
Hiob 4155
K. mit sueszer wunne ane zil Heinrich v. Burgeis
d. seele rat 6490
Ros. I@3@cc)
eine hauptaufgabe fällt dem worte ziel
als sprachlicher ausdruck des realen und geistigen strebens zu; damit liefert es den begriffsgehalt des von ihm abgeleiteten verbums ahd. zilên,
s. zielen I A 1.
zur seite treten ihm, oft verbündet, die gleichfalls aus der zielvorstellung stammenden wörter zweck
und absicht.
ergänzung liefern die abschnitte I 1
a γ und b γ. I@3@c@aα)
ausgang ist das bild des wettkampfes, in die vorbereitung führt das verbum stecken (
s. ob. I
a α): do stekt er ihn das zil Luther 34, 2, 162
W.; wie er ... ihrem (
der apostel) leren das tzill steckt 10, 2, 87
W.; später meist mit reflexivem dativ: man kann nicht sagen, dasz hoch Arminius das ziel sich stecket H. v. Kleist 2, 333
Schm.; Schopenhauer
w. 1, 16
Gr.; ich hatte mir damals ein hohes ziel gesteckt Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 7, 101; Mommsen
röm. gesch. 2, 70; stecke dir nicht allzuweite ziele!
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 9;
auch aus-,
bei Göthe auf-
und vorstecken: durch thaten, die die ehr ihr selbst zum zil aussteckt A. Gryphius
trauersp. 1
P.; das letzte ziel der kunst ... aufgesteckt Göthe 46, 35
W.; jeden menschen ... zu einem so hoch aufgesteckten ziele bringen 21, 190
W.; 42, 2, 178
W.; das hohe ziel, das er sich vorgesteckt sah 21, 46
W.; 17, 178
W.; auch stellen: ein sehr vil höher ziel hab ich gestellet mir Opitz
teutsche poemata 145
ndr.; ferner zeigen: wo ihrem drange ... ein ziel gezeigt würde fürst Pückler
br. 1, 139;
seltener begegnet in dieser anwendung das verbum setzen (
s. ob. 3
b α): wir menschen thorecht und verblendt all setzen unser zihl und endt allhie auf erd in diser zeit nach dignitet und würdigkeit Meichel
Bidermanns Cenodoxus (1635) 181
F.; was ists, worauf ihr ziel gesetzt hat alle welt? Logau 252
E.; die schönsten gedichte Martials ... setzen sich oft ein edleres ziel Herder 15, 341
S. auf das hoch gesteckte ziel weist: sîn prîs gap sô hôhen ruc, niemen reichet an sîn zil Wolfram
Parz. 108, 13;
wettlauf, wanderung setzen voraus erreichen, sich nähern, nahe kommen, nahe sein: freilich betraten wir beide den pfad des ewigen ruhmes, früh erreichten wir beide das ziel grafen zu Stolberg
ges. w. 1, 159; so nah dem ziel, sollt ichs nicht erreichen? Klinger
n. theat. 1, 10; W. v. Scholz
erz. 103; das ziel einer politischen reformbewegung wird ... erreicht werden ... nur durch die erringung der politischen macht Ad. Hitler
m. kampf 377; mich ... meinem ziele ... nähern Göthe 22, 27
W.; doch jetzt, dem ziel so nahe, darf ich wohl das lange schweigen brechen, und ich wills Schiller 14, 40
G.; das bild des laufes, der wanderung und der seefahrt schwebt weiter vor: du ... hast ein weites ziel vor augen Herder 23, 15
S.; männer ..., welche auf dasselbe ziel losgehen G. Keller
ges. w. 3, 244; die angeborne heftigkeit und hast ... ergriff mich oft und trieb mich ab vom ziel Göthe 11, 298
W. sodann sich ein ziel nehmen,
nur in der älteren sprache: Wolfram
Parz. 131, 10; des selben nement iu ein zil Hartmann v. Aue
Erec 8587; wer recht wol beten wil, der nem Christum zum ziel Petri
d. Teutsch. weiszheit 1, G 6
b;
vgl. hierzu das begrifflich nahestehende wort zielzeichen
vorbild, beispiel. ferner zum ziele führen, ans ziel führen, nach einem ziele lenken: dasz ... die winke des teufels ... viel schneller zum ziele führen Klinger
w. 11, 229; Göthe IV 32, 89
W.; teil 1, iii; das begonnene und eingeleitete durch- und ans ziel zu führen Göthe IV 40, 219
W.; wenn ... ein ... freund ... ihn durch warnungen ... nach dem ziele lenkt Fr. Schlegel im
Athenäum 1, 2, 152.
dem zweck dieses bildlichen sprachgebrauchs paszt sich die wahl des bezeichnenden verbums streben,
auch dem worte ziel
als substantivischer infinitiv gleichgeordnet, besonders eng an: nach einem ziele streben wir alle hin Alb. Methfessel (1813)
in Böhme
volksth. lied. d. Deutsch. 39; sein streben, sein ziel ist der höchste zweck der kunst Göthe 47, 320
W.; es sei dein schönstes ziel und streben, dich andrer leid und freude weihn Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 1, 6.
das bild des kampfes wird von neuem in folgenden fällen vor das auge gestellt: der sich ins weite feld der leichten lüfte wagt, ... ist, eh als er das ziel, nach dem er rang, gefunden, ertrunken in der see A. Gryphius
trauersp. 34
P.; wer bürgt uns, dasz kräfte auszer uns, gegen unsre plane ankämpfend, uns des kranzes am ziel nicht noch berauben? maler Müller
w. 2, 120; (
jetzt,) wo wir den kampf gewaltiger naturen um ein bedeutend ziel vor augen sehn Schiller 12, 7
G. (
Wallensteins lag. prolog); eine aus sittlichen motiven entspringende, nach sittlichem ziele ringende that W. H. Riehl
deutsch. arb. 5.
dasz durch das ziel eine richtung festgelegt wird, erkennt man am folgenden: in dich hab ich mein ziel gericht, mein einig all, meins lebens liecht Opitz
opera (1690) 2, 201; wohin der ... fruchtbringenden gesellschaft ziel und absehen ... gerichtet seyn möchte Neumark
palmb. 5; ein ziel eines hauptcharakters, also eine richtung desselben O. Ludwig
ges. schr. 5, 92;
mehrere richtungen können sich im zielpunkt treffen: zum menschen, der doch am ende das ziel ist, in dem alle entwickelungen der natur zusammenlaufen Oken
allg. naturgesch. 1, 3. I@3@c@bβ)
häufig enthält ein von ziel
abhängiger genitivus subjectivus den vorgang, die handlung oder die seelische bewegung, die nach dem ziel streben: si sprach: du bist von triuwen komen. hete ich des toufes niht genomen, dû wæres wol mîns toufes zil Wolfram
Parz. 111, 9; wan dâst des kusses hœstez zil 310, 19; ich selbst werde wie gantz neue, sing und klinge deine treue, meines lebens einges ziel, auf der harf und psalterspiel P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 411
b; o geliebte, mich wählten vor allen weibern der erde, welche mit mir erwuchsen, die götter zum ziele des jammers Voss
Odyssee 79
Bern. (4, 723); ob sie die stadt gewonnen, ihrer rache ziel erreicht, vernahm ich nicht Göthe 10, 19
W.; das ziel meiner innigsten sehnsucht 33, 187
W.; lasz die begeisterung die kühnen flügel schwingen zu dir (
gott), zu dir, des hohen fluges ziel Schiller 1, 27
G.; vielfach und in der neueren zeit am meisten gebraucht das ziel meiner (aller, der) wünsche: (
die grösze Athens,) welche das ziel aller ihrer wünsche war Wieland
Agathon (1766) 1, 345; das ziel aller meiner wünsche Göthe 22, 125
W.; am ziel meiner wünsche IV 38, 137
W.; Pfeffel
pros. vers. 5, 185;
weitere fälle s. 3
c γ. I@3@c@gγ)
ziel, zweck und absicht von handeln, leben und streben seien hier zusammengefaszt dargestellt und dabei die mannigfaltigkeit der sprachlichen fügungen zur anschauung gebracht. I@3@c@g@aaαα)
zunächst im bereich des realen: sicherheit ..., die die gröszten helden des alterthums so oft vor dem ziel aller ihrer unternehmungen übereilte Lenz
ges. schr. 3, 156
Tieck; so nehmt denn meines königs fehderuf aus meinem munde, meiner botschaft ziel
Shakespeare 5, 8; (
er) hatte ... das lange ins auge gefaszte ziel seiner unterhandlungen erreicht Ranke
s. w. 1, 343; 275; liebe ... ist das ziel ihres (
der frauen) lebens, ihr leben selbst Moltke
ges. schr. 1, 55; — so würde die krone ... endlich ihr groszes ziel, die absolute gewalt, erreichen Archenholz
Engl. u. Ital. 1, 1, 10; Treitschke
deutsche gesch. 1, 216; wenn das grosze nationale ziel nicht zu erreichen sei Bennigsen
nationalliber. partei 8; kain recht kumpt selten zue dem zil an sünde wenig oder vil Oswald v. Wolkenstein 118, 83
Sch.; durch eine unsichtbare verkettung äuszerer zufälle (
wird der mensch) seinem ziele entrissen Gerstenberg
Ugolino 254
lit.-denkm.; die kühnheit dieses würdgen officiers, die jetzt in ihrem ziel sich nur vergriff Schiller 12, 76
G. (
Piccol. I 2); jene plane ... waren ... zu ihrem ziele gediehen Ranke
s. w. 1, 28; mein leben, das sein eignes ziel verlor Bauernfeld
ges. schr. 3, 112; die ehe ... musz einem gröszeren ziele, der vermehrung und erhaltung der art und rasse, dienen Ad. Hitler
m. kampf 275; 117; grund und boden als ziel unserer auszenpolitik und ein neues, weltanschaulich gefestigtes, einheitliches fundament als ziel politischen handelns im innern 735; ihr (
der alldeutschen bewegung in Österreich) ziel war richtig, das wollen rein, der eingeschlagene weg aber falsch 130; verhandlungen ..., deren nächstes ziel eine fünftägige waffenruhe war Bismarck
ged. u. erinn. 1, 60; dasz der jung ... mit dem mädel ans ziel (
in die ehe) will
F. Kürnberger
ausgew. novell. (1857) 43.
sodann im geistigen gebiet: K. Stieler
geh. Venus 24
ndr.; gesonderte pfade gehen zum hohen ziel, zu der glückseligkeit Klopstock
oden 2, 65
M.-P.; das schönste ziel, die harmonie mit sich selbst Göthe 23, 54
W.; wir haben ein ziel, eine grosze idee, für die wir leben G. Freytag
ges. w. 15, 86; das ewige ziel des menschen Dittrich
gesch. d. ethik 3, 143;
in wissenschaft und kunst: und ist dir dein gelehrtes ziel durch einen sanften kusz verrücket? Gottsched
ged. (1751) 1, 154; dieses wissenschaftliche ziel ... erreichen Ritter
erdk. 1, xii; Klopstock
oden 2, 17
M.-P.; das ziel der philologie Fr. Schlegel im
Athenäum 1, 2, 38; der kunst höchstes ziel erreichen Göthe 49, 33
W.; gang und ziel ihres stückes (
theaterstückes) IV 41, 126
W.; das letzte ziel menschlicher forschung A. v. Humboldt
kosmos 1, 32. I@3@c@g@bbββ) ziel
und zweck,
die sich als ausdrücke für das ziel eines schusses ergänzen (
s. I 1
a γ),
weisen auch in der übertragenen verwendung diese begriffliche verwandtschaft auf, aber sie decken sich in der schriftsprache nicht: zweck ... ist ein ziel, so man ihme fürsetzt Gueintz
rechtschr. 172;
diese begriffsbestimmung gilt noch, sie legt den nachdruck auf die rückbeziehung auf das subjekt, welches das ziel steckt oder setzt; der zweck
verlangt die vernünftige überlegung, wozu ein ziel
gesteckt wird, die absicht, während das wort ziel
diese einschränkende bestimmung nicht in sich trägt. daher scheiden die belege scharf, vgl.: wenn er auch nicht gerade immer einen praktischen zweck suchte, ein praktisches ziel hatte er doch immer ... vor augen Göthe 36, 338
W.; s. auch 47, 320
W. (
zit. ob. 3
c α);
und auch in der gruppe bleibt diese begriffliche sonderung bewahrt: zweck und ziel seines lebens 24, 227
W.; ziel und zweck der reise Brentano
ges. schr. 5, 364; Savigny
beruf uns. zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 3;
weniger deutlich, aber gewisz auch vorhanden, ist der abstand in folgendem beleg: (
der mensch) wird ... sich selbst zweck und ziel Herder 5, 28
S.; indem sich aber einerseits zweck
der vorstellung ziel
unterordnet, wenn zugleich mit dem ziel
auch der zweck
auf der zielscheibe gesteckt oder aufgesteckt wird, vgl.: die aber frömmigkeit als zweck und ziel aufstecken, sind entweder schwachköpfe oder heuchler Körte
sprichw. 119,
wenn ferner zweck
gar an die stelle von ziel
als endpunkt und mal eines laufes oder einer wanderung treten kann, wie in den teil 16, 960
mitgeteilten belegen, so ist auch anderseits bei der nähe der gegenständlichen bedeutungen eine gleichsetzung oder gar unterordnung von ziel
unter die übertragene bedeutung von zweck
denkbar (
doch s. unt.);
belege hierfür: eine sonderbare cassa aufgerichtet und zu gewissem und verborgenem zweck und ziel gezogen haben
acta publ. d. schles. fürst. u. stände 1, 59
P.; unser verdienst oder unverdienst bestehet nicht so sehr in deme, was wir thun, als in dem ziel und zweck, darumb wirs thun Äg. Albertinus
zeitkürz. 67; dieses (
ist) der Deutschen Theologiae einiger zweck und ziel Joh. Arnd
Thom. a Kempis theolog. (1670) A 5
a; von dem ziel oder zweck der zeitungslesung Stieler
zeitungslust u. -nutz 80; er begeht lauter dinge, die ohne ziel und zweck sind Stifter
s. w. 1, 274; dasz der pflasterweg ... nun ohne ziel und zweck in dem rasen liegt 4, 1, 260; du scheinst mir ein cumpan, der ohne zweck und ziel die welt durchstreift. mein ziel und zweck ist, herr, mich satt zu essen Bauernfeld
ges. schr. 5, 19,
wo das erste ziel
den schriftsprachlichen sinn trägt. bei Stieler
ob. und unt. bei Dahlmann
durch übernahme zu erklären, ist die bedeutung absicht, zweck, endzweck damit nur auf das obd. sprachgebiet begrenzt; vgl. Heynatz
antibarb. 2, 668;
besonders deutlich wird die bedeutung absicht in der verbindung mit der präposition zu: Abraham hat gesehen, dasz ... ihm (
seinem sohne) nichts mangle als ein weib, so hat er zu diesem ziehl ausgeschickt seinen hausverwalter A. a
s. Clara
etw. f. alle 2, 291;
übernommen von Dahlmann: verabredung ... zu dem ziele, man wolle keinen von uns ... anstellen
an Jac. Grimm 1, 125
Ippel. ein anderes mittel, diesen sinn zu sichern, ist die zusammenstellung mit wille: weilen aber ... des menschen will und ziel nicht selten im ausgang stolpern A. a
s. Clara
merks Wien 72.
dasz diese begriffsentwicklung bereits in der mhd. periode beginnt und somit im obd. wahrscheinlich in sich zu dem jetzigen ergebnis geführt hat, lehrt folgender fall: dâ wâren kameren ane vil, underscheiden nâch ir zil (
bestimmung, zweck)
Elisabeth 4962
R.; wenn Göthe
sich einmal ebenfalls der bedeutung endzweck zu nähern scheint, so ist doch die vorstellung eines zielpunktes noch erkennbar: sie (
die natur) ist listig, aber zu gutem ziele II 11, 9
W. im obd. steht noch ende
als dritter ausdruck für den sinn zweck, absicht zur verfügung (
s. teil 3, 456
f.),
einige belege vereinigen ziel
und ende
zu einer gruppe: bringn wir herfür ein christlich spiel nur zu dem end und zu dem ziel, das wir damit nütz wolten sein Dedekind
papista conversus (1596) A 1
a; zu was zil und end er sich im menschlichen leib versamble Guarinonius
greuel 1089. IIII.
als zeitvorstellung. II@11)
zeitpunkt. II@1@aa)
endpunkt eines zeitlichen vorganges und geschehnisses oder einer handlung, II@1@a@aα)
des lebens: ist nâch tôde ein ander leben? oder wirt dem lîbe ein zil gegeben, daz sîn gehügde ersterbe? Rudolf v. Ems
Barlaam 35, 18
Pf.; gelebet hâte er an daz zil Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 2217;
kl. mhd. erz. 90, 87
Ros.; nu welt ir mich Benjamins ânen unde welt mich tœten ê mînes zils
Deutschenspieg. buch d. kön. 4, 15
Eckh.; jedem ist gsetzt sein end darmit, darüber thut er keinen tritt, stirbt auch nicht eh, drumb ich nit wil fliehen; wenn gott wil, ist mein zyl H. Sachs 15, 21
K-.G.; wer fleiszig ruft zu gott und lebet als ein Christ, der stirbet nicht, wen gleich sein ziel fürhanden ist Rist
n. teutsch. Parnasz 174; auf dasz du schnell gelangest an dein ziel Bürger 171
a Bohtz; geliebt, geehrt bis an mein ziel 11
a Bohtz; nach ihrer religion hatte das leben selbst der höchsten götter ein bestimmtes ziel und ende Niebuhr
röm. gesch. 1, 91; in betrachtung des endes, so da ist das ziel eures lebens Moscherosch
ins. cura par. 28
ndr.; artzney hilft, wenn gott wil, wo nicht, so ists des lebens ziel Lehman
flor. pol. (1662) 1, 60; ist meines lebens ziel vorbey, so nimm, herr, mich von der erden Neukirch
ged. 59; (
ein greis,) der das ziel des gewöhnlichen menschenlebens überlebt hat E.
M. Arndt
an s. l. Deutsch. 2, 42.
dabei treten die verbalen fügungen ein ziel setzen, ein ziel stecken
wie bei der räumlichen vorstellung (
s. I 3
b α)
auf: er hat seine bestimpte zeit, die zal seiner monden stehet bey dir, du hast ein ziel gesetzt, das wird er nicht ubergehen (
determinationes; du hast gesetzt seyn zil, die do nit mögen ubergeen
erste dt. bib. 7, 176; termine
Köln. bib.; ende
Halberst. bib.)
Hiob 14, 5;
danach J. G. Schmidt
rockenphilos. 1, 346; sie ... flehen den tod, ihrem leben ein ziel zu setzen Klinger
w. 4, 156;
curriculum vitae circumscripsit nobis natura gott hat uns verordnet oder ein zil gesteckt des laufs unsers läbens Frisius 226
a; und eh wirs uns versehen, da kömmt der tod, steckt uns das ziel P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 440
b; itzt steckt er (
der tod) uns das ziel weit enger Gottsched
ged. (1751) 165.
in einigen alten belegen tritt ende
zu ziel
hinzu: mit willen nimer sunden wil untz an mines endes zil
väterbuch 3374
R.; von ir will ich nit wenken bis uff meins endes zil
liederb. d. Hätzlerin 44. II@1@a@bβ)
von zeitabschnitten: dô was ez ouch über des jâres zil (
ein jahr war verstrichen) Wolfram
Parz. 57, 29; so sy (
nationen und reiche) auf ihr fürgestelt alter und zil kummen S. Franck
weltb. (1534) 31
b; sonder dieweyl der tag sein zil erraichet und bekommen hett, giengen die götter all zu bett Spreng
Ilias 12
b; dies alte jahr hat auch sein ziel, das neu ist angetretten Sim. Dach 213
Ö.; dich ereilt der jahre ziel Schiller 4, 13
G. diesen freudentagen ein ziel ... stellen A. U. v. Braunschweig
Octav. 3, 55. II@1@a@gγ)
von vorgängen, zuständen, geschehnissen, handlungen: dô sîn segen nam ein zil Konrad v. Würzburg
Silvester 1641; ob du mir des helfen wil, unser swære hât ein zil Ulrich v. Türheim
Tristan 372, 34
Massm.; ich wolt auch liegen also vil, daz nieman west der lugen zil Konrad v. Megenberg
deutsch. sphära reimvorr. 44; weil denn weder ziel noch ende sich in gottes liebe findt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 349
b; wo gott der anfang und das ziel ist, wird alles thun glücklich fortgehen Spanutius 551; ist des jammers und elendes noch lange kein ende noch ziel zu finden Rist
friedewünsch. Teutschland 22; solcher schwärmereyen ziel ist selbstmord Lavater
verm. schr. (1774) 2, 128; nun bald werd ich das ziel der langen qual erreichen Joh. El. Schlegel
w. 1, 13; warum weint ihr?freuen solltet ihr euch mit mir, dasz meiner leiden ziel nun endlich naht, dasz meine bande fallen Schiller 12, 555
G. (
Maria Stuart V 6); diesz war der wunsch, mit dem ich heut am zile der arbeit hocherfreut, den hohen rednerstuhl bestiegen E. Baumeister
zimmermannssprüche 9; dann wäre ... des vergnügens letztes ziel und ende erreicht Stifter
s. w. 1, 47; (
er) konnte ... kein ziel finden, das mädchen zu bewundern 5, 1, 379.
unter den verbalen verbindungen herrscht ein ziel setzen
vor: und gebet dirre rede ein zil Hartmann v. Aue
Gregorius 542
P.; da er (
gott) dem regen ein ziel machte Nigrinus
zäuber. 233; (
es ist) allen dingen ein zeit und zil fürgesteckt
sprichw. klugred. (1548) 163
b; der ... winter setzte der ... arbeit ein ziel Langbein
s. schr. 31, 20; des unerkannt trefflichen wirket so viel, und zeit und ewigkeit setzt ihm kein ziel Göthe 3, 273
W.; ich habe ... meinen zweifeln ein ziel gesetzt Tieck
schr. 7, 86; den greuelscenen ein ziel ... setzen Moltke
ges. schr. 2, 51; Mommsen
röm. gesch. 2, 57. II@1@a@dδ) ohne ziel
ist, wie ob. I 3
b γ,
reich vertreten; es bedeutet ohne ende, unaufhörlich, dauernd, für immer: ir bild ist also fin, daz solde ringen ein keiser wol mit gir nach ir ane zil Rost Kirchherre zu Sarnen
in minnesing. 2, 131
a v. d. Hag.; ewigkeit, die ohne ziel uns (
die ehegatten im himmel) aufs neue treuen wil Logau 176
E.; jenseits des grabes erwartet sie ein leben ..., ein ohne ziel dauerndes leben Haller
Usong 73; der graf hätte so ohne end und ziel reden können Hippel
lebensläufe 1, 152; ohne zîl
ohne ende Schmeller-Fr. 2, 1113; Schöpf 829;
selten sonder ziel: sîn wart gespottet harte vil mit grôzem schalle sunder zil Heinrich v. Freiberg
Tristan 2186
Bernt; sonder ziel warten: Neukirch
ged. 166. II@1@a@eε)
verstärkt ân endes zil
in der mhd. und älteren nhd. periode: daz sú úns sælde mêren êweclîch ân endes zil schweizer Wernher
Marienleben 11 783
H.; in ewikait ǎn endes zil Konrad v. Helmsdorf
spieg. d. menschl. heils 4380; mit ganzer triu ich pleiben will, des glaub du mir, on endes zil
liederbuch d. Hätzlerin 58; Oswald v. Wolkenstein 67, 7
Sch. daneben auch in anderer verbindung: der tac mit ordenunge zuget und wert her biz ans endes zil Heinrich v. Hesler
apokalypse 19 847; swer ir (
der welt) willen gerne tuot, dem gît si sûres endes zil (
zuletzt ein bitteres ende) Rudolf v. Ems
Barlaam 11, 7
Pf.; disz was in des herbstes zît, so wîn in endes zil gelît
liedersaal 1, 609; böser zungen schnatter hatt weder trum noch endes zil
liederbuch d. Hätzlerin 242; die ewigkeit, herr, ist blosz deines endes ziel P. Fleming
d. ged. 1, 11
L. das mhd. kompositum endezil (
s. endziel
teil 3, 468)
stellt sich abweichend zu I 3
a: ûf ein endezil
vollständig schweizer Wernher
Marienleb. 915
H.; und zu I 3
c α: dem wunsche z' einem endezil Gottfried v. Straszburg 10902. II@1@bb)
augenblick, zeitpunkt, indem die vorstellung des abschlusses schwindet oder nur durch einen besonderen zeitlichen endbegriff ins bewusztsein gerufen wird. II@1@b@aα)
dieser besondere endbegriff ist eigens ausgedrückt; es ist begriff und wort tod.
der bedeutung nach deckt sich des todes ziel
mit des lebens ziel,
aber ziel
bedeutet hier augenblick, dort das ende, und des lebens ziel
gibt als ganzes den begriff tod wieder. belege: bereit iuch ze wer!des tôdes zil uns ist gestôzen.owê nû! Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 240, 6
Si.; ir sond wissen, daz ich wil úch geben untz uf todes zill bayde brot und win
Göttweiger Trojanerkrieg 4148; die zeit schaft freud und quale hie nach des todes zil Oswald v. Wolkenstein 91, 62
Sch.; deins todes zil ist auf der ban Spreng
Ilias 241
b; 35
b; die (
gottes gaben) lasz, bis dasz des todes ziel dich trifft, nicht ungepreiset P. Gerhardt
in Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 446
a.
den begriff ziel
als lebensende und den begriff tod trennt wieder E.
M. Arndt: treibt arbeit, müh und noth sie rastlos fort zum ziele, und dieses ziel ist tod
w. 5, 90
R.-M. so deutlich wie bei tod
wird in anderen, syntaktisch gleich gebauten fällen ein abschlusz nicht empfunden; nahe kommt etwa noch: von dem âbende unz an des tages zil wart dâ niht geslâfen vil
Cäcilia 1179
in zs. f. d. alt. 16, 198,
wo des tages zil,
der tagesanbruch, die nacht beendet; der wechter sprach: nun liget still, mit sorgen thut euch neren. fürwar ich euch des tages zil mit gantzen trewen nennen wil, ich wil euch nit verfren Forster
frische teutsche liedl. 121
ndr.; auch der jüngste tag besitzt den endbegriff: an dem jungesten zil Rudolf v. Ems
Barlaam 92, 23;
väterbuch 14898; 21965;
und der entbindungstag ist ebenso mit der schwangerschaft verbunden: die vrawen wurden swanger ... und gelagen beide uf eine vrist, do sie getruogen uf das zil Johann von Würzburg 539
Regel; liederb. d. Hätzlerin 290; viertzig wochen hat gott dem kind in mutterleib zu wachsen gegeben ... und ein ziel gesetzt Paracelsus
opera (1616) 2, 66
b;
aborior zuo fruo geboren werden oder ee zeyt geboren werden oder vor dem zil ein unzeytige frucht bringen Frisius
dict. 8
a; es ist auch nutzlich, dasz die frau ein tag 14 oder mehr vor dem zil alle tag morgens nüchtern 3 oder 4 feigen esse Gäbelkover
arzneib. (1595) 2, 42; wann die schwangere weiber vor dem zil genesen Sebiz
feldbau 46; weil sie nahe auf dem zil gienge Fischart
Garg. 121
ndr.; die gebürliche reinigung bleibt (
bei befruchtung) ausz uber das ordenlich ziel Ruoff
hebammenb. 138;
noch bei Logau 14
E.; weitere fälle bei H. Fischer 6, 1199
f.; auch plur.: man findt ... geschriben, das in Peloponneso ein weib viermahl nacheinander alle zill fünf kinder geboren hat Heyden
Plinius (1565) 13;
schlieszlich noch hierher: das stat bis uf ein zil (
das musz einmal ein ende nehmen)
Schweizer volkslieder 1, 10
Tobler. II@1@b@bβ)
der zeitpunkt des geschehens ist für sich gesehen: er kôs ouch an dem selben zil vil küener sarjande Wolfram
Parz. 183, 10; noch ist nit komen zit noch zil (
Joh. 2, 4), in der mich min vatter wil der welt mit zaichen Oegen, min gothait ir erzOegen schweizer Wernher
Marienleben 7187
H.; nu was ez rehte an dem zil, so dú sunne ufdringen wil mit ir liehten glesten Rudolf v. Ems
weltchronik 35 997; 35 519;
ders., Wilhelm v. Orlens 13 309; 14 422;
passional 266, 9
H.; passional 346, 17
K.; väterb. 29 268; Wackernell
altd. passionssp. aus Tirol 252; woluf, es nachet nun stund und zil, das man mich verraten wil Mone
schausp. d. mittelalt. 2, 267; 1, 257; zwölf uhr ist das ziel der zeit; mensch, denk an die ewigkeit
Schweizer volkslieder 1, 202
Tobler; wie lang und bis zu welchem ziel ist euch die ruh der welt ein spiel? Rückert
w. 1, 171; unde besundern czu rechtem czeile unde cziet nymandes lenger zcum bier ader wyne sal siczen, denne bis man die glocke leuthet (1442)
urkb. d. st. Freiberg 1, 165; Diefenbach
gl. 59
a; bis Johannis ..., welches das gewöhnliche ziel ist, bis zu welchem man sie (
spargel) erhalten kann A.
F. Nolde
bemerk. aus d. geb. d. heilkunde u. anthropolog. (1807) 1, 140.
syntaktisch gleich des tages zil (II 1
b α): swen intstê urlougis zil Nic. v. Jeroschin 3083
Str.; wenn der rauch nit aus dem haus wil, so ist vor augen regen zil Reymann
wetterbüchl. 12.
in älterer sprache ieglichez, allez zil,
auch plur. alle zil
jeden augenblick, stets, immer, dauernd, in einem fort, jedesmal, kein zil
niemals: die ein ieglîchez zil sîn almuosen âzen
passional 202, 54; 497, 85
K.; der teufel wil allez zil mit den seinen zurnen
väterbuch 41 071
R.; die dich gerne unde vil wolden êren alle zil
passional 149, 62
H.; Jeroschin 3069; Mone
schausp. d. mittelalt. 1, 85; in eym exempel ich dich lernen wil, die andern zu verstehn zu allem zil
M. Agricola
music. instrum. 12
E.; da waren vlîgen alsô vil, daz si enmohten kein zil gemach alda vor in haben
passional 409, 34
K. II@1@cc)
festgesetzter, bestimmter, verabredeter oder vertraglich festgesetzter zeitpunkt, termin. II@1@c@aα)
in verschiedener verwendung; feste verbverbindungen bezeichnen den zeitpunkt als festgesetzt, vgl.: bis zu einem ... nicht zu fern gesteckten ziel Moltke
ges. schr. 7, 121; ziel setzen
s. II 2
b; sobald ... einer (
ein kriegsknecht) von einem obersten ... angenommen und ihme der musterplatz und haufen angezeigt wirt, so ist er schuldig, auf solche bestimpt ziel und zeit sich dahin zu verfgen Fronsperger
kriegsb. 1, T 2
b; machten also iren anschlag, das der münch solt zu ihr in das haus kommen, und bestimpten ein glegenes zil an Val. Schumann
nachtbüchl. 64
B.; auf angezeigte zeit und ziel ... erobert er die statt Lorichius
pädag. princip. (1595) 343;
von adjektiven erreichen gewiss
und recht
denselben zweck: weren wir unter den Türken, so müste ein jeder sein gemessene speise, gewis ziel und zeit zu essen ... haben Luther 28, 649
W.; morgen kom zuo rechter tag zil all hie uf dises felt
Friedrich v. Schwaben 6086.
ohne solche hilfshinweise: do daz zil aber begonde nohen, der hertzoge zoget furbas abe gen Mentze (
Straszb.)
städtechron. 8, 60; als es ... über zil und zeit stand Knebel
chron. v. Kaisheim 85
H.; und also seind anderthalbe tage fürüber, dasz sein zyel und termin erfüllet ist
Amadis 394
K.; da ... der müller ... merkte, dasz vor dem ziel alles (
der verabredete bau einer mühle durch den teufel) vollendet sein könnte
deutsche sag. 1, 136;
indutiae zil eines friden Diefenbach
n. gl. 214
b; 215
b.
bei einem vertrage stellt sich der begriff ende (
s. ob. II 1
a γ)
ein: ein vertrag ..., der ... drey jahre über sein ziel fortgedauert hatte Niebuhr
röm. gesch. 2, 241. II@1@c@bβ)
im besondern der termin, auf welchen die zahlung einer geldsumme, eines darlehens, einer schuld oder eines teils davon (
einer rate)
sowie von lohn, miete, zinsen und allen anderen geldlichen verpflichtungen vereinbart ist; nur obd., doch sind die wendungen drei monate ziel
und auf ziel
allgemein gebräuchlich geworden; syntaktisch fest ist die verbindung auf ... ziel
bei zahlen, bezahlen,
daneben tritt zu
auf. belege: wil man ez (
ein pfand) uzborgen, man sol ez uf daz selbe zil uzborgen
Schwabenspieg. landr. 83, 4
G.; swenne man der vorgenanten zil ainez oder beidiu versetze oder versitzet (1283)
urkb. d. st. Augsburg 1, 63; 119;
frühe belege bei H. Fischer 6, 1198
f., Ch. Schmidt
els. wb. 440
b und Schirmer
kaufmannspr. 214; sol derselbe seinem hindersezzen kunt tuon vor dem zil 14 tag, daz er im sein haus raume auf die frist, wan sein zil auz sei
Nürnb. polizeiordn. 290
B.; die ... solten dem kaiser geben 36 tausent auf zwai zill (
Augsb.)
städtechron. 5, 9; (
ich habe) dieselben 12 guldin uff stunt des ziles müssen bezalen G. Steinhausen
privatbriefe d. mittelalt. 1, 83; Steinhöwel
Äsop 72
Ö.; nun ist das zil verschinen und mir nit bezalung gescheen
d. stat Worms reformation (1513) 17
a; Avé-Lallemant
gaunertum 1, 176; erwel dir ein ziel eine usz den dreyen messen, dar in du bezalest din schuld Geiler v. Keiserberg
bilgersch. (1512) B 3
b; so du mir ... ein lang geraumpt zyl zuo der bezalung ... setzest Frey
gartenges. 57
B.; mögen sie das gelt nicht auf das zil aufbrengen Luther 26, 647
W.; H. Sachs 7, 88
K.; ein vogt und gericht sol ordnen zimliche zyl, uff welchs die schuldner das houptguot abzalen Eberlin v. Günzburg 1, 135; 1, 13
ndr.; zur zeit des zils summ ich all sach und wuochergelt zuo hauptguot mach Joh. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 122
b; das er geb tausent pfund ..., das halbtheyl bereydt und das ander halbtheyl auf zil zehen jar lang Carbach
Livius 246
b,
vielleicht auch zu II 2
b zu stellen; zu hernach beschribnen zill und fristen ... bezalen ... sechsundzwaintzig gulden reinisch (1587
tirol.)
österr. weist. 5, 51; soll man ... bestimpte ziel und zahlzeiten nicht verrucken Kirchhof
mil. disc. (1602) 8; 600 gulden an gold auf zil und tag zu erlegen Stumpf
Schweizerchron. 429
a; das ziel, die zeit, der tag, wann der zins gefällig ist Corvinus
fons latin. (1646) 352; in dreyen zielen zahlen Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a; das ziel ist verflossen, verstrichen
ebda; Frisch 2, 476
a;
von Adelung
2 4, 1710
als obd. verbucht; in den obd. maa. verbreitet: s. ob.; Martin-Lienhart 2, 902
b;
plur. schwäb. und bair. ziler H. Fischer 6, 1199; Schmeller-Fr. 2, 1113; Bühler
Davos 1, 242;
auch auf ziler kaufen
ebda; ufs zīl
im gegensatz zur barzahlung O. Meisinger
Rappen. ma. 212
a; Seiler
Basl. ma. 325
a; Hunziker
Aargauer wb. 309; zinse oder capitalien auf das und das zil, in so und so viel zilern (
terminen) bezahlen Schmeller-Fr. 2, 1113; ziel
zahlungstermin Bauer-Collitz
waldeck. 184,
aus dem obd. im kanzleiverkehr entlehnt. termin der lohnzahlung: uf das zyl soll ein jetlicher eehalt bar bezalt werden Eberlin v. Günzburg 1, 129
ndr.; kaim eehalten soll die meisterschaft den lon vor dem zyl geben
ebda. im 16.
jahrh. kommt eine redensart auf, welche vorm kauf auf borg und auf abzahlung warnen soll; ihren sinn erklärt S. Franck: die wolf fressen kein zil: du darfst nit denken, eh dise zeyt kompt, so habens die wolf gefressen; die zeit friszt wol wolf, leut und alles, aber niemand die zeit
sprichw. (1545) 1, 79
a; und thut in viel geldschuld einrinnen und tracht nicht, wie er zalen wil; so essen doch die wolf kein ziel H. Sachs 9, 480
K.; vielfach bezeugt: J. Brenz
pred. Salomo (1528) 98
a;
sprichw. klugred. (1548) 44
a;
quod differtur, non aufertur, Germani eleganter: der wolf frist kein ziel Bas. Faber
thes. (1587) 313
b; Eyering
proverb. cop. 2, 478; wer viel zu borg aufnehmen wil, dem fressen noch die wölf kein ziel Petri
d. Teutsch. weiszheit 2, K k k 6
b; Pistorius
thes. paröm. 134; Frisch 2, 476
a.
als fachwort in den gemeindeutschen geschäftsverkehr nur in zwei formen aufgenommen: auf ziel
auf kredit, vgl.: auch die kleinen geschäfte ... (
sollten) sich zum verkaufen 'auf ziel' bequemen Doren
Florentin. wolltuchindustrie (1901) 185; Schirmer
kaufmannspr. 214;
die zweite s. II 2
b. II@1@c@gγ)
prägnant die teil- oder abschlagszahlung mit den aufgelaufenen zinsen; für diese bedeutung hat sich die mundartliche pluralform zieler
weiter verbreitet: wie das mit hauptsumma, zilern und weinkauf erkauft worden (1533)
bei H. Fischer 6, 1199 (
s. dort); das erst zil oder die erst bezalung
prima pensio Maaler 522
a; alsdann gebürt eim herrn gedult ... zu haben ... und eine grosze summ oder häufige zalung auf viel zil und kleinere zalungen zu richten Sebiz
feldbau 39; den rest soll er mit zielen bezahlen Ant. Neudörfer
künstl. anweis. (1599) F 4
b; ordnen ... wir, das hinfüro die schiffere ... dem volk den ersten ziel der heure ... geben sollen
seerecht d. Hansa v. 1614
art. V 4
bei J.
M. Pardessus
collect. de lois marit. (1831) 2, 545; in vier jarn zu bezalen, und sezt jedes zill (
für jede rate) ain pürgen v. Brandis
landeshauptleute v. Tirol 29; mit zielen, zielsweis zahlen Kramer
teutschital. 2, 1462
a; die bezahlung auf zieler schlagen Aler
dict. 2, 2248
a; angeld und angift heist ... eine summe geldes, die, wenn ein stücke gutes auf tagezeiten gekauft, bey schlieszung des kaufs bezahlt, das übrige des werths aber in gewissen zielern abgetragen wird, die man tagzeiten oder erbgeld nennet
Noel Chomel 1, 415;
terminzahlungen auf grundstückkäufe, zieler,
rechnet nach A. Ernst v. Ernsthausen
erinner. 113
der Hunsrücker bauer zu den regelmäszigen ausgaben seines haushalts; dieselbe auffassung deutet das schwäb. sprichwort zil und zins essent mit aus der schüssel
bei H. Fischer 6, 1199
an. zur bestreitung der kosten des reichskammergerichts wurde seit 1548
eine reichssteuer, das kammerziel,
plur. kammerzieler,
daraus später ein falscher sing. der kammerzieler (
s. teil 5, 132; Krünitz 241, 305)
entstand, erhoben; diese meinen die folgenden zeugnisse: allermaszen die alte zieler, wann die gleich völlig eingiengen, wie nicht, dennoch nicht sufficient wären ... der ... officianten solarica abzustatten Harsdörfer
secret. 2, 356; wegen der bei churfürsten und ständen dato unbezahlt auszstehender zieler oder restantien Happel
hist. mod. Europ. (1692) 272;
kostenbeiträge für einen vorgeschlagenen schwäbischen ritterrat: allg. d. bibl. 3, 2, 27;
auch von landessteuern: nachdem ihro ... durchl. ... verordnet ..., dasz vermög des in anno 1722 errichteten landtagsabschieds noch zu zahlen stehendes eilftes ziehl in instehender ostermesse ... erhoben werden solle, und es dann an solchem ziehl denenselben 3 güld.-alb. ½ pfenn. erträgt, als haben wir hiervon nachricht ertheilen und nicht zweiflen wollen, es werden dieselbe diese summ nebst dem rückstand von den verflossenen ziehlern ... auf den 24ten ... aprilis ... anhero liefern
formular d. hess. obersteuereinnehmer Gieszen v. 24. 3. 1727; Adelung
2 4, 1710. —
einmal ziel
schuldzettel, laxamentum bei Nic. Frischlin
nomencl. (1594) 439. II@1@c@dδ)
tag des dienstboten- und wohnungswechsels, auch der beendigung einer lehrzeit; nur obd.: pligestu das auch tuen, so dir einer gedienet hat und ze seinem zil von dier gat, sein lon im abbrechen? Heinrich v. Burgeis
d. seele rat 680
Ros.; ist in (
dem gesinde) ze vil lones gegeben, des durfen si niht widergeben, ob man si lat vor irme zil
Schwabenspieg. landr. 25
G.; ist daz ein man ein kint hinlât durch lernunge zwei jâr oder mêre oder minner unde gibet dâvon ein genantez guot, daz kint stirbet ê des ziles, sô sol man des guotes als vil abeslahen, als an dem zil gebürt, unde sol daz widergeben
ebda 313
W.; welicher eehalt vor und eer sechs wochen vor seinem gedingten und verpflichtem zil mit jemands ... versprechnus gethan
Nürnb. polizeiordn. 63
B.; es ensol ouch nieman dem andern sin knecht in sinen zilen abedingen oder vorhalten (
Straszb. 1362)
bei Schmoller
Straszb. tucher- u. weberzunft 9; besondere ruh- und feyertäg vor oder nach antrettung des zils (1652)
bei H. Fischer 6, 1199;
s. dort mehr belege; Pestalozzi
Lienhart u. Gertrud 83
Recl.; wollte sie nur noch bis zum ziele behalten B. Auerbach
Schwarzwäld. dorfgesch. (1871) 2, 180; Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a; weggehen zwischen dem ziel (
vor dienstende) Frisch 2, 476
a;
wohnungswechsel: der 15. oktober ist mein ziel, wie man hier in Süddeutschland die zeit des ausziehens nennt Pet. Cornelius
liter. w. 1, 729;
in den obd. maa. allgemein gebräuchlich: lichtmessen, Georgi, Jakobi, Michaeli sind die ganz-, halb- oder vierteljährigen zil
für den aus- und eintritt von dienstboten, Georgi und Michaeli in München die halbjährigen für wohnungsmieten, unter dem zil (
nicht am gesetzlichen termin) ausstên, einstên, aus-
und einziehen Schmeller-Fr. 2, 1113;
zu lichtmesz, Georgi, Jakobi, Martini, wofür in neuerer zeit die quartalsersten des kalenderjahrs treten, in Württemberg, das gesinde singt beim ausstand: heut ist mein wandertag, morgen mein zil H. Fischer 6, 1199; antretung des zils Birlinger
wb. z. volkstüml. 95; s grosz zil
weihnachten, frauentag (24.
märz),
Johanni, Michaeli, s klein zil 14
tage später Martin-Lienhart 2, 902
b;
zeit, zu welcher die dienstboten aus- und eingehn Stalder 2, 472;
ebenso Klein 2, 246
für das Elsasz, und O. Meisinger
Rappen. ma. 212
a. II@22)
zeitabschnitt als frist, d. i. als ein festgesetzter zeitraum. II@2@aa)
zum verständnis der erweiterung des begriffsfeldes, welche dem gleichen vorgange bei der raumvorstellung (
s. I 2
a β)
zur seite tritt, seien folgende belege aus dem bereich von II 1
herangezogen. der neue sinn entsteht, wenn die ursprüngliche konstruktion jem. sein ziel kurz stecken
sich wandelt in einem ein kurzes ziel stecken,
vgl.: weil ihm zu leben ohne das (
ohnehin) gestecket ist ein kurtzes zil Spreng
Ilias 11
a;
diese syntaktische verschiebung ist die quelle der attribute der dauer bei dem subst. ziel
wie kurz, lang, länger;
eine andere ursache der neuen bedeutung liegt in dem mitwirken einer raumvorstellung mit der punktuellen, wenn Göthe
schreibt: bis auf den sonntag ist mein ziel gesteckt IV 19, 182
W.; auch ein ziel begehren, erbitten
gewinnt erst durch die hinzutretende vorstellung der überlegung den sinn frist, aufschub, vgl.: (
sie) bitten ziel und zeit einer fuogsamen antwort Kirchhof
mil. discipl. 89; nachdem sie ein zil sich zu berathschlagen erlanget Achatius
chron. Sleidani 95
a;
ebensowenig besitzt ziel geben
an sich die bedeutung aufschub gewähren, erst die elliptische ausdrucksweise fünf jar zil geben Frisius
dict. 377
a statt etwa ein ziel nach dem ablauf von fünf jahren geben
erzeugt sie; hierher auch die moderne angabe ziel drei monate
für die laufzeit eines wechsels oder eines handelskredits. weitere ansatzpunkte für das aufkommen der dauervorstellung sind etwa noch die verwendung des adverbs aus
für vorbei,
vgl.: wan ich hab nit lenger frist: das zil morgen ausz ist, das ich im antwurten soll Heinrich v. Neustadt
Apollon. 3572
Si., und die wendung sein ziel ausdienen
anstatt bis zu seinem ziel dienen,
vgl.: das er (
der fährknecht) seinem maister sein zill ausdien (
niederösterr. 1512)
österr. weist. 7, 968.
eine anzahl belege gestatten eine scheidung zwischen den bedeutungen termin oder frist nicht. II@2@bb)
frist, aufschub, zunächst abhängig von geben, begehren
und ähnlichen verben: des gibe ich iu niht lenger zil. wil mîn vrouwe, ich bin bereit! Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 8809; hundert ritter ich machen wil, des stôze ich niht langer zil Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 328, 6
Si.; aber die gottes huld hat in geben ein lenger zyl zu bessern, so er selber wil
schweiz. schausp. d. 16. jahrh. 2, 85
Bächt.; wöllent ihr inen (
den vordringenden Türken) ... zil geben bisz zuom concilio Sleidanus
red. 122
B.; (
Straszb.)
städtechron. 8, 41; sechs stund gib ich dir zeit und zil, richt dein sach und mach dich usz dem land Pauli
schimpf 195
Ö.; Lindener
rastbüchl. 43
L.; wöllen im keine stund mehr zil lassen S. Franck
chron. Germ. (1538) 115
b; ein junger freu sich nicht so viel, setz nicht seim leben langes ziel. der tod feyert nicht, es gilt ihm gleich Petri
d. Teutsch. weiszh. 1, B 8
a; des wart fürgenomen und gesetzt ain zile zwayer tagen Nicl. v. Wyle
translat. 43
K.; zuletzt begert er zeit und ziel, in welcher er sein bottschaft ghen Rom zuo dem senat schicken möcht Carbach
Livius 236
b;
sodann in anderer verbindung: ob du einen tach vride oder zil hâst Grieshaber
pred. 2, 84; und was sin zil usz, als er sich dann verantwort sölt haben Richental
chron. d. Constanz. conz. 101
B.; Lindener
rastbüchl. 25
L.; sint si degenkint, so sol man ir zil (
die frist vom tode des vaters bis zur geburt des nachgeborenen kindes) raiten ze minsten ein und vierzic wochen
Schwabenspieg. landr. 37
G.; einer schwangeren frauen, welche kein ziel (
bis zur entbindung) mehr gehabt
Rheinstrom (1685) 2, 103;
partus appropinquat sie hat kein zil mehr
quelle bei H. Fischer 6, 1200. —
insbesondere eine rechtliche oder vertragliche frist, ein aufschub über den vertraglichen termin hinaus: also gaben si im zwen monat zuo einem zil
histor. v. d. stadt Troja (1499) 93
b; doch habent si in selben lengriu zil uf gesezet an ir gute
Schwabenspieg. landr. 49, 3
G.; ob ein sin friunt in den zilen kome fur gerihte
Augsb. stadtr. 91; wer aber, daz wir die burg ... in disem zil nit widerkauften (1333)
bei H. Fischer 6, 1200,
wo mehr alte belege; die kriegsknecht wolten das lange zil nicht annemmen, sondern von stund an zween monat söld haben Ad. Reiszner
Frundsberg (1572) 144
b; wiewol die gemainen recht in appelation oder dingnussen ain sonderlich zeit und zyll benennen, darin ain jeder ... sich für das obergericht beruefen mag (1532) v. Lori
baier. bergrecht 234;
meist für zahlungsaufschub, -frist: wer mich umb mein puolschaft bat, west ich, das er hett pfenning vil, so liesz ich nit, ich gab im zil, ich nam auch sein guot daran
liederbuch d. Hätzlerin 306; eime solichen mügent die fünfmanne wol zil geben (1453) Schmoller
Straszb. tucher- u. weberzunft 67; ist unser armer einer dem ander schuldig, darzuo er zil hat, und mag in uff dasselbig zil nit bezalen und kompt fur den amptman ..., der macht im ein lenger zil (
Neuenbürg 1481) G. Franz
akt. z. bauernkrieg 2, 10;
induciari zyel
oder fryst geben
gemma gemm. (1508) m 4
b; und bekennet der schuld ..., doch begeret er lengers zils Steinhöwel
Äsop 124
Ö.; Geiler v. Keisersberg
bilg. B 1
a;
andere belege Ch. Schmidt
wb. d. els. ma. 440
b und H. Fischer 6, 1200; Wickram
w. 3, 24
B.; dies paucos propter inopiam ad solvendum alicui prorogare eim einen aufschlag geben ze bezalen, eim das zil strecken Frisius
dict. 1080
b;
moratoria cautio versicherung ze bezalen innert gewüssem zil eines erlaubten aufzugs 838
a; begerten weyter zil und verzug, die auszstehenden gefell zu bezalen Stumpf
Schweizerchron. 377
a; dasz der schuldner eine prorogation und erstreckung des ziels ... bey dem glaubiger erhält v. Hohberg
georg. cur. auct. 3, 1, 29
b; vierzehen tag ist kein zeit oder ziel Pistorius
thes. paröm. 773;
in den obd. maa. und auch im luxemburg. ganz gewöhnlich: einem ain, zwai jahr zil geben Schmeller-Fr. 2, 1113; Schöpf 829; zill
f. aufschub, frist lux. wb. 504
a.
hier schlieszt sich nun der moderne fachausdruck ziel 3 monate
bei der kreditgewährung, bes. für die laufzeit eines wechsels, an: für den verlag der Sappho ist ein ehrensold von einhundert dukaten festgesetzt, wovon ich ihnen die hälfte sogleich und den rest gegen meinen wechsel, ziel 3 monate, entrichte (1818) J. B. Wallishausen im
jb. d. Grillparzerges. 1, 199; für den tuchverkauf ... 2½ monate 'ziel' Doren
Florentin. wolltuchindustrie 178;
früher beleg: costet jede doppelte ellen
gr. 14 Ulms, zill 12 monat (1611)
bei Schirmer
kaufmannspr. 214. II@2@cc)
eine gemessene, zugewiesene zeit, eine bestimmte zeitdauer, eng mit b verbunden und vielfach über a auf II 1 (
termin)
zurückweisend, so gleich der folgende beleg mit seiner bedeutung lebensdauer: swer des vleisches gelusten und des tuveles unkusten ane ruwe volgen wil, deme kurzet got sin zil, daz im der tage gebrichet Heinrich v. Hesler
apokalypse 3850; er rennt und trabt, schindet und schabt, bringt an sich viel, bisz ihm der tod abkürzt des lebens ziel Gabr. Voigtländer
od. u. lied. (1642) 99; wann mein ziel auszgemessen, so tret ich dann hinausz (
aus dem irdischen hause) P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 425
b; und vieljähriges ziel will ich dem leben verleihn A. W. Schlegel
im Athenäum 1, 138; so wird ich disz kurtz zile des lebens, das noch minem alter vorhanden ist, ... verzerren in wainen Nicl. v. Wyle
translat. 89
K.; dauer eines mahls: Scheit
Grobian. 929
ndr.; amtsdauer: dasz Zürych ... denselben (
einen vogt) 4 jar oder zwei zyl da haben ... solte Stumpf
Schweizerchron. 585
a; wolliche vierer seind und ir zil aus were (1521)
urkb. d. st. Heilbronn 3, 580;
dauer, zeit in dem sprichwort: all ding haben ihr zeit und ziel und gehen vor sich, wie gott will Lehman
flor. polit. (1662) 2, 933;
ähnlich S. Brant
narrensch. v. 21
Z.; dauer von zeitabschnitten: ich han durch gut also gesetzet minen mut, daz ich eines jares zil gentzlich dienen got wil
väterbuch 26 785
R.; dorumb der sunn stuond in mitzt des hymels, und er eylet nit underzegen in dem zyl (
seit 1475 in der lenge) eins tags (
diem integrum: einen gantzen tag Luther)
Jos. 10, 13
erste dt. bib. 4, 285; welche unter dem zill diser monde (
in quo mensum numero) geboren werden Heyden
Plinius 16; in zweyer jaren zil oder zeyt
biennii spatio Maaler 522
a; swer guotes phlît von kindes zil (
von jugend auf) Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunigunde 3788; sie (
die nonne) hete an kuscheit mit tugent virzeret ir kindes zil vil gar untz an ir grawez har
väterbuch 23 307
R. aus solchem ursprung ist erwachsen die freie verwendung von ziel
für einen zeitabschnitt in der mhd. und älteren nhd. periode, immer ist dessen dauer festgelegt oder festgesetzt, entweder durch das possessivpronomen als die einem menschenleben bestimmte dauer oder menschen zugewiesene zeit, wie in folgenden fällen: dar zu kund er seitespil, harphen, swegeln gar sîn zil (
sein ganzes leben lang) Rudolf v. Ems
Barlaam 255, 20;
oder durch den zusatz eines abmessenden attributs, vgl.: daz nâch disen zwelf tagen unde in kurzerme zil der künec Artûs wil zem brunnen komen mit her Hartmann v. Aue
Iwein 1839; ich kum iu in vil kurzem zil Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 1112;
ebenso noch Forster
frische teutsche liedl. 199
ndr.; M. Frywalt
abweich. d. lande Preusz. (1578) G 3
b; also wurden in einem kleinen ziel der zeit zwentzig tausent Jüden von ihnen umbbracht C. Goltwurm
wunderzeich. (1567) 95
a; niht ubir langez zil
väterbuch 4932
R.; mer sij lies mich moeder vil, dan ich gewest was in langer zil
pilgerfahrt d. träum. mönchs 12 445
M.; ez was aber ein kleinez zil, sie giengen ze hant ezzen Heinrich v.
d. Türlin
krone 14 727; gedenkch, du hast ain churzes zil, tue froleich alles das sy (
frau Busze) wil Heinrich v. Burgeis
d. seele rat 1815
R.; der selben toten dar nach vil leptent och da langú zil uf erde da sú waren, und sturbent nach vil jaren schweizer Wernher
Marienleben 11 336
H.; die plag die wert ain langes zil, do mit got die welt straffen wil
Egerer fronleichnamsspiel 26
M.; daz jâr ein ende hât genomen, daz zil ist ûf ein ende komen Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 3330.
einteilung der zeit in zeiträume: in dieser propheceiung wird die zeit der gantzen welt abgetheilet in drei fürneme theil oder ziel
M. Dreszer
isagoge historica (1600) 2. IIIIII.
grammatischer und stilistischer teil. III@11)
verbale verbindungen, die ziel
in seiner gegenständlichen bedeutung eingeht, sind ein ziel stecken,
dafür mhd. stoszen,
und setzen;
ihre zuweisung zu den beiden grundbedeutungen und in bildlich übertragener ausdrucksweise ist ob. I 1
a; b γ; 2
a β; 3
b α; c α gegeben. den erfolg von schusz und wurf, auch schlag bezeichnen treffen
und fehlen
in eigentlicher und übertragener verwendung, s. ob. I
a α;
γ.
für zielen notiert Schöpper des zils faren 76
b Sch.-K.; nach dem ziel rahmen
oder zielen, zum ziel richten, zum ziel schieszen
gibt Kramer
teutsch-ital. 2, 1462
a an; nach einem ziele zielen Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 2, 197
M. turnierausdrücke der ritterzeit s. ob. I 1
b γ; 2
a α.
der lauf zum ziel
gebraucht, um die richtung zu bezeichnen, vorwiegend präpositionen (
s. unt. 4),
bei der wanderung und fahrt kommen verben wie erreichen, erlaufen, ereilen
vor, meist aber laufen
u. s. w. zu,
bes. häufig tritt, auch in übertragener bedeutung, kommen, gelangen zum ziele (
s. unt.)
auf. für das streben zum ziele
sind auszer streben zu
noch verfolgen,
auch erringen
gebräuchlich, vgl.: wir verfolgen dasselbe ziel Holtei
erz. schr. 3, 53; nicht auf einen anlauf ... wird das ziel errungen O. Jahn
Mozart 4, 75.
in der redewendung sich zum ziel, zum zweck legen (
vgl. teil 6, 534
und 16, 958)
liegt der nachdruck auf dem verbum: wie bei dem ziel liegen
sich ruhig verhalten (
vgl.: den Schwyzern möcht wol grusen ob sömlichem lotterspil! si ligend bi dem zil als die von Mülhusen, die gloubend des tröuwen vil [
wenig, gar nicht]! [
histor. lied von 1499]
Schweizer volkslied. 1, 26
Tobler),
so auch sich zum ziele legen
sich nach des andern absichten bequemen Adelung
2 2, 1971,
sich gleichsam nach dem ziele seiner wünsche fügen 4, 1710, sich zum zweck legen
accomodare se, obsequi, contentum esse Stieler 1109;
daher denn die bedeutung sich fügen, sich schicken, nachgeben; ältester beleg für sich zum zweck legen
von 1541 (
zit. teil 16, 958),
erster für sich zum ziel legen
von 1610: darnach Aeneas ohn verdrieszen warf etlich gaben auf zum schieszen (
celeri certare sagitta), wer liebe hett nach disem spil (
invitat qui forte velint Vergil Än. 5, 486), der möcht sich legen zu dem zil (
sich seinem wunsche fügen) Spreng
Äneis 95
a; solte es ... den keyserlichen mit den tractaten kein ernst seyn, noch sie zum ziel sich legen wollen Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 30; gern will ich mich dann (
wenn man mich vom vorzug der hexameter überzeugt hat) zum ziele legen und meinen ganzen jambischen plunder ins feuer werfen Bürger 181
b Bohtz; Pestalozzi
s. w. 5 (1930) 174; weisz nicht, ob alles sich (
bei der brautwerbung) so rasch zum ziele legt (
sich schickt) A. v. Arnim
s. w. 5, 304; die Bamberger scheinen sich zum ziel zu legen Bismarck
an Gerlach (1893) 174;
sich militärisch ergeben: damals haben die Linoner sich ... zum ziele geleget S. Fr. Hahn
staatshistor. (1721) 1, 51;
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. 1, 424; 3, 355; Mommsen
röm. gesch. 2, 165 (
zit. teil 6, 534);
sich ergeben schweiz. id. 3, 1176; ziel
entspricht dem ziel
ob. I 1
a; nicht zutreffend von H. Paul
wb.4 677
a auf das wild bezogen. zu ziel I 2
a α stellt sich die wendung zum ziel stehn (
s. dort). III@22)
adjektiva tragen wesentlich zur bildlichen und übertragenen verwendung von ziel
bei; die vorstellung des maszes führt recht
herbei, s. I 3
b γ.
die schwierigkeiten geistigen strebens kennzeichnen die adjektive weit, fern
und hoch,
wozu bei dem letzten verbale wendungen treten. ausgangsvorstellung ist bei weit
vorwiegend das lauf- und wanderungs-, bei hoch
das schuszziel, doch scheint hier schon früh die vorstellung des hohen
und damit schwer erreichbaren ideals mitgewirkt zu haben: (
man) hat ... dem zweyten jahrgange (
der zeitschrift) ... kein weiteres ziel gestecket Gottsched
anmuth. gelehrs. 2, 75; nach seiner (
des wörterbuchs) umfassenden allgemeinheit kann ihm nur ein groszes, weites ziel gesteckt sein
teil 1,
vorr. 12; mîn zil sich hœhet baz: ich enwil von niemen lêhen hân Wolfram
Parz. 347, 2; was touc mir ein ze hôhez zil (
des minnedienstes)? Hartmann v. Aue
in minnesangs frühl. 217, 5; Tauler
pred. 183
V.; quod er dir das ziel cum bonis operibus gesteckt hat so hoch, das dus nicht erreichen wirst Luther 34, 1, 186
W.; 32, 400
W.; Herder 22, 130
S.; je erhabner das ziel ist, nach dem wir streben, ... desto höher steigt unser muth Schiller 3, 509
G.; sind nicht die blüten seines (
des menschen) geistes das höchste ziel?
teil 1,
vorr. 7;
s. I 3
c α. III@33)
der plural kommt für den einzelnen vorgang des schieszens, werfens und laufens, aber auch des geistigen strebens nicht in frage; bei der vorstellung der grenzlinie und des bezirks wirkt er jedoch entscheidend mit und findet sich auch bei den entsprechenden zeitlichen vorstellungen; für die letzten sei auf II 1
b β und c β und γ verwiesen. recht häufig ist er in aussagen über geistiges streben und praktisches handeln, insofern diese nebeneinander verschiedene richtungs- und zielpunkte auch bei einem menschen feststellen können. belege für geistiges streben: es ist das kennzeichen des wahrhaft strebenden, dasz er ... aufwärts schaut ... zu den weiteren zielen Mommsen
red. u. aufs. 20; die ... ihre ehrgeizigen ziele verfolgten
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 10;
für praktisches handeln, wobei sich die vielgestaltigkeit des politischen wirkens eben in dem plural kundtut: kräfte, die nach so umfassenden, groszartigen zielen streben Ranke
s. w. 2, 70;
sehr häufig bei Bismarck: die verhandlungen haben ... friedliche ... ziele
ged. u. erinn. 2, 272;
vgl. ebda 1, 108; 2, 31; 2, 76;
ders., polit. red. 3, 8
K.; auch bei Ad. Hitler: anhänger einer bewegung ist, wer sich mit ihren zielen einverstanden erklärt, mitglied ist, wer für sie kämpft
m. kampf 651; 371.
natürlich kann auch eine reise mehrere ziele
haben: die ziele ihrer weiterreise H. v. Barth
Kalkalpen 34. III@44)
die präposition zu bezeichnet nach Adelung
lehrgeb. d. deutsch. sprache 2, 136 das ziel einer handlung oder veränderung;
sie ist also recht eigentlich mit dem zielbegriff verbunden; schon in der gegenständlichen bedeutung von ziel
tritt sie als zutreffende richtungsbezeichnung auf: und lieb schiuszt zu dem zil
liederbuch d. Hätzlerin 284;
andere fälle s. I 1
a α; auch auf treffen
wird diese konstruktion übertragen, s. ebda γ; für die ankunft im ziel
steht gelangen zum, kommen zum ziele: mit diesen bestrebungen zum ziel ... gelangen Ranke
s. w. 1, 126; was er ihm fürgenommen und was er haben wil, das musz doch endlich kommen zu seinem zweck und ziel P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 373
a; als es (
das wort) sollte gesprochen sein, kam er damit nicht zum ziel Rückert
ges. poet. schr. 3, 93; 1, 93; die opposition gegen kaiser und papst war nicht zu ihrem ziel gekommen Ranke
s. w. 1, 49;
sodann bei machen
und haben: dasz er mich ... zum ziel des witzes macht Müllner
dram. w. 5, 17; alle bildung, die den ganzen menschen zum ziele hat Fr. Schlegel im
Athenäum 2, 26. —
demnächst fällt der präposition auf eine rolle zu, so in der mhd. sprache, wo ûf daz zil
zum wert einer adverbialen zielbestimmung '
dahin, soweit'
mit nachfolgendem konsekutivsatz herabsinkt: nûst ez mir komen ûf das zil, daz ich mich selben tœten wil Wolfram
Parzival 124, 27;
märterbuch 152
Gier.; Hartmann v. Aue
arm. Heinr. 607;
Iwein 5420;
in verbindung mit mhd. unz
eine adverbiale zeitangabe: des wil ich peiten auf daz zil, uncz er zü lande wider chümpt
märterbuch 188
Gier.; selten als örtliche zielbezeichnung '
auf ... los': sô jagt er ûf des ruomes zil den ruom unz an ein ende Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 14;
aber recht am platze bei terminangaben, s. II 1
c β. —
für zu
hat sich das jüngere nach eingedrängt bei schieszen, werfen, laufen,
belege s. I 1
a α;
β; bei streben
ist nach
das gegebene wort, s. I 3
c α. —
den raum jenseits des ziels beachtet man im sport beim lauf (
s. I 1
a γ; b α;
γ)
und beim fehlerhaften schusz, vgl. übertr.: das (
leben) ... zuletzt doch noch durchs ziel ging W. Schäfer
erz. schr. (1918) 2, 214; über das ziel schieszen
s. I 1
a γ. —
an diente früher neben zu
als zielbezeichnung, mit dem akkusativ verbunden: wann es chomt an das zil (
soweit), das veind gen veind sich berait, so sol ain man sein unverzaigt
liederbuch d. Hätzlerin 118
b; er (
der bauherr) geniesze darin (
im neuen hause) der freuden viel und komme spät dereinst ans ziel (
des lebens, d. i. zum sterben) E. Baumeister
zimmermannssprüche 44; R.
Z. Becker
mildheim. liederb. (1799) 101;
mit dem dativ gibt an
von jeher an, dasz das ziel erreicht ist: dâ ruowet diu sêle inne, wan sô ist si an dem zil, dâ si niht fürbaz darf David v. Augsburg in:
mystik. 1, 324
Pf.; wohl stunds in ihr (
Maria), aber im wort der verheiszung, im ziel (
zweck) des bundes am ziel (
ende) Jac. Böhme
s. w. 5, 288
Schiebler; ich bin an dem ziel, an dem ziel!und fühle, wo ich bin, es in der ganzen seele leben! Klopstock
oden 2, 2
M.-P.; Herder 5, 27
S.; Schiller 5, 36
G.; allgemein; an dem zil
daran (
wie auf das ziel
soweit, s. ob.) Rudolf v. Ems
weltchronik 35112
E. III@55)
das sprichwort bedient sich des wortes ziel
seines beziehungsreichen gehaltes wegen gern: oft schieszen trifft etwan das ziel Eyering
proverb. 3, 277; gut gespiel ziehlet auch zum ziel Lehman
flor. polit. (1662) 3, 135; bös arth nie gut ward. thuts widerspiel und machts zuviel, bisz sie erlanget ihr end und ziel Petri
d. Teutsch. weiszh. 2, L 3
b; beharrlichkeit führt zum ziele Holtei
erz. schr. 1, 16; weit vom ziel ist gut fürn schusz Binder 220;
andere sprichwörter und redensarten ob. verstreut. III@66)
zusammensetzungen: acker- (
terminus Schöpper
synon. 77
a Sch.-K.), arbeits-, end-, fahrt-, forschungs-, gefechts-, gerichts-, lauf-, lebens-, mark-, reise-, schiesz-, spiel-, verhandlungs-, wanderungs-, wohn-, wurf-, zahlziel.