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winter

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

winter m.

Bd. 30, Sp. 418
winter, m. , got. wintrus, ahd. as. wintar Graff 1, 630, mhd. winter; ags. engl. nl. schwed.n. winter, anord. vetr; gemeingerm. wort, das wahrscheinlich zur wz. ed- 'netzen' zu stellen und als 'nasse jahreszeit, regenzeit' aufzufassen ist, vgl. Walde-Pokorny 1, 252 f.; die form mit binnennasalierung idg. *endru- findet lautliche parallelen in lat. unda 'woge' und lit. vand 'wasser'; verwandte ohne binnennasal sind u. a. got. watō 'wasser', as. watar, ahd. waʒʒar, vgl. griech. ὕδωρ. der secundärvocal a bzw. e in wintar, winter fehlt wie im ags. so auch im älteren ahd. und as. in den flectierten formen, vgl. wintrys Beowulf 516, wintro Hildebrandslied 50, wintro Heliand 145, wintre, wintrun Graff 1, 631, wird aber früh fester bestandteil, vgl. wintares Graff a. a. o., wintere Notker 1, 38 P. die grundbedeutung 'nasse jahreszeit' spiegelt sich noch darin, dasz unter winter zunächst allgemein die eine der beiden hälften, in die die Germanen ursprünglich das jahr einteilten (vgl. unten B 2 und sommer teil 10, 1, 1510), verstanden wird; wahrscheinlich war der winteranfang der anfang des germ. jahres, woraus sich die rechnung nach wintern (s. unten B 1) erklärt, vgl. K. Weinhold über d. dtsche jahrteilung (Kiel 1862) 4. beginn und umfang des winters sind zeitlich und örtlich verschieden; bei der alten zweiteilung dauert er von anfang oder mitte oct. bis anfang oder mitte april, ursprünglich wohl am ersten vollmond nach der herbsttagundnachtgleiche beginnend, in christlicher terminsetzung vielfach von s. Michael (29. sept.) bis s. Georg (23. april), vgl. österr. weist. 3, 25 unter winterweg sp. 486, d. heil. leben in d. winterteil (1471) a 1a unter winterteil sp. 482, weisth. 6, 225 unter winterflur sp. 437, Fischer schwäb. 6, 1, 861 unter winterfeld; durch einflusz der römischen jahresrechnung wurde der winteranfang zumeist auf s. Martin (11. nov.) übertragen, an dessen vorabend der winter nach dem julianischen kalender beginnt und infolge der jüngeren, aber schon von Tacitus bezeugten, germ. dreiteilung des jahres die dauer des winters zugunsten des frühlings verkürzt, vgl. zwischen der zeit sand Martins tag und mitten Merzen österr. weist. 5, 525, cod. lubec. 2, 85 unter winterlage sp. 454, weisth. 4, 284 unter winterzelge sp. 492, Fischer schwäb. 6, 1, 857, Staub-Tobler 8, 621 unter winterschule oder das winterende dem julian. frühlingstermin angenähert, so auf Mariä lichtmesz (2. febr.) oder Petri stuhlfeier (22. febr.), vgl. Weinhold a. a. o. 8; mehrfach tritt allerheiligen (1. nov.) als winterbeginn auf, vgl. Hohenfurter Benedictinerregel unter winterzeit sp. 489, Fischer schwäb. 6, 1, 857; auch s. Clemens (23. nov.), vgl. Hugo v. Langenstein Martina 250, 17 unten bei A 2 und unter wintermonat sp. 462, ebenso Fischer a. a. o.; seltener erscheinen andere winterliche anfangstermine wie s. Gallus (16. oct.), vgl. unter winterlohn sp. 460, s. Ursula (21. oct.) Stürenburg 333a unter winternacht sp. 467, s. Katharina (25. nov.) Fischer a. a. o., s. Andreas (30. nov.) ebda, s. Nicolaus (6. dec.) ebda; noch heute gilt dem landwirt der winter als halbjahr: der landwirtschaftliche winter ... dauert vom 1. november an bis zum 10ten bis 20sten april, also gegen 6 monate Leopold hwb. d. ökonomie 530b; im astronomischen sinne ist winter im calender diejenige der vier jahreszeiten, die vom 21./22. december bis zum 20. märz dauert. AA. im eigentlichen sinne für die kalte jahreshälfte oder jahreszeit, vgl. ahd. wintar hiems, bruma, pruina Graff 1, 630. A@11) temporal: at izwis waitei salja aiþþau jah wintru wisa got. bibel 1. Kor. 16, 6; warþ þan in niujiþa in Jairusaulwmai jah wintrus was Joh. 10, 22; betôt wârlîcho, thaz ni werde iuwer fluht in wintar oda in sambaʒtage Tatian 145, 14; tu getuost ze wintere, so daz loub riset, churzeren dag tanne diu naht si Notker 1, 38 P.; sî wæren beidiu samt alt und der winter wurde lîhte kalt Hartmann v. Aue Iwein 6534; daz si nâch dem sumerevon des winters stunden solten bîten Kudrun 37, 4 Martin; möhte ich verslâfen des winters zît! Walther 39, 6; den walt der winter grîset die warnung 1925 in: ztschr. f. deutsch. altert. 1, 438 ff.; vil grôzer nebel wurden sêr prünseln und stinken in den herbsten und in den wintern der zwair jâr Konrad v. Megenberg buch d. natur 111, 3 Pf.; (der igel) tregt holtzöppfl auf den winter ein Hans Sachs 7, 453 K.; (langes haar) ist dir gut für winters kelt K. Scheit Grob. 164 ndr.; dieweil die sonne am ende scorpions ist, alsdann so hebe der winter an M. Herr feldbau (1551) 14b; nach des winters kalten winden Königsberger dichterkr. 84 ndr.; des winters schwarzer duft weicht einer heitern luft Schwabe belust. 3, 142; schnell wie ein winter sinket Wieland I 2, 230 akad.; in des winters strenge Schiller 14, 391 G.; formelhaft in winter schlagen 'vieh über winter durchfüttern': das soviel lemmer vorrechent (werden) als alte und zeitschaff gezehlet oder in winter geschlagen (wurden) haushalt. in vorwerken 171 Ermisch-W., vgl. winterschlag. A@22) mit typischen adjectiven, namentlich mit solchen, die die für die natur und den menschen unangenehmen eigenschaften des winters als der kalten jahreszeit betonen: dô wir uns solten warnen gegen des kalten winters zît Walther 13, 27; desz babstes tac Clementis danne vahet der winter kuole so sint die gruonen bruole gevalwet und die heiden Hugo v. Langenstein Martina 250, 17; die bluomen und der vogele sanc müeze wir dem leiden winder lâzen Neidhart v. Reuental 55, 21 Haupt-Wieszner; einen rauhen, kalten, todten winter, der alle frucht ... verderbet Luther 34, 2, 480 W.; und was ein rucher, stränger winter Tschudi chron. Helv. 1, 17; der schneeicht winter sich doch schwingt, wann der sommer sein früchte bringt W. Spangenberg bei Dähnhardt griech. dram. 2, 95; der frühling nach dem winter öd war nie so schön muntiret Spee trutznacht. (1649) 5; im härtsten winter Weichmann poesie der Nieders. 1, 72; wenn nur schon der garstige winter vorüber wäre Lessing 18, 92 L.-M.; der herbe winter Geszner schr. 1, 28; schauervoller winter Bräker s. schr. 2, 242; genug des harten winters Herder 26, 225 S.; im strengsten winter Göthe 25, 99; W.; wodurch ich ... den leidigen winter zu betrügen denke IV 36, 112; im schlimmen winter darben E. M. Arndt s. w. 3, 32; trotz des bösen winters ... (bin ich) gesund Görres br. 3, 130; der gegensatz dazu ist milder winter u. ähnl.: ein milder winter macht den kirchhof reich Wander sprichw. 5, 270; es falle bei euch nie kein schlaffer winter ein Henrici ged. 1, 292; ein gelinder, warmer, truckner winter Kramer t.-ital. 2, 1356a; in diesem lauen winter Görres br. 3, 13; mehr zeitlich bestimmend hoher, tiefer winter: während des hohen winters Tschudi thierl. d. Alpenwelt 83; z. b. es war tiefer winter, mitten im tiefsten winter, tief im winter u. s. w. A@33) der temporale charakter verblaszt oft zugunsten des qualitativen, sodasz winter den ausdruck seiner eigenschaften wie frost, kälte, winterwetter, leblosigkeit u. s. w. vertritt: uns hât der winter geschadet über al heide unde walt sint beide nû val Walther 39, 1; (die sommernessel) kan den winter nicht erleiden Bock kreuterb. (1580) 1b; wie krankheit, frost und winter sie an ihrer arbeit hindert Fischart flöhhatz 1501 ndr.; was dorfte er seinen eintzigen sohn zuschicken, sonderlich in so bösem wetter und winter Spee güld. tugendb. 161; so raubt der winter rasen der edlen gärte zier Gryphius trauersp. 217 Palm; aber noch deckte schauervoller winter die erde U. Bräker schr. 2, 242; schnee und winter haben ... meinen anlagen ein ende gemacht fürst Pückler briefw. 3, 128; ähnlich in redensartlichen wendungen durch den winter, aus dem winter kommen 'die kälte überstehen': der roggen (ist) gut durch den winter gekommen Polenz Büttnerbauer 1, 46; (man gibt den kühen grummet,) dasz sie besser aus den winter kommen viehbüchl. 28; auf den winter kleiden Dentzler 354a 'durch kleidung gegen kälte schützen': er war ziemlich schlecht auf den winter gekleidet Grimmelshausen 2, 20 K. A@44) personificierter gebrauch ist alt und geht teilweise auf mythologische vorstellungen zurück, vgl. darüber s. v. sommer teil 10, 1, 1515 f., teilweise liegt nur poetische personification vor: nû sage an, sumer, war wiltu den winter hinne fliehen? Neidhart v. Reuental 57, 24 Haupt-Wieszner; mîn herre winter! minnesinger 3, 267a v. d. Hagen; der winter ist ein rechter mann, kernfest und auf die dauer M. Claudius w. (1882) 1, 281 R.; der alte, grämliche winter sasz melancholisch ... auf dem gipfel des gebirges Eichendorf s. w. 2, 334 S.; oft ist die personificierung nur indirect angedeutet: des winters neid v. König ged. 20; des winters silberlocken (der schnee) Brentano ges. schr. 2, 286. A@55) als adverbiale zeitbestimmung tritt neben den absoluten gebrauch bestimmter casusformen früh präpositionale verbindung, die in neuerer sprache herrschend ist; im dativ: aþþan bidjaiþ ei ni wairþai sa þlauhs izwar wintrau got. bibel Markus 13, 18; bis in heutige sprache hinein im genitiv: die chlinga sint winteres pefroren Notker ps. 125, 4; ich winter, halt mich des winters hiberno Alberus nov. dict. b b 3a; sodasz des winters die strahlen der sonne gedoppelt einfallen Steinbryckel Philoctet 6; eine see ..., die des sommers vertrocknet ..., des winters aber schwimmet Lohenstein Arminius 1, 104a; nur des winters ist er daselbst Ranke s. w. 42, 12; jetz schöpffest (du sonne) uns den besten schein, so winters war verlohren Spee trutznacht. (1649) 118; o tannenbaum! o tannenbaum! ... grünst sommers und winters gleich Brentano ges. schr. 2, 103; eine schläfrige eintönigkeit lag winters über dem verschneiten gut Viebig d. schlaf. heer 2, 354; im accusativ: der ist bickelmeister disen winder Neidhart v. Reuental 49, 18 Haupt-Wieszner; den winter under dem tach sein Frisius 66b; dasz der pfaff all nacht ausz musz bleiben, wil ich mein hut den winter treiben Hans Sachs 17, 39 K.-G.; den winter ist er in d schul gewesn Gilhusius gramm. (1597) 48; articellos in zwillingsformeln winter und sommer vgl. unten B 2; von präpositionen bleibt zu auf ältere sprache beschränkt: ze wintere Notker 1, 38 P.; wer muzig geit in der erne den bizent die luse zu winter gerne Salomon und Markolf 438 Hartm.; zuo mittem winter Frisius 40a; in mischung mit adverbialem genitiv: die sein lieb gedächtnüsz schriebe offt zu winters in den schnee P. Fleming dtsche ged. 1, 313 Lapp.; in: in mitten im winter Frisius 111a; über: 5 last (korn) uber winter gesehet Nostitz haush.-buch 109; (eine pflanze) bleibt über winter Frisius 951b; den winter über Schweinichen denkw. 124 Öst.; in mischung mit dem absoluten genitiv: über winters Schnabel insel Felsenburg 2, 29; wo ihr des winters über seid Lichtwer fab. 4, 29; durch, hindurch nur nachgestellt: da alle drei gesellen ... sich den winter durch herzlich satt bekamen G. Keller ges. w. 4, 217; den winter hindurch Holtei erz. schr. 2, 93; mit absolutem genitiv gekreuzt: sommers und winters hindurch Schnabel insel Felsenburg 48 Ullrich; ähnlich in der verbindung vor winters 'vor eintritt des winters': musz man die heiden ein wenig vor winters eben machen corp. const. Prutenicarum (1702) 3, 446; in einer gebirgsreise, die wir noch vor winters ... zu vollbringen gedachten Göthe 32, 179 W.; ich bin herüber nach Jena gegangen, um noch vor winters einiges anzuordnen IV 19, 69; was sie da vor winters geackert haben Goltz jugendl. 2, 26. A@66) mit übergang von der zeitbestimmung zur ortsbestimmung als 'von der sonne abgewendete himmelsrichtung; kalte seite, nordseite, wo der schnee am längsten liegen bleibt' in zusammensetzungen wie winterhalbe, -halde, -lage, -land, -lehne, -leite, -teil, -seite, -zeile u. s. w., vgl. in flurnamen Buck flurnamenb. 303, Fischer schwäb. 6, 1, 859; s. auch comp.-typen 3 i. BB. alt und sicher gemeingerm. besitz als bezeichnung des jahres bei der jahreszählung, vgl. altnord. Cleasby 700a, ags. Bosworth-Toller 1235. B@11) winter für 'jahr' ist schon in mhd. zeit nicht mehr geläufig: qino bloþarinnandei ib. (12) wintruns got. bibel Matth. 9, 20; dauhtar ainoho was imma swe wintriwe twalibe Luk. 8, 42; vgl.hē geheold tela fīftig wintra Beowulf 2209 Holth.; hwanda wit habdun aldres êrefno twêntig wintrô an unkro weroldi Heliand 145 Heyne; ... skrêd the wintar forð, gêng thes gêres gital ... 197; poetisch und in gehobener sprache noch verwendet: tausend winter bin ich ihr tiefster knecht Joh. Christ. Günther Günther ged. (1735) 1095; hundert winter schienen auf seinem grauen scheitel zu ruhen Pfeffel pros. vers. 2, 95; alt war er fünfzehn winter Rückert ged. 3, 495; ähnlich: er hat manchen winter auf dem rücken Wander sprichw. 5, 274; Kluge etym. wb.11 693 stellt wohl mit recht zu dieser alten bedeutung noch niederrhein. einwinter 'einjährige ziege, einjähriges rind', vgl. engl. twinter 'zweijähriges schaf'. B@22) die paarung sommer und winter, die als summe beider jahreshälften ebenfalls für 'jahr' gilt, ist nicht so früh bezeugt wie 1, aber ebenfalls alt; bei der zählung wurden die jahreshälften getrennt gezählt: in wallota sumaro enti wintrosehstic (= 30 jahre) ur lante Hildebrandslied 50; meist ohne zahlangabe gebraucht: the habda at them wîhasô filu wintrô endi sumarô gilibd an them liohta Heliand 465 Heyne; adverbial im sinne 'das ganze jahr hindurch': summer unde winter was er vil munter genesis u. ex. 23, 9 Diemer; sumer und winter blüet sin lop als in den êrsten jâren Walther 35, 16; der snaken ist genuog under den läuten paideu sumer und winter Konrad v. Megenberg buch d. natur 299 Pf.; geld ist gute waare, sie gilt winter und sommer Schellhorn sprichw. 77; (er) behauptete seinen platz ... winter und sommer G. Keller ges. w. 4, 217, s. auch unter sommer teil 10, 1, 1510 f. CC. bildlicher und übertragener gebrauch knüpft sich in verschiedenen richtungen an einzelne mit winter verbundene vorstellungskreise an. C@11) winter als letzte der jahreszeiten, die den scheinbaren tod der natur mit sich bringt, wird sinnbild des greisenalters; vgl. ähnlich sommer für das mannesalter teil 10, 1, sp. 1518, frühling für die jugend teil 4, 1, 1, sp. 296; zuerst in der verbindung des alters winter: darum trag ein im summer, das du nicht leidest kumer in deines alters winter! Hans Sachs 22, 201 K.-G.; mich weist es (das blümchen) auf des alters winter hin Kind ged. 4, 259; in erweiterter form: die manhait heisz und khün, mit gelb, braun, schwartzen haaren, erwirbet lieb und lohn: doch mehr verstand, raht, heil kan uns des alters schnee und winter offenbaren Weckherlin ged. 2, 393 Fischer; ähnlich dann winter der jahre, des lebens: lasz uns blühen, wie wir blühn, eh der winter welcker jahre dir die goldgemengten haare wird mit silber unterziehn P. Fleming dtsche ged. 1, 405 L.; lerne ... von ihr (der ameise) in dem winter deiner jahre ruhen Lessing 1, 220 L.-M.; selbst der schnee auf dem haupt erinnert den greis nicht an den winter seines lebens Hippel lebensl. 3, 1, 168; wenn der winter unsers lebens unser haar mit schnee deckt Knigge umgang m. menschen 2, 7; er erntete in dem herbst und winter seines lebens ein, was er schon in seinen früheren jahren ausgestreut hatte Cramer nord. aufseher 1, 82; so auch ohne erklärenden zusatz: die mit heiszem liebesgeize deinem kusz entgegenflohn, zischen dem erloschnen reize, lachen deinem winter hohn Schiller 1, 308 G.; und ich darf nicht das alter scheuen ... ich kann mich meines winters freuen Becker mildh. liederb. 52; neue freundschaft schlieszt sich schwer an des winters grenze Geibel 4, 110; oft in gegenüberstellung zu frühling, lenz, mai: und habt mir nur für gut, ich mein auch meistens die, wo winter nicht verbot, dasz frühling nicht mehr blüh Logau 282 Eitner; dein winter werde dir zum lentzen Besser schr. 1, 6; vermählest ohne scheu dem winter deinen mai Grillparzer s. w. 6, 157 S.; auch allgemeiner für späte zeit: und wäre es tief im winter der ehe, ihr werdet sehen, dasz der greis noch liebesthränen hat Börne schr. 5, 113. C@22) eine andere bildvorstellung leitet sich vom vergleich der weiszen haare mit dem schnee des winters her: nimm, könig, auch die silberflocke hin von meinem winter gr. Stolberg ges. w. 4, 40; musz ich am stabe wanken, schwebt winter um mein haupt Brentano ges. schr. 2, 300; alte menschen, kalte menschen; ihre häupter grauer winter Weber Dreizehnlinden 282; die alte Stigerin mit dem früher rabenschwarzen haar, auf welchem bereits der winter lag Felder reich u. arm 124; wer den winter auf dem kopfe hat, musz nicht den frühling in den beinen haben Wander sprichw. 5, 273. C@33) vom winter als der kalten jahreszeit, in der kein leben und keine freude herrscht, gehen andere übertragungen aus; als die zeit der starre, leblosigkeit und unfruchtbarkeit: das christliche war noch in der unfruchtbarkeit und in dem winter, deren ursachen die dürre des aberglaubens und die rauhigkeit der unwissenheit sind Th. Abbt verm. w. 2, 2, 16; nun stockt das alles in dem winter politischer zwiespaltsgegenwart Göthe IV 28, 188 W.; sodasz der kalte winter des tadels den im sommer des lobs gemästeten abgott bis zur magerkeit abzehrt Jean Paul w. 5, 39 H.; es scheint als wenn der winter meiner natur mit diesem winter einerlei epoque haben sollte Göthe IV 1, 203 W.; für die zeit der freudlosigkeit: nu beginnt mein glükk zu blühen und der winter weg zu ziehen Stieler geharnschte Venus 64 ndr.; meine jugendzeit war nur ein langer winter, ich wuszte von freude nichts, aber von sorge und kummer viel Hebbel br. 1, 365; als sinnbild der häszlichkeit: dahero die arme buhlerin den so angebeteten frühling seiner schönen wangen ... in einen ungestalten ... winter sich verwandeln ... hat sehen müssen S. v. Birken lorbeerhayn (1657) 13; aus ungeduld, selbst häszlich und selbst alt (nahm er) das dürrste mütterchen, den winter von gestalt Kretschmann s. w. 2, 268; subjectiv gewendet für die gefühlslosigkeit, die kälte des empfindens; noch im bilde: wie hat des winters eisz denn nur ihr hertz umbfangen? Lohenstein Ibrahim sultan 66; sein herz kennt schmachtende glut nicht und eis und winter Herder 27, 32 S.; winter kam hereingeschlichen in mein herz, die thränen starben Lenau ged. (1857) 1, 88; es liegt der winter, der kalte, in deinem herzchen klein Heine w. 1, 84 E.; eine nonne von des winters schwesternschaft Shakespeare 5, 181; sprichwörtlich: der is im winter uf d wëlt kumme (von einem geizigen) Martin-Lienhart 2, 842. C@44) vom winter als der jahreszeit, die für den menschen beschwerlich ist und sorgen, mangel u. s. w. mit sich bringt, kommen übertragungen her für 'entbehrung, unglück, not': wie werent (sie) nu so uberselig, obe sú irme hirten alsus volgetent in diseme wintere Tauler pred. 62, 10 V.; die predig sagt von zwaien wintern des götlichen mangels sermon. (1508) reg. 2 ba; also hat ein jeder sein winter, creutz, leiden, not und tod vor im, es stand lang oder kortz an Bebel sprichw. (1548) 157a; es sei nunmehr zeit, dasz er aus dem winter dieser welt in die warme himmelsstube nach hause wandern könnte Chr. Weise pol. redner 552; glück ist der freund sommer und ernt, unglück aller freund winter Franck sprüchw. 1, 7b; daher im sprichwort: wenn der winter kommt, fliegen die schwalben (freunde) fort Wander 5, 273; es bedarf keines harten winters (harten stoszes), um ihn zugrunde zu richten 274; er kann einen harten winter aushalten (ist reichlich versorgt) ebda; vgl. auch: doch Crösus reichthum ist so arm als winter Shakespeare 9, 199; etwas anders für verdrusz, unmut: kein winter von verdrusz befalle dich im leben Neukirch anfangsgründe (1724) 529; wie dasz dann (im frühling) unser sinn auch nicht des unmuths öden winter bricht? A. v. Haller ged. 109. DD. redensarten, sprichwörter, wetterregeln. D@11) in den heubtwercken, gottisdienst betreffend, da scheiden sie sich wie winther und somer Luther 10, 1, 1, 274 W.; uber das wundert mich fast ..., das sie aus der schlussel gewalt wollen ein regirende gewalt machen, das sich doch fuget zusammen wie winter und summer 6, 312, vgl. wie tag und nacht; ist er ein hitziger mann ..., so gerathen winter und sommer ineinander und da giebt ... es die schwersten gewitter der wohlgeplagte priester (1695) 91; der winter unde der sumer 'wechselfieber' s. unter sommer teil 10, 1, 1519; die käufer sind sehr rar wie mücken in dem winter Stoppe Parnass 321; D@22) nach dem winter kompt der früling Franck sprüchw. 1, 75a; nach dem winter kömpt der lentz Eyering prov. 3, 248; wann der winter auszgeschneit, trit der schöne sommer ein P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 349a; wer im sommer sein kleid zerreist, im winter billich wol erfreust Eyering prov. 3, 94; wer im sommer nicht samlet ein, mus im winter ein bettler sein ebda; es musz ein kalter winter sein, wenn die wölff oder andere thier einander fressen Fronsperger kriegsb. (1573) 1, 114b; es musz ein harter winter sein, wenn ein wolf den andern soll fressen Wander 5, 270; die wolff fressen kein winter (der winter bleibt in keinem fall aus) Bebel sprichw. (1548) 15a, vgl. noch Martin-Lienhart 2, 842; de müse frëtet den winter nich up Schambach Gött. 299b; de winter verfrüürt nit (Waldeck) Wander 5, 268; ein bundte kräh macht kein winter Franck sprüchw. 2, 58b. D@33) strenge herren und kalte winter regieren nicht lange Schellhorn sprichw. 73; der rauhste winter offt den schönsten sommer bringet Neukirch anfangsgr. (1724) 835; nach Martini scherzt der winter nicht Binder sprichw. 130; fauler winter, schlechter sommer; früher winter, frühes frühjahr; später winter, spätes frühjahr Wander 5, 270; in Solothurn: e schöne winter, e wüeste summer (und umgekehrt) ebda; kalter winter, heiszer sommer ebda 271; trockner winter, dürrer sommer 273; wenn kein winter ist, so ist auch kein sommer ebda. EE. winter als monatsname scheint blosze verkürzung aus wintermonat (s. dort) und tritt wie dieser vereinzelt mit zählung auf: der erst winter, d. h. der erste monat des winters, der november, vgl. cod. germ. monac. 93 bei K. Weinhold d. deutschen monatnamen (1869) 61; der ander winter d. h. der zweite monat im winter, der december ebda; in datierungen ohne zählung für den november: sand Elspeten tag in dem winter (v. j. 1313) bei Weinhold a. a. o.; uff den negsten montag nach s. Martini im winter (v. j. 1486) weisth. 2, 158; des donnerstags nach s. Martinstag im winter (v. j. 1550) 1, 838. FF. compositionstypen. F@11) adjectiva. zusammensetzungen von winter mit adjectiven sind selten und treten etwas zahlreicher erst im nhd. hervor; die ältesten sind altsächs. winterkalt und mhd. winterlang, -trübe; im 16. jh. erscheinen: wintermelk, -weisz, im 17. jh.: winterfällig, -farb, -grau, -grün, -hart, im 19. jh.: wintergelb, -kahl, -klar, -mäszig, -starr, -weich; dazu treten noch adject. ableitungen aus subst. compositionen, so im 16. jh.: winterschlägig, -zeitig, im 17. jh.: winterflüchtig, -fröstig, -saatig, im 18. jh.: winterartig, -nächtlich, im 19. jh.: winternächtig; einziges part. adj. ist winterschlafend (18. jh.). F@22) verba. verbalcomposita bleiben ganz vereinzelt und sind jung: winteraustreiben, -begraben, -grünen (19. jh.); selten sind auch verbalbildungen aus subst. composita, so im mhd. winterfuhren, im 16. jh. wintermaien, im 17. jh. winterbrachen, im 18. jh. winterlagern. F@33) substantiva. die hauptmasse der zusammensetzungen wird von substantiven gebildet, die bereits im ahd. durch winterbeere, -monat, -zeit vertreten sind und sich im mhd. stark vermehren; zur vollen entfaltung gelangt diese bildungsart aber erst im jüngeren nhd. F@3@aa) für dinge, zustände, ereignisse und handlungen, die in die winterliche jahreszeit fallen, in ihr stattfinden oder sich ereignen; wenig häufig von personen, die während des winters eine bestimmte function ausüben. F@3@a@aα) von dinglichen concretis und abstractis; im ahd. begegnen: wintermonat, -zeit, im mhd. (mnd.): winterernte, -fahrt, -gericht, -lage, -leid, -lohn, -reise, -sorge, -stück, -tag, -teil, -werk; das 16. jh. bringt: winterbankett, -freude, -fütterung, -krankheit, -krieg, -lägerung, -legung, -nacht, -not, -ruhe, -schiffahrt, -schlacht, -schlag, -stunde, -tagelohn, -trost, -wacht, -zug; mit dem 17. jh. treten auf: winteraccomodation, -arbeit, -brache, -flucht, -geäse, -gefräsz, -hau, -klage, -lied, -lust, -rast, -schlaf, -steuer; das 18. jh. zeitigt: winterabend, -äsung, -auditorium, -aufenthalt, -aussaat, -bad, -belustigung, -beschäftigung, -brunft, -campagne, -cursus, -einzahlung, -feldzug, -ferien, -fest, -fischerei, -fleisz, -flor, -gradierung, -gusz, -jagen, -jahr, -konzert, -leben, -lustbarkeit, -mastung, -messe, -morgen, -partie, -quartal, -schau, -schule, -solstitium, -spiel, -stand, -tod, -traum, -unterhaltung, -vergnügen, -vorlesung, -woche; dem 19. jh. und neuester zeit gehören an: winterausbildung, -ausflug, -ball, -brut, -brütung, -cultur, -einquartierung, -fällung, -fasching, -feier, -fischfang, -frühe, -gesang, -gesellschaft, -gewitter, -haltung, -hieb, -jagd, -johannstag, -lammung, -leiden, -mai, -mauser, -mauserung, -postierung, -saison, -schlummer, -schnitt, -schonzeit, -semester, -sonntag, -spaziergang, -sport, -vergnügung, -wache, -wässerung, -wuchs, -zeitvertreib. F@3@a@bβ) selten bleiben personalia; im mhd. (mnd.) sind es: winterdiener, -fahrer, -gast, im 16. jh. winterbutz, -könig, -trolle, -tropf, im 17. jh.: wintergeselle, -mann, im 18. jh.: winterkossat, -schläfer, -schulmeister, im 19. jh. winterlaicher, -riese. F@3@bb) in bezeichnungen für pflanzen und ihre teile bedeutet winter als erstes compositionsglied, dasz die pflanze entweder sich im winter zeigt, blüht, frucht bringt, genieszbar wird oder aber, dasz sie bzw. ihre samenkörner, blüten, blätter oder früchte den winter überdauern (perennieren), nicht verwelken und absterben; ein teil dieser bezeichnungen sind volkstümliche oder botanische pflanzennamen; das ahd. zeigt: winterbeere, -helen (ahd. wintarhalla); mhd. treten auf: winterblume, -bau, -epf, -frucht, -grün, -gerste, -getreide, -korn, -kraut, -kresse, -saat, -samen, -stroh, -traube, -trolle; das 16. jh. zeigt: winterapfel, -birne, -goldling, -grünkraut, -kern in -kernöl, -kirsche, -leinsaat, -linse, -obst, -pepone, -roggen, -rose, -salatkraut, -viole, -ysop, -zwiebel; das 17. jh. bringt: winterbrand, -endivie, -gift, -majoran, -melone, -petersilie, -pflanze, -rapunzel, -rettich, -spinat, -veilchen, -wolfswurz, -wundkraut, -wurzel, -zichorie; das 18. jh. belegt: winterbergamotte, -blümchen, -blüte, -borrasch, -eiche, -epheu, -feige, -gewächs, -kohl, -lactuk, -linde, -melisse, -pallier, -pomeranzenbirne, -raps, -rauke, -reis, -rosenbusch, -rübsaat, -rübsen, -saturei, -segge, -staudenroggen, -stripen, -weizen, -wolfswurzel; dem 19. jh. und neuester zeit gehören an: winterähre, -aster, -baum, -bingelkraut, -birke, -braunkraut, -buche, -butterbirne, -dinkel, -dorn, -erbse, -geiszblatt, -gelbholz, -gemüse, -goldparmäne, -greiskraut, -hafer, -hanf, -hartig, -hebling, -heide, -holde, -kandelwisch, -kannenkraut, -knauel, -knospe, -kohlraps, -kopfsalat, -krönchen, -lauch, -levkoje, -lieb, -locke, -lolch, -mangold, -mistel, -mondveilchen, -nieswurz, -pferdeschwanz, -pilz, -porree, -rebe, -salat, -schachtelhalm, -schafthalm, -schaftheu, -schlageiche, -schlagholzeiche, -schön, -spelz, -streifling, -süszapfel, -traubeneiche, -trespe, -trohlenbirne, -trüffel, -türchen, -wicke, -zacke, -zecke. F@3@cc) in bezeichnungen für tiere, in volkstümlichen oder zoologischen tiernamen heiszt winter als erstes glied soviel wie 'im winter sich zeigend, in unseren breiten bleibend' oder aber 'im winter geboren, aufgezogen, gefangen'; mhd. (mnd.) sind winterfisch, -vogel; das 16. jh. bringt: winterhund, -krähe, -lamm, -rötchen, -rötlein, -schwein; im 17. jh. zeigen sich: winterfink, -drossel, -kuh, -läufer, -möve; im 18. jh. treten auf: wintermücke, -schmetterling, -wolf; fruchtbar ist im 19. jh. besonders die zoologische terminologie: winterammer, -bachstelze, -biber, -ente, -ferkel, -fliege, -fölsche, -goldhähnchen, -grasmücke, -halbente, -hecht, -katze, -küken, -lerche, -möve, -nachtigall, -nörk, -ortolan, -saateule, -sau, -schonfisch, -spanner, -sperling, -stelze, -sturmvogel, -taucher, -zaunkönig. F@3@dd) mit der bedeutung 'für den winter bestimmt, benötigt, hergerichtet' oder 'im winter benutzt, gebraucht, verwendet' findet sich winter als erstes compositionsglied bei sachbezeichnungen aller art; im mhd. bei: winterbahn, -feder, -flur, -fuhre, -gabe, -garn, -geld, -gewand, -haus, -hose, -kleid, -kleidung, -lager, -netz, -rock, -schuh, -stallung, -weg, -wurm; im 16. jh. treten hinzu: winterdecke, -futter, -gemach, -handschuh, -höhle, -hütte, -kammer, -kranz, -lücke, -nahrung, -scheuer, -schlitten, -speise, -stiefel, -strasze, -weide, -wohnung, -zehrung; das 17. jh. bietet: winterbrücke, -cabinet, -garten, -geschirr, -herberge, -holz, -hut, -kost, -mantel, -notdurft, -quartier, -schmuck, -strumpf, -stube, -ware, -zimmer; mit dem 18. jh. begegnen: winterbad, -behältnis, -behausung, -bett, -butter, -bramsegel, -dach, -damm, -fenster, -feuer, -fuhrwerk, -halt, -herd, -küche, -licht, -märchen, -nest, -palais, -palast, -sitz, -staat, -stand, -tracht, -tuch, -vorrat, -wasseruhr, -weste, -wiese, -zahl; im 19. jh. zeigen sich: winteranger, -anzug, -asyl, -aufenthaltsort, -ausstattung, -bedeckung, -bedarf, -bestand, -bramstenge, -bukskin, -curort, -deich, -etat, -fahrplan, -fälbel, -feuerung, -garderobe, -grube, -gut, -hafen, -haube, -hilfe, -hülle, -jacke, -kamin, -kappe, -kartoffel, -magazin, -öl, -pech, -polder, -sachen, -schauer, -seezeichen, -segel, -stall, -stoff, -streu, -teich, -überzieher, -zeug. F@3@ee) bei einer anderen gruppe von compositionen heiszt winter als erstes glied 'im winter hergestellt, gewonnen, sich bildend, auftretend, gewachsen'; mhd. sind winterfell, -kälte, -regen, -reif, -saft, -wolle bezeugt; im 16. jh. treten auf: winterfeuchte, -frost, -gefrost, -gefröst, -gefröste, -hagel, -honig, -nebel, -pelz, -salz, -wasser; das 17. jh. bietet: winterbier, -eis, -flut, -gefröre, -haar, -käse, -nässe, -schnee, -wind, -wust; im 18. jh. tritt diese bildung hervor in: winterbeule, -dünger, -feuchtigkeit, -feuchtung, -gewässer, -leder, -milch, -schmalz, -sturm, -verhaarung; das 19. jh. und die neueste zeit ergeben: winterbalg, -behaarung, -ei, -fett, -flocke, -gut, -haut, -keim, -mist, -schicht, -speck, -spore. F@3@ff) im sinne 'eigenschaften der winterlichen jahreszeit zeigend' oder 'eigenschaften zeigend, wie sie im winter auftreten; im winterlichen zustand befindlich' findet sich winter als erstes glied verwendet, oft anstelle des adj. winterlich; mhd. (mnd.) erst vereinzelt in winterwitterung; im 16. jh. schon häufiger belegt: winterart, -blast, -bach, -gebirge, -loch, -stern, -wasser, -wetter; das 17. jh. zeigt: winterluft, -sonne, -welt; im 18. jh. reicher bezeugt: winterduft, -einsamkeit, -erde, -färbung, -gegend, -gewölk, -gruft, -himmel, -lage, -landschaft, -ohnmacht, -schleier, -stille, -stoppel, -strom, -wolke, -wüste; im 19. jh. treten auf: winterau, -baum, -bild, -boden, -dorf, -farbe, -färbung, -grab, -graus, -härte, -hauch, -laub, -natur, -nord, -schatten, -schauer, -schein, -starre, -starrheit, -wald. F@3@gg) in einer kleinen gruppe von zusammensetzungen bedeutet winter soviel wie 'für den winter hergerichtet, vorbereitet' und 'mit winterfrucht bestellt'; so mhd. winterfeld, -saat, -zelge; im 16. jh. begegnen: winterbau, -esch; im 17. jh. treten auf: winteracker, -anbau, -bau, im 19. jh.: winterbeet, -bestellung, -furche, -strich. F@3@hh) die zusammensetzung mit winter vertritt oft nur die construction mit abhängigem genitiv des winters; so im mhd. wintersonnenwende, im 16. jh. winterslänge, im 17. jh. winterbote, -länge, -lauf, -pracht, -wendezirkel, -zeichen, im 18. jh. winterhalbjahr, -jahreszeit, -punkt, -wende, -wendekreis; im 19. jh. winteranfang, -clima, -hälfte, -wendepunkt. F@3@ii) entsprechend winter A 6 gilt winter als erstes glied im sinne 'nach der kalten, nördlichen seite liegend', so im mhd. winterhalde, -teil, -zeile, im 16. jh. winterhalbe, -leite, im 17. jh. winterland, im 18. jh. winterlage, -lehne, -seite.
32301 Zeichen · 631 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    winterst. M. (a) (u), N.

    Köbler Ae. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    winter , st. M. (a) (u), N. nhd. Winter, Jahr ÜG.: lat. annus, hiems Gl Vw.: s. mid-, -biter, -burna, -ceald, -cearig, -…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    WINTERstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    WINTER , WINDER stm. winter. goth. vintrus ( ursprünglich qintrus?), ahd. wintar Gr. 1,394. gesch. d. d. spr. 73. Ulfil.…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    winterM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    winter , M. nhd. Winter Vw.: s. achter-, ēn-, mēde-, midde-, mit-, nā-, ȫver-, pāsche-, slī-, t-, vȫr- Hw.: vgl. mhd. wi…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Winter

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Winter , des -s, plur. ut nom. sing. 1. Diejenige Jahreszeit, da es in einer gewissen Gegend am kältesten ist, welch…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Winter

    Goethe-Wörterbuch

    Winter [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Winter

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +4 Parallelbelege

    Winter , in astronomischer Bedeutung, die Jahreszeit, die mit dem niedersten Stande der Sonne beginnt u. bis zur Frühlin…

  7. modern
    Dialekt
    Winter

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    Winter [Wìntər u. Wentər fast allg.; Wįtər M. ; Wįtər Geisp. ; Wntər K. Dunzenh. ; Wintər Gimbrett Mittelhsn. Olwish.…

  8. Sprichwörter
    Winter

    Wander (Sprichwörter)

    Winter 1. A früeha Winta hat an rund an längern Schwoaf. ( Oberösterr. ) – Baumgarten, 57. D.h. dauert weit länger. 2. Ä…

  9. Spezial
    Winter

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Win|ter m. (-s,-) invern (-s) m. ▬ im Winter d’invern. ✒ später Winter, spätes Frühjahr canche l’invern é tardí, é ince …

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit winter

1.341 Bildungen · 1.299 Erstglied · 35 Zweitglied · 7 Ableitungen

Ableitung von winter

wint + -er

winter leitet sich vom Lemma wint ab mit Suffix -er.

Zerlegung von winter 2 Komponenten

win+ter

winter setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

winter‑ als Erstglied (30 von 1.299)

Winterbaum

SHW

Winter-baum Band 6, Spalte 589-590

Winterberg

SHW

Winter-berg Band 6, Spalte 589-590

Winterboz

SHW

Winter-boz Band 6, Spalte 589-590

Winterbutz

SHW

Winter-butz Band 6, Spalte 589-590

Winterei

SHW

Winter-ei Band 6, Spalte 589-590

Winterende

SHW

Winter-ende Band 6, Spalte 589-590

Winterfeld

SHW

Winter-feld Band 6, Spalte 589-590

winter als Zweitglied (30 von 35)

ênwinter

KöblerAfries

*ênwinter , Adj. Vw.: s. ênter

Achttageⁿwinter

Idiotikon

Achttageⁿwinter Band 16, Spalte 756 Achttageⁿwinter 16,756

Chosliwinter

Idiotikon

Chosliwinter Band 16, Spalte 756 Chosliwinter 16,756

Henne(n)winter

Idiotikon

Henne(n)winter Band 16, Spalte 756 Henne(n)winter 16,756

Katharinenwinter

Wander

katharine·n·winter

Katharinenwinter Katharinenwinter, ein Plackwinter. – Boebel, 53; Simrock, 5456; Reinsberg VIII, 191. Es trifft häufig zu, dass wenn vor Kat…

Lau(w)iwinter

Idiotikon

Lau(w)iwinter Band 16, Spalte 756 Lau(w)iwinter 16,756

middewinter

MNWB

midde·winter

middewinter , mit- , mēde- , met- , m. , Mitte des Winters, Weihnachtszeit, Jahresende, in präpos. Vbdg.n. tô/up m., (flekt.:) tô middenwint…

mitterwinter

KöblerMhd

mitter·winter

mitterwinter , st. M. nhd. Wintersonnenwende Hw.: s. mittewinter E.: s. mitter, winter W.: nhd. DW- L.: Lexer 142c (mitterwinter)

mittewinter

KöblerMhd

mitte·winter

mittewinter , st. M. nhd. Mittwinter, Wintersonnenwende Hw.: s. mitterwinter; vgl. mnl. middewinter, mnd. middewinter Q.: RhMl (1220-1230) E…

mittwinter

DWB

mitt·winter

mittwinter , m. die mitte des winters, die zeit um weihnachten: man soll acht geben auf den 24. desz wintermonats, das ist, auf den kürzsten…

mēdewinter

KöblerMnd

mēdewinter , M. Vw.: s. middewinter L.: MndHwb 2, 938(mēdewîf/mēdewinter)

nachwinter

DWB

nach·winter

nachwinter , m. winterwetter im frühlinge, spätwinter Kramer 2, 151 c ; wann ein groszer nachwinter ist und in dem martio ein groszer schnee…

nâwinter

MNWB

nâwinter , m. , Spätwinterszeit, etwa Mitte Februar bis Mitte März (Invocavit); Nachwinter, winterliches Klima in der Spätwinterszeit. S. au…

Nā(ch)winter

Idiotikon

Nā(ch)winter Band 16, Spalte 756 Nā(ch)winter 16,756

nāwinter

KöblerMnd

nāwinter , M. nhd. Nachwinter, Spätwinterszeit, winterliches Klima in der Spätwinterszeit Hw.: s. achterwinter E.: s. nā (1), winter W.: s. …

ȫverwinter

MNWB

oever·winter

° ȫverwinter , ōver- , adv. : im Laufe des Winters, oft sê io denne ȫ. anders wolden dat schrîvet uns tô vȫrjâr tô (Hanserec. III 2, 204).

paskewinter

KöblerMnd

paskewinter , M. Vw.: s. pāschewinter

pāschewinter

KöblerMnd

pāschewinter , M. nhd. milder Winter Q.: Thierfelder Handelsbez. 110 (16. Jh.) E.: s. pāsche, winter L.: MndHwb 2, 1411 (pāschewinter) Son.:…

slîwinter

MNWB

° slîwinter regnerischer, feuchter Winter (Staatsb. Mag. 9, 719).

slīwinter

KöblerMnd

slīwinter , M. nhd. milder Winter, regnerischer Winter Q.: Staatsb. Mag. 9 719 E.: ?, s. winter L.: MndHwb 3, 277 (slîwinter), Lü 355a (sliw…

sudelwinter

DWB

sudel·winter

sudelwinter , m. , zu 1 sudel bzw. 2 sudeln 2, ' feuchter, milder winter ', vgl. Fischer schwäb. 5, 1950 ; v . Klein 2, 181 . —

vȫrwinter

MNWB

voer·winter

vȫrwinter , m. , 1. voriger Winter, Winter vorher. * 2. frühe Winterzeit, Übergangszeit zwischen Herbst und strengerem Winter (Oldekop).

vorwinter

DWB

vor·winter

vorwinter , m. , mnd. vorwinter Lübben hwb. 536 b ; mndl. vorewinter Verwijs-Verdam 9, 1, 1146 ; ndl. voorwinter Dale 2, 1934 ; fries. foarw…

Ableitungen von winter (7 von 7)

erwinteren

Idiotikon

erwinteren Band 16, Spalte 761 erwinteren 16,761

gewinteren

KöblerMhd

gewinteren , sw. V. nhd. überwintern, Vieh überwintern, über den Winter bringen Hw.: vgl. mnd. gewinteren Q.: Urk (1262) E.: ahd. giwintaren…

unwinterlich

DWB

unwinterlich , adj. adv. , nicht winterlich: die palmenwälder von Afrika, sanft gewiegt von ewig unwinterlichen lüften Matthisson 4, 140 ; e…

urwinter

DWB

urwinter , m. , unvordenklicher winter (ur- C 4 c): seit urwintern ... ... thront hier ein einsames scheusal Baggesen 1, 146 . —

verwinteren

KöblerMhd

verwinteren , sw. V. nhd. „verwintern“, überwintern Q.: Teichn (1350-1365) (FB verwintern) E.: s. ver…, winteren W.: nhd. (ält.) verwintern,…

wintere

DWB

wintere , f. , pflanzenname ( polyandria tetragynia ) Holl pflanzenn. 417 b ; granatische wintere ( drimys oder wintera granatensis ); gewür…