winter,
m. ,
got. wintrus,
ahd. as. wintar Graff 1, 630,
mhd. winter;
ags. engl. nl. schwed. dän. winter,
anord. vetr;
gemeingerm. wort, das wahrscheinlich zur wz. ed- '
netzen'
zu stellen und als '
nasse jahreszeit, regenzeit'
aufzufassen ist, vgl. Walde-Pokorny 1, 252
f.; die form mit binnennasalierung idg. *endru-
findet lautliche parallelen in lat. unda '
woge'
und lit. vand '
wasser'
; verwandte ohne binnennasal sind u. a. got. watō '
wasser',
as. watar,
ahd. waʒʒar,
vgl. griech. ὕδωρ.
der secundärvocal a
bzw. e
in wintar, winter
fehlt wie im ags. so auch im älteren ahd. und as. in den flectierten formen, vgl. wintrys
Beowulf 516, wintro
Hildebrandslied 50, wintro
Heliand 145, wintre, wintrun Graff 1, 631,
wird aber früh fester bestandteil, vgl. wintares Graff
a. a. o., wintere Notker 1, 38
P. die grundbedeutung '
nasse jahreszeit'
spiegelt sich noch darin, dasz unter winter
zunächst allgemein die eine der beiden hälften, in die die Germanen ursprünglich das jahr einteilten (
vgl. unten B 2
und sommer
teil 10, 1, 1510),
verstanden wird; wahrscheinlich war der winteranfang der anfang des germ. jahres, woraus sich die rechnung nach wintern (
s. unten B 1)
erklärt, vgl. K.
Weinhold über d. dtsche jahrteilung (
Kiel 1862) 4.
beginn und umfang des winters
sind zeitlich und örtlich verschieden; bei der alten zweiteilung dauert er von anfang oder mitte oct. bis anfang oder mitte april, ursprünglich wohl am ersten vollmond nach der herbsttagundnachtgleiche beginnend, in christlicher terminsetzung vielfach von s. Michael (29.
sept.)
bis s. Georg (23.
april),
vgl. österr. weist. 3, 25
unter winterweg
sp. 486,
d. heil. leben in d. winterteil (1471) a 1
a unter winterteil
sp. 482,
weisth. 6, 225
unter winterflur
sp. 437, Fischer
schwäb. 6, 1, 861
unter winterfeld;
durch einflusz der römischen jahresrechnung wurde der winteranfang zumeist auf s. Martin (11.
nov.)
übertragen, an dessen vorabend der winter
nach dem julianischen kalender beginnt und infolge der jüngeren, aber schon von Tacitus bezeugten, germ. dreiteilung des jahres die dauer des winters zugunsten des frühlings verkürzt, vgl. zwischen der zeit sand Martins tag und mitten Merzen
österr. weist. 5, 525,
cod. lubec. 2, 85
unter winterlage
sp. 454,
weisth. 4, 284
unter winterzelge
sp. 492, Fischer
schwäb. 6, 1, 857, Staub-Tobler 8, 621
unter winterschule
oder das winterende dem julian. frühlingstermin angenähert, so auf Mariä lichtmesz (2.
febr.)
oder Petri stuhlfeier (22.
febr.),
vgl. Weinhold
a. a. o. 8;
mehrfach tritt allerheiligen (1.
nov.)
als winterbeginn auf, vgl. Hohenfurter Benedictinerregel unter winterzeit
sp. 489, Fischer
schwäb. 6, 1, 857;
auch s. Clemens (23.
nov.),
vgl. Hugo v. Langenstein
Martina 250, 17
unten bei A 2
und unter wintermonat
sp. 462,
ebenso Fischer
a. a. o.; seltener erscheinen andere winterliche anfangstermine wie
s. Gallus (16.
oct.),
vgl. unter winterlohn
sp. 460,
s. Ursula (21.
oct.) Stürenburg 333
a unter winternacht
sp. 467,
s. Katharina (25.
nov.) Fischer
a. a. o.,
s. Andreas (30.
nov.)
ebda, s. Nicolaus (6.
dec.)
ebda; noch heute gilt dem landwirt der winter
als halbjahr: der landwirtschaftliche winter ... dauert vom 1. november an bis zum 10ten bis 20sten april, also gegen 6 monate Leopold
hwb. d. ökonomie 530
b;
im astronomischen sinne ist winter
im calender diejenige der vier jahreszeiten, die vom 21./22.
december bis zum 20.
märz dauert. AA.
im eigentlichen sinne für die kalte jahreshälfte oder jahreszeit, vgl. ahd. wintar
hiems, bruma, pruina Graff 1, 630. A@11)
temporal: at izwis waitei salja aiþþau jah wintru wisa
got. bibel 1. Kor. 16, 6; warþ þan in niujiþa in Jairusaulwmai jah wintrus was
Joh. 10, 22; betôt wârlîcho, thaz ni werde iuwer fluht in wintar oda in sambaʒtage
Tatian 145, 14; tu getuost ze wintere, so daz loub riset, churzeren dag tanne diu naht si Notker 1, 38
P.; sî wæren beidiu samt alt und der winter wurde lîhte kalt Hartmann v. Aue
Iwein 6534; daz si nâch dem sumerevon des winters stunden solten bîten
Kudrun 37, 4
Martin; möhte ich verslâfen des winters zît! Walther 39, 6; den walt der winter grîset
die warnung 1925
in: ztschr. f. deutsch. altert. 1, 438
ff.; vil grôzer nebel wurden sêr prünseln und stinken in den herbsten und in den wintern der zwair jâr Konrad v. Megenberg
buch d. natur 111, 3
Pf.; (
der igel) tregt holtzöppfl auf den winter ein Hans Sachs 7, 453
K.; (
langes haar) ist dir gut für winters kelt K. Scheit
Grob. 164
ndr.; dieweil die sonne am ende scorpions ist, alsdann so hebe der winter an
M. Herr
feldbau (1551) 14
b; nach des winters kalten winden
Königsberger dichterkr. 84
ndr.; des winters schwarzer duft weicht einer heitern luft Schwabe
belust. 3, 142; schnell wie ein winter sinket Wieland I 2, 230
akad.; in des winters strenge Schiller 14, 391
G.; formelhaft in winter schlagen '
vieh über winter durchfüttern': das soviel lemmer vorrechent (
werden) als alte und zeitschaff gezehlet oder in winter geschlagen (
wurden)
haushalt. in vorwerken 171
Ermisch-W., vgl. winterschlag. A@22)
mit typischen adjectiven, namentlich mit solchen, die die für die natur und den menschen unangenehmen eigenschaften des winters
als der kalten jahreszeit betonen: dô wir uns solten warnen gegen des kalten winters zît Walther 13, 27; desz babstes tac Clementis danne vahet der winter kuole so sint die gruonen bruole gevalwet und die heiden Hugo v. Langenstein
Martina 250, 17; die bluomen und der vogele sanc müeze wir dem leiden winder lâzen Neidhart v. Reuental 55, 21
Haupt-Wieszner; einen rauhen, kalten, todten winter, der alle frucht ... verderbet Luther 34, 2, 480
W.; und was ein rucher, stränger winter Tschudi
chron. Helv. 1, 17; der schneeicht winter sich doch schwingt, wann der sommer sein früchte bringt W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dram. 2, 95; der frühling nach dem winter öd war nie so schön muntiret Spee
trutznacht. (1649) 5; im härtsten winter Weichmann
poesie der Nieders. 1, 72; wenn nur schon der garstige winter vorüber wäre Lessing 18, 92
L.-M.; der herbe winter Geszner
schr. 1, 28; schauervoller winter Bräker
s. schr. 2, 242; genug des harten winters Herder 26, 225
S.; im strengsten winter Göthe 25, 99;
W.; wodurch ich ... den leidigen winter zu betrügen denke IV 36, 112; im schlimmen winter darben E.
M. Arndt
s. w. 3, 32; trotz des bösen winters ... (
bin ich) gesund Görres
br. 3, 130;
der gegensatz dazu ist milder winter
u. ähnl.: ein milder winter macht den kirchhof reich Wander
sprichw. 5, 270; es falle bei euch nie kein schlaffer winter ein Henrici
ged. 1, 292; ein gelinder, warmer, truckner winter Kramer
t.-ital. 2, 1356
a; in diesem lauen winter Görres
br. 3, 13;
mehr zeitlich bestimmend hoher, tiefer winter: während des hohen winters Tschudi
thierl. d. Alpenwelt 83;
z. b. es war tiefer winter, mitten im tiefsten winter, tief im winter
u. s. w. A@33)
der temporale charakter verblaszt oft zugunsten des qualitativen, sodasz winter
den ausdruck seiner eigenschaften wie frost, kälte, winterwetter, leblosigkeit u. s. w. vertritt: uns hât der winter geschadet über al heide unde walt sint beide nû val Walther 39, 1; (
die sommernessel) kan den winter nicht erleiden Bock
kreuterb. (1580) 1
b; wie krankheit, frost und winter sie an ihrer arbeit hindert Fischart
flöhhatz 1501
ndr.; was dorfte er seinen eintzigen sohn zuschicken, sonderlich in so bösem wetter und winter Spee
güld. tugendb. 161; so raubt der winter rasen der edlen gärte zier Gryphius
trauersp. 217
Palm; aber noch deckte schauervoller winter die erde U. Bräker
schr. 2, 242; schnee und winter haben ... meinen anlagen ein ende gemacht fürst Pückler
briefw. 3, 128;
ähnlich in redensartlichen wendungen durch den winter, aus dem winter kommen '
die kälte überstehen': der roggen (
ist) gut durch den winter gekommen Polenz
Büttnerbauer 1, 46; (
man gibt den kühen grummet,) dasz sie besser aus den winter kommen
viehbüchl. 28; auf den winter kleiden Dentzler 354
a '
durch kleidung gegen kälte schützen': er war ziemlich schlecht auf den winter gekleidet Grimmelshausen 2, 20
K. A@44)
personificierter gebrauch ist alt und geht teilweise auf mythologische vorstellungen zurück, vgl. darüber s. v. sommer
teil 10, 1, 1515
f., teilweise liegt nur poetische personification vor: nû sage an, sumer, war wiltu den winter hinne fliehen? Neidhart v. Reuental 57, 24
Haupt-Wieszner; mîn herre winter!
minnesinger 3, 267
a v. d. Hagen; der winter ist ein rechter mann, kernfest und auf die dauer
M. Claudius
w. (1882) 1, 281
R.; der alte, grämliche winter sasz melancholisch ... auf dem gipfel des gebirges Eichendorf
s. w. 2, 334
S.; oft ist die personificierung nur indirect angedeutet: des winters neid v. König
ged. 20; des winters silberlocken (
der schnee) Brentano
ges. schr. 2, 286. A@55)
als adverbiale zeitbestimmung tritt neben den absoluten gebrauch bestimmter casusformen früh präpositionale verbindung, die in neuerer sprache herrschend ist; im dativ: aþþan bidjaiþ ei ni wairþai sa þlauhs izwar wintrau
got. bibel Markus 13, 18;
bis in heutige sprache hinein im genitiv: die chlinga sint winteres pefroren Notker
ps. 125, 4; ich winter, halt mich des winters
hiberno Alberus
nov. dict. b b 3
a; sodasz des winters die strahlen der sonne gedoppelt einfallen Steinbryckel
Philoctet 6; eine see ..., die des sommers vertrocknet ..., des winters aber schwimmet Lohenstein
Arminius 1, 104
a; nur des winters ist er daselbst Ranke
s. w. 42, 12; jetz schöpffest (
du sonne) uns den besten schein, so winters war verlohren Spee
trutznacht. (1649) 118; o tannenbaum! o tannenbaum! ... grünst sommers und winters gleich Brentano
ges. schr. 2, 103; eine schläfrige eintönigkeit lag winters über dem verschneiten gut Viebig
d. schlaf. heer 2, 354;
im accusativ: der ist bickelmeister disen winder Neidhart v. Reuental 49, 18
Haupt-Wieszner; den winter under dem tach sein Frisius 66
b; dasz der pfaff all nacht ausz musz bleiben, wil ich mein hut den winter treiben Hans Sachs 17, 39
K.-G.; den winter ist er in d schul gewesn Gilhusius
gramm. (1597) 48;
articellos in zwillingsformeln winter und sommer
vgl. unten B 2;
von präpositionen bleibt zu
auf ältere sprache beschränkt: ze wintere Notker 1, 38
P.; wer muzig geit in der erne den bizent die luse zu winter gerne
Salomon und Markolf 438
Hartm.; zuo mittem winter Frisius 40
a;
in mischung mit adverbialem genitiv: die sein lieb gedächtnüsz schriebe offt zu winters in den schnee P. Fleming
dtsche ged. 1, 313
Lapp.; in: in mitten im winter Frisius 111
a; über: 5 last (
korn) uber winter gesehet Nostitz
haush.-buch 109; (
eine pflanze) bleibt über winter Frisius 951
b; den winter über Schweinichen
denkw. 124
Öst.; in mischung mit dem absoluten genitiv: über winters Schnabel
insel Felsenburg 2, 29; wo ihr des winters über seid Lichtwer
fab. 4, 29; durch, hindurch
nur nachgestellt: da alle drei gesellen ... sich den winter durch herzlich satt bekamen G. Keller
ges. w. 4, 217; den winter hindurch Holtei
erz. schr. 2, 93;
mit absolutem genitiv gekreuzt: sommers und winters hindurch Schnabel
insel Felsenburg 48
Ullrich; ähnlich in der verbindung vor winters '
vor eintritt des winters': musz man die heiden ein wenig vor winters eben machen
corp. const. Prutenicarum (1702) 3, 446; in einer gebirgsreise, die wir noch vor winters ... zu vollbringen gedachten Göthe 32, 179
W.; ich bin herüber nach Jena gegangen, um noch vor winters einiges anzuordnen IV 19, 69; was sie da vor winters geackert haben Goltz
jugendl. 2, 26. A@66)
mit übergang von der zeitbestimmung zur ortsbestimmung als '
von der sonne abgewendete himmelsrichtung; kalte seite, nordseite, wo der schnee am längsten liegen bleibt'
in zusammensetzungen wie winterhalbe, -halde, -lage, -land, -lehne, -leite, -teil, -seite, -zeile
u. s. w., vgl. in flurnamen Buck
flurnamenb. 303, Fischer
schwäb. 6, 1, 859;
s. auch comp.-typen 3 i. BB.
alt und sicher gemeingerm. besitz als bezeichnung des jahres bei der jahreszählung, vgl. altnord. Cleasby 700
a,
ags. Bosworth-Toller 1235. B@11) winter
für '
jahr'
ist schon in mhd. zeit nicht mehr geläufig: qino bloþarinnandei ib. (12) wintruns
got. bibel Matth. 9, 20; dauhtar ainoho was imma swe wintriwe twalibe
Luk. 8, 42;
vgl.hē geheold tela fīftig wintra
Beowulf 2209
Holth.; hwanda wit habdun aldres êrefno twêntig wintrô an unkro weroldi
Heliand 145
Heyne; ... skrêd the wintar forð, gêng thes gêres gital ... 197;
poetisch und in gehobener sprache noch verwendet: tausend winter bin ich ihr tiefster knecht Joh. Christ. Günther Günther
ged. (1735) 1095; hundert winter schienen auf seinem grauen scheitel zu ruhen Pfeffel
pros. vers. 2, 95; alt war er fünfzehn winter Rückert
ged. 3, 495;
ähnlich: er hat manchen winter auf dem rücken Wander
sprichw. 5, 274; Kluge
etym. wb.11 693
stellt wohl mit recht zu dieser alten bedeutung noch niederrhein. einwinter '
einjährige ziege, einjähriges rind',
vgl. engl. twinter '
zweijähriges schaf'. B@22)
die paarung sommer und winter,
die als summe beider jahreshälften ebenfalls für '
jahr'
gilt, ist nicht so früh bezeugt wie 1,
aber ebenfalls alt; bei der zählung wurden die jahreshälften getrennt gezählt: in wallota sumaro enti wintrosehstic (= 30
jahre) ur lante
Hildebrandslied 50;
meist ohne zahlangabe gebraucht: the habda at them wîhasô filu wintrô endi sumarô gilibd an them liohta
Heliand 465
Heyne; adverbial im sinne '
das ganze jahr hindurch': summer unde winter was er vil munter
genesis u. ex. 23, 9
Diemer; sumer und winter blüet sin lop als in den êrsten jâren Walther 35, 16; der snaken ist genuog under den läuten paideu sumer und winter Konrad v. Megenberg
buch d. natur 299
Pf.; geld ist gute waare, sie gilt winter und sommer Schellhorn
sprichw. 77; (
er) behauptete seinen platz ... winter und sommer G. Keller
ges. w. 4, 217,
s. auch unter sommer
teil 10, 1, 1510
f. CC.
bildlicher und übertragener gebrauch knüpft sich in verschiedenen richtungen an einzelne mit winter
verbundene vorstellungskreise an. C@11) winter
als letzte der jahreszeiten, die den scheinbaren tod der natur mit sich bringt, wird sinnbild des greisenalters; vgl. ähnlich sommer
für das mannesalter teil 10, 1,
sp. 1518, frühling
für die jugend teil 4, 1, 1,
sp. 296;
zuerst in der verbindung des alters winter: darum trag ein im summer, das du nicht leidest kumer in deines alters winter! Hans Sachs 22, 201
K.-G.; mich weist es (
das blümchen) auf des alters winter hin Kind
ged. 4, 259;
in erweiterter form: die manhait heisz und khün, mit gelb, braun, schwartzen haaren, erwirbet lieb und lohn: doch mehr verstand, raht, heil kan uns des alters schnee und winter offenbaren Weckherlin
ged. 2, 393
Fischer; ähnlich dann winter der jahre, des lebens: lasz uns blühen, wie wir blühn, eh der winter welcker jahre dir die goldgemengten haare wird mit silber unterziehn P. Fleming
dtsche ged. 1, 405
L.; lerne ... von ihr (
der ameise) in dem winter deiner jahre ruhen Lessing 1, 220
L.-M.; selbst der schnee auf dem haupt erinnert den greis nicht an den winter seines lebens Hippel
lebensl. 3, 1, 168; wenn der winter unsers lebens unser haar mit schnee deckt Knigge
umgang m. menschen 2, 7; er erntete in dem herbst und winter seines lebens ein, was er schon in seinen früheren jahren ausgestreut hatte Cramer
nord. aufseher 1, 82;
so auch ohne erklärenden zusatz: die mit heiszem liebesgeize deinem kusz entgegenflohn, zischen dem erloschnen reize, lachen deinem winter hohn Schiller 1, 308
G.; und ich darf nicht das alter scheuen ... ich kann mich meines winters freuen Becker
mildh. liederb. 52; neue freundschaft schlieszt sich schwer an des winters grenze Geibel 4, 110;
oft in gegenüberstellung zu frühling, lenz, mai: und habt mir nur für gut, ich mein auch meistens die, wo winter nicht verbot, dasz frühling nicht mehr blüh Logau 282
Eitner; dein winter werde dir zum lentzen Besser
schr. 1, 6; vermählest ohne scheu dem winter deinen mai Grillparzer
s. w. 6, 157
S.; auch allgemeiner für späte zeit: und wäre es tief im winter der ehe, ihr werdet sehen, dasz der greis noch liebesthränen hat Börne
schr. 5, 113. C@22)
eine andere bildvorstellung leitet sich vom vergleich der weiszen haare mit dem schnee des winters
her: nimm, könig, auch die silberflocke hin von meinem winter
gr. Stolberg
ges. w. 4, 40; musz ich am stabe wanken, schwebt winter um mein haupt Brentano
ges. schr. 2, 300; alte menschen, kalte menschen; ihre häupter grauer winter Weber
Dreizehnlinden 282; die alte Stigerin mit dem früher rabenschwarzen haar, auf welchem bereits der winter lag Felder
reich u. arm 124; wer den winter auf dem kopfe hat, musz nicht den frühling in den beinen haben Wander
sprichw. 5, 273. C@33)
vom winter
als der kalten jahreszeit, in der kein leben und keine freude herrscht, gehen andere übertragungen aus; als die zeit der starre, leblosigkeit und unfruchtbarkeit: das christliche war noch in der unfruchtbarkeit und in dem winter, deren ursachen die dürre des aberglaubens und die rauhigkeit der unwissenheit sind Th. Abbt
verm. w. 2, 2, 16; nun stockt das alles in dem winter politischer zwiespaltsgegenwart Göthe IV 28, 188
W.; sodasz der kalte winter des tadels den im sommer des lobs gemästeten abgott bis zur magerkeit abzehrt Jean Paul
w. 5, 39
H.; es scheint als wenn der winter meiner natur mit diesem winter einerlei epoque haben sollte Göthe IV 1, 203
W.; für die zeit der freudlosigkeit: nu beginnt mein glükk zu blühen und der winter weg zu ziehen Stieler
geharnschte Venus 64
ndr.; meine jugendzeit war nur ein langer winter, ich wuszte von freude nichts, aber von sorge und kummer viel Hebbel
br. 1, 365;
als sinnbild der häszlichkeit: dahero die arme buhlerin den so angebeteten frühling seiner schönen wangen ... in einen ungestalten ... winter sich verwandeln ... hat sehen müssen S. v. Birken
lorbeerhayn (1657) 13; aus ungeduld, selbst häszlich und selbst alt (
nahm er) das dürrste mütterchen, den winter von gestalt Kretschmann
s. w. 2, 268;
subjectiv gewendet für die gefühlslosigkeit, die kälte des empfindens; noch im bilde: wie hat des winters eisz denn nur ihr hertz umbfangen? Lohenstein
Ibrahim sultan 66; sein herz kennt schmachtende glut nicht und eis und winter Herder 27, 32
S.; winter kam hereingeschlichen in mein herz, die thränen starben Lenau
ged. (1857) 1, 88; es liegt der winter, der kalte, in deinem herzchen klein Heine
w. 1, 84
E.; eine nonne von des winters schwesternschaft
Shakespeare 5, 181;
sprichwörtlich: der is im winter uf d wëlt kumme (
von einem geizigen) Martin-Lienhart 2, 842. C@44)
vom winter
als der jahreszeit, die für den menschen beschwerlich ist und sorgen, mangel u. s. w. mit sich bringt, kommen übertragungen her für '
entbehrung, unglück, not': wie werent (
sie) nu so uberselig, obe sú irme hirten alsus volgetent in diseme wintere Tauler
pred. 62, 10
V.; die predig sagt von zwaien wintern des götlichen mangels
sermon. (1508)
reg. 2 b
a; also hat ein jeder sein winter, creutz, leiden, not und tod vor im, es stand lang oder kortz an Bebel
sprichw. (1548) 157
a; es sei nunmehr zeit, dasz er aus dem winter dieser welt in die warme himmelsstube nach hause wandern könnte Chr. Weise
pol. redner 552; glück ist der freund sommer und ernt, unglück aller freund winter Franck
sprüchw. 1, 7
b;
daher im sprichwort: wenn der winter kommt, fliegen die schwalben (
freunde) fort Wander 5, 273; es bedarf keines harten winters (
harten stoszes), um ihn zugrunde zu richten 274; er kann einen harten winter aushalten (
ist reichlich versorgt)
ebda; vgl. auch: doch Crösus reichthum ist so arm als winter
Shakespeare 9, 199;
etwas anders für verdrusz, unmut: kein winter von verdrusz befalle dich im leben Neukirch
anfangsgründe (1724) 529; wie dasz dann (
im frühling) unser sinn auch nicht des unmuths öden winter bricht? A. v. Haller
ged. 109. DD.
redensarten, sprichwörter, wetterregeln. D@11) in den heubtwercken, gottisdienst betreffend, da scheiden sie sich wie winther und somer Luther 10, 1, 1, 274
W.; uber das wundert mich fast ..., das sie aus der schlussel gewalt wollen ein regirende gewalt machen, das sich doch fuget zusammen wie winter und summer 6, 312,
vgl. wie tag und nacht; ist er ein hitziger mann ..., so gerathen winter und sommer ineinander und da giebt ... es die schwersten gewitter
der wohlgeplagte priester (1695) 91; der winter unde der sumer '
wechselfieber'
s. unter sommer
teil 10, 1, 1519; die käufer sind sehr rar wie mücken in dem winter Stoppe
Parnass 321; D@22) nach dem winter kompt der früling Franck
sprüchw. 1, 75
a; nach dem winter kömpt der lentz Eyering
prov. 3, 248; wann der winter auszgeschneit, trit der schöne sommer ein P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 349
a; wer im sommer sein kleid zerreist, im winter billich wol erfreust Eyering
prov. 3, 94; wer im sommer nicht samlet ein, mus im winter ein bettler sein
ebda; es musz ein kalter winter sein, wenn die wölff oder andere thier einander fressen Fronsperger
kriegsb. (1573) 1, 114
b; es musz ein harter winter sein, wenn ein wolf den andern soll fressen Wander 5, 270; die wolff fressen kein winter (
der winter bleibt in keinem fall aus) Bebel
sprichw. (1548) 15
a,
vgl. noch Martin-Lienhart 2, 842; de müse frëtet den winter nich up Schambach
Gött. 299
b; de winter verfrüürt nit (
Waldeck) Wander 5, 268; ein bundte kräh macht kein winter Franck
sprüchw. 2, 58
b. D@33) strenge herren und kalte winter regieren nicht lange Schellhorn
sprichw. 73; der rauhste winter offt den schönsten sommer bringet Neukirch
anfangsgr. (1724) 835; nach Martini scherzt der winter nicht Binder
sprichw. 130; fauler winter, schlechter sommer; früher winter, frühes frühjahr; später winter, spätes frühjahr Wander 5, 270;
in Solothurn: e schöne winter, e wüeste summer (
und umgekehrt)
ebda; kalter winter, heiszer sommer
ebda 271; trockner winter, dürrer sommer 273; wenn kein winter ist, so ist auch kein sommer
ebda. EE. winter
als monatsname scheint blosze verkürzung aus wintermonat (
s. dort)
und tritt wie dieser vereinzelt mit zählung auf: der erst winter,
d. h. der erste monat des winters,
der november, vgl. cod. germ. monac. 93
bei K. Weinhold
d. deutschen monatnamen (1869) 61; der ander winter
d. h. der zweite monat im winter,
der december ebda; in datierungen ohne zählung für den november: sand Elspeten tag in dem winter (
v. j. 1313)
bei Weinhold
a. a. o.; uff den negsten montag nach
s. Martini im winter (
v. j. 1486)
weisth. 2, 158; des donnerstags nach
s. Martinstag im winter (
v. j. 1550) 1, 838. FF.
compositionstypen. F@11)
adjectiva. zusammensetzungen von winter
mit adjectiven sind selten und treten etwas zahlreicher erst im nhd. hervor; die ältesten sind altsächs. winterkalt
und mhd. winterlang, -trübe;
im 16.
jh. erscheinen: wintermelk, -weisz,
im 17.
jh.: winterfällig, -farb, -grau, -grün, -hart,
im 19.
jh.: wintergelb, -kahl, -klar, -mäszig, -starr, -weich;
dazu treten noch adject. ableitungen aus subst. compositionen, so im 16.
jh.: winterschlägig, -zeitig,
im 17.
jh.: winterflüchtig, -fröstig, -saatig,
im 18.
jh.: winterartig, -nächtlich,
im 19.
jh.: winternächtig;
einziges part. adj. ist winterschlafend (18.
jh.). F@22)
verba. verbalcomposita bleiben ganz vereinzelt und sind jung: winteraustreiben, -begraben, -grünen (19.
jh.);
selten sind auch verbalbildungen aus subst. composita, so im mhd. winterfuhren,
im 16.
jh. wintermaien,
im 17.
jh. winterbrachen,
im 18.
jh. winterlagern. F@33)
substantiva. die hauptmasse der zusammensetzungen wird von substantiven gebildet, die bereits im ahd. durch winterbeere, -monat, -zeit
vertreten sind und sich im mhd. stark vermehren; zur vollen entfaltung gelangt diese bildungsart aber erst im jüngeren nhd. F@3@aa)
für dinge, zustände, ereignisse und handlungen, die in die winterliche jahreszeit fallen, in ihr stattfinden oder sich ereignen; wenig häufig von personen, die während des winters eine bestimmte function ausüben. F@3@a@aα)
von dinglichen concretis und abstractis; im ahd. begegnen: wintermonat, -zeit,
im mhd. (
mnd.): winterernte, -fahrt, -gericht, -lage, -leid, -lohn, -reise, -sorge, -stück, -tag, -teil, -werk;
das 16.
jh. bringt: winterbankett, -freude, -fütterung, -krankheit, -krieg, -lägerung, -legung, -nacht, -not, -ruhe, -schiffahrt, -schlacht, -schlag, -stunde, -tagelohn, -trost, -wacht, -zug;
mit dem 17.
jh. treten auf: winteraccomodation, -arbeit, -brache, -flucht, -geäse, -gefräsz, -hau, -klage, -lied, -lust, -rast, -schlaf, -steuer;
das 18.
jh. zeitigt: winterabend, -äsung, -auditorium, -aufenthalt, -aussaat, -bad, -belustigung, -beschäftigung, -brunft, -campagne, -cursus, -einzahlung, -feldzug, -ferien, -fest, -fischerei, -fleisz, -flor, -gradierung, -gusz, -jagen, -jahr, -konzert, -leben, -lustbarkeit, -mastung, -messe, -morgen, -partie, -quartal, -schau, -schule, -solstitium, -spiel, -stand, -tod, -traum, -unterhaltung, -vergnügen, -vorlesung, -woche;
dem 19.
jh. und neuester zeit gehören an: winterausbildung, -ausflug, -ball, -brut, -brütung, -cultur, -einquartierung, -fällung, -fasching, -feier, -fischfang, -frühe, -gesang, -gesellschaft, -gewitter, -haltung, -hieb, -jagd, -johannstag, -lammung, -leiden, -mai, -mauser, -mauserung, -postierung, -saison, -schlummer, -schnitt, -schonzeit, -semester, -sonntag, -spaziergang, -sport, -vergnügung, -wache, -wässerung, -wuchs, -zeitvertreib. F@3@a@bβ)
selten bleiben personalia; im mhd. (
mnd.)
sind es: winterdiener, -fahrer, -gast,
im 16.
jh. winterbutz, -könig, -trolle, -tropf,
im 17.
jh.: wintergeselle, -mann,
im 18.
jh.: winterkossat, -schläfer, -schulmeister,
im 19.
jh. winterlaicher, -riese. F@3@bb)
in bezeichnungen für pflanzen und ihre teile bedeutet winter
als erstes compositionsglied, dasz die pflanze entweder sich im winter zeigt, blüht, frucht bringt, genieszbar wird oder aber, dasz sie bzw. ihre samenkörner, blüten, blätter oder früchte den winter überdauern (
perennieren),
nicht verwelken und absterben; ein teil dieser bezeichnungen sind volkstümliche oder botanische pflanzennamen; das ahd. zeigt: winterbeere, -helen (
ahd. wintarhalla);
mhd. treten auf: winterblume, -bau, -epf, -frucht, -grün, -gerste, -getreide, -korn, -kraut, -kresse, -saat, -samen, -stroh, -traube, -trolle;
das 16.
jh. zeigt: winterapfel, -birne, -goldling, -grünkraut, -kern
in -kernöl, -kirsche, -leinsaat, -linse, -obst, -pepone, -roggen, -rose, -salatkraut, -viole, -ysop, -zwiebel;
das 17.
jh. bringt: winterbrand, -endivie, -gift, -majoran, -melone, -petersilie, -pflanze, -rapunzel, -rettich, -spinat, -veilchen, -wolfswurz, -wundkraut, -wurzel, -zichorie;
das 18.
jh. belegt: winterbergamotte, -blümchen, -blüte, -borrasch, -eiche, -epheu, -feige, -gewächs, -kohl, -lactuk, -linde, -melisse, -pallier, -pomeranzenbirne, -raps, -rauke, -reis, -rosenbusch, -rübsaat, -rübsen, -saturei, -segge, -staudenroggen, -stripen, -weizen, -wolfswurzel;
dem 19.
jh. und neuester zeit gehören an: winterähre, -aster, -baum, -bingelkraut, -birke, -braunkraut, -buche, -butterbirne, -dinkel, -dorn, -erbse, -geiszblatt, -gelbholz, -gemüse, -goldparmäne, -greiskraut, -hafer, -hanf, -hartig, -hebling, -heide, -holde, -kandelwisch, -kannenkraut, -knauel, -knospe, -kohlraps, -kopfsalat, -krönchen, -lauch, -levkoje, -lieb, -locke, -lolch, -mangold, -mistel, -mondveilchen, -nieswurz, -pferdeschwanz, -pilz, -porree, -rebe, -salat, -schachtelhalm, -schafthalm, -schaftheu, -schlageiche, -schlagholzeiche, -schön, -spelz, -streifling, -süszapfel, -traubeneiche, -trespe, -trohlenbirne, -trüffel, -türchen, -wicke, -zacke, -zecke. F@3@cc)
in bezeichnungen für tiere, in volkstümlichen oder zoologischen tiernamen heiszt winter
als erstes glied soviel wie '
im winter sich zeigend, in unseren breiten bleibend'
oder aber '
im winter geboren, aufgezogen, gefangen'
; mhd. (
mnd.)
sind winterfisch, -vogel;
das 16.
jh. bringt: winterhund, -krähe, -lamm, -rötchen, -rötlein, -schwein;
im 17.
jh. zeigen sich: winterfink, -drossel, -kuh, -läufer, -möve;
im 18.
jh. treten auf: wintermücke, -schmetterling, -wolf;
fruchtbar ist im 19.
jh. besonders die zoologische terminologie: winterammer, -bachstelze, -biber, -ente, -ferkel, -fliege, -fölsche, -goldhähnchen, -grasmücke, -halbente, -hecht, -katze, -küken, -lerche, -möve, -nachtigall, -nörk, -ortolan, -saateule, -sau, -schonfisch, -spanner, -sperling, -stelze, -sturmvogel, -taucher, -zaunkönig. F@3@dd)
mit der bedeutung '
für den winter bestimmt, benötigt, hergerichtet'
oder '
im winter benutzt, gebraucht, verwendet'
findet sich winter
als erstes compositionsglied bei sachbezeichnungen aller art; im mhd. bei: winterbahn, -feder, -flur, -fuhre, -gabe, -garn, -geld, -gewand, -haus, -hose, -kleid, -kleidung, -lager, -netz, -rock, -schuh, -stallung, -weg, -wurm;
im 16.
jh. treten hinzu: winterdecke, -futter, -gemach, -handschuh, -höhle, -hütte, -kammer, -kranz, -lücke, -nahrung, -scheuer, -schlitten, -speise, -stiefel, -strasze, -weide, -wohnung, -zehrung;
das 17.
jh. bietet: winterbrücke, -cabinet, -garten, -geschirr, -herberge, -holz, -hut, -kost, -mantel, -notdurft, -quartier, -schmuck, -strumpf, -stube, -ware, -zimmer;
mit dem 18.
jh. begegnen: winterbad, -behältnis, -behausung, -bett, -butter, -bramsegel, -dach, -damm, -fenster, -feuer, -fuhrwerk, -halt, -herd, -küche, -licht, -märchen, -nest, -palais, -palast, -sitz, -staat, -stand, -tracht, -tuch, -vorrat, -wasseruhr, -weste, -wiese, -zahl;
im 19.
jh. zeigen sich: winteranger, -anzug, -asyl, -aufenthaltsort, -ausstattung, -bedeckung, -bedarf, -bestand, -bramstenge, -bukskin, -curort, -deich, -etat, -fahrplan, -fälbel, -feuerung, -garderobe, -grube, -gut, -hafen, -haube, -hilfe, -hülle, -jacke, -kamin, -kappe, -kartoffel, -magazin, -öl, -pech, -polder, -sachen, -schauer, -seezeichen, -segel, -stall, -stoff, -streu, -teich, -überzieher, -zeug. F@3@ee)
bei einer anderen gruppe von compositionen heiszt winter
als erstes glied '
im winter hergestellt, gewonnen, sich bildend, auftretend, gewachsen'
; mhd. sind winterfell, -kälte, -regen, -reif, -saft, -wolle
bezeugt; im 16.
jh. treten auf: winterfeuchte, -frost, -gefrost, -gefröst, -gefröste, -hagel, -honig, -nebel, -pelz, -salz, -wasser;
das 17.
jh. bietet: winterbier, -eis, -flut, -gefröre, -haar, -käse, -nässe, -schnee, -wind, -wust;
im 18.
jh. tritt diese bildung hervor in: winterbeule, -dünger, -feuchtigkeit, -feuchtung, -gewässer, -leder, -milch, -schmalz, -sturm, -verhaarung;
das 19.
jh. und die neueste zeit ergeben: winterbalg, -behaarung, -ei, -fett, -flocke, -gut, -haut, -keim, -mist, -schicht, -speck, -spore. F@3@ff)
im sinne '
eigenschaften der winterlichen jahreszeit zeigend'
oder '
eigenschaften zeigend, wie sie im winter auftreten; im winterlichen zustand befindlich'
findet sich winter
als erstes glied verwendet, oft anstelle des adj. winterlich;
mhd. (
mnd.)
erst vereinzelt in winterwitterung;
im 16.
jh. schon häufiger belegt: winterart, -blast, -bach, -gebirge, -loch, -stern, -wasser, -wetter;
das 17.
jh. zeigt: winterluft, -sonne, -welt;
im 18.
jh. reicher bezeugt: winterduft, -einsamkeit, -erde, -färbung, -gegend, -gewölk, -gruft, -himmel, -lage, -landschaft, -ohnmacht, -schleier, -stille, -stoppel, -strom, -wolke, -wüste;
im 19.
jh. treten auf: winterau, -baum, -bild, -boden, -dorf, -farbe, -färbung, -grab, -graus, -härte, -hauch, -laub, -natur, -nord, -schatten, -schauer, -schein, -starre, -starrheit, -wald. F@3@gg)
in einer kleinen gruppe von zusammensetzungen bedeutet winter
soviel wie '
für den winter hergerichtet, vorbereitet'
und '
mit winterfrucht bestellt'
; so mhd. winterfeld, -saat, -zelge;
im 16.
jh. begegnen: winterbau, -esch;
im 17.
jh. treten auf: winteracker, -anbau, -bau,
im 19.
jh.: winterbeet, -bestellung, -furche, -strich. F@3@hh)
die zusammensetzung mit winter
vertritt oft nur die construction mit abhängigem genitiv des winters;
so im mhd. wintersonnenwende,
im 16.
jh. winterslänge,
im 17.
jh. winterbote, -länge, -lauf, -pracht, -wendezirkel, -zeichen,
im 18.
jh. winterhalbjahr, -jahreszeit, -punkt, -wende, -wendekreis;
im 19.
jh. winteranfang, -clima, -hälfte, -wendepunkt. F@3@ii)
entsprechend winter A 6
gilt winter
als erstes glied im sinne '
nach der kalten, nördlichen seite liegend',
so im mhd. winterhalde, -teil, -zeile,
im 16.
jh. winterhalbe, -leite,
im 17.
jh. winterland,
im 18.
jh. winterlage, -lehne, -seite.