winterzeit,
winterszeit,
f.; seit dem ahd. bezeugt, vgl. wintarciti (
dat.)
hyemis tempore Benedictinerregel cap. 8
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdenkm. 218,
mhd. winterzît;
schon mhd., besonders frühnhd. tritt neben das echte compositum winterzeit
die zusammenrückung winterszeit,
sodasz bis heute beide formen gebraucht werden; in festen präpositionalen wendungen und bei adverbialem gebrauch setzt sich winterszeit
schrittweise stärker durch. 11)
als reiner zeitbegriff '
die den winter umfassende zeitspanne',
vgl. winterzeyt
tempus hybernum Frisius
dict. 638
a. 1@aa)
allgemein: wintircît daz ist von aller heiligen messe biz hine zû den ôstrin
Hohenfurter Benedictinerregel 8, 1
in: ztschr. f. dtsch. altertum 16, 241; da gedacht Ulenspiegel ..., du must leiden waz du leiden kanst und lydest die winterzeit uberusz
Eulenspiegel 82
ndr.; als sich begab nun winterzeit, das meer mit ungestümigkeit durch kalte wind sich hoch aufbliesz Hans Sachs 2, 196
K.; bis gott die winterszeit verkehrt, und gute sommertäg beschert Spreng
Äneis (1610) 63
b; man hatt mühe, diesze zeit winderszeit zu heiszen Elisabeth-Charlotte v.
d. Pfalz
briefe a. d. j. 1719 36
Holland; die folgende ganze winterzeit herdurch ist es nicht dienlich, die stöcke zu regen Overbeck
gloss. melitt. (1765) 112; da mir nun bekannt ist, dasz sie die übrige winterzeit München nicht verlassen können Göthe IV 30, 156
W.; dessen beeren trotz vorgeschrittener winterzeit noch ihre rote farbe zeigten Fontane
ges. w. I 1, 75; es war winterszeit gegen ostern Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 1, 357; es gehe überhaupt seit der winterszeit geheimnisvoll und wunderlich zu Laube
ges. schr. 14, 250; (
des nebellandes) jahr bestünde nur aus einer weiszen und einer grünen winterszeit Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 9;
bildlich für das alter, vgl. winter C 1: freude andern gern bereiten macht uns selber froh und jung, bringt in unsre winterzeiten liebe lebensverlängerung Hoffmann v. Fallersleben
mein leben 6, 318. 1@bb)
besonders häufig in präpositionaler verbindung. 1@b@aα)
seit dem mhd. mit zu; zunächst ohne artikel, der sich erst mit dem 17.
jh. häufiger zeigt und später den gebrauch beherrscht: es was zuo winterzyt by einer kalten nacht ein hungeriger fuchs
buch d. beispiele 87, 38
Holland; uff dem zistag nach sant Martins tag, eins heiligen byschofs, als er kunt ze wintirzite, des jares ... 1406
urkunden des klosters Engelberg in: Mone
ztschr. f. geschichte des Oberrheins 12, 288; die swalwen zuo sumerzyt in disem land by uns sint und ze winterzyt ... sy kelty schhend wider abscheident Fr. Riederer
rhetoric (1493) j 5
b;
[] wie und wo das viehe zu winter- und sommerzeit soll gehütet ... werden
viehbüchlein 24; setz es ... zur winterzeit ... auff eine warme stelle Schupp
schr. (1663) 470; zu winterzeit Frisch
nouv. dict. (1730) 674; wie schwalben, die zur winterzeit erstarrt in den sümpfen schlummern Meiszner
Alcibiades (1781) 4, 87; er läszt die junge frau zur winterzeit allein Göthe 9, 104
W.; nachts und zur winterzeit kam er in die dörfer J. Kerner
bilderbuch (1849) 229; zum 20. kam Maximilian in Holand zuo winterszeyt auf ein gefroren wasser Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 266
b; wie Eulenspiegel nun sehr weit umbgzogen war zu winterszeit Fischart 2, 250
Hauffen; sie hatten ihr auch nicht ein tüchlein umbgesteckt, das ihre weisze lilg- und rothe rosen deckt, damit ihr reiner leib war uberall bestreut, und blühten wol so wol zur herbst- als winterszeit D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 170; der Russen pferde können zu winterszeit ... in stetigem trab 10 oder 12 meilen lauffen Olearius
pers. reisebeschreib. (1696) 27; es ward mir einst geschenkt, als hier durch unsre fluren zur winterszeit, bey nachts, zwey fremde herren fuhren Gottsched
dtsche schaubühne 5, 481; der gedanke, an einem fremden orte zu winterszeit einstand geben zu müssen, machte mich nicht trübe Göthe 27, 44
W.; besonders auch zur winterszeit wäre dieses bey langen abenden sehr nöthig IV 12, 177
W.; Klemens ... kehrte von dort erst zur winterszeit zurück
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 3, 298. 1@b@bβ)
mit anderen präpositionen; in: ein ubelgekleidter bettler ward in winterzeit von einem erfrornen weichling gefragt Zinkgref
apophthegmata (1628) 374; immortellenkränze sind ganz auszer mode. höchstens in winterzeit Fontane
ges. w. I 5, 280; der lufft in felsen und steinklüfften (
ist) in winterszeit zu kalt Ryff
spiegel u. regim. d. gesundh. (1544) 8
b; der krieg wurde in winterszeit geführt J. v. Müller
s. w. 24, 352; am stillen herd in winterszeit R. Wagner
ges. schr. u. dicht. 7, 178; nun was es in der winterszeit Fischart 2, 225
Hauffen; es war ... in der winterszeit Wieland
Lucian (1788) 4, 277;
bei: ... ob gleich bei winterzeit dieselbe hart befriert Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 3, 11; bei aufgestiegener winterzeit (
saszen) frau Adalgund und Swindalieb ... zusammen Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 2, 421; der könig ... zog noch bey winterszeit nach der Balga Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 1, f 2
b; dasz er einmal bei winterszeit ... in einen gefrorenen teich springen muszte Immermann
w. 1, 98
Boxb.; den gefrornen blumen gleich, die bey der winterszeit die fensterscheiben zieren Stoppe
Parnass (1735) 187.
vor: es ist vor winterzeyt reyff Frisius 1037
a; vor wynterszeit ... soll man sye nit sehen Eppendorff
Plinius (1543) 9, 102;
um: um die winterzeit aber hätte Dörr ... einfach erfrieren müssen Fontane
ges. w. I 5, 122. 1@b@gγ)
präpositionale fügung wird in älterer sprache vielfach im plural angewendet, wobei winterszeiten
stärker überwiegt; seit dem 18.
jh. nur noch vereinzelt auftretend: reht als ain per der mb sich izzet in winderszeiten Konrad v. Megenberg
dtsche sphaera 16
M.; wann man sagt gwisz, zu winterszeyten da hab die güsz ir schaden thon Hans Sachs 17, 287
K.-G.; disz bad bleibet drey tage gut, sonderlich in winterszeiten Wirsung
artzneybuch (1588) 304
c; auszerhalb hauses aber fahre sie zu winterszeiten in schlitten J. Rist
friedejauchz. Teutschland (1653) 86; darum wäre gut, sich in winterszeiten mit einem blätlein zu behelfen Stieler
zeitungslust [] (1697) 241; zu winterszeiten, wann es stark friert Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 70; die oberkeit (
soll) diser zwei gericht unterthanen der weiten entsessenheit und wilden orten halber zu hochen winters- und köstlichen somerszeiten verschonen (
v. j. 1816)
österr. weist. 3, 187;
archaisierend: zu winterszeiten Alexis
Roland von Berlin (1840) 1, 73; nun was es in winterzeiten, daz die schinder die heimlichen gemach reinigten
Eulenspiegel 73
ndr.; der sperber (
habe) zu wintterzeitten ... einen lebendigen vogel in dem fusz Mynsinger
v. d. falken 36
lit. ver.; bei winterzeiten wil ich den schnee und frost mit meinen thränen weg schmeltzen
engl. com. u. trag. (1624) P p 6
a;
von der pluralischen verwendung aus gelegentlich zum singular umgebogen: nuo beschach es zuo einan wintarzitan Nicol. v. Basel 124
Schmidt; wir sehen dergleichen übungen (
rodeln) von den knaben zur winterszeiten anstellen Vieth
encykl. d. leibesüb. (1793) 1, 412. 1@cc)
seit alters bis in neuere sprache hinein absolut als adverb der zeit gebraucht. 1@c@aα)
meist im singular, vgl. ahd. wintarciti (
dat. sing.)
hyemis tempore Benedictinerregel cap. 8
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdenkm. 218; winterzeit
hält sich nur bis ins 17.
jh.: sulhe ceche der metene werde beide sumircît und wintircît glîche an deme sunnetage behaldin
Hohenfurter Benedictinerregel 11, 20
in: ztschr. f. dtsch. altert. 16, 243; dann wir wintterzeit sunst luzel kurzweil haben (
v. j. 1479)
privatbr. d. mittelalt. 1, 208
Steinhausen; fliegen und freund kommen im sommer, das ist im glück. winterzeit aber fliegen sie wider weg Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 8
a; wiewol es angender winterzeyt sich zuogetragen Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 16; so einer hüner halten will, so fleiszig legen sollen, der musz sie winterzeit mit einen warmen stall versehen Michael Böhme
viehartzney (1682) 54;
anders mit ellipse von hindurch: nun die ganze winterzeit ängstlich und beklommen Hebbel
w. 6, 425
Werner; das hoffgesind bey einander in der hoffstuben winterszeit kurtzweil hatt Wickram
w. 2, 280
B.; wie offt ich in die finger gehauchet und geblasen, dieselbe winterszeit zu erwärmen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 193; seine frau sprang einmal einer armen dienstmagd des nachbars bey, die vor seinem hause winterszeit fiel Chr.
F. Weisze
kinderfreund (1775) 11, 119; dasz sie (
die jungen männer) ... gelegenheit haben sich bey lust- und jagdpartien besonders winterszeit zu bilden Göthe IV 41, 84
W.; winterszeit bot der grosze stadtsee eine schöne gelegenheit zum schlittschuhlaufen J. Kerner
bilderbuch (1849) 294; aufschlgen muasz mă wintăszeit Hartmann
volksschausp. i. Bayern u. Österr. 324;
vereinzelt mit artikel, vgl. mnd. des wintertydes
bei Schiller-Lübben 5, 735
a: etliche Beyerschen ... samlen diese ding (
erz) des winterszeit in seck Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 131; wann des winterszeit die eiszfahrten kommen
fischbüchlein 136;
als temporaler genitiv in analogie zu winters
usw. gelegentlich winterszeits, winterzeits: so das gebirg winterszeits überschneyet Stumpf
Schweizerchron. (1606) 606
a; jetzt lauffen wider starck und vest, so winterzeits gestanden, all flüsz und wässer in arrest bestrickt mit eyszes banden Spee
trutznacht. (1649) 119. 1@c@bβ)
pluralisch bis ins 17.
jh. bezeugt: daz er winderziten in einer gugel muost riten Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 77614
Seem.; reht als si (
die kälte) daz wazzer tuot hie niden winterzeiten Konrad v. Megenberg
buch d. natur 86, 12
Pf.; sie mochten ire habe und frucht des ertrichs do behalten, auch winterzeiten sich da enthalten
städtechron. 3, 44; winterzeiten, wann wir vor ein ort kamen, zog sie sich in höchster kälte allerdings nackent aus Grimmelshausen 2, 349
Keller; daz reimeln an der paum esten winterszeiten kümt von
[] denselben sachen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 85, 22
Pf.; welicher wintterszeiten ... wandern muosz Ryff
confectbuch (1548) 10
b; sintemahlen wir ... öffters zuvoraus winterszeiten in dem rauhen und ungestümen kalten wetter ... gehen müszen (17.
jh.)
acta publica 2, 182
Palm. 22)
schon im mhd. auch statt des simplex winter
für die jahreszeit mit ihren atmosphärischen erscheinungen verwendet; bis ins 16.
jh. überwiegt in dieser bedeutung winterzeit,
das 17.
jh. gebraucht meist winterszeit,
im 18.
jh. halten sich beide formen die waage, im 19.
wird winterzeit
wieder bevorzugt: loup von den esten riset uf die heiden: dien leiden rifen bin ich gram, unt der winterzit alsam
minnesinger 2, 159
b v. d. Hagen; dy du vor der herben winterzeit ... verschaffen wöllest C. Hedio
chron. Germ. (1530) 154
b; warde aber kalten und bösen winterzeits halben abzuziehen benötigt T. Dreyfelder
hist. d. hauses Est (1580) 181
a; die rauhe winterzeit erfordert grosze sachen Henrici
ernst-, scherzh.- u. sat. ged. (1727) 1, 416; und webe dir ein weiches kleid zur wärmung auf die winterzeit Miller
ged. (1783) 61; hab kennen lernen all der nächtgen sterne heer und die den menschen sommer bringen und winterzeit Droysen
Äschylus 41; es war nicht mehr sommerluft, wo der sinn der männer fröhlich über der erde waltet, sondern harte winterzeit, wo sich sorge und groll erheben G. Freytag
ges. w. 8, 94; daz gebirge der erde ende ziuhet. niemer wirt dâ winterszît, rîf noch snê niht frostes gît Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 64, 27
Singer; je mehr die winterszeit die zarte leiber druckt Zinkgref
auserles. ged. 31
ndr.; kein wunder ists, dasz deine rosen blühen, o schönes bild, bei rauher winterszeit Zesen
verm. Helikon (1656) 2, 40; doch aber halt ich wohl, die kälte und das schneyen und rauhe winterszeit verderbt das junge vieh Schmidt
gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 241; der eine stellt sich kaum die kraft als möglich vor, ... in rauher winterszeit die wittrung zu ertragen Schwabe
belustig. (1741) 6, 389; es ist über eine stunde weges, es ist winterszeit — schlechtes wetter, ihr solltet doch dableiben Iffland
theatr. w. (1827) 2, 107; s is winterszeit, der boden kracht K. Stieler
ged. 3, 8
Reclam. —