trift,
f. AA.
herkunft und form. A@11) trift
verbalabstractum zu treiben.
mhd. trift,
anord. drift, dript
a snowdrift (Cleasby-Vigfusson 106
b;
dän., schwed. dríft,
mengl. dríft
violent movement Skeat
etym. dict. 179
b; drifte, drift Stratman-Bradley 176
b;
engl. drift;
afries. urdrift
vertreibung Richthofen 693
a;
mnl. drift, dreft, dricht, drecht Verwijs-Verdam 2, 405; 400;
nl. drift;
mnd. drift Schiller-Lübben 1, 578. —
als trieft, triefft
weist. d. Rheinprov. I 1, 119 (
v. j. 1436); Waissel
chron. (
Königsberg 1599) 211
b;
thüring. v. j. 1542
bei Diefenbach-Wülcker 876; Cyr. Spangenberg
mansf. chron. (1572) 38
b;
bei Harsdörffer
gesprächsp. 5, )( )( )( )( 3
a; Nic. Götz
ged. 34
lit.-denkm. —
in modernen mundarten erscheint dreft Leihener
Cronenberg. 23; Waldbrühl
rhingscher klaaf 156; drêft '
stromschnelle'
luxemb. ma. 70
a neben drîcht 72
a; treft Autenrieth
pfälz. 141; trift
neben truft J. H. Schmitz
Eifler volk 1, 232;
vgl. noch mit secundärer vokalabweichung druft Dijkstra
friesch 1, 293
a; draft Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 333; Schmidt-Petersen
nordfries. 78; dreft Jensen
nordfries. 78. trift
ist starker i-
stamm; die pluralflexion ist im nhd. schwach. in der mhd. blümenden dichtung vereinzelt trifte: ân alle trifte (:schrifte) Frauenlob 13, 4
Ettm.; onne alle trifte (:schrifte)
Göttweiger Trojanerkrieg 15868
neben sunder trift
ebda 5396.
ein plur. trieffte
bei J. Pomarius viehstelle und trieffte
gr. postilla (1590) 2, 250
a.
vereinzelt erscheint trift
als masc.: der tiuffel gat uff irn (
der welt) trifft
visio Philiberti 154
bei Karajan
frühlingsgabe 128; disen trift (
acc. sing.) Tauler
pred. 227, 9
Vetter; orth, dadurch der trift besucht werden möge (1535)
chron. d. stadt Eger 376
Gradl; klage über ... ausgedehnten trifft der pächter (
notiz 1779) Göthe III 1, 81
W.; trift, drift,
m., s. u. D 3
bei Sanders.
in mod. mundarten: ik hebbe daar kinen drift to
brem.-nieders. wb. 1 (1767) 249; Mensing 1, 862; treft,
m., pl., trefte
die trift Autenrieth
pfälz. id. 141; trift,
m. und f. Unger-Khull
steir. 173,
ebenso viehtrift 232. drift,
n., bei Mensing 1, 863.
[] A@22)
nicht auf treiben (
trotz Wilmanns
gramm. 2, 335),
sondern nur auf treffen
beziehbar erscheint ahd. anatrift
affectio bei Notker (
vgl. bereits Graff
ahd. sprachsch. 5, 527),
Notkers gebrauch von treffen ad zu II C 1 a
entsprechend: wio filo mer celestes substantie, die allero corporum anatrifte ano sint (
quanto magis ea que absoluta sunt cunctis affectionibus corporum) 1, 343
Piper (
vorher: diu troffeni sinero sensuum
passio corporis i. e. corporalium sensuum).
für das simplex trift
ergibt sich im mhd. in einer reihe abstracter anwendungen eine faszbarere eigenbedeutung, wenn auch in ihnen trift
statt auf treiben
auf treffen
bezogen wird. doch hat ein trift
als alte abstractbildung zu *drepan
keine parallelen, und muster für eine neubildung sind nicht zu finden, auch mahnt zur vorsicht, dasz es sich dabei vielfach um autoren des geblümten stils handelt und das wort auch sonst gern in sinnentleerter umschreibung und reimformel auftritt. s. u. B 1.
mit treffen zu, in '
sich wohin erstrecken, etwas anlangen, betreffen' (
s.treffen II C)
vergleiche: daz (
sc. mære) hat ze lüge keine drift, ez ist niht erdacht von nihte, daz selbe mær ist niht gestift ... ich nam ez eben uz der schrift v.
d. Hagen
minnes. 3, 409
b; er sprach: ir irrent in der schrift und wiszent niht, war gat ir trift (14.
jh.)
bei Schönbach
mitt. a. altd. hss. VI 142.
wie treffen III '
etwas geistig erreichen, erkennen': daz in dine holden umbe dinen stuol sehent da dir eineme got dine barmherze verjehent des wir sumeliche noh nih ne magen wizzen wir unsih minner deme rehten haben geflizzen in dinen wunteren herro mit geistlichere trifte so iz die leraere habent in dere heiligen scrifte
das himilrîche 191
in zs. f. dt. a. 8, 150; wen dich verluret din her, so sind wir one wer ... din strit ist unser aller gift. da von, fürste habe drift und erlau vil grosser schwer alle dine diener
Göttweiger Trojanerkrieg 18928.
auf inchohatives treffen IV A '
eintreffen'
von der zeit weisen gruppen von formelhaft zusammengefaszten präpositionalen verbindungen: ain guot urkúnd in der geschrifft die sait, das uf des zites trift do Adams sun, der bös Kain, erschluog Abeln, den bruoder sin, Adam und Eva sin wyp irs lieben kindes toten lip uff hundert jar mit schmertzen klegtend uss gantzem hertzen Konrad v. Helmsdorf 2232
Lindqvist; von dem (
Samson) sait die geschrifft, das er hie vor in ainer trifft gieng in ain statt, da man im was ze mal gar vyent und gehass
ebda 2814; wölt ich in kurtzen triften erwelte ritter han gehabt, ich wer nit allain usgetrabt
Göttweiger Trojanerkrieg 24418; mit eines kleinen brieves schrift, wie er in lie (
Vergil den teufel aus der flasche) und uf der trift in balde kündeclich betrouc, daz der ungefüege bouc sich wider in das kleine glas
Reinfried v. Braunschweig 24266.
auf treffen
im sinne des eintreffens von etwas unheilvollem liesze sich auch beziehen: hie kundet uns die hailig gschrifft wie Jhesus nach des todes trifft ist uff gegangen ane frist Konrad v. Helmsdorf 2790
Lindqvist; da ihn (
Hans Pfriem) die erd, als ihre gift ausspeiet hin durch todes trift ... die helle ihn solt verschlucket han Hayneccius
Hans Pfriem 21
ndr.; gewisheit und der wise tuot Salomon in siner schrift, daz sich von des valles trift ein herze dick erhœhe
Reinfried v. Braunschweig 29004.
[] BB.
bedeutung und gebrauch. B@11)
in geschlossener bezeugung zuerst in sehr abstracter anwendung, bedeutungsmäszig meist schwer faszbar, erscheint trift
seit dem 12. (
das himelreich 191
zs. f. dt. a. 8, 150;
Servatius 2866
Wilhelm)
und 13.
jh., reichlicher belegt in der spätmhd. dichtung, gern im reim auf schrift, stift, gift.
an das altbezeugte, gleichfalls sehr abstract gebrauchte treiben IV '
tun, machen, ausüben' (
s. teil 11, 1, 2, 54
ff.)
anschlieszbar erscheinen fälle wie: sint daz Rôme wart gestift von der zweier bruoder trift ... sint wâren tûsent jâre ergân Ebernand von Erfurt
v. 156; gut brengit grozer sunden drifft
bei Scherz
germ. gloss. 254 (
vgl.sünden treiben
und ähnl. teil 11, 1, 2,
sp. 60); die (
sc. liute) enthaltent sich in zitlichen dingen und die kleblicheit die in der leiden nature lit, do inne belibent si und in sinlicher gengde; aber do dis triben inne ist ... der menschen habe ich etwie vil gesehen ... wogen und geliden inwendig, das ich so grOeslichen sunder mosse leit liplichen ... disen trift enkúnnen etliche lúte nút geliden und lǒffent har und dar Tauler 227, 9
Vetter; von disem vorgange des geistes so wirt ein michel gerúmel in dem menschen. so der vorgang klarer und worer und blosser ist, so das werk und die trift und die umbekerunge des menschen swinder und starker, sneller, worer und luterer ist
ebda 238; van alle desser drift unde handelinge dar de pawes mede ummegingk (15.
jh.) Herm. Korner
Lübeck. chron. bei Schiller-Lübben 1, 578
a; nim ein exempel an Paris, der sich Helenam gliben liess ... darum hut dich vor ihrer (
der frauen) triefft, sie ist dem menschen ein schedtlicher gift (
um 1607) D. Türckis
in 3
Pyramus-Thisbe spiele 169
Schaer. treiben VI 5
vergleicht sich: in einer œde ein stift, dar was lützel luite trift
Servatius 2866
Wilhelm; ez ist ouch wâr an allen list daz er ze jungist kunftic ist. dâ wirt ein michel (luite) trift, daz ist mir kunt von der schrift
Laub. Barlaam 11752
Perdisch. in (
Christum) erbarmet, daz diu trift ist alsô grôz ûf der wîten hellestrâze, die sîn lant, kriuze und grap suln machen blôz her Hawart
bei v.
d. Hagen
minnesinger 2, 163
a.
gelegentlich bietet sich der sinn von '
weg, bahn'
an: lop ... und reizet hôchgeborniu wîp ûf herzeclicher liebe trift (:schrift) Konrad v. Würzburg
Troj. 7651; die kâmen ûf des nîdes trift (:stift)
Pantaleon 754
Gereke; nu kamens uf die trift (:stift) des gejægdes jæmerlich Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österr. 19002
Regel. sinnentleerter, ohne deutliche beziehung zum gebrauch des verbs, lediglich als phraseologisches reimwort in zahlreichen belegen der spätmhd. blümelnden dichtung; vgl. z.b. in triuwen trifte (:stifte) (
dat. sg.)
Lohengrin 1380; êren trift (:schrift) Boppe
bei v.
d. Hagen
minnesinger 2, 378
b; in eines capitils trift (:schrift)
Daniel 1269
Hübner; in des getihtes trift (:schrift) Johann v. Würzburg 16978
u. ö. Regel, u. ähnl. oft. B@22)
besondere verwendungsarten bestimmterer bedeutung in anlehnung an verschiedenen gebrauch des verbs erscheinen vor allem im nd. trift
als '
strömung des wassers, bewegung in der strömung',
zu treiben VI 2: so welk man den anderen anzeghelt effte upp ene drifft mit ungherade zo welk ereme schade dar schut, den scal de andere halff ghelden. unde den scaden scal men bewizen unde de anzeghelinge effte de drift scal men tughen
vollst. samml. älterer u. neuer gesezbücher der stadt Bremen 298
Ölrichs (
v. j. 1303); drift trieb, trifft, trift (
strom) eines flusses.
[] trift eines fahrenden schiffes Kramer
niderhocht. (1719) 1, 73
a; der 'Gausz' wurde gleich der 'Fram' von einer trift erfaszt und durch hohe südliche breiten in das weltmeer getrieben
tägl. rundschau 1904
nr. 21, 1.
beil.; Kluge
seemannssprache 795;
vgl. abtrift
ebda 9.
concret, das angetriebene: dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrak, drift und guider der hogen overicheit vorfallen sin
oldenb. urkunden 1565
bei Schiller-Lübben 1, 578
b.
auch von starker bewegung der luft: dor is hellisch drift in 'e luft '
die wolken treiben' Mensing
schlesw.-holst. 1, 863;
ebenso vom schneetreiben: dat is jo 'n grsige drift
ebda, vgl. engl. snowdrift '
schneewehe',
ebenso anord. drift, dript Cleasby-Vigfusson 106
b.
sieh dazu 2triftig 1
ende. —
zu treiben II A
als '
schwung, nachdruck': die trift des schlags erreycht das pferdt und schneyd es durch
Aymont (1535) c 1
b; (
der stiel) dienet nicht nur, die hämmer und andere instrumente damit anzufassen und zu regieren, sondern ihnen auch eine grosze trift zu geben Jacobsson 7, 454
b.
übertragen (
vgl. hd. trieb)
im nd. verbreitet: daar is drift agter
es steckt trieb dahinter, die sache wird eifrig betrieben brem.-niedersächs. wb. 6 (1869) 43; dor sitt drift in
trieb, eifer Mensing 1, 863. —
zu treiben I C 3: ik hef dar keen drift to
ich habe keinen trieb dazu Schütze
holst. 1, 254
u. a. so schon im mnd. als '
trieb',
ferner '
eifer, ungestüm': dat vleesch leighet und bedreighet den menschen myt syner quaden lust unde begheerten myt syner synlicker ghenoichte unde driften, de in em syn Joh. Veghe 42, 4
Jostes; darumme is id eine wrevelaftige drift, dristicheit, dede mit vrouwen alleine snakken (15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 1, 578
a; die lawe (
löwe) quam mit grimmiger drifft (1519)
ebda. B@33)
verbreitet und lebenskräftig geblieben ist trift
vor allem im bereich des viehtreibens, s. treiben I B. B@3@aa)
als verbalabstractum. '
das treiben': minatio pecorum, que vulgo drift dicitur (1314)
bei Schiller-Lübben 1, 578; de drifft des molenwaghens unde der ezele (
esel) vorbeden (1410)
urkb. d. st. Hildesheim 3, 190
Döbner; man kann sie (
die graugans) zwar mit den zahmen gänsen auf die anger- und feldhuthung gehen lassen, doch darf die trifft nicht zu lang sein, weil weite märsche sie sehr angreifen Naumann
vögel Deutschlands 11, 253; ein übelgesinnter minister könnte ... mehr gutes verderben oder hintern als neun wohlmeinende treue diener ihres herrns ... gutmachen ... und alsdann müste einem herrn wohl schwer werden, mit unwilligen ochsen zu pflü
gen. allein es wären im nothfall noch mittel vorhanden, selbige in die trifft zu bringen, wann nun resolution zu finden P. W. v. Hörnigk
Österreich (1684) 24.
im sinne von '
weiden',
oft mit hütung
verbunden: zum fünften vorbite er inen und iren leuten zu Dalwitz die huttung und trift (1547)
kurmärk. ständeacten 2, 303
Friedenburg; es müssen auch dise orte, da man holz zeugen will, mit triften und huttungen vorschonet werden (1569)
haushaltung in vorwerken 237; die Hensebauren würden ... auch der Römer viehe gerne unter ihnen weide und triefft gestatten Cyr. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 38
b; wer kan aber wiesen verbessern, wenn er trift darauf leiden mus?
Leipziger magazin z. naturkde 1 (1781) 27.
schon früh bezeichnet trift
auch das recht zum treiben über fremden grund bzw. zum weiden auf brachäckern, vornehmlich in ausdrücken wie die trift haben, geben
u. ä. (
vgl. auch das vorige, dazu trieb
und unten triftgerechtigkeit, triftrecht): ok scullet se drift unde achtwort (
nutzungsrecht) in deme lerer wolde to deme seluen huse beholden (1346)
braunschw.-lüneburg. urkb. 2, 99
Sudend.; und gebe im in craft disses briffes eine freye tryft, meyner herschaft, uff anderthalb hondert schoff frey auszugen ... uf dem benanten gute Smeilersdorff (1428)
cod. dipl. Silesiae 1, 115; möchte O. wie recht beweisen, das er und seine vorfarn ... 30 jar ... mit iren schaffen in die flure und felder des dorffs E. gehüt und getriben, ... so blibe er nachmals bey derselbigen gerechtickeit, hütte und trift billich Zobel
sechsisch weichbild (1537) 105
a; trift ...
ius armentum gregemve per praedium alienum agendi ... trift
quoque exponitur ius pascendi Stieler (1691) 2319; das
[] triftrecht oder die trift haben
actum habere Kramer 2 (1702) 1143
a; vor die koppelsprache (
besprechung über gemeinsame weide) würde also trifft und übertrifft gehören Möser
osnabr. gesch. 1 (1780) 20
anm. schlieszlich bezeichnet trift
die —
seit dem 18.
jh. mit erfolg bekämpfte —
wirtschaftsmethode, weiderechte auf fremdem eigentum zu nutzen: huth, huthweide, trifft, blumenbesuch
ist, wo sowohl die untertanen als andere in herrschaftliche waldungen mit dem vieh einhüten dürfen v. Heppe
wohlred. jäger (1763) 178
b; das land fing in ökonomischer hinsicht an sich zu regen; man strebte nach cultur der futterkräuter, die trift war mit einiger einschränkung bedroht (1817) Göthe II 6, 389. B@3@bb)
weideland, wiesenland. B@3@b@aα)
als weide, besonders schafweide, benutztes freies grasland oder wald auszerhalb der feldmark; häufig gemeindebesitz. früh belegt; in mundarten weit verbreitet: die trift
grosze strecke zwischen Rosheim und Meistratzheim (13.
jh. u. f.) Ch. Schmidt
elsäsz. 359
a;
mnd. geläufig: weret aver, dat sy (
die garbrader) dy lammere kofthen buthen der stad unde doch bynnen der veltmarke, so schollen sy dat wedden by dren marken sulvers. kofthen sy sy aver buten der velthmarke in der dryft, so scollen sy dat wedden ... myt thyghen marken sulvers (1369)
lüb. zunftrollen 207
Wehrmann; und ist euch (
der prozeszgegner), ob ir woll der trifft zu solcher (
einzurichtenden) nawen schefferei selber nottürfftig, zu weichen nicht schuldig Zobel
sechsisch weichbild (1537) 105
b; Athen gantz vertilgen und eine trift auss aller ihrer landtschafft machen S. Franck
bei Fischer
schwäb. 2, 381; (
man soll) die gottesecker und kirchhöfe ... reinlich und ehrlich halten, nicht seu und viehstelle und trieffte ... daraus machen Joh. Pomarius
gr. postilla (1590) 2, 250
a; (
die angeklagte hat) seine weyde, trifft und wiesen ... durch ihre zäuberey ... vergifftet Nigrinus
von zäuberern (1592) 294; in diesem jahr (1243) sind die bronnen zum erstenmal aus der trifft in die stadt geleitet worden S. Güthen
Meiningen (1676) 150; (
beim kauf eines gutes ist zu beachten) ob es gesunde, trockne und unansprüchige oder mit andern gemeine trifften habe v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 10; (
die bauern von Hagen) welchen unglücklicherweise die Stubniz (
ein wald) in ihren contracten zur trifft angewiesen worden Kosegarten
rhaps. 2 (1794) 105; weil mit jedem sonnenunter- und aufgang die hirten mit den heerden auf die gemeine trift wechseln Göthe 42, 2, 11
W.; (
er) verzettelte nach und nach alle liegenden gründe, die zum schlosse gehörten, felder, wiesen, triften, holzungen Immermann 1, 63
Boxb.; einer von ihnen behauptete das recht zu haben, mehr vieh auf die trift zu schicken, als die mitnutzer zugeben wollten Dahlmann
Dännemark 2, 204; er schweifte lange (
in dem bergwald) umher, da sah er in einer schlucht, die zur trift abgeholzt war, einen hirtenknaben Auerbach
dorfgesch. 3, 33; wald und wiese begegnen sich noch in einer, in der regel unschönen und unerfreulichen vegetationsform, der trift ... sie ist ... nichts anderes als ein durch die viehweide verdorbener wald oder au
Bavaria 1 (1860) 177; grasreiche triften oder lichte wälder ... bilden die aufenthaltsorte der wildschafe Brehm 3, 214. B@3@b@bβ)
seit der schäferdichtung des 17.
jh. ist trift
poetischliterarischer terminus für weide, grünes land als schauplatz des hirtenlebens; sehr häufig im plural mit typischen beiworten;
schlieszlich auch übertragen: wenn ich mein wollenvieh auf eine trift getrieben, so hab ich gleich gefragt: wo ist Mileno blieben?
herrn v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen auserl. ged. 4, 80. ich (
nymphe) ... gebiete dir (
schäfer) bey verlust dieser lieblichen triefften und gefülde ... Joh. Hellwig
bei Harsdörffer
gesprächsp. 5, )( )( )( )( 3
a; schellend kehren zurück von schattigten triften die herden Hölderlin 1, 62
Litzm.; des fischers, wie des hirten auf der trift gedachten wir Gaudy
sämtl. w. 2, 20;
[] ebenso in der prosa: ein sehr begüterter landmann besasz alles, ... fette triften, schöne herden Heinr. Beck
verirrung (1793) 8; fremdes vieh weidete auf den triften, fremdes korn wuchs auf dem acker zunächst am hofe Droste-Hülshoff
werke 2, 263;
im bilde: (
ich hatte mich) nach den saftigeren triften der naturophilsophie hinübergezogen D. Fr. Strausz
ges. w. 1, 125.
verallgemeinert als '
wiesenfläche'
in gebirge und ebene, '
ländliche gegend'
; häufig grüne trift, tal und trift
u. ä.: bunte gärten, grüne trifften, scherz, gesang und saitenspiel, sind der musen wunsch und ziel D. W. Triller
poet. betracht. 5, 484; komm, bring die freude zu mir, beblume triften und anger E. v. Kleist
sämtl. w. 2 (1760) 24; so verfolget ein hund den jungen hirsch im gebirge, auf vom lager gescheucht, durch gewundene thäler und triften Bürger 236
Bohtz; alle triften, alle stätten färbt mit ihren knochen weisz H. v. Kleist 4, 32
E. Schmidt; das, was trift und gefilde heilsam in das reich der blonden Demeter emporschickt Immermann 2, 84
Boxb.; und er reist sechs heitre tage in der ebne grüner trift O.
F. Gruppe
Theudelinde 8; nach des nords reizloseren triften entfloh thatkräftige gewalt und reger kunstfleisz Platen
werke 1, 251
H.; übertragen auf die fläche des meeres: ich habe dich geliebt, du blaue trift, von kindheit an Biernatzki
des letzten matrosen tagebuch 4;
im sinne von '
freier raum': wer gefahr und schmach wil scheuen, darf sich nicht mit tugend treuen; redligkeit hat keine trifft, wo da herrscht der laster gifft Logau
sinnged. 387
Eitner; und dasz erlösung fände wirkens trift, so müszte wol die hölle sein vorhanden Immermann 15, 97
Boxb. als ausgesprochen poetisches requisit verfällt das wort allmählich dem spott: denk dir eine schäferhütte mit einer wiese umher mit duftendem grün, ... die lämmer hatten da ihre poetische trift Bettine
Brentanos frühlingskr. 410. B@3@cc) trift
als '
weg für das vieh'
; obd. nur spärlich belegt: die trift im Haltgraben, so ain waszer die vertrieg, so haben sie zu treiben fur stain und fur die Hofstat und durch die Weingartleiten haimer (
Niederöst. 1554)
österr. weist. 7, 47, 21; trift
weg, auf dem das vieh zur weide getrieben wird Unger-Khull
steir. 173
a;
älter und häufiger ist viehtrift: liberam gregum suorum stratam, que vulgo vietrift dicitur, ... perpetuo habere (1281)
österr. weist. 8, 95.
nd. ganz geläufig, vgl. Doornkaat-Koolman 1, 333
b; Danneil
altm. 40; Frischbier
preusz. 1, 150
b; drifft
schmaler grasweg zwischen äckern Block
Eilsdorf 58: comprehendit arando ... actum et viam qui dicuntur in vulgari drift pro quorumlibet hominum jumentis et pecudibus impellendis (1303)
mitt. d. hist. vereins z. Osnabrück 2, 340;
actus trifft, gemeiner weg Zehner
nomenclator (1645) 408; so habe ich auch der gantzen gemeine zu Jankowitz das angerrecht ... abgetreten, doch der gemeinen trifft oder wegen unschädlich
bei Schottel
de singularibus iuribus 331; (
man musz so abholzen) dasz die triften, durch welche das vieh zu den hutbaren örtern gehen musz, nicht verhauen, noch hut und weide beenget werde J. A. Cramer
anl. z. forstwesen (
Braunschw. 1766) 66; nicht weit sind die triften (
κέλευθοι) der nacht und des tages entfernet (
in Telepylos) Voss
Odyssee 174
Bernays; als name einer sehr breiten strasze in Celle, vgl. tägl. rundschau (1905)
unterhaltungsbeil. 985
a. B@3@dd)
ebenfalls nd. erscheint trift
als nomen acti, '
herde',
zugleich als ungefähre maszbezeichnung, '
soviel man zusammen zu treiben pflegt',
vgl. Strodtmann
Osnabr. 43;
brem.-nieders. 1, 249; Danneil
altm. 40; Frischbier
[] preusz. 1, 150
b; Kl. Groth
ges. w. (1893) 3, 31;
auch H. P. Sturz
s. v. ochsentrift,
teil 7, 1138.
belegt seit dem 15.
jh.: eine schare effte drifft (
von schafen); de drift diner ossen, de schar diner schape (
Rostock) Nic. Rusz
bei Schiller-Lübben 1, 578
b;
gelegentlich auch: morgen wil ich juck meir vom bovvenste seggen, watten drift volckes hey heft
nd. bauernkomödien des 17.
jh. 37
Jellinghaus; da stehen, bey gantzen hauffen oder trifften gemahlt wilde reinthiere (
auf einem bild von Lappland) E. Francisci (1674)
in Widmann
Fausts leben 665
Keller; die thiergeschlechte, so wie sie in gewisse trifften oder heerden unterschieden sind E. Francisci
lufftkreis (1680) 439;
auch übertragen: Horaz nennts imitatorum pecus, eine trift fustapfentreter J. H. Hermes
manch hermäon (1788) 2, 116;
in der dichtung verbreitet: ihr hirten in den heyden, ihr schähffer hin und hehr ... meint eure trifft mit treuen S. Dach 872
Österl.; so führt das unglück auch, eh noch die strasze leer, mir eine gantze trifft gemäster ochsen her Caspar Abel
Boileau (1729) 43; wie alles stäubt und bebt bey ankunft einer heerde: so schwärtzte sich die lufft und zitterte die erde; als dieser völcker trifft, und deren hinterhalt, auf unsre läger drang mit stürmischer gewalt J. v. Besser
schr. 1, 34; still im maigedüft weiden wir die kleine trift selbsterzogener gedanken J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 5, 250;
im 19.
jh. seltener: eine trift mastvieh kam uns entgegen A. Ruge
aus früherer zeit (1862) 2, 72; da kommt ... eine trift von eseln, die baumaterial tragen L. Bucher
bilder aus d. fremde 1, 158.
auffallend als '
karawanenlast': (
wir sahen) drey oder vier hundert thierer, ... die erst saltz holen wolten; die sollen alle, wie man uns bericht, groszen herren zugehören, die alle jar ein trifft holen lassen, sich ihrer zehrung und unkostens zu hoff dadurch etlicher massen zu erholen
Franciscus Alvarez Ethiopien (1573) 175. B@44) trift
in der flöszerei. B@4@aa)
in Österreich und Bayern das schwemmen von holz in unverbundenen stücken, vgl. treiben II B 2 b
und 1triften,
auch unten bei 6;
näheres s. bei Schmeller-Fr. 1, 652
f., J. Blau
Böhmerwäld. hausindustrie 1, 66 -79: noch werden die von Gmunden der herschafft schuldig 74 phann 1 weyl wids (
brennholz), die phann angeschlagen mit trifft und aussatz per 27 pfunt pfenning (1478)
monum. Habsb. I 2, 640;
so bis in die neuzeit: 'die trift,
d. i. die methode, bei welcher die holzstücke ... in das flieszende wasser geworfen ... werden'
handwb. d. staatswiss.2 3, 1179.
als sachbezeichnung '
die triftanlage': auch sullen si (
die schmiede) ire cholholz treiben und prennen ausserhalben der purger trift und chasten (
Sterzing, um 1400)
österr. weist. 5, 428; hundert und sechsundsechzikh lerchenn und feuchten placaun (
holzblöcke), die sollen auf der trift heraus triben werden (1459) O. v. Zingerle
mittelalt. inventare 40
b; diese wasserbauten im Bruckgraben sind eine der groszartigsten triften unserer alpen Rosegger
schr. II 12, 58; wir zwingen sie (
die stämme) mit beilen und stangen in die trift Joh. Linke
der baum (1934) 45.
etwas anders: 'trift
provinziell der landungsplatz des floszholzes' Behlen
forst- u. jagdkde 6, 90. '
das schwemmholz': trifft
holz (
glosse v. 1330) Frommann
deutsche maa. 4 (1857) 449; ain ieder, wann er iber den Seenhof mit seiner trift fahrt, soll er ob des hausz ain holz ligen lassen (
Kolsass, 16.
jh.)
österr. weist. 2, 180. B@4@bb)
auf der Oder, Weichsel und Memel '
gebundenes flosz': (
die Oderfischer sollen ihre netze so auslegen) das keyn schiff noch keyne trifft dovon gehindirt noch geerret moge werden (1398)
cod. dipl. Brandenb. I 23, 135; sie kamen dahin (
nach Thorn) mitt grosen triften und vielem gutt (
anf. 16.
jh.) S. Grunau
preusz. chron. 3, 241; um die zeit kamen etliche schiffe von Thorn herab, auch
[] viel triefften und tafeln bauholzes Matth. Waissel
chron. (1599) 211
b;
so bis heute: die dzimken, die ihre triften während der nacht am ternpfahl festbinden müssen Sudermann
litauische gesch. (1928) 61;
vgl. auch unten s. v. triftenschwemmer,
daneben holztrift
teil 4, 2, 1783
und drift 3
bei Frischbier
preusz. 1, 150
b.
neben trift
steht im hd. ein jüngeres traft '
Weichselflosz' (holztraften [1783] Kluge
seemannsspr. 791;
vgl. Frischbier
a. a. o.),
welches offenbar aus dem poln. übernommen ist; das poln. trawta, tratwa
u. ä., seit der wende des 16.
jh. belegt, geht seinerseits (
über ostmd. treft)
auf das deutsche trift
zurück, vgl. teil 11, 1, 1026.
nd. en drift holt
auch bei Doornkaat-Koolman 1, 333
b und (
aus Meggerkoog, Eider) Mensing 1, 863. B@55) trift
als bezeichnung verschiedener technischer gegenstände. B@5@aa)
der zugbaum am pferdegöpel, besonders im bergwerk: trifft ist der baum so quer durch die spindel gehet, daran an beyden seiten tocken hengen Junghans
gräublein ertz (1680) f 1
b,
und so in den bergwörterbüchern bis in die neuzeit; auszerhalb des bergmännischen F. B. Weber
ök. lex. (1829) 598; Mothes
baulex. 4, 372. B@5@bb)
nd. '
triebrad'
; in der mühle: brem.-niedersächs. 1, 249;
am spinnrade Schambach
Gött. 48
b; Danneil
altm. 40; Mensing 1, 863;
danach auch hd. Karmarsch-Heeren 9, 631. B@5@cc) trift, drift,
im färberbottich ausgespanntes netz; als starkes masc. bei Sanders 3, 1377
b;
als fem. Hoyer-Kreuter 1, 778. B@5@dd)
noch anders in schlackentrift,
teil 9, 261. B@66)
zusammensetzungen mit trift-
werden gebildet in den sachgebieten der viehwirtschaft (
vgl. auch E.
M. Schilling
landwirtsch.-recht d. sächs. länder [1828] 183
ff.)
und der flöszerei (
vgl. bes. Lueger 7, 722; Schwappach
forstpolitik 143),
daneben auch im seewesen zu dem verhochdeutschten drift '
meeresströmung'
; allein steht das technische triftschlacke.
bildungen mit dem plural triften-
erscheinen in botanischer kunstsprache (
vgl. triftengras),
sonst nur vereinzelt.