treffen,
n. , '
bewaffneter zusammenstosz, kampf mit dem feinde; militärischer formationsteil'.
substantivierung von treffen,
vb., IV C,
s. u. 1.
nicht mundartlich; plural selten, s. u. A 2 d (
sp. 1657); Götze
zs. f. deutsche wortf. 8, 324. —
im nd. vereinzelt treffend:
conflictus die schlacht, das treffend Joh. Orsaeus
nomencl. method. (1623) 123;
conflictus ein treffent
nomencl. lat. germ. in usum schol. (1634) 542; de grave, effte he sick schone wegen des geringen volkes erfruchtede, gedachte dennoch ein drepent tho doen, ... alsz dat he scholde ... darvon flegen Neocorus
chron. d. landes Dithmarschen 1, 332
Dahlmann. —
nach deutschem muster gebildet: schwed. drabbning (
seit dem 17.
jh.),
dän. draebning;
aus dem deutschen entlehnt: schwed. träffning,
dän. traefning;
s. Hellquist
svensk. et. ordb. 1018. AA.
kampf. seit dem 15.
jh., reichste entfaltung im 17.
jh., im 19.
jh. noch häufig bezeugt, heute nicht mehr in der sprache des militärs und damit auch literarisch schwindend; s. aber die übertragenen und uneigentlichen anwendungen u. 4 (
sp. 1661), 6
und auch 5. A@11)
über die substantivierung des inf. von treffen
bis zum rein ausgeprägten substantiv vgl. Götze
zs. f. deutsche wortf. 8, 317
ff.; da das vb. in gleicher bedeutung noch jahrhunderte nach entstehung des subst. weiterlebte, erfolgt häufig einzelner neuanschlusz des subst. ans vb.; zweideutig nur dann, wenn das vb. absolut, auszerhalb der üblichen präpositionalverbindungen, steht (
vgl. o. sp. 1650): wiewol auf irem tail fast vil, auch ettlich auf unserm tail in demselben treffen und streyten nider lagen, die abgestochen und von den pferden komen, volget mein herr von Plawen und ich als haubtlewt mit unserm raysigen zeug in strengelich nach
städtechron. 2, 491; und findet in allbereit verbunden und auf dem andern pferde, das er wider zum treffen eilet E. Menius
chron. Carionis (1560) 1, 218
b,
rein substantivisch wäre ins treffen; als beide hör begundend ermüden, da kam in allem treffen der gwaltig graf Cuno mit einem geruweten frischen volck künig Heinrichen ze hilff Tschudi
chron. Helvet. 1, 31
Iselin; denn der ... wald war zum treffen des feindlichen fuszvolcks vorteilhaftiger, als seiner reiterey Lohenstein
Arminius (1689) 1, 55
b;
vgl. noch u. A 2 b
und das älteste zeugnis des ganzen wortgebrauches o. treffen,
vb. IV C 1. A@22)
eigentliche bedeutung. in den ersten jahrhunderten enthält das substantiv keinerlei angabe über grösze und wichtigkeit des jeweiligen kampfes. A@2@aa)
der meinung, das subst. sei aus dem bedürfnis gebildet, einen ausdruck für eine der grösze nach zwischen gefecht
und schlacht
die mitte haltende kampfhandlung zu erhalten (
so Götze
zs. f. deutsche wortf. 8, 324
ff.),
widerspricht die lexikographische überlieferung vom 16.
bis ins 18.
jh. nicht proelium wird, gegen Götze,
durch treffen
glossiert (
vgl. u. g
α,
sp. 1659),
sondern vor allem conflictus und auszerdem andere ganz allgemeine ausdrücke für ein bewaffnetes aneinandergeraten; (
übrigens ist auch proelium im klassischen latein von pugna nicht durch das ausmasz des kampfes verschieden; diese scheidung scheint erst später deutscher interpretation zu entspringen, eben von der erzwungenen definition für treffen,
s. u.g
β,
ausgehend)
; in zeitlicher abfolge: conflictus scharmützel, treffen, schlacht Schöpper
syn. (1550) h 3
c;
pugna, combattimento eine schlacht, streit, treffen Hulsius (1618) 2, 315
a;
battaglia, fatto d'arme treffen
ebda 55
b;
incontro das treffen oder entgegenkommen der feinde
ebda 199
b;
conflictu durante in wehrendem treffen Comenius
sprachenthür (1638) § 715;
dimicatio, conflictus ein treffen Zehner
nomencl. (1645) 128;
in conflictu interfici im treffen umbkommen Reyher
thes. (1686) 513; treffen
vide schlacht Stieler 2298; treffen
battaglia, fatto di armi, conflitto Kramer 2 (1702) 1121
a; treffen 'heisset, wenn zwo feindliche partheyen, oder gantze armeen, mit einander schlagen' Fäsch
kriegslex. (1716) 256
a; treffen wagen
belli fortunam experiri Apinus
gl. nov. (1728) 537. A@2@bb)
vielmehr bezeichnet treffen
ganz unabhängig von den gröszenverhältnissen das aneinandergeraten, den zusammenprall mit dem feinde, den angriff auf den feind; oft mit noch starkem hervortreten des verbalen gehaltes (
s. o. 1): diese eisenbeisser alle sangen und erzehleten einander von ihren schlachten ... von ihren gefährlichen treffen und ausreiszen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 360; inn welcher (
stadt) nachmals, zwischen disen zweien kriegsherren, vil ernstlicher angriff und treffen geschahen J. B. Grass
schöne historie (1570) 130
b; do sie aber zu beider seitten in die nehe kamen, dasz es gleich jetz an dem treffen war, do ruckt der untrew Metius mit seinem volck auff eyn seitten, verzog und nam sich an, die seinen auch zu verordnen und eyn sonder treffen zu haben Carbach
Livius 11
a; wir machten ungeseumt alles zum treffen fertig, das geschütz wurde angelegt, die soldaten gewafnet Schultze
ostind. reise (1676) 4
a.
besonders in dem ausdruck erstes treffen '
erster zusammenstosz'
ist alle beziehung auf gröszenverhältnisse ausgeschlossen: zumal der graf von Solms das glücke hatte, im ersten treffen den römischen obersten Pansa zu tödten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 42
b; das erste treffen geschieht unter einem dache von feuer Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren 343;
übertragen: der liebe gott seie gelobt, der unserem alten frommen churf. den seligen sig im ersten treffen mit den widerchristen gegeben (
d. i. in den verhandlungen auf dem landtag) (1543)
briefw. landgr. Philipps 2, 132
Lenz. der sinn des zusammenprallens, anprallens ist besonders deutlich beim zweikampf (
s. auch u. 3): ich gewan im von meinem treffen ein solchen ranck ab, das rosz und man zur erden fielen D. Custos
itineriarium (1600) d 2
b; wo ... ich ihn in einem und stracks erstem treffen zu boden würffe Bastel v.
d. Sohle
don Kichote (1648) 22; in dem ersten treffen gerieht dem Frantzosen ein streich, dasz er Manlium einen solchen schlag gab, darvon er sich ... strauchlens nit enthalten kondt Kirchhof
wendunmuth 1, 32
Österley; das treffen geschach zum offternmal wider einander
buch d. liebe (1587) 351
c; und dieweyl er mir tzu enbewt, es soll auff disen plan gewunnen oder verloren heissen, wil ich das orst anrennen oder treffen mit ym thon, ausz gemeltem spruch Petri Emser
in Luther und Emser 2, 138
ndr. ebenfalls vom zweikampf: dann dieweil er im grösten ernst und treffen mit dem frembden gauch gewesen
grillenvertreiber (1670) 142; es muost zuvor einer von den vettern von Frankreich mit im (
dem ritter) ein treffens thun
Fierrabras (1539) a 3; Reynhardt thet den tag, als er seinen bruder hinder im het, vier treffens und rannt vier seines vatters diener ... zu todt
Aymont (1535) g 1
b. A@2@cc)
ähnlich wird treffen
ganz allgemein, ohne terminologischen charakter gebraucht, wenn vom beginn, eröffnen des kampfes, vom rüsten und aufbrechen zu einem kampf die rede ist, bis über die wende des 18.
jh. hinaus: die kinder Amon ziehen
an. wir müssen mit in ein treffen than. ir ist ein onzal grosses heer H. Sachs 10, 178
K.; als beide zum treffen fertig wahren, sties man an beiden seiten in die trometen A. H. Bucholtz
Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 24; eine vermannung zur dapfferkeit, ... welche der Lacedaemonier feldobersten ihren bürgern und soldaten, ehe sie ins treffen giengen, vorzulesen pflegten Zinkgref
auserl. ged. 62
ndr.; den jungen Spartanern war es verboten, sich zu schmücken, ausgenommen wenn sie in das treffen oder in sonst eine grosze gefahr gingen Schiller 9, 151
G.; ist zum treffen immer letzter, erster in der flucht gewesen Logau 559
Eitner; wann er in ein treffen komme, so wolle er nicht mehr ausreissen Schupp
freund in d. not 32
ndr.; prinz, wer zum treffen geht, der musz beherzter sprechen Gottsched
deutsche schaubühne 4, 35; ein junger krieger, der verzagt und zitternd sich ins treffen wagt J. A. Ebert
episteln (1789) 28; der esel soll zum treffen blasen, den feind mit seiner stimm erschrecken, und unsern kriegern muth erwecken Ramler
fabellese 2, 323; so erinnerten sie sich auch ihrer ehmaligen streitigkeiten wieder; und auf einmahl wurde wieder von allen seiten zum treffen geblasen Wieland (1794) 6, 246; dort ruft die trompete die brausenden rosse ins treffen: sie riechen den streit von fern, und stampfen den grund Dusch
verm. w. (1754) 4
a; der ritter wirft die schwere lanze nieder und mit dem schwerdt kehrt er ins treffen wieder Ariosto
rasender Roland (1804) 1, 250
Gries; ein munteres pferd ... mit dem fusz die erde schlagend, als wenn es zum treffen sollte Göthe 49, 118
W. auch vom seekampf (
s. auch u. ff.): nun war auf unsern und dem admiralschiff, so bald man gewahr wurde dasz es Türcken waren, alle anstalt zum treffen gemacht J. W. Vogel
ostind. reiseb. (1716) 32; wenn sich ein schif zum treffen bereitet
neue schauspiele (1771) 2, 61.
in militärtechnischen anwendungen bezeichnet treffen
im 18.
und 19.
jh. die kampfhandlung im allgemeinsten sinn; den feind zwingen, sich zu stellen: den feind zum treffen zwingen Kramer 2 (1702) 1121
a; unterdessen manövrirte der junge, unbeugsame stratege keineswegs gleich einem, der seine retirade decken ... will, sondern er zeigte die entschiedenste absicht, den feind zu umgehen, ... ihn zum treffen zu zwingen Holtei
erz. schr. 6, 17; weil diese (
flotte) aber allzu favorablen wind hatte und sich also nach ihrem hafen retiriren konte, so konten sie es nicht dahin bringen, sie zu einem treffen zu nöthigen Zucchelli
reisebeschr. nach Congo (1715) 588; anstatt durch verzögerung die immer bald verrauchende hitze der erstern zu brechen, liess er sich unbesonnener weise in ein treffen ein
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 87; wenn binnen dieser zeit kein heer im feld erschien, zahlreich genug ein treffen anzubieten Schiller 13, 195
G.; der ägyptische feldherr hatte auf keine weise glauben wollen, dasz die Christen gegen seine übermacht ein offenes treffen wagen würden Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 1 (1823) 224; die Florentiner ... befahlen den ihrigen, sorgfältig ein treffen zu vermeiden Göthe 44, 307
W. A@2@dd)
mehr auf den kampf in seinem verlaufe als auf seine eröffnung (c)
gerichtet, doch wie o. den kampf auf die allgemeinste weise bezeichnend: sunst hat sein fan ain yeder hauff, das niemandt an dem treffen zauff Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 152
d; im treffen soll niemand macht haben, es sey schiffknecht oder soldat, von dem platz zu weichen, dahin er geordnet ist Decker
Diurnal (1629) 38; als die spartische mutter den sohn, entflohen dem treffen, waffenberaubet sah, stiesz sie das schwerd ihm ins herz Herder 26, 39
S.; da seht die wunden hier, und hier und hier — und ich wich doch nicht aus dem treffen Kotzebue
sämtl. dram. w. (1827) 3, 119; der könig Guiderus ... wurde endlich in einem treffen erschlagen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 328; die Engländer opferten im ... kriege 135 000 matrosen und schiffsoldaten auf, wovon etwa 1700 im treffen oder an ihren wunden fielen Möser
s. w. (1842) 2, 16; nebst dem major hilfft er das regiment in bataille stellen, bleibet bey ihm allezeit zu pferde im marsche und treffen v. Fleming
soldat (1726) 176; weil kühn voran er stets im treffen focht Bürger 1, 164
Bohtz; lange zeit war das treffen unentschieden Fr. v. Schlegel
s. w. (1846) 4, 144; ein schiff aber war mit jenen ausgeloffen köstlich geladen und meinte unter wehrenden treffen durch unser flotte nach Portugal zu segeln Saar
ostindian. kriegsdienst (1662) 134; der admiral musz sich nicht ohne ursache selbsten zu starck ins treffen wagen, denn es ist viel daran gelegen, dasz sein schiff mit ihm erhalten wird
allg. haushaltlex. (1749) 1, 53
b. das treffen wieder herstellen
die schlachtordnung herstellen, den kampf wieder zu seinen gunsten lenken, an B
erinnernd: zwar eilten ihm der zweite und dritte heerhaufe ... zu hülfe, und stellte das treffen wieder her Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 81. im treffen bleiben
häufig für '
im kampfe fallen': im treffen bleiben
cadere in acie Stieler 2298; in einem treffen bleiben, umkommen Kramer 2 (1702) 1121
a; auff diese weise ist Stuhl-Weiszenburg gewonnen, Rodis erobert, und der könig von Ungarn selbst im treffen geblieben
schauplatz barbar. sclaverey (1694) 279; endlich bekam Isabella die nachricht, dasz ihr Diego
schon vor fünfzehen jahren in einem unglücklichen treffen geblieben sey G. W. Rabener
sämmtl. satyr. schr. (1755) 4, 107; nach der schlacht bey Leuctra, deren ausgang für Sparta so unglücklich gewesen war, giengen die mütter, deren söhne im treffen geblieben waren, ... in den tempel Thom. Abbt
verm. w. 2, 8; es kam wohl die nachricht, ... dass er sich bei einem freicorps habe anwerben lassen, nachher gar, dass er in einem treffen geblieben sei Eichendorf
s. w. (1864) 2, 54. ein treffen gegen jemand: dasz tapffere soldaten ein solch hartes treffen wider so mächtige könige solten antreten Prätorius
blockesberges verricht. (1668) 446; auf einem zuge gegen die feinde, ... in einem treffen gegen den widerpart Thom. Abbt
verm. w. 1, 28; Morrisson hat ... dem glorreichen treffen wider den la Grasse beygewohnt Lichtenberg
briefe (1901) 2, 72
L.-Sch. auch im plur.: dieser ist der herzog Arminius oder Herman, welcher in unterschiedlichen treffen mich, dem der Julius Caesar einsmals im kriege obgelegen, redlich an den Römern hat gerochen Rist
friedewünsch. Deutschland 17
Gödeke; in vierzehn treffen hat dem feind vor mir gegraust, der meinen zepter must mit siegeszeichen ziren S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 106; er hätte sich dafür bey mancher beschreibung von kriegsanstalten und mörderischen treffen kürzer fassen können Ulr. Hegner
ges. schr. 281; es geht in unsrer gesellschaft zu, wie in den invalidenhäusern, wo die alten soldaten von nicht als von feldzügen ..., von treffen reden G. W. Rabener
sämtl. w. 1, 205. A@2@ee)
häufig mit adjectiven, die die heftigkeit des schlachtgetümmels charakterisieren. schon alt blutiges treffen: also ward ein blutiges ... treffen ... beym Runenberg ... gehalten J. Micraelius
altes Pommerland (1640) 2, 149; nach einem sehr harten und blutigen treffen, nunmehr zum drittenmal, auffs haubt geschlagen und erlegt Welsch
reisz-beschr. (1658) 396; manch blutig treffen wird um nichts gefochten, weil einen sieg der junge feldherr braucht Schiller 12, 117
G.; ist im ganzen bäurischen krieg kein so hartes treffen gewest als um Ingolstadt G. Hauptmann
Florian Geyer6 197. —
besonders in der dichtung des 18.
und 19.
jh. ist das wort in verbindung mit entsprechenden ausdrücken beliebt, um den heftigen zusammenprall der kämpfenden heere zu bezeichnen, hier also dem ausgangspunkt treffen '
zusammengelangen'
wieder näher, s. auch o. b: Drusus sah, wie unverdrossen ich an seiner seite stritt; in dem allerschärfsten treffen folgt ich ihm auf jeden tritt v. Schönaich
Hermann (1751) 36; Mars selbst getrauet sich nicht, sich in das fürchterliche treffen zu mischen Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. 11; ... ihr helden! was eilt ihr ins ungewitter des treffens, wo blitze blitze bekämpfen, und stürme stürme zerschellen? Ew. Chr. v. Kleist
s. w. 1, 149
Ramler; seid löwen in des treffens grauen; doch schweb ein bild euch vor von braut und schwester ... grafen zu Stolberg
ges. w. 2, 277; darauf und dran! die schäfte splittern, dumpf durch das treffen kracht der schusz graf Strachwitz
ged. (1850) 201; ich schreit umher durchs dunkle treffen, such mir tüchtgen feind Fouqué
held des nordens (1810) 1, 117; in des stahles treffen werd ich gehen Bettine
Günderode (1840) 1, 431. A@2@ff)
zuweilen wird treffen
unmittelbar neben schlacht gebraucht, ohne irgendwelche unterscheidung des ausmaszes: deshalben ward beschlossen, dasz man ein treffen thet, aber die feinde wolten keine schlacht thun G. Forberger
Jovius (1570) 1, 31; hier bringt man einen ritter aus der schlacht, jetzt werden wir des treffens ausschlag hören Schiller 13, 6
G.; disz veranlaszte Broglio ... zu dem entschlusz, die alliirten zu einer schlacht zu zwingen ... das treffen aber wurde am folgenden morgen mit anbruch des tages von Broglio erneuert Archenholz
gesch. d. siebenj. krieges (1790) 273; Mardonius ... verlohr ... eine entscheidende schlacht ... Pausanius ... hatte dieses treffen mit seltener kenntnis der kriegskunst geordnet J. v. Müller
s. w. (1810) 1, 138; mit ... jubel gab Ferdinand seinem bruder von ... der schlacht bei Cappel nachricht ... als hierauf aber auch die nachricht von dem zweiten glücklichen treffen einlief Ranke 3, 263; wie viel man nämlich städte gewonnen, was vor grosse schlachten oder treffen geschehen, wie viel völker in denselben geblieben Rist
friedewünsch. Teutschland 61
Gödeke; auch ware alle anstalt gemacht zu einer schlacht und blutigen treffen Abr. a
s. Clara
gemisch gemasch (1704) 451; treffen und blutige schlachten und niederlagen und morde Voss
Odyssee 214
Bernays. A@2@gg) treffen
als '
kampfhandlung geringeren ausmaszes'
gegenüber anderen ausdrücken unterschieden. A@2@g@aα)
seit dem 17.
jh. zeigen sich vielleicht spuren spezieller anwendung auf eine kleinere kampfhandlung: sie (
die Hessen) wagen sich nicht leicht in von ungefehr sich zugetragenen scharmützeln und treffen Prätorius
ber. v. katzenveite (1665) a 7
b; es wird, sprach ich, ein duell zu pferd seyn? ja, antwortete er, wie es die wahlen nenen, auff teutsch aber ein kampff. dann was von vielen geschicht, das sind treffen, scharmützel und schlachten Moscherosch
gesichte (1650) 272.
aus dem zusammenhang scheint zuweilen hervorzugehen, dasz das treffen
nur eine teilweise kriegsentscheidung herbeiführt, also nur geringeren ausmaszes ist: und were die sache nicht mit einem oder zwey treffen aussgerichtet, sondern wer es mit gedachtem feinde anfangen wolte, müste es durch einen langwierigen krieg mit ihm aussfechten v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 19; es wäre ein grosser unterschied in einem treffen meister seyn, und den feind überwinden Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1005
a; sind alle pläne mit einem verlornen treffen untergegangen? Körner
w. 3, 260
Hempel; der erstarkenden macht des königs Philipp halt gebieten zu können, der selbst wenn man ihm ein treffen abgewönne, mit doppelter macht zurückgekehrt wäre Droysen
Alexander (1880) 23; lieber hätte der weise sein volk zuerst durch kleine treffen geübt A. v. Haller
Alfred (1773) 16; es wäre unvorsichtig gewesen, den erfolg eines unternehmens, das schon gewagt genug war, dem ungewissen glück eines treffens zu überlassen Schiller 2, 128
G.; so begannen denn treffen auf treffen, zunächst darauf gerichtet, lebensmittel und munition nach Breisach hineinzuwerfen. endlich kams auch zu einer vollen schlacht. bei Mittenweiler wurde sie geschlagen H. Laube
ges. schr. 15, 453. —
unsicher bleibt auch, ob immer eine teilentscheidung, eine kleinere schlacht gemeint ist, wenn treffen
durch eine ortsangabe bestimmt ist (
vgl. Götze
s interpretation von Grimmelshausen,
zs. f. deutsche wortf. 8, 325): wie heroisch sich Springinsfeld im Nördlinger treffen gehalten Grimmelshausen 3, 7
Keller; nach dem unseligen treffen bey Moschaz hat sie Solimannus ... erobert S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 65; der wilde mann, der so gern ... von dem lustigen treffen bey Roszbach sprach Nicolai
Seb. Nothanker 1 (1773) 36; freytag um 9 uhr früh das treffen zwischen Saalfeld und Rudolstadt Göthe III 3, 173
W.; nachdem erst die nachricht von dem gewonnenen treffen bei Raffia eingelaufen war, meinte alles, in wenig tagen würde der krieg zu ende seyn J. v. Voss
gesch. m. milit. laufb. (1808) 302; die folgen des treffens bei Kyme Mommsen
röm. gesch. 1, 298; den kaiserlichen aufs neue an macht überlegen, bietet ihnen Banner bey Saalfeld ein treffen an Schiller 8, 387
G.; acht tage drauf war das heisse treffen bey Prag
ebda 2, 69.
die ganz vereinzelt in wörterbüchern vorkommende entsprechung von treffen
und proelium (
s. o. 2 a)
weist dagegen nicht auf die bedeutung eines nur kleineren kampfes hin: praelium equestre treffen der reuter Frischlin
nom. (1591) 472;
ad proelium eductae copiae wenn das heer zum treffen auszgeführet ist Comenius
sprachenthür (1643) 278; kleines, geringes treffen
praelium tumultuarium Stieler 2298;
praelium, pugna, conflictus eine feldschlacht, treffen Pomey (1720) 240. A@2@g@bβ)
seit der mitte des 18.
jh. unternehmen die synonymiken eine genaue begriffsscheidung zwischen treffen
und schlacht,
die vielleicht in einigen der oben (
α)
angeführten literarischen zeugnisse ihren niederschlag gefunden hat, im allgemeinen aber auf die theorie beschränkt scheint: treffen,
combat, ist, wenn zwo feindliche armeen ganz oder zum theil auf einander stoszen und ihr heil versuchen ... unvermuthete zufälle und vielfältige absichten geben oft den im kriege gegeneinander begriffenen theilen anlasz zu blutigen treffen Eggers
kriegslex. (1757) 1161
a; die schlacht ist allgemeiner, und wird von dem ganzen versammleten heere geliefert: wenn nur ein teil desselben zum schlagen kommt, so nennet man es ein treffen. zu einer schlacht kann man sich gemeiniglich vorbereiten: zu einem treffen wird man bisweilen ganz unvermutet gebracht. die schlacht ist auch mehrensteils entscheidender als ein treffen Stosch
versuch richt. best. (1780) 2, 60;
ähnlich Eberhard
vers. allgem. synonymik (1802) 6, 46; treffen. man unterscheidet es von einer schlacht, ... da nicht beyde heere in einer förmlichen schlachtordnung gegen einander gestanden, und sich recht vorbedächtlich zu einem gefechte geschickt gemacht haben, ... dabey auch nichts ganz entscheidendes gewonnen; ... man pfleget dergleichen treffen, zum unterschiede einer schlacht und eines kleinen scharmützels, öfters auch eine affäre zu nennen Jacobsson
technol. wb. 4, 428
b; treffen unterscheidet sich von schlacht dadurch, dasz es zwischen groszen teilen der feindlichen heere vorfällt, gefecht dadurch, wenn es zwischen kleinen teilen der heere vorfällt Campe 4 (1810) 148
b; treffen ein bedeutenderes gefecht als die scharmützel in kriegen, aber nicht so wichtig als schlachten Hübner
zeitungs- u. conversationslex. (1828) 616
a.
zu den etwas abweichenden speculationen Adelungs
vgl. Götze
zs. f. deutsche wortf. 8, 326. A@2@hh)
ganz vereinzelt wird treffen
ausdrücklich als gröszere kampfhandlung gegen kleinere, z. b. das gefecht (
s. schon o. g
β)
abgegrenzt: bey kleinen scharmützeln etwas wagen und in einem ernstlichen treffen davon fliehen Lessing 5, 294
L.-M.; zwischen den gefechten an der Etsch und dem entscheidenden treffen Mommsen
röm. gesch. 2, 186; brachte den krieg so schnell zu ende, dass Timocrates keine gelegenheit bekam, durch ein entscheidendes treffen ... ehre einzulegen Wieland
Agathon (1766) 2, 211. A@33)
verbalverbindungen mit dem sinne des stattfindens und ausführens einer schlacht sind charakteristisch. ein treffen geschieht: auf samstag nach sant Marx tag ... geschach ein ritterlich treffen hinder Bergtzabern
städtechron. 4, 322; wie auch ein hart treffen, nicht weit von der Trawen, ... geschehen ist A. Angelus
holst. chron. (1597) 1, 14; als nun ... mit den Gothen ein starckes treffen geschah, behielt Aurelianus das feld H. Megiser
ann. Carinthiae (1612) 215; die erde, darauff jetzt das treffen gleich geschiehet, von rothem blute man gantz ubermahlet siehet D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) s 1
a; da geschahe unterdessen zwischen könig Ludwigen in Frankreich ... und Liviano ... ein sehr blutiges treffen Brandis
tirol. adlers immergr. ehrenkräntzel (1678) 185. — ein treffen mit jem. tun,
vgl. o. mit jem. treffen (
sp. 1650): thut ein glückselig treffen mit den entgegenkommenden Sarazenen Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 139; hat er ... mit den feinden ein treffen gethon Xylander
Polybius (1574) 6; und in deme beyde heer nun mit einander ein treffen thun: da wird des volks gar viel erschlagen W. Spangenberg
ausgew. dicht. 132
Martin; confligere cum hoste mit dem feinde ein treffen thun
nomencl. lat.-germ. in usum schol (1634) 542; es wird mancher potentat gelobt, dasz er ein treffen gethan, und seinem feind obgesiegt Lehman
flor. polit. (1662) 1, 470; haben wir ... ein gesellenstechen gehabt. und ... haben unser swager und wir das erst treffen miteinander gethan und wir in herabgestochen (1481) Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 239; und bald darauff die vier Berner, darunter der könig selbst gewesen, mit einem ieden, so wider sie auffgezogen, fünf treffen gethan Kirchhof
wendunmuth 2, 82
Österley. ein treffen halten: als wenn man das gehalten treffen vor augen sehe
reisbuch d. heil. landes (1584) 49; gleichwol ist es keinem novellenverkauffer gewehret, wenn ihm eine ... relation von einem gehaltenen treffen ... zu handen kommen, ... es ... drucken zu lassen Stieler
zeitungs lust u. nutz (1697) 106; ein treffen halten,
far una battaglia Kramer 2 (1702) 1121
a; ein treffen halten
acie confligere Frisch
teutsch-lat. (1740) 2, 383.
ganz jung ein treffen liefern: graf Ludwig von Nassau hatte dem grafen von Arenberg bei dem kloster Heiligerlee in Gröningen ein treffen geliefert Schiller 9, 21
G.; lieferten die Karthager und Numider sich ein groszes treffen Mommsen
röm. gesch. 2, 24; am 8. märz lieferte er das siegreiche treffen von Veile v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 3.
vereinzelt treffen stellen '
sich zur schlacht stellen': rüst dich allenthalben darzu, das du morgen vor tag ganz fru seist mit deinem volk in dem halt. so will ich mich lan sehen bald. und als ich wolt treffen stellen Teurdank 227
Gödeke. A@44)
im sinne des feindlichen zusammenstoszes und kampfes wird treffen
aus dem militärischen in allgemeinere und weitere bereiche übertragen: den spruch Pauli, das der buchstab toedt, und der geist lebendig mach, wolchen ich doch nicht ym treffen, sonder ym vortrab wider dich verordnet hab Emser
in Luther und Emser 2, 132
ndr.; dasz man die von dem wein verwundte vielmahls als todkrancke besuchen musz. in dergleichen treffen muss ich mich wider meinen willen auch gebrauchen lassen und zu weilen an der spitze stehen Harsdörfer
d. teutsche secret. (1656) 1, 319; welche sich seit acht jahren hero in diesen drey haupttreffen, 1. jhren eigenen könig zu bestehlen, 2. das unschuldige land auszzusaugen, 3. jungfrawen zu nothzüchtigen, riterlichen verhalten Moscherosch
gesichte (1642) 1, 423; das treffen war sehr grosz. dan ihrer augen blick nicht nur wie pfeil und plitz, sondern wie grosse stück zerschmetterten mein hertz, vorhin voll tausend wunden Weckherlin
gedichte 1, 472
lit. ver.; wir wollen uns auch so wappnen und ... auf unsere liebste losgehen ... wir tragen daher keinen zweifel, das wir oben und sie unten zu liegen kommen wird, wie süsz wird alsdann unser treffen seyn
ganze ästhetik in e. nuhs (1754) 174; womit also die bisher unter der aschen glimmende, und je länger je mehr zunehmende diffidentz in eine offenbare hostilität und hartes treffen zugleich ausgeschlagen v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 164; weytter wollen wyr noch eyn treffen mit yhn thun, das wyr sehen, wie gantz vorwyrrett, bodenloss ding das geystlich wessen ist Luther 10, 1, 1, 700
W.; musz mich demnach vor ihnen (
den weibern) in keller verkrichen, aber da ich jetzt gleich die treppe hinunter schleiche, erinnere ich mich noch eines streichs, der mich wieder behertzt macht, mit ihnen noch ein klein treffen zu wagen J. G. Schmidt
rockenphil. (1706) 1, 40; als der schildbürger mit dem fremden kukuk im hitzigsten treffen lag, nahm ein wolf, der gar nicht patrotisch gesinnt war, die gute gelegenheit in acht, und frasz das pferd des müllers auf Tieck
schr. (1828) 9, 76; wie den könig im schach die stolze gemahlin beherrschet, listig auf unternehmungen sinnt, und ins treffen sich waget; Zachariä
poet. schr. 1, 325; den thurm, der mehr stärke hat, als gewandtheit, darf man anfangs nicht ins treffen bringen, wo er von den laufern, springern und bauern leicht genommen, oder eingeschlossen werden könnte Heinse
s. w. 6, 396
Schüdd.; dasz ich unsere emigration von 1848 und 49 auf vaterländischem boden wieder in die täglichen treffen der publicistik einreihen würde Gutzkow
ges. w. 10, 347; doch erst rücke mit deiner zweiten auflage (
punsch) ins treffen Holtei
erz. schr. 13, 140; etwas ins treffen führen
s. u. 6.
in jüngster zeit von sportlichen wettkämpfen. nachdem das wort in seinem militärischen sinn (
o. 2)
nicht mehr vorkommt, ist dieses sein einziger eigentlicher anwendungsbereich in der modernen umgangssprache geworden: das schlachtenglück, das uns bisher in den Davispokalkämpfen so treu zur seite stand, ... stand nicht das treffen zwischen Henkel und Budge mehrmals auf des messers schneide?
deutsche allgem. zeitung v. 26. 7. 1935; die bilanz nach insgesamt 120 länderkämpfen (
im fuszball) weist 53 siege gegen 45 niederlagen auf, während 22 treffen unentschieden endeten
ebda am 18. 9. 1935;
vgl. auch: nun entstand eine art von hitzigem treffen zwischen den spielern Vieth
encyclop. d. leibesüb. 1, 75. A@55)
zu am reichsten ausgebildeten übertragungen gelangen verbalverbindungen, die bezeichnen, dasz ein kampf oder eine entscheidung bevorsteht. A@5@aa) es ist am treffen
der kampf steht unmittelbar bevor: und da es schier an dem treffen was, kam ein solch ungewitter und regen mit stein vermischt, das beid theil abziehen und mit not in ir wagenburg getriben wurden Carbach
Livius 142
b; und da es am treffen war, schickten wir und unsere haubtleuth zu marggraf Casimirus, ihro fürstliche gnaden solten uns nachrücken Götz v. Berlichingen
lebensbeschr. 20
Bieling. übertragen '
es ist gerade soweit, vor der entscheidung': nun ists aber erst jetzunden am treffen, das nemlich der reformation halber mit der landtschaft solle beschlossen werden (1543)
briefw. landgr. Philipps 2, 153
Lenz; '
wenn es ernst wird': wann es eben an dem treffen sein wurdet, werden sie zucken Christoph v. Württemberg
briefe 2, 113
Ernst. es gilt treffens, zum treffen: da es nu gelten solt zum treffen, und die feinde sich vorsamlet und ire ordnung gemacht 2.
Marc. 15, 20; in warheit wenn es treffens gilt, so siht man nit auf helm und schild, sondern auf den, der mit dem schwert sich in der schlacht fein manlich wert Ringwaldt
lauter wahrheit 526
nat. lit. übertragen '
wenn es ernst wird': nicht allein beschützt und beschirmpt mich mein lieber gott am tage des bösen, das ist, wenn es treffens gilt, sondern schaffet mir auch den sieg, dasz ich hoch her reite, und meine feind unter mich trete Witzel
annotaten der psalmen (1552) 94
b;
im sinne von '
ernst, entscheidung': heyst aber das christlich dem volck ratten vnd recht leren, nur auff vil wort pochen, die sach auff vortzug richten, auff den plan vmherschweyffen, vnd nit zum treffen gedencken, damit das arm volck auffhalten und das maull vorgebens auffsperren? Luther
überchristl. buch Bocks Emsers 119
ndr. wie b
und c: so ersuchen wir die gehorsamen fürsten und stände gnädigst, ... do es je zum rechten ernst und treffen gelangen solte, uns ... beyzuspringen nicht unterlassen wolten
verhandl. d. schles. fürsten u. stände 1, 262
Palm. A@5@bb) es geht zum, an ein treffen '
kommt zum kampf',
meist alt (
vgl. schon treffen,
vb., IV C 1): diss zeichen alweg für alle ordnung und glid gestelt ward, ... wo es ans treffen gieng C. Hedio
chron. Germ. (1530) 107
b; das er (
der landsknecht) einen mut und hertz habe, wenn es an ein treffen gehen sol Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) n 7; wenn es jetzt wird zum treffen gan, auf dich (
gott) allein ich baue P. Heusler
bei N. Selneccer
christl. psalmen (1587) 49; die übrigen (
soldaten) fielen auch heraus, und gieng an ein hart treffen Olearius
orient. reisebeschr. (1696) 72.
ins allgemeinere gewandt: als man leut findet, wenn die in ainen streit faren, so stellen sy sich vast künlich, aber wenn es an das treffen geet, so nemen sy die flucht Keisersberg
has im pfeffer (1510) A a 8
a; was solten diese tun, wann es zuom treffen gehet und mit der schärpf zuo fechten ist Seb. Franck
moriae 42
Götzinger; ein andrer hingegen, der weder gott noch himmel und hölle glaubt und sich zu hause als der ärgste eisenfresser aufführet, erzeiget sich gar öffters, wenn es zum treffen geht, als ein elender poltron v. Fleming
soldat (1726) 11;
vom gerichtlichen streit: conflictio causarum der underhaspel in den rechtshendlen oder der gspan oder gfätz da es an ein träffen gadt Frisius
dict. (1556) 293
b. —
ähnlich das treffen geht an: das treffen zumal hart angieng, das mancher feind den tod empfieng Tewrdank 194
Gödeke; und wann dann geht das treffen an, so felt ein büchs gar manchen man J. H. Grob
lobspruch der schützen 260.
anders: was ist das für ein feind, der seinem feinde fleht? ist einer so gesinnt, wenn er zum treffen geht, so bleib er lieber da! P. Fleming
deutsche ged. 1, 112
lit. ver. übertragen '
wenn es ernst wird, wenn es darauf ankommt': und da es an ein treffen gieng für dem bischoff zu Trier, und sollte nu doktor Rotzleffel seine kunst beweisen Luther (
Jena 1561) 6, 30
b; im synne hats mancher, er wolle gross ding thun, aber es felet darnach weyt wens zur that kompt und zum treffen gehen sol J. Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) d 4
b; aber wie es zum treffen gieng, vom rath zur that endlich anfieng, da wolt es niemand ins werck stellen, der katzen anhengen die schellen Rollenhagen
froschmeuseler (1595) r 7
b; sie hatten wol eynen glauben, aber wenns ans treffen gieng, liessen sie den faren und hielten nicht Luther 10, 3, 421
W.; nun aber so es an ein treffen geht und an ein ernst, darinnen der leib soll entlediget werden Paracelsus
op. 2, 141
Huser; wenn es zum treffen geht, dasz du must alles lassen, und alles dich verläszt, was deine augen sehn, so will dich dieser herr in seine augen fassen und wider alle feind auf deiner seiten stehn
M. Franck
bei Fischer-Tümpel
d. deutsche kirchenl. 4, 232; kein falscher freund nimmer besteht in noth, wenns an ein treffen geht B. Waldis
Esopus 1, 248
Kurz; er het ir die ehr genommen und ir verheyssen, er wolt sie zu der ehe nemen, aber yetzundt, da es an ein treffen gieng, so wolt er sie nicht haben
M. Lindener
rastbüchl. 35
lit. ver.; die philosophi wolten für weise leute gehalten seyn, aber wann es zum treffen gieng, waren sie grosse narren J. B. Schupp
schr. (1663) 811; er wars, der säumend manchen tag verlor, so sehr ihn autor und acteur beschwor; und dann zuletzt, wenn es zum treffen ging, des stückes glück an schwache fäden hing Göthe 16, 135
W.; wenns aber an a treffe goht, derno hanget se hindersche G.
F. Wagner
schulmeister zu Blindheim (1888) 34. A@5@cc)
im gleichen sinn es kommt zum treffen,
bis in die neuzeit erhalten. im eigentlichen militärischen sinn: woselbst es zu einem ziemlichen starcken treffen kam v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 44; endlich ist es auch zu einem blutigen treffen kommen Abr. a.
s. Clara
weinkeller (1710) 162; hier kam es zu einem treffen, wo die heroen einen vollständigen sieg erhielten Wieland
Lucian v. Samosata 4, 205; kam es zu einem sehr ernsthaften treffen Mommsen
röm. gesch. 2, 5;
ins allgemeinere gewandt: da Marcus Crassus gegen die Parther in unglücklicher zeit in den streit zog, und es nun zum treffen kommen solte, ... kamen zweene lebendige adler Prätorius
glückstopf (1669) 311; und wunder freudig müssen sie (
die narren) sein mit dem mundt, aber wann es zum treffen und schlagen kompt, sollen sie sich waidlich wöhren mit den füssen Albertinus
zeitkürtzer (1603) 56
b; ein eselmann ... so gemeiniglich, wann es zum treffen kommen thet, den hasenpfad inritt Zinkgref
teutscher nation weish. (1653) 3, 51. wenn es zum treffen kommt '
wenn es ernst wird, wenn es zur entscheidung kommt, am ende',
schon älter bezeugt als die eigentliche anwendung: wenn es nun zum treffen kumpt, das der todt her dringt Luther 12, 415
W.; darbey der Satan seine gelegenheit auch in acht nimmet, sonderlich wann es zum letzten treffen kompt Joh. Saubert
Currus Simeonis (1627) 587; ich mercke nicht, das die grossen heiligen, da es zum rechten treffen kompt, die krafft des freien willens rümen Luther 18, 644
W.; die welt verspricht viel, wenns aber zum treffen kömpt, ist niemand daheim
ebda 32, 192; si sagen erst: ich bin dein ganz und gar; aber, wenn es zum treffen kömt, da ist niemand zu hause Butschky
hochd. kanzelei (1659) 355; und wenns zum treffen kommt, so ist kein wörtgen wahr Stoppe
Parnass (1735) 181; und ehe Christus antwort, so ist Petrus fertig, wie es aber zum treffen und bekennen kompt, da lesset er sich ein arme magd schrecken Mathesius
Sarepta (1571) 94
b; einander der pralet von seinen künsten und von seinen streichen, aber wenn es zum treffen und zur that kommet, so ist niemand zu hause
Reinicke fuchs (1650) 352; der künste muss durch sie (
die frauen) offt hertz und muth wenn es zum treffen kömmt verliehren, Lohenstein
Agrippina (1685) 36; so leset ihr schriftgelehrten, ihr bachanten, die heilige schrift, und rühmet grosze kunst; wenns aber zum treffen kompt, so verstehet ihr garnichts Luther 6, 20
Erlangen; wenns zum treffen kompt, so verlassen braut und hochzeiter alle freund, und suchen ihre freud allein Lehman
flor. polit. (1662) 1, 161; wann es zum treffen kömt,
quando si vienne all effetto, alla pratica Kramer 2 (1702) 1121
a; ich hatt mers su schmuck eigefadelt, nu dos zum traffa kimmt, wehs ich mich weder uffs hingerste, noch uffs vörderste ze besinn Stoppe
Parnass (1735) 507; die (
erzstufen waren) alle nicht von geringer, sondern fast solcher erstaunlicher grösze, so dasz wir zu zweifeln begunten, ob es auch würde möglich seyn, dieselben in die boote zu bringen, allein es gieng durch saure bemühung endlich, da es zum treffen kam, doch an Schnabel
insel felsenburg (1746) 4, 404; sei auszer sorgen, dasz ich dich, wenn es zum treffen kommen sollte, mit meinen (
literarischen) beiträgen stecken lassen werde Schiller
br. 6, 427
Jonas; wenns zum treffen kommt Spiess
henneberg. id. 258.
vereinzelt jemand kommt zum treffen,
übertragen und eigentlich: mancher ist kühn, ehe er zum treffen kompt, wenns aber dahin gelangt, so läst man sich wol ein weib erschrecken, wie st. Peter Lehman
flor. polit. (1662) 1, 481 (
vgl. aber o. Mathesius); die preuszische armee, die wirklich zum treffen kam, war 68 000 und die österreichische 76 000 mann stark Archenholz
gesch. d. siebenj. kr. (1790) 36; kommen aber die schulfüchse und pedanten zum treffen (
gegeneinander), so solte man sagen, die mauren der statt Hiericho würden zum erstenmale gefallen seyn Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 4; das wir nu auch zum treffen komen, nemen wir fur uns den spruch Christi Luther 23, 86
W. A@66) etwas ins treffen führen,
meist gegen etwas,
erst in junger zeit und, anders wie 5,
nur im übertragenen sinne bezeugt: oh dasz ich durch die ganze natur das horn des aufruhrs blasen könnte, luft, erde und meer wider das hyänengezücht ins treffen zu führen! Schiller 2, 47
G.; jetzt ist keine zeit zu verlieren, wenn nicht noch mehrere eichen stürzen sollen ... alle einwohner will ich aufbiethen, und sie selbst gegen diese tiegerbrut ins treffen führen Meisl
theatr. quodlibet (1820) 4, 146; hatte er einst als promovirender doctor utriusque juris gerade die schwierigsten sätze der altrömischen lehre von der väterlichen gewalt ins treffen geführt und gegen alle scheinangriffe der scharlachroten togaträger den doctorhut siegreich erobert Redwitz
Hermann Stark (1879) 1, 22; sie führte ihr ganzes weibliches rüstzeug ... in das treffen v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 3, 361; er hatte furchtbares gelitten seit gestern. die ganze nacht hatte er sich gegen sich selber ins treffen geführt, diese beweise, die er nicht hatte H. v. Kahlenberg
fam. Barchwitz (1902) 129. BB.
das aus mehreren hinter einander stehenden reihen zusammengesetzte glied einer heeresformation, besonders wenn im gefecht die lineartaktik angewandt wird. aus A
entwickelt; aus '
gefecht in lineartaktik, in geschlossener aufstellung der reihen hintereinander'
entwickelte sich die bedeutung '
im gefecht stehende linie, glied, gefechtseinheit'
; vgl. auch Götze
zs. f. deutsche wortf. 8, 327.
für den übergang des verbalen '
kampf'
in das locale '
kämpfendes glied'
sind wendungen wie im treffen sein, aus dem treffen eilen (
o. A 2 d)
bedeutsam; wahrscheinlich hat das lat. acies '
schlachtlinie; feldschlacht'
als vorbild mitgewirkt, vgl.: treffen
praelium, acies, pugna. sich aus dem treffen machen
acie excedere; ein treffen mit dem feinde halten
acie confligere cum hoste Steinbach (1734) 2, 863; treffen, schlacht
acies, praelium J. R. Fäsch
kriegslex. (1735) 923
a.
den übergang charakterisieren auch: nun stürzte das ganze treffen der Preuszen auf die Österreicher, die sich in groszer unordnung befanden Archenholz
gesch. d. siebenj. kr. (1790) 38;
vielleicht schon weit früher: wenn der soldat an der spitze des treffens stehet J. B. Schupp
schr. (1663) 850;
dagegen bedeutet vordertreffen
Aymon (1535) n 4
a nicht '
vordere linie' (
teil 12, 2, 975)
sondern '
erstes zusammengeraten mit dem feind',
also wie A.
die neue bedeutung ist seit anfang des 18.
jh. eindeutig bezeugt, heute mit dem abkommen der lineartaktik nicht mehr lebendig: colonne ist ein zug, linie oder treffen einer armee, wenn sie an den feind marchiret. es heisset auch der reihen oder zug, wenn die armee hinter einander marchiert J. B. Fäsch
kriegslex. (1726) 60;
ligne de l'armee linie oder das treffen
ebda 145; man braucht auch das wort treffen von der stellung der soldaten in einer schlachtordnung, man sagt: das erste und das zweite, oder das vorderste und das hinterste treffen Stosch
versuch richt. bestimmung (1780) 2, 61; sie zogen sich zu den zwey treffen, die sie bey dem gerät gelassen, zurück Heilmann
gesch. d. peloponn. kriegs (1760) 274; aber hinter den reutern stund ein treffen zu fusz A. v. Haller
Usong (1771) 82; und von den ehrliebenden ... siehst du es doch auch, dasz wenn sie nicht können das heer anführen, nehmen sie mit einem treffen vorlieb Schleiermacher
Platons werke 6, 306; wer weisz, was hinterm treffen dir Hannibal für listen stellte? Herder 27, 147
S. —
eine aufstellung, besonders in der schlacht, besteht in der regel aus drei gliedern, daher erstes, zweites, drittes, vorderes, mittleres, hinteres treffen: das mittlere treffen bestunde auss einigen herzensfreunden Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 764; ich hatte auch das glück, schon nach kurzem ritt auf die linien der hauptarmee zu stoszen, die in dem vielfach bewaldeten gelände ... vorwärts gingen, und zwar in zwei treffen und einer reserve, die ebenfalls in linie vorrückte, aufmarschirt Scheibert
mit schwert u. feder (1902) 86; als wir aber vollends in die plaine hinunterkamen und zur grossen armee stiessen, rückten wir in drey treffen weiter vor U. Bräker
s. schr. 1 (1789) 151; meine aufforderung, so rasch als möglich ein zweites und drittes treffen vorrücken zu lassen fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 208. die ganze division stand in mehreren treffen aufgestellt, alles blitzblank zur besichtigung durch den kommandierenden general Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 347; allgemeine grundsätze über das manövrieren mit mehreren in einem oder zwei treffen vereinigten bataillonen
exercier-reglement f. d. badische infant. (1831) 3, 1; wie auf verabredung hatten sich die leute um die drei männer ... in treffen geschart v. Ebner- Eschenbach
ges. schr. 2, 127.
meistens in der gefechtshandlung: ein erstes treffen ist durchritten, die geschützlinie durchbrochen, bedienungsmannschaften und bespannung werden niedergehauen Moltke
ges. schr. u. denkw. 3, 40; eben das thaten die triarii bey den Römern. solange die fordern treffen stritten und standen, lagen sie auf ihrem rechten knie ... und deckten sich mit den schildern Lessing 10, 352
L.-M.; entscheiden (
sollt) ihr der ganzen schlacht gestalt! ich weiche scheinbar mit dem ersten treffen, zieh weichend immer weiter rückwärts Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 175; heute nachmittag 4 uhr rückten wir hier ein, und gegen 5 uhr brachte ein courier uns die ordre, augenblicklich aufzubrechen, und ins erste treffen zu rücken (1806)
brief e. preusz. officiers in deutsche rundschau 33, 1, 65; im ersten treffen steht der edle — wann weicht er der tapfre? Fr.
M. Klinger
neues theater 1, 81; als Alexandros, der schöne, den Menelaos erblickte, schimmernd im vordersten treffen, da klopfte sein herz geschwinder grafen zu Stolberg
ges. w. 11, 91. das zweite treffen
im sinne der gefechtsreserve: bis die divisionen zweiten treffens ... herankommen Hindenburg
a. m. leben (1920) 349; die ... dicht hinter ihnen unter dem wirbel der trommel vorbeimarschierende lange front des zweiten treffens Rud. Stratz
dienst (1895) 97; die weiber bilden unbewaffnet ein zweites treffen Chamisso (1836) 2, 233;
abstracter bei der einteilung der wehrpflichtigen: indem man ... den mittelstand, die eigentliche linieninfanterie ..., nach dem dienstalter in die drei treffen der hastaten, principes und triarier ordnete Mommsen
röm. gesch. 2, 192/3.
im zusammenhang ausgedehnterer operationen von den verschiedenen heeresteilen: nunmehr ist das zweite treffen näher an Marienborn herangezogen. des herzogs regiment steht rechts Marienborn Göthe IV 10, 68
W.; das erste treffen stand mit dem rechten flügel an Reichstädt
allg. deutsche bibliothek 37/52
anh. 945.
die einander gegenüberstehenden feindlichen linien: immer näher rückten einander die beiden treffen Fouqué
zauberring (1812) 2, 64; Mietz und Tieck waren zwischen zwei feindliche treffen gezwängt und ergaben sich Holtei
erz. schr. 24, 162; bei den rüstigen schiffen begann die wütende feldschlacht, und von treffen zu treffen entschwirrten die ehernen lanzen Voss
Odyssee 152
Bernays. selten in übertragungen: es war keine andachtsübung, kein in drey treffen getheilter angriff an die verstockten sünder, ... auch war es keine kalte heidnische sittenlehre H. P. Sturz
schr. (1779) 2, 332; die hauptarmee rückt langsam vor, und das erste treffen ist meine neue hypothese über die evangelisten Lessing 18, 265
L.-M.; weil sie bei allen neuen aufführungen sorglich ins zweite treffen oder auf plätze geschoben wurde, die sie nicht ausfüllte, so sagten die leute ...: die Holtei hat sich in Darmstadt verschlechtert Holtei 40
jahre 5 (1845) 223; an die kluge geschicklichkeit der andern (
kammerdiener) kommt dann (
beim kontrollieren) auch die reihe im dritten treffen Görres
ges. briefe 1, 131. CC.
composita. C@11)
zu '
schlacht' (A),
im 19.
jh., meist poetisch. treffenbeschreibung, f., schlachtschilderung: noch musz ich bemerken, dasz die treffenbeschreibungen immer dunkler werden A. H. v. Bülow
d. feldzug von 1800 (1801) 157. —