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schmiele

nhd. bis sprichw. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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10 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schmiele f.

Bd. 15, Sp. 1075
schmiele, f. grasart mit langem halm, grashalm. II. form. I@11) das wort ist auf das hd. gebiet beschränkt, hier aber seit ahd. zeit zu hause. Graff 6, 830 setzt es als smalicha f. an; belegt ist der nom. sing. smelohe, wol eine ableitung zu schmal; das ableitende h findet sich auch in dem mitteldeutschen adj. smelhe schmal, gering (ainen smelhen spruch) Lexer handwb. 2, 1006. dieses scheint auch noch im ältesten nhd. vorzukommen: und do nun die bruoder sin gedult sahen, do namen sie inn in fünff ioren usz der buosz, und namen in wiider in das closter, und hetten in schmelchen. Keisersberg bilger 64a. da neben smelehe auch formen mit w bez. b auftreten (3, f.), so setzt Kluge5 331a als grundform ahd. *smëlaha, smilaha und *smelawa, smilawa, goth. *smilhvi (?) an. doch wird man sich nicht gern entschlieszen, dem erst spät in mhd. zeit und auf md. boden auftretenden i, ie zu liebe altes e-i anzunehmen und den unmittelbaren zusammenhang mit schmal aufzugeben. vgl. auch Weigand 2, 606. [] I@22) die formentfaltung in der historischen zeit ist auszerordentlich reich und mannigfaltig. vgl. z. b. die zusammenstellung bei Pritzel-Jessen s. v. avena caespitosa (s. II, 3, a). für das mhd. führt Lexer a. a. o. folgende formen an: smelehe, smêle, schmêle, schmelle, smeil; zu den belegen ist nachzutragen: dir blifft gar kome ein smelen (im reime auf gesellen). Muskatblut 64, 45. dazu das deminutiv smelhlein Oswald v. Wolkenstein 33, 2, 15. I@33) die formen der neueren sprache, besonders der mundarten, gruppieren sich in folgender weise: I@3@aa) mit erhaltenem guttural, vgl. mhd. smelehe, so mit smelehen schon in der Wiener genesis, s. Hoffmann fundgruben 2, 19, 23; in der bibel von 1483 349a steht des smelhen als übersetzung von junci, s. unten. dazu schmelhen vimeus, est aliquod de vimine factum. voc. ante; smelhen, smelhenn, smelehe, smelhe, schmelchach (collectivbildung dazu?) als glossierung von mirica bei Schm. 2, 549. so heute noch in bair.-österr. mundarten: bair. die (auch der) schmelchen ebenda, kärntn. schmelche, f. Lexer 221, tirol. schmelchen, schmelch Schöpf 630, smelhe Hintner 222, Frommann 6, 203. vgl. auch preusz. schmelchenzagel, plattdeutsch umgesetzt zu smêlkezagel, s. unten. I@3@bb) vereinzelt erscheint der guttural zu k verhärtet: oder nimm einen strohalm, oder schmelcken von heu. Hohberg 1, 368a. I@3@cc) zuweilen wird das lh zu ll assimiliert: schmellen, vimen, est virgula mollis et graminea. voc. ante. schmelle neben schmele bei Nemnich. Pritzel-Jessen, bei letzteren auch schmillen und schmöllen, bair. schmellen neben schmelhen Schm. a. a. o., schwäb. schmele, schmelle, schmiele Schmid 471. I@3@dd) gewöhnlich fällt indes das h aus und es tritt dafür dehnung der ersten silbe ein, wie in befehl, befehlen. so entsteht die form schmele, so schon mhd., s. Lexer a. a. o., nhd.: ackerstrausgras, kornstrausgras, schmelen (aira caespitosa) Schwenkfelt stirpium et fossilium Silesiae catalogus (Leipzig 1600) 93; ackerriedgras, strausgras, grosze schmelen (aira aquatica) 94. ferner bei Adelung, Nemnich (aira), Pritzel-Jessen (s. unten), öcon. lex.2 2613, vergl. auch Wander 4, 266. mundartlich im schwäb. s. c., daneben schmäle geschrieben Pritzel-Jessen (vgl. unten). die heutige schriftsprache bevorzugt andrerseits die form schmiele. das wort ist aus der schriftsprache auch in benachbarte nd. gebiete eingedrungen in der form schmêle, schmîl Frischbier 2, 296b, smêle Schambach 197b, westf. smiele Woeste 244a. Frommann 5, 167, 144. auch schmêle, schmîle in Stiege, das hart an der nd. grenze gelegen ist, hat neben dem gewöhnlichen thüringischen schmulme wol als nd. zu gelten, s. Liesenberg 197. österr. mit eigenthümlicher erweiterung die schmeler Höfer 3, 101. I@3@ee) vereinzelte formen mit ganz abweichendem vocal, so schweiz. schmale Seiler 257a. Hunziker 225 neben schmiele 226; in Aachen schmeil Müller-Weitz 215 (vgl. mhd. smeil s. oben); thüring. schmule Keller 41. I@3@ff) besonders auf hess.-thüringischem boden finden sich formen, die anstatt des ableitenden gutturals ein stammbildendes b oder m aufweisen, s. schmelm, schmelme sp. 1010; dazu ferner thüring. schmilme, schmelme, schmulme(n) Hertel sprachsch. 215; im nordthüring. speciell schmullemen Schultze 43b. Kleemann 19c, schmulme Jecht 97a. Liesenberg 197, vergl. d. schmalm in Baiern, schmolme in Koburg, s. Pritzel-Jessen, vergl. auch schmilben, scirpus bei Alberus. hierher auch schmalf, schmilf, in der Eifel, metallene spitze am stabe Frommann 6, 18 ?. die erklärung dieser formen hat wol von *smelwe, smilwe als einer nebenform zu smelehe auszugehen und die entwicklung smilwesmilbe-smilme anzunehmen, vgl. namentlich Pfister 258 f. I@44) aus dem deutschen stammt wol lit. smìlgas, poln. śmiałek Frischbier a. a. o. IIII. bedeutung. II@11) grashalm, stengel Schöpf 630. Pfister 258. Frischbier 2, 296b. das schweizerische unterscheidet die schmiele, den gröszeren grashalm, von der kleineren schmale Hunziker 225 f.; eine schmelcken von heu Hohberg 1, 368a, s. I, 3, b. so wird vimen mit schmellen glossiert, s. I, 3, c und a. Dief. 619c. II@22) dünnes, langhalmiges hohes gras Seiler 257a. Kehrein 1, 357; so besonders thür. Hertel sprachsch. 215. Keller 41. Kleemann 19c. Jecht 97a. Liesenberg 197, 'schmellen hohe gräser der kulturwiesen' Pritzel-Jessen: einen acker ain zeitlang nach der schmelhen nutzen, zu gras liegen lassen. qu. bei Schm. 2, 549. II@33) insbesondere bezeichnung gewisser grasarten und ähnlicher gewächse, so namentlich II@3@aa) aira schmellen oder schmielen, schmelengras, schilf Nemnich mit den unterarten: aira alpina alpenschmelen, silberschmelen, [] weisze schmelen; aira aquatica wasserschmelen, quellgras; aira arundinacea levantische rohrschmelen; aira caespitosa rasenschmelen, hohe schmelen, glanzschmelen, moorschmelen, ackerriedgras; aira canescens graue schmelen; aira caryophyllaea nägleinschmelen; aira flexuosa gebogene schmelen, dratschmelen, buschgras; aira minuta zwergschmelen; aira montana bergschmelen; aira praecox frühschmelen; aira subspicata ährleinschmelen, s. ebenda; vgl. Behlen 5, 508 f., der auszerdem noch aira cristata kanne - schmelen anführt; ferner bei Höfer 3, 101. Schmid 471. Kehrein 1, 357. Müller-Weitz 215. Frischbier 2, 296b; besonders aira caespitosa Kleemann 19c. Schambach 197b. Pritzel-Jessen gibt als gleichbedeutend mit aira avena an, speciell avena caespitosa schmäle (Luzern, Basel), schmalm (Baiern), schmelchen (Baiern), schmele (Österreich, Baiern, Schwaben, Wetterau), die schmeler (Österreich), schmelle (Schwaben), schmiele (Schlesien, Schwaben), schmillen (Siebenbürgen), schmöllen (Salzungen), schmolme (Koburg), smele (Göttingen), rasenschmelen (Schlesien). II@3@bb) strauszgras, agrostis Oken 3, 401 f., speciell ackerwindhalm, agrostis spica venti Frischbier 2, 296b. Schambach 197b. II@3@cc) in Kärnthen schmelchen, phleum pratense bez. alpinum Lexer 221. Pritzel-Jessen. II@3@dd) holcus lanatus, in Bern schmalen, honigschmalen, auch honiggras Pritzel-Jessen. II@3@ee) quecke, triticum repens, in Wallis schmäle Pritzel-Jessen. II@3@ff) binse Adelung. öcon. lex.2 337, schmilben scirpus Alberus bei Frisch 2, 208c: in den hölern in den zu dem ersten wonten die tracken wirt geborn die grün des pimsen und des sahers oder smelhen. bibel 1483 349a (Jsaias 35, 7: viror calami et junci). II@3@gg) in alten glossen häufig für myrica: smeyl mirica. voc. 1420 bei Schröer 202b; smelhen mirica, smelhenn merica, mirica smelehe vel haidah, mirica smelhe, als die schmelchach, quasi miricae in deserto, ahd. smelohe mirica Schm. 2, 549 f. II@3@hh) perlgras, melica coerulea Frischbier 2, 296b. II@3@ii) weid-smelchen das gelbe ruchgras, anthoxanthum odoratum Schm. 2, 549. II@44) sprichwörtliche redensarten: ihm geht keine schmîle oder kein schmîlchen mehr in den arsch; als ausdruck der fettheit. Frischbier 2, 296b; märkisch dat es jüst, as wamme ne smiele int balkenhual hänged. Frommann 5, 163, 147; westf. einem 'ne smiele dör de nase trecken, ihn listig eines erwarteten vortheils berauben. Wander 4, 275, vgl. Woeste 244a. II@55) übertragen auf II@5@aa) schmale, über die stirn herunterhängende haare Müller-Weitz 215. II@5@bb) dünne beine Schm. 2, 549. Schöpf 630. II@5@cc) dünne, hagere menschen. ebenda. II@5@dd) etwas kleines überhaupt, besonders zur verstärkung der negation, mhd. kûme ein smêle Lexer handwb. a. a. o.; koa schmelhe hâ Hintner 222. II@66) nicht hierher gehört wol das landschaftlich vorkommende schmiele für schwiele, vgl. dieses. Campe. Bernd 266; schmiele callus; schmielen bekommen, occallescere Schottel 1404. II@77) ebensowenig schmiele, schmille im sinne von ocker (gelb): offt bricht ertz .. inn ein letten, greusz, gilbe, welches die Raurieser schmillen, unnd Plinius sil, unnd die maler ocher oder obergel (ockergelb?) nennen. Mathesius Sar. 63b; diesz (galmei) ist ein zechstein, darein bleyertz bricht, ist gelblicht schier wie ein schmielen oder trippel. 110b; in demselben sinne auch schmilgar: das noch unzeitig und in rauchs, öhls, vapors, lettens, schmilgars oder gestockten bluts gestalt geformirt quecksilber (ein gelbes amalgam). Thurneisser magna alchymia (1583) 1, 81. IIIIII. die ableitungen und zusammensetzungen mögen mit rücksicht auf die wechselnde gestalt des stammwortes hier zusammengestellt werden. III@11) schmelchen, verb., in Tirol und Kärnthen. III@1@aa) zu schmelche, schmiele, ein kinderspiel, wobei die schmielen mit zusammengepresztem daumen und zeigefinger gegen das ende zu gestreift werden, so dasz der saft an der spitze als ein tropfen herausquillt; dann werden zwei schmielen gegen einander gehalten, und wessen tropfen beim trennen den des andern nach sich zieht, der hat gewonnen. Lexer 222. Frommann 6, 203. Hintner 222. Schm. 2, 550. III@1@bb) dorren, schrumpfen Schöpf 630, abnehmen, zusammenschrumpfen Lexer 222. Schm. a. a. o. wol zu dem adj. smelhe, s. I, 1. III@22) zusammensetzungen: thür.
10104 Zeichen · 234 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schmiele

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Schmiele , plur. der doch nur absolute oder collective gebraucht wird, die -n. 1) In einigen Gegenden, eine Grasart,…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schmiele

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schmiele , Grasart, s. Aira .

  3. modern
    Dialekt
    Schmielef. (m.)

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Schmiele f. (m.) : 1. a. allg. Bed. 'in Wald und Wiesen vorkommende Gräser mit langen harten Halmen; hohe Grashalme mit …

  4. Sprichwörter
    Schmiele

    Wander (Sprichwörter)

    Schmiele 1. Dem geht keine Schmiele mehr in den Arsch. ( Königsberg. ) Von einem sehr Fetten. 2. Einem 'ne Smiele dör de…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schmiele

28 Bildungen · 10 Erstglied · 18 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von schmiele

schmielen + -e

schmiele leitet sich vom Lemma schmielen ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

schmiele‑ als Erstglied (10 von 10)

Schmielenbesen

PfWB

schmielen·besen

Schmielen ✝ -besen m. : 'Kehrbesen aus Schmielen zusammengebunden', Schmilwebesem [ Gal-Josbg ]. —

Schmielengras

PfWB

schmielen·gras

Schmielen-gras n. : 'Gras, das viele lange, harte Halme ( Schmiele ) enthält, Schmellegras [LA-Impfl], Schmelme- [ NW-Herxh LA-Birkw Roschb …

Schmielenheu

PfWB

schmielen·heu

Schmielen-heu n. : 'Heu, das viele lange, harte Halme ( Schmiele ) enthält', Schwelmehaai [ LU-Altr ]. —

Schmielenhuppser

PfWB

schmielen·huppser

Schmielen-huppser m. : 1. 'Heuschrecke', Schmelmehuppseʳ [KL-Landstl]. — 2. übertr. 'schmächtiger, magerer Mensch' [Umg. v. Pirmas]. — RhWB …

schmielenstreifer

DWB

schmielen·streifer

schmielenstreifer , in Aachen schmeileströfer schmeichler, augendiener Müller-Weitz 215 . — preusz. schmêlchenzagel, nd. schmêlkezagel, 1) h…

schmielente

DWB

schmielente , f. eine art wilder enten, kleiner als die gewöhnlichen, die von gras und schilf (schmielen) lebt und darin brütet, auch schmal…

schmielerig

RhWB

schmiele·rig

schmielerig PfWB -i·l.məriχ Neuw-Asb Linkenb (aber -i·l. »Schmiele«) Adj.: hoch aufgeschossen, hager, schwächlich, von Menschen.

schmielessig

RhWB

schmieles·sig

schmielessig -e·l.əstiχ Schleid-Hellenth Adj.: hochaufgeschossen, hager, schwächlich.

schmiele als Zweitglied (18 von 18)

drahtschmiele

DWB

draht·schmiele

drahtschmiele , f. buschgras, silberbocksbart, aira flexuosa mit gebognen blumenstielen Nemnich 1, 129 .

moorschmiele

DWB

moor·schmiele

moorschmiele , f. die pflanze aira caespitosa, ackerriedgras: moorschmelen Nemnich 1, 128 .

Nägeleinschmiele

Campe

naegelein·schmiele

Die Nägeleinschmiele , Mz. — n , eine Art Gras oder Schmielen, deren Blüte mit kleinen Nelken Ähnlichkeit hat (Aira caryophyllea L .); auch …

silberschmiele

DWB

silber·schmiele

silberschmiele , f. bezeichnung einer auf den alpen heimischen silberfarbenen grasart, aira alpina. Campe, silberschmelen Nemnich 2, 127 . v…

wasserschmiele

DWB

wasser·schmiele

wasserschmiele , f. das wassersüszgras, glyceria ( aira L. ) aquatica Presl. Nemnich 5, 633 , -schmele 1, 128. —

Wiesenschmiele

Campe

wiesen·schmiele

Die Wiesenschmiele , Mz. — n , eine Art Perlgras auf feuchten Wiesen und Weiden, welche blau blühet und ein gutes Viehfutter ist (Melica cae…