zahn,
m. ,
dens. II.
formales. I@11)
das wort lautet ahd. mhd. zant, -des, zan;
as. tand, tan,
mnd. tant, tan(e), ten(e),
nnd. tant, tān, tǟn;
anfrk. ndl. tand;
afrs. tôth, tond;
ags. tôþ,
engl. tooth;
an. tǫnn
norw. tonn,
schwed. dän. tand.
das got. bietet ein ablautendes tunþus.
urverwandt sind lat. dens, -ntis;
griech. ὀδούς -
δόντος;
skr. dan,
acc. dántam;
armen. atamn;
lit. dantìs;
air. dét;
kymr. dant.
allen liegt wohl das part. präs. der wurzel ed, essen
zugrunde, sodasz zahn
eigentlich '
essender'
bedeutet Kluge
ety. wb.7 502
a, Falk-Torp
norw. dän. wb. 1245. I@22)
der stammhafte dental begegnet noch in frühnhd. denkmälern: do wirt wainen uud grisgramen der zende 1.
deutsche bibel 1, 29, 41; und als er mit iaren beschwärt nun von alter träg was und syn zend fürstumpf und verschlissen Steinhöwel
Äsop 118
Österley. dann verschwindet er aus der schriftsprache, erhält sich aber mundartlich bis heute, so im bair. zand Schmeller
2 2, 1132 (
neben zan 1126),
welche form auch gilt in Tirol Schöpf 8, 24,
in Kärnten Lexer
kärnt. wb. 262
b,
im cimbrischen cimbr. wb. 181
a,
in der Schweiz Stalder 2, 463,
im Elsasz Martin-Lienhart 2, 905
a und in Lothringen Follmann 552
b,
mit längung des stammvocals wienerisch zahnd,
plur. zähnd Loritza 145
a, Hügel 192
a,
nassauisch zahnt
neben zannt (
und zann) Kehrein 1, 451.
vgl. die auch nnd. unter andern noch begegnende form tant (tand),
wie sie Strodtmann 241, Woeste 267
b und ten Doornkaat Koolman 3, 391
b verzeichnen. die alte schreibung der verkürzten form zan
bieten von nhd. lexicographen noch Dasypodius, Maaler 512
a und Stieler 2595. zahn,
das die dehnung des vocals veranschaulicht, erscheint bei Schottel 1446, Frisch 2, 463
c und den späteren. I@33)
ursprünglich consonantischer stamm (
vgl. griech. ὀδούς,
ὀδόντος,
lat. dens, dentis)
folgt das wort im deutschen, [] ohne dasz vorher übertritt in die u-
declination erfolgt zu sein braucht, wie sie got. tunþus
zeigt, durchweg der flexion der i -
stämme Braune
ahd. gramm. (1911) § 216
anm. 1
und § 238.
unumgelautete pluralformen begegnen im ahd. noch bei Notker Graff 5, 684.
auch Lexer
mhd. hdwb. 3, 1029
verzeichnet noch einen umlautlosen plural zane.
selbst im älteren nhd. zeigt sich ein unumgelauteter plural nach der n-
declination: man sagt, das er statt der zahnen einen gantzen knochen im munde gehabt Micrælius 3, 515.
auch der umgelautete plural schwankt frühnhd. nach der gleichen declination hinüber: das hol der zänen,
cava dentium Maaler 511
c (
neben zän
im nom. und acc. 511
bc).
im nd. begegnet sogar ein plural tähner Mi 91
b.
hier dringt der umlaut auch in den sing., mnd. tene,
auch f.? Schiller-Lübben 4, 531
a,
mnd. tǟn (tēn) Richey 303. 306, Schütze 4, 244,
brem. wb. 5, 19, Dähnert 482
a, Danneil 220
a, ten Doornkaat Koolman 3, 391
b, Mi 91
b,
was sich wohl durch falsche analogie auf grund des häufiger gebrauchten plurals tǟne
erklärt. von diesem sing. geht dann wieder die oben erwähnte stärker unterschiedene pluralbildung tähner
aus. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
das wort bezeichnet die knochengebilde zum beiszen im munde des menschen und bei thieren. II@1@aa)
beim menschen: unte sint abo dîne zene samo daʒ corter dero gescorenon scâffo Williram 55, 3; daʒ öl, daʒ auʒ dem samen des (
bilsen-)krauts wirt gemacht, ist guot für der zende smerzen, der von haiʒer sach kümt Megenberg 405, 12; die menschen söllen nit forchtsam noch weybisch sich ertzaigen, so sy aus weetagen der zene, oder sunst des leibs schmerzen leiden A. v. Eybe
spiegel d. sitten D VI
b; die zän seint von der natur der bein, wiewol sye enpfindlicheit haben Gersdorff
wundarzn. (1517) V 2
a; da aber das fleisch noch unter jren zeenen war
4 Mos. 11, 33; dasz ihr (
einer alten frau) alle drey zähne vor die füsze fallen Weise
erzn. 13
neudr.; im andern hieb spaltet er dem andern den kopff bisz auf die zähne von einander
volksb. v. geh. Siegfried 86
neudr.; der lange verweilende kusz auf ihren entblöszten arm, dasz noch die spur seiner zähne im flammrothen fleck zurükblieb Schiller
Fiesko 1, 1; sorgfalt ... für haut und haare, für augenbraunen und zähne, für hände und nägel (
ward eingeschärft) Göthe 24, 310, 28
Weim.; ihn haben ghawn die andern zwen, dasz man im sicht all seine zen H. Sachs 17, 110, 14
Keller-Götze. die zeene kann kein goldt an hoher farb' erreichen Opitz
poet. 44
neudr.; der purpur-mund, die perlen-reyhen der zähne sind zu staub gemacht
Königsberg. dichterkr. 45
neudr.; das fleisch von kalb und rindern das kam uns armen sündern niemals für maul und zahn Ditfurth 100
hist. volksl. d. preusz. heeres; der email der zähne glänzt Freiligrath 1, 64.
ebenso bei menschenartig vorgestellten mythischen wesen: die seelen knarrten unter ihren (
der teufel) scharfen zähnen Klinger 3, 27. II@1@bb)
bei thieren: diu tier, die vil zend habent, die sint langes lebens Megenberg 14, 20; deinen (
gottes) kindern kundten auch der gifftigen drachen zeene nicht schaden
weish. Sal. 16, 10; (
im bilde) also bleib er (
herzog Friedrich v. Sachsen) ungebissen, wie wol viel hunde die zehen blicken lieszen Luther 19, 646
Weim.; dem elephant stelt man seiner zehn halben nach Franck
sprichw. 1, 136
a; das wilde schwein (für welches zehnen sich zuhüten war) Thurneysser
magna alch. vorrede 5; welches dann noch ... an des todten wolffs zähnen zu sehen wäre
grillenvertr. (1670) 119; der schaum geifert ihm (
einem verwundeten löwen) von den zähnen Breitinger
crit. dichtk. 1, 38; an den klippen dieser meere findet man das walrosz, dessen zähne edler sind, als das helfenbein Haller
Alfred 218, 2; so lang' er (
ein hund) zähne hatte, durfte kein mensch ihm nahe kommen Holtei
erzähl. schr. 5, 197; ûf des (
eines rüden) zenen solde sich Reinhart entschuldget hân
Reinhart Fuchs 1124;
[] gleichwie ein junger leu die zähne grimmig beist, und wenn er wütend wird, den meister selbst zerreist Rachel 51 (4, 299)
neudr.; ein marder frasz den auerhahn; den marder würgt ein fuchs; den fuchs des wolfes zahn Hagedorn 2, 77, 2; wir schlangen echter art bewahren ... in kleinen bläschen gift bey jedem zahn Ayrenhoff 5, 71, 18; denn so hat kein thier, dem sämmtliche zähne den obern kiefer umzäunen, ein horn auf seiner stirne getragen Göthe 3, 90, 44
Weim.; sprichwörtlich: an den zähnen kennt man die pferde (
ihr alter) Wander 5, 484, 3;
mit bezug auf die bekannte sage des classischen alterthums: nicht hoffe, wer des drachen zähne sä't, erfreuliches zu ärnten Schiller
Wall. tod 1, 7.
dichterisch auch als bezeichnung andersartiger freszwerkzeuge von thieren: der raupen tückischer zahn wird stumpf an ihnen (
blättern) Göthe 4, 183
Weim. scherzhaft: die weisesten bauersfrauen, ... die sonst das gras wachsen hörten und die zähne im mückenrachen deutlich sehen und zählen konnten — an Mariens buhlschaft erlahmte ihre seh- und hörkraft Stelzhamer
dichtungen 2, 237, 14.
in freierem bilde: jetzo ('
xenien') nehmt euch in acht vor dem wackern eutinischen leuen (
Vosz), dasz er mit griechischem zahn euch nicht verwunde den fusz Göthe 5, 215
Weim. in älterer sprache werden bildlich einer person wohl zähne eines wolfs
beigelegt: er ist geborn, bî dem in lambes munde wahsent wolves zende
minnes. 2, 363
b Hagen; ir truogt den eiterwolves zan, dâ diu galle in der triuwe an iu bekleip sô niuwe Wolfram
Parz. 255, 14.
sprichwörtlich: es ist keyn man, er hat eins wolffs zan, hat er nit das maul vol Franck
sprichw. 1, 90
a. II@1@cc) zahn
in festerer verbindung mit bezeichnungen anderer theile des körpers. zähne
und mund
verbunden: artznei zu den zähnen und dem mund Sebiz 77; mit kaltem wasser ist nit gesundt zu wäschen deine zeen und mundt Scheit
Grob. 179
neudr. zunge
und zähne, zahn: trotz des kalten capaunen, welchen zunge und zähne zernagten Gutzkow
ges. w. 5, 176; und schosz durch's hinterhaupt ... den scharfen speer, der zung' und zahn zerschnitt Bürger 159, 91
Bohtz. bildlich: ich kan nicht zugleich mit den zähnen und mit der zungen spielen,
jouer des dens et de la langue en mesme temps Dhuez
guidon de la lang. frc. (1649) 249. zahn
und hand,
gnomisch: zwischen zahn und hand geht viel zu schand Simrock
sprichw. 570, 11964
a; wer keine hand hat, hilft sich mit den zähnen Hölderlin 2, 19, 14
Litzmann. rein bildlich: ich halt es offt mit den zähnen, wenn die hände versagen Göthe IV 55, 17
Weim. nd. mit erhaltung der älteren wortform reimhaft: in diem vivere, ex tempore vivere, et is al ut der hant in den tant Schiller-Lübben 4, 510
b; et gêt van hand oppen tand,
er lebt von der hand in den mund Woeste 267
b.
auch hd. mundartlich: der lebt us, von der hand in den zand, zahn Martin-Lienhart
els. wb. 2, 905
a.
ähnlich: mit zähnen und fäusten musz man den genusz der vergnügungen des lebens fest halten, welche uns unsre jahre eins nach dem andern mit starken klauen wegreiszen Bode
Montaigne 2, 194. zahn
und klaue: mit seinen klauen und eisernen zähnen möchte es (
ein thier) alles zerbrechen Raumer
gesch. d. Hohenst. 4, 32;
[] ein panther, der in Sur die pilgramer ansprengt, raubt nicht den mantel nur, er setzet zahn und klauen in fleisch und gliedern ein Lohenstein
Ibrah. sult. 39, 363; der adel unter thieren ist klau und zahn Voss 5 (1802), 266; wie tief beschämt uns dann des waldes thier, das schonungslos mit klau'n und zähnen den, der ihm die freiheit rauben will, zerfleischt Raupach
dram. w. ernster gattung 5, 30.
ähnlich: sein (
des löwen) anfall dräut mit nägeln und mit zähnen Pietsch 28.
biblisch auge um auge, zahn um zahn,
das gesetz der vergeltung bezeichnend: ir hört, das geseit ist: aug umb aug und zan umb zan. wann ich sag euch: nicht wider stet dem ubeln 1
deutsche bibel 1, 20, 29 (
Matth. 5, 38)
Kurrelmeyer; komt jr (
einer schwangeren) aber ein schaden daraus, so sol er (
der sie verletzt hat) lassen seele umb seele, auge umb auge, zan umb zan, hand umb hand, fus umb fus, brand umb brand, wund umb wunde, beule umb beule
2 Mose 21, 24; wer seinen nehesten verletzt, dem sol man thun, wie er gethan hat, schade umb schade, auge umb auge, zaan umb zaan
3 Mose 24, 20; ir habt gehört, das da gesagt ist, auge umb auge, zan umb zan. ich aber sage euch, das jr nicht widerstreben solt dem ubel
Matth. 5, 38; er (
Moses Freudenstein) wird es ihnen (
den christen) vergelten nach dem gesetz: auge um auge, zahn um zahn! Raabe
hungerpast. 1, 175;
dafür ahd.: ouga furi ouga inti zan furi zan
Tatian 31, 1;
so auch mnd.: ein oge vor ein ander, enen tant vor enen anderen tant Schiller-Lübben 4, 510
b.
ähnlich: wohlan denn, zahn um zahn und blut um blut! Geibel 2, 278. II@1@dd) zahn
mit adjectiven verbunden. II@1@d@aα)
als schön gelten weisze zähne: seine augen sind rötlicher denn wein, und seine zeene weiszer denn milch 1
Mos. 49, 12; schneeweysser zan,
niveus dens Maaler 512
a; schöne, weisze zähne,
dentes nivei Stieler 2595; ihre perlweiszen zähne schimmerten recht scharmant zwischen den rothen lippen hindurch Eichendorff 3 (1864), 32; (
italienische) burschen und kinder ... grinsten mich mit ihren blendendweiszen zähnen an Gaudy 2, 52; eine unaussprechliche freundlichkeit ... verbreitete sich über das gefurchte und doch noch nicht alte soldatengesicht und liesz schneeweisze zähne sehen Keller 4, 23; wobei er weisze, wundervolle zähne zeigte Fontane 1, 411; sô si sich rechte des versinnet, sô winde ir herze in rôtes mundes gruoʒ, mit wîʒʒen zenen harte wol bezinnet, unt tuo mir dâmite sorgen buoʒ
minnes. 1, 309
a Hagen; das kindlein lacht die blüthen an aus rothem mund mit weiszem zahn Tieck
schriften 4, 131; sie lacht so gesund, so glücklich, so toll, und mit so weiszen zähnen Heine 1, 248
Elster; weisze zähne, glänzend weisze, sich wie sternenlichter zeigen Mörike 1, 144.
dasselbe bezeichnen verbindungen gleich den folgenden: Dankmar hatte ... blendende, gesunde zähne Gutzkow
ritter v. geiste 1, 57; von snêwîʒem beine nâhe bî ein ander kleine, sus stuonden ir die liehten zene Wolfram
Parz. 130, 13. reine, saubere zähne: der salve wär gesund unnd machet die zän und das zanfleysche gar rein und sauber Arigo
Decam. 289, 4
Keller. gegensatz schwarze, gelbe zähne: als balde ... die hawtt dürre und weytt wirt, die zene schwartz, ... so wirt die fraw verschmecht Eyb
d. schr. 1, 17, 10; schwarze zähne,
dentes picei, luridi, atri Stieler 2595; gelbe, garstige zäne,
buxei, scabri, lividi ebenda; zeig ... die geele zeen auch jederman, so steht dirs lachen lüstig an Scheit
Grob. 297
neudr. im bilde: sezz hier nicht ein des lästers gelben zahn!
geharnschte Venus 73
neudr. [] auffällig: ob aber ... eine eingekerbte oberlefze, oder grünliche zähne daran schuld gewesen Nicolai
Nothanker 1, 156. II@1@d@bβ)
auch dasz zähne klein
sind, wird gerühmt: ir zene (
waren) klain und in glycher ordnung gesetzet
N. v. Wyle
transl. 23, 7; ich sah sie ... unbefangen und tüchtig dreinbeiszen mit ihren kleinen weiszen zähnen Keller 1, 240;
mhd. mit dem sinne des zierlichen: (
Flore hatte) gelîche zene cleine; von wîʒe lûhtens reine Fleck
Fl. 6841; ir zene wârn wîʒ, eben und kleine Wirnt
Wig. 917. grosze zähne: er (
der wilde eber) ist swarz und hât grôʒ hawend zend Megenberg 121, 12; grosze, blanke zähne weisend, die man ordentlich wässern sah, rief er seinem opfer zu Meyr 1 (1868), 121. lange zähne: das ander thier ... hatte in seinem maul unter seinen zeenen drey grosze lange zeene
Dan. 7, 5; die zene wâren (
enkeln Adams) lanc in dem munde
gen. 26, 14
Diemer. auf ein gefühl, das bei eszlust, aber auch bei widerwillen gegen speisen oder beim genusse saurer sachen eintreten kann, beziehen sich die folgenden wendungen. mit langen zähnen essen,
begierig Adelung,
aber auch: mit unlust Hupel 269, Wander 5, 492, 211. lange zähne haben,
nach essen von sauersüszem Martin - Lienhart
els. wb. 2, 905
a.
entsprechend: die zähne werden einem lang,
im bilde: so musz ich denn ... in den sauersten aller äpfel beiszen, obgleich mir von der idee schon die zähne lang werden, wie zaunpfähle! Holtei
erzähl. schr. 3, 17;
freier, von einem ungeduldigen: die wächter riefen zehn, und unserm jungen herrn begannen allgemach die zähne lang zu werden Wieland 21, 300 (
Clel. u. S. 6, 3);
auch nd.: de tęne werd ęm lang, wamme dat anhaeren maut Woeste 267
b. lange zähne bekommen,
lüstern werden Martin-Lienhart
els. wb. 2, 905
a, kriegen: man kriegt völlig lange zähn', wenn man da zuschaun muß Nestroy 1, 43; a kreït lang zähn,
sieht begierig zu beim essen Follmann
lothr. wb. 553
a; dà sall 'me lange tęne nà krîgen Woeste 267
b. einem lange zähne
oder die zähne lang machen: erstberürter Burgauer, der (
in seiner schrift über das podagra) beinah ider haken hat wöllen ein stil machen unnd allem zipperlin helfen und doch im abzug aim lang zän macht Fischart
podag. trostb. 13, 8
Hauffen; wer war aber anders schuldig dran, als mein schönes weib, die mich mit vorzeigung dieser schönheit gleichsam geludert (
gelockt) und ohne zweiffel mit ihrem ehebrecherischen discurs und eygenen würcklichen beginnen dem guten mägdgen auch lange zähn gemacht?
Simpl. 2, 544
Keller (
vogeln. 2, 6); er hat uns vergebens lange zähne gemacht Pestalozzi
Lienh. u. G. 2, 261;
auch heute in Elsasz-Lothringen wie: lüstern machen Martin - Lienhart 2, 905
a, Follmann 553
a;
messend: laszt euch nicht verdrieszen ..., dasz ich euch die zän so lang mache und mich jetzumal, da jr all die oren gespitzt, anderswohin beruffe
Garg. 1, 30
neudr.; warum macht er einem so lange zähne Pestalozzi
Lienh. u. G. 3, 139;
gesteigert, auf einen trunk bezogen: begert einen trunck, und aber derselbig trunck stehet für jhm, und wird jhm nit, macht jhm noch lenger zähn Paracelsus
opera (1616) 2, 476. gerade, schiefe, krumme zähne: ob tödtend auch durchs herz der speer ihm fuhr, doch kämpft noch furchtbar kräftig die natur, mit krummen zähnen sucht's (
ein wildschwein) den grund zu hauen Droste 2, 214.
scherzhaft: ihr lachtet über solchen thieren den allerletzten backzahn krumm Günther 165. II@1@d@gγ) spitze zähne: gerne hätte ers der katze schuld gegeben, wann diese nicht so gar spitze zähne gehabt hätte
polit. maulaffe 48; ich will den unterirdischen schaz aus den klauen des zauberdrachen reiszen, und wenn er tausend rothe flammen auf mich speyt und seine spizen zähne gegen meinen degen blekt Schiller
räuber sch. 4, 5. scharfe zähne: in dem mich aber daucht wie eyn
[] kolschwarcz grausam windspil ... mir mit seinen scharpfen zänen in meiner lincken seiten lag Arigo
Decam. 283, 18
Keller; umsonst, dasz du (
ein eber) ... zwey scharfe zähne fletschest Fr. Müller 1, 364; dar zuo sô kratzt er unde beiʒ mit grimmen und mit scharpfen zenen Konrad v. Würzburg
Troj. 9801; du wirst jhr gift und scharfe zähn in deinem sinn verlachen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 403
b.
gnomisch: der mensch, sagt Plinius, wird nicht geboren mit scharfen zähnen Neumark
palmb. 146. stumpfe zähne: die alten hunde, wenn sie ausgedient und sich mit jagen abgearbeitet haben, also dasz sie mit ihren stumpfen zähnen die hasen nicht mehr halten können
volksb. 5, 13 (
schildbürger)
Simrock. in bildern: es wird die sache (
der krieg) ernst gnug mit sich bringen, das den zornigen, trotzigen, stoltzen eisenfresser die zeen so stumpff sollen werden, das sie nicht wol frische butter beiszen konnen Luther 19, 648, 11
Weim.; der nürnbergische katechismus ist eine harte speise. die jugend kaut daran und mummelt sich die noch nicht festen zähne stumpf Nicolai
reise 1, 302; der krittler freche, wenn auch stumpfe zähne Platen 1, 65
Redlich. in bezug auf mangelndes behagen beim essen: bei frohen gästen brütet er (
der schuldige) unmuthvoll, versenkt in tiefes, trauriges, eignes weh. wie der verdammten schatten einer kostet er alles mit stumpfem zahne Herder 27, 31, 20.
ein gefühl nach dem genusse saurer sachen bezeichnend, im bilde: zur selbigen zeit, wird man nicht mehr sagen, die veter haben heerlinge gessen, und der kinder zeene sind stumpff worden, sondern ein jglicher wird um seiner missethat willen sterben, und welcher mensch heerlinge isset, dem sollen seine zeene stumpff werden
Jerem. 31, 29
u. 30.
vgl. lange zähne
oben unter β.
in gleichem sinne eilige zähne (
zu eilen,
dolere): eilige,
sive stumfe zäne,
dentes stupidi Stieler 2595.
scherzhaft in der Niederlausitz: einem eilige zähne machen,
ihn zur eile antreiben Wander 5, 490, 140.
ebenso schlehe
und nur in älterer sprache verhönete (
zu verhöhnen
im sinne von schlecht, stumpf machen) zähne: burtzelkraut gekäuwet oder gessen heile die verhönete oder stumpffe zähn, so von herbem oder rauhem obst und dergleichen, schlehe oder stumpff worden sind Tabernaemont. (1664) 831 C.
im bilde: die dortigen theologen meinen wohl, wenn sie die sache nicht möglichst vertuschten, muthe man ihnen auch am ende zu, dasz sie statt zu essen, sich mit ein paar johannisbeeren nur die zähne schleh machten Görres
ges. br. 3, 480. II@1@d@dδ) einem die zähne wässerig machen,
wie den mund wässerig machen,
ihn lüstern machen: du hast mir nur die zähne wässerig gemacht mit deinem gelde
diskursz etzlicher personen A 2
b; aber ich wuste wol, dasz die (
prächtigen) kleider ... ihm nur angethan waren mir die zähne wässerig zu machen
Simpl. 1, 5
cap. 21. II@1@d@eε) vergiftete zähne
der schlangen, im bilde: wie hat das falsche volk sich wider mich gesetzt und den vergiften zahn im grimm' auf mich gewetzt G. Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) 2, 3;
ähnlich: wo lauernder schlangen giftspeiender zahn zerrissen, was edel und grosz
mod. dichterchar. 104.
freier: wenn der zahn des ebers ... etwa giftig genannt wird, so ist diesz wohl uneigentlich für tödlich gebraucht Welcker
alte denkm. 2, 317. tötliche zähne: sie (
schlangen) umringeln seine füsze, ihre züngelnden zungen deuten auf tödtliche zähne Göthe IV 38, 229
Weim. II@1@d@zζ) starke zähne: betrachten sie mein zottiges fell, meine starken zähne, meine tüchtigen knochen Bauernfeld 6, 7 (
republ. d. thiere 3).
bildlich: die fürsten haben stärkere zähne als der adel Alexis
Roland v. Berlin 1, 49. schwache zähne: wie bald ist es geschehn, dasz wir den schwachen geist durch schwache zähne sehn verhauchen in die luft ...? Fleming 1, 79
Lappenberg. [] II@1@d@hη) schöne zähne Stieler 2595 (
s. oben α): wie? fehlt es ihr bereits an schönen zähnen? Lessing 1, 16, 59
Lachmann-Muncker. gute zähne: guot und steyff zän,
solidi dentes Maaler 511
b; er hat gute zähne,
egregie dentatus est Stieler 2596; (
suppe) erhält gute zähne Hafner
lustsp. 2, 180.
sprichwörtlich: nachmals ... vor Landresi und andern orten zu feldt gelegen, manchs mal mit guten und starcken zenen (wie das sprichwort laut) böszlich geessen, ubel getruncken, hart gelegen Forster
teutsche liedlein 112
neudr.; nachdem wir mit müdem leib und füszen zu unsrer wohnung kamen, aszen wir mit guten zähnen übel
Simpl. (1669) 31
neudr.; gute zähne haben und nichts zu essen ist verdorben werk Simrock
sprichw. 570, 11962; er hat mit guten zähnen übel zu beiszen 11966
b. einen guten zahn haben,
bildlich: wenn er (
Jean Paul) verhöhnte, hatte er einen guten zahn Börne (1829/34) 4, 54. gesunde zähne,
sprichwörtlich: es ist nit gut, ich kanns ermessen, mit gesunden zeenen ubel essen Fischart
Eulensp. 49, 555
Hauffen; gesunder zahn kaut brot zu marzipan Simrock
sprichw. 570, 11964. schlechte, schadhafte zähne: wie einer, dem ein ungeschickter zahnarzt einen schadhaften, festsitzenden zahn gefaszt und vergebens daran geruckt hat Göthe 21, 93, 9
Weim. faule zäne,
dentes putridi, marcidi Stieler 2595, faule zähne,
dentes cariosi, putridi Frisch 2, 463
c,
veraltet: das kraut mit essig gesotten, ist eine feine collution oder schwenckung der faulen unsaubern zän Bock
kräuterb. 15;
als schelte: ir müeʒent iuwer fûlen zene verstôʒen anders denne ûf ime Konrad v. Würzburg
Troj. 33007.
im vergleich: die hoffnung des verachters zur zeit der not, ist wie ein fauler zan und gleitender fus
sprüche Sal. 25, 19. böse zähne: die bösz zän oder ein bösz bissz hat,
maledentata puella Maaler 511
b; kein bessers remedium ist wider den zahnwehe, als dasz man den bösen zahn lasse auszziehen Albertinus
zeitkürzer 7
b; hor, lieber, ich hab do gar ein posen zan, kust du mir nit ein rat darzu geben?
fastnsp. 89, 31
Keller; ach weltlich freudt, ein böser zahn, feind, fewr und dieb so schwechen kan, das man nicht weis, wo man sich wol für groszem trübnis lassen sol Ringwalt
christl. warnung E 4
a; sprichwörtlich: ein böser zahn ist ein böser gast Henisch 462, 18; ein böser zan ein böser gast H. Sachs 5, 274, 32
Keller. kranke zähne. hohle zähne: hole zäne,
dentes cavi, cariosi, erosi, cavernae dentium Stieler 2595; bley in einen hohlen zahn stecken,
plumbum in cavum dentis addere Steinbach 2, 1069; überredeten sie sich einen alt hohlen zahn ausziehen zu lassen Göthe III 1, 58
Weim. im vergleich: die ehrlichkeit wackelt wie ein holer zahn Schiller
räuber schr. 2, 3.
in redensarten zur bezeichnung einer geringen menge: sie hat fast nicht mehr so viel, dasz sie es könnte in einem hohlen zahn verbergen
ollapatr. 188, 2
Werner; das ist so klein, dasz es in einen hohlen zahn kriecht Spiess 286; es gieng in einen hohlen zahn Schmid 542; das ist man auf den hohlen zahn Wander 5, 488, 107 (
vgl.: dat es men op ênen tân Woeste 267
b); 's ist grad fur in e hohlen zahn Martin-Lienhart 2, 905
a; däs isch nid fur ine hohle zant stegge Follmann 553
a. II@1@d@thθ) lose zähne: sie geen gern mit linder speisz umb, dann sie fast alt, ain alts evangelium und alte lose zän haben Nas
antipap. eins u. hundert 1, 55
a.
in gleichem sinne wackelnde, wacklige zähne: den wackelnden zähnen helfen,
mobiles dentes stabilire Stieler 2595; wacklichte zähne fest machen,
mobiles dentes firmare Steinbach 2, 1069; kam aber mit einer ... beule und einem wacklichen zahn davon Arndt 1, 193
Rösch-Meisner. gegensatz: seine zähne wurden wieder fest, und er bekam gleichsam ganz neues zahnfleisch Forster (1843) 1, 104.
[] II@1@d@iι)
unterschieden werden an jedem gebisz die oberen, die unteren, die vorderen, die hinteren zähne;
vgl.: die vorderisten zän,
aversi dentes Maaler 511
b und zusammensetzungen wie vorderzähne, oberzähne,
neben denen andere wie schneidezähne, eckzähne, augenzähne, backenzähne
stellung und art der einzelnen zähne im normalen gebisz bezeichnen. die ersten zähne
der kinder heiszen auch milchzähne.
eigenartig der linke zahn
in der frühnhd. wendung über den linken zahn ansehen,
von der linken, bösen seite, scheel: das hat er über den linken zan wie ein wolf gesehen an Murner
v. luth. n. 3352
Kurz; vgl. auch: über den linken zahn lachen
unter g, κ. die letzten zähne (Schnabel
Felsenb. 23, 36
Ullrich sieh e, α)
sind die weisheitszähne. II@1@d@kκ) künstliche zähne. gemachte, falsche zähne: es seye nemlich einsmals ein ungestaltes, kleines und bucklichtes mägdlein gewesen, welches mit hohen schuhen, falschen haaren, gemachten zähnen, und ausgefüllten kleidern ihre person ... verstellet hatte Hohberg 3 (1715), 77
b; wenn er (
Bacchus) — — seine hörner ablege, wie ohngefähr eine alte jungfer ihre falschen zähne und brüste Herder 3, 64. II@1@d@lλ)
den zähnen
werden auch mit dichterischer übertragung durch adjective eigenschaften beigelegt, die in wahrheit dem träger der zähne zukommen. gierige zähne: dasz er (
ein zauberer) ... demselbigen todten einen arszbacken auszgehauen, und ... mit lust und gierigen zähnen ... in das fleisch gebissen Prätorius
Blockes - berges verrichtung (1668) 246; und ich entrisz beherzt des frevlers gier'gen zähnen den ... raub J. A. Cramer
ged. 3, 357.
in solchen fällen erscheint oft, wie auch sonst gelegentlich, der sing. statt des plur. ekler zahn: die stadtmaus bisz mit eckelm zahn die schlechte kost verächtlich an Drollinger 145;
im bilde: dahingegen eine kältere nachkommenschaft mit eklem zahn an den werken ihrer meister und lehrer herumkostet Göthe 46, 65, 17
Weim. stolzer zahn,
im bilde: wir kosteten nur mit stolzem zahn von der halle tanz, und schliefen, zu der nacht den tag, gesunden schlaf Klopstock
od. 1, 219, 103
Muncker-Pawel. leckrer zahn,
im bilde, gesteigert: auch die Schlegeliana und Tieckiana habe mit vergnügen verspeist, meine hausehre jedoch mit fast noch leckererm zahn
F. Arndt
bei E.
M. Arndt
schriften f. u. an s. l. Deutschen 1, 106;
vgl.leckerzahn. frecher zahn,
bei thieren, frei: vergebens schreiben wir, in bänden, aufgestellt; der motten zahlreich heer zernagt mit frechem zahn den bestvergüldten schnitt, den schönsten saffian Hagedorn 3 (1769) 160;
vgl. auch: der raupen tückischer zahn Göthe 4, 183
Weim. unter b. II@1@ee)
verbale fügungen, in denen zahn subject ist. II@1@e@aα) die zähne wachsen, kommen, schieszen hervor, brechen durch: die zän wachsend widerumb, oder schiessend wider härfür,
recrescunt dentes Maaler 511
b; (
jungfer) der die dentes sapientiae, oder deutsch zu sagen, die letzten zähne nur allererst schon vor 12. bisz 16. jahren gewachsen waren Schnabel
Felsenb. 23, 36
Ullrich; dasz du ungeduldig auf die zähne bist, die sich melden lassen und nicht kommen wollen Hippel
lebensl. 1, 8;
im vergleich: als noch alles in Versailles in der schwebe stand, ... brachen die zeichen der zeit wie zähne in einem jungen kopfe durch Dahlmann
frz. rev. 75;
bildlich in der landschaftlichen redensart: sich keinen zahn wachsen lassen auf etwas,
nicht lüstern werden darauf. vgl. unten f, π. II@1@e@bβ) die zähne fassen, beiszen, zerbeiszen, zermahlen etwas: die zän zerbeyssend oder zermalend die speysz,
dentes conficiunt cibum Maaler 511
b; was nur der zahn fassen konnte, ward gegessen Dahlmann
Dänem. 2, 114, 19;
im bilde: und wil noch kein zan erfur, der die wort Christi beisze Luther 26, 437
Weim.; sprichwörtlich: der zan beiszet die zunge nicht, es fhulets der gantze leib 33, 233, 18
Weim.; der zahn beiszt oft die zunge, und doch bleiben sie gute nachbarn Simrock 570, 11963.
[] II@1@e@gγ) die zähne wässern einem nach etwas,
wenn man es gern essen möchte, vom thier in der fabel: als der wolff in dem wald herumer mausete, ersahe er ... eine schöne, feiste kuhe, sammt dem kalbel, es wässerten ihm schon die zähne darnach
Ollapatr. 293, 26
Werner; sprichwörtlich: die zähne wässern ihm nach holzäpfeln,
nach nicht begehrenswerthem Wander 5, 489, 129;
auch freier: dieser mensch hoffete gar gewisz ein stattliches lob, nach dem ihm schon die zähne gewässert Abraham a S. Clara
etwas für alle 2, 142;
singularisch: nicht nach essen, ... nein, nach dir, nach dir, o lieber, wässert täglich mir der zahn Blumauer
ged. (1782) 165.
ohne zusatz: zähne, die man wässern sah Meyr 1 (1868) 121 (
s. oben d, β). II@1@e@dδ) die zähne stumpfen,
ein gefühl nach dem essen von saurem bezeichnend, sprichwörtlich: wer den andern saures essen sieht, dem stumpfen die zähne Simrock 570, 11965;
vgl.stumpfe zähne bekommen
unter d, γ. II@1@e@eε) die zähne klappen, klappern
vor kälte, angst, schmerz: das jhm vor kelte die zeen im munde klapperten Krüger
Clawert 34
neudr.; da er dermal eins tantzen und hüpffen wird, dasz ihme die zähn klappern Prätorius
Katzen - Veit G 3 v; der advokat zitterte, dasz ihm die zähne klapperten Schiller
räuber sch. 2, 3; 'wahr, wahr!' entgegnete herr Kurzmichel mit klappernden zähnen Ebner-Eschenbach 4, 25; da wirt sein heulen und klappn der zen H. Sachs 1, 278, 11
Keller; die zän jhm (
einem zaghaften) klapperen darneben Spreng
Ilias 173
b; höre doch, kind, wie der athem mir bebt, wie die zähne mir klappern! Voss 2 (1802) 137; sie frieren, dasz ihnen die zähne klappern Göthe 3, 299
Weim.; dem todesangst die zähne klappern machte Bauernfeld 5, 39.
daneben in älterer sprache die zähne schlottern: er hat mir alle zeen zeschlottern gemachet Boltz
Terenz deutsch (1539) 90
b.
auch die zähne schlagen an einander, zusammen: meine zähne schlagen an einander Göthe IV 1, 139, 7
Weim. (
nachher: ich schreibe warlich im fieber); mich schauerte es vom wirbel bis zur zehe, meine zähne schlugen zusammen Keller 1, 115; die zähne schlagen mir, die knie mir zusammen, mir läuft ein kalter schweisz! Göthe 16, 25, 358
Weim.; die zähne knirschen,
vor schmerz, vereinzelt (
vgl. f, γ und g, β): da werden allererst den larven die ohren kreyssen und die tzeen knyrssen Luther 10
2, 147, 28
Weim.; meine zähne knirschen! Gerstenberg
Ugol. 261, 22
Hamel. ähnlich in älterer sprache die zähne kirren: schertze nicht mit jm (
deinem kinde), auff das du nicht mit jm hernach trawren müssest, und deine zeene zu letzt kirren müssen
Sirach 30, 10; es scheumet der mund, die zähne kirreten, der leib hub an zu zitteren Paracelsus
chir. schr. 540
a. II@1@e@zζ) die zähne schmerzen, thun wehe Adelung: ich kan nicht draussen bleiben, mir thuon meine zän so weh Schumann
nachtb. 14
Bolte; zend und munt mir tâten wê Ulrich v. Lichtenstein 28, 1;
sprichwörtlich: wo einem der zahn weh thut, da schlägt man mit der zungen an Filidor
Ernelinde 44; es thut ihm kein zahn wehe,
er fühlt sich ganz wohl Spiess 286;
aber es tuht ihm kein zahn mehr wehe,
ex his miseriis ereptus sine cruciatu et tormentis conquiescit Stieler 2, 595,
mortuus est, im scherz Frisch 2, 463
c, Spiess 286,
oder ihm thun die zähne nicht mehr weh,
entsprechend auch nd. Dähnert 482
a: dem landschreiber, der die gült ausgefertigt hat, thun die zähne auch nicht mehr weh! Keller 2, 102.
frühnhd. in gleichem sinne die zäne schweren (
mhd. swern
oder swæren): und das eim kein zan nimmer schwert, da warn sie (
henker) uberaus gelert Alberus
fab. 194 (
nr. 44), 99
neudr. [] II@1@e@hη) die zäne wackeln,
dentes labant, vacillant Stieler 2595,
in älterer sprache waggen,
mhd. wagen: er (
ein stein) vestent die wagenden zend Megenberg 447, 17; zan der steyff stadt und nit wagget,
dens haerens Maaler 512
a.
in gleichem sinne: die zähne stehen losz Treuer 1, 75. II@1@e@thθ) die zän fallend ausz,
defluunt dentes Maaler 511
b, die zäne fallen aus,
dentes decidunt, defluunt, excidunt Stieler 2595:
dentes igitur sunt molentes cibum, os enim est mola. es malt sich ubel, wo die zeen ausgefallen sind Luther 20, 194, 30
Weim.; sie geben vor, wann es einem traumet, als fallen ihm die zähn ausz, seye es ein unfehlbares anzaigen, dasz jemand ausz der freundschafft sterben werde Abraham a S. Clara
Judas 1, 3; dasz man, während es zur kirche läutet, nichts essen soll, damit die zähne nicht ausfallen Knigge
roman meines lebens 3, 205, 17;
scherzhaft: sie ist mir liep auf einem zan; fellt er mir ausz, sie musz dervon
fastnsp. 632, 12
Keller; dichterisch mit sing. statt mit plur.: so fällt mir fast der zahn von stillem lachen aus Günther 451. zähne brechen ab: der zan bricht under der zangen ab,
confringitur dens sub forfice Maaler 512
a. II@1@e@iι)
bei einigen verben kann zahn
als subj. oder obj. stehen, z. b. bei blecken.
participialverbindungen solcher verben gleich der folgenden: wann er gleich leut siehet, welche seine närrische geberden, seine bleckende zähn, sein krummes maul ... belachen!
Simpl. 4, 511, 8
Keller begünstigen die entwicklung syntaktisch gleicher fügungen mit verben, die eigentlich nur transitiv gebraucht werden können: und als in das schwein ersahe, lieffe es den nechsten auff in mit schumendem mund und wetzenden zänen und wolt ihne zuo der erden werffen Montanus 23
Bolte; wie würde Ruggieri ... sich freuen, wenn er mit fletschendem zahne auch noch diesen wissentlichen mord ... mir vorzuwerfen hätte! Gerstenberg
Ugol. 269, 7
Hamel. fletschen
begegnet allerdings auch sonst vereinzelt intransitiv, s. dies 1,
oben theil 3, 1770. II@1@ff)
verbale fügungen, in denen zahn
object ist. II@1@f@aα) zähne bekommen,
dentire Frisch 2, 463
c, Adelung: er (
ein knabe) bekommt zähne ohne geräusche Schubart
briefe 1, 54
Strausz. zähne kriegen,
redensart: 't ass fir zänn ze kreien,
das ist zu dumm luxemb. wb. (1906) 496
b.
dafür auch zähne bringen,
in älterer sprache: das zahnwehe geschicht, wann die kleine kinder zähne bringen (dentiunt) Comenius
janua (1644) 84; das kind bringt zähne,
puer dentes emittit Steinbach 2, 1069.
ebenso zäne becken,
dentire Stieler 2595.
landschaftlich in gleichem sinne: das kind macht zähne Hupel 269,
luxemb. wb. (1906) 496
b, zähnlen Martin-Lienhart 2, 905
a. II@1@f@bβ) zähne haben: schon alle zähne haben Campe; und wenn ich keinen zahn mehr hätte um mein hartes kommisbrot zu kauen Kotzebue
dram. sp. 3, 293;
zu einem, dem die witze nicht gelingen, sagt man im Elsasz: wart, bis er alli zähn het! Martin-Lienhart 2, 905
a. zähne im maul haben,
bildlich: ich bin ein prediger, der da sol zeene jm maul haben, beiszen und saltzen und jnen die warheit sagen Luther 32, 402, 9
Weim.; gleichwol fielen sie in das land zu Rügen ... und wolten damit bezeigen, das sie auch zähne im maul hetten, und widerstand zuthun macht hetten Micrælius 3, 486. II@1@f@gγ) die zän auff einanderen beiszen,
dentes comprimere Maaler 511
b, auf einander,
vor wuth, bei anspannung der kräfte: wegen erzehlung dieser ... histori wurden die Calvinisten so verbittert, dasz sie die zähn auf einander bissen und den catholischen zu spott das Ave Maria zu singen anfiengen
Simpl. 2, 358, 27
Keller; ich beisze die zähne auf einander und spotte über mein elend Göthe 19, 60
Weim; (
Hercules) die zän hart auff einander bisz, der zoren sein gemüth zerrisz Spreng
Aeneis 157
a.
vgl.: upp de tiäne bieten (
vor anstrengung) Bauer-Collitz 249
b, 25, sech op d' zänn beiszen,
sich zurückhalten, um nicht ausplatzen zu müssen luxemb. wb. (1906) 496
b.
[] die zähne über einander beiszen: Humbrecht (beiszt die zähne übereinander) Wagner
theaterstücke 112. zusammen: tag und nacht sollen sie die zeene zusamen beiszen, ratschlagen, sich plagen und martern mit ihren gedancken und gedencken, wie sie mich umbbringen Luther 33, 411, 17
Weim.; als der fusz zu grosz war, da bisz sie die zähne zusammen und schnitt ein grosz stück von den zehen ab
kinder- und hausmärchen 1, 100; er hat keinen tropfen blut im gesicht, beiszt die zähne zusammen Ebner-Eschenbach 4, 196; halt sich und beisz die zen zusammen Murner
Badenf. H 3
a; auch leget seine waffen an Achilles mitten auff dem plan, die zän er grimm zusamen bisz und beede augen stark aufrisz Spreng
Ilias 274
b; ein jeder sey bedacht, wie er das lob erwerbe, datz er in mannlicher postur und stellung sterbe, an seinem orth besteh fest mit den füszen sein, und beisz die zähn zusamm und beide lefftzen ein Zinkgref
auserles. ged. 65, 136
neudr.; die zähne zusammenbeiszen über einen, über etwas,
ergrimmt sein: der gottlose drewet dem gerechten, und beiszet seine zeene zusamen uber jn
ps. 37, 12; Caldus Cälius bisz hierüber die zähne zusammen Lohenstein
Armin. 1, 7
a; ob der gotlosz zusamen beiszt sein zeen ubr den gerechten Waldis
psalter 6, 1
b. die zähne beiszen: starr stehet er und beiszt die zähne und knirschet Fr. Müller 1, 108. die zähne auf einander pressen, zusammenschlieszen: da preszte er die zähne seines mundes auf einander und dachte, er hasse dieses weib recht inbrünstiglich Stifter 1, 28; ich habe die zähne meines mundes zusammengeschlossen, wie eisen, und kein wort durch sie herausgelassen 2, 75. die zähne zusammenschlagen: du kannst nichts thun, als deine zähne zusammenschlagen, und deine wut an trocknem brode auslassen Schiller
räuber sch. 2, 1. die zähne knirschen: bald trat er (
ein nebenbuhler) zurück, bald lehnte er sich über den stuhl und sagte ihr was, ich knirschte die zähne und sah zu Göthe IV 1, 138, 7
Weim.; nicht so bitter die zähne geknirscht Schiller
kab. 3, 4; auf einen,
ergrimmt sein auf ihn, in älterer sprache: es ist gewies, dàs der verkẹrt alzeit aln ụberdruos dem g'rechten stift uont machet, knirst auch di zæn' auf yn fụr grimmem neid Schede
ps. 137 (
nr. 37), 12
neudr. II@1@f@dδ) die zähne weisen, zeigen: die hunde fuchsschwäntzen ihren herren, aber zu rechter maasz und gebühr: dan auch, wan jhr herr jhnen zu scharff, oder etwas wider billige gewohnheit thun will; so zeigen sie ihm die zähne an statt desz wadels Moscherosch
Phil. 2 (1650), 99; die kleidung des menschen, das gelächter, und das weisen seiner zähne, auch sein gang zeigen an, was in ihm sey Lavater
physiognom. fragm. 1, 24; er (
ein junger löwe) eilet auf die jagd, wo er was finden kan, ... dehnt seine nerven aus, weiszt seine junge zähne König
ged. 3;
vgl.: denn es ist gewohnheit, dasz kein possen kan vorgebracht werden, die gantze compagnie musz aufweisen, wie viel sie zähne zusammen hat (
laut lachen, dasz man die zähne sieht) Weise
kl. leute 315.
von der art der hunde aus (
vgl. Moscherosch
Phil. 2, 99
oben)
auch bildlich wie: zornig werden, und besonders: sich zu kraftvollem widerstand aufraffen oder entschlossen zeigen: da aber, nachdem die Hessische einen vortheilhafften stand im felde ergriffen, ihm die zähne dergestalt gewiesen worden: das er über hals über kopff wieder zurücke ... gewichen Chemnitz 2, 805; die architekten Wolzogen und Goethe weisen einander die zähne, weil Goethe zum bau des comödienhauses dem armen Wolzogen das holz zum schloszbau weggefahren hat Böttiger im
Göthejahrbuch 2, 375; diesen menschen musz man nur die zähne weisen, und sie werden zahm Gutzkow
ritter v. g. 3, 191; die meisten sagten: den liberalen westmächten zeigt man die zähne, vor dem weiszen czaren kriecht man im staube Treitschke
deutsche gesch. 4, 287; dann
[] wird es gelten, dem teufel die zähne zu weisen Keller 6, 287; du weisest bei gelegenheit die zähne und hast doch ein gutes herz Stifter
sämtl. werke 3, 372; hallunke! dir weis' ich noch einmal, wenn wir allein sind, die zähne H. v. Kleist 1, 375
Schmidt. mit dem sing. des subst.: der kleine, hartnäckige philosoph aber zeigte auch hier wieder seinen zahn Göthe 47, 199, 8
Weim.; wer ihn persönlich griffe an, dem wiese er keck die faust und den zahn Kortum 2, 44. II@1@f@eε) die zähne blecken,
grincer les dents Rädlein 1, 1081,
von Adelung
als landschaftlich bezeichnet, heute veraltend, auch blicken (
eigentlich intrans.) Duez
nomencl. (1652) 103, blöcken, entblecken: als sie sahen Esopum so ser lachen und in dem lachen die zend also enplecken Stainhöwel
Äsopus 44
Österley; im lachen die zähn bleken, als ein rosz, das an einem roszseich schmeckt, das würfft das maul hoch auf Keisersberg
bei Frisch 2, 463
c; alle deine feinde sperren jr maul auff wider dich, pfeiffen dich an, blecken die zeene
klagel. Jer. 2, 16; man sehe, das ein hund, der die zähne blecket, ... ehe mit unzerrissenem felle davon komme, als ein ander, der den schwantz zwischen die beine ziehet Chemnitz 2, 9; den affen ..., welche nie grimmiger werden, als wenn man ihnen spottend nachahmet und die zähne blöckt Rabener 2, 248; der gezähmte löwe ist gehorsamer als das schwache schooszhündchen, das doch bisweilen die zähne blöckt Bauernfeld 2, 213; vor zorn empleckt ich mine zän Manuel
weinspiel 940
neudr.; etlich melden den tag mit schall, in masz recht wie die nachtigall, gehn den die wölff ir zeen thun blecken H. Sachs 6, 370, 29
Keller; pleckt nit die zeen ein jeder hundt Scheit
Grob. 300
neudr.; ein weib soll schweigen still und nicht die zäne blecken Moscherosch
Phil. 2, 345; (
der tod) der die zähne bleckt, mit seiner sense droht Kästner
verm. schr. 2, 269; wenn uns die katze auch nicht beiszt, maulleckend nur die zähne bleckt Brentano 5, 40;
rein bildlich: die zehen (
jünger) bleckten die zen gegen Jacobum und Johannem Keisersberg
ev. (1517) 50
a; dasz von der bücherschreiberzunft ihn keine neider kunftig necken, wird er darauf die zähne blecken und krallen ihr entgegenstrecken J. A. Ebert 32.
mit dat. der person: ein halb dutzend hungrige hofhunde blekten uns die zähne Brentano
Godwi 1, 32. II@1@f@zζ) die zäne fletschen,
albis dentibus ridere Stieler 501,
aber auch vor wuth, gier u. dgl.: (
zu Mephisto:) fletsche deine gefräszigen zähne mir nicht so entgegen! Göthe 14, 226, 43
Weim.; dies thierchen ... fletscht mir die zähne Bettine
frühlingskranz 368; die zähne fletschend ging er (
ein mann) auf Michel los ... und suchte ihn niederzureiszen Meyr 1 (1868), 332; im düstern auge keine thräne, sie sitzen am webstuhl und fletschen die zähne Heine 2, 177
Elster; bildlich: unverzeihlich heiszt bey ihnen (
gewissen recensenten) alles, worüber sie sich nicht enthalten können die zähne zu fletschen Lessing 10, 233
Lachmann-Muncker. II@1@f@hη) die zähne wetzen,
schärfen, in sinnlicher anwendung vom aufeinanderreiben der zähne oder dem wetzen ähnlichen bewegungen mit den zähnen an andern gegenständen, wie sie gewissen thieren eigen sind, in wuth oder gier: die zän auff ein anderen wetzen unnd verschleyszen,
fatigare dentem in dente Maaler 511
b; daʒ du (
ein mensch) dein zen so weczest vergeben umb deinen bart
gesammtabent. 1, 489; ein junger per, gar frech und küen, der hort ein jeger horen plasen. darfon würt er entrüest der masen, er schnawffet und wezet sein zen H. Sachs
fabeln und schwänke 1, 110, 7
Götze; [] das ist der wölfe heulende brut, die hungrig die zähne wetzt Strachwitz
ged. (1850) 246; mit einer speise: schmackt es (
das essen) dir wol, und ist fein safftig, ... so darff ich dir kein regel setzen, wie du die zeen damit solt wetzen Scheit
Grob. 769
neudr. bildlich: ein alt betagter prädikant sich auf ein zeit mit seim verstand wider die bibel hat gesetzt und an der schrift die zähn gewetzt Opel-Cohn
30 jähr. kr. 8; soll ich zagen in den nöthen, wenn ein unfall mich zu tödten grimmig seine zähne wetzt
Königsb. 82
neudr.; die feinde werden es mit vielem grame sehn, jedoch umsonst die zähne wetzen B. Neukirch
ged. 96;
mit sing. statt des plur.: obgleich hie und da verläumder oder neider aufstehn und ihren zahn gegen mich wetzen Miller
briefw. 1, 111; ob du (
der tod) auch deinen zahn auf ostern und michaelis gewezt hast? Schiller 1, 201; es ist für die menge erfunden und geschrieben, die sich, ohne den kritischen zahn zu wetzen, an allem erfreut, was der einbildungskraft anmuthig geboten wird Göthe 41, 181, 26
Weim. II@1@f@thθ) die zähne spitzen,
lüstern sein: auf mich (
ein zicklein) darfest (
ein wolf) dein zän nicht spitzen Waldis
Es. 1, 24, 30. II@1@f@iι) die zähne (ab)stumpfen,
mit persönlichem subject und reflexivem dativ, im bilde: diese prediger stumpften sich (
in ihren predigten) die zähne an den schalen ab, indessen ich den kern genosz Göthe 22, 319, 21
Weim. mit unpersönlichem subject, in bezug auf das gefühl des stumpfseins der zähne (
vgl. oben e, δ): ich hör' 'nen ehrnen leuchter lieber drehn, oder ein trocknes rad die achse kratzen, das würde mir die zähne so nicht stumpfen, so sehr nicht, als gezierte poesie L. Schücking
bei Droste
briefe 25
Schücking. II@1@f@kκ) seine zähne an etwas versuchen, probieren,
gern bildlich: wieder den gifftigen bisz der affterreder ...: welche, ihre scharffe zähne daran (
einer schrift) zuwetzen und zuversuchen, sich zweiffels ohn gelüsten lassen werden Chemnitz 1, 5; will euch'n räthsel aufgeben, daran ihr (
eine alte frau) zum aufbeiszen eure drey zähne probiren könnt Fr. Müller 1, 286; wir scheuten es doch nicht, unsere zähne an diesen räthseln (
Faust II) zu versuchen Gervinus
d. dichtg. 5, 656. II@1@f@lλ) die zähne an etwas setzen,
zum beiszen. im bilde: dasz das unglück keinen zahn an mich setzen könnte Bode
Montaigne 5, 417.
ähnlich: mit jedem groschen (
den meine frau ausgibt) setzt mir der wurm einen zahn in den magen Ludwig 2, 415. die zähne (
beiszend) in etwas vergraben, senken,
im bilde: ach du zu viel unmilter todt, wie hast du dich nicht geschemet, deine scharpffe zän zu sencken in ein so edeln leib?
buch d. liebe 117
d.
hennebergisch die zähne hoch heben,
nicht gern anbeiszen, wählerisch im essen sein Spiess 286,
in Sachsen die zähne heben. II@1@f@mμ) die zähne reinigen, säubern, putzen
u. ähnl.: die zän wäschen,
colluere dentes Maaler 511
b; den zan allenthalben seüberen und reinigen,
circumpurgare dentem 512
a; die zähne ausbutzen,
se nettoyer les dents Rädlein 1, 1081; (
der wolf) säubert nur von haaren die zähne Fr. Müller 1, 361;
lothr. sich die zehn nid abzebutze bruche,
wenig oder nichts zu essen bekommen Follmann 553
a.
vgl. dazu die scherzhafte wendung: (
ich) kan mein zen mit wein begieszen
fastnsp. 851, 2
Keller. II@1@f@nν) zäne stochern,
dentiscalpio, penna vel acicula dentes levare Stieler 2595: da ging mein herr herum und stochert sich die zähne Göthe 2, 188, 30
Weim., ausstochern: sich die zähne auszustochern Mörike 1 (1905), 223
Göschen, im älteren nhd. stichern: wo ihr alter sasze,
[] den kopff mit einer hand auf den elenbogen untersteuerte und mit der andern die zähn sticherte
Simpl. 2, 363, 10
Keller, auch ausgrübeln: dasz keiner nicht die zän ausgribel
Garg. 2
neudr.; mhd. stürn: ritewanzen, jucken, zende stürn (
untugenden) Konrad v. Haslau 270.
vgl.zahnstörer
unten. II@1@f@xξ) die zähne wechseln,
neue zähne bekommen Adelung zähne verlieren: und ob ich mich denn vast darumb swend und verleus die weil all meine zend, wer legt mir denn ab den schaden mein? Vintler 2117.
vgl. das sprichwort: zähne und erbe verlassen thut wehe Simrock 570, 11966
a. II@1@f@oο) sich an, über etwas zähne ausbeiszen, zerbeiszen: es soll in dieser zeit öpffel und biren den bauern ungeschält zuo essen erlaubet sein. o Jockel, beisz kein zan ausz daran Fischart
praktik 6
neudr.; an die pferscher (
pfirsiche) wirst dir kani zähnd ausbeiszen,
du bekommst keine Hügel 192
a.
bildlich: sie werden die zehn auszbeyssen an gottis wort Eberlin v. Günzburg 3, 173
neudr.; und so brachten diese elende leute ihre zeit mit solchen wortkriegen zu, zerbissen die zähne über den schalen Arnold
kirchen- u. ketzer-hist. (1699) 270
b; freudig hätt' ich mit dem tode gerungen, an des feindes waffen mir die zähne zerbissen Klinger
neues theat. 1, 253; Rose, 's is ne sehr harte nusz! hoffentlich wird man sich nich die zähne dran auszbeiszen Hauptmann
Rose Bernd 3, 19; daran will ich mir die zähne nicht ausbeiszen Wander 5, 488;
mit sing. und bestimmtem artikel: (
der neid wird) sich an seinem glück den zahn umsonst zerbeiszen Stoppe
Parn. 294.
ohne den adverbialen zusatz, bildlich: noch zwei monate, dann hat der winter seine zähne ausgebissen Görres
br. 1, 481. sich die zähne zerbrechen, einbrechen: (
der hausherr) stürzt im fallen auf die uhr und zerbricht zwo reihen zähne Lichtwer 41;
bildlich: der adel hält noch zum herzog, und an seinen schlössern wird sich noch mancher die zähne einbrechen Hauff 1 (1890), 44, 5. II@1@f@pπ) einem die zäne ausschlagen,
dentes alicui labefactare, aliquem dentilegum facere, edentare Stieler 2595: wenn er seinem knecht oder magd ein zan ausschlegt, sol er sie frey los lassen umb den zan
2 Mos. 21, 27; das verdros jhre freundtschafft, namen die pfaffen, schlugen jhnen die zene aus Hennenberger
landtafel 27 (
vgl. dazu Schultz
höf. leben 1, 150,
wo das ausschlagen der zähne als mittelalterliche strafe erwähnt wird); der kerl hatte die gewohnheit, dasz er ... jedem verläumder auf der stelle einen zahn ausschlug Möser 3, 241; den zant, den du mir mit dynre hant alre lest us sloges
Karl Meinet 202, 10.
bildlich: den tän will wi uut slaan laten,
dazu müssen wir uns den appetit vergehen lassen brem. wb. 5, 19, wüll wy uthslahn,
wir wollen uns diese lust vergehen lassen Richey 303.
freier: den appel-tähn moot man dit jaar uut slaan,
es sind dieses jahr keine äpfel gewachsen brem. wb. 5, 19; upstüns mut man den karpen-tän utslaan,
jetzt sind die karpfen zu teuer Schütze 4, 244.
reflexiv: daher müsten fürsten ihnen den lüsternen zahn, in der liebe nur ihre vergnügung zu suchen, ausschlagen Lohenstein
Arm. 2, 143
b; warum sehnet sich denn jedermann ein fürst zu seyn, wenn wir uns den zahn der vergnügung ausschlagen müssen 621
b. einem die zähne einschlagen: auch ist sie (
ein böses weib) weder mit güte noch mit trauworten zustillen, wann man jr auch schon die zän einschlüge Fischart
ehez. 193, 7
Hauffen; er hatte seinem bedienten an der thüre des salons zwei zähne eingeschlagen Holtei
erzähl. schr. 2, 24. einem die zähne in den hals schlagen Wander 5, 489, 137: heb dich nausz, an liechten galgen, ehe ich dir schlag die zeen in halsz! H. Sachs 5, 54, 12
Keller; [] gnomisch: es ist besser, einem die zähne in den hals schlagen, als aufhängen Hippel
über die ehe (1775) 50.
bildlich: dann das glück hat sie all gewalckt und die zeen so offt in den hals geschlagen, das sie jm ... nit mehr trawen Franck
sprichw. (1545) 1, 13
a. die zähne ausstoszen: kein gröltzen beschleusz in deinen mundt, so du lang bleiben wilt gesundt, drumb gib den gfangnen bruoder los, dasz er dir nicht die zeen ausz stosz Scheit
Grob. 342
neudr.; bildlich: keinem wort' hast du einen zahn ausgestoszen Hippel
lebensl. 2, 150. die zähne einstoszen: stosz, gott, stosz unter ihrem dräuen die zähne ihrer (
der schlangen) rachen ein Pietsch 297. die zähne austreten: dasz ich ihm nicht die zähne austreten soll! Lessing
Minna v. B. 1, 3. II@1@f@rρ) zen uszbrechen,
edentare Dief. 194
c, die zän ausbrächen,
eruere dentes, evellere Maaler 511
c,
thieren, sie unschädlich zu machen, daher bildlich: et huic praecepto habens die zehn auszgebrochen Luther 15, 645, 18
Weim., in bezug auf menschen früher von der ärztlichen entfernung kranker zähne: zen auszprechen! her an, her an, her an, welcher do hat ein posen zan!
fastnsp. 377, 26
Keller; wolt ich den weibern zähn auszbrechen oder jhn den staren stechen Mangold E 4. zäne ausreiszen,
evellere, eximere dentes Stieler 2595, einen zahn ausreiszen Adelung,
vom zahnarzt heute auch nicht mehr in höherer sprache gesagt, bildlich: Cleopatra, reisz dir nur selber diesen zahn der lüsternheiten aus Lohenstein
Cleop. 35, 83; sech den zant ausreisze lôssen,
sich das abgewöhnen luxemb. wb. (1906) 496.
berlinisch: eenen en zahn reiszen,
vorwürfe machen Brendicke 195
a. zen uszziehen,
edentare Dief. 194
c, zän auszziehen,
solvere dentes Maaler 511
b, einen zahn ausziehen Adelung, einen hohlen zahn ausziehen lassen Campe: es ist mir recht leydt, dasz ihr eüch so übereylt habt undt 2 gesunde zahn habt auszziehen lassen Elisabeth Charlotte 3, 513,
bildlich: en tän uttrekken,
einem im spiel etwas viel abgewinnen Schütze 4, 245,
anders: den zahn lasz dir man ausziehen,
das bilde dir nur nicht ein (
Berliner redensart) Lipperheide
spruchwb. (1907) 1039.
vgl. dazu den lekkertän uttrekken, utslaan,
sich die lust zu einer leckerei vergehn lassen Schütze 4, 244
und die unter h angeführte stelle Göthe 47, 358, 13
Weim. lothr. zehn robbe (
rupfen),
ausziehen Follmann 552
b. II@1@f@sσ) einem falsche, künstliche zähne einsetzen,
vom zahnarzt. sich einen zahn einsetzen lassen.
verhüllend: dere muesz me en zahn einsetzen, dui hets mannwaih (
männerweh) Wander 5, 489, 122 (
Ulm). II@1@gg)
verbale fügungen, in denen zahn
mit präpositionen verbunden erscheint. II@1@g@aα) mit den zähnen fassen, packen, ergreifen
u. ähnl.: do luod er ab sinen korb von den achseln ... und ergrift in mit den zenen Stainhöwel
Äsopus 43
Österley; faszt ihn nur nicht mit zähnen, er möchte euch die kinnbacken ausziehen Göthe 8, 85, 21
Weim.; (
im bilde:) wir müssen die hand abhauen, die es (
das schiff der revolution) zu halten wagt, und wenn er (
Danton) es mit den zähnen packte G. Büchner 82; wenn sie nicht ... den einen handschuhknopf ... mit den zähnen zugeknöpft hätte Fontane 5, 211. mit den zähnen beiszen, kauen
u. ähnl.: se betten mit eren tanden tegen em Schiller-Lübben 4, 510
b; was soll ich mein fleisch mit meinen zeenen beiszen ...?
Hiob 13, 14; dasz der priester den leib und blut Christi mit händen antaste oder auch mit den zähnen zerkäuet werde Schweinichen 2
Österley; mit den zähnen im maule wird das essen gekaut Steinbach 2, 1069;
bildlich: (
der neid) nagt alle welt und auch sich selbst mit seinen zähnen König
ged. 13.
[] scherzhaft mit den zähnen tanzen,
essen: ich wolt gern mit den zenen dantzen, so wil der koch nit richten on H. Sachs 1, 121, 5
Keller. mit zänen zerreiszen,
dentibus aliquid laniare Stieler 2595
u. ähnl.: das menschenfleisch er grimm zerbisz, zu stucken mit den zähnen risz Spreng
Äneis 58
a; man thut auch nit zerbeiszen den leib Christi so zart, mit zähnen nicht zerreiszen nach der gemeinen art J. Halbmeyr
bei Fischer-Tümpel
kirchenld. 1, 168;
redensart: he toreet em wol mit de tänen,
er ist sein grimmigster feind Dähnert 482
a.
vgl. die bildliche wendung: es hat sie mit zähnen hingerissen Brentano 4, 183. sich mit den zähnen wehren,
sprichwörtlich: viro seni maxillae baculus, die alte leut mussen sich mit den zähnen wehren (
mit scharfen worten) Apherdianus
method. discendi (1601) 151. II@1@g@bβ) mit den zähnen klappern: Müller. (... tritt hervor in bewegung, wechselsweis für wut mit den zähnen knirschend, und für angst damit klappernd) Schiller
kab. 2, 6; er zitterte vor frost und klapperte mit den zähnen Chph. v. Schmid 1, 83. knerschen mit den tzenden in tzornigem moede,
frendere Dief. 246
c, mit den zähnen knirschen,
dentibus frendere, seu crepitare Stieler 2596: (
ein besessener) schewmet und knirsschet mit den zeenen
Marc. 9, 18; wie knirschte ich mit den zähnen, dasz sich der kerl solch ding unterstund Reuter
schelm. 41
neudr. (1885); Cain stOeszt stirnerunzelnd, knirschend mit den zähnen, tiefer seinen stab in die erde
F. Müller 1, 69; knirsche nur mit den zähnen ... mich ergözt der grimm eines weibes Schiller
räuber sch. 3, 1; Serlo hatte ..., wie er es im zorn zu thun pflegte, mit den zähnen geknirscht und mit den füszen gestampft Göthe 22, 252, 13
Weim.; ja, herr, ich gleub das du mich wirst vom falschen strick des bösen, der wider mich mit zähnen knirscht, genediglich erlösen Ringwalt
handb. A 12
b; wie sehr er litt, so schrie er noch, die schmerzen sind kein übel doch, und knirschte heimlich mit den zähnen Haller
ged. 111
Hirzel; wenn andre weinen, knirsch' ich mit den zähnen und habe so mein schärfstes weh verbissen Strachwitz
ged. (1850) 154.
vereinzelt in die zähne knirschen: hei, da ward er bös, knirscht' in die zähne Fouqué
held d. nordens 1, 118.
mhd. und frühnhd. in gleichem sinne mit den zenen grisgram(m)en: da sehe ich die grisgramen mit ir zenen
veter buoch 36, 26; schaw, wie sie (
eine zornige frau) griszgrambt mit den zänden H. Sachs
fastnsp. 4, 51, 423
neudr. ähnliche wendungen: zanklaffen, oder mit den zänen kirschen,
crepitare dentibus Maaler 512
c; er knirrte mit den zähnen und sah sie düster an Göthe 19, 157
Weim.; (
bewaffnete, die Jesus gefangen nehmen) zugleich mit zähnen kirrten, griszgrammten ungeschewt Spee
trutznacht. (1649) 44, 13, 1. II@1@g@gγ) bis an die zähne bewaffnet, geharnischt, gepanzert: ein bis an die zähne geharnischter kämpfer mit festverschlossenem visir hub sich dazu aus einem nahen hohlwege Fouqué
as. bilders. 4, 344; Taplin wurde einmal von einem baumstarken Australier aus dem bette geklopft, der, bis an die zähne bewaffnet, bat, ihn bis zu seiner hütte zu begleiten, weil er fürchtete, von geistern angegriffen zu werden Ratzel
völkerk. 2, 94;
im bilde: er (
Ludwig XVI.) muszte unter den speeren der bis an die zähne geharnischten volkswuth sich verbluten Bettine
dies buch gehört d. könig 2, 411.
schon mhd. gewâpent unz ûf die zene: des reit er (
Mars) dô mit sînen scharn gewâpent sêre unz ûf die zene Konrad v. Würzburg
Troj. 3495.
[] freier: seefestungen, in denen ... Hamilkar ... sich bis an die zähne verschanzte Mommsen
röm. gesch. 1, 489.
ähnlich: da kommt er, ha ha ha, vermummt bis an die zähne Kotzebue
dram. sp. 2, 174. II@1@g@dδ) einen in die zähne schlagen,
schon mhd.: er sluog in in die zende, daʒ in daʒ bluot begôʒ
minnes. 2, 117
a Hagen. in gleichem sinne: em were eyn leit gesungen in den zande mit eme swerde, dat hey dar neder up de erde balde soulde syn gevallen
Karl Meinet 120, 8.
ähnlich: wirf dem jungen herrn dein adage in die zähne Holtei
erzähl. schr. 7, 32.
freier: erfrischt es doch mein herzensübel recht, dasz ichs ihm in die zähne rücken kan (
tell him to his teeth): 'das thatest du'
Shakespeare Haml. 4, 7.
andre freiere wendungen zur bezeichnung rückhaltlosen entgegentretens: allein das du gottes und der leute in die zäne spottest und haltest sie für eitel gense Luther 18, 261, 9
Weim.; wir wollen vorgeben, als hätten wir den fremden ein wenig in die zähne geheyen (
spotten) wollen A. Gryphius (1698) 1, 886; der dem Gulliver in die zähne beweist Wieland 24, 133. in die zähne greifen,
im bilde: welche fromme bischoff aber dem laster in die zän griffen Stumpf 220
a. einem in die zähne lachen: sehen sie, da steht er und lacht mir noch in die zähne obenein Lenz 1, 58; lachst mir höhnisch in die zähne, wenn Isoldens ich gedenke Droste 1, 220
Schücking; nd. in de tän utlachen Schütze 4, 245.
in Lothringen heiszt einem in die zähne laufen,
in schnellem lauf auf einen stoszen Follmann 553
a. etwas schieszt einem in die zähne,
von worten, die einem gerade einfallen: herauszugeifern, was ihnen in die zähne schieszt Wieland 18, 27. II@1@g@eε) etwas in den zähnen tragen,
von thieren: einer hindin ähnlich, die ihr junges in den zähnen trägt Fr. Müller 1, 367;
bildlich: du (
schlacht) trägst mein glück in deinen zähnen blutig Tieck
schr. 1, 349 (
Oct. 2, 4).
ähnlich: dann wäre das leder breit genug, so dörffts der schuster nicht inn zenen umbzihen
Garg. 59
neudr. II@1@g@zζ) in den zänen grüblen Maaler 511
c,
veraltet, dafür stochern: er stochert sich in den zähnen Kahlenberg
Eva Sehring 102. II@1@g@hη)
töne können einem in den zähnen wehthun:
horror serrae acerbus, das knirren der sägen thut einem in zähnen wehe Corvinus
fons lat. 10; die töne (
gesang und lautenspiel) thaten mir in den zähnen weh Göthe 25
1, 148, 7
Weim. ähnlich, in bezug auf unwahrscheinliche worte: meinst du, das sie (
könige und fürsten) so tol gewest weren, und solche guter dem (
priester) gegeben, der nicht fur sie opffert noch gott versunet, sondern fur sich selbst allein dancket? usch, usch, usch, wie kribbelt mir das jnn den zeenen Luther 30
2, 613, 34
Weim. II@1@g@thθ)
schweiz. ais uffe zan ne,
etwas genieszen, einen trunk nehmen Seiler 323
a,
els. eins uf de zahn nehmen,
essen, eine uf de zahn nehmen, stellen,
kautabak in den mund nehmen Martin-Lienhart 2, 905.
vgl. nd. he is good upn tant,
kann gut essen Strodtmann 241. II@1@g@iι) einem auf den zahn fühlen,
eigentlich vom zahnarzt, zur ermittlung des schmerzenden zahns, dann bildlich tentare aliquem Steinbach 1, 520,
serio cum aliquo agere 2, 1069,
explorare alicujus voluntatem vel eruditionem Frisch 2, 463,
einen auszuforschen suchen, bei Adelung
dafür einem den zahn fühlen
und einen auf den zahn fühlen,
was auch sonst, doch selten, begegnet: ich fühlte ihm auf den zahn und sagte, dasz die räuber ja mit ihren pürströhren ihn von ferne erreichen und von pferde werffen können Riemer
pol. maulaffe 248; so sollten beide da stehende henker mit ihren werkzeuge ihn bald auf den zahn fühlen
pol. stockf. 25; wer grosze erkäntnis vorgiebet, die er nicht besitzet, dem kan man leicht auf
[] den zahn fühlen Wolff
gedancken v. d. menschen thun u. lassen 231; hat sie denn Aristen ein bischen auf den zahn gefühlt: will er noch nicht mit der sprache heraus?
sammlung v. schauspielen (
Wien 1764—69) 2, 58 (Cronegk); wir hätten die beste gelegenheit gehabt, ihm recht auf den zahn zu fühlen Fr. Müller 2, 65; er scheint ein feiner knabe, vielleicht von stand, aber man musz ihm auf den zahn fühlen Tieck
schr. 3, 45; wo sie ihm auf den zahn fühlen konnten, ob er nach dem tode des frühern hahns, als dessen erstgeborener sohn, auch den ring wieder im kropfe habe Brentano 5, 62; wer den ausgezeichnetsten von ihnen (
Franzosen) auf den zahn zu fühlen gelegenheit hatte, entsetzte sich vor ihrer unwissenheit Holtei
erzähl. schr. 23, 44; ich habe Sittig meinem onkel empfohlen ... ich glaube, er fühlt ihm eben jetzt auf den zahn Bauernfeld 3, 221; ich soll mich nur nach euch erkunden, auf den zahn euch fühlen Lessing
Nathan 1.
a., v. 555; dasz nur ein einz'ger Danischmende mit guter art dem herrchen auf den zahn zu fühlen wagte! Wieland 10, 314 (
schach Lolo); unser herr fühlt ihm auf den zahn, fing etlichmal von Christo
an. da war der ganze mensch respeckt Göthe 38, 62, 211
Weim. im anschlusz an den seltneren gebrauch mit dem acc. der person ist auch ein persönliches passiv möglich: aber nehmen sie sich in acht; sie werden auf den zahn gefühlt werden Immermann 5, 172
Boxberger. vereinzelt auf die zähne fühlen: er (
Joh. Schulze) ist sehr gelehrt, und die regierung hätte keinen tüchtigeren mann herschicken können, so gut versteht er einem auf die zähne zu fühlen K. Schönborn
bei Cauer
Schönborn 10.
häufiger so nd.: ik will em up de tän fölen,
ich will von der sache zu reden anfangen und hören, was er sagt Dähnert 482
a. II@1@g@kκ) haare auf den zähnen haben
soll nach Adelung
eigentlich bedeuten: mit einem starken barte versehen sein, es ist aber, wie oben th. 4, 2,
sp. 17
unter haar II, 10
ausgeführt ist, wohl eher hyperbolisch zu fassen. starker haarwuchs gilt als zeichen von kraft, und so wird er hyperbolisch zur bezeichnung besonderer leistungsfähigkeit auch da vorausgesetzt, wo er in wahrheit unmöglich ist, auf den zähnen und der zunge. haare auf den zähnen haben
heiszt dann: erfahrung haben Adelung,
tüchtig, unerschrocken, schlagfertig, durchtrieben sein, ebenso nd. haar up den tänen hebben,
klug, schlau sein, sich nicht leicht berücken, etwas weisz machen lassen brem. wb. 5, 20,
nicht mit sich machen lassen, was man will Dähnert 482
a: was soll das publicum aber zu den groben höflichkeiten sagen, womit er zehn unsrer berühmtesten schriftsteller beleidigt ... und überhaupt männer, die haare auf den zähnen haben, mit dem eklen brey halb gekauter bissen mehr besudelt als abspeist Hamann 3 (1822), 429; die hat haar auf den zähnen, beinahe wie ich. die bleibt keinem eine antwort schuldig Ludwig 2, 318; nun (
in literarischer unterhaltung) galt es zu zeigen, dasz man haare auf den zähnen habe! Keller 5, 100.
landschaftlich heiszt das hat haare auf den zähnen
auch '
das ist schwierig, verzwickt'.
daneben haar an den zähnen haben,
keck und rasch sein mit worten Eiselein 266,
nicht mit sich spaszen lassen Martin - Lienhart
els. wb. 2, 905
a. haar um de täne hebben,
ein gescheiter mensch sein, der sich zu verantworten weisz Schütze 4, 244. II@1@g@lλ) über einen zan lachen,
albis dentibus ridere Stieler 2596,
eigentlich, wie es Frisch 2, 463
c unter berufung auf die erklärung bei Keisersberg
post. 42: ein schalcklachen
richtig faszt, heimlich lachen, im gegensatz zu dem lachen, wobei man man '
alle zähne blekt': daʒ wort ist ein schwere verspottung über ein zan gelacht
Terenz (1499) LX
a (
glosse); zum letzten machet er ein wenig kundschafft bey eim schönen mägdlein, die in über ein zan anlachte Kirchhof
wendunm. 1, 143
Österley; alle (
säcke voll gold) besahe und dabey uber einen zahn lachte
Felsenb. 4, 53;
[] swen die törper als die hummel snurrent an dem reien, als sie sîn enbrant, und als die bocke gein einander turrent, des muoʒ ich lachen über einen zant
minnes. 3, 225
a Hagen; wo mir von einer ie ein grusz wart und mich anlacht uber ein zan, so dacht ich dann: die wil mich han!
fastnsch. 260, 31
Keller; er hat ir kloster brötlin geschickt, mit süszen augen angeblickt, ... uber ein zan sie angelacht Murner
v. d. luth. n. 123, 3702
Kurz; scherzhaft: lach uber ein zan, dasz mans (
sie, die zähne) alle sihet Scheit
Grob. s. 19
neudr. (
randbemerkung zu v. 297
ff., s. oben d, α); über den linken zahn lachen
scheint auf ein heuchlerisches lächeln zu gehen (
vgl.über den linken zahn ansehen
oben unter d, ι): so lang der spiegel leyt verhalten und du sy last dir herly spalten, ein meulgen uff dem ermel machen, uber den lincken zan dir lachen Murner
Gäuchmatt 70, 1430
Uhl. auch über einen zahn schmollen,
der veralteten anwendung dieses verbs im sinne von '
lächeln'
gemäsz: du schmollest über einen zan, dasz man sy dir all mag gesähen Wickram 4, 90, 2838
Bolte. auf die frage: woröver lachst du?
erfolgt in Holstein oft die abweisende antwort: över de tän Schütze 4, 244.
im sinne von '
verstohlen lachen'
begegnet auch in seinen zähnen lachen: der daus! wie thät sich freuen das publikum der neuen, herausstaffierten schönen! ich lacht' in meinen zähnen Overbeck
verm. ged. 27. II@1@g@mμ) einem (es) gut unter die zähne, unter den zahn geben,
zu essen geben, frühnhd.: er gab ihm auch basz under die zen dann der bawr, bey welchem er vor gewesen was Wickram 2, 56, 36
Bolte; far hin und greifs nur weislich an und gib ims nur guot undren zan! 5, 167, 288. II@1@g@nν)
frei den leuten unter die zähne kommen,
ins gerede kommen Creidius 1, 427.
vgl. nd.: den lüden in den tänen kamen,
in ein böses gerücht kommen brem. wb. 5, 20. II@1@g@xξ) etwas knirscht unter den zähnen: wenig sand mag es (
das erdreich in Sicilien) enthalten, es knirscht kaum unter den zähnen Göthe 31, 175
Weim. II@1@g@oο)
sprichwörtlich heiszt es in der Schweiz: der mann musz etwas unter den zähnen haben Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 356,
womit wohl gemeint ist: musz beschäftigung haben. die seele unter den zähnen haben,
im sterben liegen, frühnhd., was von der vorstellung ausgeht, dasz die seele den körper des sterbenden durch den mund verläszt (
vgl. seinen geist aushauchen): also pflegt man die krancken got zu ergeben, die die seel under den zeenen haben Franck
sprichw. 2, 152
b.
frühnhd. auch für '
dem tode nahe sein': du hast den todt under den zänen
Amadis 1, 67
Keller. II@1@g@pπ) etwas zwischen die zähne nehmen: ausgehungerte menschen ..., die in fünf tagen keinen bissen zwieback zwischen die zähne genommen hatten Kotzebue
Indianer in Engld. 2, 9; sie ... nahm ... den einen ihrer blonden zöpfe zwischen die zähne und lief zur stube hinaus Storm
werke 1, 106; nehmt eure degen zwischen eure zähne, stürzt euch in's wüth'ge meer Grabbe
herzog Theodor 1, 1.
ähnlich: ich sah ihn die unterlippe zwischen die zähne klemmen, welches er nur thut, wenn er am grimmigsten ist Schiller
räub. sch. 2, 3; der junge Ponto (
ein pudel) ... faszte es, ehe ich's verhindern konnte, zwischen die zähne und rannte damit spornstreichs auf und davon Hoffmann 10, 71
Grisebach. II@1@g@rρ) etwas zwischen den zähnen halten, tragen (
vgl. in den zähnen tragen
unter ε): du nimst ain zwifachen faden ... in den mund ... zuo halten zwischen den zenen Braunschweig
Chir. (1539) 3
b; zwar trug er (
ein [] pudel) das manuscript zwischen den zähnen, wie er nun einmal alles zu tragen gewohnt ist Hoffmann 10, 76
Grisebach. II@1@g@sσ) etwas bleibt zwischen den zähnen hängen, stecken,
im bilde: (dasz ihm) die academische speise zwischen den zähnen hängen blieb
quelle bei Justi 1, 47;
freier: ey! warum bleibt er (
der name) auch einem zwischen den zähnen stecken Lessing
schatz 11.
ähnlich nd.: dat sall di nig in de täne hakken,
davon soll dir nichts zutheil werden Dähnert 482; datt sall di nich in den tän hacken bliwen,
du wirst dich irren, wenn du glaubst, dies zu bekommen Danneil 220
b. II@1@g@tτ) etwas zwischen den zähnen zerbeiszen
und ähnlich: gleich wie die nusz, die man mit groszem krachen zwischen den zähnen pfleget aufzumachen Neumark
lustw. 80;
freier: zerbisz die worte zwischen den zähnen Ludwig 2, 36. II@1@g@yυ) zwischen den zähnen murmeln: er schien sehr tiefsinnig zu seyn und murmelte etwas zwischen den zähnen Rabener
schr. 2, 122; es war eine art von cultus, im theater zu sitzen, als mentaler souffleur die bekannten stücke zwischen den zähnen zu murmeln Göthe 40, 134, 11
Weim.; ja es ist aus, murmelte er zwischen den zähnen Hoffmann 4, 8
Grisebach; mit sing. statt des plur.: (
sie) murmelte etwas zwischen dem zahn Kortum 1, 30.
dafür auch durch die zähne murmeln: Ferdinand (ergrimmt durch die zähne murmelnd) Schiller
kab. 5, 7.
ähnlich: heilige jungfrau! flüsterte er zwischen den zähnen, ich ein abkömmling eines ungläubigen? Pfeffel
pros. vers. 1, 161; ich knirschte zwischen den zähnen: dasz du lebtest! Klinger 4, 92; er brummte ein unverständliches lied zwischen den zähnen Tieck
schr. 7, 311; ein mann ... summte eine zigeunermelodie zwischen den zähnen Storm
werke 1, 35; 'sehen wir nach dem andern', sagte der doctor zwischen den zähnen Ebbner-Eschenbach 2, 13; stiesz er in einem fort halbverständliche worte zwischen den zähnen hervor Hauptmann
bahnwärter Thiel 52; 'verfluchte kanaille!' knurrte er zwischen den zähnen Polenz
Grabenh. 2, 288. II@1@g@phφ) durch die zähne brennen,
früher eine strafe für diebe und fälscher, zur brandmarkung Frisch 2, 463
c,
dentes, id est maxillas urere, alias durch die backen brennen Haltaus 2142,
nd. dör de tänen bernen,
durch die kinnbacken brem. wb. 5, 201,
vgl. rechtsaltert. 709: ist sein (
gestohlenen gutes) under vier pfenig, so sol man in durch die zende prennen
bair. rechtsbuch bei Heumann
opuscula (1747) 63; we stelet dat viff schillinge wert is, de vorschuld des galgen, is des min, so schall men one dor de tenen bernen unde to der stupen slan
Goslarer gesetze bei Leibniz
Scriptores Brunsvicenses 3, 500, 55; wert en budel snider begrepen mit minnerer daet, denne vif schillinge wert, de enes dumen eder der oren nicht enhefft eder dor de tenen gebrant is, ... den schall men hengen 56; sol man uber in richten mit der schreiat (
rutenstrafe am pranger) und durch die zen brennen (
unter dem titel: umb valsch)
Augsburger stadtrecht bei Haltaus 2142; der in diu ôren beide absnit, wie gerne ich daʒ sæhe! sô het mîn sorge ein ende, brant man si durch die zende
minnes. 3, 214
b Hagen. mnd. auch to den tenen bernen: unde de velscher is geheten R. unde wart to den tenen gebrant und vorzwor de stad
quelle von 1399
bei Schiller-Lübben 1, 249
b. II@1@g@chχ) durch die zähne sprechen: wenn sie etwas fein gefühltes, eine sanfte leidenschaft ausdrücken wollen, sprechen sie durch die zähne J. G. Forster 8 (1843) 6;
vgl.durch die zähne murmeln
unter v. ein ausdruck, den man zurückhalten möchte, kann einem durch die zähne springen: hier springt ihm endlich auch dieser so lang zurückgehaltene ausdruck durch die zähne Göthe II 2, 254, 24
Weim.;
vgl.: welch ein wort, o Atreide, durchbrach dir die schranken der zähne? Bürger 217
Bohtz (
Ἀτρείδη,
ποῖόν σε ἔπος φύγεν ἕρκος ὀδόντων; Homer
Il. 14, 83).
[] frei: einen durch die zähne ziehen,
scharf über ihn urtheilen Wander 5, 490, 139. II@1@g@psψ)
nd.: dat mutt man achter eenen tehn eten,
davon musz man nur sparsam, nicht mit vollem munde essen Richey 306, Schütze 4, 245. II@1@g@oω) einem etwas aus den zähnen ziehen, reiszen, rücken
und ähnlich: gaben wir (
flöhe) schon einer ein zwick, so war es nur z thuon umb ein rück, das man uns s fleisch zog ausz den zänen Fischart
flöhhaz 5,
v. 59
neudr.; in bildern: ich zubrach die backenzeen des ungerechten und reis den raub aus seinen zänen
Hiob 29, 17; ich glaub, dasz er auch gern noch länger mit mir (
als seiner geliebten) vorlieb genommen hätte, wenn ihm nur seine eltern das fleisch nicht so schnell aus den zähnen gezogen
Simpl. 2, 236, 9
Keller; dieser letztere nun konte unmöglich verschmertzen, dasz ihm ein so fetter bissen aus den zähnen gerückt werden solte Hahn
einltg. z. d. t. staats-historie 3 (1721) 177, 2; setze armen leuten einen spion auf den hals, der schon wege finden wird, ihnen das stückchen brod aus den zähnen zu reiszen, wenn er gleich nicht reden darf Droste 2, 291
Schücking; blasser: da sie, wie wir hoffen, uns im entscheidenden augenblick mit ihren operibus supererogationis zu hülfe kommen und uns dem satan aus den zähnen reisen wird Göthe IV 10, 221, 10
Weim.; der (
priester) hat mit seim schwatzen und klaffen den kranken mir (
dem teufel) ausz den zenen genumen H. Sachs 6, 177, 6
Keller. auch allgemein bildlich: er hats jm ausz dem magen, bauch, oder ausz den zenen gerissen Franck
sprichw. 2, 21
b; das band seiner und des Tiberius freundschafft wäre zerrissen worden, nach dem hertzog Herrmann beyden die fürstin Thusnelde aus den zähnen gerückt hätte Lohenstein
Arm. 1, 25
b; i' musz ihm all's aus de zähnd rama (
räumen),
alles vor ihm verstecken Hügel 192
a. II@1@g@o1ω 1) auszer den zähnen reden,
grob, in älterer sprache: wenn ich ausz noth und eifer einer so ernstlichen sachen etwan biszweilen teutsch und auszer den zänen (wie man pflegt zu sagen) reden ... möchte Guarinonius 8. II@1@hh)
nur bildlich kann die wendung verstanden werden: einen zahn auf einen kriegen, haben,
ihm übel wollen. sie entwickelt sich wohl von verbindungen wie: die zähne fletschen gegen einen
aus. vgl. auch verbindungen wie: ekler, tückischer zahn (
unter d, λ), zahn der lüsternheiten (
unter f, ρ).
ebenso französisch avoir une dent contre quelqu 'un Littré
dict. 2, 1060
a: die weltlichen stände ... haben alle einen zahn auf mich Göthe 8, 64, 2
Weim.; die frau doktorin ward fast böse, ... sie kriegte einen zahn auf Hans Jakob Gotthelf 17, 299; der vater ... hat einen zahn auf den Mischka Ebner Eschenbach 2, 401; ûf dân hoa ich 'n zoan (
schlesisch) Wander 5, 493, 222.
mit näheren bestimmungen des subst.: Würtenberg hat einen alten zahn auf mich Göthe 39, 63, 7
Weim.; warum dieser satanas einen solchen zahn auf die stadt mag gehabt haben? Holtei
erz. schr. 15, 81.
mit possessivpronomen: der nord - ost - wind, der auch seinen zahn auf die stadt haben musz, kam uns trefflich zu statten Schiller
räub. 2, 3
sch. mit bestimmtem artikel: auf die freiwilligen haben sie besonders den zahn Jahn 1, 509.
mit gegen
für auf: wenn ich den ungesitteten ausbruch seiner schadenfreude mit dem zahn zusammen halte, den er seit langer zeit gegen sie hat Gotter 3, 335.
für die entwicklung der redensart ist die folgende erklärung eines französischen kupferstichs von interesse: l'incroyable chez le dentiste. es wird ihm auf eine bösliche weise sein zahn gegen die republik ausgezogen Göthe 47, 358, 13
Weim. II@1@ii) zahn
erscheint auch auszerhalb der bisher erwähnten fügungen bildlich zur bezeichnung scharfer, schmerzender, schädigender oder zerstörender wirkung. II@1@i@aα)
mit subjectiver beziehung auf personen: es hatt' als wie ein eber des grimmen feindes zahn durchwühlt sogar die gräber Rückert 1, 138.
in einem von der art der giftschlange hergenommenen bilde: [] wie scharf und schnell sein (
Antonios) zahn das feine gift mir (
Tasso) in das blut geflöszt, wie er das fieber mir mehr und mehr erhitzt — du denkst es nicht! Göthe 10, 164, 1470
Weim. ganz unsinnlich, mit adjectivischem zusatz: der ... worterklärungen nicht deswegen verwirft, weil ihm die logischen zähne zu deren zermalmung fehlen Abbt 4, 62.
früh schon so mit erklärendem gen.: alsô sol man diu wort mit dem zande der verstantnüsse kiuwen, unz man kumet in die nieʒunge der gotlîchen heimlîche
myst. 1, 375, 25
Pfeiffer. auch neuere verbindungen wie der zahn des neides
können so gefaszt werden. meist aber erscheint hier der gen. als bezeichnung des besitzers. vgl. γ und die ausdrücke zahn der vergnügung, appeltän, karpentän
unter f, π.
in andrer weise bestimmt, auf menschen unter dem bilde von thieren bezogen: so sind doch diese gesetze nichts anderes als eine andere art von zähnen, womit die aristokratische brut ihre beute erhascht Heine 3, 497
Elster. II@1@i@bβ)
mit beziehung auf sinnlich wahrnehmbare dinge und auszermenschliche erscheinungen: thum saltz heiszt, das die zeene und scherffe verloren hat Luther 5, 367
a; zerstörte schlösser, durchnagt vom zahn der fäulnisz, verfinstert von traurig drohenden ulmen, entlegner kirchhöfe schatten sind paradiese für ihn (
den unglücklich liebenden) E. v. Kleist 1 (1766), 158; knaben sind's die wir gerettet aus der brandung grimmem zahn Göthe 15, 172, 8396
Weim.; warum, ihr reste der vorzeit, den fäusten des sturmes trotzen, den zähnen des winters Hölderlin 1, 66, 116
Litzmann; des Tilly silber hat gewisz noch, als sein eisen, schärfern zahn Droste 2, 143. II@1@i@gγ)
mit beziehung auf erscheinungen des menschlichen lebens: ihre (
der begierden) zeen seynd wie eines löwen zeen, und bringen die seelen der menschen umb Albertinus
hirnschl. 36; neckt ihn dagegen frühe der finger des spotts, der zahn der verläumdung: so drängt er sich in sich zurück Herder 23, 190
Suphan; zwei herzen, ... dem leise nagenden zahn der alltäglichkeit nicht unterthan Stifter 1, 66; zerfleischt von den zähnen und klauen des hasses und der eifersucht erstarb die liebe Ebner-Eschenbach 1, 112; ir (
der sünde) zän sind scharpff wie löwenzän H. Sachs 19, 85, 12
Keller-Götze; allein so greift des todes zahn die menschen allzeit unrecht an Neukirch
ged. (1744) II
a; an seinen (
des weisen) thaten beiszt der zahn der miszgunst nicht Haller 72
Hirzel; diesz macht den zahn der bosheit stumpf Gottsched
neueste gedichte (1750) 28; weniger schon fühl' ich des neides zahn Herder 26, 257
Suphan (
iam dente minus mordeor invido Horaz carm. 4, 3); wo der mangel und der gram die zähne fletscht Kretschmann 5, 25; verbrecher durchzuckt's mit rächendem zahn Fouqué
held d. nord. 2, 49: wie manchen schritt hast du gethan mit willen auf der schande bahn und der gewissensbisse zahn verlacht mit spötterschaaren Rückert 11, 565; als noch der winter und des hungers zahn alljährlich ernte hielt von menschenleben Grillparzer 8 (1887), 68; du kennst nicht, hast nicht geprüft in schaudernder erfahrung des mannes herz, wenn es der grimm'ge zahn des zweifels nagt Beer 578; er (
der herbst) giebt dich preis dem scharfen zahn der sorgen Ambrosius 20. II@1@i@dδ)
besonders bekannt ist der zahn der zeit.
man führt das bild zurück auf die folgende stelle bei Shakespeare: when it deserves with characters of brass a forted residence 'gainst the tooth of time and razure of oblivion
measure for measure 5, 1,
[] verweist aber auch auf ein bei Stobaeus
eclog. phys. I 8, 22
angeführtes epigramm des Simonides:
ὅτοι χρόνος ὀξὺς ὀδόντας καὶ πάντα ψήχει καὶ τὰ βιαιότατα.
vgl. Büchmann (1905) 373. Logau,
bei dem das bild in deutscher sprache zuerst begegnet, mag eher von Simonides
als von Shakespeare
beeinfluszt sein, aber ihm fehlte die dichterische kraft nicht, das bild zu schaffen. bei ihm und gelegentlich noch später erscheint es mit adjectivischen zusätzen: der lorbeerbäume frisch, der cedern ewigkeit, und was noch mehr macht stumpff den argen zahn der zeit, soll nicht dein (
einer fichte) meister seyn Logau 186, 112
Eitner; (
das) kein grimmer zahn der tollen zeit anficht Hallmann
vorw. zu Butschky
Pathm. 3
c; es will mich deine faust mit solchen seilen binden, die nicht zernagen kan der scharffe zahn der zeit Neukirch
in Hoffmannswaldaus u. and. deutschen auserl. ged. 1, 43; mein (
der zeit) scharfer zahn friszt stein und stal, zermalmt porphyr Weichmann 1, 19; in schriften, die kein zahn der langen zeit verzehrt Gottsched
ged. (1736) 485; der zeit alles nagender zahn schonet voll ehrfurcht dich Götz
verm. ged. 2 (1785), 50; denn nur was schwert und wort erschafft, hat unvergänglichkeit und überdauert in jugendkraft den scharfen zahn der zeit Arndt 4, 305
Rösch-Meisner. es heiszt auch pluralisch der zeiten zahn,
bei Logau
gleichfalls mit adjectivischem zusatz und auch später wohl noch so: wann der zeiten scharffer zahn kluge schriften fasset an, dörffen sie sich ihm mit lachen sonst mit nichts entgegen machen Logau 575, 90
Eitner; groszer stamm, der unbeweget statt der früchte, cronen träget! ob du gleich an sternen achsen aufgewachsen, bist du doch der zeiten zan unterthan Weichmann 1, 20; der zeiten neidscher zahn, des Acherons getümmel, schreckt seine seele nicht Cronegk 2, (1766), 86; barg dich grabes dämmerung vor der zeiten zahn? Rückert 3, 29; der fressende zahn der zeiten hat zwar den ehrenvollen namen des ersten erfinders zermalmet Mayr
päckchen satyren 57.
dann setzt sich aber, gewisz unter dem einflusse Shakespeares
der ausdruck der zahn der zeit
fest: seine (
Manethos) dynastien sind dem zahne der zeit entwischet Gottsched
n. a. d. anmuth. gelehrsamkt. 2, 166; zum glück ... hat der zahn der zeit ... so viel übrig gelassen, dasz man sehen kann, was es gewesen ist Lichtenberg
Hogarth. kupferst. 3, 242; was der zahn der zeit etwa daran (
weiblicher schönheit) benagt haben mochte Wieland 27, 221; der zahn der zeit hatte in den sieben jahren unbarmherzig an ihren reizen genagt Musäus
volksm. (1866) 125; wie die sprache der gräber durch den zahn der zeit verwittert ist Brentano
Godwi 1, 131; was denn ... nichts weniger als die durch den zahn der zeit zerknirschten trümmer des kaiserpallastes vorstellen soll H. v. Kleist 5, 75
Schmidt; so fanden wir auch jene villa ... von vernachlässigung mehr als vom zahn der zeit zerstört Pückler
briefw. u. tageb. 2, 448; man weisz, dasz diese chemischen actionen den begriff von dem zahn der zeit in sich fassen, welcher die werke der menschen vernichtet und den härtesten felsen nach und nach in staub verwandelt Liebig
chem. br. 293; da sah ich deiner mutter siege durch jenen liebreiz ihrer züge, die jetzo noch so mächtig sind, dasz ihnen — (keine dichterlüge!) — der zahn der zeit nichts abgewinnt Ebert
episteln 210; denn ob es (
schuhwerk) auch der zahn der zeit verwüstet, strahlt der besitzer doch in stolzer freude Heyse 1, 263.
[] durch den häufigen gebrauch der formelhaft gewordenen verbindung ist das bild verblaszt und entwerthet: ein auszerordentlich schönes frauenzimmer, woran der zahn der zeit schon seit zwanzig jahren kaut — nebenbei gesagt, 'der zahn der zeit' ist eine schlechte metapher, denn sie ist so alt, dasz sie gewisz keine zähne mehr hat, nämlich die zeit Heine 4, 100.
auch der ton der oben angeführten worte Heyses
ist scherzhaft. um sinnloses mengen von bildern zu verspotten, hat man den schnöden satz gebildet: möge der zahn der zeit, der schon so manche thräne getrocknet hat, auch über diese wunde gras wachsen lassen. II@22) zahn
übertragen auf zahnartig gestaltete gegenstände, scharfe vorsprünge, zacken, zinken, zunächst solche, die zahnähnlich schneiden oder fassen, dann allgemeiner, so: II@2@aa) zähne an den sägen Adelung: zän an ein sägen machen,
incidere ferro dentes Maaler 511
c; das es (
ein schartig geschlagenes messer) von solchem wetzen baldt hett einer segen zän und gestalt Scheit
Grob. 4356
neudr.; sicheln mit zähnen,
denticulatae falces Frisch 2, 463
c.
weidmännisch die spitzen an den bügeln mancher fangeisen Kehrein
weidmspr. 331.
von den spitzen am raspeleisen: bisz auf die festung zu, wo man die wilden schleust, wo man brasilisch holz mit eisern zähnen beist Rachel 65
neudr. auch scharten an einem messer, wodurch es sägenartig wird (
vgl. die obige stelle Scheit
Grob. 4356)
nennt man zähne. II@2@bb)
das pflugeisen, sech: dentale, der eisni zan oder seche in einem pflug Diefenbach 173
c.
an modernen maschinen ein messer zur erzeugung eines gewindegangs an schrauben und muttern Lueger
lex. d. ges. technik 8, 958. II@2@cc) zähne eines ankers,
die beiden spitzen: als ... inn dem treffen der ancker ausz dem Rhodiser schiff mit einem hocken und zan in das ander schiff gefallen was Carbach
Livius 345. zähne an einer gabel Adelung (
als landschaftlich bezeichnet). zähne an eggen, rechen
haushalt.-lex. 3, 780: mit ... einer ... eggen, oder ... rechen, der höltzine ... zähne hat Sebiz 501; im wesentlichen besteht eine jede egge aus mehreren zu einem ... rahmen verbundenen balken, an welchen hölzerne ... zähne oder zinken angebracht sind Schwerz (1882) 144.
ähnlich: futterschwingen mit zähnen am rande (
bei den Galliern), wodurch (
bei der ernte) die ähren abgerissen wurden und in die schwinge fielen Wimmer 11. II@2@dd) die zän an einem sträl,
crinales dentes Maaler 511
c, die zähne an einem kamm,
radii Frisch 2, 463
c, Adelung: wenn man nämlich einen zwischenraum des kammes zudeckt, so erhält man nur einen breitern zahn, der, wenn die intervalle und die zähne gleich sind, dreimal so breit ist wie die übrigen Göthe II 2, 240
Weim. zähne der kämme schneiden Jacobsson 4, 678
b: (
Jobst) schnitt verdrossen seine zähne in die kämme Keller 4, 218. II@2@ee) zähne an den kamm-rädern,
womit sie in einander eingreifen öcon. u. phys. lex. (1750
ff.) 8, 2372, Adelung: die ganze lehre vom räderwerk gehört nicht in die physik. es geschieht in der unorganischen natur nichts durch zahn und getriebe Lichtenberg
verm. schr. 9, 160; auch Tycho bediente sich einer solchen uhr, deren groszes rad zwey ellen im durchmesser und zwölfhundert zähne hatte
F. Th. v. Schubert 4, 275.
in vergleichen und bildern: sie (
sprudelgeister) waren ... in der menschlichen gesellschaft, was ein rad ohne zähne in einem uhrwerk, welches nirgends eingreifen kann, und wo es anstöszt, den ganzen mechanismus verwirret Zimmermann
über d. einsamkeit (1784
ff.) 2, 9; dasz er wie ein räderwerk sofort still steht, wenn auch nur ein zahn, nur ein federchen gebrochen wird Immermann 1, 23
Boxberger; da er sich doch nicht einst für einen einz'gen zahn an einem rad in diesem welt-gebäude mit rechte schätzen lassen kann Brockes 4, 237.
[] zähne
andrer art an einem rade sind in der folgenden bildlichen stelle gemeint, wo etwa an ein glücksrad und an das rad als marterwerkzeug gedacht werden kann: eine so empfindliche färtigkeit hatte die natur mit der mutter-liebe in Olympiens hertze gepflantzet, welcher sonst das unglück (
weiblich gedacht) mit allen zähnen und nägeln ihres rades keinen seufzer abzuzwingen vermocht hätte Lohenstein
Arm. 1, 238
b. II@2@ff)
bezeichnung der beiden theile einer zange: die finger oder zähne sind die zange, womit der schmidt einen nagel auszieht, oder der gläser das glas zerbricht Schubert
verm. schrftn. 2, 252. II@2@gg) zähne
an einem turngeräth: auf der einen seite (
der latte am springständer) ist eine scala von 5 zu 5 cm angebracht, auf der entgegengesetzten seite sind dementsprechend 'nasen' oder 'zähne' ... angeschnitten (
zum aufhängen des springtaus) Kregenow
u. Samel 75. II@2@hh)
auf die einzelnen theile des mehrfach u-
förmig gebogenen drahts beim alten zähl- oder rechenbrett, wie es bei Schütze
holst. idiot. 4, 246
abgebildet ist, geht vielleicht die von Murner
gebrauchte wendung: uff dem zan uszgan
narrenbeschw. s. 252,
cap. 84 (
überschrift)
Spanier; der mag wol syn ein thorecht man, der nit weiszt, uff wölchem zan syn eigen sach müg uszher gon 252, 2; darumb so luog, uff welchem zan dyn eigen sach müg uszher gon 254, 43; radtu, wie heiszt der zan, uff dem all sach würt uszhin gan? der zan heiszt mir das iüngst gericht 51. Goedeke
erklärt in seiner ausgabe zan
hier als zahn am kammrade, Spanier
a. a. o. s. 372
unter hinweis auf das beigefügte bild und den oben theil 3, 348
unter einzahnen
angeführten beleg Keisersberg
post. 2, 48
b als bezeichnung der einzelnen beim unvollendeten bau aus der reihe hervorstehenden mauersteine. besser scheint die obige auffassung zu passen, für die auch geltend gemacht werden kann, dasz auf dem bilde ein mantelquast des verzweifelnden bauherrn den eindruck einer auf linien rechnenden hand macht. das ist aber das princip des rechenbretts, wonach jede höhere reihe zehnmal soviel als die untere gilt. demnach handelt es sich hier eigentlich darum, wie hoch sich die rechnung belaufen wird. das stimmt zu Brant
narrenschiff cap. 15,
woraus bild und grundgedanke entlehnt sind. vgl. Spanier
s. 336.
auch in der mühle von Schwindelsheim verwendet Murner
die redensart: es müst uff dem zan usz gon dʒ Peter nit sein kopff will lon (
seinen eigensinn lassen will) A 4
a. II@2@ii) zähne
an andern theilen des animalischen körpers, so in der augenlinse: Brewster berechnet in der stockfischlinse 5 000 000 fasern, die wieder 62 500 000 000 zähne haben, da jede faser deren 12 500 besitze Sömmerring 5, 764,
an der vogelzunge: hinten ist sie wol immer zweispitzig ... und oft mit ... kleinen zähnen versehen Naumann
vögel 1, 29. II@2@kk) zähne
bei pflanzen: die ballonbuffe (
sphaerobolus) sind stiellose, lederartige blasen, welche in sternförmige zähne aufplatzen und die innere blase mit zusammengeballten samen herausschnellen Oken 3, 84; so lange er (
der botaniker) ... in der structur eines laubmooses die einfachen oder doppelten, die freien oder ringförmig verwachsenen zähne der samenkapsel untersucht A. v. Humboldt
kosmos 1, 19.
am rande von blättern Campe: nur in der jugend bemerkt man einzelne zähne, im alter sind die blätter ganzrandig Schlechtendal
flora 10, 38
Hallier; der rand (
der blätter bei der feldrüster) ist doppelt sägezähnig, die gröszeren zähne etwas ... eingekrümmt Roszmäszler
der wald 464. II@2@ll)
bergspitze: von den Bryger zenden ghat ein pasz über den Simpelberg Münster
cosm. (1550) cccxcii; unter uns lagen einige häuser von Vaulion, dahin der zahn gehört und daher er den namen hat (
dent du Vaulion) Göthe IV 4, 103, 10; hier ist die spize, die diesem gipfel den namen eines zahns giebt 16. II@2@mm)
im bergbau heiszen zähne
zacken gediegenen metalls, die auf dem erze hervorragen Adelung, Jacobsson 4, 678.
vgl. unten zain,
wodurch diese anwendung beeinfluszt sein kann. [] II@2@nn)
in den hammerwerken und bei den metallarbeitern sind zähne
lange metallstücke, woraus kleinere sachen verfertigt werden, so bei den nagelschmieden die zerschrotenen eisenstäbe, woraus die nägel geschmiedet werden Adelung, Jacobsson 4, 678
b: wie nun (
in der münze) das gold gantz heisz in lange zähn mit fleisz gegossen wird gahr bald fein länglich von gestalt Rist
Parn. 482.
auch dafür ist zain
eine andre bezeichnung, die hier zweifellos zugrunde liegt. vgl. dies unten und m. II@2@oo)
in der baukunst: die sogenannten zähne, welche unter dem gebälke hängen (
bei der säulenordnung) Winckelmann 1, 371. II@2@pp) zähne an den spitzen,
die zur verzierung von kleidungsstücken u. dergl. dienen Adelung.
vgl.zähnchen 2,
c unten.