tragen,
vb. herkunft und form. 11)
in den germ. sprachen steht dem ahd. tragan,
as. dragan,
afries. draga, drega,
mnl. draghen, dreghen '
tragen', '
halten'
das an. draga,
ags. dragan (
engl. draw) '
ziehen'
gegenüber, zu dem wohl das einmal belegte got. gadragan
zu stellen ist: du seinaim lustum gadragand (B dragand) sis laisarjans
πρὸς τὰς ἰδίας ἐπιθυμίας ἑαυτοῖς ἐπισωρεύσουσιν διδασκάλους ('
man sich lehrer herzieht'
Weizsäcker)
2. Tim. 4, 3.
auszergerm. verwandte hat man in zwei richtungen gesucht: von J. Grimm
gesch. d. dt. spr. 405,
zweifelnd von Walde
idg. forsch. 19, 106
u. lat. et. wb.2 787
f. wurde dragan
mit lat. trahere
verknüpft, doch bestehen lautliche schwierigkeiten, vgl. Sommer krit. erläut. 50
ff. Schade
2 949, Fick 1
4, 467, Zupitza
gutturale 177
vergleichen ein germ. *dragan
mit avest. dražaite
und altkirchenslav. drъžati '
halten'.
doch stehen semasiologische bedenken entgegen: die zusammengehörigkeit von schwed. dial. drg '
tal'
mit serb.-kirchenslav. draga '
tal' (
beide aus dem grundbegriff '
tractus'
s. Persson
beitr. z. idg. wforschg. 492; Trautmann
baltoslav. wb: 45)
erweise '
ziehen'
als grundbedeutung von germ. *dragan
s. Berneker
slav. etym. wb. 212, Walde-Pokorny 1, 862
und unten unter '
bedeutung'.
die zuordnung des von Persson
idg. wortforsch. 493
anm. 1
herangezogenen ahd. trâga '
arva'
ahd. gloss. 2, 634, 32
musz bei der mehrdeutigkeit der stelle unentschieden bleiben. die von Fick-Torp 210
f. und Falk-Torp 150
vorgenommene etymologische trennung des nördlichen draga(n) '
ziehen'
von dem südlichen dragan '
tragen', '
halten'
ist bei der lautlichen identität und der semasiologischen nähe beider wörter abzulehnen. 22)
in der 2.
u. 3.
pers. sgl. praes. ind. fehlt bes. obd. zuweilen der umlaut: du tragist Luther 10, 1, 1, 676
W.; trag(e)st Scheit
Grob. 518
ndr.; Montanus
schwankb. 5
lit. ver.; Wickram 1, 20
B.; Grillparzer (1892) 7, 262
Sauer; er tragt Oswald v. Wolkenstein 289
Schatz; er trag(e)t Frisius (1556) 25
b uö.; Schumann
nachtb. 274
B.; Amadis 43
lit. ver.; Fischart
flöhh. 43
ndr.; Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 124; 204; Meisl
theatr. quodl. (1820) 1, 37; Chr. Weise
grün. jugd. 149
ndr.; Voigtländer
od. u. lied. (1642) 38; trâs, trât Martin-Lienhart
els. 2, 743
b; tragst, tragt
Fischer schwäb. 2, 304; trâgst, trâgt Schmeller-Fr. 1, 653; trgst, trgt Jakob
Wien 194
a;
auch westmd.: drâšt, drât Follmann
lothr. 99; dras, drat Christa
Trier 70 (
auch mnd. s. A. Lasch
mnd. gramm. § 418; § 430
anm. 2).
vgl. Paul
dtsche gramm. 2, 236. 33)
der umlaut der 2.
und 3.
pers. sgl. praes. ind. ist bes. nd. auf andere a-
formen übertragen worden (
s. auch A. Lasch
mnd. gramm. § 430
anm. 5): dregen
inf. (: slegen
d. pl.) Gerhart v. Minden 63, 10
Seelm.; nd. Äsop 1, 25
Hoffm. v. Fall.; gedregen (: to degen)
Reinke de vos 3575
Schröder; si dreghen
Hans v. Ghetelen
dat narrensch. 2.
vorr. 124
Brandes; dregen
inf. (1391, 1403)
chron. d. dtsch. städte 26, 41
u. 383 (
Lübeck); gedregen Waldis
verl. sohn 65
Höfer; si dregen Tappius
adag. cent. sept. (1545) B b 5
β; ich träg
u. inf. trägen Voigtländer
od. u. lied. (1642) 77; dreegen
inf., gedreegen
part. Leithäuser
Barmen 43
a; drẹgen
inf., gedrẹgen
part. Buchrucker
Elberfeld 41
b; drägen
inf., ich dräge,
pl. dräget, edrägen
part. Deiter
Hastenbeck 120; drgen
inf., drgen
u. drgen
part. Woeste
westfäl. 57
a; dregen (drEŋ)
inf.; ik dręg, wi drgt — drgen,
imper. drg,
aber part. dragen (drŋ) Mensing
schlesw.-holst. 1, 852;
selten drægen,
meist drâgen Schambach
Gött. 46;
vgl. afries. drega
neben draga (
inf.),
mnl. u. nnl. dregen
neben dragen.
seltener obd. (trägen Frisius (1556) 322
a; 344
b; Maaler (1561) 405
a; dräge
inf., ich dräg,
pl. dräge Seiler
Basel 82; träge
inf., i
und mer träge Hunziker
Aargau 57)
und md. (drjen
inf., jedrt
part. Hofmann
ndhess. 240
b; trēe Schön
Saarbrücken 210
b; trähn Stauf v.
d. March
nordmähr. 92).
in nhd. schriftsprache gelegentlich ihr trägt,
z. b. G. A. Meiszner
skizzen (1780) 1, 131
vgl. H. Paul
dtsche gramm. 2, 236.
nd. wird zu dregen
analogisch he dricht
gebildet: a. d. j. 1477
chron. d. dtsch. städte 31, 1, 191 (
Lübeck);
vgl. A. Lasch
mnd. gramm. § 430
anm. 5; Mensing 1, 852;
dazu auch ik drigg Mensing
aao. 44)
contraction der lautgruppe -egi-
zu ei (du treist, er treit)
herrscht mhd. (
ganz selten schon im 11.
jh. s. Schatz ahd. gramm. 155; H. Fischer
z. gesch. des mhd. (
Tübingen 1889); Zwierzina
zs. f. d. a. 44, 345
ff.; 45, 414
ff.; neuspr. studien, festgabe Luick 122
ff.);
nhd. noch im 16.
jh. häufig: treit (: seytt
n. sg. '
saite') Brant
narr. 5
Z.; treit Zwingli
dtsche schr. 1, 67
uö.; treyt Hutten
op. 3, 457
Böcking uö.; treyt (: zleyt) H. R. Manuel
weinsp. 755; treit (: angeleit
von -legen)
N. Manuel 26
Bächt.; treist Wickram 2, 15
B.; treit (: redligkeit) Stumpf
Schwytzerchr. 211
a uö. neben der uncontrahierten form: treyt Keisersberg
bilgersch. (1512) b 6
a — tregt
has i. pfeffer (1510) f f 4
c; dreyt (: geischlicheit) Murner
schelmz. 20
ndr. — tregt
a. d. adel 21
ndr.; treit Boltz
Terenz (1539) 24
b — tregt 91
a; treit Frisius (1556) 201
a — tregt 215
b; treit (: oberkeyt) Fischart 2, 368
Kurz — trägt
Garg. 22
ndr.; später selten: treit (: er leidt) Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 55, 190; treit (: kleid) A. v. Droste-Hülshoff 1, 421
Schücking. heute mundartlich, speciell obd.: treist, treit Hunziker
Aargau 57; draisch, drait Seiler
Basel 82; trai, trait Martin-Lienhart
els. 2, 743
b; draešt, draet,
auch tręišt, trEit Fischer
schwäb. 2, 304.
auch du trei, er treict Lenz
Handschuhsheim 71
b.
vereinzelt nd.: drais, drait Siebs
Helgold.2 212
b.
dieses -ei-
hat auch die schwache form des part. pass.: treyt (: den bescheydt)
Endinger judenspiel 58
ndr.; heute dialektisch obd.: treit (: gseit) Hebel 2, 232
Behaghel; drait Seiler
aao.; treit Hunziker
aao.; (ke)trait Martin-Lienhart
aao.; traet, treit Fischer
aao. auszerdem das schwachgebildete prät.: treiti Hunziker
aao.; draiti Seiler
aao. 55)
gelegentlich ist im md. die contraction von -age-
zu -ai-
belegt: trayn
inf. (: hayn)
Daniel 5025
Hübner; (: prayn) 7047; (: prayn : behayn : sayn) 4773; uzgetrein
part. a. d. j. 1323
cod. dipl. Moenofrancofurt. 2, 184
Böhmer-Lau; trein
inf. (: behein)
Alsfelder passionssp. 5377
Grein; si train Gryphius
lustsp. 264
P. 66)
selten ist die spec. md. verbreitete contraction von -age-
zu â: getrân
part. (: gân)
Virginal 683, 1; si tran (: man) Heinrich v. Hesler
apok. 23116; gitran
part. a. d. j. 1256
rathgesetzgebg. Mühlhausen 167
Lambert; trân
inf.: ich hân
meisterlied. d. Kolmarer hs. 72, 33
Bartsch; si tran (: si han)
Katharinenspiel 140; tran
inf. (: an) Hayneccius
Pfriem 34
ndr.; heute mundartlich: trân, drán
auch dróen Follmann
Lothr. 99; draon Christa
Trier 70; trân Schön
Saarbr. 210
b; getrâ Autenrieth
pfälz. 141; drân Crecelius
oberhess. 286; traan Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 236
a;
vgl. trâe
inf. Autenrieth
aao.; troen Stauf v.
d. March
nordmähr. 93; trôin Anton
oberlaus. 19;
auch obd.: trâ,
auch trâe, -n
neben trâke, trâje Martin-Lienhart 2, 743
b;
z. th. in Schwaben drâ
auch drâe Fischer 2, 304
und Bayern trást, trát Schmeller-Fr. 1, 653. 77)
zuweilen findet sich ê
aus -ege-
contrahiert: er trêt
Suchenw. 36, 21
Prim.; tren
inf. a. d. j. 1345
hess. urkundenb. 2, 542
Wyss-Reimer; sie träht (: sie steht) Gilhusius
gramm. (1597) 4, 2, 93;
heute dialektisch: träst, trät Schmeller-Fr. 1, 653; dršt, drt Fischer
schwäb. 2, 304; drešt, drêt Follmann
lothr. 99;
vgl. trêe Schön
Saarbr. 210
b; jedrt Hofmann
niederhess. 240
b; trääst, träät Müller-Fraureuth 1, 236
a; trähn Stauf v.
d. March
nordmähr. 93; drē
auch drēj Siebs
Helgold.2 212
b; drŋ Mensing
schlesw.-holst. 1, 852. 88)
im part. perf. pass. ist dialektisch ge-
geschwunden; obd. tragen: Arigo
decam. 6; 31
lit. ver.; Knebel
chron. v. Kaisheim 27; 325
lit. ver.; Franck
chron. Germ. (1538) 127
b; H. Sachs 11, 194; 13, 8; 14, 32
Götze uö.; Frisius (1556) 18
a; Wickram 1, 147
Bolte; N. u. H. Manuel 211
Bächt.; Thurneyszer
magna alchym. (1583) 67; Ayrer 1, 226
lit. ver.; Spreng
Ilias (1610) 9
b; treit Hebel 2, 232
Beh.; trait (
neben ke-) Martin-Lienhart 2, 743
b; treit Hunziker
Aargau 57; drait Seiler
Basel 82; traet, tręit Fischer
schwäb. 2, 304; trgn Schöpf
tirol. 749; trgen Jakob
Wien 194
a.
auch bei Luther tragen 6, 437
W. 99)
eine schwache bildung auf -ê-
findet sich reflexivisch in der bedeutung '
sich benehmen, sich zeigen'
bei Otfrid (II 4, 21)
und im mhd.: litanei 1199
Maszmann, Lamprecht
Alexander 6537
Kinzel, Walther v. Rheinau
Marienleben 87, 4,
sowie auf -ô-
in der bedeutung '
ernähren'
in Otfrids sih gidragôn (IV 12, 50)
und kaiserchronik 4894; 10639; 10679
Schr. ohne diese bedeutungsbeschränkung ist schwache flexion im reim bezeugt bei Walther v. Rheinau
Marienleben 62, 27; 63, 31
uö.; jg. Titurel 6166, 7.
intr. tragte
ebda 4845, 2.
nhd. selten: tracht
part. H. Sachs 23, 91
G.; getraget Prätorius
d. abenth. glückst. (1669) 105; er tragte Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 113.
sonst dialektisch: draugde
prät., drocht
part. neben draug—draagen Berghaus
Sassen 1, 357
b; draugde—edrocht
neben draug—edrâgen Schambach
Gött. 46; driehte—edrieht Bauer-Collitz
Waldeck 22
a; gedrâd
neben gedrân
part. Crecelius
obhess. 286; traakt
prät. Meisinger
Rappenau 203; trget'
prät. Schöpf
tirol. 749. —
ein schwaches verb tregen
ist erst in jüngerer zeit durch analogische ausbreitung der -e-
und -ei-
formen entstanden s. o. 3
u. 4: dräge — draiti—drait Seiler
aao.; träge—treiti—treit Hunziker
aao.; drēgen '
ist schwach geworden' Martin
Waldeck (1925) § 191
anm. bedeutung und gebrauch. ob für die bedeutungsgeschichte von tragen
von der südlichen bedeutung '
tragen', '
halten'
oder der nördlichen '
ziehen'
als grundbedeutung auszugehen ist, läszt sich nicht entscheiden; auch fehlen übergangsbedeutungen. denn weder die verknüpfung mit lat. trahere,
die für '
ziehen'
als grundbedeutung sprechen würde, noch die mit altkirchenslav. drъžati '
halten',
die '
tragen'
empfehlen würde, ist gesichert. auch die übereinstimmung von schwed. dial. drg
mit slav. draga (
s. o.)
beweist bei den häufigeren übereinstimmungen des nordgerm. und des baltoslav. wortschatzes nichts für das höhere alter der bedeutung '
ziehen'.
man beachte aber, dasz auch im deutschen die anwendungsformen im vordergrund stehen, die, ausgesprochen oder unausgesprochen, ein bewegungsmoment einschlieszen. II.
mit einschlusz eines bewegungsmomentes, das sprachlich ausdruck findet, '
etwas von einer stelle zu einer andern befördern'
; durativ im gegensatz zu dem perfectiven bringen. I@AA.
von mensch und thier, vermutlich die primäre anwendung. I@A@11)
sinnlich mit concretem object. I@A@1@aa)
gewöhnlich ist das ziel angegeben: do trovc Isaac daz holz zov dem altare
speculum ecclesie 115
Kelle; tregt ein yeder ratzher ein kertz zuo dem altar Gebweiler
beschirm. des lobs Marie (1523) 17
a; er braucht gerade einen jungen, der ihm täglich das mittagsessen in sein verkaufsgewölbe in die stadt trägt S.
Brunner erz. u. schr. 1 (1864) 53; wir ... trugen einen tisch und einige gartenstühle in das leere zimmer Storm 1 (1899) 84;
redensartlich: er solle seinen fusz in andre länder tragen Gottsched
vers. e. krit. dichtk. (1751) 316; alles war verwachsen, wie wenn nie ein mensch seinen fusz hierher getragen Scheffel 2 (1907) 32;
vgl.B 1.
seit alters auch einen menschen tragen:
mendicus ... portaretur ab angelis in sinum Abrahae ther betalari ... uuas gitragan fon engilon in barm Abrahames
Tatian 107, 2
Siev.; hat ers nit recht gewonnen der massen, so wird er in die hell getragen H. Sachs 18, 204
G.; daz ich dir sagen, daz ist war, daz mich her trogg min aigen wip
Göttweig. Troj. 10845; also werden sie (
die kleinen kinder) ... einen verdrusz am spiegelschauen schöpffen, wenn man sie vorher ... vor den spiegel getragen hat J. G. Schmidt
die gestrieg. rockenphil. 1 (1706) 45; man eilt zur jagd; dein rosz ist stolz, dich herr, ins freye feld zu tragen Gottsched
ged. (1751) 41; der schwarze bock, der oft zu lustgelagen so manche hexe trug Blumauer
ged. (1782) 222;
besonders nach haus,
heim tragen: ik trat misse unde vêl in den rennenstê
n. mine kumpane drogen mi to hûs in der tît
des dodes danz 1373
lit. ver.; ein man ... wirt für trunckenheit heym zu hausz getragen Ambach
vom zusauffen (1544) d 1
a; ich ward mit mehreren wunden halbtodt nach hause getragen Göthe 25, 139
W.; die kellner trugen einen um ein billiges nach haus Nestroy 1 (1890) 11;
vgl. heim tragen
in übertragenem sinn unter C 9.
mundartlich auch prägnant (
mit ellipse des objects): tragen '
das essen aufs feld tragen' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 743
b; '
getreide dem garbenbinder zutragen' Hunziker
Aargau 57; zur hochzeit tragen '
ein hochzeitsgeschenk bringen' Fischer
schwäb. 2, 305. I@A@1@bb)
so in einer reihe von sprichwörtern: wasser in den Rhein, die Donau ... tragen: dicta in dolium pertusum ingerere wasser in Rheyn schütten oder in see tragen Frisius (1556) 697
a; an eim flusz ein prunnen graben das heiszt ... wasser in Tonnaw tragen S. Franck
sprichw. (1541) 1, 3
a; das wäre ja eben so viel, als trügen sie wasser ins weltmeer J. J. Chr. Bode
Thomas Jones 3, 278;
vgl. th. 13, 2340;
noch heute, bes. dialektisch, verbreitet. gleicher bedeutung holz in den wald tragen: das ist der welt verkerter lauff, daz mann nur stern an himel wil setzen, holtz in wald tragen und wasser in Rein
sprichw. schöne w. klugr. (1548) 61
b;
vgl. Eyering
prov. copia (1601) 3, 36; sein holz in büsche tragen Stoppe
Parnasz (1735) 331; holz in den wald tragen Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 2, 626; ablasz nach Rom tragen Binder 2.
holz, öl zum feuer tragen '
zwietracht schüren': sollicher weisz mit disem rath öl zu dem fewr getragen hat Didonis schwester Anna zart Spreng
Ilias 63
b; der Hungarn ubermuth auch holtz zum feuer getragen S. v. Birken
verm. Donaustr. (1684) 71.
den hund zum jagen tragen müssen '
jemand zur pflicht anhalten müssen': es ist schlimm, wenn man den hund zum jagen tragen musz Binder 96; es ist ein schlechter hund, den man aufs jagen tragen musz Kirchhofer
schweizer. sprichw. (1824) 282;
vgl. Fischer
schwäb. 2, 305.
weniger verbreitete sprichwörter: wer dich gen Rom trüge und herwider und setzet dich ungefehr einmal unsanffte nider, so were es alles verloren Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) i i 2
b; Fischer
schwäb. 2, 305; von den, die ein ding nit wöllen wissen, fragen unnd suochen, das sie vor wissen, spricht man: es hat im ein hund einn wetzsteyn inns hausz tragen
sprichw. sch. w. klugr. (1548) 103
a; der einen narren über meer tregt, wirt in an einen thoren tauschen
ebda 10
b; jeder trage seinen sack zur mühle Binder 166; man trägt den krug zum brunnen, bis er bricht Fischer
schwäb. 2, 305 (
gewöhnlich der krug geht ...
s. th. 5, 2432). I@A@1@cc)
statt localer angaben kann das ziel auch durch einen dativ der person bezeichnet sein: dem chunege ich den pechir truoch
Milst. gen. und exod. 81, 3; dem gab er ein habich, er solt ine dem herrn von Munteisz tragen Frey
gartenges. 81
Bolte; in jüngerer zeit mehr der poetischen sprache eigen: dann müssen uns die knaben mayen tragen maler Müller 1 (1811) 133; eine, der die himmelswandrer all die vögel botschaft tragen
F. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 264;
auch der umgangssprache geläufig ist: neulich war eine alte frau im nächsten dorfe krank, kein mensch trug ihr essen G. Freytag
handschrift 1, 102;
vgl. 2, 318. I@A@1@dd)
ein infinitiv des zweckes vertritt die zielbezeichnung: ir zerhowen schildebehalten man dô truoc
Nibl. 252, 1; we wil den doden schyten dragen? Tunnicius
sprichw. 721
Hoffm.; vgl. Thiele Luthers sprichwörtersamml. 267;
gramm. 4, 101.
formelhaft ist: 4 pfole und 4 twele in des meisters kamer, do man den meister czessen mete treyt
Marienbg. treszlerb. 103
Joachim; wie Magis könig You zuo essen dragen liesz
Aymont (1535) o 3
b;
vgl. zu tisch tragen
unten C 2.
hierher auch die formel spielen tragen '
verunglimpfen': es tregt mich auch ihre rotte spielen mit solchem urteil, das weil ich widder die bauren geschrieben habe, sey der geist von mir gewichen, dass ich verstockt nicht muge verstehen die helle warheit Luther 23, 280
W.; der unrügige man ... deutet und tregt den selbigen spielen, sich
damit zu schmücken und mich damit zu schenden und verunglimpffen Luther 30, 2, 27
W.; spielen
meint spellen;
die redensart bedeutet also ursprünglich '
etwas ins gerede bringen, unter die leute tragen': sulch geruchte nicht heymlichen sundir offinbar ist, so dasz gemeynlichen eyn yderman spelen treit in der stad czu Herczberg
aus hs. 26
der Zeitzer domherrenbibl. in zs. f. dtsche philol. 24, 286;
dort und 24, 39
f. sowie 26, 31
f. weitere belege aus dem 15.
und 16.
jh.; vgl. th. 10, 1, 2387. I@A@1@ee)
seltener mit angabe des ausgangs der bewegung: si entwâpente in ... si truogez harnasch her dan Wolfram v. Eschenbach
Parz. 622, 4; dô truoc in daz ors dan Hartmann v. Aue
Iwein 5039;
die verbindung (von) dan, davon tragen
hat gewöhnlich übertragene bedeutung s. u. C 10. de nam von deme holte reine golt und eddelsteine ... unde hêt it ût deme tempel drâgen
von deme holte des hilligen cruzes 660
Schröder; wolt ihm die hundert gülden schencken, die aus mein kloster ich hab tragen Albr. Dietrich
bawrenkn. (1618) b 6
b; er fiel von schmerz betäubt; man trug ihn aus dem kampf Dusch
verm. krit. und satyr. schr. (1758) 15;
mit besonderer note: weret dat ... in den noden jemet icht van dennen droge
urkdb. der stadt Hildesheim 4, 18; auff das minder sorg sei, das man heimlich etwas darausz tragt Sebiz
feldbau (1579) 33;
vgl.das gute ertz söll man in verslossen kübeln ausziehen, und nicht verstatt werden, yemandt ertzt von zechen zu tragen Lori
samml. des baier. bergr. (1764) 168;
spec. aus der welt tragen
uä. in poetischer sprache für '
begraben': diese, die man von uns träget, deren toderstarrte leich ... dort wird in ein grab geleget
Königsberger dichterkreis 5
ndr.; soll aber ich mein leben enden, ... so wolst du deinen engel senden, der mich trag aus dem jammerthal Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1 (1657) 15; da nun der theure ehegemahl dieser zärtlichen dame starb und aus der welt getragen wurde Heinse 2, 202
Schüdd. auch für '
aus der welt schaffen': und doch ... wäre bei einiger entschiedenheit des willens dieser konflikt jetzt endgültig aus der welt zu tragen
tägl. rundschau 1906
nr. 462
hauptbl. 1
c. I@A@22)
mit inconcretem object; in diesem bezirk ist eine starke entsinnlichung des bedeutungsgehaltes zu beobachten. I@A@2@aa)
mannigfache anwendungsmöglichkeiten, bei oft mehr oder minder bildlichem gebrauch: dû hâst dîn eigen verch erslagn. wiltu für got die schulde tragn Wolfram v. Eschenbach
Parz. 475, 22; Thobiam und Saram hat engel Raphael geertzent und ir gepet getragen für gottes angesicht Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. (1852) 159; alsso will ich der zu Mencz radtschlag ans liecht tragen und auffdecken Luther 19, 262
W.; dem geist gottes, der ûch die warheit für die tür treit Zwingli
deutsche schr. 1 (1828) 74; ihr leben ... den ... lanzen und degenspitzen ... entgegen zutragen S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 3
a; so will ich ehe ... mein ehr mit tod von hinnen tragen Schumann
nachtb. 337
Bolte; Cato trug seinen widerwillen in den rath A. v. Haller
Fabius und Cato (1774) 272; sie tragen trost und gesundheit in die hütten der armen Pfeffel
pros. vers. 5 (1810) 75.
anders, abgezogener: wenn ich eynen syn ynn die schrifft trage und tzihe darnach die schrifft drauff Luther 11, 438
W.; ähnlich ebda 18, 143; 23, 10.
wieder anders in der seltenen verbindung mit dat. der person: so der vil gehúre, sin werder vatter wirt gelait, der mengen herzen vrOede trait Rudolf v. Ems
Will. v. Orl. 1644; deren halben ich e. h. unsterblichen pflichtigen danck trag Schaidenraiszer
Odyssea (1537)
vorr. einige besondere anwendungskreise heben sich heraus: I@A@2@bb) krieg, verwüstung
u. ä. tragen,
fast ausschlieszlich mit localer zielangabe; erst seit dem 18.
jh.; vielleicht unter einflusz von lat. bellum, arma inferre, umsomehr als auch die parallele fügung waffen tragen in
nicht selten bezeugt ist: er verliesz Engelland und trug seine waffen in Neustrien A. v. Haller
Alfred (1773) 20; dasz ich diese meine waffen tief in die feinde trug Meiszner
Alcibiades (1781) 246;
stärker bildlich: selbst über die Weichsel hinaus trugen die deutschen ordensritter und schwerdtbrüder den ruhm und die herrschaft der deutschen waffen Eichhorn
dtsche staats- und rechtsgesch. 2 (1821) 145; den krieg zu tragen in des kaisers länder Schiller 12, 325
G.; ehe Hannibal den krieg dorthin trug Niebuhr
röm. gesch. 3, 640;
ähnlich: die maske der vorigen freundschaft abwerfend trug er jetzt tod und verwüstung in die länder derselben fürsten Moltke
ges. schr. u. denkw. 2 (1892) 196; die revolution in die nachbarländer zu tragen Häuszer
dtsche gesch. 1 (1854) 465;
vgl. auch th. 5, 2221; 13, 268. I@A@2@cc) botschaft, kunde tragen
u. ä.; es vergleicht sich der concrete gebrauch briefe tragen,
der die sinnliche vorstellung erkennen läszt, die hier zugrunde liegt: mîn vader lêp dô dorch dê lant unde drôch erer twîer brêve
Reinke de vos 2299
Lübben; eyme schuler ..., der do brief ken Liffland truk
Marienbg. treszlerb. 29
Joachim; auch mit unterdrückung der zielangabe: so wölt ich hüt tuon, daz du kainen buolbrief yemer me getrügest
N. v. Wyle
translat. 34
lit. ver.; seit alters auch unsinnlich: unde dat Hinze desse bodeschop drage to Reinken
Reinke de vos 906
Schröder; auf dieser linie liegt das formelhafte '
jemandem etwas zu ohren tragen';
vgl. schon mhd.: er wil beid übel unde guot den liuten in daz ôre tragen Konrad v. Würzburg
Troj. 24683; dorum eyn ieder oren melker lern, was seyn herschafft horet gern, das er das selbig all zeit sag, anmietig red zuo oren drag Murner
schelmenz. 23
ndr.; wann er nicht je zu zeiten so etwas dergleichen zu ohren trüge Grimmelshausen 2, 435
lit. ver.; zuweilen mit einem beisinn '
einflüstern'
oder '
hinterbringen': also sind auch herren gesynnet, wie man es yhnen vorsaget und zu ohren treget Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) y 2
a; auff das nit yemants eüwer freche wort vernemme und ihr die zuo oren trage Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 19
a;
in jüngerer sprache nur noch poetisch und mit anderer färbung: trug das gerücht vielleicht den nahmen und die thaten des groszen Palamed zu deinem ohr Schiller 6, 350
G.; vgl. auch th. 7, 1248
f. am weitesten entfernt sich dies tragen
von seinem sinnlichen ausgangspunkte in der wendung: '
etwas in jemanden tragen' '
zutragen, hinterbringen',
meist mit pronominalem object: solches alles war auf das hefftigest in kai. maj. getragen ainem rhat zuwider
chron. d. dtsch. städte 25, 365; dann wil ichs in die herren tragen und in von obseruanten sagen Murner
dtsche schr. 1, 1
v. 915
Schultz; weist nit mehr, du waschmaul? sag an und thues auch in die meister tragen H. Sachs 5, 56
Keller; sogar mit persönlichem object und dann im sinne von '
denunzieren, verleumden': das sy versagt und in min herren tragen werden, als
ob sy minen herren ungehorsam ... syen
a. d. j. 1488
in quellen z. Schweizer gesch. n. f. 2, 2, 468; etlich ausz den geystlichen seind an den könig tragen worden, als haben sy yhn wöllen verrathen S. Franck
weltb. 111
b;
vgl. Fischer
schwäb. 2, 306. I@A@2@dd)
stark entsinnlicht ist der gebrauch schlieszlich in wendungen wie in ein buch tragen
u. dgl. '
schriftlich eintragen': marckt-buch ..., worein die weiber wöchentlich tragen, was sie auf dem marckte bey dem einkauff ausgegeben Amaranthes
frauenz.-lex. 1210; mit vorwissen des freienvogts, welcher die schuld in ein besonderes buch trägt Möser
s. w. (1842) 3, 229; den vielleicht ebenfalls nicht zu reichhaltigen rest trägt der kaufmann und nicht der künstler zu buche Kretschmann
s. w. (1784) 5, 398; das es möglich wäre, dasz ungeachtet aller angewendeten mühe ... eine falsche nummer auf eine karte getragen würde Göthe II 5, 1, 49
W.; heute ist dafür eintragen
gebräuchlich; ähnlich zu papier tragen '
zu papier bringen': der mag die tugend melden und der die alten helden ausz Deutschland tragen zu papier Stieler
geharnschte Venus 15
ndr.; im sinne von übertragen (
vgl. th. 11, 3, 599): ist aber eine conto oder ein blat voll, so saldirt man und rechnet zusammen und trägt es auf folgendes blat Harsdörffer
d. teutsche secret. (1656) 2, 724;
vgl. des groszen künstlers lob wird dem nicht beygeleget, der fremden kupferstich nur auf tapeten träget Schwabe
belustig. (1741) 3, 259.
die sprache der geometrie kennt ähnliche wendungen: man nem ... alle puncten der krummen mauren ... und die weyten der felder ... und trage das alles auff ein zwerchlini Dürer
etl. underr. z. bef. d. stett (1527) a 4
a; fass mit einem circkel zwen grad ... und trag die selbige weite in den parallelen S. Münster
cosm. 39; (
man) trage die höhe ... mit einem zirkel auf einen maszstab Liebig
handb. d. chemie 1 (1843) 25. I@BB.
von leblosen subjecten, vermutlich von A
aus übertragen. I@B@11)
körpertheile: quocumque pedes ferent ich wil so weit gehen, als mich die füsz tragen wöllen Tappius
adag. cent. septem. (1545) c c 5
α; gih ausn ogen, so weet dich deene beine train Gryphius
lustsp. 264
P.; eher will ich gehen, so weit mich meine alten beine tragen, und ihm nie wieder vor die augen kommen Lessing 2, 306
L.-M.; lauf kerl, wohin dich deine füsze tragen A. v. Arnim 5, 292
Grimm; vgl. th. 4, 1, 1, 975;
vom flügel meist bildlich: dann meine schwachen eulenflügel tragen nicht hoch den Eulenspiegel Fischart 2, 192
Hauffen; uns dienstbar tragen seine (
des todes) flügel die ungesunden dünst auf hügel J. A. Schlegel
verm. ged. 1 (1787) 6; der wehmut schwingen tragen das milde herz zu liebefrohen tagen Körner 1, 126
Hempel. I@B@22)
bewegliche oder beweglich gedachte dinge. I@B@2@aa) wagen, rad
o. ä.: bereits mhd. bildlich: der sælden wagen, der uns sol tragen, dâ man sol iemer lachen
der Gotfrid v. Straszb. zugeschrieb. Marienpreis 77, 13
Wolff; der postwagen ... sollte ihn nach der universität tragen Kortum
Jobsiade 1 (1779) 36; zum hochscholligen gau tapferer Angeln trägt dich das stäubende rad J. H. Voss
s. ged. 3 (1802) 17; ja, wäre nur ein zaubermantel mein! und trüg er mich in fremde länder Göthe 14, 57
W. (
Faust 1122). I@B@2@bb) wind
u. ä.: an dem zwelften morgen ... heten sie die windeverre dan getragen gegen Isensteine
Nibl. 371, 2; wellicher wind von frembden orden tregt dich allher an disen porten Spreng
Ilias (1610) 51
b; günstige winde tragen ihn ... an die küste des landes seiner verheiszung Dahlmann
franz. revol. (1845) 76;
vgl. auch th. 14, 2, 234;
etwas abstehend: die luft ist rein und trägt den schall so weit Schiller 14, 316
G. I@B@2@cc) weg
u. ä.: einen wec sî dô gevienc: der truoc sî in einen walt Hartmann v. Aue
Iwein 5781; ich kam uff ain strasz weitt, die truog mich in ain awen
liederbuch der Hätzlerin 264; das ist die richtige strasse, die yhn zum hymel tregt Luther 6, 264
W.; ich ... kam auf eine gänge landstrasse, die mich vor die herrliche vestung Hanau trug Grimmelshausen
Simplic. 51
Kögel; durchl. herzog von Weimar ..., welchen der weg von Aachen nach hause durch diese gegenden trug Göthe IV 25, 71
W.; vergleichbar: die stiege was zu massen hoch, di trug in auf ain palasz Heinrich v. Neustadt
Apoll. 8223; das mere, daz ein schiff ... auf ein inseln genant Czanfonia truge Arigo
decam. 75
lit. ver.; von wannen trägt euch die woge? J. H. Voss
Odyssee 36
Bernays; etwas anders: irr ich umher, so weit das land mich trägt Ramler
lyr. ged. (1772) 277; dahin zu eilen, so weit der erdball mich tragen will Schiller 3, 565
G. der weg trägt
wird auch ohne object gebraucht: mit dem boumgart ich meine dirre werlde schœnheit, dâdurch ein wec ze helle treit Lamprecht von Regensburg
s. Franc. leb. 235
W.; der weg, so durch die pfützen oder lachen in Tuscanam tregt Xylander
Polyb. (1574) 169; so eilt man leichter auf der bahn, die nach dem himmel träget Günther (1726) 44; unser naturerkennen gelangt an eine kluft, über die kein steg, kein fittig trägt du Bois-Reymondt
über die grenz. d. naturerk. 20;
heute nur noch in gehobener sprache; in der gewöhnlichen ist führen
gebräuchlich; vgl. auch th. 13, 2871. I@B@33)
abstracta. mit concreter ortsvorstellung: dô truoc in diu geschiht ... an sîner vrouwen lant Hartmann v. Aue
Iwein 3923; das ungelück hett ihn mit klagen allher zu disem krieg getragen Spreng
Ilias (1610) 171
b; von dem verlangen dich zusehen hieher getragen S. v. Birken
ostländ. lorbeerh. (1657) 28; die märchenhaften wunder des orients, zu denen sein siegeslauf ihn trägt Scherer
litt. gesch. 92;
die ortsvorstellung ist allgemeiner art: dieser blick hätt euch über die sterne getragen Schiller 2, 66
G.; sie verblaszt auch: wie anders tragen uns die geistesfreuden von buch zu buch, von blatt zu blatt Göthe 14, 57
W. an die stelle der äuszeren ortsangabe tritt die des inneren zieles; das subject bildet dann gewöhnlich ein ausdruck für die geistigen kräfte des menschen: war zu in sein hertze trug, desz hette er nach wunsch gnug Heinrich v. Neustadt
Apoll. 8071; mein ingenium gantz verschlagn zu hohn ehrn mich empor könt tragn Gilhusius
gramm. (1597)
prol. 13; der geist ..., der sie einst ... zum siege getragen hatte Mommsen
röm. gesch. 2, 237.
in ähnlichen verbindungen kann tragen
sich der bedeutung '
veranlassen'
nähern: swâ zuo den man sîn wille truoc Gotfrid v. Straszburg
Tristan 619; als yhn sein natur trüge zu guten wercken Luther 24, 52
W.; ähnlich: die frechen freyen sin meiner blüenden jugent mich zu vil kurtzweil trugendt H. Sachs 7, 223
K. I@CC.
das verbum erscheint oft in festen verbindungen, derart, dasz die zielangabe formelhaft durch einen präpositionalen ausdruck, eine prädicative bestimmung oder adverbia verschiedener art gegeben wird: I@C@11)
zu hauf u. ä. tragen: aggero zesamen hauffen oder an ein hauffen tragen Frisius (1556) 63
b; du tregst die beutel auff ein hauffen Rollenhagen
froschmeus. (1595) b 5
a; denn es ist ein schatz mir zu hauf getragen
Reinicke fuchs (1650) 153; weil die ameisen arbeitsame thierlein wären und stets zu hauffen trügen J. G. Schmidt
rockenphil. (1708) 1, 164;
vgl. th. 4, 2, 588
f. I@C@22)
zu tisch tragen '
auftragen'
; meist mit object: ein lam sollet ir zu tisch tragen
Alsfelder passionssp. 3249
Grein; so thuot man es (
das häslein) in zwo guldine blatten und tregt es zu tisch für den künig Keisersberg
has im pf. (1510) F f 4
c; zuletzt richtet die linsen an, garniret die spiessgen mit der leber herum und lasset sie zu tische tragen Amaranthes
frauenz. lex. 1164;
vgl.: man muosz das häszlin über tisch in guldinen blatten tragen Keisersberg
has im pf. (1510) F f 4
c; die speisen, so man euch wird tragen auf den tisch Chr. Reuter
die ehrl. frau 65
ndr.; da wurde nach dem begräbnis wein auff die tafel getragen Schupp
schr. 98.
absolut zu tisch tragen '
essen auftragen': dero, die ze tisch truogen und des tisches wartotend Richental
chron. d. Constanzer conzils 181
lit. ver.; die obstinn trug zu tisch in einer vollen schüssel
Rachel satyr. ged. 116
ndr.; für diese nur bis ins 18.
jh. üblichen wendungen heute auftragen;
vgl. auch zu essen tragen
oben A 1
d. I@C@33)
zu grabe tragen; selten und vorwiegend in älterer zeit mit artikel: swie michil wære dine chlage, du truoge si (
die tote Rachel) doch hin ze dem grabe
Milst. gen. u. exod. 71, 16; todten leichnam zum grab tragen Hulsius 2 (1618) 304
a; czwen oder drey ... man zuo dem grabe trug Arigo
decam. 7
lit. ver.; vgl. schausp. des mittelalters 2, 140
Mone; bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 100; Ringwald
handbüchlin b 9
a;
im sprichw.: es darff kainer sorgen, wer in zuo dem grab trag Mayr
sprüchw. (1567) c 7
a;
dass. bei Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) l 2
b artikellos und so sonst in den meisten fällen: die ... ze velde lâgen erslagen, die hiezen sî ze grabe tragen Gotfrid v. Straszburg
Tristan 5618;
feretrum bare dar me doden mede to graue drecht Diefenbach
nov. gloss. 171
a; man wirdt in bald zu grabe tragen H. Sachs 6, 184
Keller; die jahre, welche hingegangen waren, seit man ihren gatten zu grabe trug Raabe
hungerpastor (1864) 1, 111;
öfter bildlich: meine tugenden und ritterlichen thaten, die das alter gemachsam in mir vertunckelt und zu grabe träget Schoch
com. v. stud. leben (1657) m 5
r; die letzte ... hoffnung ... ward den Italikern mit Markus Drusus zu grabe getragen Mommsen
röm. gesch. 2, 255;
auch zur ruhe tragen: und also das lieb genselein ... in ihren magen gleichsam zu ruh und grab getragen W. Spangenberg
ausgew. dichtg. (1887) 51; auch abends, wan die braune nacht den tag zu ruh getragen Spee
trutznacht. (1649) 90;
noch heute namentlich in der schriftsprache verbreitet; gelegentlich auch gen grab tragen: wenn man in morgen gehn grab ist tragen, wölln wir ein weil spacirn reiten H. Sachs 12, 140
Götze; sogar tragen
allein in prägnanter bedeutung = zu grabe tragen: dahin (
zum leichengepränge) auch gehört, was die christen ... thun an den leichen und grebern, das man sie herrlich tregt, schmückt ... Luther
dichtg. 128
Gödeke; seltener zu(r) begräbnis, zu kirchen
u. ä.: ad sepulturam dare zur grebnusz tragen oder bestatten Frisius (1556) 440
b; wir gezeucknüsz geben der zale der toden leichnam, die man ze begrebnüsz tregt Arigo
decam. 9
lit. ver.; zuo der begrebnüsz
ebda 6;
celebrare suprema officia einen bestatten und zuo kirchen tragen Frisius (1556) 912
b; des morgens sie den leichnam ze kirchen trugen Arigo
decam. 27
lit. ver.; vgl. th. 16, 195. I@C@44)
zu neste tragen, gewöhnlich elliptisch (
ergänze: baustoff),
congerere nidum Frisch 2, 15
a: wenn der adeler hat die art an im, daz er mitteilig ist und nit zuo nest treyt als die anderen zuchfögel Keisersberg
post. 3, 48
a; wenn der apfelbaum zum dritten mal blühet und die schwalbe zum neste trägt Musäus
volksm. 1, 26
Hempel; hast du die schwäne gesehen? sie trugen zu neste Kosegarten
sprüche der sträuszermädchen (1818) 22;
bildlich: halt dieses täubgen (
deine braut) wohl und trag mit ihm zu neste Günther (1726) 101;
im 16.
und 17.
jh. vom menschen: mit jemand zu nest tragen
sich geschlechtlich vereinigen s. th. 7, 623;
dagegen etwas zu nest tragen
nach haus bringen: der Flumenthaler junker, der ... seine beute ... zu neste trug Gotthelf
ges. schr. (1855
f.) 8, 105. I@C@55)
zu markte tragen u. ä.: das die bawren solche (
schweinsblasen) zu marck tragen und öl darein kauffen Messerschmidt
von des esels adel 121; Änneli mit seiner meisterfrau, die garn und anken zu markte getragen hatten Gotthelf
ges. schr. 1 (1855) 187; mann tregt eben so vil kelber als küw hewt gen marckt (=
man kann auch jung sterben)
sprichw. sch. w. klugred. (1548) 177
a;
häufig metaphorisch: er wil den schnee im ofen dörren, er wil das glück zum marckt tragen Eyering
prov. copia (1601) 2, 459; wie sie den rauch zum marckt tragen (
zu: du blesest sehr und beheltest das meel im maul)
ebda 1, 794;
meist die eigene haut:
cuique alea sua subeunda est ein ieder musz seine eigene haut zu markte tragen Steinbach 1, 719; wer falsche schritte thut, mag auch seine haut selbst zu markte tragen Schleiermacher
s. w. (1834
ff.) I 5, 407; nun kam der carneval ... tag und nacht wütete tollkühnheit in den straszen ... jeder muszte seine haut zu markte tragen Herman Grimm
Michelang. 1, 134;
auch: wer seine knochen zu markte getragen hat, vor dem hab ich respekt Fontane
ges. w. I 5, 89;
vgl. th. 6, 1646; die ... um ein einzig wort ... ihr leben ohne noth der welt zu markte tragen Neukirch
ged. (1744) 115. I@C@66)
feil tragen (
ware)
umhertragen und zum verkauf anbieten: daz er die hiute veile truoc Hartmann von Aue
Iwein 3341; ob jemant käm, der solich klainat fail trüg
Fortunatus 30
ndr.; er hat die sterck, das er zuweil möcht kirchentürme tragen veil Hayneccius
Hans Pfriem 54
ndr.; hat sie ... die übrige sechse (
bücher) in vorigem werth für den könig feil getragen Neumark
neuspr. teutsch palmb. (1668) 447; fette milch und frische eier trägt sie (
die sennerin) feil C. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 122;
im sprichwort: fumos vendere rauch feyle tragen Tappius
adag. cent. septem (1545) 5
a;
häufig übertragen: noch sindt der ein michel teil, die ouch den kolb tragent feil Murner
narrenbeschw. 48
ndr.; vgl. dazu th. 5, 1604
f.; doch ich meint, du hieltst meyn teil, druogstu meyn sach den finden feil Murner
schelmenz. 28
ndr.; wie wol man dich (
Christus) noch all tag feil treit
N. Manuel
v. papst u. s. priestersch. 1885
Bächt.; der ihre schand entdeckt und allen feil getragen Günther (1726) 401;
gern vom leben: wie vil sind deren, so mit verhencktem zaum dem tod entgegenlauffen, im leib und leben von wegen einer kleinen besoldung feiltragen Wickram 4, 127
Bolte; bin aller ding verwegen schlecht. mein leben trag ich (
armer landsknecht) allzeyt feyl H. Sachs 9, 7
Keller; denn hier sein leben feil getragen ist christlicher, als gott der ruhe nachgesetzt Gottsched
ged. 1 (1751) 296. I@C@77)
schau oder zur schau tragen öffentlich umhertragen; schau tragen (
nach A. Hübners
vermutung aus proklitischer vereinfachung von z(u)schau)
vom 16.
jh. bis ins 18.: hast ausgezogen die fürstenthümer und die gewaltigen und sie schau getragen öffentlich
Col. 2, 15; gehe zu dem, der es gethan hat, und vermane in, das er sich bessere, nicht also das du es schaw tragest Luther 32, 333
W.; solchen raub öffentlich schau tragen Schottel 1228; da alles auf theater und markt und tanzplatz schau getragen wurde Herder 5, 497
S.; das heute allein gebräuchliche zur schau tragen
zuerst im 18.
jh.: der königliche pfau trägt seinen schweif zur schau Hagedorn
poet. w. 2 (1769) 146;
eigentlich: ihrer ... glänzenden toilette zu gedenken, die sie ... selbst in solchen rollen zur schau trug, wo es durchaus unpassend war O. Jahn
Mozart (1856
ff.) 4, 481; man war ärgerlich, dasz sie die beschmutzten schuhe so öffentlich zur schau trugen Bettine
Günderode 1 (1840) 131;
übertragen: eine natürliche abneigung ..., erlangte vortheile von irgend einer art zur schau zu tragen Nicolai
Seb. Nothanker 1 (1773) 22; die katholischen provinzen bestrebten sich seitdem, eine strengere sitte zur schau zu tragen Tieck
schr. 4 (1828) 110; das ansehn ungeschwächter gesundheit zur schau tragen Hoffmann von Fallersleben
ges. schr. (1890
ff.) 8, 349;
vgl. th. 8, 2378
f. I@C@88)
in die küche tragen unpersönl. im sinne von '
das brot verdienen'
; die zugrundeliegende sinnliche vorstellung zeigt sich deutlicher in der ähnlichen redensart es trägt kein brot ins haus:
kunst und weyszheit ist yetzt auff erdt nicht wie vor zeyten lieb und werdt, weil sie nicht mehr tregt brot ins hausz H. Sachs 8, 615
Keller; ähnlich 9, 159;
non est de pane lucrando es trägt kein brod ins hausz Corvinus
fons lat. (1646) 495; es trägt in die küche
meist mit nicht, etwas, viel
o. ä. verbunden: nihil ad farinas es tregt nicht in kuchen ... ein ding ..., dasz nit in die kuchen trag und nit volle kästen mach
sprichw. schöne w. klugr. (1548) 17
b; es treget nicht in die küchen Friedrich Wilhelm
sprichw. reg. (1577) f f 1
b; weilsz (
das müsziggehen) aber nit wil in die kuchel tragen, so acht man wenig euer klagen
Regensburger fastnachtsspiel v. 1618
in Baierns maa. 2, 5
Brenn.-Hartm.; dann es ist kein ampt so klein nicht, es tregt etwas in die kuchen Höniger
narrensch. (1574) 66
b;
auch mit dat. pers.: und trieb viel manches gauckelspiel, das trug im in die kuchen viel Fischart 2, 38
Hauffen; zuweilen mit substantivischem object: diese gepot des bapst trugen mehr gelt yn die küchen Luther 20, 509
W.; ähnlich: die sich inn jeden schändlichen und unehrbaren gwin einlassen, wann er ihnen nur in seckel trägt Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 322. I@C@99)
heim tragen. neben dem eigentlichen gebrauch '
nach hause bringen' (
s. th. 4, 2, 863)
im 16.
jh. auch freier '
zuweisen, überweisen': so wolten sie in solcher sachen nicht selbs richter sein, sondern dem recht oder kai. mai. wider heim tragen Luther (
Jena 1566) 4, 316
a; so man an Christum glaubt, als dann tregt man gott die ehr heim, dass er gnedig, barmhertzig und freigebig sey Gretter
erklär. der ep. Pauli an die Römer (1566) 835
auf Luther
fuszend s. th. 4, 2, 863. I@C@1010)
davon, von dannen o. ä. tragen: zunächst eigentlich im sinne von A 1 e: din gelt trage mit dir von dan
Alsfelder passionssp. 3619
Grein; der lieben weiber saufftag, da saufft, dasz man einander darvon trag Fischart
Garg. 73
ndr.; gewöhnlich aber übertragen im sinne von '
erlangen, erringen',
schon mhd.: swen got den sic dan læzet tragn, der muoz vil prîses ê bejagn Wolfram v. Eschenbach
Parz. 537, 23; wie denn ewere ritterliche hand hat ... das lob mit grossem ruohm darvon tragen Schumann
nachtb. 99
lit. ver.; der in der grossen schlacht den preisz darvon würd tragen Werder
hist. v. ras. Roland (1636)
ges. 1
str. 9; dass die kunst die ehre über unsre grosse und mächtige mutter natur davon trage J. J. Chr. Bode
Montaigne (1793) 2, 103; dann wer da wil die warheit sagn, wird kleinen lohn von dannen tragn B. Krüger
Clawerts werckl. hist. 25
ndr.; was ich soll singen, dasz ich danck von trage Voigtländer
od. und lied. (1642) 1;
vgl. damit die nicht seltenen fügungen wie: es ... trägt mancher einen eisernen arm oder höltzernes bein u. w. zur belohnung davon Butschky
Pathmos (1677) 47;
in ihnen kreuzt sich der sprachgebrauch, der ebenso objecte des vorteils wie des nachteils von davon tragen
abhängig macht: wann ich solches fast straffen wolt, müszt ich ein beschissenen beltz darvon tragen Lindener
rastb. 8
lit. ver.; würd nichts denn unfruchtbare arbeit darvon tragen Kirchhof
wendunm. 1, 279
lit. ver.; dessen mitobrister Detricus einen pfeil in der stirn davon getragen S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 67; du kannst in deinem leben noch genug schläge davon tragen, wenn dir das fell so sehr juckt Tieck
schr. (1828) 3, 87; etwas davon tragen
umgangssprachlich '
sich eine krankheit zuziehen': so lustig diese wasserfahrten sind, so trägt man doch, ehe man sichs versieht, etwas davon Göthe IV 21, 2
W. öfter auch ohne das locale adverb in derselben bedeutung; das erklärt sich wohl aus einem eindringen von tragen
im sinne von '
haben, besitzen' (
s. u. III D): den prîs von allen dingentruoc er vor manigem man
Nib. 918, 1; got der gab mir do ye die krafft, das ich do nyndert unterlig und trag gen meinen feint den sig
pfarrer v. Kalenberg 29
ndr.; sie dachten bey sich selbst, die arbeit ist dahin, wir tragen des gar übelen gewinn
Reinicke fuchs (1650) 197; und mehr gewinn und ruhm als alle sieger trugest Günther (1726) 363. I@C@1111)
darein tragen, in eine sache tragen o. ä. '
eintrag thun, beeinträchtigen, entgegen sein' (
vgl. eintrag 2
th. 3, 324; eintragen 9
th. 3, 325
f.)
; namentlich im 15.
und 16.
jh.; trans. mit etwas, nichts,
doch auch nicht selten mit ellipse des objects: das ynen die von ... nie nichts darin geredt noch getragen haben ... antwurtten die von E., das sige nit, wan hetten sy ynen daryn nit getragen, wäre es zuo recht nit komen
a. d. j. 1448
bei Fischer
schwäb. 2, 306; ouch und wollen wir den egenanten Puothen ... schutzen und schirmen und in gen allen den, die dorein tragen wolten oder meinten, vertreten
a. d. j. 1429
in lehnsurkd. und besitzurkd. Schlesiens (1881) 2, 146; unnd soll innen nhiemandts darahn hindern oder auch darinnen dragen
a. d. j. 1450
weisth. 3, 756; under den herren allen was keyner, der da dem keyser etwas in die sach dragen dorfft
Aymont (1535) x 3
a; wenn die selben in ein ander landt wellent zyehen, do inen denn nyeman in ire sachen tragen mag Keisersberg
post. 2, 49
b.
seltener ist die präpositionelle fügung inhaltlich präcisiert: bitt ich, ir wöllendt mir in mein letsten willen nichts tragen und meinem knecht zuolassen, das er mich nach meinem todt uffschneid Wickram 1, 348
Bolte; hierumb wil von nöten sein, dasz man den geistlichen heuptern in ir regiment trag und in mit nichten gestatte
satiren und pasqu. 2, 16
Schade. I@C@1212)
überein tragen selten transitiv verwandt im sinne von '
zusammenfügen, vereinbaren': mit ihnen ... dieselben sachen also hat überein getragen und geschlossen Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 3.
buch, z 3
b;
vgl. mhd. enein
und zesamne tragen: von ir vrúnden wart in ain getragen ain tac den knen Rudolf v. Ems
Will. v. Orl. 323; si truogen daz zesamne dâ, daz diu herzogîn sprach suone jâ Wolfram v. Eschenbach
Parz. 727, 29;
die brücke zum absoluten gebrauch könnten fälle bilden, in denen ein folgender neben- oder hauptsatz das object darstellt: mit den truoc er uber ein und stête daz mit banne ... daz der ir ban an sich ladet Ebernant v. Erfurt
Heinr. u. Kun. 3228;
vgl. Reinke de vos 900
Schröder; aber frühzeitig absolut und scheinbar intransitiv '
übereinstimmen, einig sein': sol aber die harfe wol luten, so sulen die seiten wol uber ein geliche tragen
deutsche pred. des 13.
u. 14.
jh.s 24, 13
Leiser; vgl. 25, 26; 40, 11; ob zwêne undir ûch ubir ein tragen ûf der erden von allen dingen, wes si bitten
Matthias von Beheims evangb. Matth. 18, 19; Denmarck wasser ist guot; ob es sach wer, das ein man oder wib nit über ein triegent, die trincken beid darvon usz eim nappf, sie werdent eins H. Braunschweig
das buch d. rechten kunst zu destilieren (1500) 39
b; die freundschafft tregt nicht uberein ... ein blutverwandt den andern schmecht Ringwald
geistl. lied. u. gebetl. (1586) 108
b;
auch mit der näheren bestimmung '
mit jemand': to hant dar na quemen des rikes vorsten und drogen mit den Sassen over ein an dem kore
Magdeburger schöppenchron. 133
Janicke; öfter mit wol: de pawes droch wol overein myt deme keysern und let predeken dat kruse over mer
chron. der dtsch. städte 19, 41 (
Lübeck);
vgl. 19, 8; 19, 19; in den tiden was nein bischop, de so wol over ein droge mit sinen broderen, als he dede
Magdeburger schöppenchron. 81
Janicke; oder '
mit etwas', wan si undir en inzwei tragen, sô wil ich bewîsen, welch di scrifte sint, di mit der krîgeschen wârheit ubir ein tragen
Matthias von Beheims evangb. 1.
vorr. bl. 2; was mit recht nicht überein trägt, ist immer unrecht Graf-Dietherr
deutsche rechtsspr. 3, 36;
das gegentheil ist enzwei tragen '
nicht übereinstimmen',
s. die mhd. lex. u. ö.; überein tragen
ist nur bis ins 16.
jh. verbreitet und zwar vorwiegend nd. und md.; vgl. th. 11, 2, 191. IIII.
ohne angabe eines zieles oder ausgangspunktes; die bewegungsvorstellung ist aber immanent und grenzt die bedeutung gegen bloszes '
halten' (
s. u. III)
ab. II@AA.
von mensch und thier. II@A@11)
sinnlich mit concretem object, vgl. auch unter IV A. II@A@1@aa)
bürde, last, sack, packen, paket, koffer
u. dgl. tragen: das tragen ist wohl die ursprünglichste beförderungsweise Lueger
lex. d. ges. techn. 2, 544;
unter den thieren bes. oft vom esel: iz (=
esel) mag ouh in waraburdin dragan suara Otfrid IV 5, 9; de esel sprak: ja, were ik dot, ... we dan de korve scholde dregen, da umme scholde ik klene sorgen
Magdebg. Äsop 63, 10
Seelm.; so in vielen redensarten u. sprichwörtern: man rüft den esel nit gen hoff, er soll dann seck tragen
sprichw. sch. w. klugreden (1548) 38
b; mancher tregt einen sack und heiszt seinen nachbar einen esel Rabener 4, 32;
absurda es ist alles verkehrt, die seck tragen die esel S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 2
a; ochsen ... eine ... starke raçe zum tragen doppelter lasten geeignet Ritter
erdkunde 2, 179;
baiulus, gerulus der last tregt umb lohn Alberus
dict. d 1
b; vier jahre lang schafft ich den ältern brod, der ich um dürftges taglohn lasten trug Schiller 13, 346
G.; auch: als Jesus einst die last des kreuzes trug und rasten wolt vor Ahasveros thür Schubart
ged. (1787) 2, 68,
vgl.b
β;
sprichwörtlich: der ist ein narr, der tragen will, das im ufheben ist zuo vil S. Brant
narrenschiff 24, 1.
nicht selten bildlich: trage mit dir der sunde last, genc hen von mi und schri ach und owe
spiel v. d. 10
jungfrauen v. 358; ein jeglicher wird seine last tragen
Gal. 6, 5; wer die schwächsten schulter hat, musz in gemein die grösten päcke tragen P. Winckler
zweytausend gutte gedancken (1685) c 5
a.
holz und wasser tragen als schwere oder niedere arbeit; schon mhd., s. Lexer 3, 708; er erkundigte sich vorher ..., ob man ihn nicht nöthigen werde zu graben oder holz und wasser zu tragen Zimmermann
üb. d. einsamkeit 1, 255; ganz mühlos läszt sich freude nicht erjagen. wer blumen pflanzt, der musz viel wasser tragen Frida Schanz
ährenlese2 41.
sprichw.: fürnemblich gab der unfall gros Marien den beschwersten stos, die trug das holtz am dicksten end B. Ringwald
evangelia g 2
a.
von einzelnen gegenständen: ein wagner kompt gegangen dar und trägt ein achsz wolschneidig gar Spreng
Ilias 49
b;
sicarius der eine verborgene wehr tregt
nomenclator lat. germ. (
Hamburg 1634) 556; sein gewehr, das hat er getragen wie eine guitarre v. Ebner-Eschenbach 4, 152; schildknappe, der knecht, der den schild des ritters trägt
th. 9, 134,
vgl.waffenträger 2
th. 13, 322;
ein anderes waffen tragen
s. unten III C 2;
lanterniere, che porta la lanterna jung, der die latern trägt Hulsius (1618) 2, 219
b;
vgl. noch den ölgötzen tragen
s. th. 7, 1279; den sattel tragen
s. th. 8, 1822.
anders: zwar durft er ihren handschuh tragen, das war nicht viel in jenen tagen A. v. Droste-Hülshoff 2, 127
Cotta. ohne objectsangabe: ich gang und trag, das mir der halsz kracht
Till Eulenspiegel 12
ndr.; zum tragen ist diss thier (
esel) von natur aus ... geneigt Forer
Geszners thierb. (1563) 41; das bienlein wird wol tragen bei guten, warmen tagen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 400
b; wer gern trägt, dem ladet jeder auf Wander 4, 1281. II@A@1@bb)
als besonderer anwendungsbereich hebt sich heraus: II@A@1@b@aα)
die fahne tragen u. ä.: Galogandres den vanen truoc: der kundez her wol manen Wolfram von Eschenbach
Parz. 208, 16; mutter, seid stolz: ich trage die fahne R.
M. Rilke
ges. w. 4 (1927) 19; und trug pfaltzgraf Ott von Wittelspach uss Beiern des richs panner Tschudi
chron. helvet. 1 (1734) 76.
in übertragener u. bildhafter anwendung '
der erste, anführer sein': vor dem narrenheer sollst du die fahne tragen Mayr
päckchen satiren (1769) 13; nu sprechen umb die nahtegalen! ... welhiu sol ir baniere tragen? Gotfrid von Straszburg
Tristan 4776; du (
Maria) dreges der kuscheide vane
zs. f. d. altert. 1, 38;
vgl. 1, 101; Hugo von Trimberg
renner 7554
E.; auch er tregt das hasenpanier Eyering
prov. cop. 2, 448 '
er flieht',
vgl. th. 4, 2, 539;
als zeichen des '
kriegführens': hoffart ist allenthalb sünd, sie hab dann ein helmlin auff und trag ein fenlin
sprichw. sch. w. klugreden (1548) 159
b,
vgl.: wann hoffart ein ehr sei? ... wann die fahnen im feld fliegen Zinkgref
apophthegm. 1, 200. II@A@1@b@bβ)
kreuz tragen: then thuungun sie daz her truogi cruci after themo heilante
Tatian 200, 5
Siev.2; heft he (
Jesus) sîn crûce up sik genomen unde dat gedregen mit gedult B. Waldis
verl. sohn v. 65.
nach wer nicht sein kreutz trägt und mir nachfolgt
Luc. 14, 27
sehr oft in bildlicher anwendung, die die bewegungsvorstellung undeutlicher werden läszt: will mein creutz auch mit gutem und rechtschaffnem gewissen tragen, biss gott dasselbe auch von mir nemme
V. Schumann
nachtbüchlein 74
Bolte; wer lang lebt, trägt lang sein creutz Lehmann
flor. polit. 1 (1662) 15; es musz jeder sein kreuz tragen A. v. Arnim 15, 385
Grimm, vgl. noch th. 5, 2177
f.; auch sein schulkreuz
u. ähnl. tragen,
vgl. z. b. Stoppe
Parnass 35. II@A@1@cc)
einen menschen, ein thier tragen: quattuor viri portantes in lecto hominem, qui erat paralyticus fior gomman tragente in bette man thie thar uuas lam
Tatian 54, 2; also wolt die tauffgöttel, die das kind truoge, uber ein steg gon
Till Eulenspiegel 5
ndr.; vgl. IV A 1 a, b; du frewest dich, das das rosz dich treit; möchtestu das rosz tragen, das wer ein grosze eer, wan es wer ein zeichen deiner sterke Keisersberg
narrenschiff (1520) 183
a;
vgl. den pferden war's so schwach im magen, fast muszt' der reiter die mähre tragen Uhland
ged. 1, 254
Schmidt-Hartmann; ain pferd tregt den paurn so wol als den hertzog Berthold von Chiemsee
theol. 336
Reithm.; den hund tragen (
s. th. 4, 2, 1915)
als entehrende strafe: zwey einheimische folianten tragen nennen wir den hund tragen; vier ausländische den sattel tragen Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 24. II@A@1@dd)
vereinzelt im sinne von '
forttragen': so du schneydest die sat auff deim acker und vergissest ... ein garb: nit ker wider ... wann lasz sy tragen den frembden und den waisen und die witwen (
sed advenam et pupillum et viduam auferre patieris)
erste dtsche bibel 4, 209. II@A@1@ee)
auch in der bedeutung '
zu tragen im stande sein': mein knecht trägt zwei tonnen weizen, mancher sinkt unter einer zusammen Hebbel
s. w. (1891) 9, 63;
ebenso dialektisch er treit schwer '
kann schwere lasten tragen' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 743. II@A@22)
das object ist nicht gegenständlich. verblaszt, selten. II@A@2@aa)
mit einem eigentlichen abstractum vor allem in symbolischer ausdeutung des kreuztragens von Christus gesagt: sünde tragen nach Joh. 1, 29 sihe, das ist gottes lamb, welches der welt sünde tregt (
ecce agnus dei, ecce qui tollit peccatum mundi); ich pin das lamp, das der sünden pein aller welt auff im trayt
altd. passionsspiele a. Tirol 28
Wack.; vgl. noch zs. f. d. altert. 4, 539; ritter v. Harff
pilgerf. 191
Groote; du (
Jesus) hast all unser sünd getragen
N. Manuel 57
Bächtold; vgl. Hans Sachs 11, 443
K.; gelegentlich auf die stellvertreter Christi übertragen unter umdeutung nach III A 2 d
δ: got hat sie (
die priesterschaft) gordnet und gemacht das sie sond tragen unser sünd P. Gengenbach 24
Göd.; mit poetischer verdeutlichung des bildes: ein lämmlein geht und trägt die schuld der welt und ihrer kinder Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 307.
so auch krankheit
u. ä. tragen
nach furwar er trug unser kranckheit und lud auff sich unser schmertzen
Jes. 53, 4
und er hat unsere schwachheiten auf sich genommen und unsere seuchen hat er getragen
Matth. 8, 17;
vgl. erste dtsche bibel 1, 30; Christus hat all unser schmerzen und arbeit getragen Zwingli
dtsche schr. 1 (1828) 156; er trug sein kreutz und unsern schmertz Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 304.
sonstiges sünde, schuld
u. ä. tragen
s. unten III A 2 d
δ. II@A@2@bb) die stimme, den ton tragen
spec. term. techn. in der musik nach ital. '
portare la voce'; '
port de voix heiszt im musikalischen verstande ein forttragen der stimme ... und ist eine manier, so entstehet, wenn zwischen zweyen aus einem grad von einander stehenden noten die vorhergehende tiefe oder höhere bey der darauf folgenden noch einmal schleichend gerühret, zur folgenden gezogen und fortgetragen wird' Walther
musikal. lex. (1732) 488: der sänger weisz die stimme gut zu tragen Adelung 4, 641; schöne sirene, wie du so artig kannst heben und tragen den ton Herder 27, 295
S.; als subst. infin. nach '
il portamento di voce': er einen schwächern ton hat ... und überdem noch die bebung und das tragen der töne voraus hat Bach
art d. clavier zu spiel. 1 (1759) 7; im adagio ... (
musz) zärtlichkeit und ein angenehmes ziehen und tragen der stimme herrschen Quantz
anweisg. d. flöte zu spiel. (1789) 107;
heute nur in dem daraus entwickelten part. getragen
lebendig, vgl. th. 4, 1, 2, 4414.
ein anderes stimme
u. ä. tragen
s. u. III A 3 b
u. die stimme trägt VI A 2. II@BB.
von leblosen subjecten, vgl. I B. II@B@11)
von körpertheilen: wî turren mih di vûze vor angisten tragen
Pilatus 121
in zs. f. dtsche phil. 8, 276; lasz auch niemands vom tisch auffstehn, bisz er nit mehr selbs heim kan gehn, und dasz im schwindel vor dem gsicht, und in die füsz wölln tragen nicht Scheit
Grob. 1875
ndr.; nun will ich gehn, so schnell die alten füsze mich tragen wollen Kotzebue
sämtl. dram. w. 2, 16.
vereinzelt in umkehrung ek konne mîne beine kume noch dragen
ich konnte mich kaum noch fortschleppen Schambach
Gött. 47
a.
auch bildlich: selbst in seinen schwächsten stücken ... trägt ihn (
Schiller) sein fittich noch hoch über den niederungen, in denen die ... literarischen frösche quacken Eulenberg
schattenbilder (1910) 47.
anders in prägnanter, oft poetischer diction, in der körpertheile an stelle der person stehen: rühmt den, des hand uns träget Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 349
b; sie (
die hände) trugen ihn mehr, als dasz sie ihn führten O. Ludwig
ges. schr. 2, 315. II@B@22)
von beweglichen dingen wie schiff, wagen
u. ä.: al sîn maht treit ein schef
Seifrid Helbling 1, 800
S.; das sibend schiff, welliches trug (
vehebat) den frommen mann Orontem klug Spreng
Äneis 4
b; mein schnelles schiff dich trug Bürger 156
a Bohtz; o wär ich ein wagen bequem dich zu tragen Göthe 1, 32
W.; es trägt der besen, trägt der stock, die gabel trägt, es trägt der bock (
sc. die hexen) 14, 202
W. (
Faust 4000). II@B@33)
abstracta. von impuls gebenden geistigen kräften des menschen, in gehobener sprache, zumeist beim partic. perf. pass., während bei andern verbalformen in der regel eine ortsvorstellung ausdruck findet, vgl. oben I B 3: von seinem gefühl, von mut, von begeisterung, vom schwunge der gedanken
u. ä. getragen; lasz ... mich über sphären himmelan gehoben, getragen sein vom herrlichen gefühl Schiller 1, 27
G.; gern infolge bildl. gebrauchs von flügel
u. ä.: ... und die stille abendluft wird ihn (
den namen) auf ihren flügeln tragen Hölty
ged. (1869) 49; eine schmale, finstere treppe, die ich emporstieg ... getragen wie von flügeln von dem wonnigen bewusztsein meiner edlen tat Ebner-Eschenbach 4, 318.
bei poetischer umschreibung an stelle des persönlichen subjectes: der reitet sanft, den die gnade gottes trägt Kramer 2 (1702) 1103
b; o mein gott! wer kann ergründen, wie uns deine güte trägt B. Neukirch
ged. (1744) 55. IIIIII.
ohne bewegungsvorstellung, mit dem grundbegriff des steten '
haltens',
der durch besondere nebenvorstellungen näher bestimmt sein kann (
s.B und C). III@AA.
allgemein. III@A@11)
bloszes '
halten'
in mannigfacher nüancierung der vorstellung. sinnlich mit concretem object von persönlichen und sachlichen subjecten. III@A@1@aa)
eigentlich mit deutlicher anschauung: ther (=
knecht) dregit hiar in sinan notfinf girstinu brot ouh zuene fisga tharmit Otfrid III 6, 28; al drecht he (
der engel vor dem paradies) ein vurich swert, he hudet darmede de schonen stede
v. d. holte d. hill. cruzes 64
Schröder; ene ele na rechter mate bekant schal dreghen sine luchtere hant meister Stephan
schachbuch 3404; (
Judas) hatte den beutel und trug, was gegeben ward
Joh. 12, 6; o wär ich da! o stünd ich schon, ach süszer gott, für deinem thron und trüge meine palmen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 399
a; wenn man ihn mahlt, trägt er immer ... einen vollen becher maler Müller 1, 165.
besonders von dingen: leuchter tragen kerzen; eiserne ringe an der wand tragen kienfackeln
u. ä.; wo ein bescheidnes bücherbrett die lieblinge des würdigen herrn, die edlen alten schwarten trug Mörike 1, 188
Göschen; die tafel trägt das beste an wein und wild und fisch Fontane
ged. (1875) 99; als er den kleinen, staffeleiartigen, immer das neueste tragenden ständer ... gewahr wurde
ders. I 4, 6; die schlüsselform des (
sc. menschlichen) beckens zum tragen der eingeweide O. Peschel
völkerkunde 3;
auch: der mittlere hügel oder altar trägt drey erstaunlich grosze steine Gerstenberg
schleswig. lit. briefe 249
lit. denkm.; auf dem hügel, dessen spitze das römische lager trug Mommsen
röm. gesch. 2, 184;
geographisch: den grat, der ... den Kanzel- und Gamskarlspitz trägt H. v. Barth
Kalkalpen 346; gebirgsganze ..., die als plattformen ... erscheinen ... und wiederum andere gebirge tragen können Ritter
erdkunde 1, 73;
weiterhin: vorder- und hinterteil der (
Wikinger-)schiffe trugen gern phantastische figuren Niedner
Islands kultur (1913) 49;
anders: ich will auch melden, dasz meines vaters haus den schild 'zum goldenen brunn' getragen und noch trägt S. Brunner
erz. u. schr. 1, 132.
mit dem beisinn '
fassen'
bzw. '
aufnehmen können ohne zu sinken': ein schyp en mochte de nicht al dragen, de nu synt in der doren tal H. v. Ghetelen
narrenschyp 5
Brandes; vgl. S. Brant
narrenschiff 2, 18
Z.; das schiff trägt 300 last
la nave porta, leva trecento cariche Kramer 2 (1702) 1104
a; eben den tag kam ... Menelaos mit unendlichen schäzen, so viel die schiffe nur trugen Voss
Odyssee 45
Bernays. im gegensatz zu den bisherigen anwendungen kann tragen
auch ein '
halten von oben'
eines hängenden gegenstandes sein: ein seil, tau, kette
u. dergl. trägt den eimer, den anker
u. ä.; tragendes seiltrumm
bei flaschenzügen das auf der seite der last befindliche seilende O. Mothes
baulex. 4, 361;
ähnlich vom magnet,
auch mit dem begriff der tragkraft: das zusammengedrückte (
magnetische) hufeisen trägt nicht die hälfte dessen, was es aufgesperrt tragen kann Göthe IV 15, 36
W.; dasz man mit einem sehr kleinen aufwand von zinn einen eisendraht zu einem magneten machen kann, der 1000 pfund eisen trägt Liebig
chem. br. (1844) 119.
mit persönlichem object naturgemäsz selten: ther selbo mittilo boum (
der stamm des kreuzes) ... ther then lichamon druag Otfrid V 1, 22; sieh, an ein holz festgeschlagen, eiserne nägel mich tragen Cl. Brentano 1, 148.
als besondere anwendungsbereiche mit stehenden, z. th. redensartlichen verbindungen zeichnen sich ab bei weiterer variierung der öfter undeutlich werdenden anschauung: III@A@1@bb)
das tragen
von blättern, blüten u. ä. bei bäumen und pflanzen, das vom tragen der frucht (
vgl. unten III B 2)
zu trennen ist: das verhältnis zwischen stengel und blattgebilden ... ist nicht allein das des tragens und getragenseins Rossmässler
der wald 14; schaft soll ein nackter, blattloser stiel, welcher die blumen unmittelbar trägt, sein Ratzeburg
standortgewächse 22; drey (
nessel) tragen under disen (
stengel und kraut) am stamm gerings umb blumen, etliche weisz, etliche gäl Bock
kreuterbuch (1587) 2
a; nim sonnenwirbelrhörlin stengel, die milch geben, wann man sie abbricht, und tragen gelbe blumen Gäbelkover
artzneybuch 1 (1595) 82; alle sîne (
des baumes) telgen wêren blôt, se drôgen noch lôf noch blade
van d. holte d. hilligen cruzes 165
Schröder; frondifer das bletter oder laub tregt Calepinus xi
ling. (1598) 590
b; wann alle die bäumlein tragen das laub
d. knaben wunderhorn bei A. v. Arnim 21, 3;
schon seit mhd. zeit bildlich gebraucht: daz die bluomen maneger treit, dêst mir leit, der niht loubes wære wert Walther von Metze
bei Bartsch-Golther
liederdichter 255; sîn herze truoc der êren bleter Konrad v. Würzburg
Troj. 6831; das (
scepter) weder äst noch blätter tregt Spreng
Ilias 6
a;
nur gelegentlich in vermischung mit III B 2: der baum ein speisemarck der bienen trägt laub und edlen safft
Königsberger dichterkreis 70
ndr.; wann dieser stecken blätter trägt, so sind dir deine sünden verziehen
wunderhorn bei A. v. Arnim 13, 100; olls, wos auf wurzen steht, blüe tragt und sam Stelzhamer
ausgew. dicht. 1, 142
Ros. III@A@1@cc)
die erde u. ä. trägt, überwiegend mit persönlichem object: Adam ist ... ein vater aller bösen buben, so diese erde getragen und noch treget Mathesius
Sarepta 182
b; so war mich die erde treget, ich meine es gut mit euch
schauspiele d. engl. comöd. 215
Creizenach; die erde trägt immer noch mehr gute menschen, als wirs uns in unserm zweideutigen tugendeifer einzubilden pflegen U. Bräker (1780) 2, 186;
formelhaft nach einem oft peiorativen superlativ: die streitbaristen helden mächtig, so der erdboden hat getragen Spreng
Ilias 6
b; der bravste junge ..., den gottes erdboden trüge Göthe 22, 30
Weim.; zu dem verfluchtesten luder, das die erde trägt IV 23, 14; der sträflichste bösewicht, den je die erde trug Ayrenhoff 3, 221.
occasionell variiert: Richard der dritte ... ist unstreitig das gröszte, abscheulichste ungeheuer, das jemals die bühne getragen Lessing 10, 98
L.-M. ähnlich wird grund, boden, land
gebraucht; gelegentlich mit hinneigung zu III A 3 a: wenn wir auf die erde treten, wenn ihr fester grund uns trägt Brockes
ird. vergn. 2, 216;
auch bildlich: das wort gottes ist ein grundt, der do ewiglich erhelt und tregt Luther 10, 3, 172
Weim.; denn der grund, der mich trug ... wankte mir unter den füszen ... Hebbel
w. 8, 308
Werner; ich weisz, wie gute menschen denken; weisz, dasz alle länder gute menschen tragen Lessing 3, 61
L.-M.; frei die freien söhne tragen ... das will mein vaterland Körner 1, 116
Hempel; entsinnlicht: weit über ... alle gelehrte, so die welt getragen Mathesius
Sarepta 8
a; die welt ist unser, weil wir sind! genug, dasz dieser punkt der erde nach uns auch andre tragen werde Gottsched
ged. (1751) 1, 121.
besonders häufig in verwünschungsformeln, schon seit dem mhd.: ir name, ir lîp verfluochet sî, owê, daz si den liuten bî sint und si diu erde treit! Ulrich von Lichtenstein
frauenbuch 616, 25
Lachm.; vgl. noch Lexer 1, 620; der ist nicht wert, daz en dy erde treyt (
a. d. 15.
jh.)
d. sprichw. d. Freidankpredigt nr. 362
Klapper; Tappius
adag. (1545) g 5; Eyering 2, 359;
vgl. Keisersberg
schiff d. pen. 89
b; Hutten
opera 1, 452
Böcking; so bis in die modernen maa.: du bisch nit wert, ass d'r erdboda dich drât Follmann
lothr. 99;
anders gewendet: das euch die erden nicht lenger tragen wil und gott mit seinem gericht angefangen drein zu greiffen Luther
wider Hans Worst 23
ndr. gern in der doppelformel: ich wolt nit, dasz mich die sonn anschin, die erd trüg S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 37
a; Musculus
hosenteufel 7
ndr.; euern ohm erschlagen, euern kaiser! und euch trägt die erde noch! euch leuchtet noch die sonne! Schiller 14, 420
Göd. (
Tell 5, 2).
vgl. noch: so were mir leyd, dasz mich der erdboden tragen solte Paracelsus
op. 2 (1616) 336
Huser; schad ists, das in der boden treyt H. R. Manuel
weinspiel v. 755
ndr.; vgl. Rachel
satyr. ged. 56
ndr. weniger formelhaft: es ist sunt, das dich neur tregt die ert
fastnachtspiele a. d. 15. jh. 1, 89
Keller; die erd ermüdet, mich zu tragen, bricht unter mir Gryphius
lyr. ged. 499
Palm; ja, weil du einem elenden dienest, den die erde nicht tragen sollte Lessing 2, 270
L.-M.; gelegentlich mit dem zusammenfassenden neutrum eines pron. als object: swaz wazzer unde erde truoc Ulrich von Türheim
bei Lexer 1, 620; alles weiszt du, was der himmel, alles, was die erde trägt Göthe 6, 218
W.; wir werden leben, wie zwei geschwister, die sich über alles, alles lieben, was nur immer diese erde tragen kann Stifter 3, 296. III@A@1@dd)
das wasser u. ä. trägt: das wasser war ihm land, die see, die must ihn tragen Fleming
deutsche ged. 1, 18
lit. ver.; eine grosze anzahl mittelmässige schiffe, so grosz sie die Oder trägt v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 59; schwimmer ..., welche ... von ihm (
dem wasser) gehoben und getragen sind Göthe 25, 5
W.; die wellen tragen mich nicht, herr, rette mich Scheffel
ges. w. 2, 127.
das eis, der schnee trägt, überwiegend im sinne der tragfähigkeit: was hast du bedürft mir sagen, das eis sei stark und mög tragen mich, dann sich das nit funden hat
Teuerdank 162
Göd.; es (
eis) trägt lastwagen Göthe IV 5, 33
W.; meist absolut: das eis trägt schon,
il ghiaccio porta già cioè non si rompe Kramer 2 (1702) 1103
c; dieweil die Werra zugefroren, also das sie trug C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 197
a; wenn im winter ein fuhrmann das eis bricht, das weder tragen noch brechen will, so ist ihm gut nachfahren Otho
ev. kranckentr. (1671) 551; kaum erkennbar, ob eine feste tragende eisdecke oder nur ein regungsloses trügliches gewässer Storm 2 (1899) 105;
ebenso schnee: der schnee trug den schlitten Bräker
s. schr. 1 (1789) 185; dorthin fuhren wir über den schnee, der jetzt trug, ohne weg Stifter 2, 229
S.; zu dem älteren firn ..., der die eisspalten überbaut und die meisten zeiten des jahres den wanderer trägt 5, 1, 206;
vgl.übertragen th. 11, 2, 598. III@A@1@ee)
uneigentlicher, wenn körpertheile des subjects das object bilden: als war ... ich noch heut auf disen tag mein haupte auf der schulter trag Spreng
Ilias 18
a; wohl situirte leute ..., die um keinen preis den kopf eines beliebigen andern auf den schultern tragen möchten, aber seinen rock noch weniger W. Raabe
Horacker (1876) 108; ehe er noch den ersten ansatz zu dem bäuchlein erhielt, das er jetzt stattlich trug G. Freytag
verl. handschr. (1864) 3, 6; im alten testament tragen die cherubim und seraphim flügel
th. 3, 1839
nr. 2;
bildlich: des landraths ..., der einen Januskopf trage, ein gesicht in der bürokratie, eins im lande Bismarck
ged. u. erinn. 1, 28
volksausg.; prägnant '
hochhalten'
: dubia cervice labare den kopf nit mögen tragen, mit dem kopf plampen oder hin und här gnepfen Frisius 215
a;
abgezogener: die ... trägt im munde zähn so viel als die lampret Rachel
sat. ged. 131
ndr.; Göthe II 6, 19
W.; wie die nachtigall nach haus gekommen war, gefiel es ihr so wohl, dasz sie zwei augen im kopf trug und zu beiden seiten sehen konnte
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 21; zwo zungen dragen in eym halsz Murner
schelmenzunft 27
ndr.; vgl. B. Waldis
Esopus 1, 168
Kurz; abgeblaszt und einem bloszen '
haben'
nahe: bevorab Agamemnon klug, der Jovis haupt und augen trug ... gott Martis lende auch darbey stund wie ein ochs gewaltig Spreng
Ilias 22
a; ich wil ... zusagen, weder schad noch leidt euch zuzufügen all mein tag, weil ich mein kopf und leben trag B. Krüger
v. d. bäur. richtern (1580)
v. 859; dan es ist nichtz nütz, so du zwe oder drei tag ein leren buch tregst und dich darnach wider uberfülst H. Gebweiler
beschirm. d. lobs Marie (1523) 39
a; es gibt solche, die öffentlich sehr ernsthafte gesichter tragen J. E. Schlegel (1761) 3, 360; der herr oberamtmann trug unter seinem schwarzen haar ein rundes angesicht G. Freytag
verl. handschr. 1 (1905) 106;
sprichwörtlich: mancher alter, grawer mann trägt noch seinen kindskopf Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 13; sein herz auf der zunge tragen,
vgl. unter IV A 1
f. so besonders im mhd. sehr geläufig, gern mit einem kennzeichnenden adjectiv: rôten munt, brûnez hâr, wîze kel, toubez ôre, werliche hant, jagendez herze, starkiu lit, hêrlîchen (minneclîchen) lîp,
u. ä. tragen.
von der körperhaltung, gern mit näherer prädicativer oder adverbialer bestimmung: den kopf, den sie sonst leicht und frei trug Göthe 23, 82
W.; ein alter mann ... den kopf trug er ein wenig gebückt Ebner - Eschenbach 4, 212; Stifter 2, 57; nur dasz er den breiten behaarten nacken ein wenig gesenkt trug G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 3; damit er lerne die beine auswerts setzen, gerade gehen, die brust auswerts tragen v. Fleming
soldat (1726) 22; seinen leib zierlich tragen Kramer 2 (1702) 1103
c; er ... war in seinen bewegungen leicht und gefällig und trug seinen körper als den ausdruck eines lebhaften und beweglichen geistes Stifter 5, 1, 151.
gern als subst. infinitiv: ihr gang und ihr ganzes tragen des körpers ist im höchsten grad anmuthig und reizend Herder 13, 222
S.; so zeichnet der gang des menschen, ... das tragen seiner hände ... ihn, wie er ist 22, 86; einem manne (=
tanzmeister), dessen metier es ist, in allem, was man tragen des körpers nennt, andere zu unterrichten Göthe IV 28, 14
W.; vgl. I 21, 68;
auch ohne gen.-bestimmung: der (
tanzmeister) an meinen tritten und schritten, an meinem gehen und kommen, an meinem tragen und behaben noch manches ausbesserte 27, 287
W. seit alters in ausdrücken für eine innere haltung, zumeist in bildlicher anwendung: dîn houbet zühteclîchen trac! Konrad von Würzburg
Troj. 15006;
obstipus der den kopf tregt, alsz ob er im an ein rebstecken gesteckt were, ein starrhalsz Calepinus xi
ling. (1598) 974
b; den kopf, den nacken steif tragen; ich will trotzig meinen kopf wie die berge tragen G. Herwegh
ged. e. lebendigen 2, 50;
vor allem in der verbindung hoch tragen: dô dâhte ouch alle zîtedaz Guntheres wîp 'wie treit et alsô hôhevrou Kriemhilt den lîp?'
Nibel. 667, 2
L.; da ich aber andere von meinem range sahe in der cadantz das pflaster tretten und den leib hoch tragen Bodmer
u. Breitinger
d. discourse d. mahlern 2, 11; eine art (
menschen), die ire augen hoch tregt und ir augenlied emporhelt
spr. Sal. 30, 13.
als stehende redensart: den kopf hoch tragen: wie viel angenehmer würde jedes dieser gesichter aussehen, wenn die seele frei von leidenschaften wäre! ... wenn ... der zweite den kopf nicht so hoch trüge Lavater
physiogn. fragm. 1, 78; ob sie dann noch den kopf so hoch tragen und sich besser dünken als unsereins W. Alexis
Roland 1, 416; er trug den kopf wie immer hoch und stolz Ebner - Eschenbach 4, 55;
vgl. noch Göthe 45, 5
W.; th. 4, 2, 1593.
gelegentlich variiert: das ich trag mein haupt erhöcht Schede
psalm. 16
ndr.; das haupt hoch tr. Göthe 8, 190
W.; weil nun einmal geld in der welt dasjenige ist, was macht, dasz ich das kinn höher trage, freier aufsehe, sicherer auftrete, härter an andere anlaufe Lichtenberg
aphorismen 2, 134; wie man den adler aufs neue fliegen läszt, unter den sich jetzt mancher schmiegen musz, der sonst die stirn hoch getragen Ranke 2, 200.
ebenso die nase hoch tragen: nun, nun, ey trag und führe die nase nicht zu hoch Dietrich von dem Werder
buszpsalm. (1632) c 3
b; so wird ein narre auch von klugen ausgelacht, wann er die nase hoch bisz an die fenster träget
polit. maulaffe (1679)
bedeutg. d. kupferbl.; des candidaten Unwirrschs herz schlug hoch, und hoch trug er seine nase in der luft W. Raabe
hungerpastor (1864) 381;
vgl. auch th. 4, 2, 1593; 7, 400;
noch heute verbreitet, auch dialektisch: nase hoch tragen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 743
b; he drigt den steert hoog '
er ist hochmütig' Berghaus
sprachsch. d. Sassen 1, 353
b;
vgl.hochtragen sich viel einbilden a. d. 18.
jh. bei Fischer
schwäb. 2, 305; hochgetragen
eingebildet Martin-Lienhart
elsäss. 2, 744
a;
s. auch hochtragend
th. 4, 2, 1636, hochgetragen
th. 4, 2, 1621.
blasser und mit III D 1
fast auf gleicher linie ein falsches, gutes, kühnes
u. ähnl. herz tragen: daz si valschiu herze tragen Wirnt von Gravenberg
Wig. 2844
Kapteyn; hôhez herze tragen
wie hôhen muot tragen,
vgl. Arnold
hoh. mut (1930) 9; du aber sollst tragen ein männliches herz, einen ernsten blick und ein redliches wort E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 26; (
Golo, der Genovefas sohn zu zerschmettern gedroht hat:) trag ich noch ein menschenherz? was war ich — bin ich jetzt? maler Müller 1 ,210;
gelegentlich auch mit stärkerem sinnlichen gehalt: das so under ainem schönem weiblichen weibsbild so ain falsch ungetrewes hertz getragen werden mag
Fortunatus 117
ndr. III@A@22) '
belastet sein, sich einer last entgegenstemmen',
die vorstellung des von oben drückenden, der schwere steht im vordergrund. III@A@2@aa)
sinnlich: sie setzte sich ... auf ein bänkchen, das sie kaum noch trug Göthe 24, 141
W.;
bes. mit begriffen wie last, bürde, gewicht
u. ä.: sie (
die brücke) selber trug noch keine lasten Schiller 11, 351
G.; ein jeder auch der kleinste ast trug gleichsam eine schwere last von zierlich weiszen runden ballen (=
blüten) Brockes 2, 38;
bei persönlichem subject sich zumeist mit II A 1
berührend: seine mächtigen schultern waren etwas gebeugt, als trügen sie eine schwere last Ebner-Eschenbach 4, 8; wer breite schultern hat, kann viel tragen Wander 4, 386. III@A@2@bb)
bes. geläufig in übertragener und bildlicher verwendung dieser begriffe: einer trage des andern last, so werdet ir das gesetz Christi erfüllen
Gal. 6, 2,
vgl. auch c; warumb helffend ir denn nit ouch die gemeinen burdinen tragen, so ir sehen, das die gmeind übel sich daran verergret, ja schrygt ir gond müssig usz unserer arbeit Zwingli
v. freiheit d. speisen 29
ndr.; lasten, welche doch Preussen 50 jahre allein getragen, ohne zu erliegen Moltke
ges. schr. u. denkw. 7, 15;
anders gib sie (
die kette) dem kanzler, den du hast, und lasz ihn noch die goldne last zu andern lasten tragen! Göthe 1, 163
W.; mit dem beisinn der tragfähigkeit: doch weiszt du wohl, was meine schultern tragen, drum wähle mir aus dieses lebens plagen ein leicht gewicht, damit ich nicht mög unter meiner heiszen last verzagen Schubart
ged. 284
Hauff; sprichwörtlich: das end oder das letst muosz den last tragen S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 14
a;
vgl. Tunnicius
sprichw. 870
Hoffm.; Binder 43
u. ö. oft mit dem genetiv des verglichenen abstractums, nicht nur poetisch: dazu sei er da, um die bürde des reiches löblich zu tragen Ranke 1, 39; ein neues volk voll leben, mut und kraft ... des menschenlebens schwere bürde trägt Göthe 10, 64
W.; vgl. Platen 1, 642
Redlich. schon mhd. geläufig: sus truogen si des jâmers last Wirnt von Gravenberg
Wig. 11576
Kapteyn; für den bauch und für den kasten trägt man alles kummers lasten Logau 293
Eitner; auch: nichts ist dem menschen so schwer zu tragen als eine last von guten tagen W. Müller
ged. 314
Hatfield; etwas anders und mit III A 2 e
sich kreuzend: die wir des tages last und hitze getragen haben
Matth. 20, 12 (
qui portavimus pondus diei et aestus); J. B. Schupp
schr. 839
u. oft. vereinfacht: wir alle, die jetzt die last des tages tragen K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. 1, 218; getragen ist des tages last Hebbel
s. w. 7 (1891) 104;
älter: wir haben getragen die bürd des tags und der hitze
erste deutsche bib. 1, 75,
so auch Tatian 109, 2
Siev.; Matthias von Beheims evangelienbuch Matth. 20, 12; Keisersberg
bilgersch. (1512) 20
a; Zwingli
freiheit d. sp. 4
ndr. III@A@2@cc)
mit abstracten objecten in parataxe neben last
u. ä.: einer soll des anderen last, bürde, weise, gebrechen ... wissen und tragen
sch. w. klugreden (1548) 56
b; wer yn der gemeyne will seyn, der mus auch die last, fahr und schaden der gemeyne helffen tragen und leyden Luther 18, 396
W.; weil sie keine dienste, keine abgaben, mit einem worte keine von den lasten zu tragen hatten, welche in minderfreyen staaten das volk tragen musz Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 331;
ohne den zusatz von last
u. ä., deren vorstellung aber im bewusztsein bleibt: das land kan diese auflagen nicht tragen Kramer 2 (1702) 1104
b; Ranke 1, 170; ihr vater nahm ihn (
den geldposten) als erste und einzige schuld auf seinen hof, der sie, wenn auch mit genauer not, tragen konnte Frenssen
Jörn Uhl (1902) 299; gehorche meiner lere, ... bücke deine schultern und trage sie (
die weisheit)
Sirach 6, 26. III@A@2@dd)
ohne diese directe beziehung in weitestem umfang in verbindung mit abstracten objecten, die in irgend einer weise die vorstellung des schweren, den menschen drückenden einschlieszen. oft mit dem beisinn des leidens und duldens, der in häufiger verbindung mit leiden
und dulden (das gelück gebe disen dingen ain end und usgange wie es wöll, so wil ichs lyden und tragen Niklas von Wyle
translat. 29
Keller; A. Lobwasser
calumnia g 2
b; tragen und dulden ist der schwächern loos Musäus
volksm. (1805) 3, 45;
vgl. auch unter β u. θ)
und den adverbiellen bestimmungen mit geduld, geduldig
u. ä. (
s. unten β u. θ)
zum ausdruck kommt. im einzelfall, bes. in älterer zeit, nicht immer von e
zu trennen. gewisse vorstellungsbereiche zeichnen sich durch bes. häufigkeit dieser verwendung von tragen
aus und haben mehr oder weniger feste verbindungen entstehen lassen, dann z. th. mit abblassung der anschauung, die im ganzen deutlich bleibt und diesen anwendungsbereich von III D
abhebt. III@A@2@d@aα) knechtschaft, schande
u. ä. tragen: sich geburt des kaisers gebot willenklich ze tragen und ze volenden Niklas von Wyle
translat. 44
Keller; aber eine unfreiheit, wie sie das Griechenkind auf der schwäbischen herzogsburg zu tragen hatte, war nicht drückend Scheffel
ges. w. 1, 109; das du tragen müssest deine schande und hohn für alles, das du gethan hast
Hes. 14, 52; die schmach des creutzes Christi tragen Luther 18, 224
W.; die schmach der knechtschaft tr.
slg. von schausp. 1 (1764) 4.
ähnlich strafe tragen: und solst strafe tragen Luther 33, 414
W.; sie würdn ein grewlich straffe tragn
jedermanns jammerklage (1621) b 4
a; geurtheilt, dasz ... Konradin ... und seine verbündeten ... die strafe des todes tragen Klinger
w. 1 (1809) 358. hasz, zorn
u. ä. tragen: ach arger trieger Sathanas, billich so treist du gottes hasz
d. ew. wyszheit betbüchl. (1518) 93
a; ich will des herrn zorn tragen
Mich. 7, 9; ach und sein (
Tantalus) ganz geschlecht trug ihren (
d. götter) hasz Göthe 10, 16
W.; it enpasse nicht vele up dyne vrunde wat se konnen doen, wil ik wagen, ere vientschop wil ik wol dragen
Reinke de vos 6478
Prien. III@A@2@d@bβ) schicksal, leben, unglück
u. ä. tragen: sî sprach: ich wæne, ir swæren tac und übele zît hinne tragt Hartmann von Aue
Iwein 1741; ain schöne, liebe junckfraw her batt mich, das ich ir gäb ler, wie sy solt tragen ir leben
liederbuch der Hätzlerin 93; (
es) war ... ihr unmöglich, ihr schicksal mit gesetztem muthe zu tragen Göthe 23, 17
W.; lerne dein verhängnisz tragen Günther
ged. (1735) 254; erst war ich als immer verwundert, wie doch ein mensch so ein traurig loos tragen müsse Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 281; sie haderte mit dem himmel, der ihr verbot, das dasein abzuwerfen, das sie doch nicht mehr tragen konnte, nicht tragen wollte Kröger
schuld? 164; widerwertige ding und unfäl dultig trägen und leyden
adversas res ferre Maaler 405
a; das unabänderliche zu tragen G. Keller (1889) 4, 268. III@A@2@d@gγ) krankheit, not, mühe, kummer
u. ä. tragen: ein siechtuom heizet pôgrât treit er die leme helfelôs Wolfram von Eschenbach
Parz. 501, 27; viel seind, die solch lunatisch kranckheit tragen Paracelsus
opera (1616) 2, 164
Huser; des muoz ich schemelîche nôt tragen unz an mîn ende Hartmann von Aue
arm. Heinrich 456; ihr kinder ... die werden das ellend tragen Paracelsus
opera (1616) 2, 622
Huser; darumb ich ... so vil not erlitten, eyn schmählich und verächtlich armuot getragen Hutten
opera 1, 411
Böcking; bin ich in arbeit, helfe sie (
gottes weiszheit) mir tragen meine schwere müh P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 418; ich sichs an deinen braun euglein wol, du tregst grosz ungemach Uhland
volkslieder nr. 47, 3, 4; des muoʒ ich iemer jâmer tragen Wolfram von Eschenbach
Parz. 26, 29; kummer tragen
s. th. 5, 2599; manch tröstung hett ich in der ehe, jetzt trag ich ainig ach und wee Schwarzenberg
Cicero (1535) 127
a; mein herz war voll verlangen, ich trug ein heimlich weh Cl. Brentano 2, 272;
vor allem leid tragen: ichn wil benamen die niht lân ... und diu ir angest und ir leit niuwan von mînen schulden treit Hartmann von Aue
Iwein 4895; darab der künic trug grosz leid Maximilian
Teuerdank 3, 18
Göd.; aber diss leyden ist eyn sundlich leyden, das man nicht kan mit frölichem gewissen tragen Luther 12, 99
W.; wir wollen ein groszes leid mit vereinten kräften zu tragen suchen Ebner - Eschenbach 4, 239.
formelhaft in dem zeugma freud und leid,
älter u. geläufiger lieb und leid mit einander tragen: der wirt und her Gâwein wârn ein ander liep genuoc, sô daz ir ietweder truoc des andern liep unde leit Hartmann von Aue
Iwein 2712; wir wöllen lieb und laide mit ainander tragen
liederbuch der Hätzlerin 152; die äbt muossten auch nach selbiger jaren mit ihrer oberkeit lieb und leid tragen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 366
b; die städte dagegen meinten: sollen sie lieb und leid mit andern ständen tragen Ranke
s. w. 2, 87; jeder trug des andern freud und leid Scherer
litt.-gesch. 162.
abgeblaszter und nach III D
hinneigend die feste verbindung leid tragen
im sinne von '
bekümmert, betrübt sein'
: lugeo vast weinen, leid haben und leid tragen, bekümbert seyn, heulen und klagen Frisius (1556) 784
b; er trägt leid
in luctu est Steinbach 1, 1053; die edeln frawen alle klagten und leyde trugen Arigo
decam. 125
lit. ver.; häufig in der bibel und durch sie verbreitet: da sie noch leide trugen und bey den todtengrebern klagten
weish. Salom. 19, 3;
selig sind, die da leide tragen
Matth. 5, 4;
vgl. Matth. 9, 15;
Jesus Sirach 38, 17; Grimmelshausen 2, 25
Keller; es mag mich wer da will beklagen, mag sauer sehn und leide tragen Stieler
geharnschte Venus 27
ndr.; über leid tragen
im sinne '
als zeichen des leids trauerkleidung tragen'
s. III C 3 a
ende; oft wird der gegenstand des leids angegeben; selten durch einen gen.: etlich ... soliches grossen unglücks leyd truogen Arigo
decam. 272
lit. ver.; gelegentlich und bes. in älterer zeit durch über: denen, die uber jene leide trugen
Jes. 57, 18; an im selbs muss er gar verzagn und leidt übr seine sünde tragn Dedekind
papista conversus (1596) b 6
a;
später nur spärlich bezeugt: drum trag ich über nichts ein leid Göthe 3, 168
W.; am häufigsten und längsten durch um: Jacob zureis seine kleider ... und trug leide umb seinen son lange zeit
1. Mos. 37, 34; umb einen alten gaul trägt niemand leyd Lehman
floril. polit. 1 (1662) 16;
vgl. noch H. Sachs 15, 38
G.; Heyden
Plinius (1565) 243;
Reinicke fuchs (1650) 228; Neukirch
ged. (1744) 72;
heute gehört leid tragen
zu den gesuchten ausdrücken und wird nur noch in mehr oder weniger directer anlehnung an die bibel gebraucht; es lebt im subst. part. die leidtragenden.
ähnlich schmerz tragen '
bekümmert, betrübt sein': darffest nicht sorgen, das er auch schmertzen trage odder sich bekümere wie du Luther 17, 1, 203
W.; habt ir von seinen wegen grosze schmerzen, so tregt er von ewert wegen nicht weniger schmertzen Warbeck
d. schöne Magelone 21
Bolte; warumb betrübst du dich, mein hertz, bekümmerst dich und trägest schmertz nur umb das zeitlich gut? Prätorius
d. abentheuerl. glückst. (1669)
vorr. 5;
später weniger formelhaft: im allgemeinen ... sympathisirt der mensch stärker mit fremden leiden als mit fremdem glück, obgleich er seinen schmerz eher allein trägt als seine freude O. Jahn
Mozart 4, 103; den grimmigsten schmerz habe doch ich ... um den letzten freiherrn von Poppen getragen Raabe
d. leute a. d. walde 3, 250.
ebenso beschwerde u. a. tragen, vgl. mhd. swære tragen
mhd. wb. 2, 2, 812
b; alle last und schwerte, angst und schwer tragen
th. 9, 2559
u. 2560: dass die herschaft (
Bilitz) ... in den gränzen gelegen und mehr beschwär und gefahr als andere tragen müsse
acta publ. 1, 49
Palm; im 16.
und anfang 17.
jh. spec. '
sich belästigt fühlen, ungehalten sein': ersuchen diesem nach die herren ..., si wollen ob diesem, das ... desswegen wiederumben eine zusammenkunft wird gehalten werden sollen, keine beschwer tragen
acta publica 1, 33
Palm; auch mit gen. verbunden: wo yemant meines schreibens oder thuons beschwerde trüg und mich deshalben klagens nit erlassen möchte Hutten
op. omnia 1, 412
Böcking; ähnlich: sei ihm angst gewesen, dasz der kurfürst 'des ein grosz beschwerung tragen werde' Luther 10, 3, xlvii;
vgl. auch beschwer haben
th. 1, 1602. III@A@2@d@dδ) sünde, schuld, reue, busze tragen: du treist zwuo grôze sünde: Ithêrn du hâst erslagen Wolfram von Eschenbach
Parz. 499, 20; nun kan ich nicht länger tragen meine meersands gleiche sünd
Reinicke fuchs (1650) 115.
schuld tragen, zumeist mit starker abblassung der anschauung im sinne von III D
und sich dem gleich häufigen schuld haben
nähernd, vgl. th. 4, 2, 53
u. 9, 1886:
sustinere causam die schuld auff sich nemmen und tragen Frisius (1556) 202
a; wer übels übet oder hägt, dessgleiche schuld ir yeder tregt Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 122
b; am ende trag ich, wenn er verdrieszlich wird, die schuld Göthe 21, 8
W.; vorwiegend mit präpositionaler verbindung, vor allem mit an:
affinis alicuius culpae et alicui culpae der schuld an einer sach tregt oder der an eim ding schuldig oder argwönig ist Frisius (1556) 59
b; daran tregt diser poet kain schuld Schaidenreisser
Odyss. (1537) 4
a; die gröszte schuld an den raschen wandlungen ... trugen die mitglieder des hauses selbst Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4 (1893) 3;
selten mit von: die schuld tragen von etwas Kramer 2 (1702) 1104
b; als der candidat ... den kopf wieder aufrichtete, war es ihm dunkel vor den augen, und die ... dämmerung trug nicht allein die schuld davon W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 194;
mit gen.: das ich der dingen selb schuld tragen R. Manuel
weinsp. 554
ndr.; so heute in gehobener sprache: sie allein müssen alle schuld unsrer groszen überwältigung tragen H. L. Wagner
theaterst. (1779) 37; wie oft hat sie ... von mir hören müssen, dasz sie die erste schuld meiner schauspielerthorheiten trage Holtei
vierzig jahre 1 (1843) 14.
busze tragen: da sprach sant Ambrosius vor in allen, du muost buossz tragen
d. summer theil d. heyl. leben (1472) 3
a; und so die herren sündigen, müssen als dann die diener die buosz tragen Stumpf
Schweytzerchr. (1606) 564
b; wer busz mag redlich tragen Spee
trutzn. (1649) 89.
reue tragen: er kan mit rechte leren bichten, buzen, ruwe trayn
Daniel 5025
Hübner; hast du gefehlt, so trage reu Canitz
ged. (1727) 15;
mit näherer bestimmung durch gen.: ich habs gewagt mit sinnen und trag des noch kein rew Hutten
opera 2, 92
Böcking, oder präpositionaler verbindung mit um: wie Jason Lycius erschlagen ward, truog sein hund einen solchen reuwen umb ihn, dass er stracks nicht mehr essen wolte Heyden
Plinius (1565) 198; einmal, dass ich reue trage um die bös verwandte zeit C. Brentano
ges. schr. 1 (1852) 534,
oder über: ernstliche rew uber ihre sünde tragen Comenius
janua (1644) 318; ich trage nicht so grosse reue über meine sünde, wie ich tragen sollte H. Müller
thränen- und trostqu. (1675) 886;
heute nur in dichterischer sprache; vgl. th. 8, 833. III@A@2@d@eε)
kosten, unkosten tragen; bis ins 18.
jh. ist der sg. gebräuchlich (
vgl. th. 5, 1854): die kost der herre selbe truoc
kreuzf. Ludwigs d. fr. 1274
Naum. scullet de stad unde den dam also verenen, dat se en wesen unde cost sament draghen scullet na orer macht
urkundenb. d. stadt Hildesheim 1, 851; ein concilium ..., das ... ermessen werd, wer den kosten tragen sol Murner
an d. adel 34
ndr.; vom 18.
jh. ab herrscht der plur.: es mag kosten, was es will. ich will alle unkosten tragen Lessing 18, 337
L.-M.; die reisekosten wird unsere museumskasse gerne tragen Göthe IV 29, 320
W.; so noch heute, auch dialektisch: z. b. ik mot de kosten drägen Dähnert
plattdtsch. 84
b;
vgl. auch th. 11, 3, 599;
spec. die (un)kosten des gesprächs, der unterhaltung tragen: ein kind, das ... die unkosten des gesprächs allein trägt Göthe 21, 85
W.; der kaplan trug hauptsächlich die kosten der unterhaltung, indem er mit dem fräulein zahlreiche witzworte wechselte G. Keller
ges. w. 3, 165.
schaden, verlust tragen: ob du mir nu schaden gans, den trag ich âne schulde Wolfram von Eschenbach
Parz. 524, 21; solt ich meine seel denn also beladen, dasz sie dessen müst ewig tragen schaden
Reinicke fuchs (1650) 156; in dem andern falle wäre es hart, wenn der den schaden tragen solte, der die sache verliehen Chr. Wolff
gedancken v. d. menschen thun u. l. (1720) 630. das geschäft, das unternehmen hat grosze verluste zu tragen;
auch: sei still, mein herz, und trage den verlust Chamisso (1836) 3, 3. III@A@2@d@zζ) gefahr, pflicht,
verantwortung, folgen tragen, vgl. auch tragend: um nicht allein die gefahr des krieges tragen zu müssen Ranke 8, 104; Göthe 50, 9
W.; es leben selbst in unsern landesmarken der sassen viel, die fremde pflichten tragen, und ihre knechtschaft erbt auf ihre kinder Schiller 14, 326
G.; dasz die, welche mehr musze und freiheit von bestimmten geschäften haben, auch eine pflicht mehr tragen, ein gutes buch zu lesen Gellert
w. 9, 98; sie haben ihn (
den krieg) für nothwendig gehalten und tragen die verantwortlichkeit dafür Bismarck
ged. u. erinn. 2, 67
volksausg.; Bennigsen
d. nationallib. part. 53; die consequenzen unserer guten handlungen ... sind oft schwerer zu tragen als die der bösen Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 7;
vgl. auch unten IV A 1 c. III@A@2@d@hη)
sorge tragen. mit noch selbständig empfundenem object, meist im plural: ein mann, der ... viele mühen und sorgen getragen hat W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 2; den einfachen frauen des volkes, die tag für tag des lebens kleine sorgen tragen K. Bücher
arbeit und rhythmus4 410.
als feste verbindung nur im singular z. th. schon stark abgeblaszt, vgl. curam agere sorg haben und sorg tragen Frisius
dict. (1556) 66
a,
in doppelter bedeutung. '
sich sorgen um, bekümmert sein',
vgl. th. 10, 1, 1760—61: wir müezen michel sorgebî hôhme muote tragen
Nibel. 345, 2
L.; dürft nun mehr tragen keine sorgen, wolln zechen bis an liechten morgen B. Krüger
v. d. anf. u. ende d. welt (1580) e 8
b;
meist mit der präposition um,
älter vor,
oder einem abhäng. genetiv verbunden, vgl. oben th. 10, 1, 1760—61;
weiterhin mit wegen: sie tragen deswegen keine sorge, ich will es schon machen Chr. Reuter
ehrl. frau 22
ndr., auf: wir ... tragen sorg auf swäre pein des fegfeurs Berthold von Chiemsee
tewtsche theol. 566
Reithm., oder mit einem abhängigen nebensatz im sinne '
sich sorge machen, in furcht sein': nachdem yeglicher sorg trüeg, er wär aus der schar verworffener menschen
ebda 288; si drugen sorg, das er villeicht gefangen worden were
Aymont (1535) h 5
b. '
sich bemühen um, sein augenmerk richten auf',
vgl. th. 10, 1, 1770.
ohne nähere bestimmung: ein herr soll nimmer mehr sorge tragen, dann wenn die seinen toll und voll sein Friedrich Wilheim
sprichw.-reg. (1577) n 2
b; dasz keines groszen künstlers fleisz es also nachzumachen weisz, wie viel er immer sorge trägt Triller
poet. betracht. 1 (1750) 13;
überwiegend mit den präpositionen für,
älter vor,
und auf
verbunden, sowie mit einem abhängigen genetiv oder dasz-
satz, vgl. th. 10, 1, 1770,
weiterhin mit zu:
omnis est natura diligens sui alle oder ein yede natur tregt sorg zuo ir selbs Frisius 418
b;
apiarius der zu den imben sorg tregt Calepinus xi
ling. (1598) 101
b; sie musz nur zu einem sorge tragen: Sigismund soll das glückliche gefühl bewahren, dasz er der herr ... ist Heer
d. könig d. Bernina (1904) 224, wegen: so würden wir alsdann wegen des übrigen schuldigermaszen sorge tragen Göthe IV 30, 111
W., über:
hierophylax der uber heilige ding sorg und hut tregt, kirchenhüter Calepinus xi
ling. (1598) 649
a,
sodann mit abhängigem infinitiv oder nebensatz: so trägt er auch gute sorge, alle gelegenheiten, wo sich gute hirsch aufhalten, wohl zu versehen Täntzer
jagtgeheimnis 2, 45; derwegen sol ein jede oberkeit sorg tragen, auff das solches spielen und raszlen abgestellet werde Höniger
narrenschiff (1574) 291
a; dafür sorge zu tragen, dasz das ministerium der auswärtigen angelegenheiten auf den etat ... übernommen werde Bismarck
polit. reden 4, 71.
ähnlich fürsorge und vorsorge tragen '
sich bemühen um': auff diese weise soll man solcher thierlein pflegen und gute fürsorg zu inen tragen Sebiz
feldbau (1579) 450; der jäger trägt vor seinen wolgearbeiteten hund alle vorsorge, dasz er stets eine gute suche behält Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 47. '
sich sorgen um, befürchten': wie der kriegsmann im solichs trewlichen anzubringen versprochen, jedoch die fürsorg trieg, man wurts im nit glauben
zimm. chron. 2, 212
lit. ver.; vgl. noch th. 4, 1, 1, 826.
in der gleichen bedeutung beisorge tragen: aus ... dergleichen accidentien ... prognosticirten getrewe, verständige patrioten nichts gutes und trugen die hohe beysorge, es dörffte das vertrawen ... nicht bestand haben v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 7;
weiterhin sorgfalt tragen '
sich mühen um': allen hohen gebietenden obrigkeiten oblieget, ... sorgfalt zu tragen, damit die muttersprache beobachtet ... werde Neumark
d. neuspr. teutsche palmb. (1668) 102; durch die sorgfalt, die er für seine gemeinde trug Nicolai
Seb. Nothanker 1 (1773) 3;
vgl. 1, 182; haben sie (
anr.) die gefälligkeit, auch in der folge gleiche sorgfalt für mich zu tragen Göthe IV 29, 96
W. gelegentlich auch noch: warumb er so gros selsorg tregt, solchs zu leren Luther 6, 139
W.; der fürst trägt vatersorge für die truppen Schiller 12, 72
G.;
speculor auszspehen, ein wachbars auffsehen tragen, schaw und spech haben Calepinus
undec. ling. (1598) 1368
a; ich sorge sehr, du nimst die pferd in acht und tragest mitlerweil der schäflein keine wacht Grob
dichter. versuchg. (1678) 51. III@A@2@d@thθ)
mit allgemeinerem object sache, ding,
dem neutrum eines pronomens oder adjectivs es, das, viel, alles: alle ding mit der gemeinde zu tragen und zue liden
weisth. 6, 23; darum er solche sach gedultig tragen muost Lindener
rastbüchl. 34
lit. ver.; besonder verdrosz sie, dasz man sie sölte spruchbrüchig seyn beschuldigen: das wolten sie eben nit tragen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 377
a; die zeit hilft alles tragen. die lindernde macht alle schmerzen, alle qualen leicht Herder 28, 330
S.; duld, o mutter, und trags, wie sehr es auch immer dich kränket! Bürger 193
b Bohtz. ohne object nur in gehobener diction: hier wo die unschuld schweigend hat getragen, hier wo die schuld bekennend ward gesund Brentano
ges. schr. 1 (1852) 214; es kam die grosze hungersnoth, mein weib half mir ehrlich tragen Kotzebue
s. dram. w. 2 (1827) 13; trage, wunder busen, trage, bist des tragens ja gewohnt Grillparzer
w. 7 (1892) 112
Sauer. III@A@2@ee)
der beisinn des leidens und duldens kann sich verstärken in richtung auf '
ertragen', '
aushalten',
besonders in älterer sprache: pati (8./9.
jh.);
perferre Graff 5, 492;
sufferre Diefenbach
gloss. 564
c;
tollerare 586
c;
sustinere Dasypodius (1536) 439
c; tragen, leiden, ausstehen
supporter, souffrir Wiederhold (1669) 340
a,
während die jüngere sprache, auszer in poetischer diction, meist scheidet: ich bin gewohnt vieles zu tragen; aber das kann ich nicht ertragen Lavater
verm. schr. 2, 39; das nächste mal wird er den schmerz, der ihn jetzt in der gewalt hat, in der seinigen haben. wer nichts getragen, lernt nichts ertragen Jean Paul 15—18, 383
Hempel. besonders deutlich ist die nebenbedeutung '
ertragen'
in negativ gerichteten ausdrücken, s. u. die belege. III@A@2@e@aα)
körperlich: mit gaiseln ward er sere geslagen, daz er ez choume mohte tragen Gundacker v. Judenburg
Christi hort 4632; dat was yuwe beste, dat gy dar worden wol gheslagen. ik konde de slege so wol nicht dragen
Reinke de vos 5830
Prien; ist nu yemand, der so schwach ist, das er den stoss nicht hat mügen tragen Luther 18, 135
W.; flügelschläge von dem weibchen trägt des täubers frommer sinn. auch von dir, geliebtes täubchen, nähm ich alles willig hin Bürger 6
a Bohtz; hitz und kelte wol tragen mögen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 12
b; des tages last und hitze tragen
s. oben III A 2 b; ein zartes blümchen, das den brandt der sonnen nicht kann tragen S.
Dach 153
Österley; mehr oder weniger sinnlich auch noch in fällen wie: die hölle kann den glanz nicht tragen Göthe 37, 6
W.; Phädra trägt ihn nicht, den furchtbarn anblick des verrathnen gatten Schiller 15, 1, 52
G.; vgl.schläge,
stösze,
den anblick aushalten
th. 1, 880, erdulden
th. 3, 782;
adamantius cognominatus est der die arbeit und my desz studierens wol mocht tragen und erleyden und nit md darab ward Frisius
dict. (1556) 29
a; übrigens ist mein körper just so gesund, um eine mäszige und nötige arbeit zu tragen Göthe IV 1, 245
W. III@A@2@e@bβ)
geistig-seelisch: muste doch Christus so lang mit seynen jungern umbgahn und yhren unglauben tragen, bisz sie gleubten seiner ufferstentnisz Luther 6, 457
W.; das das anfechten deins eignen fleischs nit ein klein crütz ist, so es ein mensch tregt Gebweiler
beschirm. d. lobs Marie (1523) 29
b;
Schulze bibl. sprichw. 183 (
vgl. selig ist der mann, der da anfechtungen erduldet
Jacob. 1, 12); als Pharao das volck zum schweren diensten zwung, der nicht zu tragen war Treuer
deutscher Dädalus 3, 5; mit murren trägts des glaubens tyranney Schiller 12, 221
G.; das grause spiel kann Walthers sanfter sinn nicht länger tragen A. v. Droste-Hülshoff 2, 337
Schücking; den übermuth des jünglings trag ich nicht Schiller 12, 311
G.; so noch anmaszliches wesen (Göthe 3, 236
W.), des frevlers stolz (Gotter 1, 415), trotz (
ebda 2, 17), leichtsinn (Schubart
ged. [1825] 2, 56), deine narrheit (B. Neukirch
ged. [1744] 205), alle launen des kranken (S. Brunner
erz. u. schr. 2, 5), grillen (Göthe IV 2, 104
W.), fehler (Giseke
poet. w. [1767] 8)
u. ä. zu lange (mit geduld, geduldig, mit verschonen
u. ä.) tragen; ich bin ängstlicher gewesen wie je — ein zustand, den ich sonst nicht lange tragen kan Caroline 1, 60
Waitz; wir sind vielleicht zu gebildet, um eine verfassung zu tragen, wir sind zu kritisch Bismarck
polit. reden 2, 29
Kohl. mit dem neutr. eines pron. oder adjectivs: das würkliche kann ich so ziemlich meist tragen; träume können mich weich machen Göthe IV 3, 48
W.; zu tragen glaub ich alles, nur das eine dich zu verlieren, da ich dich gefunden, erscheint mir unerträglich I 10, 380;
absolut: also trug und also kämpfte Schwedlers glaubensfreudigkeit Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 249. III@A@2@e@gγ)
auf personen übertragen: diser spruch lernet ..., wie wir unser obrigkeit tragen und willig dulden sollen J. Agricola
sprichw. (1534) j 4
b; ein knecht aber des herrn soll nicht zänkisch sein, sondern freundlich gegen jedermann, lehrhaftig, der die bösen tragen kann
2. Tim. 2, 24;
vgl. offenb. Joh. 2, 2; Hayneccius
Hans Pfriem 8
ndr.; zuweilen konte man mich dulden und tragen, und da hielte ich mich für recht glückselig
de la Motte-Guion das leben 1 (1727) 76; ein liebenswürdiger charakter dieser Böckh, besonders auch darin, dasz er den ihm so fremdartigen schwager so geduldig trägt Schubart
br. 1, 32; auch kann es euch jungen leuten gar nicht schaden, wenn ihr euch zuweilen in verhältnisse fügen und allerlei menschen kennen und tragen lernt. auch ihr wollt oft getragen sein Frommann
das Frommannsche haus 137. III@A@2@e@dδ)
auch allzu grosze freude
u. ä. kann für den menschen schwer, nicht, kaum zu tragen sein: das gros gluck ist eym menschen zu schweer zu tragen Luther 19, 381
W.; seyntemal die natur nit vermag eyttel freude und lust zu tragen die lenge 12, 226
W.; göttlicher freund! o hilf diesz heil uns tragen! Kretschmann
s. w. (1784) 2, 89;
verbreitet vor allem im sprichwort von den guten tagen: guot tag kan niemand tragen
sprichw. sch. weise klugr. (1548) 140
b; der wol unglück leiden kan, der kan auch guote tag wol tragen 154
a; so gehts gemeinlich manchem mann, der gute tag nicht tragen kan Voigtländer
od. u. lied. (1642) 94;
vgl. auch III A 3 a. III@A@2@ff) '
vertragen',
d. h. was schädlich sein kann, ohne schaden genieszen, vom essen und trinken: wente de wyn maket unvrut van torne also enen louwen den man, de des wines nicht dreghen kan meister Stephan
schachb. 2608; den trunck sihet man ihnen zwar nicht leichtlich an, die weil sie den wein, dessen sie gewohnt, wol tragen können Zeiller
itiner. Italiae. (1640) 7
a; wer zu wichtigen geschäfften will gebraucht werden, muss einen starcken trunck tragen Harsdörffer
d. teutsche secret. (1656) 2, 66;
später selten bezeugt: der doktor hat zum Klasei gsagt: 'du kannst koa bier mehr tragen' K. Stieler
ged. 4, 31
Recl. in die bedeutung III A 2 a
hinüberspielend: hatte aber keinen besondern appetit nach wein, weil ich mich vorigen tag mit mehrern überladen, als ich sonst zu tragen gewohnt gewesen Grimmelshausen 2, 377
Keller; wenn der arzt seinem eigenen magen mehr ladet, als er tragen kann Bremser 137. III@A@33) tragen '
halten'
im sinne von '
stützen'
; zu der vorstellung lastender schwere tritt, den bedeutungsgehalt bestimmend, die einer von unten stützenden, hebenden kraft, daher in diesem bereich öfters mit stützen
und heben
verbunden s. unten. vgl. Campe 4, 855
b. III@A@3@aa)
sinnlich-concret: die pfeiler trugen die gänge am hause
Hes. 41, 9; dise vier streychwören sollen ... steine pfeiler haben, die helffen zwölff starck pogen tragen Dürer
etl. underr. z. bef. d. stett (1527) e 2
b; freie pfeiler ..., welche das kuppelgewölbe tragen sollten Herm. Grimm
Michelangelo 1, 33; säule, in der architectur jede freistehende, runde stütze, die zum tragen des gebälkes dient
th. 8, 1901; säulen tragen das gantze haus, den gantzen bau Kramer 2 (1702) 1103
c, das dach Adelung 4, 640, des saales wölbung E. Th. A. Hoffmann 6, 153
Gr.; das ... vortreten der dachbalkenköpfe über die tragenden säulen Mommsen
röm. gesch. 1, 219; wo sie (
die weichen quadersteine) nicht am wetter sint, tragen sie starck Sebiz
feldbau (1579) 34; pfosten, welche das gerüste der bohrmaschine tragen Jacobsson 3, 525; die balken tragen das dach,
u. ähnl.; oft bildlich: tugend musz der pfeiler sein, der die neigung stützt und träget Gottsched
ged. (1751) 1, 206; negst diesen haubtfundament befinden sich unterschiedene nebenseulen im regiment, die den baw unterstützen und mit tragen helffen v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 1.
vorr. 2; die englische krone ..., die mehr als ein zierlicher kuppelschmuck des staatsgebäudes erscheint, während ich in der unserigen den tragenden mittelpfeiler desselben erkenne Bismarck
polit. reden 1, 125
Kohl; ein system von gedanken musz allemal einen architektonischen zusammenhang haben,
d. h. einen solchen, in welchem immer ein theil den andern trägt Schopenhauer 1, 9
Gr. weitergreifend: meine schultern tragen Ilium Schiller 1, 127
Göd.; got ist in in. ach, dis sint minnencliche menschen, sú tragent alle die welt und sint edele súlen der welte Tauler
pred. 24, 3; wär' es an öde klippen angebunden und an des Atlas himmeltragende säulen Schiller 14, 54
Göd.; ich unglückselger Atlas! eine welt, die ganze welt der schmerzen, musz ich tragen Heine 1, 107
E.; blasser: er (
gott) trägt der welten bau ohn arbeit, ohne reu
N. D. Giseke
poet. w. (1767) 5; die gerade linie. horizontal und vertical trägt sie und stützt aufs gewisseste Herder 22, 41
S. halb scherzhaft auf die beine des menschen angewandt: 'das haupt ist frisch, der magen ist gesund, die beine aber wollen nicht mehr tragen.' 'ihr habt die last auch gar zu grosz gemacht' Schiller 12, 172
G.; so das bekannte sprichwort (
s. ob. III A 2 e
δ)
variierend: es müsten gar starcke beyne seyn, die gute tage solten tragen Luther 19, 372
W.; schöne w. klugreden (1548) 58
b; Friedrich Wilhelm
sprich. reg. (1577) t 1
a; Er. Alberus
fabeln 29
ndr.; Schottel 1119.
anders als termin. techn. in der plastik: im ruhigen stande, wo ein bein das tragende ist und das andere das spielende, tritt dieses nur so weit zurück als nöthig war, die figur aus der senkrechten linie zu setzen Winckelmann (1808) 1, 259,
vgl. standbein. III@A@3@bb)
bei übertragener anwendung ist die vorstellung zumeist stärker abgeblaszt: tröstet die kleinmüthigen, traget die schwachen
1. Thess. 5, 14; ich wil es thun, ich wil heben und tragen und erretten
Jes. 46, 4;
gern mit einander
u. ä. verbunden: tragend einander in christlicher liebe Keisersberg
baum d. seligk. (1518) 24
c; ich war so ziemlich auf dem wege mit jüngeren freunden ... in ein solches wechselseitiges schönethun, geltenlassen, heben und tragen zu gerathen Göthe 27, 302
W.; mit abstractem object: du trägst mein leben Storm 7, 137
Köster; die schlacht von Möckern war durch York allein getragen und ausgekämpft Varnhagen
Blücher 260;
häufig auch von abstracten subjecten seit dem ende des 18.
jh.: in jener schlacht war Epaminondas und mit ihm die stütze der thebanischen macht gefallen, die, getragen und geadelt durch die persönlichkeit einzelner männer, schnell zu der alten unbedeutendheit zurücksank Droysen
gesch. Alex. 11; tragender gedanke eines vortrags, einer schrift; Zelters gegenwart hebt und trägt mich schon seit mehr als acht tagen Göthe IV 37, 268
W.; eine sinnige natur, welche nicht von ihrer zeit getragen und erhoben wird Fr. Schlegel 6, 166; sie (
die deutsche musik) wurde von keiner gunst der groszen getragen O. Jahn
Mozart 1, 177; gestützt auf die eigne ... überzeugung ist der könig entschlossen ... und weisz sich in diesem entschlusz von der zustimmung seines volkes getragen Bismarck
polit. reden 3, 7
Kohl; schnurrbartbewusztsein trug und hob den ganzen mann Mörike 1, 182
Göschen; was von werken der geistesarbeit unsern inwendigen menschen hebt und trägt W. H. Riehl
dtsche arbeit 76; die betrachtung ... trägt und erhält das gleichgewicht des ganzen Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 142
Minor; die sacertät beruhte ursprünglich auf dem sittlichen abscheu vor dem frevel gegen die götter, die gesetzgebung aber disponirte über dies durch religiöse ideen getragene ... institut wie über ein gewöhnliches strafmittel Jhering
geist. d. röm. rechts 1, 326;
als terminus in der musik: instrumentalmusik trägt die stimme
u. ä.: die stimmen tragen und heben, das ist die kunst aller orchester Göthe 45, 205
W.; mit einem instrumente begleitet, das so lautschallend war, dasz es den gesang von vielen tausenden trug und hob Schubart
ästhetik d. tonk. 6; es (
das orchester) übernimmt nicht mehr die rolle der begleitung in dem sinne allein, dasz es die singstimme trägt und hält O. Jahn
Mozart 1, 395.
ein anderes die stimme tragen
s. oben II A 2 b,
vgl. auch unten VI A 2.
in der schauspielkunst spricht man von tragender rolle: diese grosze tragende und hochdramatische rolle
tägl. rundschau 1906
nr. 172;
deutsche allg. ztg. 21. 2. 1932,
vgl.er allein trug dies verworrene neue drama. er wird alle stücke tragen, in denen er eine grosze rolle hat Gutzkow
ges. w. 7, 241; (
er) trägt die oper Schubart
ästh. d. tonkunst 329;
etwas anders: die mäszigkeit des componisten, welcher sich nicht selbst zu hören, sondern ... die vorstellung zu fördern und zu tragen suchte Göthe I 40, 118
W. III@BB.
speciell: '
frucht tragen',
vgl. 1trächtig I B
und 1tracht III B. III@B@11) '
leibesfrucht tragen', '
schwanger, trächtig sein',
von mensch und thier, vgl. austragen th. 1, 1001
und übertragen
th. 11, 3, 601:
pregnans eyn wip, daz eyn kint treyt Diefenbach 454
b; alle die zeyt, die weyl die thier ire jungen tragend
foetura Maaler 406
a;
in synonymer verbindung mit schwanger sein
u. ä.: imprengnata vel prengnans swangher, is eyn vrauwe, dede eyn kint dreght Diefenbach
nov. gloss. 212
a;
continere alvo dicitur mulier mit dem kind gon, trägen, schwanger seyn Frisius (1556) 322
a; si (
Rachel) was swangir,si truoch einen sun andir
Milst. gen. u. exod. 71, 3; sie gieng schwanger und trüge ein kind Agricola
sprichw. nr. 106.
die prägnante bedeutung '
die leibesfrucht tragen von der empfängnis bis zur geburt'
kommt zum ausdruck in der nicht seltenen differencierung von schwanger werden
u. ä. und gebären
u. ä. oder von beiden: dasz sie weder gebären noch tragen noch schwanger werden sollen
Hos. 9, 11; ist si aber ein guote senffte frau ..., so muosz doch der man trauren und seunffczgen: so sie tregt und gepern will
Burleus liber de vita (1490) 111
a; ein weib ... redet ihre söhne ... also an: mich rewet, das ich euch getragen und geboren hab Hennenberger
erclerg. d. preusz. landtaffel (1595) 31,
ebenso durch eine zeitangabe: so mag eine fraw, so ein recht und lebendig kindt empfangen, nicht uber eylff monat auff das höchste tragen und dasselbige bey ir behalten Ruoff
hebammenbuch (1580) 97; eyn elephant tregt seine frucht zehen jare Agricola 750
teutsche sprichw. (1534) g 7
b.
ursprünglich von mensch und thier in gleicher weise gebräuchlich, vgl. th. 4, 1, 1, 1643; 5, 726: thiu quena sun was dragenti Otfrid I 4, 85; ir vrouwe hæte ein kint getragen Gottfrid von Straszburg
Tristan 1828
Ranke; von gott geschaffen, das sie weyber seyn und kinder tragen sollen Luther 10, 2, 156
W.; ist nicht Porca, wie man sagt, eine magd? und trägt ein kind? Logau
sinnged. 147
Eitner; gesegne dich ... gott, und der gesegne auch die frucht, die du tregest Binhardus
thüring. chronica (1613) 172; sie weisz des dritten tags nach einer hochzeit schon, ob tragen Gesche wird ein mägdlein oder sohn Rachel
satyr. ged. 18
ndr.; wehe der schwangern, die eine tochter trägt Hippel
lebensläufe 2, 95; und hast auch vert ein panckart tragen H. Sachs 14, 32
G.; Maria trägt gott, Christum: der junckfrawen rain, die got getragen hatt
liederbuch der Hätzlerin 94; das Maria got und menschen truog Gebweiler
beschirmg. des lobs Marie (1523) b 4; noch hewt singt die kirch 'Maria hab verdient Christum zetragen' Berthold von Chiemsee
tewtsche theol. 549
Reithm.; auch von miszgeburt
u. ä.: wann das weib ein miszgeburt trägt Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 28; so ist die, so molam (
ein muttergewächs) tregt, bey weit nicht so hurtig als die mit eim kind Wirsung
artzneyb. (1588) 539
a.
im hinblick auf die bindung auch des erwachsenen kindes an die mutter, meist in gehobener sprache und mit besonderem gefühlston: diser sone ... hat in (
den vater) ermördet, die mutter, die ihn getragen, genotzoget Ambach
v. zusaufen f 4
b; ... meine mutter, die mich mit schmerzen trug Dusch
verm. w. 1 (1754) 42; ach! warum hab ich dich getragen! ach liebster sohn! wie beugst du mich! Gottsched
ged. (1751) 1, 115; fluch ihr, die dich getragen Cl. Brentano 6, 37.
öfter mit angabe des erzeugers, mhd. durch bî: nu hete ouch ... bî Gunther dem rîcheneinen sun getragen Prünhilt diu schœne
Nib. 662, 2;
s. auch Kudrun 22, 2; 1253, 2
oder Ottokar von Steiermark 2653
S.; frühnhd. mit: ein magd, die sein leybeygen war, die trug ein kind mit diesem man H. Sachs 2, 11
K.; von thieren: tragendiu schâf
Milst. gen. u. exod. 67, 13,
s. unter tragend; ir (
der Bulgaren) waren hunderttausent ... hetten sy di schwein getragen, ir ware dannoch ze vil (
vom wildschwein als bild der fruchtbarkeit) Heinrich von Neustadt
Apoll. 7594;
vgl.: welch mann ein huhn hat, das nicht legt, und ein schweinsmutter, die nicht junge trägt, ... der hat gar ein unnütz hausgesind
bei v. Erlach
volksl. d. Deutschen 1, 217; so ein thier ein hirschkalb trägt Döbel
neueröffn. jägerpract. (1754) 1, 17.
im 17.
jh. gelegentlich zur welt getragen haben,
d. h. mit zielvorstellung (
s. I): Doroteen Marien, so ... zwo töchter zur welt getragen Zesen
rosenmând (1651) 69; auch die, so zu der welt nur ein leib hat getragen von einem vater her ... Rachel
satyr. ged. 92
ndr.; ich glückseelig würde gewesen seyn, einen solchen sohn zur welt getragen zu haben A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 328.
heute zur welt bringen.
absolut '
schwanger, trächtig sein': ... Sephora begunde tragen, si gebar einen chnaben
Milst. gen. u. exod. 124, 32;
vgl. Fleck Flore 562
S.; Heinrich von Neustadt
Apoll. 16598
u. ö.; uti faciliori utero ringer und leychter tragen, wirt von einer schwangeren frauwen geredt Frisius (1556) 1416
b; die kinder gewonen bald der mutter spiel, tantzen, tragen und wigen Agricola 750
teutsche sprichw. (1534) v 2
b; der monde wahr neun mal ... gelauffen umb ... den ... kreisz der erden, in dem die jungfraw (
Maria) trug Opitz
teutsche poem. 178
ndr.; das weiblin des bären tregt nit lenger dann 30 tag und gebirt gemeinlich auff ein mal vier jungen Münster
cosm. (1550) 407; von da waren sie zu den kühen gekommen. Johannes erzählte, wie lange jede trage und wie viel milch jede gebe Gotthelf
Uli d. knecht (1841) 19.
der infinitiv ist zeitweilig auf dem wege zum substantiv mit der bedeutung '
tracht, schwangerschaft': dehein wîp enmac zeheineme tragende me gewinnen denne sibin kint
Lucidarius 29, 4
Heidlauf; uterus das kind in muoterleyb oder das tragen Frisius (1556) 1416
b.
etwa seit dem 18.
jh. wird die verwendung von tragen
mit und ohne object auf das thier eingeschränkt und ist so noch heute in der schrift- und der umgangssprache sowie in den dialekten weit verbreitet: Hofmann
niederhess. wb. 240
b; Autenrieth
pfälz. id. 141; Schön
Saarbrück.2 210
b; Meisinger
Rappenau. 203; Follmann
dtsch.-lothr. 99; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 744; Fischer
schwäb. 2, 306; Schöpf
tirol. 749; Lexer
kärnt. 66; Jakob
Wien. dial. 194
a;
von der frau sagt man heute in der umgangssprache sie ist schwanger, erwartet (ein kind)
u. ähnl., tragen
jedoch nur mit näherer bestimmung: in gehobener diction ein kind unter dem herzen, am herzen, im schosz, unter der brust
u. ä. tragen,
s. unten IV A 1 h.
in gehobener sprache auch vom körpertheil, in dem der embryo liegt, an stelle der person: beatus venter qui te portavit salig uuamba thiu thih truog
Tatian 58, 1
Siev.; selig ist der leib, der dich getragen hat
Luc. 11, 27; owê nu truoc dich doch mîn lîp Wolfram von Eschenbach
Parz. 10, 18; das ir den leib werd selig sagen, welcher nit kinder hat getragen H. Sachs 11, 329
G.; mancher edle schoosz trug schlechte söhne schon
Shakespeare 3, 18.
bildlich: jede unthat trägt ihren eignen racheengel schon, die böse hoffnung unter ihrem herzen Schiller 12, 236
G.; was sich in den lüften reget, was der schoosz der erde träget Henrici
ernst-scherzh.-sat. ged. 1, 41;
mit III B 2 b
verrinnend: die erde ging im zorn mit miszgeburten schwanger und trug nur gift und dorn Dusch
verm. schr. (1754) 14. III@B@22) '
pflanzliche frucht tragen'. III@B@2@aa)
von bäumen, sträuchern und sonstigen gewächsen: III@B@2@a@aα)
eigentlich: omnem palmitem ... non ferentem fructum iogiuuelih uuinloub ... ni tragenti uuahsmon
Tatian 167, 1; ein weynstock ... der ist fruchtbar, tregt wider wein W. Schmeltzl
Hungarland (1556) a 2
b; ein junger weinstock, der ... bereits sieben trauben getragen hat Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 63; der boum ... begunde bringen unde tragen des selben mâles niuwe fruht Konrad von Würzburg
Pantal. 2104; es lasse die erde auffgehen gras und kraut, das sich besame, und fruchtbare bewme, da ein iglicher nach seiner art frucht trage
1. Mos. 1, 11
u. ö.; baume, die tragen als wurmessig obss Tauler
sermones (1508) 118
d; wann die eychbAewm sehr viel eycheln tragen Sebiz
feldbau (1579) 44;
so tatteln (
d. heilig. leb. winterth. [1471] 130
d), äpfel tragen
u. s. w.; auch wie viel aber eicheln ihre wäld, so zwischen den feldern ligen, tragen W. Xylander
Polybius (1574) 80; wer sollte ... wohl denken, dasz diese starren äste ... wieder grünen, blühen, sodann früchte tragen könnten Göthe 24, 228
W.; sihe ich hab euch geben alles kraut, so samen tregt auff erden J. Nas
eins u. hundert 1, 183
b.
vom samen: etliches fiel auf ein gut land und trug frucht
Matth. 13, 8; wie das weitzenkorn, so im acker verweset, wider herauswachsen und frucht tragen müge Hayneccius
Hans Pfriem 36
ndr.; vgl. König
ged. (1745) 69;
s. auch das compos. übertragen '
zu lange tragen'
th. 11, 2, 601;
vgl.frucht bringen
th. 2, 385.
ohne object: wann macht man feur dorein, so würden die paumen türr und trügen nicht mer Schiltberger
reiseb. 80; der baum trägt Kramer 2 (1702) 1104
a; sie (
die pappeln) tragen nicht, sie schatten nicht Rückert 3, 87;
mit näherer adverbieller bestimmung: ... geht und steckt den kohl, dasz er auf pfingsten trag ... Zesen
verm. Helikon (1656) 1, z 6
b; ein baum, eine rebe
u. ä. trägt (nicht) alle jahr (
nomenclator lat.-germ. [
Hamburg 1634] 68; Kramer 2 [1702] 1104
a), beständig (Voss
Odyss. 119
Bernays), immer (Oken
nat. gesch. 3, 3, 1894), heuer nicht (Kramer
a. a. o., Hügel
Wien. 165
b), hundertfeltig (
Matth. 13, 23), dreifach (Bürger 77
a Bohtz), wohl (Prätorius
winterflucht [1678] 184), reichlich (Hebbel
s. w. 7 [1891] 25), schön, gut, schlecht
u. dgl., auch mit unbestimmtem neutr. als object viel, wenig, genug
u. dgl. sehr oft sprichwörtlich und redensartlich, zumeist in beziehung auf den menschen nach kein guter baum, der faule frucht trage, und kein fauler baum, der gute frucht trage
Luc. 6, 43: ein guter baum trägt gute frucht, kein böse man an guten sucht Henisch 1270;
vgl. Eberlin von Günzburg 2, 139
ndr.; Keisersberg
post. (1522) 3, 61
a; wie der baum ist, so tregt er früchte Luther 23, 263
W.; 11, 250; dauon das evangelyum sait: das distel selten veigen trait Hätzlerin
liederb. 114
b; es tregt offt ein guote reb ein wintertrollen
sprichw. schöne weise klugr. (1548) 22
a;
ähnlich Simrock
sprichw. 442; die krummen bäum tragen so viel frucht als die geraden Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 68; der baum tregt im selbst kein öpfel Tappius
adag. cent. septem (1545) h 2
a;
cum mula pepererit wann de wyden prumen dregen b b 5
b; ihnen (
anrede) trägt ja der windhafer weizenähren Ebner-Eschenbach 4, 184; guote bäum tragen zeitlich
sprichw. sch. weise klugr. (1548) 145
b; Schottel 1124; Schellhorn
sprichw. (1797) 128.
bildlich: (
ein mann) werde vielleicht eine wurzel unter euch, die galle und wermuth trage
5. Mos. 29, 18; schlechtes ... gesindel im gelehrten Teutschland, das wie ungeziefer am baume der geschichte nagt und ihn kahl friszt, dasz er nicht mehr ferner schatten giebt und früchte trägt Görres
ges. br. 3, 115; die samenkörner des guten geschmacks sind bei ihnen aufgeschüttet; sie können also nicht tragen Herder 5, 638
S. III@B@2@a@bβ)
übertragen, zumeist nur in der wendung frucht tragen,
von menschen, noch stark bildhaft empfunden: so er (
gott) uns erwälet hat, dasz wir frucht tragind Zwingli
dtsche schr. 1, 267; so gehe keiner zur ruhe des grabes, er habe denn süsze früchte getragen Geszner
schr. 1, 90; die natur knospet, mein leib blüht, mein geist trägt Jean Paul 7/10, 36
Hempel; wenn unser fleisch mit überigem unnötigen tranck truncken wirt, kan es geistlichen baw nit leiden noch notwendige frucht des geistes tragen Ambach
v. zusauffen d 4
b.
von abstractis meist abgegriffener: je mehr du mein guts lob und ehr, mein namen unterdruckest sehr, je mehr es wachset und auch blütt, tregt frucht darbey Th. Höck
schönes blumenf. 10
ndr.; siehstu, was deine lehr für früchtlein hat getragen Rachel
sat. ged. 51
ndr.; es ist nicht ohne, dasz mein fleisz die meisten früchte biszhero auszer den gränzen des vaterlandes getragen hat Ch. Weise
polit. redner (1677)
vorr.; möge doch diese ... ähnlichkeit Georgen des dritten mit dem groszen Alfred ... eben die glorreichen früchte tragen Haller
Alfred (1773)
*4
b; wie das böse stets ... im weltplane keine wirkung hat, das gute aber früchte trägt Stifter 5, 1, 140
S.; die Schmerlingsche (
politik hat) bittre früchte getragen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 19;
in poetischer sprache auch mit sonstigen objecten: die zeit soll euch noch goldne blumen tragen A. v. Droste-Hülshoff 2, 237; schön; auch gut? du bannst das arge! doch es trägt dir fluch statt segen
F. W. Weber
Dreizehnl. (1907) 52;
und absolut: die leidige poetenehre ... blüht spät und trägt zu keiner zeit Kretschmann
s. w. (1784
ff.) 2, 303. III@B@2@bb)
von der erde. frucht tragen: das erdrych treit von im selbs frucht Zwingli
deutsche schr. 1 (1828) 277; schwartze erde trägt gute frucht Lehman
floril. polit. 1 (1662) 36; das feld kann ohne ungestüm gar keine früchte tragen P. Gerhard
bei ev. kirchenld. 3, 315 Fischer-Tümpel; dreifache frucht tragender boden Laube
ges. schr. 4, 124.
andere objecte: verflucht sei der acker um deinetwillen ... dornen und distel soll er dir tragen
1. Mos. 3, 18; B. Krüger
v. d. anf. u. ende d. welt (1580) c 6
a;
ähnlich H. Sachs 1, 55
K.; die berge tragen ihm kräuter
Hiob 40, 15; ihr solt aber essen, was das feld trägt
3. Mos. 25, 12; die scholle, die uns nahrung trägt A. v. Droste-Hülshoff 1 (1879) 56; ein ungebawter acker treget selten gut korn Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) c 1
a; einerley erdreich tregt nicht allerley getreide Hennenberger
erclerg. d. preusz. landt. (1595) 1; das feld trüge kein getraide, die bäume kein obst, die hügel keinen wein Lohenstein
Armin. 1 (1689) 105
a; in einer landschaft, die den edelsten wein in Latium trug Niebuhr
röm. gesch. 1, 140;
so auch der garten trägt pfirsiche, pflaumen (Ritter
erdk. 1, 393), unsere heiden tragen taback (J. Möser 2, 320)
u. dgl. ähnlich: da die erd oberhalb nicht fruchtbar ist, da trägt sie doch unterhalb stein, ertz Sebiz
feldbau (1579) 11; vil ertzgruoben, die da reychlich tragend gold, silber, kupffer Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 56
a.
mit unbestimmtem neutrum: der acker treit vil Martin-Lienhart 2, 743
b; das stick drat vil Follmann
dtsch-lothr. 99;
auch wenig
u. a. oder ohne object: ein ackerlîn, trag es oder nit (
cgm. 154) Birlinger
schwäb.-augsbg. wb. 121
a.
mit prädicativer oder adverb. bestimmung: die acker tragen itzt ungesät Herder 25, 468
S.; Adam lebte von dem, was der erdboden freywillig trug Adelung
umst. lehrg. d. dtsch. spr. 2, 380; wann der bauern ihre felder wohl tragen
der bauer im d. liede 4, 16
Bolte; der weinberg träget wohl Rachel
sat. ged. 45
ndr.; heute meist gut, schlecht, mäszig
u. ä. III@B@2@cc)
vereinzelt auf wasser u. ä. übertragen: wie einem alten teich zu helfen sey, der in vielen jahren nicht geruhet, dasz er wieder fruchtbar werd und gar guter fische trage
fischbüchlein 122; ein vischreych wasser tregt guot karpfen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 392
b. III@B@2@dd)
abgegriffener in der übertragung auf wirtschaftlichen ertrag: arbeit (dienst, kunst, rede, concert
u. dgl.), geschäft (handwerk, pfründe, pfarre, haus
u. dgl.), kapital
u. ä. trägt '
frucht'
in gestalt von geld, zinsen, miethe
u. dgl., nutzen, gewinn
u. ä. den weg zur übertragung kann verdeutlichen: wie sô vor Akers nu al die velt trûgen rîcheit bernden gelt (
ertrag) an den werden und voller zierde dô (
von der die stadt belagernden ritterschaft)
kreuzf. Ludwigs d. fromm. 1260
Naumann, und verbindungen wie ager quaestuosus der grosze nutzung tregt Frisius (1556) 62
a.
parallel geht in bedeutung und anwendung bringen (
vgl. th. 2, 387
nr. 11),
öfter in synonymischer verbindung: res quaestuosa ... das groszen nutz und gewün bringt oder tregt Frisius (1556) 1100
a; sich zuo, was bringt es nutz und gewins: ... zwei tusend gulden treit es ein jar
N. Manuel
v. papst u. s. priestsch. 165
Bächt.; vgl. noch L. Thurneysser
magna alchym. (1583) 66.
doch ist in allgemeiner anwendung etwa nach dem 17.
jh. bringen
und heute bes. einbringen (
s. th. 3, 157), eintragen (
s. 3, 326), abwerfen
üblicher geworden als tragen.
geld tragen ist auch nach verengerung der bedeutung von geld
im heutigen sinne (
s. 4, 1, 2, 2897
nr. 4)
im 16.
jh. gängige verbindung, bes. bei Luther: alles, was menschending ist, das tregt gellt, gotis wort tregt nichts denn das creutz 10, 2, 124
W.; ähnlich 10, 3, 273
W.; 6, 626
W.; 6, 437
W.; denn werck und menschenlere tragen altzeyt grosz geld und gut 10, 1, 1, 631
W.; 18, 7
W.; sonst: erstlich rechne, wie vil es gelt trag ein gantzes jar Stifel
d. coss Rud. geb. (1553) 267
a; was nit geld tregt, ist nit seins fuegs Aventin 4, 8, 29.
später so nicht mehr bezeugt, wohl aber mit angabe einer bestimmten geldsumme: herr, dein pfund hat fünf pfund getragen
Luc. 19, 18; kohlstauden hat alle jahr 100 m samen getragen Ayrer
hist. proc. iur. (1600) 527; das schlos Munkatsch ist verseczt ... umb zwo tonnen goldes, trägt jährlichen m/40 thaler
acta publica 1, 9
Palm u. ö.; hat nicht die lobschrifft des edlen Sanazars über die stad Venedig 600 ducaten getragen? Schwiger
feldrosen (1655) a 4
a; das concert ... hat 90 fl. getragen O. Jahn
Mozart 2, 73
anm. 23; 2000 bisz 2200 thlr. sind ohngefähr das höchste, was unser dienst trägt Göthe IV 9, 258.
zinsen, prozente tragen: weil das gelt nach des monats tagen pflegt seinen wucher zu tragen
bei Dähnhardt
griech. dram. 2, 200
lit. ver.; wo legen wir das gelt nun hinn, dasz es zinsz trage zum gewinn? W. Spangenberg
ausgew. dichtg. (1887) 324; das geld soll hundertfältige zinsen tragen Göthe 22, 143
W.; der zudrang von baulustigen ... wird ... dadurch belebt, dasz ein haus, sobald es fertig ist, im nächsten sommer zehn procent trägt IV 33, 11
W.; dasz ein finanzenpachter ... nach seinem tode zehn millionen hinterliesz, die er an privatleute verliehen hatte, davon die hälfte gar keine interessen trugen Gottsched
d. neueste a. d. anm. gelehrs. 1 (1751) 359;
auch in den dialekten: s khapitaal treit tsintse Meisinger
Rappenau 203; das feld tragt nur zwei prozent Schöpf 749; mei kapital tragt z' weni prozent Hügel
Wien 165
b.
nutz(en) und nutzung tragen nur bis zum 17.
jh.: in yeder red söllen die wort nit müssig noch on ursach ston, sunder ettwas nutz tragen Riederer
spieg. d. war. rhetor. (1493) h 4
a; er hat vil gelts verpauen, das kainen nutz tregt
Fortunatus 64
ndr.; noch frech wagen, noch weich zagen hat iemals gar viel nutz getragen Logau
sinnged. 93
Eitner; s. auch th. 7, 1027;
desgl. gewinn s. th. 4, 1, 3, 5910.
gern mit neutralem object wie etwas, viel, nichts: nit das sie (
ablaszbullen) wenig tragen Luther
an den adel 30
ndr.; hörstu, mein lieber narr, es muss gleichwol viel tragen, die wipper müssen fürnehme leuthe seyn
discurs ... von d. itz. zust. d. kipper v. wipper (1621) a 3
b; der ackerbau trägt nichts Chr. Weise
d. drei ärgsten erzn. 52
ndr.; dann kannst du in dein haus zurückkommen, es trägt schon so viel, dasz davon ein strenger mann leben kann Stifter 3, 121
S.; heute in gehobener sprache und dialektisch: des g'schäft tragt nix mehr Hügel
Wien. 165
b; Jakob
Wien. 194
a;
ähnlich im schwäb. und bes. unpers.: was trägt's? trägt's auch etwas? heute traits 'n schoppen Fischer 2, 306;
hierher gehört auch die redensart: it si nu so edder anders, dat dricht nicht grod
im sinne von '
das macht nichts aus, das verschlägt nichts'
chron. d. dtsch. städte 31, 1, 191 (
Lübeck).
oft mit dat. pers. verbunden; zuerst bereits 1474: er maint, es trüg im gelt
volksld. 127, 9
Liliencr.; ... ihm ein groschen trag der scherff, die bratwurst ein speckseit abwerff Rollenhagen
froschmeuseler (1595) o 4
b; jeder kreuzer gewonnen im spiel, trägt dem teufel procente viel Binder 185; hastu viehe, so warte sein, und treget dirs nutz, so behalt sie
Sir. 7, 24; der (
handel) tregt mir sehr ein schmalen gwin H. Sachs 7, 197
K.; ich will es gehn dem fürsten sagen, dasz wird mir gwisz ein tranckgelt tragen Ayrer 2, 899; die lieferungen, die an tausend pistolen euch in einem jahre tragen Schiller 12, 179
G.; ihre (
anr.) verwendung trägt unsern armen jährlich mindestens um ein paar tausend thaler mehr Bauernfeld
ges. schr. 2, 124;
heute noch dialektisch: dein bruadern tragt's was (=
gutes einkommen haben) Hügel
Wien. 165
b;
hier nicht selten detaillierte objecte: es tregt euch gut ketten und schauben H. Sachs 17, 71
G.; ähnlich ein hofkleid 20, 42
G.; ein zerung 8, 175
K.; ein anwesen, welches ihm einen knecht trug Felder
reich u. arm 118; andere (=
bessere zigarren) trägt mir 's halt nit Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 270. III@CC.
am körper tragen. III@C@11)
joch, kette, fessel, bande tragen: III@C@1@aa)
eigentlich: ein rote chuo ..., an der do sey kein fleck noch hab getragen das joch
erste deutsche bibel 4, 73;
sprichwörtlich: nicht gerne trägt der ochs das joch, und, was er anfeindt, hat er doch. Binder 144; ein sklave, der die jammervollen ketten nur mit geduld und tiefer demuth trägt B. Neukirch
ged. (1744) 30. III@C@1@bb)
bildlich und übertragen: ich lies sie ein menschlich joch zihen ... und half ihnen das joch an irem hals tragen
Hos. 11, 4;
apostelgesch. 15, 10; wem ist nun diss joch ssse und leicht und diss tziechen und diss tragen Tauler
sermones (1508) 22
d; freilich heiszt es nicht freiheit geben, wenn man fesseln löst, welcher der noch nicht als solche fühlt, welcher sie trägt W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 241;
unsinnlicher: wollte gott aber, wir trügen noch das joch rechtschaffner Römer Lohenstein
Arminius 1, 18
a; Schiller 13, 184
G.; Niebuhr
röm. gesch. 1, 58; Hebbel
w. 4 (1891) 93; Europa ruht auf weichem frieden aus Amerika trägt ketten ... Schiller 5, 1, 44
G.; kann ein volk fesseln tragen, dessen jünglinge solche thränen weinen?
F. M. Klinger
neues theater (1790) 1, 8; es waren unwürdige fesseln, die die aristokratie trug Mommsen
röm. gesch. 2, 129;
ferner: und (
es möchte) England wieder papstes fesseln tragen Schiller 12, 446
G.; wer wird denn heiraten ..., die lächerlichen bande eines weibes tragen Stifter 3, 259; Lessing 2, 279
L.-M. in beziehung auf abstracta: warum tregt diser hertzog doch ein schweres, unverschuldtes joch (
dadurch, dasz er im kampfe von Achill bedrängt wird) Spreng
Ilias (1616) 284
a; etwas groszes wandelt mich an bei der vorstellung, keine andere fessel zu tragen als den ausspruch der welt Schiller 3, 530
Göd.; vgl. noch das joch der liebe (Voigtländer
od. u. lied. [1642] 33, 8
s. u. IV A 1 d), der schwäche (A. v. Droste-Hülshoff 2, 45
Cotta), der sitte (Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 165), die fessel der nachahmung (Klopstock
gelehrtenrepublik [1774] 22), der gewalt
einer persönlichkeit (Herman Grimm
Michelangelo 1, 41), die kette der sorge (Rückert 1, 138)
u. ä. tragen.
fast redensartlich wie sein kreuz tragen,
vgl. oben sp. 1063: es ist keinem seine kette zu beneiden, die er gern trägt Archenholz
England u. Italien I 1, 6; trägt ja ein jeder mensch sein joch Göthe 16, 148
W. III@C@22)
waffen u. ä. tragen s. th. 13, 266;
vgl.waffen führen
ebda; occasionelles waffen tragen
s. oben sp. 1062: wir sculun dragan wafanjoh lazan sin thaz slafan Otfrid IV 37, 7; des nam he syk suluen dat leuen myt dem swerde, dat he droch meister Stephan
schachb. 1297; ein fischerplotz
s. Peter trug, da er Malcho sein ohr abschlug Sandrub
hist. u. poet. kurzw. 47
ndr.; ein soldener ist, der den langen spies träget Gueintz
d. deutsche rechtschr. (1666) 135; einen kleine säbel ..., den er manchmal heimlich unter seinen kleidern trug Göthe 43, 321
W.; auch dass ir die zween knaben aufferziehet, biss dass sie mögen harnisch tragen und führen
buch der liebe (1587) 2
d; die rüstung, so Achill getragen W. Spangenberg
griech. dram. 2, 62
Dähnhardt; im sprichw.: es sind nicht alle landsknechte, die da lange spiesse tragen Friedrich Wilhelm
sprichw. reg. (1577) c 1
b;
ähnlich: es seind nicht alle guote köch, die lange messer tragen Tappius
adag. cent. sept. (1545) k 4
a; es sind nicht alle jeger, die hörnlin tragen Eyering 2, 582;
unsinnlicher: die oberkeit ... trag das schwert den fromen und guten zur ehr Sleidanus
reden 166
lit. ver.; übertragen: diu frouwe ... truoc der minne wâfen, einen munt durchliuhtic rôt Wolfram von Eschenbach
Parz. 130, 4; die weiber das schwerd im maule tragen, drumb musz man sie uff die scheiden schlagen Eyering
prov. cop. 1, 750; darumb tragen ir das schwert gottes Eberlin von Günzburg
s. schr. 1, 46
ndr. meist im sinne von '
ritter'
bzw. '
krieger, soldat sein, kämpfen': nû bin ih funfzehen jâr alt ... und bin sô komen zô mînen tagen, daz ich wol wâfen mac tragen pfaffe Lamprecht (
Straszb.)
Alex. 413
Kinzel; dô sprach diu juncvrouwe wert: 'hêr Vergulaht, trüege ichz swert und wær von gotes gebot ein man, daz ich schildes ambet solde hân' Wolfram von Eschenbach
Parz. 414, 14; so begaben wir uns mit allem, was nur waffen tragen konte, zu schiffe Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 85; wer weisz, wenn du erst die muskete trägst, ob ich dich je im leben wieder sehe H. v. Kleist 1, 350
Schmidt; er (
Dante) hatte in seiner jugend als florentinischer bürger die waffen getragen für die Guelfenpartei Döllinger
akad. vortr. 1, 109;
spec. den degen tragen '
student sein': dasz man ihn erst im neunzehnten jahre auf die hohe schule that, ungeachtet er die kräfte vielleicht eher gehabt hätte, den degen zu tragen Rabener
s. w. 2, 39;
vgl. th. 2, 899. III@C@33)
vor allem kleider tragen, s. auch 1tracht III D
und die composita antragen
anhaben (
th. 1, 502), ab-, auf-
und übertragen '
durch langes tragen
aufbrauchen, abnützen' (
th. 1, 141; 1, 761
nr. 4; 11, 3, 601); eintragen '
kleider durch tragen
bequemer machen' Sallmann
n. beitr. z. estld. ma. 104. III@C@3@aa)
von der ganzen kleidung: purpurin giwatidruag er tho bi noti Otfrid 4, 23, 7; wie sint diu kleider, diu er treit, sô rîlîchen ûf geleit Gotfrid von Straszburg
Trist. 11213; die stolzen ritter tragent dörpellîche wât Walther von der Vogelweide 124, 25; siehe, die da weiche kleider tragen, sind in der könige heuser
Matth. 11, 8; er gieng ... in frenckischer wath, wie es dazuomal die Francken pflegten zuo tragen S. Franck
chron. Germ. (1538) 76; wie dann die Juden noch auff heutigen tag nicht halb leinen und halb wüllen gewand tragen Grimmelshausen 2, 387
Keller; sie trug amazonische kleidung Zesen
rosenm. (1651) 66; sie trug ein einfaches, weiszes kleid Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4 (1893) 43; darum tragen wir ja allgemeine französische tracht Gutzkow
ritt. v. geiste 1 (1850) 185;
sprichwörtlich: des menschen leib verschleiszt sich wie ein kleid, das man täglich trägt Lehmann
floril. polit. 1 (1662) 12; er wolt wol eyn ander kleydt tragen, wenn ers hette Agricola 750
teutsch. sprichw. (1534) c 5
b; das frawen tragen lange kleider, darbhey ein kurtzen muht leider H. Sachs 13, 95 (
sonst meistens langes haar
th. 4, 2, 9); das kleid will getragen sein, sonst kommen dir die schaben drein Binder 110.
im partic. pass. im sinne von '
abgelegt'
s. th. 4, 1, 2, 4413.
in älterer, jetzt nur in gehobener sprache mit näherer bestimmung an sich, am leib
u. ä. s. u. IV A 2 e
u. 1 g.
besondere kleidung wie z. b. livrée, frack, uniform
u. ähnl. tragen: dasz der herr noch endlich die liverey des bedienten wird tragen müssen Lessing 2, 142
L.-M.; um in eine versammlung feiner leute treten zu dürfen, musz man den frack tragen, die uniform oder die livrée Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1 (1893) 22; den (
sc. wâfenroc) solder durch ir willen tragen Wirnt v. Gravenberg
Wig. 51, 12
Pf.; ein avanturier aus Palermo, der uniform trug und sich für einen kapitän ausgab Schiller 4, 207
G.; es stand mit mir ganz anders, da ich den ersehnten blauen rock zu tragen begann J. v. Vosz
gesch. m. milit. laufb. (1808) 249.
der stoff, aus dem die kleidung gefertigt ist, ist object wie tuch, seide, purpur
u. a.: die puren tragend nit mee zwilch, wend all sammat und syden han Eckstein
rychsztag 807; Jesus (
bei der geiszelung) ein purpur truge
kathol. kirchenld. 1, 700
Kehrein; fridschal, disz ist ein besonder gut thuch, das nur mächtige herren tragen
buch d. liebe (1587) 103
b; das klärste tuch und zwürn, so man in Holland tregt Voigtländer
od. u. lied. (1642) 10, 2; madame ... sie trugen blaue seide, weisze tüllstreifen Gutzkow
ges. w. (1872
ff.) 4, 297;
oder ihre farbe: sie trägt gern grün
u. ä.; ich trug schwarz (
war schwarz gekleidet) Bode
Yoricks empf. reise4 2, 123; darümb so trag wir weder grün noch rot weder gel noch schimel var (
am aschermittwoch nach fastnacht)
fastnachtsp. 621
Keller; oft zur bezeichnung einer zugehörigkeit: dise münch tragen gantz weyss wie die müller Seb. Münster
cosmogr. (1550) 108; citronengelb dürfen auch seine (
des chinesischen kaisers) bedienten und die geistlichen tragen Göthe II 1, 333
W., hier auch ohne nennung der speciellen farbe: ir wert darnach woll gefragt, warumb men ir die varb tragt (
die wappenfarbe der frau Venus)
Sterzinger spiele 247
Zingerle; drey tragen mancherley farben zuo Rhom, monche, frawen und knechte Hutten
opera 4, 266
Böcking; wil ich ein christ sein, so mus ich die hofefarbe auch tragen Luther 32, 29
W.; so, sklave! trage die farbe deines herrn Schiller 3, 18
Göd.; so auch von farbigen abzeichen, bändern u. dgl.: herr ritter, ihr tragt ja ... noch nicht meine farbe Bauernfeld
ges. schr. 1, 12; wer dazu (
zur burschenschaft) gehörte, trug nur zwei farben, schwarz und roth; die dritte farbe, das gelbe gold, blieb weg Laube
ges. schr. 1, 48;
so heute noch farben tragen,
zu einer farbentragenden
studentischen verbindung gehören. hierher weiter verwendungen wie se dregt in de kark swart
sie ist an sonntagen schwarz gekleidet Dähnert
plattdeutsches wb. 84
b,
besonders als zeichen der trauer: ... gehoben von der nähe des friedhofs und der kirche — nicht wahr, sie trug schwarz Gutzkow
ritter v. geiste 1, 42.
in diesem sinne auch direct trauer, leid tragen: die trauer tragen, in der trauer gehn Kramer 2 (1702) 1119
c; überhaupt pflegte das ganze land, wenn der könig starb, trauer zu tragen J. v. Müller 1 (1810) 64; legte der hof die trauer ab, welche er seit dem tode Maximilians trug Ranke 1, 264
f.; de truur drägen Dähnert
plattdt. wb. 84
b;
früher leid tragen:
atratus ein leidtrager, der leid tregt oder leids kleider an hat Frisius (1556) 132
a;
pullatus der schwartz bekleidt ist oder leid tregt Calepinus
undec. ling. (1598) 1193
a;
vereinzelt auch für andere zeichen der trauer an der kleidung: ach schwester, warum tregst du leidt, hast zerrissen dein köngklich kleidt? H. Sachs 10, 351
G.; jetzt nur dialektisch: Martin-Lienhart 2, 743; Seiler 185
a; Schmeller-Fr. 1, 1437; Tobler 280
a;
vgl. th. 6, 657
nr. 3. III@C@3@bb)
ebenso von einzelnen kleidungsstücken, seit dem ahd. bis heute in reichlichster anwendung (
vgl. IV A 1 g): thes ni bim uuirdig giscuohu zi traganne (
calciamenta portare)
Tatian 13, 23; sie truoc ein hemde hærîn under grâwem roc zenæhst ir hût Wolfram von Eschenbach
Parz. 437, 24; Luther 6, 253
W.; grawen rock und filtzhut tragen
ders. 18, 100; er ist besser gewachsen und schlanker, ob er gleich keine schnierbrust trägt Lessing 2, 40
L.-M.; sobald ich die ersten hosen trug U. Bräker 1 (1789) 9; dasz er unter demselben (
überrock) eine gestickte weste ... trug E. Th. A. Hoffmann 1, 13
Gris.; trug sehr feine wäsche G. Keller
ges. w. 2, 17;
und so bruch (Fischart 1, 250
Hauffen), kragen, koller, wamms, hut, kopftuch, haube, mütze, stiefel, schuhe, pantoffel, gamaschen, manschetten, handschuhe, pelz
u. s. w. tragen.
im sprichw.: er trägt kein eng wammesz, das ist läszt sich nichts anfechten Wander 4, 1281; wer wohl spinnet, trägt ein weites hembde Rother
schles. sprichw. 328
b;
bes. die hosen tragen
als symbol der herrschaft in der ehe s. th. 4, 2, 1839: man nennt dich einen mann, doch trägt die frau die hosen Neukirch
anfangsgr. z. teutsch. poesie (1724) 157;
ebenso den hut, die mütze tragen,
vgl. th. 4, 2, 1979
u. 6, 2840: sie (
die böse frau) möchte woll und recht zu sagen, des mannes hutt und hosen tragen Voigtländer
oden u. lieder (1642) 18;
öfters in der kennzeichnung eines standes u. dgl.: pfaffen, munch, die geischlichkeit und alles, dasz die kutten dreyt Murner
schelmenzunft 20
ndr.; Ayrer 37
lit. ver.; ebenso kappen tragen
mönch sein, s. th. 5, 189;
anders: die (narren-)kappen tragen
V. Schumann
nachtbüchl. 37
Bolte; J. Grob
dicht. versuchgabe 14; schellenkappe Göthe 8, 39
W.; s. auch th. 5, 191; den schleier tragen
nonne sein, s. th. 9, 579 f
β; es sind nit eitel doctores, die rot baretlin tragen Eyering
prov. cop. 2, 582; wie rühmlich wirst du denn forthin den hut der höchsten lehrer tragen Gottsched
ged. (1751) 1, 159. III@C@3@cc)
auch von andern dingen, die im weiteren sinne zur kleidung gehören: dasz er bey schwachem gesicht eine brille trägt, muszte ich ihm erst in betrachtung seiner übrigen vorzüge verzeihen Göthe IV 33, 276
W.; ich werde dir dann zeigen, dasz ich keine falschen waden trage Pückler
briefw. u. tgb. 1, 108; alle tragen eine schwarze schärpe Schiller 14, 20
Göd.; was trägst du denn sporen? Deinhardstein
ges. dram. w. 1, 34; die ... kriegsgürtel, so grosse herrn ... etwan zu tragen pflegeten Mathesius
Sarepta vorr. 1
b; larve, maske tragen;
auch bildlich: was denkt Fiesko zu Genua? werdet ihr eure maske noch länger tragen? Schiller 3, 72
G.; ich will den vertilgt sehen, der die maske der tugend trägt Klinger 3, 142;
sprichw. der teufel trägt allerlei larven Binder 192. III@C@3@dd)
so auch schmuck
u. ähnl. tragen.
als feste verbindung krone tragen: er truoc des rîches zepter und die krône Walther von der Vogelweide 19, 10; er (
kaiser Karl) trug eine goldene krone Scherer
litt. gesch. 51; er (
der papst) tregt ein dreyfeltig kron Luther 6, 415
W.; vgl. noch th. 5, 2372
u. 2371; die durninon coronon die truog er gerno durh iuueren uuillon Williram 53, 11
Seem.; erste dtsche bib. 1, 412;
unsinnlicher: krone tragen
regieren, herrschen s. th. 5, 2372,
früher auch '
gesiegt haben, den preis haben',
s. th. 5, 2360, 3 a
u. b, die himmlische, ewige krone tragen: da mete su (
die märtyrer) erarnet han, daz su di ewigen cronen tran
Katharinenspiel v. 305,
vgl. th. 5, 2361—62; die keuscheit, ... die du hegst, ist deine krohne, die du trägst Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 333.
vgl. auch das veraltete die krone auftragen
in gleicher bedeutung th. 1, 761—62;
ähnlich (den)
kranz tragen in den verschiedenen bedeutungen von kranz,
s. th. 5, 2044
ff., spec. als zeichen der jungfrauschaft: nicht alle sind jungfern, die kränzlein tragen Binder 103; gleich wie ym deutschen 'magd' heyst eyn solch weybsbild, das noch jung ist und mit ehren den krantz tregt und ym har gehet Luther 11, 322
W.; vgl. 34, 1, 104
W. und besonders th. 5, 2052.
ringe, ketten, spangen
u. dgl. tragen: als er ihr ... einen silberreif ums haupt gelegt hatte, trug sie ihn ferner an jedem tag Storm 7, 21
Köster; nam er ein ring ... und schicket in ... mit bitt, selbigen von seinetwegen zu tragen
Amadis 25
Keller; insbes. den ring tragen '
verheiratet sein': alle deine mütter haben den ring getragen, und gott hat ihren frommen ehestand gesegnet Eichendorf 2, 43; G. Hauptmann
d. weber (1892) 51;
vgl. th. 8, 985
u. 986;
sprichw. die ringe tragen, sint gecken of prelaten Tunnicius
nr. 134
Hoffm.; ich wil mich lieber nicht an jene leute wagen, die neben andrer pracht auch gelbe ketten tragen J. Grob
versuchgabe 22; halsbänder, spangen
u. s. w. tragen
s. Niedner
Islands kultur 42; nun gar diamanten ... die darf ich ja nicht tragen Ebner-Eschenbach 4, 264;
auch allgemeiner: do was eyn mechtich borger ... dat hie gold und bund drooch
gesch. qu. d. erzstift. u. d. st. Bremen 113
Lapp.; darumme drechstu dat golt so rot (=
goldene sporen und goldenen harnischschmuck, wie ihn nur ritter als zeichen ihres standes tragen durften)
d. dodes danz 634
Bäthke; ich wil heimsuchen die fürsten grosz ..., die da ein frembden schmuck tragen Musculus
hosenteufel 4
ndr.; so viel schmuck hab ich wohl schon gesehen, aber noch nie eine dame, so würdig ihn zu tragen Göthe 21, 323
W.; auf gleicher linie: (
wallfahrtspfennige sind) medaillenartige stücke, die ... als schutz- und gnadenmittel getragen wurden Luschin v. Ebengreuth
münzkde 28; beide trugen ... ehrenmünzen E.
M. Arndt 1, 31
R.-M.; den orden ... scheint er später nicht wieder getragen zu haben O. Jahn
Mozart 2, 71,
sowie wappen tragen
statt des geläufigeren führen: dann sterbt für volkes thaten, die ihr ein wappen tragt Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 69;
bes. im wappen tragen: du sollst die lilie im wappen tragen Schiller 13, 264
G.; ähnlich metaphorisch: ich merk es schon, was du im schilde trägst J. E. Schlegel 3 (1761) 226;
vgl. th. 9, 120
u. 13, 1945
u. unten IV A 3 c. III@C@3@ee)
die bezeichnung des tragenden körpertheils durch das subject oder object ist ungewöhnlich u. meist poetisch: ihr hals trug einen krantz von hyazinthensteinen H. v. Hoffmannswaldau
ged. 1 (1697) 162
Neukirch; du wolltest, dasz dein haupt nicht sollte myrthen tragen Günther (1726) 318; dies unwürdige haupt träget die mitra, wie Plutos scepter der kahnrudernde Charon trägt Herder 27, 109
S.; ein ander trägt bewunden den kopf mit perlenschnur Rachel
sat. ged. 126
ndr.; gebräuchlich aber in fällen wie schmuck am halse tragen
u. ähnl., s. unten IV A 1 a, d, f, g;
so auch, wenn an
oder auf
einem kleidungsstück u. dgl. bänder, federn
u. ähnl. getragen werden, vgl. IV A 3 c. III@C@44)
haare, wolle, federn, hörner u. ähnl. tragen: III@C@4@aa) haar tragen
fast ausschlieszlich mit attributiver oder prädicativer bestimmung: der truoc ein hâr, daz was reide unde val
meier Helmbr. 10
Panzer; Christus truog lang hor Keisersberg
postill 1, 24
b; dasz er ... die haare weder à la Pompadour noch en Capriolet trägt
sammlg. v. schausp. (1764
ff.) 2, 4; a propos Tübingen! dort sind mädchen, die tragen die zöpfe lang geflochten Göthe 5, 233
W.; ihr seht mich mit bedeutung an? — weil ich ... etwa graue haare trage? Schiller 5, 2, 278
G.; sein schwarzbraunes haar ... trägt er ganz kurz abgeschnitten Solger
nachgel. schr. 1 (1826) 53; er war ein alter junggesell, trug gepuderte haare und ein zöpfchen G. Keller 1, 192; sein eignes haar
im gegs. zu perücke tragen: wer seine eigen haare tragen kan, den desaprobire ich sehr, dasz er frantzösche perucken tregt Elisabeth-Charlotte
br. 1, 243
Holland; vgl. th. 4, 2, 11;
auch: sie ... trugen eine hohe gepuderte kreppfrisur Castelli
s. w. 10 (1844) 64; it sint nicht al papen, de platten dragen Tunnicius
sprichw. 896
Hoffm.; Tappius
adag. cent. sept. (1545) r 1
a; Eyering
prov. copia (1601) 2, 582.
dagegen bart tragen
mit und ohne derartige bestimmung: etslîcher truoc vil grâwen bart Wolfram von Eschenbach
Parz. 382, 30;
sapientem pascere barbam ... darumb daz die weysen oder geleerten leüt lang bärt tragend Frisius (1556) 151
b; Labrot ... liesz ebenfalls jetzt seinen schnurrbart wieder wachsen, den er als werber geschoren trug Bräker
s. schr. 1 (1789) 111; laszt uns lieber den wilden bart tragen Lessing 8, 12
L.-M.; sie tragen bärte als freie männer Ritter
erdkde 1, 363; Theo hatte noch keine spur von bart. er würde auch nie einen tragen, erklärte er. Moltke und Caesar hätten auch keinen getragen H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 16. III@C@4@bb) hörner, federn, wolle
u. dgl. tragen: der ebir cîn horn truog, mit ten her sîni vîanti nidirsluog
Annolied 245
Röd.; (
wolf zum lamm): du dregest wulle unde horn dorch drogene, dat is mi torn
Magdebg. Äsop 2, 13
Seelm.; hat er (
d. hirsch) ... ein gehörn getragen und abgeworffen Göchhausen
notab. venat. (1741) 19; ja selbst auch die (
tauben), so noch nicht schwingefedern tragen v. König
ged. (1745) 26;
vgl. auch IV A 1 e
u. g.
im sprichwort: dat schap drecht van natur wulle Tunnicius 1352
Hoffm.; die thier, die gros geschrey haben, tragen selten viel wolle Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) b 1
b; kein schaff ihm selber tregt die wollen Eyering
prov. copia (1601) 2, 81. III@C@55)
von wunden, narben u. ä.: Kingrûn truoc wunden durch den arm und in die brust Wolfram von Eschenbach
Parz. 197, 12; hatt er noch ... ein züglin (
schramme), das hatt er 8 wuchen tragen Platter 91
Boos; fragt meine wunden denn, die diese brüste tragen Gryphius
trauersp. 48
Palm; narben tragen
vgl. th. 7, 351; es gibt noch manchen leib und auch noch manche frau, die keine flecken tragen Günther (1726) 3, 263. III@C@66)
mit objecten wie bild, gestalt, spur, stempel, miene
u. ä., die auf das äuszere des menschen gehen: wand er des tôdes zeichenin liehter varwe truoc
Nibel. 928, 3
L.; wie wir getragen haben das bild des irdischen, also werden wir auch tragen das bild des himmlischen
1. Cor. 15, 49;
vgl. auch unten IV A 1 g
u. i; dann ist er (
der mensch) nur des menschen hausz und trägt nur menschliche geberden
Königsbg. dichterkr. 59
ndr.; wenn du der bist, dessen miene du trägst Lessing 2, 356
L.-M.; obwohl seine züge die kennzeichen eines Mongolen trugen A. v. Haller
Usong (1771) 8; als er wieder aufsah, trug sein gesicht den ausdruck leidenschaftlichen schmerzes Storm 1 (1899) 34.
abgezogener nach III D
hinweisend in der übertragung auf abstracte subjecte: alles trägt bei ihm (
Homer) das gepräge eines genies Ramler
einl. in d. schön. wisssch. 2 (1758) 172; Jarnos geschichten tragen alle einen eigenen charakter Göthe 23, 77
W.; eine alte ..., alle spuren der glaubwürdigkeit tragende ... erzählung Ranke
s. w. (1867) 3, 37
anm. 2;
gern mit näherer bestimmung von persönlichen und unpersönlichen, auch abstracten subjecten: den stempel ernster gedankenarbeit, einen berühmten namen, den hasz, die deutsche grösze an der, auf der stirn tragen,
s. unten IV A 1 f; das bild gottes, merkmale der verdrossenheit, eine gewisse majestät, das gepräge seiner inneren stimmung
u. s. w. an sich tragen,
s. die belege IV A 2 e. III@DD. '
haben, besitzen'
abblassung eines ursprünglich sinnlich angeschauten tragens war schon in allen vorigen gruppen mehrfach festzustellen, vgl. III A 1 c, e; A 2 d; A 3 b; B 2 d; C 2—5.
darüber hinaus verbindet sich tragen,
ohne dasz eine directe anknüpfung an eine sinnliche grundvorstellung sichtbar würde, unmittelbar, fast formal mit einer fülle abstracter objecte so, dasz es mit farblosem '
haben', '
hegen'
synonym ist. nur in verbindung mit einer local-instrumentalen bestimmung ist eine sinnliche vorstellungscomponente im sinne von III A 1
fühlbar, vgl. IV A 1 a, c—g, i,
ebenso bei präpositionaler verbindung mit personal- oder reflexivpronomen, vgl. IV A 2 a, b, e—g, 3 b.
vor allem im mhd. ist dieser formale gebrauch von tragen
verbreitet, auch nach dem mhd. bis ins 18.
jh. nicht selten, während seitdem eine merkliche einschränkung stattgefunden hat. heute sind nur noch einige festgewordene fügungen wirklich gebräuchlich, vor allem bedenken
und rechnung tragen
s. u., etwas weniger verlangen, scheu, zweifel tragen
s. u. schon Campe 4, 856
b bezeichnet als ungewöhnlich: ekel für etwas, gefallen an etwas, geduld tragen
s. u.; Heinatz
antibarb. (1797) 475
f. bekämpft vor allem geduld tragen
als fehlerhafte obd. redensart. bei dem object findet sich häufig, bes. in den ausdrücken mit affectgehalt, ein abhängiger nebensatz oder infinitiv oder eine präpositionale wendung; statt deren begegnet bis ins 17.
jh. auch ein genetiv der sache oder dativ der person. III@D@11)
in wendungen, die ein geistiges und seelisches verhalten bezeichnen, bes. mhd. aufs reichste bezeugt: ellen, manheit, zuht, triuwe, stæte, kiusche, schame, milte, ungelouben
u. s. w. tragen,
vor allem muot tragen,
mit näher bestimmenden adjectiven wie dienesthaften, stæten, getriuwen, senden, vrœlichen
u. ähnl., vgl. die mhd. wbb.; des muoz ich von schuldentragen vrœlîchen muot
Nibel. 760, 4
L.; hervorzuheben ist hôhen muot
und hôchgemüete tragen,
s. A. Arnold
stud. üb. d. hohen mut (1930);
beide verbindungen nicht selten dichterisch versinnlicht: kan er ze rehte ouch wesen frô und tragen gemüete ze mâze nider unde hô Walther von der Vogelweide 44, 6;
im nhd. so nur aus erinnerung an die mhd. ritterliche kultur: mein schönster trägt hohen und züchtigen muth Bürger 35
b Bohtz. sonstiges mut
u. ä. tragen: also soll die weltlich gewalt ... ain feyn linde sänfften christlichen lieblichen mut tragen Luther 10, 3, 256
W.; trägt doch ein mönch landsknechtsmut Fischart
Garg. 22
ndr.; ... den muth des vaters, den festen, welchen der tartschenschwinger, der rossebändiger Tydeus trug Bürger 221
b Bohtz; ich trag ein freis gemüthe A. v. Arnim 21, 44
G.; bei gott! der graf trug hohen sinn Bürger 37
a Bohtz; jungfer fabel trägt leichteren flug und sinn E.
M. Arndt 5, 165
R.-M.; weiterhin geduld tragen: darinne must ihr gedult tragen Luther 14, 21
W.; acta publ. 1, 108
Palm; Spee
güld. tugendbuch (1649)
*11
a; Happel
akad. roman (1690) 901.
meist mit mehr oder weniger deutlicher hervorkehrung des affectgehalts: III@D@1@aa)
in einem ausdruck des begehrens: ober den willen trüege, daz er in gerne slüege Hartmann von Aue
Iwein 7363; sît er ûf stæte minnetragen wolde wân
Nibel. 49, 2
L.; wann ir nach ruom und lob begir und durst tragt Schaidenreisser
Odyss. (1537) 90
a; Johan de Wert war bey des hertzogs heranmarche in meinung, als ob derselbe auf München sein absehen trüge v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 257; sie tragen grosz bemühen, zu höhnen alles thun Rachel
satyr. ged. 136
ndr.; später nur noch in dichterischer sprache: die begierde stillen, welche Satan zu ihm trägt Cl. Brentano
ges. schr. 1 (1852) 223; und tragt nach dem schwert ihr so heiszen trieb Strachwitz
ged. (1850) 48.
bes. verlangen tragen: auch Eva spricht, den rath hab dir der teuffel geben durch die schlangen, das du nachm apffel trugst verlangen B. Krüger
aktion v. d. anf. u. ende d. welt (1580) c 5
b; der ich ohnedem zu neuen und wunderbaren sachen immer ein groszes verlangen trug Göthe 43, 102
W.; weil ich aber verlangen truge zu wissen Moscherosch
ges. 2 (1650) 231; die stadt trug ... gar kein verlangen danach, ... der übrigen welt zugänglicher gemacht zu werden Raabe
hungerpastor 1 (1864) 246; ja wol, mein herr, tragt kein verlangn, es wird bald besser werden noch Hayneccius
Hans Pfriem 39
ndr.; was schert mich weib, was schert mich kind! ich trage weit beszres verlangen Heine
w. 1, 40
E. lust tragen: die nun zuor warheit lust tragen Sleidanus
reden 29
lit. ver.; fürst Aiax zu dem feind trug lust Spreng
Ilias (1610) 88
a; tragt ihr zu abenteuern lust, ihr herren, folgt mir nach Hof in unsre pfalz Bauernfeld
ges. schr. 5, 41; weil sie aber zart aufgezogen war, trug sie immer grosze lust nach süszen speisen W. Grimm
deutsche sagen 2 (1891) 140; wenn sie ihnen ... das vor augen stellen und verheisen, darzu sie am meisten geneiget und daran sie die höchste lust tragen
Reinicke fuchs (1650) 66; ob zeuge auch lust dazu trage, dasz angeklagte
n. vom leben zum todt möchte verurtheilet werden Nigrinus
von zäuberern (1592) 376;
mit liebe, neigung
in doppelform verbunden: weder lust noch liebe trag ich zu ir
Ambras. liederb. 206, 3; umb fürderung willen guter künsten, zu welchen wir sonderliche lust und neigung tragen
kirchenordnung für Braunschweig (1569) 357. III@D@1@bb) tragen
in einem ausdruck der zuneigung, hinwendung: der helt von Burgondenin allen holden willen truoc
Nibel. 1674, 4
L.; durch die getriwe minne, dier gein sînem wirte truoc Wolfram von Eschenbach
Parz. 486, 15; und sol ain fraintlich hertz zuo im tragen Luther 10, 3, 247
W.; von wegen der natürlichen neigung, so sie zuo e.
m. als irer von got gegebener ... oberkeit tragen Sleidanus
reden 249
lit. ver.; aus rechter liebe, trew und güt hab wir einander tragen huld H. Sachs 13, 8
G.; eure hertzliche zuneigung, die ihr zu mir traget Schupp
schr. (1663) 402; dieses will mich ihre höflichste zuschrifft glauben heiszen, dasz sie gleichwohl diese gutheit für mich tragen Menantes
allern. art höfl. u. gal. zu schreiben (1718) 151; weh mir, wenn ich das rachschwert meines gottes in händen führte und im eiteln herzen die neigung trüge zu dem irdschen mann! Schiller 13, 268
G.; bei dem wohlwollen, das der kurfürst für den Kohlhaas trug H. v. Kleist 3, 239
Schm.; ich trage ein väterlich herz zu euch Storm
w. 2 (1899) 253.
liebe tragen: der guote alte weise vater, der seinen dreien sün geleiche liebe trug Arigo
decam. 34
lit. ver.; vgl. 81; Hans Sachs 13, 216
G. u. ö. auch in doppelformel mit huld (Arigo
decam. 51
lit. ver.; Lindener
rastb. 38
lit. ver.)
oder gunst
verbunden (H. Sachs 2, 28
K.; Ayrer 2, 874
lit. ver.); die liebe, die ich zu ir trag
Ambras. liederb. 169, 3; to der junkvroweschop plegen de junkvrowen nene grote leve to dregen
des dodes danz 1485
lit. ver.; das er so grosse liebe zu uns menschen tregt Luther 28, 228
W.; dasz ich solche grosze liebe zu meinem vaterlande trage Opitz
poet. 4
vorr. ndr.; von der 2.
hälfte des 18.
jhs. ab seltener bezeugt: die heimliche liebe, die sie zu ihm trägt Lessing 10, 9
L.-M.; Göthe 43, 197
W.; Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1 (1893) 123;
im 16.
jh. auch: die grossen und unsäglichen lyebe, so ich gen euch trag
Fortunatus 107
ndr.; buch der liebe (1587) 18
e;
zuweilen ohne nähere präpositionalbestimmung: dasz sie die echte und ware liebe traget
Amadis 43
lit. ver.; ich danke dir die liebe, die du trägst Tieck
schr. 1 (1828) 77.
gefallen oder wohlgefallen tragen: das Gabriel von mir zuvor getadelt seh, das ich seins dings nicht gefallen tragen habe Luther
schrifft an Joh. Fridr. einen prediger gen Aldenburg 2, 107
b; das ... ehrliebende leute ... ann solchem namlosen und auffrürischen gedicht und famosen libell keyn gefallen haben noch tragen mögen Vogelgesang-Cochläus
gespr. v. d. trag. Joh. Hussen 2; dasz einige götter an so grausamem gottesdienste gefallen trügen Lohenstein
Arminius 1 (1689) 71
a;
später selten bezeugt: da sie an der süssigkeit seiner sprache gefallen tragen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 2, 87;
im 16.
jh. auch: ein ander helffant trug ein solch gefallen zuo dem Meandro von Syracuss Heyden
Plinius (1565) 93; ir werdt gfallen tragen ab dem, das ich euch werde sagen Maximilian
Teuerd. 2, 85; dasz er grosz gefallen ab demselbigen trug
Amadis 13
lit. ver.; vgl. 18; er trug ein so groszes gefallen, den schrecklichen klang seiner stimme zu hören J. E. Schlegel
w. (1761) 3, 493; es würden die churfürsten wie auch andere stände des reichs keinen gefallen darob tragen, dass man mit einem aussländischen ... könig also verfahren thete v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 13.
ebenso belieben bezw. beliebung tragen: dass mein groszgeneigter herr zu meinem geringen wercklein so geneigtes belieben und gefallen getragen Rachel
sat. ged. 4
ndr.; habe bündnüss mit den dieben, trag am rauben ein belieben Logau
sinnged. 152
lit. ver.; ieder ausländer, so der fundamentorum unserer ... sprache sich zu erkundigen beliebung tragen ... möchte Schottel
teutsche haubtspr. (1663) 33; sie trug an meinem thun und lassen meist ein gnädiges belieben Bräker
s. schr. 1 (1789) 176;
vgl. th. 1, 1448
ff. treue tragen: dienstbæriu triuwe, die er nâch sîner frouwen truoc Wolfram von Eschenbach
Parz. 541, 7; er mac ir minne wol bejagen, wil er gegen ir triwe tragen Ulrich von Lichtenstein
frauend. 522, 28
Lachmann; das du erkennest auch mein treu, die ich dir hindn und foren trag H. Sachs 14, 82
G.; mit liebe
verbunden: lieb und trew, die ich zu gantz teutscher nation ... tragen solle Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 3;
vgl. 9, 254.
s. auch tragend 2.
geduld, erbarmen, mitleid tragen: yetzt tragen wir ein mitleid mit dem, was wir nacher mit füszen tretten S. Franck
sprüchw. 1 (1541) 96
a; trag mit ir (
deinem weibe) gedult Luther 17, 1, 24
W.; vgl. 18, 98; einen ..., mit dem man ein groszes mitleiden und erbärmnus trägt Grimmelshausen 2, 695
Keller; für euch, die kein erbarmen mit ihm trug Schiller 13, 407
G.; auch: an welchen gott hab getragen sein grosse gedult Luther 29, 47
W.; man träget woll gedult über die menschen
persian. baumgarten 3
a; yhe lenger er gedult treget, yhe erger wirs machen Luther 24, 455
W.; der pilger trug erbarmen A. v. Arnim 13, 242
Grimm. respect, ehrfurcht u. ä. tragen: so hat mich mein vatter von jugent gelernet andacht zuo der messen tragen, alsz zuo einer gedechtnisz des leidens Christi Jhesu unsers herren Murner
a. d. adel 51
ndr.; des ... respects, welchen alle evangelische ... auf Chursachsen trügen v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 99;
vgl. 218; die ... devotion, so sie zu ew. hochfürstlichen durchlaucht trage Leibnitz
dtsche schr. 1 (1838) 265; hochachtung, welche untersucher der wahrheit gegen einander zu tragen sich nie entbrechen Lessing 13, 3
L.-M.; dasz man für sie die nehmliche achtung trüge als für eine dame Laroche
frl. v. Sternh. 1 (1771) 356; allen respect vor den herrn baron tragen G. Stephanie
d. j.
s. lustsp. (1771) 132; das schicksal, für dessen weisheit ich alle ehrfurcht trage Göthe 21, 192
W. vertrauen, zuversicht, hoffnung u. ä. tragen: als wir besondern unzwivellichs hoffen und getruwen zu uch tragen
privatbr. d. ma. 1, 45
Steinhausen; das er ein stetes harren, hoffen, trawen, glauben tregt zu gott Luther 18, 519
W.; wegen der groszen zuversicht, so sie zu euer durchl. tragen
schausp. engl. comöd. 94
Creizenach; das gute vertrauen, so ein mann zu seinem weibe trägt Stranitzky
ollapatrida 167
Wiener ndr.; s. auch tragend 2;
anders: ich zittre, nein ich darf ganz keine hoffnung tragen v. König
ged. (1745) 412. III@D@1@cc) tragen
in ausdrücken der abneigung und ablehnung: ob Esau sînen alten zorn truoge, daz er die einen schar sluoge
Milst. gen. u. exod. 63, 31; obe ain burger dem andern feintschaft trait
Nürnberger polizeiordn. 31
lit. ver.; die herren sollen an den heuchlern ein misfallen tragen Friedrich-Wilhelm
sprichw.-reg. h 1
b; allen iren unwillen, so sy zuo iren eemannen tragen Eberlin von Günzburg 1, 60
ndr.; so musz er grollen gegen seiner frawen tragen Pauli
schimpf u. ernst 99
lit. ver.; die teuffel selber einen eckel und grewel dafür tragen Musculus
hosenteufel 8
ndr.; trugen derwegen beifahr, es würde ausgehen, wie ... Schweinichen
denkwürd. 151
Öst.; trage ich doch keinen ungefallen darab
Amadis 50
Keller; truog doch Ruodolph etwas besondere ungnad zuo der statt Bern Stumpf
Schweytzerchr. (1606) 576
a; als ob er eine gewaltige furcht vor diesen dingen trüge J. G. Schmidt
rockenphil. 1 (1718) 319;
später selten und nur in gehobener sprache: da ... ew. durchl. diese anstalt der allgemeinen akademischen direction zu untergeben billig anstand tragen Göthe IV 10, 138.
hasz, neid tragen: then (
sc. mihilan haz) druagun sie io in wareunz themo fiarzegusten iare Otfrid
Hartm. 90; dû unt daz wîp traget ouf ein ander nît
Milst. gen. u. exod. 16, 27; weder haz noch arcwân trage ich gein iuch, schœne Îsôt Heinrich v. Freiberg
Trist. 1015; sy wären im veindt und truogen im hass umb seyn gerechtes leben
summerteil d. heyl. leben (1472) 38
b; etlich ... Ugetto neyd truogen Arigo
decam. 271
lit. ver.; weil er keinen hasz vorhin zu ihm getragen hat
5. Mos. 19, 6; du habist hass auff mich tragen Luther 7, 278
W.; hasz
und neid
häufig formelhaft verbunden: sin swester ... druc grozen nid und haz uffe die reinen Margreten
hl. regel f. e. vollk. leb. 87
Priebsch; den leib Christi schmehen, neid und has tragen Luther 26, 217
W.; di verechtlicher mas dir tragen neid unt has Schede-Melissus
psalm. 75
ndr.; vom 18.
jh. ab nur in dichterischer sprache: auch trag ich keinen hasz gegen die menschen Schiller 6, 306
G.; ich trage selber hasz zu diesem kindisch schwachen weiberherzen Tieck
schr. 2 (1828) 90.
scheu (
auch scheuen, scheuch),
abscheu tragen: darumb ich derselbigen (
schriften) als der warheyt kein scheuhe trag vor nyemannts Hartm. v. Cronberg
schr. 82
ndr.; warumb wöltestu ... desz schwerens scheuwen tragen Ayrer
hist. proc. iur. 1, 7; ihr aber truget für mich alle scheuch B. Krüger
akt. v. d. anf. u. ende d. welt (1580) j 4
a; dasz sie (
die männer) ... vor dem heurathen eine solche scheue tragen Stranitzky
ollapatr. 35
Wiener ndr.; damit jedermann sonderlich von disen beeden lastern ... ein abscheu ... tragen mögen Ayrer 1, 3
Keller; oder träget mein arm einen abscheu ob einer solchen mörderischen that
schausp. engl. comöd. 88
Creizenach; vor deme sich sehen zu lassen er gar keine scheu truge A. U. v. Braunschweig
Octavia 1 (1677) 36;
vom 18.
jh. ab seltener: sie versieht sich zu dem treuen volk, dasz es gerechten abscheu werde tragen vor den verfluchten thätern dieser that Schiller 14, 413
G.; uneinigkeit zwischen ... vater und sohn, wovor auch die thiere selbst einen abscheu tragen maler Müller 1 (1811) 64; Ludwig muszte scheu tragen, dies zu thun Melchior Meyr
erz. a. d. Ries 1 (1868) 35.
zweifel tragen: am sacrament kain zweyfel trag Schwarzenberg
d. teutsch. Cicero (1535) 154
b; an der wahrheit dieser geschichte beliebe der geneigte leser keinen zweifel zu tragen
d. Leipz. avanturieur 1 (1756) 9; an einem jüngern Rorid ... trage ich groszen zweifel Dahlmann
gesch. v. Dännem. 1, 45; ich trage aber keinen zweiffel, es werden diese gebot ... etliche zu geschwinde ... deuchten Barth
weiberspiegel (1565) b 2
a; ich trage keinen zweifel, die unwissenden edlen ... würden in wenigen jahren tüchtig werden Haller
Alfred (1773) 163;
heute wie zweifel hegen
zu den gesuchten ausdrücken gehörig; gewöhnlich zweifeln.
bedenken tragen, stets mit infin.: dass wir ... mit ihnen de quota zu litigiren nit unbillich bedencken tragen
acta publica 1, 35
Palm; Conradus ... truge groszes bedencken, ihm alle gewalt des vaters in die hände zu geben S. Fr. Hahn
teutsche staatshistorie 2 (1721) 9;
noch heute gebräuchlich: ich habe bedenken getragen, meinen antrag durch irgendwelche bedingungen zu belasten Moltke
ges. schr. u. denkw. 7 (1892) 92,
bes. in negativer wendung: hatte ich auch kein bedenken getragen, ... das allgemeine wahlrecht ... mit in die pfanne zu werfen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 78
volksausg.; im 17.
jh. auch bedenkens tragen: die stubenthür ... selbst aufzumachen, trug ich bedenckens Grimmelshausen 2, 331
Keller; vgl. 2, 551. III@D@1@dd)
ohne das emotionale element: der ... der gemeinen sachen acht trüege Xylander
Polyb. (1574) 318; von den weissagern ..., die auff der vöglen geschrey und fliegen achtung trugen Calepinus
undec. ling. (1598) 830
a.
jüngeren ursprungs ist die auch heute geläufige verbindung rechnung tragen mit einem dat. der person oder sache '
berücksichtigen',
an franz. tenir compte de quelque chose angelehnt, s. th. 8, 362
nr. 13
; vereinzelt vor dem 19.
jh. bezeugt, bezeichnenderweise noch mit dem gen. verbunden: ich finde die schertzreden ... voll lebhaftigkeit und achte sie werth, dasz meine gesellschafft derselben in ihrem wercke rechnung trage Bodmer-Breitinger
discourse der mahl. (1721) 4, 9;
seit dem 19.
jh. häufig, bes. in wendungen wie dem wunsche, dem umstande, den verhältnissen rechnung tragen: er trug allen verhältnissen rechnung Raabe
d. hungerp. 2 (1864) 167;
als schlagwort in den parlamentsverhandlungen von 1848/9
von Raveaux
gegeiszelt, s. Wigard
stenogr. bericht 6, 4593
b,
und als gallicismus von Schopenhauer
hsl. nachl. 2, 172
Gris. gerügt. weitere belege vgl. th. 8, 362
nr. 13. III@D@22)
von einem immateriellen, insbes. geistig-seelischen besitz. mhd. reiche anwendungsmöglichkeiten, z. b. lop tragen
Nib. 1330, 4
L.; sinne tragen '
verständig sein' Wolfr. von Eschenbach
Parz. 711, 23; magetuom tragen
mhd. wb. 3, 69
a;
nhd. namentlich in folgenden begriffskreisen: III@D@2@aa) gedanken, wissen, gewissen
u. ä. tragen: und ist zwar kein zweifel bey denen, so der uralten teutschen spraach erfarung tragen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 197
a; was trägst du für gedanken J. Grob
versuchgabe (1678) 150; kein mensch will in einem plane sterben; und doch trägt jeder zu jeder stunde des tages zugleich ... halbreife und ganz reife plane Jean Paul 7—10, 640
H.; im 16.
und 17.
jh. vor allem wissen tragen: der zufäll ich nit wissen trag Maximilian
Teuerd. 277
Göd.; wiewol wir diser tat wüssen tragend Tschudi
chron. Helvet. 1 (1734) 89;
vgl. 1, 131; von welchem yhr ... kein wissen traget Güttel
von evang. warh. (1523) a 4
a; das niemand darumb ain wissen truog Schaidenreisser
Odyss. j 7
a; damit doch irgent eyner wissen trüg, wilche torheyt mir der Muntzer anmuotten dorfft Luther 18, 440
W.; gern gut wissen: ihr traget gut wissen, wie ...
a. d. jahr 1508
lehnsurkd. u. besitzurk. Schles. 1, 255; alle befelchhaber tragen gut wissen, das er keyserlich freyung gebrochen Reutter v. Speir
kriegsordn. 59;
auch dass sie umb die flucht der Persen kein wissens trügen
buch d. liebe (1587) 220
b; auff das er wissens trag, ob wir ihn hören oder nicht Spreng
Ilias (1610) 17
b;
seit dem 17.
jh. nicht mehr bezeugt; ähnlich wissenheit, wissenschaft tragen: solche creaturen im firmament seind, die solche wissenheit tragen wie ein geist Paracelsus
opera 2 (1616) 78
b; die, die so wissenschafft darumb trügen Harsdörffer
teutsch. secret. 1 (1659) 217; es würden auch seine hochwürdigste durchleuchtigk. hiervon wissenschaft tragen Neumark
neuspross. palmb. (1668) 425.
anders ein
gut gewissen tragen: trägt er ... umb einer guten sachen willen ein gut gewissen H. W. Kirchhof
mil. disc. (1602) 7; ein hertz, das allezeit und sorglich ist geflissen, zu tragen für der welt und got ein gut gewissen Rachel
sat. ged. 83
ndr. III@D@2@bb) namen, amt, würde
u. dgl. tragen: daz ir munt des niht gewuoc, welhen namen Gâwân truoc Wolfram von Eschenbach
Parz. 627, 16; beide vrouwen und man, di cristenlichen namen tran Heinrich v. Hesler
apok. 23116; er (
Christus) treget disen herrlichen und tröstlichen namen von dem ampt Luther 16, 217
W.; das ... ich den nahmen eines undanckbaren ... werde tragen ... müssen v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653)
vorr. 7; niemals hat jemand den titel eines weisen des königs getragen Göthe 45, 88
W.; jetzt gesucht klingend; gewöhnlicher haben, führen. dô si schildes ambet muosen tragn Wolfram von Eschenbach
Parz. 348, 20; in einem klôster si was unde truoc geistlich leben Ottokar von Steiermark 20306
Seem.; der im streit ... bevelch getragen Xylander
Polyb. (1574)
vorr. 2; der marschalck, wölcher dann allen gewalt ... getragen hat in desz hertzogen abwesen Wickram 1, 42
lit. ver.; die feldobristen und hauptleut, ob sie schon das fürnembst ambt im feld tragen Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 5; die zween, so über den ... see die inspection trugen Grimmelshausen 2, 69
Kurz; mein bruder ..., so am königlichen hofe zu Caractonium eine bedienung truge A. U. v. Braunschweig
Octavia 1 (1677) 800; das amt, das die apostel trugen
allg. dtsche bibl. anh. zu 53—86 (1771
ff.) 39:
heute nur noch würde tragen
üblich, vgl. würdenträger: von einem bereits die kaiserwürde tragenden vater geboren Döllinger
akad. vortr. 1 (1888) 5.
ähnlich: ein lehen tragen:
bereits mhd. s. Lexer 2, 1490
u. Fischer
schwäb. 2, 305; Kramer 2 (1702) 1104
b; ich trage keine lehen als des reichs Schiller 14, 332
G.; verbreiteter in der form etwas zu lehen tragen: von ime tragen ir diss schloss mit aller ewer landtschafft zu lehen
Aymont (1535) c 2
a; vom kaiser selbst und reich trägst du diesz haus zu lehn Schiller 14, 284
G. III@D@2@cc) kraft, schönheit
u. ä. tragen: Phyllis, die an geist und gliedern gleiche kraft und schönheit trägt Günther (1726) 1, 82; nun glaub ich wohl ..., dasz eure freundin hohe schönheit trägt Uhland
ged. 1 (1898) 338; du (
elephant) trägst des meisters (=
gottes) stärke ... maler Müller 1, 24. IVIV.
die art des tragens ist durch nähere angaben bestimmt, von denen viele bes. in übertragener verwendung mit dem verb zu einer festen verbindung zusammengewachsen sind; mitunter ruht dann gerade auf ihnen das psychologische gewicht der aussage. IV@AA.
am häufigsten ist eine local-instrumentale bestimmung durch präpositionale ausdrücke. IV@A@11)
der körper und seine teile sind ort und mittel des tragens. IV@A@1@aa)
in der hand u. ä. tragen: sume ouh thie ginozadruagun stangun groza, kolbon ouh in henti Otfrid IV 16, 21;
im sprichw.: in eyner handt tregt er wasser und aber in der andern fewer Tappius
adag. cent. sept. (1545) n 2
a; wenn man vor den schwulstigen den hut in den händen trägt, ... das achten sie grosz Lehman
floril. polit. 1 (1662) 32;
vgl. th. 4, 2, 1980;
übertragen: der ausdruck: seine seel in händen tragen, heiszt, wenn ihn philosophen brauchen, so viel als gute gestus machen Hippel
lebensläufe (1778) 3, 1, 197; die Curländerin, die ihr herz ehemals in ihren händen getragen, schloss und verriegelt' es jetzt 3, 1, 120; glückselger fund! ... ich trage mit diesen nahmen sein geschick in händen Schiller 13, 467
G. auf der hand, auf (
den)
händen tragen: er gienc unt truoc ûf sîner hant ein mûzersprinzelîn algrâ Wolfram von Eschenbach
Parz. 544, 2; den ich ... ein so kleins kindlin getragen hab auf meinen henden Boltz
Terenz (1539) 98
b.
übertragen vorwiegend jemanden auf (den) händen tragen,
durch die bibelstellen er hat seinen engeln befohlen ... dass sie dich auf den händen tragen und du deinen fusz nicht an einen stein stössest
psalm 91, 12,
vgl. Matth. 4, 6,
verbreitet; schon mhd. bezeugt: ûf mîner hant wolt ich in tragen Heinrich von Rugge
in minnesangs frühl. 105, 32; soll man denn den junckhern auff den henden tragen Luther 34, 1, 86
W.; vgl. 34, 1, 520
W.; er hätt es nie gedacht, dasz der sein ehweib schläget, der vor den leuten sie fast auf den händen träget Warnecke
poet. vers. (1704) 156; alles andre thäten sie hudeln und schänden, den soldaten trugen sie auf den händen Schiller 12, 51
G.; oft ohne artikel: wie er ... canonisier, die im behagen, die nemlich in auff händen tragen Fischart 2, 393
Kurz; hier ist ein mädchen, das recht verdient, deine schwiegertochter zu sein ... sie ist bildschön und erzogen — du würdest sie auf händen tragen Moltke
ges. schr. u. denkw. 4 (1892) 7;
noch heute gebräuchlich, auch dialektisch: Dähnert
plattdtsch. 84
b; Crecelius
oberhess. 286; Fischer
schwäb. 2, 305; Hügel
Wien. 165
b;
vgl. th. 4, 2, 352.
bei Luther
auch: man sold es (
das evangelium) uffn henden tragen, so speyet mans an 32, 202
W.; vgl. noch 24, 258; 24, 526.
an der hand: den (
ring) hete vrou Kûdrûndiu schœne ê getragen an ir handen
Kudrun 1248, 4; dasz man den ring tregt an der lincken Fischart
Garg. 8
ndr. ebenso an, um den finger: ich träg umb die finger keine reiff oder sonst blancke dinger Voigtländer
oden u. lieder (1642) 77; bemerken sie die vier kostbarn ringe, die ich an jedem finger trage Schiller 11, 103
G. IV@A@1@bb)
unter, auf, in (
älter an)
dem arm tragen: sie trug einen teppich unter dem arme Göthe 21, 182
W.; er trug sie auf seinen armen ans land Kahlenberg
Eva Sehring 28;
bes. ein kind: ich trugk en (
das Christuskind) in minen armen in dem tempel
Alsfelder passionsspiel 5080
Grein; als aber die schiffleut sahen die keyserin zu dem schiff nahen und das kindt an ihrem arm tragen
buch der liebe (1587) 6
b; ihr volget nach die maget hart, trug auff dem arm das kindlein zart Spreng
Ilias 79
b; da hab ich sie (=
die kinder) noch auf dem arm getragen Hafner
ges. lustsp. 1 (1812) 187;
übertragen: er tregt die seel am arm '
er ist sehr alt und wird bald sterben'
sch. weise klugr. (1548) 144
b. IV@A@1@cc)
auf der achsel, schulter tragen: Rebeca ... trug einen krug auf irer achseln
1. Mos. 24, 16; den vater trug ich bald und bald die mutter auf meinen schultern Schiller 13, 344
G.; das haupt, den kopf auf der (den) schulter(n) tragen
s. oben III A 1 e.
übertragen: das imperium hot hie (
Jesus) uff sin schulder getragen
Alsfeld. passionsspiel 4705
Grein; darum dasz sie ein heiliges amt auf sich hatten und auf ihren achseln tragen mussten
4. Mos. 7, 9; unser beyder busz müst ich eben allein auff meiner schulter tragen H. Sachs 8, 348
K.; das gefühl der hohen verantwortung, die fürsten auf ihren schultern tragen Gutzkow
nov. u. skizz. 215;
im sprichw. auf beiden achseln,
seltener schultern tragen
doppelzüngig sein, es mit beiden parteien halten; so den stein
th. 10, 2, 1995; das wasser
th. 13, 2338; den baum
th. 1, 163;
meist absolut: auff beden achseln tragen Franck
sprüchw. (1541) 2, 102
b; Eyering
prov. copia 1, 124; er kan uff zwuen achseln tragen 2, 379; es lasse sich nicht also vermenteln, vergleichen und auff beiden achseln tragen Luther 18, 268
W.; können sie nicht mit zweyen zungen reden und nach der goldwaag ihrer sekkelfüllenden gerechtigkeit auf beiden achseln gleich tragen Harsdörffer
frauenz. gesprächsp. (1641
ff.) 5, 202; es haben sich auch officiere in Pilsen eingefunden, welche auf zwei achseln tragen Laube
ges. schr. 14, 275;
auch dialektisch: auf beiden achseln wasser tragen '
den zwischenträger machen' Fischer
schwäb. 2, 30.
aufflügeln, aufschwingen tragen.
vgl. oben II B 3,
sp. 1065. IV@A@1@dd)
am hals tragen: das zugthier trägt das joch am hals,
vgl. th. 4, 2, 250
nr. 7, der lastträger die lasten: uff der achsel odder am hals tragen E. Alberus (1540) d 1
b.
entsprechend: musz ihr (
der liebe) joch am halse tragen Voigtländer
od. u. lied. 33, 8; wir ... tragen den Adam am hals Luther 30, 1, 16
W.; so wünsch ich ihm vil böser stund, das er in seinem reich nachmals das unglück trage an dem hals Spreng
Äneis 78
b; gleich wie dem, welcher träget die wassersucht am hals, allzeit zu dürsten pfleget Voigtländer
od. u. lied. 99, 1.
der verbrecher trug am pranger eine tafel am hals, vgl. th. 4, 2, 245, 3
d. danach wohl: wir tragen all den esel am hals, wir solln uns der guter nit uberheben Luther 11, 187
W.; ähnlich von sonstigen anhängseln, bes. schmuck: soll man ... stehts ein beningenwurtz und ellendsklawen am hals tragen Gäbelkover
artzneybuch 1, 34; an ein goldenes herz, das er am halse trug Göthe 1, 96
W.; im sinne von III A 1 e: weyl ich lebe und das fleysch und blut am halse trage Luther 34, 2, 65
W., vgl. 30, 1, 190
W. ähnlich, etwas seltener: auf dem halse tr.: er kann centnerschwere last auf dem halse tragen Olearius
pers. rosenthal (1696) 42
b; dasz er ... so grosze last der regierung auf dem halse trage
ebda 43
b.
um den hals tr.: hölzerne fessel um den hals tragen
s. th. 4, 2, 250
nr. 5; amulette ..., die er um den hals trägt W. H. Riehl
dtsche arbeit (1861) 251.
anders im hals, vgl. th. 4, 2, 253
nr. 11,
s. o. III A 1 e
sp. 1068. IV@A@1@ee)
auf dem rücken tragen: den galgen des cruczes hie selber trugk uff sim ruck, dasz hie sich bucht
Alsfelder passionssp. 5968
Grein; im sprichw.: der gescheide soll den narren auf dem rücken tragen Binder 71; es trägt sich auf dem rücken
s. u. V E;
übertragen meist im sinne von '
mit sich bringen': und sagt das sprichwort: es kompt kein unglück nit allein (ein unglück tregt das ander auff dem rucken) Schumann
nachtb. 69
B.; armut treget viel dienstbarkeit mit ir auff dem rücken Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) a 2
a;
jetzt nicht mehr gebräuchlich; vgl. th. 8, 1352.
auch nach A III 1 e: hut dich für dem vogel, der den schnabel auf dem rücken trägt
bei Thiele
Luthers sprichw. slg. nr. 178
und nach III C 4 b: hinden auff dem rugken truog es (
das stachelschwein) bey hundert stachlen Forer
Geszners thierb. (1536) 35.
mhd. über rücke tragen: einen schilt er ze schirmen truoc, dâ hêt ein man an genuoc ze tragen übern rücke Wirnt von Gravenberg 7360
Kapteyn; si truogen alle den last der sorge über rücke
Biterolf 10763; ein schlägel löset den andern oder trägt den andern überrück:
i. e. wenn gute ertze mit einbrechen, dasz man die geringern dadurch verreichern und auf die kosten bringen kan Herttwig
neues u. vollk. bergb. (1734) 345
a. IV@A@1@ff)
so weiterhin auf dem haupte, kopfe, auf dem haar, in den locken einen korb
u. dgl., einen hut, kranz, eine krone
u. ä. tragen, zwei augen im kopfe (
s. o. III A 1 e), narben auf der stirn (
vgl. th. 7, 351
nr. 1 a), eine brille auf der nase, einen ring, perlen
u. dgl. in den ohren (
s. th. 8, 984),
älter an den oren (Frisius [1556] 98
a), eine nachtmütze überm ohr (Immermann 1, 34
Boxb.)
u. s. w. tragen, ein raubthier trägt seine beute im rachen, im maul, ein vogel einen zweig im schnabel, zähne im mund tragen (
vgl. oben III A 1 e)
u. s. w. in übertragenem gebrauch heben sich auch aus diesen zahlreichen, in eigentlicher verwendung mehr occasionellen bestimmungen formelhafte verbindungen heraus; im kopf, seltener im haupt tragen: es ist nit not, das du das gottes wort alle zeit tragest in dem haubt, sondern trag es in den henden mit den werken Keisersberg
predigen teutsch (1508) 6
a; dargegen (
ist) mancher edelmann ausz jener vermeinten kunst widerumb zum bawren (
worden), da er gulden berg im kopff trug, ehe er die händ in die kolen geschlagen hatt Paracelsus
opera 1 (1616) 922 c
Huser; ein lebendiges bild von der vollständigen partitur, wie sie werden sollte, im kopfe tragen O. Jahn
Mozart 4, 693; Turgot ... sah ... den widerstand gegen die reformen organisiert, deren plan er im kopfe trug Dahlmann
gesch. d. franz. revol. 33. —
an, auf der stirn tragen, im sinne von III C 6: männer, die den stempel langjähriger ernster gedankenarbeit auf der stirne trugen Storm
w. 1 (1889) 157;
auch von unpersönlichen subjecten: diese drastische geschichte ... trägt den geistlichen stempel sichtbar an der stirn Scherer
litt. gesch. 81; ihren (
der wichtigen werke) character ... zu bestimmen, damit weder das vortreffliche, weil es keinen berühmten namen an der stirn trägt, unbekannt bleibe A. W. Schlegel im
Athenäum 2 (1799) 287; ein haus ..., das den hasz seiner beiden besitzer offen auf der stirne trug O. Ludwig
ges. schr. 2, 305; er seh die deutsche grösze, die du (
Donau) an der stirne trägst Blumauer
ged. (1782) 160.
im munde, auf der zunge tragen: meiner feindinn ..., die lauter lieb im munde trägt, im herzen tausend buhler hegt Neukirch
ged. (1744) 50; der mund, der Jesum stets auf seiner zunge träget Hoffmann von Hoffmannswaldau
ged. 7, 295
Neukirch; jedes trägt seinen namen auf der zunge Herder 5, 50
S.; den ruhm der vorfahren
s. th. 16, 593; jem. auf der,
auch mit der zunge tr.
von übler nachrede ebda 598; der unkluge knabe, der sein herz im munde trug A. v. Arnim 15, 336
Grimm; üblicher sein herz auf der zunge tragen
s. th. 4, 2, 1216,
ähnlich seinen guten willen
s. th. 16, 593.
im auge, im gesicht tragen: die augen verrathen den arsz: manche trägt ihr gesäsz in augen Lehman
floril. pol. 1 (1662) 63; die ... fahrenden poeten Deutschlands ..., welche ... mangel leiden und doch alles lieben, immer die süsze, göttliche ahnung in den augen tragen Laube
ges. schr. 8, 11; und wir tragen noch in staub gesunken ahndung künftger seligkeit im blick, Schubart
s. ged. (1825) 2, 3; auch Kreisler muszte soviel einräumen, dasz der kater etwas besonderes ... im antlitz trage E. Th. A. Hoffmann 10, 30
Gris.; auch seine mutter Luise, seine schwester Sofie und sein bruder Karl ... tragen viel geist in ihren gesichtern E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1 (1845) 221. IV@A@1@gg)
am, um, auf dem leib tragen,
vor allem kleider
u. dgl.: mîna tunicam (hemide), die ih ze lîche truog Notker 2, 69; noch wol möcht tragen an dem leib ein kleid, das man dir hat zerschnetzelt Scheit
Grob. 4684; (
Wilhelm) trug ... gewöhnlich eine seidene schärpe um den leib Göthe 21, 87
W.; ... es konnte nichts entrinnen, was federn auf dem leibe trug Pfeffel
poet. vers. 1, 30;
nach III C 5
u. 6: Isaac hat ... zum warzeichen die beschneitung an seinem leibe auch getragen Luther 16, 50
W.; auszwendig am leib tragen wir der weld pildnuss Berthold von Chiemsee
theol. 195
Reithm. IV@A@1@hh)
mit anderer vorstellung, im sinne von III B 1:
unter dem herzen tragen: seid du (
Maria) mit keuschem schertzen truogest under deinem hertzen ain chind on allen schmertzen
liederbuch der Hätzlerin 97; Corinna, liebste tochter, ich habe dich neun monat unter meinem hertzen getragen Schupp
schr. (1663) 470; ich habe sie (
meine leibliche tochter) im schoosze unter dem eigenen herzen getragen, das ihrer ankunft entgegenschlug Stifter 3, 283
S.; auch am herzen: Schubart
s. ged. (1825) 2, 137; maler Müller
w. 1 (1811) 89;
seltener unter der brust: dad si unsen drehtin under iren brusten solde dragen
dtsche ged. des 12. jhs. 1, 80
Kraus; Gotfrid von Straszburg 1943; sie liebte das stiefkind, als hätte sie es unter der brust getragen
th. 2, 444;
im schosz: (
Maria:) ach das ich trug in mime schosz, das hanget dort nacket und bloisz
Alsfelder passionsspiel 5944
Grein; wider ihren sohn, den sie in ihrem mutterschoosz getragen Schiller 13, 181
G.; im busen (
vgl. auch i)
s. th. 2, 566; im leib: daz Maria hab Jesum Christum unsern behalter war got und menschen in irem leib getragen Gebweiler
beschirmg. des lobs Marie (1523) b 3
b; und die mich trug im mutterleib Mörike
w. 1, 60;
früher auch im bauch
u. ä.: selbe was sîn amme, diu in truoc in ir wamme Wolfram von Eschenbach
Parz. 113, 10; Maria getragen hatt in ihrem bauch den, der mehr ist dann die gantze welt Paracelsus
opera 2 (1616) 349
H.; zuweilen in den lenden Rückert
w. 1, 14; unter dem gürtel W. Grimm
dtsche sagen 1, 51. IV@A@1@ii)
in der brust, im busen; übertragen: joh thia thaz ouh datun,allan balo rietun inti innan theru brustidruagun unkusti Otfrid V 21, 18;
vgl. II 11, 68; V 2, 9; er ... truoc den willen in der brust, möht ez sich wol gefüeget hân, er hæte ir eteswaz getân ... Konrad von Würzburg
Parton. 14124; hutte dich vor meyster klugling, den du in dem busen tregst Luther 34, 1, 120
W.; so trage ich bis an mein grab ihr hohes bild im busen J. v. Vosz
gesch. m. milit. laufb. (1808) 259; wie einer, der unruhe und schwere qual im busen trägt maler Müller 1 (1811) 74; die innere welt, die, welche jeder in seiner brust trägt Gutzkow
ritt. v. geiste 1 (1850) 9;
im sprichw.: er thut das fewer im busen tragen, er zeucht ein schlang im busen auff Eyering
prov. cop. 2, 439;
vgl. Schulze
bibl. sprichw. 44; einen hund im busen tragen Steinbach 2 (1734) 829; jeder trägt seinen schalk im busen Binder 170;
vgl. th. 2, 566; 8, 2072; Wander 4, 82; dri koppe im busen dragen
s. th. 5, 1751;
zu im busen tragen
vgl. auch th. 2, 566.
im herzen; übertragen mit persönlichem object als umschreibung für lieben: mit lieplîchen blickener sach ir under d'ougen. si trüege in ime herzen,daz redet si vor den liuten âne lougen
Kudrun 658, 4; die mutter trägt im hertzen die kinder immerdar Logau
s. sinnged. 244
Eitner; in Kroatien ... liesz jedes heiratslustige fräulein ... mich merken: ich trage dich im herzen Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 293;
mit abstractem object im sinn von III D,
jedoch mit einem rest von sinnlicher vorstellung: wenn er nit in synem hertzen treyt ein nyd und hass uff sijnen nechsten Keisersberg
bilgersch. (1512) b 6
a; böse lüste im hertzen tragen Musculus
hosenteufel 15
ndr.; so trag ich jetzt in meinem hertzen auch für dem tode selbst nicht scheu Dach 710
lit. ver.; die ideale des wahren, des schönen und des guten, die man in seinem herzen trägt Zimmermann
einsamkeit 1, 91; einen wunsch ..., den ich ... im herzen getragen hatte E.
M. Arndt
s. w. 1 (1892) 89;
im sinne von III A 2 d
γ: das sie gross leyd und wehe im hertzen tragen wurde, ob sie wol am leybe nit gemartert wurde Luther 10, 1, 1, 405
W.; mach den kummer noch so schwer, den sie oft im herzen tragen Gottsched
ged. (1751) 1, 270; der gram, welchen ich in meinem herzen trage Adelung 4, 642.
am herzen, in älterer sprache: mannen und wiben ich hút klag, das ich an minem hertzen trag
schauspiele d. mittelalters 1, 276
Mone; nit on grosse pyn, so Wilhelm Thell am hertzen truog
schweiz. schausp. des 16. jhs. 3, 17
Bächt.; später poetisch, jedoch mit anderer anschauung: denn geliebt hat er mich niemahls ganz, niemahls brüderlich am herzen getragen maler Müller 1 (1811) 74.
auf dem herzen: ein kind ... kann mancherlei an seinen vater auf dem herzen tragen, was nicht für einen dritten taugt Schiller 5, 2, 195
G.; meist im sinne von III D,
daher gewöhnlich auf dem herzen haben; freund Meyer ... trägt mit mir diese gesinnungen schon viele jahre auf dem herzen Göthe IV 28, 109
W. ebenso nach III D,
nur vereinzelt anders (
s. u.) im mut, gemüt, sinn, in
und auf der seele, im geist, im gedächtnis, in gedanken, im innern tragen: alles lyden wenden thuott, der ewigkeit treitt in synem muott
d. ewigen wiszht. betb. (1518) 99
a; wildu des lebentigen verdienn Christi genyessen, muoestu das sterben Cristi im gemüet tragen Berthold von Chiemsee
tewtsche theol. (1852) 400; und was du tregst in sinn bey dir, das wilt du nicht eröffnen mir Spreng
Ilias (1610) 11
b;
anders: keusch — und doch unkeusch, da sie in den sinnen von wilden gluten die erinnerung trägt A. Schnitzler
d. grüne kakadu (1899) 38; sie besaszen die schönsten güter, ungeacht sie das gelübde der armuth auff der seele trugen Ch. Weise
polit. redner (1677) 98;
nach III A 2 d
δ: sollte sie nicht sterben oder ein ganzes leben hindurch das erdrückende gewicht der unthat auf ihrer seele tragen müssen O. Ludwig 2 (1891) 142;
noch anders: um das innere der menschheit ... zu schildern, musz man ihre ganze vielgestaltete form gegenwärtig in der seele tragen W. v. Humboldt
ges. schr. (1903
ff.) 2, 3; Diderot ..., der noch mehr ätzende elemente im geiste trug Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (1845) 9;
nach III C 6: inwendig im geist söllen wir tragen gottes pildnuss Berthold von Chiemsee
theol. 195
Reithm.; denn er hatte schon lange so was in gedanken getragen Göthe 50, 61
W.; sowie sie auch die ganze kleine gelehrsamkeit im gedächtnis trug G. Keller 4, 232. IV@A@22)
ein personal- oder reflexivpronomen steht in der präpositionalen wendung IV@A@2@aa)
bei sich tragen;
eigentlich: dasz sie nichts bey sich trügen auf dem wege
Marc. 6, 8; trage allezeit einen heller bey dir, so seichen dich auch die hunde nicht an Prätorius
philos. colus (1662) 125; er hatte sich in den zustand jenes philosophen versetzt, dasz er alles das seinige bey sich tragen konnte Nicolai
Seb. Nothanker 1 (1773) 76; der lehrer ... pflegte ... die schlüssel stets bei sich zu tragen Brunner
erz. u. schr. 1 (1864) 10;
übertragen: allein gottis wort und lere tregt bey sich krafft, den menschen also zu machen Eberlin von Günzburg
s. schr. 3, 15
ndr.; wie er überall klassische brocken bey sich trägt W. Schlegel im
Athenäum 2 (1799) 328;
im sprichw.: mancher sein aigen feind bey im tregt Mayr
sprüchw. (1567) c 3
a; wer ein gut gewissen bey sich tregt, zu nacht sich frölich schlaffen legt Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) f 2
a;
vgl. th. 4, 1, 3, 6251; liebe trägt ihr gegengift bei sich Binder 123. IV@A@2@bb)
mit sich tragen;
eigentlich: druagun se iro salbunmit in sar thia warbun Otfrid V 4, 13; darum hiesz Christus seine jünger weder sack noch seckel mit inen tragen Zwingli
deutsche schr. 1 (1828) 82; wen ich dem handwerck nach wandlete, den Homerum mit mier triege Platter 51
Boos; dasz eine schwalbe ein stückgen pergament an den füszen gebunden mit sich getragen habe Prätorius
winterfl. d. sommerv. (1678) 48; Bachmann ... hatte sich ... eine jagdflinte gekauft, die er nun mit sich trug U. Bräker
s. schr. 1 (1789) 162.
übertragen: dein volck vermehre sich so wie der sand am meer. es müsse stahl und gluth und schrecken mit sich tragen Pietsch
geb. schr. (1740) 8; das ideal von liebe, das Petrarca mit sich trug Herder 17, 271
S. IV@A@2@cc)
vor sich tragen;
eigentlich: unz er den schilt vor im treit, sô ist er ein sicher man Hartmann von Aue
Iwein 7136; der alte hatte die schwere harfe umgehangen und spielte sie, indem er sie vor sich trug Göthe 22, 206
W.; übertragen: jede albernheit ..., die einen schein von empfindung oder menschenverstand vor sich trägt Göthe IV 13, 49
W. IV@A@2@dd)
hinter sich tragen;
eigentlich: er trägt den spiesz hinter sich wie die bauern Binder 186;
literar. belege dieses sprichworts th. 4, 2, 1490; 1495;
übertragen im sinne von '
nachtragen': er trägt nicht hinter sich
non fert iniurias Weismann
lex. bip. 2 (1725) 410
b. IV@A@2@ee)
an sich tragen;
vor allem kleider und schmuck im sinne von III C 3: man sach die maget an ir tragen pfellel von Arâbî Wolfram von Eschenbach
Parz. 235, 18; dann wer jetzund nicht an im treit ein lumpecht wol zerhawen kleidt Scheit
Grob. 4665; wie stattlich ihr auch seit, wann sie euch (
handschuhe) an ihr treget Zinkgref
auserles. ged. 59
ndr.; einer, der ein kostlich cleinot an im treyt Keisersberg
postill (1522) 3, 14
a; der seltsame putz ..., den du an dir trägst Solger
Erwin 1 (1815) 8;
übertragen nach III C 6: he inschuf doch nicht daz pert an der wis alse den menschin, wan der dreit das bilde godis an yme
paradis. anime intellig. 20;
namentlich seit der zweiten hälfte des 18.
jhs. in der übertragung auf unpersönliche, meist abstracte subjecte: dasz das werk ... sichtbare merkmaale der verdrossenheit an sich trägt Gerstenberg
schlesw. litbr. 111
lit. denkm.; weil es (
Venedig) unüberwindlich ..., trägt es, vom meer umgeben, eine gewisse majestät an sich Heinse
s. w. 4, 25
Schüdd.; wo jede seiner unverstellten äuszerungen das gepräge seiner innern stimmung an sich trägt Klinger
w. (1809) 3, 273; auch ihr (
der lex Salica) inhalt trägt keineswegs die spuren eines so hohen alters an sich Eichhorn
deutsche staats- und rechtsgesch. 1 (1821) 109; mit einem nachdruck ..., der den stempel der vollen wahrhaftigkeit an sich trug Ranke
s. w. 31/32, 261; dasz die haussuchung ... um so mehr den character eines einbruchs an sich trägt Büchner
nachgel. schr. (1850) 254. IV@A@2@ff)
auf sich tragen: der tôre ... brâhte ein tier ûf im getragen Hartmann von Aue
Iwein 3326; ain ströin kranz truog si uf ir
liederb. der Hätzlerin 189
a;
bildlich: und welcher knab in groszen sorgen leit und ein schwäre burdin auf im treit, der soll sich frewen gen der liechten sumerzeit
bei Uhland
volkslieder (1844) 1, 1, 52;
meistens übertragen: weyl sie mit uns ynn eyner stad ... wonen ..., würden wyr zuletzt yhre wissentliche lesterunge auch auff uns tragen müssen Luther 18, 23
W.; secht ihr das jung kind? es trägt noch nicht gar zwölff jar auff ihm Fischart
Garg. 225
ndr.; darumb sie (
die juden) ein ewigen fluch auff ihnen tragen Paracelsus
op. (1616) 2, 459
H.; auch bei leblosem subject: die unseligen girekeit, die mit valsche uf ir treit allen suntlichen kram
passional 251, 8
Köpke; fabel ist ein anzöigung ettlicher geschiht, die nit warheit noch der warheit glych uff ir treit Riederer
rhetoric (1493) c 6
a; etlich tenz das uf inen tragen: sie müssen an dem tanz einander küssen oder umbfahen Keisersberg
narrensch. 127
a; dann solches heyszt ... raubwerck üben, welches dan grosze gefahr auf im trägt Sebiz
feldbau (1579) 562; wider desz Jovis kinder klar zu streitten tregt auff ihm gefahr Spreng
Ilias (1610) 293
b; dasz die kunst astronomia ein mechtige grosz heimligkeit auff ihr trag Paracelsus
opera 2, 489
Huser; mit neutralem pronomen oder adjectiv als object '
auf sich haben', '
bedeuten': es ist nicht anders dann betrachten, was das auff im trag, das du bettest, singest oder lisest Keisersberg
die brösamlin 1 (1517) 18
d u. ö.; in Christo Jesu einmütig sein, tregt dises auff sich, das man uber den mitteldingen keinen zanck und hader anrichtet Gretter
erklärg. d. ep. Pauli an d. Römer (1566) 835; eur majestat zu gmüth zu führn, was ein solcher krieg auff im trag Ayrer 1, 388
lit. ver.; wo etwan ein verborgner spruch, der höhers uff im tregt, dann die wort anzaigen, nit verstanden wirt Eberlin von Günzburg 1, 28
ndr.; die liter. belege reichen bis ins 17.
jh., die lexikalische buchung bis in den anfang des 18.: es trägt viel auf sich
res magni est momenti, ponderis Dentzler (1716) 2, 288
b; Aler 2 (1727) 1909
a. IV@A@2@gg)
in sich tragen;
selten eigentlich: er trägt die krankheitsstoffe in sich Bettine
d. buch geh. d. könig 2 (1843) 374;
übertragen: dîn sûze verborgenlîche in ir arger gallen bitterkeit unde lôslîch zûlachen treit
kreuzf. Ludwigs d. fr. 7626
Naum.; gottes wort, daz alle ding ist und treit in im Tauler
pred. 11, 20
Vetter; zuom ersten soverr die sach snödikeit in ir treit Riederer
spiegel d. w. rhet. (1493) c 1
a; sie (
die form) werde dann überformet mit der forme, die alle formen in ir tregt und volmacht Tauler
sermones (1508) 89
b; was Winkelmann in Rom sehen sollte und wollte, trug er schon in sich Herder 15, 41
S.; ihr ... scheint den maaszstab der wahren grösze in euch selbst zu tragen Klinger 1 (1809) 276; eine abkunft, die ... den keim zu vielen neuen zwistigkeiten in sich trug Ranke
s. w. 1, 23; alle eigentliche last und bürde der arbeit in eines oder weniger hände zu geben, die dazu den wahren beruf in sich tragen
th. 1, viii; wenn unser herr nur den winzigsten funken guten geschmacks in sich trägt W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 5; ich kenne nichts erdachtes, das nicht auch seinen tod in sich trüge Laube
ges. schr. 2, 141. IV@A@33)
sonstige local-instrumentale bestimmungen wie das schwert in der scheide, das kleinod in einem schrein, die schere am gürtel, speisen auf einem brett, etwas unter dem mantel tragen
sind in occasioneller verwendung unabsehbar. als besondere anwendungsbezirke z. th. mit festen verbindungen seien beispielhaft erwähnt: IV@A@3@aa) und des snitten (
sie) ab ein zweig mit seiner bere, den truogen zwen mann an einer stangen
erste dtsche bib. 4, 51; unde hebben en up eyner boren ghedragen
Reinke de vos 6708
Prien; es wird ein ... kindlein auf einer ... wiege getragen Göthe IV 8, 104
W.; muste ... sich in einer senften tragen lassen 2.
Macc. 9, 8;
sprichwörtlich: wasser im siebe tragen Kramer 2 (1702) 804
b;
pari iugo sie ziehen an gleichem zuog odder sie tragen wasser an einer stangen S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 7
a; wiewol nun Hen. 4. tyranes gnug ist gewesen, so hat er doch auffs wenigst mit dem sun wasser an einer stangen tragen S. Franck
chron. Germ. (1538) 127
b;
vgl. th. 10, 2, 802;
th. 13, 2338; Fischer
schwäb. 2, 305; de terlinge scholen wesen recht, de he in sinem budel drecht meister Stephan
schachb. 4887; du kannst den doctorhut und den professorkragen und noch den rath dazu in einem sacke tragen Neukirch
ged. (1744) 123; ich habe eine kapsel, in der ich sie (
die locke) tragen werde Moltke
ges. schr. u. denkw. 4, 5; sie muszte den arm in der binde tragen Göthe 22, 60
W.; bes. geläufig in der tasche tragen: das heft, das er in der tasche ... trug Göthe IV 27, 4; der schneider trug in seiner tasche nichts als einen fingerhut G. Keller
w. 5, 11;
auch bildlich und übertragen: mein glücke trag ich in der tasche und kan hinlauffen, wo ich will Stoppe
ged. 1, 5; wo ... der adelige studiosus juris die geheimrathsbestallung gleichsam in der tasche trug W. H. Riehl
d. dtsche arbeit 28; du muszt ... zeigen, dasz du den trost nicht blos für andere in der tasche trägst W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 223; alle die, welche ein fertiges systemchen in ihrer tasche tragen
br. von u. an Herwegh 22; (
der) hat gut fragen, wer die antwort schon in der tasche trägt Börne 2, 333. IV@A@3@bb)
ganz occasionell im sinne von III C 3: daz sie stêtes gerne truoc ein vrischez bluomenkrenzelîn ûf dem gebende sîdîn Heinrich von Freiberg
Trist. 3764; schleiffe ist eine schlinge ..., die man an bändern und kleidern träget Gueintz
d. dtsche rechtschreibg. (1666) 126; wer das jawort von mir holen will, musz fürwar federn auff den hute tragen Chr. Reuter
ehrl. frau zu Pliss. 32; hohe absätze an schuhen tragen
M. Kramer 2 (1702) 777
c; vorn im zweiten knopfloch ... trug er das eiserne kreuz Fontane
ges. w. I 6, 5;
ähnlich: ordensbrüder, die das schwarze kreuz auf grauem mantel trugen Treitschke
hist. u. polit. aufs. 2
5, 35; im wappen, im schilde tragen,
vgl. oben III C 3
d. IV@BB.
geringer ist die zahl der modalen bestimmungen, die mit tragen
in engerer verbindung stehen. IV@B@11)
offen, verborgen tragen; eigentlich: was sy under iren weitten schönen kutten verborgen tragen Arigo
decam. 257
lit. ver.; meist übertragen: dô neic si mir vil schône ... wirt mirs iht mêr, daz trage ich tougen Walther von der Vogelweide 74, 35; die êre treit man offenlîchen, laster siht man in winkel slîchen Teichner
bei Karajan anm. 217; liebe ..., die sy so lange verporgen tragen müssen Arigo
dec. 17
Keller; es gieng im gleich wol oder ubel, aber er kunds also verborgen tragen, das sein niemands an ihme ward mercken Schumann
nachtb. 146
B.; noch heute in gehobener sprache: du darfst dein herz aufschlieszen, laut aussprechen dein entzücken und offen tragen vor der menschen blicken Schiller 13, 289
G.; mönche seh ich in den ecken, ... die sich gleisnerisch verstecken, wenn dein herz du offen trägst Göthe 6, 218
W.; Heinse ..., der für die anschauung des offen getragenen cynismus jener starkgeistigen jahre auszerordentlich ergiebig ist Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5 (1853) 13; meine grosze neigung, die mein leben war, solange ich sie verborgen trug Laube
ges. schr. 2, 38;
gewöhnlich offen zeigen, zur schau tragen
bzw. verborgen halten. IV@B@22)
schwer tragen, zu tragen haben,
vgl. II A 1 e;
meist in der verwendung von VI B 1,
s. u. sp. 1111; etwas ist schwer zu tragen
s. oben III A 2 b, III A 2 d
ζ, III A 2 e
δ.
vgl. auch th. 9, 2542. VV.
reflexiv. V@AA.
mit bewegungsvorstellung '
sich irgendwohin schleppen, begeben': V@A@11)
eigentlich von mensch und thier: da Alexis sich selbst kaum nach dem schiffe tragen kann Göthe IV 11, 120
W.; der reiger sich in die hœhe truoc
Lohengrin 3392; sobald sich einer herfür treit, der nur ein wort von dem Luther seit Murner
v. d. groszen Luther. narr. 18
Scheible; (
er) sich ... hinter seiner geringen heerde zu denen gewönlichen trifften truge S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäf. (1645) 1;
heute nur in poetischer sprache: weilet nicht länger, verdrieszliche stunden! eil ich und eil ich und trage mich weit Göthe 11, 280
W.; anders, im sinne von '
sich drehen': sie rührt sich die cymbeln zum tanze zu schlagen, sie weisz sich so lieblich im kreise zu tragen, sie neigt sich und biegt sich ... Göthe 1, 227
W. V@A@22)
übertragen auf ein lebloses subject: ouch was der val also groz, in deme er (
der baum) sich nider truc
passional 452, 47
Köpke; wie strack mit eignem kräftigen triebe der stamm sich in die lüfte trägt Göthe 15, 328
W.; die woge schwillt, die im verworrnen streben sich ungewisz nach allen seiten trägt 16, 211
W. auch von abstracten: ni scribu ih nu in alawar,so sih ther ordo dregit thar Otfrid III 1, 7; dô ... sich die zît des tages truoc wol gên der vesperstunde Heinrich von Freiberg
Tristan 1146; ... kommen dennocht nicht dahin, dazu sich trug ir mut und sinn Waldis
Esopus 1, 19
Kurz; dasz der schönste seiner tage unbeschenkt sich von uns trage Fleming
dtsche ged. 1, 76
Lappenberg. V@A@33)
entsinnlicht. V@A@3@aa) '
sich erstrecken auf', '
sich beziehen auf',
mit zu
und auf
verbunden: die rede sult ir sus vorstan: daz mer sich hir zur menscheit und zur unsteten werlt treit Heinrich von Hesler
apok. 8228; he begrep in sineme synne etliche stucke, de zik drogen uppe vruntlike zone unde eindracht to krigende
Lübecker chron. 2, 554
Grautoff; (
jeder) ernstlich treibe als, was im drinn (
in seinem stand) ist auffgelegt, und was zum selben standt sich tregt Waldis
Esopus 1, 132
Kurz. V@A@3@bb) '
sich belaufen auf': so sih thaz altar druag in warthanan unz in zuei jar Otfrid I 20, 7; dat sych der Nuysser cost, zoult ind schaed soll draegen ... anderhalff hondert dusent gulden off dar bij Wierstrait
historij des belegs van Nuys 3095
Meisen; vgl. 1128; wie ... er dieselbigen (
gülden), die sich auff ein pfund golts trugen, wegen wolt Kirchhof
wendunm. 1, 39;
vgl. 1, 225. V@BB.
ohne bewegungsvorstellung '
sich halten': V@B@11)
eigentlich '
sich aufrecht halten': erst wenn ein hund sich richtig tragen kann und nicht mehr über seine eigenen glieder stolpert Auerbach
landhaus am Rhein 1 (1871) 86;
von der allgemeinen körperhaltung: sie weisz sich zu tragen, ah! auf eine art ... und ... sie hat nicht tanzen gelernt; es ist ihr natürlich Lessing 2, 128
L.-M.; ihr (
einer engl. schauspielerin) wuchs und art sich zu tragen ist höchst vollkommen Lichtenberg
br. 1, 209. V@B@22)
übertragen '
sich betragen', '
sich benehmen': sunder als ein demutig knecht und als eyn clug schuler er sich trug, der von dem hosten lerer clug wil leren bas
md. paraphr. d. Hiob 6431; wand er sich homutic truc
Daniel 3833
Hübner; wer ziuhtich kan sich erlich dragen, der selb mag selligkeit erjagen Murner
badenf. 27
M.; es ist als ein freis aigen iedem man, von wannen er chumpt, der sich mit ern do tragen wil (
a. d. j. 1414)
österr. weisth. 11, 198; wie sich die selben im leben und sitten tragen söllen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 78
b; das alle innwohner ... sich mit einander friedlich und freuntlich tragen und lieb haben
acta publica 1, 97
Palm; (
die gattin) schminkt und schmückt sich wieder. sie trägt sich vornehmstolz, spielt lomber Schwabe
belustigg. (1741
ff.) 8, 510; gutes gethan ... mich milde getragen, wie ich bin, und nachsicht gehabt mit meinen fehlern Gutzkow
ritt. v. geiste (1850) 4, 186; die seltsame stimmung des sich stolz tragenden stattlichen jungen mannes Auerbach
dorfgesch. 4, 192;
spec. sich hoch tragen '
stolz sein': mein Apollo trug sich hoch; merket' er von dir sich preisen Stieler
geharnschte Venus 12
ndr.; Plausilla trägt sich hoch, dieweil sie etwas schön Logau 464
Eitner; vgl.den leib, die augen, den kopf, die nase hoch tragen III A 1 e. V@CC.
besondere verbindungen und redensarten: V@C@11)
mit angabe der wirkung sich müde, lahm
u. ä. tragen: dasz sie sich müde tragen an eurer last
Jes. 46, 1; wie matt er sich getragen an deiner last P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 335
a; ich könnte mich vielleicht an übrigguten tagen ... lahm tragen Stoppe
Parnasz (1735) 223; und so gienge er lange und trug sich stumm an seiner liebe fast lahm und krumm Kortum
Jobsiade 3, 48;
noch heute verbreitet: sich an etwas nicht zu tode tragen '
nicht zu schwer sein für jemand'
vgl. Askenasy
Frankf. 38; e fuler hund, der drât sich am erschte mol dot Follmann
lothr. 99.
so auch vom frucht tragen
gebraucht: der baum trägt sich tot,
wenn er zu viel früchte hat Heyne
wb. 3, 1011; der acker hat sich müde getragen
ebda; wenn ein land sich müde getraget hat durch sehr viele jahre, und der wachsthumb gleichsam ausgeschopfet ist Prätorius
glückstopf (1669) 105. V@C@22) sich mit etwas tragen. V@C@2@aa)
in eigentlicher verwendung wie sich schleppen, sich herum schleppen mit
mit dem beisinn der zeitlichen dauer: sich mit einer bürde, einer last tragen Heyne
wb. 3, 1011; die helden der heiden ... tragen sich mit den klötzen ihrer götzen
Jes. 45, 20; wenn sich die kinder auf der gassen mit creutzen tragen J. G. Schmidt
rockenphil. 1 (1718) 186; mein mädchen verzieht mir die lämmer! es trägt sich damit Klopstock
s. w. (1854) 6, 323;
übertragen: und mit thränen ... fühl ich neu mein aug sich tragen Grillparzer
s. w. 7 (1893) 212
Sauer. V@C@2@bb)
meist uneigentlich: viel betrübter hertzen ..., die da fülen, das gros unglück furhanden sey, und sich damit tragen Luther 34, 2, 465
W.; mit sorgen trägt sich mancher ohne muth
volksth. lieder d. Deutschen 260
Böhme; abgezogener '
sich beschäftigen mit': tages sô suln wir rîten jagen, des nahtes uns hie heime tragen mit höveschlichen dingen Gotfrid v. Straszburg
Trist. 3726;
bes. sich mit gedanken, absichten, plänen
u. s. w. tragen,
zuweilen mit einem unterton von III B 1,
vgl.schwanger gehen mit gedanken
u. s. w. th. 9, 2238: wiewol er sich allezeit mit sterbensgedancken getragen Brandt
glänz. taubenfl. (1675) 73; so truge sich auch ganz Rom mit der zeitung, dasz das donnerwetter ... Augusto das zepter aus der hand geschlagen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1 (1677) 2; dasz jedermann ... sich mit meinen schrifften trage Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. (1720f.) 3, 147; und da so viele sich mit treuen wünschen tragen Gottsched
ged. (1751) 1, 81; alle nachrichten ..., mit welchen sich die welt von wahren oder vermeinten goldmachern trägt Lessing 13, 393
L.-M.; ein alter mann ..., der sich ... mit dem gedanken trug, sich einen gehülfen an seiner pfarre zu nehmen Lenz
ges. schr. 3, 98
Tieck; der hauptfehler war, ich hatte mich zu lange mit dem stücke (
Don Karlos) getragen Schiller 6, 33
G.; man trug sich mit einem worte von Kleist, das wir oft hören mussten Göthe 27, 102
W.; die ideen, mit welchen er sich trug O. Jahn
Mozart 3, 459; der düstere reiter trage sich mit absichten, nicht minder schauderhaft als die seinen Holtei
erz. schr. 2, 76; plan, mit dem er sich schon seit einiger zeit getragen hatte W. v. Polenz
Grabenh. 1, 37; sek met wat drân '
sich schleppen mit etwas, sich nicht aussprechen über etwas, etwas im stillen tragen' Damköhler
Nordharz. 45
a. V@C@2@cc)
ungewöhnlich, vgl. III C 3, sich mit kleidern tragen: er ... trug sich mit erlichen kleidern
Stretling. chron. 3
Bächt.; ich will mich nur mit witwenkleidern tragen Dach 588
Österley; dasz schneiderpflanzen schon sich mit damasten tragen Neukirch
ged. (1744) 110. V@C@33) sich mit jemand tragen '
sich mit jemand vertragen, einigen': dass sich die Ttschen vil bass tragen und verglichen mit den Franzosen dan mit den Spanyeren (
z. j. 1519) Valerius Anshelm
Berner chron. 4, 300; dieweil wir uns ... mit dem ... fürsten ... etlicher ... sprüch halben durch etlicher fürsten underhandlung zu Thonauwert getragen haben, das wir seiner lieb ... 150 000 gulden erlegen ... söllen
altbaier. landständ. freibriefe 156
v. Lerchenfeld. V@DD.
speciell '
sich kleiden',
stets mit modalbestimmung: lege diese newe tracht ab und kleide dich, wie ich mich auch trage Zinkgref
apophth. (1628) 147; wann wie in Indien die leute blosz sich trügen, so künte schmünck und schmuck nicht so betrieglich lügen Logau
sinnged. 617
Eitner; der hatte eine überauss schöne tochter, die sich gantz adelich trug Grimmelshausen
Simplic. 270
Kögel; das alte man doch gerne sihet, ob schon die welt sich träget neu A. U. v. Braunschweig
Octavia 3 (1677) a 3
b; die beiden schwestern waren die einzigen in der gesellschaft, welche sich deutsch trugen Göthe 28, 38
W.; in England tragen sich alle mannspersonen, welche zu fusze gehen, ganz simpel K. Fr. Bahrdt
gesch. s. lebens 3 (1790) 332; sie trug sich bürgerlich, aber sehr reinlich und sauber W. Grimm
dtsche sagen 1 (1891) 39; er trug sich ganz rosenroth Solger
nachgel. schr. 1 (1826) 21; wir ... trugen uns wie matrosen, die jacke kurz, der hut beteert Heine 2, 176
Elster; ich trug mich bald als Engländer, bald als Neugrieche Immermann 1, 14
Boxb.; heute gesucht klingend; noch dialektisch: Hofmann
niedhess. 240
b; Schöpf 749; Jakob
Wien. 194
a. V@EE.
passivisch: eine last trägt sich gut, leicht, schwer; ... es trägt sich besser die gleichere last so Göthe 50, 248
W.; ich bin zu sehr ermüdet, sechzig jahre tragen sich nicht leicht Hebbel
s. w. (1891) 1, 119;
spec. vom kleid: gleich wie es wer ein ubelstand, wann einer wolt im teutschen land auf türckisch gehn herein gekleidt, welchs in der Türckei sich wol treit Fischart 1, 277
Hauffen; etwas anders vom stoff, zeug in bezug auf haltbarkeit: das tuch, der zeug trägt sich wol, es ist ein feines, dauerhaftes tragen drum Kramer 2 (1702) 1104
a;
hic pannus ipso usu splendescet, usu meliorescet das tuch wird sich schön tragen Aler 2 (1727) 1909
a; der zeug trägt sich gut, '
wenn er, indem man ihn trägt, nicht schlechter wird' Adelung 4, 641.
redensartlich: es trägt sich auf dem rücken '
versteht sich von selbst'
: hoc fas et iura poscunt, id aequum et rectum est es trägt sich auf dem rücken Weismann
lex. bipart. 2 (1725) 410
b; Aler 2 (1727) 1909
b;
heute noch im schwäb. des trait sich aufm rücken Fischer 2, 305; VIVI.
intransitiv. VI@AA.
ein echter intransitiver gebrauch von tragen
ist nur selten festzustellen. VI@A@11)
vornhd. tragen
mit pass. oder medialem sinn '
sich begeben', '
dringen'
u. ä.: als manlich truoc nâch sînen sitin vaste an ein andir
Athis c 26; Wate Ludewîgendurch den helm sluoc, daz des swertes eckeûf daz houbet truoc
Kudrun 864, 2;
vgl. W. Grimm
kl. schr. 3, 285; Haupt
zu Erec 5543. VI@A@22)
nhd. das geschütz, das auge trägt weit
u. dergl. in der bedeutung '
reichen'
und damit synonym, vgl. th. 8, 586;
öfters mit dem beisinn der tragfähigkeit: die pistolen, die augen
etc. tragen nicht so weit Kramer 2 (1702) 1104
a; so weit mein auge trägt, erblick ich stein und wald Gottsched
neueste ged. (1750) 57; nicht gemeine aussichten, die sich einem auge, das gut in die ferne trägt, bis ins unendliche erweitern Lessing 10, 149
L.-M.; nichts zeigt sich mir, wie weit die blicke tragen Schiller 14, 52
G.; in den bronzenen kanonen ..., welche weiter trugen als die holländischen Ranke 4, 66;
auch: wenn ihr (
der flotte) feuer weiter landeinwärts getragen hätte Nettelbeck
lebensbeschr. 3 (1823) 112;
dazu weittragend;
ähnlich die stimme trägt (gut), eine tragende stimme.
eine sonst nicht vorhandene objectsvorstellung tritt nur ganz vereinzelt in dichterischer ausweitung hinzu: so sicher wie zum ziele die kanone den giftgen schusz trägt
Shakespeare 3, 283. VI@BB.
nur scheinbar intransitiv ist der gebrauch VI@B@11)
wenn infolge des vorwaltens einer modalbestimmung eine im bewusztsein mehr oder weniger deutlich vorhandene objectsvorstellung ohne sprachlichen ausdruck bleibt oder in eine präpositionale wendung mit an
eingeht: ich han so hart getragen her von Wien der stat, ... von müede was ich matt
Neidhart fuchs 1012; 'was ächzt er dann?' sprach sie; ich sprach: 'mein lieber mann, sieht er denn nicht, wir tragen schwer' Brentano
ges. schr. 2, 77;
übertragen, im sprichw.: tertium caput das dritt haupt tregt schwer, das ist, wann ein ding bisz an dritman komt, so bleibt es selten verschwiegen Franck
sprüchw. (1541) 1, 11
a; Eyering 1, 287; der hat gut tragen, den es nicht drückt; gleich tragen macht die bürde leicht; man soll dem, der schwer zu tragen hat, keine steine zur bürde legen Wander 4, 1281
f.; sonst: halt dein elend, das du rühmst, gegen alle diese plagen. o so wirst du gantz gewisz um viel centner leichter tragen Günther 3 (1726) 173; du trägst sehr leicht, wenn du nichts hast; aber reichthum ist eine leichtere last Göthe 2, 230
W.; schont meiner — ich bin nur ein mensch und trage schwer Iffland
theatr. w. 1, 84;
mit präpositionaler verbindung durch an,
schon mhd., s. oben IV A 1 e: jetzt geht er hinter jener stauden mit blasen, schwitzen und mit schnauden, wann er tregt an dem pürlein schwer H. Sachs 14, 79
G.; die bäume am wege trugen schwer an ihrer äpfellast Gutzkow
zaub. v. Rom (1858) 2, 33;
meist übertragen; im sprichw.: ann künsten tregt man nit schwer
sprichw. sch. w. klugr. (1548) 176
b; Eyering 1, 97,
vgl.kunst ist leicht zu tragen (sagt man) und harnisch schwerer zu tragen Luther 30, 2, 575
W.; in der jugend trägt man an nichts schwer, daher soll man lernen Fischer
schwäb. 2, 305; an dem, was man kann, trägt man nicht schwer
ebda; der an jahren schwer gleich träget Logau
sinng. 146
Eitner; unglückselig seynd auch diejenige, welche an ihrem jungfrawkräntzle schwär tragen oder es verzetten Albertinus
hirnschleiffer (1664) 150; wie? fürchtest du denn nicht, ich musz dich ernstlich fragen, an so viel freunden allzuschwer zu tragen? Schiller 11, 12
G.; genug trage ich an meinem kummer, ich vermag hier nichts Iffland
theatr. w. 1, 27; die kleine Wieb trug schwer an ihrem jungen herzen Storm 6 (1899) 19; manches junge blut, das eben aus dem elternhause gekommen war, trug schwer an solchem dienste Meinecke
leben d. genfeldm. v. Boyen 1, 17;
s. auch th. 9, 2542. VI@B@22)
in zahlreichen fällen, in denen sprachliche ellipse eines im bewusztsein vorhandenen objects vorliegt, das jeden augenblick auch sprachlich hinzugesetzt werden könnte, z. b. der baum trägt erst wieder nächstes jahr (früchte, äpfel u.
s. w.)
u. ä., vgl. oben beim transitiven gebrauch. VIIVII.
compositionsbildung. tragen
tritt zumeist in der reinen form des präsensstammes (trag-)
in die composition. daneben sind formen mit fugenvocal (
ahd. -a-, -i-, -e-
s.tragbett, -stuhl;
mhd. und nhd. -e-)
bes. vornhd. häufig bezeugt, heute namentlich in dichterischer sprache, in der sie dem alternierenden rhythmus zu liebe gewählt werden (
im vers z. b. tragebaum
bei Rückert, -butte
bei Göthe, -knospe
bei Brockes, -pfahl
bei Grillparzer
s. d., in prosa z. b. tragebett
bei A. v. Arnim, -balken
und -butte
bei Gaudy, -säule
bei C. Hauptmann
s. d.),
doch auch sonst (
s. trageachse, -eisen, -organ
oder tragegepäck, -gerüst).
die zuss. begegnen bereits vornhd. (
tragbett, -stuhl
schon ahd.),
in fülle aber erst seit dem 18.
jh. den zweiten compositionsbestandtheil bildet selten ein adj. oder adv., occasionell z. b. tragfertig, -gerecht, -müde: den stets schlag- und tragfertigen Hercules C. A. Böttiger
kl. schr. 1, 373; in einer plötzlichen knabenlaune faszte er sie traggerechter und eilte mit ihr ... bis zur haustür, wo er sie heftig küszte E. Strausz
d. nackte mann 53; ein ähre legt sich schwer und tragemüde auf die achsel der andern Rosegger III 3, 272; tragkräftig
s. d.; usueller nur tragfähig
s. d. die hauptmasse der composita hat ein subst. als zweiten bestandtheil. über sie wird im folgenden eine typenmäszige übersicht in auswahl geboten; die in bedeutung und gebrauch entwickelteren bildungen s. an alphabet. stelle. VII@AA.
an alter (
s.tragbahre, -stuhl)
und menge stehen unter den compositionen die bedeutungen I
und II
von tragen '
befördern'
und III A '
halten'
weit voran, die sich nicht selten in demselben wort beisammen finden. VII@A@11)
lebewesen, die etwas befördern; in erster linie thiere: tragesel,
s. d.; traggaul: zwei prächtige reitpferde standen gesattelt im burghofe ... ein traggaul wurde mit verschiedenen sachen beladen Lowag
ges. schr. 1, 37;