tragbahre,
f. ,
ferculum, gerula, vectatorium. form. mhd. tragebâre (
jg. Titurel 6049
s. u.),
spätmhd., frühnhd. mit abschwächung des zweiten compositionsgliedes trageber
s. Lexer 2, 1489,
mnd. dragebere: op einer drageberen
a. d. j. 1502
urkdb. Dortmund 1, 346
Fahne. die a-
form (
im frühnhd. schrifttum selten: tragbar
n. sg. Luther 2, 753
W.)
gewinnt seit dem ende des 16.
jh.s die oberhand: zuerst mit -aa-,
z. b. tragbaar Frischlin
nomencl. (1591) 257; Comenius
jan. aurea quat. ling. (1643) § 415;
Robinson Crusoe (1720) 1, 330;
dann -ah-: tragbahr Duez
nomencl. (1652) 92;
M. Kramer (1702) 2, 1104
c u. ö. vorher überwiegt tragber(e): Diefenbach 112
a; 261
b; 592
a; 608
b; 641
b;
nov. gloss. 191
b (14.
bis anfang 16.
jh.); Fries
Würzb. chron. (1546) 83; Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, n 2
a; Wickram 1, 209
B.; auch tragbaeren Reutter v. Speir (1594) 143;
nach dem 16.
jh. nur noch selten: tragbere A. Müller
denkw. reisen (1678) 82
a; tragbähre Weismann
lex. bipart. (1725) 2, 410
b;
heute nur dialektisch: tragbäre Hertel
Thür. 64; traakpeea Lenz
Handschuhsheim 8
b; traggbäre Seiler
Basel 82
b; tragbäre Fischer
schwäb. 2, 303; dragberie Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 325
b;
mit contraction des ersten compositionsgliedes: drôbier
wb. d. luxemb. ma. 72
b; draabär Schmidt
Straszbg. 27
a; drabber
arch. d. ver. f. siebenbg. landeskd. n. f. 27, 628;
siebenbg.-sächs. wb. 2, 66.
auch trabel,
f., Schmidt
westerw. 261; Kehrein
Nassau 406; drabbel
rhein. wb. 1, 1428
gehören hierher, wenn -l-
auf -r-
zurückzuführen ist (Wilmanns
dtsche gramm. I
2 § 114).
das zweite compositionsglied ist besonders im 17.
jh. und zu anfang des 18.
jh.s einsilbig: tragbaar Frischlin
nomencl. (1591) 251; Hulsius-Ravellus (1616) 326
a; tragbahr Duez
nomencl. (1652) 92; tragbaar
Robinson Crusoe (1720) 1, 330;
jetzt mundartlich: dragbǫhr Hönig
Köln 36
a; traakpaa Meisinger
Rappenau 203
b;
auch holländ.: draagbaar
wb. d. ned. taal 3, 2, 3186.
schwache flexion ist bis ins 16.
jh. bezeugt: dat. sg. drageberen
urkdb. Dortmd. s. o.; tragberen Fries
Würzbg. chron. 83; Xylander
Polyb. 376;
acc. sg. buch d. liebe 232, 3; Wickram 1, 209
B.; später noch tragbahren
d. sg. Pestalozzi (1819) 2, 205.
der n. sg. tragbärn bei Hulsius (1618) 249
a und -bern
bei Frisch (1741) 2, 379
c,
vgl. 1, 45
a,
zeigt übertragung der schwachen flexionsendung aus den obliquen casus. seit dem 17.
jh. setzt sich die flexionsweise der gemischten declin. reinlicher durch. bedeutung und gebrauch. tragbahre
ist eine tautologische bildung. bahre
scheint schon früh die specialbedeutung todtenbahre
angenommen zu haben, s. th. 1, 1079; Weigand
synon. (1852) 3, 796. tragbahre,
zur unterscheidung vom simplex geschaffen, hat dessen umfassendere bedeutung übernommen: gerula trageber Diefenbach 641
b;
gerula trageber, mysber
nov. gloss. 191
b;
vectatorium tragbor, -beer Diefenbach 608
b;
traha eyn misttragebere 592
a;
cenovectorium tragper 112
a; mit besemen, tragebâren, rechen, gabelen, damit siu dann ze hûfen kunnen kêren, trîben unde schabelen
jüng. Titurel 6049; etliche wägen mit multen, bütten, körben, tragbaeren Reutter v. Speir
kriegsordn. (1594) 143.
den gegensatz dazu bildet radbahre (=
schubkarre),
ein jetzt noch in Thür. gebräuchliches wort, s. Adelung 1, 616, Hertel
Salzung. 36 (
doch vgl. gerula rad-
vel tragper Diefenbach 261
b)
und schubkarre: tragbahren zum vertragen der rasen auf solchen wiesen, welche ... den gebrauch des schiebkarrens nicht wohl zulassen v. Schwerz
prakt. ackerbau 212; das tragen ... ist im orient auch heute noch üblich, und werden ... tragbahren von den arbeitern den schubkarren vorgezogen Lueger 1, 544.
insbesondere ist tragbahre 11)
ein traggerät, das von einer person getragen wird: Philomenum ..., welcher das schwein auff einen tragberen hett Xylander
Polybius (1574) 376; sye im zuohandt ein tragberen, darauff sie dann zuo zeiten irem mann die fischergarn auff das wasser tragen halff, bringen thet Wickram 1, 209, 37
B.; buch d. liebe 232, 3; der wandernde krämer, der seine tr. auf der bank vor dem hause niederstellt A. Meiszner
am stein (1853) 1; mancher krämer kam mit einer tr. und hatte fläschchen mit dingen und säften A. Stifter 2, 193.
heute nicht mehr gebräuchlich. 22)
ein offenes, mit zwei tragstangen versehenes traggestell, das von zwei personen getragen wird: weiter kommen zween jünglinge, eine tragbere mit einem sehr groszen käse und brodt ... tragende A. Müller
denkwürd. reisen (1678) 82
a; einen schönen, fetten rehbock niederlegend, den sie auf einer tr. von grünen zweigen mit grünem laub geschmückt dahertrugen G. v. Arnim
heimelchen (1848) 53; im walde wurde schnell eine tragbahre ... gefügt ... (
sie) schleppten jauchzend die last des tieres (
erlegtes wisent) ins pfahldorf
F. Th. Vischer
auch einer (1879) 1, 251.
gewöhnlich zum transport von kranken oder verwundeten menschen: das si ... dieselben (
die armen) uf irem rucken oder tragberen in das gemelt spital tragen Fries
Würzb. chron. (1546) 83; (
ich) machte geschwind ein tragbaar, und wir trugen sie (
die kranken) weg
Robinson Crusoe (1720) 1, 330; da brachte man den alten herrn auf einer tr. heim J.
M. Miller
Siegwart (1777) 718; wurden die gesunden zu pferde, die kranken und verwundeten auf tragebahren abgeführt Ritter
erdk. 4, 605; eilig wurden aus zweigen tragbahren verfertigt, und die Korsen trugen ihren blutenden ... helden nach dem gebirge zu Steffens
novellen 4, 231.
in stilistischer variation auch für sänfte: andre sänften, deren eine jegliche ellenhoch, mit thüren und fenstern, gantz verguldt ... werden ... nur von den fürnehmsten der stadt ... gebraucht, denen zu gefallen die träger solche tragbaaren immer in bereitschaft halten Chr. Arnold
wahrh. berichte (1672) 451.
speciell das fabrikmäszig hergestellte sanitätsgerät: die ... tragbahren für den transport von verwundeten faul und morsch zusammenbrachen, sobald die unteroffiziere zur probe sich darauf legten E. Richter
jugenderinn. 16.
gelegentlich als leichen-, todtenbahre: in der ersten kammer (
des grabes) lagen nur schlechte todtengeräthe, wie lampen, tr.
u. a. m. Ritter
erdk. 9, 125; (
Hero) tritt zu den füszen der tr., den toten immerfort betrachtend (
regiebemerkung; später tragbett
genannt) Grillparzer (1892) 7, 98
Sauer; war das grab der ahnfrau eröffnet und stand neben demselben ihr irdisches kleid im sarg auf einer tr. Brentano 5, 215; auch die tr. hatte man wieder mitgebracht, um die leiche transportieren zu können G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 58.