Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Tragbahre
Tragbahre
Bahre f. ‘Gestell zum Tragen eines Kranken oder Toten’, ahd. bāra (8./9. Jh.), mhd. bāre ‘Bahre, Sänfte’ sowie die Entsprechungen asächs. bāra, mnd. mnl. bāre, nl. baar, aengl. bēr (westsächs. bǣr), engl. bier (germ. *bērō) schließen sich dehnstufig an ein in ahd. beran, mhd. bern ‘Frucht tragen, gebären’ vorliegendes gemeingerm. Verb an (s. gebären, entbehren). Der germ. Verbalstamm *ber- läßt sich zusammen mit aind. bhárati ‘trägt’, lat. ferre, griech. phérein (φέρειν) ‘tragen’, lat. feretrum n., griech. phéretron (φέρετρον) n. ‘Bahre’, aslaw. bьrati ‘sammeln, wählen’, russ. brat’ (брать) ‘nehmen’ auf die Wurzel ie. *bher(ə)- ‘tragen, bringen’ zurückführen. Aus dem Germ. entlehnt sind frz. bière, ital. bara ‘Bahre’. Im älteren Nhd. kommt häufig die einsilbige Form bar (15./16. Jh.), Baar, Bahr (16./17. Jh.) vor. – Tragbahre f. ‘Bahre zum Transport eines Kranken, Trage’, mhd. tragebāre, mnd. drāgebēre, spätmhd. frühnhd. (bis ins 16. Jh.) auch abgeschwächt trageber. Die tautologische Zusammensetzung hat verdeutlichende Funktion, da beim Simplex Bahre schon in den frühen dt. Sprachstufen die Bedeutung ‘Lagerstatt für einen Toten’ in den Vordergrund tritt und das Verb mhd. bern ‘tragen’ im Nhd. untergeht. aufbahren Vb. ‘einen Toten feierlich zur Schau stellen’, mhd. ūfbāren ‘auf die Bahre legen’ (13. Jh.).