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Vertragen

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Vertragen v., trs, intrs

Bd. 5, Sp. 389a
Vertragen, v. trs. unregelm. (s. Tragen). 1) I die Ferne Tragen, aus einander tragen; gewöhnlicher austragen. I engerer Bedeutung, an einen ungehörigen, wie auch, unbekannten Ort tragen Eine Sache vertragen, sie wohin tragen oft mit dem Nebenbegriffe, vergessen wohin es war. Die Katzen vertragen ihre Jungen. Die Dohln vertragen gern glänzende Dinge. Einem das Geld vertragen, uneigentlich, das Geld zu einem Andern tragen, bei einem Andern kaufen. 2) Durch Tragen verbrauchen, von Kleidungsstücken. Einen Hut, ein Kleid noch vollends vertragen, gewöhnlicher, abtragen. »Vertragene Lumpen.« Jer. 38, 11. 12. 3) Einem Eindrucke von außen, besonders einem unangenehmen, durch gesunde und starke Beschaffenheit des Körpers ohne Beschwerde widerstehen. Viele Hitze, Kälte vertragen können. »Ih kann eine Speise vertragen, wenn ich völlig gesund bin, die ich in einem kränklichen Zustande nicht vertragen kann, weil ihr Genuß alsdann von empfindlichen Beschwerden begleitet ist.« Eberhard. Schwache Augen können ein starkes Licht nicht vertragen. Х Einen guten oder derben Puff vertragen können, sowol körperlich viel vertragen können, als auch uneigentlich vom Gemüthe, sich viel gefallen lassen können. Uneigentlich wird vertragen besonders gebraucht, für, sich durch Beleidigungen nicht in eine unangenehme Gemüthsbewegung, als des Verdrusses, Unwillens, Zornes  versetzen lassen, wo tragen und ertragen sich dadurch davon unterscheiden, daß das erste sich auf geringere, das andere auf größere und schwerere Übel bezieht. »Ein empfindlicher und hitziger Mensch kann nicht viel vertragen, er legt leicht etwas für eine Beleidigung aus, und läßt sich dadurch zum Zorne reizen.« Eberhard. »Die Liebe trägt die Schwachheiten der Menschen, die Geduld erträgt die Verfolgungen boshafter Feinde und die üblen Launen ungezogener Freunde; und die Sanftmuth verträgt oft viel von den groben Spöttereien eines witzigen Lustigmachers, um nicht den Frieden der Gesellschaft zu stören.« Ders. »Denn ihr vertraget gerne die Narren, dieweil ihr klug seid.« 2 Cor. 11, 19. »I Weltumgange lernt man die Welt vertragen und sie ihn.« Zimmermann. (R.) Hieher gehören auch die ehemahls üblichen Arten des Gebrauchs, da man sagte, * * einem etwas vertragen, es ihm nachsehen, nicht ahnden. »Wie man den argen ir missethat sol vertragen.« Bei Oberlin. Daz man dies nymmer wol vertrait. Iain 1, 147. Wer noch im selben nit vertreit, Wie sol eim andern der vertragen. Boners Fabeln 80. Und in weiterer Bedeutung, * * einem etwas vertragen, es ihm erlauben, zugeben. Ob es im sein Herre hat vertragen. Iain 10, 668. 4) I weiterer uneigentlicher Bedeutung, als Fortsetzung der vorigen. Einen vertragen, ihn leiden können, sich mit ihm nicht überwerfen  Wie vertragen sie sich denn? wie betragen sie sich gegen einander, wie verträgt einer die Eigenheiten, Schwächen  des andern? Sie vertragen sich gut, schlecht. Sie können sich nicht vertragen. I engerer Bedeutung wird sich vertragen auch schon für, sich gut vertragen gebraucht. Beide Eheleute vertragen sich jetzt. »Wir haben uns wie die Kinder vertragen.« Gellert. Dann auch, mehr überleitend und in engerer Bedeutung, † von Personen, welche uneinig und feindlich waren. Zwei Personen vertragen, sie, die vorher uneinig mit einander oder feindlich gegen einander waren, einig und friedlich machen. »Der Papst schickte Kardinäle ab, um die Könige von Frankreich und England mit einander zu vertragen.« M. I Schmidt. Sich mit jemand vertragen, mit ihm die Einigkeit, den Frieden wieder herstellen, mit ihm friedlich leben. Sie können sich immer noch nicht mit einander vertragen, sie können noch immer nicht Frieden halten, friedlich mit einander leben, umgehen. Dann auch von streitigen Sachen, * * gütlich beilegen. Einen Streit vertragen. »Den Hader vertragen.« Luther. (R.) Das man die Sach vertrag in Gut. H. Sachs. (R.) I weiterer Bedeutung einen Vertrag machen, schließen, wo es aber wenig gebräuchlich ist. Wir haben es so mit einander vertragen. Doch kömmt es in dieser Bedeutung auch als intrs. vor. Mit dem Feinde vertragen, mit ihm einen Vertrag machen (capituliren). Und auch des Hungers Plage droht der Stadt, Drum hat der edle Graf von Rochepierre, Der drin befiehlt, in dieser höchsten Noth Vertragen mit dem Feind — Schiller. 5) * * Übertragen, überheben. So gebrauchte man ehemahls vertragen sein, für überhoben, befreiet sein. »uf daß er der unendlichen pein der hoellen oder aber der ungemeßenen straff des fegfeuers moeg vertragen sein.« Kaisersberg. Nid niemanne vertragen kan, Boners Fabeln, 88, wo es bedeuten kann, von Neid ist niemand so leicht frei. D. Vertragen. D. — ung. S. auch der Vertrag.
4681 Zeichen · 83 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vertragenstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    ver-tragen stn. sunder einich lenger verdragen spranc he ûp dat gôde ros Karlm. 65,20 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vertragen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Vertragen , verb. irreg. act. S. Adelung Tragen , welches nach Maßgebung beyder Theile der Zusammensetzung in verschiede…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vertragen

    Goethe-Wörterbuch

    vertragen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    vertragen

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    vertragen Band 4, Spalte 4,95-97

  5. Sprichwörter
    Vertragen

    Wander (Sprichwörter)

    Vertragen 1. Drei vertragen sich selten zusammen: eine breite Landstrasse, ein schiffbarer Strom und ein mächtiger Herr;…

  6. Spezial
    vertragen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ver|tra|gen I vb.tr. 1 soporté (-ta), toleré (-rëia), tigní fora 2 (wegtragen) porté demez, straporté (-ta) II vb.refl. …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vertragen

6 Bildungen · 0 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von vertragen

ver- + tragen

vertragen leitet sich vom Lemma tragen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von vertragen 2 Komponenten

vert+ragen

vertragen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vertragen als Zweitglied (4 von 4)

abvertragen

DRW

abvertragen vertragsmäßig aufheben als man ... die clock ... gelaut, sin die geerbte nachparn im kirspel ..., uff S.Michaels leuff ... komen…

Altjārvertragen

Idiotikon

Altjārvertragen Band 14, Spalte 534 Altjārvertragen 14,534

unvertragen

DWB

unver·tragen

unvertragen , part. adj. adv. zu vertragen. mhd. unvertragen. a) zu vertragen I 5: eine noch unvertragene soldatenmütze Viebig schlaf. heer …

übereinvertragen

KöblerMhd

übereinvertragen , st. V. nhd. übereinkommen, sich einig werden Q.: Urk (1275) E.: s. über, ein, vertragen W.: nhd. DW- L.: WMU (übereinvert…

Ableitungen von vertragen (2 von 2)

unvertragen

DWB

unvertragen , part. adj. adv. zu vertragen. mhd. unvertragen. a) zu vertragen I 5: eine noch unvertragene soldatenmütze Viebig schlaf. heer …

unvertragenlich

KöblerMhd

unvertragenlich , Adj. nhd. unerträglich, unverzeihlich, unverträglich E.: s. un, vertragenlich W.: s. nhd. unverträglich, Adj., unverträgli…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „vertragen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vertragen/campe
MLA
Cotta, Marcel. „vertragen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vertragen/campe. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vertragen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vertragen/campe.
BibTeX
@misc{lautwandel_vertragen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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