waffen,
interjection der älteren sprache, eigentlich acc. plur. von waffe,
als alarm-, not- und klageruf üblich. der ausruf läszt sich seit dem 12.
jahrh. nachweisen (
o mucro, wolaga wafane. Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 637, 20
steht in keinem zusammenhang damit)
und blieb bis ins 17.
jahrh. lebendig, ist auch in der neueren dichtersprache wieder aufgetaucht. er nimmt dann ganz den charakter einer interjection an und wird gern wiederholt, verbindet sich auch mit anderen interjectionen. im mhd. ist wâfenâ
häufig (
schon bei F. v. Hausen,
minnesangs frühling 52, 37),
auch neben wâfen: wâfenâ, herre, wâfen! K. Fleck
Flore 6388
Sommer, wo aber in den handschriften wafa
steht (
vgl.waffa
volksbücher 251, 29
Bachmann-Singer, woffa
bei N. v. Wyle 244, 34).
daneben auch wâfenô
bei Wolfram, Reinbot v. Durn
und im passional. wie bei andren notrufen findet sich dann auch jo
angefügt: wâfenâ jô
bei Ottokar
und der Hätzlerin, wâfen jô
in den fastnachtsspielen und bei Liliencron 1, 377, 7,
vereinzelt waffnach jo (
aus wafen ach?)
in der bambergischen halsgerichtsordnung. dem hd. wâfen
entsprechend wird nd. wapen
verwendet (
im md. kommt hier die form wapen
nicht vor). 11) wâfen
ist zunächst der alarmruf beim nahen der feinde, die aufforderung sich zur vertheidigung zu rüsten: Ludewîges wahtærekrefteclîchen rief 'wol ûf, ir stolzen recken!wâfen, herre, wâfen! ir küene von Ormenîe,ja wæne ich ir ze lange habet geslâfen'.
Kudrun 1360, 3; as balde hei geloufen kunde, in Vilzengraven dat hei leif und in Ringassen, lude hei reif: 'wafene, uch sint de viande bi, vur Ulreporzen haldent si, si willent uch doden und verdriven.' G. Hagen
köln. chronik 5640,
städtechron. 12, 182.
diese verwendung hat sich auch später erhalten. noch Stieler
bemerkt: waffen! waffen! schreyen
i. e. lerm machen,
ad arma conclamare 2435.
auch an litterarischen belegen noch aus dem 17.
jahrh. fehlt es nicht: zu dem ist unser thun, ach leyder! so beschaffen, das mitten in der freud oft wafen! wafen! wafen! um uns geschrien wird, weil in dem teutschen land des wilden Mavors wuth, der unauszlöschlich brand, noch immer um sich frisst. Rompler v. Löwenhalt
reimgetichte 154; es lief aber ein reuter herzu von der ersten höhle, und schrey überlaut: waffen, waffen. Herkules ging ihm mit den seinen entgegen, und vernam, dasz seine beyde gesellen mit pfeilen ausz der höhle verwundet, und dieser entrunnen währe, der feinde auszsteigen anzumelden. J. A. Buchholtz
teutscher Herkules (1676) 1, 131
b.
vgl. auch unten 6.
als bloszer sammelruf steht es auch von der aufforderung vor gericht zu erscheinen: als nun der tag kame, do liesz er waffen schreyen in allem seinem lande und was man von leüten anheims vande, das hiesz man alles zuo gericht kumen.
Tristrant 84, 15
Pfaff. 22) wâfen
ist dann der hilferuf, der von jemand ausgestoszen wird, der sich in not befindet. über solche notrufe vgl. Grimm
rechtsalterthümer4 2, 517
f. gegenüber dem hessischen heila, heilale,
dem bairisch-fränkisch-thüringischen zeter,
dem niederdeutschen jodute
ist wâfen
allgemein verbreitet; wenn es an der folgenden stelle für schwäbisch erklärt wird, so bezieht sich das nur auf die form: tum ille: wauffen, wauffen, Suevice, mordenjo, mordenjo, Rhenensium voce, et ceter, ceter, Erphordiensium idiomate, heu me miserum.
de fide concub. 130.
die worte werden oft mit einander verbunden, z. b. wafen mordio, zeter wafen (
bei Hans Sachs, Ayrer
u. a.), wapen io, io duyten
teuthon. 304,
vgl. auch die stelle aus G. v. Minden (5).
wer sich in unmittelbarer gefahr des leibes und lebens befand, schrie wâfen
und verpflichtete dadurch alle, die es hörten, ihm gegen den bedränger beizustehen: wer schreit on not wauffen, der pringt die leut zusammen.
Münchener hs. bei Schmeller
2 2, 863;
der wirdt spricht: pfaff, gieb mir nur baldt her den taler, oder ich stosz mein spiesz in dich.
der pfaff schreidt: zetter, waffen, helfft retten mich, ihr lieben nachtbawrn! Hans Sachs 14, 301, 33
Keller-Götze; wiewol ich mordt und waffen schryer, so wurd mein leib geschendet mir. 16, 39, 19.
als hilferuf in gefahr auch auf andre verhältnisse übertragen: [] alle zungen suln ze gote schrîen wâfen, und rüefen ime, wie lang er welle slâfen. si widerwürkent sîniu werc und felschent sîniu wort. sîn kamerære stilt im sînen himelhort, sîn süener mordet hie und roubet dort, sîn hirte ist zeinem wolve im worden under sînen schâfen. Walther 33, 25; der wolff kam laufen zu den schafen; da schrey der knabe: 'waffen! waffen! kompt mir zu hilff! der wolff ist hie!' Waldis
Esopus 1, 62, 18
Kurz. über einen waffen schreien, rufen: und ir so ir peldest müget euern wege hin, den ir her komen seyt, fart, anders ich über euch waffen schreien würde und sprechen ir mich nöten wölt (
ital. nur: io griderrò che voi mi vogliate sforzare).
decameron 160, 32
Keller; nû sprechet. swâ ein tôter man ûf ein ungewarnte schar in aller gæhe liefe und wâfen über si riefe, er flühe swem et wære der lîp ze ihte mære. H. v. Aue
Erec 6677 und wære eʒ niht ein unzuht, ich schrire wâfen über dich. nû warumbe tœtest du mich? 1.
büchlein 329; 'wâfen über den bruoder!' riefen alle gelîch. 'her ist noch ungebunden' sprach von Berne her Dieterîch.
rosengarten F 5, 11
Holz. 33)
da durch waffenschreien die frevelthat bekannt wurde, bezeichnet es dann auch die anklage, die nach geschehener that gegen den verbrecher gerichtet wird: ditz klagte er offenlîche und rief vil jæmerlîche 'wâfen über den helt balt, der grôʒen mort und gewalt an mînem herren hât getân!' W. v. Gravenberg
Wigalois 251, 1; sie (
frau Gerechtigkeit) sprach: 'so wil ich schrihen wafen ubir Hans Hug von Lebenstein, der grosten virredir ein, den die sonne ie beschein.' Liliencron
hist. volksl. 1, 208, 130.
vor gericht war es bei einer anklage wegen mordes oder eines andren schweren verbrechens üblich, dasz der kläger über den thäter waffen
schrie: ungerete ist im geschen an eime sime vrunde Cunrat, daz im der ist verhowen ... so sal he vregen eines urteiles: ab he schriet cetar oder wafen, ab im daz icht gewerren kunne an sime rechte.
urkundenbuch d. stadt Freiberg 3, 90
Ermisch; so sal her vregen: ab he schrie cetar oder wafen, welchiz he begrifet, ob im einz icht glicherwis hulfelich si alse daz andere. so sal man teilen, wen iz mit urteile bewart wirdet, welchiz he denne schriet, daz im daz hulfelich si. 112, 7; wan die richtere dat richte gheheghet hevet, so sal de cleghere orlof bydden, dat he mothe uyt theyn eyn swert, und mothe en biscrigen also, dat he drye spreke: wapene yo.
statutarrechte der stadt Rüden bei Seibertz
gesch. des herz. Westphalen 3, 85; do ... beschrüwen (
die kläger) den morder und zogen usz drü bloisser schwert und sagten irem vursprecher na und riefen: waiffen, waiffen, waiffen ober den morder, der diesen man und guden frúndt ermort hait.
weisth. 3, 828 (
Coblenz 1454); von beschreyung des tetters. der cleger mag auch über den tetter drey mal schreyen, 'waffnach-jo!', oder 'mörder-jo!, über mein mörder und des lands mörder!', wie dann in disem stück, an yedem ende herkomen und gewonheyt ist.
bambergische halsgerichtsordnung art. 233
Kohler-Scheel; id en sall nein gast enen borger wapene over ropen vor gerichte, he en moge betugen bloitwunden eder blaue. Schiller-Lübben 5, 597
aus Dortmunder urk. es kam auch vor, dasz dies waffengeschrei vom schöffen für den kläger erhoben wurde: so nympt man den cleger buyssen gericht ind leyt yn in ind roeft drywerf waiffen, so versoekt der richter an den scheffen, warumb dat he waiffen have geroyffen. so besuoyt der scheffen die noit, so wat kunne dat sy is, ind deylt sy mit den scheffen off mit den scheffenbroederen. Ennen
u. Eckertz
quellen zur gesch. der stadt Köln 1, 180.
in manchen gegenden wurde das waffengeschrei bei der execution wiederholt: dabei schrei des nachrichters knecht, der peinlein, dreimal ihn und sein verbrechen aus ... mit folgenden worten, je nachdem das vergehen war: waffen, waffen heut über mein und diesz lands dieb, dieb ja! mörder, mörder ja! Bechstein
sagenschatz des Frankenlandes 1, 235 (
Königshofen). 44)
abgeschwächt wird waffen schreien
zu einem bloszen vorwurf, der gegen jemand erhoben wird: [] also si der amman erreiter sprach in menich leit 'waffen ubir iuch helede!wie getatet ir ie so ubile, daʒ ir minen herren also habet gehonetunde im sinen choph stalet?'
genesis 95, 20
Diemer; ach, wie sols den armen selan gân, den si (
die geistlichen) solten helffen und râten? die muossend dort brinnen und brâten .., die schrigend denn über si waffen.
teufels netz 3243; o tag, dein meren tuot mich leren heisz zäher reren, das wffen ich über dich schrey! Hätzlerin 1. 1, 53; was dann hie wider würt geredt, und obs schon Christus selber thet, und wolt sie einer irrthumb straffen, so schreiends dawider mort und waffen. Fischart
die gelehrten die verkehrten 1738
Kurz. bei Hans Sachs
steht es für zank, drohworte, lärmendes geschrei: botz leichnam angst, ich han verschlaffen. wie wird mein weyb nur schreien waffen, wens kumbt! H. Sachs 14, 172, 14
Keller-Götze. entsprechend waffen
in subst. gebrauch: was unglücks hat der mann erduldt, der schuldiger grosz überlauffen und ihr uhnwirser, schnöd ahnschnauffen, ire trowort, mordtgschrey und waffen. 14, 286, 8; als das gedös im kam so nach über das gschwell in sein gemach, mit griszgrammen und mit zänklaffen, mit sehr grossem geschell und waffen, stund es allda in seim gemach. 20, 314, 26. 55)
wie zeter, mordio
und andere notrufe, mit denen waffen
vielfach verbunden wird, kann auch dies zum bloszen weheruf werden. so erscheint es in der verbindung waffen schreien. rufen
oder auch als bloszer ausruf. der grund der wehklage kann mit über
angereiht werden; häufiger wird er in einem besonderen satze ausgeführt. zunächst in fällen, wo eine unmittelbare gefahr vorliegt: do se geswummen wol twe screde, rêp de vorsch: wapen! to jodute! min kunst. min macht is jeto ute, von krankheit en mach ik nicht mer. Gerh. v. Minden 3, 106
Seelmann; einer auf dem rossmark, da dem sein haus gestormet ward, der schrei 'mordio' laut 'wafen! botz angst! mein tür steht mir offen'. Liliencron
hist. volksl. 3, 369, 43.
übertragen: nu solt ich schrîen wâfen umb ir scheiden daʒ si tuont: eʒ wirt grôʒ schade in beiden kuont. W. v. Eschenbach
Parz. 242, 16.
dann auch, wenn man eine unbill erlitten hat, wenn einem ein leid zugefügt worden ist, oder überhaupt man sich unglücklich fühlt, oft auch nur um einer starken inneren erregung ausdruck zu geben: der getriuwe ist friundes êren vrô: der ungetriuwe wâfenô rüefet, swenne ein liep geschiht sînem friunde und er daʒ siht. W. v. Eschenbach
Parz. 675, 18; 'wâfen', sprach der fürste,'wie ist nû tôt gelegen von eines wîbes handender aller beste degen.'
Nibel. 2454; grôʒ was sîn ungehabe; er schrei vil lûte: 'wâfenô! Apollo, her, wie tuost du sô?' Reinbot v. Durn
Georg 4387
Vetter; wâfen! über der minne rât; wâfen! über der minne lô
n. Rubin,
minnesinger 1, 317
b Hagen; dô schriren si sêr: 'wâfnâ, jô zethêr! der kunic, der ist tôt.' Ottokar
österr. reimchr. 89638
Seemüller; lûte schrei er: 'wâfinô! waʒ lîde wir, waʒ hôre wir.'
passional 422, 17
Köpke; er grein unde zannete ... beide hâr unde bart roufte er unde brach enzwei. 'wâfinô' vil lûte er schrei 'uber mich unsêlegen man!'
marienleg. 248,
v. 266
Pfeiffer; da Reinhard von Haun gefangen ward, da stund er traurig gar unfro, da man sein son dahero fürt, da schrei er: 'ceter wafenio! ei wärst du ungefangen noch!' Liliencron
hist. volksl. 1, 377, 7; 'wâfen, immer wâfen!' sprach der küene Hagen. 'wâfen über die rôsen! daʒ wil ich immer klagen.'
rosengarten F 5, 19
Hotz; [] mit luter styme er an vieng, er schrei: 'waffen, morda jo, niemer me so wird ich fro.' Hans v. Bühel
Dyocletianus 2721
Keller; hei alle! woffen und mort! morde jo! ich han gehort alzu boser nuwer mere.
Alsfelder passionsspiel 620
Grein; woffen, her, woffen! die ritter sint entslauffen. wie sal uns is ergehen? 7315; wafen jo und imer wafen! wie han ich heut so lang verschlafen! das mir mein bruder ist erschlagen, das wil ich Crist von himel klagen.
fastnachtsp. 197, 10; wafen, das ich ie ward geborn. 280, 9; waffen und immer waffen, welher teufel hat das geschaffen, das sich mein schones weib hat gelegt zu aines pfaffen leib? 503, 20; o leit ob allem jamer, wofen! 549, 21; o zetter, waffen, mordio! o zetter, waffen, rettio! ach weh der aller-grösten not! unser oberster der ist todt. H. Sachs 6, 80, 21
Keller; o zetter, waffen über waffen! hab ich mein eygne mutter bschlaffen und mein leybling vatter erschlagen? 8, 45, 23; mein hertz schreyet stäts zetter, waffen. in solcher lieb brinnendem weh ich schier verschmache und vergeh. 10, 344, 27; o waffen, zetter über waffen! 12, 48, 15; ob ich dich bey dem tag vernymm oder ich hör zu nacht dein stymm, so schreyt mein hertz yn leyden waffen; vor sehnen kan ich dann nit schlaffen.
fab. 2, 19, 53
Götze; des nachtes, wenn der könig ist schlaffen, alle frösch schreien: waffen! waffen! beschreien all mit heisser stimm irs königs tiranney und grimm. Waldis
Esopus 1, 17, 76
Kurz; ach waffen, ach waffen über uns arme münche und pfaffen! wir haben zu lange geschlaffen: gottes wort ist auffgestanden, unse büberey wirdt bekandt in allen landen.
korrespondenzbl. des vereins für nd. sprachforschung 5, 75; o jammer noth! o zetter, waffen! ich bitt durch gott, verschonet mein. Ayrer 1089
Keller; waffen,
o, interjectio. voc. theut. (
Nürnberg 1482) mm 7
a; der brueder sprach: waffa, waffa! lieber kouffman, ist daz land feil?
volksbücher 251, 29
Bachmann-Singer; waffa, sprach ich, bekumbert sich dann dise frow ouch mit gaistlichen dingen der kirchen?
N. v. Wyle
translat. 244, 34 (
nr. 12)
Keller; woffen! welich ein wunneklich ding das wer! Tauler
bei Schmidt
els. wb. 410; ach waffen, da fande der könig Tristranten vor dem bett stehen, die königin in seim arm gantz freundtlich umbfangen, und sahe, dasz er sie küsset.
buch der liebe bl. 88
a; da sprach der könig: ach waffen, mir geschahe nie so leyd.
bl. 89
b; o wofen über wofen, wie hab ich so lang geschlafen! Thomas
u. Felix Platter
lebensbeschreibung hrsg. von Fechter (1840) 128. waffen
tritt so in nahe beziehung zu dem allitterierenden weh,
unter dessen einflusz auch die wendungen waffen über waffen, immer waffen
u. dgl. entstanden sind. häufig verbunden weh und waffen, waffen und weh: ir varwe diu wart beide von zorne und von leide tôtbleich und iesâ fiuwerrôt: 'â' sprach si 'sældelôse Isôt, owê mir unde wâfen'! G. v. Straszburg
Tristan 10097; bevindet eʒ der vater mîn, daʒ dû mich hâst beslâfen. ach wê mir unde wâfen! K. v. Würzburg
Troj. 17114; und wasen auch vil menschen besessen mit dem bösen geist und schrien gemeinklichen: waufen, wee, wee!
heiligen leben (1472) 1
b; darumb sprachen sy, waffen und wee, wären wir tod, das unser arbait und elend ain end hett. Keisersberg
ausgang der Juden (1510) K 8
b; schreye mit lauter stimme: o jammer, o zetter waffen, o wehe, wehe, wehe, angst, wehe, noht. Ayrer
processus 3, 1.
auch wafen und ach: awe mir imer wafen und ach!
fastnachtsp. 420, 7.
[] waffen
tritt dann auch in die construction von weh
ein, indem es mit einem dativ der person und einem genetiv der sache verbunden wird: wâfen! sender nôt.
minnesinger 1, 352
Hagen; du sagtest mir die wârheit, dô ich leste von dir reit, ich gesach dich niemer mê. wâfen heute und iemer mê der verfluochten reise! H. v. Neustadt
Apollonius 7127; woffen disser groiszen swere und disser ledigen mere!
Alsfelder passionsspiel 7319
Grein; innecliche klagete er, 'waffen, got, der leiden mer, so eʒ min herschaft bevint.' Kistener
Jakobsbrüder 738
Euling; da sy erhortt des helden wort, das er sy wolt meiden: ach wâffena io des grossen mort, wie sol ich den erleiden? Hätzlerin 1, 3, 45; wafen mir heut und immer mer, wafen meiner groszen er, dasz ich den veiol ie hab gesehen. wafen, wie ist mir beschehen! dasz ich nun in schanden ste, dasz tuot mir heut und immer we.
fastnachtsp. 414, 14; waffen waffen meiner clage, die ich tougenlichen clage! Uhland
volksl. 853; er schlug den esel in sein haut, da schrie der esel überlaut: waffen mir, immer waffen! Erlach
volksl. 2, 211; ach waffen des grossen morts!
Tristrant 83, 10
Pfaff. substantiviert (
vgl. die stellen aus H. Sachs 4
am ende): durch wincken wãnck ich mich verkêr des nachtes ungeslaffen, gierlîch gedãnck mir nâhent verr mit unhilfflîchem waffen. Oswald v. Wolkenstein 32, 2, 6
Weber. waffen '
wehe'
ist im 16.
jahrh. im wesentlichen nur noch in der volksthümlichen litteratur lebendig und verschwindet im hd. am anfang des 17.
jahrh. dagegen hat es sich in nd. mundarten noch jetzt erhalten. aus dem Osnabrückischen wird für die mitte des 18.
jahrh. angegeben: au weh, au waupe! eine hiesige exclamation. Strodtmann 280.
aus dem Westfälischen im herkömmlichen reim (
vgl. oben die stelle aus Platter): o wê o wê o wẚpen, ek heffe vanner nacht nicht slpen. Woeste 315. 66)
mit dem bekanntwerden der altdeutschen litteratur im 18.
jh. tritt auch waffen
wieder auf, im 19.
haben es Scheffel
und Wagner
gebraucht. in seiner verwendung zeigt dies neuere waffen
engere anlehnung an das subst. waffe
und dient hauptsächlich als alarmruf, doch macht sich die durch die allitteration begünstigte verbindung mit weh
auch jetzt noch geltend: aber wer (hör deine schande!) vaterlands und freundschafts bande hasset und zerbricht, der verdienet nie vergebung, der verdient das leben nicht! hier ist raum zum büssen! hier! waffen, waffen über dir! verachtend fiel auf mich sein blick, er fiel zweyschneidig auf; ihn aber gab mein schwerdt zurück: doch sein schwerdt fieng es auf, bis hundert hieb' auf hieb' erklangen. Kretschmann
gesang Rhingulphs, als Varus geschlagen war (1769) 73; schon birgt der Riedwald fünfzig scharfe lanzen, zweihundert stehn am Flinszbach fehdestolz ... und bläst man drin am markt zu abendtanzen: waffen und weh! dann rumpelts aus dem holz! Scheffel
frau Aventiure 155; jetzt wafenâ, das thor ist uns erschlossen ... ein strom von helmen kommt hereingeflossen, das nest ist unser! 157; da rief's vom turm: waffen! waffen! feindio! — vom see kommt's schwarz herangezogen, rosz und reiter, feindio!
Ekkeh. 207; hoiho! hoiho! hoiho! ihr Gibichs-mannen, machet euch auf! wehe! wehe! waffen durch's land! waffen! waffen! gute waffen! starke waffen, scharf zum streit! noth! noth ist da! Rich. Wagner 6, 308 (
götterd. 2).