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Dolch

nhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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19 in 18 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Dolch

Bd. 5, Sp. 87
Dolch (Gnippe, Diglitz, Dielitz, Telitz), kurze Stoßwaffe mit Griff, meist zwei-, auch ein- und dreischneidig, kam schon in der Stein-, dann in der Metallzeit vor. Bei den heutigen Naturvölkern tritt der D. vielfach und in mancherlei Formen auf. In Afrika ist er ausnahmslos aus Eisen gefertigt und meist zweischneidig; nur die Dolchmesser der Neger von Bihé (Fig. 1) sind einschneidig. In Oberguinea, dem Sudan und in Nordostafrika wird er nicht selten mittels eines Lederringes am Ober- oder Unterarm getragen. Auch die Kaffern befestigen ihn mittels eines Riemens am Arme. Seiner Entstehung nach geht der D. auf zwei Anfänge zurück: den blattförmigen Steinsplitter und den Pfriem oder Dorn aus Holz, Knochen und Horn. Während viele unsrer europäischen und sämtliche afrikanischen Dolche ihrer weit fortgebildeten Stahl- oder Eisenklinge wegen ihren Ursprung nur noch in den seltensten Fällen nachweisen lassen, finden wir in andern Erdteilen auch heute noch ganz urwüchsige, an unsre Pfahlbaukultur gemahnende Formen. Sie stellen zum allergrößten Teil den Beginn der zweiten Entwickelungsreihe dar. Bei den Feuerländern werden Dolche einfach durch Zuschärfen von Gehörnen gebildet, und selbst bei den Indern haben sich bis in die Neuzeit hinein Dolche aus Antilopenhorn erhalten, die Madu (Fig. 2) oder Maru, auch Singhauta genannt wurden (von Singh = Gazelle). Ost hat man die beiden Hörner zu einem sehr seltsamen Doppeldolche (Fig. 3) verbunden. In Brasilien stellt man große Dolche aus dem Holze der Stachelpalme her, ebenso wie bei den Maori auf Neuseeland. Hier heißen sie Pahu, sind etwa 0,5 m lang und werden in einem Fellüberzug getragen. Aus Kasuarknochen, die mit Kerbschnitzereien verziert werden, bestehen die Dolche in mehreren Bezirken Neuguineas. Auch das Stilett geht auf eine Urform aus Holz oder Horn zurück. Der D. der Malaien (Kris, s. Tafel »Malaiische Kultur II«, Fig. 15, 18, 19) hat gewöhnlich eine flammenförmige Klinge, deren Spitze nicht selten vergiftet wird. Sehr merkwürdig durch die Art des Griffes ist der indische Khuttar (s. Tafel »Ostindische Kultur II«, Fig. 10), eine anscheinend sehr alte Waffe. Die dreieckige Dolchklinge geht hier in zwei durch Querstangen verbundene Schienen aus, die den gabelförmigen Griff bilden. Noch seltsamer an Gestalt und von kaum begreifbarem Nutzen sind die altindischen Doppeldolche (Fig. 4). Auch die alten Völker, wie Ägypter etc., kannten den D.; hier entwickelte er sich häufig zur Prunkwaffe, und in Rom galt er vielfach als Hoheitszeichen, z. B. beim Kaiser, dem Praefectus praetorio, den Kriegsobersten etc. als Zeichen der Macht über Leben und Tod. Die Tribuni militum trugen das Parazonium (Fig. 5) am Gürtel, meist nur als Auszeichnung. Nach Deutschland brachten erst im 16. Jahrh. die Slawen den D. (tulich, H. Sachs schreibt Dollich), den hier auch die Femrichter geführt haben sollen. Zur Ritterzeit gehörte der D., der im Gürtel steckte oder an der rechten Brustseite in einer Kette herabhing, zur Bewaffnung, während das Volk im Norden sich des einschneidigen Messers (Sax) noch lange bediente. Der D. der Merowinger (s. Sax) bildet den Übergang zum einschneidigen Kurzschwert (Skarasax). In Frankreich diente der D. (Miséricorde, deutsch Gnadegott) dazu, den im Zweikampf überwundenen Gegner, wenn er nicht um Gnade bat, zu töten. Eine eigne Art ist der Linkehanddolch (Fig. 6), dessen Klinge sich durch Federdruck in drei Klingen aus einer zerlegte und zum Auffangen der Klinge des Gegners diente. In Süd- und Mittelitalien ist der D. als Stilett, dreischneidig, mit nicht über 5 cm langer Klinge, beim Volk, den Briganten etc. sehr verbreitet. In neuerer Zeit verschwand der D. mehr und mehr; von regulären Truppen trug als letzte die venezianische Artillerie den D. In einigen Marinen wird er noch jetzt als Seitengewehr getragen, und seit 1901 führen ihn die Seeoffiziere der deutschen Marine als Interimswaffe mit schwarzem Bandkoppel; ebenso tragen ihn die Kadetten und Fähnriche zur See, auch tragen ihn Feuerwehroffiziere etc. als Dienstwaffe. Bei irregulären Truppen und der Bevölkerung des Orients lebt er auch heute noch als Waffe fort. Vgl. Kuppelmayr, Zur Geschichte des Dolches (»Zeitschrift des Münchener Altertumsvereins«, neue Folge, Bd. 5); Klemm, Werkzeuge und Waffen (Leipz. 1854); Specht, Geschichte der Waffen (Berl. 1869–76, 2 Bde.); Demmin, Die Kriegswaffen in ihrer historischen Entwickelung (2. Aufl., Leipz. 1886); Jähns, Entstehung und Bedeutung der Waffen (»Deutsche Revue«, Bd. 18, Heft 1–3); Derselbe, Entwickelungsgeschichte der alten Trutzwaffen (Berl. 1899).
4602 Zeichen · 70 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dolch

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Dolch , des -es, plur. die -e, die kürzeste Art der Stoßdegen, welche in Italien sehr häufig, bey uns aber selten ge…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Dolch

    Goethe-Wörterbuch

    Dolch fast ausschließl in der Dichtung u in Übs (bes in Cell) kurze, meist zweischneidige Stichwaffe, als leichte (persö…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Dolch

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Dolch , kurze Stoßwaffe, in Süddeutschland Stilet, hieß bei den Landsknechten Beimesser, war bei den spätern Rittern der…

  4. modern
    Dialekt
    Dolch

    Bayerisches Wörterbuch · +7 Parallelbelege

    Dolch Band 3, Spalte 3,1834

  5. Sprichwörter
    Dolch

    Wander (Sprichwörter)

    Dolch 1. Der Dolch hat eine Spitze, auch wenn er in der Scheide steckt. 2. Mancher schleift den Dolch für sich selber. 3…

  6. Spezial
    Dolch

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Dolch m. (-[e]s,-e) stilet (-ec) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit dolch

81 Bildungen · 41 Erstglied · 38 Zweitglied · 2 Ableitungen

dolch‑ als Erstglied (30 von 41)

dolch 86

KöblerAfries

dolch 86 , st. N. (a) nhd. Wunde ne. wound (N.) ÜG.: lat. vulnus L 8, L 9, W 1, AB (82, 11), AB (92, 7) Vw.: s. brand-, brein-, dâth-, frum-…

Dolchmess

SHW

Dolch-mess Band 1, Spalte 1559-1560

Dolchmesser

SHW

Dolch-messer Band 1, Spalte 1559-1560

Dolchstich

SHW

Dolch-stich Band 1, Spalte 1559-1560

dolchbewehrt

DWB

dolchbewehrt , adj. mit einem dolch bewaffnet. ha! wo war ich mit der retterstimme, mit der hohen dolchbewehrten hand! Bürger 97 a .

dolchen

DWB

dol·chen

dolchen , pugione trucidare Stieler 323 . s. DWB erdolchen .

dolchgestalt

DWB

dolch·gestalt

dolchgestalt , f. Wallenst. ihr saht doch jüngst am himmel die drei monde? Bürgerm. mit entsetzen. Wallenst. davon sich zwei in blutge dolch…

dolchgestümmelt

DWB

dolch·gestuemmelt

dolchgestümmelt , adj. hielts derhalben gar nicht mit den mottengefressenen, wurmstichigen, dolchgestuommelten münzbeschnittenen bruchbinder…

dolchgeweih

DWB2

dolch·geweih

dolchgeweih n. : 1946 mörderhirsche mit dem unverästelten dolchgeweih Gerlach vierfüssler 77.

dolchgriff

DWB2

dolch·griff

dolchgriff m. : 1826 Hauff mem. 1,307. 1909 Falke dr. w. ( 1930 ) 5,37.

dolchspitz

DWB2

dolch·spitz

dolchspitz adj. : 1940 Francé lebenswunder 156. 1970 Schaper abend 73. G. Klecha

dolchspitze

DWB

dolch·spitze

dolchspitze , f. bildlich. noch ist mir als würden die grauen haare zu dolchspitzen auf meinem alten kopf Klinger Theater 3, 305 . ich will …

Dolchstäbe

Meyers

Dolchstäbe , nordische Benennung der Schwertstäbe (s. d.)

dolchstange

DWB2

dolch·stange

dolchstange f. : 1959 den mörderbock mit der einen dolchstange ( geweihstange ) Herzog Diana 12. DWB2 4 tiere:

Dolchstart

MeckWB

dolch·start

Wossidia Dolchstart Dolkstart m. Name des Fuchses im Tiergespräch Wo. V. 2, 26.

dolch als Zweitglied (30 von 38)

breindolch

KöblerAfries

brein·dolch

breindolch , st. N. (a) nhd. Gehirnwunde ne. injury of the brain Q.: W E.: s. brein*, dolch L.: Hh 12a, Rh 667a

bronddolch

KöblerAfries

bronddolch , st. M. (a) Vw.: s. branddolch

dâddolch

KöblerAfries

dâddolch , st. N. (a) Vw.: s. dâthdolch

dōtdolch

KöblerMnd

dōtdolch , N. nhd. Todwunde E.: s. dōt (1), dolch L.: MndHwb 1, 461 (dôtdolch) Son.: Fremdwort in mnd. Form, örtlich beschränkt

Flintendolch

Campe

flinte·n·dolch

○ Der Flintendolch , des — es, Mz. die — e , eine beinahe einem Dolch ähnliche eiserne Spitze, oben am Laufe der Soldatenflinten, welche ang…

frumdolch

KöblerAfries

frum·dolch

frumdolch , st. N. (a) nhd. Hauptverletzung ne. main injury Q.: H E.: s. *frum, dolch L.: Hh 32b, Rh 769b

helpdolch

KöblerAfries

help·dolch

helpdolch , st. N. (a) nhd. Heilwunde, Heilung fördernde Wunde, Abszess ne. wound (N.) supporting the healing Q.: F E.: s. helpa, dolch L.: …

inrethadolch

KöblerAfries

inrethadolch , st. N. (a) Vw.: s. inreddolch<o:p></o:p>

inrethdolch

KöblerAfries

inrethdolch , st. N. (a) Vw.: s. inreddolch<o:p></o:p>

inridadolch

KöblerAfries

inridadolch , st. N. (a) Vw.: s. inreddolch<o:p></o:p>

Katzendolch

RhWBN

katzen·dolch

Katzen-dolch Wuppert-Vohwinkel , Dinsl-Stdt , Mörs-Kamp m.: verächtl. stumpfes Messer.

kladolch

KöblerAfries

kla·dolch

kladolch , st. N. (a) nhd. Kratzwunde ne. scratch (N.) E.: s. *kla, dolch L.: Hh 57b, Rh 871b

Kruttendolch

RhWB

krutten·dolch

Krutten-dolch Ottw-Heiligenwald , Saarl-Hostenb , Kreuzn-Boos , May-NMendig m.: verächtl. altes, stumpfes Messer.

mörderdolch

DWB

moerder·dolch

mörderdolch , m. dolch eines mörders: hier ist mein herz, wenn du den muth hast, mit dem mörderdolche ein unbeschütztes leben zu verletzen. …

morddolch

DWB

mord·dolch

morddolch , m. für den mord dienender dolch: die schrift den bösen ist ein mortdolch wild, den frommen aber ist ein guter schild. anm. weish…

morthdolch

KöblerAfries

morth·dolch

morthdolch , st. N. (a) nhd. Verwundung in mörderischer Absicht ne. injury with fatal intention Q.: H E.: s. morth, dolch L.: Hh 73b, Hh 167…

mētedolch

KöblerAfries

mētedolch , st. N. (a) nhd. „Maßwunde“, Wunde die ein betimmtes Maß hat ne. injury of a certain size Q.: R, E, H, S, W, B E.: s. mēte, dolch…

mōsdolch

KöblerAfries

mōs·dolch

mōsdolch , st. N. (a) nhd. Quetschung, Quetschwunde ne. bruise (N.) Q.: R, E, F, H, W E.: s. mōs, dolch L.: Hh 73b, Hh 167, Rh 937a

opferdolch

DWB

opfer·dolch

opferdolch , m. , vgl. DWB opfermesser , DWB opferstahl : in Levis händen blinkt schon der opferdolch .. das opfer blutet. Klopstock 10, 153…

Poggendolch

WWB

poggen·dolch

Poggen-dolch m. altes, stumpfes, abgenutztes Messer (Frbg.) ( Kr. Lübbecke Lüb Ne).

Schweizerdolch

DRW

schweizer·dolch

Schweizerdolch, m. eine kurze, zweischneidige Stichwaffe; ua. von eidgenössischen Militärangehörigen höheren Ranges verwendet vgl. Schweizer…

Ableitungen von dolch (2 von 2)

Dolche

PfWB

Dolche f. : ' weitstehende Hanfbreche ' (sic!), Dolch, Pl. Dolche [PfId. 34]; vgl. PfWB Dulfe , PfWB Breche 2 . SHW Südhess. I 1560 Dolch 2.