spriegel,
m. arcus. ein wort noch unbekannter beziehung: spriegel,
arcus Stieler 227;
lignum tenue et flexibile. Frisch 2, 308
c. Adelung. Gangler 427.
daneben älter belegt eine form sprügel: (
holz hauen) zuo widen, busen, phelen und zuo sprügeln.
quelle von 1363
bei Schmidt
els. wb. 335
a; der sprügel, die wagendecke,
tympanum. Golii
onomast. 1582, 55; sprügel Coler
hausb. (
s. die belege unten).
quelle von 1652
bei Vilmar 394; sprügel Schottel 1420,
arcus Steinbach 2, 644. spriegel
und sprügel
nebeneinander: spriegel, sprügel Hulsius (1616) 305
a; spriegel, sprügel,
arco ò legno piegato in arco ò mezo cerchio per far tenda. Kramer
dict. 2 (1702), 889
a;
vgl. Weigand
4 2, 779.
eine form sprugel Schm.
2 2, 702; sprogel (
Nordhausen) Bech xxi; sprêjel Jecht 106
b; šprêgel Hertel
sprachsch. 232;
vgl. unten den beleg bei Ettner.
die von Kehrein
volkssprache Nassaus 1, 385
belegte form spriel (
neben spriehel)
läszt immerhin die möglichkeit zu, einen zusammenhang mit oben spreil (sprîl),
m. anzunehmen, vielleicht als weiterentwicklung oder auch angleichung an worte wie bügel,
m. über den begrifflichen zusammenhang mit der sippe spreil,
m. vgl. die erklärung: sprügel, gespaltene weiden oder haselstäbe, welche über die holzwende genägelt werden, falls diese mit lehm sollen überzogen werden. Brosenius
technologie 2, 123.
auch sonst ist die herstellung der spriegel
durch auseinanderreiszen von holzstäben, ruten, stecken häufig bezeugt. auch in der weiteren bedeutungsentwicklung beider wörter [] kommt entsprechendes vor: spriegel,
das sperrholz, welches die hinterbeine und den bauch eines geschlachteten thieres auseinander spreizt. Gangler 427.
vgl. dazu oben spreil,
m. sp. 10. 11)
dünne krummgebogene schiene aus eschen-, hasel- oder weidenholz, über die ein schutzlaken ausgespannt wird. als bestandtheil eines wagenverdeckes: ein wage mit sprügeln,
arcuatus currus. Schottel 1420.
besonders bei einer kutsche: wagenspriegel, kutschenspriegel,
arco da cocchio. Kramer
dict. 2 (1702), 889
a.
vgl. Schambach 207
a. Lenz 67
a; die chaise war leer, der knabe stieg hinein, mit einigen geschickten handgriffen warf er die spriegel zurück, und so war, in einem nu, das niedlichste gebäude zur lustigsten spazierfahrt vor den augen aller anwesenden bereitet. Göthe 21, 165. weil noch kein handwerksmann zu der verdammten tracht die sprügel und den raum hat hoch genug gemacht. Canitz 121;
auch aus eisen gefertigt, um gröszere last tragen zu können: man stelle sich die decke des kutschkastens vor; auf jeder ecke war an der seite ein eiserner spriegel angebracht, welcher in seiner höchsten wölbung nicht höher war als etwa 6 bis 7 zoll ... auf dieser decke saszen drei personen mit dem gesichte nach dem kutschersitze und drei personen mit dem gesichte nach der hintersten schoszkette. Bahrdt
leben 3, 313.
am verdeck eines kahnes, nachens: nachenspriegel,
arco da barca. Kramer
dict. 2 (1702), 889
a.
als bestandtheil des himmels einer kinderwiege: die wiegenspriegel,
arcus cunis aptati. Stieler 227; wiegenspriegel,
arco da cuna. Kramer
dict. 2 (1702), 889
a; spriegel über die wiege ist ein von holtz absonderlich geschnitztes gestelle mit zwey gelencken versehen, welches man dem kinde zum haupte in die wiege stecket, damit man ein tuch doch sonder verhinderung und beschwernisz über sein gesichtlein bey dem schlaff breiten kann. Amaranthes 1891; auch sol man das kind oben am heubte, sonderlich wenn es leit, mit einem sprügel und schwartzen tuche verhengen und verwaren. Bartisch
augendienst (1583) 17; weszwegen ich allezeit, wo es seyn kan, einen spregel oder bogen über die halbe wiege von obenher machen lasse, und darüber ein tuch hänge, damit das kind das licht nicht frey sehe und die augen wenden dörffe. Ettner
unvorsichtige hebamme 815.
vgl. noch: dasz eine katze einem kleinen kinde unter dem spriegel und tuch die hirnschale aufgebissen.
M. Chr. Lehman
historischer schauplatz 667;
vgl. zeitschr. f. hochd. mundarten 1, 62.
auch von dem trauergerüst, welches, mit einem tuche bedeckt, über gräbern errichtet wird, dem sog. blinden sarg: an theils orten pflegt man uf die gräber das leichtuch über einem sprügel über die todtenbahr zu ziehen.
quelle von 1652
bei Vilmar 394; spregel
auch das gerippe eines korbes. Hertel 232.
mit einer erweiterung des begriffes auch das deckende tuch selbst: bei den schiffern das über die schiene gespannte tuch, welches gegen sonne und regen schützt. Kehrein
volkssprache im herzogt. Nassau 1, 385; do siehn eich unnerm spriehel erscht sein fraa.
ebenda. vgl. auch: sprogeln,
eine art marktbuden zu Nordhausen, unterschieden von tentoria. quelle bei Bech xxi. 22)
das zum fangen von thieren dienende schnellholz: sprugel,
eine art schnellbogen, dasselbe wie oben sprenkel,
m. Schm.
2 2, 701; sprêjel,
sprenkel Jecht 106
b. wo er (
der hase) seinen gang hat, da mache ein sprügel oder etliche neben einander in die erde und machen schlöffen oder schleufen daran, die etwan so hoch hangen, als der hals mit dem kopf ist, wann er gehet. Coler
hausb. 577
a.
vgl. auch unten springel,
m. 33)
mit einer verallgemeinerung überhaupt: sprügel, prügel, knüttel, starker stock. Spiess 239;
stab, leiste Lenz 67
a, sprêgel
sogar als stützen der obstbäume (
wie oben spreize,
f.). Hertel
sprachsch. 232.
in der sprache des bergbaus spriegel '
die kurzen und dicken stücken holz, womit die ritzen zwischen den pfählen verstopft werden'. Jacobsson 4, 236
b.
am nächsten steht noch der bedeutung unter 1: spriegel, dünne biegsame späne an die wände oder an die zimmerdecken zu schlagen, dieselbe mit gyps zu bedecken. Frisch 2, 308
c.