zerklieben,
verb. ,
ahd. ziklioban (
conj. praet. zichlube
divelleret Notker
bei Graff 4, 547),
as. teklioBan,
ags. tócléofan,
mhd. ze(r)klieben,
mnld. teclieven;
gelangt wie das simplex klieben (
s. th. 5, 1161)
nur ins 17.
jahrh. und wird auf nd. boden schon in mnd. zeit durch das schwache trans. toklven
verdrängt, während es in der Schweiz seine bedeutung verliert und dafür die von zerklauben
eintauscht (zerchlǖben
jem. an manchen stellen kneifen, stark kneipen schweiz. id. 3, 616).
das factitive zerkleuben
erscheint, entrundet mit -ei-,
in theilen Mitteldeutschlands (
vgl. die angabe Stieler
s 983: klöben, quod etiam nonnullis in locis kleiben effertur;
reicht dieses -ei-
auch nach Ostfranken und Nürnberg?),
zumeist jedoch in der nd. form zerklöben,
die auffällig genug auch in Schwaben, entrundet mit -e-,
auftritt. die aus der flexion und den abweichenden landschaftlichen lautreglungen im obd. bezirk entspringende buntheit des stammvocals erschwert die scheidung von dem factitiven zerkleuben,
zumal auch bei zerklieben
schwache flexion eintreten kann, s. unt. 3;
jedoch liegt kein anlasz vor, die obd. vocalformen -ie-, -i-, -iu-, -ui-, -oi-, -eu- (
entrundet -ei-), -ǖ-, -ū-,
entsprechend dem wechsel zwischen altem -io-/-iu-
mit folgendem -i-/-iu-
ohne folgendes -i-
im präsensparadigma, einem anderen worte als zerklieben
zuzuweisen, vgl. E. Mertes
in zs. Teuthonista 7, 110.
die th. 5, 1161
f. angesetzte sonderform kleuben
wie die bedeutung kneipen und der nebenstamm klîben
sind somit abzuweisen. 11)
intrans. sich spalten, zerspalten, auseinander bersten, auseinander reiszen, zerspringen, einen risz, sprung, spalt bekommen, a)
von gegenständen: daz den degenen milte die starken schefte zercluben Ulrich von Zatzikhoven
Lanzelet 5293; zerkloben fasz
Terenz deutsch (1499) 39
b; H. Sachs 17, 331
G.; weil das schiff geht, so sitzt iederman drein, stehet es aber auf oder zerkleibt nun, iederman fert mit nachen davon S. Franck
sprw. (1541) 2, 26
b; zerkleubet 2, 149
a; leuten mit einer zerklobenen glocken ist das betten und nit auffmercken A. a
s. Clara
Judas 2, 385;
modern bair. Schmeller-Fr. 1, 1323; solche bAeum ... zerbrachen und zerkloben (
von der last) G. Rivius
Vitruv (1575) 26;
chron. d. st. 10, 159; H. Sachs 4, 348
K.; 18, 247
G.; welch erd unwilliglich zerklaub und in sich nam Plutonis raub Wickram 7, 238
B.; des tempels vorhang zureisz und manch fels zurklbet Mich. Weisze
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 259;
für diese böhmisch-deutsche form zerklbet
setzt Zinzendorf
amerik. red. (1776) 2, 14
sein heimisches (
lausitzisches) zerklOebet
und das gesangbuch der brüdergemeinde 1691,
v. 5
das rein mundartliche zerklebet
ein; die felsen zerklüben für der starcken macht gottes Jac. Böhme
schr. 4, 51; davon zerkloben die steine 3, 402; — bisz die gerste vOellig auffgeschwillt und zerkleubt Wirsung
arzneib. 35
a; b)
vom menschlichen körper: ir herze wol zerklieben möhten von der trûtschaft
minnelehre 462
Pf.; damit er (
der kopf) ... nit in stucken zerkleibe Fischart
binenk. (1588) 251
b; '
aufgesprungen': dem die lebsen und das zanfleisch geschwollen sind oder zukloben Ortolf v. Bayerland
arzneib. 24
b;
ebenso Gothaer mnd. arzneib. 92; de toclavenen hende 185
N.; modern bair.: des leud get schon ganz zklobm derher
breitbeinig und nicht mehr frisch Schmeller-Fr. 1, 1323; e zklobme bue
scherzhaft für mädchen ebda; vereinzelt in jüngerer zeit, vgl. zerkloben (
schädel): A. Pichler
marksteine (1874) 140; 22)
trotz der offensichtlich ursprünglichen intrans. bedeutung des stammes erscheint z.
schon sehr früh in trans. verwendung: up gitoh fisk an flodemid is folmun tuem, teklof imu thea kinniendi undar them kaflun nam guldine scattos
Heliand 3213; zichlube
divelleret Notker
s. ob.; a)
von gegenständen spalten; z. b. schilde: Wolfdietrich im Dresdener heldenb. 3, 35; Hätzlerin
liederb. 235; (
ein keil,) damit man holtz zerklbet G. Rivius
Vitruv (1575) 343; durch zuo harte proben werden die dopff zerkloben S. Franck
sprw. (1541) 2, 155
b; gott wolt gnad mit im ieben, die perg tet er zerklieben und von ainander schieben
hoch- u. nd. volkslied. 811
Uhland; b)
vom menschlichen körper: ê liebe zerkliebe mîn herze gar zerstiebe Ulr. v. Winterstetten
leich 3, 88; wo er hintratte, zerschmetterte er das gebeine, zerstiesze das fleisch, zerklobe die flAechszen J. W. v. Stubenberg
Samson (1657) 166; c)
auch refl.: die (
eine veste) mit dem bock gewaltig doch erschellt teglich ie lenger mehr, dasz sie sich zerklueb also sehr, bisz an der mauer fiel ein dail H. Sachs 16, 391
G.; der stein und der tuat sich zerkliaben
volksschausp. in Bayern 118, 221
Hartmann; zu 1
und 2
s. weitere belege im mhd. wb. 1, 845
b, Lexer 3, 1070, H. Fischer 6, 1136, Scherz-Ob. 2098; 33)
lex. und gramm.: Stieler 978
und 983
führt klieben
und klöben (
nebst kleiben)
als trans., aufkleiben, zerkleiben, zerklieben 978
als intrans., zerklöben (-ei-) 983
in beiden verwendungen auf; als veraltet kennt Campe 5, 844
a noch das intrans. z.,
woneben er das trans. zerklöben
stellt; sonst noch: Frisch 1, 523
a; zerklben (
österr.) Klein 2, 244,
doch österr. auch -oi-;
siebenbürg. zerkliwen Haltrich 25
a; —
schwache formen: zerklbt
oder zerknist
collideretur (
südl. Schwaben) Diefenbach
n. gl. 101
a entspricht dem schweiz. partic. perf. gchlübt
schweiz. id. 3, 616; die zerkliebten felder Harsdörfer
poet. tricht. 3, 172; die hohen bum die biegten sich, die hohen felsen zerkliebten sich
deutsche volkslieder 340
Mittler; schlieszlich taucht noch eine vereinzelte neubildung zerkloben '
zu kloben machen, zerspalten'
auf: eine eiche ... wollt er z. Simrock
volksb. 1, 150; den kopf ... z. J. D. Gries
Bojardos verl. Rol. 1, 29. —