zerdringen,
verb.,
verdrängen: dasz in kein hitz der anfechtung ... müge zertringen Keisersberg
bilg. 27
d; Schottel
haubtspr. 938; zerdrangen die freundlichen schatten die farbige helle Stefan George
büch. d. hirten 66;
schwellen: zuswollen und zudrungen (
vom meereswasser) sine gesellen in da vunden Herbort v. Fritzlar 17116; 17121. —
zerdrücken, verb., obd. -u- (
vgl. th. 2, 1441
f.; die sonderbedeutung, die drucken
angenommen hat, tritt bei z.
nicht auf),
in stücke, zu brei drücken, durch druck zerstören oder beschädigen, zerquetschen, zerknittern, 1)
eig. mit gegenständlichem object wie a)
früchte, speisen, insecten: nam die beer und zudruckt sie in den becher
1. Mos. 40, 11; zerdruck ihm das ey auf der zungen Paracelsus
op. (1616) 2, 558
H.; zerdrück dies kraut dann auf Lysanders augen
Shakespeare 1, 247; wer dis brod mit zenen oder zungen zudrckt Luther 26, 442
W.; die beste arzeney ist das ausziehen des stachels und das z. der biene auf dem ort, wo sie gestochen hat Overbeck
gloss. melitt. 137;
gefäsze u. ä.: diese werke sind ... von der lava umgeworfen, zerdrcket und zerstcket Winckelmann
in br. d. n. litt. betr. 16, 172; nahm ... eine scholle und zerdrückte sie A. Stifter
s. w. 1, 204;
fabrikmäsziges verfahren im herstellungsprocesz von zucker, stärke, pulver, bei der gewinnung von öl, fruchtsaft (
s. auch pressen
th. 7, 2105),
vgl. J. H.
M. Poppe
technol. lex. 5, 714; Krünitz 241, 169; b)
kleidungsstücke zerknittern, aus der form bringen: ein breiter, entfärbter und zerdrückter filzhut sasz ihm auf dem kopfe Rosegger
schr. I 11, 8; einer die schrtze zerdrucken Kramer
teutsch-it. 1, 249
b; (die) zerdrückten locken und bänder Göthe 21, 325
W.; c)
menschliche glieder und körper: dann hett er nit so gschwind gezuckt den fusz, das rad hett in zerdruckt
Teuerdank 52
G.; Gäbelkover
arzneib. 2, 424; mehr dann dreiszig tausent Juden kamen zuo Hierusalem umb und wurden under der port zertruckt S. Franck
chron. Germ. (1538) 19
a;
abgeschwächt: wenn Chloris mit brnstigem schmeicheln mir heimlich die hAende zerdrckt J. J. Schwabe
belust. 6, 186;
häufig einen vor liebe (fast) z.: ich zertruck dich, ich fresz dich Fischart
Garg. 380
ndr.; U. Bräker
s. schr. 1, 65; d)
beliebt ist die vb. eine thräne im auge (in den augen) z.: W. Hauff
s. w. 1, 213;
selten auch von anderen gemütsäuszerungen: und oft, wenn sie ihn in der nAehe erblicket, ward ein aufsteigender seufzer in ihr zerdrcket Kortum
Jobsiade 3, 47; fragte mit zerdrückter stimme Ganghofer
mann im Salz 714
a; e)
lex.: contundere -u- Diefenbach
n. gl. 112
a;
conquassare, dirumpere, frangere Stieler 344; -u- Kramer
teutsch-it. 1, 249
b; Frisch 1, 209
a; Adelung
2 4, 1687; Campe 5, 841
b; Schmeller-Fr. 2, 1069; H. Fischer 6, 1128;
lux. wb. 501
b; 2)
übertr. zumeist zur bezeichnung eines seelischen druckes: das (
unser trauriges herz) ist hart zerbrest und zerdrücket Ayrer
dram. 3, 1972; aus dem mden, zerdrckten herzen Lavater
phys. fragm. 1, 113;
dafür auch geist
bei Klinger: einen gebeugten, von menschen zerdrückten geist ... mit sich herumschleppen
w. 1, 29;
bildl.: wenn ich mich auf diesem elenden gefühl ertappte, ich würde mein undankbares herz mit grimmiger faust z. 8, 274;
im sinne von bedrücken, niederdrücken,
aber mit der bedeutung einer stärkeren last: ich trage die last; ich halte sie fest — und wenn sie mich zerdrückt G. Hauptmann
eins. mensch. 129;
freier: ich ... sagte ..., dasz ich zerdrückt sei und die tage her keinem menschen ... in die augen sehen könne A. Stifter
s. w. 2, 160; verlassen, aber einsam nicht, erschüttert, aber nicht zerdrückt A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 1, 418
Sch. —
dazu zerdrückung,
f., das zerdrücken: ohne zerdruckung der wurtzen v. Hohberg
georg. 1, 414; Jean Paul 1, 352
H.; z. der volksgeister Hegel
w. 12, 248. —