weibsbild,
n. neben weiblich, weibisch bild (
s. weiblich I C 2, weibisch I)
steht schon mhd. wîbes bilde
mhd. wb. 1, 120. 3, 717; Lexer 1, 273. 3, 923. 11)
die entspr. form, in zwei worten und mit dem zweisilbigen gen. als erstem bestandtheil noch bei Ortolf v. Bayrland
arzn. (1477) 9
a und Arigo
dec. 36
Keller. die dreisilbige form kennt ostmd. mundart bis heute: weiwesbild Jecht
mansf. 123,
entspr. weibesbild
bei Md. seit dem 16.
jahrh.: Luther 20, 344
Weim.; Mathesius
Syr. 176
a; Sachs 2, 243. 7, 424
Keller; Ayrer
dram. 1, 432
Keller; Nigrinus
v. zäuberern 185,
kaum je bei Obd.: Moscherosch
sprachverd. 35
Riegel, um so öfter bei den schles. dichtern des 17.
jahrh.: Opitz
t. poem. 74
neudr.; Tscherning
d. ged. früling 342; Hoffmannswaldau
getr. schäfer 31. 208; Butschky
Pathm. 296; Lohenstein
Arm. 1, 1291. 2, 1468,
von da bei Nd. in prosa und versen: Dach 436
Österley; Schottel
friedens sieg 26
neudr.; Rist
friedej. Teutschl. 3; Rachel
sat. 112
neudr.; Bucholtz
Herk. 14; A. U. v. Braunschweig
Oct. 4 ii 479; Weichmann 1 (1721) 145,
noch länger bei den theoretikern: Harsdörffer
poet. trichter 3 (1653) 231; Zesen
verm. Helikon 1, 265; Bellin
rechtschr. 35; Treuer
Dädalus 1, 328; Steinbach 1, 105; Hempel
sprachl. (1754) 178,
lit. zuletzt bei Löwen 3, 182; Bahrdt
gesch. s. lebens 1, 68; Laukhard
leben 1 (1791) 372.
die siegreiche form weibsbild (
vgl. das nebeneinander von mannes-
und mannsbild[nis]
th. 6, 1578)
zuerst bei Stainhöwel
cl. mul. 322; Schernberg
fr. Jutta v. 994. weyberbild (männerbild
unbelegt) Luther 12, 98; Butschky
Pathm. 143. weibpild Luther 15, 478;
Zimm. chr. 1, 327. wîbebild
schweiz. id. aus Graubünden, sonst setzen die mundarten weibsbild
voraus: Schweiz Hunziker
aarg. 295; Seiler
basl. 314;
Elsass Martin-Lienhart 2, 38;
Rappenau Meisinger 225;
Handschuhsheim Lenz 76;
Grabfeld Spiess 278;
Wien Loritza 142;
Leipzig Albrecht 89. 234;
Berlin G. Hauptmann
ratten 144;
Schlesien Rose Bernd 43;
Eifel Cl. Viebig
weiberd. 23;
Preussen Frischbier 2, 461.
mit lautgesetzl. ausfall des stammausl. b
vor s
der endung waisbil(d)
im Taubergrund Heilig § 206
ff.; nach mündl. angabe in Würzburg; aus Dirlewang Bayerns mundarten 1, 50;
vgl. Schmeller 2, 831. —
der verhältnismäszig seltene plural wird jetzt allg. auf -er
gebildet, auch in den mundarten: Holtei 40
jahre 1, 325;
volksschausp. in Bayern 263
Hartmann; Anzengruber 3, 236;
schweiz. id. 4, 1198.
diese form gilt seit Sachs, Kirchhof, Fischart,
ein letzter acc. plur. weibesbild
im reim aus Corners
gesangb. (1631)
bei Bäumker
kath. kirchenl. 2, 88,
die ersten plur. auf -er
Augsb. confession art. 27; Agricola
sprichw. (1534) L 8
a; Ryff
anatomi F 6
b,
schwanken bei Luther 30 iii 208
gegen 18, 152; 30 iii 303; Schaidenreiszer
Od. 112. 181
gegen 7, 49
Weidling. vorher nom. weibsbild
hist. volksl. 3, 578
Liliencron; weybsbilde Arnoldi (1533)
theol. stud. u. krit. 1912, 138,
gen. weibsbild Schwarzenberg
trostspr. v. 978
neudr., dat. wîbes bilden
gesamtabent. 2, 443; weibs bilden Dasypodius 198
a,
acc. weybszpild Schwarzenberg
b. v. zutrinken 24
neudr. 22)
blüthezeit des wortes ist das 16.
jahrh., im 17.
und 18.
sinkt es langsam in niedrigere schichten der lit., im 19.
wird es je länger je mehr auf die mundarten zurückgedrängt, in denen es allgemein gilt. 33)
das natürliche geschlecht setzt sich bei weibsbild,
wie bei weib und seinen demin. oder bei fräulein
insofern durch, als es im folgenden satz gern mit fem. pron. aufgenommen wird, zumal im 16.
jahrh. am stärksten ist daran der nom. des pers. pron. betheiligt: Fuxstainer einem weibspild darumb dasz si furs kamergericht gedingt het, ausztragen liesz leilach, polster und pett
hist. volksl. 2
nr. 163
v. 602
Liliencron; doch auch gen. und dat. nehmen theil: ein weibsbild schrey gantz jämmerlich, dasz man doch jr erbarmet sich Scheit
fröl. heimf. O 1
a; indem es ja doch immer ein weibsbild war, und ich ihr nicht ernstlich wehe thun mochte Fouqué
alts. bilders. 3, 18,
ebenso demonstr.: thet aber eyn solche miszthat eyn weibszbild, die soll man erdrencken
Carolina art. 130; dann das auch ein weibsbild drauff was, dieselb auff einem lewen sasz Wickram 4, 255
Bolte, seltener possess. und num.: wenn ein weibsbilde dem herrn ein gelübde thut ... so gilt alle ir gelübde
4. Mos. 30, 4; ob die andere weibsbilder auch also seyen, oder ob nur die unserige zwo also geartet Moscherosch
ges. 2, 310,
häufig relat.: man sagt auch von eim weibsbild, welche dem ... exempel ... nachgefolgt hat Hedio
chron. Germ. L 1
a; dasz ... mir das meinig durch ein weibsbild entfrembdet worden, als die mich unsichtbarlicher weise bestohlen Grimmelshausen
vogeln. 524
Keller; Narcissus liebet ein weibsbild, die er selbst nicht vor schöne hält C. v. Wolff
ged. v. d. menschen thun 264.
das refl. kann selbst im gleichen satz fem. sein: das sey die aller peste ht, die ain weibspild ir selber
tht Sachs
fabeln 197, 136
neudr.; ebenso gelegentlich das possess.: so ein weybsbild ir reinigung zuo vil hette Gesner
thierbuch 52
a Herold. daneben ist die correcte aufnahme durch neutrum fast die ausnahme: manches weibsbild sollte nur wissen, woraus es trinkt Hippel
lebensl. 3 i 36,
und nur beim relat. häufiger: es war ein schönes weibesbild das sich allda liesz finden Uhlands
volksl. nr. 105; die geduld ist in der that ein schönes weibesbild, welches nur diejenigen glücklich machet, die ihrer liebe guthwillig genieszen Warnecke
poet. vers. 252.
bedeutung. 11)
der grundbed. von bild
entspr. ist weibsbild
zunächst '
weibliches gebilde, frauengestalt, erscheinung einer frau'.
einfaches bild
ist im gleichen sinne möglich: als nun der jäger näher kam, erblickte er das mädchen und sprach ... ich will einmal ausruhen ... eigentlich aber war die ursache, dasz er ein auge auf das schöne bild geworfen hatte Grimm
märchen nr. 122;
in Leipzig auch alleinstehendes bild
verächtlich für '
mädchen, frau'
; bes. das grosze bild, das dumme bild Albrecht 89,
s. th. 2, 10.
andere zus.-setzungen halten die bed. lebendig: fräuleinsbild Fouqué
zauberr. 2, 35, völkerbild G. Keller 6, 287.
das wort wird demgemäsz angewendet, wo die anatomische bildung
der frau im vordergrund des bewusztseins steht: diese contrafactur und erklärung der geburtsglieder eines jeden weibsbilds, wie solche innerlich gestalt und gelegen seyen Ruoff
hebammenb. 28; darümb haben sie (
die männer) auch mehr gehirn ... denn die weibsbilder Prätorius
Blocksb. 132; man solle ihr die kleider herunterreiszen, so werde man sehen, dasz es ein weibsbild sei Keller 2, 237.
kunst und mythologie, soweit sie den blick auf die äuszere erscheinung lenken, bevorzugen das wort: ein weibsbild mit pfeil und bogen (
bedeutet) Venerem Paracelsus 2, 304 B
Huser; caryatides weibsbilder under die balcken Calepinus XI
ling. 206
a; eine abgöttin der Ascoloniter in Syrien war obenausz ein weibsbild, undenausz ein fisch 48
b;
entspr. Gottsched
beytr. zur crit. hist. 1, 94; die stunden, von den alten horen geheiszen und als junge weibsbilder umhertanzend Holtei 3, 106.
auch bei überirdischen erscheinungen, träumen und verzauberungen ist es beliebt: Günther
ged. 205; Stranitzky
Fuchsm. 225
neudr.; Grimm
d. sagen 1, 78.
in menschlichen verhältnissen bleibt nam. bei betonung der schönheit der blick auf die erscheinung der frau gelenkt: waʒ mag eʒ mainen daʒ ir an dirre wilde ditz schœne wîbes bilde wellet henken sô verholn? Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Östr. 4704
Regel; Helenam als derozeit das schönste weibspild Schaidenreiszer
Od. 41
Weidling; ine gedaucht, er doch sein lebtag kein schöner weibszbildt gesehen habe Montanus
schw. 16
Bolte; das er alle seine tag subtiller, zertlicher und lieblicher weibs pilt nie gesehen Wilwolt v. Schaumburg 88
Keller; er hat jederzeit schöne rothe junge weibsbilder zur haushaltung bey sich gehabt
pol. maulaffe 96; hingegen waren weibsbilder, die hatten ihre eigne schönheit vor ihren gott auffgeworffen
Simpl. 68
neudr.; ein weibesbild von unvergleichlicher schönheit Zend. a Zendoris
t. wintern. 27.
aber auch in diesem bereich ist die bed. '
frauengestalt'
früh vergessen: (
Minerva) nam an sich die gestalt aines schönen weibszbilds Schaidenreiszer
Od. 156
Weidling; es war ein sehr herrlich gestalt eins weibsbilds
Faustb. (1587) 94
neudr. 22)
von der erscheinung der frau untrennbar ist ihre persönlichkeit. indem weibsbild
in diese bed. übergeht, tritt es in einen kreis naher bed.-verwandter: welche sprache ist reicher, das weib nach lebensaltern und lebensverhältnissen zu bezeichnen? ... zur allgemeinen bezeichnung: frauenzimmer, weibsbild, weib, schöne Jahn
volksth. 260. 2@aa)
in diesem kreis hält weibsbild
zunächst ohne lob und tadel die neutrale mitte: gegen dem morgen suosse ein wahter lute sank ... da verborgen wibes bilde zuo zim drank H. v. Vrouwenberg
gr. Heid. liederhs. 172, 8
Pfaff; ist ein grosz wunder, das ein weibsbild also viel machen soll Dürer
tageb. 85; weibsbilder, so uff keiner universitet erzogen
statuten d. univ. Heidelberg 89
Thorbecke; wir besorgen uns, es möchte ein heydnisches weibesbild (
durch heirath) in die familie kommen Chr. Weise
kom. 65; Amazoninnen waren gewisse streitbare weibesbilder in Scythien Amaranthes
frauenz.-lex. 58; es findet sich ein redliches gemüthe, diesz weibsbild hier verlanget dich zum mann Gellert 1, 200
Klee; ein weibsbild wars und wenn gleich nicht meine tochter, doch auch ein unglücklich weibsbild Lenz 1, 53
Tieck; da sah ich ein junges weibsbild mit einer alten ... vorübergehn Immermann 7, 182.
sonderentwicklungen sind früh möglich, ethisch zu '
weiblicher charakter': dieweil nit alle weibsbilder solchs handels halben so gutig, wie unsere gnädige frau die landgräfin sich freundlich und geduldig erzeigt Luther
bei Kolde
analecta 362; welchen stolz bezeigt ein weibsbild hier! Gottsched
d. schaubühne 2, 183,
volkswirthschaftlich zu '
weibliche (
arbeits)
kraft': all weibszpilder vor zeiten zuo veld zogen Schmeltzl
David 15
b; die weibsbilder zoge er zum seiden- und wollenwerck Kirchhof
wendunm. 2, 53.
neutralen sinn kann weibsbild
neben s. gegenbildung mannsbild
bewahren: das seyne (
Adams) eynige person zu gleych eyn mans und weybs bilde were Luther 18, 147
Weim.; ich nehme an, dasz meine leser klare begriffe haben, was wir durch die wörter mannsbild und weibsbild andeuten Schwabe
belust. 4, 423; d mannsbilder gand im summer z alp und d weibsbilder werhend ds güetli
schweiz. id. 4, 1198,
so nam. in gesetzesbest.: 3. Mos. 27, 4; Münster
kosmogr. 419. weibsbild
wird gesetzt, wo man im ausdruck wechseln will: ein schuft, der orthographisch mein mädchen küszt, betrügt sich selbst, das weibsbild und mich auch Grabbe 2, 19
Blumenthal. es wird weib
vorgezogen, wo dieses '
ehefrau'
bedeuten würde, während die umfassendere bed. verlangt wird: was ist einem manne nothwendiger als ein weibsbild? Chr. Weise
pol. redner 296.
nachdem weib
zur bez. der verheiratheten geworden ist (
s. weib III B l),
ist weibsbild
gut am platze, wo keine entscheidung zwischen frau und jungfrau getroffen werden soll. in umfassender aussage bedeutet der sing. 'frau oder mädchen': lieb unde lust die hânt gesworn beide ze stricke, swar si wîbes bilde hetzet H. v. Meissen
minneleich 21, 4; starck gewachszen weibsbild
virago Dasypodius 454
b; drey ding ... tragen, was man ihnen auflade: eins weibsbildts kopff, eines esels ruck, eines münchs gewissen Zinkgref
apophth. 225; (
wir) sahen ein weibesbild also verdecket für uns hergehen Olearius
pers. rosenth. 8, 56
anm. der unbestimmte ausdruck ist nöthig, wo von künftigem erleben gesprochen wird: ich würde nach wenig tagen ein weibsbild ansichtig werden Guarinonius
grewel d. verw. 54. '
nicht mädchen, nicht frau'
bed. weibsbild
in der anwendung auf die jungfräuliche mutter gottes und auf nonnen, die für erhaben über den irdischen unterschied gelten: es sol das newe testament sein, da ein weibsbilde ein newe seltzam mutter ist Luther
randbem. zu Jer. 31, 22; ein habit von etlich religiosen oder geweyheten weibsbildern
theatr. amoris 155.
der plur. dieser unbest. anwendungsform bed. '
frauen und jungfrauen': weil inn etlichen conventen brauch ist, das, so ungeordnirte ... weibsbilder hinein gehn, man denselben die spur nachfegt Fischart
Garg. 436
neudr.; es scheinet auch dasz solches mit den gefangenen weibsbildern beschehen Harsdörffer
t. secr. 1 Aa 7
a; diese kindsblattern richteten mich dergestalt zu, dasz ich hinfüro vor den weibsbildern gute ruhe hatte
Simpl. 310
neudr.; es wissens die weibs-bilder gar wol, dasz desz Adams stammen-haus die laimbgruben Abr. a S. Clara
mercks Wien 49.
auch dirnen und witwen kann der ausdruck einbegreifen: sind die weibsbilder und die liebe das hauptsächlichste, was auf den schaubühnen gebessert werden musz
n. büchersaal 1 (1745) 270; wittwen und anderer unverheyrateter weibsbilder
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 344.
der unbestimmte ausdruck ist gut am platz im negativen satz: der ander kain weibspild auf erden wil bitten, sonder betten werden
fastnachtsp. 286
Keller; angesehen dasz weibsbilder nicht in solcher meinung ... gestrafft werden sollen
Amadis 1, 35
Keller; es stand ihm aber im wege, dasz in Armenien noch kein weibsbild den reichsapffel in händen gehabt hätte Lohenstein
Arm. 1, 229
a; Apollo könne kein weibsbild leiden Lessing 1, 243,
entspr. im verbot: ihr sollt kein weibsbildt auff den gassn anschawen Hollonius
somn. 51
neudr. auch der positive befehl will alle treffen und braucht darum den umfassenden ausdruck: das sölt ir sonderlich erzaigen aim weibsbild Luther 10 iii 240
Weim.; secht, ir weibsbilder, dise lehren auch in ein haushaltung gehören Fischart
ehzuchtb. 164
Hauffen; dasz der eingefangene sich verpflichten müsse, sich mit einer von dreien weibsbildern ehelich zu verbinden Hippel
kreuz- u. querz. 2, 111.
des unbestimmten ausdrucks bedarf die frage: ist euch nit etwan komen zu oder begegnet ein weibsbild? Spreng
Äneis 9
b,
die aussage nam. dann, wenn sie die nähere best. erst später bringt: dieses weibesbild ist die königin ausz Morenland
schausp. d. engl. kom. 20, 33
Creizenach; wann ein alter mann ein junges weibsbild zur wittib machte Grimmelshausen
vogeln. 372
Keller; den intriguen eines weibes-bildes, nemlich der printzessin Hildegardis Hahn
einl. zur t. staatshist. 1, 275.
endlich bleibt in der verkleidung ungewisz, ob man frauen oder mädchen vor sich hat: der stadtschreyber ... nicht anderst meynet, dann es ein weybesbild wäre Lindener
rastb. 30
Bolte; ihr solltet weibsbilder seyn, machten eure bärte mich nicht irre Bürger 289
Bohtz. 2@bb)
bis ins 17.
jahrh. ist weibsbild
ein durchaus edler ausdruck: es ist eyn weybsbild naturlich tzur liebe und gunst geneygt, mehr denn eyn mannsbild Luther 10 i 1, 297
Weim.; das (
das haushalten) zirt ein weibsbild adeleich Sachs
fab. 368, 94
neudr.; manche feine heldin und hurtigs weibsbild Pape
bettelteufel L 2
b; die weibsbilder sind seltzam und vorsichtig in ihren anschlägen
Simpl. 301
neudr. Penelope, kön. Esther, Maria heiszen so: ob man gleich wol dein muoter derohalben als ain vernünfftigs, gescheids, witzigs weibsbild lobet Schaidenreiszer
Od. 22, 20
Weidling; wie gnedig gott sein volck erret, das schon den todt vor augen het, durch ein weibsbild Sachs 1, 133
Keller; welche ist under den wibsbildern je durchlüchtiger gewesen dann Maria die heilig magdt? Tschudi
chron. helv. 1, 102.
frauen nennen sich ohne anstosz selber so: warum werden die weibsbilder nicht klug? S. v. Laroche
frl. v. Sternheim 1, 360,
noch öfter lassen männliche dichter sie sich so nennen: sît daʒ mir fröide ist worden wilde, so êre an mir wîbes bilde J. v. Warte
gr. Heidelb. liederhs. 119, 31;
marschalk: frau, unser edler herr der pitt ... die ersten urteil hie zu fellen.
Sibilla: ach, tut seinen genaden erzelen, es zim furwar keinem weibspild nicht
fastnachtsp. 181, 7
Keller; Maria Magd.; du wellest mir sünderin gnedig sein, verzeih mir armen weibsbild jung
Freiburger passionssp. v. 1421
Martin; wir armen weibesbilder lassen uns die leichtgläubigkeit offt übel belohnen Weise
erzn. 212
neudr. auch bei neueren kann das wort im günstigen sinn verwendet werden, entweder unter dem einflusz der mundart: es kommt mir nämlich ein feines weibsbild im schleier ... entgegen Hauff 1, 71; kranke augen sind zu stärken ... durch fleisziges anschauen schöner weibsbilder Keller 7, 43; ich halte nämlich sehr viel von der Wolffen. das weibsbild arbeitet wie vier männer Hauptmann
biberp. 53,
oder in alterthümelnder rede: ein jedes weibsbild soll unsträflich seyn eines mannes weib Hippel
ehe (1774) 73; was war denn das für ein sauber weibsbild? Storm 2, 247. 2@cc)
von alters her wird auch ungünstiges über die frauen ausgesagt, s. weib VII A.
dazu wird seit beginn des 16.
jahrh. mit vorliebe auch unser wort benutzt, das damit in das schicksal des wortes weib
und seiner zusammensetzungen einbezogen erscheint. die vorwürfe wechseln: ein wybsbild ist nit alzyt stet Murner
narrenbeschw. 10, 51; wa mansnam oder weibsbild sei, die im ebruch wöllen leben
geschichtl. lieder Württembergs 77, 96
Steiff; wenn die weibsbilder all gemein können wol falsch und freundlich sein Sachs 1, 259
Keller; auch weibszbilder sauffen, es möchten pintzen in ihnen wachsen Albertinus
de conv. 87
b; die ... in kleidungen ihnen nachäffende weibsbilder vielmals der schamhafftigkeit ... ermangeln Harsdörffer
frauenz.-gespr. 1 F 5
b.
am häufigsten ist der vorwurf weiblicher schwäche: junge blöde weibs bild Eberlin 3, 78
neudr.; die alten beginen oder sonst gebrechliche weibsbilder Mathesius 4, 239
Lösche, daher die formel nur ein weibsbild O. Ludwig 2, 21,
deren gedanken schon 1533 Bullinger
seiner Lucretia in den mund legt: was kundt ich thuon, dann truren das, das ich nüt dann ein wybs bild was
schweiz. schausp. 1, 119
Bächtold. als allgemeine geschlechtsbez. steht weibsbild
social niedriger als frau: wann Fortunatus mir wol gefeltt, und sähe lieber er hett ain edlen gemahel, dann ain peürin und wurd mich verdrieszen, söltte ain ungebornes weibsz bild den palast besitzen
Fortunatus (1509) J 2
b; Sara aber heiszet domina, ein frawe, nicht ynn gemeyn ein weibsbilde Luther 24, 322
Weim.; mägde oder weibs - bilder Hohberg
georg. cur. 3, 269
a.
bei den neueren ist weibsbild
der social gesunkene ausdruck: im munde des bedienten Holtei 8, 246,
in lässiger umgangssprache Raabe
Horacker 159,
bei den bauern Martin - Lienhart 2, 38.
die entwicklung zum bösen sinn wird ferner begünstigt durch die häufige sexuelle verwendung, dadurch ermöglicht, dasz weibsbild
stets die erwachsene bez. (
gegen Stosch 3, 177).
es steht oft, wo mutterschaft, geburt, nothzucht, ehe, ehebruch erörtert werden: solt sie ein mutter gottis sein, must sie ein weybssbild sein Luther 7, 573
Weim.; (
Nero) wolt kurtzumb, seine medici solten ihn in ein weibsbild verändern, dasz er möcht kinder gebehren Lehman
flor. pol. 1, 42; wie dan diese teuffelskinder im brauch haben, wan ihnen ein weibsbild dergestalt übergeben wird
Simpl. 171
neudr.; hat Jupiter doch selbst gefehlt, und als ein gott ein weibsbild sich vermählt Neukirch
in Hoffmannswaldaus
u. a. ged. 4, 137; er entzieht sich deinen armen, und bringt die meiste zeit bey andern weibsbildern zu Rabener
werke 1, 202,
mehr vereinzelt von verlockung Sachs 3, 5
Keller, schwangerschaft Faustb. (1587) 85
neudr., menstruation Gäbelkover
arzneib. 2, 8,
prostitution Simpl. 307
neudr., verlust jungfr. ehre Möser 2, 166.
zahlreiche euphemismen wie: er were impotens und köndte mit keinem weibsbilde nichts schaffen Hertzog
schiltwache B 4
bestärken den eindruck, dasz sich weibsbild
in dieser sphäre im bösen sinn gefestigt hat. er wird durch attribute gestützt, die sittlichen tadel enthalten: unzüchtig Abr. a S. Clara
etw. f. alle 1, 111; verdächtig Amaranthes
frauenz.-lex. 285; lasterhaft Scheibe
crit. musicus 337; zweideutig Jung-Stilling 3, 270; elend, nichtswürdig
herz. Amalia
schr. d. Götheges. 7, 158; schlecht Ritter
erdk. 1, 335; Hebbel I 9, 277; böse Fouqué
jahresz. 1, 111; frech Arnim 7, 110; verlaufen Heine 3, 59
Elster; gemein Castelli 10, 316,
und das häufigste von allen, liederlich Nicolai
reise 3, 62; J. G. Forster 1, 223; Raumer
gesch. d. Hohenst. 6, 574; Holtei 10, 24.
attribute, die den verstand des weibsbilds
bezweifeln sind jünger und bleiben seltener: unsinnig Lessing 2, 31; unverständig Beck
verirrung 103; dumm Grillparzer 10, 98; albern Raabe
hungerp. 1, 119; wahnwitzig Hauptmann
G. Schilling 39.
inzwischen ist seit dem 18.
jahrh. der böse sinn soweit gefestigt, dasz er auch ohne verdeutlichung besteht: ein weib, das ihrem manne fluchet, wenn er gesellschaft, spiel und wein, wie heimlich sie liebhaber, suchet, das musz — — ein weibsbild seyn Lessing 1, 117; ein weibsbild für das schätzbarste auf der welt zu halten? ein weibsbild! 2, 5; ein weibsbild ist ein weibsbild H. L. Wagner
Evchen Humbrecht 41;
Falstaff: geht mir, ihr seyd ein weibsbild, geht.
wirthin: wer? ich? das untersteh dich. so hat mich noch niemand in meinem hause geheiszen (
you are a woman) Schlegels
Shakespeare 6, 119; die weibsbilder aus dem zuchthause Görres 2, 58; erkennen sie den unterschied zwischen einem solchen weibsbild und ihrer getreuen dienerin Ayrenhoff 3, 311; schämst du dich nicht, weibsbild? Immermann 16, 149
Hempel; ein weibsbild, das dort sein horizontales handwerk treibt Heine 3, 19
Elster; es ist halt ein weibsbild Auerbach 14, 202; was will das weibsbild da von mir, herr wirt? Hofmannsthal
rosenkav. 111.
von theoretikern bemerkt den verächtlichen klang zuerst Stosch 3 (1773) 177
f., durch Adelung 5, 124
wird die beobachtung gemeingut. 33)
collectiver sinn bleibt selten: das weibsbild in diesem landt ist wunsam und frölich Franck
weltb. 216
b;
non tantum in sexus honorem nit allein dem weybs bild zuo eeren Frisius (1556) 879
a,
besteht aber in Zürich fort: schweiz. id. 4, 1198.