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weiblich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weiblich adj.

Bd. 28, Sp. 429
weiblich, adj. keine der ältesten aber ungemein häufige bildung auf -lich: ags. wíflíc Bosworth-Toller 1204a, mengl. wîflî Stratmann 682b, ahd. uuîblîh Graff 1, 653, mhd. wîplîch mhd. wb. 3, 721; Lexer 3, 924, nnl. wijflijk Kramer (1759) 1, 2070. daneben eine dreisilbige form uuîbilîh ahd. gl. 4, 26, 35, in der i der mittelsilbe aus o des gen. plur. hergestellt scheint unter angleichung an den vocal des suffixes Gröger comp.-fuge 186. 474; frühnhd. wippelich, weybelich Diefenbach gloss. 370b. II. die bed. entfaltet sich am reichsten im attr. gebrauch. I@AA. grundbed. ist 'der frau gemäsz'. I@A@11) sie bleibt erhalten vor substantiven, die I@A@1@aa) ein thun bezeichnen: si lief balde sô hin dan âne wîblîchen ganc passional 48, 9 Köpke; mulier sol yhres weiblichen ampts warten Luther 29, 98 Weim.; solches sey eine recht mannliche, das danzen aber eine weibliche übung S. v. Birken lorbeerh. 138; einen weiblichen frevel der schönen witwe Göthe I 24, 337 Weim.; empfangen ist das weibliche genieszen, verzehren das männliche Novalis 2, 273 Minor. dabei wird ein erstes mal deutlich, dasz weiblich zwar in alter sprache adj. zu weib ist, zu dem es seiner bildung nach gehört, dasz es aber weiterhin das nicht entsprechend ausgebildete und früh ausgestorbene adj. zu frau (th. 4 i 90) mit vertritt. jetzt suppliert weiblich auch das nicht vorhandene adj. zu dame: die damen hatten viele kleine weibliche angelegenheiten unter sich auszumachen S. v. Laroche frl. v. Sternheim 1, 194. die wichtigste formel, die ein thun bezeichnet, ist weibliche arbeit, die mhd. wîplich werc (K. v. Würzburg troj. 15856; Steinhöwel Bocc. 52, 5) seit mitte des 18. jahrh. verdrängt: geschäftig eilt ihr die hand bey ihrer weiblichen arbeit Giseke 120 Gärtner. stets ist es handarbeit, die so bezeichnet wird, das wird im 19. jahrh. gern verdeutlicht: ich hab es (das röcklein) so schön gemacht, dasz mein talent für weibliche handarbeit ... nicht mehr in zweifel gezogen werden kann B. v. Arnim briefe 1, 213. in der häufigen formel mit weiblicher arbeit beschäftigt (Kotzebue 18, 247; H. v. Kleist 3, 240; Storm 1 (1899) 46) wird arbeit aus dem thun zum werk: sieh einmal! weibliche arbeit. ein strumpf Bauernfeld 2, 206, gern so im plur.: man wollte weibliche arbeiten für verwundete krieger verkaufen Gutzkow ritter v. geist2 2, 395. — eine art thun ist schlieszlich auch die monatliche blutung der frau, die mit ihren wechselnden hüllnamen auch hierher reicht: schwanger oder mit iren weiblichen rechten beladen Nürnb. pol.-ordn. 120 Baader; die weiblichen ding Sare die hetten aufgehort zuo werden 1. d. bibel 1. Mos. 18, 11; jre mägde, so sie jre weibliche zeit haben Sebiz feldbau 98; Hohberg georg. cur. 3, 248a. I@A@1@bb) vor subst., die einen besitz bezeichnen. I@A@1@b@aα) besitz körperlicher art ist zuerst und zumeist kleid und putz: man hiet si vor ain magt erkant, war nicht gewesen ir weyplich gewant H. v. Neustadt Apoll. 13246; wo nur irgend ein weibliches gewand im winde flatterte, da trug ihn sein zitternder fusz hin H. v. Kleist 3, 299; Clodius durch weybliche klaider verstelt Schwarzenberg t. Cicero 9; kleidung Gottsched neuestes a. d. anm. gel. 3, 450; kleidertracht a. d. biblioth. anh. zu 53/68, 675; tracht A. U. v. Braunschweig Octavia 4, 523; mantel Arnim 19, 361; schmuck Rabener schr. 4, 382; putz Nicolai Nothanker 1, 182. hier überall liegt die bed. 'wie es sich für frauen eignet' nahe, erreicht ist sie bei: Rosa ritt ... ein schönes frommes pferd auf einem weiblichen englischen sattel Eichendorff 2, 40. an den körperlichen besitz schlieszt sich an: dienet der frauen bärmuoter- und anderen weiblichen kranckheiten Heuszlin vogelb. 82b; weil mein liebes weib nicht lange mehr zur zeit ihrer weiblichen bürden zu entbinden hatte Schweinichen denkw. 281. I@A@1@b@bβ) schon früh bez. weiblich einen besitz geistiger natur: sî hete wîplichen sin, und was abr anders ritterlich Parz. 24, 8; die Teutschen aber geben im keinen weiblichen titel Sebiz feldbau 47; geheimnisse Knigge umgang 2, 56; gedanken Börne 6, 20; instinkt Ebner-Eschenbach 1, 134; horizont 2, 197; von einem mehr weiblichen, taktartigen, als männlichen, denkenden verstande Grillparzer 9, 6. gerade im geistigen lassen sich hier mit hilfe von weiblich feinheiten sagen, die sonst sprachlich nicht zu fassen wären: die eigenschaft ist das weibliche prinzip, das subjekt; der reiz ist das männliche prinzip, das objekt Novalis 2, 204 Minor; Rousseaus philosophemen sind überhaupt weibliche philosophie oder theorie der weiblichkeit — aussichten aus dem weiblichen gesichtspunkte 2, 271; die vernunft ist weiblicher natur: sie kann nur geben, nachdem sie empfangen hat Schopenhauer2 1, 91 Grisebach; das grosze räthsel des künstlerischen genies, die geheimniszvolle verbindung von weiblicher empfänglichkeit und schöpferischer manneskraft Treitschke d. gesch. 1, 336. I@A@1@cc) eine eigenschaft oder einen affect: dieweil aber gott ... nur einen menschen schuff mit männlicher und weiblicher eigenschafft J. Böhme 4, 25; daher ist in der anthropologie die weibliche eigenthümlichkeit mehr, als die männlichen geschlechts ein studium für den philosophen Kant 10, 340; weipplich zerte Murner mühle v. Schwind. A 5; treue Ayrer dram. 3, 2012; scham Klinger n. theater 2, 94; sorgsamkeit Schubart leben 1, 253; urkraft Creuzer symb. 1, 311; ihr herze schlug sogleich vor weiblichem verlangen Uz 309 neudr.; in der einen weiblichen scheu vor den consequenzen der eignen anschauungen Bismarck ged. u. er. 1, 145. I@A@22) indem die grundbed. mit leichter verschiebung übergeht zu 'der frau geziemend' wird weiblich zum lob: da muoste sie bescheinen die guoten wîplîche site graf Rudolf [25] 13 Grimm; tuo es durch all dein weiplich zucht Hätzlerin 50b; ich wolt dir yetz gern sagen mere, wen ich nit schont wyplicher ere Murner narrenb. 4, 122; das weiplich er grün, plüe und wachs pey allen frawen, wünscht Hans Sachs Sachs 22, 364 Keller-Götze. meist ist dieses weiblich vor lobendem subst. ethisches lob: bit si daʒs ir wîplîch güete gegen mir kêre Walther v. d. Vogelweide 109, 27; so fiel denn niemals ein strahl weiblicher güte in die dunkle jugend des herzogs Treitschke d. gesch. 3, 559; anmuth wird also der ausdruck der weiblichen tugend seyn, der sehr oft der männlichen fehlen dürfte Schiller 10, 105; es wird ihr bey den glücklichsten anlagen also nicht an weiblichen tugenden fehlen Caroline 1, 96 Waitz; wîplîcher kiusche ein bluome Parz. 252, 16; seind das nicht arge buobenstück, damit jhr weiblich scham erösen? Fischart flöhaz 1843; weibliche vollkommenkeit Opitz t. poem. 15, 30 neudr.; zärtlichkeit Klopstock oden 1, 33; bescheidenheit Lessing 3, 268; Keller 4, 38; patriotismus Archenholz Engl. u. It. I 1, 24; heroismus Ranke 25, IX; hoheit Kerner bilderb. 120. doch auch der klugheit der frau wird lob gespendet: sie gebrauchet sich ... weiblicher anschleg Xylander Polybius 71; ihre weibliche geschicklichkeit ... bezahlt wurde Leipz. aventurier 1, 181; Emma hatte unterdessen mit weiblicher schlauheit alles vorbereitet Musäus volksm. 1, 16 Hempel; sich auf den weiblichen scharfsinn zu verlassen Keller 5, 110, ebenso auch äuszeren vorzügen: mal uns eine Venus, und in ihr das ideal der weiblichen schönheit Meiszner skizzen 1, 24; wahre königinn ist nur des weibes weibliche schönheit Schiller 11, 186; durch die zarteste weibliche anmuth verschönt Jahn Mozart 1, 376. I@A@33) weiblich wird zum tadel: 'schlechter frauenart entsprechend', I@A@3@aa) indem von männern ausgesagt wird, was nur weiblicher art entspräche: denn er hatte eine weibliche vorliebe für möbel Jean Paul 3, 93. I@A@3@bb) indem es vor die bezeichnung von lastern tritt: als sie (Eva) usz wyplicher lychtfertikait im (dem teufel) geloubt me wenn ir oder uns nüczlich were Stainhöwel Bocc. 23, 20 Drescher; ir nyd und wyplich underbunst mocht es nit erlyden Eberlin 1, 26 neudr.; Tomyris, die doch ausz zuokunfft der feind kein weiblich forcht empfieng Boner Justinus 4a; ausz weiblicher gebrechligkeit und fürwitz Mathesius Sarepta 134a; weibliche schwachheiten Moscherosch ges. 1, 100; schwäche Moltke 1, 153; vorwitz Ziegler Banise 19; eigensinn Laroche frl. v. Sternheim 1, 316; ohnmacht Schubart ästh. d. tonk. 169; eitelkeit Schiller 3, 399; feigheit 2, 176. I@A@3@cc) einmal gefestigt bleibt dann der tadelnde sinn auch vor neutralem ausdruck: diu swester sach ir bruoder an, sî sprach: gehabe dich als ein man, lâ dîn wîplich weinen stân Hartmann v. Aue Greg. 467; ist auch, daʒ ein man beraubet wirt seiner gezeuglein, so reiset im der part und verleust seinen mänleichen muot und gewinnet ainen weibleichen sin Megenberg 12, 26 Pfeiffer; nicht mit weiplichem gemüte, sunder mit menlichen herczen Arigo dec. 644 Keller; weibliche that Ayrer dram. 2, 738; art Spreng Ilias 30b; herz engl. com. (1624) Ll 1b; verstand Bodmer krit. ged. 9 neudr.; gedanken Wieland I 2, 161; entschuldigung H. L. Wagner theaterst. 115. aber der tadel spielt im leben des wortes keine erhebliche rolle, weil diese seite der bed. von weibisch (s. d.) gedeckt wird. bezeichnend ist, wie selten weiblich neben tadelndem attr. steht: neben ruhmsüchtig Stumpf Schwytzerchron. 280b; affectirt Alamodo Pickelh., kleideraffe 191; schwach Riemer pol. stockf., vorrede. I@BB. genetivische bed. kann sich da entwickeln, wo neben einer der von der grundbed. aus gebildeten formeln ein compositum gleichen sinnes steht, etwa weiberschwäche, weibersinn (s. o.) neben: ir hohes gemüt die weiblichen schwachheyt überwand Arigo dec. 251 Keller; vom weiblichen sinne gepflegt Klinger 3, 154. I@B@11) die gen. bed. bezeichnet, was von einer frau ausgeht: wîplîcher gruoʒ, wîplîche güete herzen biutet fröudensolt U. v. Türlin Willeh. 24, 24 Singer; on weyblich lieb und troste zuleben A. v. Eyb d. schr. 1, 5; des sultans kriegs-volck aber nahm dieses weibliche anschaffel ... übel auff Lohenstein Ibrahim H 6b; süszer, weiblicher gesang Herder 5, 326; merkwürdiges beispiel einer weiblichen rache Schiller 3, 535; weibliches sehnen Athenäum 1, 113; echt weibliche sorge für sein hauswesen Jahn Mozart 2, 65; auch weiblichen einflüssen gegenüber war die unabhängigkeit des sohns nicht auf derselben höhe wie die des vaters Bismarck ged. u. er. 2, 274; weibliche realinjurien Günther recht u. spr. 40. wider zeigt sich, dasz weiblich adj. zugleich zu frau und dame ist: wer kann sich wundern über die weiblichen emanzipationsversuche der zeit? O. Ludwig 5, 58; eine hohe anerkennung weiblicher macht: frauen scheinen alles über die männer zu vermögen Scherer lit.-gesch. 26; während der unterhaltung sah ich in einer anstoszenden sonnigen gallerie einen weiblichen schatten an der wand Bismarck ged. u. er. 1, 219. I@B@22) gen. subj. liegt gleichfalls voraus, wo die genitivische bed. bezeichnet, was eine frau innehat. I@B@2@aa) bei körperl. besitz handelt es sich I@B@2@a@aα) meist um den eigenen leib der frau: da er Heva verfluchte, nam er yhr nicht den weyblichen leyb noch weybische gelidmas Luther 11, 398 Weim.; ein aufrichtiges herz in einem weiblichen körper! Lessing 2, 7; im weiblichen gliederbaue Herder 3, 118; vielfarbige faden unter weiblicher hand Klopstock Messias (1780) 525; auf der heimreise hab ich abermals keinen weiblichen finger berührt Bräker 1, 242; der schönste weibliche arm Göthe 25, 86 Weim.; niemals hatte ihn ein weibliches auge erblickt Wieland Agathon 1, 8; das siebzigjährige schwingen der weiblichen zungen Jean Paul Siebenk. 2, 47; torheit, du regierst die welt, und dein sitz ist ein schöner weiblicher mund H. v. Kleist 3, 224; nur herzensruhe gieszt den zauber über ein weibliches gesicht Kotzebue 2, 61; die zartesten weiblichen züge Steffens was ich erlebte 1, 31; von der Venus, dieser wundersamen offenbarung weiblicher formen Justi Winckelmann 2 i 144. auch in wiss. sprache: der hauptpunct der ganzen weiblichen existenz ist die gebärmutter Göthe II 8, 22 Weim.; auch würde die geräumigkeit einer männlichen ... und einer weiblichen gehirnkapsel ... auf hohe geistige begabung hindeuten Peschel völkerk. 40. bes. häufig weibliche stimme, das nach Knigges vorschlag Campe verd. (1813) 101b für sopran einführen wollte, das aber viel öfter als von der singstimme (Schubart leben 1, 89; Herder 16, 238) von der sprechstimme gebraucht wird: da hört er plötzlich hinter sich eine weibliche stimme, die zitternd und schluchzend ihn anspricht Grillparzer 8, 9; hörte er unversehens von einer weiblichen stimme den namen Cornelia rufen Keller 2, 106. so steht der formel weibliches geschrei Lessing 6, 340, weiblicher schrei Jean Paul 27/29, 341 am nächsten. weibliche gestalt wird von haus aus abstract gebraucht: es werde durchs wort lamia bedeut der teuffel in einer weiblichen gestalt Nigrinus v. zäuberern 159, und ist gleichbed. mit danebenstehendem in weiblicher bildung Schubart ged. 3, 14. nachmals wird es concret: jede weibliche gestalt, die er mit wackrer kunstfertigkeit zu schaffen wuszte, hatte die züge der holden Felicitas E. T. A. Hoffmann 6, 162 Grisebach, gleichbed. mit weibliche figur Solger nachgel. schr. 1, 31; Brunn kl. schr. 1, 16, das in abstr. gebrauch veraltet ist: die musen alle neun sind wissenschaften nur, die uns sind abgemahlt in weiblicher figur Rachel sat. 112 neudr. die geschlechtsorgane der frau werden in directem und verhüllendem ausdruck von jeher mit unserm adj. bez.: weiblich glid muliebria Dasypodius (1537) 454b; reib die hebamm jre händ damit, auff das sie die weibliche natur ... darmit reibe Sebiz feldbau 86; semen foemininum oder weiblichen sahmen Paracelsus 6, 683 Huser; die weiblichen saamengefäsze med. maulaffe 424; weibliche scham Hederich 1948; als die natur dem weiblichen schoosze ihr theuerstes unterpfand, nämlich die species, in der leibesfrucht anvertraute Kant 10, 342; die entwickelung der weiblichen theile zugleich mit dem eierstock Göthe II 7, 315 Weim.; die männlichen und weiblichen geschlechtstheile werden aufs heiligste gehalten Hegel 10 i 434. I@B@2@a@bβ) gegenüber diesem reichen gebrauch spielen die fälle kaum eine rolle, in denen gen. weiblich vor äuszeren besitzthümern steht: weibliches einbringen illata uxorum Hayme jur. lex. 1319; am weiblichen nachttisch Sturz 1, 60; das taftband ... als eine weibliche binde und spitzenmaske Jean Paul Titan 1, 11. I@B@2@bb) körperlich ausgedrückt wird noch manches, was schon geistig und seelisch gemeint ist. deutlich wird der übergang beim weiblichen herzen: truog sy in wyplichem hertzen ain manlichs gemüte N. v. Wyle transl. 23 Keller; das zwar dem geschlechte nach weibliche, doch der that noch männliche ritterhertz der keuschen Judith Neumark fortg. lustw. 2, 27; neue unentschlossenheit, über welche sich niemand wundern wird, der das weibliche herz kennt Wieland Agathon 2, 340. wechselnde ausdrücke des 18. jahrh. stehen auf gleicher linie: was sollen gelehrte manns-personen schreiben, wenn weibliche federn solche untadeliche blätter ans licht stellen könten? Gottsched vern. tadl. 1, 38; das versteht ein weiblich aug am besten Lessing 3, 121; ein paar weibliche thränen schwemmen das ganze prächtige gebäude der herrschaft vom grunde weg Rabener schr. 4, 103; weibliche hände die waschen scharf 125; sich vor der zusammenschlagenden falle einer weiblichen umarmung ... hüten Göthe I 21, 197 Weim.; ein weibliches gehirn kann nicht so riesenhafte dinge zeugen Schlegels Shakespeare 4, 276; ein weiblich ohr damit zu schrecken, wär ein zweyter mord Schiller 13, 57; weh dem manne den weibliches erröthen muthig macht 5, 109. I@B@2@cc) geistigen besitz bez. gen. weiblich seit dem 17. jahrh.: da denn die wirthin nach weiblicher gewohnheit über die magd ... herwar polit. maulaffe 72; wenn die civilisirung noch nicht bis zur weiblichen freiheit in der galanterie ... gestiegen ist Kant 10, 341; ihren weiblichen und priesterlichen stolz Wieland Agathon 1, 304; von allem sittlich-schönen im weiblichen charakter pflückte Petrarka die blüthe Herder 17, 271; die weibliche list wurde von allen bewundert Arnim 2, 283; auf der wage der weiblichen überlegung H. v. Kleist 3, 118; von echtem weiblichen sinn beseelt E. T. A. Hoffmann 14, 155 Grisebach; alle gedanken und worte wachsen in einem weiblichen gemüt J. Grimm kl. schr. 6, 420; weibliche gerechtigkeit jus successionis viduae nobilis Hayme jur. lex. 1319; C. L. Beck grenzstein der weiblichen rechte in und auszer der ehe (Basel 1786). die gen. bed. kann sich hier schon leise verschieben: das weibliche lob Wieland I 3, 128 ist 'lob wie es frauen zu spenden haben'. I@B@33) im übergang zur explicativen bed. steht die häufige formel weibliches geschlecht. sowol mit 'geschlecht der frauen', als mit 'geschlecht, das die frauen sind' kann umschrieben werden: das weiblich geschlecht ist zuo allen dingen gelirnig G. Mayr sprüchw. B 8b, nur in älterer zeit liegt unverkennbar gen. gebrauch vor: denn menschliches, insonders weibliches geschlecht gar schwach Amadis 1, 19 Keller; nur explicativ, als 'glieder des königsstamms, soweit sie frauen sind', ist zu fassen: gewohnheit wehrt dem weiblichen geschlecht des königsstamms, auf Norwegs thron zu schalten Müllner dram. 3, 16. so gelangt die formel geradezu zur bed. 'die frauen, wir frauen, die damen': im andern (theil dieses buchs) sind fürnemlich die kranckheiten, denen das weiblich geschlecht underworffen ... verzeichnet Gäbelkover arzneib. A 6b; wir vom weiblichen geschlecht Jung Stilling 6, 473; die sorgfältig anempfohlne gefällige manieren gegen das weibliche geschlecht Moser beherz. (1763) 391. movierte subst. werden mit ihrer hilfe ersetzt oder umgangen: wir oder unsere kind, mannlichs oder wiblichs geschlechts Tschudi chron. helv. 1, 140; ein geist weibliches geschlechts Prätorius anthr. plut. 1, 19; die egyptischen kriegsleute hätten insgemein einen kefer als ein bild der tapferkeit, weil es keinen kefer weiblichen geschlechts gebe ... in ihren ringen geführet Lohenstein Arm. 1, 102a; die lehrer männlichen und weiblichen geschlechts Göthe III 3, 16 Weim.; wallfahrer meistens weiblichen geschlechts IV 35, 81; fünftausend heilige weiblichen geschlechts Fontane I 5, 26. zool., botan., gramm., symbolischer gebrauch sind jüngere entwicklung: gleich wie nicht allein unter den menschen, sondern auch unter andern thieren weibliches geschlechtes ihre milchbrunnen in der geburt zuflieszen Treuer d. Dädalus 1, 34; die weisen wüsten zwar viel vom männ- und weiblichen geschlechte ... der pflanzen zu sagen Lohenstein Arm. 2, 330b; wörter, die sich auf ik ... und on endigen, sind weibliches geschlechts Gottsched d. sprachk. (1748) 171; die wercke, sagt man, sind männliches, die wort weibliches geschlechts Harsdörffer t. secr. 1 Bb 3a. I@CC) die eben schon entwickelte explicative bed. ist anfangs mit prägnantem sinn verbunden: 'die so recht ein weib ist'. I@C@11) so stets in der ältesten hierher gehörigen formel weibliches weib, die durch das ganze 13. jahrh. vorhanden ist und im 19. erneuert wird: vil wîplîch wîp, nu wende mîne sende klage H. v. Morungen minnes. frühl. 124, 8; sist ein frowe von geburt: sô ist ir süeʒer lîp von ir tugenden ein vil wîplîch wîp U. v. Lichtenstein 445, 21; sie erscheint als eine sehr achtungswürdige frau, als ein weibliches weib Börne 7, 92. eigene entwicklung bietet: kind und wyplich frawen sollen minder niemen dann die mann und menlich frowen rathsprot. wol des 16. jahrh. bei Schmid schwäb. 373: vom prägn. sinn 'frauen die (nur) frauen sind' ist der weitere 'frauen die auf sich selbst stehen, ledig sind' entwickelt. I@C@22) die composita weibsname (s. u. weibsen), weibsperson, weibsbild sind begleitet und z. th. vorbereitet durch die entspr. attr. gruppen: dar zuo jr angeboren scham nit leidet daz ir weiplich nam weipliche sitte breche liedersaal 1, XXXII 290f. Laszberg; das übergewicht einer groszartigen weiblichen persönlichkeit Ranke 1, 56; welicherley fräfel und buoszen die wyblichen bilder in gericht Romishorn begangen weiszth. 4, 416 (Thurgau 1469); sy haben weder des iungen knabens oder des weiblichen bilds sich erbarmet Hedio chron. (1530) 36b, daneben weibsbild 61a; ich hort ein frewleyn klagen, fürwar ein weiblich bildt bergreihen 109 neudr.; von da erneuert Arnim 13, 378; dagegen miszgegriffen: ein weiblich bildnisz sieht man reiten aus der ferne Tieck 1, 400. neben diesen fügungen des sinnes 'benanntes wesen, person, gebilde, die eine frau sind' stehen, mit anderer wendung der explicativen bed.: eines tages ... fiel mir ein weiblich bildnisz in die augen Schiller 12, 421; eine gleichfalls goldene weibliche statue H. Meyer gesch. d. bild. künste 1, 19; Raphael ... malt an einem weiblichen gemälde Castelli 12, 103: bildnis, statue, gemälde, die eine frau darstellen. neben dem differenzierten sing. weibliche gestalt (B 2 a α) steht ein stets concreter explic. plur.: hier ergriff er zwei weibliche gestalten, welche ... zu boden gesunken waren Moltke 1, 68, gleichbed. mit weibliche figuren Göthe I 47, 216. 49, 41 Weim.; Mörike 3, 9. weibliches wesen, geschöpf bedeuten concret 'wesen, geschöpf, das eine frau ist', beide sind beliebt und viel häufiger als z. b. männliches wesen, geschöpf, weil es nicht wenig fälle gibt, in denen uns die ausdrücke weib und frau gleichmäszig widerstreben: wir sehen es ja täglich, wie selten ein weibliches wesen es wagt, auch nur den kopf aus dem groszen weltmeere der vorurtheile ... zu richten Athenäum 2, 5; ich bemerkte, dasz ein weibliches geschöpf in dem garten auf und nieder ging Göthe I 23, 75 Weim. älter aber ohne nachfolge: welcher, sowohl bey dem männ- als weiblichen menschgeschöpfe, eine vollkommenheit suchet, der mag jhme Dädalus-fittiche anmachen S. v. Birken lorbeerh. 39. I@C@33) vor collectiven bedeutet explicatives weiblich 'soweit die gemeinschaft aus frauen besteht': kame die gantze weibliche gemeine ... zusammen Agyrtas grillenvertr. 11; die weiblichen gliedmaszen der patriotischen assemblée Liscow (1739) 341; nicht als ob der weibliche theil unserer gattung von der neigung, über den männlichen zu herrschen, frei wäre Kant 10, 303; den umgang mit der weiblichen welt 352; die weibliche jugend hatte nach und nach das zimmer verlassen Göthe I 23, 166 Weim.; an weiblichen umgang ist hier nicht zu denken Forster 8, 7; da ich morgen reise, und die 'Kalligone' — weil ich immer gern in weiblicher begleitung fahre, mit mir Jean Paul aus Herders nachlasz 1, 310; das ganze weibliche Genua kam in aufruhr Schiller 3, 11; der weiblichen bewohnerschaft des hauses Raabe Horacker 166. I@C@44) neben männlichen namen und berufsbez. ersetzt es (wie I B 3) die motion: so ist diesz büchlein gleichsam ein weiblicher Rollin zu nennen Gottsched neuest. a. d. anm. gel. 8, 548; einen weiblichen Goliath Droste-Hülshoff briefe 130; als weiblicher Krösus Nestroy 2, 144. die fügung füllt oft glücklich eine lücke im wortschatz: unter ihr breche die erde ein, der weiblichen ungeheuer grösztes zu verschlingen Lessing 2, 343; wir hören nichts von weiblichen häuptlingen ... wie in Africa Ratzel völkerk. 2, 67, bes. bei fremdwörtern: das weibliche offizierchen Göthe I 21, 4 Weim.; angenehmer als ihr weiblicher major domus Holtei erz. 1, 43; der eifer des weiblichen emissärs Herwegh briefe 176; weiblicher esprit fort Fontane I 4, 215. im deutschen text fördert die verschiebung des tons lebhaftigkeit und pointierung des berichts: alles weichet der macht weiblicher krieger Herder 27, 27; der mond soll durch eine weibliche gottheit erschaffen sein Forster 2, 117; ein weiblicher lebensgenosse von ähnlichem treiben Arnim 15, 22; der doppelte preis der weiblichen sclaven ist auffallend Ritter erdk. 1, 468. I@C@55) weibliche linie im genealog. sinn ist die stammfolge, soweit sie auf frauen beruht: diser keyser sol Ludouici 3. schwester sun gewesen sein, von der weiblichen linien Caroli her Franck chron. Germ. 85b; sîe haben erbliche lehne, welche auch auf die weibliche linie übergehen Ritter erdk. 1, 288. dafür weibliche zweige Lohenstein 1 lobschr. Ca; von der weiblichen seite Abbt 5, 34. der ausdruck wird vorausgesetzt in dem ungenauen: eine art von weiblichem majorate Holtei 5, 53. I@DD. losere beziehung des attr. zu seinem substantiv stellt sich in zerstreuten fällen ein: unserm weiblichen stand zuwider Weckherlin 1, 58 bedeutet: meinem stand als dame entgegen; ein weiblicher zufall Amaranthes, frauenz.-lex. 1159: ein zustand, der frauenzimmer (auch dazu steht weiblich im suppletivverh.) befällt; einen weiblichen schöppenstuhl Gottsched vern. tadl. 2, 241: einen gerichtshof aus frauen; versah den weiblichen theil der haushaltung Jung-Stilling 2, 358: die der frau anheimfallende hälfte; conjunction ... nach natürlichem weiblichem verstandt Paracelsus 1, 376a Huser: nach dem sinn einer natürlichen verbindung mit einer frau; weil sich ... diese ansprüche nur auf weibliche verwandtschaft gründeten Raumer gesch. d. Hohenst. 1, 280: auf verwandtschaft durch frauen; aus der weiblichen erziehung entlassen Immermann 2, 90 Hempel: aus der erziehung durch frauen. I@EE. vergleichende bed. stellt sich ein I@E@11) bei menschlichen verhältnissen. sie ist früh als tadel 'weibisch' vorhanden: unmâʒe, nim dich beidiu an, manlîchiu wîp, wîplîche man Walther v. d. Vogelweide 80, 20, jung als lob 'nach guter frauenart': lieblichkeit ... verbreitet dieses milde weibliche mondlicht über die schlafende natur Wieland I 3, 30; mit einem ... sanften, fast weiblichen gemüt Arndt 1, 237. neutral ist der vergl. sinn in der alten wendung weibliche art Riederer spiegel d. rhet. (1493) j 2b; Sachs 2, 4 Keller; Athenäum 1, 154. am werthvollsten zeigen sich die feinheiten dieser bed. in der geistigen welt, nirgends trifft die einzig mögliche umschreibung 'von frauenart' den ganzen stimmungsgehalt: der schule lehrer kennet des thiers um ihn, kennet aller pflanzen seele. der dichter weisz so viel nicht; aber seiner rose weibliche seele, des weines stärkre, den jene kränzt, die kennt er besser Klopstock 1, 113; sie sind das männliche prinzip in unserem verhältnisz, ich das weibliche Pückler briefw. 87; die tonangeber unter uns sind, was Jean Paul weibliche genies nennet Grillparzer 9, 180; seelenkämpfe, die in ... phantastisch entwickelten naturen, weiblichen vor allen, leicht ins ... visionäre überschlugen D. F. Strausz 6, 47; weiblichen gemüthern, wie man das seinige nennen musz, liegt immer ein gewisser egoismus ... nahe Gutzkow 2, 467; wie ihn die idyllischen, ich möchte sagen die weiblichen stellen des gedichts ergriffen Heyse nov. 1, 103. I@E@22) ihr breiteres gebiet hat die vergl. bed. in natur und wissenschaft. hier bez. sie die eigenart, die der des weibes unter menschen vergleichbar ist. I@E@2@aa) zufrühst botanisch: suber ... ist zweierley, mänlich und weiblich, das weiblin hat bluomen und reucht wol Alberus dict. Gg iiija; weil die hopfenbauer sich blosz auf die weibliche pflanze verlegen Göthe IV 37, 256 Weim.; femineus flos, eine weibliche blüthe, die keine stamina enthält, wenigstens keine vollkommenen Voigt handwb. d. bot. 70; entspr. noch Potonié ill. flora 1 (1910) 11. I@E@2@bb) auch der zool. gebrauch ist stets attr.: dasz ... viel Syrier von keinem weiblichen vieh ... essen wolten Lohenstein Arm. 2, 79b; bei jüngern und weiblichen vögeln Naumann nat.-gesch. d. vögel 2, 226. wider ersetzt hier das adj. die fehlende motion: ein männlicher oder ein weiblicher schmetterling Rossmässler mensch im sp. d. nat. 115, oder es hebt den ton ins feierliche: zwei weibliche rinder ziehen sie (die göttin) fort Grimm d. sagen 2, 9. I@E@2@cc) astronomischer gebrauch spielt im gegensatz zum vorhergehenden und folgenden in der lebendigen sprache keine rolle: weibliche planeten heiszen bei denen sterndeutern der mond und die Venus, weil sie vor die feuchtesten gehalten werden. weibliche zeichen werden genennet der stier, der krebs, die jungfrau, der scorpion, der steinbock, die fische vollst. math. lex. (1734) 1319; der ägyptische name des sirius ist sothis, als ein weibliches gestirn Humboldt kosmos 3, 206. — in der edelsteinkunde: weiblicher sappheir, weibchen des s., ein sehr blaszblauer sappheir Liechtenstern sachwb. 10, 290. I@E@2@dd) in grammat. gebrauch weist Vortisch gramm. termini (1910) 32 weiplichs geslecht für genus femininum seit 1445 nach, weibs geslacht tritt um 1400 auf. aus fügungen wie: alle nenn-wörter seyn dreyerley geschlechts, als männlich, weiblich, unbenennlich Overheiden neu verm. schreibk. (1657) 37 gelangt man dazu, auch das einzelne wort als weiblich zu bez.: dasz diese keine blosze genitive sind, erhellet aus den von weiblichen wörtern gebildeten nachts, allerseits Adelung umst. lehrgeb. 2, 53. weit vorher heiszen endungen so: weil aber die mänliche natur unserer sprache das weibliche nieder-deutsche o eigend lich nicht kennet Zesen rosenm. 112. I@E@2@ee) metrisch wird seit Opitz weiblich der zweisilbige reim genannt, für den die deutsche philologie das meistersingerwort klingender reim erneuert hat (th. 5, 1187). vers féminin ist im franz. seit den troubadours geläufig, dort liefern die masc. (typus paysan, berger) die stumpfen, die fem. (typus paysanne, bergère) die klingenden reime. zunächst vom alexandriner: der weibliche versz hat dreizehen, der männliche zwölff sylben Opitz d. poeterey 42 neudr., demnächst vom blancvers: man sollte sagen: zehnsylbige verse mit männlichem schlusz, elfsylbige mit weiblichem Athenäum 3, 329. seltener von anderen versen: deutsche jamben ... in ansehung ... des männlichen oder weiblichen ausgangs der perioden Bürger 178b. die metriker des 17./18. jahrh. folgen Opitz: Harsdörffer frauenz.-gespr. 2, 202; Zesen verm. Helikon 1, 4; Schottel haubtspr. 858; Buchner anl. 119; disc. d. mahlern 2, 55; Eschenburg entwurf 48 § 29; Adelung 5, 124, einzelne wagen auch präd. gebrauch: ein reim ist entweder steigend (männlich) oder fallend (weiblich) Bödiker grunds. 315. auch zu scherzen ladet die benennung ein: was ist ein weiblich reim? den weibern reimt sich wo ein reim, der langer mehr als kurzer glieder voll Logau 2, 8, 94 Eitner. der entsprechende musikalische gebrauch sucht nachträglich eine innere begründung: weibliche endung (cadence féminine) nannte zuerst J. J. de Momigny die einschnitte, überhaupt motivschlüsse auf eine leichte zeit, welche damit auf die vorausgehende schwere bezogen erscheint ... der name ... deutet treffend den ästhetischen charakter der bildung an Riemann musiklex. (1909) 1533 f. IIII. substantivierter gebrauch tritt erst frühnhd. auf: er beschuoff sy mennlichs und weiplichs 1. d. bibel 1. Mos. 1, 27, und bleibt selten, ist aber als der das princip bezeichnende ausdruck neben dem stets concreten weib nie ganz entbehrlich: alle gedult, ja so zu sagen, alles weibliche vergieng ihr auf einmahl A. U. v. Braunschweig Octavia 4 ii 252; die neueren zeiten haben ... im zärtlichen, jugendlichen und weiblichen mehr als einen Praxiteles aufzuweisen Winckelmann 1, 78; das ewig-weibliche zieht uns hinan Göthe Faust v. 12110. häufiger sind die von pron. o. ä. abhängigen genitive der substantivierten form: o heldin in der that! die nie was weibliches uns noch geboren hat König ged. 86; da sie (seine züge) immer etwas weibliches haben Droste-Hülshoff 2, 368; ich hab viel weibliches in meinem charakter Pückler briefw. 1, 286; eine art schule ... wo sie allerlei weibliches erlernen Freytag 11, 148; in seiner gestalt ... liegt wahrhaftig nichts weibliches Brehm thierl. 1, 161. IIIIII. prädicativer gebrauch ist alt, aber selten, weil hier das subst. weib den gröszten theil der fälle deckt. er gilt zufrühst und zumeist neben sein: eʒ ist wîplîch daʒ ir clagt Hartmann v. Aue Iwein 1800; Aristoteles legt darzuo, das (bei den zwittern) die recht brust männlich, die lynck weiblich seye Eppendorf Plinius 7, 6; ihm und allem, was nicht weiblich war, war der garten freilich verboten Haller Usong 20; Junkmann ... ist mir viel zu weiblich, nicht mann genug Droste-Hülshoff briefe 21. das verb kann auch ausgelassen sein: Maani, zwar vollkommen weiblich, zeigt sich von resolutem ... charakter Göthe I 7, 192 Weim. neben wechselnden verben erscheint weiblich als präd. nomin.: er sähe weiblich aus Wieland Lucian 1, 6; Ebel ... wird auch nicht mehr masculinirt, sondern musz weiblich passiren B. v. Arnim frühlingskr. 293; Lothar erschien etwas weiblich gegen ihn Stifter 1, 150; hasz aus liebe, wodurch auch der hasz schön und weiblich wird O. Ludwig 5, 324, öfter als präd. acc.: doch izt kam der augenblick, da sie sich weiblich fyhlte Wieland I 1, 396; die erde hatte ich weiblich gebildet Göthe I 44, 13 Weim.; nicht ohne grund ... sind ... die musen in Hellas weiblich gefaszt worden Mommsen m. gesch. 1, 213; den mond denkt man sich weiblich Ratzel völkerk. 2, 129. IVIV. steigerungsformen fehlen zwar nicht ganz, wie Braun orth. wb. (1793) 257 behauptet, bleiben aber selten, auf lob und tadel, attr. und präd. gebrauch vertheilt: weiblicher weib mensch nie gesach O. v. Wolkenstein XLVII 3, 1 Weber; Mortimer ... kommt mir weit menschlicher oder vielmehr weiblicher vor Tieck 7, 147; keine tugend ist weiblicher, als duldsamkeit H. v. Kleist 5, 185; schrie der junge offizier mit der weiblichsten stimme Brentano 4, 206; es ist musik in ihrem wesen, die weiblichste, die man sich denken kann R. Schumann 1, 193. VV. das adverb ist alt, ohne je eine grosze rolle zu spielen. es steht zuerst vor präd. adj.: si ist schœne, si ist guot ... zühte rîch, wîplîch gemuot U. v. Lichtenstein 546, 9; (die augen sind) zu weiblich schön, als dasz sie je streitbar werden sollten Brentano 1, 7 f. im 18. jahrh. gern in einem zug geschrieben: weiblichgut Schubart 2, 242; weiblichweich Jean Paul 27/29, 266; weiblich-grausam 52/53, 97. dies verfahren überwiegt bei adv. weiblich vor attr. adj.: ihren weiblichschönen gliedern Wieland I 1, 385; weiblichzarte anmuth Schubart 2, 160; weiblichreligiöse süszlichkeit Lavater phys. fragm. 3, 240: weiblichsüsz fröhliche heiterkeit 244; durch verheiratung weiblichbürgerlicher personen mit adligen Alten handb. f. heer u. flotte 1, 135. getrennt geschrieben: der blasse, fast weiblich hübsche kopf Storm 5, 88. selten ist adv. vor dem subst. adj.: etwas weiblich geduldiges, anschmiegsames in meiner natur Schücking bei A. v. Droste-Hülshoff briefe 20. vor part. präs. gern bei Schiller: mit weiblich sorgender geschäftigkeit 12, 310; vor part. prät. mehrfach bei Heine: die madonnen nicken so verzeihend aus ihren nischen, weiblich gesinnt verzeihen sie 3, 244 Elster. die häufigste verwendung bleibt aber zu allen zeiten die im strengen sinn adverbiale: ir slege wîplîchen sigen Hartmann v. Aue Erek 893; weiblichen er auch um sich sach Murner history v. d. 4 ketzern 37a; wie er so weyplich ist geziert Hutten 3, 458 Böcking; lasz uns nicht weiblich vieles reden wo viel zu thun ist Göthe I 11, 6 Weim.; man lasz uns weiblich erst das weibliche bedenken Schiller 13, 266. jung ist das adv. vor einem zweiten adv.: Ottilie ... musz uns aus ihrem tagebuch heraus weiblich-sinnig belehren J. Bayer lit. skizzenb. 195.
35221 Zeichen · 713 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Weiblich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Weiblich , adj. et adv. in der Natur des andern Geschlechtes gegründet, demselben eigen, angemessen; im Gegensatze des m…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    weiblich

    Goethe-Wörterbuch

    weiblich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    weiblichAdj.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    weiblich Adj. : ' von weiblichem Geschlecht ', weiblich [mancherorts, Lambert Penns 176]; en weiblicheʳ Hund [ LU-Alsh ]…

  4. Spezial
    weiblichadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    weiblich , adj женский , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weiblich

7 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von weiblich

weib + -lich

weiblich leitet sich vom Lemma weib ab mit Suffix -lich.

weiblich‑ als Erstglied (4 von 4)

weiblicherseits

DWB

weiblich·er·seits

weiblicherseits . adv. zu weiblich I C 5) im genealog. sinn: Konrad von Franken, der weiblicherseits ... von dem alten königsgeschlechte her…

Weibliches, Ewig

FiloSlov

Weibliches , n , Ewig ~ женственное , ср , вечно

weiblichkeit

DWB

weiblich·keit

weiblichkeit , f. spätmhd. wîplicheit Lexer 3, 924 aus Brack (1487) . lex. spärlich neben älterem weibheit ( s. d. ): Stieler 2471 ; Hederic…

Ableitungen von weiblich (3 von 3)

unweiblich

DWB

unweiblich , adj. adv. , gs. zu weiblich ( s. d. ). mhd. unwîplich, -lîche; mnl. onwivelijc. vgl. schwed. oqvinlig. a) weiblich I B 2 a ents…

urweiblich

DWB

urweiblich , adj. : neith ... als das urweibliche princip W. v. Humboldt ges. schr. 5, 138 . —

verweiblichen

DWB

verweiblichen , v. : der untere theil des gesichtes verweiblichet und schwächt um etwas die an sich nicht allzu männliche stirn Lavater phys…