weib,
n. anord. víf Fritzner 3, 937
b,
norw. adän. färöisch viv,
aschwed. vif Gering
Eddawb. 1139;
ags. mengl. wíf Bosworth-Toller 1217
b, Stratmann 682
b,
engl. wife Kluge-Lutz 227
a;
afries. wîf Richthofen 1147
b,
mostfries. wuff J. Cad. Müller
mem. 37,
ofries. wîf Doornkaat - Koolman 3, 547
f., saterl. wjuf Hettema 255,
wfries. wyv Dijkstra 3, 442
b,
nfries. wif, wiif Siebs
helgol. 303
a;
mnl. nl. wijf Oudemans 7, 947, Kilian (1777) 807
a;
asächs. wîf Wadstein 248
b,
mnd. wîf Schiller-Lübben 5, 754
b, Lübben-Walther 580
b;
ahd. wîb Graff 1, 651
f., mhd. wîp
mhd. wb. 3, 717
ff., Lexer 3, 922
f. herkunft und formen. 11)
seit der eddischen herleitung víf af vefnandi (J. Grimm
myth.3 277)
und seitdem Frauenlob
zur erklärung des wortes einen fragwürdigen könig von Frankreich bemüht hat: wâ durch, von wem wîp wart genant, daʒ weiʒ ich wol, wâ, wenne ... sus wîp von Wippêône kam Heinr. v. Meiszen
sprüche 159, 9. 160, 14
Ettmüller, oder die anfangsbuchstaben von wünn irdisch paradîs 150, 11
beizog, ist die etymologie über unhaltbare vermuthungen zu glaubhaften combinationen vorgeschritten: sicherheit ist bisher nicht gewonnen. während got. qêns, qinô,
anord. kona,
ags. cwene,
ahd. asächs. quena
in einer idg. sippe stehen, weist germ. *wîba- (
dem got. fehlend, weil qêns, qinô
das gebiet decken, wie im deutschen deren stamm neben weib
und frau
aussterben muszte, während sich engl. queen
bei abweichender bedeutung neben wife
und woman
hielt)
keine auszergerm. beziehungen auf. das nöthigt dazu, in weib
einen durch die besonderen germ. vorstellungen bestimmten inhalt zu suchen, zugleich musz die erklärung dem so auffälligen neutralen genus des worts gerecht werden und beachten, dasz weib
von vornherein das geschlecht bezeichnet, mithin alle deutungen, die von '
hausherrin, ehefrau'
ausgehen, hinfällig sind. eine oder mehrere dieser forderungen verfehlen, von den grammatischen schwierigkeiten hier ganz abgesehen, die etymologien von Bezzenberger,
der in Kuhns zs. 41, 282
vorgerm. *wîpó-
aus vei(k)pó
entstanden sein läszt und an ved. viç-pátni,
preusz. wais-pattin '
hausherrin'
anknüpft, Hirt,
der in seiner etymologie der nhd. spr. 169
an *veik'vóm '
was zum haus, stamm gehört',
in Weigands
wb.5 2, 1224
an lit. vaĩkas
m. '
kind',
abulg. čelo-věkŭ '
mensch'
denkt, Falk
und Torp,
die in Ficks
wortschatz der germ. spracheinheit4 412
und in ihrem norw.-dän. etym. wb. 1390
lat. nupta
und anord. vífinn, vífaðr '
umhüllt'
vergleichen. dagegen ist glaubhaft, dasz *wîba-
im ablaut zu ahd. weibôn '
schwanken, schweben, wallen'
stehe, und Schades
auffassung ad. wb.2 1135
b '
das webende schwebende wesen'
wäre möglich, wenn sie das neutrale genus erklärte, ebenso die von Wiedemann
in Bezzenbergers
beitr. 27, 219,
der von dem '
mehr oder minder wiegenden gang des weibes'
ausgeht. Heyne
wb. 3, 1346,
der aus weibôn '
von einem zum andern gehen' weib
als '
die durch verlobung und heirat in eine andre genossenschaft [] übergebene'
deutet, setzt irrig voraus, die älteste bedeutung von weib
sei '
ehefrau'.
das neutrum durch den vergleich mit pferd, schaf, rind
zu erklären (Hirt),
geht nicht an, weil weib
niemals als allgemeinbegriff über alle geschlechter geht wie jene. dagegen bleiben zwei möglichkeiten: man vergleicht anord. goþ, fífl, troll,
die neutra sind bei dämonischer natur ihrer träger, oder aber man denkt an namen der abhängigen arbeitenden classe wie ἀνδράποδον, mancipium, das mensch, das ding
in persönlicher bedeutung. im ersten falle gelangt man mit Kluge
etym. wb.7 485
b zu einer idealistischen auffassung: durch den glauben an ihre weissagegabe hätte die frau für den Germanen einen an dämonische natur grenzenden charakter erhalten und ihr name wäre zu weibôn
im sinne geistiger beweglichkeit, überirdischer begeisterung gebildet. für diese auffassung und ihren specifisch germ. begriffsinhalt hat Kluge
ansprechend des Tacitus
wort über die frau bei den Germanen angeführt: inesse quin etiam sanctum aliquid et providum putant
Germ. 8,
gegen sie spricht, dasz die vorausgesetzte bedeutung von weibôn
alt nicht nachweisbar ist und dasz gerade dem worte weib
seit den anfängen seiner bezeugung jeder anklang an einen dämonistischen hintergrund, ja auch der ton besonderer ehrfurcht abgeht. dagegen gibt zu denken, dasz weib
immer nur das erwachsene, somit voll arbeitsfähige wesen bezeichnet. nun weist das neben weiben
stehende webe(r)n (
ahd. *wëbên
ist gewisz nur zufällig nicht belegt)
auf ein bewegen der hände, ein hantieren, geschäftig sein; so gelangt man mit v. Bahder
auf eine grundbedeutung '
die geschäftige'
und zurück in eine vorzeit, da die männer krieger und jäger waren, indesz alle haus- und feldarbeit den frauen zufiel, wie ags. das wortpaar wǽpenmon
und wífmon
den alten gegensatz spiegelt, den für das festland Tacitus
Germ. 15
bezeugt: fortissimus quisque ac bellicosissimus nihil agens, delegata domus et penatium et agrorum cura feminis. 22)
nd. wîf
steht dem hd. weib
von der ältesten zeit bis in die lebenden mundarten unverändert gegenüber: mulier inclinata crumba uuif
Essener evangeliarglosse des 9.
jahrh. 55, 27
Wadstein; dâ diʒ armi wîf mit demi kindi lag
Annolied 623
Rödiger; du ilede wif ind man wieder an hir eirve
von Christi geburt 35
Kraus; wif mach mit unkuscheit irs lives ire wifliken eren krenken; ire recht ne verlüst se dar mede nicht
Sachsenspiegel 1, 5, 2; (
der edle) muoste weinen als ein wîf (: lîf) bruder Herman
Jolanthe 2599
Meier; hey dede mit yrme lyve, als eyn man mit syme wyve
Karlmeinet 242, 55
Keller (
entspr. 246, 3); apostata een voerloeper van goeden werken of een verloghent man of wijf
gemma voc. (
Deventer 1500)
bei Diefenbach
nov. gloss. 28
b; de slotteln en hangen nicht (al) an éines wyves erse
uni femellae non omnis clavis adhaeret Tunnicius (1514) 42
nr. 379
Hoffmann; mulier ... germ. ein weib oder fraw.
belg. een vrowe oft wyf Calepinus
dict. undecim ling. (1598) 916
b. — wief, wiewer, wiffken Buchrucker
elberf. 175
b; wîf Leihener
cronenb. 134
b; wîf, wîwer Woeste
westf. 327
b; w
eîf, w
e iw
er
e Bauer-Collitz
waldeck. 112
b; wîf, wîwes, wîwere Schambach
gött. 297
a; wîf, wîwr, wîfkn Danneil
altmärk. 247; wief
brem. wb. 5, 250; wiiv Dähnert
plattd. 549
a; wîw Sibeth
meckl.-vorpomm. 108
a; wîf, wîwa E. L. Fischer
saml. 97
b; wiewer Frischbier
preusz. sprichw. 1, 279.
die schreibung ie
statt î
ist hier und weiterhin möglich, soweit der alte diphthong ie
monophthongiert war, zufrühst md. wiep
arzneibuch des meisters Bartholomaeus (13.
jahrh.)
Wiener sitz.-ber. 71, 477.
das auslautende f
greift ins moselfränk. über, von da nösn. weif, weiwər Kisch
vgl. wb. 244
b. 33)
eine zweisilbige form des nom. sing. spielt frühnhd. zumal in versen eine rolle: der man liesze weybe und kinde Arigo
decamerone 5, 25
Keller; entspr. 37, 18
u. ö. ich bin noch jung, gericht zum sprung, mir feylet nur ein weibe Laur. Lemlin
bei Forster
t. liedlein (1539) 56
neudr.; [] recht freut sich dessen das betrübte weibe, doch kundt das wunder nicht verschwiegen bleiben Kehrein
kath. gesangbücher 2
nr. 494
str. 11
aus Corners
gesangb. (
Nürnberg 1631)
nr. 699;
entspr. im vocativ: er sprach zu jr: o weibe, Johannes ist dein son 1
nr. 363
str. 23
aus Corner 382
u. ö.; seligs weibe, in dem (
lies: deim?) leibe hastu getragen gottes sohn 2
nr. 396
str. 48
a. d. Kölner gesangb. (1619) 2, 48.
vereinzelt in Luzerner mundart das weibe,
einwirkung des plur. sonst in hd. ma. vielmehr kürzung, z. b. im südlichen Vogtland wai
mit ausfall der lenis b
nach länge Gerbet
vogtl. § 208, 2. 44)
im plural gilt die alte flexion nom. acc. wîp,
gen. wîbe,
dat. wîben
unangefochten bis ins spätmhd. durch den reim ist nom. acc. weib
vereinzelt bis ins 17.
jahrh. gesichert: sälig seind die weib, die nit schwanger seindt in irem leib
Brixener passion (1551) 129
Wackernell; dir alweg pleibfür alle weib du hertzigs mein Forster
t. liedlein (1539) 16
neudr.; Maria die viel hochgeboren, benedeyt über alle weib Kehrein
kath. gesangbücher 1
nr. 368
str. 13
aus Corner (1631)
nr. 391.
einen nom. voc. acc. weibe,
den Campe 5, 630
b als veraltet bucht, bieten rheinische quellen des 14.
und 15.
jahrh.: och! heren, vrouwen, mannen ende wive, nu merct hoe dese. iiij. leewe claghen
totenklage um herzog Wenzel (1383)
Liliencrons volksl. 1
nr. 29
str. 15; (
in Liestal hält der schultheisz umschau) welche knaben und töchteren zu dem alter sint, dasz sie billichen wibe und mann nemmen sollen, dasz er dan wibe und man gebe jegklichen sinen genossen
weisthümer (1411) 4, 470;
neben nom. plur. wîp
Kolmarer meisterliederhs., krieg von Würzburg v. 118. 122. 190. 248: man mac wol wîbe in hôher wirde vinden
v. 113
Bartsch; entspr. v. 260.
der alte gen. noch in einem westnd. voc. des 15.
jahrh.: labia gleffp der wibe Diefenbach
gloss. 314
a; dannocht will ich sein ir gach ich main der werden weibe, den laf ich täglich hinden nach Uhland
volkslieder 2, 641
aus Val. Holls
hs. dafür mit umgekehrter schreibung in alem. mundart, die auslautendes n
verloren hat, weiben:
bigamus zweger wiben eman
voc. optimus 14
b Wackernagel; (
eine jungfrau) welche solt han erbarmet sich nach gwonter miltigkeit der weiben (
lies: wiben) solt kein solch tyranney han triben Fischart
flöhaz v. 35
neudr. dat. weiben
ist noch durch das ganze 16.
jahrh. in versen und prosa fest: du bist gesegent unter den weiben
erste d. bibel Luk. 1, 28; nun gee hin mit den weiben zeweynen Arigo
decamerone 253, 36
Keller; sie hat lob ob allen weiben wa man schimpflich fräd sol treiben Hätzlerin
liederb. (1471) LXX
Haltaus; und bliben do heim in unserm land by kinden und by wyben (: bliben) Gengenbach (1514) 14
Gödeke; Maria muoter, raine maid, nun hilf mir von den weiben (: pleiben) Uhland
volkslieder nr. 297 (
Tannhäuser)
str. 14; (
die königin werde abgesetzt) und ir wirdigkeyt werd an ein ander weib geleyt, demütig schon ob allen weiben Sachs
werke 1, 114, 20
Keller; sein weyben het er schandt gethon Schwarzenberg 156, 2
a; mit mann und weyben Boner
Herodot (1535) 4
b; nun meyn ich doch, ich dir für allen anderen weiben lieb sein Wickram 1, 46, 20
Bolte; also wird jnen angeboten die tauffe, beide mannen und weiben, knaben und jungen kindern J. Jonas
bei Luther 6, 418
b Jen.; behulff mich mit den faulen weiben (: bleiben) Fischart
flöhaz v. 674
neudr.; [] wann man sang die kirchn littaney, setzt ich allweg mein noth darbey nah vor die bitt von schwangern weibn (: bleibn) Gilhusius
gramm. (1597) 3, 36; sonderlich von schönen frauen und weiben (: treiben) Höck
blumenfeld (1601) 11
neudr.; entspr. 19.
dem dat. weiben
ist mit ersparnis der bildungssilbe gleichzustellen: o lieber herr, wir müssen nauss die narung suchen, wa wirs finden, mit unsern armen weib und kinden Frischlin
frau Wendelgart (1580) 1074
Rothweiler; sie allesambt mit weib und kinden werden noch jhr belohnung finden Spreng
Ilias (1610) 42
b;
entspr. 41
b.
im 19.
jahrh. ist der alte gut reimbare dativ archaisch verwendet: ich versteh' nicht zu sprechen mit prinz und baron, noch gunst zu bitten von schönen weiben (: bleiben) Arndt 6, 263
Rösch u. Meisner; die schönste rose, die da blüht, das ist der rosenfarbne mund von wonniglichen weiben Immermann
Münchh.2 3, 84. 55)
der plural auf -er
tritt im späten mhd. auf: einer hat globt mit seinem weibe als ein fromer ehemann sich zu vertragen, ihr keine gewalt tun ... mit unend lichen weibern nichts zu schaffen haben, sondern seine (
lies: seiner) narung mit seinem weibe warten Klose
scriptores rer. Siles. 3, 72 (
z. j. 1481);
fest erscheint er in Arigos
decamerone; gleichzeitig nd.: wan sus de meenheyt dat quadeste leren unde seen, dat desse (
die geistlichen) sus hebben wyver, so sundygen se myt en des to ryver
Reinke de vos (1498) 3995
Prien. im 16.
jahrh. häufiger: darbey töchter und weyber saszen ein grosze schar Sachs
werke 3, 474, 29
Keller. Fischart
reimt flöhaz 35. 103. 674
gen. dat. weiben
auf treiben
und bleiben,
dagegen 1796. 2032
nom. gen. weiber
auf kleiber
und stubenstäuber,
in überschriften (
s. 3),
im versinnern (
v. 146. 184;
Garg. 52;
praktik 5)
steht weiber(n).
die grammatiker des 17.
jahrh. fordern -er,
das auch in den mundarten durchgedrungen ist. abseits steht helgol. wifən Siebs 303
a.
alem. ist gen. dat. wibere(n): 1074 liesz pabst Gregorius ... ein gebott an alle geistliche ... uszgan, dasz sie sich söltind aller wiberen üsseren Tschudi
chron. helv. (1734) 1, 25;
anilitas ... das graw oder weisz alter der weiberen Calepinus
dict. undecim ling. (1598) 100
b; si (
die manne) sufe si ganz dumm und toll und schlönd de wibere de buggel voll
schweiz. volkslieder 1, 161
Tobler; ältere leute beten noch: de bisch gebenedeït under dene wiwre Follmann
lothr. 541
b. 66)
in obd. und namentlich md. mundarten ist vielfach der sing. ungebräuchlich geworden: Hunziker
aarg. 295; Menges
und Stehle
els. 384
a; Martin-Lienhart 2, 780
b (
für das Münsterthal); Meisinger
Rappenau 225; Lenz
vgl. wb. 76
b (
für Handschuhsheim); Crecelius
oberhess. 900; Hertel
thür. 255; Ehrlicher
syntax der Sonneberger ma. 56; Hertel
Salzungen 50. 77) weib
ist grammatisch neutrum, sein begriff stets feminin. im satzzusammenhang setzt sich wie bei mädchen
und fräulein
das natürliche geschlecht häufig durch, zahlreiche beispiele aus der alten sprache bei J. Grimm
gramm. 4, 268
f., aus dem altfries., das darin am weitesten geht, bei Richthofen 1147
f., aus Otfrid
Kelles ausgabe 3, 678
b.
nhd. musz schon als seltene kühnheit gelten: meinem herren ist sein weib entlauffen ... darumb hat er für, ein andere zunemen Alber
fabeln (1550) 14
neudr.; Penelopeia redet zu mir, die treuste der weiber Göthe (1797) I 34 i 429
Weim. viel häufiger folgt dem neutrum weib
ein pronomen in fem. form. dabei scheint für die schriftsprache nicht zu gelten, was Ehrlicher 54
für die Sonneberger ma. gefunden hat, dasz sich im personal- und demonstrativpronomen der sexus leicht durchsetze, indesz der vollere [] gehalt und die engere verknüpfung des relativs das genus im ganzen bewahre. mindestens liefern auch für die neue sprache noch die relativsätze die masse der fälle für umsprung des geschlechts: das ist schuldt, fürcht ich, der missethat, die das weib wider gott begangen hat, die da ist unser bapst gewest Schernberg
Juttenspiel (1480) 1296
Schröder; sein weib die sich vergasz Schwarzenberg 101, 2; er hat darausz genommen das weib die er buolet Boltz
Terenz (1539) 86
b; sein weib, die ohne mutter niemals hat gebehren künnen Logau 3, 3, 83;
entspr. 1, 4, 4
Eitner; ein weib, welcher eine henne güldene eyer legete Lokman
sinnreiche fabeln 12
bei Olearius
reisebeschr. (1696); der neue doctor nimmt ein weib, die gern baret und schmaus bezahlet Gottsched
ged. (1751) 178; ein junges weib zu sehn, die einer göttin gleicht Wieland
Oberon 9
str. 54
v. 5496;
entspr. Agathon 2, 72; ein altes weib, der er sein elend klagte Gellert
fabeln (1767) 1, 11; ein altes weib, die er mit versagender stimme fragt, giebt ihm auskunft Handel - Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 2, 127.
häufig ist (
wie Annolied 626;
Iwein 2892;
Winsbekin 30, 4. 43, 9; Reimar v. Zweter
nr. 35;
d. Cato 375)
auch nhd. noch, dasz sich der im relativ vollzogene umsprung ins fem. auf folgendes personal- und possessivpronomen fortsetzt: wollust der welt, die glychet sich eym üppigen wib, die offentlich sitzt uff der strasz und schrygt sich usz das yederman kum in ir husz Brant
narrenschiff 50, 2; welch weib ist, die zehen groschen hat, so sie der einen verleuret, die nicht ein liecht anzünde ... das sie jn finde?
Luk. 15, 8; das glück ist wie ein weib, die keinen völlig liebet, in dem sie sich ietzt dem, ietzt jenem untergibet Logau 3, 1, 59
Eitner. umsprung im personalpronomen selbst, einst häufig (Walther 91, 38. 93, 9; Freidank 103, 22. 104, 27;
Winsbekin 1, 2. 4, 10;
Sachsenspiegel 1, 5, 2;
d. Cato 410),
ist selten geworden: do ick vor myneme wyve hadde ghesecht, dat ick mod wanderen over de see, do krech se alderwegen wee, dat se lange beswymet lach
Reinke de vos (1498) 3012
Prien; siehest (
du) unter den gefangenen ein schön weib, und hast lust zu jr, das du sie zum weibe nemest, so füre sie in dein haus
5. Mos. 21, 11.
aufnahme im possessiv (Freidank 104, 11;
Sachsenspiegel 1, 45, 1. 3, 45, 2;
d. Cato 414)
und demonstrativ (
Milst. Genesis 12, 6; Walther 95, 9)
spielt nhd. kaum noch eine rolle: wes sich ein gottsfürchtig ... weib in ihrem ehestande ... verhalten soll Barth
weiberspiegel (1565) A 3
a; die männer sind heftig ... aber ein weib ist geschickt, auf mittel zu denken, und wandelt auch den umweg, geschickt zu ihrem zweck zu gelangen Göthe I 50, 218
Weim. (
Herm. u. Dor. 4, 150); das ist der männer gebrauch, sie fordern so viel von den weibern, bisz es unmöglich ist alles zu thun, und derhalben ist diese am klügsten, die im anfange sich nicht läst zum narren machen Weise
erznarren 14
neudr. bedeutung. II. weib
ist der allgemeinste und darum häufigste name für alle wesen, die nicht dem männlichen geschlecht angehören und doch als geschlechtswesen bezeichnet werden sollen, häufiger als frau, jungfrau, magd, mädchen, dame.
der ausdruck umfaszt diese wesen nach jeder hinsicht: weib,
lat. mulier, fr.
femme, heiszt in den rechten insgemein eine jede person weiblichen geschlechts, sie sey, von was stand oder würden sie wolle; so dasz auch die unverheyratheten oder die jungfern und wittwen mit darunter begriffen werden Noel Chomel
öcon. u. phys. lex. (1757) 8, 2280. I@AA.
die allumfassende geltung des worts wird vielfach dadurch beleuchtet, dasz durch die umgebung im satz stillschweigend [] oder ausdrücklich einschränkungen vorgenommen werden. an sich gilt weib
für die frau jedes alters und standes, für die ledige, verheirathete, verwitwete, lebende und tote, für jungfrauen und mütter. I@A@11)
nach jeder dieser richtungen werden einschränkungen nöthig: weib in ihren besten jahren
mulier integra œtate Hederich
promtuarium (1729) 2617; megede aver unde ungemannede wif verkopen ir egen ane irs vormünden gelof
Sachsenspiegel 1, 45, 2;
innuba wib an man
voc. optimus 14
b Wackernagel; die erste aushülfe die wir annehmen müssen, ist, dasz unter vidua ... im allgemeinen ein unverheirathetes weib, mädchen sowohl als wittwe, also auch eine erbin (
ἐπίκληρος) zu verstehen ist Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 265;
conjunx een ghehylect man of wijf Diefenbach
nov. gloss. 108
b aus e. gemma (
Deventer 1500); wenn das verehelichte weib sichtbarlich galanterie treibt Kant 10, 341; manago uuituvvun uuarun in Heliases tagun in Israhel ... inti zi iro nihheineru gisentit uuas Helias nibi in Sarepta Sidoniae zi uuibe uuituvvun (
ad mulierem viduam)
Tatian 78, 7; alsô wart des lebens beroubt manic wîp swanger Ottokar
östr. reimchr. 84281; und alle zeychen sich begaben, die ein geberend weib sol haben Sachs
werke (1530) 2, 12, 24
Keller; weyber schwanger machen
gravidas reddere uxores Maaler (1561) 490
c; die kleidungen und kleinodien, welche das ertödte weib angehabt Grimmelshausen
vogelnest (1672) 2, 330, 9
Keller; (
die köchin) war nicht die sprödeste ihres geschlechts. daher empfing sie durch mich ... den ehrwürdigsten namen, den das weib erstreben kann Jul. v. Voss
mil. laufbahn (1808) 251. I@A@22)
die besonders wichtige eingrenzung nach der volkszugehörigkeit wird regelmäszig durch attr. adj. vollzogen: welche von einem ligurischen weyb Corsica genannt Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 3
a; der troyanischen weyber rott Spreng
Ilias (1610) 37
b; die indianischen weiber bey verbrennung jhrer todten männer leichnam geschmuckt ... in das feuer springen Harsdörffer
frauenzimmergespr. (1641) 1 B 5
a; ein schwärmender haufen von jungen thracischen weibern war es Wieland
Agathon (1766) 1, 7; die serbischen lustig - leichtfertigen weiber, so wie die zarten zärtlichen chinesischen fräulein wirst du nach gebühr begrüszen Göthe IV 42, 105
Weim. mit eigenem gefühlston deutsches weib,
zuerst bei Walther: swer tiuschen wîben ie gespræche baʒ! 58, 34;
nach ihm erst wider bei den romantikern: (
du, die poesie) bist grosz und gut, ein biedres deutsches weib A. W. Schlegel
Athenäum (1798) 1, 6; nie werde es von deutschen männern verkannt, wie ... deutsche weiber, ihnen gleich, den ältesten ruhm erneuerten J. Paul
herbstblumine (1820) 3, 23; ich bin ein deutsches weib Schenkendorf
ged. (1815) 70. I@BB.
ohne solche eingrenzung umfaszt weib
die eine hälfte der ganzen menschheit, so durch alle sprachperioden: ni lâsut ir, thaʒ thie dâr tetta fon anaginne gomman inti uuîb (
masculum et feminam), tetta sie inti quad: thuruh thaʒ uorlâʒʒit man fater inti muoter inti zuoclebêt sînero quenûn (
uxori)
Tatian 100, 3; dazu got sein gesetz (da er man und weyb schuff) nicht will szo gemeyn nachgelassen haben und mit wunderzeychen stettiglich auff heben, sondern iungfrawschafft soll seltzam seyn für yhm Luther (1522) 10 ii 156
Weim.; heil magad zieri,thiarna sô scôni, allero uuîbogote zeiʒôsto Otfrid 1, 5, 16; giuuîhit bistû in uuîbonioh untar uuoroltmagadon 1, 6, 7; die diernon sâhon sie unte zalton sie ze allero uuîbo sâligiston Williram 105, 2
Seemüller; ich wil iu mêr von wîbes orden sagn
Parzival 172, 30; der wunder unrichtige und spotwichtige rechtshandel der flöh mit den weibern Fischart
flöhaz 1
neudr.; [] befand aber zuletzt, dasz ich von andern geneidet ward, weil ich die spectatores, und sonderlich die weiber gewaltig zog Grimmelshausen
Simpl. 299
neudr. I@CC.
charakteristisch ist kennzeichnung durch bestimmten artikel in generalisierendem gebrauch: thaʒ uuîb, thaʒ hiar sulîh duit, es man nihein ni helfe,mit steinon sia biuuerfe Otfrid 3, 17, 15; den die do glauben das Cristus Jhesus ist gemacht mensch aus dem weyb
erste deutsche bibel, vorrede 1, 3
Kurrelmeyer; ein ieglicher der do sicht daʒ weyp sy zebegevtigen 1, 19
Kurrelmeyer, Matth. 5, 28;
entspr. cod. Tepl. 1, 6
Huttler; sind dem anegeng der geschöpffd macht sy gott man und daʒ weip 1, 158
Kurrelmeyer, Mark. 10, 6; so daz weip (
ἡ γυνή, ein weib Luther) gebirt, sy hat trurigkeit 1, 403
Kurrelmeyer, Joh. 16, 21.
forthin in der gehobenen sprache zumal des aphorismus und der dichtung: guot weisz und berd macht das weib werdt Franck
sprichw. (1591) 256; wie enggebunden ist des weibes glück Göthe I 10, 4
Weim.; wie das weib dem mann gegeben als die schönste hälfte war, ist die nacht das halbe leben, und die schönste hälfte zwar I 2, 119;
entspr. I 2, 12; drauf sangen sie des edlen weibes liebe, wovon auch helden glühn Kretschmann
sämtl. werke (1784) 1, 50; jetzt ist eine schwere zeit, wo auch das weib sich in den panzer steckt Schiller 13, 311 (
jungfrau 5, 2); ich sehe durch ganz Asien das weib erniedrigt 13, 384 (
Turandot 2, 4); zum dulden ist das weib geschaffen Körner 2, 21
Hempel; hier lärmt ein trotzig paar, hier kniet ein greis, dort hebt, weil ihre stimme viel zu leis, das weib den säugling hoch in ihren armen Droste-Hülshoff 2, 252
Cotta; wer freit das weib? ein kämpfer musz es werben, vergessen sind der Siegwart und der Werther Strachwitz
ged. (1850) XIV; sie streiten um grösze, wir streiten für das weib und das kind Klinger
n. theater (1790) 1, 4; Elise, das weib, wie es sein soll Cl. Brentano
ges. schr. 5, 10; die edelste und reinste beeinflussung also des mannes durch das weib war ihm versagt geblieben v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 23; das waren nicht der weiber viele mehr, das war nur ein weib noch — das weib! jählings wandte es sich, alles vergessend, und stürzte in rasendem lauf dem mann entgegen Viebig
weiberdorf (1905) 289.
der bestimmte artikel wirkt generalisierend auch noch, wenn er formell verwischt ist: mit geborgtem leibe fühlt man nicht das süsz am weibe Logau
sinnged. 1, 7
nr. 43
Eitner; merkt euch: am weib ist jeder mann ein schuft Gött
mauserung (1908) 42.
anderseits kann die generelle bedeutung nachdrücklich verdeutlicht werden: sie sei das weib der weiber, die göttliche frau, die immer nur ein mal in der welt sei G. Keller
ges. werke 2, 223.
gleich generell wirkt artikellosigkeit, gelegentlich beim sing.: von rumorischen sitten, auff der gassen und im hausz bey weib und gesind zu brauchen Scheidt
Grobianus 112
neudr.; als gattin wäre sie mir zu wenig weib gewesen Pfeffel
pros. vers. 5, 47.
geläufiger beim plur.: swer ouch wîbe wil ze rehte pflegen, der fliust durch daʒ niht gotes segen Freidank 105, 11; harnesch, böker unde wyve sal men vake bruken Tunnicius (1514) 87
nr. 1053
Hoffmann; narren, weiber und kinder lassen sich nit lieben
sprichwörter (
Egenolf 1548) 1428; der weiber, priester und das alter nit in ehrn hat, den schendt got Franck
sprichw. (1541) 1, 80; wer nicht liebt wein, weiber und gesang, der bleibt ein narr sein lebenlang Zach. Werner
Martin Luther (1807) 4. I@DD.
zum begriff des weibes
ist eine bestimmte geistige und sittliche constitution nothwendig, die doch erst auf hoher stufe bewuszt wahrgenommen und dargestellt wird: [] die hauptfrage, die das buch behandelt, ist: wie kann ein frauenzimmer seinen charakter, seine individualität gegen die umstände, gegen die umgebung retten? hier beantwortet ein mann die frage durch eine männin. ganz anders würde eine geist- und gefühlvolle frau sie durch ein weib beantworten lassen. aber das gegenwärtige buch ist nun einmal da. die mädchen, die frauen werden es lesen Göthe I 40, 375
Weim.; mein innerster unwille wird reg, wenn ein weib so wenig weib ist, das kind vergessen zu können Caroline (1791) 1, 86
Waitz. längst vorher und zu aller zeit viel häufiger wird die körperliche gestalt, der anatomische und physiologische unterschied vom manne, früh auch im gynäkologischen sinne, beachtet: hermaphrodita mensch der beide glid hat der (ge-)berung, mans und weibs. zwi(n)ling des geschlechts beider glider, mans und weibs Diefenbach
gloss. 275
c; die erst nechstvolgend figur zeygt dir augenscheinlich an die innerlichen glider des manns. aber die darnach volgt, eins weibs Ryff
anat. (1541) D 4
b; davon bereyt man ... nützliche bäder den weibern
confectbuch (1548) a 2
b; und als wir zu dem brunnen nahe kamen geschah es dasz wir ein sehr grosz geschrey vernahmen, dasz sich der stimm von einem weibe gleichte v. Reinbaben
ged. (1711) 75; und jene himmlischen gestalten sie fragen nicht nach mann und weib, und keine kleider, keine falten umgeben den verklärten leib Göthe I 2, 115
Weim.; man hat (
in der menschlichen anatomie) immer nur mit abweichung der gestalt zu thun, aber nicht (
wie in der zootomie) mit gegensätzen (weib und mann allenfalls) IV 29, 25; ein feister ... schlangenbalg wickelt sich um den stamm des baumes und wird oben zu einem weibe das sich aus den ästen herniederbeugt H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 296; (
die gipfel) hatten noch schatten ... so dasz ... ihre felder gleich brüsten von weibern zu atmen schienen Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 318.
so ist weib
seit langem bezeichnung des geschlechtswesens und wird als solche leicht in hartem, einseitigem sinne verwendet, da bis in neue zeit der mann sprache und literatur fast allein beherrscht: der wân ist allen tôren bî, sie wænent daʒ ir fröude sî der wîbe fröude: daʒ ist niht; sus ist manc guot wîp unberiht Freidank 104, 6
f.; verkauffen ein wip in das frauwenhusz Diefenbach
gloss. 467
c; ich aber sage euch: wer ein weib ansihet jr zu begeren, der hat schon mit jr die ehe gebrochen in seinem hertzen
Matth. 5, 28; wilch weyb eyn mal mit eynem pfaffen sundigt, der ist nymmer tzuo ratten Luther 10 ii 153
Weim.; oravi horas und keusch und zuchtig von weibern gehalten
et tamen verdampt 34 i 305; die trunckenboltz aber suochen am mann ein weyb, und am weib ein mänlin Ambach
vom zusaufen (1544) C 2
a (
nach Basilius 3, 449
c Migne); ich musz erröthen, wenn sie nur das gewöhnliche weib ist, und wenn sie mehr ist, verzagen Schiller 3, 458 (
kab. 4, 6); O-Purea war also für die freuden der sinnlichkeit noch immer nicht zu alt, ungeachtet in diesem so warmen klima die weiber früher reifen Forster
sämtl. schriften (1843) 2, 78.
besonders ausgebildet ist im munde der männer ein derber, kecker, herausfordernder klang des namens, von dem nachmals (
s. u. II B)
ein minder harmloser gebrauch ausgehen kann: wie wir triegen ein wîp, dâ wetze wir sin unde lîp Thomasin
w. gast 8649
Rückert; näm dich ... ein reichs weib, wer dir auch ein steur Scheidt
Grobianus 150
neudr.; lesch das liecht ausz, so sindt die weiber all gleich Franck
sprichw. (1591) 24
a; nach dreyen tagen hat man gnug eines weibs, eines gasts, und eines regens Henisch (1616) 1370, 42; habe ich bey den weibern einen sichern eintritt? ja ja. in züchten und in ehren, kan niemand wehren Chr. Weise
Jacobs dopp. heirath (1699) 91; wenn es nur keine von den stolzen weibern ist Lessing
[] 2, 301
Lachmann-Muncker; die Franzosen sind ... nichts anders als uhren, auf welchen die weiber die stunden weisen Zimmermann
nationalstolz (1758) 78; ihr weiber versteht in der regel ein wort in der deutschen sprache nicht, es heiszt ehrgeiz H. v. Kleist
krit. gesamtausg. 5, 288 (
an Wilhelmine); wenn du den weibern ihre schönheit attaquierst, so wehren sie sich bis auf den letzten mann (!) Raimund
werke 1, 16
Glossy u. Sauer; ihr weiber bleibt immer die nämlichen Pückler
briefw. 1, 86; war ein königliches weib, die Johannetta Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 1, 4.
forsch soll weib
zumal im munde der unreifen klingen: weib 'mädchen, besonders die geliebte, die poussade' Eilenberger
pennälerspr. 10; 'tanzstundendame' 68. IIII. weib
bezeichnet seinem ursprung gemäsz stets das gereifte wesen weiblichen geschlechts: wer bist du, kleines süszes mädchen? kein süszes mädchen, weib, dem so viel mitleid vom auge niederblickt Schubart
sämtl. ged. 2, 22; ein anderer theilt das weibliche leben in fünf alter: kind ... mägdchen ... jungfrau ... junges weib, alter des heirathens und erziehens; weib, alter der ruhe Jahn
volksthum 266.
von daher entspringen zwei entwicklungen. II@AA.
die ursprünglichste aufgabe, die die natur dem gereiften weibe
stellt, ist die mutterschaft, das erste verhältnis, in das sie es setzt, das zum kinde. II@A@11)
das weib
als gebärende steht aus heiliger naturordnung so fest auch in allem sprachlichen denken, dasz jede annahme einer abweichung sogleich in groteske phantastik führt: di wib gebaren nit al eine wene di man al gemeine. allen talben uber den lib gebaren man unde wib
Tundalus 439
Kraus; (
die landschaft Selenitite) worinnen die weiber, wie Lucianus bezeuget, gantze körb voll eyer legen und schockweise ihres gleichen menschen darausz brüten Grimmelshausen
vogelnest (1672) 4, 502
Keller. II@A@1@aa)
als gebärerin hat das weib
in geistlicher und weltlicher literatur, in dichtung und rechtssprache von jeher seinen wichtigen platz: thaʒ uuîb thanneʒ birit gitruobnessi habêt
Tatian 174, 5; sô uuelîh uuîb sô uuâri,thaʒ thegankind gibâri Otfrid 1, 14, 11; si stalte ir muot und al ir lîp ze klage und rehte als ein wîp, diu eines kindes sol genesen Gottfried v. Straszburg
Tristan 1910; man ne sal over nen wif richten, die leuendich kint draget, hoger danne to hud unde to hare
Sachsenspiegel 3, 122; der man von vrouwen wart geborn: swer schiltet wîp, der ist verlorn Reinmar v. Zweter 257, 8
Röthe; hab darnach an den selben enden im kindbett offt das weib besehen Sachs
werke (1530) 2, 12
Keller; (
so ist) ein kindt, erzeugt von einem edeln weibe, mit halbem adel nur von der natur geziert Zinkgref
auserl. ged. (1624) 55
neudr.; wann ein weib von ihrer leibs-bürde los, mit glücklicher genesung kindes-mutter wird Abr. a S. Clara
merks Wien (1680) 14; eben diese vorurtheile sind auch mehr schuld an der entvölkerung als ... die eitelkeitssorge der weiber ihre schönheit durch schwangerschaft zu verderben Hippel
ehe (1774) 1; ja zum teufel! und kindbetterinnen darzu, und hochschwangere weiber, die befürchteten, unterm lichten galgen zu abortiren Schiller 2, 95 (
räuber 2, 3);
vgl. 14, 68 (
braut 2
v. 1438); bey dem ausgezeichnetsten geschöpf wird es einen unterschied machen, und auf eine andre weise, wie soll es nicht bey einem gewöhnlichern seyn, dem der zweck des weibs vielleicht hauptzweck des menschen wird Caroline (1786) 1, 31
Waitz; ein weib kam mit drei kindern in wochen auf einmal Rückert
werke (1867) 1, 189. II@A@1@bb)
der geborene erinnert sich seiner herkunft vom weibe
oder wird daran erinnert: uuanda du mih ûʒer uuîbes
[] uuombo zúge Notker 2, 67, 24
Piper (
ps. 21, 10).
auch weiterhin vorwiegend in biblisch bestimmtem sprachgebrauch und erst von daher ausgebreitet: eʒ mügen wol edelliute sî
n. si füerent ein hêrlich kindelîn, daʒ nie wîp schœnirʒ getruoc
kindheit Jesu 589
Feifalik; entspr. 621; gesanges friunt, war umbe strâfest dû diu wîp? dîn selbes lîp der kam von wîbes lîbe. dû bist von eim wîbe geborn; als ich nu wider spriche, lâ sehn, wer mich trîbe von dem gelouben, den ich weiʒ, daʒ dich ein wîp gebære Regenboge
bei Frauenlob
spr. 152
Ettmüller; den yeder narr kompt von eim wyb Murner
narrenbeschw. (1512) 4, 102
neudr.; es gieng aber ausz eines ... weybs sun
Zürcher bibel (1531)
3. Mos. 24 B; Johanni dem täuffer, welcher der gröste war unter allen, die von weibern geboren sind Schupp
schriften (1657) 242 (
ἐν γεννητοῖς γυναικῶν μείζων Matth. 11, 11); wenn wir gleich friedensrichter und doctores sind ... so spüren wir doch einiges salz der jugend in uns; ja, herr page, wird sind vom weibe geboren Shakespeare
lust. weiber 2, 3
Tieck (
we are the sons of women); dies weib war meine mutter Gerstenberg
Ugolino (1768) 261, 39
Hamel; und dasz er selbst — den auch ein weib gebar — eh mensch und unterthan, als glied der kirche war Blumauer
ged. (1782) 109.
spät einmal auch zum vorwurf gewendet: o, welch erbärmlich flickwerk ist der menschenleib: jetzt fühl' ich's recht, dasz mich ein weib gebar Grabbe 1, 27
Blumenthal. biblisch ist auch die formel des weibes same,
schon ahd. vorgebildet: mêra untar uuîbo giburti uuîʒago Johanne themo toufare nioman ist
Tatian 64, 7;
ausbiegend einmal für Jesus (
im gegensatz zu den Jesuiten): aber ich hoff, es soll uns glücken, dieweil wir ja nichts han zuschicken mit der person selbs des weibs samen, sonder denen, so führn sein namen Fischart
jesuiterh. (1580)
v. 463
Hauffen; seitdem für '
menschheit': die ihm des weibes saame zum heiligtum erbauet hat Cramer
sämtl. ged. (1782) 2, 125. II@A@22)
mutterliebe ist das natürlichste und stärkste band, als bare unmöglichkeit wird hingestellt: kan ein weib sich wohl verboszen, ... dasz sie ihr kind solt' im zorne gantz verstoszen? Neumark
fortgepfl. musik-poet. lustw. (1657) 1, 78. II@A@2@aa)
darum ist weib und kind
die häufigste formel, in der weib
auftritt. II@A@2@a@aα) weib und kind
in ungestörter formel vom mann aus gebraucht umfaszt seine '
familie',
schon ehe sich dies wort spät im 16.
jahrh. einbürgert, und hält sich in gehobener sprache neben dem nüchternen fremdwort: der man liesze weybe und kinde Arigo
decamerone 5, 25
Keller; du handwerchsman muost mit mir dran! drumb lasz all din werchzüg stan, damit du ernert hast wib und kind
N. Manuel
totentanz (1515)
str. 70
Bächtold; ist das gut ewangelisch, das die armen also tag und nacht uber und uber arbeyten und sich doch des hungers mit weyb und kindt kaum erneren mögen? Sachs (1524) 22, 56
Keller-Götze; gott erhelt öbrickeit und gibt dadurch fride, strafft die frevelen und weret yhnen, das wir mügen weib und kind erneren Luther 26, 208
Weim.; so eylet der merer teyl in Germaniam zuo weib und kind wider heym S. Franck
chron. Germ. (1538) 136
a; nach reichthumb trachten sie (
die sorglosen) nicht sehr, und wie man weib und kind erner Scheidt
Grobianus 2057
neudr.; dem Türken er (
der kaiser) geschrieben hat, er soll mit seiner macht geschwind erwürgen unser weib und kind Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 36; seine Westgothen ... begaben sich ... mit weib und kind näher in Thraziam Micrälius
Pommerland (1640) 1, 66;
[] kein schlechtes ist's, verscheiden und weib und kind allein, wer weisz, zu welchem leiden hie lassen übrig seyn Dach (1655) 773
Österley; als uns're väter nichts, denn kraut und eicheln, aszen, da sie mit weib und kind in schlechten hütten saszen Weichmann
poesie der Niedersachsen 2, 99; sieh die müden schnitter darben, wo sie nicht samt weib und kind ... stolzer sieger beute sind Gottsched
ged. (1751) 46; da nistet ich, zufrieder mann, mit weib und kind mich ein Blumauer
ged. (1782) 89; mit weib und kind mich herzlich satt zu essen, war ich zufrieden und beglückt Göthe I 16, 161
Weim.; der andre sprach: das lied ist aus, auch ich möcht' mit dir sterben, doch hab' ich weib und kind zu haus, die ohne mich verderben Heine 1, 39
Elster; magst du mit weib und kind im schnee verhungern Grabbe 1, 49
Blumenthal; die entschlossensten flüchteten mit weib und kind zu den mächtigen Arevakern Mommsen
röm. gesch. 2, 6; er forderte ... von allen arbeit. vom armen, weil sie brot ist für weib und kind Ebner-Eschenbach
ges. schriften 1, 189. —
die umkehr der formel bleibt selten: daheym schmecket eim biderman wasser und brodt bei seim kind und weib basz, dann dauszen gesottens und gebratens
sprichwörter (
Egenolf 1548) 37
b; hör, lantzknecht! du machst dir allein dein armut, laufst von kind und weiben, und möchst doch wol daheim beleyben Sachs
werke 9, 8, 20
Keller; dachtest du denn gar nicht an kind und weib? Schiller 14, 340 (
Tell 3, 1). —
auch von thierfamilien steht der bei menschen geltenden regel gemäsz weib und kind: gockel sprang auf und weckte weib und kind Cl. Brentano
ges. schriften 5, 25. II@A@2@a@bβ) kind
ist mhd. zugleich die form des plurals. nhd. wird er neben dem in monogamen zuständen festen sing. weib
gelegentlich deutlich gemacht: swelhe burger hin auʒ fert auʒ der stat mit weibe und mit kinden
Nürnberger polizeiordn. 14
Baader; und haben die drey fürsten ... mich ... mit weib und kindern von dem unsern voriagt Cronberg
schriften (1523) 124
neudr.; ich wart sin (
komme trinkend nach) all min läben lang, gott gäb, wies wyb und kinden gang H. R. Manuel
weinspiel (1548) 272
neudr.; in völliger einsamkeit wird niemand sich sein haus schmücken oder ausputzen; er wird es auch nicht gegen die seinigen (weib und kinder), sondern nur gegen fremde thun Kant 10, 262; eine grosze gesellschaft seiltänzer ... waren mit weib und kindern eingezogen Göthe I 21, 141
Weim. beide glieder der formel können in den plural treten nur, wenn eine mehrzahl von ehegatten vorausgesetzt oder von ehelichen verhältnissen ganz abgesehen ist: ouʒ gie Noe mit disem gesindemit wiben und mit chinden
Milst. genesis 29, 2; Saul unschuldig, gantz unverhört ir weyber und seugende kinder ermört Sachs
werke 1, 224, 24
Keller; ire schuldiger ... in alle ire güter namen, ire weiber (
lor donne) und kinder arm und ellende beliben Arigo
decamerone 67
Keller; oder wolt ihr durch die gefahr eines tages das vaterland, eure kinder, eure weiber, euch selber befreyen? Haller
Alfred (1773) 28; die alternden verarmten Seldwyler mit ihren weibern und kindern sind die emsigsten leutchen von der welt G. Keller
werke 4, 9. II@A@2@bb)
die formel tritt gern in weiterführende aufzählungen, die dann des lebens gröszte gaben
vollständig zu umspannen suchen: swann du muost von hinnen varn von êr, von guot, von friunt, von mâc, von wîbe und ouch von kinden
meisterlieder der Kolmarer hs. nr. 101
v. 49
Bartsch; [] er verkert uns all zehant beyb, kint, man, leut und lant
ad. passionsspiele a. Tirol 10
Wackernell (
Sterzing 1496); ach gott, muosz ich so gächling scheiden von land, lüt, wib, kind, gelt und kleiden
N. Manuel
totentanz (1515)
str. 43
Bächtold; gott will von mir, so jammerst du, ein schweres opfer haben; weib, kinder, freunde, freiheit, ruh', des lebens gröszte gaben Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 53; patriarchengeschlechte in groszer einigkeit, herr, weib, kinder und knechte Rückert
werke (1867) 1, 46.
neben solchem in der dichtung stets lebendigem wechsel sind drei typen fest geworden: II@A@2@b@aα)
familie und leben: der wîse minnet niht sô sêre, alsam die gotes hulde unt êre: sîn selbes lîp, wîp unde kint, diu lât er ê er disiu zwei verliese Walther 22, 26; so gab die natur dieses mittel an die hand, das man weib und kind, leib und leben defendiren müste v. Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 170; (
Arminius) der nicht blosz leib und leben, sondern auch weib und kind für seine nation eingesetzt hatte Mommsen
röm. gesch. 5, 56. II@A@2@b@bβ)
familie und besitz: fürt mitt im ausz dem land XVI thausend man mit weyben und mit chinden und mit allem irem gutt Schiltberger
reisebuch 8
Langmantel; er hatt zu myr gesand umb meyne weyber, kinder, silber und gollt, und ich hab yhm des nichts gewehret
1. kön. 20, 7; (
sie zerstören uns) payde leut und auch lant er, guet, weyb und auch kindt
ad. passionsspiele a. Tirol 16
Wackernell; dann wenn einer hat wyb oder kind, deszglychen ochsen, rinder oder fründ ... so woltend sy es ouch haben bald
schweiz. schauspiele 3, 16
Bächtold (
Urner Tellensp.); bedenckt, man hat uns als gnommen, haab und güter, auch weib und kind Ayrer
dramen 2, 770
Keller; weiber und kinder, gut und hab wöllen wir noch mit uns vorab führen in Griechenland besunnen Spreng
Ilias (1610) 44
a; jeder nimmt, wie bei einer auswanderung, weiber, kinder und gepäcke mit Göthe I 7, 197
Weim.; ein wanderndes volk, das mit weib und kind, mit habe und gut auszog eine neue heimat sich zu suchen Mommsen
röm. gesch. 2, 172. II@A@2@b@gγ)
engste familie, verwandte und freunde: bedenckt den ellenden jamer, solten jr sehen eüwer fründ, weyb und kind vor eüwern augen todtschlagen Carbach
Livius (
Mainz 1514) 103
a; dasz es meinem weib und kindern und den meinigen zu nachtheil mögt gereichen Götz von Berlichingen 87
neudr.; sein weib und kind und seine zwo griechischen freunde nicht ausgenommen Hippel
lebensläufe 1, 17; vater und mutter ... weib und kinder, liebe ich weniger als die wahrheit K. L. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, LIII; gut freund, gesellen, weib und kind Sachs
werke 1, 433
Keller; Fabull verschlieszet alle kisten vor freunden, dienern, weib und kind Lessing 1, 19
Lachmann-Muncker. II@A@2@cc)
häufig ist mann
das dritte glied in der reihe weib und kind: die menner dir nicht gnugsam sind, du schendst zugleich auch weib und kind Fischart
s. Dominici leben (1571) 129
v. 222
Kurz; die erbarmungslosen kannibalen ... die da dürstet nach dem blute des mannes, des weibes und des kindes Dahlmann
gesch. der franz. revolution (1845) 69; wenn nun aber ... mann, weib und kind gleicherweise in der fabrik arbeiten, so ist diese natürliche arbeitstheilung vernichtet Riehl
d. arbeit (1861) 105.
handelt es sich dabei um die schilderung von (
volks-)
heeren, so wird weib und kind
zum inbegriff der nicht-wehrhaften: das volgk wardt geschätzt auff vier thausent man an weyber
[] und chindt Schiltberger
reisebuch 19
Langmantel. das wort mann
kann, sobald der gegensatz irgendwie gesichert ist, ganz gewöhnlich fehlen: vil steine kint unde wîp ûf die wer truoc
Willehalm 96, 29; ausz diser landtschaft sein ir ain wolgerustes hör sambt weiben und künden zogen
Zimm. chron. 1, 1, 14; doch seindt sie dreimal hundert tausendt stark, on weib und kind 1, 91, 2; die Deutschen ... nehmen viel weiber und kinder gefangen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 4; überhaupt kann man die zahl nicht so genau wissen, weil weiber und kinder in der hauptzahl mit begriffen sind
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 20; so wäre wohl der jammer, das geschrey der weiber und der kinder, welche wir zurückgelassen hatten, allzuspät uns nacherschollen E. v. Kleist (1759)
bei Lessing 8, 35. II@BB.
als vollreifes, zur mutterschaft befähigtes wesen tritt weib
neben maget, mädchen, jungfrau,
die den begriff der reife zurücktreten lassen, den der mutterschaft ausschlieszen. II@B@11)
die drei gegensätzlichen ausdrücke lösen einander zeitlich ab: II@B@1@aa)
dasz weib
mit maget
einst bedeutungsgleich gewesen sei, wie Regenboge
bei Frauenlob
wähnt: swie wîlent hieʒ ein wîp ein maget, eʒ ist verklaget unt wirt verdaget (
nicht mehr gesagt) Heinrich v. Meiszen
spr. 152, 14
Ettmüller, wird aus den zeugnissen widerlegt: dâ mohte man schouwen manegen minnechlîchen lîf, beidiu magede unde wîb Heinrich v. Veldeke
Eneit 340, 40
Ettmüller; wider ein ander giengenmaget unde wîp (
Kriemhilt und Prünhilt)
Nib. 551; diu ê hieʒ magt, diu was nu wîp
Parzival 45, 24; si was ein maget, niht ein wîp 60, 15; swerʒ iu saget, er hât gelogen, eʒ sî maget, man oder wîp 363, 23;
entspr. 309, 30; 697, 27; alle dage unde alle tiet solen vrede hebben papen, unde wif unde megede, unde geistlike lüde, unde ioden
Sachsenspiegel 2, 66, 1; welt ir in (
Christum) minnen, megede, wîp, sô lât ûʒ herzen allen kîp Frauenlob
spr. 142, 13
Ettmüller; magt, wîp unt vrouwe, dâ lît aller sælden gô
m. magt ist ein bôm der êrsten kiusche blômen ... swenne aber der süeʒen blômen lust durch menlich list gevallen ist, wîp nennet man si denne 150, 1/9; so der man di magt ze weip nicht mag gemachen Schmeller
2 2, 831
aus e. receptbuch. für Maria wird der name maget
beansprucht, wîp
abgelehnt: gebenedît vor allen wîben sî dîn reiner, kiuscher lîp! dû muotermagt unt niht ein wîp Reinmar v. Zweter 22, 9/11
Röthe; welt ir dan wiʒʒen umbe den man, der nie vleisch noch bein gewan? des kint truoc einer megde lîp: die juden jâhen, si wære ein wîp
k. Tirol str. 22
Leitzmann. II@B@1@bb) mädchen
ist das neuere alltagswort für '
virgo': was t— dachte ich, musz das mädchen mit dem weibe haben? S. v. Laroche
gesch. des frl. v. Sternheim (1771) 1, 211; weiber und mädchen, mit der schürze bedeckt O. Ludwig
ges. schriften 2, 14; die weiber bangen sehr, die mägdlein noch viel mehr. was lebt ist keine jungfer mehr Göthe I 5, 42
Weim. II@B@1@cc) jungfrau
steht zwischen beiden, jünger als maget,
edler im klang als mädchen,
deutlicher als jedes der beiden. II@B@1@c@aα)
die aufzählung jungfrau und weib
umfaszt alle erwachsenen des geschlechts: [] zu euch wir kummen seind von ferrn ausz sunder freundschafft und vertrauen der züchting weyber und junckfrauen, zu spilen hie Sachs
werke (1530) 2, 3, 6
Keller; lasz dich nicht hindern, ob dabey (
beim anziehen) junckfrauen oder weiber sey Scheidt
Grobianus (1551) 138
neudr.; constupro junckfrauen oder weyber verfellen und geschenden Calepinus
dict. undecim ling. (1616) 321
b; gleichsam dieses die rechte helden-stükke eines christlichen soldaten wären, nemlich rauben, plündern, morden, brennen, weiber und jungfrauen schänden Rist
friedew. Teutschland (1648) 21; dasz alt und jung, weib und jungfer ... zur thür hinaus lieffe Grimmelshausen
vogelnest (1672) 2, 345
Keller; freudig zählt Heinrich von Kettenbach länder und städte auf ... wo weiber und jungfrauen, knechte und handwerker ... mehr kenntnisz von der bibel haben als die hohen schulen Ranke
sämtl. werke 2, 54. II@B@1@c@bβ)
die jungfrau
wird physiologisch zum weibe: (
der jüngling kühlt s. muth) an der juncfrouwen lîbe. si wart im zeime wîbe unde er wart ir z' einem man Konrad v. Würzburg
troj. krieg 17030
Keller; geht, geht herr breutigam, geht jungfrau braut, geht an: heut jungfrau, morgen weib: heut breutgam, morgen mann Opitz
t. poemata (1624) 70
neudr.; durch Proculus geschahs, dasz zehnmal zehn jungfrauen nach dreimal fünffter nacht man konte weiber schauen Logau
sinnged. (1654) 1, 1
nr. 93
Eitner. II@B@1@c@gγ)
das gleiche verhältnis wird umschrieben, ohne dasz das wort jungfrau
genannt zu werden brauchte: der die helle brachder lac in dîme lîbe, unde wurde iedochdar under niet ze wîbe
Mariensequenz a. Muri, Müllenhoff u. Scherer3 1, 161; waʒ half dêr tœrschen bî mir lac?jo enwart ich nie sîn wîp Dietmar v. Aist
minnes. frühling 41, 6; er greif mir an den wîʒen lîp
non absque timore, er sprach: ich mache dich ein wîp
minnesinger 3, 447
b v. d. Hagen; es ist der mehrer teyl dyrnen in klöstern, die frisch und gesund sind und von gott geschaffen, das sie weyber seyn und kinder tragen sollen Luther (1522) 10 ii 156
Weim.; bald beginnet der tag des hochzeitkranzes, o Hannchen! bald, bald nenn ich dich weib Hölty
ged. 40
Halm; hier und dort verfolge mich beschwerde, wenn, einmal witwe, jemals weib ich werde Shakespeare
übers. v. Schlegel (1798) 3, 252 (
Hamlet 3, 2). II@B@1@c@dδ)
daneben bleibt weib
als allgemeiner begriff doch auch der jungfrau
übergeordnet: alszo ist Christus mutter eyn warhafftig naturlich weyb und hatt disze frucht bracht, doch ausz yhr selb alleyn, nit ausz eynem mann; darumb ist sie eyn iunpferlich weyb (
virgo mulier declarata est Bucer 1525) und nit schlecht eyn iunpfrau Luther (1522) 10 i 1, 357
Weim.; freilich behielt' ich sie selbst viel lieber im hause, weil sie mir mehr beinah', als Klytaimnestra, behaget, mein jungfräuliches weib Bürger (1784) 186
Bohtz (
Ilias 1, 114); die Abiponen besitzen kein eignes wort für das jungfräuliche weib Peschel
völkerkunde (1874) 229;
Thisbe: ach weh! mir armen jungem weib!
Serenus: ich meinte es wäre eine jungfrau?
Squenz: es ist
generaliter, das ist
in lata significatione geredet Gryphius (1657) 1, 739 (
Squenz 3). II@B@22)
in der geschlechtsbezeichnung wird das körperliche so stark betont, dasz man im weib
beginnt das weibchen
zu sehen und dasz sich die erotik des wortes bemächtigen kann. weib
wird gebraucht, wo man an geschlechtsgenusz, zumal auszerehelichen, denkt. Kotzenberg
man, frouwe, juncfrouwe (1907) 109
f. II@B@2@aa)
so wird weib
schlechtweg zu '
dirne'. II@B@2@a@aα)
seit dem 12.
jahrh. bei den bürgerlichen dichtern in satire, volksepos und schwank, indesz die ritterlich-idealistische dichtung das unhöfische wort meidet: dehäin läie muge ginesen, der ein wîp unêlîchen hât Heinrich v. Melk
priesterleben 564
Heinzel; entspr. 720
ff.; [] Kriemhilt: jâ wart Sîfrit dîn man.
Prünhilt: sî seit hie offenlîcheich sî Sîfrides wîp
Nib. 792/4; manc wîp heiʒet lönelîn Freidank 103, 17;
dazu W. Grimm
kl. schriften 4, 33; si sprach: hien ist der wîbe niht Gottfried v. Neifen 45, 33
Haupt; welt ir mich niht verkiesen noch verkepsen für ein wîp, ich vriste iu leben unde lîp Konrad v. Würzburg
troj. krieg 8331
Keller; den strâfte er niht (
Lucretius s. sohn) und lieʒ in tuon mit wîben, mit luoder und mit spil swes in geluste Hugo v. Trimberg
renner 16841
Ehrismann; so wil ich dir alle tag und nacht ein weib zu bett führen
Faustbuch (1587) 27
neudr. II@B@2@a@bβ)
in neuerer zeit heftet sich der unreine klang mit vorliebe an den mephistophelischen plur. weiber (
Faust v. 10175): drey war seindt da mit man handelt zuo Rhom: Christus, geistliche lehen, und weyber Hutten (1521) 4, 267
Böcking; (
die pfaffen) der weiber achten nicht, allein was im winckel geschicht B. Krüger
Clawerts hist. (1587) 17
neudr.; für dein alter hast du dich schon zu viel mit weibern abgegeben Caroline (1790) 1, 65
Waitz: es plagten blutdurstige räuber in Rom die verknechtete welt, sie waren auf wein und auf weiber, auf gold nur und lüste gestellt Arndt
lieder für Teutsche (1813) 76; aber bleich und blasz, ei, die weiber lieben das Fontane
ges. werke I 5, 11; sodann könig Belsazar seinen schmaus, weiber und spielleut', saus und braus Mörike 1, 160
Göschen; wie weit es mit seinem sagenhaften glücke bei weibern ging, habe ich nie erfahren können Stifter
sämtl. werke 3, 194; das ist ein mädel, für das ich tausend weiber wie dich mit vergnügen hergebe Schnitzler
Anatol (1901) 137; wenn's sein musz, ziehn (
euer) gnaden weiber an — wie geriebner siegellack papierschnitzel Gött
mauserung (1908) 99. II@B@2@bb)
der begriff wird durch attribute gestützt. II@B@2@b@aα)
die fragwürdige sittlichkeit verbirgt sich gern unter lobendem oder harmlosem beiwort: mit wol getânen wîben sol niemen spilen wan pfaffen Heinrich v. Melk
priesterleben 104
Heinzel, dazu Kotzenberg 65; ir vindet z Wienen schœne wîp (
lockere dämchen), der minne sô süeʒet, daʒ ir iu sanfte büeʒet, swes ir habt gebresten dort (
in reizloser ehe) Ottokar
östr. reimchr. 1812
Seemüller; (
das geld) löschet aus die gäile und unkeusche begierden, sonderlich weil man schöne weiber um geld kriegen kan
Simpl. 244
neudr.; wozu in's teufels namen soll man denn sein geld verwenden, als auf einen guten tisch ... schöne weiber, vergnügungen von allen farben Göthe I 45, 17
Weim.; amasia hupschwib
voc. optimus 15
a Wackernagel; wand ich mac baʒ vertrîben die zît mit armen wîben (
gefälligen fräulein) Hartm. v. Aue
minnes. frühling 217, 1,
dazu Kotzenberg 71
f.; ich klage, daʒ wîn und armiu wîp mêr fröwent denne frowen lîp Stricker
kl. gedichte 12, 263
Hahn; (
die husiten) welden ouch der freyen weyber ym lande nicht haben noch leiden
M. v. Bolkenhain
husitenkriege (1429)
script. rer. Lus. 1, 366, 4,
danach G. Freytag
werke 18, 344 (
bilder 2 i 8). II@B@2@b@bβ)
ehrlich tadelndes attribut wiegt aber doch vor: wil er (
der priester) danne mit ubeln wîben den engel von im vertrîben ... des mag er sich immer schamen Heinrich v. Melk
priesterleben 524
Heinzel; ein wort, des man nû phlît: wîlent was eʒ bitter, nû ist eʒ worden alsô süeʒe gar ... si sprechent: sun von bœsen wîben Reinmar v. Zweter 113, 9
Röthe; [] von eynem böszen weyb sagt man, sie hat viel menner Luther (1522) 10 ii 121
Weim.; man sol die huote kêren an irriu wîp Hartm. v. Aue
Iwein 2895; irriu wîp, zorn unde spil diu machent tumber liute vil Freidank 48, 9;
dazu W. Grimm
kl. schriften 4, 66
f.; lâ dir unstæt wîp unmære wesen
d. Cato 85
Zarncke; an varendeme wive unde an siner amyen mach die man not dun
Sachsenspiegel 3, 46, 1;
ambubaia ein losz weib, dasz umbher streicht Alberus (1540) C 4
b; ich weiʒ den ritter, daʒ ist wâr, der âne wîp wær zehen jâr ê daʒ sîn stæte gemuoter lîp geminnte immêr gemeine wîp Ulrich v. Lichtenstein
frauenbuch (1257) 650, 10; die gemeynen weib clagen auch iren orden ir weyde sey vil zu mager worden die winkelweyber und die hauszmeyde die fretzen teglich ob ir weide
fastnachtspiele 1111
Keller; Diefenbach
gloss. 267
b. 357
c; dasz ... die gemeinen weiber mit kochen, fegen, weschen, sonderlich der krancken damit zu warten, sich desz nicht wegern Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1 T 1
b; Josua schickte ... kundschaffter, welche ihr einkehr genommen bey einem gemeinen weib, es ist disz schon ein alter soldaten-brauch Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 260;
pellix eyn un echte wif
alph. wb. (
Köln 1417)
bei Diefenbach
nov. gloss. 285
a;
entspr. unrecht weyb ... oneelich wip 19
b; als wol jhr etlich bey der fahn unehlich weiber umb sich han Ringwaldt
laut. warh. (1598) 155; was half sie (
die Griechen vor Troja) ein so langer krieg, in dem der theurerkaufte sieg, durch ganze ströme bluts, ein geiles weib errungen? Gottsched
ged. (1751) 42; nur eine betrügerin — nur ein sittenloses weib — so ists noch ein glück Iffland
theatr. werke (1781) 1, 48; er hinterliesz ein liederliches weib Göthe (1803) I 43, 31
Weim.; mein haus ist keine anstalt für schlechte weiber Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 92. IIIIII.
das verhältnis des weibes
zum mann
ist minder ursprünglich als das zum kinde, die ehe als menschliche ordnung folgt dem natürlichen verhältnis der mutterschaft in entwicklungsgeschichtlich junger zeit nach. sprachgeschichtlich scheinen gleichwohl beide verhältnisse, wie sie gleich wichtig sind, so auch gleich ursprünglich. wider heben sich zwei richtungen ab. III@AA. weib
tritt in suppletivverhältnis zu dem stammfremden mann.
die frauen, obgleich untereinander feindselig und schadenfroh, sumelîchiu wîp sint gemeit, swenn si mugen hœren iht daʒ einem andern wîbe geschiht daʒ geziuht z'unrehten dingen Thomasin
wälscher gast 800
Rückert, sind doch dem manne gegenüber eine nation für sich, einander ähnlich, seelisch und sprachlich verwandt und verständlich, gegen die männer abgeschlossen, undurchdringlich geheimnisvoll, stammfremd auch ihrer natur nach: swie heimlich man den wîben sî, da ist doch grôʒiu fremede bî. kein man diu wîp erkennen sol, si suln die man erkennen wol Freidank 102, 2; alle ende des leibes offenwarten die frawen den mannen als weren es weyber Arigo
decamerone 6, 7
Keller; so sagen auch noch auf den heutigen tag unsere weiber, sie mögten sich zutod lachen
Simpl. 284
neudr. im sprichwort prägt sich die parteibildung gut aus: (
wenn) ein pfaff oder weib das ander treugt, dann spricht mann, lach gott im himel
sprichwörter (
Egenolf 1548) 144
a; die weiber seindt alle geleich gesinnet Henisch (1616) 1564, 7; weiber kommen mit einander am besten überein
mulier mulieri magis congruit Hederich
prompt. (1729) 2617,
danach Steinbach (1734) 2, 958
und Nieremberger (1753)
u. weib.
irgendwie fühlbar ist der sachliche gegensatz zwischen mann
und weib
meist auch, wo sie sprachlich nebeneinandertreten. [] III@A@11) weib und mann
distinguierend, mit dem ton auf dem unterschied des geschlechts: thar quam tho filo manno endi vuivo
Essener glosse zu Gregors 38.
homilie 65, 3
Wadstein; da was spil unde gameneundir wiben unde mannen
Milst. genesis 43, 20
Diemer; alle di vugen an irme libe, an mannen und an wiben, si geglichedin den slangen
md. Tundalus (
um 1180) 504
Kraus; reiniu wîp und guote man, swaʒ der lebe, die müeʒen sælic sîn Walther 91, 9; am gestatten ... der Donau sasz es, stuends, lags voller volks, weib und man Aventin
chron. 1, 1058, 15
Lexer; (
Augsburg) hat an menner und weiber ein schones volck Quadt v. Kinckelbach
t. nation herrlichkeit (1609) 114; (
Thales hat) dem glück eben so hoch gedanckt, dasz er ein Griech und kein barbarus, als dasz er kein weib, sonder ein mann, ja kein unvernünfftig thier, sonder ein mensch geboren worden Grimmelshausen
t. Michel (1673) 54
Khull; insonderheit wurden aus diesem gefühl in so vielen sprachen die artikel! da wurde alles menschlich, zu weib und mann personificirt Herder (1770) 5, 54
Suphan; ihr beugt ein mann, mit liebevollem grauen, ein weib die knie, in demut still entzückt Göthe (1809) I 2, 152
Weim.; da lagern die männer verwildert und kühn, da kauern die weiber und rüsten das mahl Geibel 1, 5
Cotta. III@A@22) weib oder mann
alternativ: nu rech eʒ swer sô welle,eʒ sî wîp oder man
Nib. 1729; eʒ sî wîb oder man, die krenket herzeminne vil dicke an hôhem sinne
Parzival 365, 8; he si man eder wip, her muʒ vorlisen sinen lip
Katharinenspiel 129
v. 22; weibes oder mannes fusz Rückert
ges. ged. 4, 322; alle ... nemet gelike dele dar an, it si man oder wif
Sachsenspiegel 1, 17, 1; so hetten sie nicht mer achtung ... wer in dienet, man oder weybe Arigo
dec. 6, 6
Keller. III@A@33)
am häufigsten weib und mann
summierend, mit dem ton auf dem umfassen der gesamtheit, zunächst in freiem gebrauch: er deta io guat uuerginin thorfon ioh in burgin, gommanne ioh uuîbe Otfrid 4, 31, 16,
meist aber formelhaft. III@A@3@aa)
vorausstellung der frau ist das ältere und in mittelalterlicher dichtung häufigere, kommt aber nach dem 16.
jahrh. ab: du ilede wif ind man wieder an hir eirve
Christi geburt 35
Kraus; vgl. Kraus
s. 72; umb si begunde sorgenwîp unde man
Nib. 68, 2 A B;
entspr. 1319; swaʒ dâ was volkes inne, mœre und mœrinne was beidiu wîp unde man
Parzival 19, 19;
entspr. 36, 18; einem iglichen geleich weib und man (
a maschi e alle femmine parimente) Arigo
decamerone 3, 24
Keller; wirt sein balg für ein kostlich fuoter gehalten, das weyb und man braucht Gesner
thierbuch (1563) 14; den bergamptmann ... musz jedermann von weib und mann ... underthenig seyn Agricola
bergwerkbuch (1621) 70; es musz zu hant ein ende han das sail gleuben wipp und man
Alsfelder passionsp. 151
v. 4782
Grein; so umb ihn waren weib und mann Ringwaldt
evangelia (1581) B 1
a. III@A@3@bb)
die gleich reimbare umkehrung entfaltet sich später, hat aber seit dem 16.
jahrh. das übergewicht zumal in versen: mich lobet man unde wîp Hartm. v. Aue
a. Heinrich 672;
entspr. Iwein 7273. 7735; man und wîp im wâren holt
Parzival 311, 29;
entspr. 359, 13;
[] darnach zoch diu gesellschaft in Argau und fielen in ain stat, haiszet Wantweil, und erschluogen man und wip
städtechron. 4, 44 (
Augsburg z. j. 1376); man unde weyb er würgen hiesz Sachs
werke (1531) 1, 228
Keller; des bossen lacht dann man und weib Scheidt
Grobianus (1551) 3614
neudr.; hie in der welt hat man und weib ein unbehenden tregen leib Ringwaldt
christl. warnung (1588) B 8
b; auch der frommen etlich kommen man und weib zu Daphnis creutz Spee
trutznachtigall (1649) 303; und die schaar, mann und weib — tigerfell schlägt umher — ohne scheu zeigt den leib Göthe (1799) I 2, 26
Weim.; wie aber? wenn eine höhere pflicht es fodert, sich dieses zarten gefühls zu entwöhnen? sobald diese es fodert, wird ihm mann und weib entsagen können Herder (1800) 22, 33
Suphan. III@A@3@cc)
selten im plural: schöner Evagoras, du, du ... fesselst, wer dich erblickt; männer und weiber sind dein 26, 27; alle die übrigen, weiber und männer, waren mit larven ... geziert Klinger
werke (1791) 3, 80; sie hatte selbst noch eine solche (
hochzeit) gesehen, wo sämtliche gäste, männer und weiber, beritten waren G. Keller 1, 72. III@A@44)
negiert bedeutet das wortpaar, so recht die allumfassende geltung beider glieder zeigend, '
niemand': ze hove aʒ weder wîp noch man, ê der hof sîn reht gewan
Parzival 648, 19; paide pey man und weiben fand der deuffel kein guetes nit Sachs
fabeln u. schw. (1544) 3, 165, 44
neudr.; dieweil bei mann und weib nichts gemeiners ist Sebiz
feldbau (1579) 5; das auch solchem (
gebot gottes) bey jungen und alten, reich und armen, weib und man ... nicht folge geleistet wird Pape
bettel- und garteteufel (1586) C 6
b; sonder ansehn manns noch weibes Müllner 2, 52. III@A@55) weib und mann
umfaszt nur die summe der erwachsenen. die einschränkung kann stillschweigend vorgenommen sein: in dem land tragen weyb und man vierecket platten auf dem haupt Schiltberger
reisebuch 57, 19
Langmantel; da stund ... ain solcher hauf von mann und weibern Fischart
glückh. schiff 739
neudr. die kinder können aber auch durch weiterführende aufzählung ausdrücklich ausgeschlossen sein: hierauf lieffen beydes männer, weiber, knaben und mägdlein herzu Grimmelshausen
Springinsfeld (1670) 2, 31, 26
Keller; jung und alt, männer und weiber ... drängten sich zu den leichenspuren Immermann 1, 14
Boxberger. selten nimmt die aufzählung andere richtung: so eyner nimpt eyn wachs, und wie ihm das gefelt, er machen kan eyn thier, eyn weib oder eyn man Wickram 7, 230, 163
Bolte (
Albr. v. Halb. metam.); weib und mann und hoff und häuser, leute, land und stand wird erwürget, wird verheeret Neumark
neuspr. t. palmb. (1668) 22. III@A@66) weib und mann
als geschlechtswesen vereinigt geben die collectivbedeutung '
gatten',
die die einschränkung auf die erwachsenen voraussetzt. ehegatten brauchen es nicht nothwendig zu sein: mit vil weibern zeuget man vil kinde
sprichw. (
Egenolf 1548) 40
b; in zeit der vermischung weibes und mannes Thurneyszer
magna alchymia (1583)
vorrede 1; swâ wîp und man zesamne sint, sie machent lîhte daʒ dritte, ein kint Freidank 106, 10; so oft sich mann und weib einander küsse geben, so reimt sich mund auf mund Stoppe
Parnasz (1735) 341; sie gatten sich, wie mann und weib R.
Z. Becker
Mildh. liederb. (1799) 10.
die regel ist es aber doch und dann ist für weib
die bedeutung '
ehefrau'
erreicht: man unde wif ne hebbet nein getveiet gut to irme live
Sachsenspiegel 1, 31, 1; sie haben
[] alle ding gemeyn, wie weib und man Franck
sprichw. (1545) 1
vorrede 1; zwen oder drey tode leichnam in einer pare man zuo dem grabe trug, offt den man und das weybe mit einem kinde oder zweyen Arigo
dec. 7, 18
Keller; mann und weib mag wol in die länge eine todte gesellschaft sein Musäus
volksm. (1782) 1, 11; als wenn sie schon mann und weib wären Schubart
leben (1793) 2, 77; wi wür wif en man '
wir werden mann und frau' Siebs
helgol. 303
a. III@BB.
die wichtige und besonders beim sing. weib
häufige bedeutung '
ehefrau'
wird vielfach durch attribut verdeutlicht: sô sol mîn liebe tohter wesen dîn êlîche wîb Lamprecht
Alexander 3864
Kinzel; also lag er in dem wasser ... und sin elich wib erwarb, das man inn sölt suochen Richental
chron. d. Konst. konzils 90 (
z. j. 1416); daʒ sy hinfür ... dein liebe hauszfrau und elich weib sey Arigo
dec. 99, 31;
entspr. 99, 7. 140, 27; nun hett gedachter herr von Geroltzeck vier söne, so war auch sein ehlich weib noch in leben
Zimm. chron. 1, 128, 40; er künne kain bischoff werden, weil er ain ehelich weib hab Nas
antipap. eins und hundert (1565) 1, 23
a; Jovis schwester schön von leib, darneben auch sein ehlich weib Spreng
Ilias (1610) 3
a;
entspr. 40
b; ich geb euch meiner gespielen ein zu einem ehelichen weibe A. v. Arnim 13, 97
Grimm; und bist du erst mein ehlich weib, dann bist du zu beneiden Heine 1, 128
Elster. sichtbar im übergang zu unerläutertem weib
steht: er rieth den ehemännern und weibern (
besser: -weibern?), sich mit singen zu unterhalten Archenholtz
Engl. u. It. (1785) 1, 1, 110.
die erläuterung wird, wie eheweib
th. 3, 51,
auch heute noch nicht als tautologisch empfunden, weil andere umfassendere bedeutungen von weib
gleich lebendig sind. III@B@11)
innerhalb der neuen eingrenzung bewährt sich auch weib '
ehefrau'
als allgemeiner ausdruck. er ist hier nicht einmal auf menschliche verhältnisse eingeschränkt. III@B@1@aa)
in älterer sprache gilt weib (
hier auch im plur.)
gern vom weiblichen thier: alsô sint auch der leoparden weip sterker wan die man Megenberg
buch der natur (1349) 162, 30,
auch in gewollter vermenschlichung der thiere: (ik) ghebede yw allen by yuweme lyve, dat gy Reynken unde syneme wyve unde synen kynderen alle ere doet Reinke de vos (1498) 2594;
entspr. 2283. 3359. 72. 94; indesz der hahn helltönend weit ... und stolz vor seinen weibern strozt Voss (1789) 6, 193; der unvernünfftigen thierer unsynnigkeit gegen jhren weybern geringer ist, dann der vollen zapfen Ambach
vom zusauffen (1544) C 2
a (
nach Basilius 3, 449 C
Migne); der unersättliche (
wolf), klagten sie, macht ... unsere weiber zu wittwen, und unsere kinder zu waysen Lessing 8, 56; Gockel hatte ein weib, und das hiesz Hinkel Brentano
ges. schriften 5, 19. Adelung 5 (1786) 121 verwirft die natürliche form weib in diesem verstande
zu gunsten von weibchen, weiblein (
s. diese). III@B@1@bb)
die anthropomorph gedachte gattin dämonischer wesen heiszt nur selten weib: das ist des teufels weib
samml. v. schausp. (1764) 1
caffeehaus 21; die Griechen aber geben unzähligemal den elementargöttern weiber von gleicher bedeutung Humboldt
briefe an Welcker 97; Janus oder Dianus ist ... der sonnengott, Saturnus mit seinem weibe Ops höchst wahrscheinlich erdgott und erdgöttin Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 122. III@B@1@cc)
die weitaus gröszte rolle spielt doch weib
als ehefrau des menschen. III@B@1@c@aα)
als umfassender ausdruck geht weib
durch alle stände, in alter sprache bis in die höchsten: die eines küniges weyb sein sölte Arigo
dec. 110, 9
Keller; wie möhte mannes kebseimmer werden küneges wîp?
Nib. 782;
entspr. 781. 83; sît wart si mit êreneins vil guoten rîters wîp 18;
entspr. 1194. Götz von Berlichingen
nennt seine frau mein weib,
redet sie auch so an, nicht mit dem vornamen: weib erschrickh
[] nicht!
lebensbeschr. 53, 4
Dieffenbacher; noch Spreng
läszt Juppiter zu Juno sagen: o weib, ich sage dir, du hast ein böse eigenschafft
Ilias (1610) 12
a.
erst zu ende des 18.
jahrh., ausdrücklich bei Stosch
versuch in richtiger best. (1770) 1, 182,
erscheint der ausdruck auf die geringen leute zurückgedrängt. Adelung 5 (1786) 122
weist den ausdruck der vertraulichen sprechart Oberdeutschlands zu und lehnt ihn für Obersachsen ab. III@B@1@c@bβ)
allgemein ist der ausdruck auch darin, dasz er körperliche wie geistige beziehungen umfaszt. das geschlechtliche steht freilich von je voran: swer minnet daʒ er minnen sol, dem ist mit eime wîbe wol Freidank 99, 24; du hast, nachdem ein weib dich in der eh' ergezet, mich, deinen alten freund schier gar hindan gesezet Grob
dichter. versuchung (1678) 13; ein weib da der man keine freud an hat, die macht jn verdrossen zu allen dingen
Sir. 25, 31; dem mann ein weib abgeben, oder: kain weib abgeben '
ihm die ehliche pflicht leisten',
oder: '
sie ihm versagen' Schmeller
2 2, 831.
aber in neuerer zeit fällt doch der ton auch auf geistiges: immerhin war er wohl im stande, ein weib zu beglücken, das tief und innig genug empfunden hätte, um die schroffheit des gatten zu tragen Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 16. III@B@22)
nähere bestimmung ist auf drei wegen zu erreichen. III@B@2@aa)
name oder beruf des gatten wird im gen. oder seinem ersatz zugefügt: des schamte sich vil sêredaʒ Etzelen wîp
Nib. 1687;
item die frauwe zum Rusczin Steffans wieb
dedit 10
m. Marienb. Tresslerbuch (1399) 91, 30
Joachim; Juno was Jupiters schwester und wyb Stainhöwel
de claris mul. 2; desz Menelai weib frau Helena Spreng
Ilias (1610) 91
a; er wird es doch nicht machen wie Lots weib und sich wieder nach Sodom umsehen Lenz
ges. schriften (1774) 1, 64
Tieck; ein hauszvatter soll ein meyer erwehlen ... dessen weib eine hauszhalterin ist Sebiz
feldbau (1579) 37; alle handwarken sünt smërig, sä' de köster sîn wîf, do krêg sê 'n endje kërs ût de kark Doornkaat Koolman 3, 548
a. III@B@2@bb)
bestimmung durch possessiv wird in älterer sprache und mundartlich auch jetzt noch gelegentlich gemieden: sô man an eime frumen man ze schelten niht vinden kan ... sô kêrt man hin zem wîbe Freidank 105, 26; indesz so ersicht er den besen findt gegen ime gehn, mit feur in zu brennen; so spricht er zum weib und andern, die bei und umb in stuenden
Zimm. chron. 1, 116, 29; was ist, meidl? unterbrach sich Schinnagel ... als das weib plötzlich aufstand Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 1, 355; leiwe hergod, wenn du mek âlen êsel noch lenger drîwen wut, sau lât mek dat wîf,
so soll ein alter mann für seine kranke frau gebetet haben Schambach
gött. 297
a.
sonst meint man eher noch verdeutlichen zu müssen: ein blind mann ein arm mann, noch ist das viel ein armer mann, der sein eigen weib nicht zwingen kan Schottel (1663) 1143
a,
ohne verdeutlichung Fischart
ehezuchtb. (1578) 3, 270
Hauffen. im ganzen ist bestimmung durch possessiv die häufigste von allen geworden. III@B@2@b@aα)
in der ersten person ist nur der sing. möglich, auch er nicht eben alt: daʒ ich hin yn gang und vor mit mynem wyb von dir rede Stainhöwel
Äsop 46; anno 1520. am pfingstag nach Chilianj hab ich Albrecht Dürer uff mein verkost und auszgeben mich mit meinem weib von Nürnberg hinweg in das Niederland gemacht Dürer
tagebuch 47
Leitschuh; ich wolt meynes weybs besten rock drumb geben Cochläus
gespräch v. d. tragedia Hussen (1538) 10
neudr.; wenn mein weyb noch bey leben wer, sie wurd die ding noch klerer sagen Sachs 2, 11, 31
Keller; entspr. 21, 11. 23, 29; mein weib, die alte mütze, hatt mich gefürt in eine pfütze Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 18, 245
neudr.; [] nicht mehr komm ich zu meinem weib Spreng
Ilias (1610) 65
b; mit funfzehn facher frucht mein weib mir auch begegnet Neumark
neuspr. t. palmbaum (1668) 157; hat der brief an mein weib gewirkt ... so läszt sich was hoffen Gerstenberg
Ugolino (1768) 235
Hamel; ich will mein weib verlassen und in der Türkei sterben Lenz
ges. schriften 1, 47
Tieck; braut nenn' ich dich seit diesem augenblick, mein weib sollst du noch diesen abend sein Fouqué
held des nordens (1810) 3, 68;
Streckmann: ich hab' o mei weib in der kirche gelassen Hauptmann
Rose Bernd (1904) 18; du bist mein weib, so darf ich dir wohl meine meinung sagen Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 42. III@B@2@b@bβ)
die zweite person ist die einzige, in der beide numeri möglich sind. der sing. überwiegt bei weitem: (
du) sprichest dein weib sey ein fraue von fleisch und peinen Arigo
decamerone 143, 28; dyn wyb gedenckt an eyn hübsch kleid Geiler
bilgersch. (1512) 14
c; du solt jn den kasten gon mit ... deinem weib
Zürcher bibel (1531)
1. Mos. 6 C; lieb dein weib, so haszt sie dich Franck
sprichw. (1591) 25
b; du warst da spielweise mein mann, und ich dein weib Sal. Gessner
werke (1778) 2, 5; denn deine schwester bin ich und dein weib Bürger
werke 157
Bohtz; ich bitte dich, Felicitas, dein weib, lasz mich noch leben, sei mir noch getreu Tieck
schriften (1804) 1, 95; (
ich will) allen diesen stolzen und spöttern zum trotze dein weib sein G. Keller 5, 57. —
viel seltener der höfliche plural mit singularbedeutung: Tristrant hat euch gehöhnet, ist euern ehren fährlich, und bulet euer weib
buch der liebe (1587) 87
d; euer weib ist eure schwester Müllner
dram. werke (1812) 1, 49; euer weib ist die schande, der bastard euer sohn Rückert
werke 1, 42. III@B@2@b@gγ)
die 3.
person sing. ist die früheste und häufigste durch alle zeiten und gattungen der rede, social durch alle stände: Cuonrat salte solih eigin, so er ze Haldeshusin hate, mit sinis wibis hante ze Ougistburch dar ze niuwin monestere
Augsb. urk. (1070)
bei Wackernagel
lesebuch 1
2 162, 1; da ne was inne nehein lip, niwan Lotes kint unde sin wibe
Vor. genesis 17, 18
Diemer; er hât sîn ê niht wol bewart, der sîn wîp mit eim andern spart Freidank 105, 2; ein mære in stichet als ein dorn, daʒ er sîn wîp hât verlorn
Parzival 66, 2; des sprichet manic vilzgebûr sînem wîbe dâ heime vil bœsiu wort, der die kugeln hieʒ frouwe dort Hugo v. Trimberg
renner 11437
Ehrismann; geht! heiszt mir sein weib herausz gehn Sachs
werke 6, 144
Keller; Thalano traumet daʒ im ein wolffe sein weybe würget Arigo
dec. 573, 3
Keller; Lotharius nam sein erst weib wider an Franck
chron. Germ. (1538) 82
a; sein weib ist gewest frau Adelhaid, grave Wilhalms von Poitiers dochter
Zimm. chron. 1, 78, 3;
entspr. 143, 24; derwegen der von Schellendorf neben seinem weibe mit höchster bitte an mich fielen, ich wollte das beste thun Schweinichen
denkw. (1577) 153; wer willkomm kommen will zuo hausz, kauff seim weib disz buoch zuo vorausz Fischart
flöhaz 1
neudr.; es nehrte sich davon der hauszherr und sein weib, samt etwa sieben kleinen Rachel
satyr. ged. (1664) 46
neudr.; dieser held hat ... eingeführt, dasz der mann seinem weibe ein gesatteltes pferd ... liefern müsze Lohenstein
Arminius (1689) 1, 113
a; jeder liebet sein land, seine sitten, seine sprache, sein weib, seine kinder Herder (1784) 13, 26; sein weib ... war die erste, ihn im unglück aufzureiben Göthe I 51, 50
Weim.; der handwerker summt seinen strohbasz zum liede seines weibes
[] Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 5; elk sônd (
versöhnt, küszt) sîn wîf up sîn manêr Doornkaat Koolman 3, 548
a; mit gewalt sein weib zu holen, rafft sich auf im wahn der gatte Platen (1819) 1, 36
Hempel; sein weib in der hoffnung söllt ins elend hinaus Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 2, 192. III@B@2@cc)
attribute bei weib '
ehefrau'
sind stets lobend. III@B@2@c@aα)
attributives adj. wiegt vor: ein man sol sîn getriuweʒ wîp minnen für sîn selbes lîp Freidank 99, 27;
entspr. 100, 2; als nun seine wunde linder wurde, liesz er seinem treuen weibe sagen: harre mein nicht mehr an meinem hofe Göthe I 2, 49
Weim. (1778); all' die meinen deckt ein stilles grab, mein treues weib und meine wackern jungen v. Droste-Hülshoff
Walther 224
Schücking; nun wol dich, man, so du nun hast ain raines weib, der eren ain last Muskatblut 53, 40
v. Groote; ein frölich weib und tugenthafft ist yres manes andre crafft Folz
d. texte des mittelalters 12
nr. 96
v. 82; jetz hast mir geben gsunden leib, ein holdtselig und frummes weib Sachs (1543) 1, 439
Keller; entspr. 4, 363; ein fromm weib ist jrs mans leib Franck
sprichw. (1541) 2, 178
a; ein ehrlich weib, das den mann bey ehren erhält Güntzel
haubtschlüssel (1648) 848
a; jedoch kan nicht verlassen ich die Helenam mein edels weib Spreng
Ilias (1610) 90
b; das sprichwort sagt: ein eigner herd, ein braves weib, sind gold und perlen werth Göthe I 14, 157
Weim.; sie sind der bösewicht, der sein artiges weib in einen zustand versetzt, in dem sie erträglich findet, ihrem manne zu folgen 23, 22; mit entzücken schreibt er dann ... von seinem herrlichen weib, das nur mit mühe dem gefängnisz entgangen
briefe von und an Herwegh 288; zwei jahre nun sasz das junge, zarte weib ihm zur seite Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 2. III@B@2@c@bβ)
attributivem adj. nächststehend sind bestimmungen wie: das weib seines herzens, welches er sich gewählt hatte Stifter
sämtl. werke 3, 18; (
ich wünsche mir) edle musz' in eigner wohnung und ein weib voll zärtlichkeit v. Salis
ged. (1793) 27; es treibt mich fort in angst und qual, fort von der wohnstatt meiner freuden, fort von dem weibe meiner wahl Grillparzer 1, 45. III@B@33)
verbale wendungen mit weib '
ehefrau'
als begriffskern sind sehr entwicklungsfähig. III@B@3@aa) zu weib nehmen III@B@3@a@aα)
kann frühmhd. möglicherweise von unehelichem beilager gebraucht werden: do sprach du guti Judithi ... nu daʒ also wesin sol daʒ du, kuninc, mich zi wibi nemin solt ... nu heiʒ tragin zisamini di spisi also manigi
ältere Judith 9, 4
Sievers. III@B@3@a@bβ)
nachmals wird es die häufigste formel für verehelichung, zunächst und weithin ernsthaft gebraucht: daʒ er ze wîbe nême Roxanien die scônen Lamprecht
Alexander 3989
Kinzel; (
die freunde reden Rother zu) daʒ er ein wîp nême dê ime zû vrouwen gezême
k. Rother 27
v. Bahder; nu sol mîn hêrre Gîselhêrnemen doch ein wîp
Nib. 1616; nu ræt mir aller mîn sin daʒ ich sî ze wîbe neme Hartm. v. Aue
a. Heinrich 1499;
entspr. Iwein 6628; nu nemet ze wîbe dise maget iuwerm lîbe Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 29, 17
Pfeiffer; Gisippus von Athen nam ein weib, die ward gefallen Titi leib Montanus
schwankb. (1557) 7
Bolte; [] der neue doctor nimmt ein weib, die gern baret und schmaus bezahlet Gottsched
ged. (1751) 1, 178; ich nahm ein weib, ich sah mein eignes kind v. Droste-Hülshoff 2, 116
Schücking; derhalben gantz keyn fahr drauff steht, wenn eyn priester eyn weyb nympt, alleyn die larven machen fahr drausz Luther (1522) 10, 2, 153
Weim.; es ist glaublich dasz er sie geehlicht hab, weil hernach sein sohn Adonia ohn grosz ergernüsz sie nicht konte zum weib nehmen Schupp
schriften (1663) 12; es ist der herr
Dicis et non facis, das ist auff teutsch so viel geredt, als ein kerl, der andern leuten weiber gibet, und selbst keine nimt
Simpl. 156
neudr.; man wuszte es dergestalt einzuleiten, dasz ein gewisser favorit ... sie zum weibe nahm Göthe I 43, 213
Weim.; Murianus, dessen tochter sein bruder zum weib genommen hatte Mommsen
röm. gesch. 2, 87.
so auch die wörterbücher: Henisch (1616) 1206, 62; Ravellus (1616) 401
b; Pomey (1709) 3, 339
a; Meynier (1802) 2925. III@B@3@a@gγ)
zu satirischem gebrauch lenkt über: nymstu ein weyb, so bistu allezeyt in sorgen und angsten Albr. v. Eyb
d. schriften 1, 5.
er ist voll entfaltet in sprichwörtern des 16./17.
jahrh., die sich als trockene aussage, als directe warnung, ironische aufforderung und daraus entwickelten bedingungssatz geben können: da her man spricht: es mus eyn kuone man seyn, der eyn weyb nympt Luther (1523) 12, 100
Weim.; eyn narr ists, der eyn weyb nympt, spricht die welt 93; es nimpt keyner keyn weib, er sei dann unsinnig Franck
sprichw. (1591) 25
a; guoter muot ist halber leib, ht dich narr und nim keyn weib 24
a; der inn keynen krieg wil ziehen, der neme keyn weib 29
a; de wil leven sunder sorge, de neme nein wyf Tunnicius (1514) 38, 320
Hoffmann; wie man auch spricht: narr, nym eyn weyb, so hatt deyn frede eyn ende Luther (1523) 12, 100
Weim.; wer nit zu hadern hat, der nem ein weib
sprichw. (
Egenolf 1548) 142
b;
ebenso Franck (1591) 24
a; nimmst eyn weib, so krigest unruh auff dein leib Fischart
ehezuchtb. (1578) 3, 267
Hauffen; wem zu wol sei, der neme ein weib
sprichw. (
Egenolf 1548) 62
b;
ebenso Fischart 3, 267; Güntzel
haubtschlüssel (1648) 847
f.; Schottel (1663) 1145; Dentzler (1697) 1, 102
a. 2, 345
a; nim ein weib, so komst jr ab
sprichw. (
Egenolf 1548) 142
b;
ebenso Fischart 3, 271; Franck (1591) 24
a; Schottel (1663) 1123. III@B@3@bb)
das gegenstück zu weib geben
ist minder entwickelt, doch mannigfaltiger: mhd. ohne, frühnhd. mit unbestimmtem, seitdem mit bestimmtem artikel: dâ wâren pfaffen genuoge: die gâben si ime ze wîbe Hartm. v. Aue
a. Heinrich 1513; zuo wib geben
voc. ex quo (
Mainz 1440) Diefenbach
gloss. 384
a; mein vater ... mich einem alten künig von Schotland zuo einem weyb geben wolt Arigo
dec. 71, 12;
entspr. 90, 18; gebt im zum weib Gismunda schon Sachs (1545) 2, 33, 23
Keller; gebt mir die maid, auf dasz sie treueigen mir bleibe, zum weibe Körner 1, 231.
transitive wendungen mit geben
sind zerstreut, doch immer möglich: dô swuor man im ze gebenedaʒ wünneclîche wîp
Nib. 1618 B; man hat mir ain jungs beib geben
Sterzinger spiele (1510) 2, 49
Zingerle; als denn wird dir der geist sagen nach gottes wort: das weib ist dir gegeben, diese und kein andere soltu haben Luther (1531) 34 i 64
Weim.; wann er het zween leib, so wolt er dem eynen geben eyn weib Fischart
ehezuchtb. (1578) 3, 270
Hauffen; einem ein weib geben
marier un homme Meynier (1802) 2924. III@B@3@cc)
andere wendungen für weiberwerb sind häufig, aber zerstreut: ein weib kaufen Grimm
rechtsalterth.4 583; daʒ (er) ǒʒ den lǒten,undir den er da bǒwete, nimmir wip gewnneYsaac sinem chinde
Milst. genesis 41, 24; er lobte si ze wîbeze liebem lanclîbe
klage 909; dem turkoiten Flôrant Sangîven Artûs ze wîbe bôt
Parzival 730, 7;
[] sun, ob dir got gefüege ein wîp nâch sînem lobe ze rehter ê, die solt du haben als dînen lîp Winsbeke 8, 1
Haupt; möcht sie mir zu weib werden, ich wär der seligst auf erden Maximilian
Teuerdank cap. 2
v. 53; der sich will gesund sauffen, der thut eben als der jenige, der jhm ein weib durch zauberey will zu wegen bringen Moscherosch
ges. (1650) 2, 220; ein weib freyen
faire l'amour Ravellus (1616) 401
b;
daraus Pomey (1709) 3, 339
a; er hat einen rechten teufel zum weibe bekommen
he got a devil in petticoats for a wife Ludwig (1716) 2417; von viel groszen herren ... unsre frau zum weib begehret wurde Göthe (1778) I 2, 50
Weim.; o weh mir, dasz du mich zur mutter gemacht, bevor du mich machtest zum weibe Bürger (1781) 61
b Bohtz; wer ein holdes weib errungen, mische seinen jubel ein Schiller (1785) 4, 1; ich hatt' das mädel mir zum weib erkoren H. v. Kleist
fam. Schroffenstein (1802)
v. 378. III@B@3@dd)
weibbesitz wird dagegen einheitlich mit haben
bezeichnet, wobei wider mhd. artikellosigkeit, frühnhd. unbestimmter, seitdem bestimmter artikel auftritt: daʒ er ze wîbe solde hân Darien tohter Lamprecht
Alexander 3999
Kinzel; ze wîbe wolde ich hân iwer schœne tohter
Nib. 1614;
entspr. klage 31; der rîche künec von Kâreis sîne swester hât ze wîbe
Parzival 457, 15; der hat ein edel und wirdige iunckfrau zuo einem weib Arigo
dec. 91, 2;
entspr. 171, 33; herzog Burgkart ... hat könig Ruodolfs von Burgundt dochter zu aim weib gehabt
Zimm. chron. 1, 44, 23; ich achte mich glückselig dasz ich dich zum freund und Julianam zum weibe habe
schausp. d. engl. kom. (1617) 262
Creizenach; nicht recht ist's, dasz du diese hast zum weibe Rückert
werke 1, 38.
seltener einfach transitiv: wol dem, der ein tugentsam weib hat
Sir. 26, 1; auch find ich viele alte cammeraden wieder, die nun schon weiber haben Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 116. III@B@44)
die beschränkung auf den sing. wird in zwei fällen durchbrochen, die bisher nur bei den thierfamilien unter III B 1 a)
eine rolle spielten: III@B@4@aa)
bei mehrheit der ehemänner ist nhd. der plural in unbefangenem gebrauch: tuost du also hie den mannen ire wiber entrichten? Niklas v. Wyle
transl. 27, 10
Keller; (
die pfarrer) söllen ee wyber haben, einer wöll dann williglich keüsch sin. ire weiber söllen sein geboren ausz dem fläcken, dar inn sie pfruonden haben Eberlin v. Günzburg (1521) 1, 110
neudr.; die weiber wehren offt den mannen mucken, wenn sie humbsen haben Chr. Lehman
floril. polit. auctum (1640) 159; etliche sind verliebt in ihre weiber Moscherosch
ges. (1650) 23; bevor, bis in der weiber schoosz verscheucht, der feind mit hohngelächter sie erwürgt Bürger 170
v. 112
Bohtz; wollt' eure dummen köpf' belehren und euren weibern die mucken wehren Göthe I 16, 104
Weim.; entspr. 16, 23; 21, 212; ach sie schlachten auf dem walle unsre weiber, unsre kinder 1, 211
Weim.; die ehemänner ... werden mich als ein muster einer recht kindlich unbefangenen zärtlichkeit ihren weibern anpreisen I 52, 70
Weim.; so würden alle weiber der bürgerlichen rathsherrn aus neid vergehen Klinger
werke 3, 77; die männer, einander ähnelnd, halb zwerghaft, halb schulmeisterlich ... ihre weiber zeigen weniger typisches Hauptmann
weber (1892) 5; bi andre wiewer össt got fösche Frischbier
preusz. sprichw. 1, 279; böse schüldners krupen hör wifen under de schude (
schürze) Doornkaat Koolman 3, 548
a. III@B@4@bb)
ebenso stören den gewohnten sing. die verschiedenen formen der vielweiberei, deren kenntnis meist aus dem [] classischen alterthum stammt: trigamus drier wibe man Diefenbach
nov. gloss. 371
b;
multicubus man van vele wijven ...
multigamus man die vele wijve hevet Diefenbach
gloss. 370
c a. Schüren
teutonista (
Cleve 1477);
multicubus der vil wyber hat
ders. a. gemma gemm. (
Augsburg 1512);
multigamus man der vil weiber hat
ders. a. voc. inc. teut. (
Anger vor 1515);
quadrigamus einer der vier wyber getrut hat
ders. 476
a a. e. obd. gemmula (
vor 1521); weyber zweyen brüderen
levitrices Maaler (1561) 490
c;
digamus ... das zwey weiber hat oder der zweymal geweibet hat Calepinus
dict. undecim ling. (1598) 423
a; die
academici ... wollten unter andern dasz die weiber gemein seyen Schupp
schriften 1, 802; die Getae, so alle dinge, auch die weiber gemein haben
Simpl. 528
neudr. eine zweite quelle ist die bibel: sein (
Davids) weyben hat er (
Absolon) schandt gethon Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 156
b; ich (
Wizel) wolt sunst nimmermehr so nerricht gewest sein, das ich nit lieber mit vielen weibern, dan nur mit eyner, meinen lusten gebüst hett Alberus
widder Jörg Wizeln (1539) J 2
b; er hatte sieben hundert weiber zu frauen, und drey hundert kebsweiber, und seine weiber neigeten sein hertz
1. kön. 11, 3; er gab ... dem Salomon tausend weiber Gleim
briefw. 1, 12
Körte; in dem bette seiner weiber kam es wieder ihm (
das ringlein dem pharao) davon Brentano
ges. schriften 3, 413. IVIV.
auf den plural beschränkt ist die seltene bedeutung '
weibliche angehörige': so kamen auch vil grafen, herrn, ritter ... deren ainstails ire frauenzimmer und weiber mitprachten
Zimm. chron. 1, 30, 29;
entspr. 6, 15; wie nun die tauff so was vergangen, da stund der weiber jr verlangen nur in das bierhausz flugs hinein Fischart
Eulensp. (1572) 30
v. 46
Hauffen; weiber von der freundschaft Andersen
orient. reisebeschr. (1669) 19; die weiber (
des Damokles frau und tochter) fallen um seinen hals Klinger
n. theater (1790) 2, 136; nach abgang des mannsstamms erbten ja auch die weiber das landeigenthum Eichhorn
d. staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 65; zweimal schon waren im zuge weiber gewesen, die zu Eustach gehörten Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 188.
steht der letzte beleg der Schweizer volkssprache nahe, so bezeugt den gleichen wortgebrauch aus dem ostfränk. Ehrlicher
syntax d. Sonneberger ma. (1906) 56: är het dös hoislä ganz gärn gəkäft, oddər sainä waiwər wolns nüə hou (
seine mutter, frau, tochter).
sonst lieber collectiva, s. frauenvolk, geweibets, weiberleut, -volk, weibsleut. VV.
den drei gegensätzlichen verhältnissen, in die weib
von der natur gestellt ist, tritt ein sociales zur seite: das verhältnis zu frau (Kotzenberg
man, frouwe, juncfrouwe (1907)
cap. 2). V@AA.
drei paare von gegensätzen können sich bei einem nebeneinander der beiden wörter ergeben. V@A@11) weib
die niedrige, frau
die hochgestellte: (
die laster) rîchsent almäiste an den wîben: hie muge wir der frowen wol geswîgen Heinrich v. Melk
erinn. 317
Heinzel; entspr. 423; ein vrowe sol einen herren nemen: ouch vind ich ein wîp wol, swenn ich wîp nemen sol Hartm. v. Aue
Iwein 6626; sô swüere ich wol daʒ hie diu wîp beʒʒer sint danne ander frouwen Walther 57, 5;
entspr. 49, 23. 52, 10. 100, 17; frowen und wiben ... ruffen sie begunde Herbort v. Fritzlar
Troj. 9724
Frommann; eʒ wæren recken oder zagen, frouwen oder armiu wîp, si muosten brîsen iren lîp Enikel
weltchron. 12941
Strauch; dem kaiser Otto IV. wirft das chronicon Sampetr. Erford. (
geschichtsqu. der prov. Sachsen 1, 52)
beim fürstentag zu Naumburg 1211
vor, er habe archipresules simpliciter et vituperiose clericos, abbates monachos, reverendas matronas mulieres
genannt, darin spiegelt sich Ottos
nd. papen
und wî
f. der nd. Reinke de vos (1498)
hat vrouwe
stets in der anrede und als titel, nirgends wird die königin wyff
genannt und Nobel spricht stets von seiner vrouwe,
[] während sonst immer uxor
durch wyff
gegeben wird (Deggau
lit.-blatt 31, 316).
die alte scheidung lebt in neuer sprache immer wider auf: mögen das die frauen der offiziere, die weiber der beamten ... betreiben Gutzkow
ritter v. geist (1850)
2 2, 395.
ein gebrauch wie: die lustbarkeiten, die ihm zu ehren angestellt wurden, und wo alle weiber von stande eingeladen wurden Justi
Winckelmann 2 ii 330
widerstrebt noch heutigem sprachgefühl; eine fürstin kann die hohe frau
genannt werden, nie das hohe weib,
die damen ihres gefolges heiszen frauen
wie in der blütezeit der höfischen epik, man spricht von frauenklöstern
mit erinnerung an den adlichen charakter der stiftungen, die jungfrau Maria heiszt unsere liebe frau,
nicht unser liebes weib,
Maria Theresia oder Katharina II. werden grosze frauen
genannt, nicht grosze weiber (Weigand
syn. 3, 1103),
einen weichling schelten wir altes weib,
nicht alte frau. V@A@22) frau
die vornehme, weib
die gattin: diu vrowe, sîn wîp, niht enlieʒ swaʒ si der wirt tuon hieʒ
kindheit Jesu 607
Feifalik; man stis si von dem lande,die frawen wol getan ... da gwan ich si zu wibe
Ortnit u. Wolfdietrich 161, 2; eia, sprach er (
der märtyrer zu s. gattin), nu habe danc edele frowe, liebeʒ wib
passional 42, 1
Hahn; rosz, pferd und gaul bedeutet zwar nur ein, gleichwie frau und weib ein anders thier ... gleichwie frau eigentlich eine herrscherin, weib aber nur eine vermählte bedeutet Grimmelshausen
t. Michel (1673)
c. 12
z. 101
Khull; dasz Boas eine magd zu seinem weib' erkohren, drum hält man ihn vor keinen thoren; hierüber aber wird gelacht, dasz mancher seine magd zu seiner frauen macht Wernicke
überschr. (1704)
b. 8
nr. 21. V@A@33) frau
ist die vornehme, dem herrn
entgegengesetzt, weib
umfassende bezeichnung des geschlechts, gegenstück mann (
über den entsprechenden mnl. wortgebrauch Franck
z. f. d. alt. 23, 87): si (
Sibilla) newas einer frouwen niht gelîch noch (
noch überhaupt) einem wîbe Heinrich v. Veldeke
Eneit 84, 31
Ettmüller; frowe, daʒ wil ich iuch lêren, wie ein wîp der werlte leben sol Walther 86, 16; wîbes stimme er hôrte ... ein frouwe ûʒ rehtem jâmer schrei
Parzival 138, 11; vrowen geburt unt vrouwen guot daʒ hânt si unde vrouwen namen. dennoch suln si sich niht schamen daʒ si ze wîben sint gezalt Stricker
frauenehre 874
z. f. d. alt. 7, 502; o köng, ich bin worden bethört von deiner frauen (
der königin) hinderlist. derhalb keim weib zu trauen ist Sachs (1554) 12, 262
Keller. in neuerer sprache, die den alten gegensatz fortführt, ist auszerdem ein nebeneinander von frau '
ehegattin'
und weib
als allg. geschlechtsbezeichnung möglich: ich verlasse dich ... mit dem weibe, das du gesehen hast ... und dieses weib ist meine frau Göthe I 11, 178
f. Weim. V@A@44)
das eine der beiden wörter bekommt einen gefühlston, dann kann V@A@4@aa) weib
allg. geschlechtsbezeichnung bleiben, frau
mit sittlichem anspruch auftreten. so wohl nur bei Frauenlob: von art ein wîp, von tugent ein vrouwe, und ouch von art die beide Hnr. v. Meiszen
sprüche 161, 12
Ettmüller; entspr. 151, 1. 162, 19. V@A@4@bb) frau
bezeichnung der vornehmen bleiben, weib
ehrenname des geschlechts werden: mîn vrouwe ist ein sô edel wîp Hartm. v. Aue
Iwein 4203; s' ist ein frowe von geburt: sô ist ir süeʒer lîp von ir tugenden ein vil wîplîch wîp Ulrich v. Lichtenstein
frauend. 445, 20;
entspr. 565, 13. 17. 566, 17; der wîbe name grœʒer ist dan vrouwen lop Rumezlant
bei Heinrich v. Meiszen
sprüche 158, 1
Ettmüller; ich spriche: wîp der name ist ob den vrouwen hô Regenboge
bei dems. 153, 1.
[] V@BB. weib,
nicht frau
ist am platze, wo sich der gedanke an sociale schichtung verbietet. V@B@11)
bei göttinnen, halbgöttinnen, übermenschlichen, dämonischen, gespenstischen wesen zunächst der antike, dann auch der germanischen vorzeit und dichtung, zuletzt der allegorie: Minerva das grauäuget weib Spreng
Ilias (1610) 5
b; wie vil hatt dann Ulysses gelitten, als er in langer jrrung den weiben Circe und Calypso (seint sie anders weiber zuo nennen) dienet Schwarzenberg
Ciceros officia (1531) 27
a; Europa und Asia ... haben jre nammen entpfangen von zweyen weybern Münster
cosmogr. (1550) 14; die Medea der alten dramatiker bleibt bei all ihren greueln noch ein groszes, staunenswürdiges weib Schiller 2, 11; die landschaft mit der geschichte des Orpheus, der von tragischen weibern getödtet wird Göthe III 2, 294
Weim.; wiewohl nun ... der mond unter dem bildnüsse eines weibes ... verehret ward Lohenstein
Arminius (1689) 1, 9
b; das weib der ehe trat mit helm und speer ... fürchterlich einher Gerstenberg
ged. eines Skalden 365, 39
neudr.; die (
priester) sprachen, es were kain rechtes naturlichs weib, sonder ain böser gaist, der hett ... ains weibs form an sich genomen
Zimm. chron. 1, 30, 19; zwei graue, hagere weiber ... schritten übers zeug mit gieszkannen, und draus kamen pure strahlen mondenschein Alexis
hosen d. h. v. Bredow (1846) 1, 19; Minne was mîn frowe sô gar ... armeʒ wîp, wes müet si sich? Walther 57, 32; dasz weib auf dem monden. was sinnestu so tieff? dasz weib im sonneschein dasz auf dem monden steht, musz deine seele seyn Angel. Silesius
cherub. wandersm. (1657) 2, 9; auf einmahl steht vor ihm ein göttergleiches weib Wieland 22, 127 (
Oberon 3, 58, 6); da schwebte mit den wolken hergetragen ein göttlich weib vor meinen augen hin Göthe I 1, 4
Weim.; würde das alte dürre weib heimweh mir auf allen meinen wegen nachschleichen Hauser
wanderb. e. östr. virtuosen (1859) 1, 108. V@B@22)
stets weib
heiszt Eva, die vor aller socialen gliederung steht und darum über jede erhaben ist. so in jeder widergabe von 1. Mos. 2, 22,
auch den gereimten: ein rippe brach er im von dem libe,daʒ schuf er z'einem wibe
Milst. genesis 12, 6; mit sîner hant macht er ein wîb gehiure von erst ûʒ mannes rippe, nicht ûʒ erden, da von diu wîb sint geedelt Hadamar v. Laber
jagd 671
Schmeller; gott schuf der weiber erste nicht aus des mannes scheitel, dasz sie nicht eitel würde Engel
schriften (1801) 1, 300. V@B@33)
in der selbstanrede fällt der gedanke an ständische gliederung weg, auch die vornehme nennt sich selber weib: waʒ sol mir guot unde lîp? waʒ sol ich unsæligeʒ wîp? Hartm. v. Aue
Iwein 1468;
entspr. 4318. 4332; ich was ein wîp diu krône truoc
Parzival 660, 12;
entspr. 28, 6; ach sô wol mich sælic wîp Rudolf v. Ems
g. Gerhart 4623;
entspr. 4720;
Lucrecia: ich armes weyb! ich mag nu nit anders auff disem ertrich haben dann schand und laster Albr. v. Eyb
ehebüchl. (1472) 14, 33
Herrmann; wie werd ich mich, ein ungelehrtes weib, mit so kunstfert'gem redner messen können? Schiller 12, 431 (
Maria Stuart 1, 7). V@CC.
für weib
folgt aus der oft widerholten gegenüberstellung mit frau
ein niederer sinn, der dann haftet, auch nachdem die alte scharfe grenze zwischen beiden wörtern verwischt ist. die zeugnisse hierfür werden früh häufig: swie niur der namen zwêne sîn, ein einic lîp ist vrouwe unt wîp ... sô mac man wol nennen die vrouwen wîp, wîp vrouwen ouch ... sît daʒ wîp vrouwe meinet unt vrouwe wîp Rumezlant
bei Heinrich v. Meiszen
sprüche 163, 8;
[] die frau oder das weib die leibsfrucht im leibe ... tragend ... verrichtet in warheit viel mehr dann der mann Comenius
janua aurea (1643) § 596; er ging mit den beiden frauen in ein anderes zimmer ... er stand zwischen beiden weibern Göthe I 51, 273
Weim.; die guten weiber
titel einer erzählung Göthes I 18, 275
Weim. (1817),
zuerst (1801)
unter dem titel die guten frauen
erschienen. V@C@11) V@C@1@aa) weib
wird zur frau niederen standes Stosch (1770) 1, 181; Sanders
wb. d. synonymen (1871) 727; Franck
zs. f. d. alt. 23, 85
f.; Kotzenberg 63—74: dâ diʒ armi wîf mit demi kindi lag
Annolied 623
Rödiger; swaʒ sô ir kleider gît ir man, daʒ si diu niht wil legen an und gêt als ein vil armeʒ wîp, des muoʒ unmæren im ir lîp Ulr. v. Lichtenstein
frauend. (1255) 605, 2; (
gott) möcht erleuben, den ehbruch zu thun mit eynem geryngen weybe Luther 10 ii 146
Weim. (1522); es arbeiten in diesem hause ongefehr 350 personen, theils soldaten, theils handwerksbursche, auch einige weiber Nicolai
reise (1783) 2, 549; als wir nach der herberge gingen, riefen uns einige vor ihren hausthüren sitzende weiber an Göthe I 31, 7
Weim. (1817); wenn weiber mit kirschen, pflaumen oder birnen in die werkstatt kamen G. Keller
werke 4, 222; aber auch die reden der Isidore waren nicht feiner als die anderer weiber Zahn
die da kommen und gehen (1909) 108.
so besonders in der mundart: auf die eheweiber oder wittwen der bauersleute wird ... frau
nicht angewendet. eine solche will schlechthin nur e~ wei' seyn,
und pflegt wol die benennung frau,
als blos für weiber
der bürgers- und herrenleute geeignet, zurückzuweisen Schmeller
2 1, 801;
entspr. Hupel
deutsche spr. in Lief- u. Estland (1795) 68;
in Freiburg i. Br. steckt der schneider einen flicklohn ein mit den worten: widər ə gelt, des 's wîp nit waəs,
entspr. Schmeller
2 2, 831. V@C@1@bb)
zu einer eigenen verengung des sinns leiten über: so bitte ich ... ihr wollet mich zu ehrlichen weibern führen, die mich durch göttliche hülffe von meiner leibesbürde entledigen helffen
Simpl. (1669) 399
neudr.; die wöchnerin fährt entsetzt vom lager, die beihelfenden weiber ... fahren hülflos durcheinander Göthe (1818) I 49 i 113
Weim. von da geradezu '
hebamme': alles ging durch ein gutes weib, welches nicht fern das thal hinab wohnte (1821) I 24, 24;
ebenso mundartlich: Schmeller
2 2, 831. V@C@1@cc)
auch in der anrede heiszt die frau aus dem volke weib,
bezeichnend, wo sich eine königin unter lumpen birgt, als standesanrede: er begunde die vrowen ain wîle an scowen, er sprach: sage mir, guot wîp, hâstû noch ganzen lîp?
kaiserchron. 2637
Schröder; hört doch ihr liebes weib, wohnt mutter Ilse hier? Chr. Reuter
harlq. hzt.-schm. (1695) 75
neudr.; mich dünkt, mein gutes weib, ihr wart schon öfter hier Ramler
fabellese (1783) 1, 217;
doctor (
zu der bäuerin): mein weib, ihr thätet besser, wenn ihr nicht auf meine nase, sondern auf die erde speyen möchtet Stranitzky
ollapatrida (1711) 145. V@C@1@dd)
früh bedeutet weib
geradezu '
dienerin': su (
Judith) undi iri wib Avi
ältere Judith 10 c
Sievers; dem wîbe diente duo diu frowe
kaiserchron. 1600
Schröder; seine bedienten traten herein. man rief ihre (
der ohnmächtigen marquise) weiber. nehmt eure frau zu euch, sagte er diesen Schiller (1784) 3, 570. V@C@22)
gründe nicht socialer art belasten weib
mit neuem vorurtheil: V@C@2@aa)
mindere werthung des weibes
äuszert sich vielfach auf niederen stufen, sowohl im wirthschaftsleben der naturvölker wie noch im rechte des mittelalters: dasz männer einen mittelpreis von 5 pfund sterling haben, weiber und kinder von 4 Ritter
erdkunde (1822) 1, 156; iewelk wif hevet ires mannes halve bute unde weregelt. iewelk maget unde ungemannet wif het halve bute, na deme dat sie geboren is
Sachsenspiegel 3, 45, 2.
[] V@C@2@bb)
auch wo ein verallgemeinerndes sittliches urtheil dem ganzen geschlecht unrecht thut, wird das wort weib
träger des tadels: der man sîn laster eine treit, daʒ ist der manne sælekeit: und wirt ein wîp ze schalle, sô schiltet man si alle Freidank 103, 1; daʒ swachiu wîp hânt wîbes namen, des müeʒen sich die guoten schamen 103, 7;
entspr. Freidank 102, 17—23;
Winsbekin 4, 9; Konrad v. Ammenhausen 4116
Vetter; es gehet schir allen weiberen, wie den stiefmüteren, die vonwegen etlicher allezeit müssen einen bösen glauben und namen haben Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 199, 21
Hauffen. selten und spät ist begünstigung im sittlichen urtheil: parteiisch man des weibes fehl vergasz, nur männer wurden laut dort wo ich sasz Droste-Hülshoff 2, 103
Schücking. V@C@2@cc)
noch weiter greift im gefühlsleben des mannes wie in die wortgeschichte von weib
die misogynie. V@C@2@c@aα)
sie flieszt zumeist aus lat. quellen: Steinmeyer-Sievers 4, 441; Köbner
arch. f. culturgesch. 9, 298; Karl Schulze
bibl. sprichwörter (1860)
nr. 164; Zingerle
d. d. sprichwörter (1864) 164
ff.; vier ding wöllen all weiber hon: vil kind, grosz guot und schöne man, herschen im hausz umb müszig gon Franck
sprichw. (1541) 1, 79
nach Bebel
prov. (1508)
nr. 109;
humanistischen ursprungs wohl auch: die natur weinet, wenn ein weib gebohren wird Adelung (1786) 5, 121.
dem alten testament ist diese gesinnung gleichfalls geläufig: ich fand ein weyb bittrer denn der tod
d. bibel (1483)
pred. 7, 27; alle bosheit ist geringe gegen der weiber bosheit
Sir. 25, 25. V@C@2@c@bβ)
der verallgemeinerung wird lässig widerstanden, so dasz sie im 16., 17.
jahrh. ganz geläufig ist: weiber graten nicht almal wol Sachs (1541) 4, 334
Keller; entspr. 5, 233; ein volles weib, ein gemeiner leib Albertinus
Lucifers königr. (1617) 263
v. Liliencron; Thurnmeyr, der ... allererst einen streit mit seinem weib gehabt ... hub an von der untreu und unbeständigkeit der weiber zureden Moscherosch
ges. (1650) 2, 293; frohme weiber und gutte freunde seyn dünne gesäet Butschky
Pathmos (1677) 129. V@C@2@c@gγ)
mit vorliebe wird von den stürmern und drängern weib
zum träger solcher stimmung gemacht: ein schlechter kerl, der sich an weiber und musikanten wagt, die noch weniger als weiber sind Lenz
schriften (1774) 1, 59
Tieck; entspr. 1, 25; so vernarrte er sich nach dem tode seiner ersten gemahlin in das weib, das du gesehen hast Klinger
werke (1791) 3, 129;
entspr. 3, 20; besonders, sagte sie, thut es mir leid, dasz der arme narr nun die weiber haszt Göthe I 22, 30
Weim.; aber eh ich noch einwörtchen weiter erzähle, helft mir zuvor auf alle weiber schmählen maler Müller
werke 1, 124. V@C@2@c@dδ)
neue mundart steckt mitten im ausdruck solcher misogynie: ich habe mich nie um euch weiber gekümmert Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 61;
entspr. 175; dat wîf dögt den dwel nits Schambach
gött. 297
a; twee wiewer sönd anderthalw toveel Frischbier
preusz. sprichw. 1, 279. VIVI.
von natur und nach fester, unbestrittener anschauung ist das weib
wehrlos: diu uuîb sint
fragilioris sexus danne die man Williram 52, 36
Seemüller, im krieg nur ausnahmsweise brauchbar: Plutarchus thuet peschreiben ein that von kuenen weiben Sachs (1539) 22, 188
Keller-Götze; o ihr streitbare weiber frey, komt ir Amazones herbey W. Spangenberg
Ajax (1608) 885
Dähnhardt; war jhnen beyzustehn geneiget wider die weiber gantz wöhrhafft Amazones Spreng
Ilias (1610) 33; auch die weyber und töchter, in harnisch angethan, warten sich dapffer Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 18
b; ein weib das einen männlichen muth hat, ein recht männlich weib Ludwig
t.-engl. lex. (1716) 2417; es sind zwey neue werbungen angekommen, die werben auch
[] weiber. ich höre, sie führen sie in ein land um menschen dort anzubauen Stephanie
d. j. lustsp. (1771) 6; als kaiser Albrecht Zürich belagerte, haben die weiber und töchter dieser stadt harnische angezogen S. Gessner
schriften (1777) 1, 119; (
historiker wissen) zu erzählen, dasz einzelne weiber vollständig gerüstet am kampfe theilnahmen Scherer
lit.-gesch. (1894) 10. VI@AA.
die wehrlosigkeit wird durch wechselnde attribute hervorgehoben (
vieles derart Kotzenberg 68
f.),
von andern und in der selbstanrede: nu lâ daʒ nôthafte wîp werven ir sache
kaiserchron. 12170
Schröder; er hieʒ si elleu erslahen. daʒ musen diu armen wîp chlagen
leben Jesu 238, 1
Diemer; wie komm ich zu den ehren, das zu mir armen weybe doch die mutter meines herren gekommen ist? Kehrein
ält. kath. gesangb. 1
nr. 173
str. 13
aus Vehe
neu gesangbüchl. (
Leipzig 1537)
nr. 50;
Eva: ich bin das armutseligst weib beyde an sel und auch an leyb Sachs (1553) 1, 54
Keller; sie ward der kinder zeitvertreib, ein spott des volcks, ein schwaches weib Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 93;
Margarete: mir läuft ein schauer übern ganzen leib, bin doch ein thöricht, furchtsam weib Göthe I 14, 135
Weim.; wir (
landsknechte) bieten freiheit für die wehrlosen weiber und kinder Freytag
ges. werke 11, 264 (
ahnen 4, 10). VI@BB.
beim partner des weibes
hat der anblick ihrer wehrlosigkeit zwiefache wirkung. VI@B@11)
die reaction des barbaren ist, dasz er die wehrlose miszhandelt. prügel sind von alters (Tacitus
Germ. 19)
die strafe der ehebrecherin: daʒ wip diu wart ouch geslagen, daʒ si den lip mohte klagen Stricker
kl. ged. 4, 297
Hahn: daʒ wîp, der zerslagen wart der lîp, diu sagte eʒ durch solhen muot Herrant v. Wildonie 2, 357
Kummer. doch längst nicht immer ist schwere schuld anlasz zur züchtigung, zu der der mann kraft seiner eheherrlichen erziehungsgewalt berechtigt bleibt: ich het eins mals einen nachpaurn der teglich umb sonst und nichte sein weyb schluge Arigo
dec. 24, 37
Keller; wenn man nuszbäume und weiber nicht schwinget, so tragen sie keine frucht Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 202.
die miszbilligung solcher rohheit ist matt und spät; bezeichnend, dasz sie nöthig ist: ein mann hat des kleine ehr, wann er ein weib schlegt
sprichw. (
Egenolf 1548) 87
b; wan ein mann das weib ein mal schlegt, so schlegt ers mehr 88
b; wer sein weib schlägt, der schlägt mit seiner rechten seine linke Frischbier
preusz. sprichw. 2, 220. VI@B@22)
erst reaction christlicher und höfischer cultur ist besondere schonung des weibes: wilt du dîn leben zieren ,.. sô muostu haʒ gein wîben sparn. wîp und pfaffen sint erkant, die tragent unwerlîche hant
Parzival 502, 6
f.; tegen wyfe en sal sich nummant setten Tunnicius (1514) 23
nr. 95
Hoffmann; der weiber, priester, und das alter nicht in ehren hat, den schendet gott
sprichw. (
Egenolf 1548) 157
b.
in seltsamer umkehr, nachdem die schonung selbstverständlich geworden, Philotas: bitte den könig, dasz er mir als einem soldaten und nicht als einem weibe begegnen lasse Lessing (1759) 2, 356. VI@CC.
wird das weib
dennoch in den kampf gezogen, so ergeben sich aus ihrer schwäche zweierlei folgen. VI@C@11)
sie zu besiegen ist unrühmlich: an einem weibe erschlägt man wenig ehre Stieler 2470; beschönige nicht die gewalt, die sich der schwachheit eines weibes freut Göthe I 10, 81
Weim.; du solltest doch dein herz nicht an bebenden weibern üben, sondern an felsen Stifter
sämtl. werke 3, 372.
[] VI@C@22)
von ihr besiegt zu werden, ist doppelte schmach: o widerwende die ein wip hat began ... si hat minen herren Holofernem erslagen
j. Judith 176, 17
Diemer; dô habih is imer scande, daʒ mih bedwungen hât ein wîb Lamprecht
Alexander 6205
Kinzel; ein weib warff herab ein mülstein, zerschmetert im den schedel sein. also hiesz er, das in darnach sein waffentrager gar erstach, das er nicht stürb von weybes hend Sachs (1531) 1, 223
Keller; die sieger bei Poitiers, Crequi und Azincourt gejagt von einem weibe Schiller 13, 226 (
jungfrau 2, 1). VI@DD.
die wehrlosigkeit und ihre folgen werden gemildert VI@D@11)
durch die sitte. VI@D@1@aa)
was beim manne schmach wäre, ist bei ihr in der ordnung: dahero euer mutter ... neben anderen weibern ... dem schlosz zugelauffen Moscherosch
insomnis cura (1643) 27
neudr.;
für sie gilt abweichender brauch: du aber hättst ihr noch die einsegnung, den ritterschlag der weiber, vorenthalten H. v. Kleist
fam. Schroffenstein (1802) 1, 2
v. 434. VI@D@1@bb)
ihre wehrlosigkeit im kampf wird geradeswegs zum vorzug erhoben (Kotzenberg 76): ichn vihte nicht, ich bin ein wîp Hartm. v. Aue
Iwein 5649; swâ harnaschrâmec wirt ein wîp, diu hât ir rehts vergeʒʒen
Parzival 409, 12; got wolle daʒ in unsen jâren sulich dinc niet geschê daʒ man wîp zu strite sê Herbort v. Fritzlar
Troj. kr. 14910; ein weyb sol nit manns weer tragen
Zürcher bibel (1531)
5. Mos. 22
a. VI@D@22)
durch ersatzkräfte im weibe
selbst. VI@D@2@aa)
sie wehrt sich mit dem mund, wird damit freilich von den männern nicht immer ernst genommen: dô sprach der hêrre Dietrich:daʒ enzimt niht helde lîp, daʒ si suln scheldensam diu alten wîp
Nib. 2282;
vgl. Hartm. v. Aue
Iwein 5012; Thomasin
w. gast 12753; Ottokar
östr. reimchron. 14961; die weiber füren das schwert im maul, darumb muosz man sie auff die scheyden schlagen
sprichw. (
Egenolf 1548) 88
a;
ebenso Zinkgref
sprüche (1626) 327; weiber wissen disz und dasz wen die spötter fragen Rist
Parnasz (1652) 469. VI@D@2@bb)
sie wird des mannes herr auch ohne körperkraft, was der mann ernsthaft oder im scherz gern gelten läszt: swie dicke wîp underligent, den mannen sie doch an gesigent Freidank 104, 26; alles (
die Göttinger professorenschaft) will reich werden, woran denn ihre herrn weiber nicht wenig schuld haben Lichtenberg
briefe (1784) 2, 139.
dagegen wird das mannweib (
virago manhaft wib
voc. opt. 15
a Wackernagel; manlich weib Dasypodius (1537) 454
b; Schönsleder
prompt. (1622) Nn 3
b; herrisch weib Stieler 2469)
in sprichwort und redensart abgelehnt: ein roth bart und bärtig weib grüesz von weiten Henisch (1616) 1085,
dazu Suringar
zu Bebel
nr. 541; der weib will die hosen an haben, die mann will den rock anziehen Moscherosch
ges. (1650) 2, 149; ein weib das die hosen trägt, das herr im hause ist Ludwig
t.-engl. lex. (1716) 2418. VI@EE.
die wehrlosigkeit des weibes
hat im öffentlichen und privaten leben tiefgreifende folgen. VI@E@11)
das weib
als herrscherin wird abgelehnt: sî sprâchen, eʒ wære daʒ grôʒe lant mit einem wîbe umbewart Hartm. v. Aue
Greg. 2195;
entspr. Iwein 3128; wie solde ein wîp landes pflegen? Ulrich v. Eschenbach
Wilh. v. Wenden 1000
Toischer; das elende weib, das in Napoleons namen die regentschaft führte Treitschke
d. gesch.3 1, 497.
selbst politisches denken will ihr die sitte verwehren: als ich am altare stand neben Fiesko ... hatte ich den gedanken, den zu denken dem weibe verboten ist: dieser Fiesko ... wird — uns, Genua, von seinen tyrannen erlösen Schiller 3, 11 (
Fiesko 1, 1).
[] VI@E@22)
vor gericht ist es unmündig: die man is ok vormünde sines wives to hant als sie yme getrüwet wert
Sachsenspiegel 3, 45, 3;
vgl. 1, 45, 1. 2; een wif en is oers selfs niet weldich, mer oer man sal oere ghewalden
stadtrechtsb. v. Cleve tit. 57; alle weiber von wegen jhrer blödigkeit seindt under der pfleger gewalt Henisch (1616) 1193, 18; weiber können auch nicht bürge werden v. Hohberg
georgica cur. (1715) 3, 27
b. VI@E@33)
mulier taceat in ecclesia (Büchmann
24 73): wann es ist lesterlich dem weip zereden in der kirchen
d. bibel (1466)
1. Kor. 14, 35; darumb foddert die ordnung, zucht und eher, das weyber schweygen, wenn die menner reden: wenn aber keyn man prediget, so wers von nötten, das die weyber predigeten Luther 8, 498
Weim. VI@E@44)
in aller sitte ist das weib
eng gebunden: gerne het ichʒ nû getân, wan deichʒ im muoʒ versagen und wîbes êre sol begân Walther 114, 10; ê ich iwer enbære, ich bræche ê der wîbe site: swie selten wîp mannes bite, ich bæte iuwer ê Hartm. v. Aue
Iwein 2330; so begnügte er sich damit, dasz ... es ihm so ging wie den weibern, die dann am tadelfreisten sind, wenn man gar nicht von ihnen spricht E. Th. A. Hoffmann (1819) 10, 40
Grisebach. VI@E@4@aa)
die frau gehört ins haus: ein weib und ein essigkrug seind allein in eim hausz genug, dann sie gehörn in das hausz Ayrer 3, 1535;
entspr. 4, 2692
Keller; ein weib und ein ofe sind ein hauszier Schottel (1663) 1128; der best hausz-raht ein fromb weib 1141;
entspr. Schellhorn
sprichw. (1797) 90; es ist nun einmal so: das weib ist ein häus liches wesen
F. Schlegel
Athenäum (1799) 2, 4; gôde wîfen un sniggen dragen hör hûsen up de rüggen Doornkaat Koolman 3, 548
a. VI@E@4@bb)
ihre arbeiten sind häuslich: es sindt etliche werck in haushalden dye auch allein forderlich weybern zcu thun zymen, als nehen, spynnen
etc. Marcus v. Weyda
spiegel des ehel. ordens (
Wolfenbütteler hs. des 15.
jahrh.) 16
b; den weibern gehörend spindel und rocken zuo Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 18, 8
Weidling; die hemden werden von weibern in und auszer dem hause verfertigt Nicolai
reise (1783) 2, 549; dort sasz Sardanapal, so wie ein weib bey weibern, wo seine männer hand stat spieszen spindeln dreht Pyra
u. Lange (1749) 102
neudr.; so sende denn die weiber von der spule Rückert
werke (1867) 1, 22; weil die weiber vergaszen das spinnen und knütten ... sind manche von haus und hof geschritten Frischbier
preusz. sprichw. 1, 278.
die emancipationskämpfe werden heute wesentlich mit dem wort frau
geführt, zweihundert jahre früher hätte vielmehr weib
im mittelpunkt gestanden: thut das (
bücherschreiben) ein weib? ... was solte dann ich? ein mann? Moscherosch
insomnis cura (1643) 13; wan die weiber zum studiren und der schrifft so wohl als die mannsleüte aufferzogen wirden, sie solten warlich den männern eben so wohl jhre
laudes wissen zuerzehlen
gesichte (1650) 2, 266. VI@E@55)
so ist das weib
dem manne unterthan, treu dem bibelwort '
vir caput mulieris'
Eph. 5, 23: want een man is hooft sins wifs, end si sal na sinen wil leven
stadtrechtsb. v. Cleve tit. 57; die weiber seien unterthan jren mennern als dem herrn
Eph. 5, 22; wo der mann, als das haupt des weibes fehlt, da steht es um die pflege des leibes schlecht Kortum
Jobsiade (1799) 1, 102.
erst neuzeitliche cultur lenkt aus dem dienen leise zur herrschaft zurück: ein fromm weib herscht jren man mit gehorsam Franck
sprichw. (1541) 66
b;
ebenso sprichw. (
Egenolf 1548) 153
b; Schottel (1663) 1126; Schellhorn
sprichw. (1797) 91. VI@FF.
im auge des mannes und an ihm ist weibliche wehrlosigkeit so verächtlich, dasz weib
zur schelte wird. gegen vertauschung der rollen bleibt das gefühl nach beiden seiten empfindlich: [] oft spielt die frau den mann, oft wird der mann ein weib Heräus
ged. (1721) 227; die männer werden weiber, das weib hingegen mann Dusch
verm. werke (1754) 193.
ein vergleich im lobenden sinne wäre der alten zeit unmöglich, bleibt in neuerer vereinzelt: mann dem gedanken, weib dem herzen nach Freiligrath (1858) 5, 346. VI@F@11)
der mann wird mit dem weib
verglichen: VI@F@1@aa)
als schwächling nur in mhd. zeit, doch damals sehr oft, s. Hartm v. Aue
Iwein 1170;
Alpharts tod 90; Ulrich v. Lichtenstein
frauend. 269, 20; Enenkel
weltchr. 15520; Konrad v. Würzburg
Troj. 34868;
livl. reimchron. 1933; Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Östreich 3078. VI@F@1@bb)
als feigling wie mhd. (Hartm. v. Aue
a. Heinrich 1122;
Iwein 3001
f.; Konrad v. Würzburg
Engelhart 6262)
so bis in neueste zeit: dann sitz ich unglückhaffter tropff und zittren grad wie ein alts wyb H. R. Manuel
weinspiel (1548) 583
neudr.; seyt nit so forchtsam als die weiber Spreng
Ilias (1610) 50
a;
entspr. 18
b; warum denn so traurig, aller muth fort, so in die winkel weggekrochen und geheult, wie ein altes weib Tieck (1816) 3, 251; einmal bin ich kühn und unternehmend, und das andremal machen ängstliche besorgnisse mich zaghaft wie ein altes weib Boyen
bei Meinecke 1, 130; een keerl as 'n oll wiif Dähnert
plattd. 549
a. VI@F@1@cc)
gleichfalls aus dem mhd. (
Salman u. Morolf 750, 4;
Nib. 1952;
klage 511;
Parzival 298, 14; Ulrich v. Lichtenstein
frauendienst 376, 2;
Laszbergs liedersaal 3, 329)
reicht der vergleich des weinerlichen mannes mit dem weibe: Marcius gieng von einer rot zuo der andren, tröstet und strafft, was sie doch damit meynten, dasz sie clagten, als die weiber Carbach
Livius (1514) 143
b; (
er) weint wie ein altes weib Raimund (1855) 8, 10. VI@F@22)
der mann wird weib
gescholten VI@F@2@aa)
als schwächling erst in neuerer zeit: ist er (
der nüchterne) eyn edelman, so muosz er darumb ein weib sein, ein saugenzypffel, ein küssenpfenning Franck
trunkenheit (1531) H 1
b; er welte iro zween des tags beston, dann si sigind wol halb wiber Tschudi
chron. helv. 1, 358; aber er stöszt mich (
Kain den Abel) weg, ich bin ihm zu weich, ein verächtliches weib maler Müller 1, 74; sie nannten ihn (
den christenbund) eine gesellschaft von tröpfen und alten weibern Freytag 17, 216 (
bilder 1, 4); er hat auch der herren, die ihn verhörten, gespottet, hat sie alte weiber in pluderhosen genannt Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1911) 2, 118;
entspr. Schöpf
tirol. 807. VI@F@2@bb)
als feigling, wie schon mhd. (
kaiserchron. 14119; Reinmar v. Zweter 59, 5),
so weithin in nhd. poesie und prosa: noch me so redt der stolze man: ir sind wol halbe wibe?
Liliencrons volksl. 1, 54 (
aus Bern 1536);
Agesilaos (
beim anblick des befestigten Korinth): mich dünckt in all mein sinnen, weiber darinnen send, zaghafft, wehrloser hend Sachs (1563) 16, 311
Keller; ihr Griechen habt verzagte leiber, ihr seyt nicht männer, sondern weiber Spreng
Ilias (1610) 17
b; so musz er endtlich kein larvenmann sein, kein alts weib ... sondern ein warhafftiger mann musz er sein Paracelsus (1616) 1, 226
c Huser; die fürgebildete gefahr könte nur weiber von hertzhafften entschlüssungen zurüke halten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
a; da geht er, der barmherzige schlucker ... da zittert das alte weib Lessing (1749) 2, 64 (
freigeist 1, 5); philister, egoisten, alte weiber mit und ohne hosen
briefe von u. an Herwegh 34; geht er ihm nicht schnell genug, er altes weib, so heisz er ihn eilen O. Ludwig
ges. schriften 1, 292; du bist gar kee mann, du bist a alt weib Hauptmann
biberpelz (1893) 67.
gern in den wörterbüchern, zumal den mundartlichen: Adelung (1786) 5, 122; Meynier
t.-franz. handwb. (1802) 2925; Hunziker
aarg. 295; Seiler
basl. 314
b; Martin-Lienhart
els. 2, 780
b. VI@F@2@cc)
der wortreiche, klagende mann wird weib
gescholten: solche politische alte weiber Göthe (1790) I 12, 50
Weim.; [] wenn man wenige schriftsteller ausnimmt ... so liest man überall nur abgedruckte weiber Jean Paul
friedenpred. (1808) 39. VI@F@33) einen zum weibe machen
als treuste übersetzung des lat. effeminare (Hederich
prompt. 2618; Steinbach 2, 958)
ist im 16./17.
jahrh. beliebt: hab von frau Venus so vyl ghört, wie das sie kön mit kluogen sachen ausz mannen halbe wyber machen Gengenbach
gouchmat (1516)
v. 575
Gödeke 132; wo aber langer dienst euch gantz zu weibern macht, so laszt mich hier allein Gryphius
trauersp. (1657) 171; Cotys, welchen ... die wollüste aber zu einem weibe machten Lohenstein
Arminius (1690) 2, 31
b. VIIVII. weib
ist unendlich oft träger des tadels, der den frauen von männern widerfährt, sehr viel seltener träger des lobs, das ihnen etwa gespendet wird. VII@AA.
was dem weib zu leid gesagt wird, gilt VII@A@11)
den drei groszen feldern seelischer bethätigung. VII@A@1@aa)
tadel ihres verstandes. der männliche dichter läszt die frau sagen: ich bin ein wîp: næm ich mich an ze râtenne als ein wîser man, sô wær ich tumber danne ein kint Hartm. v. Aue
Iwein 7851; er ist noch tumber dann ein wîp Enenkel
weltchron. 10490
Strauch; wenn die weiber unsinng wern, so ist nit gut bey in zu hausen Sachs (1550) 6, 132
Keller; wann dann zween oder mehr zierlich redende literati von andern gehöret werden, die gleichwol ungelehrt oder wol gar nur weiber oder kinder seyn, so öhmen sie jenen alsobalden ... ihre sprach nach Grimmelshausen
t. Michel (1673)
c. 11
z. 27
Khull; das weib ist zwar kühn genug, doch fehlt es ihr an verstande Steinbach (1734) 2, 958;
ebenso Nieremberger (1753)
s. v. weib; vernünftig denken — — eine seltne sache bei männern und noch seltner bei weibern Göthe (1805) I 45, 42
Weim.; entspr. IV 28, 78.
der tadel des weiblichen intellects verdichtet sich zum sprichwort: ein weib dasz sich gscheid dunckt, ist ein dopel nerrin
sprichw. (
Egenolf 1548) 142
b;
ebenso Fischart (1578) 3, 271
Hauffen; Franck
sprichw. (1591) 24
a.
viel häufiger: weiber haben lange haare (kleider, röcke) und kurzen sinn (mut, verstand)
Winsbekin 19, 1
Haupt; Wiener osterspiel (1472) 98
Froning; Sachs 4, 332; 12, 340
Keller; Praetorius
blocksberg (1669) 132; Stieler (1691) 2470; Dentzler
clavis (1697) 1, 281
b; 2, 345
a; Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 201; Frischbier
preusz. sprichw. 1, 278; Viebig
weiberdorf (1905) 234;
vgl. W. Grimm
zu Freidank
s. 393
f.; J. Grimm
gött. gel. anz. 1832
s. 717; Suringar
zu Bebel
prov. 200. VII@A@1@bb)
tadel des weiblichen gefühlslebens, ihrer leichten beweglichkeit und raschen gefühlsäuszerung waltet VII@A@1@b@aα)
vorwiegend im sprichwort: die weiber lieben oder hassen, da ist kein drittes
sprichw. (
Egenolf 1548) 153
b; weiber sint weychmütig aber nicht weychgütig, schnellredig und faulthätig Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 270
Hauffen; weiber heulen und auch weynen, der spieler schweren bey stein und beinen, der bauren betten bey trunckner nacht, geschicht alles ohne andacht Buchler
gnomologia (1636) 160;
ähnlich bei Wegeler
philos. patrum (1877)
nr. 942. VII@A@1@b@bβ)
häufigster tadel einer gefühlsäuszerung ist die klage über die schwatzhaftigkeit des weibes: jâ gesprichet lîhte ein wîp des sî niht sprechen solde. swer daʒ rechen wolde daʒ wir wîp gesprechen, der müese vil gerechen Hartm. v. Aue
Iwein 7674. 77; wer solte sich an wîbe rede chêren?
kaiserchr. 12306
Schröder, danach Ottokar
östr. reimchr. 14975; seyd ihr nicht wie die weiber, die beständig zurück nur kommen auf ihr erstes wort, wenn man vernunft gesprochen stundenlang? Schiller (1799) 12, 250 (
Wall. tod 2, 3);
[] wie aber weiber im unglücke sind, der vornehme stand hält die zunge ihres unwillens nicht zurück Arnim (1812) 1, 174; der meister ... hörte nichts von dem ... schnattern der weiber Raabe
hungerpastor (1864) 1, 7.
der tadel weiblicher schwatzhaftigkeit widerum gern im sprichwort: wo weiber und gänse zusammen sich gattern da hat kein ende jhr gackern, jhr schnattern Güntzel
haubtschlüssel (1648) 847
b; drey weyber mit jhrem geschrey, die machen einen jarmarckt frey
loci comm. prov. (
Basel 1572) 131;
ebenso Bebel
prov. (1508)
nr. 402
Suringar; Kirchhofer
schweiz. sprichw. 202; Wegeler
philos. patrum nr. 812; al vorgęves arbeidet he, de der wyve worde tellen wil Tunnicius (1514) 104
nr. 1299
Hoffmann; einem weib sol man nichts heymlichs sagen, dann sie künnen nicht schweigen
sprichwörter (
Egenolf 1548) 48
b; ein weschhafftig weib ist einem stillen man, wie ein sandiger weg hinauff einem alten man
Sir. 25, 26;
danach Sachs (1562) 19, 105
Keller-Götze; da ist rhu, da keyn weib kommt zu Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 267
Hauffen; d wiwer han e gschliffe mul Martin-Lienhart 2, 780
b.
schweigen musz ihnen stets aufs neue empfohlen werden: schweigen steht den weibern wol an Franck
sprichw. (1541) 1, 25; wenig red ziert ein weib 2, 183; freundlich reden und wenig wort zieren die weiber an allem ort
loci comm. prov. (
Basel 1572) 130; sanfftmuth und schweigen seynd zwey herrliche tugenden der weiber Güntzel
haubtschlüssel (1648) 847
b; kein kleid stehet dem weibe besser an als schweigen Schellhorn
sprichw. (1797) 91. VII@A@1@cc)
sittlicher tadel in seiner allgemeinsten form stellt fest, dasz das weib
schnell zum bösen ist: wann die weiber auff die erd sehen, können sie gleich eyn betrug erspehen Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 271
Hauffen; es mochte nun seyn, dasz ... der fortgang der weiber im laster, der mit auszerordentlichen schnellen schritten geschiehet, alle natürliche zärtlichkeit bey ihr ersticket hat Abbt 6 ii
b 25
f. schwäche, launischer, unberechenbarer sinn folgen: schwachheit, dein nam' ist weib (
frailty, thy name is woman) Shakespeare 3, 156
Schlegel (
Hamlet 1, 2); als ob ich gelernt nicht hätte, dasz Europa ist ein weib Müllner
dram. werke (1813) 2, 82 (
schuld 3, 1); weiber gleichen dem wärmemesser, der in einer schnellen wärme einige grade sinket, ehe er um viele ordentlich steigt Jean Paul 11, 215
Hempel. am ältesten und häufigsten ist tadel des wankelmuths. er setzt früh im mittelalter ein (Hartm. v. Aue
Iwein 5258; Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 5470;
Parzival 825, 25; Freidank 103, 27. 104, 12;
d. Cato 409
Zarncke),
wird dann gröber, wie die ganze zeit, und findet bei den classikern seinen ausgleich: es ist ains leichten wert, darumb sich wetter und weib verchert
Innsbrucker hs. des 15. jahrh. bei Zingerle
zs. f. d. phil. 9, 86; weiber gemüt, herrn gunst, aprillen wetter und fedderspiel verkeren sich oft, wer es mercken wil Agricola 300
sprichw. (1529) 281; Plato sagt: ein weib all frist ein unrhüwiges ubel ist Sachs (1555) 20, 238
Keller-Götze; kurz du bist ein weib, o Zaida, nur geneigt zum unbestande Herder (1778) 25, 157; du verklagest das weib, sie schwanke von einem zum andern! tadle sie nicht: sie sucht einen beständigen mann Göthe (1782) I 2, 131
Weim. im einzelnen verfolgt sittlicher tadel am weib
vor allem vier laster. VII@A@1@c@aα)
putzsucht und eitelkeit: de wyve sticken sick den helen dach lank Tunnicius (1514) 95
nr. 1169
Hoffmann; weiber schön ist ein verdeckter unflat Franck
sprichw. (1541) 23
b; der weiber unflat ist versilbert (1591) 25
b; weiber gestalt ist nur gemalt. schön ist jr krag, umb den hindern wie sie mag
sprichw. (
Egenolf 1548) 142
b; es kans
[] kein weib lassen, wann sie vor einem spiegel übergehet, sie muosz jhn heszlich ansehen 120
b; die weiber treiben all jhren wandel mit rath des spiegels Schottel (1663) 1140; wiewol Minerve gar miszfällt die pfeiff, weil sie den mund verstelt: soll man sich doch nicht ärgern lon, dann sie red wie ein weib dar von Fischart
musiz. frauen (1573)
bei Hauffen
Euph. erg.-h. 7, 201; ihr gebt ein weib in unsre hände die mehr trägt als ein kleider-schranck Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 9; die weiber sind die ewigen thierwärterinnen des raubthiers des luxus Arnim
trösteins. (1808) 30
Pfaff; weib bleibt weib, und ehe das interesse für ein neues kleid aufhört, musz es arg kommen Seidel
vorstadtgesch. 99. VII@A@1@c@bβ)
an ihrem liebesleben ist dem mann die abweichung von dem seinigen tadelhaft: so lang' ein weib liebt, liebt es in einem fort — ein mann hat dazwischen zu thun Jean Paul 15, 301
Hempel; das arme mädchen ... hatte gefühlt, welche elende creatur ein weib ist, das mit dem verlangen nicht zugleich liebe und ehrfurcht einflöszt Göthe I 21, 45
Weim.; sie war nicht liebenswürdig, wenn sie liebte, und das ist das gröszte unglück, das einem weibe begegnen kann I 23, 79.
aus solcher verschiedenheit der anlage erwächst tadel ihrer raschen liebe und weiter der vorwurf der verbuhltheit: von natur ist iecleich weib unkeusch gar an irem leib Wittenweiler
ring 76
Bechstein; ein schön weib ist ein buobenspiegel. des weibs aug ist ein feur spiegel
sprichw. (
Egenolf 1548) 142
b; ich kenne zarter weiber sinnen, wie schleunig der sie kan gewinnen, der nur die rechten griffchen weisz Stieler
geh. Venus (1660) 37
neudr.; böses unzüchtigs weib
uxorcula Schönsleder
prompt. (1622) Nn 3
b; verbultes weib
une coquette Pomey
groszes kgl. wb. (1709) 3, 339
a; es ist eins von den glühenden weibern ... ein weib, an dem nichts mehr zu verderben ist Lenz
dram. nachl. (1775) 323.
das derart verdächtigte weib
ist dann schwer zu hüten: es ist besser einer wannen voll flöh hüten, dann eines weibs, die nicht an jhr selbs fromm ist
sprichw. (
Egenolf 1548) 154
a;
entspr. Martin-Lienhart 2, 781
a; weiber, die schöne, glatt, jung und zahrt, müssen mit sorgen auch mancher art stets seyn bewahrt
Venusgärtlein (1656) 13, 5
neudr. früh regen sich bedenken gegen die zweckmäszigkeit der hut: swie sêre ein wîp behüetet sî, dannoch sint ir gedanke frî Freidank 101, 5;
entspr. 101, 8. 9;
Winsbekin 30, 1. 32, 1: wenn ein weib sich nicht selber hüten will, so mag jhr kümmerlich von andern gehütet werden Güntzel
haubtschlüssel (1648) 848
a. VII@A@1@c@gγ)
die falsche list der weiber
ist sprichwörtlich: in bösen räthen seind die weiber uber die mann Franck
sprichw. (1541) 70
b; den wyven steit nicht to löven Tunnicius (1514) 39
nr. 342
Hoffmann; glaub keinem weib, wenn sie auch tod ist
sprichw. (
Egenolf 1548) 142
b;
ebenso Franck (1591) 24
a; brunst, des meers flut und des weibs duck sind über alle stuck
sprichw. 142
b; wann mann des listlins spielt, so darffest du keinen an eins weibes statt stellen
das.; ebenso Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 271
Hauffen; Franck
sprichw. (1591) 24
a; die weiber künnen all ein kunst, das ist: triegen, den narren boren, den affen treen, dem rappen das muosz einstreichen und was sich zum bösen reimpt
sprichw. (1548) 143
a;
ebenso Franck (1591) 24
b; weiber können all eyn kunst, die heyszt truggespunst Fischart 3, 271; mann sol weibern und der schosz nicht trawen
sprichw. 142
b;
ebenso Franck (1591) 24
a; die weiber sint mit also bösem wasser gewäschen, das die eynfaltigste neunfaltig ist Fischart 3, 271;
entspr. Franck (1591) 24
a; die weiber haben neunundneunzigerlei list und noch 'nen sack voll Frischbier
preusz. sprichw. 1, 278; wer den weibern traut und die betten verkauft, liegt ewig auf stroh 279; denn schon seit vielen jahren her traut man den weibern nicht Göthe (1767) I 37, 39
Weim. [] VII@A@1@c@dδ)
ihre unverträglichkeit, schmäh- und zanksucht: wen enschelden de wyve nicht? Tunnicius (1514) 38
nr. 329
Hoffmann; ein weib ist ein unleittig thier Franck
sprichw. (1541) 149
a;
ebenso sprichw. (
Egenolf 1548) 177
a; er darff nie kifen kauffen, sein weib gibt jm zu weihnachten genuog 26
b; ein klaffend weib heyszt selten fromm 148
b; ein zänckisch weib und ein platzregen vergleichen sich zsamm allerwegen: der regen mit seim steten trieffen, das weib mit irem zanckn und kieffen Sachs (1564) 19, 349
Keller-Götze; entspr. 19, 106; wer on zanck lebt, ist mit keym weib beschleppt, und dem keyn weib anhangt, derselb auch nicht zanckt Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 267
Hauffen; wënn zwei wiwer zämme kumme, is ein ze vil Martin-Lienhart
els. 2, 780
b; drei wîwere in einen hûse sint twei te vêle Schambach
gött. 297
a (
von frau und schwieger oder den beiden schwiegermüttern im jungen haushalt). VII@A@22)
zum gesammtvorwurf verdichtet sich alles, was dem weib
zu leid gesagt wird VII@A@2@aa)
in dem ausdruck böses weib,
seit dem 64.
cap. von Brants
narrenschiff (1494)
geradezu literarisches motiv. VII@A@2@a@aα)
der ausdruck ist älter: wil du sælic werden ze himele und ûf erden, mît bœsiu wîp unde spil
d. Cato 557
Zarncke, und, wie hier, früh fest als glimpfwort für '
dirne'
: fornix eyn bose wip
voc. lat.-germ. (
Mainz 1414)
bei Diefenbach
gloss. 244
a;
vgl. nov. gloss. 180
a; (
die) wolt in unbescheidenlich zuo den andern bösen weiben ziehen
summerteil der heil.-leben (1472) 2
b; wöllest dich hütten vor bösen schalckhafftigen weibern Schumann
nachtb. (1559) 83
Bolte. mit zunehmender häufigkeit wird dann der ausdruck harmloser: (
glück, mir) gabst armut und ein krancken leyb, ungeratne kind, ein bösz weyb Sachs (1543) 1, 439
Keller; zwey böse weiber sind sich gleich, die Isabel mit Catharinen Pietsch
gebundene schriften (1740) 293
Bock; welcher vor einiger zeit auf die bösen weiber eine lobrede gehalten hat Rabener
sämmtl. schriften (1742) 1, 198; weiber werden, gleich den engeln, eingetheilt in gute und böse. eine predigt über die bösen weiber von dem pfarrer Brephobius am fünften sonntage nach epiphanias 1781 gehalten Kindleben
studentenlex. (1781) 214
neudr. vielseitig und mit nachdruck nimmt sich das sprichwort zumal des 16.
jahrh. des bösen weibes
an: ein bösz weib macht betrübt das hertz Sachs (1562) 19, 105
Keller-Götze; entspr. 24, 14; nach der hochzeit erkent man des weibs boszheyt
sprichw. (
Egenolf 1548) 25
b; alle boszheit ist ein schertz gegen eins weibs boszheit 142
b;
ebenso Fischart 3, 271
Hauffen; es ist nicht über ein bösz weib
fœmina nihil pestilentius sprichw. 44
a;
ebenso Franck (1591) 23
b; das weib sei böser, weder der aller ärgste man, der das frömste weib nimmt Fischart 3, 270; böses weib ist ein böses kleinod Schottel (1663) 1131; böse weiber machen böse männer Serz
t. idiotismen (1797) 174; alles in der welt, nur kei bös wyb Martin-Lienhart 2, 780
b; behüt uns der lieb herrgott vor böse wiwer un bettelbrod
das. VII@A@2@a@bβ)
es ist unverbesserlich: es hilfft nicht an eim bösen weib Franck
sprichw. (1541) 68
b;
sprichw. (
Egenolf 1548) 153
b; bösen weibern kan niemand steuren 34
a;
ebenso Schottel 1130; böse weiber und lumpen gehören zur papiermühle Frischbier
preusz. sprichw. 1, 278; wer ein böses weib hat, der gehe in den wald am montag, schneide einen stock am dienstag, komme nach hause am mittwoch und prügle sein weib am donnerstag: so stirbt sie am freitag. begräbt er sie am sonnabend, dann hat er einen lustigen sonntag 2, 194. VII@A@2@a@gγ)
das böse weib
hat es mit dem teufel zu thun oder ist einer, nicht in matter metapher, sondern im buchstäblichen glauben der alten zeit: ey, ey, er hat das bösist wyb, der tüfel stäckt jr gwüsz im lyb H. R. Manuel
weinspiel (1548) 163
neudr.; weh, weh mir, meim gesunden leib: es hats gethan ein böses weib, ein zäubrin hat bezaubert mich Gilhusius
gramm. (1597) 3, 8
s. 85;
[] welcher ein bösz weib hat, braucht keinen teufel Dentzler
clavis (1697) 2, 345
a; 'n kwâd wîf hed de düfel to'n swager Doornkaat Koolman 3, 548
a.
selten fehlt in solchem zusammenhang das prädicat böse: es ist ... kein weib on einn teuffel
sprichw. (
Egenolf 1548) 45
b; wenn de wiewer wasche on backe, hebbe se ömmer den diewel öm nacke Frischbier
preusz. sprichw. 1, 279. VII@A@2@a@dδ)
man findet sich auch damit ab: ein bösz weib ist nicht bösz, wann mans kennet
sprichw. (
Egenolf 1548) 58
a;
ebenso Franck
sprichw. (1591) 25
b; ein bösz weib, so man für bösz helt, ist sie guot 65
a; eyner, der eyn böses weib hat und kennt sie, weys sich inn jren kopf zurichten, der wolt etwa nicht, das er eyn andere hette Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 271
Hauffen; ebenso Franck (1591) 24
a; es ist nit mehr dann ein bösz weib
sprichw. 143
a; es ist nicht mehr, dann eyn bös weib, meynt eyn jeder, er habs Fischart 3, 272;
entspr. Schottel 1123; Lessing (1753) 1, 12; Tendlau
sprichw. jüd. vorzeit (1860)
nr. 735; es gibt nur zwei vollkommen gute weiber auf der welt, die ein' ist gestorben, die andre nicht zu finden
das. spät und schüchtern wagt sich eine ehrenrettung hervor: doch hänget manchem weibe gleich nichts ... von diesen fehlern an Neukirch
ged. (1744) 39. VII@A@2@bb)
das alte weib
wird selten harmlos erwähnt: die not machet auch ein alt weib traben
sprichw. (
Egenolf 1548) 62
b;
ebenso Schottel (1663) 1142;
entspr. Göthe III 1, 150
Weim. kaum je wird ein dichter ihm gerecht: alte weiber sind die sträuche, drauff für zeiten rosen stunden Logau
sinnged. 2, 3
nr. 49
Eitner; noch seltener wird eines gelobt: ein altes weib brach endlich beherzt aus einem kämmerchen hervor und trieb den ganzen schwarm mit einem besen allmählig aus dem hause G. Keller 1, 168.
die herrschende vorstellung ist vielmehr, dasz das alte weib
alle weiblichen laster vereinige und alle vorwürfe gehäuft verdiene. äuszerlich ist es reizlos: (
ein floh spricht: ich) speut schier wann man mir etwan seit von den mägten und alten weiben Fischart
flöhaz 103
neudr.; Gerhard hat den heurrahtssprung kurz verwichner zeit gewaget, und ein altes weib gekriegt Grob
dichter. versuchg. (1678) 23; altes weib, du bewunderst mit recht Bettinen! du scheinst mir jünger zu werden und schön, da dich mein liebling erfreut Göthe (1790) I 1, 318
Weim.; heut haben sie (
der haarkünstler) ein altes weib aus mir gemacht Hofmannsthal
rosenkav. (1911) 40; un wann m'r brav stein im acker het un au e stumpfe pflueg, un het en altes wib im hüs, ze het m'r kriz genue Kassel
sprüchle im els. volksmund (1912) 25;
dennoch gilt es als verbuhlt: der milzsüchtige podagrische moralist von einem gewissen mag runzlichte weiber aus bordellen jagen Schiller 2, 141 (
räuber 4, 2); wat ôle wîwer frîe ward kein pâpe trîe (
trauen) Frischbier
preusz. sprichw. 2, 194,
und genuszsüchtig: es ist kein kinderspil, wenn ein altes weib tantzet
sprichw. (
Egenolf 1548) 133
b;
ebenso Schottel (1663) 1140; Schellhorn
sprichw. (1797) 21; wann ein alt weib dantzt, so macht sie dem tod ein hoffrecht Franck
sprichw. (1591) 65
a; wan faule pferde erst ziehen, alte weiber tantzen, und weisze wolken regnen, so ist kein aufhören Schottel 1120;
entspr. Schellhorn 46; Frischbier
preusz. sprichw. 2, 194; es kommt ihm wie dem alten weib das tanzen Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 201.
das alte weib
ist schwatzhaft: schwäze wienen alt wib Seiler
basl. 314
b; rätsche wie d alte wiwer Martin-Lienhart 2, 780
b; babble wie 'n alt wiew Follmann
lothr. 541
b; ein altes weib und ein dudelsack brummen beide bei nacht und tag Frischbier
preusz. sprichw. 2, 193,
es wird entsprechend beschäftigt: prefice alde wiber by der baher
que funeri preficiuntur Diefenbach
nov. gloss. 301
a aus Trochus
voc. rerum (1517).
namentlich zur zwischenträgerin brauchbar und benutzt: daʒ iunge weyb, die Andreuczo seckel war genomen hett und ir altes weyb so gar freuntlichen mit im het sehen reden Arigo
[] dec. 79, 17
Keller; diser santbrief wiewol er Euriolum herter und scherpfer sin beduocht, danne er nǎch sage des alten wybs gehoffet hett
N. v. Wyle
transl. 35, 29
Keller; dessen hat mir das alt weib ein anzeig thon Boltz
Terenz (1539) 100
a (
adelphi v. 617); doch hüt dich vor den berentreibern! beschleusz dein hausz vor alten weibern Sachs (1554) 17, 113
Keller-Götze; das alte weib hatte sicher eine böse absicht bei diesem vorschlage; das kuppeln war lange ihr hauptgeschäft Arnim (1811) 1, 19
Grimm. nächstdem pfuscht es den ärzten ins handwerk: noch ist sunst ein kalter brant, deren ich vil gesehen hab, die do seint durch alte weyber und unverstanden barbyerer verwarloszet worden Gersdorff
wundarznei (1517) 66, 2
a; diese receptschreiber lehren ihr höchste kunst von den ammen und alten weibern Bock
kreuterbuch (1539) 6; er fragte keinen arzt um rath, ein altes weib musz rathen R.
Z. Becker
Mildh. liederb. (1799) 74,
und giebt sich als prophetin: propheten unsrer zeit, zigeuner, alte weiber, und wer ihr alle seyd, der neugier zeitvertreiber! nun ists um euch gethan Uz
werke (1746) 59
neudr. in seinem geschwätz hirnlos und leichtgläubig: (erdichte mirackel) do mit man meer gält ausz truck von den wiberen, alten und bald gelöübigen Eberlin v. Günzburg (1521) 1, 154
neudr.; alter weiber theding
sprichw. (
Egenolf 1548) 149
b; alt weyber fablen, tant, märy Maaler (1561) 490
c,
neigt es zum aberglauben, weissagt aus träumen (Walther 95, 8; Stricker
kl. ged. 3, 152
Hahn; Konrad v. Würzburg
Troj. 19184)
und hat es mit dem teufel zu thun: wann solcher alter weiber drey fingen im feld den teufel frey Sachs (1545) 9, 43
Keller; es sind auch noch andere geschosz, welche die alte weiber und wettermacherinnen wohl wissen zuzurichten v. Hohberg
georg. cur. (1715) 3, 224
b; ich glaube, das alte weib war eine hexe Lenz
ges. schr. (1774) 1, 63
Tieck; die armen alten weiber, die mit hülfe des teufels eben jene dinge ... bewirkt haben sollten Strausz
schriften (1872) 6, 14;
als zauberformel beim sodbrennen: d
e saud
e d
e süt m
ek, dat al
e w
eīf dat brüt (
plagt) m
ek Bauer-Collitz
wald. 16
a; b d
e d
oǖw
el nit selw
er kum
en kan, d šhik
et
e en alt w
eīf hin
e 112
b; dat schal fan dage 'n hêten dag worden, sä't olde wîf, do schull sê ferbrand worden Doornkaat Koolman 3, 548
a.
vom sprichwort wird das alte weib
besonders schlecht behandelt: alles hat seine zeit, nur die alten weiber nicht Kirchhofer
schweiz. sprichw. (1824) 202; es währet lang, ehe alte weiber jung werden, ehe dies geschieht, müszten eher alle teufel erschlagen werden Frischbier
preusz. sprichw. 1, 278; e ohl wiew heft söck opgehängt (
wenn sturm geht) 1, 279; an olde hûsen un olde wîfen gift't altîd wat to flikken Doornkaat Koolman 3, 548
a. VII@A@2@cc)
der gesammtvorwurf auf den mann bezogen, von dem er ausgeht, stellt das weib
als gefahr für den mann hin. die entgegengesetzte vorstellung, das weib
könne einem verderbten mann seelisch oder wirthschaftlich zum segen sein (
s. u. VII B 6),
wagt sich daneben kaum hervor: als man an dem buoche liset, daʒ ofte ein übel man geniset von sînes wîbes güete
kindheit Jesu 1019
Feifalik; der 't wiif goed húshâldt, dêr waechst spek oan 'e balke Dijkstra
westfries. 3, 442
b.
vereinzelt wird ein ausgleich gesucht: der freuden und der marter quelle und heil und gift für seel' und leib, der erde paradies und hölle liegt in dem worte weib Seume
ged. (1804) 125. VII@A@2@c@aα)
als gefahr für den mann wird das weib
schon vom mittelalter beredt nach allen seiten dargestellt (Hartm. v. Aue 1.
büchl. 1119; Wirnt v. Gravenberg
Wigalois [] 39, 14; Walther 90, 32; Freidank 99, 13. 101, 24. 104, 16. 25. 105, 14;
Parzival 450, 6),
als geduldprobe und harte schule für ihn tritt es ins nhd. ein: das schreckt die jungen leut von der ehe, das sie sehen, wie es so wunderlich zu gehet, und sprechen ... es lernt sich wol bey eym weybe (
ducta uxorcula, accepto malo peritum fieri Obsopoeus) Luther (1524) 15, 365
Weim. auch ferner geht das sprichwort voran: von weibern kompt nichts guots Franck
sprichw. (1541) 2, 103
a; es ist besser weiber zubegraben, dann zuo kirchen füren (1591) 24
b; eim alten mann ist ein junges weib ein tödtlich gifft, und kein leichterer tod, dann eim alten mann ein jung weib
sprichw. (
Egenolf 1548) 42
b; weiber sind des teuffels klob, damit er fahet, was nur auffsitzet Fischart
ehzuchtb. 3, 271
Hauffen; lügt das sprichwort wohl: dasz mönch und weib, und weib und mönch des teufels beyde krallen sind? Lessing 3, 35 (
Nathan 1, 6).
noch oft dringt die anschauung des sprichworts in literarische zeugnisse ein: ich möcht gern wissen, wie der hiesz, der sich vom weib nicht narren liesz, sagt ein mal ein einfältiger gispel Abr. a S. Clara
reimb dich (1702) 25; die weiber sind an allem unglück in der welt schuld Lenz
ges. schriften (1774) 1, 88
Tieck; wer wird ihm übel nehmen, rief sie aus, dasz er ein geschlecht haszt, das ihm so übel mitgespielt hat, und ihm alle übel, die sonst männer von weibern zu befürchten haben, in einem sehr concentrirten tranke zu verschlucken gab? Göthe (1796) I 22, 29
Weim.; weiber wären die schlimmsten fahrzeuge, in denen ein mann sich in die offene see des lebens wagen könnte Jean Paul 11, 337; das lüftet noch eine mannsbrust aus von den schaben, die die weiber hineinbringen Gött
mauserung (1908) 99. VII@A@2@c@bβ)
gern wird die üble erfahrung in form eines berichts oder mit geschichtlichen belegen oder als warnung gegeben: der weiber lieb hat vil bedört v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 116; er ... was durch anrichtung eins wibs vergifft worden Tschudi
chron. helv. 1, 2; ein weib, voll zorn und list, bracht endlich mich ins grab Canitz
ged. (1727) 76; die verdammten weiber! die weiber haben mich zum procesz gebracht Lessing (1748) 2, 3 (
misogyn 1, 1); David, welcher durchs unbehutsame anschauen eines weibs den ehebruch ... begangen Albertinus
hirnschleifer (1664) 51; (
Hannibals volk) ward unseglich ... geweychet und ir manlich gemuot durch die schönen weiber ... verkert Carbach
Livius (1514) 120
a; Kapua besiegte Cannä's sieger ... entfernt dem lager bleibe das weib Herder (1795) 27, 109; flieh vor dem weibe, freund; in deren netzen ist erst berauschung und sodann entsetzen Seume
ged. (1804) 18. VII@A@2@c@gγ)
als gefahr wird das weib
mit anderen gefahren zusammengestellt, gern in stabreimender formel (
s. o. th. 13, 4): die weiber und
wollust werden
letale mel ... genent Franck
sprichw. (1545) 1, 6
a;
wein und weiber machen all welt zu narren
sprichw. (
Egenolf 1548) 142
b; die weisn bethören weibr und wein Sachs (1562) 19, 77
Keller-Götze; entspr. 22, 386; wein und weiber machen alle welt zu narren Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 271
Hauffen; entspr. Hohberg
georg. cur. (1715) 3, 108
b; Brockes 4, 143; Bräker
sämtl. schriften 2, 183.
auch als warnung: hat euch aber dieszmal wein und spiel in verlegenheit gesetzt, so hütet euch nun vor wein und weibern Göthe (1821) I 25 i 137
Weim. selten anerkennend: es leben die alten, die weiber und wein viel höher gehalten, als edelgestein Miller
ged. (1783)
nr. 16
s. 43; wein weib und
würffel fahet alles an einem w
an. darumb verderbt dieser einig teutsch buochstab manchen man Franck
sprichw. (1541) 2, 46
b; der wein und der würfel (etliche sätzen das dritte w das weib darzu) erweisen des menschen natürliche neigung Butschky
Pathmos (1677) 320;
entspr. Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 133; Scherer
lit.-gesch. (1894) 77.
in wechselnden verbindungen wird auf den stabreim auch einmal verzichtet: [] von der stärcke des königs, wein, weiber und der warheit ... ist allhie nicht zu disputieren Kirchhof
wendunmuth (1563) 2, 13
Österley; brunst, des meers fluot, und des weibs duck, sindt uber alle stuck Franck
sprichw. (1591) 23
b; wein macht voll, würffl macht toll, wagen fällt um, wolff bringt um, wald ernährt dieb, wand verhindert lieb, winter bringt schnee, wunden macht wehe, wurm thut nagen, weib thut die gantze welt plagen Abr. a S. Clara
bescheidessen (1717) 173; weiber und wein und spiel und betrug machen des geldes wenig, des mangels genug Frischbier
preusz. sprichw. 1, 278. VII@BB.
was dem weib
zu liebe gesagt wird, drängt sich enger zusammen. VII@B@11)
zu beginn des 13.
jahrh. begegnen sich unsere gröszten dichter in einer ersten ehrenrettung des wortes weib (Kotzenberg 81
ff.): sô wol dir, wîp, wie reine ein nam! wie sanfte er doch z'erkennen und ze nennen ist Reinmar
minnes. frühl. 165, 28; swer wîbe tugende erkennen kan, sô sint si tiurre dan die man Freidank 102, 8; wîp muoʒ iemer sîn der wîbe hôhste name, und tiuret baʒ dan frowe, als ichʒ erkenne Walther 48, 38; wîp dêst ein name ders alle krœnet 49, 11; ein wîp sî junc oder alt, sine hât nicht einer vrouwen lîp, sine sî alrêste ein biderbe wîp Stricker
frauenehre 874
zs. f. d. alt. 7, 502.
mitten im cultus der frouwe
erinnert man sich, dasz schönheit und weibliche tugend, die grundlagen aller verehrung, kein vorrecht der edelfrau sind, dasz geschlecht vor adel geht, die inneren vorzüge über bildung und reichthum. so wird das höchste lob weiblicher tugend an die geschlechtsbezeichnung geknüpft, die starrheit höfischer formen tritt zurück. die dichter brauchen geflissentlich das wort wîp,
sprechen mit mehr wärme von ihm als von der frouwe,
setzen nicht herr
und dame
gegen einander, sondern man
und wîp.
unter der decke dieser ausdrucksweise bleibt aber die gesinnung höfisch gebunden. edle geburt bleibt vorbedingung der verehrung, thatsächlich sieht man die gepriesenen tugenden immer nur an der edelfrau. so kann es nicht ausbleiben, dasz auch die höfische ausdrucksweise sich bald wider durchsetzt. der vorstosz zu gunsten von wîp
erlahmt früh im 13.
jahrh. in der tradition der dichter wirken Walther
und Wolfram
eine weile nach, im breiten sprachgebrauch sinkt wîp
vom sittlichen lob bald wider zum ausdruck socialer geringschätzung. VII@B@22)
in drei gebrauchsweisen geht jedoch der hohe klang dem worte nie verloren. VII@B@2@aa)
in den ehrenden formeln êret gott und diu wîp
Iwein 6054, êre an mir elliu wîp
Erek 957,
Parzival 88, 27, durch elliu wîp 136, 16, durh got und durh der wîbe lôn
Willehalm 381, 21,
für die Grimm
myth.3 369
f. hohes alter beansprucht und die er an die göttliche verehrung der frauen in germ. vorzeit anknüpft. VII@B@2@bb)
in der sprache der bibel, ihrer bearbeitungen und der von ihr abhängigen geistlichen dichtung heiszen ohne jeden herabsetzenden klang weib
alle frauen des alten und neuen testaments, die die vulgata mulier
nennt, niedere wie hohe, die magd, die Petrus unter den kriegsknechten erkennt, die ehebrecherin und die grosze sünderin, wie die mutter des herrn und des Johannes, die israelitischen königinnen und Judith, seit dem 12.
jahrh. (Kotzenberg 63
ff.)
bis in Luthers
bibelprosa und in die von ihr abhängige liederdichtung hinein: frowe (
d. hl. Maria), nû gehôre mig. aller heiligeste wîf, vernim mig sundigeʒ wîf
Arnsteiner Marienleich 122
f. Müllenhoff u. Scherer; sich wîb, diʒ ist dîn suon
braunschw. reimchr. 7430
Weiland; er sprach zu jr: o weibe, Johannes ist dein son Corner
gr. gesangb. (1631)
nr. 382
bei Kehrein
gesangb. 1
nr. 363
str. 23; die weiber eylen schnell davon (
die drei Marien von Jesu grabe) den jüngern post zu bringen Gerhardt
lieder (1653) 3, 342
a Fischer-Tümpel; entspr. 334
a. 341
a.
[] danach von frauen allgemein in biblisch bestimmter rede: haben wir nicht auch macht eyne schwester zum weybe mit umbher zufuren, wie die andern aposteln? Eberlin v. Günzburg (1522) 1, 173
neudr.; eyn treues weib got geben thut die ihn bey steh in aller not Sachs (1531) 2, 310
Keller; ein weib, das gott liebt, ehrt und scheut, das sol man loben weit und breit Gerhardt
lieder (1653) 3, 377
b Fischer-Tümpel. gott sprach zu seiner mutter weib,
darauf berufen sich im 13.
jahrh. die vorfechter dieses ehrennamens. Regenboge
bei Frauenlob
berichtigt: si jehnt, got spreche '
mulier': daʒ ist ouch mîns gelouben ger Heinrich v. Meiszen
sprüche 154, 13
Ettmüller, Frauenlob
selbst greift noch spitzfindiger zurück: got sprach ze sîner muoter jüdisch, latîn niht ... nant er si nâch der vrühte ... sô sprach er 'vrowe' und niht 'wîp' 157, 7.
aber der vorherrschende eindruck bleibt doch: vil heilich und gehûre ist wîves name und wîves lîf: got sîne muoder nante wîf bruder Hermann
Jolanthe 5936
Meier; und wær niht reiner wîbes nam, sô wær got niht geboren
krieg v. Würzburg 121
Bartsch. VII@B@2@cc)
in wissenschaftlicher prosa bleibt dem worte im sing. und plur. bis in neueste zeit edler klang: der deutsche sinn ist immer ... gegangen auf ... achtungsvolle behandlung der weiber Thibaut
nothwendigkeit e. allg. bürg. rechts (1814) 419; die Adonien waren also ein trauerfest der weiber Humboldt
kosmos (1845) 2, 131;
entspr. 3, 482; in der regel bestehen die wohnungen aus zwei zimmern; das hintere ist für die weiber Moltke
ges. schriften (1835) 1, 137; dasz durch hasz und rachsucht eines einzigen weibes tausende von menschen dahin gerafft werden Scherer
lit.-gesch. (1894) 118.
von dieser seite sind Schopenhauer
und Nietzsche
bestimmt worden, das wort weib
wo immer möglich, zu bevorzugen, ihr vorbild bestimmt widerum heute die nachbeter, s. Theod. Lessing
weib, frau, dame (1910) 13. VII@B@33)
wesentlich durch den einflusz der bibel ist seit dem 18.
jahrh. der sing. weib
in der edleren sprache wider in seine alte würde eingesetzt, Wieland (1780) 23, 343; Paul
d. wb.2 643
a; Weigand
5 2, 1224: ein bösewicht, wenn er ... sein einzig glück darin setzt, ein weib ins verderben zu stürzen Lenz
ges. schr. (1774) 1, 55
Tieck; ich musz dir's (
Charlotte von Stein) sagen, du einzige unter den weibern, die mir eine liebe in's herz gab, die mich glücklich macht Göthe (1776) IV 3, 33
Weim.; entspr. I 1, 186; 3, 37; 8, 15
Weim.; wenn um solch ein weib ganz Griechenland und Troa ungemach erduldet hat Bürger 152
v. 203
Bohtz; du wirst das weib in seinen schmerzen sehn, und dann der mutter rätselvolle freude Gött
mauserung (1908) 102; dieses weib ist eine märtyrerin, eine heldin, sagte Theodor. er nannte sie weib als eine art auszeichnung. es ist eine ehre für die frau, sie als gattungswesen zu bezeichnen Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 60;
vgl. 130. VII@B@44)
weit vorher schon stellt man dem tadel ihres verstands, ihres gefühls und ihrer sitte das entsprechende lob entgegen. VII@B@4@aa)
lob ihres verstandes: guotiu wîp, hânt die sin, deste werder ich in bin
Parzival 827, 25; ouch lâ dîn wîp zornes vrî die wîle ir zunge nütze sî; sô si iht guotes welle sagen, sô soltu volgen unde gedagen
d. Cato 413
Zarncke; ein kluges weib befreyt also gelehrte männer von den sorgen Gottsched
ged. (1751) 154; doch armer ritter — dasz ihr männer ein solch geheimnisz vor uns weibern haben zu können, auch nur glaubt Lessing 3, 104 (
Nathan 3, 3); ein weib, wie Thais, unterscheidet wohl den mann vom gecken Göthe (1806) I 11, 351
Weim.; entspr. 21, 30
Weim.; [] je mehr der geist meines weibes sich emporschwang Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 16; ein natürliches ... wesen ... mit jenem jedesmal richtig treffenden verstande und feinem takt begabt, der weibern dieser art stets eigen E. Th. A. Hoffmann 14, 155
Grisebach; ein vernünftiger mann kan das vernünftigste weib aus ihr machen Bauernfeld
ges. schr. (1826) 1, 6. VII@B@4@bb)
lob ihres gefühls und ihrer raschen, reichen gefühlsäuszerung: ich hœre sagen, daʒ diu wîp nâch grôʒer ungüete vil snelle guot gemüete gevâhen von der minne Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 142, 6
Pfeiffer; bey denen Deutschen aber ist den männern nur das andencken, denen weibern das trauren allein anständig Lohenstein
Arminius (1689) 1, 11
b; bei kindern, und dem volk der sinne, bei weibern, bei leuten von zartem gefühl Herder (1772) 5, 16; dâr hebt jî 't all', sä 't wîf, do truk sê 't hart ût 't lîf Doornkaat Koolman 3, 548
a; der grosze mann, der stark von leib ein kleines artigs freundlichs weib kalt, wie er denkt und schreibt, umarmt Lessing (1755) 7, 5; natur hält ihre sitte, was scham auch sagen mag (
gegen die thränen): sind die erst fort, so ist das weib heraus (
the woman will be out) Shakespeare 3, 319 (
Hamlet 4, 7); o könntest du ein weib seyn und empfinden Schiller 13, 287 (
jungfrau 4, 2); und bin ich zehnmal weib, von dem man sagt, zur liebe sei's geboren Gött
mauserung (1908) 55.
lob des gefühlslebens ist stets enthalten in dem ausdruck liebendes weib: du gönnst dem jüngling deinen süszen leib, willst nicht mehr fürstin sein, nur liebend weib Tieck
schriften (1804) 1, 66; ihren manen opfr' ein liebendes weib die erste rose Matthisson
schriften (1825) 1, 76; (
ich) habe in eitlem leichtsinn das schicksal eines liebenden weibes an das meine gekettet Holtei
erz. schriften 2, 10. VII@B@4@cc)
das lob weiblicher sitte und sittlichkeit geht im mittelalter aus von der gerechten forderung, zwischen weib
und weib
zu scheiden: eʒ machet trûric mir den lîp, daʒ alsô mangiu heiʒet wîp. ir stimme sint gelîche hel: genuoge sint gein valsche snel, etslîche valsches lære: sus teilent sich diu mære. daʒ die gelîche sint genamt, des hât mîn herze sich geschamt
Parzival 116, 6; für wâr, diu wîp sint ungelîch: manegiu ist tugende und êren rîch; ir tugende man wol scheiden mac als die vinstrîn unde den tac Freidank 103, 3;
entspr. 103, 9; Winsbeke 10, 7.
das damit angebahnte sittliche lob findet dann reichen ausdruck in den attributen. VII@B@4@c@aα)
der schlichteste ausdruck ist gut: sun, wilt dû zieren dînen lîp sô daʒ er sî unfuogen gram, sô minne und êre guotiu wîp Winsbeke 11, 3;
entspr. 15, 6; Walther 91, 38.
nhd. nicht mehr recht ernsthaft verwendet: weil sie todt ist, das gute weib; sonst hätte sie ihr wort nicht gebrochen Lenz
ges. schr. (1774) 1, 60
Tieck. VII@B@4@c@bβ)
zum centralen lob der mhd. blüthezeit lenkt über: diu reinen wîp sint alle guot Wirnt v. Gravenberg
Wig. 142, 13
Pfeiffer, reines weib
bleibt das beliebteste lob bis ins 15.
jahrh.: Walther 93, 8; Winsbeke 14, 6; Reinmar v. Zweter
spr. 33
Röthe; krieg v. Würzburg v. 122. 174
Bartsch. zum charakteristischen ausdruck der nächsten epoche leitet über: nu wol dem manne uff erdendem hie zuo deil mach werden ein reynes bieder wib Muskatblut 49
str. 3
v. Groote; er spielt auch in der prosa des 15.
jahrh. seine rolle: lustsam, fro und wolgemut ist ein man, der ein biderbes weip hat, er wander, wo er wander
ackermann a. Böhmen 43, 8
Knieschek; s. biederweib
th. 1, 1813.
[] VII@B@4@c@gγ)
kernlob der reformationszeit ist dann, wider höchst bezeichnend, frommes weib,
zumal im sprichwort: ein frommes weib kan mann mit gold nit überwegen
sprichw. (
Egenolf 1548) 12
a; ein fromm weib ist jrs mans leib 107
a; es gehört vil zuo einem frommen weib oder mann 128
b; es ist der best hauszrath, der ein fromm weib hat 170
a; ein fromms weib ist des lebens heyl, man findts aber selten feyl 143
a;
ebenso Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 272
Hauffen; Franck
sprichw. (1591) 24
b.
infolge des bedeutungswechsels von fromm (
s. d.)
wird die formel in engere bedeutung gedrängt: dieser hasz, verbunden mit dem stiefmütterlichem und der eifersucht der königin, eines noch dazu frommen weibes Abbt
verm. werke 6 ii
b nr. 61. VII@B@4@c@dδ)
die neuere zeit wechselt gern im ausdruck des sittlichen lobes: Sara, das weyb tugentreich Sachs 1, 436
Keller; ein tugendsam weib ist vorab von gott ein köstlich schenck und gab 19, 107; von wegen der züchtigen weiber 2, 3; ein freundlich weib erfreut den mann 19, 107; ein wolgezogen weib vor allen die ist mit gold nit zu bezalen 19, 108; komm her Ceres du treues weib Scheidt
Grob. (1551)
v. 94
neudr.; sagts dem edlen weibe, der unglückseligen mutter nicht Klopstock
oden 1, 209; sie ist ein weib geraden und einfältigen herzens Schubart
leben (1791) 1, 103; wie unverständig müszte ein sittsames weib seyn, um sich so zu betragen? A. W. Schlegel
Athenäum (1798) 1, 158; edles, theures, segenreiches weib maler Müller
werke (1811) 1, 56. VII@B@55)
zwei eigenschaften dienen dem weibe
vor andern zum ruhme, jugend und schönheit. im idealbild der frau sind sie vereinigt: der ander het gern ein hüpsch jung wib gehan, der nam die göttin Venus für handen Vadian
v. alten u. neuen gott (1521) 7
neudr.; derselbig ein jung und aus dermaszen schön weib hat Lindener
rastbüchl. (1558) 163
Lichtenstein; denk dir ein weib im reinsten jugendlicht, nach einem urbild von dort oben aus rosengluth und lilienschnee gewoben Wieland (1780) 22, 145 (
Oberon 4, 6, 1).
fast regelmäszig zieht der ausdruck des einen vorzugs die vorstellung des anderen mit sich. VII@B@5@aa)
die bezeichnung der jugend hat nicht viel spielraum: iuvencula ein jungs wip
voc. opt. 15
a Wackernagel; jung weib
nympha, nova nupta Stieler 2469; zeige mir den brunnen, draus du trinkest, liebes junges weib Göthe (1772) I 2, 170
Weim.; ihre laulichkeit und kälte überzeugten ihn bald, dasz er ... mit seinem jungen weibe hungers sterben könnte Klinger
werke (1791) 3, 5; ein weib in der blüte der jugend gleicht dem monde; ein mädchen kommt heran, wie der leuchtende mond aufgeht Scherer
lit.-gesch. (1894) 71.
im sprichwort wird das junge weib
nicht unbedingt gut bedacht, doch merklich besser als das alte: ein alter mann, ein junges weib, gewisse kinder
sprichw. (
Egenolf 1548) 118
b;
mit dem zusatz: alte weiber, iunge männer, gewisse sünder Schellhorn
sprichw. (1797) 92; es ist keyn sanfterer tod, dan eym alten man eyn junges weib Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 270
Hauffen; olde kërels un junge wîfen gift föl kinder un föl kîfen Doornkaat Koolman 3, 548
a; 'n junk wîf gift tîdferdrîf
das. VII@B@5@bb)
viel mannigfacher sind die ausdrücke für weibliche schönheit. VII@B@5@b@aα)
meist als attr. adj.: sus lussame wîb sint der werlt unkunt Lamprecht
Alexander 5308
Kinzel; nû ginc dar, wîp wolgetân, unt schowe dînen lieben man Heinrich v. Melk
erinnerung 597
Heinzel; so duo du sæhe wip schonist unde wip aller liebist den bitteren tot chiesen
Milst. genesis 71, 14
Diemer; su was diz alliri schonisti wib: su zirti woli den iri lib
ältere Judith 6, 4
Sievers; [] der gedanc an sîn schœne wîp der kreftigete im den lîp Hartm. v. Aue
Erek 9229; verlür ich dann meyn leben wol durch das schöne weyb (
Krimhilt) so entgült ich meyner treue
lied v. hürn. Seyfrid 19
neudr.; er lag tag und nacht seinem studieren so hefftig ob, dasz er schöner weiber freundschafft sich wenig bekümmert Hertzog
schiltwache A iij; der enden es hat schöne weiber Spreng
Ilias (1610) 25
a, wo bilder in der kirch ein ergernüsz gebären, so musz man kirchen-gehn auch schönen weibern wehren Logau
sinnged. (1654) 1, 6, 87
Eitner; von allen drey und dreyszig stücken, womit ein schönes weib, sagt man, versehen ist, hätt' er kein einzigs gern an seiner braut vermiszt Wieland (1780) 23, 266 (
Oberon 6, 39, 2); schon ruft das schöne weib triumph Schiller (1785) 4, 18; glücklicher künstler (
Tischbein)! in himmlischer luft bewegen sich ihm schöne weiber. versteht er sich doch auf rosenduft und appetitliche leiber Göthe (1822) I 3, 127
Weim.; ich meine das herz, welches das schöne weib des kopfes ist. von ihm wird es befruchtet und giebt die kraft seines mannes und herrn wieder als göttliches kind Immermann
Münchh.2 (1839) 4, 167; da sandte Indra ... die schönsten weiber ... zu ihnen herab, damit die schönheit sie zur liebe reize O. Ludwig
ges. schriften (1843) 2, 407; ich fürchtete mich, das schöne und kluge weib aus dem geheimnisvollen schleier der nacht auf zuschrecken G. Keller
ges. werke 2, 65; jujai, jujai, kreiΧ i a šæis wai Gerbet
vogtl. 312
nr. 5; ein sanftes liebenswürdiges weib Göthe (1821) I 24, 5
Weim.; der (
Achilleus) war betrübt an seel und leib, dieweil jhm sein holdselig weib (
Briseis) entzogen war schmählicher massen Spreng
Ilias (1610) 9
b; magst aus vollem becher schlürfen, den das weib, das holde, reichet Arndt
werke 5, 312
Rösch u. Meisner. VII@B@5@b@bβ)
wechselnde ausdrucksformen auszerhalb des attr. adj.: ih ne sach nie von wîbe scôner antluzze mê Lamprecht
Alexander 5274
Kinzel; waʒ sol wîbes schœne? waʒ sol guot? Walther 112, 11; nichts nicht wird an jhren leibern köstlichers gespührt, weder, was vor allen weibern Rosabella führt
Königsb. dichterkreis (1640) 56
neudr.; er folgte hierin ... dem Homer, welchem die gewaltigste form auch an den weibern gefällt Göthe (1805) I 46, 44
Weim.; sie soll so schön sein ... wie ein weib aus den Nibelungen Bettine
frühlingskranz (1844) 70. VII@B@5@b@gγ)
im sprichwort wird das schöne weib
nur mit vorbehalt gelobt: ist schœne wîp getriuwe, der lop sol wesen niuwe Freidank 100, 4; wer aber umb zwentzig jar nicht schön ist, der wirt es hernach nit leichtlich erlangen, wie wohl man sagt: dasz ausz häszlichen mägdten hübsche weiber werden
sprichwörter (
Egenolf 1548) 76
a; schöne weiber im haus treibt jr schöne stäts hinaus Fischart
ehzuchtb. (1578) 3, 271
Hauffen; ein schön weib ist ein buoben spiegel Franck
sprichw. (1591) 24
a; schöne weiber machen schön sitten 25
b; sëre bênen un môie wîfen denen wol to hûs to blîfen Doornkaat Koolman 3, 548
a. — das schö wei' '
schwägerin' Schmeller
2 2, 428
nach franz. belle-soeur. VII@B@66)
das gesammtlob auf den mann bezogen schildert das weib
als segen und freude für den mann: triutet od halst ein man ein wîp, sich enpfenget al sîn lîp Freidank 100, 6; sît man eʒ alleʒ reden sol, so ist zer werlde niemen wol wan der ein liebeʒ wîp hât und sich ûf ir gnâde lât 104, 10; eins mannes herze ist ungesunt daʒ sich niht innen reinen kan mit wîbes liebe ze aller stunt Winsbeke 15 4
[] waʒ wærn die man, und wæren niht die reinen wîp?
krieg v. Würzburg 118
Bartsch; was wohl dem manne mächtiger dünk' als weibes wonne und werth? R. Wagner (1853) 5, 292 (
Rheingold).
panegyrisch singen die dichter des 13.
bis 15.
jahrh. ihr lob mit starkem gefühlston auf dem gern anaphorisch gebrauchtem worte weib: wîp sint reine, wîp sint guot, wîp sint lieber danne iht dinges sî, wîp sint schœne und wol gemuot, wîp sint aller missewende vrî, wîp sint guot für senediu leit, wîp diu füegent werdikeit Ulrich v. Lichtenstein
tanzweise (1230)
im frauend. 406, 7; swer si dan wîp, vrouwe unt engel nennet, der hât bekant, des ir got selbe bekennet: von lîbe ein wîp, von tugende ein vrouwe, ein engel an der reinikeit Reinmar v. Zweter
spr. 35
Röthe; wîp brechent vester sorgen bunt, wîp gebent süeʒes trôstes funt, wîp tuont wesen ellenthaft, wîp sint an vînden sigehaft, wîp sint sælden voller teil, werdeʒ wîp ist mannes heil Ulrich v. Eschenbach
Wilh. v. Wenden 1256
Toischer; lop sî dir, wîp, durch vröuden namen, unt, durch dîn bilde, behegede Heinr. v. Meiszen
spr. 150, 12
Ettmüller; in himel und ûf erde sunder argen wân sô ist erhœhet wîbes nam ob aller crêâtiure
krieg v. Würzburg v. 95
Bartsch; wîp ist ein name, aller tugent ein ursprinc, und ist sô hôhe erhœhet über alle dinc ... wîp ist ein ebenhôch des hœhsten lobes dach
v. 274.
minder wortreich bietet aus tieferer überzeugung der moderne künstler sein frauenideal im wundervollen bilde: der kranz ist ein vollendet weib H. v. Kleist
fam. Schroffenstein (1803) 2, 1
v. 724. VIIIVIII.
an den übertragungen bewährt sich Solgers
urtheil über die hexen in Shakespeares
Macbeth: dasz nach meinem gefühl immer mehr phantastisches in den alten weibern liegt
nachgel. schr. (1800) 1, 7,
sie knüpfen mit vorliebe an das alte weib
an: im tirol. Eggenthal heiszen alte weiber
küchel, siebenmal in teig getaucht und gebacken Schöpf 807;
in Leipzig die hülsen der erbsen, die beim kochen entfernt werden Albrecht 234
b;
in Östreich heiszt das alte weib
ballota nigra, der schwarze andorn Pritzel-Jessen 54;
nach engl. old wife,
franz. vieille
ist altes weib
der name der meerschleie, labrus tinea Hübner (1776) 1294, Adelung (1786) 5, 121
f., Campe (1811) 5, 631
a;
ebenso des hornfischs, balistes vetula Adelung, Campe,
nach seinem sonderbaren zischen, oder nach seinen garstigen vorderzähnen Liechtenstern
allg. d. sachwb. (1834) 10, 290
a;
ebenso Venus Paphia, eine Venusmuschel, die einem eingefallnen weiblichen gliede ähnelt das. 103
a. 290
a, Campe 5, 631
a;
nach Campe
das. auch eine art vom geschlechte des kuckucks in Jamaika mit langem schnabel (
cuculus vetula),
eine art stachelschnecken, auch krummes maul
genannt (
murex anus, engl. old wife), altes weib mit zähnen
die sturmschnecke (
helix scarabaeus).
wie hier findet übertragung von fernher auch sonst offene thüren: nach dem russ. ist das schwarze weib
die pest Sanders
erg. 468
c,
nach dem arab. das weib mit ketten
sternbild der Andromeda Hübner (1717) 84.
heimisch ist ostfries. 'n old wîf
ein weiches, kleines, würfelförmiges gebäck von syrup und mehl Doornkaat Koolman 3, 547
f. und in der schülersprache von Schulpforta weib
secundaner, der innerhalb der stube mit besonderen rechten ausgestattet ist, neben vater
dem aufsichtführenden primaner Eilenberger 68
a, 36
f. IXIX.
gegen 150
zusammensetzungen verbreitern noch den raum, den das wort weib
in der sprache einnimmt; der erste bestandtheil ist meist subst., siebenmal adj., 23
mal verbalstamm, fünfmal präp., dreimal interj., je einmal ein name und das präfix un-.
die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt gedruckt: adel-, alp-, alt-,
amm-, angst-, Anna-, asch-, aufwasch-, auster-, bade-,
bahr-, bauer-, bei-,
berg-, bettel-, bieder-,
bruders-, bürgermeister-, bürger-,
butter-, dienst-,
donnerwetter-, dorf-, edel-, ehe-, ehren-,
eier-, eigen-, engel-,
[] fisch-,
flügel-, fratschel-, fratschler-,
fraufasten-, frei-,
fronfasten-, galster-, gott-,
hagel-, halb-, haus-, heizer-, helden-,
herden-, herings-, höcker-, holz-,
horn-, huren-, kammer-,
kauf-, kebs-, kern-, kinder-, klage-,
klapper-, klatsch-, klöppel-,
knabenkraut-, komödianten-, kranenträger-, kräuter-, kunkel-,
land-, laser-, leichen-, lumpen-,
maien-, mann-, meer-,
mehl-, milch-,
mittags-, mit-, mohren-, moos-, mummel-, nacht-,
nacken-, narren-, neben-, obst-,
palmen-, pest-, pfaffen-, pfarr-,
pfinztag-, plapper-,
platten-, plauder-, psalm-, qual-, quitt-,
rätsch-, ratsherren-, reh-, rüttel-, samen-, sauf-, schand-, schein-, scheuer-, schlaf-, schneider-,
schnickschnack-, schuster-,
schwagers -, seel-, seelen-, see-, sohnes-, soldaten-, spiel-, spinn-, staats-, ständel-,
tauben-, teufels-, trauer-, trödel-, tugend-, turtel-, un-, ur-, volk-, wald-, wasch-, wasser-, weiden-, weingarten-, welt-, wetter-, winkel-, witt-, wochen-, wunder-, wünschel-, wurzel-, zank-, zauber-, zeit-, zerr-, zuweib.