fut,
f. 11)
cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur bezeichnung der kürze eines vocales den consonanten hinter diesem, zumal in der wurzelsilbe, zu verdoppeln pflegen, gewöhnlich heute, wie bereits von Fischart
und von Henisch 1324, 39,
beim volke futt
geschrieben, und z. b. Steinbach 1, 534
nimmt beide schreibungen nebeneinander auf. ahd. noch nicht nachweisbar, aber Graff 3, 450
verzeichnet einen mannsnamen Futo,
nach seiner gewohnheit bei eigennamen ohne beleg, und auch Förstemann 1, 448
führt keinen an, wol weil ihm keiner aufstiesz. der name scheint sich jedoch zu bestätigen durch auff morgen wirt man begehen (
d. h. seelmessen lesen für) Heintz muoter ft, und Cuntz muotterfuot seynen bruoder übermorgen Zagels Peter
in Schmoszmanns
predigt s. 12, wo Muoterft, Muotterfuot
als familienname erscheint. auch möchte für den namen Futo
der im hessischen Odenwald vorkommende familienname Futtner
sprechen, der gleich jenem Futo
ursprünglich einen auf geschlechtliche beiwohnung erpichten, einen geschlechtlicher beiwohnung ergebenen bedeuten wird. mhd. vut (
GA. 3
s. 23, 75—28, 274), fut (
vocab. opt. nr. 1, 200.
altd. bl. 2, 198, 6.
futilitates germanicae medii aevi s. 5—14).
niederrheinisch bei Kilian (1599)
s. 120
b fut, futte,
neben 119
a veraltet nl. fotte.
nd. fot
neben fotse (
dies aus dem hochd. entlehnt).
brem. wb. 1, 444. Schütze 1, 332.
isländisch u. altnorw. fuð
f., cunnus, matrix, wovon ebenda fyðill
m., das männliche glied. Rietz 158
a.
heute norweg. fud, fu, fo,
f., cunnus, matrix, aber auch podex. Aasen 174
a. 194
a.
über die abstammung des wortes, dessen schreibung fud (
s. d.)
oder gar futh (Kilian 120
b)
als ungut bezeichnet werden musz, wurde unter fotze
gehandelt und mit vollem rechte auf ein vorauszusetzendes mit lat. pudere,
sich schämen, stimmendes goth. wurzelverbum fiutan
praet. sg. fáut
pl. futun
part. praet. futans
hingewiesen, dessen die wurzel enthaltendem pl. praet. fut
entsprosz, das also auf dem älteren lautstande blieb. an goth. fitan,
gebären, läszt sich bei der ableitung des wortes nicht denken, denn es kann von diesem verbum eben so wenig eine form mit dem vocal u
in der wurzel hervorgehn, als von dem starkbiegenden fitan.
s. oben sp. 965
f. und 3, 1340. 1358. 1365.
unverwandt sind die nur zufällig anklingenden hebr. fot (
ת)
m., weibliche scham (
Jes. 3, 17),
eigentlich so viel als zwischenraum, eben so gr. φυτεύειν,
zeugen, erzeugen, und lat. futuere,
mit einem frauenzimmer sich fleischlich vermischen. der pl. lautet, wie sich schon oben sp. 363
ergibt, ursprünglich füte,
gekürzt füt,
und dies zeigt sich auch unten in der stelle aus Fischarts
Garg. 96
a,
wo ganz nach der schreibung des sg. in dem werke der auslaut verdoppelt ist. aber neben dem stark declinierenden sg. fut
tritt auch, wie gleich nachher die stelle aus den von Bartsch
herausgegeb. mitteld. ged. ersehen lassen wird, mitteld. im 14.
jh. eine schwach declinierende form vute
auf, die sich in nhd. futte
bei Stieler 523 (
s. auch futze),
der gleichen vorhin angeführten niederrhein. form so wie dem ebenfalls angegebenen frühern nl. fotte,
auch unten in hundsfutte
zeigt. der pl. derselben, die futten,
ist beim volke Mitteldeutschlands noch der übliche, während südlich, z. b. bair., der alte starke pl. bewahrt bleibt. ursprünglich ist das wort, ganz wie scham
für geschlechtsglied, ein reines und wird mhd. und noch im 16.
jh., wenn auch schon aus anstand gemieden, doch gesetzt. dies zeigen für das mhd. die aus dem gesammtabenteuer angeführte erzählung und die in den ebenfalls angeführten futilitates enthaltenen stellen und stücke. aus dem 16.
jh. aber sprechen stellen wie: das (
dasz) sie (
die mädchen) sein kumen zu iren tagen, fut, ars, tutten vergebens tragen.
fastnachtsp. 247, 11; ein braun futt auff eim weissen teller, zerschnitten köller. Fischart
Garg. 56
b (1608 G 1
a.
Scheible 92); (
im Schlaraffenlande gibt es) braune fütt auff dem teller. 96
a (1608 L 7
a); küsz affenfut, so hebst kein schwantz auff. 245
b (1608 Ff 7
b); aber das ein futt hat, das seychet eben inn die fahrt unnd inn den weg. Sebiz
feldbau 573. Meurer 96
b; das eine fut hat. Becher 42; nimm eine wolffsfutt, trockne sie dasz sie darr werde.
jägerbrevier (
Dresden 1857)
s. 89,
bei Schöpf 158.
in folgender stelle scheint auf das weibliche glied nur angespielt: nun ha, reime dich eysenhut, an den fusz oder fut. Fischart
Garg. 6 (1608 Aiij
b). potz fut!
als ausruf fastnachtsp. 387, 14
wurde bereits unter fotze
angeführt. ähnlich wird it. cazzo,
das männliche glied, als interj. des staunens, der verwunderung verwendet. er sperrte maul und augen auf und rief zu allem: cazzo! Blumauer
Virg. Aen. 3, 99.
auch in dem im ungrischen bergland vorkommenden fluch neun wut! =
neun donner! (Schröer 44
b. 103
b. 106
a)
scheint wut
mit erweichung des v
zu w vut, fut
zu sein, wie denn für diese die Gottscheer mundart ausdrücklich wut
hat (Schröer
ausflug 88).
als sprichwörtlich dürfte anzusehen sein mhd. heiʒiu fut und mündlîn rôt bringent manegen man in nôt.
futilit. germ. s. 5.
dann, zum theil anklingend an spr. Sal. 30, 16,
in einer Münchner handschrift aus dem anfange des 16.
jh. (Schmeller 2.
ausg. 1, 694) fut und hunt, die haben ain weiten slunt: wiewol sye sint vol, dennoch ist in (
ihnen) mit dem genesche wol.
ferner hört man wetterauisch e (
ein) Jüdd (
Jude), e futt eann (
und) e ijel (
igel), ds sein (
sind) drei bîse (
böse) vijel (
vögel).
andere sprichwörtlich scheinende ausdrücke sind bei Schmeller 1, 693
f. nachzusehen. ein solcher ist auch der schlusz folgender bei Schöpf 158
angeführten stelle aus Vintlers
blume der tugend 7721: wann man inn frömde huener pringt, so sprechen sie: pleib hie haim, als die futt bey meinem pain. 22)
Dasz fut
auch auf eine weibliche person übergetragen wird, ist schon oben s. 363
bei fud
ersichtlich. hierher scheint zu gehören aus dem 14.
jh. mitteld. jô wêr ich ein man, wî ich ûch strîche, daʒ ich turret sus vor mir wandern von einer phûten zu dër andern. Bartsch
mitteld. ged. s. 96, 431,
wo aber, wie der herausgeber s. 220
bemerkt, phuten
oder vielmehr fûten
für phûten
zu lesen ist. auf ein weibliches göttliches wesen übergetragen findet sich dieselbe form, wenn nach Vulpius
bibliothek des romantisch wunderbaren 1, 224
die in der erzählten volkssage als herrin des wilden heeres und als letzte im zuge auf einem rappen jagend bezeichnete frau Holla neben den namen Hela, Hulda, Brechta, Wildaberta, Waldina, Herka,
auch die Fauta, Fute
trägt, welche beide sicher eins sind, so dasz lang gewordenes û
des letzten anzunehmen ist, wodurch, da mhd. und mitteld. û
in dem volksmunde Mitteldeutschlands, wie nhd., sich zu au
entfaltet, sich Fauta
erklärt und das û
in dem dat. sing. phûten
der vorhin angeführten stelle bestätigt wird. übertragung auf eine pflanze zeigt sich in die fude, fulefude (Aug. Stöber
elsäsz. neujahrsbl. 1846
s. 308), fuoli fude (Frommann 4, 13. 470),
als elsässischer name der herbstzeitlose, colchicum autumnale, die auch nackte jungfer, nackte hure, faule jungfer
heiszt, durch welche benennungen jene sich leicht erklären lassen. fute
nemlich stimmt mit nackte jungfer, nackte hure (nackethure. Lonicerus
kräuterb. 230
b),
und der name rührt daher dasz die blüte ohne die grünen blätter der pflanze auf den wiesen erscheint; fûle fude,
d. i. faule fut,
aber kommt ganz mit faule jungfer
überein und die bezeichnung faul,
elsäss. fûl,
erklärt sich daraus dasz jene blüte erst sehr nahe dem herbst oder in demselben als spät im jahr hervorkommt. auf ihre nacktheit deutet auch die benennung nackârsch
m., d. i. nacktarsch,
in der Wetterau, und darauf dasz die pflanze auch als weibliches thierisches wesen angesehen wird, geht wol der ebenda vorkommende name muck
f., mutterschwein (
s.mucke),
für die erst im nächsten jahr erscheinende, zahlreiche samenkörner in sich schlieszende samenkapsel dieser zeitlose. besonders wird das wort verächtlich auf eine weibliche person übergetragen und dann selbst als schelte gebraucht. 33)
Aber das wort kommt in zusammensetzungen, in denen es zuletzt steht, auch auf eine männliche person übergetragen vor, für die dann dasselbe tiefe verachtung ausdrückende schelte ist. dies namentlich in hundsfutte, hundsfut, hundsfutt
f., das zunächst das geschlechtsglied der hündin und dann, angewandt, eine aller ehre baare, nichtswürdige mannsperson ausdrückt: das müsse gott im himmel erbarmen! das ist die 3. sau (
der dritte unanständige verstosz). je schämet ihr euch denn nicht für dem könige? meinet ihr, dasz er eine hundsfutte ist? Andr. Gryphius 737 (1663
s. 23); du bruder, sprach er (
ein soldat zum andern), du bist ein rechte hundsfut, du hättest wol diesz geld den spielleuten zum besten geben, sie hätten uns auffgespielet, bisz der teuffel gestorben wäre. Philander (1650) 2, 711; du albere alte hundsfut, du bist weder meiner noch dieses kleinods werth, und es wäre auch immer schad, wann du anderster, als in armuth und betteley, dein leben zubringen soltest.
Simpliciss. (
Keller) 3, 138, 31 =
Springinsfeld cap. 23.
dann aber geht hundsfutt,
weil auf eine mannsperson übergetragen, in ein masc. mit dem pl. hundsfütter
über: ein hundsfutt bin ich worden.
Simpliciss. (
Keller) 917, 2; hundsfütter, kerls, seyd ihr, sprach Raufbold. Zachariä
renomm. 5, 241.
später nur in dem gewöhnlichen leben hundsfut,
in der schriftsprache hundsfott
mit dem pl. hundsfötter.
s. noch oben sp. 363,
vorzüglich aber hundsfott, hundsfutt,
bei welchen weiteres. auch sind auf jener spalte, am schlusse des artikels fud,
einige andere eben so wol hierher gehörige zusammensetzungen angeführt, in denen von der weiblichen person aus zugleich übertragung auf eine männliche stattfindet.