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gnatz

mhd. bis nhd. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gnatz m., f.

Bd. 8, Sp. 625
gnatz, m., f. , 'grind, krätze; geiz, knauserei', seit dem ausgehenden 13. jh. belegt, s. den beleg unten aus der mhd. Elisabeth und den beinamen Bertoldus gnazoge (1296), meist als gnazouge (gnazovge) gefaszt, doch vgl. auch unter 2gnatzig; häufiger im 16./17. jh., ursprünglich wohl ein md. wort, das sich weithin über das nd. sprachgebiet verbreitete. gänzlich zu fehlen scheint es heute nur dem westen (Rheinland und Westfalen) und osten (Sachsen, Schlesien), doch vgl. unten den hist. beleg von Ulenberg und von Schickfusz unter gnätze. das ausgangsgebiet (vermutlich Hessen und Thüringen) kennt gnatz nur als masc., vgl. Vilmar Kurhessen 131; Hertel Thüringer sprachschatz 108 (s. auch unten die hist. belege aus dem md.), ebenso auch die angrenzenden nd. gebiete, s. Schambach Göttingen 65; Jecht Mansfelder ma. 43; Damköhler Nordharzer wb. 63 (die mundart von Oberellenbach gebraucht gnatz als neutrum, s. Hofmann niederhess. wb. 143), in den übrigen nd. mundarten wird das masc. nur im preuszischen sicher bezeugt, und zwar in der abgeleiteten bedeutung 'geiz', bzw. 'geizhals', neben gewöhnlichem gnatz, f., 'krätze, grind', s. Frischbier 1, 241, vgl. ferner gnatz, f., Mensing schlesw.-holstein. 2, 409 und gnatze, f., Bernd Posen 77; Teuchert neumärk. 156; vermutlich ist daher in den nd. mundarten, für die eine genaue genusangabe fehlt, gnatz(e) mehrfach femininum, vgl. brem.-niedersächs. wb. 2, 523; Richey idiot. Hamburg. 77; Schumann wortschatz von Lübeck 10; Mi mecklenburg. 27; Dähnert pommerschrügische ma. 155; Fischer Samland 61; Danneil altmärkische ma. 66. gnatze, das als fem. literarisch nicht bezeugt ist, liegt wahrscheinlich vor in gnatze, gnätze, genetz (1619) Mrongovius poln. wb. 354; glaber ein gnatze aus einem alten handschr. vocabular bei Bernd a. a. o. die übliche aussprache in Hessen ist knatz, s. Vilmar a. a. o., auch in Nordthüringen, s. Schultze 35. gnatz wie gnätze (s. u.) gehen auf die dentalerweiterung ghnədh- der idg. wurzel ghen- 'zernagen, zerreiben, kratzen' zurück, s. Walde-Pokorny 1, 584; zu der lautsymbolischen konsonantendehnung als ausdruck der geringschätzung wie auch sonst bei hautübeln (z. b. mnd. pocke, poche, nhd. pocke 'blatter, pustel', mhd. rappe, rapfe 'räude, krätze', nhd. rappe, räpfe 'pferdekrankheit' u. a.), vgl. Wissmann nomina postverb. 1, 167. 11) 'grind, krätze, schorf', so in den erwähnten mundartenwbb. umschrieben, insbesondere als 'kopfgrind, kopfausschlag', s. Vilmar und Danneil a. a. o., allgemeiner als 'hautausschlag' Jecht, Danneil und Mi a. a. o., 'hautschmutz' Hertel a. a. o. und Liesenberg Stieger ma. 146. von kindern: 'schmutz auf den köpfen der kinder' Damköhler a. a. o., in den historischen wbb. mit genauerer angabe: achores der seigende gnatz oder grind auf dem heupt der kinder Bas. Faber thes. (1587) 8b; gneis, gnatz rogna ò tigna della testa di bambini Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 545c; der gnatz, die gnätze oder der gneisz auf den köpfen der kinder the scall or scurf on children's heads Ludwig (1716) 798. im übrigen lassen auch die hist. wbb. die art der krankheit nicht genauer erkennen: glaber gnaz (15. jh.) Diefenbach gl. 264a; scabies, prurigo gnatz Henisch (1616) 1672, 6; gnatz kretz Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 144; gnatz, m., scabies, prurigo Schottel (1663) 1328. nach Höfler krankheitsnamenb. 197, wo eine genauere beschreibung der arten gegeben wird, ist gnatz auch pferde-, schafräude; dazu: vom schurff und gnatz der pferde: ich mus hier wider der reudigkeit der pferde gedencken ...; der rechte böse anfellige schurff ist daran zu erkennen, [] wenn er trähnet und gar gelbicht wasser heraus leufft und nicht austreugen (trocknen) wil Colerus hausbuch 4 (1598) o 3b; vgl. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 103. mundartlich auch 'von früchten, wenn die oberfläche nicht rein ist' Danneil a. a. o.; 'auswüchse bei den kartoffeln' Mi a. a. o. 76b s. v. schorf; 'schorf an kartoffeln und obst' Damköhler a. a. o.; allgemein 'an knollengewächsen' Schambach a. a. o. literarisch bis ins 17. jh. hinein belegbar: der leichnam ... leszt ... von sich eitel unflat ... schweren, blattern, grind, gnatze (pl.?), flus, eiter, mist und harm Luther 38, 340 W.; (die hoffart) straff ich und mit nicht daz kleidt, darunter offt verborgen leit ein böse haut, die voller list und mit dem gnatz bezogen ist Ringwaldt christl. warnung (1588) l 7b; sie ward uber ihren gantzen leib reudig und bekam scheuszlichen genatz W. Bütner epitome historiarum (1596) 274a; es ist ein frembd gebein, ein frembde ripp, voll gnatzes Tob. Hübner die feldobersten (1619) 191. gern in paarformel (gnatz und grind, gnatz und kretz), so in der redensart den (seinen) gnatz an jemandem, an etwas (ab)reiben: ein lesterschrifft ... darin er an meines gnedigsten herrn des churfursten zu Sachsen ehren, seinen grind und gnatz zu reiben furgenommen, auch mich zweimal angetastet und gelocket Luther wider Hans Worst 3 ndr.; (herzog Georg) wolt gern seinen bösen grind und gnatz an mir abreiben und durch mich rein und schön werden (durch eine lästerschrift). wie gar ein gewaltig ding ists doch umb ein böse gewissen! wie wütet und tobet es, wie unrügig ists und imer in sorgen, es habe sich nicht gnug entschüldigt ders. 38, 165 W.; im sagen wir unverholen, das die genanten evangelischen ... die zwelff artickel ... entweder von ihrem rechten sinne verrücken oder sunst ihren unartigen gnatz und grind daran reiben C. Ulenberg erhebliche u. wichtige ursachen (1589) 575. im sinne von 'jemanden anstecken, verleiten, verführen': darnach sollen wir unsern glauben und gantzes leben regulirn, auff dasz uns ... die reudige schaff unter den eigenwilligen maulchristen nicht verunreinigen, den gnatz und kretz ihres gottlosen, unzüchtigen, schwülstigen, auffrürischen, schinderischen, epicurischen lebens nicht affricirn und anhengen S. Artomedes christl. auszlegung (1609) 1, 816; vgl. seinen grind an jemand reiben sedurlo, pervertirlo col suo cattivo esempio Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 566a. 22) geiz, kargheit, knauserei: umme deilen si began (Elisabeth das geld) same ein wise godes maget, di an dugent unverzaget ein getruwe schefferin des selben geldes wolde sin unde ouch sunder allen gnatz wolde nit irs herren schatz verbergen in der erden Elisabeth 7545 Rieger, vgl. auch v. 1141; noch mundartlich '(schmutziger) geiz, kargheit' Vilmar, Hertel, Liesenberg a. a. o.; Block id. v. Eilsdorf 65; Frischbier preusz. 1, 241 (neben gnatze, f.); vgl.gnatz, m., 'geizhals' Schambach und Frischbier a. a. o.
6631 Zeichen · 183 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gnatzst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gnatz , st. M. Vw.: s. gnaz

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gnatzm., f.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gnatz , m., f. , ' grind, krätze; geiz, knauserei ', seit dem ausgehenden 13. jh. belegt, s. den beleg unten aus der mhd…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gnatz

11 Bildungen · 8 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

gnatz‑ als Erstglied (8 von 8)

gnatzen

DWB

gnatzen , gnatsen , vb. , ' kratzbürstig sein, nörgeln ' Mensing schlesw.-holst. 2, 409 ; ' unzufrieden sein, zanken ' Mi mecklenburg. 27 ; …

gnatzeⁿ

Idiotikon

gnatzeⁿ Band 2, Spalte 676 gnatzeⁿ 2,676

gnatzig

DWB

gnatzig , adj. , ableitung von gnatzen, wie dieses vorwiegend nd., ' kratzbürstig, gereizt ' Mensing schlesw.-holst. 2, 409 ; ähnlich Dannei…

Gnatzkaten

MeckWB

gnatz·katen

Wossidia Gnatzkaten m. großer Spankorb (zum Einsammeln kleiner Kartoffeln?) Pa Parchim@Spornitz Sporn ; vgl. MeckWB Katen 2 und Gnatz 3 .

Gnatzkater

MeckWB

gnatz·kater

Wossidia Gnatzkater -d- m. Murrkopf, Nörgler: Gnatzkader Seem. Bew. 227.

gnatzkopf

DWB

gnatz·kopf

gnatzkopf , m. , wie grindkopf. 1 1) gnatzkopf a scald-head Ludwig teutsch-engl. (1716) 797 ; Vilmar Kurhessen 131 ; Frischbier preusz. 1, 2…

Gnatzkopp

MeckWB

gnatz·kopp

Wossidia Gnatzkopp m. Nörgler, Stänker, Zänker allgem.; Bri. 1, 63; Mi 27 b ; seem. Spottname des Dänen Wo. Seem. 1, 147; kleiner Kaulbarsch…

gnatz als Zweitglied (1 von 1)

steingnatz

DWB

stein·gnatz

-gnatz , m. , vgl. mhd. gnaz ' schorf, ausschlag ' Lexer 1, 1041 : steinknatz heiszet das kleine, schieferige, graue und weisze gesteine, wo…

Ableitungen von gnatz (2 von 2)

Gnatze

Adelung

† Die Gnatze , oder Gnätze, plur. inus. ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, die Krätze, und in weiterer Bedeutung einen jeden der Krät…

vergnatzen

MeckWB

Wossidia vergnatzen verbittert machen, werden, nur als Part. Prät. verstimmt, gereizt: frög' hei ganz vergnatzt Wo. Sa.