stolzieren,
verb. ,
bastardbildung zu stolz,
mit hülfe der fremden endung -ieren (
beruhend auf der altfranzösischen infinitivendung -ier),
wie sie seit dem 12.
jahrh. in der höfischen sprache beliebt wurde. dabei ist nicht nöthig, einen einflusz des begrifflich nahestehenden und in mhd. zeit zahlreicher belegten hofieren,
verb. (
s. th. 4, 2
sp. 1681
ff.)
anzunehmen; die lust an derlei bildungen war grosz und liesz sie recht wuchern und ins kraut schieszen (
vgl. das verzeichnis bei Jacob Grimm
kl. schr. 1, 354
und unter den jüngeren nachbarn s. besonders unten triumphieren,
verb.);
so hat denn auch das rein deutsche verb. stolzen (
s. oben, und von Heynatz
für dieses '
abschaffenswerthe zwitterwort'
empfohlen)
daneben nicht recht wurzel fassen können. erzgeb. stulziern Müller-Fraureuth 2, 567
b. —
partic. gestolzirt (
anstatt des gewöhnlichen stolzirt)
braucht Luther
unter 1 c. 11)
stolz sein, stolz thun, sich stolz benehmen u. s. w. stolcziren
arrogare Diefenbach
glossar 50
c; stoltzieren, stoltz seyn Hulsius (1616) 310
b;
neben stoltzen (
s. oben) Kramer
dict. 2 (1702), 983
c; Frisch 2, 339
c; ich stoltzier, weil mirs wol ghet
efferor successu rerum Alberus (1540) JJ 2
a; ich stoltzire, ich habe stolziret (
und entsprechend auch bei Adelung)
superbio, cristas tollo Steinbach 2, 721; denn es war eyn grob, tolpich, rauch und wild volck, es kund es niemand regiren ...; es legte denn gott selber yhm ein sollich joch und purdin auf den rucken, plaget sie mit solchen gesetzen, das sie nicht stoltzirten Luther 20, 243
Weim.; alszo sol man got loben, der die hohen schwebenden nicht lesset stolcziren 29, 467
Weim.; die adiaphoristen bekennen selbs, das sie die gottlosen durch diese hendel stercken, das sie stolzirn Flacius
von waren und falschen mitteldingen (1550) P 2
a; wenn man ... armer leut vergisset, und stoltzieret Mathesius
Sarepta 14
a; Hagar stoltzierete auch, aber sie wird aus dem hause gestoszen
Syrach 65
b; aller ruhm ist ihnen verdächtig, und werden darvon viel mehr beschwert und in gefahr gesetzt als gebessert, in dem sie veranlasst werden zu stoltziren Harsdörffer
teutscher secretarius 1, xxx 1
a; es wird euch kaum ein paar handschuh verehret, da fangt ihr an zu stoltziren, ihr reiche narren! Zendorius
teutsche winternächte (1682) 655;
noch stoltziert der arm erdenklump, der nichts ist, denn ein unrein lump Kirchhof
wendunmuth 2, 45; was thun wir doch, wir arme leut? warumb stoltziren wir doch heut? morgen ist aller pracht davon, und müssens alles ligen lahn Ph. Wackernagel
deutsches kirchenlied 4, 227; für hoffart unser hertz bewar, und las uns nicht stoltziren Ringwald
evangelia a 1
b; hilf, dasz wir nicht stoltzieren, wann du giebst mildiglich, nichts nach unsern begirden verschwenden unnützlich Rinckhart
christl. ritter 69
neudr.; hastu viel, du wirst stoltziren, hastu nichts, wirst lamentiren Olearius
persian. rosenthal 107; bhüt gott! wie thät er (
der winterkönig) nun stolzieren, ein überschwenglich hoffart führen! Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 94.
in der neueren sprache nur noch vereinzelt in dieser bedeutung: Lucifer, der lichtträger ... stolzirte, weil in ihm das licht zuerst materialisch brannte Brentano 5, 391; dies ist so der junker art von jeher gewesen, die backen voll nehmen und stolziren Gaudy 3, 117; darum nicht länger geziert und stolziert, und geben Sie ihm im augenblick Ihre hand Bauernfeld
ges. schr. 1, 72; mein bruder Douglasz lasz ihn stolzieren stolzieren, mit harten worten mich bedräuen! Lenz
gedichte 162; du aber hoch im glücke stolzirender rival Blumauer
ged. 2, 165; sein stückchen arbeit soll ein jeder thun, doch nicht stolziren Zach. Werner
Martin Luther 103; wo ist mein andres leben? meines floh. — o wo ist John, mein tapfrer Talbot, wo? dich, tod, stolzirend (
triumphant death) in gefangenschaft, muszt ich belächeln bey des sohnes kraft
Shakespeare 2, 157 (
Heinrich VI. 1, 4, 7). 1@aa)
hervorzuheben deutliches '
stolz sprechen, stolze reden führen' (
vgl. Hans Sachs 8, 378
Keller: S. Franck
chronicon 127
a): o nehmts zu herzen und zu ohren, wie dieser fremdling hier stolziert Kretschmann
werke 1, 80.
in verdeutlichender zerlegung: hie stehe ich, hie trotz ich, hie stoltzire ich und sage: gotis wort ist myr uber alles Luther 10, 2, 256
Weim.; weil er (
Lucifer) vermerckte, dasz er vberaus schön und mit gnaden erfüllt war, so vbernam er sich dessen, stoltzierte und sprach: ich wil hinauf vber die wolcken steigen und dem allerhöchsten gleich seyn Ägid. Albertinus
Lucifers königreich 7. —
mit stolzen, übermüthigen worten fordern: Desiderius stoltziert, der babst solt selbs kommen, und mit jm handlen S. Franck
chronic. 72
a.
vgl. dazu: (
gott) wil aber auch gefurchtet sein, das du nicht stoltzirest, sondern bittest Luther 24, 479
Weim. 1@bb)
mit einer weiteren bestimmung: und nu (
sie) so
hoch stoltziren, als hetten sie es aufs aller beste ausgericht Flacius
Lucifers sendbrief (1550)
vorrede; wo kompt es here, das eytel ehre so hoch stoltziert in dieser welt Bäumker
kathol. kirchenlied 2, 289; nach dem er
hochmütig stoltzieret, mit seym hofgsind tyrannisieret Hans Sachs 2, 114
Keller; aber es begegnet jn eben das widerspiel, wie gemeynigklich geschicht, wann man
sicher stolziert, und den feindt veracht S. Franck
chronicon 11
a; die keyserischen stolzierten fast 117
b; er wer eben ein solcher erbarer mann, und stolziret vber alle maszen hart Ayrer
processus juris 689; er stolziret
über die maszen sumtuosius insolentiusque se jactat Stieler 2178; du stolzirest
ziemlich nimium te effers (
ebenda); als Romulus zu Rom regirt, auch etwas
trutziclich stolzirt ... erhueb er sich in pracht und rum Hans Sachs 22, 310
Keller-Götze; ein seltnes laster
will als beyspiel
mächtig stolzieren und tugend heiszen
N. Götz
gedichte 2, 41;
auch: der ander brueder ist hoffart ... von kostlich waad geklaidet sein täglich, und wait tretten herein, nuer
immerdar stoltzieren wil Rasch
fastenlob E 4
b; auf, herr, straf unsern feind, auf dasz er (recht belohnet) nicht länger
ärgerlich stoltzier Weckherlin
ged. 1, 351; der mensch kompt her aus schleym und stank, was will er dann stolzieren lang Lehmann
floril. pol. 156; Johann Weyda ... erhub sich vber alle mas und stoltzierete
sehr Rätel-Curäus
chronic. des herzogt. Schlesien (1607) 255; damit niemands auf dieser erd, zu sehr stoltzier und sicher werd Rollenhagen
froschmeuseler D 7
a (I, 1, 4); nun, nun, ey trag und führe die nase nicht zu hoch, nur nicht zu sehr stoltzire Diedr. v.
d. Werder
buszpsalmen C 3
b; als jhr (
nun alte jungfer) waret jung von jahren, da stolziertet jhr gar sehr Voigtländer
oden und lieder 85, 2; Agar (
Hagar) die wolt
vil stoltzieren, des muoszt sy dienst und gnad verlieren
schweiz. schauspiele 2, 128
Bächtold; doch lasset er sein volck gänzlich niemahls verzagen; sondern damit sein feind nicht gar zu vil stoltzier, verkehret (mächtig) er sein jauchzen bald in klagen Weckherlin
ged. 1, 424;
zuletzt: wo sind, die noch für wenig zeit bey uns stoltzierten voller freud? Joh. Heermann
bei Fischer-Tümpel 1, 264; wenn sie sich ansahen ..., wie mechtig sie weren, ... so furen sie empor in irem sinn und stolziereten also, das sie auch iren eigenen namen der stad Rom nicht nenneten, sie griffen denn zuvor an das baret und zogen es abe Luther 16, 136
Weim. 1@cc)
entsprechenden begriffen nebengeordnet: toben, trotzen und stoltzieren Luther 19, 376
Weim.; wenn ein feind tobet, wütet und stoltzieret 16, 202
Weim.; wöllen auch ein mal stoltziern und pochen mit den eselsköpfen, und wie Paulus wider seine tollen heiligen sich rhümet, so wil ich mich auch widder diese meine esel rhümen 30, 2, 635
Weim. (
vgl. 23, 695
Weim. und stolziren und buchen cum his, qui peccaverunt 34, 2, 484
Weim.); ita habetis, wie eyn christ sich rumen und stolcziren sol 34, 1, 297
Weim.; aber was brüsten und stoltzieren wir doch? 17, 1, 235
Weim.; darumb ists not zu thun, die verstockten zu schrecken, das sie nicht fur und fur stoltziren und mutwillen treiben 28, 591
Weim.; denn unser jungkern vom adel haben bis her gnug gebrasset, geschlemmet, gerennet, gestoltzirt, gebranget mit alzu vberflüssiger kost und kleidung 30, 2, 181
Weim.; prangen, stoltzieren, sich erheben
superbire Bas. Faber (1587) 821
a; (
einst wird man fragen,) wo doch die fürnehmsten städte, welche itzt so sehr stoltziren und prangen, hinkommen seyn Butschky
Pathmos 478; was pralstu dann, du erdenklosz, du lebendiges todtenmosz! was hastu zu stoltzieren? Dan. Wülffer
bei Fischer-Tümpel 3, 205; stolzier und prahle nicht so sehr! Hoffmann von Fallersleben
schr. 4, 279.
neben regieren: alles ist trug und list in der welt, da nur geld, eitelkeit, hasz und neid, da regirt und stoltzirt Schottel 871;
vgl. will jederman zumal regiern, thut eigens willens sehr stoltziern Spreng
Ilias 7
a; (
es) kan der esel die ehr nit leiden, fahet an zu gumpen (
tanzen, springen, hüpfen) und stoltziern S. Franck
sprüchw. 2, 94
a. stolzieren und lachen: der gottlos hat gut fried und ruh, ... jhn vberfellt kein todes fahr, lacht und stoltziret jmmerdar Ringwald
handbüchlin B 3
a. jauchze, stolzier itzt, der zwillinge mutter! maler Müller 2, 220; (
ständisch aufgelöst): der hoh stolziert, der kleine lacht, so hats ein jeder wohlgemacht Göthe 16, 5
Weim. gegensätzlich: dasz ich nicht verzage noch stoltzire Luther 32, 193
Weim.; (
gott) wil aber auch gefurchtet sein, das du nicht stoltzirest, sondern bittest 24, 479
Weim.; man musz sich nur in die zeiten schicken, so kann es nicht anders, es musz uns glücken. einmal stolziren, und dreimal sich bücken, das glauben sie mir, so wie nun die welt ist, ist jetzt zumal das rechte verhältnisz Tieck 13, 317. 1@dd)
entsprechend stolz (
adj., 9 d,
und stolz,
m., 5 d) stolzieren
auf etwas oder auf einem darauf stolz sein, thun: das thun sie nicht, die mit wercken umbgehen, sie ... stoltzieren darauf Luther 32, 93
Weim. (29, 676; 34, 1, 569
Weim.); aber weil sie oft auf solch recht stoltzierten und trotzten 24, 440
Weim.; aber den lawen, der auf den gulden ducaten stoltzieret, ... den will ich nit fast forchten Carlstadt
von bepstlicher heylickeit (1520) B 7
a; (die wir) aufs euangelium stoltzieren Nas
antipap. eins und hundert 3, 194
a; kein gabe noch vberflusz, darauf er stoltzire
theatr. diabolorum (1569) 169
a;
neben pochen: für allen dingen hüt er sich, ... und lasz gold und gelt nit sein trost und freude sein, stoltzier und poche nit drauf Mathesius
Sarepta 50
b; stoltziere auf die gelben haar nicht so sehr, sie werden dir wol graw werden Corvinus (1646) 145; wenn ihr in Franckreich euch habt exerciret, (wie man es nennt) darauf jhr denn stoltziret Voigtländer
oden und lieder (1642) 104. —
in neuerer sprache als wenig gebräuchlich von Adelung
aufgeführt: ein wink des Hains hat mir noch zu einigen neuen strophen anlasz gegeben, auf die ich nicht wenig stolzire Bürger
briefe 1, 120 (
an die grafen von Stolberg); worauf stolzirt denn der edelmann? Jean Paul 27, 119 (
flegeljahre 2); (
das bürgermilitär) jetzt auf seine uniform, aber nicht auf seine thaten stolzirt Hegel 19, 1, 235; na — wie theuer ist denn hier zu land eine antwort? oder thut der herr auf selbs stolzire, weil er ein schiffsschreiber ist? — es haben in Nordlinge schon andere herrn mit mir geschwätzet als der herr ist Meisl
theatr. quodlibet 3, 228; die zuversicht, auf der mein blinder glaube stolziert Nestroy 4, 211; würge (
o katze) dann auch den plaudernden spötter (
den papagei), und streu im triumphe seine federn, worauf er stolziert, in alle vier winde! Zachariä
poet. schr. 2, 134.
über: sie stolziren über ihre boxkünste und entrüsten sich von stiergefechten zu hören Göthe 41, 2, 230
Weim.; die Pariser stoltzieren gewaltig über das wunderbare glück der französischen waffen J. Morre 2, 81;
anders: nichts deste weniger schlug er funfzig tausent und siebentzig man zu Bethsemes, das sie die laden sahen, villeicht, das sie sich wirdig dauchten und vber der philister schande stoltzireten Luther 15, 111
Weim. —
ob, darob: drumb soll wir grosz lob verjehen den göttern und nit drob stoltzirn Ayrer
dramen 1, 76 (
erbauung Roms); disz alles aber kont ihr frommes hertz nicht zwingen, dasz es stoltzieren solt ob solchen hohen dingen Rist
Parnasz 732. 1@ee)
mit einem, damit stolz thun, sich brüsten, rühmen (Kramer
dict. 2, 983
c; der mit anderer leuten dingen stoltzieret Dentzler 277
a): der bapst sol nit stoltzieren mit seiner gotheit Carlstadt
von bepstlicher heylickeit D 1
a; hoffertig seyndt diejenige junckfrawen, welche mit jhrer leiblichen junckfrawenschaft und schöne ... stoltzieren Ägid. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 109; nicht mit edelgesteinen oder perlen stoltzieren Zinkgref
apophthegm. 40; wie die wiesen mit dem thaw und den blumen stoltzieren 30; dasz ich also mit meiner wenigen habe ... stolzieren wolte Jac. Böhme
schr. 6, 9; wer sein mäsziges leben, heyligkeit und weiszheit nicht in der stille für sich gebrauchen, sondern damit sich sehen lassen, stoltzieren, und gleichsahm den leuten verkaufen will; ist eben wie einer, der einen groszen vorrath korn eingesamblet hat, und hernach im feuer aufgehen lässet Olearius
persian. rosenthal 8, 8; mit ihrer äuszerlichen schönen gestalt stoltzieren P.
F. Procopius
patrociniale (1674) 400; der königliche printz Absalon mit seinen haaren stoltzierte Abrah. a S. Clara
etwas für alle 1, 447; gleichwie mancher mit seiner kretzen nicht ... prangen darf, also thut die erden mit derlei miszgewächsen (
nämlich den pilzen) nicht viel stoltzieren 2, 297; das wir uns düncken besser sein, als andre, die lebn wie die schwein, und dürfen wol damit stoltzieren, der teufel kön uns nicht verführn Melchior Liebig
von gottes weisheit (1589) B 4
b; gib das wir als getrewe knecht mit deinem gut haushalten recht, und nicht damit stoltziren Ringwald
evangelia c 3
b; Granada mag stoltzieren mit ihren gahrten, die den preisz der schönheit führen durch gantz Europa schier Rist
Parnasz 65; ein neugeschmücktes haus mit bildern ausgezieret, nicht aber dergestalt, dasz es damit stoltzieret, wie wol es schön genug 310; wenn jhr (
jungfern) mit pracht und hoffart so stoltzieret Voigtländer
oden und lieder (1642) 31; der poet musz sich selber vergessen, nicht mit seinem witze stolziren Gottsched
crit. dichtkunst 503; (eine menge gelehrter männer,) mit denen Deutschland in allen classen der gelehrsamkeit stolzieren kann
neuestes aus der anmuth. gelehrsamkeit 1, 119; das XV. jahrhundert stolzierte mit mehr als einem Cicero 9, 739; wer durch sittlichkeit, fleisz, bescheidenheit, züchtigkeit und kenntnisse nicht ausgezeichnet ist, der darf damit nicht stolzieren, dasz er ein geschickter ringer, fechter und turner ist Arndt
für und an seine lieben Deutschen 3, 254; in einer zeit, wo man mit peinigenden mängeln überzufrieden stolzirt Bettine
Brentanos frühlingskranz 452; wie rüstig turnieren sie (
die stricknadeln) eine gegen die andere im ringelrennen, bis die siegerin eine ganze reihe von siegen aufzuweisen hat, mit denen sie stolzirt Holtei
erz. schr. 9, 14; (
die Deutschen) stolziren mit ihrem etwas mehr von preszfreiheit
jahrbuch der Grillparzergesellsch. 5, 120; warum, erwiederte der weise Grieche (
Sokrates), stolzierst du denn mit gaben eines steins! (
als ein jüngling seine schönheit der des marmornen Phöbus gleichstellt)
N. Götz
gedichte 3, 88; das kleine Griechenland stolzirt mit sieben weisen, und sahe Scythen selbst nach ihrer tugend reisen Lessing 1, 266; errötst du (
Agnes)? so schämt natur sich ihrer nackten schöne, weil bildung, überputzt, stolziert mit ihrer häszlichkeit O. Ludwig 4, 156 1@e@aα)
in gelehrter sphäre mit namen stolzieren (Hebbel I 8, 105)
seinen stolz darein setzen, viel gelehrte citate anzubringen. vgl. noch aber mit dem buochstaben stoltzirt er frech S. Franck
chron. 342
a. 1@e@bβ)
den übergang zu 2
stellt schon dar: er stolziret mit seinen kleidern Kramer
dict. 2 (1702), 983
c; mit fremden federn stolzieren Lessing 8, 274; einst hatte das müllerthier den wolfspelz seines herrn umgenommen, und stolzierte damit durch wald und trift Kretschmann
werke 6, 135; viel pfawenfedern er (
der rabe) do fund, die lasz er auf, wo er nur kund, sein schwartzes raubkleid (!) mit thet zirn, gantz prechtig darmit thet stoltziern Eyering
proverbiorum copia 1, 75,
wo unten gewöhnlich in
verwendet wird. 1@ff)
ungewöhnlich die ursache mit der präpos. von: wie er über alle mas davon stoltziret Luther 8, 217
b; (
anders:) er ein heimlichen schatz musz haben, wovon er so prächtig stoltziret
engl. comedien und tragedien (1624) N 2
a. —
aus: aus disem sig stoltzierten die Longobarder, und behertzt faszten sye ein muot, bis an das sicilisch mOer zuo ziehen S. Franck
chronica (1531) 161
a; dann sie forchten, sie möchten die statt nit erretten, und wann sie dann das am ersten grimmen des streits versuochten, möchte der feind aus hoffnung des sigs stoltzieren, solchs nit nachgeben Pinicianus (1561) 198
a. —
um: darümb dürfen die jüden nicht stoltzieren, das sie gott werde widerbringen Luther 28, 580
Weim.; (
wie) auch nicht darumb ist zu stoltzieren Kirchhof
militaris disciplina 3; glückseelig seit jhr zwar, händschuh, denen vergönnet, dass jhr der liebsten händt so ofte küssen könnet, stoltziert drumb aber nicht, die ehr, so jhr empfangt, von jhr allein und nicht von euch an euch gelangt Zinkgref
auserles. ged. 59
neudr. wegen: (
ein kaufmann,) der wegen seines käufigen guts nit wenig stoltzierte Abraham a S. Clara
Judas 1, 47. —
auch: darumb ein jeder, so wenig oder viel besitzet, stolzire nicht deshalben Pape
bettel- und garteteuffel H 2
b. —
mit bloszem genitiv: das er sich gut daucht, rhümet sich des in hochmuth, in ihm selber des hoch stoltzieret Hans Sachs 9, 218
Keller-Götze. hierher wohl auch: damit sich ... der mann dessen nicht vbernemmen oder stoltzieren solte Ägid. Albertinus
hirnschleiffer 28. —
der grund im nachfolgenden infinitiv: du aber nahmst ihn auf, stolziertest ihn zu haben, und weintest brüderlich Kretschmann
werke 1, 306. 1@gg) wider, gegen einen stolzieren
sich stolz, hochmüthig, übermüthig gegen ihn benehmen: lieber, was habt jr, darauf jhr wolt pochen? oder wider wen wolt ihr stoltzieren? Luther 6, 220
b; wir verwerfen und verdammen auch die sich erheben und stoltzieren wider die schrift und der kirchen richtschnur, und new gebot einfüren Nigrinus
papistische inquisition 104; dein feinde trutzen zorniglich, mit wüten und mit toben, stoltziern und bochen wider dich Waldis
psalter (83) 147
a; wann ein weib alles an jr hett, das ein ehrenfromm weib haben solt, ... und aber alleyn hochmütig gegen jrem man stolzirte, ..., so wer sie keyn fromme frau Fischart
ehzuchtbüchl. 249. 1@hh) in sich stolzieren (
mit hervorhebung des im innern wohnenden gefühls): so facht der reych esel an in im stoltzieren Luthen 15, 773
Weim. s. auch den beleg bei Hans Sachs
oben unter f. 22)
besonders in neuerer sprache '
sich anspruchsvoll darstellen, bewegen, mit stolz umhergehen'
zumeist unter aufwendung von prunk, wie der kern der entwicklung in seinen kleidern stolzieren
unter a
deutlich nahebringt; eine entwicklung, die mit charakteristischer stärke im 18.
jahrh. einsetzt. 2@aa)
ausgangspunkt dieser entwicklung (
s. auch ansätze dazu oben unter 1 e
β): in kleidern stolziren
vestium splendore et apparatu superbire Stieler 2178; und nun stolziert Hertzberg ... in dem aus brandenburgischer seide gearbeiteten kleid Joh. v. Müller 2, 114; (
leute,) die sich auf ein saubres kleid viel einbilden und darinn stolziren Miller
predigten fürs landvolk 1, 23; diese in gold und seide stolzierende zuhörerschaft Wackenroder
herzensergieszungen 258; sie (
die geliebten der beiden platzmeister) stolzirten in absonderlichem putz und trugen zur auszeichnung vor den übrigen ... die radförmige spitzenhaube Meyr
erzähl. aus dem Ries 1, 314; (
wir gingen,) von Aramöke, der in seinem roten halstuch stolzierte, geleitet, nach dem lager v.
d. Steinen
unter den naturvölkern Zentral-Brasiliens 91; ein burger arm, doch ehrlich war, zu seinem weib ein weib kam dar, die war aufs aller schönst geziert, mit kleidern, drinnen sie stoltziert Sandrub
hist. poet. kurzweil 114 (104, 4)
neudr. wenn sie in solcher zier der neuen tollen tracht stoltzieren und so prangen Prätorius
anthropodemus plutonicus 3, 307; allein, du wirst auch nicht mehr sehn, dasz sich der tugendhafte quält, sich seiner blösze schämt und darbt und seine lebenszeit verweint, indessen dasz in seid und gold der bösewicht stolziert und lacht E. v. Kleist 1, 114; der kartenkönig, taub und blind, ist karte, wie die andern sind, stolzieret nur in solcher pracht, weil ihn der mahler bunt gemacht J. G. Jacobi 3, 168; die üppgen Genter, die in sammt und seide stolzieren Schiller 13, 181 (
jungfrau von Orleans, prol. 3); die braunen mäntel hat, im frechen taumel, der pöbel sammt den hüten weggeworfen, den bart gestutzt, die polnsche mütze aufgestülpt, in rothen kleidern nun stolzierend Kotzebue
dram. w. 22, 121; ein poet stolziert in waffen, ist des Helikons bestürmer, aber manche kriechen aufwärts wie gekrümmte regenwürmer Platen 2, 311 (
verhängn. gabel 3); es lebe, was auf erden stolzirt in grüner tracht, die wälder und die felder, die jäger und die jagd! W. Müller
gedichte 127. 2@a@aα)
die alte grundlage (
unter 1)
liegt frei in älteren belegen: das keiner in sein eigen erwehleten kleidern gerechtigkeit suche oder stoltziere, und sich besser duncken lasse, dann ein anderer in gemeinen kleidern Nigrinus
papistische inquisition (1589) 104;
vgl. dazu in rein geistiger wendung: wie das er in seiner meinung stoltziret und offentlich die gotlos yrthumb ausspreytet Hedio
chronic. german. 111
b; do er aber den propheten nimmer hören und in seinem sinne stoltzieren ... wolte Mathesius
Sarepta 112
a. (
mystisch:) wann ihr das liecht der äussern natur zerbricht, darinnen sie hat eine zeitlang in der ichheit stolzieret Jac. Böhme
schr. 4, 178. 2@a@bβ)
in anderer sphäre befördern wendungen mit auf
die neue entwicklung: auf einem triumphwagen stolzieren Herder 20, 82; auf dem wagen stolzierte eine ... siegergestalt des todes Wackenroder
herzensergieszungen 148;
auch: (
er) stolzirt auf rossen
Leipziger aventurieur 1, 76. 2@a@gγ)
der übergang zum folgenden wird vollzogen: Polyhymnia soll nun freylich nicht im flitterstaate einher stolziren Schubart
aesthetik der tonkunst 225; (er) stolzirte in königlichem schmuck ... einher Becker
weltgeschichte 6, 410; er stolzirte im neuen kleide voran Arnim 2, 270; (
der schneider) schneiderte sich selbst kappen und mäntel und hosen, wie rathleute und junker; so oft ihn auch der rath darum strafte, er stolzirte darin um Alexis
die hosen des herrn v. B. 1, 146. 2@bb)
eine weitere locale bestimmung macht den neuen sinn des wortes deutlich: (
wo er) durch das dorf in den garten stolzirte Jean Paul 1, 355; auf (
diesen) terrassen stolzirte einst Nebuchadnezar in seinem hochmuth Ritter
erdkunde 11, 916; ärgerlich ist es für einen kriegsmann, wenn ein müsziger schreiber im hofe stolzirt Freytag 10, 9; sogar ein zwerg im gefolge könig Rudolfs und des bischofs von Basel wurde mit dem schwertgurt geschmückt und stolzirte als ritter Konrad im gesinde 18, 42; er (
Luther) raufte jhm (
dem papst) die feddern aus, damit er sich gezieret, und stiesz jhn aus dem gotteshaus, darin er lang stolziret Joh. Walther
bei Ph. Wackernagel
kirchenl. 3, 194; auf, auf, mein fürst! der feind stolzirt im feld
Shakespeare 9, 204 (
Richard III. 5, 3); (
Pieps) stolzierte auf die gasse und betrachtete in seiner weise die stadt Freytag 12, 76; (
Soubise,) stolzierest ja mit prangen, wie Pharao ins feld Ditfurth
hist. volksl. des preuszischen heeres (1869) 19; durchlauchtigster! es nahet sich ein bäuerlein demüthiglich, da ihr mit euerm rosz und heer zum schlosse thut stolziren sehr Göthe 4, 205
Weim. deutlich machen den begriff auch auf und nieder, auf und ab stolzieren: wann wirs also von andern creaturen haben genommen, so stoltzieren wir auf und nider Harsdörffer
frauenzimmergesprechsp. 1, F 6
a. — voran-, voraus-, einherstolzieren: sie stolzierten um einen ganzen kopf gestreckter als zuvor vor ihren mädchen einher O. Ludwig 2, 283;
s. dazu auch die belege unter 2 a
γ. —
auch: da kommt ein fäntchen zu mir her stolzirt, die pfauenfeder am baret Bauernfeld
ges. schr. 1, 160; als er noch krause locken trug, war alles ihm zu dumm, stolzirt daher und trank und schlug sich mit den leuten herum W. Busch
kritik des herzens 71; Friedrich stolzirte umher wie ein hahn, im neuen himmelblauen rock A. v. Droste-Hülshoff 2, 293 (Schleiermacher
Platon 6, 426)
vgl. obs. rumstolzieren
mit steifen schritten, wichtigtuend umherschreiten Müller-Fraureuth 2, 567
b;
els. herumstolziere
n Martin - Lienhart 2, 594
b; daher (
elsäss. derher stolziere
n wie ne baron
ebenda); hin und her (
bildlich: vermahnungen un versprekungen, in hoge würd un grote redensorten upgeputzt, stolzierten vör de ollen daglöhners ehre ogen unverständlich hen un her Reuter 2, 264, 9
stromtid 2, 16). — hinab, hinauf stolziren (
z. b. die treppe) Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 350. hinein (
obs. na nu will ich neinstolzieren
hineinspazieren Müller-Fraureuth
a. o.). 2@cc)
der neue begriff völlig entwickelt; entsprechend spazieren gehen (
th. 10, 1
sp. 2015
unter II 1): und will der kopf sich wie ein pfau ausspreitzen, auf die füsz nur schau, und wollen die
stolziren gehn, dann darfst du auf ein kreuz nur sehn Brentano 1, 546.
neben spazieren führen (
sp. 2018
unter II 6): die ehelich erzeugten kirchenkinder werden einmal in erster communion spazieren und stolzieren geführt, dann laufen sie ihrer wege 9, 33. —
zu fusze stolzieren u. s. w.: ich wollte mein mädchen doch lieber mit einem gescheuten mann in einer bürgerlichen equipage fahren sehen, als dasz sie am arm eines gecken, mit ahnenprobe in der tasche, zu fusze stolzierte Gotter
ged. 364 (
nachl.); vorn (
im zuge) die bauernbursche langsam stolzierend zu pferde
deutsche erzähler des 18.
jhs. 158
lit.-denkm. —
einfach: o es gibt schauspieler, die ... weder den ton noch den gang von christen, heiden oder menschen hatten, und so stolzierten und blökten, dasz ich glaubte, irgend ein handlanger der natur hätte menschen gemacht, und sie wären ihm nicht geraten
Shakespeare 4, 192 (
Hamlet 3, 2); da (
auf dem jungfernstieg in Hamburg) stolzierten die schönen kaufmannstöchter, mit deren liebe man auch so viel bares geld bekömmt Heine 4, 103; stolzier, prachtier und dreh dich nur! Mörike 1, 158;
vgl.(
um geographisch ganz auseinanderliegendes zu wählen)
wienerisch stolzirn
aufgebläht herumgehen, in der meinung, dadurch bewundert zu werden Hügel 158
a,
elsäss. stolziere
n Martin-Lienhart 2, 594
b und mecklenb. stolziren
stolz einherschreiten Mi 87
a. 2@dd)
von thieren: wo der goldfasan und der pfau zwischen den rucksenden haustauben einher stolzieren Bettine
tagebuch 127 (Treuer
deutscher Dädalus 1, 461); seht hin! wie brüstet der pfau sich dort am farbichten beete! voll eifersucht über die kleidung der fröhlichen blumen, stolziert er, kreist rauschend den grünlichen schweif voll regenbögen und wendet den farbenwechselnden hals E. v. Kleist 1, 186; ein hahn, ein schönes tier, ... stolzierte den schuppen entlang Fontane I 6, 38; eine schwarze henne ... stolzierte gravitätisch auf einen wassersteg zu I 5, 188; auf einem edelhof, auf dem ein ganzer chor von pfauen wohnhaft war, stolzierte einst eine kräh J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 388; Hudhud (
der wiedehopf) lief einher die krone entfaltend; stolzirte, neckischer art, über das todte scherzend der lebendge Göthe 6, 59
Weim.; der storch stolzirt von bein zu bein Eichendorff 1, 287;
auch von einem schwebenden geier: nun seht ihn nur recht an, wie er sich langsam dreht und wendet, und wie er stolziret Stifter 1, 266. —
von pferden: ich ward entzückt, das pferd unter mir sich bäumen und stolzieren zu sehn Bahrdt
gesch. seines lebens 1, 162 (Löwen
schr. 3, 67); sein action mit ruhm bravirte, als ob der erd schön unter ihm daher stolzirte das edle pferd Sigm. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 374;
vom einzelnen körperteil: ihr haupt steht hoch, vom zügel angezogen stolzirt ihr hals in einem kühnen bogen, die nase dampft Brentano 6, 294. 2@ee)
im übertragenen sinne, so von blumen: wolan, magst nun stoltziren du gartensternelein (
blume), muszt endlich doch verlieren all dein gefärbten schein Spee
trutznachtigal 77; wo blumen jetzt stolzierten, tobt in wasserwogen das verderben jetzt E. v. Kleist 1, 264; spröde tulpen, die nicht duften, aber prangen und stolzieren Herder 25, 520; wie die blume stolziert, und ihr seidenes kleid in vergoldeten purpur taucht! Hölty
gedichte 66; primeln stolziren so naseweis Göthe 3, 38
Weim. auch im garten der poesie: einige gedichte, die sich vor vielen neuen gedichten, die in unsern musenalmanachen stolzieren, rühmlich auszeichnen Schubart
briefe 2, 251. 2@ff)
bildlich, vom gebrauch der sprache: (
den sänger nicht berechtigen,) in prosa nun eben so zu stolzieren, als es in versen bisweilen wohl kleiden mag Bürger 326
b; einige jünglinge wollten stolzieren, hielten zu stark an; der gang (
der sprache) wurde holpricht
briefe, die neueste litteratur betreffend 15, 58. 33)
adject. (
zu 1): unfläthige, auf ihr bischen körperkraft stolzirende flegel Holtei
erz. schr. 15, 34; herr Henkel nahm den Lear beim ersten auftreten zu sehr als einen stolzirenden könig Grabbe 4, 237; du aber hoch im glücke stolzierender rival, der mir durch list und tücke Neärens liebe stahl Blumauer
gedichte (1782) 56. (
zu 2:) sie (
die vergleiche) sind muthigen pferden ähnlich, den stolzierenden reiter zu gottes erdboden werfen Hippel
kreuz- und querzüge 1, 372; eine stolzirende bürgerliche demoiselle
quelle von 1788
bei O. Jahn
Mozart 4, 48; sogar die stolzirenden dorfmädchen zierten sich wie jungfern in kleinen städchen Kortum
Jobsiade 3, 21. ein stolzierender pfau (Herder 30, 76); stolzierendes pferd: drauszen wiehert ihr rosz, stolzirend in purpur und golde Bürger 246; das thier hat einen stolzierenden gang;
auch: immer leiser, immer matter tönt vom vogelsang der hain, mit stolzirendem geflatter krächzt der rab am wiesenrain Uhland
gedichte 2, 241; das ist die üppige sommerzeit, wo alles so schweigend blüht und glüht, des juli stolzierende herrlichkeit langsam das schimmernde land durchzieht Keller 9, 51,
vgl.jene im grünenden gewand stolzierenden wiesen
leiden der jungen Wertherin 21. —
entsprechend 2 f: eine blühmigte und stoltzierende sprache Nicolai
literaturbriefe 7, 13; diese stolzierende kunstwörter müssen ... manche kritische armseligkeit aufstutzen
allg. deutsche bibliothek 8, 121.
adverb. (
zu 1): (
wikinge,) die sich Inselbärte, und als sie durch seeraub reich geworden, stolzirend Goldbeine ... nannten Dahlmann
gesch. von Dänemark 2, 164. (
zu 2:) (
ein mensch,) der die nase hochtragend ... wie ein truthahn stolzierend, dahergeht Görres 3, 82; doch indem ich so behaglich, aufgeschmückt stolzirend wandle Göthe 2, 105
Weim.; auf einem breiten felsen hebt ein haus ... sein hölzern haupt stolzirend in die höhe Blumauer
ged. 2, 109; der edle schreiber trägt stolzirend dich (
das veilchen) am hut Brentano 2, 566; brechend aus der linie zug, ein leichter trupp stolzirend sprengt A. v. Droste-Hülshoff 2, 173. 44)
substant. das stolziren
superbia, arrogantia, tumescentia, nimia aestimatio sui Stieler 2178
in dem werthe von oben stolz,
m., stölze,
f., stolzheit,
f.: aber wenn wir draus ein stoltziren machen, so lesset gott den teufel eintreten Luther 16, 112
Weim.; da (
bei gottes heimsuchung) höret auf stoltzirn, rhümen und aller ubermut 19, 423
Weim.; oho! sprach Eckarth, vor der zeit stoltzieren ist eine der gröszesten thorheit(!)
mediz. maulaffe (1719) 362; des ewigen rühmens und stolzirens überhoben Gaudy 14, 65; trotz seines stolzirens mit tugend und sittlichkeit Hebbel
tageb. 3, 60; der bauernnarr tritt auch daher, als wann er gar was vornehms wär; mit fressen, saufen und stolzieren thut er den adel selbst braviren S. Brant
narrenschiff 79; wie schwind wirstu examiniert, und wirdt dir dein stoltziern vergolten Alberus
fabeln (25) 122
neudr.; unüberwindlich rühmet sie ihr titul, torheit und stoltzieren Weckherlin
gedichte 1, 497; hoffärtiges weibsbild, was führst du im sinn? meinst denn, dein stolzieren bringt dir ein gewinn?
der verschmähte liebhaber bei Arnim 21, 178.
entsprechend der entwicklung unter 2: (
studenten,) welche die thewre zeit so liederlich verschertzen ... mit buhlen und stoltziren Moscherosch
gesichte 1, 432; das hofiren und stolziren hat dir groszen schaden gethan Göthe 13, 2, 280
Weim. (
lesart zum Götz v. B.); hofeleute halten viel vom stoltziren, prangen, pralen Logau
sinngedichte 333 (29); kein schwelgen, spiel, kein jagen und stolzieren Gottsched
neueste gedichte 70.
als eigenschaft der geformten sprache (
entsprechend oben 2 f): denn auch in der rede giebt es ... ein stolzieren, das an ihr kein geringes gebrechen ist
briefe, die neueste litteratur betreffend 20 (1764), 37.