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walgen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

walgen verb.

Bd. 27, Sp. 1227
walgen, verb. wälzen, rollen, sich wälzen, ekel empfinden. ein früher weiter verbreitetes wort, das jetzt noch im bair. und in einer bestimmten bedeutung im nd. lebt, sonst durch die weiterbildungen walgern, wälgern, die auch dem schriftd. angehören, zurückgedrängt ist. 11) herkunft und verbreitung. 1@aa) walgen, ahd. walagôn, walgôn Graff 1, 800, gehört mit sich anschlieszenden nominalbildungen dem westgerm. an (das verb. ist im ags. nicht belegt, wol aber nominalbildungen, wegen der grundbedeutung vgl. noch wealh 'egge' Bosworth-Toller 1173), ins nordische (s. oben walg, adj.) ist die sippe nur durch entlehnung gekommen. es liegt eine weiterbildung von der wurzel vel (s.walen oben sp. 1216) zu grunde, vgl. gr. ἕλιξ (stamm ἑλικ-) gewunden, geringelt. ein adj. walg ist nach ahd. anawalg 'absolutus' (eigentlich 'abgerundet'), ags. onwealh 'vollständig, ganz' Bosworth- [] Toller 761 vorauszusetzen, vgl. auch oben sp. 1226 das adj. walg in der abgeleiteten bedeutung 'übelkeit hervorrufend'. auf dies adj. könnte ahd. walagôn zurückgehn; die starke flexion ist bei walgen wol sicher nicht ursprünglich, sondern unter einflusz von walken später ausgebildet, sie kommt erst bei Oswald v. Wolkenstein (wielg 100, 51) und im jetzigen steirischen und kärntischen (unten c) vor. doch kennt das mhd. auch ein starkes welgen, freilich wie bewelgen nur bei Jeroschin belegt und vielleicht jüngeren ursprungs (entwolgen 'kraftlos' in der crone 6628 ist zweifelhaft). neben walagôn hat es im ahd. wol auch ein *walagjan gegeben, im mhd. und noch im 16. jahrh. steht im transitiven und reflexiven gebrauch welgen (schwach flectirend) neben walgen, während intransitiv nur letzteres gebraucht wird; noch einige mundartliche formen (c) führen auf welgen, das auch Stieler 2420 neben walgen und Schottel 1442 angibt.ein ablautendes wulgen kommt im thüringischen vor Hertel 260, wilgen wird durch wilgern vorausgesetzt. vgl. auch wolgen. 1@bb) walgen wird im mhd. häufig gebraucht, obgleich nicht alle dichter das wort verwenden, von den Alemannen der früheren zeit kennt es nur G. v. Straszburg. durchaus eingebürgert ist es im bairisch-österreichischen, aber auch die Mitteldeutschen des ostens und westens haben es nicht selten. im mnd. kommt es nur in den abgeleiteten bedeutungen 'sich abmühen, ringen' und 'übelkeit, ekel empfinden' vor. im 16. jahrh. findet sich das wort bei Baiern (Aventin), Nürnbergern (Pfinzing im Teuerdank, H. Sachs), Schwaben (Fronsperger, in der Zimmerischen chronik), Elsässern (Keisersberg, Wickram, Fischart). dasz es im zurückweichen begriffen ist, geht aber daraus hervor, dasz kein südd. wörterbuch es verzeichnet (Aventin erwähnt es in seiner gramm.: volvo, walgen, schieben, scheiben 1, 426, 29). ähnliches gilt für das md., wo die ableitung walgern es verdrängt. doch kennt es noch Waldis in der bedeutung 'ekel, widerwillen empfinden', die auch bei hd. schreibenden Niederdeutschen gelegentlich vorkommt und die Krämer 1206b verzeichnet. Stieler führt neben dieser auch die alte bedeutung an: walgen, volutare; walgen, complanare et idem est quod walgen fastidire et volutare 2420. ebenso hat Schottel 1442 welgen in der bedeutung 'den boden ebnen' neben der speciell nd. bedeutung von walgen, die auch Ludwig anführt. Rondeau und selbst Adelung geben noch walgen neben walgern an; belegt ist z. b. auswalgen bei Hohberg. Campe hat walgen, wälgern als niedrige, aber nicht verwerfliche wörter. Voss hat walgen in der nd. bedeutung gebraucht, während Rosegger das alte walgen 'wälzen' wieder in die litteratur eingeführt hat (2, a, α. b, α). vgl. c. 1@cc) mundartlich ist das wort jetzt im bair.-österreichischen bei vollem leben als 'sich wälzen'. Schmeller2 2, 903. Bayerns mundarten 2, 446 (daneben welgen). Schöpf 797. Hintner 238 (neben walgn 'sich wälzen' ein transitives wölgn). Lexer 249 (part. giwalgit und giwalgn, daneben trans. welgn 255). Unger-Khull 616a (im part. auch stark, vgl. bei Rosegger herumgewalgen). Schröer Gottschee 493 balgen baugen (daneben belgen bölgen 'walken'). im schwäb.-alem. gebiet scheint das wort jetzt nirgends vorzukommen (dafür ist walen üblich). ebenso ist es im md. durch walgern, wälgern verdrängt und scheint sich nur in der speciellen bedeutung 'unbehilflich gehen', die aus Nassau, Hessen und in der von 'mühsam bewegen', die aus Thüringen bezeugt ist, erhalten zu haben. Kehrein 437. Crecelius 890. Hertel 252 (welgen). Schultze 46 (wöllige). in Köln findet sich auch walge als 'ekel empfinden' Hönig2 198. in dieser bedeutung ist das wort auch im nd. lebendig, meist in unpersönlichem gebrauch. brem. wb. 5, 172. Richey 332. ten Doornkaat Koolman 3, 501. Schütze 4, 333. Dähnert 536. Strodtmann 277 (sik walgen 'sich übergeben wollen'). im ndl. gehört es in diesem gebrauch der schriftsprache an. 22) bedeutung und gebrauch. 2@aa) transitives walgen und wälgen. 2@a@aα) etwas rundliches (auch einen menschlichen körper) hin und her rollen: nim ein bon und walg sie under beiden fingeren, so wenestu es sein zwo bonen. Keisersberg emeis (Stöber zur gesch. des volks-aberglaubens 71). verdeutlicht hin und her walgen: [] der per lieff auf in sere und det in (den menschen, der sich tot stellt) umb kere, walget in hin und here. meisterl. fol. 23, nr. 36; als sie in walgten hin und her. H. Sachs fab. u. schw. 5, 734, 47 Götze-Drescher; und hiesz in da in der heiszen pfannen hin und her walgen als lang, bis er starb. heiligen leben (1472) 114b; nahm ihn (den knaben), legte ihn auf den fuszboden sachte um und begann ihn flott hin und her zu walgen. Rosegger idyllen 98. jemand (etwas) in etwas walgen: sie lüefen die ganz nacht im flecken umbher. ... da wardt menigclich ab der gasen triben, die wächter im schnee umbher gewalget. Zimmerische chronik2 3, 383, 39; dann duncks wider in schweffel und walg es in diesem zeug, bisz es einer kugel deiner büchsen gleich wirdt. Fronsperger kriegsbuch 2, 205a; se, se, se, se, heb dich an galgen, odr ich wil dich im dreck umb walgen. H. Sachs fastnachtsp. 10, 174 Götze; hertzlieber sohn, ligst du ietz todt, gewalget in dem blute roth? 12, 298, 22 Keller; so walget er inn seinem bluot eyn hembt. Wickram 7, 9, 269 (met. 9, 132) Bolte. besonders in der küchensprache üblich: mach ein gelbs teiglein ... welg dy crebs dorynne ydes stucklein besunder. kuchenmeistery a 5b; welg dy kuchlein czusammen. a 6h: welg esz yn den henden kuglet. c 2a; nym gut weyczen melb, das knyt mit kaltem wasser, den (teig) prich unter den henden, das er sich lasz welgen. c 4b; walgen, walgern, rouler quelque chose avec les mains (als landschaftlich). Rondeau. 2@a@bβ) rollend glatt, eben machen: welgen, den boden überwelgen. Schottel 1442; walgen, valgiolo dilatare et complanare. Stieler 2420; den teig auswalgen (zu den golatschen). Hohberg 1, 203b; bair. nudel walgen 'den teig um nudeln daraus zu formen platt rollen'. Schmeller2 2, 903. 2@a@gγ) im steirischen ist walgen auch 'schlingen, schlucken', eigentlich im munde hin und her rollen. Unger-Khull 616a. 2@a@dδ) rollend fortbewegen: ich sah ein traum und mich bedaucht, wy ein escherigs brot ausz gersten wrd gewelget (vulg. volvi), und in die gezeld Madyan abgeen. Koburgers bibel (1483), richter 7, 13; durch eine länen bei 45 klafteren abgescheibet oder gewalget. kurze beschreybung ... des gnadenbildes Waldrast (1738) 54 bei Schöpf 797. thüring. wälgen 'mühsam bewegen' Hertel 252. meist mit adverbiellen bestimmungen: wo ainer ausz freiem willen ainem in sein zinsguet frävenlich stain welgt, wurft oder geen lat. österr. weisth. 1, 309 (Salzburg); nim den stein .., schwemme den in schweffel und hartz und welge den dann in die büchsz. Fronsperger kriegsb. 3, 193b; die altartücher welgt man hinder sich bisz zu der tafel. Schmeller2 2, 904 aus einer handschr.; also si dort bi im erschein,abe walgot (wielz fundgr. 2, 41, 29) er den stein unde trenchot daʒ vihedaʒ si dar het getriben. genesis u. exodus 55, 12 Diemer; owî, wer walget uns den stein ab dem grabe? Mone anz. 8, 528 (altt. predigten nr. 20); als der adler syne ayer gelegt hett, floug er (der hornisz) uff mit synen lutern flügeln uncz zuo dem nest und walget die ayer alle über ab, daʒ sie uff der erden zerbrachen. Steinhöwel Äsop 244 Österley. in den alpenländern namentlich holz herunterwälzen vermittelst einer riese (rutschbahn). Unger-Khull 616a: das der welliger das treuleich und ungeverleich weligen schol ainem als dem andern. ... auch was nun der weliger her ab weligt in der risen, das sol der vasser (einlader) treulich und ungeverleich auflegen. österr. weisth. 6, 46 (Steiermark 1440). eine kugel walgen, darnach bildlich bei Walther von personen: swer mir ist slipfic als ein îs und mich ûf hebt in balles wîs, sinewell ich dem in sînen handen, daʒ sol zunstæte nieman an mir anden, sît ich dem getriuwen friunde bin einlœtic unde wol gevieret. swes muot mir ist sô vêch gezieret, nû sus, nû sô, den walge ich hin. 80, 2. [] auch sonst von menschen: darumb sol man sy füeren hin, Fürwittig richten mit dem schwert ... darnach Neydelhart zuwalgen über ein hohen turn zuotall, damit er seinen hals abfall. Teuerdank 109, 156; ward er erst recht zornig auf die christen .., liesz si mit henden und füessen pinden, liesz si nacket und plosz durch dörnen walgen. Aventin 4, 1148, 11 Lexcr. 2@a@eε) bair. aier walgen, ein spiel, das zur osterzeit üblich ist. Schmeller2 2, 904; 'jeder mitspielende läszt durch eine kluppen oder eine eingesteckte eszgabel auf einem schiefliegenden brett einen ring laufen, und legt dahin, wo dieser stehen bleibt, sein ey. damit wird in der reihe fortgefahren, bis einmal einer der spieler mit seinem ring eines der bereits aufliegenden eyer trifft, welches dann ihm gehört und unter dem namen schmuder als sein neuer einsatz liegen bleibt, nachdem die übrigen von dem frühern eigenthümer des getroffenen als gewinn weggenommen sind.' vgl.walen 2, a, β. 2@a@zζ) aus eine kugel walgen hat sich walgen als bezeichnung eines spieles entwickelt, wofür sonst walen (s. d. 2, d) gebraucht wird: also ist ze wisen das ich sagen wil von siben spilen, da alle spil in begriffen sind: das erst ist schaffzawelspil, das ander pretspil .., das dritt kartenspil, das fiert ist würfelspil auf dem pret, das fünft ist walgen mit den kuglen oder durch den ring kügeln, schiessen und des geleich was mit dem klotz zuo gat ... Ingold gold. spiel 3, 22 Schröder. 2@a@hη) einen walgen steht in übertragener bedeutung für 'derb mitnehmen, quälen': ihm (dem pfaffen) wil ein possen reissen ich und darzu meinem hueren-balg, dasz sie der teuffel beyde walg. H. Sachs 17, 192, 10 Keller-Götze; wen man in oft duet walgen, und der schlappen entpfint umbs maul, lest er zw lecz von seiner aufschimpfigen art. fab. u. schw. 5, 735, 56 Götze-Drescher; so fahrt nun fort an lichten galgen, du schelms halsz, ich solt dich jetzt walgen. Fischart Eulensp. 8424 Hauffen. Scherz-Oberlin 1928 führt für walgen auch die bedeutung 'cogere' an. ähnlich welgen an folgender stelle (vgl.entwelgen 'hinaustreiben' bei Lexer 1, 595): und mochten dan die armen da (im kloster in kriegszeiten) behalten leib und gut, das sollen sie thun; wer es aber sach, das sie gewelget wurden, so soll man sie ... hinden usz lassen mit an den Rayszberg, dan behelf sich ieder man so er best magk. weisth. 5, 619 (Pfalz 1390). 2@bb) intransitives walgen. 2@b@aα) sich wälzen, von menschen und thieren, meist mit in verbunden: volvuntur (permixti caede virorum semianimes v. equi), walgotun. Steinmeyer - Sievers gl. 2, 639, 18 (Aen. 11, 635); er warp daʒ man im bræhte ein gras, 'und lât mich walgen als ein rint'. W. v. Eschenbach Willeh. 132, 23; daʒ er also lange facht, daʒ in sin blut besprete, als er gewalget hete mitten ûf der walstat, da daʒ folc lac ertrat. Herbort v. Fritzlar troj. krieg 6778; in Hectoris blute walgeter (Paris) her und dare, biʒ sin harte schone vare also sere wart verstalt, daʒ in Helena schalt. 10527; im wart vil sûre die selbe wîle dâ, wand er walget in dem snê hin und her, unz er sich dâvon entswanc. Lamprecht v. Regensburg Francisk 912 Weinhold; der walget in dem stoube, der valsch und och der toube der wulte in der äschin. Hugo v. Langenstein Martina 11, 91; dû diep der êren dîn, dû in hor ein walgundeʒ swîn, dû schanden vol, dû triwe bar. Ottokar reimchron. 63510 Seemüller; auch liebet sie mir für alles, das mir we tut, und liebet mir für nacket walgen in nesseln und für igels palgen und liebet mir für roszeier zu essen. fastnachtsp. 135, 25; [] verflucht muestu (schlange) ymer sein! walg auff der brust dein umb dein ungetrawen rat, den man von dir enpfangen hat! Keller altd. erzähl. 18, 15; von ausgelassenem treiben: die also hirntobig und schellhörnig und hirnschöllig von wein rasen, balgen, walgen, schelten, gauckeln ... Garg. 3. herumtollen mit personen des andern geschlechts, leicht mit obscönem nebensinn: verflûchet sî diu wîl unt diu cît, daʒ der mit wîben wil walgen, der an dem gotes galgen (kreuz) mit ûff gerachten handen stêt. H. v. Melk priesterleben 262; wolt' er under schœnen kinden walgen hin unt her ... beʒʒer wær', er hieng' an einem galgen. minnesinger 3, 204a Hagen; ich macht mit walgen weite pett uff und nider in dem getraid. ich was ain wol versuochte maid. Hätzlerin 2, 85, 82; do wurden wir im mist umb walgen und uns in dem küedreck bedalgen. fastnachtsp. 335, 9. dagegen ist mnd. walgen mit einem 'kämpfen, sich abmühen'. 2@b@bβ) es können sich adverbielle bestimmungen anschlieszen, durch die walgen zugleich eine fortbewegung ausdrückt: so gat er (der igel) in den wingartin, und stîget ûf eine rebe, da der bere vile an ist, unte scutit diu bere abe; so gât er nider unde waliget uber diu bere, unze er die dorne gevullet, die an ime sint, unt tregit si sinen jungen. fundgr. 1, 33, 5 (Physiologus 1); dô sluoc er alsô vasteûf den wurm freissam. dô walget Wolfdietrîchüber manegen tôten man. ich enweiʒ wie im der degenalsô nâhen kam, daʒ in der wurm ergreifund in den munt nam. Wolfdietrich B 706, 2; die heben im heu zu obirst an, fassen sich in den arm gar schan, walgen herab pisz an den tennen. fastnachtsp. 386, 11; da werden die kue zu den gelten smitzen, das sie zu den wenden walgen. 386, 21. walgen kann ganz die bedeutung 'gehen, wandern' annehmen: ambulavit (in via regum Israel) walagota. Steinmeyer-Sievers gl. 1, 453, 57; ich sihe noch mangen hoh progen, der doch gar lützel milte hat, den ziert sin corper und sin wat und daʒ man in siht walgen (einherstolziren) in vehen meuse palgen. Hugo v. Trimberg renner 18794. in md. mundarten hat wälgen jetzt die bedeutung 'mühsam, schwerfällig gehen' (1, c). kärnt. ummerwalgn ist nicht nur (wie tirol. ummerwölgn Schöpf 797) 'herumkollern', sondern auch 'von einem ort zum andern wandern', Lexer 249: bin als waisel allweil nur unter fremden leuten herumgewalgen. Rosegger wildlinge 373. 2@b@gγ) von dingen, die in circulirender bewegung sind, sich drehen: die himele hât got geschaft, daʒ sie loufen umme ... sô die himele loufen dan, sô kumet daʒ underste oben an, unde daʒ mittelste, ine weiʒ war, vil lîhte walget eʒ sô dar, daʒ eʒ kumet obene unde under. Heinr. v. Krolewitz 494. vom glücksrad und übertragen, vom glück selbst: gelükke wil unstæte sin, des get eʒ ümbe von einem her, zem andern hin, eʒ walget manige krümbe, eʒ irregat, unde ist gegen mir ze laʒ. Meiszner, minnesinger 3, 87a Hagen; diu sæld begunde walgen hiute her, morgen hin; sus was der wechsel under in unz in daʒ zwelfte jâr, daʒ ir ietweders vâr den andern selten vermeit. Ottokar reimchron. 531 Seemüller. sich wenden, vom augapfel: der sünden stein walget in den ougen. mystiker 1, 364, 27. von den im saitenspiel hin und her greifenden händen: jâ sîne vinger wîʒe die giengen wol ze flîʒe walgende in den seiten. si begunden dœne breiten, daʒ der palas voller wart. G. v. Straszburg Tristan 3601. [] 2@b@dδ) von rundlichen gegenständen, sich rollend fortbewegen: und wo ain air ligen mag, ists im Lebenauer gericht, wo es aber hinab walgt, so ists im stattgericht. österr. weisth. 1, 81 (Salzburg); man sol den slegel (von der anhöhe) lassen walgen. Lori Lechrain 142 bei Schmeller2 2, 903; die grôʒen steine ûf dem berge welgent mit krefte herab zer erde: die stein die ûf der eben sint, die ligent samft. Thomasin v. ZirclÆre d. wälsche gast 3206; setzit die vuoʒe auf einen stein der vaste liege und nicht walge, uf daʒ ir niht slifende werdet. Leyser deutsche predigten des 14. jahrh. 128, 33. als stein walget u. dgl. ist beliebt zur bezeichnung von gebietsgrenzen nach der wasserscheide: zu baiden seiten dem gesig nach wie stain walget und wasser rint. österr. weisth. 1, 245 (Salzburg); als wasser rint und stain walget. 1, 246; als wassersaig herein gegen dem land get und stain walgent. 1, 284; von der hoch desselben gepirgs nach der wassersaig und als stain walgent hinz ab an den Drätenpach. 1, 284; als wasser fleuszt und der stain walgt. 2, 121 (Unterinnthal 1442). übertragen auf einen menschen (vgl. oben 2, a, δ bei Walther): ûʒ sinewellem muote ein man, zuo swem er walgt, von dem sô walget er ouch wider dan: nû walge hin, nû walge her, eins ungevierten mannes muot! Reinmar v. Zweter 2, 61, 3 Röthe. 2@b@eε) sich schwankend fortbewegen, von wagen, schiffen: auff meinem völn und schiffen ich zu Kölen fuer, von dann gen Ach miet ich ain karren wilder ruer, nu plitsch und platsch wielg er nach ungeleicher snuer. Osw. v. Wolkenstein 100, 51 Schatz; seht wie ûf meres ünden kiel walgent, alsô eʒ sich (im kampfe) under einander wiel, den hin den her, als ie dem man dan vüeget. Lohengrin 5182 Rückert. 2@b@zζ) von wolkenmassen, den meereswogen, bewegter flüssigkeit, dem feuer: ein wolken er dort herr sach walgen als ain grosser pergk. H. v. Neustadt Apollonius 4935 Singer; alrêrst der strît nû walgt als mer sich ündet, alsô in des strîtes sûr ros unde liute wabelet, der ûf, der abe, der hin, der her. Lohengrin 5466 Rückert. steir. 'schäumen, wallen' Unger - Khull 616a. bair. 'aufwallen' von kochender flüssigkeit. Schmeller2 2, 903: und walget ir daʒ geliberte bluot under den rippen also diu eigir. ebenda (aus einer handschr.); mit den blasebalgen wirt gepinet viur, daʒ eʒ muoʒ vor winden walgen, daʒ sin gluot erschinet, krefteklich gemeret wirt sin hizze dan. minnesinger 1, 268a Hagen. vgl. thür. wulgen 'in wallender, wühlender bewegung sein', z. b. vom nebel. Hertel 260. 2@b@hη) von körperlichen empfindungen, sich hin und her ziehen, mit persönlichem dativ: sô dû unmâʒen siech bist in dem bouche unde sô dir der wê under den rippen walge, sô nim betonicam. Pfeiffer 2 deutsche arzneibücher (Wiener sitzungsber. 42, 154). besonders von einer bewegung, unruhe im magen, übelkeit, brechreiz, ekel empfinden: eine im nd. gewöhnliche bedeutung, innerhalb des md. jetzt nur im kölnischen nachzuweisen (1, c), früher aber weiter verbreitet (s. die belege aus Waldis, Krämer und Stieler). sie findet sich schon im mnd. Schiller - Lübben 5, 579 und mndl. (Teuthonista 60d walgen, fastidire, 80 verleeden, walghen, nauseare, daneben auch 137d joecken of walgen, prurire, Kilian 651 walghen, nauseare); Diefenbach gl. 376c nauseare, walghen, walgen vel spuen, wallichen (meist aus nd. glossaren), 629a ad vomitum incitare, walgen (aus nd. glossaren), nov. gl. 262a nauseare, walghen; nausea, fastidium stomachi, dat walgent. Chyträus nomencl. (1594) 287. im 17. jahrh. erscheint das wort auch in hd. wörterbüchern: walgen, nauseare, avoir appetit de vomir. Schottel 1440; walgen, einen (l. einem) walgen, sich brechen wollen, auvolgersi, sconvolgersi lo stomaco ad uno, haver', venir' ad uno voglia di recere, vomitare. Krämer 1206b; das walgen, auvolgimento dello stomaco, v. eckel. ebenda; walgen, nauseare. Stieler 2420; es walget mir, es ist mir so eckelhafft, I have a mind to spue. Ludwig 2373; walgen, walgern, avoir mal au coeur, sentir un soûlevement [] de coeur. Rondeau (als idiotisch). Bödiker grundsätze d. deutschen sprachen (1690) 178 stellt niedersächsisch walgen dem oberländischen eckeln gegenüber. Frisch 2, 419 erwähnt mich walget als niedersächsisch und Adelung kennt es walgt mir aus 'einigen provinzen', ebenso führt Campe das wort als landschaftlich an. die construction ist unpersönlich: em walget unde grummet in dem lyve. bok der arstedie 69 bei Schiller-Lübben a. a. o.; et walget mi im live. Richey 332. Schütze 4, 333; 't walgt mi al, wen 'k man eten se. ten Doornkaat Koolman 3, 501. der grund der übelkeit wird mit vor (ob) angereiht: uns walget vor der ryngen spyse. Josef von den 7 todsünden 7061 bei Schiller-Lübben a. a. o.; dar walget mi vor. brem. wb. 5, 172; sie sprach: 'ich bitt wolt mit den zeenen nit so das stinckend leder denen, denn euch das maul offt stinckt davon ... mir walgt dafür; thuts doch nit mehr! Waldis Esopus 4, 42, 32; es walget mir darob, das ding ist mir eckelhafft, I loath, or nauseate, it. Ludwig 2374. die bedeutung wird auch zu 'widerwillen empfinden, verdrieszlich sein' erweitert: se brummeden, dat enem davör walgen mugt. quelle bei Dähnert 536; Diefenbach gl. 227c fastidire, nicht mogen, versmaen, walgen (gemma, Köln 1507); denck nicht, das er im (seinem schicksal) mög entgahn: wies im gott fügt, so musz ers han, solt er auch selb das messer finden, damit man in selb stech und schinden: davor lasz im nur niemand walgen, hilfft doch kein pantzer vor den galgen. Waldis Esopus 4, 25, 29; hör Fabian, lasz dich nicht walgen, du solt ein hencken an den galgen. Krüger baur. richter 707. der acc. an der letzten stelle erklärt sich wol aus einem falsch aufgefaszten nd. di, vgl. oben mich walget bei Frisch. in die neuere litteratursprache ist das wort nicht eingedrungen. nur Voss macht von ihm gebrauch: wiewohl schon frisch anstinkt waldeber und meerbutt' einen von unlust krankhaft walgenden magen, der voll nach sauergebeiztem alant oder radieschen sich sehnt. Horaz 2, 113. 2@cc) reflexives walgen und wälgen. 2@c@aα) sich wälzen, von menschen und thieren, meist mit in verbunden: eʒ (das hündchen) walget in den bluomen sich. Heinr. v. Freiberg Tristan 4569 Bechstein; durch got entut niht als die swin, die claren brunnen kulen laʒen und in den pfulen sich welgen und unreinen. H. v. Hesler evang. Nicodemi 4775 Helm; ich walg mich an dem bette und ruck von statt ze stette ... darnach wind ich min hent, das ich so gar ellend miner aller liebsten bin. liedersaal 3, 99, 23; ir wilden tier, verneut eur vel, hart welgt euch (im mai) in den plüemlîn gel. Osw. v. Wolkenstein 36, 12 Schatz; dann sie gantz rhelt wie eyn pferd. auch walget sie sich auff der erd. Wickram 7, 102, 1424 (met. 2, 669) Bolte; vor leidt sein vatter sich bestaupt mit eschen oben auff seim haupt und walgt sich imm staub hin und her. 378, 1017 (met. 8, 528); wol gedachte, ir fasten deʒ rüren ursache were und darumb sy nit geschlaffen möcht und in dem pette also hin und her sich welgen müst. decameron 188, 19 Keller; do ging der fuchs und walget sich überal in ainer unsubern stinkenden lachen. Steinhöwel Äsop 210 Österley; ein fisch oder ein has oder vogel, so vil er sich me walget im lim oder im garn oder strick, so vil minder er sich darusz erledigen mag. Keisersberg narrenschiff 99b bei Schmidt els. wb. tirol. sich wölgen Schöpf 797. 2@c@bβ) so walget sich (devolvitur) von der schwere dahin (zum bauche) daʒ netzlein oder ingeweyd. Celsus von Khüffner 125a.
23548 Zeichen · 452 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    walgenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    walgen stn. ich macht mit walgen weite pett Hätzl. 2,85,22.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    walgensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    walgen , sw. V. nhd. „walgen“, kämpfen, ringen, abmühen, übel sein (V.), Ekel empfinden, Widerwillen empfinden ÜG.: lat.…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Walgen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Walgen ,

  4. modern
    Dialekt
    walgentr. v.

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    ElsWB ElsWB PfWB PfWB RhWB RhWB walge n [wàlgə Ri. ] tr. v. walken: d'Strimb w.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit walgen

21 Bildungen · 5 Erstglied · 15 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von walgen 2 Komponenten

wal+gen

walgen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

walgen‑ als Erstglied (5 von 5)

walgenosse

DWB

walgen·osse

walgenosse , m. kampfgenosse, zu wal, schlachtfeld. in der mhd. epischen sprache: si heten nû gemuoʒetdes strîtes über al. dô kam der künic …

walgenôʒ

Lexer

walge·noz

wal-genôʒ stm. kampfgenosse. dô kam der künic Herwîc ze Ludewîges sal mit sînen walgenôʒen nâch bluote var gegangen Gudr. 1529,3.

walgenōz

KöblerMhd

walgenōz , st. M. nhd. „Walgenosse“, Kampfgenosse Hw.: s. walgenōze Q.: Kudr (1230/1240) E.: s. wal, genōze W.: s. nhd. (ält.) Walgenosse, M…

walgenōze

KöblerMhd

walgenōze , st. M. nhd. „Walgenosse“, Kampfgenosse Hw.: s. walgenōz E.: s. wal, genōze W.: nhd. (ält.) Walgenosse, M., „Walgenosse“, Kampfge…

walgen als Zweitglied (15 von 15)

abe walgen

MWB

abe walgen swV. st. Prät. GvJudenb . ‘herab-, fortwälzen’ abe walgot er den stein GenM 55,12; der gieng zu dem grab, / den grozen stain wiel…

aftrawalgen

MeckWB

Wossidia aftrawalgen refl. sich abarbeiten aus franz. travailler Kolz 130.

auswalgen

DWB

aus·walgen

auswalgen , auswälgen , auswälgern , exaequare, complanare volutando, vgl. ahd. walagôn, waligôn volvere ( Graff 1, 801 ): den teig auswälge…

bewalgen

Lexer

be-walgen swv. BMZ bewälzen Schm.

DURCHWALGEN

DWB2

durch·walgen

DWB2 DURCHWALGEN vb. DWB2 untrennbar kräftig schütteln; übertragen: DWB2 1740 da ich doch von diesen tituln .. so durchwalget bin, als ein k…

nāchwalgen

KöblerMhd

nāchwalgen , sw. V. nhd. hinterherrollen E.: s. nāch, walgen W.: nhd. DW- L.: Hennig 231a (nāchwalgen), LexerN 3, 326 (nâch walgen)

trewalgen

MeckWB

tre·walgen

Wossidia trewalgen s. MeckWB drawaljen . Zs. MeckWB daltrewalgen .

umwalgen

DWB

umwalgen , vb. , trennbar. 1) sich herum-, umherwälzen: do wurden wir im mist umbwalgen und uns in dem küedreck bedalgen fastnachtspiele 335…

überwalgen

KöblerMhd

überwalgen , sw. V. nhd. sich wälzen über, sich wälzen in Q.: MillPhys (1120/1130) E.: s. über (1), walgen W.: nhd. DW- L.: Lexer 457a, Henn…

Ableitungen von walgen (1 von 1)

bewalgen

Lexer

be-walgen swv. BMZ bewälzen Schm.