[]vortrag,
m. ,
vgl.fürtrag
teil 4, 1, 1,
sp. 907,
wo sich auch angaben über das schwanken der nhd. lexikographen zwischen für-
und vortrag
finden; im mhd. ist weder vür-
noch vortrac
zu belegen, während das verb. vürtragen
im sinne von '
darlegen in worten'
schon älter ist. die form vortrag
scheint sich erst im 17.
jh. zu verbreiten, doch begegnet sie nicht erst 1663
bei Schottel (
so bei Kluge-Götze): auf der lande vortrag
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 35; hat er den ständen unter anderm auch diesen vortrag gethan Zinkgref
apophth. (1628) 1, 33; nach beschaffenheit deroselben vortrages Rist
d. friedewünsch. Teutschland (1648) 63. — vortrag,
propositio Schottel
haubtspr. (1663) 652
a; vortrag, der, ...
propositio, sententia, significatio Stieler 2313; vortrag,
propositione, proposta, rapporto, espositione, rappresentanza Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1113
a; vortrag,
propositio Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 338
b;
proposition, der vortrag, das vorbringen Spanutius (1720) 387; für-
et vortrag,
propositio Steinbach 2, 835; vortrag,
propositio Gottsched
sprachkde (1762) 146. vortrag Adelung; Campe.
entlehnt ist dän. foredrag. 11)
wie aus den angeführten glossierungen hervorgeht, wird im älteren nhd. eine später veraltete bedeutung hervorgehoben. vortrag
bezeichnet da eine darlegung in worten, insofern sie eine behauptung, eine these, eine willensäuszerung, einen vorschlag enthält (
in letzterem sinne noch beim jungen Göthe,
unter 1 e);
vgl.fürtrag 3
teil 4, 1, 1,
sp. 907. 1@aa)
behauptung: der vortrag braucht keinen beweis,
propositio non indiget approbationis Steinbach 2, 835; einen rechten sucher der wahrheit kann man erkennen, wenn er einen vortrag nicht für gewisser annimmt, als es die beweise, darauf er gegründet, zulassen Leibniz
dtsche schr. (1838) 2, 320. 1@bb)
thema einer auseinandersetzung, darstellung mündlicher oder schriftlicher art: exordium eingang.
propositio vortrag Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, 330; erstlich ist propositio oder der vortrag, darinn man sagt, was man in der rede haben will Chr. Weise
polit. redner (1677) 169. —
exposition: diese handlung musz einfach, musz interessant seyn: sie musz einen anfang, ein mittel, ein ende haben; folglich einen vortrag, einen knoten, eine auflösung Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 245;
für den prolog eines dramas bei S. v. Birken
redebind- u. dichtkunst (1679) 324. —
übergehend von diesem sinne aus in die allgemeinere bedeutung des wortes: ehe aber der poet seine erzählungen anfängt, gehen einige stücke vorher ... das erste ist der namen des gedichtes; das andre der vortrag seines hauptsatzes, davon es handeln soll; das dritte aber die anruffung Gottsched
versuch einer crit. dichtkunst (1751) 493. 1@cc)
musikalisches thema: die propositio (
der zusammenhang zeigt, dasz der ausdruck der rhetorischen theorie entlehnt ist), oder der eigentliche vortrag enthält kürtzlich den inhalt oder zweck der klangrede und ist zweierley: einfach oder zusammengesetzt, wohin auch die bunte oder verbrämte proposition in der tonkunst gehört Mattheson
vollkomm. capellmeister (1739) 236. 1@dd)
besonders häufig in dem sinne einer äuszerung, die auf den willen eines andern einwirken soll, also in der bedeutung von antrag, vorschlag
u. ä. es kann unter umständen auch eine anfrage gemeint sein, auf die hin jemand sich zu etwas entschlieszen, sich entscheiden soll, vgl. zs. für dt. wortf. 12, 64: der erste vortrag eines geschäffts,
la prima propositione ... d'un maneggio (
negotio) Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1113
a; darnach zog er seinen gewalt (
beglaubigung) herfür, sein person zu diesem vortrag (
anklage) und handlung damit zu legitimiren Ayrer
hist. proc. juris (1600) 24;
besonders auch für heiratsantrag und bei liebeswerbung: wir wollen die princessin herrufen lassen, da ihr denn unsern vortrag und ihren entschlusz (
wegen der vorzuschlagenden heirat) selbst mit anhören könnet Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 293; sie muthmaszte aus diesem vortrage (
liebeswerbung) ...,
[] dasz er nicht lange in Deutschland gewesen seyn müste Lohenstein
Armin. 1, 14
a; da ich mir eher der sonnen einsturz als diesen vortrag vermuthet hätte
Holston u. Augusta (1780) 128; offt ist ein freyersmann in seinem vortrag blöde Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 392.
natürlich kann ein solcher vorschlag in einer längeren darlegung, einer rede vorgebracht werden, womit ein übergang zu der im entwickelten nhd. geläufigen anwendung stattfindet: Pyrrho hatte ausgeredet, und man fand seinen vortrag nicht unweise (
er hatte in der rede einen bestimmten antrag gestellt, der aber nicht angenommen wurde) Tieck (1828) 9, 29; mein vortrag ist kein wahn Lohenstein
Cleopatra (1680) 35. 1@ee)
verbale wendungen; häufig ist vortrag tun (
vgl. unten 2 f
und h): den vortrag thun,
fare la propositione Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1113
a; beschrieben sie (
ihre durchlaucht) einen landtag nach Insprugg, thaten den ständen den vortrag, wie ... Brandis
d. tirol. adlers ehrenkränzel (1678) 176; diesem nach that Griechenland diesen vortrag Lohenstein
Armin. 2, 314
b; er spottet unsers unglückes durch den vortrag, den er uns thut
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 126; euch einen vortrag meiner aufrichtigen und ehrlichen liebe zu thun Schnabel
insel Felsenburg 302
Ullrich; als Lotte beschäftiget war ..., den vortrag zu einem spiele zu thun Göthe 19, 35
W.; halt, Argier! gleich stellt eur werfen ein! denn Hektor will uns einen vortrag thun (
Il. 3, 83) Bürger 152
a Bohtz. einen vortrag machen: der könig, fürst, oder sonst ein berühmter mann machte den vortrag, und das volk entschied
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 34; wir müssen ihm vorträge machen — vielleicht geht er einen termin ein G. Stephanie
d. jüng.
lustsp. (1771) 150; er machte mir den vortrag, weil schon so viele jahre keine opern wären gesehen worden, so sollte ich einige aufführen Hafner
lustsp. (1812) 1, 123. — Sigmunds vortrag gieng kürzlich dahin, dasz ...
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 141. — es geschahe alsdenn der vortrag, man müste ihnen ... die mittel ihrer verthädigung nicht abstricken Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 22. morgen könnten sie vorn thron erstlich ihren vortrag bringen Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 9. 1@ff)
übergehend in den sinn von vorsatz (
propositio, propositum): und als ihm nun zu seim vortrag geriet ein schöner warmer tag Fischart
dicht. 2, 144
Kurz. 22)
die bisher behandelten bedeutungen sind veraltet. im entwickelten nhd. wird vortrag
in allgemeinster anwendung von jeder hörbarmachung eines gedankeninhalts durch worte gebraucht (
übertragung auf das musikalische s. unter 3).
dieser allgemeine sinn wird besonders deutlich, wenn vortrag
mit einem genit. des objekts verbunden wird; es tritt dann aber gern eine einschränkung des sinnes ein, indem das wort auf eine rednerische darstellung mit belehrendem zwecke bezogen wird, die an einen gröszeren oder kleineren kreis, aber auch an einen einzelnen gerichtet wird. unverkennbar besteht in der sprache der gegenwart die tendenz, das wort auf diese bedeutung mehr und mehr einzuschränken, denn wenn vortrag
auf gelegenheiten des gesprächs bezogen wird, kann die bedeutung leicht eine ironische färbung annehmen und lehrhaftigkeit oder weitschweifigkeit angedeutet werden. in früherer zeit aber bewegt sich der sprachgebrauch freier, so dasz vortrag
überhaupt eine mitteilung irgendwelcher art bezeichnen kann. 2@aa)
in allgemeinster anwendung: wünsche glück zu dem sehr wohl gerathenen aufsatz. er wird beym vortrage gewisz allgemeinen beyfall finden Göthe IV 31, 124
W.; durch vortrag besser als durch seine helldunkeln schriften I 46, 89; einzelne kecke ausdrücke, welche L. beim vortrag zu mildern für gut fand Mörike 3, 96
Göschen. vgl. auch unter 2 e
und 3.
[] 2@bb)
da vortrag auch von schriftlicher darlegung gebraucht wird (
s. unten 4),
so tritt zur verdeutlichung hinzu: bevor man einen mündlichen vortrag zu thun beginnet, musz man der anwesenden herren titul erkundigen Harsdörffer
t. secretar. (1656) 1, Z z z 1
a;
vgl. Hippel
lebensl. (1778) 1, 34; Göthe 7, 162
W.; W. v. Humboldt
br. an Welcker (1859) 52. —
in gleichem sinne: sein evangelium ist zum lauten vortrage eingerichtet Herder 19, 216
S. —
häufig mit öffentlich
verbunden: seine öffentlichen vorträge oder predigten Miller
predigten fürs landvolk (1776) 3, 9; Jung-Stilling 3, 86
Grollmann; Ritter
erdkde (1822) 2, 20; Freytag (1886) 14, 125. — akademische vorträge Voss
antisymb. 1 (1824) 4. —
den inhalt bezeichnend: dem anatomischen vortrag Göthe 25, 84
W.; geographische vorträge Storm (1899) 1, 7. — über auswendig gelernten oder freyen vortrag Göthe III 10, 31
W. 2@cc)
in der bedeutung der mündlichen darlegung, behandlung eines gegenstandes in längerer rede ist das wort besonders der neueren sprache geläufig; man beachte die anwendung des wortes in fällen, wo die sprache der gegenwart rede
oder einen andern ausdruck vorzieht: vortrag, ...
espositione, rappresentanza Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 1113
a; mein vortrag wird insonderheit darinnen bestehen,
ad hunc maxime modum disseram Steinbach 2, 835;
discours, ... rede, vortrag Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 253; seine beredsamkeit machte, das Marcomir auf den reichstagen sich seines mundes und vorträge bediente Lohenstein
Armin. 1, 153
a; proben dieses vortrages (
der missionare) unter den wilden Herder 5, 78
S.; diese lieszen auch das volk zusammen laufen, und da hielten die Athenienser folgenden vortrag Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 84; von dem anhören der vielen vorträge A. v. Arnim 15, 271; (
rührung, die) über seinen ganzen vortrag eine milde wärme verbreitete W. Scherer
kl. schr. 1, 3; auftreten sollte dann Licinius, als mittribun den vortrag (
in den comitien) ihm verbieten H. J. v. Collin
Regulus (1802) 4, 6.
ungewöhnlich: (
wenn) unser soufleur ... den vortrag des geistes suppliren müszte Göthe 22, 190
W. —
von einer predigt des '
neuen glaubens': an allen diesen festtagen ... beginnt unser geistlicher seinen vortrag mit gebet D. Fr. Strausz (1876) 6, 58. 2@dd)
bezeichnung des vortragenden: (
wir) horchen aber immer mehr auf die plaudereyen unserer mitschüler, als auf den vortrag der lehrerinnen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 80; so ward sein historischer sinn geweckt durch Spittlers vorträge Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 144. —
mannigfache charakterisierung durch epitheta mit bezug auf den inhalt: er hat mich mit seinem gelehrten vortrag sehr wohl contentiret Ettner-Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 36; man kann bey dem tümmsten vortrage gute gedanken haben Knigge
roman meines lebens (1781) 1, 85; der wichtige vortrag E. T. A. Hoffmann 10, 39
Grisebach; als sie saszen, begann er den weislich ersonnenen vortrag (
πυκινὴν ἠρτύνετο βουλήν Il. 2, 55) Bürger 194
b Bohtz. 2@ee)
der gegenstand des vortrages
wird in der sprache der gegenwart durch über
angeführt: vorträge über anthropologie G. Keller (1889) 3, 13. —
auswählend: vorträge aus der moral Justi
Winckelmann (1866) 1, 375. —
seltenere verbindung nach dem lat. (
de): vortrag von der busze Crusius
kurzer begriff d. moraltheologie 1 (1772) 523.
vgl. Harsdörffer
unter f. —
die verbindung mit dem genit. des objekts kann in älterer sprache sich der anknüpfung durch über
nähern, doch es tritt dabei die verbale bedeutung des wortes hervor, das also den unter 2 a
behandelten sinn aufweist: (
dem) vortrage der geheimnussen christlicher religion Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 3; bey dem vortrage einer besonderen wissenschaft Lessing 8, 23
M.; er muszte einen vortrag meiner farbenlehre aushalten Göthe 33, 326
W.; vortrag eines gedichts in festlichem raume Vischer
ästhetik (1846)
[] 3, 1, 166; gelegenheit zum vortrage einiger champagneranekdoten Fontane I 4, 251. auf deiner fabel vortrag kommt es an Göthe 10, 302
W.; die gnädige gesinnung meines herrn macht mich zum vortrag meiner bitte kühn Tieck (1828) 3, 154. 2@ff)
verbindung mit verben; jetzt wird fast nur einen vortrag halten
gebraucht: ich hielt niemals einen vortrag, ohne dasz ich dabei gewonnen hätte; gewöhnlich gingen mir unterm sprechen neue lichter auf Göthe 33, 197
W.; er hielt dem inspektor einen kleinen vortrag aus dem stegreif über die vorzüge der gründüngung W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 38. —
ältere wendungen, einen vortrag tun (
s. oben 1 e): seine von den gewonheiten gethanen vorträg Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, B 5
a; dasz die gelehrten den vortrag thun (
var.: reden) und die ungelehrten das urthel fällen Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 373; (
er) setzte sich und that, nach verschiedenen hem, hem, seinen vortrag folgendermaszen Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 45; dem herrn gemahl darüber vortrag thun ... zu können Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 45.
bei dieser verbindung gehen die bedeutung von antrag (1 d)
und von darlegung leicht ineinander über: ich weisz, ein weiberhertz ist leichtlich zu erbitten, wann ein beredter mund den vortrag selbst gethan Canitz
ged. (1727) 216; ihm vortrag zu machen, damit er zur entsetzung der ungehorsamen schreite
ältere quelle bei Ranke (1867) 37, 235; bisher nahm alles zu; die einsicht in den sachen, die kunst und fertigkeit, den vortrag recht zu machen Gottsched
ged. (1751) 435.
nach Bruns
volkswörter d. provinz Sachsen 72
b soll einen vortrag machen
bedeuten: '
über ein unangenehmes ereignis viele worte (
mehr als nötig)
machen'. — etwas zum vortrag bringen, etwas kommt zum vortrag,
wobei vortrag
sowohl in dem allgemeinen wie in dem besonderen sinne gebraucht werden kann: kam die sache in der versammlung der evangelischen ... zum vortrag Ranke (1867) 30, 95; weil man seine reformationsartikel ... niemals zu wirklichem vortrag gebracht hatte 37, 219. —
in besonderer wendung: sie haben lang genug den vortrag gehabt (
das wort in der verhandlung geführt), lasz uns einmal die müh übernehmen Göthe 8, 130
W. 2@gg)
die bedeutung einer vorbedachten, geordneten rede über einen bestimmten gegenstand kann abgeschwächt werden, so dasz vortrag
in den allgemeinen sinn von rede, erzählung, mitteilung übergeht und bei situationen angewendet wird, auf welche die jetzt häufigste bedeutung nicht paszt; daher bekommt in der sprache der jetztzeit vortrag
in solchen fällen einen leicht ironischen sinn: der commandant wolte sich meines lustigen vortrags schier zu stücken lachen Grimmelshausen
Simpl. 277
Scholte; wo (
beim trunk) sie weder hoffnung noch anderer vortrag was nachzusagen, noch die furcht zu verschweigen verleitet Lohenstein
Armin. 2, 1180
b; Abrocomas, der sich über diesen vortrag (
kurze rede eines sklaven) nicht wenig entrüstete Bürger 257
b Bohtz; und die würde ihres vortrags (
im gesellschaftlichen gespräch) Schiller 3, 552
G.; vgl. br. 1, 11
J.; so schlosz der knecht Kaspar seinen vortrag von den wundern der nacht W. Alexis
hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 301; nachdem er vortrag und bericht der mutter ernstlich angehört G. Keller (1889) 1, 224; schlechte erzähler ... immer vortrag, nie geplauder Fontane I 1, 54. 2@hh)
in prägnanter anwendung: 'den vortrag bey dem fürsten haben,
dazu verordnet seyn, dem fürsten die vorkommenden sachen vorzutragen; eine sache in vortrag bringen,
sie einem obern oder einem obrigkeitlichen collegio zu überlegung oder entschlieszung vortragen' Adelung;
in dieser bedeutung einer amtlichen darlegung, eines amtlichen berichtes vor einem fürsten oder überhaupt vor einer höher stehenden person auszerordentlich häufig [] in neuerer sprache: mit der gehorsamsten bitte, serenissimo durch einen gefälligen vortrag, was geschehen, zur höchsten kenntnisz zu bringen Göthe IV 28, 73
W.; jetzt hing die sache blos am vortrag des ministers I. v. Voss
gesch. meiner milit. laufbahn (1808) 266; mit diesem schriftstücke begab ich mich am folgenden tage zum mündlichen vortrag Bismarck
ged. u. erinn. 2, 63
volksausg.; ein vortrag
kann auch schriftlich eingereicht werden Göthe IV 17, 345
W.; nach beschehenem münd- und schrifftlichem vortrage Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 64. —
verbale wendungen: den vortrag haben,
das recht und die pflicht dazu: Stägemann selbst, welcher vortrag beim könige hatte Laube (1875) 1, 205. — er bat um die erlaubnis, seiner majestät vortrag ... halten zu dürfen W. Schäfer
wendekreis neuer anekdoten (1937) 232. — erstatten: so würde denn schleunigst unterthänigster vortrag ... zu erstatten seyn Göthe IV, 28, 9
W.; Scheffel (1907) 1, 108. — tun: da er denn (
vor einer durchlaucht) des ungefährlichen inhalts folgenden vortrag gethan Neumark
neuspross. t. palmbaum (1668) 422; ich werde ... ihro kayserl. hoheit nächstens, mit andern gegenständen, davon unterthänigsten vortrag thun Göthe IV, 29, 1
W.; 10, 251; 42, 176. — machen: doch wäre wohl darüber ein unterthänigster vortrag an serenissimum zu machen IV 21, 22
W. — nach beschehenem vortrag und erfolgter genehmhaltung seines herrn principals Göchhausen
notabil. venatoris (1741) 288. — der prinz ist wieder gesund und hat heute den vortrag hier angenommen Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 97. — (
ein könig,) der so inkonsequent, und wo alles vom wein, von dem, der den vortrag stellt ... abhängt
br. von u. an Herwegh (1896) 73;
hier wohl eher im sinne von antrag (1 d). 2@ii)
die anwendung auf darlegungen vor gericht ist seltener: eine angeführte volksrede und einer von den gerichtlichen vorträgen wird hinreichend sein Fr. Schlegel (1846) 4, 191; ihr kennt die rechte, euer vortrag (
exposition) war der bündigste
Shakespeare d. kaufmann v. Venedig 4, 1;
rednerisch begründeter antrag: der auditeur hat den vortrag Möser (1842) 1, 418. —
freier, verhandlung: das sie die weyber alle uf eynen tag zum vortrage für dich stellen
akten u. br. z. kirchenpolitik Georgs v. Sachsen 2, 12 (
von 1525). 2@kk)
gehaltene vorträge
behalten natürlich ihren namen, wenn sie gedruckt und zum lesen bestimmt sind: Th. Bischoff in den naturwissenschaftlichen vorträgen Münchener gelehrten Peschel
völkerkde (1874) 2. 2@ll)
vereinzeltes: der menschliche (
ursprung der sprache) läszt keinen schritt thun ohne aussichten und die fruchtbarsten erklärungen in allen theilen der philosophie und in allen gattungen und vorträgen der sprache Herder 5, 146
S.; es scheinen sprachliche erscheinungen gemeint zu sein, die etwas über das wesen der sprache aussagen. —
scherzhaft: ein alter, unförmlich dicker, grauer hund, ... bellte mir entgegen, als man mich einliesz, und stritt mit mir um den vortrag Knigge
roman m. lebens (1781) 3, 25. 33)
opera. '
musikalische schauspiele, bey welchen die auftrettende persohnen ihren vortrag
singend thun' Belemnon
curieuses bauernlex. (1728) 125; vortrag (
musik). '
ist das, wodurch ein tonstück hörbar wird' Sulzer
theorie d. schönen künste 4, 700: A. E. Müller ... in seiner anweisung zum genauen vortrag der Mozartschen klavierkonzerte (
Leipz. 1796) O. Jahn
Mozart (1856) 4, 5
anm. 6; nächstens denk ich mich durch Eberweins vortrag auch den harmonischen (
motiven einer partitur) zu nähern Göthe IV 38, 70
W.; (
text,) in welchem sich durch den gesanglichen vortrag einige offenbare unrichtigkeiten in der silbenzählung bemerklich gemacht hatten G. Keller (1889) 6, 43; nun blieb Maria ... bei dem vortrage von arietten
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 6, 9. —
auf das instrument selbst bezogen in eigentümlicher wendung: hieraus sieht man, dasz dieses instrument, wenn man es auch wirklich spielte, den vortrag ganz einfacher tonstücke
[] zwar vortrug ... Schubart
ästhet. d. tonkunst 21. —
in der gleichen allgemeinen, verbalen anwendung natürlich auch bei gesprochenem: vortrag der ballade Bürger 321
a Bohtz; indessen war ... der vortrag (
des gedichtes) leicht und gefällig Göthe 25, 262
W.; freier: im vortrage des witzes oder des scharfsinns sind sie (
ausdrücke) noch mehr an ihrem ort Herder 12, 196
S. 44)
veraltet ist die anwendung auf eine schriftliche darstellung, behandlung eines gegenstandes, auch dann, wenn sie nur für leser bestimmt oder angelegt ist: man hat im verlaufe dieses biographischen vortrags gesehen Göthe 29, 173
W., wo die vorhergehende darstellung seiner jugend gemeint ist. besonders aber braucht er es von darstellungen wissenschaftlicher art, aufsätzen, programmen u. ä.: so kurz als möglich fassen wir die hauptresultate des bisherigen vortrags zusammen II 6, 89;
vgl. II 6, 49; IV 9, 169; IV 29, 25. —
dabei wird doch immer an ein sprechen gedacht: die worte der bibel sind ein vortrag, der nicht systematisch ist Hegel (1832) 11, 19; sei es nun, dasz man die im gewebe der dichtung eingeschlossene lehre gar nicht hervorhob ..., oder dasz man sie am ende des vortrags aussprach J. Grimm
Reinhart fuchs xii. 55) vortrag
kann sich nun weiter auf die art und weise beziehen, wie etwas zu gehör gebracht wird, zunächst also beim redner, schauspieler, deklamator, lehrer, prediger, wobei entweder nur das äuszerliche, sprachlicher ausdruck, stimme, gebärden u. s. w. gemeint sind, oder auch die behandlung des stoffes selbst in die mannigfaltigen charakterisierungen mit einbezogen werden kann. sehr häufig, besonders in moderner sprache, wird das wort auf gesang und instrumentalspiel angewendet, wobei es gern im prägnanten sinne gebraucht wird. natürlich kann dieser prägnante gebrauch auch für das sprechen gelten: (
vortrag von versen) nothbehelf, um dem buchstaben des gesanges einigen vortrag zu verschaffen Voss
zeitmessung d. dt. spr. (1802) 6. —
seltener ist die übertragung auf die bildende kunst. die im 18.
jh. ganz geläufige verwendung des wortes für die art und weise schriftlicher darstellung, für stil und 'schreibart'
veraltet im 19.
jh. 5@aa) 'vortrag (
redende künste)
ist der ausdruck der rede durch stimme und gebehrde, oder das vernehmliche der rede, das nicht in dem sinn der worte, sondern in dem ton, in den gebehrden und in dem gesichte des redners liegt' Sulzer
theorie d. schön. künste 4, 691;
vgl. Gottsched
wb. d. schön. wissensch. (1760) 1629. 5@a@aα)
charakterisierung durch adj.: in ansehung des angenehmen vortrags v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 9; überhaupt können die zuschauer bey den lustspielen den allzugeschwinden vortrag nicht gewöhnen
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 3, 148; einen wässrigen, weitschweifigen vortrag Knigge
umgang m. menschen (1796) 1, 73; ein schöner jüngling ... begann heraustretend einen ruhigen vortrag Göthe 25, 16
W.; (
mit) richtig modulirendem vortrag Grabbe 4, 187
Bl.; durch einen begeisterten vortrag (
eines gedichtes) A. v. Droste-Hülshoff
br. 69
Schücking; seine rede war trocken, der vortrag eintönig Mommsen
röm. gesch. 3, 14; (
hielt) einen lebhaften vortrag G. Keller (1889) 1, 26. 5@a@bβ)
andere wendungen: sonst aber fällt das lächerliche ... auf die art des vortrages, oder auf gewisse stellungen und gebehrden zurück Dusch
verm. w. (1754) )( 4
b; wenn er sich den grazien des vortrages überliesze (
er meint die von ihm gehörten vorlesungen Kants) Herder 22, 12
S.; der baron lobte sowohl die stücke als den vortrag Göthe 21, 246
W.; durch lebendigkeit des vortrags und angemessenes geberdenspiel Gaudy (1844) 13, 10; sein vortrag (
eines predigers) so, dasz man bald schlafen muszte Kerner
bilderb. (1849) 184; zauber des gedichts und des vortrags Fontane I 1, 153; was hat der mann (
prediger) für einen vortrag W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 49; allein der vortrag macht des redners glück Göthe
Faust 546. 5@bb)
bei der anwendung auf musikalische darbietung wird das wort leichter als beim redner prägnant, und zwar [] in gutem sinne gebraucht: kunst des vortrages; technik, aber kein vortrag
u. ä.: sich eines guten, musikalischen vortrages befleiszigen Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 1. nicht den geringsten vortrag (
habe Clementi) Mozart
bei O. Jahn
Mozart (1856) 3, 54
anm. 48. (
die musik) steigert den vortrag vom lieblichsten ins fürchterlichste Göthe 13, 2, 204
W.; vgl. IV 21, 204; ihre stimme war allerliebst, ihr vortrag gerundet, weich, zart E. T. A. Hoffmann 10, 178
Gris. 5@cc)
übertragen auf bildende kunst: in der älteren kupferstecherkunst ist doch viel mehr vortrag und tiefe Stifter
s. w. 19, 2;
vgl. 14, 139; indem ich den unterschied zwischen einem transparenten scharfen und einem ruszigen, stumpfen vortrage nicht recht begriff G. Keller (1889) 1, 272. 5@dd)
früher auszerordentlich häufig von schriftstellerischer darstellung, wobei neben der äuszeren form, dem stil im eigentlichen sinne, auch die art und weise, wie der schriftsteller den stoff behandelt, seine gedanken ordnet u. ä. unter vortrag
zu verstehen ist, so dasz eine sichere grenze gegen die unter 2 k
behandelte anwendung nicht zu ziehen ist: dasz ich hierdurch (
durch quellenzitate) meinen vortrag bekräftige Brandis
d. tirol. adlers ehrenkränzel (1678)
an den leser; seine schrifften sind noch gar fein zu lesen wegen der groszen einfalt desz vortrags Arnold
unpart. kirchen- u. ketzerhistorie (1689) 2, 99
b; unförmlichkeit und ungeschicklichkeit im vortrag (
eines schriftstellers) Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 249; eine im deutlichen und angenehmen vortrage geübte feder
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 9, 142; dasz ihm überhaupt der prosaische vortrag desselben (
Klopstocks) nicht allzuordentlich und angenehm vorkömmt Lessing 8, 45
M.; vergebens gab ihm (
Klotz) die musz die gabe des leichten vortrags Herder 3, 269
S., und so oft bei ihm, vgl. z. b. 7, 6; 1, 215; 1, 372; 23, 144; 12, 107; sie mögen ihn nicht lesen, ... und wenn ihn sein vortrag noch so lesenswürdig machte Nicolai
lit.-br. 3, 115;
sehr oft bei Göthe
von schriftstellerischer darstellung: sprache, ausdruck, vortrag unterliegt ew. wohlgeboren schätzung IV 28, 338
W.; II 5, 1, 37; I 37, 289; IV 41, 122; 103; IV 25, 315;
in besonderer anwendung von einem gedicht: ein wunderbarer, aber für den gesang bedeutender vortrag I 40, 347; (
dasz geschichtsschreiber) das herz ihres lesers durch hinreiszenden vortrag bestochen haben Schiller 4, 63
G.; die art und weise seines vortrages, die den leser heute noch fesselt Ranke (1867) 1, 180. 66)
einzelnes. 6@aa)
mit vortrag
wird eine summe bezeichnet, die von einer abrechnung auf die nächstfolgende übertragen und dort verrechnet wird; gewinn-, verlustvortrag Schirmer
wb. d. kaufmannsspr. 207: dise arbeit treib hinausz bisz zu end des jornals ... dann alsbald werden darauff folgen die fürtrag und schlieszung
ebda aus Schweicker
zwifach buchhalten (1549). 6@bb)
in der volkssprache wird die weibliche brust in derbem scherz vortrag
genannt Hönig (
Köln) 196
b; Bauer-Collitz (
Waldeck) 141; Albrecht (
Leipzig) 232
b; Frischbier
preusz. wb. 2, 448
a. 6@cc)
besondere wendung: he hett kenen goden vördrag, '
es fehlt ihm an einer guten ausrede. it. er ist bey der frau untüchtig' Dähnert 530
b. 6@dd) vortrag,
nutzen (
s. vortragen): es bringt dir keinen vortrag
quelle von 1697
bei Schmeller-Fr. 1, 656. 77) vortrag
als erstes glied von zusammensetzungen, die besonders aus der sprache der vortragsdurstigen (
s. unten)
gegenwart leicht vermehrt werden können; das fugen-s
ist nicht berücksichtigt: