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stuhl

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stuhl m.

Bd. 20, Sp. 321
stuhl, m. , thronus, tribunal, cathedra, sella, sedes. herkunft und form. gemeingerm. wort: ahd., mhd. stuol, got. stols, krimgot. stul, anord. stóll, schwed.,n. stol, ags. stól, engl. stool, afries., as., mnd. stol, ndl. stoel, mlat. stolium. germ. stola-, idg. st(h)ālo- in lit. pastõlai gerüst, ablautend idg. st(h)əlo-, aksl. stolъ θρόνος, κάθεδρα, russ. stol tisch, preusz. stalis, lit. stãlas dass. (zur bedeutung vgl. Meringer sitzber. d. akademie Wien, phil.-hist. kl. 144, VI 95); weitergebildet (wahrscheinlich aus stəlnā) gr. στήλη, äol. στάλλα säule. ableitungen mit lo-suffix von der wurzel st(h)ā stehen, s. Walde - Pokorny 2, 607); Trautmann baltoslav. wb. 284; Meringer a. a. o. 92 ff.; doch ist zugehörigkeit zu st(h)el stellen ebenfalls möglich, s. Meillet études sur l'étymologie du vieux slave 420, Persson beitr. z. idg. wortforschg. 423, 4 u. 578, 1. — das wort ist alter a-stamm, der plural got. stolam (dativ), ahd. noch stuola, im mhd. bereits [] mit umlaut stüele; doch hält sich der umlautlose plural bis ins 16. jh.: under zwen stulen deutsche reichstagsakten 1, 560, 10 Weizsäcker (1387); auff den stullen arbeitten Endr. Tucher baumeisterbuch d. stadt Nürnberg 48, 11 Lexer; die stul stellen (1496 schwäb.) bei Steinhausen privatbr. 1, 318; zwischen zwen stullen Luther 8, 254 W. (a. d. j. 1521); etliche stul Kirchhof wendunmuth 1, 150 Österley. vereinzelt erscheint anorganische (oder nur graphische) umlautbezeichnung auch im singular: auff ein stül bei Steinhausen privatbr. 1, 157 (1476). in modernen mundarten auch in der form stull, die freilich nicht notwendig auf verkürzung des stammvocals deutet: stull wb. d. luxemb. ma. 432b; stull Schmidt-Petersen nordfries. 130a; auf anderer linie steht die orthographisch zu verstehende älternhd. auslautschreibung in fällen wie: stuell altdeutsche passionsspiele a. Tirol 340 Wackernell; stull E. Tucher baumeisterbuch 50, 12 Lexer; stuoll Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 47 Kück u. ö. bedeutung und gebrauch. etymologie und auszerdeutsche bedeutungsvarianten lassen als ursprünglichste bedeutung 'gestell' erschlieszen, vgl. Hoops reallex. 4, 296; gemeingerm. erscheint 'hochsitz, thron' (s. u. 1). vereinzelt begegnen im deutschen unsichere hinweise darauf, dasz stuhl in älterer sprache neben dem sitzgerät auch ein liegegerät sein könnte: stuollahhan als übersetzung von 'stratorium' ahd. gl. 1, 420, 24 neben pettiwat 1, 424, 34, beddiwadi 1, 425, 26, panchlachin Graff 2, 158; prutstuole für 'thorus maritalis' ahd. gl. 1, 690, 22; brûtestuol thalamum Notker 1, 793, 30 Piper; hierzu würde sich der bergname Brünhildenstuhl, urkundlich 1360 als Brunoldesstuol, stellen, wenn er mit dem für 1043 bezeugten lectulus Brunihilde (vgl. zs. f. dtsch. altert. 49, 483) wirklich identisch ist; doch vgl. unten 2 schlusz u. 6. 11) erhobener sitz, ehrensitz. 1@aa) 'thron'. 1@a@aα) das gemeingerm. wort stuhl bedeutet 'das vornehmste, eigtl. herrschaftliche sitzgerät, einen aufbau, der zugleich sinnbildliche bedeutung hat und den oder die inhaber einer gewalt aufnimmt', vgl. M. Heyne dtsch. wohnungswesen 53; s. auch Meringer sitz.ber. d. Wien. ak. 144, VI 94 f. im gegensatz zu stuhl diente als gewöhnlicher sitz die bank, vgl. teil 1, 1106; Heyne a. a. o. 55; demgemäsz stuhl 'sitz eines weltlichen herrschers': got. stol Daweidis τὸν θρόνον Luc. 1, 32; ahd. stool tronus ahd. gloss. 3, 4, 20 (8. jh.); stuol tronus Notker 2, 23, 25; 24, 12 u. ö. Piper; solium stual ahd. gloss. 1, 447; 448, 12 (8./9. jh.); thronus stuel, stole Diefenbach 599a; solium kunglicher stull 541b; sal vel künigs stuol nov. gloss. 342b; altithronus eins kunigs stul gloss. 26c; auch lat. sella regalis, regia übersetzend z. b. Diefenbach 599a; Stieler 2177; vgl. auch die compp. königs-, kaiser-, fürsten-, herzog-, regenten-, tyrannen-, thronstuhl; in allen perioden der deutschen literatur wie auch der übrigen germ. dialekte in profanem und biblischem schrifttum reichlich belegt, in neuerer zeit durch das lehnwort thron zurückgedrängt und meist nur noch in gehobener oder stilisierter sprache gebraucht. im eigentlichen sinne: der herzoge an des kuniges stuol gesaz kaiserchron. 4987 Schröder; der könig ... satzt sich auff seinen stuel (super thronum) 1.n. 2, 19; zu dreien mahlen hab ich sie (Johanna) gesehn zu Rheims auf unsrer könige stuhle sitzen Schiller 13, 176 Gödeke; Karl ... führte sie (Isabella) auf seinen hohen stuhl A. v. Arnim s. w. 1, 156 Grimm; häufiger in symbolischer anwendung für die königliche herrschaft belegt, schon seit dem gotischen: gadrausida mahteigans af stolam (ἀπὸ θρόνων) jah ushauhida gahnaiwidans Luc. 1, 52; ... thar was thes mareon stol an erdagun adalcunninges Davides thes godon Heliand 361 Sievers; gab her imo dugidi, fronisc githigini stuol hier in Vrankon ... Ludwigslied 6 Steinmeyer; [] darumb wann die ain in künglichen stul belibe, das land ze regieren Stainhöwel de clar. mul. 53 lit. ver.; um sich als abkömmlinge von ihm, als gesetzmäszige besitzer des königlichen stuhls zu legitimieren Herder 24, 472 Suphan. ebenso sitz eines geistlichen von hohem range, so besonders des (erz)bischofs, patriarchen u. a., vgl. ags. arcestól sedes archiepiscopalis Bosworth-Toller 48b; bisceopstól sedes episcopalis ib. 104a; suppl. 93a; rômâniscan bisceopstól ib. 104a; afries. stoel toe Utrecht Richthofen rechtsquellen 405, 1: der Dürenge herre den stuol von Kölne brach und machte krumbe sleht Wartburgkrieg 29, 7 Simrock; vil bose lute karten uf den bischof iren nit, des wart er schiere nach der zit von dem stule getriben passional 18, 73 Köpke; wir Heinrich, von gots gnaden des heiligen stuoles ze Mentze ertzebischof urkunde v. j. 1339 in monum. Boica 40, 271; de bischop (Adelbertus) wart herliken to stole (des erzbistums Magdeburg) gebracht chron. d. dtschen st. 7, 60 (14./15. jh.); (Bonifatius) ordnet daselbst ein bischofthumb, das alszpald dem stuol zu Mayntz gewichen hat (illico Maguntinae sedi cessit) G. Alt buch d. chron. (1493) 155b; der patriarch der Krichen zu sant Sophia ... flucht den Armenigen und allen den, die wider sein stul sein und glauben Schiltberger reisebuch 110 lit. ver.; Ortlieb ... der 25. prelat des hohen stuols zuo Basel Stumpf Schweizerchron. (1606) 702b; neujahrswunsch an Johann Philipsen des h. stuls zu Mainz erzbischoffen S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 325; seit dem 18. jh. wohl auf gelehrtem wege neu belebt: zumal ihm so viel daran gelegen war, die bischöflichen stühle mit leuten besetzt zu sehen, auf deren treue ... er sich verlassen konnte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 250; die bischöfe von Würzburg und Bamberg zagten in ihrer burg; schon sahen sie ihre stühle wanken Schiller 8, 206 Gödeke; damals hatte Maximilian Friedrich aus dem hause Königsegg den erzbischöflichen stuhl inne Ranke s. w. 31/32, 67. besonders aber sitz des papstes, der als päpstlicher, römischer, apostolischer, heiliger stuhl, stuhl Petri, stuhl zu Rom, oft auch blosz als stuhl ohne nähere bestimmung bezeichnet wird; vgl. afries. des helligha stolis to Rume Richthofen afries. rechtsquellen 257, 8; mnd. stol van Rome chron. d. dtsch. st. 12, 39, 606; ndrhein. den payslichen stoill v. Harff pilgerfahrt 3 Groote; sdul Pedri Christa wb. d. Trierer ma. 203b. seit dem 12. jh. bis in jüngste zeit überaus häufig belegt: dô starp ... der dô ze Rôme bâbest was ... (die Römer) bescheiden niene kunden wem si des stuoles gunden Hartmann von Aue Gregorius 3154; sit alsus der zwelfbote harte iemerlichen trat uz der hogelobten stat des apostolischen stules passional 318, 62 Hahn; de erste (papst Clemens) hadde sinen stoel to Rome chron. d. dtsch. st. 26, 127, 6; anno domini ... als der romisch stuel vacieret Knebel chron. v. Kaisheim 206 lit. ver.; so komm ich endlich zu Sanct Peters stuhle müde Brentano ges. schr. 2, 603. oft für den papst selbst als inhaber der päpstlichen gewalt sowie noch abstracter für die päpstliche regierung, macht, würde, herrschaft; vom 12. jh. an geläufig: künec Constantin, der gap so vil, als ich ez iu bescheiden wil, dem stuol ze Rome, sper, kriuz unde krone Walther v. d. Vogelweide 25, 13 Lachmann; derzuo gab er (Pipin) dem stuole daz hertzogentuom zuo Spolet chron. d. dtsch. st. 8, 33, 31 (v. j. 1362); inquisitor so ist mein nam, ich bin gesetzt vom stul zu Rom H. Sachs 14, 305, 30 Keller-Götze; wie kumpt es ... dasz der römisch stuol alle lehen erbt? Hutten opera 3, 549 Böcking; so waren sie dem römischen [] stuel und der gantzen verderbten clerisey unleidlich G. Arnold kirchen- u. ketzerhistor. (1699) 125a; später ertheilte der römische stuhl einen dispens Gutzkow ritter vom geiste (1852) 3, 52; bes. in der geschichtsschreibung naturgemäsz häufig: ohne die auflage des zehenten und zwanzigsten pfennings hätte der stuhl zu Rom nie die vereinigten Niederlande verloren Schiller 8, 6 Gödeke; 4, 92; unermeszlich war die aussicht, die sich ... dem römischen stuhle eröffnete Ranke s. w. 40/41, 16; 1, 203; 4, 25; (schäden), die der päpstliche stuhl in Italien unter und durch Napoleons mitwirkung erlitten hatte Bismarck ged. u. erinn. 2, 196 volksausg.; nebenbei wollte er auch in Rom die nahezu fertige vereinbarung mit dem heiligen stuhle förmlich beendigen Treitschke dtsche gesch. im 19. jh. 3, 180. gelegentlich mehr figürlich: dise newe ketzer, welche auff nichts anders umbgehn, dann dasz sie das gantze fundament des römischen stuls zu grund richten ... wollen Fischart binenkorb (1588) 5b. übertragen von stuhl als herrschersitz des königs ist die anwendung auf den sitz gottes als des mächtigsten und höchsten königs und herrschers im himmelreiche: bi himina, unte stols ist gudis (θρόνος θεοῦ) Matth. 5, 34; ne bi himile ... hwand is thes herron stol Heliand 1509 Sievers; daz wort von dînem (gottes) stuol sich lie, ein reiniu maget ez enphie Rudolf v. Ems Gerhard 423 Haupt; ich hett mich im (gott) geseczt gleich auf seinen stuell im himelreich altd. passionsspiele i. Tirol 340 Wackernell; vernimm mein wort und höre mich vom stule, da du sitzest P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 371b; im sprichwort: wer alles nach seinem kopff will regieren, der setzt sich neben gottes stul Lehman florileg. pol. (1662) 2, 671; in jüngerer zeit vorwiegend in poetischer sprache: denn gottes lamm wird euch viel schöner kleiden und dort vor seinem stuhle weiden Gottsched ged. (1751) 1, 339; um seinen (gottes) stul brausen wasserfluthen Herder 6, 231 Suphan. als symbol der gewalt und herrlichkeit gottes gern in verbindung mit einem genitiv, der einen numinösen begriff enthält: wan des menschin sun sitzet uf dem stule siner gewalt (ἐπὶ θρόνου δόξης = vulg. in sede maiestatis) Matthias von Beheims evangelb. Matth. 19, 28 Bechstein; Luther: da des menschen son wird sitzen auff dem stuel seiner herrligkeit; herre got ... send uns dine wishait von dem stuel diner gothait schauspiele d. mittelalters 1, 147, 123 Mone; das er (der herr) sitz mit den fursten und halte den stuol der glori (solium gloriae) erste dtsche bib. 5, 15, 38 lit. ver. desgleichen sitz der heidnischen götter, vgl. ahd. idolium abgot stuol ahd. gloss. 2, 468, 22 (11. jh.): (Zeus) vater der götter und menschen! ruhst du noch oben auf deinem goldenen stuhle? Göthe I 17, 45, 2 W. ebenso der sitz Lucifers, Satans, des obersten höllenfürsten, teilweise unter dem einflusz der bibel (z. b. apokal. 2, 13 θρόνος τοῦ σατανᾶ = vulg. sedes Satanae): (Lucifer) dar zuo wil ich den stuol min setzen norderen halp sin uf dem hohen himele, ich wilz im (gott) haben gelich und ebene genesis 1, 26 Diemer; da der stul ist Sathanases H. v. Hesler apokal. 2827 u. ö. Helm; bei Luther: da des Satans stuel ist apok. 2, 13; sein (Lucifers) königlicher stuhl ist ihme genommen worden J. Böhme schriften (1620) 2, 47. auch: die bettel münch mochten euch auch minder guts leren, dan all ihr sach ist gericht auff bevestigung des Antichrists stul Eberlin v. Günzburg s. schrift. 3, 5 ndr. [] 1@a@bβ) stuhl in der bedeutung thronus erscheint häufig in festen verbalverbindungen, wo die ganze wendung nur einen bildlichen ausdruck darstellt für gewisse handlungen und vorgänge, die einen herrscher angehen, wie z. b. die herrschaft antreten; in die herrschaft einsetzen; regieren; der herrschaft berauben u. ähnl., zb.: seinen (den) stuhl setzen, aufrichten, betreten, einnehmen, besteigen u. ähnl.: her satzte do hin den stul seines konigreiches J. Rothe düring. chron. 27 Liliencron; (Alboinus) richtet spil und kurtzweil zuo Verona an, dahin er den stl seines reichs hett gesetzt Seb. Franck German. chron. (1539) 55b; er (Tuisko) hat erstlich den stuol seines reychs in Europam gesetzt Stumpf Schweizerchron. (1606) 54a; ... wer zum beherrscher der völker sich nahte, der den stul hoch über die hirten der völker gesetzet Bodmer Noah (1752) 48, 280; gott hat im himmel seinen stuhl gesetzet Cramer s. ged. (1781) 1, 89. in dieser anwendung auf gott meist bereiten nach ps. 102, 19 dominus in caelo paravit sedem suam, bei Luther der herr hat seinen stuel im himel bereit ps. 103, 19; im himmel hat er (gott) seinen stuhl bereitet, und überall den scepter ausgebreitet Canitz ged. (1727) 36; er (gott) hat seinen stul bereitet in des hohen himmels schlosz, und sein reich ist ausgebreitet durch den ganzen erdenklos Neukirch ged. (1744) 95. und haben zu Verona ... den stuol ires reiches auffgerichtet Seb. Franck German. chron. (1538) 55a; und der stuel David auffgerichtet werde über Israel (elevetur thronus Davidis super Israel) 2. Sam. 3, 10; er hat den königlichen stul uns wieder auffgerichtet Simon Dach 215 Österley. Ancöus betrat nach dem tode des Lycurgus den thracischen stuhl Lohenstein Arminius (1689) 2, 30b. pabst Adrianus, als er erstmals nach Rom kommen war, den päbstlichen stul einzunehmen Lehman florileg. polit. (1662) 3, 253. pabst Julius, der 1503 den päbstlichen stuhl bestieg Gottsched neuestes aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 3, 428; am tage, da st. Petrus einst zu Rom den heilgen stuhl der christenheit bestiegen W. Waiblinger w. 149 Friedrich. auf dem stuhl sitzen u. ähnl., mhd. den stuol besitzen: und Engelhard diu krône erwarp und des rîches stuol besaz Konr. v. Würzburg Engelhard 5083 Haupt; nach keiser Vrideriches zit waren künige vünve, der nie keiner sit ze Ache wenik küniges stuol besæze minnesinger 3, 61a v. d. Hagen. Salomo sasz auf dem stuel seines vaters David (sedit super thronum) 1.n. 2, 12; und wenn er (der könig) nun sitzen wirt auff dem stuol seynes künigreyches (sederit in solio regni) Züricher bib. (1531) 5. Mos. 17 D.; gott, der ihn würdig schätzt, auf Deutschlands stuhl zu sitzen König ged. (1745) 272; in dem tausendsten jahr der erbauung Roms sasz auf dem stuhl der Cäsaren der Araber J. v. Müller s. w. (1810) 1, 358. auf den stuhl setzen, erheben u. ähnl. und das gegenteil vom stuhle stoszen, stürzen u. ähnl., vgl. schon got. gadrausida ... af stolam Luc. 1, 52: nemlich von Sant Michelstag an bisz uf Sant Peterstag, als er (d. papst) uf den stule gesatzt wart (a. 1515) Frankf. zunfturkunden 1, 313; jeder deutsche fürst, den die wahl seiner mitstände auf den stuhl der Ottonen setzte Schiller 9, 238 Gödeke; da konnten sie sich über die (papst-)wahl nicht vereinigen weil ein jeglicher einen aus seiner verwandtschaft auf den stuhl erheben wollte Simrock dtsche volksbücher 2, 38; Otto II. hat ... seinen lehrer Gerbert zum päpstlichen stuhle befördert Ranke s. w. (1867) 1, 16; er schrib dem bapst, er sol den Teutschen gebietten, dasz sie wider den tyrannen und anplatzer des reichs auffsetzen [] und ihn ausz dem stuol stoszen Seb. Franck chron. Germ. (1538) 125a; die fürsten werden von dem stuol gestoszen kampf d. schwärmer gegen Luther 33 ndr.; herunterstoszen seinen kaiser vom stuhle möchte Rudolf der Schwabe gern maler Müller w. (1811) 1, 193. feste wendungen anderer art bei dem stuhl schwören: nach heidnischer manier schweren sie bey dem läben des königs oder bey seinem stuol Stumpf Schweizerchron. (1606) 12b; ich schwere bey dem stuhl, bei meiner cron und reich Gryphius trauerspiele 667, 209 Palm. an den römischen (apostolischen) stuhl appellieren: wiewol auch ausz nachfolgendem text verstanden wirdt, dasz Jo. Huss den papst für den obersten bischoff gehalten hat, so er saget, dasz er vom ertcbischoff zuo Prag an den römischen stuol geappelieret habe Vogelsang-Cochläus ein heiml. gespräch 18 ndr.; do nu die Thüringer spüreten, dasz sie ... nichts erlangen ... konten, lieszen sie sich vernemen, dieser sachen halben an den römischen stul zu appelliren Binhardus thüring. chron. (1613) 103. 1@a@gγ) mit begrifflicher erweiterung bezeichnet stuhl bisweilen auch die residenz: Alkeyr, ein sitz und stuol aller yrer künig Seb. Franck weltbuch (1534) 15; und ward auch gemachet ein künigliche statt, ein stuol des reichs Seb. Münster cosmogr. (1550) 1054; were die statt Rom nimmermer zu einer behausung oder stuol dess obersten reychs gerahten Stumpf Schweizerchron. (1606) 145a. daher in verbaler verbindung seinen stuhl halten soviel wie 'residieren': Buta die hauptstat, da die könige ... ihren stul hielten M. Quad enchir. cosmograph. (1604) 45. den stuhl rücken die residenz verlegen: (Constantin) der den stul des römischen reichs ausz Rom geruckt hat gen Bisancium chron. d. dtschen st. 3, 56 (a. 1488). spärlicher für die residenz des papstes: der stuol kam gein Avion chron. d. dtsch. st. 9, 582, 14 (a. 1399); Clemens, der was der erst, der den stuol vom Rome gen Avion zoch, do er noch ist ebda 8, 26, 27 (a. 1362); auch für das bistum, die diöcese: wir Mechthilt eptissin ... des closters zcu Nempczschin, grawes ordins, by Grymme gelegen, in deme stule zcu Merseburg urkunde v. j. 1402 bei Haltaus 1760. 1@bb) 'richterstuhl', s. rechtsalterth.4 2, 374, daher hiesz der richter stuolsâzo ebda. meist ist auch der stuhl des richters erhöht, vgl. tribunal hostol ahd. gloss. 1, 298, 44 (8./9. jh.); die hohen richterstühle Herder 12, 86 Suphan, während die schöffen auf bänken sitzen: die bänke der schöffen und der stuhl des richters Alexis Roland von Berlin (1840) 1, 26. oft hatten aber auch die schöffen stühle, und dann der richter nur einen höheren oder gröszeren rechtsalt.4 2, 409. 1@b@aα) des rechtsprechenden richters: tribunal rihterstuol voc. opt. 4, 135 Wackernagel; Diefenbach 595a; duom, richte stoul nov. gloss. 371a; ein richterstul mlat.-hochd.-böhm. wb. 276b; richterstul suggestus gloss. 565c; s. auch richterstuhl teil 8, 894, richters stoil tribunal Teuthonista 260b Clignet; tribunal der erhabene stuel des richters Corvinus (1660) 1487; vgl. auch got. stauastols βῆμα Matth. 27, 19; ahd. dincstual tribunal ahd. gloss. 1, 294, 14, s. dingstuhl teil 2, 1177; tribunal suonstuol ahd. gloss. 2, 37, 53 (11. jh.); mhd. senitstuol sitz des geistlichen gerichtes Annolied 508 Rödiger. bes. auch des richtenden herrschers: tribunal cheisar stol Diefenbach nov. gloss. 371. seit mhd. zeit oft belegt: si sprachen, daz des rîches (var. rihtæres) stuol stuonde ubel lære. si namen in ze rihtære kaiserchron. 7247 Schröder; Pilatus ... saz uf dem stul des gerichtes (vulg.: sedit pro tribunali Joh. 19, 13) Matthias von Beheims evangelienbuch 224 Bechstein; aller keiser und könige stüle, so da richten, müssen das recht von ihm lernen Luther 30, 2, 489 W.; eur mayestat geb wir darnebn ein königlichen stuhl und thron, darauff sie zu gricht sitzen kan und urtheln für den gemeinen nutz Ayrer dramen 1, 239, 7 Keller; [] sonst mag der unterthan, der vor dir kniet, gerechtigkeit erheischt vor deinem stuhle, dich als tyrannen klagen an vor gott Tieck schrift. (1828) 1, 76. zuweilen ohne jede nähere attributive bestimmung, wo aber die beziehung auf den richter klar ist: (schuhu, als richter) da gehören sie vor meinen stuhl Göthe I 17, 87, 14 W., (gerichtsrat Walter zum dorfrichter Adam) ihr habt zulängst hier auf dem stuhl gesprochen H. v. Kleist 1, 384 E. Schmidt; als symbol des richterlichen amtes in verbindung mit verben, die der sphäre der rechtssprache angehören wie vor seinen (den) stuhl bescheiden, ziehen, vom stuhle verweisen u. s. w.: der weise mann ... läszt sie (dienerschaft) insgesammt vor seinen stuhl bescheiden Eschenburg beispielsammlung (1795) 2, 204; man sitzt über sich als richter da, und urtheilt über das vergangene und gegenwärtige ab, als habe man einen dritten vor seinen stuhl gezogen F. M. Klinger (1815) 12, 13; der richter sprach: wenn ihr mir den vater nicht bald zur stelle schafft, so weis ich euch von meinem stuhle Lessing 3, 94, 496 L.-M.; bildlich: die edelsten, uneigennützigsten bemühungen der menschen, haben also vor dem rhadamantischen stuhle des schicksals nichts mehr und nicht weniger zu schutz und von obhut zu hoffen G. Forster s. schr. (1843) 5, 389; der du noch jüngst von deinem kritschen stuhle uns arme sonettisten abgehudelt Uhland ged. (1898) 1, 112. übertragen auf den sitz gottes als des höchsten richters, ohne dasz herrschersitz (thron) und richtersitz immer scharf von einander geschieden sind, unter biblischem einflusz, daher oft in religiösem schrifttum sowohl im eigentlichen wie im bildlichen sinne, vgl. got. stauastola Christaus βήματι τοῦ Χριστοῦ m. 14, 10: ich sah mit minen inren ogen eins tages den gOetlichen richter sizen uf sinem stuole Heinr. Seuse 1, 70, 5 Bihlmeyer; du (gott) sitzest auf dem stuel, ein rechter richter (sedisti super thronum) psalm. 9, 5; ähnlich bei H. Sachs: du sitzest auff deim stule schlecht und bist ein richter streng und grecht 18, 52, 15 Götze; wir werden vor dem stuhl des richters (gottes) offenbar Triller poet. betrachtungen (1750) 1, 62; in verbindung mit einem genitiv, der einen numinösen begriff enthält: derhalben wir auch für den stul aller genaden kommen Ringwaldt evangelia l 1b; und wenn ich einst dort oben am tage des gerichts, rechenschaft geben musz von meinen thaten, dann werde ich mit dieser quittung in der hand vor den stuhl der allmacht treten Heine s. w. 3, 346 Elster. 1@b@bβ) sitz des einzelnen schöffen bei gericht, vgl. schöffenstuhl teil 9, 1446 f., seit mhd. zeit belegt: disen stul (der schephen) erbet der vater uf sinen eldesten sun Sachsenspiegel 3, 26, 3 Weiske-H.; und alsso nu die selbin busser yn den steten unde dorffirn der schepphin stule besaszen Joh. Rothe düring. chron. cap. 690 Liliencr.; und da die stule (der schöffen) besatzet waren weisth. 6, 72; vgl. 3, 604; in der schönen literatur selten: zwölf stühle sind zugericht für die zwölf schöppen gut Rückert w. (1867) 3, 40. sitz des hauptmanns der bergschöffen: der hauptmann tritt oben an den in der schöppenbank vor der taffel stehenden stuel und zur rechten seiten ... stellen sich die herren des raths Horndorff saltzwerk in Halle (1670) 154; vgl. Zedler lex. univers. (1733) 3, 1291 s. v. bergschöppenstuhl; 1@b@gγ) erweitert zur bezeichnung eines gerichts: euch freien scheppen und gerichten desselben stules M. C. Schütze historia rer. Pruss. (1592) lib. IV, F f 2a; daher auch für eine gerichtsstätte; so führen denn auch verschiedene örtlichkeiten, [] an denen sich alte gerichtsstätten befanden, namen wie land-, fürsten-, königs-, kaiserstuhl, vgl. Buck flurnamenb. 273; rechtsalterth.4 1, 336; namentlich der königsstuhl zu Rense: die (artikel) zu Rense uf dem stuole gelesen wurdent E. Windecke denkwürdigkeiten 7 Altmann; selbst auf dem stuhl zu Rense leistete der könig dem römischen reiche den eid Ranke s. w. (1867) 1, 36; für die sog. freigerichte, die freistühle: vristuol a. d. j. 1420 bei Lexer 3, 523; mnd. de vrie stöl Lübben-Walther 382a; frigenstoil (a. 1430 Braunschweig) Steinhausen privatbriefe 1, 29; altfries. fria stol Richthofen wb. 1051a; hie worden vil tage ... gemeine gerichte an den freien stulen umbe gehaldin Joh. Rothe düring. chron. 699 Liliencron; alle seyne herschafft und lehen, die er ... czu lehen haben soll und ... herbracht hat, und mit namen seyne freyen stule, strassen, czolle und gerichte v. j. 1379 bei Varnhagen urkundenb. 177; als er den rad und ouch H. Nuwmeister vor den frien stuel gen Trienhagen geladen hadte v. j. 1445 urkundenbuch d. st. Freiberg i. S. 3, 339, 35; nemptlyken van Mengerinckhusen van der groten eck an, dar de frigge stoel ys v. j. 1480 (westfäl.) weisth. 3, 86; vgl. 3, 87; noch jetzt giebt der kaiser freie stühle zu lehen J. Möser patr. phant. 4, 195; ich sei geheischen und geladen zum stuhl Immermann Münchhausen (1854) 4, 25. weiterhin die kleinen districte oder landesbezirke der Szekler in Siebenbürgen (mit fünf stühlen oder gerichtsbezirken), die sog. Szeklerstühle, s. auch stuhlassessor, Zedler lex. univ. (1744) 40, 1332; Chomel (1757) 8, 1756; item Lerdepecher geschickt in den stuel ken Sent Jörgen urkunde v. j. 1528 in quellen zur geschichte d. st. Kronstadt 2, 93, 40; vgl. ebenda 2, 95, 15; 282, 38. 1@cc) 'lehrstuhl', der erhöhte sitz des lehrers, besonders des hochschullehrers, vgl. die composita lesstuol cathedra gloss. d. 13. jh. bei Graff 6, 664; lesestul sive lehrstul cathedra Stieler 2177; lerstuol cathedra voc. opt. 4, 137 Wackernagel; s. teil 6, 578; ein stul, ein hoher sitz, ab welchem man liset oder prediget Calepinus XI ling. (1598) 210b; ein stuel im auditorio, da der professor auffsitzet, wenn er lieset Corvinus (1660) 1259: (sc. in der schuolen) sunder wan mac sie wol sprechen uf dem stuole ze einer lere deutsche mystiker 2, 69 Pfeiffer; und da er nuon in ir (der studenten) sammlung kam, da hieszen sie in uf den stuol steigen, und hieszen in antwurten uf die fragen, die im fürgelegt weren Murner Eulenspiegel 39 Lappenberg; nachdem muste er (der doktorand) in gebundener rede anhalten um den stul oder catheder Morhof unterricht v. d. dtsch. sprache (1682) 1, 162; ich sah den groszen mann (Gottsched) auf dem catheder stehn ... doch steht er gleich den riesen auf dem erhabnen stuhl ... Göthe IV 1, 18 W.; auch als meisters stuhl bezeichnet: du macht ûf meisters stuole gesitzen wol, des hœr ich jehen Frauenlob 266, 7 Ettm., vgl. meisterstul erlösung 3269; 3761 Bartsch u. teil 6, 1982; mein herr, auff welcher hohen schul, auff welcher alten meyster stul habt ir das zerlegen (des kapauns) gelert? H. Sachs 9, 413, 34 Keller; er liebte es vom stuhle des meisters herab belehrungen zu ertheilen Justi Winckelmann (1866) 1, 112. ähnlich sitz des vortragenden sängers in der singschule oder meisterschule: sy hant gemachet ain singschuol und setzent oben uff den stuol wer übel redt vonn pfaffen Cl. Hätzlerin 1, 29, 88 Haltaus; reden und singen heisset, nachdem man auff dem stuel hat angefangen zu singen, sol der singer nicht reden, ehe er seinen gesang vollendet hat A. Puschmann meistergesang 16 ndr.; mir sangerts, darumb hört zu ir gesangrichter inn der schönen trinck- oder singschul: sitz ich schon auff keim hohen stul, so darffs ich auch nit so hoch anfangen Fischart Gargantua 146 ndr.; darum auch der künste stuhl genannt: [] got grüsz die singer in der singer schule, got grüsz die meister uff der kunsten stule meistergesang d. 15. jh. in Germania 5, 210. doch dies auch im sinne von 'lehrstuhl': er sein sun weyter liesz studiern, er hett ein gut sinnreiches hirn, möcht wol erreichen der künsten stul, solt schicken in auff die hochschul Hans Sachs w. 9, 446, 13 Keller; 8, 303; die fügung selbst schon mhd.: got sizzet uf der künste stuol, er hœrt die engel singen wunniklichen, si singent al in hoher schuol unt lobent got, den edlen vürsten richen minnesinger 3, 407b Hagen. seltener für den sitz des einfachen schulmeisters: hoher stuhl quelle d. 15. jh. bei Fischer schwäb. 5, 1907; in übertragener anwendung nach Matth. 23, 2 super cathedram Moysi sederunt scribae et pharisaei, schon im ahd. stuol Moyses Tatian 141, 1 Sievers; auff Moses stuel sitzen die schrifftgelerten und phariseer Matth. 23, 2; darausz folget, das wer ettwas anders denn Moses leret, der sitzt nicht auff Moses stuel, denn darumb heyst es der herr Moses stuel, das Moses lere drauff sollt geleszen und geleret werden Luther w. 10, 2, 88 W.; wer uf Moises stuol sitzt, lert sin ler N. Manuel 174, 1119 Bächtold; vgl. Butschky Pathmos (1677) 131; G. Arnold unpart. kirchen- u. ketzerhist. (1699) 29c. häufig in den festen verbalverbindungen mit (sich) setzen, sitzen, besteigen u. ähnl., die im 19. jh. mit dem aufblühen des modernen universitätswesens auch für stuhl im sinne von 'lehrstuhl' zu besonderer anwendung kommen: er (Fichte) habe sich in Jena auf Reinholds stuhl gesetzt Fichte s. w. (1845) 8, 37; dasz der mann der gigantischen pläne (de Lagarde) auf dem stuhle des Michaelis und Ewald sasz Wilamowitz erinnerungen (1928) 233; im anfang des jahres ... war Gori gestorben und damit der stuhl der archaeologie verwaist Justi Winckelmann 2, 1, 240. predigtstuhl, kanzel; predikers stoil ambo, analogium v. d. Schueren Teuthonista 260b Clign., vgl. das compositum prediger-, predigtstuhl teil 7, 2083 u. 2085 und predigstul (1470) Diefenbach mlat.-hochdt. wb. 24; predigerstul gloss. 29a; predegestol n. gl. 20a; Stieler 2177. noch mundartlich im nordwestniederdeutschen: de pastor is all up'n stohl Strodtmann Osnabr. 231; et sleit up'n stohl die klocke schlägt, da der prediger zur canzel geht Richey Hamburg. 425 (dithmarschisch); Schütze holstein. 4, 204; vgl. auch Dijkstra fries. 3, 211b. seit mhd. zeit belegt: envorchte dich nicht, du beheldest den stul mit eren wole (sagt der bischof zum pfaffen) dtsche mystiker 1, 100, 23 Pfeiffer; freier: dar umme sal man nicht getuschis predien noch fabelen uffe dem stule der warheit, sunder di heilige schrift ib. 1, 145, 29; der selb doctor N. predigt hie ... darnach macht man 1 groszen stuol in die kirchen, da las (vgl.lesen 3 c teil 6, 778) er auch chron. d. dtsch. st. 25, 214; vgl. auch Fischer schwäb. 5, 1907a; in jüngerer zeit wohl nur in gehobener sprache: ich weisz nicht, wie ein pastor sich unterstehen kann, mit hasz im herzen auf einen stuhl zu treten, wo nur liebe erschallen sollte Göthe 37, 171, 2 W.; bildlich: in deme sie (die seele) mit tugenden gezieret ist, ist sie ein stul oder cantzel der dreyfaltigkeit Albertinus hirnsleiffer (1664) 121. ebenso ein aufgerichtetes, hölzernes gerüst oder eine tribüne (suggestus) eines jeden redners, der von oben herab zu der menge spricht, vgl. rednerstuhl teil 8, 487: do ward Esopus gefüret uff den stuol, da die gemainen sachen der statt verkündet werdent Stainhöwel Esopus 66 Österley; ... erwelten einen ausz in, der des morgens früe zu dem volk auf dem platz reden solt und hieszent im ein stuel stellen chron. d. dtsch. st. 3, 138; 25, 374; speciell im schweizer. von dem gerüste auf dem landsgemeindeplatz, von dem aus der redner sich an die menge wendet, vgl. Tobler appenz. sprachschatz 417a; nach dieser predigt ziehen die landeshäupter mit trommeln und pfeifen auf den zur versammlung [] bestimmten platz, und stellen sich in einen halben kreis; ihnen gegenübre wird ein kleines gerüst aufgeschlagen, welches der stuhl (suggestus) genennet wird, auf den einige treppen führen. auf diesen stuhl tritt der regierende landammann J. M. Afsprung reise durch einige cantone d. eidgenossenschaft (1784) 85. 22) amts- und ehrensitz verschiedener art, der zwar nicht immer wie stuhl 1 erhöht ist, sich aber doch durch sein aussehen, seine grösze und bisweilen durch die güte des stoffes, aus dem er gearbeitet ist, von den sitzen der übrigen abhebt, somit also noch als symbol einer würde, ehrung oder amtsgewalt des daraufsitzenden gelten kann, vgl. ein stuel bedeutet ein amt und hoheit oder ein weib Joh. Coler traumbuch (1606) 241. insbesondere amtssitz von hohen beamten der städte und des staates, so der ratsherren (senatoren) im rathaus, vgl. ratsstuhl teil 8, 203, eigentlich und symbolisch, für den einzelnen ratsherrn wie für den ganzen rat gebraucht, vgl. stul collegium senatus Haltaus 1760; für die ältere zeit anscheinend nur nd. bezeugt, vgl. curule stoil des oeversten van der stat v. d. Schueren Teuthonista 260a Clign.: dar sal dann sin de borgermeister und de gantze rait uppe erin stölen sittende urkunde v. j. 1434 bei Bauer-Collitz waldeck. wb. 306; ok scal he (sc. de ratman) holden eyn perd ... to des stades behof in deme iare, wanne he sit in des stades stole Bremer statut v. j. 1330 bei Schiller-Lübben 4, 411a; hebben vor dem sittenden stole eres rades (vor dem teil des rates, der gegenwärtig an der regierung ist) gesworen (a. d. j. 1413) Lübecker urkundenbuch 5, nr. 440; do ist erschenen vor dem sittenden stole des rades (a. d. j. 1548) bei Haltaus 1760; de sik dar machlik wetten in rades stole soghedan chron. d. dtsch. st. 16, 117, 502 (1488); er chond of de stuel er bekommt ein landesamt Tobler appenzell. 417b; mer thüend en andera of de stuel wir wählen einen anderen beamten ebda; es besteht dieses collegium (d. i. das geheime conseil) gegenwärtig aus drey männern ... mein stuhl, der dritte, steht seit sechs jahren leer Göthe IV 9, 237, 17 W.; die von ihren stühlen gestoszenen beamten verlangten wiederherstellung der gewohnten ehemaligen einrichtungen H. Zschokke ausgew. schr. (1824) 1, 28. seit alters in der übersetzungsliteratur und geschichtschreibung für die sella curulis des römischen consuls, prätors u. s. w., die schon in den ahd. glossen mit valtistuol 3, 623, 4 Steinm.-Siev. (11./12. jh.) und valzstuol 3, 645, 40 (12. jh.) wiedergegeben wird; bei Notker in curuli (sc. sella) án demo hêrstûole (mit beziehung auf Catull 52, 2) 1, 145, 2 Piper; curulis vel eyn elffenbeyn stuoll uff eim wagen, daruff die römischen herren saszen Alberus dict. hh 4b; Xylander Polybius (1574) 335; darnach wohl zu verstehen: seelsorg und leibsorg ist der helffenbeinen stul für gott und für der welt Petri d. Teutschen weisheit (1604) 1, e 8a; der koth bleibt häszlich ... und die laster garstig wenn sie schon ... auf helffenbeinerne stle gesetzet werden Lohenstein Arminius (1689) 1, 15a; dergleichen bestrebungen hatten nicht viel zu bedeuten, wenn der opponent nichts weiter begehrte als den curulischen stuhl damit sich einzuhandeln Mommsen m. gesch.4 3, 6; 2, 157. in andrer sphäre, gleichfalls im anschlusz an die antike: der stuhl, darauf die weise sprach, gabe Delphis dreyfusz wenig nach M. G. Lichtwer äsopische fab. (1748) 91, 9; weiterhin der sitz des vorsitzenden bei den freimaurern, daher letzterer meister vom stuhle genannt wird, vgl. teil 6, 1962; seit ende des 18. jh. belegt, mehrfach bei Göthe: (einer) loge, bey welcher der vicebürgermeister S., so viel ich weisz, meister vom stuhl ist IV 30, 112, 1 W.; vgl. III 9, 228, 23; IV 5, 156, 14; Jean Paul w. 3, 71 Hempel; Jung-Stilling s. schr. (1835) 6, 542; der maurergeselle mauert in der volksversammlung so redegewaltig, als ob er seit jahren meister vom stuhl wäre W. H. Riehl deutsche arbeit (1861) 272; übertragen von den freimaurern, indem die zünftige wissenschaft mit der loge verglichen wird: Faust oder Guttenberg war, wie soll ich sagen? ihr (der [] denkenden menschen) meister vom stuhl Herder 17, 130 S.; was die griechische wortmessung betrifft, so ist da bei den meistern vom stuhl — von Vosz, Böckh und Hermann bis auf Göthe, Lachmann, Ritschl u. s. w. hinunter — noch gar keine volle einstimmigkeit E. M. Arndt w. 6, 15 Rösch-M. ehrensitz innerhalb der familie, so der ursprünglich erhöhte sitz des hausherrn, während die übrigen familienangehörigen und das gesinde auf bänken saszen, vgl. Heyne d. dtsche wohnungswesen 105; rechtsalterth.4 1, 557 anm., auch gästen als sitz angeboten: uf sinen stul her (st. Oswald) in (den gast) satzte, uf die banc her selber platzte ... 'herre, ir tut nicht recht, daz ir nider fallet also di knecht uf die harten benke' Wiener Oswald v. 65 Baeseke; vgl. auch rechtssprichwörter wie den stuhl vererbt der vater auf den sohn; wer zu den bänken nicht geboren ist, soll um den stuhl bitten Graf u. Dietherr dtsche rechtssprichwörter 415 nr. 120. auch sitz der hausfrau, vgl. Heyne a. a. o.; Schiller-Lübben 4, 411a: de echte frouwe besitt den echten stol ostfries. landrecht bei Schiller-Lübben a. a. o., vgl. fries. thet thiu frowe skolde ammer aftne stol bisitta Richthofen wb. 1051b; ende een frya famna in die stoel set, ende sit deer bi ebda. in besonderer anwendung als 'witwenstuhl', vgl. mhd. witewenstuol mhd. wb. 2, 2, 714b; Scherz-Oberlin 2, 1589; wedemstul sedes viduarum, wittwenstand Kehrein alt- u. mitteld. wörter a. lat. urkunden 27b sowie witwenstuhl Fischer schwäb. 6, 906; 1770; rechtsalterth.4 1, 598; 623: diu Sigebandes muoter den witewen stuol besaz Kudrun 6, 1 Martin, vgl. die anm. z. d. stelle; auch als feste wendung den (witwen -)stuhl besitzen, halten witwe sein, den (witwen-)stuhl verkehren, (ver-)rücken sich wiederverheiraten, s. Haym allg. teutsch. jur. lex. (1738) 1335; Zedler lex. univ. (1748) 57, 1980; Schmeller-Fr. 2, 752; rechtsalterth. a. a. o.: (a. 1438) und die weil (sie) sitzet mit irem witiben stul, so mag ir niemant kainen schaden tun ..., wenn si aber den witibstul verkoret, hat sie kint weisth. 6, 112; unz die wittwe ihren stuhl oder stand verkehrt urkundlich bei Westenrieder 1, 567; auf ein erbrecht des überlebenden gatten geht nd. stoel, weduwelicken stoel bona quae viduo vel viduae post coniugis mortem debentur Kilian (1605) 532b. fernerhin der ausgezeichnete sitz der brautleute, sella sponsalis, vgl. mhd. brutstuol mhd. wb. 2, 2, 714; anord. brúðstóll Fritzner 1, 198a; afries. brêdstôl brautsitz, brautstuhl Holthausen afries. wb. 11b; bair. brautstuel Schmeller-Fr. 2, 752; vgl. teil 1, 1108 s. v. bank 3) und brautstuhl teil 2, 338. 33) bezeichnung des gewöhnlichen sitzgerätes, sedes, sella. 3@aa) meist aus holz mit vier füszen zum sitzen für eine person teils mit teils ohne rück- und seitenlehne, vgl. die zahlreichen composita wie arm-, backen-, lang-, lehn-, polster-, strohstuhl u. a. diese bedeutung bereits im ahd. nicht selten belegt, wenn auch nicht in jedem einzelfalle zu sichern: stuol, stual sedes, sella Graff 6, 663; ahd. gl. 3, 685, 65 Steinm.-Siev., wird schon im mhd. die vorherrschende, vgl. Lexer 2, 1270 und weiterhin sedes stuol, stôl Diefenbach 524a; nov. gl. 334a; sedile gloss. 524b; sedes sedile stuol voc. opt. 17 Wackernagel; stoil op to sitten sedes, sedicula, sedile, sella, sellula v. d. Schueren Teuthonista 260b Clign. im süden des deutschen sprachgebiets herrscht heute umgangssprachlich stellenweise, z. b. in teilen des österreichischen, sessel als bezeichnung für den einfachen sitz, nicht stuhl, vgl. Kretschmer wortgeogr. 509; K. J. Schröer weitere mitth. ü. d. ma. v. Gottschee (1870) 219; sonst bezeichnet sessel gegenüber stuhl immer das gröszere, prächtigere und bequemere möbel, vgl. teil 10, 1, 632: an das vorzimmer stöszt ein kleines kabinet, schon wohnlicher und behaglicher, die stühle haben sich in sessel verwandelt Hackländer krieg und frieden (1859) 1, 8. entsprechend der bedeutung des gerätes im täglichen leben im schrifttum überaus häufig in dieser bedeutung: [] thie disgi, thie thar stuantun, thar sie tho munizotun, thie stuala ouh, thar sie sazun, inti iro kouf mazun Otfrid II 11, 14 Erdmann; si truogen an gesidelebreit unde lanc stüele unde tische Kudrun 181, 1 Martin; der wein würd ... auch viel leüt ernidern von stülen, bäncken und stiegen Fischart praktik 23 ndr.; ein weib, das abends zu bette gehet, die soll ihren stuhl, darauf sie gesessen, von der stelle rücken J. G. Schmidt rockenphilosophie (1709) 234; also hatte er mehr nicht in seiner priesterwohnung als einen tisch, einen stuhl und ein bette Leipziger avanturieur (1756) 1, 19; er selbst, zwischen uns sitzend, wiegte sich auf den hinterbeinen seines stuhles P. Deussen mein leben (1922) 31. — nicht mehr üblich ist heute die bezeichnung ein beschlagener stuhl für einen mit leder oder stoffen überzogenen stuhl, so noch 1841 bei Krünitz 177, 238; Steinbach (1734) 2, 756; sella pellicea Stieler 2177; über die feinsten und kostbaresten beschlagene stühle pfleget man stuhlkappen ... zu streifen allg. ökon. lex. (Leipzig 1731) 2386; schon 1418 bezeugt: vor 3 stule zu besloen Marienburger ausgabebuch 297, 29 Ziesemer. 3@bb) überaus häufig in fester verbindung mit verben der ruhe und bewegung z. b. auf dem (einem) stuhle sitzen: wand das er uf einim stuole saz R. v. Ems weltchron. 21951 Ehrismann; da der fürst mit seinen rähten in groszer pracht sasz, Strutha aber zur seite auf einem stuel Buchholtz Herkuliskus (1665) 154; bildlich: behüte sie, das sie nicht auff dem stuol der spötter sitzen, die deine warheyt verlestern Luther 10, 2, 480 W. — vom stuhl aufstehen, aufspringen, sich erheben u. ä., sedem deserere Stieler 2177; Kramer 2 (1702), 1023a; gern als zeichen der ehrung oder als gebärde der erregung, des schrecks und erstaunens: die Spartaner aber stuonden, als sie diesz sahen, von iren stülen auff und lieszen in (den alten mann) sitzen Seb. Franck sprüchwörter (1541) 1, 30a; hier springt Voltaire ganz aufgebracht vom stuhle auf Gottschedin briefe (1771) 2, 70 Runkel; bei ihrem eintritt sprangen die grafen überrascht von den stühlen auf Langbein s. schr. (1837) 31, 76; in Jupiters hause fürchten die götter dich (Apollo) alle, sie heben wie du herein trittst von den stühlen sich auf, den kommenden sieger zu ehren Göthe 4, 321 W.; bildlich: es ist kein einziger zweck dabei erreicht worden, der es werth wäre, dasz man sich darum vom stuhl erhübe Gervinus an Jac. Grimm 2, 71. — vom stuhl fallen, sinken u. ä.: er ... viel onmächtig von seinem stuol summertheil der heyligen leben (1472) 8a; mein weib wäre beinah aus schreck vom stuhle gefallen Fr. Pocci lust. komödienbüchl. (1877) 6, 19; der stutzer fühlt den brand und sinkt vom stule nieder Dusch verm. w. (1754) 178, 13. — sich auf den stuhl setzen, sedem capere, in sella considere Stieler 2177: major setzt sich auf seinen stuhl Lenz ges. schr. 1, 9 Tieck. — (jem.) einen stuhl setzen jem. einen stuhl anbieten, zum sitzen einladen: sellare stoil setten v. d. Schueren Teuthonista 260b Clignett; einem einen stul setzen sellam ponere alicui nomencl. lat. germ. (Hamb. 1634) 132; Stieler 2177; Kramer 2 (1702), 1023a; daz men ime siczen sal ein stul, ein kussen druf ... weisth. 6, 101 (15. jh.); einem ungebätenen gast setzt man keinen stuhl Wille sittenlehre (1781) 158; ihm (dem alten) wird ein stuhl gesetzt Herder 24, 507 Suphan; studenten erkühnen sich die tableaux unserer sittlichen welt auszufertigen, indesz ihnen noch kein gutes haus offen stand ... man prätendiert von uns Sterns, Richardsons ... Shakespears und gott weisz was für êtres mehr — und mancher mann von stande würde erröthen, wenn es auf ihn herauskommen sollte, dasz er diesem oder jenen literator einen stuhl gesezt hätte d. teutsche merkur 1779, 2, 32. nd. êmand 'n gôden stôl setten gut aussatten Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 326a; aber auch mit entgegengesetzter bedeutung enem [] enen dögden stool setten jem. einen schlimmen dienst tun brem. niedersächs. wb. 4, 1046, in gleichem sinne das deminutiv: eenem een stöhlken setten Richey Hambg. (1743) 292. 3@cc) redensarten und sprichwörter. vor allen geläufig ist zwischen zwei stühlen (nieder)sitzen, d. h. auf keinem von beiden, sondern (unfreiwillig) auf der bloszen erde sitzen, gebraucht in dem sinne 'in not und verlegenheit sein, zwischen zwei meinungen, tätigkeiten, parteien u. dergl. hin und her schwanken u. infolge dessen zu gar keinem ziel kommen, es mit beiden parteien verderben', vgl. Wander 4, 939 f.; schon mhd.: ez ist ein wunder an mir daz ich elliu wip dur si mide ... sus bin ich an die blozen stat zwischen zwein stüelen gesezzen. an der selben stat hat si min vergezzen Walther von Metz in v. d. Hagens minnesinger 1, 307a; vgl.: dâ von iu reht alsam geschiht als einem der bî stüelen zwein saz in ein bâht, und er ûf kein dâ niht sitzen wolte Ulrich von Lichtenstein frauendienst 602, 23 L.; mit solch sinnkräftiger ortsangabe noch bis in die modernen mundarten: zwischen zweyen stülen auf der erde sitzen Kramer 2 (1702) 1023a; Hügel Wiener 160b; und sitzt alsdann das schöne junckfräwlein zwischen beiden stüelen in der aschen Albertinus hauszpolicey (1602) 158, vgl.tusken twê stolen in de aske sitten Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 326a; ebenso bei Dijkstra friesch. woordenboek 3, 211b; e' setzt zweschent zwee still am dreck Gangler lux. 433; Follmann lothr. 509b; zwischen zweyen stlen mit dem hindern in dreck sitzen Henisch (1616) 745; es kommt oft, dasz einer zwischen zwei stühlen auf dem bloszen sitzt bei Seiler entw. d. dtsch. kultur 8 (1924) 156. meist abgegriffener ohne derartige angabe: dasz er under zweyen stulen nidersesze deutsche reichstagsakten 1, 560, 10 Weizsäcker (a. 1387); (der bauer, der sich den rittern gleichstellen will) he sit twischen twen stolen neder Gerhard von Minden 54, 75 Seelmann; also sitzt er zwischen zweyen stuolen nidder, das er keins krieget Luther 19, 304 W.; 32, 41; (die priester) solln auch noch widdergeben, on yhrn danck, den namen clerus und leyen, ya weniger den leyen bleyben, das sie zwischen zween stullen sitzen, gleich wie sie widder geystlich noch weltlich sind 8, 254; wer auf beyden achseln trägt, der sitzet zwischen beyden stlen nider Lehman flor. polit. (1662) 2, 573; der und Hackert verstehen das handwerk, und Tischbein wird zwischen zwei stühlen niedersitzen, ohne dasz ihm jemand helfen kann Göthe IV 9, 93 W.; alle katholischen Deutschen sitzen zwischen zwei stühlen Treitschke dtsche geschichte d. 19. jh. 4, 561. auch mundartlich verbreitet: twusken twen stölen daal sitten brem. niedersächs. wb. 4, 1046; Fischer schwäb. 5, 1906b; Martin-Lienhart elsäss. 2, 593a. reflexivisch gewandt, erst jünger bezeugt: würden wir uns nicht alsdann ... zwischen zwei stühle niedergesetzt ... haben? Leibniz dtsche schr. 1, 182; wer es beiden parteien recht zu machen sucht, setzt sich zwischen zwei stühle Bismarck polit. reden 1, 304 Kohl; mundartlich Tobler appenz. 417b; wb. d. lux. ma. 432b; Leithäuser Barmer ma. 151b; P. Jensen nordfries. 582. gelegentlich in mehr oder weniger variierter fassung: dan musz er in der irr umb wandern, laufft hie zuo eym und dort zum andern, mit bOesem gwissen hin und wider, auffs letst sitzt nebem stuol darnider Burkard Waldis streitgedichte 28 ndr.; nehmen wir uns in acht, dasz wir nicht zwischen zwei stühle fallen G. Keller 2, 160; 7, 57; der platz des unparteiischen ist auf erden zwischen den stühlen Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 73. anders auf beiden stühlen sitzen: de up beiden stolen willen sitten, de sitten dar vake tuschen dale Tunnicius sprichw. nr. 1295 Hoffmann; [] Paetus wird geehrt von vielen, dann er sitzt auff zweyen stühlen Logau sinnged. 353 Eitner. einem den stuhl vor die tür setzen jem. aus dem hause jagen, einen dienst, ein verhältnis u. ähnl. aufkündigen, ursprünglich ein rechtsterminus, vgl. rechtsalterth.4 1, 261; Günther recht u. sprache 14; seit dem 16. jh. belegt: (die diener) setzen ihnen (den herren) bald den stuel vor die thür und sprechen: diene ich euch nicht, so gebt mir meinen lohn theatr. diabol. (1569) 278a; so setzte sie (die gnädige frau) mir (dem gärtner) rund heraus den stuhl vor die thüre Gottsched dtsche schaubühne (1748) 1, 502; da es darauf ankömmt, mir den stuhl vor die thüre zu setzen (d. i. die verlobung zu lösen) Lessing 2, 120, 6 Lachm.-M.; auch mundartlich verbreitet, enem den stool vor de döre setten einem den contract oder den dienst aufsagen brem.-niedersächs. wb. 4, 1046; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 326; Knothe Nordböhm. 522; für 'hinausweisen' Leithäuser Barm. ma. 151b; wb. d. luxemb. ma. 432b; Fischer schwäb. 5, 1906b. unter den stuhl stecken verbergen, verheimlichen, s. Wander 4, 939: so musz ich dir die warheit sagen, will dirs auch undern stul nit stecken B. Waldis Esopus 2, 185 Kurz; item St. Johannes der teuffer hat dem könige Herodi ... gar nichts untern stuel gesteckt (d. h. kein blatt vor den mund genommen) S. Svevus spiegel d. menschl. lebens (1588) 150a; doch soll ichs ... dir entdekken, und nichts nicht untern stuel verstekken, so ... C. Stieler geharnischte Venus 41, 5 ndr.; vgl. onder stoelen noch banken steken niet verbergen, opentlijk belijden L. de Bo westvlaamsch idiot. 957b. ähnlich: nicht hinterm stuhl halten: wir wollen nicht hinterm stuhl halten, sondern rein heraus euer majestät unterrichtet und gewarnt haben brief an kaiser Sigismund v. j. 1597 bei J. G. Droysen Gustav Adolf 1, 45. der stuhl brennt (mir unter dem hintern) vor ungeduld nicht länger sitzen können: arbeiten thut wehe, der stul brent manchen Petri d. Teutsch. weiszh. (1605) 2, j 4b; mein stuhl brennt mir mehr unter dem hintern als dem Elias sein brennender wagen Görres ges. briefe 2, 556; auch im nd.: de stool brennet mi under dem eerse ich sitze als auf glühenden kohlen brem. wb. 4, 1047; ähnlich: aber wenn man so in banger spannung auf etwas geliebtes auf erden wartet, denkt man an jenes entsetzliche warten nicht, sondern man sitzet auf glühendem stuhle Gotthelf geld und geist2 (1852) 197; ... als er den ohm nun drauszen erblickt, auf springt er vom feurigen stuhl, dasz es rasselt J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 41. 3@dd) formelhafte verbindungen. statt und stuhl, nd. in verschiedener bedeutung: sitten in stet und stul, in stede und stoel (1488) als femgerichtlicher terminus, vgl. rechtsalterth.4 1, 10; Schiller-Lübben 4, 367b. to stäa un stool kamen zur ruhe, ans ziel kommen, ostfriesisch, s. Doornkaat-Koolman 3, 326a. stecken und stuhl: felt der himmel, so bleibt nirgend kein stuol noch stecken stehen Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, D d 6b. vor allem stühle und bänke: alle krümmy kan ich wol erdencken hindren stlen und hindern bencken (1522) kegelspiel v. 30 Götze; als steigerungsformel: stl und benck, butz und still (d. i. stiel) ruta caesa Maaler d. teutsch spraach (1561) 393d. in bildlicher, halb scherzhafter übertragung im obd. für die vorstellung eines 'durcheinanders', in stühl und bänk als bezeichnung für gemüse oder suppe von gerste, erbsen, linsen, graupen und nudeln durcheinandergekocht Fischer schwäb. 5, 1908b; Sartorius Würzburg 120; Ruckert unterfränk. 178; Stauf v. d. March nordmähr. maa. (1927) 90; in ähnlicher bedeutung als eines überstürzten 'durcheinanders' bei Eberlin von Günzburg: do sie (die priester) ain won gefiert haben in das volck, als ob sie etwas sonders im [] volck weren, haben sie stl und benck zamen gesamlet, das ist allerlay geschriefft und gschicht, do mit ze beweren sämtl. schr. 1, 176 ndr.; Christus zeygt an, wie schwer sey, an eeweyb zu leben, unsere pfaffen, münch und nunnen zeygen, wie leycht sie also leben, zychen darauff mit Hieronimo rypsz und rapsz, stuel und benck. ob Christo oder Hieronimo meer zu glauben sey, urteil ein christenmensch ebenda 2, 25, vielleicht isoliert aus anwendungen wie: wie dann fast die mehrern (kranken) uber die stüel und bänck und nicht wenig behend in das vergicht (die gicht) fallen Guarinonius grewel (1610) 1053; auch sonst gern in bestimmten verbalen fügungen, z. b. stl und bAenck darin (im hirn) verrucken Fischart Garg. 244 ndr.; sprichwörtlich: hoffart meynt, stl und bAenck sollen vor ihr auffstehen Lehman flor. pol. (1662) 1, 426; 1, 181, vgl. Fischart 3, 248 Hauffen; es ist aber eingerissen ein logica, dieselbig hat verblendet das liecht der natur und das liecht der weiszheit und ... hat beide weiszheit zwischen stl und bäncken nidergesetzt Paracelsus op. (1616) 2, 342 Huser; solt aber mir hie zu schreiben nicht wol anstehen von denen, die diese kunst zwischen stül und bänck gehenckt haben und also die kunst in die finsternusz geführet? ebda 374; vgl.zwüsche stüel und bänk in verlegenheit Hunziker Aargau 263 und oben zwischen zwei stühlen sitzen u. s. w. sp. 333. verbreitet ist besonders stühle und bänke dazwischen werfen u. ä. 'hindernisse in den weg legen': aber der bösz feind, der ein vatter ist aller zwitracht und lügin, hat stül und benk darzwischen geworfen H. Gebweiler beschirmung des lobs Marie (1523) a 2; ir (die geistlichen) werdent euch nimmer zu eyniger reformation schicken wöllen, sonder werdent ... stl und bänck in den weg werffen, damit es ja nicht dahin kommen J. Sleidanus reden 104, 66 lit. ver.; stühl und bänck darein werffen miscere caelum terrae; moras et impedimenta alieni inferre Aler (1727) 2, 1859a, noch mundartlich: stüel und bänke drí wärffe Seiler Basler ma. 283a. in bildlichen ausdrücken für eine verkehrung der üblichen und notwendigen ordnung, wobei bank die bedeutung 'tisch' hat, vgl. teil 1, 1109 nr. 4 und der stuhl gehört unter die bank und wenn er nicht darunter gehet, so säget man ihm die beine ab M. Kirchhofer schweiz. sprichwörter 229: darumb so dringt da manger stuel für alle tisch und penk, der pillich wol ain schamel wär, wenn man im rechen solt der eren swär O. v. Wolkenstein 103, 15 Schatz; die stiel ston auf den benken, die wagen vor dem rosz, der glaub wil gar versenken, der grund ist bodenlos Th. Murner bei Uhland hoch- u. nd. volkslied. (1845) 2, 908; ders. dtsche schr. 2, 219, 2 Spanier. am häufigsten in der wendung die stühle auf die bänke stellen verkehrte ordnung schaffen, vergebliches tun, vgl. Fischer schwäb. 5, 1906; also geschichts in aller welt, dasz man die stiel uff die benck stellt Th. Murner narrenbeschw. 95, 36 ndr.; die stül auff die benck setzen ... da einer zu ehrn auffsteigt wider iedermans hoffnung Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 96b; bos in civitate die stuole auff die bencke setzen Tappius adag. cent. septem (1545) 8 β; wann aber (sc. rechte) leute gebrechen, so müssen stühl auf bänke gesetzet werden H. v. Schweinichen 227 Österley. ebenso die stühle springen, steigen, hüpfen auf die bänke 'es geht alles drunter und drüber', vgl. Fischer schwäb. 5, 1906: derhalb ... der pauern kinder ... zu mächtigen herrn und regieren der lant und adls worden, damit die stüel, als das gemain sprüchwort sagt, uf die penk gesprungen sind Wilwolt v. Schaumburg 2 lit. ver.; wann die stül uff die benck went stygen, so will sich unglück leren gigen Seb. Brant narrenschiff 42, 19 Zarncke; [] wo weiber regieren, steigen die stühle auf die bänke Binder 209 nr. 3982; auch: etlich adelich fürstendiener sich underfangen, mit d stlen auf die bAenck zu hupffen, aber sein ins koth gefallen J. Nas d. antipap. eins u. hundert (1567) 2, 172a. vgl. auch blätter z. bayr. volkskunde 11 (1927) 16 ff. 44) speciellere bedeutungen und bedeutungserweiterungen ergeben sich aus besonderem gebrauch; so bezeichnet stuhl 4@aa) einen 'tragstuhl' oder 'tragsessel', vgl.tragstuhl teil 11, 1, 1, 1164: da namen sie in (den toten Heliodor) ... und trugen in auff einem stuel davon (in sella gestatoria) 2. Macc. 3, 28; als er gar zu alt ist worden, hat er sich alle freitag auf einem stulle lassen in die kirche tragen S. Hüttel chron. d. stadt Trautenau 25; Livia liesz sich auf einem stule tragen (beim leichenbegängnis) Lohenstein Arminius 2, 944b. 4@bb) 'gebärstuhl', sella parturientium, obstetricalis, auch geburts- (Stieler 2177), kind-, kreisz- (Zedler lex. univ. 15, 1840), marter- (Stieler a. a. o.), wehestuhl (Welsch hebammenbuch [1671] 325; Ettner v. Eiteritz unvorsicht. hebamme [1715] 553) genannt, vgl. Krünitz 177, 233; schon bei Luther: wenn ir den ebreischen weibern helfft und auff dem stuel (efnoim) sehet, dasz es ein son ist, so tödtet in 2. Mos. 1, 16; oft in den hebammenbüchern des 16. bis 18. jh.: die (schwangere) frawe in dem namen gottes heiszen sitzen auff den stul, dazu verordnet J. Ruoff hebammenbuch (1580) 52; wiewol auf dem stuel gemeiniglich die geburth ehe befördert wird G. Welsch kind- oder hebammenbuch (1671) 246 u. ö.; (wir haben) vernommen, dasz frau Caroline im august wieder zu stuhl soll, und wünschen herzlich, dasz gott ihr helfe, wenn ihre stunde kömmt M. Claudius an Herder, aus Herders nachlasz 1, 421 Düntzer; hört ihr den pulverthurm knallen über dem stuhl der gebährerin? Schiller 2, 329 G. 4@cc) 'nachtstuhl', sella perforata Kirsch cornucopia (1732) 986a, für die erleichterung des leibes Campe 4, 728b; sella familiaris Frisius (1556) 544a; een utgehoolde stoel om te schijten sella familiaris, sella pertusa Plantijn thes. theut. (1573) D d 4d; lasanum Duez nomencl. (1652) 80, vgl.nachtstuhl, kammerstuhl, leibstuhl, kackstuhl, scheiszstuhl, notdurftstuol (a. 1432) bei Ch. Schmidt Straszb. ma. 107a; euphemistisch der heimliche stuhl J. W. Zinkgref teutsche apophthegmata (1653) 1, 249, auch kind(e)stuhl oder kinderstuhl, teil 5, 761 u. 751 genannt, weil er vorwiegend von kleinen kindern benutzt wird: als nun dem lieben Gargantomänlein das scheiszstülchen anfieng zu klein zu werden, also dasz man in zu eim weitern und höhern stul muszt erhöhen Fischart Garg. 202 ndr.; so ein mensch verstopfft ist, setze ihn auff ein gelöcherten stul und ein glut under ihn Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 286c; scherzhaft aufgelöst: statt eines kelchs mit nektar ein glas mit glaubersalz zu genieszen, das ist bitter! statt des thrones der liebe harrt ihrer jetzt der stuhl der nacht Heine s. w. 3, 335 Elster. schon früh für 'abort, abtritt' gebraucht: nu hiet er über dasselb privet an dieselb maur höcher einen stl gericht, davon der ungesmach und der gestankch gieng urkunde v. j. 1387 im urk. u. reg. z. gesch. d. st. Göttweig 1, 710; (a. 1472) also das nichtz an dem tag ist dann ein gemaurte roren, dorinnen ein stull unten in des Gürtlers haus gericht ist Endres Tucher baumeisterbuch 315, 25 Lexer; hab ich ine ... verdingt den stul wider aufczumachen Anton Tucher haushaltungsbuch 128 lit. ver. besonders in der seit dem 14. jh. häufig belegten stereotypen verbalverbindung zu stuhl gehn, vgl. unten stuhlgang; caco ich gehe zu stuol Alberus (1540) a a 2a; egero (ventrem) zu stul gen Diefenbach 196c; exonerare ventrem Reyher (1668) 1, 2413; alvum solvere, dejicere Corvinus (1646) 45: ich mag des baz ze stuole gan Boner edelstein 78, 113 Pfeiffer; wenn man den stain in wazzer wescht, so hilft er den, die niht zuo stuol mügent gen Megenberg buch d. natur 451, 12 Pfeiffer; daz kind kan nit zu stuol gon Till Eulenspiegel [] 24 ndr.; er ist vielleicht zuo stuol gangen inn der getäfleten sommerlauben (ad exonerandam alvum) Züricher bibel (1531) richter 3, 24; der gute fürst konnte nicht anders zu stuhle gehn, als wenn er vorher ... erklecklich abgeprügelt worden! E. T. A. Hoffmann s. w. 7, 147 Grisebach; reichlichst belegt vor allem in der medicinischen fachliteratur, bes. seit dem 16. jh. hierher gehört auch die ursprünglich concret gemeinte, derbe redensart nicht zu stuhl kommen können, die aber nur übertragen gebraucht wird im sinne von 'mit einer sache, beschäftigung nicht fertig werden können', ebenso wie die gleichbedeutende, noch derber empfundene wendung nicht zu potte kommen (können) fast nur umgangssprachlich und mundartlich: ö kann nöd zö sdul kommen er kann bei einer sache nicht schlüssig werden Christa Trier. 203b; nicht fertig werden vor eifer Schön Saarbrück. 205b; mit einer rede nicht zu stuhl kommen können Sanders wb. 3, 1253. in positiver wendung stärker abgeblaszt ohne den derben klang, wobei denn auch andere bedeutungen von stuhl mit hineinspielen können: sie (herr pastor) werden ... ihm (dem mädchen) auch jetzt die zähne von einander bringen, ... auf dasz wir (die gemeinde) endlich mit Horacker zu stuhle kommen W. Raabe Horacker (1876) 60; (vom königstuhl zu Rhense) als ein zeichen, uns zum frommen aufgericht't am Rheinesstrand, dasz du wirst zu stuhle kommen sonsten auch, o deutsches land! Freiligrath ges. dichtungen (1870) 3, 37; zu stuhl kommen 'zur ruhe kommen' (1813) Kluge studentensprache 129a. — vereinzelt, im eigentlichen sinne, zu stuhl gewesen sein: seid ihr auch kürzlich zu stuhl gewesen? fragete der arzt weiter H. Lindenborn die welt beleuchtender Diogenes (1742) 1, 454. sehr oft in erweiterter bedeutung gebraucht für stuhlgang erleichterung des leibes; in der verbalverbindung zu stuhl treiben ursprünglich wohl noch local verstanden: wrft das vederspil das asz wider von im, so sol man nemen ain stuck, ... haiszet stamone und treibt den menschen vast zu stuol Mynsinger von falken 55 lit. ver.; ob sie die natur zu stul treibe Ortolf v. Bayrlandt (1477) 4b; warum treibt eins (heilmittel) zum stuhl, ein andres harn und schweisz? Triller poet. betrachtg. (1750) 4, 46; ich konnte die ganze nacht nicht ruhen, es trieb mich öfters zu stuhle Göthe I 44, 284, 15 W. einen stuhl haben: aber man schol in (syrup) den nicht geben, die ir stuol swærleichen habent Konr. v. Megenberg buch d. nat. 345 Pf.; ich han kain stuol in 14 jaren nie gehabt, wa wolt dan die speis hinkomen? chron. d. dtschen st. 25, 18, 30 (v. j. 1513); (der arzt fragt) hat denn auch euwer fraw zimliche deuwung oder neuwlich ein stul gehabt? Kirchhof wendunmuth 1, 138 Österley; lieber juncker, ... habt ihr auch etliche stul gehabt? ib. 1, 150; mundartlich: i' kann halt kan stuhl kriag'n Hügel Wiener dial. 160b; einen harten, starken stuhl, viele stühle haben Kramer 2 (1702) 1023b; hingegen pflegen auch die kinder oftmahls viel stüle zu haben Welsch hebammenbuch (1671) 803; natürlichen stuhl haben: darumb, mein pawer, sag mir on, ob du auch hast natürlich stul! H. Sachs 9, 312, 27 Keller; diser ist einmal kranck gewesen, hat im ain doctor ein recept in die apotecken geschriben, hat er ain natürlichen stuohl gehabt und ain solchen dreck mit lawb und grasz geschissen Lindener katzipori 187 lit. ver. durch den (mit dem) stuhl auszgehen, gehen, abgehen: wo nicht, so bleibt sie (arznei) im magen und gehet durch den stul ausz Paracelsus opera (1616) 1, 220 Huser; bald sagen solche artzneyaffen, dasz diesem patienten die leber zersprungen und schon durch den stuhl gehe Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 971; so kann ein gallenblasenstein ... mit dem stuhle abgehen Sömmerring bau d. menschl. körpers 5, 144. schlieszlich für die [] excremente selbst gebraucht: darumb, wann sie (die menschen) ze stuol gegangen sint, so beschauwent sie iere stuol (kot) Stainhöwel Esop 57 lit. ver.; farend einmal gehn Franckfort in die mesz und besehend den stul bey den Moscovitern, ... so vergehet euch ewer sprichwort Paracelsus chirurg. bücher (1618) 265 Huser; darausz folgt nun, dasz jetzt solch stül auszgehnd, die sind bluttig ders. opera (1616) 1, 537 Huser; den stul besichtigen und mit einer gerten umbrüren excrementa considerare et virga versare Henisch (1616) 1522, 68; gewöhnlich werden jene niederschläge ausgeleert und man findet sie häufig in den stühlen Sömmerring bau d. menschl. körpers 8, 1, 343. 4@dd) oberteil des wagens, das meist zugleich als sitz dient, der 'wagenstuhl', vgl. teil 13, 475 u. kipfstuhl 5, 781: nach solchen worten ist er auff den wagen gestiegen und nach deme er sich gesatzet, hat der fuhrman den stul vermacht Barth weiberspiegel (1565) h 4b. 55) stuhl ist die bezeichnung einer reihe von kleineren sitzgeräten ohne rückenlehne, drei- oder vierbeinig, oft zusammenlegbar: tripedica stual ahd. gloss. 2, 261, 4 (11. jh.); tripoda dristichilstuol ahd. gloss. 3, 372, 5 (13. jh.); tripes tistiketstol (tristikelstol Steinmeyer) 3, 717, 8 (13. jh.); tripoda dristichil stul Diefenbach nov. gloss. 371b; tripes eyn dryevoisz stoel (voc. v. j. 1507) gloss. 597a; tripus stuhl mit drei füszen Aler 2, 1859a. häufig in den deutschen weistümern als dreibeinig(t)er, dreistaliger, dreispitziger, dreistempflicher stul, stul mit drin spitzen, der auf den grund und boden zur bestimmung der begüterung eines landeigentümers gestellt wurde, vgl. rechtsalterth.4 1, 112 f.; 135; 258; 538. sodann der zusammenklappbare feldstuhl, sella castrensis, s. teil 3, 1490, eigentlich faltstuhl, sella plicatilis, weil er zusammengefaltet werden kann, vgl. faltstuhl und falzstuhl, teil 3, 1302 u. 1304; derartige stühle scheinen gemeint zu sein, wo mangels näherer angaben doch aus der art der verwendung auf eine solche bedeutung geschlossen werden musz, so wenn dem geistlichen während des gottesdienstes ein sitz nachgetragen wurde: ministri cathedralitii diener, so auff ihre herren warten, wenn sie von der cantzel gehen oder ihnen die stüle nachtragen Corvinus (1660) 1259a; der abbas hat einen marschalk, der ... sol dem abbas nachtragen sinen stul ze den hochgeziten, wenne er mit cruce gat urkunde v. j. 1339 bei Schöpflin Alsatia diplom. 2, 164, vgl. rechtsalterth.4 1, 487; auch für laien, vgl. kirchstul sella plicatilis Stieler 2177; Kramer nd.-hochteutsch (1719) 2, 122b u. kirchenstuhl teil 5, 812: das also in der kirchen zwar ein weiblein hett sich allgemach hiendan gesetzt nach bei der thür, das sie den lufft hett für und für, auf eim dreybeinen stuol sie sasz Fischart flöhhatz 11 ndr.; auch als predigtstuhl bezeichnet, weil man ihn bei der predigt möglichst nahe an die kanzel heranrückte, um besser hören zu können: sella plicatilis predigstul, den man zusammennimbt nomenclat. lat. germ. (Hambg. 1634) 132; ein stuel, den man zusammenlegen kan, ein predgstuel Corvinus (1660) 1260; Kirsch (1732) 986a; noch mundartlich: predigtstool Schütze holstein. idiot. 4, 204. sodann sitzgeräte mit fester hölzerner sitzfläche, sogenannte schemel, mit drei oder vier beinen, die üblichen handwerkerstühle, schusterschemel u. s. w., vgl. H. Bergner hdb. d. bürgerl. kunstaltertümer 2, 414: (jedermann sollte weinen) wann ein handwercksmann von seinem stuol oder ackergepew zum krieg auffstund Seb. Franck chron. zeytbuoch (1531) 217a; ... gewisz sie sorgte schon, den schopf euch mit dreibeingem stuhl zu bürsten ... Shakespeare (1854) 5, 239; vgl. tripetia dreybeinigter schemel oder stuhl Kirsch cornucop. (1732) 1098b; am häufigsten wohl auf den hölzernen melkstuhl oder melkschemel angewendet, vgl. teil 6, 2000: der hirt sasz auf dreibeinigem stul und molk J. Grimm kleinere schr. 1, 138. — auf ein sitzgerät, wie es heute die pflasterer bei der setzarbeit gebrauchen, eine runde etwas ausgehöhlte holzscheibe auf einem kurzen stiel, geht vielleicht: der pflastermeister und sein gesellen, die pei ime [] auf den stullen arbeitten Endres Tucher baumeisterbuch 48, 11 Lexer; einem ieden (der gesellen), der auf dem stull arbeit (wird ein weniger leistungsfähiger knecht zugeteilt) ebda 50, 12; so in fester verbindung: von sant Gallen tag bisz auf sant Peterstag stullfeier (soll der stadtbaumeister als taglohn geben) zweintzig pfenning dem meister und einem gesellen auf dem stull sechtzehen pfenning ebda 48, 29; ... zwen pfenning einem meister und ein pfenning einem gesellen auf dem stull zu badgelt geben ebda 48, 34 u. ö. 66) in älterer zeit haftet dem begriff des stuhles nicht notwendig wie heute die tatsache des einsitzigen an, vgl. Heyne d. dtsche wohnungswesen 105, fig. 19; das ist auch lexikalisch deutlich durch die anwendung von stuhl im sinne von (speise-)sofa, ruhebett u. s. w., gewöhnlich als langstuhl bezeichnet Krünitz 177, 205; 238, vgl.stuhlbett; bes. im ahd. nachweisbar: triclinium hohsedal vel stuoal ahd. gloss. 1, 399, 6; triclinio stuole 1, 490, 38; in accubitu in stuole 1, 550, 1; recubitus stuola 1, 812, 56; fulchra (= fulcra) stuola 2, 470, 67, vgl. triclinium sitzstule voc. theuton. v. j. 1482 bei Diefenbach 595c. 77) eine bank mit oder ohne rückenlehne; bisellium, subsellium duorum capax ein stul, auff welchem zween sitzen mögen Calepinus undecim ling. (1598) 163b; subsellium ein stul darauff die zuhörer sitzen nomenclator lat. germ. (Hambg. 1634) 284, vgl. subcellium gestiel o. benck, dar uff man sitzt in einem spiel voc. v. j. 1516 bei Diefenbach 559a; in gewissen maa. noch gebräuchlich für bank, so bedeutet im schweizerischen stuehl eine leichtbewegliche kleine bank Friedli Bärndütsch 1, 310; im steirischen bauernhause nennt man vierfüszige bänke ohne lehne, die an den freien seiten des tisches in der rauchstube stehen stühle, vgl. wörter und sachen 1, 127; bisweilen auch als niedriger stuhl bezeichnet: niedriger stul subsellium Stieler 2177; nd. nederste stoil of sitten beneden den hoghen sitten subsellium v. d. Schueren Teuthon. 260b Clignett. 7@aa) weit verbreitet zur bezeichnung des gewöhnlichen feststehenden kirchenstuhles, der meistens eine bank aus holz ist, vgl. teil 5, 812, auch gestühl genannt, teil 4, 1, 4263; subsellia templorum die stüle in den kirchen Decimator thesaurus (1608) 530b; Corvinus (1660) 555, 1260; mundartl. stuehl kirchenbank Martin-L. elsäss. 2, 593a; štūəl sitz in der kirche Fischer schwäb. 5, 1907a; seit dem 14. jh. oft belegt: du solt dich selben negeln in den stuol voll us ze stenne, und sunderlich die messe in der minne, als Christus voll us stuont an dem krütze H. Seuse 1, 414, 1 Bihlmeyer; (a. 1403) item 6 m. den tischern, die die stule zu Ragnith in der kirchen haben gemacht Marienbg. treszlerbuch 273, 33 Joachim; er kniete ... under ainer metten in ainem stuel und rüefte gar aus innigem hertzen zu got U. Füetrer bayer. chron. 109 Spiller; er (pfarrer) seh den dieb fein sitzen dort, und weist mit fingern auff den orth und den stul, da er solte sitzen, die im stuel theten alle schwitzen L. Sandrub hist. u. poet. kurzweil 85 ndr.; ein jeder nam der eltesten hern einen bey sich und führten sie also durch die statt in unser lieben frauwen kirchen, in ihre stett und stüle, und zuvor hielt man ein messe H. Regkman lübeck. chron. (1619) 52; da sollt ihr ein flüstern hören, durch die stühl und auf den chören J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 109; die communicanten saszen in einer besonderen abtheilung der stühle, zwischen chor und durchgang, rechts die männer, links die frauen L. v. Ranke s. w. (1867) 3, 57; bisweilen auch durch ein gitter oder eine tür abgeschlossener kirchensitz für eine oder mehrere personen, vielfach für die kirchenältesten, vornehme kirchenbesucher oder frauen bestimmt, vgl. weiberstüle in der kirchen, subsellia ima, dicuntur nonnumquam gitterstüle, subsellia clathrata Stieler 2177: dieselbe witfrow het ein stuol in der kirchen sanct Martens Val. Schumann nachtbüchlein 265 Bolte; er zoge ein bund schlüssel aus dem schiebsack und versuchte [] so lange den stul (in der kirche) aufzuschlieszen Joh. Riemer polit. maulaffe (1679) 178; als die bewohner des herrenhauses die kirche betraten, ... eine schmale treppe ... führte zu dem herrschaftlichen stuhle hinauf Fontane ges. w. (1905) I 1, 43; an den kirchenstuhl schlieszen sich verbale wendungen an wie z. b. einen stuhl in der kirche haben: er sprach: so nimm der kürchen war und lerne da, nicht in der schuhl; sie sprach: ich hab da keinen stuhl G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 88, 9; vgl. Fischer schwäb. 5, 1907a; Krünitz 177, 199; vielleicht auch in einem stuhl stehen sich miteinander vertragen: der ist eyn narr, der buolen will und meynt doch halten masz und zil, dann das man wyszheit pfleg und buol mag gantz nit ston in eynem stuol S. Brant narrenschiff 16, 90 Zarncke. weiterhin ist stuhl ein sitz auf dem chore in der kirche Krünitz 177, 231; sellae die stül, das chorgestül Pomey ind. (1720) 192; dafür auch singerstuehl chorbänke in der kirche Martin-L. elsäss. 2, 593b. der chorstuhl der geistlichen in der kirche; exedra (absis) pristerstul Diefenbach 215c; exodia (exedra) en stol der prester ib. 217b; stuhl eines stiftsherrn im chore stalle Schrader 2, 1332c: er sach dasz der abt in seiner weiszen kuthen in seinem stuol im chor stand Knebel chron. v. Kaisheim 42, 15 lit. ver.; es waren da acht diakonen, welche ... erst sehr gleichgültig auf und abgingen, ... endlich gingen sie in die stühle Nicolai reise durch Deutschland (1783) 1, 298. 'beichtstuhl', vgl. confessarii tribunal beichtstuhl Pomey ind. (1720) 193: der priester hiesz sie mit im gon und satzte sich in dem stule hin, die künigin knüwete dafür hin und bychtet gantz usz hertzen grunde H. v. Bühel königstochter v. Fr. 4463 Merzdorf; och hett man gemacht by zwölff bichtstuolen zuo dem thuom ze Constentz, und was an jeglichem stuol geschriben, was sprachen der kond, der in dem stuol ze bicht sauss U. v. Richental chron. d. Constanzer conzils 61 lit. ver.; da die? sie (Gretchen) kam von ihrem pfaffen, der sprach sie aller sünden frei; ich schlich mich hart am stuhl vorbei, es ist ein gar unschuldig ding, das eben für nichts zur beichte ging Göthe 14, 129 W. 7@bb) in specieller anwendung auf eine querbank auf schiffen, bootsmannsbank, steuerbank: transtra stuola ahd. gloss. 1, 647, 62; transtrum stuol thueri (d. h. quer) 2, 706, 13; thuerstolon transtris alts. gloss. bei Wadstein 94, 16; transtrum schifstuol voc. optim. 22, 62 Wackernagel; stibulum, transtrum ruderpanck, schiffstul voc. theuton. v. j. 1482 bei Diefenbach 552b; amplustra, sedes nautae stewrstul aus ders. quelle ebda 31c; scheepmanns stoil amplustra v. d. Schueren Teuthonista 334b Verdam; stuhl bootmannsstuhl Hoyer-Kreuter techn. wb.5 1, 748b. — kurze bänke in den glashütten als sitz für die arbeiter Jacobsson technolog. wb. 4, 343b; Krünitz 177, 237. — schandbank, sitz für missetäter bei gericht, sellette Schrader (1784) 2, 1333a; vgl. auch stühlchen, stühllein; auch als sitz bei der hinrichtung dienend: (a. 1641) diese arme sünderin ... wie sie sich auf dem stull hat nidergesetzet, da ist meister Valtin, der hencker, umb sie herum wie ein katz umb einen heiszen bray (gegangen) meister Frz. Schmidt richten 12 Keller; nd. auf dem stuhle schmöken, vgl.schmauchen teil 9, 954: anno 1541 ... wurden alhier zu Magdburg ... (die brandstifter) C. B., J. J. und S. F. mit feur zu tode auf dreyen stylen geschmocket chron. d. dtschen st. 27, 116, 11. — fuszbank oder fuszschemel, scabellum, vgl. auch stühlein 3, sp. 350: denn du bist herbheltzt an der gerb (var. kerb) den zorn den wilt du bssen an meiner hauthast fürgebaut heltzt mich ein stul deinr fssen G. Forster frische teutsche liedlein 145 ndr.; [] die kleinen schmalen stühle oder fusztritte von holz, welche die Tahitier des nachts unter den kopf zu legen pflegen, sind auch hier bekannt J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 136. 88) in freierem gebrauch übertragen auf den packsattel als einen stuhlähnlichen gegenstand: sagma sella stual saum ahd. gloss. 1, 291, 73 (9. jh.); sagma stuol 1, 344, 18; stual 1, 354, 9; sagma filtrum vel stuol vel sǒm 3, 258, 46 (Heinr. summ.); 3, 307, 73; sagma stuol voc. v. j. 1500 bei Diefenbach nov. gloss. 324a; in der literatur und in späterer zeit anscheinend nicht belegt. 99) aus der bedeutung von stuhl als sitzgerät im weitesten sinne hat sich eine allgemeinere bedeutung 'sitz, ort, platz, stätte' entwickelt; vergleichbar ist der oben unter 1 a γ behandelte gebrauch von stuhl 'thronus' als 'residenz, diöcese': situs stul (15. jh.) Diefenbach gloss. 539b. anfänge dieses gebrauchs zeigen sich schon im mhd.; hier und da spielt dabei noch eine mehr oder weniger gegenständliche, bildhaft gebrauchte vorstellung oder auch stilistische umschreibung eine rolle: nit anders wann ein tumbez swin, daz schœniu pluemen lazzet sin und in des bœsen horwez pfuol suochet siner ruowe stuol Laszberg liedersaal 3, 48, 872 (vulg. sus lota in volutabro luti Petr. 2, 2, 22); diese statt (Erfurt) ist auch ein gewönlicher stuol der Thüring gewest (Thuringorumque celeberrima sedes fuit) G. Alt Schedels buch der chron. (1493) 155b; nun seyn wir in Grecia, in der mechting stadt Athena, welche stadt ist der weisheit stuel, da die philosophi ir schul halten ... Hans Sachs 13, 580 lit. ver. häufig als stuhl im himmel (im eigentlichen sinne biblisch, vgl. apok. 4, 2), in der hölle: nu wart der heidenschaft bekant, daz kæmen die getouften, die stuol ze himel kouften Wolfram von Eschenbach Willehalm 16, 24; ich wollte diesen plaz nicht um einen stul im himmel tauschen Göthe 39, 151 W.; kind, was soll dein vater haben? kind, sage dus mir! 'einen stuhl in dem himmel' A. v. Arnim w. 21, 93 Grimm; ebenso: diu bœse rede gît zaller zît ... gît einen stuol in der helle grunt Thomas v. Zirclaria welsch. gast 7196 Rückert; sie (seele) mag noch nit uff erd bestan, sie musz ye suochen iren stuol by Lucifer in hellen pfuol Seb. Brant narrenschiff 89, 107 Zarncke; der teufel selbst wird sein sein mitgeselle, das hellsche feur wird sein an goldes stelle, ein greulich loch und schwefelichter pfuhl wird sein sein stuhl G. Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 41; kind, was soll deine mutter haben? kind, sage dus mir! 'einen stuhl in der hölle' A. v. Arnim w. 21, 93 Grimm; redensartlich: sich einen stuhl im himmel verdienen: wann sie die wildbahne, die fischereyen und andere gute intraden (einkünfte) zu sich gezogen haben, haben sie vermeynt, damit werden sie einen stul im himmel ... verdienen Prätorius abentheuerl. glückstopf (1669) 155; einen stul im himmel wodurch verdienen meritare una sedia cioè un grado di gloria nel paradiso Kramer 2 (1702) 1023b; auch mundartl.: hä heet sek en stohl em hemmel verdennt Leithäuser Barmer ma. 151b. ohne erinnerung an den eigentlichen gebrauch schlieszlich völlig synonym mit platz, stätte, ort, bes. bei abstracten, gelegentlich auch hinüber spielend in die bedeutung einer abstract gefaszten 'grundlage', 'unterlage': (die scham ist) ain stuol der tugend St. Georgener prediger 101, 22 Rieder; die prust ist ein [] grundtnus und ein stuel, darinn das leben ist problemata Aristotelis (1492) 10a; dann gleicherweis als der stul des feurs nynndert ist denn in den feuern, der wasser nyndert denn in den wassern und der gayst nyndert denn in dem gayst also auch der stul der erden nynndert anderst wo denn in ir selbs G. Alt Schedels buch d. chron. (1493) 12a, vgl. Seb. Franck chron. zeytbuoch (1531) 11a; (die) menschliche sele, die got gibt und iren stuoel im hertzen hat Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 187 Reithmeier; so seind wir pfaffen alle miessigenger, uber alle laster, deren müssigkeit ein urhab und stuol ist Eberlin v. Günzburg sämtliche schriften 2, 65 ndr.; wir brauchen aber das wort hertz, wie es die heilige schrifft brauchet, nicht alleine für das glied menschliches leibes, so da ist ein stuel und brunn desz lebens J. Rhodius neidteuffel im theatr. diabol. (1588) 2, 81c; also seindt sie vier element auch geordnet, das eins ligt, das ander fleugt, eins also, das ander also, und haben nicht ein stul oder ort Paracelsus opera (1616) 2, 26c Huser; die hoffart hat iren stuol in der lungen Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 12a; das bluot ... ist ain sitz oder stul der sele cod. med. v. j. 1472 bei Fischer schwäb. 5, 1907a; darauff so merckend nun, vom sitz und stul der seel, nemblich dasz sie im hertzen sitzt mitten im menschen Paracelsus opera (1616) 2, 434 Huser. 1010) in technischer und berufssprachlicher verwendung. 10@aa) stuhl als bezeichnung für verschiedenartige gegenstände, denen aber das gemeinsam ist, dasz auf ihnen etwas ruht und sie daher als sitz eines darüber gelagerten oder darauf gesetzten anderen gegenstandes aufgefaszt werden; so die untergestelle oder untersätze mit kreuzweise zusammengefügten füszen der verkaufsbänke auf marktplätzen, sogenannte schragen: sollen den (branntwein) allein denen geben, die solchen prantwein nach geschribner massen, nach pfenwerd und hallerwerdt auf den schrägen oder stuolen fail haben bair. landtsordnung (1553) 96b; mundartl. stuhl verkaufsbank am marktplatze Unger-Khull steir. 587a. der untere teil einer orgel, worauf das haupt- und brustwerck steht Hübner cur. lex.5 (1727) 1854; Zedler lex. univ. 40, 1270, einer telegraphenstange auf den dächern der häuser Blatschke wb. d. elektrotechn. 1, 121; ein fusz, worauf der schiffsmast gesetzt wird, wenn er zu kurz ist Röding (1793) 2, 752; Bobrik 675a; das fortlaufende postament unter einer säulenstellung, stylobates, podium Mothes baulex. 4, 287, vgl.säulenstuhl; auch die säule selbst Adelung (1780) 4, 850; Krünitz 171, 198; besonders ein hölzerner träger, ein senkrecht stehendes stück zimmerholz in einem gebäude Adelung a. a. o.; Mothes baulex. 4, 273; 287; hölzerne grundmauer eines turmes: (a. 1481) in disem jar wolt der neu thuren (turm) ... umfallen, dan die maur wasz zu ring. also gab der zimermaister ... ain rath, man solt von grund auf ain hilzin stock oder stuol darunder ziechen und dasz tagwergk darauf setzen Knebel chron. von Kaisheim 335, 1 lit. ver.; die steinerne untere haupt- oder grundmauer eines hauses: die häuser sollen steinerne stühle oder vierungen (also untere hauptmauern) haben Bayreuth. stadtordnung bei Schmeller-Fr. 2, 752; das hölzerne räderlose gestell an einem geschütz, die laffete J. G. Hoyer allg. wb. d. artillerie (1804) 2, 2, 201; dafür auch studel, s. teil 10, 4, 258, 2: lade die büchsz ... mach ein stuel, der sich hoch oder nider lasz treiben, und leg die stang darauff L. Fronsperger kriegsbuch (1573) 2, 217; den höltzern stullen oder laffneten Chr. Fr. v. Geiszler artillerie (1718) 72; ein gestell unter der zerkleinerungsmaschine in den walzenmühlen, auch schrotstuhl, walzenstuhl genannt, Karmarsch-Heeren2 2, 706, vgl.mühlstuhl bei Th. Haym teutsches jur. lex. (1738) 699. besonders aber das gestell aus holz, das dach eines hauses zu tragen, der dachstuhl, s. teil 2, 668; Wachter (1737) 1637; Mothes baulex. 4, 287: nach solchem machen sie sich an das tach ... und setzen desselbigen stul auf seine mauren Agyrtas grillenvertreiber (1670) 28; bisweilen ist in niedersächsischen gegenden jedoch auch das ganze holzwerk eines hauses bis unter das dach als stuhl bezeichnet Strodtmann idiot. Osnabr. (1755) 231; das haus brennt 'bis auf den stuhl' ab, [] wenn nur das dach abbrennt Krünitz 177, 199. ferner das die kirchenglocken tragende hölzerne gerüst, der glockenstuhl Wachter (1737) 1638: ward die grosz glock zu s. Laurentzen gegossen, ist lange zeit auff dem kirchhof gehanget, biss der stuol in den thurn gemachet ward Stumpf Schweizerchron. (1606) 386b; das kind es denkt: die glocke hängt da droben auf dem stuhle Göthe 1, 204, 10 W.; ... und währt es nicht lange, so hing sie (die glocke) läutend mit macht im stuhl ... Mörike ges. schr. 1, 256 Göschen. 10@bb) aufgestellte maschinen oder teile derselben, die etwas halten, so besonders das gestell des webers, der weber- oder webstuhl, s. teil 13, 2671 u. 1274; Prechtl 20, 240: wan die weber kunnen wol ze tal under die stüele (hs. H. stüedel) lassen hangen einen grossen strangen garnes, das niht zuo dem tuoche kunt Konr. v. Ammenhausen schachbuch v. 11487 Vetter; (a. 1421) nota von der lynenwobere, deckelechere und barchenmechere wegen ... daz dann iglich meistere under in mogen haben vier getzauwe und stule, doch daz man je zur zijt nit me dann uff drin stulen weben Frankfurter zunfturk. 1, 293 u. ö.; licia sunt fila, quibus in telis textrices implicant stamina das wäbergeschirr, gerüst dardurch der zettel auff dem stul gezogen wirdt Calepinus undec. (1598) 820b; unter andern waren bey diesen bürgern vorhanden: 85 stühle zum tuchmachen ..., 5 stühle zum raschmachen Fr. Nicolai beschreib. einer reise d. Deutschland (1783) 1, 25; der faden eilet von dem rocken des webers raschem stuhle zu Göthe 2, 147, 171 W.; zünftiger meister seines gewerbes war er in jüngeren tagen geworden, hatte aber mit dem ersten stuhle, auf dem er für eigene rechnung musselin zu weben begann, unglück Gutzkow ges. w. (1872) 1, 56; am tage da liegt a iberm stuhle (in der fabrik) G. Hauptmann weber (1892) 15; hier is uf de fabrike abgesehen. de mechanschen stihle, die wolln se doch aus d'r welt schaffen ib. 108; bildlich: nachdem e. e. w. ... mich under andern priestern, so hie verpfrundt und auserhalb der stat sind, ouch berueft hat, uns furgehalten, die religion, so e. e. w. kurtzlich angenommen, ouch zu gebrauchen und zu ieben etc. oder unser pfrunden zu verlassen, ursach das dieselbigen unser pfrunden wir versehen haben, — wie wir dann wol wissendt — und auf zwaien stuelen gewürckt haben (d. h. zwei pfründen an verschiedenen orten gehabt haben) urk. a. d. j. 1546 bei K. O. Müller aktenst. z. gesch. d. reform. in Ravensberg 56. — so auch für das gestell des strumpfwirkers, der strumpfwirkerstuhl Jacobsson 7, 481b; Adelung (1780) 4, 851: aber übersetzungen sind ja keine leinwand, keine strümpfe, dasz sie auf einem stuhle gewebt werden könnten Chr. Fr. Nicolai leben des S. Nothanker (1773) 1, 98; strumpfwirker liegen an hundert stühlen still Göthe III 1, 82 W.; desgleichen des bortenwirkers oder posamentiers Schwan (1783) 2, 740b. bei der eisenbahn eine stütze für die zwischenschwellen, der schienenstuhl, unterstützungsstuhl, bei maschinen soviel wie lager, träger, der lagerstuhl Mothes baulex. 4, 287a: zwischen schienen und tragstein oder schwelle noch einen dritten körper, einen stuhl (chair) von gegossenem eisen anzubringen Karmarsch-Heeren2 1, 620. teil der radwelle eines dampfschiffes Hoyer-Kreuter5 1, 438a: die drei wellentheile ruhen auf sogenannten stühlen, d. h. säulengestellen von guszeisen, welche zum festen gerüst der maschine gehören Bobrik 191a. 10@cc) sonstige verschiedenartige technische einrichtungen; so der hölzerne stab am topp der bramstengen, in dem das flügelspill, das aus einer eisernen stange besteht, steht, der flügelstuhl Röding 2, 752; Kluge seemannssprache 275; anders der bramstengenstuhl Röding 2, 751; Kluge seemannsspr. 796; vgl. auch stühlchen 3 b, sp. 348. — in der bergmannssprache: [] 'der krumme teil am grubenlicht, darinnen oben der wirbel des hackens gehet, unten daran aber das eigentliche grubenlicht, als eine lampe befestiget ist' bergm. wb. (1778) 540. — der teil des gewehrschlosses, worin der zapfen der nusz seine unterstützung findet, der nuszdeckel, dafür auch studel, s. teil 10, 4, 258 nr. 4, Winckell hdb. für jäger (1865) 3, 355. im älternhd. von einem teil der armbrust: eym bricht der bogen, senw und nusz, der duot am anschlag manchen schlypf, dem ist verruckt stuol oder schyppf, dem loszt das armbrust, so ers rürt Seb. Brant narrenschiff 73, 15 Zarncke; im stechen verlor ers (Wilhelm Tell) nimmer, es wer dan die senn zerstochen ... oder der stul wer verritscht Fischart Garg. 283 ndr.die unterlage der ablaszröhren beim salzbergbau, der ablaszstuhl Scheuchenstuel 3: zu des stollens mundtloch wird erstmalen ein stul gesteckt und auch zu dem schacht, der erst gesuncken ist, ... ein stul aber wird ausz dreyen stämpfeln gemacht, die in die erd gesteckt seind, und ausz eim viereckichten brett Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 102. eine winde im bergwerk, die haspel, die als ober- und unterstuhl bezeichnet wird Mothes baulex. 4, 287: jedoch weil eine haspel etwas höher gebauet als die andere, und also an den obersten stul oder haspel die sole tieffer heraus gewunden werden musz, so theilen sich die haspelleute Hondorff saltzwerk zu Halle (1670) 34. 10@dd) bei schichtweise übereinander gelagerten gegenständen oder massen wird die untere schicht, die die unterlage einer oberen bildet, als stuhl betrachtet und bezeichnet; so macht in den schmelzhütten das erz, wenn sich im schmelzen ein erz auf das andere setzt, einen stuhl Adelung (1780) 4, 850; Jacobsson 7, 491a; vgl. auch nasenstuhl, teil 7, 416. ferner garben, die in der mitte des kreuzschabers zu liegen kommen Unger-Khull steir. 587a: die garben werden dann zum austrocknen auf dem felde in sogenannte kreutzschober, welche die form eines kreutzes haben, dergestalt zusammengesetzt, dasz auf jeder der vier seiten fünf garben aufeinander liegen, und in der mitte unten eine garbe den sogenannten stuhl, und oben eine den hut bildet verhandl. u. aufsätze d. k. k. landwirtschaftsgesellschaft in Steyermark (1822) 10, 13. — etwas anders anatomisch, die stufenförmig gefurchten, gewulsteten gaumenfalten beim pferde, auch staffel (s. d.) genannt, im 16. jh. in der verbalverbindung den stuhl stechen (vgl. die staffel stechen) zur ader lassen, s. u. das subst. stuhlstechen: wann aber ein pferd gar wenig truncke und auch nit voll oder faist sonder abkommen were, soll man ihm den mund mit wein und saltz oder mit essig und saltz waschen. wann es nit helffen wolt, mag man ihme czu maul lassen oder den stuol stechen Hörwart von Hohenburg kunst der reiterei (1581) 21b; offt im tag reyben sie inen (den rossen) gleichfalls das maul, zungen und die stüel mit essig und saltz, damit sie lustig bleiben zum essen Seuter roszarznei (1588) 92. 10@ee) sonstige fachsprachliche anwendungen. im salzwerk zu Halle die einteilung der salzbrunnen Hübner cur. lex. (1727) 1854; Mothes baulex. 4, 287; literarisch schon in den bergwerksbüchern des 16. u. 17. jh. belegt: in diesem born (zu Halle) ist das höchste und meiste gut ein stuel, das ist acht und viertzig pfannen, darüber darff keiner haben Mathesius Sarepta (1578) 125b; der deutsche brunnen wird in zwey und dreiszig stüle abgetheilt. ein stul hat vier quart oder viertel, und ein quart zwölff pfannen Hondorff saltzwerk zu Halle (1670) 4. — das flugbrett der bienen am bienenstock: so viele als neben den stuhl herabfallen, wenn es finster wird, bleiben ... die gantze nacht hausen liegen Joh. Gedde vollkom. bienenmeister (1727) 15; wenn ihr sehet die wespen die toden bienen verlassen, dasz sie solche nicht mehr fressen vor dem stul und sich in die stöcke hineinwagen ib. 63. — in der naturkunde der fruchtboden oder fleischige teil des kopfes der artischocke, vgl. das comp. artischockenstuhl hannöv. kochbuch (1808) 46; Jacobsson 7, 491a; Oken allg. naturgesch. 3, 735; auch [] niederl. stoel der artisjokken Sicherer-Akveld 1, 1056a: als nun der gute domine priester ihnen nachgefolget mit dem ablesen der blätter (der artischocken), ist man endlich auff das underste, welches der stuel genandt wirdt, kommen gepflückte fincken (1665) 148; ähnlich das unterste ende einer blumenzwiebel Schrader 2, 1333a; mundartl. der krautartige stamm einer einzelnen noch stehenden kartoffelpflanze, comp. hess. erpelsstoul; auch der zwergbohnen und anderer gewächse Schmidt westerwäld. idiot. 241; Kehrein Hessen-Nassau 1, 398; vgl. niederl. stoel van aardappeln v. Dale 2, 1717a. — weiterhin ein auf zinsen ausstehendes kapital, auch hauptstuhl, s. teil 4, 2, 634, genannt, vgl. stuhldieb, stuhljunker, stuhlräuber 1, heute veraltet Zedler 40, 1270; Haltaus (1758) 1760; Adelung (1780) 4, 850b; Campe 4, 728a. — im älternhd. auch fachausdruck in der notationslehre in der musik: die herlichen toni, als 1. 3. 5. 7. haben gewalt und macht uber ihre stüle ein viii. zu zeitten eine x. und unter sich nur eine 2. wie folget M. Agricola musica choralis deudsch (1533) d 4a.
90678 Zeichen · 1916 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stuhl

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Stuhl , des -es, plur. die Stühle, Diminut. das Stühlchen, ein noch in verschiedenen Bedeutungen übliches Wort. 1. E…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stuhl

    Goethe-Wörterbuch

    Stuhl [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stuhl

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Stuhl , allbekanntes Hausgeräthe; figürlich wurde es früh in ähnlichem Sinne gebraucht wie heute das Wort Bank und bezei…

  4. modern
    Dialekt
    Stuhlm.

    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    ElsWB PfWB RhWB Stuhl [štûl fast allg.; štoul D. Si. — Pl. štîl, štéïl; Demin. štîlχə, štéïltχən Si. , šdìlələ, štíjəl, …

  5. Sprichwörter
    Stuhl

    Wander (Sprichwörter)

    Stuhl 1. Auf einem morschen Stuhl ist gefährlich sitzen. Dän. : Naar stolen raver bliver der ei længe sæde af. ( Bohn I,…

  6. Spezial
    Stuhl

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stuhl m. (-[e]s, Stühle) 1 (Sitzmöbel) scagn (-s) m. 2 ‹fisiol› (Stuhlgang) jí de corp m. 3 ‹fisiol› escremënc m.pl. ▬ e…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stuhl

652 Bildungen · 226 Erstglied · 426 Zweitglied · 0 Ableitungen

stuhl‑ als Erstglied (30 von 226)

Stuhlbein

SHW

Stuhl-bein Band 5, Spalte 1597-1598

Stuhlfuß

SHW

Stuhl-fuß Band 5, Spalte 1597-1598

Stuhlgang

SHW

Stuhl-gang Band 5, Spalte 1597-1598

Stuhllehne

SHW

Stuhl-lehne Band 5, Spalte 1597-1598

Stuhlmorgen

SHW

Stuhl-morgen Band 5, Spalte 1597-1598

Stuhlsitz

SHW

Stuhl-sitz Band 5, Spalte 1597-1598

Stuhlwagen

SHW

Stuhl-wagen Band 5, Spalte 1597-1598

stuhlarbeit

DWB

stuhl·arbeit

stuhlarbeit , f. , 1) die arbeit am webstuhl: strumpfwürker, die ein hohes alter erreichen, haben entweder nächst ihrem handwerk ihre zeit m…

stuhlassessor

DWB

stuhl·assessor

-assessor , m. , assessor beim gubernium der Szeklerstühle in Siebenbürgen, s. DWB stuhl 1 b γ : ( a. 1822) welches ( gubernium ) eine unter…

Stuhlaufsetzer

Campe

stuhl·aufsetzer

Der Stuhlaufsetzer , — s, Mz . gl. derjenige, der die Kunst verstehet, den sehr künstlich zusammengesetzten Stuhl der Strumpfwirker anzugebe…

stuhlbachant

DWB

stuhl·bachant

-bachant , m. , angehender student, vgl. DWB bachant teil 1, 1060: lächerliche und seltzame händel der metaphoren lassen sich bei den alten …

stuhlbalken

DWB

stuhl·balken

-balken , m. , der kehlbalken des dachstuhls Mothes baulex. 287 a ; ein balken am seidenweberstuhl Hoyer-Kreuter 1, 748 . ein gestänge im gö…

stuhlbank

DWB

stuhl·bank

-bank , f. , wohl im sinne ' gerichtsbank ' ( vgl. DWB stuhl 1 b γ ): zum sechsten wiset man dies gericht zu halten uf zweien kamergütern, d…

stuhlbarsch

DWB

stuhl·barsch

-barsch , m. , perca cernua, kaulbarsch Nemnich wb. d. naturgesch. 582 , auch in der form stuhlbörs Heinsius 4, 904 a . —

stuhlbaum

DWB

stuhl·baum

-baum , m. , hauptbaum für den dachstuhl Unger-Khull steir. 587 b .

stuhlbein

DWB

stuhl·bein

stuhlbein , n. , 1) bein, standholz unter dem sitz eines stuhles Mothes baulex. 4, 29 ; wann ein viech ... ein bein gebrochen, bald haben si…

stuhlbekleidung

DWB

stuhl·bekleidung

-bekleidung , f. , die hölzernen wände eines kirchenstuhles: noch wurden einige unter dem thurn ... stehende personen, insonderheit aber ein…

Stuhlbeschlag

Campe

stuhl·beschlag

Der Stuhlbeschlag , — es, Mz. — beschläge , der Beschlag eines Stuhles, oder dasjenige, womit ein Stuhl beschlagen wird.

stuhlbeschlieszerin

DWB

stuhl·beschlieszerin

-beschlieszerin , f. , frau, die die kirchenstühle verschlieszt, s. DWB stuhl 7: eine alte stuhlbeschlieszerinn ... greift ... nach einem pa…

Stuhlbesitzer

DRW

stuhl·besitzer

Stuhlbesitzer, m. Amtsinhaber; insb. vom Papstamt vgl. Stuhl (II 2) die zwen Pii, viert und fünft, sampt irem heutigen stulbesitzer Gregorio…

stuhlbesteigung

DWB

stuhl·besteigung

-besteigung , f. , antritt der ( päpstlichen ) regierung: papstwahl, conclave, stuhlbesteigung, krönung ... des papstes allgemeine deutsche …

stuhlbett

DWB

stuhl·bett

-bett , n. , eine art liegesofa oder chaiselongue, s. DWB stuhl 6: die mönche zu Monte Cassino thun platterdings weiter nichts als fressen u…

stuhlbezirk

DWB

stuhl·bezirk

-bezirk , m. , zu stuhl 1 b γ : jeder ergänzungsbezirk ist in stellungsbezirke geteilt, die ... mit den politischen bezirken (stuhlbezirken)…

Stuhlbiese

RhWB

stuhl·biese

Stuhl-biese -bīsə Geld ; -bestə MGladb-Pesch Pl.: Binse, Scirpus lacustris; aus ihnen flocht man Stuhlsitze.

stuhlbinder

DWB

stuhl·binder

-binder , m. , ein stuhlflechter oder stuhlflicker, a chairman Chr. Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1912 ; vgl. groning. stoulbiener, hambg…

Stuhlblume

RhWB

stuhl·blume

Stuhl-blume -ō:ləbl:mχən Altk-Steckenb n.: Massliebchen, Bellis perennis.

stuhl als Zweitglied (30 von 426)

Richterstuhl

RDWB1

Richterstuhl m судейское кресло

Abbestuhl

RhWBN

abbe·stuhl

Abbe-stuhl abašdōl NW- u. SSiegld m.: 1. Grossvaterstuhl. — 2. -šdēlχə, –-, ein Kindersp., wobei zwei Kinder ein drittes auf verschränkten …

ABTSTUHL

DWB2

abt·stuhl

DWB2 ABTSTUHL m. DWB2 ( amts ) sitz eines abts: DWB2 1644 jeder mönch begert des abtstuls vnnd stabs Weidner apophthegmata 3,162. ⟨1874⟩ den…

Amtsstuhl

DRW

amts·stuhl

Amtsstuhl Kirchenstuhl eines Beamten 1687 CöllnKons. 481 die amts- und rathsstühle werden nicht auf die personen, sondern auf das amt gerich…

Backenstuhl

Adelung

backen·stuhl

Der Backenstuhl , des -es, plur. die -stühle, ein Stuhl mit Backenlehnen.

Bandstuhl

Adelung

band·stuhl

Der Bandstuhl , des -es, plur. die -stühle, ein Weberstuhl, auf welchem Bänder gewirket werden.

Bauchstuhl

PfWB

bauch·stuhl

Bauch-stuhl m. : ' Stuhl für den Waschzuber ', Bauchstuhl [ PS-Geisbg ]. a. 1793: Bauchstuhl [RO-O'hs (Inventarium d. Johann Krebs)]. BadWB …

Beichtstuhl

Adelung

beicht·stuhl

Der Beichtstuhl , des -es, plur. die -stühle, der abgesonderte Ort in der Kirche, in welchem der Geistliche Beicht sitzet.

Bêrgschöppenstuhl

Adelung

berg·schoeppenstuhl

Der Bêrgschöppenstuhl , des -es, plur. die -stühle, ein Schöppenstuhl oder Gericht in Bergsachen; dergleichen sich z. B. zu Freyberg befinde…

Bèthstuhl

Adelung

beth·stuhl

Der Bèthstuhl , des -es, plur. die -stühle, ein Stuhl, in welchem man knien und sein Gebeth verrichten kann.

betstuhl

DWB

bet·stuhl

betstuhl , m. wie kirchenstuhl: als sie ir gebet in der kirchen verbracht hett, füret sie die spitälerin zu einem betstul. buch der liebe 41…

Bilderstuhl

Adelung

bilder·stuhl

Der Bilderstuhl , oder Bildstuhl, des -es, plur. die -stühle, in der Baukunst, ein steinerner Würfel, der oben und unten mit Gesimsen verzie…

blutstuhl

DWB

blut·stuhl

blutstuhl , m. armesünderstuhl. zum blutstuhl bin ich schon entrückt. Göthe 12, 246 .

Borhrstuhl

Campe

Der Borhrstuhl , des — es, Mz. die — stühle, ein Gestell, auf welches Baumstämme, die zu Röhren gebohrt werden sollen, befestiget werden.

Braggenstuhl

RhWB

bragge·n·stuhl

Braggen-stuhl Grevbr-Belmen m.: das hölzerne Gefüge, auf die Karrenbäume der Schiebkarre gefügt, zwischen denen die Seitenwände der Br. ange…

Britstuhl

LothWB

brit·stuhl

Brit-stuhl [britšto u l Gelm.; brautštul Zeir. Si. ] m. Brautstuhl d. h. die Zeit zwischen der Verlobung u. der Heirat: se sen em B. sie sin…