zerknirschen,
verb. ,
aus -knirsen,
das landschaftlich -knersen
lautet und mit -knorsen
und -knursen
ablautet; vgl. die angaben zu knirschen (
th. 5, 1441), knorsen (1492)
und knursen (1525);
das nebeneinander der lautformen bei demselben schriftsteller gestattet oft nicht die scheidung: ain zerknrsts und zerschlagenes hertz J. Nas
antipap. 2, 232
a: er hab ... der schlangen den kopf zerknirst 5, 232
b; zurknurschet (
ps. 51, 10) Luther 1, 190
W.; zurknurszen 10, 3, 360
W.: zurknyrszen 8, 22
W.; zerknirschet 28, 408
W.; -o-
ist bes. dem nd., md. und alem. eigen, vgl.: thoknorset
Luk. 20, 18
Halberst. bib.; vgl. chnorschen
schweiz. id. 3, 759. 11)
mit knirschendem geräusch zermalmen, zerquetschen, zerdrücken, zertreten; a)
sinnlich faszbar und anschaulich von den zähnen und dem vogelschnabel: alle speisen soll man ... durch die zAehne klein und wol z. v. Hohberg
georg. 1, 175; 3, 370
a; ein vogel, welcher harte kOerner und beeren z. musz
Noel Chomel 4, 1383;
freier: die durch den zahn der zeit zerknirschten trümmer des kaiserpallastes H. v. Kleist 5, 75
Schm.; Marperger
küchendict. (1716) 1338
a nennt die vier menschlichen vorderzähne zerknirscher; b)
mit steinen, mörser u. ä. geräth: fraces ... das fleischichte an den zerknirschten oliven Zehner 201; so aber zuvor (
das gewürz) entweder im mOersel gestoszen oder auf einer gewrtzmhlen soll gemahlen oder sonsten zerknirscht und gerieben werden v. Hohberg
georg. cur. 3, 51
b;
schweiz. id. 3, 759;
vgl. noch: und will ein zerknirscht rohr nit zerbrechen Paracelsus
op. (1616) 2, 92
a H.; deren (
der schiffe) ... viel zerknirschet und zerbrochen Xylander
Plutarch 248
a;
ganz vereinzelt nur von einem sprung in einem gefäsz: klufft wird genennet, wo sich das gestein wie ein schrick an einem zerknirschten gefAesze, wodurch das wasser rinnen kan, von einander theilet Chr. Herttwig
bergbuch 238
b;
auffällig auch '
den weg zertreten': Wolhaupt, weist du viel hirsch, dasz man sie jag und pirsch, dasz den leuten nicht schaden than, ihnen den weg zerknirsch? Ayrer
dram. 5, 3067
K.; c)
ebenso auch lebende geschöpfe, wie schalen- oder kerbthiere u. a., z. b. käsewürmer: Fischart
Garg. 80
ndr.; ameisen: J. Walther
pferde- u. viehzucht 40;
muscheln: Göthe II 1, 254
W.; durch den zermalmenden bisz: Bürger 160
Bohtz; Brehm
thierleb. 2, 365
P.-L.; durch zertreten: Luther 11, 376
W.; häufig in der freien wiedergabe der bibelstelle 1. Mose 3, 15: der same des weibs sol der schlange den kopf zerknirsen Jac. Gretter
ep. an d. Röm. (1566) 784; Conr. Freundt
bei Fischer-T.
ev. kirchenl. 1, 47;
u. a.; die übersetzung der erst. bib. s. unter zerknitschen 1
a; Luther
überträgt mit zertreten;
vgl. auch zerknicken 1
a; durch schweren schlag, wurf u. a.: gott wirt das heubt seyner feynd zurknyrssen (1521,
ps. 68, 22,
später zurschmeiszen) Luther 8, 22
W.; 28, 408
W.; (
menschen) mit zerknirschten armen und beinen O. Dapper
America (1673) 101
b; J. H. Vosz
Od. 316
B.; Unger-Kh. 648
b;
abgeschwächt (
zer)
quetschen, bedrücken: die gebeine, die des sündlichen gewissens halben gleich müde und zerknirschet werden, die frewen sich und werden erquicket Luther 18, 503
W.; Jung-Stilling
s. schr. 1, 131; Schiller-L. 4, 567
a; Lexer 3, 1071; H. Fischer 6, 113; '
zermalmen, zerschmettern': so ich dy menschen ... betriege, so zurschlage und zurknirsch mich gott Hutten
op. 2, 193
B.; zuknyrsen (
bis 1525,
später zuschmeiszen)
offenb. 2, 27; 22)
aus der religiösen sphäre verbreitet sich a)
der ausdruck ein zerknirschtes herz '
ein von reue gebrochenes und niedergedrücktes herz'
und führt zur anwendung von z. b)
auf seelische stimmungen; ausgangsstelle für a ist ps. 51, 19 (
citiert unt. zerbrechen IV 1
b),
wo anstatt des älteren obd. und lutherschen ausdrucks zerbrochen
sich später zerknirscht
durchsetzt, vgl. z. b.: das opfer gottes ist ein zerknirster geist Äg. Albertinus
zeitkürz. 197
b (199
b); ein furchtsam, blödes, vorzagts, zurknyrsset gewissen Luther 10, 1, 1, 456
W.; gott siehet ein zerknirschtes und shnendes hertz an Jac. Böhme
schr. 6, 184;
sehr beliebt bis in die gegenwart: Grimmelshausen
Simpl. 561
ndr.; mit diesen leiden einer seele, die zerknirscht, aber nicht ausgelöscht wird Göthe 41, 2, 192
W.; 8, 286
W.; vgl. noch: der volksprediger vermochte die menge aufzuregen, zu z. und zu begeistern G. Freytag
ges. w. 17, 467;
lex.: ein zerknirschtes herz
cor contritum, compunctum Stieler 993; Adelung
2 4, 1688; Campe 5, 844; b) ich bin ... so zerknirscht und niedergeschlagen Rabener
s. w. 5, 181; wie tief erniedrigt, wie zerknirscht es mich! Göthe 9, 425
W.; Hebbel 11, 299
W.; mit zerknirschter miene Melch. Meyr
erz. aus d. Ries 2, 141. —