zauberer,
m. ,
jemand, der mit der hülfe übernatürlicher geister wunderbare, geheimniszvolle dinge zu vollbringen im stande ist; seit dem beginn der deutschen schriftlichen überlieferung als zauparari (Graff 5, 581),
d. h. nomen agentis zum subst. zaupar,
im gebrauch und in der mhd. dichtung völlig durchgedrungen (
vgl. bî einem zouberære Gêrbrehte Walther v.
d. Vogelw. 33, 22
L.),
behält das wort im schweizerischen alemannisch das mhd. ou
besonders lange (
noch 1570
in Tschudis
chron. Helv. 1, 302).
umlaut erschien früher auf dem unter zauberei
bezeichneten gebiet. nicht selten findet kürzung zu zaubrer
sowohl in der gesprochenen sprache wie namentlich auch in versen statt (
schon ahd. zauprari
in den Keronischen glossen);
seltener begegnet im plural die dativform zaubern: denn den halt ich eigentlich für einen magum oder zAeuberer, der entweder vom teuffel selbst oder aber andern zAeubern ... die schOene kunst ergriffen J. Füglin
J. Wier de praest. daem. (1575) 182. 184; (
er will) des krieges ausgang erst von verwägnen zaubern hören v. Schönaich
Heinr. d. Vogl. 94;
mnd. plur. touers 1473 Schiller-Lübben
mnd. wb. 4, 599
b,
auch sgl. touer Korner (
Wiener hs.) ebda 600
a,
wozu bereits touferis
incantantis altnfrk. ps. 57, 6
stimmt; im westlichen Niederdeutschland, übereinstimmend mit dem nld., sonst die formen tovener,
pl. -s;
schweiz. und mfrk. -f- (zouferer Mone
schausp. 2, 242),
im schweiz. noch jetzt, vgl. E. Wipf
mda. v. Visperterminen (1910) 198
b.
nd. daneben wicker
gebräuchlich. II.
eigentlich: I@11)
in glossen und wörterbüchern mit lat. ausdrücken, deren sinn aus den bemerkungen unter zauberei
ersichtlich ist, übersetzt: divinus (Graff 5, 581),
divinator, fascinator, incantator, magus oder magicus, nigro- oder necromanticus, praestigiator, sortilegus, veneficus Graff 5, 581, Diefenbach
gl. 188
b. 226
c. 291
a. 343
c. 380
c. 457
b. 543
c (
auch n. gl.), Diefenbach
ml.-hd.-böhm. wb. 151. 253,
voc. opt. 38
b,
gemma gemm. B 1
a sp. 1, m 3
b sp. 2, p 1
a sp. 1, Alberus 129
b, Frisius 545
b,
praestigiator ein gaugler oder z. 1046
a. 1353
b, Faber 914
a, Calepinus
XI ling. 1141
a. 1520
a,
nomencl. lat.-germ. (1634) 340, B. Garth
lex. lat.-germ.-graec. 837
b, Stieler 2592,
der 727
als synonym hexer
anführt, Dentzler 360
a, Apinus 556, Steinbach 2, 1073;
auszerdem der wahrsager als z.
bezeichnet: ariolus Graff 5, 581, Diefenbach
gl. 48
a,
ml.-hd.-böhm. wb. 38,
phitonicus (
d. h. pythonicus)
gemma gemm. t 2
b sp. 2 (Fiton ein gauckler, zouberer [!] k 4
a sp. 1),
magus ein z., wyszer oder warsager p 1
a sp. 2,
sagus vel saganus y 3
b sp. 1,
vgl. auch: augures das dudet czouber adder worseger Gerstenberg
chron. 8
Diemar, aeromanticus Diefenbach
n. gl. 10
b;
ferner maleficus Graff 5, 581,
maleficus i. maleficiens ein ubeltheter oder z.
gemma gemm. p 1
a sp. 2,
und u. a.: daemoniacus (
d. h. besessener),
infatuatus (
d. h. bethörter),
φαρμακός (=
veneficus) Alberus S s 2
a, z., schwartzkünstler Maaler 512
d;
schlieszlich die neusprachlichen wbb.: z. unhold (
s. th. XI 3, 1066
und Weigand
wb. dtsch. syn.2 3, 1147) Hulsius-Ravellus 426
a, Hulsius (1618) 281
a,
magicien schwartzkünstler, z., hechsenmeister Duez
nom. (1652) 157, Wiederhold 431
a, ein z. durch feuer, durch die luft, durch die todten, durchs wasser
piromante, aeromante, negromante, hidromante Kramer
teutsch-it. 1424
c; I@22)
aus den zeugnissen der literatur läszt sich ein abrisz der culturgeschichte des begriffs gewinnen; vgl. zur übersicht überdies Mogk
in Hoops
reallex. 4, 579
a und Jos. Hansen
zauberwahn passim; I@2@aa)
Ägypten: die egyptischen zeuberer theten auch also mit irem beschweren Luther
2. Mos. 7, 11; Gottsched
beob. 137; Schubart
leb. u. ges. 2, 113;
u. a.; I@2@bb)
Orient: Balaam zawbrer Berth. v. Chiemsee
tewtsche theol. 82; Zoroastes der erste z. Albertinus
hirnschl. 268; I@2@cc)
Griechenland, Italien: der z. (
Proteus) wird sich ... verwandeln J. H. Vosz
Od. 68
Bern.; jedoch blieb bei Griechen und Römern der priester vom z. ... scharf gesondert Creuzer
symb. 1, 187; Tiberius vertreib alle z. und weissager S. Franck
chron. [] Germ. (1538) 17
b; das volk ehrte Virgils grab und andenken als eines mächtigen und wohlthätigen z-s Niebuhr
röm. gesch. 1, 7; I@2@dd)
christenthum: ain man bei namen Simon, der da vor waz gewesen ain zeubrer in der stat (
act. 8, 9)
cod. Teplensis 3, 36; Raumer
gesch. d. Hohenst. (1824) 4, 34; jeder christliche geistliche ist da (
im Ägypten des 4.
jahrh.) zugleich ein z., ein prophet, ein quacksalber Mommsen
röm. gesch. 5, 585; wie mer dit dingk griffen an, dasz uns der zeuberer Jhesus nit entga!
Alsfeld. pass. 5
Grein; I@2@ee)
mittelalter: der uralte z. Merlin Lenz
ges. schr. 3, 286
T.; darumb sind praestigiatores und gAeuckler, welche mit hlffe dess Sathans der menschen augen mit zAeuberey und gespgnuss verblenden und betriegen, dass sie nicht sehen die dinge, so da sind, und meynen, sie sehen die ding, so nicht sindt. diese werden eygentlich z. genannt Nigrinus
zäub. 22;
als ketzer behandelt: dass man mich auf einen scheiterhauffen als einen z. im rauch gen himmel schickte Grimmelshausen 2, 431
Kell.; sie (
die magie) dient den kindern zu gottes reich ... 'und den z-n zu des teufels reich' Jac. Böhme
schr. 5, 89;
alchymist, astrologe, taschenspieler, naturforscher u. ä.: und bey der nasen umbherzogen von den landfarern und zawberern H. Sachs 9, 275
K.; den Faust ...! den z.! den erzschelm! maler Müller
w. 2, 79; wiewol solchs den z-n wird zugemessen, so ist doch dasselbige an ihm selbs kein zauberey Paracelsus
op. 2, 122 A
Huser; zawer, z., ein schwarzkünstler oder vielmehr überhaupt ein mechanischer künstler, ein in der physica naturali oder (wie man ad
an. 1400 sich ausdrückte) magia naturali erfahrener mann, astrologus et rarus artifex Westenrieder
gloss. germ.-lat. 684;
von einem zauberkünstler: Göthe 32, 238
W.; den man allgemein für einen ideellen goldmacher und sympathetischen z. hielt Gutzkow
ritter 2, 401; 19.
jahrh., Wien: theuerster herr von z. Meisl
theatr. quodl. 5, 91; I@33)
zur sachlichen ergänzung seien einige belege aus der weiteren literarischen anwendung mitgetheilt: die zauberer, so sich künnen unsichbar mit der kunst verstellen Th. Hock
blum. 108
ndr.; der z. schwinget sich auch also hoch hinan D. v.
d. Werder
ras. Rol. 2, 49; der z. tAentz machen die leute rasend und wtig Prätorius
Katzen-Veit k 8; Nero bemhet sich durch einen z. und todtenopffer den geist der ermordeten mutter zu beschweren Lohenstein
Agripp. einl. 5
b; o wär ein zaubrer da, mich zu zerschneiden, spalten, mich tausendartig zu gestalten Lenz
ged. 159
Weinh.; der zaubrer fordert leidenschaftlich wild von höll und himmel sich Helenens bild Göthe 5, 109
W.; ein z. bannt einen geist in ein verschlossenes gefäsz Jhering
röm. recht 7; der gefeite z. Geibel
ges. w. 2, 146; gröszer, als wenn ein z. einen sturm erregen und schiffe auf dem meer untergehen lassen könne G. Keller
ges. w. 5, 348;
völkerkunde: die z. (
geben vor,) menschenfleisch essen zu müssen, um die übernatürlichen kräfte zu bewahren Ratzel
völkerk. 2, 56;
volksthümlich: die wnschelruthen, mit welchen die z. die gAeng aussrichten Bech
Agricolas bergwerkbuch 30; ein z., der einen spiritum familiarem, ein alraungen oder einen heckethaler verwahret J. G. Schmidt
rockenphil. 1, 217; I@44)
gruppen: I@4@aa) luppler, z., unholden, ansprecher, schratlin, gach, schophen
bei Schmeller
bayer. wb.2 2, 1073; von z-n, schwartzkünstlern, vergifftern Fischart
binenk. 239
b; die reimsprecher und alten z. Mathesius
Sar. 104
b; unter dem namen der zAeuberer werden auch verstanden die warsager, geuckler, beschwerer Nigrinus
zäub. 436; ein z., wahrsager, segensprecher
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. 1, 581; kein z., kein heyd, kein zgeiner Paracelsus
op. 2, 337
Hus.; mit vielen z-n und teuffelsbannern v. Birken
Donaustrand 126; zaubrer, beschwörer und banner Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 1 202;
[] I@4@bb) welch schwarzer zaubrer bannte diesen bösen ...?
Shakespeare 9, 17; I@4@cc) historia von
d. Johann Fausten, dem weitbeschreyten z. und schwartzknstler
volksb. v. dr. Faust 1
ndr. Br.; d. Faust, der bekandte z. Schupp
schr. (1663) 162. IIII.
übertragen: II@11)
auf personen, die durch hervorragende fähigkeiten oder eigenschaften auf andere einen unwiderstehlichen reiz ausüben, vgl. Campe
wb. 5, 816
b und bes. J. Hübner
zeitungslex.31 4, 999
b, II@1@aa)
künstler: der ästhetische z.
M. Mendelssohn 4, 2, 320; moralischer z. Hippel
kreuz- u. querz. 2, 365; dichter der nationen ... sie sind die gewaltigen herzensbezähmer und z. Bürger
s. w. 1, 178
b Bohtz; von dem Weimarer theatertischler Mieding Göthe 16, 135
W.; zaubrer mit pinsel, meiszel und richtscheit Schubart
s. ged. (1825) 2, 304; der tonkünstler ... war z. in den wolken Herder 18, 18
S.; wie er dem z. Nicol Paganini gegenüberstand Holtei
erz. schr. 11, 328; ich sehe, es steckt ein z. in dir (
als hypnotiseur) A. Schnitzler
Anatol 15; II@1@bb)
von dem reiz einer bezaubernden, bedeutenden persönlichkeit: kühner! — ich — ich bin ganz weib geworden — geht, zauberer, ich höre den infanten Klinger
n. theat. 1, 125; sein einflusz auf seine umgebung ist erstaunlich; er ist ein reiner z.:
so od. ähnl. jetzt gebräuchlich; II@22)
auf sachen, thiere: der schwan ist ein verdammter wicht, ein zauberer, sonst könnte nicht sein lied so leicht, so tonreich fliessen Pfeffel
poet. vers. 4, 90; der alte z., das schicksal Jean Paul
w. 15/18, 263
H.; z. podagra Müllner
dram. w. 7, 167; o zauberer, du süsser traum, gesandt vom himmel mir! Herder 25, 600
S.; II@33) z.
trochus magus, eine art kreiselschnecke, gewöhnlich hexe
oder hexenmeister
genannt: Campe
wb. 5, 816
b, Nemnich
polygl. 662, Oken
allg. ntg. 5, 477;
s. auch zauberschnecke. IIIIII.
mit verstärkender vorsilbe: erzzauberer Kramer
teutsch-it. 2, 1424
c;
in zusammensetzungen III@11)
an 2.
stelle: fakirzauberer G. Meyrink
walpurg. 149; III@22)
an 1.
stelle: zauberermaske: v. Ayrenhoff
w. 4, 302; -sage,
f.: J. Bayer
lit. skizzenb. 99.