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zauberer

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zauberer m.

Bd. 31, Sp. 385
zauberer, m. , jemand, der mit der hülfe übernatürlicher geister wunderbare, geheimniszvolle dinge zu vollbringen im stande ist; seit dem beginn der deutschen schriftlichen überlieferung als zauparari (Graff 5, 581), d. h. nomen agentis zum subst. zaupar, im gebrauch und in der mhd. dichtung völlig durchgedrungen (vgl. bî einem zouberære Gêrbrehte Walther v. d. Vogelw. 33, 22 L.), behält das wort im schweizerischen alemannisch das mhd. ou besonders lange (noch 1570 in Tschudis chron. Helv. 1, 302). umlaut erschien früher auf dem unter zauberei bezeichneten gebiet. nicht selten findet kürzung zu zaubrer sowohl in der gesprochenen sprache wie namentlich auch in versen statt (schon ahd. zauprari in den Keronischen glossen); seltener begegnet im plural die dativform zaubern: denn den halt ich eigentlich für einen magum oder zAeuberer, der entweder vom teuffel selbst oder aber andern zAeubern ... die schOene kunst ergriffen J. Füglin J. Wier de praest. daem. (1575) 182. 184; (er will) des krieges ausgang erst von verwägnen zaubern hören v. Schönaich Heinr. d. Vogl. 94; mnd. plur. touers 1473 Schiller-Lübben mnd. wb. 4, 599b, auch sgl. touer Korner (Wiener hs.) ebda 600a, wozu bereits touferis incantantis altnfrk. ps. 57, 6 stimmt; im westlichen Niederdeutschland, übereinstimmend mit dem nld., sonst die formen tovener, pl. -s; schweiz. und mfrk. -f- (zouferer Mone schausp. 2, 242), im schweiz. noch jetzt, vgl. E. Wipf mda. v. Visperterminen (1910) 198b. nd. daneben wicker gebräuchlich. II. eigentlich: I@11) in glossen und wörterbüchern mit lat. ausdrücken, deren sinn aus den bemerkungen unter zauberei ersichtlich ist, übersetzt: divinus (Graff 5, 581), divinator, fascinator, incantator, magus oder magicus, nigro- oder necromanticus, praestigiator, sortilegus, veneficus Graff 5, 581, Diefenbach gl. 188b. 226c. 291a. 343c. 380c. 457b. 543c (auch n. gl.), Diefenbach ml.-hd.-böhm. wb. 151. 253, voc. opt. 38b, gemma gemm. B 1a sp. 1, m 3b sp. 2, p 1a sp. 1, Alberus 129b, Frisius 545b, praestigiator ein gaugler oder z. 1046a. 1353b, Faber 914a, Calepinus XI ling. 1141a. 1520a, nomencl. lat.-germ. (1634) 340, B. Garth lex. lat.-germ.-graec. 837b, Stieler 2592, der 727 als synonym hexer anführt, Dentzler 360a, Apinus 556, Steinbach 2, 1073; auszerdem der wahrsager als z. bezeichnet: ariolus Graff 5, 581, Diefenbach gl. 48a, ml.-hd.-böhm. wb. 38, phitonicus (d. h. pythonicus) gemma gemm. t 2b sp. 2 (Fiton ein gauckler, zouberer [!] k 4a sp. 1), magus ein z., wyszer oder warsager p 1a sp. 2, sagus vel saganus y 3b sp. 1, vgl. auch: augures das dudet czouber adder worseger Gerstenberg chron. 8 Diemar, aeromanticus Diefenbach n. gl. 10b; ferner maleficus Graff 5, 581, maleficus i. maleficiens ein ubeltheter oder z. gemma gemm. p 1a sp. 2, und u. a.: daemoniacus (d. h. besessener), infatuatus (d. h. bethörter), φαρμακός (= veneficus) Alberus S s 2a, z., schwartzkünstler Maaler 512d; schlieszlich die neusprachlichen wbb.: z. unhold (s. th. XI 3, 1066 und Weigand wb. dtsch. syn.2 3, 1147) Hulsius-Ravellus 426a, Hulsius (1618) 281a, magicien schwartzkünstler, z., hechsenmeister Duez nom. (1652) 157, Wiederhold 431a, ein z. durch feuer, durch die luft, durch die todten, durchs wasser piromante, aeromante, negromante, hidromante Kramer teutsch-it. 1424c; I@22) aus den zeugnissen der literatur läszt sich ein abrisz der culturgeschichte des begriffs gewinnen; vgl. zur übersicht überdies Mogk in Hoops reallex. 4, 579a und Jos. Hansen zauberwahn passim; I@2@aa) Ägypten: die egyptischen zeuberer theten auch also mit irem beschweren Luther 2. Mos. 7, 11; Gottsched beob. 137; Schubart leb. u. ges. 2, 113; u. a.; I@2@bb) Orient: Balaam zawbrer Berth. v. Chiemsee tewtsche theol. 82; Zoroastes der erste z. Albertinus hirnschl. 268; I@2@cc) Griechenland, Italien: der z. (Proteus) wird sich ... verwandeln J. H. Vosz Od. 68 Bern.; jedoch blieb bei Griechen und Römern der priester vom z. ... scharf gesondert Creuzer symb. 1, 187; Tiberius vertreib alle z. und weissager S. Franck chron. [] Germ. (1538) 17b; das volk ehrte Virgils grab und andenken als eines mächtigen und wohlthätigen z-s Niebuhr m. gesch. 1, 7; I@2@dd) christenthum: ain man bei namen Simon, der da vor waz gewesen ain zeubrer in der stat (act. 8, 9) cod. Teplensis 3, 36; Raumer gesch. d. Hohenst. (1824) 4, 34; jeder christliche geistliche ist da (im Ägypten des 4. jahrh.) zugleich ein z., ein prophet, ein quacksalber Mommsen m. gesch. 5, 585; wie mer dit dingk griffen an, dasz uns der zeuberer Jhesus nit entga! Alsfeld. pass. 5 Grein; I@2@ee) mittelalter: der uralte z. Merlin Lenz ges. schr. 3, 286 T.; darumb sind praestigiatores und gAeuckler, welche mit hlffe dess Sathans der menschen augen mit zAeuberey und gespgnuss verblenden und betriegen, dass sie nicht sehen die dinge, so da sind, und meynen, sie sehen die ding, so nicht sindt. diese werden eygentlich z. genannt Nigrinus zäub. 22; als ketzer behandelt: dass man mich auf einen scheiterhauffen als einen z. im rauch gen himmel schickte Grimmelshausen 2, 431 Kell.; sie (die magie) dient den kindern zu gottes reich ... 'und den z-n zu des teufels reich' Jac. Böhme schr. 5, 89; alchymist, astrologe, taschenspieler, naturforscher u. ä.: und bey der nasen umbherzogen von den landfarern und zawberern H. Sachs 9, 275 K.; den Faust ...! den z.! den erzschelm! maler Müller w. 2, 79; wiewol solchs den z-n wird zugemessen, so ist doch dasselbige an ihm selbs kein zauberey Paracelsus op. 2, 122 A Huser; zawer, z., ein schwarzkünstler oder vielmehr überhaupt ein mechanischer künstler, ein in der physica naturali oder (wie man ad an. 1400 sich ausdrückte) magia naturali erfahrener mann, astrologus et rarus artifex Westenrieder gloss. germ.-lat. 684; von einem zauberkünstler: Göthe 32, 238 W.; den man allgemein für einen ideellen goldmacher und sympathetischen z. hielt Gutzkow ritter 2, 401; 19. jahrh., Wien: theuerster herr von z. Meisl theatr. quodl. 5, 91; I@33) zur sachlichen ergänzung seien einige belege aus der weiteren literarischen anwendung mitgetheilt: die zauberer, so sich künnen unsichbar mit der kunst verstellen Th. Hock blum. 108 ndr.; der z. schwinget sich auch also hoch hinan D. v. d. Werder ras. Rol. 2, 49; der z. tAentz machen die leute rasend und wtig Prätorius Katzen-Veit k 8; Nero bemhet sich durch einen z. und todtenopffer den geist der ermordeten mutter zu beschweren Lohenstein Agripp. einl. 5b; o wär ein zaubrer da, mich zu zerschneiden, spalten, mich tausendartig zu gestalten Lenz ged. 159 Weinh.; der zaubrer fordert leidenschaftlich wild von höll und himmel sich Helenens bild Göthe 5, 109 W.; ein z. bannt einen geist in ein verschlossenes gefäsz Jhering m. recht 7; der gefeite z. Geibel ges. w. 2, 146; gröszer, als wenn ein z. einen sturm erregen und schiffe auf dem meer untergehen lassen könne G. Keller ges. w. 5, 348; völkerkunde: die z. (geben vor,) menschenfleisch essen zu müssen, um die übernatürlichen kräfte zu bewahren Ratzel völkerk. 2, 56; volksthümlich: die wnschelruthen, mit welchen die z. die gAeng aussrichten Bech Agricolas bergwerkbuch 30; ein z., der einen spiritum familiarem, ein alraungen oder einen heckethaler verwahret J. G. Schmidt rockenphil. 1, 217; I@44) gruppen: I@4@aa) luppler, z., unholden, ansprecher, schratlin, gach, schophen bei Schmeller bayer. wb.2 2, 1073; von z-n, schwartzkünstlern, vergifftern Fischart binenk. 239b; die reimsprecher und alten z. Mathesius Sar. 104b; unter dem namen der zAeuberer werden auch verstanden die warsager, geuckler, beschwerer Nigrinus zäub. 436; ein z., wahrsager, segensprecher M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 581; kein z., kein heyd, kein zgeiner Paracelsus op. 2, 337 Hus.; mit vielen z-n und teuffelsbannern v. Birken Donaustrand 126; zaubrer, beschwörer und banner Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 1 202; [] I@4@bb) welch schwarzer zaubrer bannte diesen bösen ...? Shakespeare 9, 17; I@4@cc) historia von d. Johann Fausten, dem weitbeschreyten z. und schwartzknstler volksb. v. dr. Faust 1 ndr. Br.; d. Faust, der bekandte z. Schupp schr. (1663) 162. IIII. übertragen: II@11) auf personen, die durch hervorragende fähigkeiten oder eigenschaften auf andere einen unwiderstehlichen reiz ausüben, vgl. Campe wb. 5, 816b und bes. J. Hübner zeitungslex.31 4, 999b, II@1@aa) künstler: der ästhetische z. M. Mendelssohn 4, 2, 320; moralischer z. Hippel kreuz- u. querz. 2, 365; dichter der nationen ... sie sind die gewaltigen herzensbezähmer und z. Bürger s. w. 1, 178b Bohtz; von dem Weimarer theatertischler Mieding Göthe 16, 135 W.; zaubrer mit pinsel, meiszel und richtscheit Schubart s. ged. (1825) 2, 304; der tonkünstler ... war z. in den wolken Herder 18, 18 S.; wie er dem z. Nicol Paganini gegenüberstand Holtei erz. schr. 11, 328; ich sehe, es steckt ein z. in dir (als hypnotiseur) A. Schnitzler Anatol 15; II@1@bb) von dem reiz einer bezaubernden, bedeutenden persönlichkeit: kühner! — ich — ich bin ganz weib geworden — geht, zauberer, ich höre den infanten Klinger n. theat. 1, 125; sein einflusz auf seine umgebung ist erstaunlich; er ist ein reiner z.: so od. ähnl. jetzt gebräuchlich; II@22) auf sachen, thiere: der schwan ist ein verdammter wicht, ein zauberer, sonst könnte nicht sein lied so leicht, so tonreich fliessen Pfeffel poet. vers. 4, 90; der alte z., das schicksal Jean Paul w. 15/18, 263 H.; z. podagra Müllner dram. w. 7, 167; o zauberer, du süsser traum, gesandt vom himmel mir! Herder 25, 600 S.; II@33) z. trochus magus, eine art kreiselschnecke, gewöhnlich hexe oder hexenmeister genannt: Campe wb. 5, 816b, Nemnich polygl. 662, Oken allg. ntg. 5, 477; s. auch zauberschnecke. IIIIII. mit verstärkender vorsilbe: erzzauberer Kramer teutsch-it. 2, 1424c; in zusammensetzungen III@11) an 2. stelle: fakirzauberer G. Meyrink walpurg. 149; III@22) an 1. stelle: zauberermaske: v. Ayrenhoff w. 4, 302; -sage, f.: J. Bayer lit. skizzenb. 99.
10078 Zeichen · 336 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zauberer

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Zauberer , des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Zauberinn, plur. die -en, eine Person, welche zaubert, die Zaubere…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zauberer

    Goethe-Wörterbuch

    Zauberer [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Zauberer

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Zauberer Band 17, Spalte 112 Zauberer 17,112

  4. Sprichwörter
    Zauberer

    Wander (Sprichwörter)

    Zauberer Er verkauft den Zauberer und kauft den Wahrsager. ( Surinam. ) Beim Tausche nichts gewinnen.

  5. Spezial
    Zauberer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Zau|be|rer m. (-s,-) strinadú (-dus) m. , striun (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zauberer

15 Bildungen · 2 Erstglied · 11 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von zauberer 2 Analysen

zaubeln + -er + -er

zauberer leitet sich vom Lemma zaubeln ab mit Suffixen -er und -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Alternativen: zauber+-er

zauberer‑ als Erstglied (2 von 2)

zauberer als Zweitglied (11 von 11)

bilderzauberer

DWB

bilder·zauberer

bilderzauberer , m. in solcher art und aus dem grund practicieren die bilderzauberer, mahlen ein bild an ein wand, schlagen ein nagel dardur…

Erzzauberer

Campe

erz·zauberer

Х Der Erzzauberer , des — s, d. Mz. w. d. Ez; die Erzzaubrerinn, Mz. die — en, s. Campe 2. Erz.

orgelzauberer

DWB

orgel·zauberer

orgelzauberer , m. , vergl. orgelgeist: mich freut es, dasz sie diesen orgelzauberer ( Vogler ) nun auch gehört haben. Schubart briefe 2, 41…

siebzauberer

DWB

sieb·zauberer

siebzauberer , m. , vgl. sieb 4: Theocritus nennet ein solchen warsager, siebzauberer unnd wagsagbeuteler, an dem ort nemlich da er spricht.…

sprachzauberer

DWB

sprach·zauberer

sprachzauberer , m. : geschichtlich zu erörtern, wie und wann, warum und wodurch sich deutsche kriegsbenennungen verloren und französische n…

tonzauberer

DWB

ton·zauberer

tonzauberer , m. , ' eine person, welche schöne töne hervorzaubert, wie auch, welche durch töne, durch tonkunst bezaubert ', als neubildung …

Unterzauberer

Campe

unter·zauberer

Der Unterzauberer , — s, Mz . gl. ein geringerer, einem höhern untergeordneter Zauberer. »— meine beiden Unterzauberer — sie begeistern dich…

Verzauberer

Campe

ver·zauberer

Der Verzauberer , — s, Mz . gl.; die Verzaubrerinn , eine Person, welche verzaubert. Erberg.

wasserzauberer

DWB

wasser·zauberer

-zauberer , m. ydromanticus Fritsche Closener vokab. (1383) , zeitschr. f. d. wortf. 2, 183. Ludwig 2398 . Rondeau .

Ableitungen von zauberer (2 von 2)

bezauberer

DWB

bezauberer , m. fascinator, zauberer.

Verzauberer

Campe

Der Verzauberer , — s, Mz . gl.; die Verzaubrerinn , eine Person, welche verzaubert. Erberg.