lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

knappen

mhd. bis sprichw. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
19 in 15 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
Verweise rein
34
Verweise raus
28

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

knappen

Bd. 11, Sp. 1344
knappen , erst nhd. auftretend, mit mehrfacher bedeutung, nebenformen knapfen (unter 5), gnappen, gnapfen (4) u. a. II. die bedeutungen. I@11) von gewissen tönen. I@1@aa) hd. oder genauer wol md.: knappen oder schnalzen heiszt der ton, den der auerhahn beim balzen hören läszt ehe er schleift; er hatte zwei hölzerne teller an einen strick gebunden, damit schluge er sie im haus herum dasz es knappte. Jucundiss. 123, dasz es klappte, klatschte, knallte. Adelung gibt als oberdeutsch das feuer knappt, aber wol (wie häufig) nur aus M. Kramers nl. wb., der hier wie oft nl. ausdrücke ins hd. umsetzt, nur um sie dem hd. leser näher zu bringen und die urspr. einheit beider sprachen zu zeigen: 'het vuur knapt, das feuer knappt, schnalzt, kracht, spratzelt'. niderhoch-teutsch wb. Nürnb. 1719 1, 151c (aber nicht im hd. theile). vgl. auch mrh. sternsknappe unter knaupe fem. I@1@bb) ganz heimisch ist es im nd., knappen klappen, klatschen (brem. wb. 2, 819), knacken, knicken, knallen u. ä., auch nl. knappen, mit anderm vocal schwedisch knäppa, dänisch kneppe schnalzen u. ä. I@1@cc) trans. ein schlosz zuknappen, schnappen braucht J. Grimm myth. 1027 (hessisch?); es könnte aber auch zu 3 gehören. götting. heiszt es en slot tauknîpen Schambach 226a. I@22) knackend brechen, trans., in 'nüsse aufknappen' 1, 676 (Schottel, Stieler), eig. von dem klange dabei; ob hd., md.? letzteres nach knapsen zu vermuten. nd. knappen heiszt auch trans. knicken, knacken (Schamb. 105b), ebenso engl. knap; nl. knappen vom flachsbrechen (Kilian). I@33) von gewissen kurzen bewegungen, schnappen. I@3@aa) auf und nieder knappen: derselbe (der ast, an dem ich im Rheine hieng) ward aber von den strudeln und wellen dergestalt tribuliert, dasz er ohn unterlasz auf und nieder knappen muste. Simpl. 1, 389 (393 Kurz, 1, 4, 10). so aufknappen 1, 676 (H. Sachs), noch bair., z. b. ein bret knappt auf, schnellt in die höhe Schmeller 2, 374. I@3@bb) ebenso bloszes knappen, z. b. vom schwanz der bachstelze: es hört nicht auf zu knappen ihr langer pfannenstiel. wunderh. 3, 357 (geistlicher vogelgesang 3, ed. Grieshaber); wie knappet dir dein wädele (schwanz) und hast en dreck koin geld. E. Meier schwäb. volksl. s. 60. [] dasselbe ist wol folg. knappen von der wiege: o wie ein köstlich ding ist das nächtlich singen zur wiegen! es vertreibt das gespenst. merkts, ihr männer, und singt wann ihr auf der éinen seiten wieget, das es zum discant stimme wann sie (die frau) auf der anderen seiten gigaget und knappet. Fischart Garg. 73b (125 Sch.), gigagen musz wol den wiegengesang meinen und knappen das hin und her, auf und ab gehn der wiege und der wiegenden. ein schwäb. kinderrätsel von der ölmühle sagt: es knippet es knappet mit eiserne kappe, mit hölzerne date (schubladen). E. Meier kinderreime nr. 293. in beiden letztern fällen wäre der sache nach auch knacken und klappern möglich (vgl.knack! von der wiege, und knappern 2) nach der freilich mehr nd. bed. 1; sonst vgl. die bed. 7, die mit dieser leicht verflieszt. I@3@cc) auch gnappen (wie unter 7, b): er in dem gehen auf ein bret tratte an einen ort (ende), das an dem andern aufgenagelt war, an demselbigen ort aufgnappet und mit ihm hinab fiel. Bocc. 1, 64a (1580). auch ohne auf-, wie unter b: gnappen, prosilire, sursum saltare. voc. inc. teut. i 8b. I@44) mit dem kopfe knappen, nicken Frisch 1, 526c, noch bair. Schm. 2, 374, schwäb. Schmid 318, tirol. gnappen nicken, besonders im schlummer Frommann 5, 437 (gnapfen mit dem kopf, nutare. Dasyp. rediv. Frkf. 1653 2, E 6b): völker di unser wärn gewar, knappen mit dem kopf hin und dar. Melissus ps. T 2a, wol als zeichen ironischen bedauerns, nach κινοῦντες τὰς κεφαλάς Matth. 27, 39, zugleich 'wackeln' (s. 7) und dem vorigen nahe stehend; der hohenpriester knecht einer knabt mit dem kopf, speiet ausz und spricht. H. Sachs 3, 1, 220a, wol ebenso; der junge fürst knapt ja mit dem kopf. 4, 2, 23c; da hat er gleich mit dem kopf geknappt. jägerbrevier (Dresd. 1857) 147. das b in knabt könnte wol echt sein, s. 6, d gnaben. vgl. auch knapper 1, knapsen 3. I@55) knappen mit dem beine, knie oder dem ganzen körper. I@5@aa) knappen knixen: er fieng bald an seine händ zu küssen, mit beiden füszen zu bücken, zu knapfen und schierfelen (kratzfüsze machen). Ayrer proc. ij 1; sie (die juden) knappen, pücken und biegen sich, ziehen die hüt ab. ij 5; Jahn zicht den hut ab, knapt vor in und spricht. J. Ayrer 73a (377, 34); der ein steht auf 'ich will dem herrn ein dienstlichs trünklein bringen' (zutrinken), so knapt der ander hinwider 'des herrn diener (d. h. urspr. 'ich bin des herrn diener'), ich wils vom herrn dienstlich warten sein'. Fischart Garg. 45a (Sch. 69). I@5@bb) hübsch knippen und knappen (vgl. knippknappen). im grobianus wird der junge mann angewiesen, wenn er eine jungfrau auf der strasze träfe, sich gleich an sie zu machen: und thuo ein schöne red daher, wie dein jungs herz ir huld beger, mit langem tittel, schönem gruosz, dasz sie von not dein lachen muosz ... knipp und knapp unden und oben, so muosz dich die schön junkfraw loben. Scheit E 1a (Hellbach 1586 o. o. 67). das ablautspiel soll eben das bücken 'unten und oben' zeichnen, wie bei Frisch aus Keisersbergs narrensch. 9. 99 knippen und knappen vor einem, inclinare caput et corpus; vil knippens, knappens, zückens der hauben. Ayrer fastn. 50b (hofleben); da machtens wunderlich kramanz (s. d.) mit gnippen, gnappen und verdrehen. H. Sachs 1, 397a (1590). daher von höfisch geziertem gange: und dieser irer tracht ist dann auch gemes ihr fürwitziger gang, das knippen und knappen. Barth weiberspiegel Lpz. 1565 V 1b. I@5@cc) von ähnlichen anderen bewegungen. in Fischarts groszm. 54 (587 Sch.) unter unfindbaren dingen: weber die nicht knappen, bachstelzen, atzeln, wäscherin und reiberin die mit dem ars nicht schnappen, von ihrer körperbewegung bei der arbeit. im Garg. c. 38, unter jongleurkünsten: wie er also stund (auf dem pferde), macht er ein storkenbein und gambade auf eim fusz ... knapt alsdann wie ein weber von den fersen zu den zehen (?). 230a (431 Sch.). Fischart spricht oft von messe knappen (trans.), messe lesen, von dem beugen und knixen des priesters? behelft euch ewrer pfaffenschlappen und secht dasz ihr die mess recht knappen. viereck. hütl. 640 (2, 258 Kz., kloster 10, 925); [] wo knappt man aber ein mess ohn gemessen gelt? bienenk. 149a (1588 163a), vorher mess singen; darausz ist wol zuvermuthen, das der teufel in der wüsten gern ein mess geknappt hette, wann es ihm nicht am brot gemangelt hette. 90b (97a), er hätte mit dem verwandelten brote messe lesen mögen; davon messknappen 1588 114b, messknapper Garg. 279b (527), auch ein messlin beknappen bien. 159a (s. 1, 1424), knixend mit machen. er hat es aber aus der nl. vorlage mit übernommen, een misken knappen Marnix biencorf 89a. 108b. 150a, und knappen musz wol dort anders gemeint sein. I@66) hinken, hixen. I@6@aa) eig. mit dem fusze einknicken, wie einer der müde ist oder einen zu kurzen fusz hat. so deutlich in folg.: wer hat nicht lieber ein aufrechts pferd, als eins welchs allzeit knapt zur erd? Fischart ehzuchtb. 11 (Sch. 419). von einem tische, der ein kurzes bein hat: wer leidet dasz sein tisch knappt, sein ofen raucht, kieselstein im schuh bleibt, der mag seine frau herleihen. Simrock spr. 6324. so gibt noch vom Mittelrhein Kehrein 231 knappen, mit den knien oder knöcheln einknicken beim gehen oder stehen, dazu überknappen (vergl. II, 1, b); bair. 'knappen wie einer der hinkt' Schmeller 2, 374. I@6@bb) hinken überhaupt (Stieler 992, Rädlein, Frisch): ein junge (als frau) thet mir leicht kein gut ... drumb ist ein alte wol mein fug. schaw, schaw, dort knapt gleich eine her. H. Sachs 5, 342d (1, 198 Göz); (du muszt) glauben was er glaubet, dich stellen wie er sich stellet, hinken wann er knappet. Philander 1, 510. noch fränk., nürnb. Grübel 2, 282, schwäb. ein wenig hinken Schmid 318. vgl. das adj. knapp hinkend sp. 1341. I@6@cc) ebenso wieder gnappen: varicare, schrankelen, hinken ... gnappen. gemma Str. 1518 DD 1a; vacillare, schwanken, hin und här gnappen mit den füszen. Frisius 1341a, vacillo ich schwanke, gnappe mit den füszen Dasyp. 253d, Schönsl. X 4a, Denzler 2, 138a (knappen 1, 835b). I@6@dd) und wahrscheinlich auch gnaben, mhd. (vergl.knabt unter 4 vorige sp. und dazu sp. 1342), denn in dem lobgesang str. 57, 13 (Haupt 4, 534, vgl. 553) hat die hs.: dar nâch swaʒ fliege, flieʒe unt trabe, krieche unde gnabe. MSH. 2, 268b, es ist etwa an den gang der enten, gänse oder vögel überhaupt gedacht. im begriffe verflieszt übrigens diesz knappen mit dem folg., und beide mit 3. I@77) wackeln, wanken überhaupt, wieder mit kn- und gn-. I@7@aa) schwäb. knappen Schmid 318. dazu wol folg.: so wolt wir im sein hawt vol schlagen, weil (dasz?) im der kittl vor seim arsch knappet. H. Sachs 4, 3, 49d; schmisz, schlug, trescht darauf, dasz die jupp knapt. Garg. 205a (Sch. 380). I@7@bb) gnappen, sich hin und har bewegen, vacillare. Maaler 188a; arbores nutant, die bäum .. schwanken, gnappen. Dasyp. 156c; die sach gnappet, stehet auf schwachen beinen, res vacillat et claudicat. Denzler 1, 835b. noch schweiz., z. b. ein lockerer zahn gnappet, fluecha dasz d'hell gnappet Tobler 228a. dazu gnappig was nicht fest hält, activ ergnappen wackeln, schwanken machen, dem. gnappelen, gnäppelen, gnäppelig Stalder 2, 458, der alte gnäppeler, der alte knax, alter wankender mann. Gotthelf 3, 60. 217. vgl. auch knapsen 4. I@88) schnappen, beiszen, zwacken. I@8@aa) schnappend, kurz zufahrend beiszen, so westmd. (wetterauisch Weigand, nassauisch Kehrein): nur brave hunde ists gefährlich im schlaf zu stören. síe (die feigen) bellen nur ... und knappen von hinten nach knaben und sorglosen wandrern. Göthe 42, 151 (1850 13, 76), in der ersten abfassung des Götz. so wol schon im Simpl., aus gleichem sprachgebiete: dasz ich darunter (unter dem wüsten haarschopf) herfür sahe mit meinem bleichgelben angesicht, wie eine schleiereule die knappen will oder sonst auf eine maus spannet. 1, 68 (65, 15 Kurz), vgl.knappeule, ergnappen. und wol auch fläm. nl. knappen nach fläm. knap m. zufahrender bisz, knapaf (und knakaf) bissig Schuermans 260b. der hauptbegriff dabei scheint aber das schnappen, nicht das beiszen. I@8@bb) daher wol auch für schnappen überhaupt, mit der hand nach etwas kurz zufahrend haschen: ach wie ain knappen und ain schnappen (nach den flöhen), ain sappen, grappen und ertappen Fischart flöhhatz 3689 Kz., 884 Sch. [] im engl. heiszt knap so greifen, schnappen, nl. knappen aber fangen, erhaschen, attraper Kil., vgl. fränk. schneppen schnappen und in der falle fangen Schmeller 3, 492, auch kippen 7, und knapsen (6), knipsen (3) stehlen, auch hnupla unter II, 2, c. I@8@cc) aber auch beiszen überhaupt. Stieler 992 gibt knappen demorsicare (abbeiszen, vergl. abknappen, 16. jh.), aufknappen admordere (vgl.knäpper). so nrh. knappe beiszen Aachener mundart 115, götting. gnappen besonders vom fressen der schafe Schambach 315a. bei Adelung als oberd. 'nichts zu knappen haben', er hat es wol nur aus M. Kramer (s. unter 1, a), wo in den ausg. v. 1768. 1787 die redensart zu der nl. niets te knappen hebben gestellt ist. in der 1. ausg. v. 1719 aber wird die bed. fürs nl. wie hd. knappen mit 'besonders etwas hartes' angegeben, womit ein neuer begriff hinzutritt; s. dazu knappkuchen (schon 16. jh.), ein nd. subst. knapp bezeichnet harte trockne speisen, z. b. gebäck, das man zum trunk knappert, knuspert. damit lehnt es sich aber an knappen 1 an (vgl.knackern 2) oder an knappern, knabbern, zu dem auch engl. knap nagen, zerbeiszen gehören mag. I@8@dd) bildlich in abknappen, beknappen, z. b. vom lohne, den lohn, wie abzwacken. es ist md. und nd. (afknappen, beknappen Dähnert 241a u. a.), aber auchn. afknappe (norw. kneppa), und vielleicht noch in sinnlicher bed. engl. dial. knap to break off short, to snap Halliwell 497a. bei uns noch sinnlich in verstärkter form in knapsen (2), auch ablautend knipsen, knupsen. I@8@ee) aus Nassau gibt Kehrein auch knappen, heimlich wild schieszen, wie nd. z. b. hasen afknappen br. wb. 2, 819. ob zu b? oder zu 'knallen' unter 1, b? vgl. unter knapsen 1. I@99) als selbstständige ableitung vom adj. knapp bei Rückert, knapp machen, knapp halten: ihr weisen aus andern monarchien, wo man euch knappet die zügel. ged. 344 (östl. rosen 25). IIII. Ursprung und verwandtschaft. II@11) das wort ist schwer zu beurtheilen, schon darin, ob die angeführten bedeutungen wirklich éin wort bilden (von 9 ganz abgesehen). II@1@aa) die bed. 1 (und 2) ist unzweifelhaft nd. und md., nicht hd.; dagegen sind die eigentlich hd. bedeutungen 3—7, die auch einen innern zusammenhang für sich verraten, nd. nicht nachweisbar, während die achte wieder dem md. und nd. angehört. die letztere könnte mit der 1. 2. so zusammenhängen, dasz einmal der klang der zuklappenden zähne, das andere mal das knacken des gebissenen harten dings der begriffskern wäre. für jenes spricht nl. knap-tant manducus Kilian ('knappzahn'), fläm. knaptanden beiszend zufahren (vgl.klappertanden zähnklappern sp. 972). II@1@bb) aber auch beim hd. zeigt sich mehrfach ein klang, so bei 3, 'klappen', aufklappen (vgl. engl. to knap in, einklappen). selbst das nicken und knicken 4. 5. 6 könnte eig. einen knackenden ton meinen, wie er beim einknickenden knie oder genick oft wirklich hörbar wird; das westerw. omknappe umknappen, überknappen, umschnappen erklärt Schmidt 280 ausdrücklich als 'mit einem knack in der gegend der knöchel ein wenig auf die seite wanken, so als wenn der fusz in dieser gegend mit geräusche entzweibrechen wollte'. man hat nämlich beim hinken und beim plötzlichen nicken des kopfes die empfindung des brechens, knickens, selbst beim grüszenden bücken, vgl. der professor brach sich vor verehrung gegen sie (die fürstin) fast entzwei J. Paul Tit. 3, 203. findet sich doch knacken (4) selbst vom 'morschen' knie, vgl. knicks. II@1@cc) beim hinken übrigens kommt ein anderes klappen dazu. während nämlich jedes gehen fürs ohr ein klappen ist, wird doch nur das hinkende oder müde gehen so bezeichnet (s.kläppern sp. 975 mitte), weil da das klappen durch den vom gewohnten abweichenden klang dem ohre wieder auffällt. so deutlich in engl. dial. clickup a person with a short leg, who in walking makes a clicking noise Halliwell 255a (s. klicken 2). ebenso wol in frz. clopiner hinken, auch aller clopin-clopant, gleichsam 'klipp klapp gehn', auch engl. dial. clopping hinkend Halliwell 257a, altfrz. prov. clop adj., schon in der lex alam. cloppus claudus (Diez 2, 251), offenbar zu klopfen. II@22) aber freilich kommen andere wörter dazwischen, die nach anderen seiten weisen. II@2@aa) das knappen hinken, wanken heiszt alem. gnepfen Maaler 188b (schon lieders. 3, 395, schwanken), bair. auch knipfen Schm. 2, 374 (vgl. schweiz. kniepen, kniempen Stalder 2, 114), schwäb. knupfen Schmid 318, die hd. auslaut zeigen (vgl.knapfen oben 5) und ablautentwickelung. schweiz. gnepfen ist jetzt wanken, unsicher [] stehn, auch gleiten und fallen (s.knapsen 4), die gnepfi der unsichere stand, die kippe, u. s. f. (Stalder 1, 459) in ganz eigner entwickelung, auch schwäb. gnäpfen umkippen Schmid 398; die hin und her gehende bewegung unter 3 oben, auch unter 7 zum theil, stellt sich dazu am natürlichsten, zu alle dem vergl. kippen, das theilweis dieselbe entwickelung zeigt. II@2@bb) mit anderm vocal für nicken und hinken bair. knaupen (knauken), auch gnaupen und naupen (noppen), mhd. nûben. dieser wechsel im anlaut aber erstreckt sich weiter. zwischen gnappen nicken (I, 4), tir. gnapfezen im halbschlafe nicken und zwischen hd. nafzen, näfzen gleicher bed. (engl. nap) steht ags. hnappian in gleicher bed., vgl. altn. hnîpa den kopf hängen lassen (vor trauer), ags. hnipian Grein 2, 91, nd. nippen schlafend nicken Schamb. 145b. ebenso stimmt zu gnepfen bair. nepfen hinken Schm. 2, 700. der stamm musz in dreifacher form, mit gn- kn- und hn- entwickelt gewesen sein (bei n- ist vermutlich h abgefallen). vgl. auch altn. gnapa nicken, gnæfa überragen, vorragen? II@2@cc) merkwürdig steht auch in bed. 8 neben knappen schwed. nappa, n. nappe schnappen, zwacken, zwicken, zufahrend beiszen u. a., ein schwed. dem. dazu, naplä, heiszt auch knaplä Rietz 461a, der altn. hnupla zupfen, stibizen dazustellt. II@2@dd) aber hier musz auch schnappen selbst in frage kommen (s. sp. 1018), das nicht nur in bed. 8, auch in bed. 3, selbst 1 mit knappen völlig zusammentrifft (wie engl. snap mit knap), ja in bair. schnappen straucheln sogar mit knappen 7 sich berührt, wie mhd. snaben straucheln mit gnaben sp. 1346. auch der auslaut nämlich zeigt manigfaltigkeit, auch engl. z. b. in knab (nach etwas schnappen) Halliw. 497a neben knap. vergl. auch knippen und schnippen und zu dem anlaute knarren I, c II@2@ee) wie aber knapp im ursprung mit kneipen zusammenhangen wird, so bedeuten nl. knappen, engl. knap (altn. kneppa) geradezu auch kneipen, und das abknappen, beknappen unter 8, d ist oft wirklich ein abkneipen, bekneipen. zu knappen beiszen endlich kann knappern, auch knuppern in frage kommen. II@33) sicher ist in dem wirren geflechte das, dasz hier wie oft mehrere begriffe und wurzeln im lauf der jahrhunderte an und durcheinander gewachsen sind im sprachgefühl und gebrauch. es gälte sie zu entwirren. in knappen 1 wird übrigens kn- nicht der ursprüngliche anlaut sein, sondern eine umsetzung von kl- (so schon Frisch, das brem. wb.), wie sie in knäuel (s. d.) u. a. sicher vorliegt. nd. heiszt z. b. der klapperstorch auch kneppner neben kleppner (sp. 978), sein klappern n. knäbbre, knebbre (auch schwätzen, wie klappern 2). ebenso kommt engl. knap mit clap in der hauptsache überein, z. b. selbst in der bedeutung schlagen, klapsen (Hall. 497a), wodurch der umsetzung ein hohes alter angewiesen würde; vergl. knapsen 5 gleich klapsen, und schott. knab schlagen, schwed. dial. knabba. ist dem so, so möchte denn auch das nahe knacken ebenso zurückgehn auf klacken, knicken auf klicken, wie knippen auf klippen, und selbst zu nd. klattern crepitare läszt sich so knattern stellen, so dasz merkwürdig genug die dreiheit im wurzelauslaut klappen : klacken : klatten (s.klatzen 4, a) sich bei der bildung in kn- wiederholte. hd. klaff und nl. knap, mhd. klac und nl. knak begegnen sich völlig in der bed. risz, knack, bruch; und wenn klappen und klopfen zusammengehören, die auch als klacken und klocken auftreten, so erscheint ebenso engl. knack und knock schlagen, klopfen, letzteres aber schon im ags. cnocian, cnucian, womit jene umsetzung in hohes alter gerückt würde.
18867 Zeichen · 499 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    knappenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    knappen swv. in beknappen, enknappen.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    knappensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    knappen , sw. V. nhd. knacken, knistern E.: s. germ. *klapōn, *klappōn, sw. V., klappen, plaudern, schlagen; s. idg. *ga…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Knappen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Knappen , verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und eigentlich eine Art eines…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    knappen

    Goethe-Wörterbuch

    knappen schnappen, zubeißen; in bildhaft vergl Aussage [ Gottfried: ] Nur brave Hunde ists gefährlich im Schlaff zu stör…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Knappen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Knappen , der erste Satz des Balzschlags des Auerhahns, auch das Zusammenschlagen der Schnabelkiefer der Eulen.

  6. modern
    Dialekt
    knappen

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    knappe n , s. gnappe n Seite 264.

  7. Sprichwörter
    Knappen

    Wander (Sprichwörter)

    Knappen 1. Wei will helpen knappen 1 , mot ok helpen backen. ( Büren. ) – Firmenich, I, 361, 11. 1 ) Beissen, essen mit …

Verweisungsnetz

67 Knoten, 57 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Hub 1 Wurzel 2 Kompositum 46 Sackgasse 15

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knappen

62 Bildungen · 34 Erstglied · 24 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von knappen 2 Komponenten

knap+pen

knappen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

knappen‑ als Erstglied (30 von 34)

knappen I

SHW

knappen I Band 3, Spalte 1465-1466

knappen II

SHW

knappen II Band 3, Spalte 1465-1466

Knappen+brunnen

PfWB

knappen·brunnen

Knappen + -brunnen m. : FlN. a. 1658: wann man zu dem Knappen Brunnen zu gehet [Gem-Arch. 44 (KL-Ottbg)]. — Der erste Wortteil, wie auch in …

knappenddro²ge

WWB

knappend-dro²ge Adj. sehr trocken ( Kr. Halle Hal Bh).

Knappenehe

Wander

knappen·ehe

Knappenehe Knappen- vnd Pfaffen Eh werden im Meyen gemacht. (S. Mai.) – Franck, II, 124 b ; Lehmann, II, 314, 59; Simrock, 6763. Lat. : Mens…

Knappenferē²n

WWB

knappen·feren

Knappen-fer-ē²n m. Knappenverein ( die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen Dor Wl).

knappengeld

DWB

knappen·geld

knappengeld , n. mahlgeld. Schilter 517 a ( Scherz 801 ) aus einer urk. von 1386; s. DWB knappe sp. 1344 als mühlknappe.

knappengëlt

Lexer

knapp·engelt

knappen-gëlt stn. malgeld Oberl. 801. Mz. 3,20. 4,221. 309. vgl. knappe, mülknecht.

knappengericht

DWB

knappen·gericht

knappengericht , n. eine art adelicher gerichte, ' z. b. in der grafschaft Hoya ', von knappe (3, a, β ), mann von niederem adel. Adelung, s…

knappengesinde

DWB

knappen·gesinde

knappengesinde , n. wie knappschaft: handwerk- und knappengesind zu Kitzpüchl. Dukher salzburg. chron. 240 .

Knappengraben

PfWB

knappen·graben

Knappen-graben m. : FlN, amtl. Am Knappengraben ; a. 1694: der Knappengraben [NW-Haardt (GemArch.)]. —

knappen II

RhWB

knappen II = knipsen s. knippen III.

knappen III

RhWB

knappen III -ap- [im sndfrk. Trübungsgeb. -ǫ- ; Malm-Bütgenb -ęə- ] das Wort ist rrhn. im ganzen Geb. geschlossen verbr., lrhn. ebenso n. de…

knappenpfenninc

KöblerMhd

knappen·pfenninc

knappenpfenninc , st. M. nhd. „Knappenpfennig“, Abgabe an verschiedenen Rheinzollstätten Q.: Urk (1265) E.: s. knappe, pfenninc W.: nhd. DW-…

knappenrecht

DWB

knappen·recht

knappenrecht , n. ' was ein neugemachter gesell seinem pathen zum geschenk geben musz '. Frisch 1, 526 b . s. DWB knappe 3, b.

knappenreht

KöblerMhd

knappen·reht

knappenreht , st. N. nhd. „Knappenrecht“, Abgabe eines Knappen an seine Zunft Hw.: vgl. mnd. knāpenrecht Q.: Urk (1327) W.: nhd. Knappenrech…

knappenrëht

MWB

knappenrëht stN. ‘Abgabe eines (zuwandernden oder neuen) Knappen an seine Zunft’ (vgl. DRW 7,1136f. mit jüngeren Belegen): sowe oych van in…

Knappenrod

PfWB

knappen·rod

Knappen-rod n. : FlN. a. 1490: 1 wald genant das knappen roidt gef. der herschaft zu stauff naher gaue zu [Lgb. (KB-Rams)]. —

knappenschappellīn

KöblerMhd

knappen·schappellīn

knappenschappellīn , st. N. nhd. Kopfschmuck eines Knappen Q.: HvNst (um 1300) E.: s. knappe, schappelīn W.: nhd. DW- L.: Lexer 417a (knappe…

knappenschar

DWB

knappen·schar

knappenschar , f. schar von knappen: hat gott wolln offenbaren der frommen knappenschaar ( bergknappen ). Abele gerichtsh. (1684) 2, 37 .

Knappenstock

MeckWBN

knappen·stock

Wossidia Knappenstock m. Stock, in den die Jungen jedesmal, wenn sie zur Konfirmandenstunde gehen, eine Kerbe schneiden Ha Hagenow@Loosen Lo…

knappenstube

DWB

knappen·stube

knappenstube , f. fullonia. knappenstub, walke. Frischlin nom. c. 109. 137 . s. unter knappe 3, b, β .

knappenstuhl

DWB

knappen·stuhl

knappenstuhl , m. weberstuhl, s. die vor.: ir vatter würkt den knappenstuol, will er ir ze essen gwinnen. Uhlands volksl. 706 .

knappen als Zweitglied (24 von 24)

abknappen

DWB

abknappen , decerpere, nnl. afknappen, abbrechen, abbeiszen, zumal stückweise. bis er den eber da ertapt und im das ander ohr abknapt. B. Wa…

afknappen

MeckWB

Wossidia afknappen sich etwas durch Entbehrung ersparen: dat Geld hett hei sick all disse Johren afknappt Ro; Reut. 7, 97; jem. von seinem E…

aufknappen

DWB

auf·knappen

aufknappen , effringere nuces, aufknacken, aber auch intransitiv aufspringen, aufschnappen, H. Sachs III , 2, 281 b von einer dürren haut: d…

beknappen

DWB

bek·nappen

beknappen , defringere dentibus, derodere: und bekommen dazwischen ein andacht, ein meszlein zu beknappen, oder ein salve zu hören. bienenk.…

Brotknapp(en)

RhWB

brot·knappen

Brot-knapp(en) , Brot-knäppchen Rip, Barm m.: derbes Stück Brot; Endstück des Brotes.

enknappen

Lexer

enk·nappen

en-knappen swv. er wart dô enknappet, aus einem ritter zu einem mönche gemacht Wolfd. 2124 (eingeknapt Heldb. K. 568,31 ).

entknappen

KöblerMhd

ent·knappen

entknappen , sw. V. nhd. „entknappen“, aus dem Ritterstand entlassen (V.) Q.: HeldbK, WolfdD (um 1300) E.: s. ent, knappen W.: nhd. DW2- L.:…

Flō²knappen

WWB

flok·nappen

Flō²-knappen n. Zerdrücken eines Flohs (zwischen den Fingernägeln) ( Kr. Iserlohn Isl Is).

Holzknapp(en)

RhWB

holz·knappen

Holz-knapp(en) (s. S.) Eusk , Bergh , Jül , Eup , Geilk m.: dickes, grobes H.stück, Wurzelende.

knippknappen

DWB

knipp·knappen

knippknappen , wie knippen 2, knappen 5: als ihn nun jederman mit hut abziehen und knipknappen grüszete. Zinkgref 1653 1, 198 .

oªpenknappen

WWB

oªpen-knappen V. durch Knacken öffnen. Nüete oap’mknapp’m ( die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen Dor Wl).

Rolandsknappen

MeckWB

roland·s·knappen

Wossidia Rolandsknappen im Märchen von Wunschdingen werden drei flüchtende Rolandsknappen erwähnt (1895) Sta Stargard@Wulkenzin Wulk .

überknappen

RhWB

ueber·knappen

über-knappen  SNeuw : sich den Fuss ü., umschlagen, infolge eines verkehrten Tritts.

¹upknappen

WWB

¹up-knappen V. [WMünsterl] verschönern (z.B. festlich anziehen und frisieren; gründlich reinigen, anstreichen, renovieren).

ūtknappen

WWB

ūt-knappen V. aussparen ( Kr. Beckum Bek Al).

verknappen

DWB

verk·nappen

verknappen , verb. knapper als zuvor einrichten: die rationen verknappen. dazu verknappung, f. als nautischer ausdruck bei Bobrik 707 a .

wegknappen

DWB

weg·knappen

wegknappen , wegfangen ( vgl. DWB knappen 8 ' schnappen ' th. 5, 1346, ndl. knappen ' fangen, haschen '): ihm waren bey zweytausend pferde v…

Ableitungen von knappen (4 von 4)

beknappen

DWB

beknappen , defringere dentibus, derodere: und bekommen dazwischen ein andacht, ein meszlein zu beknappen, oder ein salve zu hören. bienenk.…

entknappen

KöblerMhd

entknappen , sw. V. nhd. „entknappen“, aus dem Ritterstand entlassen (V.) Q.: HeldbK, WolfdD (um 1300) E.: s. ent, knappen W.: nhd. DW2- L.:…

verknappen

DWB

verknappen , verb. knapper als zuvor einrichten: die rationen verknappen. dazu verknappung, f. als nautischer ausdruck bei Bobrik 707 a .

zerknappen

RhWB

zer-knappen: etwas z., mit Geräusch zerbeissen Rheinb .