klabastern ,
ein merkwürdiges volkswort, das nach der entwickelung der bed. und den reichen nebenformen alt sein musz. 11) klabástern
selbst heiszt 1@aa)
schlagen, prügeln, und ist so in Mitteldeutschland weit zu finden, hess., thüring., sächs., oberlaus. Anton 9, 7,
schles. Weinh. 43
b.
aber auch ins östr. gebiet eingreifend in Kärnten (
auch kalabastern, kalbastern) Lexer 153,
und ins fränkische in henneb. zerklabastern
zertrümmern (
durchbringen) Fromm. 3, 137;
s. auch das schwäb. u. 2,
a. die bed. scheint wesentlich dem md. anzugehören; fremd aber ist sie dem nd. nicht nach folg. redensart aus dem Lüneburgischen: üt gift klabasters nâ de swere nôt,
schläge. Colshorn im
weim. jahrb. 3, 365;
ähnlich bei Leipzig es setzt klabastre. 1@bb)
nd. ist eine andre bed. vorherschend, polternd laufen, reiten, fahren u. dgl.: de wekenfohrman na Itzehoe baller un klabaster inne infahrt rin. Groth
Trina 149,
vom poltern eines wagens in der thorfahrt; wull (
wer) kumt dar noch anklabastert? 156,
vom pferdegetrappel (
vgl.klepper); auf meines vaters stocke (
als steckenpferde) die stube. auf und nieder zu klabastern.
Siegfr. v. Lindenberg 1, 4.
daher götting. galoppieren Schambach 100
b,
westf. recht hörbar laufen Fromm. 5, 166;
in einem kinderspruche von verschiednem reiten (Simrock
kind. nr. 79)
reiten die husaren klabaster klabaster klabaster!
merkwürdig auch bei Rochholz
alem. kinderlied s. 49
aus der Schweiz, in der formel klibíster klabáster horribili kribrifax,
als schulwitz in '
sauerkrautlatein',
mit ablautspiel versehen (
s. sp. 782
unten)
; die bed. ist nicht erkennbar. aber auch in der Altmark kommt klabistern
vor, dat geit klabister klabaster
heiszt es von einem galoppierenden pferde, s. Danneil 101
b.
*)
das verbum ist übrigens in der angegebenen bed. wieder auch md.; in Leipzig z. b. klabastert
einer mit holzpantoffeln die treppe hinunter. auch gleich störend hin und her laufen (
Leipzig),
poltern überhaupt (
thür.),
z. b. von einem gespenste Schambach 316
b;
auch aus Kaufbeuern, Regensburg wird mir klapastern
so angegeben, also schwäb., bair. 1@cc)
etwas abweichend in der bed. ditm. '
ungeschickt trottiren, in den tag hinein reiten',
auch unordentlich hin und her laufen Schütze 2, 261;
in Posen durch den dreck klabastern,
patschen (
vgl. 2,
a a. e.),
daher auch klabasterig
schmuzig. auch sächs. so, dazu sich voll klapastern.
s. dazu 2,
e. 1@dd)
nebenformen sind klapastern, klapestern, klapaustern (
Leipzig, auch mit b),
alle gut gestützt, s. 2,
d. e; im gaunerdeutsch heiszt nach Grolmann 36
a klapastern
und klapattern (
s. 2,
b)
dreschen. auch kalabastern
ist sächs., und kalopestern. 22)
überhaupt weicht das wort in form und bed. manigfach aus, wie es bei alten wörtern geht, die ohne pflege dem volksmunde überlassen bleiben. 2@aa)
aus Pommern gibt Dähnert klabatschen,
mit der karbatsche durchprügeln, dazu klabatsche
karbatsche; ebenso wieder in Schwaben klawatschen
abprügeln Schmid 315.
man musz wirklich beim aufkommen von karbatschen
diesz an unser wort angelehnt haben, denn selbst die bed. von klabastern 1,
b. c ist darauf übergegangen (
s. sp. 207).
aber auf älteren bestand von klabatschen
deutet nl. klavaatshamer
gleich kalfaathamer,
hammer beim kalfatern gebraucht; Weiland
meint, das wort ahme das wiederholte klopfen des kalfaterers nach, der begriff des darin versteckten klavaatsen
ist also ganz wie beim klabastern
des reiters. das pomm. wort heiszt übrigens auch '
durch den koth steigen (
s. 1,
c),
welches einige auch kladatschen
nennen'. 2@bb)
noch älter im auslaut sieht klapattern
u. 1,
d aus, ostfries. klabattern, kalbattern, karbattern,
prügeln und galoppieren. Stürenburg 101
a;
das kalbattern
ist wie kärnt. kalbastern
unter 1,
a. aber auch kalfatern (
s. d.),
das arabischer herkunft sein soll und allerdings dort trefflichen anhalt hat, findet doch hier einen bedeutsamen deutschen zusammenhang (kalbattern
und klavaatsen 2,
a),
und wie das wort in alle südeuropäische sprachen kam (Diez 80),
könnte es wol auch noch zu den Arabern und Türken gewandert sein? 2@cc)
der begriff wiederholt oder unaufhörlich klopfen tritt deutlich auf in nrh. klabatter
f., so heiszt in Aachen die kath. klapper oder rassel, die man in der charwoche braucht, während die glocken schweigen, s. Müller
u. Weitz 108.
übertragen das. auch klappermaul (
auch klabott
f.),
und letzteres wieder in Schlesien, klabatschke
f. und klabatschker
m. für maul Weinhold 43
b,
das in der form zu a stimmt. es gibt auch mrh. klawatschen (lawatschen)
schwätzen, klawatsch
f. schwätzer, schwätzerin *)
worauf beruht die da erwähnte sage, dasz in einer nd. (
nach andern in einer nl.)
bibelübers. und seine jünger folgten ihm nach
mit klabastern
übersetzt sei? nl. ist das wort gar nicht. Kehrein 227 (
s.klapper 2),
und dazu stimmt nl. bei Kil. klabbotsen
pulsare cum fragore, klabbotse
klatschbüchse, bei Binnaert clabbatse. 2@dd)
so gehört auch hierher der klabautermann
der nordd. matrosen, der kobold des schiffes, der im untern raume haust; das au
stimmt zu klapaustern
unter 1,
d. er heiszt aber auch klabatermann Temme
volkss. von Pommern u. Rügen 300, klabotermann H. Heine
werke 1, 140 (
reisebilder 2, 24), klaboltermann Johansen
nordfries. sprache 10, kabautermännchen oder Lappländer J. Wolf
deutsche sagen 184,
wo sie als kobolde auf dem festlande erscheinen. dasz sie '
klopfende'
kobolde sind, zeigt der name kalfater
den sie auch haben (Temme
a. a. o.),
sie klopfen am schiffe wie der kalfater, vgl. Heines
bericht. ostfriesisch heiszt kalbauter
ein wüster mensch Stürenburg 101
a. 2@ee)
die abweichungen in form und bed. entfernen sich aber auch weiter von klabastern. Schütze 2, 261
gibt aus Holstein klabakken
gleich klabastern 1,
b. im inlaut abweichend pomm. kladatschen Dähnert 229
a,
ebenso westf. kladeistern
lebhaft laufen Frommann 5, 166;
ebenda merkwürdig klabuistern
gleich klamuisern
eifrig studieren über etwas (
kalmäusern),
schlesisch klabustern
aber kleben, kleistern, klabustrig
schmierig (
vgl. unter 1,
c und nd. klabbern
in schmierigem hantieren Fromm. 6, 215);
sächs. klapustern
pl. menschenkot, klapusterbeeren
kotklunkern, aber auch klabastern,
z. b. butter aufs brot kl.,
dick streichen, '
klecksen'.
endlich der einzige ältere beleg in der form knabestern,
in der bed. fortjagen (
s. kamesierer a. e.) 33)
für sichere beurtheilung fehlen ältere nachweise. im ganzen drängt sich als unterliegend der nd. md. stamm klap
klappen, klopfen auf, der einzeln auch in der form knap
sich zeigt (
s.knappen a. e.)
; das zurückgehen des p
auf b (
doch s. auch 1,
d)
erklärt sich ausreichend daraus dasz es hier zwischen vocale zu stehen kam. der zweite worttheil, der den ton auf sich zog (
wie in kalmäuser),
scheint eben darum nicht bildungsendung, sondern ein zweiter stamm (
dieser ton erklärt wol auch die änderung des kla-,
wie man nun die silbe fühlte, in kala-, kal-);
vgl. nd. bats, batsche
schlag u. ä., nl. botse Kil.,
zu kladatschen
nd. klatern
klappern (
s.klatzen),
zu klabastern klastern.
s. auch Woeste
b. Fromm. 5, 166
und nd. klabûs!
klack! 6, 424.