wanne,
f. kornschwinge, eirundes gefäsz. II.
herkunft und form. das wort, ahd. wanna,
mhd. mnd. wanne,
ndl. wan, wanne (
schwed. vanna
ist lehnwort aus dem deutschen),
stammt vom lat. vannus,
f., '
getreideschwinge'
und ist wol gleichzeitig mit flegel (
lat. flagellum)
entlehnt; dazu das verb. wannen.
lat. vannus
hängt etymologisch zusammen mit ventilare '
worfeln',
lit. vëtau,
serb. vijati '
worfeln' (Walde 648),
got. diswinþjan '
zermalmen', winþiskauro,
ahd. winta, wintwanta (Otfrid 1, 27, 63) '
worfschaufel', wintôn,
ags. windwian,
nengl. winnow '
worfeln'.
für ahd. wanna
entlehnung aus dem lat. anzunehmen, liegt zumal in hinblick auf das sicher aus dem lat. übernommene ags. fann,
nengl. fan '
schwinge'
näher, als das wort mit Kluge
7 482
auf ein germ. *wanþna
zurückzuführen, neben dem dann *winda (
ahd. winta)
und *wanda (
in ahd. wintwanta,
hierher auch wande
voc. ex quo c 6
a?) '
worfschaufel'
gestanden hätte; doch wird ahd. winta, -wanta
neben wintscufala, wintworfa
u. a. bewirkt haben, dasz vannus
als [] fem. aufgenommen wurde (
ital. vanno,
franz. van
sind masc., obwohl lat. vannus
fem. ist).
für lat. vannus
steht in den glossen einige male vanna Steinmeyer-Sievers 3, 643, 19. 666, 51. 4, 111, 5,
wol rückwirkung des deutschen fem., da ein spätlat. vanna
nicht belegt ist. auf ein deutsches masc. weisen wol die formen wan 2, 700, 11. 723, 35. 3, 371, 35. 389, 29. 447, 35
hin; auch im ältern nd. steht neben wanna, wanne
f., wan
stm. Gallée 366 (
aus glossen).
dialektisch wird das masc. jetzt bezeugt im westfälischen Woeste 315,
waldeckischen Bauer-Collitz 111
a,
luxemburgischen wörterb. d. luxemb. mundart 474
a,
auch in ndl. dialekten. die declination von wanne
ist in der älteren zeit meist schwach, z. b. mit der wannen
weisth. 1, 163 (
Luzern 14.
jh.),
acc. ain wannen Hätzlerin 199 (2, 39, 17),
doch zuweilen auch stark: in der wan
Seifried Helbling 1, 1015
Seemüller. umlaut im plur. wèn (
sg. wàn)
neben wanən
führt aus dem lothringischen Follmann 530
a an. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) wanne
als '
kornschwinge'. II@1@aa)
das wort wurde mit der sache von den Römern übernommen (swinge
ist als '
kornschwinge'
erst mhd. belegt);
es ist ein eirundes, nach unten flach gewölbtes geflecht aus ruten, binsen, stroh oder auch dünnen holzspänen, aus dem spreu und staub durch hin- und herschwingen und aufwerfen des inhalts von den körnern weggeweht wird; vorher reinigten die Germanen die ausgedroschenen getreidekörner von der spreu durch worfeln mit der worfschaufel und zur aussonderung des unkrautsamens durch siebe, zwischen beides wurde nun der gebrauch der wanne
geschoben, s. Heyne
hausaltertümer 2, 59; J. Rohr
die gefäsze in den ahd. glossen (
Greifsw. 1909) 56.
schon früh wird auf die besondere verwendung beim reinigen des körnerfutters hingewiesen, hier hat sich auch die sache mit dem wort, besonders in der zusammensetzung futterwanne (
s. d.),
am längsten gehalten, während beim säubern des brotkorns, besonders in gröszeren betrieben, andere vorrichtungen (fege, wannmühle,
s. d.)
dafür eingetreten sind. in den ahd. glossen gibt wanna
in erster linie lat. vannus
wieder, in den sachlich angeordneten weist schon die umgebung auf die bedeutung hin, z. b. cribrellum, sib
cribra, riddra
coffinus, corbh
vanna, wanna Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 643, 19;
andere stellen bei Rohr
a. a. o.; in den vocabularien: vannus Diefenbach
gl. 606
b;
clabrum (
l. flabrum) wan,
nd. wanne 125
a;
convulsa i. vannus, ein wande
voc. ex quo c 6
a; wanne dor in man futer swyngt
voc. theut. mm 8
b.
die späteren wörterbücher führen alle wanne, wann
in der bedeutung '
kornschwinge'
an, so dasz sie als schriftsprachlich gelten kann: Dasypodius 452
a. Frisius (1568) 1346. Maaler 484
a. Calepinus (1584) 1398
b. Hulsius 273. Duez (1652) 94. Schottel 1440. Stieler 2433. wanne, futterwanne, futterschwinge Rädlein 1029. wanne, eine frucht- oder schwingwanne; futterwanne, haberwanne Ludwig 2381. Frisch 2, 422
b. Rondeau. Adelung; Steinbach 2, 933
aber empfindet wanne
in dieser bedeutung als mundartlich (
in Schlesien nicht üblich)
gegenüber schwinge.
dieses wort tritt schon früh in wettbewerb mit wanne,
besonders in futterschwinge, kornschwinge: wannen zu dem futer,
vulg. futerschwingen
voc. inc. teut. c 2
b;
es gilt jetzt im ostmd. und ndd.: Luther
hat zwar wanne,
aber Güntzel 833
gibt wanne, kornwanne
für Nürnberg, kornschwinge
für Leipzig an; Gueintz
rechtschreibung (1666) 154
erklärt: wanne ... ist ... eine futterschwinge;
die sachwörterbücher von Zedler, Zinke, Jacobsson
verweisen von schwinge
und futterwanne
auf futterschwinge, Hertel
und Frischbier
kennen nur schwinge (
das ostmd. ist aber das hauptgebiet von wanne
in der bedeutung '
ovales böttchergefäsz'
s. 4).
auch auf bair.-österr. gebiet scheint wanne '
kornschwinge'
nicht allgemein gebräuchlich zu sein, Schmeller
2 2, 921
erwähnt die bedeutung nicht ausdrücklich, doch bezeugt sie Schöpf 801
für Tirol, auch gibt Bacher
die sprachinsel Lusern 222 wan '
wurfschaufel' (
vgl. 2)
an, Tschinkel
gramm. der Gottscheer ma. 164 buene '
mhd. wanne'.
das hauptgebiet der bedeutung ist das alemannische, fränkische und westliche niedersächsische: '
futterschwinge' v. Greyerz
kleines berndeutsches wb. 23; '
getreidewanne' Hunziker 286; Schmidt
Straszburger ma. 115
a; '
getreideschwinge mit 2
handhaben' Martin-Lienhart 2, 827
b;
[] wann Follmann 530
a;
für das schwäbische gibt Schmid 517
das verb. wannen
an mit der erklärung '
in der wanne
schütteln, ausstäuben'; fuutawanne Meisinger 226; '
langrunder korb zum schwingen und als behälter' Crecelius 893;
ferner wan,
m. '
futterschwinge'
wb. der luxemb. ma. 474
a;
wol auch in Köln (
vgl.wannenläpper);
s. unter I Bauer-Collitz
und Woeste;
auch ostfries. wanne, wan ten Doornkaat - Koolman 3, 509.
einheimisch scheint also (
trotz des weitergehenden schriftsprachlichen gebrauchs)
das lehnwort im wesentlichen in den landschaften zu sein, die unter römischem einflusz gestanden haben. die gebräuchlichsten wendungen sind: das getreide mit der wanne schwingen (
vannare, schwingen mit der wannen
frumenta voc. pred. Z 1
a)
oder in der wanne (
s. o. voc. theut.); auf: die ausgedroschenen körner werden ... auf der wanne geschwungen Basedow
elementarbuch f. d. jugend (1770) 2, 36; aus: die müller und ir knächt söllend hinfür kein nachkorn us der wannen in die fuotterstanden mer schwingen
stadtrecht von Arau 160, 13
Merz (
um 1510).
weitere belege zur veranschaulichung des gebrauchs der wanne: die zinser von Adelgeswile die sullen an sant Martis tage weren den zins in den hof, und das selbe korn mit der wannen und dem phlegel machon, so si erberlichost mugen
weisth. 1, 163 (
Luzern 14.
jh.); das enkeiner, so ze Zúrich körbe, zeinen, wannen oder sip machent, mit der zimberlúten zunft nicht ze schaffenne haben súln
Zürcher stadtbücher 1, 121 (1341)
Zeller-Werdmüller; im pawstadel ist hew ... waitz und stro ... item 11 wannen
inventare aus Tirol und Vorarlberg 30, 115 (1479)
Zingerle; zeitige frücht werden mitt der sichel abgeschnitten, und auff dem thenn auszgeriben, oder in die scheuren gefürt und mitt pfleglen auszgetroschen, behalten, und darnach mitt wannen geseuberet Bechius
Agricola (1557) 10; das die ... so korn verkaufften, das (
maulthier) nit von den wannen (
incerniculis), körben, darinn man das korn sauber machte, hynweg triben v. Eppendorff
Plinius (1543) 8, 79 (8, 43, 3); wie er dem guten alten wannen und flegel, pflugeisen und karst aus den händen risz Pestalozzi 12, 490 (
Christoph u. Else); damit schüttete er seine wanne auf den kornhaufen aus, ergriff seinen flegel wieder Gotthelf 5, 282.
als futterwanne: die ochsen ... werden gemenget futter essen, welchs geworffelt ist mit der worffschauffel und wanne
Jes. 30, 24 (das mit der wannen wol erschwungen ist
Züricher bibel); der harnisch kan uns nun an statt der wannen sein, aus welchem man dem vieh' ein futter schüttet ein. Rist
Parnass 488 (
daselbst auch 601 die wannen
des ackermanns); habt doch geduld! gleich bring' ich euch haber und klei' in der wanne! Voss
gedichte (1802) 1, 101.
das wannen des korns geschieht häufig erst in der mühle (
vgl. auch oben stadtrecht von Arau): me alleʒ daʒ zu der schetzunge hœret, eʒ sin reder, steyne, secke, wannen, casten, siebe, muleysen ... daʒ sal alleʒ der egen. frouwen reht underphant sin Baur
hess. urkunden 3, 380 (1356); rhedzüber, melkasten, beüteltrög, wannen oder schwingen, sib, beütel, und alle traidmasz söllen gantz und unschadhafft sein Tengler
laienspiegel (1518) 25
a; die müller müssen auch beutel, sib und wannen haben Garzoni
schawplatz (1626) 426; ain wannen nymm ich in mein hand, ist friuntlich angedanck genannt, darein vasz ich die liebe dein und schütt die uff den mülstain. Hätzlerin 199 (2, 39, 17); wo drunten im tobel das mühlrad wacht, die staubigen knecht an der wanne die haben gehorcht die ganze nacht auf das irre gespenst im tanne. A. v. Droste-Hülshoff 2, 496
Kreiten. die wanne
erscheint neben der pflugschar als symbol anerkannter gerichtszuständigkeit: und deʒ zu urkund so git ein keller jerlich in den selben hof ein wannen und sy in disen hof zwên wegîsen
Argovia 2, 134.
der glaube, dasz die wettermacher mit einer wanne
hagel hervorrufen könnten, beruhte wol auf einer vergleichung der hagelkörner mit herumfliegender spreu (
vgl. auch Grimm
mythol.4 909):
[] sid ich disz wunder alles kan, so hat der kaiser mir verbotten harpfen und rotten, und hat mir verbannen tröschen und wannen, und käm ain wann in min hant, der hagel slüg über alles lant.
liedersaal 2, 314, 118 (
meister Irregang).
fraglich bleibt, ob im folgenden unter wanne
eine kornschwinge zu verstehen ist: das man hinnanfürder dheinerley lüstelinsspiele mit würfeln tuon sol, ouch nit bocken, ouch nit in die wanne mit pfenningen schieszen
Straszburger zunftordnungen 475
Brucker. die wanne
erscheint als ein attribut des Bacchus: jezo vernim die geräthe des abgehärteten landmanns ... schleifen und dröschgestell', und die last unmäsziger karste ... flechte des erdbeerbaums, und die mystische wanne des Bacchus. Voss
Virgil 1, 135 (
georg. 1, 166); der junge Bacchus, in einer wanne, von faun und bacchantin im heitersten triumph einhergetragen Göthe
briefe 42, 222
Weim. ausg. II@1@bb)
bildlicher gebrauch. die den stoff läuternde thätigkeit des dichters und forschers wird der wirksamkeit einer wanne
verglichen (
s.wannen '
läutern'): hêt ich nu sô tieffe sinne, daʒ ich die tugent und ouch die minne möhte getihten, als ich wölte und als ich ze rehte sölte, sô wêr ich wîser denne mîn genanne meister Hûk, des herzen wanne sô gar durchswungen hat diu minne mit süeʒen worten, ûʒen und inne, daʒ alle die meister im müeʒen entwîchen. H. v. Trimberg
Renner 20950
Ehrismann; alle menschensatzungen, die in der christlichen kirche aufkommen und angehäuft sind, sind spreu und stoppeln; wir mögen die körner aufsuchen, die darinn liegen, ein klares auge und ein freier arm beim gebrauch der kritischen wanne kann uns von niemanden, der ein menschliches antlitz trägt, untersagt werden Herder 14, 556
Suphan; hier, versteht sich, ist nur von guten, graden menschen die rede, halb- und schiefköpfe werden gleich ohne umstände mit der wanne gesondert Göthe 32, 161
Weim. ausg. II@1@cc)
sprichwörtliche redensarten. II@1@c@aα)
der eitle, hochmütige, tollkühne thut, wirft sich hervor, wie das böse (
die spreu, das unkraut) in der wanne: yetz wiltu (
dichter) unser narren bannen? recht wie das bösz thuot in der wannen, also würffstu dich selbs her für. Murner
narrenbeschw. 2, 12
Spanier; sie machent sich herfür wie das bösz in der wannen Keisersberg
postill 177 (
nach Spanier); wann hört doch eyn mal auff dein ongezembte tolle künheyt sich herfür zuowerffen, wie dʒ bösz in der wannen?
Sallust (
Cammerlander 1534) c 1
a; du aber hast weder pferd noch knecht und würffst dich herfür wie das bösz in der wannen, wilt uns da mit deiner junckerschaft fretten Frey
gartenges. 71, 16
Bolte; wann es übel gehet, so ist sein hertz frölich, ein schadenfroh, thut sich herfür wie das böse in der wannen Philander (1650) 1, 254; wann es etwas mit dem feind zu thun gab, warf ich mich herfür wie das böse in einer wanne und wolte allzeit vorn dran seyn
Simpl. 1, 230, 9
Kurz. II@1@c@bβ) wir mögen sagen, tyrannen machen weit wannen (
d. h. das land leer), greulicheit hat nit vil leut S. Franck
sprüchw. (
Frkf. 1541) 1, 16
b. II@1@c@gγ) vergebne arbeyt. einer wannen vol flöh hüten 1, 27
a; es ist besser einer wannen voll flö hüten, dann eines schönes fürwitzen und unkeuschen weibes Eyering
prov. cop. 2, 509 (
vgl. auch 1, 619);
ähnlich Henisch 1156, 64; hewschrecken und ein wann mit fleh theten mir zuo hietten nit so we, als wann ich sol ein frow bewaren, die selb an mir nit wol wil faren. Murner
narrenbeschw. 90, 1
Spanier. II@1@c@dδ) einem mit der wannen wingen (
winken)
bei Keisersberg (
s. die stelle unter wannen 4
b) '
ihn dringlich auf etwas aufmerksam machen' (
vgl. mit dem zaunpfahl winken); man musz ihm mit der wanne winken, und mit
[] dem holzschlegel drauf deuten Kirchhofer
Schweizer. sprüchwörter (1824) 237; mit der wanne wannen
bei Keisersberg '
verdeutlichen'
ebenda. II@1@c@eε)
die schwinge hat zwar bisweilen an zwei seiten handhaben (Martin-Lienhart 2, 827),
kleine henkel oder löcher zum durchgreifen, aber keinen über die mitte gehenden groszen henkel, daher die redensart zu einem in bedingungssätzen redenden, die mit wann (
diese form ist für das wortspiel vorauszusetzen) '
wenn'
beginnen: wenn ene wann en henk hätt', da wäre e ene korev Gierlichs
sprichwörter a. d. Eifel, rhein. geschichtsblätter 5, 134;
ähnlich: wenn e wann e korb wär Ch. Schmidt
Straszburger mundart 115
a. Martin-Lienhart 2, 827; wann is kein käskorb Kehrein 438; en wan es gienen eierkorf Leihener 131; en wann es kain kükenkorf Woeste 315
a;
vgl. Wander 4, 1781; wanne ist kein korb G. T. Pistorius
jurist. sprüchwörterschatz 9, 97. Simrock
sprichw. 11181;
auch: e wann isch ke ridder (
getreidesieb) Follmann 530
a. II@22)
in den glossaren und wörterbüchern scheint häufig der unterschied zwischen wurfschaufel
und wanne
verwischt, doch wird wol nur eine ungenaue gleichsetzung der beiden worte, keine bedeutungsverschiebung von wanne
in frage kommen; zuweilen wird genau unterschieden: ventilabrum, werffschaufel
vannus, wanne Brack (1487) 36
a;
doch oft gibt wanne
auch ventilabrum, velabrum wieder, z. b. Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 291, 10. 3, 310, 14. 371, 35. 389, 29;
Mones anz. 8, 397 (13.
jh.). 4, 238 (14.
jh.). 6, 221 (
anf. 15.
jh.); Diefenbach
gl. 610
c,
nov. gl. 378
b; Maaler 484
a. Schottel 1440. Stieler 2433 (
die drei letzten neben vannus);
ventola Krämer 1208;
ferner: ich wil dich mit der wannen (
vulg. ventilabrum, wind-worff-werfschaufel Zainer, Luther, Eck) allenthalb in die land zerwerffen
Züricher bibel, Jes. 15, 7. (
umgekehrt wird auch vannus durch wintschufel [Steinmeyer 4, 218, 41 ], wurfschaufel [
vannus, eyn wanne oder eyn wurffschaufel
voc. ex quo (1490)
s. 8
a]
übersetzt.)
auch pala,
eigentlich '
schaufel',
gibt wanne
wieder: wintschauffel, wann (
Tirol 15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 276
a;
nd. wanne Schiller-Lübben 5, 592.
wenn wanne
mit '
sieb'
erklärt wird, so könnte hier eine wirkliche bedeutungsverschiebung vorliegen, da beide geräte aus gleichem material geflochten werden konnten und auch die handhabung ähnlich war (
ähnlich wird in Leipzig für das futtersieb, das hier allein noch üblich ist, zuweilen futterschwinge
gesagt): capisterium
wird als '
sieb'
gefaszt und mit wan
übersetzt Diefenbach 97
a; ein wann oder sybe
gemma (1515) d 6
a;
ndl. wan of seef
horae belg. 7, 15 (1419); wanne, wan
Teuthonista 482
b Verdam; ferner: capisterium, ein wann, sib, oder reyteren Frisius (1556) 187
b;
capisterium, cribrum (
neben vannus) Maaler 484
a;
vaglio, crivello Krämer 1208. II@33)
die wanne
wird nicht nur beim schwingen, sondern auch wie andere geflochtene behälter zum tragen und aufbewahren gebraucht, das wort zeigt daher hie und da auch die bedeutung '
korb'
ohne rücksicht auf seine verwendung und auch mit abweichungen von der ursprünglichen form. schon ahd.: ganna vel sporta, wanna Steinmeyer-Sievers 3, 630, 36;
jetzt in obd., md. und westnd. dialekten (
vgl. auch wännlein): wanná '
groszer, halbkugeliger schienenkretzen (
spankorb)' Frommann 7, 407 (
an der schwäb. Retzat); '
groszer, aus breiten spänen geflochtener korb, rund oder länglich, mit meist flacher wölbung'
zeitschr. f. hd. mda. 5, 184 (
Eichstätt); '
kreisrunder korb aus holzschienen' Lenz
Handschuhsheimer dialekt 52; '
länglichrunder korb' Kehrein 438; '
kleiner flacher korb' Vilmar 441; '
korb ohne henkel' Döring
Sondershäuser ma. 2, 86; wange (
gew. wanne) Schambach 285; aus den wurzeln (
der palme) flechtet man körbe und wannen Ritter
erdkunde (1822
f.) 5, 851; Anna hatte eine mächtige wanne voll grüner bohnen der schwänzchen zu entledigen und an lange fäden zu reihen, um sie zum dörren vorzubereiten G. Keller 1, 241.
um 1500
wurde besonders der tragkorb des hausirers wanne
genannt (
vgl.wannenkrämer
und wännlein): der tüffel thuot eben als die kremer, die iren krom feil tragen in einer wannen, die selben die schnöcken all winckel ausz und haben vil narrenwerck und thorechte ding feil Keisersberg
brös. 1, 104
c; ein wannenkremer der bleibt nicht an einem ort, er gat mitt seiner wannen hin und her
ebenda; [] desmals waren nit so grosz gewell, als man iezund allenthalben findt, dasz man vil grosz ballen fuort und bindt, so vor nür klein schreglein aufgeschlagen, beutel, spiegel in wannen umbtragen. Liliencron
hist. volksl. 3, 344, 74 (1520). II@44)
der name wanne
wurde von dem flechtwerk auch auf andere eirunde flache gröszere gefäsze übertragen; schon aus dem anfang des 11.
jh. (
Heinrici summarium)
scheint diese übertragung nachweisbar, doch sind noch im mhd. die belege spärlich, vom 15.
jh. an werden sie häufiger; im bairisch-österreichischen bedeutet wanne
besonders ein wannenförmiges küchengeschirr (
s. unten wännlein
und wandel
sp. 1557),
während im ostmitteldeutschen, auch in nordd. sprache, die bedeutung '
gröszeres böttchergefäsz' —
die bei badewanne
allgemeiner üblich ist —
herrschend geworden ist, wofür in andern gegenden zuber, bütte, bottich, kufe,
im bair.-österr. schaff,
im ndd. auch tine
gebraucht wird; theilweise finden sich diese ausdrücke auch neben wanne,
indem nach dem umfang oder der form unterschieden wird: in der Neumark ist die wanne
gröszer als die tine (
zeitschr. f. d. mda. 1910, 37), zuber, bottich, kufe
wird oft auf die runde form beschränkt, bütte
besonders als langes, sich unten verjüngendes rückentraggefäsz genommen. bei wanne
wird an der ovalen form festgehalten; abweichungen davon sind nicht häufig: (
da nd. tyne) vor ein waschgefäsze, oder eine runde wanne gebraucht wird Gottsched
beitr. z. crit. hist. 2, 305; zwei runde wannen ..., die mit brennendem wohlriechenden holze gefüllt waren Gutzkow (1872
ff.) 6, 212; etwas unbequem ist die form der langen viereckigen (
bade-)wannen, die einem sarge nicht unähnlich sehen
fürst Pückler
briefwechsel u. tagebücher 2, 147. II@4@aa) wanne
allgemein '
längliches gefäsz aus metall oder holz'
: cotibula, wanna (
Heinrici summ.) Steinmeyer-Sievers 3, 348, 5; wanne,
patula (
sonst mit pfann
übersetzt) Diefenbach
gl. 417
b; deck uber ein schaff oder wannen,
pabo voc. inc. teut. d 2
a;
trua, ein wanne oder tzuber
voc. opt. (
Leipzig 1501) Ff 3
a;
trua, zuber ader wanne (
hd.)
horae belg. 7, 36;
solium, ein schoten oder wanne (
unter den vasa conservatoria et promptuaria) Trochus
prompt. (
Leipzig 1517) S 3
b; wann, zuber,
solium, labrum Emmelius
ncl. 276; kupferne wanne,
labrum aeneum Stieler 2433; wanne,
ein wannen-förmig, langrundes gefäsz Ludwig 2381;
labrum, lacus Steinbach 2, 433;
geschirre der böttcher, labrum Frisch 2, 422
c;
länglichrundes gefäsz von holz oder metall Jacobsson 4, 590
b. Adelung; welcher (
böttcher-)meister sein und werden wil, der sal seine meisterschafft beweren mit einer wanne und vasse
urkundenbuch der stadt Freiberg 3, 166, 5 (
um 1450); wenn einer das hantwerg beweisen wil, das sal er thun mit einem bottichen, mit eyner wannen und mit einem halben fuder 10; man kunt sich des wassers nit erweren und schopften ir 20 mit schaffen, multern, wannen und mit schufen
städtechron. 10, 381, 3 (
Nürnb. 1487); schaff, wannen, zuber, do die frawen deglich eindewen, knortzen und sudeln, waschen, pauchen, laugen und prudeln. Folz,
fastnachtssp. 3, 1219; kessel und pfannen, schäffer und wannen .., schicken sich zusammen Abr. a. S. Clara
Judas (1687) 1, 275; als sie des unersättlichen Cyrus kopf in die wanne voll blut geworffen Lohenstein
Arminius 1, 199
a; das herz junger mädchen läszt wie neue wannen und butten anfangs alles durchtropfen, bis es die gefäsze durch schwellen behalten J. Paul
Kampanerthal 43; es schwammen in molken alle gefäsze, die wannen (
spätere ausg. butten) und eimer, worinnen er melkte. Voss
Odyssee (1781) 9, 223; neben dem heerd' auch hing mit dem ör' am hölzernen nagel eine buchene wanne (
für das fuszbad).
idyll. 18, 75; wie sie (
die Danaiden) schöpfen und füllen! leer und immer leer! nicht einen tropfen wassers zum munde, nicht einen tropfen wassers in ihre wannen! Göthe 17, 42, 22 (
triumph der empfinds. 4)
Weim. ausg.; man bring ein bad schnell meinem gottheitmüden fusz! ... wo bleibt die löwenfüszige, eherne wanne noch? Droysen
Aeschylus (1841) 531.
[] in taxordnungen läszt die zusammenstellung mit andern gefäszen zuweilen einen schlusz auf die grösze zu: ein reiffen um eine wanne 6 pf., um ein bierfasz 2 pf. ... ein kuffenreiffen 3 pf.
codex Augusteus 2, 857 (1623); eine tonne von 40 stübchen 12. bis 18. mgr., ein schottfasz oder wanne mit einem deckel 2 thr., ein zuber 12. mgr.
braunschw.-lüneb. taxordnung 1646
bei Struve
syst. jur. opif. 1, 378. II@4@bb)
seit dem 15.
jh. ist die engere bedeutung '
badewanne'
belegt: wanne oder zuber dorinne man padet,
tyna voc. theut. (1482) mm 8
b; wannen zu dem bade,
orcius, dolium voc. inc. teut. C 2
b;
solium, ein wanne,
vas in quo lavamur Trochus P 2
a; wanne darin man badet,
labrum Schottel 1440;
badkuip Kramer 259
a;
baignoire, cupe Rondeau; wanne,
oder kupfferbad, da der mensch im wasser sitzet Zedler 52 1991; ein wildpader, der ie zu zeiten do innen in dem wildpad ist, der lest die wannen halb pinden, wenn sein not ist, und der stat zinsmeister den anderen halben teil ... aber kurtze pretter über die wannen soll ein paumeister darzu geben Tucher
baumeisterbuch 246, 16; der sasz ... in eim zuber oder wannen Lindener
katzipori 18
Lichtenstein; als sich der landtsknecht het auszogen und nacket alda stuond, sprange er fluchsz zu dem edelmann inn sein wannen Schumann
nachtbüchlein 284
Bolte; nim wecholter holtz ... kochs in wasser, darinnen soltu nüchtern baden in einer wannen J. Heyden
Plinius (
Frkf. 1565) 154 (8, 27,
nota); (
das gespenst) bad sich mit den kindern, setze sich mitten inn die wannen J. Nas
das antipap. eins und hundert (1567
ff.) 2, 192
b; von einer person ... so ins bad gehet 6. pf. ... von einer wanne 1. groschen
badertaxe, codex Augusteus 2, 860 (1623); ich soll in einer wanne mit warmem wasser sitzen, nur bis an den leib darinn W.
an J. Grimm,
briefwechsel 112; die itzt dort sitzt, doch mir an schad, in einer wannen im wilbad. H. Sachs 12, 546, 35
Keller; stiegen sie ein zum bad' in schöngeglättete wannen. Voss
Odyssee 4, 48; kaltes über kaltes wasser giesz' ich in das bad hinein; es verdampft, wie eingesogen von der wanne heiszem stein. W. Müller
gedichte 290
Hatfield; doch murr' ich nicht, ich sage: sehet da, ich bin ergeben, ich bin Seneca, als in die wanne rauschten seine adern! Freiligrath
gedichte3 299.
zum baden dienendes bassin: er bückte sich, die kanne wieder vom boden aufzuheben. dabei wankte er und muszte sich am rande der steinernen wanne festhalten v. Holtei
erzähl. schriften 9, 133.
bildliche verwendung: umb zu bezeugen: dasz die Deutschen ... nicht wie der grosze Antiochus in der wanne der wollust das gemeine heil zu ersäuffen pflegten Lohenstein
Arminius 2, 743
b. II@4@cc)
die verengung der bedeutung zu '
waschwanne'
ist erst später, besonders aus Mitteldeutschland und aus niederdeutschem gebiete belegt (
oft diente wol dieselbe wanne
zum baden und zum waschen): wanne, waschkuff,
tina da lavare Hulsius 273; '
waschfasz'
nd. jahrb. 34, 100 (
Eilsdorf bei Halberstadt);
der '
längliche waschkübel' (
der runde heiszt tîne) Frischbier 2, 455; ten Doornkaat Koolman 3, 509;
in Leipzig unterscheidet man jetzt die längliche niedrige waschwanne,
auch wanne
schlechthin, von dem runden und hohen waschfasz
oder brühfasz;
aber '
brühfasz'
in Hohegeisz im Oberharz, zeitschr. f. d. ma. 1910, 258;
zum waschen und zum einsalzen des fleisches Amaranthes
frauenzimmerlex. 2098. Zinke (1753) 3097; die wäscher hatten sehr hohe, tiefe und lange ovalrunde wannen unter diesem gange mit wasser aufgesetzet
der Leipziger avanturier 1, 27; eine wanne, die wohl im sommer zum bleichen gedient hatte Bettine
Göthes briefw. mit e. kinde (1853) 3, 121; da stand eine grosze wanne und allerlei wäsche darin O. Ludwig 2, 342. II@4@dd)
gefäsz für fische: (
beim fischen) musz man vor an dem damm (
des teiches) ... etliche bodingen und wannen mit frischem wasser stehend haben v. Hohberg (1682) 2, 487; wannen, die fische darein zu setzen Döbel (1754) 4, 101; keine fischhändlerin darf jedoch mehr als zwei wannen (balgen), eine grosze und eine kleine und zwar neben einander vor sich aufstellen
polizeiverordnung Danzig juli 1858.
[] II@4@ee)
gefäsze bei der wein- und bierbereitung: allerhand gefäsz die trauben darein zu lesen ..., wolgepichte wannen Sebiz
feldbau (1579) 521; vor eine wanne, da ein fasz bier eingehet 12. bisz 21. groschen
codex Augusteus 2, 857 (1623); vor eine wanne unter den bottich zu setzen bisz 8.
gr. ebda; eine bottichwanne 858; eine würtzwanne 856; biergefäsze ... hefen-fäszlein, bier-gelte, wanne Amaranthes 209; wanne, würzwanne, kühlwanne (
s. d.) Frisch 2, 422
c; eine wanne zu dem mälzen,
bac Rondeau.
bei der salzgewinnung: unter der zapffen-banck ist eine wanne in die erde gegraben, darein die sole von den überlauffenden zöbern abfleust Hondorff
das saltzwerk zu Halle (1670) 37. II@4@ff)
küchengeschirr, gefäsz für speisen und getränke: ir eʒʒet wol vier eier ê und trinket dan ein beischerl. zwiu sol in der wan daʒ verl? des eʒʒet ir noch wol ein teil.
Seifried Helbling 1, 1015
Seemüller; gar recht, ich habe gar ein trefflich heyraths gut .., einen küpffern wasser-topff, vier wannen, zwey kannen. Chr. Reuter
Harlequins hochzeitschmaus 53
neudr.; spitz-pfeilerhafftig stand der schenktisch aufgethürmt, mit aus gediegnem gold gemachten bechern, kannen, und anderm trinkgeschirr an schaalen, muscheln, wannen, und kelchen ausgeziert. König
gedichte (1745) 241; in der mitte stand eine grosze crystallene wanne, mit weiszem weine gefüllt Lohenstein
Arminius 2, 514
a; wanne à la daube
zum dämpfen, mit einem durchlöcherten bleche Zinke (1753) 2, 3097; als alles (
fleisch) gar, that sie es in die wanne von überzinntem bleche — lang und breit. A. Pichler
neue marksteine 146;
vgl.gluatwanna, '
kiste (?),
um die ofengluth aufzufangen' Bühler
Davos 2, 41. II@4@gg)
in den geistlichen schauspielen wurde die erhöhung der vorderbühne, auf der besonders der teufel agirte, häufig durch fässer oder bottiche hergestellt, von denen eins als eingang zur hölle diente, vgl. Roskoff
gesch. des teufels 1, 382. Devrient
gesch. der schauspielkunst 1, 52, 63. Weddigen
gesch. der theater Deutschlands 1, 13.
im Alsfelder passionsspiel 672
sagt Sathanas: ich weisz ein wipp uff miner wann, die wel ich zu hilff hon: sie ist Herodes herczenstrud. (
vgl. hinter 132:
Lucifer ascendit doleum; 144: dasz ich uff disser bodden moge gespringen;
also nicht '
ventilabrum',
wie Grein meint);
vgl.: sie heten auch (
zur vasnacht) kostliche hell, was ein grosz schiff und ein hohen segelpaum und ein wannen darauf, darinn sasz der teufel
städtechron. 11, 698, 12 (
Nürnb. 1506). II@4@hh) wanne '
behälter'
in der technik. II@4@h@aα) 'pneumatische wanne
nennt man die behälter, in welche man quecksilber, wasser oder salzlösungen giebt, um darüber gase aufzufangen' Fehling
handwb. der chemie 9, 508. Prechtl
encykl. 6, 364. Röhrig
wb. der berg- und hüttentechnik 2, 345. II@4@h@bβ)
länglicher schmelzhafen in einem glasschmelzofen Prechtl 6, 595;
der ofenraum eines wannenofens (
s. d.) Karmarsch-Heeren
3 4, 18. II@4@ii)
redensarten und sprichwörtliches: einem lauge in die wanne gieszen '
ihn scharf mitnehmen': könnten sie mir ... anzeigen, was etwa schon davon (
von der Iris) bey ihnen recensirt ist, so hätte ich lust, diesen salbadern einmal etwas lauge in die wanne zu gieszen Göthe
briefe 19, 99, 6
Weim. ausg.; besser die eigene wanne, als das fremde fasz Wander 4, 1781; und die moral von der geschicht': bad zwei in einer wanne nicht! W. Busch
das bad am samstag abend (
schlusz). II@55)
die wanne
erscheint besonders in abgabeverzeichnissen als mehr oder minder genaues masz. II@5@aa)
zu '
schwinge, korb'
gehörig: das sy (
die bäcker) von einem malter vAesen nemen sollent ze renlen (
rollen, das korn aus den hülsen quetschen) 1 imy kernen und ein wannen vol sprwer
stadtrecht von Brugg 39, 18 (1458)
Merz; 6 wannen kraut (
als abgabe)
Waltenhofer weisthum bei Birlinger
schwäb. wb. 426
a;
in Baden ist wanne
noch [] in neuerer zeit neben korb
als übliches holzkohlenmasz verzeichnet bei Schiebe,
universallexikon der handelswissensch. 2, 204
b und 3, 417
b. Mothes
baulex.3 3, 274;
auch franz. van
ist ein kohlenmasz, vgl. Littré 2, II, 2419;
früher wol auch getreidemasz, da es genau einen getreidemalter enthält; dagegen gehört wanne
als heumasz zu wanne '
gewann'. II@5@bb)
zur bedeutung '
zuber'
gehörig: pro una lagena aceti et wan carnium imponendarum
quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 1, 509 (1523); pro uno lavacro vulgo eyn wan pro vehenda calce 2, 140 (1529); von aim gantzen wagen mit visch XXIIII , von einem gantzen hawsen IIII von ain drum visch XII , von ainer wann visch XII
F. Kurz
Österreichs handel 486. II@5@cc) zur wannen verkaufen '
wannenweise': es sol ouch kein kornkoufer ... keinre hande korn noch habern in selber koufen noch verkoufen uf merschetzen ..., uszgenommen die zuor wannen verkoufen Brucker
Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 303 (15.
jh.); so sollent ouch sattler nach seiler weder tch noch spetzerye veil haben, wellent su aber zu irem hantwerck gewerbe triben, so mugent su veil haben allerley genutze (
später gemse), habern zur wannen und saltz, hartz, bech, vogellym und isen
Schlettstadter stadtrechte 2, 671 (1463)
Gény. II@66) wanne
wird gewählt, wenn ein unverhältnismäszig groszer behälter bezeichnet werden soll (
meist an '
schwinge'
anknüpfend): wann (
wie ich träumte) ein commissarius daher kam, und eine wanne voll gold über den baum abschüttete
Simpl. 1, 56 (1, 16)
Kurz; die Römer ... werfen höchstens einige paule für confetti hinaus, der Engländer schüttet körbe über die menge her, ..., sitzt wie ein gott in seiner carosse, die eine hand in einer wanne voll zucker Waiblinger
die Britten in Rom 32
Zoller. eine wanne voll, wannen voll '
eine grosze menge': aber warum eben verbena und pinguicula so ganz ausgereutet sind, dasz man da, wo man sonst wannen voll sammeln konnte, kein pflänzchen mehr findet, das ist doch bedenklich Göthe
naturwiss. schriften 13, 143
Weim. ausg.; er isst e ganzi wanne foll,
ist ein nimmersatt Seiler 309;
ähnlich Martin-Lienhart 2, 827
b.
noch mehr von dem begriff '
behälter'
losgelöst, im gegensatz zu eine handvoll: wann eine handt voll Schweitzer kam, so schluogen sie ein wannen vol landsknecht S. Franck
chron. Germaniae 217
b.
ebenso mit wannen '
haufenweise': lügen mit wannen zutragen,
improbè impudenter, strenuo mentiri Stieler 2433; ob wol die heyden gar grobe und fleischliche gedancken von solchem gericht gehabt, und lügen mit wannen haben zugetragen Gretter
erklär. der ep. Pauli a. d. Römer (1566) 114; und tragen wie man sagt ... lugen mit wannen zu
Alemannia 10, 214 (1604). in, mit wannen messen,
übertreibend: solche bauern hatten geld genug und maszen es bei hochzeiten und leichenfeiern einander in scheffeln und wannen zu G. Keller 1, 72. II@77) wanne
dient häufig als vergleich für übermäszig grosze dinge, besonders gern für ungeschlachte menschen und körpertheile, breit, weit wie eine wanne: ouch wâren ime diu ôren als eime walttôren vermieset zewâre mit spannelangeme hâre, breit alsam ein wanne. Hartm. v. Aue
Iwein 443; sie (
die ohren) wâren als ein wanne. H. v.
d. Türlin
krone 9381; weiʒ er niht, daʒ Hiltebolt gelich ist einer wannen mit der joppen, die der törper an sich hat geleit?
minnesinger 3, 274
b Hagen; do was im daʒ gewenge me braiter denne ain wanne. Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 11977
Regel; durch ire oren ging ein flusz von eytter und unreynnkeit. ir antlütz waʒ wol wannen breit. Karajan
frühlingsgabe 140, 486 (
visio Philiberti); ihr (
der Baierinnen) küchen die sind voll. sie haben schöne pfannen weiter dann die wannen. Erk-Böhme
liederhort 2
nr. 930; thu die gurgel aufspannen, wie ein wannen, muszpfannen, fein ritterlich trinken.
wunderhorn 2, 77;
[] er hett e mul wie ne wanne Seiler 309. Martin-Lienhart 2, 827
b;
ähnlich Hunziker 286; er hat e buch wie e wann Follmann 530
a; e gat hebben gelijk 'ne wan,
einen breiten hintern haben Cornelissen
en Vervliet
Antwerpsch dialect 1416. II@88)
eine anzahl von übertragungen knüpft an die bedeutung '
schwinge'
an, die bedeutung '
zuber'
kann nur vereinzelt daneben in frage kommen. II@8@aa)
die wanne
wird vielfach durch die kornfege, wannmühle ersetzt, auch sie wird im lothringischen wann
genannt Follmann 530
a. II@8@bb)
wannenähnliches folterwerkzeug (
vgl.futterwanne 2): die tortur bestand ... in der folter oder marter ..., mit der wannen befragt, oder mit der wannen gebrucht
geschichtsfreund 23, 353 (
aus den thurmbüchern Luzerns 1575
u. 1580); bey uns zu Basel brauchet man bey geringen verbrechen ... den daumenstock ... die strecke ..., den stieffel, wornach die wanne, darmit man den leib in die breite ausdähnet R. v. Waldkirch
der gerechte folterbanck (1710)
bei F. Heinemann
richter u. rechtspflege in der deutschen vergangenheit 67. II@8@cc)
behälter, aus dem almosen gegeben werden (
vgl.spende
th. 10, 1,
sp. 2146): ain pfund dry schilling haller Costentzer müntz, und ain mütt guts ungeferlichs kernens Dieszenhofer mäsz, stäts, järlichs und ewigs unwiderablösendes zinsz und gelts, so er erkoufft hat, von und ab aller nutzen, zinsen, renten, gülten und järlichen gelt, so die spend und die wann hat hie zu Dieszenhofen
geschichtsfreund 32, 217 (1651); disz vorgeschribne gelt und den kernen soll alles der spendmeister richten und geben usz der wannen 216. II@8@dd) '
die hintere hälfte des (
für den felchenfang bestimmten)
kahns heiszt wanne,
die vordere gras' (
in der mitte ist der fischkasten) Th. Lachmann
Überlinger sagen, bräuche und sitten 351. II@8@ee)
im alemannischen wurde schon früh eine wannenförmige vertiefung, erdmulde wanne
genannt, wovon zahlreiche eigennamen zeugnis geben: Wanne, Wannäcker, Wannenbach, -hof, -kopf, Wannespitz Kübler
berg-, flur- und ortsnamen des alpinen Iller- Lech- u. Sannengebiets 129; Wanne '
eigenname einer alpweide, eines bodens, welche wannenförmig vertieft sind' Stalder 2, 434;
in flurnamen Martin-Lienhart 2, 827 (
vielleicht gehört hierher auch das steirische wane,
f., '
gebirgsmulde' Unger-Khull 617
b,
sp. 649
unter wahne
angeführt); dem wingarten der ze Korbe in der Wannen liit
urkundenbuch der stadt Eszlingen 2, 457, 23 (1409)
Diehl; zu Cannstatt in der Wanne 1, 316, 26; holz und holzmark zu Hollendorf, genannt Wann
urkunde von 1495
bei Birlinger 426
a.
auch in der neueren erdkunde: die obern thalhälften sind selten schmale, tiefe furchen, sondern leichtausgeweitete wannen, die in sanfter steigung rechts und links gegen die schneeregion anstreben Tschudi
thierleben der Alpenwelt 211; wannen, das sind senken ohne ausfluszrinne, sind das häufigste erzeugnis der ausfüllung von thälern mit festen stoffen und der unvollständigen thalbildung Ratzel
die erde und das leben 1, 585.
im bergbau: wanne '
eine ringsum geschlossene, kesselförmige vertiefung eines flötzes' Veith
bergwörterbuch 552.
auf wanne
in der bedeutung '
grube'
weist das weidmännische wannenschlagen (
s. d.). II@8@ff)
ein erdichtetes sternbild: und die nach süden neigt, die goldne wanne, schwingt keine körner dem gemeinen manne, der löffel nördlich, der den blanken stiel nach westen kehret, dient mir nicht zum schöpfen. Rückert
werke 6, 281. II@8@gg)
fries. wanne,
groszer breiter halskragen der frauen Dijkstra 3, 406. II@8@hh) wanne
als benennung von körpertheilen der vierfüszler und des menschen. II@8@h@aα)
suffrago, hame
vel eyn wan Diefenbach
gl. 565
b;
abdonia (!), een hamewan, een pert (
statt perthame)
Mones anz. 6, 439 (15.
jh.);
suffrago, hame (
s.hamme)
ist '
hinterbug', wanne
als höhlung zwischen hinterschenkel und bauch zu nehmen, oder zu wahne (
s. d.);
vgl. fries. wanne,
verdickung am hinterbein Dijkstra 3, 406 (
mit verweis auf wan '
leer, krumm');
im bair. die wannen, das wandl '
das dünnfleisch an den weichen' Schmeller
2 [] 2, 920.
fälschlich wird die wamme des rinds als wanne
bezeichnet bei L. Naumann
systematik der kochkunst3 212. II@8@h@bβ)
nicht hiermit zusammenhängend, sondern auf gelegentlicher obscöner vergleichung beruhend: in der wannen, das ist die vulva Schmeller
a. a. o. (
vgl.futterwanne 1); wis si in auf das recht gespor, und scheutelt im das heu entpor und offent im das unter tor und schittet im das fuoter vor, so wurd er darnach naschen in der wannen.
fastnachtsp. 327, 15.
ähnlicher vergleich mit der badewanne: der bader und die metze baden den feinsten mann, den schlechtsten kerl beständig nur in einer wanne. Hagedorn
poet. werke (1769) 3, 252; in alten wannen ist gut baden (
niederösterr., wenn ein junger mann eine ältere frau heiratet) Wander 4, 1781. II@8@ii) wanne
als bezeichnung von gefiedertheilen und als vogelname. II@8@i@aα) wannen '
die groszen federn an dem hintersten gliede des flügels bis an das zweyte' Kutz
begr. der jäg. u. fischerey 254
bei Zedler 52, 1992;
ähnlich Heppe
jagdlust 195. Jacobsson 8, 140
a; wannen, bey den jägern pannen Adelung; wanne, panne '
die groszen schwingfedern an den flügeln der falken' Kehrein
wb. der weidmannsspr. 317; ob er (
der falke) durchlöcherte oder gebrochene pennen, (
bei Heppe
die federn an den flügelspitzen), oder gerissene wannen habe Hohberg 2, 665
a.
diese bedeutung ist vielleicht schon im mittelalter als jagdausdruck aus dem romanischen entlehnt, mlat. van(n)i,
ital. vanni,
frz. vannes, vanneaux '
die schwungfedern'
vgl.: '
quatuor (
pennae)
magis propinquae corpori, quae dicuntur corales, et postea 12,
quae dicuntur vani' Fridericus II.,
de arte venandi cap. 50. Du Cange 8, 242, '
weil die fittiche der vögel dieselbe bewegung (
wie die futterschwinge)
machen' Diez
etym. wb.5 337,
vgl. auch wannenweher. II@8@i@bβ)
das an den rändern etwas nach vorn gebogene rad des pfaus wird seine wanne
genannt, was auf einem vergleich mit der kornwanne beruht, vgl. sîn (
des pfaus) sweif was als ein wanne breit, mit schœnen spiegeln wol bekleit. Boner
edelstein 81, 7
Pfeiffer; der pfauw macht ein wannen, zerthuot seinen schwantz Maaler 484
a,
darnach Schönsleder Kk 5
b; die selbigen (
stacheln) ... richtet es (
das stachelschwein) auf wie ein pfaw ein wannen macht Gesner
thierbuch übs. v. Herold u. Forer (1563) 34; der pfau prangt mit der wannen, wann er sein schweif ausbreit. Arnim (1857) 14, 283 (
nachtrag zum wunderhorn, Augsburg um 1650). II@8@i@gγ)
ebenfalls aus dem lateinischen oder romanischen entlehnt ist die bezeichnung wanne
für kibitz Zedler 52, 1991. Zinke
3 3097 (
beide ohne genusangabe),
ital. vanello,
franz. vanelle,
f., vanneau,
m. (
vgl. mnl. vaneel,
kibitz Oudemans 7, 209),
mlat. vannellus '
weil dieser vogel ... mit denen flügeln ein geräusche macht, bald als wie eine schwinge' Zedler 15, 2202 (
nach Buffon);
nach Diez
5 337
vielmehr von dem federschopfe, den er wie schwungfedern (
oder wie ein pfau sein rad? vgl. ital. pavoncella '
kibitz')
bewegen kann, ebenso Littré 2, II, 2421; Körting
lat.-rom. wb.3 1002
möchte es von vanus '
eitel'
ableiten. II@99)
schon die unter 8
i α und γ angeführten bedeutungen waren nicht übertragungen von wanne,
sondern lehnbedeutungen, die aber auch auf das lat. grundwort vannus
zurückführten; in einer reihe anderer fälle hängt wanne
etymologisch mit dem wort für '
kornschwinge'
nicht zusammen, wenn auch der gleichlaut z. th. bedeutungsbeziehungen veranlaszt. II@9@aa) '
einlaszschleuse an einem wasserlauf' Martin-Lienhart 2, 827,
ein lehnwort, das franz. vanne,
aus mlat. venna,
dies nach Diez
5 695
vielleicht aus viminea,
flecht. werk, nach Körting
etym. wb. der franz. spr. 404
aus lat.-kelt. benna '
korb, korbwagen',
dann auch '
flechtwerk'
; belege für venna,
auch aus deutschem gebiete, bei Graff 3, 126
s. v. benna
und Du Cange 3, 271. II@9@bb)
kann hiermit zusammenhängen die bei Schmeller
2 2, 921
aus Unterfranken belegte bedeutung '
flieszendes wasser'? (
oder '
fischwasser'? Schmeller
denkt an wanne '
grenze');
vgl. ferner: in allen waszern zu fischen, und
[] die fischweide zugebrauchen, die durch den wald gehen, und sonderlichen eine wahnne, darinnen sonst niemands zu fischen haben solle, die genannt ist Greven herberg Schultes
histor. schriften 1, 197 (
datirt Schleusinger 1559).
unsicher bleibt auch das bei Diefenbach
gl. 316
b lama (
neben wune, wone, wake, tumpffel
usw.)
angeführte wann. II@9@cc) '
wegen der figur einer futter-wanne ist auch der mond wanne
genennet worden, sowohl wann er voll ist, als wenn er sich gleichsam auf der seite weiset im letzten viertel' Frisch 2, 422
c;
vielmehr zu wahn '
leer',
s.wahnen
sp. 649, wahnmond 672. II@9@dd)
auch das von Campe (
nach brem. wb. 5, 179)
aus dem nd. angeführte wanne '
musze, weile'
ist eigentlich wahne (
s. d.)
in der bedeutung '
leere zeit'.