wannehr ,
fragewort und conjunction, zu welcher zeit. ein nd. und md. dialektwort, das nur spärlich in der schriftsprache auftaucht. 11)
asächs. hwan êr
erscheint im indirecten fragesatz (
besonders auch nach bîdan '
warten'): talode im so treulos,hwan êr wurði imu thiu tîd kuman, that he ina mahti farwîsienwrêðaro thiodo fiundo folke.
Heliand 4492.
afries. hwaner, waner Richthofen 834
ist conj. '
zur zeit wo, wenn',
mnd. wannêr Schiller - Lübben 5, 592
steht im fragesatz, als conj. '
so bald als, wann'
und auszerdem indefinit '
zu irgend einer zeit';
diese 3
bedeutungen treten auch in glossaren nd. und nrhein. herkunft auf: Diefenbach
gl. 477
b quando, wannee, wanneen, wanneer, 192
b dum, wanner, 539
b si vis, wanner du wult,
nov. gl. 271
a olim, wanner;
voc. theut. (1482) mm 8
b wannere, etzwan,
quondam, aliquando; in den jetzigen nd. und md. dialekten ist wannehr
und wennehr (
vgl.wann III, 2
über die verbreitung von wann
und wenn),
rheinisch wanneh,
fast allgemein verbreitet; die idiotiken führen es nur als fragewort (
besonders für die '
nachdrückliche'
frage)
an, es kommt aber jedenfalls (
vgl. den gebrauch nordd. autoren)
auch als conj. vor (
die indefinite verwendung zeigt brem. wanner '
bald'
brem. wb. 5, 180,
westfäl. wannær '
neulich' Woeste 315, dann und wanner '
zuweilen',
osnabr. waner '
ehedem' Strodtmann 278):
ostfries. wenêr wennêr ten Doornkaat Koolman 3, 535,
in Bremen wenêr
wb. 5, 229,
in Göttingen wonnêr wennêr Schambach 304,
westf. wannær Woeste 315,
in Waldeck wanêr Bauer - Collitz 111,
in der Altmark wannêr wennêr Danneil 243,
bei Halberstadt wennêr
nd. jahrb. 34, 101,
in Hamburg wannêr Richey 333,
ebenso in Holstein Schütze 4, 337,
in Berlin wenneher Brendicke 192,
in Vorpommern wenêr Dähnert 545,
in Preuszen wennêr wannêr Frischbier 2, 464,
in Livland wennêr Hupel 262,
in Aachen wienih Müller-Weitz 261,
in Köln wannieh Hönig
2 199,
in Luxemburg wane
i wb. 474 (
siebenb. wäni Kisch 169),
in Coblenz wannêr Wegeler 157,
im Westerwald wannêr Schmidt 321,
nass. auch wannê wannî Kehrein 438,
hess. wannêr Vilmar 441, wannê Pfister 329,
pfälz. wannê Autenrieth 150,
thür. wannêr Hertel 253, Herwig 30, Hentrich 105, Liesenberg 217,
aber nordthür. wennêr Schultze 46,
ebenso mansfeld. Jecht 123
und in Leipzig Albrecht 235;
innerhalb des obd. hat nur das elsäss. wannê Martin-Lienhart 1, 2, wännê Halter 192;
im ndl. ist ebenfalls wanneer (
auch als conj.)
üblich. 22)
im mhd. kommt das wort nur einmal in einer elsässischen quelle des 14.
jahrh. vor: er sprach: mir tet hunger nie so we. ach richer got, wan e, wan e mügen wir von hinnen komen?
Altswert 18, 13;
im nhd. erscheint wannehe, wannehr
öfter in schriftlichen aufzeichnungen des 16.
und 17.
jahrh. (
als fragewort oder conj.): wannehe der herbst kombt, so soll ein kelner unsers gn. hern zu Pfaltz die vasz schicken
weisth. 2, 352 (
Mosel 1532); wannehe die sechs wochen und drey tag umb seyn, khan er den drey schritt herusz kommen, so soll er wieder die vurgemelt fryheit haben 3, 796 (
bei Trier 1541); bürger wannehe die mit recht nicht mögen besprochen werden
Jülich. rechts-ordnung, index bei Frisch 2, 422
b ; wanner von der bruderschaft brüdern ein bruder oder schwester verstirbt, soll der jüngste bruder die sämtliche brüdern zu begräbnisz verboten Krumbholtz
die gewerbe der stadt Münster 181 (1620); wannehe und welche tzeide solche tzinsz und lehen ... gelebert, betzaldt und gehandtreicht sollen werden
weisth. 1, 613 (
Westerwald 1671)
; in druckwerken erscheinen die formen nur vereinzelt, so bei dem Niederdeutschen Schöpper,
dem Rheinländer Quadt v. Kinckelbach,
dem Thüringer Stieler,
etwas häufiger seit der mitte des 18.
jahrh. (
auch wennehr)
bei Niederdeutschen, aber doch mehr in briefen, die nicht zur veröffentlichung bestimmt waren: das unsere spraach nicht arm und nacket in den synonymis ist ... wannehe die oberlendische synonyma ... dabey gezogen und gebraucht werden Schöpper
synonyma a 3
b; so hatten derwegen beid, bawren und die priesterschafft, gott und diesen (
lands-)knechten zu dancken, wanneh sie in gutem friden und wolfart saszen Quadt v. Kinckelbach
teutscher nation herligkeit (1609) 31; sag an ... wann ehr du angefangen mich zu lieben.
geharnschte Venus 19
neudr.; wer weisz, wer weisz! wann eh ich nur die erste fahrt dahin, verwinde! Goekingk 2, 70; wann ehe diese liebe fürs vaterland schwärmerisch werde? Th. Abbt
werke 2, 91;
Blanka. Julius, Julius, wennehr giebst du mir meinen rosenkranz wieder zum besten hochzeitsgeschmeide? Leisewitz
Julius von Tarent 113, 13 (5, 3),
abdruck des originalmanuscripts; den ursprung des wechselgeschäftes ... wannehr jemand zum erstenmale einem andern geld ausgezahlt habe, damit es durch diesen einem dritten wieder ausgezahlt werde
schriften 123; seit wennehr sind sie denn ein richter der gedanken? Miller
briefwechsel 2, 92; wannehr krieg ich die veränderungen zu schneider Johannes und die neuen balladen und lieder? Voss
an Bürger briefe 2
nr. 324
Strodtmann; vergisz mir nicht zu schreiben, wenneher du nun wieder geld brauchst Bürger
briefe 3
nr. 564
Strodtmann; wenneher wirst du endlich einmal die philosophie und höhere speculation den frevelhaften händen entreiszen von denen sie jetzt gemiszhandelt werden?
F. Schlegel
an Schleiermacher (
aus Schleiermachers leben 3, 425); die christenheit musz wieder lebendig werden ... wann und wann eher? dar nach ist nicht zu fragen Novalis 2, 420
Heilborn; wennehr ich wieder an den Rinaldo kommen werde, weisz ich in der that nicht, da ich den trieb dazu verloren habe Zelter
an Göthe, briefwechsel 2, 51; und nimmer hat ihr forschen ruh: wannehr? wodurch? war's gar ein traum? Pellegrin (Fouqué)
die wahrsagenden bäume, musenalmanach auf das jahr 1806 (
Berl. neudr. 2.
serie 1.
band, 57); und ihr, aus eurem laubpalast, im spukthurm und im hohlen ast, wannehr der mond mit stillem glast aufsteigt, der glühe, klagt, eulen, durch die zeit der rast bis hin zur frühe! Freiligrath
dicht. 4, 130 (
übersetzung aus Burns, engl. what time).
der grammatiker Albertus
führt wannehr
als nd. an: wann,
quando, wan ehr
Saxones dicunt 125
Müller-Fraureuth; von wörterbüchern kennen es nur einige: wann ehr,
quando Stieler 2433; wannehr,
quando, ex quo tempore, modo 828; wannehr? wann?
when Ludwig 2382; wannehr sehen wir uns wieder?
quand Rondeau; Frisch 2, 422
b erwähnt noch wannehe
als niedersächsisch, dagegen werden die worte später selbst von Campe
nicht angeführt.