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gebrechlich

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gebrechlich

Bd. 4, Sp. 1856
gebrechlich , das gewöhnliche adj. zu gebrechen (vergl. gebrechig, gebrechhaft), schon mhd. gebrechelich, gebrechlich (s. 2, a), nl. gebrekkelijk, mnd. brekelik, breklik Sch. u. L. 1, 418b, auch hd. einst brechlich, wie das subst. gebrech auch brech hiesz. s. auch gebrestlich. 11) zu wirklichem brechen, zerbrechen ziehen wirs jetzt halbbewuszt, wie z. b. auch J. Grimm unter brechlich, und schon im 17. jh. stellt das Henisch 1395 voran: gebrechlich, schwach, fragilis, quod fractu facile est, ebenso Stieler; auch Logau braucht es schon gleich zerbrechlich (doch im doppelsinne mit der folgenden bedeutung): keuschheit ist ein balsam, weiber sind ein glas, jener ist sehr köstlich, gar gebrechlich das. 3, 17, 74. ebenso Mathesius: was wir leut (menschen) für irdische und gebrechliche gefesz sein, wir sollen uns unser schwachheit und gebrechligkeit erinnern. Sar. 203a, vgl. 206a. in einem voc. des 16. jh. fragilis gebrechelich Dief. 245b, ja im 15. jh. prechlich, prechper (brechbar), murbe, frangibilis voc. 1482 z 6b, niederd. brekelik Dief. 245b. aber das meint vielleicht eig. gebræchelich, von mhd. gebræche brüchig, mürbe, s. gebräche 3. vgl. übrigens irrefragabilis unbrechlich (unuberwintlich) Dief. 309b, Schröers voc. 20b, und dazu gebräche 2. 22) das gewöhnliche gebrechlich gehört vielmehr zu gebrechen 2, fehlen, mangeln oder zum subst. gebreche fehler, mangel. 2@aa) gebrechlich, an dem etwas fehlt (gegensatz unbrechhaft integer Dasyp. 308b), mhd. z. b. von einem stücke tuch, dem an der rechten länge fehlt oder gebricht, wie es hiesz: wô die meistere kîsin (s. kiesen 2, d), daʒ ein tûch gebrechelich ist an sîner lenge. Freiberger tuchmacherinnung, Schott 3, 292. bildlich im philosophischen sinne, genau gleich Göthes unzulänglich am ende des Faust u. ö.: die natûre die inkan nicht wirken danne in icht (als gegensatz zu nicht, nichts, geist), dâr umme ist ir werc gebrechlich. myst. 119, 12, wo nach dem wirken bei werc an arbeit gedacht ist wie dort beim tuchmacher; vgl. in einem nd. voc. des 15. jahrh. defectus (part.), broken, also alle wertlike ding. Dief. nov. gl. 128b, aus philos. quelle, broken, nur stückweis dem 'wesen' gegenüber. 2@bb) schadhaft, mit einem schaden, eig. bruchschaden behaftet (s.gebrech II, 1, c): gebrechliche räder gehn oft am längsten. sprichw. bei Schmitz Eifel 1, 195, d. h. geflickte, nicht zerbrechliche. mit einem körperlichen schaden oder naturfehler: er solte aus den kindern Israel .. welen knaben die nicht gebrechlich weren, sondern schöne, vernünftige u. s. w. Dan. 1, 4; keiner, an dem ein feil ist, sol erzu tretten, er sei blind .. oder der an einem fusz oder hand gebrechlich ist. 3 Mos. 21, 19; (das opferthier) sol keinen feil haben .. blind oder gebrechlich. 22, 22; gebrechlicher leute musz man nicht spotten. Ludwig 701, er meint lahme, blinde u. ä. bildlich: geprechlich leben (zu e) verderbet die christenheit nicht, sondern übet sie, aber geprechliche lere und falscher glaube verderbet alles. Luther post. 1528 292a, fehlerhafte, irrige. 2@cc) mit krankheit, kränklichkeit behaftet (s.gebrechen sp. 1843): ein gebrechlicher mann, morbosus, clinicus. Stieler 234; er wird gebrechlich, altersschwach. ungebrechlich, sanus, integer Steinbach 1, 203. 2@dd) mangelhaft überhaupt, unzureichend, unvollkommen: geprechlich ist wenig und vil (von geld und gut), im mittel stet der tugent zil. Schwarzenberg 144b; di hailig schrift hat billich lob, si schwebet allen künsten (wissenschaften) ob, wann (denn) ander künst gebrechlich sind, durch dise werd wir gottes kind. 123a; das gebrechliche erkenntnis, welches menschen von der gottheit haben. Kant 1, 57; du hast recht, jeder anfang ist gebrechlich, man musz geduld haben. Hegner molk. 1, 106; es ist die welt noch, die gebrechliche. H. v. Kleist 1, 309; um der gebrechlichen einrichtung der welt willen. 3, 163. 15; was in dem verfahren fehlerhaft und gebrechlich war. dess. polit. schr. 102. 2@ee) ebenso im sittlichen sinne, doch mit einmischung des begriffes mangelhaft durch schuld der natur (s. dazu gebrechen sp. 1849): schwache gebrechliche menschen. Luther 1, 71b, zugleich zu c; einen armen gebrechlichen sünder vermanen. ders. bei Dietz 2, 28a; wo ein mensch fellet oder gebrechlich ist. das.; schwach im glauben oder geprechlich am leben. das.; wir seind all gebrechlich, sagt mein fraw aptissin, da greift sie auf das haupt. Henisch 1395 als sprichw.; man ist doch ein mensch. 'ein gebrechlicher mensch'. Kotzebue 2, 206; denn ein gebrechlich wesen îst das weib. Schiller 418a (M. Stuart 2, 3). 33) auch hochd. wird sich gebrechlich werden im rechtsleben finden, in anderm sinne, wie folg. nd.: wêrt, dat jenig man breklich wurde, van lîve efte gûde, dat schal de misdâdige beteren. Schiller u. Lübben 1, 418b, dasz ihm gebrech oder bruch geschähe, unrecht, schädigende gewalt, s. gebrech sp. 1844 fg.; vgl. das. breklicheit von dem schaden oder unrecht das einem geschieht.
5006 Zeichen · 141 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gebrëchlichadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    gebrëchlich adj. mangelhaft. myst. 1,119,2.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gebrêchlich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gebrêchlich , -er, -ste, adj. et adv. welches nur in der dritten, und in einigen Fällen der zweyten Bedeutung des vorige…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gebrechlich

    Goethe-Wörterbuch

    gebrechlich 1 (alters)schwach, nicht (mehr) belastbar a von Möbelstücken u -teilen Auf alte g-e Stühle waren Stöße roher…

  4. modern
    Dialekt
    gebrëchlich

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    gebrëchli ch [kəpraχli Betschd. ] Adj. zerbrechlich. — Schweiz. 5, 341.

  5. Sprichwörter
    Gebrechlich

    Wander (Sprichwörter)

    Gebrechlich 1. Wir sein all gebrechlich, sagt jhene äptissin, gieng sie mit eim kind. – Franck, II, 116 a ; Hoefer, 9. 2…

  6. Spezial
    gebrechlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|brech|lich adj. 1 zite (ziti, zitia), debl (-i, -a) 2 (kränklich) malatize (-zi, -zia) 3 ‹pop› (hinfällig) ciachele (…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gebrechlich

7 Bildungen · 5 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gebrechlich 3 Analysen

ge- + brechlich

gebrechlich leitet sich vom Lemma brechlich ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+brech+-lich gebrech+-lich

gebrechlich‑ als Erstglied (5 von 5)

gebrechlichheit

KöblerMhd

gebrechlich·heit

gebrechlichheit , st. F. nhd. Gebrechlichkeit, Schwäche, Unvollkommenheit, Mangelhaftigkeit Vw.: s. un-* Hw.: vgl. mnl. gebrekelijcheit, mnd…

gebrechlichkeit

DWB

gebrechlich·keit

gebrechlichkeit , f. subst. zum vorigen, mhd. gebrechlicheit, mnd. breklichkeit, nl. gebrekkelijkheid. 1 1) fragilitas Henisch 1395 , Stiele…

gebrechlichkeit

FWB

1. ›Streit, Zwiespalt‹; 2. ›Gebrechlichkeit, Schwachheit; Vergänglichkeit‹

gebrechlich als Zweitglied (1 von 1)

ungebrechlich

KöblerMhd

ung·e·brechlich

ungebrechlich , Adj. nhd. „ungebrechlich“, fehlerlos ÜG.: lat. indeficiens Gl Hw.: vgl. mnl. ongebrekelijc, mnd. *ungebrēkelīk? Q.: Parad (1…

Ableitungen von gebrechlich (1 von 1)

ungebrechlich

KöblerMhd

ungebrechlich , Adj. nhd. „ungebrechlich“, fehlerlos ÜG.: lat. indeficiens Gl Hw.: vgl. mnl. ongebrekelijc, mnd. *ungebrēkelīk? Q.: Parad (1…