gliedkraut,
n.,
seltener gliederkraut vgl. ndl. glidkruid,
das entlehnung aus dem dt. ist s. Vercouillie 110
b;
volkstümlicher name verschiedener pflanzen; da sie zumeist als heilpflanzen gelten, besonders gegen gicht und sonstige gliederkrankheiten (Krünitz 19, 65; Campe 2, 403
b),
daneben aber auch '
zur heilung verwundeter glieder' Fuchs 769,
beruht die benennung auf glied II '(
menschlicher)
körpertheil';
doch mischt sich damit die benennung nach glied VI A
internodium, da für silena inflata L. ausdrücklich betont wird '
name nach dem gegliederten stengel' Pritzel-Jessen 376.
form und allgemeines: die form gliederkraut
öfter seit ausgang des 17.
jahrh.: Kramer 1 (1700); Steinbach 1, 932;
Noel Chomel 4, 1156;
doch setzt sie sich nicht allg. durch: J. Hübner
curieuses u. reales lex. ersetzt gliederkraut
der 2.
aufl. (1714)
in der 3.
durch gliedkraut;
vereinzelt begegnet ersteres auch noch später: Jagemann (1799) 529 (
neben gliedkr.);
auch schwäb. Fischer
nachtr. 2046;
daneben auch in Schlesien gliedekraut Schwenckfeld 196; Pritzel-Jessen 47; 159.
alle andern unten erwähnten zeugen haben gliedkraut.
für den glauben an die heilkraft der verschiedenen unter diesem namen zusammengefaszten pflanzen vgl. noch gl., feldandorn,
sideritis, ferruminatrix, herba judaica, hirsuta erecta ... ist ein gut wundkraut, dienet vor brüche, wunden, kopfweh, müde füsze und glieder, rose an füszen und vor krankheiten, die von zauberey herrühren J. Hübner
curieuses u. reales lex.3 717; gl. ... hat eine grosze kraft, wunden, schlangenstiche, geschwüre und brüche, ja krankheiten, die von zauberey herrühren, zu heilen
Noel Chomel 4, 1157.
bedeutung. 11)
am häufigsten sideritis Diefenbach 533
a; Lonicerus (1555) 115
b; Heyden
Plinius 158; Megiser
pol. (1603) 2, 514
c; Stieler 1031;
Nürnberger wb. (1713) 17; Steinbach 932; Campe 2, 403
b; Oken 3, 2, 1058; Prahn
pflanzenn. 56; Wettstein
syst. bot. (1924) 2, 806; Holl 130
a; Dietrich
flora Preuszens 9, 186.
sideritis montana Schlechtendal 18, 336; '
besonders diejenige art, welche auch unter dem namen des berufkrautes bekannt ist, sideritis scordioides L.' Adelung (1775) 2, 718;
sideritis (
worunter auch zu verschiedenen zeiten verschiedene pflanzen verstanden)
galt von alters her als '
heilmittel für wunden, welche durch eisen entstanden sind'
vgl. Wittstein
etymol. bot. hwb. (1852) 813;
speciell für sid. hirsuta haariges gl., zeischenkraut Holl; das gliedt- oder zeiszkraut wächst mit eim rauhen, harechten stengel Lonicerus
a. a. o.;
vgl. zeise-, zeisigkraut
theil 15, 516; 520. 22)
stachys recta et annua Nemnich 198; Holl 130
a; Pritzel-Jessen 388;
auch jähriger ackerandorn, zeischenkraut, klein berufkr., reiszkr., suchtkr. Campe 2, 404
a; Schkuhr 2, 154; mehrere kräuter ..., deren sich der gemeine mann gegen körperliche übel bedient ... so heiszt stachys recta auch wundkraut, gl. Brentano 6, 433;
auch herba judaica (
vgl.judenkraut theil 4, 2, 2356),
daher auch dafür gl. Diefenbach 274
c; Diefenbach-Wülcker 628
a; gl. oder beruffkraut Zehner (1645) 170;
ebenso herculea, herculania gl. Diefenbach 207
a; ziest Holl 130
a. 33)
galium verum labkraut Holl 130
a; Nemnich 198;
luxemb. mda. 148;
in Ostpreuszen Pritzel-Jessen 159; '
eine art des megerkrautes' Campe 2, 404
a;
allg. galium Krünitz 19, 65;
galium mollugo gliedekr. Pritzel-J. 44)
asperula odorata Nemnich 198; Schkuhr 1, 72;
auch gliedgänge, zenge Holl 130
a;
in Schlesien gliedekr. Pritzel-J.;
waldmeister Noel Chomel 4, 1156; Campe 2, 404
a;
schweiz. heiszt die pflanze gleichkraut
und ist nach den stengelgliedern benannt Staub-Tobler 3, 894. 55)
cucubalus behen Nemnich; der gemeine weisze behen ... auch gliedweich, kernkraut, schachtkr., wildes seifenkr. u.
s. w. Campe 2, 404
b; Schkuhr 1, 384. 66)
lycopus europaeus, wasser-, sumpfandorn Schkuhr 1, 15; Nemnich 198. 77)
bethonica officinalis Linn. Krünitz 19, 65; Schkuhr 2, 154;
zehrkraut Campe 2, 403
b;
vgl. theil 15, 472. 88)
tithymalus lathyris L. Carrichter
kräuterb. (1571); Pritzel-Jessen 405;
auch wassergalle Toxites
horn d. heils D 2
v;
purgierwolfsmilch s. theil 13, 249. 99)
silene inflata L. in Schlesien Pritzel-Jessen 376;
silene nutans überhangende silene oder leimkraut ... gl. Schkuhr 1, 387. 1010)
achillea millefolium L. (Toxites
onomastica II [1574] Pritzel-Jessen 6;
schafgarbe. 1111)
rumex obtusifolius Fischer 3, 693
a. 1212)
als appellativum: '
iva artetica ist ein gl.,
welches die alten mit vieler urtheil je lenger je lieber genennet' H. Frölich
offenbarung der natur (1591) 126. 1313)
übertr. (
obszön): liebstöckel mögen wir auch wagen, dieweil sie gut für die, die blaich, so stöck es tief in das glidweich. glidkraut mein glid mit lust durchdringet, wan es kein muterkraut mitbringet G. R. Weckherlin
ged. 2, 430
F. —