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schlecht

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlecht adj.

Bd. 15, Sp. 519
schlecht, adj. das wort ist gemeingermanisch, goth. slaihts, altnord. sléttr, n. slet, schwed. slät; im ags. ist es nicht belegt, engl. slight wird als ein aus dem nld. niederd. sprachgebiete stammendes lehnwort angesehen, altfries. sliucht (Richthofen 1037b), mnld. nnld. slecht, ahd. sleht Graff 6, 786, mhd. sleht. das adject. ist auch in das romanische eingedrungen, ital. schietto, rein, glatt, prov. esclet, churwälsch schliett, nichtswürdig. Diez4 398. die herkunft des wortes ist dunkel, vermuthungen s. bei Schade altd. wb.2 820a und Kluge etym. wb.5 325b. die schlimme bedeutung (s. R. Bechstein ein pessimistischer zug in der entwickelung der wortbedeutungen in d. Germ. 8, 330 f. J. Grimm kl. schr. 6, 339), in der in neuerer sprache schlecht fast ausschlieszlich (abgesehen von der formel schlecht und recht) gebraucht wird, ist verhältnismäszig jung; die so entstehende zweideutigkeit des wortes war die veranlassung, dasz sich die nebenform schlicht im sprachgebrauche befestigte und die guten seiten der bedeutung von schlecht an sich zog. schlicht (vgl. unter diesem worte) ist zunächst nd., wo noch jetzt slicht in einzelnen gegenden völlig das hochd. schlecht vertritt; andererseits ist im neueren nd. slecht unter hochdeutschem einflusse wieder gebräuchlich neben slicht oder auch allein, s. brem. wb. nachtr. 313. 314. Schütze 4, 115. 117. Schambach 193b. Woeste 239b. ten Doornkaat Koolman 3, 194b. 197b. den oberdeutschen mundarten ist schlicht fremd oder unter der einwirkung der schriftsprache zugekommen. eine dortige nebenform zu schlecht ist geschlecht, adj. (s. dieses). Schm. 2, 501. Höfer 1, 334. Schöpf 619. Maaler 354b schreibt schlächt, vgl. Brant narrensch. 18, 29. 11) gerade, im gegensatze zu krumm: schlächt, richtig, grad, regularis Maaler 354b; slechter darm, intestinum rectum, per vias rectas durch die schlechten wege. quellen bei Schm. 2, 501, 502; schlächter, gerader und richtiger wäg, iter simplex et directum Maaler 354c; (der eisvogel) hât zwên vinger an dem fuoʒ und krum negel oder klâen dar an, aber er hât ainen klainen slehten snabel. Megenberg 202, 16; ein gartner der einen krummen boum schlecht machen will. Keisersberg irrig schaf c 4a; ein mensch sol haben einen schlechten züchtigen gang. seelenpar. (1510) 41c; beide den Leviathan, der eine schlechte schlange, und den Leviathan, der eine krumme schlange ist. Jes. 27, 1; denn es der nechste und schlechteste weg ist. buch d. liebe 289c; ir nase was sleht und wol getân. bruder Philipp Marienleben 818; mannes manheit alsô sleht, diu sich gein herte nie gebouc. Parz. 4, 12; herr gestern aufgericht und schlecht, hewt kranck und krump als ir mich secht. H. Folz in d. zeitschr. f. d. alterth. 8, 533, 75; dies bäumlein zart gezieret ward, die ästlein schlecht, schwank und gerecht. wunderh. 1, 162 Boxberger. so noch bair. g'schlecht, gerade gewachsen Schm. 2, 501, vergl. Stalder 2, 325, verstärkt zêschlecht, pfeilgerade Kramer Bistritzer dialect 144; in demselben sinne schnurschlecht (Haltaus 1633) und vogelschlecht. in adverbialer wendung: slechtes ganges, recta via Haltaus 1633; oberd. g'schlecht: seinen weg gschlecht fort gehen. Höfer 1, 334; nd. sligt: sligt aver de näse seen, gerade vor sich niedersehen, als zeichen der beschämung. brem. wb. 4, 826; er, der künig Arnolph, zog schlecht auf Pavia zue. Aventinus 2, 247, 11; alsô hete Karitas, diu der frowen bote was, ir bogen gespannen rehte. dâvon traf sie alsô slehte den künec zuo zwein stunden mit zwein verhwunden. L. von Regensburg tochter Syon 3734; diu zeiget im dan vürsich den rehten slehte gênden strîch. 3592; des scheffes riemen, die sein also getan, das sie das scheff weisen recht den rechten weg schon und schlecht. Vintler blum. d. tugent 6465; so geh schlecht für dich, kehr nit umb strac gegen der sunn nidergang. H. Sachs 3 (1561), 2, 57c. 22) krumm und schlecht werden in älterer sprache vielfach formelhaft, besonders in bildlicher anwendung, verbunden (vgl. oben krumm II, 3, b, α, theil 5, sp. 2449): man wöll dan machen krump zu schlecht und wandeln schwartz in weis gestalt. Hutten 3, 532 Böcking; wer sich der thorheit unterfecht, ein alt krumhotz wil machen schlecht. Eyering 1, 143; besonders häufig bezeichnet sleht das, was dem gesetze, der gerechtigkeit entspricht (vgl.recht und gerecht, wo dieselbe vorstellung wirksam war), krumm das ungesetzliche, gegen den rechtssinn verstoszende, das unbillige: ze Baldac nement se ir bâbestreht (daʒ dunket se âne krümbe sleht). Parz. 13, 30; daʒ mich krümbe dunke sleht unt mich unreht dunke reht. Vridank 50, 24; swenne alle krümbe werdent sleht, sô vindet man ze Rôme reht. 152, 2; der ban sî krump oder sleht, man sol in vürhten; daʒ ist reht. 158, 2; daʒ was billich unde recht; waʒ krumb ist, daʒ wirt kûme slecht. Boner 71, 58; dîn werk sint krumb; dîn wort sint slecht. dîn herz ist bœs, dîn rât ist guot. 90, 24; die zung die brucht man jn das recht, durch sie würt krum das vor was schlecht. Brant narrensch. 19, 46; so wöl wir bitten got aller ding, dasz dem frumen fürsten wol geling und im got geb sein herz gerecht: so werden vil krumer sachen schlecht. Schade sat. u. pasqu. 1, 37, 389; hier wo man armen recht sol sprechen, wird das recht verletzt, hier wird, was krumm ist, schlecht, was falsch, vor weis und klug geschätzt. A. Gryphius 1, 629; es mag nichts ausgericht werden, es sy krum oder schlecht, dann umb das gelt: das richten sy, es sy krum oder schlecht, zu lassen oder zu thun. quelle bei Haltaus 1634; die mägd auff die knecht, das krum uber das schlecht, das unbillich uber das recht. Fischart groszm. (kloster 8, 574). schlecht im gegensatze zu krumm, als das natürliche, normale: reicht vil eher die linck dann die recht: dann solchs ist ... ein anzeigung der erbsündlichen art, eher krums dann schlechts zu thun. Fischart Garg. 197 neudruck; als bildlicher ausdruck: das krumme schlecht, das schlechte krumm machen, dient häufig zur bezeichnung für das umstoszen, miszachten des rechtes (vgl.das recht beugen u. ähnl.); besonders vom gelde: welcher aber non habet in nummis, den hilfft nichts, dasz er fromm ist, qui dat pecuniam summis, der macht bald schlecht, was krumm ist. Fischart groszm. (kloster 8, 633); vgl. Schm. 2, 502; sprichwörtlich: geld macht krumme sachen schlecht. Adelung, geld verdeckt auch körperliche fehler; er sei lam, krump oder schlecht, hat er pfennig, er ist gerecht. fastn. sp. 652, 26; Pennyng du bist ein vientlich knecht, krom und lam die machstu slecht, wer pennyge hat der ist gerecht, gienge er uff eyner krucken. Muskatblut 94, 34; von leuten, die nach gunst das recht verdrehen: das schlechte krum, das krum schlecht machen, und ja sagen zu bösen sachen. Waldis Esop. 4, 75, 159; (der papst kann) uber alle göttliche und weltliche rechten dispensiren und mitteln .. von nichts kan er nichts machen, das krumm schlichten, und das schlecht krümmen. Fischart bienenk. 123b. in gutem sinne von gott, dessen allmächtigem willen alle verhältnisse sich fügen müssen: ich sihe wol, der dir getrouwet, daʒ er vil wol gebouwet an allen sînen sachen. dû kanst wol krump sleht machen. Dietrichs flucht 5650. ähnlich: sihe an die werck gottes, den wer kan das schlecht machen, das er krümmet. pred. 7, 14. vom glauben: denn des sacraments glaube macht alle krümb schlecht, und füllet alle gründe. Luther 1, 66a (schlecht also hier als planus, s. unter 3); krumm und schlecht werden zusammenfassend verbunden wie grosz und klein, reich und arm, mhd. tumbe und wîse: dem wîsen unt dem tumben, dem slehten und dem krumben. Parz. 509, 20; auch soll man hie setzen zween schützen zue s. Martinstag, ... gefallen sie einem brueder nit, er mag sie abstellen, die anderen zween, die sie setzen, mag er auch abstellen, den (lies die) dritten soll er lassen, sie seyen krumb oder schlecht. Grimm weisth. 2, 163; den dritten (vorgeschlagenen glöckner) soll er daran lassen, er sey krumb oder schlecht. 165. auf unpersönliches bezogen: ain erzebiscof hieʒ Albreht — iʒ wære crump oder sleht, er half dem chunige mit flîʒe. kaiserchron. 16875; eʒ wære rûch, eʒ wære blôʒ, eʒ wære krump, eʒ wære sleht, daʒ nam alleʒ Helmbrecht. meier Helmbrecht 667; eʒ sie krum oder slecht, sô sult ir blîben bie dem vanen. livländ. reimchronik 2532. 33) schlecht im sinne von eben, von land und see: planus, slecht Dief. 440c; so altnord. sléttr vllr, slétt land, sléttr sjr, ahd. mit slehtero ebeni, strato aequore Graff 6, 787; schlecht flach planus Schottel 1400; goth. jah vairþiþ þata vraiqo du raihtamma jah usdrusteis du vigam slaihtaim. Luc. 3, 5 (inti uuerde abahu in rehtu inti unebanu in slehtâ uuegâ. Tat. 13, 3; was krum ist, sol richtig werden, und was uneben ist, sol schlechter weg werden. Luther); mit beziehung auf diese stelle, im bilde: mache dermit die wege sleht ze beiden sîten unde wît. welscher gast 7524; uf deme slechtin felde. d. chron. 1, 86, 29; slehteʒ velt pringt mêr weins, aber gepirg pringt edlern wein. Megenberg 350, 33; alle tal sollen erhöhet werden, und alle berge und hügel sollen geniedrigt werden, und was ungleich ist, sol eben, und was höckericht ist, sol schlecht werden. Jes. 40, 4; verlas dich nicht drauff, das der weg schlecht sey. Sir. 32, 26; Ostergarn ist ein grauer schlechter ebener holm. Manson seeb. 46; er vert über sleht und über krump. renner 13792; über gruoben und graben, über rûch und sleht. 13872; ûf einer slechten wîte. pass. 575, 47 Köpke; die perge werdent alle sleht. H. v. Neustadt gotes zuokunft 7967; es reit ein herr und auch sein knecht wohl über ein haide, die war schlecht. wunderhorn 1, 326 Boxberger; wo pferd und wagen nicht kan gehn, da sucht man segel, schiff und nachen, die nassen puckeln schlecht zu machen, so auf des meeres rücken stehn. Hofmannswaldau d. sterbende Socrates 69. Schm. 2, 502 bezeugt einen schlechten kulm (unbewaldeten) im gegensatze zum rauhen (bewaldeten) bei Neustadt. nd. sligt wird ebenfalls als glatt, eben von land und wasser gebraucht: de weg is gans slicht und effen; up't slichte land; slicht water. ten Doornkaat Koolman 3, 197b; gräben schlecht machen, sie ebenen: den graben sol man sleht machen. Schwabensp. 116, 16 Wackernagel (andere lesart ebenen); nd. end maeckten de graven slecht. quelle bei Schiller-Lübben 4, 236b; doch auch von mauern, burgen: sine slotte worden nedergeworpen ind slecht gemaekt. ebenda. 44) schlecht im sinne von glatt, auf körper, gegenstände bezogen: glatt, schlecht, hel, nicht rauch, laeve, glabrum Henisch 1627, 41. im gegensatze zu rauh von der haut: nu weist du wol muotirdaʒ rouch ist min bruodir, ich bin sleht unde linde. genes. u. exod. 49, 14 Diemer; dîn arme und dîne hende stênt ân missewende; die sint sô sleht und sô wîʒ. Hartmann v. Aue Greg. 2759; sî treit gar slehte wîʒe hende. minnes. 2, 22b Hagen; ir lîp was allenthalben sleht, gestalt wol nâch wunsche reht. ges. abent. 3, 114, 29; manigen hals sleht und linden sach man mit bluote überloufen. Ottokar reimchron. 64139; welhes stirn sleht ist und niht gerunzelt, der ist kriegik und macht gern krieg. Megenberg 45, 30; wær der mag sleht und glat, so sliff daʒ eʒʒen ê der zeit ze tal. 32, 12; belege für sleht, glatt vom äuszeren des menschen im gegensatze zu seinem inneren, s. unter 5). von glatt gescheiteltem, gepflegtem haare im gegensatze zum vernachlässigten, struppigen: ich bin verlegen als ein sû: mîn sleht hâr ist mir worden rû. Walther 76, 16; sleht und unzefüeret ist dîn hâr. Hartmann von Aue Greg. 2754; sich das haar schlecht machen, das haar sich ordnen, scheiteln. Schröer 201b. glatt im gegensatze zum natürlichen oder künstlichen krausen, gelockten haare (nhd. schlichtes haar): sîn hâr was hovelîche gespænet wol, sleht unde reit. R. v. Ems g. Gerh. 791; schlecht har, coma plana Stieler 1849; slehteʒ hâr und lindeʒ bedäut ainen vorchtigen menschen .. aber kraus hâr bedäut kuonhait. Megenberg 42, 30; sein hâr hât ain mittel zwischen vil und wênig, zwischen slecht und kraus. 51, 6; einer zimlichen mans leng, pleicher farb, einem roten bart, der im unter dem kin stund, item gelben, schlechten hâr. Aventinus werke 1, 303, 21; so wisse er mit seinen blonden haaren nicht sattsam zu haseliren, bald trüge er dieselbe krause, bald schlecht. Felsenb. 2, 122; nd. sligte hare, ungekräuselte haare, haare ohne natürliche locken. brem. wb. 4, 825; vom gefieder eines vogels: sîn gevidere vêch unde sleht. sperwœre 109; von der rinde eines baumes: des paums rind ist niht gar rauch noch zemâl sleht. Megenberg 324, 24; der bouch ist hôch unde sleht, daʒ ich mich noch dehein kneht dar an ze stîgen kêre. H. v. Fuszesbrunnen kindheit Jesu 1441; und so in allgemeiner anwendung: levigare, slecht machen. Dief. 325c; sprichwörtlich: schlecht ist bald geschliffen. Franck 2, 101b (mit der auslegung: schlecht und gerecht ist die warheyt, die hat ein einfeltige red, und darff nit geschwinder griff oder umbschweyff der auszleger); schlecht wie ein schäfferstecken. Lehmann bei Wander sprichwörterlex. 4, 230, 46; sein (des smaragden) pesteu gestalt ist, daʒ er sleht sei, wan sô er gedürcht ist, sô ist er dunkel. Megenberg 459, 17; der schöne tünch, an der schlechten wand (τοίχου ξυστοῦ). Sir. 22, 20; der gemeine mannstreu hat eine schlechte lange wurtzel. Hohberg adel. landleb. 3, 1, 428a; van maerberstene slecht was die saerc die daer up lach. Reinaert 454; so slecht of si waren von glasen al. 5492; das die strohalmen und die äher möchten wachssen fein schlecht daher on die scharpffen, stachleten spitzen, die eim in henden bleiben sitzen. Waldis Esop. 2, 33, 8; der Parthen arbeit hat die schlechte wand geziert. A. Gryphius (1698) 1, 51; nd. du must de balk slicht hauen, ihn glatt behauen. ten Doornkaat Koolman 3, 197b; slehteʒ tuoch, glattes, ungefaltetes: do was eʒ aber ein sleht tuch (in dem vorher drei falten gewesen waren). pass. 74, 76 Köpke; schlechter grund (glatter) beim spitzenstich. Jacobsson 4, 228a. 55) von dem begriff 'glatt' aus entwickelt schlecht in alter sprache die bedeutung von 'weich, lind, mild, freundlich, heiter' meist in übertragener anwendung: im ahd. glossiert es lenis, dulcis, tranquillus, blandus Graff 6, 786 f.; blandus in isto corpore, slecter in desamo lihamin. Murb. hymn. 16, 3, 4; blandis estibus, sclehtem hizzom. 4, 4, 2; uultusque caeli blandior, antluzzi ioh himiles slectera. 5, 3, 3; blandus, slecht vel smeichel. Dief. 76b; lenis, slecht, slichte; zacht vel slicht. 323c; mhd. dann im sinne von willfährig: darumb wâren si im slecht sînen willen ze begên. Ottokar reimchron. 35937; vgl. auch folgende stelle, wo indessen slecht vielleicht als adverb (durchaus) und verstärkung zu albetalle zu fassen ist: her began ouch umbewinden dhen von Padherburnen und dhen von Minden, den von Kamerec und dhen von Utrecht, dhe her allbetalle sleht, vant nach siner gere. braunschw. reimchron. 4888 (d. chron. 2, 2, 520b); alt schon ist die übertragung von schlecht im sinne von glatt auf die rede. von der ebenmäszigkeit, dem glatten gefüge der sprache (der begriff des einfachen, schlichten darf hier noch nicht untergelegt werden): (Griechen und Römer) machont iʒ so rehtaʒjoh so filu slehtaʒ, iʒ ist gifuagit al in ein,selp so helphantes bein. Otfrid 1, 1, 15; in der folgenden, berühmten stelle ist die sinnliche bedeutung in ähnlicher weise wirksam, doch tritt der begriff des einfachen, ungekünstelten (s. unter 9) hinzu: wir suln eʒ (den dichterlorbeer) niemen lâʒen tragen, sîn rede ensî eben unde sleht ob iemen schône und ûfreht mit ebenen sinnen dar getrabe, daʒ er dar über iht besnabe. G. v. Straszburg Trist. 118, 21 Maszmann; besonders aber von freundlicher, verbindlicher rede (vgl. altn. tala slétt, mæla slétt, ahd. slehto, leniter (loqui). Graff 6, 788); hier bildet sich leicht ein übler nebensinn heraus, wenn den glatten worten die gesinnung nicht entspricht: nû lebe wir mit haʒʒe unt ouch mit nide, mit linder rede sleht alsam ein sîde. eʒ grüeʒet maneger mit dem munde unt meint es mit dem herzen niht. R. von Zweter 241, 8 Roethe (mit der anm.); swie süeʒ, swie sleht der valsche wirfet siniu wort. Frauenlob 71, 7. in gleichem gegensatze von dem trügenden, glatten äuszeren, der geberde u. s. w.: dem (igel) sint ungelîch die valschen liute, die sint innen rûch und ûʒerthalben sleht. Marner 6, 4 Strauch (mit der anm.); du schînest ûʒen harte sleht und bist geriuhet innerhalp. K. v. Würzburg Part. u. Meliur 8052. 66) von der bedeutung 'glatt' aus ist es zu erklären, wenn sleht in älterer sprache bisweilen im sinne von 'leer' erscheint: wand si die kasten vunden slecht, do man gutes sich versach. pass. 211, 64 Köpke. 77) schlecht mit glatter auszenseite, im gegensatze zum geschmückten durch musterung oder verzierung; der begriff des einfachen macht sich geltend: zwen silbrein sleht pecher. d. städtechron. 3, 396; die Meinczer guldein mit dem rade in slehten schilt. 1, 234, 6; schlechtes kreuz, schmuckloses: crützer machens ouch daran, schlecht, burgunsch (vgl. rollw. 64, 8 Kurz), und wie man kan. Murner narrenbeschw. 34, 75. ähnlich in neuerer sprache: es ist nur von schlechtem holze gemacht, ohne besondere verzierung. Campe; schlechte manschetten, glatte, ohne spitzenbesatz; ein schlechtes kleid, im gegensatze zum bordierten. Adelung; nd. se truret mit slicht linnen, sie trägt der trauer wegen keine spitzen. Dähnert 429a. 88) die sinnliche bedeutung von schlecht (gerade, glatt, eben) liegt der übertragenen anwendung zu grunde, wenn schlecht im sinne von 'einfach, geringwertig, gering, gewöhnlich' gebraucht wird. 8@aa) einfach, entgegengesetzt dem kostbaren, wertvollen, ausgezeichneten, hervorragenden: (die alten Deutschen) betruegen sich einer slechten g'ringen nit hochgültig (so überal leicht zue bestellen, zue wegen zu bringen war) kost. Aventinus 1, 306, 34; Plinius und Macrobius zeigen an, dasz dem menschen schlechte gemeine speis am nützlichsten und gesundesten. Ryff spieg. d. ges. (1574) 94b; es ist ein schlechte aber ein gute kunst die rosz von den gallen zu bewaren. Seuter rossarzn. 287; dasz unser herr Christus und die apostel vor zeiten die welt in so schlechter gestalt durchwandelt. Zinkgref apophth. 1, 340; adverbial: (gemälde) die gantz schlecht mit einer farb entworfen waren. 317; beyliegendes schlechtes andencken nehme mein schöne mit günstigen händen an. unw. doctor 493; die dryncken nit den schlächten wyn, es muosz Reinfal, Elsasser syn. Brant narrenschiff 63, 86; das er das paradysz liesz stan und nam eyn schlechten acker an. Murner narrenbeschw. 4, 50; in tönen schlecht und gar gemein. H. Sachs spruchged. 246, 207 Tittmann; dein geist wird dennoch, groszer graff! ein schlechtes opffer nicht verachten. Günther 147; so sitzt das frohe paar zu schlechten speisen hin. Haller 29 Hirzel; indessen freut mich's, hier in meinem schlechten garten gehorsamst aufzuwarten. Bürger 23a; ein schlechtes geschenkchen, levidense munusculum. Steinbach 2, 440; er geht in schlechten kleidern .., non auro et argento distinctis vestibus ornatus incedit, sed simplicibus sine cultu et ornatu. Frisch 2, 194b; doch, meint er, müsse man schlecht in diesem sinne wegen der daneben geltenden verächtlichen bedeutung behutsam gebrauchen. ebenso das adv.: das gesang und singen ist wol verhanden, wie's der brauch schlecht (kunstlos) eingeit. Aventinus 1, 428, 17; sî wârn gewâfent slehte, nâch der roubær rehte. Hartmann v. Aue Erec 3228. 8@bb) schlecht im sinne von gering bei wert- und zahlenangaben: (kostbarkeiten) die sie in irer rais umb ain schlechts gelt verkauft gehapt. Zimm. chron.2 2, 148, 34; ihre sachen, es seyen mobilien oder ligende güter, umb gar schlechten werth zu verkauffen. Schuppius 721; wilde gänse und enten kan man von den bauren umb schlecht geld bekommen. Olearius pers. reisebeschr. 78b (3, 2); daher man in geschwinder eil eine lange reise, und zwar mit schlechten unkosten thun kan. 77a; man lobt wol yetz ein guotten knecht, wie wol syn lon ist warlich schlecht. Murner narrenbeschw. 31, 45; Veit, gibt sich an zu dienen, um schlecht — ja keinen sold. Logau 3, 116, 88; gering an zahl: hilff uns o got, ach herr! hilff uns bey zeitten! dieweil numehr der frommen zahl sehr schlecht. Weckherlin (1648) 43; das ist ein schlechtes für einen so reichen mann; etwas um schlechtes geld (s. unten 17, i, β) kaufen, um weniges. Adelung; welches er doch den juden umb eyn schlechts geltlin thut. Fischart bienenkorb 171b. von hier aus ist auch die wendung schlecht gerechnet zu erklären, durch die ein geringes, niedriges wertmasz bezeichnet wird. 8@cc) so in allgemeiner anwendung im sinne von 'einfach, gewöhnlich, gering, geringfügig, unbedeutend'. schlecht kann dabei je nach dem zusammenhange eine mildere oder schärfere bedeutung annehmen, sodasz es auf der einen seite nur dem besonders ausgezeichneten gegenübergestellt werden, andererseits auch die bedeutung von unwert, schwach u. ä. annehmen kann (schon im altn. hat sléttr bisweilen die bedeutung von 'gewöhnlich, einfach' Cleasby-Vigfusson): get und gewinnet mir slechte (gewöhnliche) gerten und holet mir kieselinge von des meres stade. altd. pred. 1, 186, 14 Schönbach; man pauet claine schlechte stetlein, dergleichen hütlein nur für die wilden tier und ungewiter. Aventinus b. chron. 1, 74, 3; macht jhn zu einem amptman an einem schlechten (kleinen) ort. Zinkgref apophth. 1, 212; auf der morgenseite war der schlechte flusz (der unbedeutende) .. gegen den Marbod eine schwache gräntze. Lohenstein Arm. 2, 743; disz schiff mit altem segel fart und duot glich wie das erst usz fliegen, loszt sich mit slechtem wynd benügen. Brant narrensch. prol. 16; des gesichtes edles prangen: heist ein schlechter frost verblühn. A. Gryphius (1698) 1, 43; von slehten arzeneyen, de medicinis simplicibus. quelle bei Schm. 2, 501; ein schlechter feiertag, ein gewöhnlicher. ebenda; ich frage euch — ob es auch noch bei guter tagzeit, nicht zu früh oder zu spat, der tag nicht zu heylig oder zu schlecht sey. Kirchhof mil. disc. 237; schlechte kreuze (im gegensatz zu ablaszkreuzen). Fischart bienenk. 175b; ein schlechter bruch (ein gewöhnlicher) wirt geschriben mit zweien zalen obeinander. Mich. Stifel, coss Christ. Rudolphs 19. so in mannigfaltigster anwendung: und setzet jn, nicht an einen schlechten ort, ja nicht uber herrn und fürsten, auch nicht schlecht ins paradies, sondern uber alle creaturn, in gott selbs, das er und gott ungescheiden sind. Luther 6, 52a; die leut meinen, sie könnens bald alles, wenn sie eine predigt gehöret haben. Zwinglius meinete auch, er wüszte es wol, es wäre eine schlechte kunst. tischr. 1, 89; in schlechten kriegen haben si nit mêr kriegsvolk von aigen und frembden leuten gehabt dan zehen tausend zue fuesz. Aventinus 1, 435, 8; das seind furwar nichte geringe oder schlächte missethaten. Rihel Liv. 471 (1598); und bringt nit in gestalt eines herrlichen zierlichen libells, sonder allein schlechter, doch nützlicher begerungsweisz .. für. Ayrer proc. (1600) 2, 2, s. 402; dasz sie (durch geberdensprache) einander vollkömmlich verstehen, nicht nur in schlechten gemeinen bedeutungen; sondern auch in ausführlichen erzehlungen. Butschky Pathmos 34; sich auf ein document mit schlechter sicherheit verlassen. Hahn hist. (1721) 2, 74 note e; um etwas aus den schlechten naturwirkungen (den gewöhnlichen) anzuführen. Kant 6, 89. besonders häufig im sinne von gering, geringfügig, in wendungen wie: das ist eine schlechte mühe, ein schlechtes ding, werk, eine schlechte sache, aus schlechtem anlasz, schlechter ursache; es ist ein schlechter schade, schlechter verlust u. ähnl.; item es sollen auch die dorfmaister umb ain iede schlechte sach, die gleichwol der gemain antreffen mecht, nit allweegen gemain oder geschworne darzue pieten oder helligen. tirol. weisth. 3, 35, 44; wie aus leichten schlechten geringen ursachen der mêrer tail grosz übels und unglücks erstê. Aventinus 1, 190, 13; ist schlecht ding, aber on welches das grosz nit wol recht und grüntlich verstanden mag werden. 32, 20; Rom .., die gar von aim geringen schlechten anfang entsprungen. 620, 22; die sie dann mit schlechter mühe und arbeit auff dem eisz wol fortrhutschen. Fronsperger kriegsb. 3, 149b; (als) etliche zwyspaltung und gebrechen zwischen andern bauren schlechter ursach wegen sich erhaben. Kirchhof wendunm. 1, 194 Österley; ein schlechten verlust an schwäntzen und ohren. Zinkgref apophth. 1, 212; meinem freunde eine solche schlechte mühe abzuschlagen. colica vorr.; so hätte es schlechte müh bedurfft, er hätte sich bereden lassen. Chr. Weise kl. leute 169; die selbig arbeit würd dir schlecht, und keme dich vil lychter an. Murner narrenbeschw. 2, 22; gefällst du menschen nicht, das ist ein schlechter schad. P. Gerhardt 4, 25 Gödeke; musz das leibchen gleich verwesen, ists doch nur ein schlechter schad. 251, 20; es sind ja gott sehr schlechte sachen. Neumark wer nur den lieben gott u. s. w.; es ist mir schlechte müh dir solches kund zu thun. Hofmannswaldau getr. schäfer s. 181; ein schlechter zufall kan oft grösten nothstand mindern. Lohenstein Cleopatra 1, 316; zwar es ist kein schlechtes werck, sich im kummer frölich zeigen; wer vermag wohl einen berg ohne schwitzen auf zu steigen. Günther 98; getreuer lehrer! nimm hiermit den schlechten danck von armen händen. 84; sie schielen an verstand und witze, der fehler ist gewisz nicht schlecht. 637; in ähnlicher anwendung: (meine tante) bezeugte sich auch gegen mir recht mütterlich also dasz ich gewisz damalen einen schlechten unterschied zwischen derselben und meiner seligen mutter zu machen gewust. Pierot 1, 195; welches zwar von schlechter wichtigkeit zu sein scheint. Liscov zerstör. Jerus. vorrede; wie wol heut die junge welt für schlecht der alten thaten hällt. Fischart 2, 183, 162 Kurz; da hat mein sun ein pein abrochen. war zwar ein schlechte freud darpey (es war kein vergnügen). H. Sachs fastn. sp. 2, 33, 219 neudr.; schlecht, adv. entsprechender weise im sinne von wenig, in geringem masze; hier tritt leicht die verschärfung und verschlimmerung des begriffes ein, wie sie im neueren sprachgebrauche vorliegt: du waist wol dasz die alten patres schlecht gelert seind (minime eruditi). sat. u. pasqu. 2, 120, 32; (der stier) scheint den frauenzimmern sich schlecht um sie zu kümmern. Bürger 22a. 8@dd) schlecht im sinne von blosz: wille gy uns dat nu geven up slichte wort, ohne schriftlichen vertrag. quelle bei Schiller-Lübben 4, 236b; man sol jren slechten worten glauben. quelle bei Schm. 2, 501; Philippus, welcher meinet, das ich ein mensch, und mein wort schlechte menschen wort sind, und sich darumb weniger daran kehret. Luther 5, 41b; aber was sol man thun, wenn das heimlich verlöbnis nicht ein schlecht verlöbnis ist, sondern auch darauff gefolget das heimliche beschlaffen. 244a; darum hastu auch gewislich nicht gewandelt, sondern schlecht brot und wein geopffert. 6, 83b; die tauffe ist nicht allein schlecht wasser, sondern sie ist das wasser in gottes gebot gefasset, und mit gottes wort verbunden. 8, 350b; mit beziehung auf diese stelle: du bist kein schlechtes wasser nicht, wies unsre brunnen geben: was gott mit seinem munde spricht, das hast du in dir leben. P. Gerhardt 327 Gödeke (aber mit verschlimmerung des begriffes von schlecht: mit schlechtem wasser getauft sein, einfältig sein. Wetterau); das Christus nicht gott sey, sondern ein schlechter mensch. Luther 5, 156a; dasz dieser könig (Christus) mehr sein mus, denn ein schlechter pur lauter mensch. 3, 428a; das ich gott mit dem vater bin, und nicht ein schlechter mensche. Ringwaldt ev. (1646) R 6a; (Christus) kan mit schlechten sprechen (mit bloszem wort) all seiner feinde macht, wie grosz sie wird geacht, im augenblick zubrechen. Ringwaldt bei Wackernagel leseb.3 2, 279, 21. in ähnlicher anwendung öfters noch bei Kant: es ist also erstens die abwesenheit der wirklichkeit der bewegung, nicht die wahre und rechte bedingung, welche der kraft eines körpers die schätzung der schlechten geschwindigkeit zueignet. 8, 43; masz der schlechten geschwindigkeit. 46 (der bloszen geschwindigkeit); in dieser anwendung häufig in der betreffenden abhandlung, vgl. 102, 110. 8@ee) in eigenthümlicher anwendung: umgürtet euch, steckt lichter an, und steht auf muntern füszen, wie menschen, die auf ihren herrn bey nachtzeit warten müssen! damit sie, wenn er kommt und klopfft, ihm schlechten eingang machen. Günther 60. hier also nimmt schlecht den sinn von 'ungehindert' an; vgl. den entsprechenden gebrauch von schlecht, adv.: dann das tütsch buoch nit also schlecht zelesen, noch ze verston ist. Terenz (1499) A 2a; dann solt es also schlecht zuo gon, so würd eym yeden knecht syn lon, gott geb, er arbeyt oder nit. Brant narrensch. 57, 19. vgl. auch unten unter 13, b. 8@ff) in der reimformel schlecht und recht (s. unten 16) bewahrt auch in neuerer sprache schlecht den milden sinn von 'einfach, kunstlos, ohne groszen wert', besonders in adverbialer fügung: er macht seine sache schlecht und recht, dies bild ist schlecht und recht gemalt u. ähnl.; in alter sprache dagegen in gutem sinne und deshalb mit wol verbunden: euwer dinst gefellet mir wol und slecht. Alsf. pass. 455. nicht schlecht im sinne von 'nicht gering, bedeutend' ist ebenfalls viel gebräuchlich: er hatte nicht schlecht angst, adverbial: er wetterte nicht schlecht u. ähnl.: geriethen die groszen herren zu hofe darüber in nicht schlechte bekümmernisz. Olearius pers. rosenth. 1, 45; dardurch ein ganzes land nicht schlechten aufwachs nimmt, wenn es zugleich mit ihm bis ans gestirne glimmt. P. Fleming 62. auch hier bewahrt das adverb. treuer die alte mildere bedeutung von schlecht: er lachte nicht schlecht; fremdartiger klänge: er zeigte keine schlechte freude. vielgebraucht ist die wendung: das ist nicht schlecht, als ausdruck der überraschung. aber auch positiv wird das adv. im sinne von 'wenig' gebraucht: er ist schlecht zufrieden, schlecht entzückt. 99) die alte sprache übertrug die sinnliche bedeutung von schlecht mit vorliebe auf die rede, und die durch sie ausgedrückten vorstellungen, aussagen u. s. w., oben unter 5 sind beispiele für eine seite dieses sprachgebrauches gegeben. meist ist die mit schlecht verknüpfte, sinnliche vorstellung in anderer richtung wirksam; das ebene und gerade steht für das kunstlose, ungeschmückte und ungezierte, oder es bezeichnet das klare, leicht faszliche, ohne umschweife und winkelzüge ausgedrückte; so nimmt es den sinn von aufrichtig, offenherzig an. meist gehen natürlich diese anwendungen in einander über: schlächte und einfaltige gattung zu reden, da man nit vil krumbs darinn braucht, attenuatum dicendi genus. Maaler 354c; schlächte red, schlächte weisz ze reden daran nichts geblümt ist, sermo vulgaris. ebenda; secundum litteram, nâh slehten uuortin. Notker ps. 33, 21; de sall daer slechte antworde op geven mit jae offt mit neen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 236b; schlecht nach dem text, mit wennig zuogelegten worten. Keisersberg post. 1, 10; das sey von der schlüssel misbreuche jtzt auffs aller schlechtest angezeigt. Luther 5, 231b; sihe, wie sind dan das alles so schlechte einfeltige wort, und verstehet sie doch niemand. 6, 193a; wiewol noch klerer und schlechter zu zeigen ist, was der glaube, der da gerecht macht, sey. J. Jonas ebenda 390a; hindan gesetzt auff das mal, was man im hertzen gleube oder nicht gleube, schlecht gefragt, was hand und mund hie fasset. Luther 6, 106b; dasz alle stuck und artikel schlecht (klar) sind bis auf den, das die güter, so hisher geistlich gewesen, .. noch nicht uberantwortet sind. briefe 2, 380; und das nit allein mit seinen schlechten worten noch in einem codicill oder letzten willen, sonder in einem zierlichen herlichen kreftigen testament. Schade sat. u. pasqu. 3, 55, 21; schlecht (einfach, kurz): wo man in gott sich verlaszt, da ist gott. Zwingli 1, 192; wir haben noch zwai g'maine sprichwort von dem treuen Heccard und pundschuech und ein ganze teutsche historien mit reimen und schlecht on reimen, doch nach poetischer art und der alten brauch beschriben. Aventinus 1, 186, 3; am ersten het der heilig geist nur das schlecht, mit der zeit mêr geoffent. 888, 17; inn worten schlecht, und im sinn recht. Fischart 3, 109 Kurz; sagt er zum fürsten schlecht herausz: seit willkommen, herr. Kirchhof wendunm. 1, 179 Österley; darumb tichtet man jhnen (den personen niederen standes) auch einfaltige unnd schlechte reden an. Opitz poet. 34 neudruck; was offt in einem schlechten ohnansehnlichen wort verborgen steckt. Schuppius schr. 9; do sprach die edele gotes maget, Lucia mit ir worten slecht. pass. 26, 91 Köpke (vgl. 10, 31); herre, sprachen si, wir haben ervunden werlich unde slecht, daʒ du sist ein gotes knecht. 17, 87; der bâbest sprach: diu rede ist sleht (klar und logisch). K. v. Würzburg Silvester 3629; mit einer kurzen rede sleht künde ich iu daʒ mære. meier Helmbrecht 26; sô schadet diu wârheit manegem man, der niht denn sleht gereden kan. renner 15229; daʒ sage wir ûch, die rede ist slecht. livländ. reimchron. 2924; die fursten sagten im sleht, sie heten daʒ wol vernomen. Ottokar reimchron. 12166; sleht unde blôʒ dem kunic man allerêrst entslôʒ, waʒ er tuon solde. 24906; slechtiu wort und slecht geticht diu lobt man in der welt nu nicht, wels wort krump sint gevlochten, der hât nu vast gevochten. Boner schluszwort 19; des frag die alte kewe mit kurtzen worten slecht. O. v. Wolkenstein 31, 1, 26; herr der richter, mein antwurt ist slecht. fastn. sp. 784, 10; die heylig biblisch schrifft, was christlichs hayl betrifft die ist schlecht und einfellig geystreich und gar geweltig. H. Sachs 1 (1558), 1, 80a; der sagt die warheit uns fein schlecht. Hollonius somnium vit. hum. 37 neudr.; antwort nur fein rund und schlecht. Weckherlin 410; allda erklärte recht mit dürren schlechten worten Rinaldo die geschicht'. Dietr. v. d. Werder Ariost 30, 87, 6. vereinzelt so noch in späterer zeit (wie sonst gewöhnlich schlicht): eine wahrheit, die, in schlechten worten ausgedrückt, sehr faszlich wäre. Lessing 4, 448; diese unerwartete auswickelung der ordnung der natur im groszen wird mir anfänglich verdächtig, da sie auf so schlechtem und einfachem grunde eine so zusammengesetzte richtigkeit gründet. Kant 8, 228; herr, darf ich ungescheut euch meine schlechte meinung sagen? Wieland 22, 180 (Oberon 4, 61). so auch sonst im sinne von 'leicht faszlich, nicht compliciert': kunst ist zwahr schlecht und recht, doch wer sie finden wil, der sei kein meinungsknecht. Rist Parnasz (1668) 686; in einer so schlecht und einfältig scheinenden sache, als ein zirkelkreis ist. Kant 6, 48. 1010) auf begriffe des rechts, auf verhältnisse und vorgänge des rechtlichen verkehrs, sowie friedlicher und feindlicher beziehungen angewendet: schlechter eid, gewöhnlicher, dem hochfeierlichen gegenübergestellt: fries. hagera naet to bycomrien dan op een sliuchten eed. Richthofen 1037b; bey seynenn schlechten eyde, unauffgerockt. quelle bei Haltaus 1635; ähnlich: ein schlechter mundbescheid war damals mehr geacht als itzo schrifft und eyd. Rachel 7, 27. in gleicher anwendung: sligte verbading, vorladung ohne beifügung der strafe für den fall des ausbleibens. brem. wb. 4, 826; schlechte busze, klage. Haltaus 1635. Schiller-Lübben 4, 237a; aber auch een slicht unrecht, vergehen, worauf nur die geringste strafe gesetzt ist. Dähnert 429b; mit einer anderen wendung des begriffes von schlecht (s. oben 9): schlechte freundschaft, gute, aufrichtige. quelle von 1348 bei Schm. 2, 501; ebenso schlechter friede, schlechte sühne. Haltaus 1634. 1111) gerecht, recht und billig, klar, ohne zweideutigkeit (gerecht von personen, s. unten unter 15), angewandt auf die staatliche und gesellschaftliche ordnung: mit slehter ordenungesô lebten si (die alten). Reinmar v. Zweter 241, 6 Roethe; zunächst mit beziehung auf rechtsgang und urtheilsprechung, dann freier vom rat geben und beurtheilen; die zu grunde liegende sinnliche vorstellung tritt deutlich z. b. in folgender stelle hervor: eʒ (das recht) war ê sleht alsam ein hant,nust drunder michel strît. Walther v. d. Vogelweide 107, 6; vgl. auch oben unter 2, wo belege für die in alter sprache häufige gegenüberstellung von krumm und schlecht gegeben sind; mein urteil setz ich schlecht und recht. fastn. sp. 100, 23; wer urteln sol und raten schlecht, der dunck und folg alleyn zuo recht. Brant narrenschiff 2, 7; schlecht geht es zu an dem gericht kein falschen ayd man schweret nicht man braucht auch weder list noch renck on neid und forcht, on lieb und schenck schaut man auff die bloszen warheyt und urtheilt nach gerechtigkeyt. H. Sachs 1 (1558), 3, 355b; klag jhm dein noth! was du hast recht, das wird dir zugesprochen schlecht. 2 (1591), 1, 18d; sihe, deine sache ist recht und schlecht, aber du hast keinen verhörer vom könige. 2 Sam. 15, 3; es ist ein schlecht frey urteil, wer ubel thut, gereitzet oder ungereitzet, der wird ausgerot werden. Luther 3, 290b; lasset schlecht und schleunig recht ergehen, höret den advocaten in ihren vorzüglichen auszflüchten nicht zu. Schuppius 24; freier: got der durch elliu herzen siht, den möhte al diu werlt niht erbiten eins unrehtes: er enwil niht tuon wan slehtes. Vridanc 3, 18. 1212) schlecht zur bezeichnung des ausgeglichenen, in ordnung gebrachten, gesühnten, vermittelten; schlecht machen, schlichten, zum frieden, zum guten ende bringen, entscheiden, ordnen; im entsprechenden sinne schlecht werden, schlecht sein; es ist schlecht heiszt dann häufig: die sache ist abgemacht, im reinen, es bedarf weiter keiner frage, es liegt einfach und klar, es ist ausgemacht u. ähnl. nd. so he dyt dede, solde de sake slycht wesen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 236b; we stervens is beraden unde sorgh hefft afghelecht unde truwet godes ghenaden, syn saken syn al slecht. J. Veghe 392, 28 Jostes; se menen suluen, ere sake sy slycht. Reinke de Vos 3985; hochd. sîn dinc was allenthalben sleht, wan ain herre in Sahsenlant ... den chünic er ofte in arbait stieʒ. kaiserchron., anhang 1, 308; ich hân ouch daʒ gemachet sleht (ich habe auch das erledigt, entschieden), wâ von man ze jungest sol von der milte sagen wol. wälscher gast 13942; daʒ saltu an in machen slecht mit ordenlichem rechte. passion. 128, 64 Köpke; daʒ got durch sinen lieben knecht sulch urlouge machte slecht. 594, 92; der zweier strît umb ir reht wart zwischen in gemachet sleht. L. v. Regensburg tochter Syon 1433; dâmit daʒ urliuc wurde sleht. Ottokar reimchron. 5851; dô daʒ alleʒ wart sleht, dô nam der hof ein ende. 73982; do was es alles slecht. Altswert 253, 32; so chüm her für und mach es schlecht. ring 10c, 38; ewr sach und mein die wurden schlecht. Cl. Hätzlerin 2, 54, 386; ach, lieber nachtpaur, ir habt recht, wir wollen die sach machen schlecht. fastn. sp. 57, 21; hore, freunt, es ist damit nit slecht: das du dir selber urteil sprichst. 79, 31; ich urteil hie und sprich zu recht: sol ich die sach nu machen schlecht. 236, 24; ümb das gelt wirts wol schlecht (kommts wol in ordnung). 683, 1; welch ubel wil, die macht bald schlecht (ist bald im klaren, bekommt es bald heraus), wie sie zuo wegen bring all tag ir bösz fürnemen und anschlag. Brant narrenschiff 32, 4; die schencken (geschenke) machens alles schlecht. Murner narrenbeschw. 42, 91; sie gedachten: es wird wol schlecht; sechs hundert gulden poten si fail, wer in den Schüttensamen brächt, dasz er in wurd zuo tail. Uhland volksl.2 261 (nr. 136); jar wer es schlecht (entschieden) mit liegen, so wurdend ir alle welt bezwingen und bekriegen. Liliencron hist. volksl. 3, nr. 362, 23; die sach war schlecht (war abgemacht), der teufel spat fuhr in den burger in der stadt. H. Sachs 2 (1570), 4, 67a; die sach war schlecht, der heckr heimlieff. 78b; die sach war schlecht, er gieng darvon. 80c; fürwar die sach die ist gar schlecht. 2, 2, 38d; der meszner sprach: die sach ist schlecht, ihr hab solchs macht, mein lieber herr. narrenbuch s. 126 Bobertag (Peter Leu 1174); mancher hatt auch grosz gefecht, hangt mit eim hie und dort im recht und kan die sach nit machen schlecht. Wickram irr. reit. bilger 8a; ich stell dirn (deinen sohn) zuo wanner ist dein, so ers begert so sey es schlecht. 72b; schlecht wurden alle hadersachen. B. Waldis Esopus 4, 100, 114 Kurz; man findt der narren noch wol mehr, wann sie die schmeichler loben sehr, so meinen sie, es sey nun schlecht (ausgemacht, in richtigkeit). Alberus fab. 9, 79; wir wollens strafen, das ist schlecht (das ist ausgemacht), was die frösch uns haben gethan. Rollenhagen froschm. (1595) Qq 2b; und ward getaidingt, daʒ herczog Rupprecht der alt die taiding aus solt sprechen mit wissen und daʒ alle sach slecht solt sein. d. städtechron. 1, 40, 15; sey hold dem der dich beleidiget hat, vergib nur du, so ist es alles schlecht. Luther 1, 84a; es sol alles schlecht und vergessen sein. 3, 46a; das ist droben durch das angezeigte mittel im schlecht (erledigt), weil wir kaiserlichen rechten nicht wollen hierin folgen. briefe 3, 261; so nu euch diese meinung gefiele, so wäre die sache schlecht. 4, 345; ich hab des kein zweifel, ich hoff die sach soll bald schlecht werden. Hug Schapler (1537) 17, vgl. weitere belege bei Schmeller 2, 502; formelhaft: schlecht und recht machen ... das ist, all ding in ein geschickte ordenung schicken. Franck sprichw. 2, 96a; nd. se tuuschen slicht üm slicht, keiner wird benachtheiligt. Dähnert 429b. 1313) aus dem im vorhergehenden dargestellten gebrauche des adjectivums erklären sich von selbst häufig in alter sprache vorkommende anwendungen des adverbiums, die in der späteren entwicklung fast ganz untergegangen sind, die anwendungen des adv. schlecht für die begriffe 'einfach, lediglich, nur, ohne weiteres, schlechterdings, durchaus, unbedingt' und verwandtes. schlecht dient häufig zur scharfen, reinen fixierung des mit ihm verbundenen begriffes, es weist ein mehr oder minder oder ein anders seiendes oder geschehendes ab (s. oben unter 8, d). 13@aa) im sinne von 'einfach, nur, lediglich, nichts weiter als'; ganz besonders häufig bei Luther in diesem sinne: wenn aber die gemeine zu versamlen ist, solt jr schlecht blasen und nit drometen. 4 Mos. 10, 7; denn es war dreier gemach hoch, und hatten doch keine pfeiler, .. sondern sie waren schlecht auff ein ander gesetzt. Hesek. 42, 6; denn im kloster haben wir mesz gehabt, on kasel, on auffheben, schlecht auf das aller einfeltigst. schriften 3, 54b; sol man schlecht die wort nennen, wie sie lauten, und mit nichte endern. 65a; er hätte wol mügen schlecht sagen, ich bin der mensch, der für euch gegeben ist. 70a; es gilt hörens, und schlecht auffs wort zu mercken, und dran zu hangen. 4, 258b; das ichs dafür achte, unser jtziger friede und stand hange an einem seiden faden, ja er schwebe schlecht in der lufft allein in gottes henden. 5, 47b; (er) nennet jn nicht schlecht Magog, welches der rechte gantze name ist, gene. 10 sondern bricht jm den kopff ab, .. und nennet jn Gog. 3a; denn sie sind nicht schlecht allein ketzer, sondern als die auffrhürer greiffen sie die oberkeit an. 155b; denn sie heiszen jn (den papst) ein jrrdischen gott, der nicht schlecht mensche, sondern aus gott und mensch zusamen gemenget sey. 6, 96b; denn er wil hie selbs und allein meister sein, und uns schlecht zu schülern machen, das wir schlecht ja dazu sagen. 66a; grad als sollt ich d. Ecken für ein gott achten, was er furbrächt, schlecht blind aufnehmen. briefe 1, 310; das recht erkenntnisz gottes ist, wissen dasz gott nicht ein teufel, sondern nur schlecht und einfältig ein gott, das ist, allein ein heiland ist. tischr. 2, 23; darum lasset uns ja schlecht am wort hangen, fest daran halten und nach demselben uns richten. 122; dann einer häszlichen ist es ehrlicher, wann sie von wegen jres tugendlichen, freundlichen und züchtigen wandels geliebet wird, .. dann wann sie schlecht der hinfälligen schöngestalt halben lieb und werd wird. Fischart ehez. (1597) C 1a; dasz er nicht schlecht ein geistliche person, sondern zugleich ein weltlicher fürst ... sey. Zinkgref apophth. 1, 340; die eine wird schlecht rübenköhl genennet, die andere aber lang rübenköhl. Tabernaemontanus (1664) 790 A; ein yeder theyl maint schlecht er alleyn sey gerecht. H. Sachs 1 (1558), 1, 80b; ein riesen, den man nennet schlecht Mörlein desz teuffels sohn und knecht. 3 (1561), 2, 137c; was wiltu mein? das sag mir schlecht. hürnen Seufrid 177 neudruck; dann jhr läuse solt bleiben schlecht auff dem kopff, das ist ewr quartier. Fischart 2, 166, 1142 Kurz; du must jhr gleuben, sie nicht dir, und schlecht gehorchen jhrem mund. Ringwaldt laut. wahrh. (1597) 195; und selig ist der sich an mir, von wegen meiner kleinen zier nicht ergert, sondern gleubet schlecht dem wort. evang. (1646) B 7a; gott wil nicht schlecht die blosze hand, mit seinem gebot beschrencken, sondern erfordert gantzen muth. Aa 3a; so gebt, ihr liebsten, euch doch schlecht dahin in gottes willen. P. Gerhardt 99, 71 Gödeke; schlecht durch die stimm, voce sola. quelle bei Schm. 2, 502. schweiz. neend schlecht verlieb, begnügt euch nur mit dem gebotenen. Tobler 388a; schlecht und nur verbunden: nur slecht obenüberhin. H. Sachs dial. 2, 16 Köhler. 13@bb) ohne weiteres, geradezu, gleich, eben, vielfach stark verblassend und reimfüllend: sprich dann das benedicite, oder das pater noster schlecht. Cl. Hätzlerin 2, 71, 15; vol leise trat ich danne schlecht. Neithart Fuchs 454 Bobertag; geh hin Sara heisz die zwen knecht, das sie satteln mein esel schlecht. H. Sachs 3 (1561), 1, 10d; mich hat Mose der gottes knecht uber das volck gesetzet schlecht. 23b; o Raab so verbirg uns schlecht, es kost uns sonst beyden das leben. 24b; von ferren rit marggraff Jörg und Hans Albrecht, beid margraf von Brandenburg schlecht. 1 (1558), 2, 203c; machen ausz disem schneiderknecht ein newen sanct Franciscum schlecht. Fischart 1, 108, 272 Kurz; die man nach kaiserlichem recht mag prennen, praten, siden schlecht. 2, 95, 3588; die jhr stets martert, zwickt und stecht und rühmt euch groszer thaten schlecht. 2, 163, 1069; nam er in schlecht bei der carthaus und stürzt in in das meer hinaus. Fuchs muckenkr. 2, 289. geradezu: die wiedertauffer halten jre vermanungen schlecht in einer stuben, da sie zu essen pflegen. quelle bei Schm. 2, 502; nd. se wyzeden my slecht af, dat ik ju desse dinge thoschryven solde. quelle bei Schiller-Lübben 4, 237a. zur bezeichnung, dasz das gegentheil des erwarteten eintritt (vgl.grade, erst recht): af'n himmel wann i' denk, wir i' schlechta nöt brav .. af d' höll wann i' denk, ja d' höll macht mi' brav. spruch bei Schmeller a. a. o. 13@cc) durchaus, unbedingt, völlig, gänzlich, schlechterdings: sie (die seele) sol schlecht ausgerottet werden, die schuld sey jr. 4 Mos. 15, 31; es sol auch kein hurkind in die gemeine des herrn komen, auch nach dem zehenden gelied, sondern sol schlecht nicht in die gemeine des herrn komen. 5 Mos. 23, 2; das jn die andern schlecht nicht schweigen kundten. Luther schr. 3, 44a; sich schlecht nicht wil lassen weisen. 45a; was gottes wort und exempel ist, da wil die welt schlecht nicht an. 4, 159b; kans schlecht nicht eraus reden, was er wil. 66b; da sey gott für, das sie (diese sache) in ewer macht oder klugheit (welchs jr doch schlecht wolt), nicht gerate. 5, 42b; das jr mich sampt meinem wort verwerfft, und schlecht für keinen gott haltet. 159b; die es schlecht nicht gleuben. 533b; (die) unser liebe und freundschafft schlecht nicht haben noch leiden wollen. 6, 52a; das wir schlecht nicht gleuben können. 8, 1a; der wolt schlecht kain bericht annemen. Aventin. 2, 411, 13; er wolt si schlecht nimmer zu gnaden aufnemen. 557, 7; got wolt slecht Saul nit mêr haben. 1, 203, 16; sunder muosz schlecht hindurch, on grund, als gots wort, glaubt sein, was jre geistlichen fürgeben. Franck weltb. (1542) 113b; (wir haben) mit den gebotten gottes noch nit feyrabent gemacht, ja mit keinem finger angeregt, die doch gott schlecht haben will und an uns fordert. 145a; (sie) wolten schlecht man solt sy mit feur ausztilcken. 157b; Johannes de Platea will austrücklich, dasz man in bestallung der ämter dem adel den vorzug lassen, und die edelleute den plebejis schlecht soll vorziehen. Simpl. 1, 59, 1 Kurz; schlecht ohne anfang, ganz ohne eingang. quelle bei Schmeller 2, 502; wand si het im heimelich mit boten und mit briefen sleht gegeben alleʒ ir reht an Osterrîch und an Stîrlant, daʒ daʒ stüend in sîner hant. Ottokar reimchron. 2471; ich mag dich schlecht nit bei mir han. H. Sachs spruchged. 180 (33, 22) Tittmann; weil die kunst hat schlecht kein gunst jetzundt auff dieser erden. B. Waldis Esop. 3, 92, 213 Kurz; wann wir erliegen, musz uns schlecht gott sein erbarmen reichen. P. Gerhardt 24 Gödeke; nd. des rechtes vorseke wy unde dot dat slicht unde gantz van us. quelle bei Schiller-Lübben 4, 237a. 13@dd) einzelnes; mundartlich in gleicher weise wie recht in gewissen verbindungen (er ist recht zudringlich): schweiz. er ist schlecht vertraulig, er ist recht vertraulich. Tobler 388a. 1414) schlecht in socialer anwendung zur bezeichnung niederen standes und herkommens, geringen vermögens, einfacher lebensverhältnisse. schon früh ist natürlicher weise der begriff von schlecht bei der alten auffassung der standesunterschiede einer verschlimmerung ausgesetzt und je nach dem gedankenzusammenhang mit 'niedrig, gemein oder einfach' gleich zu stellen; so auch dann in verallgemeinerter anwendung ohne beziehung auf die socialen verhältnisse. die belege zeigen, dasz schlecht in diesem sinne noch im 18. jahrh. gebraucht wird, während im allgemeinen die neuere sprache schlicht vorzieht. 14@aa) auf personen bezogen, ihren niedrigen stand, ihr geringes einkommen bezeichnend: schlechter armer mensch, canalicola. Dasyp.; das schlächt büffelvolck, das unachtbar und gemeinvolck, vulgus ignobile; unachtbar und schlächt leut, obscurae personae. Maaler 354c; unedel, schlecht, ignobilis, plebeius, ignotus, obscurus, degener, abjectus, vilis, servus aliis vivens. Henisch 788, 49; schlechte leute, autoritate tenui homines. Steinbach 2, 440; dem richter zu Orlamünde unterworffen sein und gehorchen, wie ein schlechter bürger. Luther 3, 49b; diser Ptolemäus ist ein schlechter man gewesen, eins armen mans, mit namen Lagos, sun. Aventinus 1, 374, 32; ein schlechter g'mainer man zu Rom. 318, 17; dasz der erst geporne sone regieren solt, die andern muosten schlechte leutte bleiben. Agricola spr. (1534) V 4b; ehr und gewalt wil nit verborgen seyn, sonderlich bey geringen, schlechten und doch ehrgeitigen menschen, wo die solchen gradum erlangen. Kirchhof wendunm. 1, 190 Österley; besser ein schlechter reicher man, dann gut edel und sonst blut arm. Eyering 1, 9; kein messer sey dasz scherffer schirt dan wan ein schlechter edel wird. 1, 73; ein schlechter, der jhm selbst arbeit und werckelt, ubertrifft den hoffertigen, dem brot mangelt. Wander sprichw.-lex. 4, 231, 6; in den niedrigen poetischen sachen werden schlechte und gemeine leute eingeführet. Opitz poet. 33 neudr.; verliebte sich gleichfalls in Fortunata schönes angesicht, und weil sie ein schlechtes mensch, verhoffte er leicht zu streich zu kommen. Harsdörfer schaupl. lust- und lehrreicher gesch. (1653) 1, 37; dieser war von gutem geschlecht, aber schlecht und arm. 1, 58; dasz sie sich nicht so leicht wie eines schlechten bürgers tochter verführen lassen würde. Simpl. 1, 331, 22 Kurz; welche des jrrdischen staubs schlechtiste leibeigene. Schuppius schr. 743; ich bin eine schlechte frau. d. ehrl. frau Schlampampe krankheit u. tod 93 neudruck; wie gesagt, es hielt gleich anfänglich sehr hart, ehe ich die erlaubnisz bekam, einem so schlechten manne, wie mein vater gewesen, dergleichen ehrengedächtnisz aus kindlicher liebe zu setzen. Felsenb. 2, 410; denn wie konnte ein schlechter eseltreiber hoffen, ohne eine haltbarere stütze als die blosze gerechtigkeit seiner sache gegen einen gegner zu bestehen, der von einer ganzen zunft unterstützt wurde. Wieland 20, 25; die vornehmen fräulein, die ihn sehen — ihn hören — ich bin ein schlechtes vergessenes mädchen. Schiller kab. u. liebe 1, 3; gnädiger herr! wären sie ein schlechter geringer bürgersmann. 5, 5; ein zusammenlauf etlicher schlechten leute. schr. 7, 189; er hatte kaum das herz mich anzusehen, mich, einen schlechten reitersjungen. Göthe 8, 70; ein schlechter kerl, der neben mir stand, risz mich aus der verwirrung. Göthe br. 1, 137 Weim. ausg.; freundschaft und grosz geschlecht macht viln ir sach gerecht; ist einr ein schlechter man, oft musz er unrecht han. Rebhun Sus. 2, 273 Tittmann; schlecht leut (arme, geringe) haben die besten tag. Alberus fabeln 8, 121; desgleichen auch jr, schlechte leut, die nicht han grose würdigkait. Fischart 3, 127, 217 Kurz; sondern bedenck was du geschworn schlecht, edlen, wol und hochgeborn. Ringwaldt die lauter wahrh. 189; wir alszdan jhm zu schimpf, demühtig, schlecht und blosz dir, unserm gott lobsingen. Weckherlin 188 (1648); uns grosz zu machen bist du schlecht. 313; er achtet es vor keine schande, wenn er ein schlechtes mägdchen liebt, die ihm ihr keusches hertze giebt. Neumark lustw. 84; der himmel kan morgen viel gunsten verleyen dem schlechten, den heute die groszen verspeyen. Logau 1, 157, 69; zwahr dieser wehrter mann mit sonderbaren gaben vom schlechten pöbel durch die frömmigkeit erhaben. Rist Parnasz 497 (1868); wer vorgeht, soll ein diener seyn, der gröszre schlechtern weichen. Günther 27; du bist durch dich schon grosz; ich dürfftig, schlecht und klein. 718; der reutknecht, als ein schlechter mann, hat wirklich mehr, als ihr, gethan. Gellert 1, 261; du bist ein schlechter kerl, du hast kein eignes dach, und muszt dich tag vor tag mit deinem flegel plagen. 131; o muse! darf ich trauen? willst du auf unsern auen mit schlechten hirten weiden und aus den städten scheiden? Uz 38 Sauer; jungfer, ich bin nur schlecht und gemein, und verstehe den schick nicht. Voss 1, 173; die glauben, dasz der herr der himmel sich durch eine schlechte magd verkünden werde. Schiller jungfr. von Orl. 4, 11; die rüstung zeigt mir keinen schlechten mann. 3, 7; warum nicht lieber ein schlechtes hirtenkind gebohren werden. dom Karlos 2, 5. mundartlich besonders im sinne von arm. Frommanns zeitschr. 3, 221. Schöpf 619. Hartmann-Abele volksschausp. xxxv, 185. xxxvi, 329; die schlechten, geschlechten leut, gemeinen leute. Schm. 2, 501; nd. slichte lude. Schiller-Lübben 4, 237a; slicht un recht, arm und ehrlich. Dähnert 429b; im ausdrucke der bescheidenheit: dasz sie durch meine schlechte person, listiger weise aus der barbarischen sclaverey ... befreyet werden. Felsenb. 3, 139; mein fürstlicher gebieter! darf ich reden? oft kommt ein nützlich wort aus schlechtem munde. Schiller Wallensteins tod 5, 5. schlecht und recht: der herzog ist gewaltig und hochverständig; aber er bleibt doch, schlecht und recht, wie wir alle, des kaisers knecht. Wallensteins lager 11. allgemeiner, mit schwach verbunden: die (eur fürstlich gnad) ist jm vil zu schlecht und schwach, das sie jm gar nicht schaden mag. Ayrer 613, 33 Keller; ähnlich: wir sint dem pachen vil zu schlecht (müssen ihn aufgeben). H. Sachs fastn. sp. 1, 150, 107 neudruck. ganz verblaszt: ein sperling sey so schlecht er will, er musz sein körnchen finden. Günther 46. 14@bb) in entsprechendem sinne in älterer sprache, schlechter stand, schlechtes herkommen u. ähnl.: von schlechtem stammen sein, humili loco nasci. Dasypod.; von schlächten härkommen, von eim unachtbaren geschlächt, loco tenui ortus. Maaler 354c; gantz eins schlächten staats unnd wäsens, humillimus homo. ebenda; schlächter staat, armuot, humilitas. ebenda; schlechtes herkommen, ignobilitas, genus obscurum. Stieler 1849. Steinbach 2, 440; Opilius Macrinus, der erst edelmann in seinem geschlächt, ainer schlechten unbekanten gepurt. Aventinus 1, 905, 18; Oto Krondorfer, einer schlechten geburt. 2, 407, 2; Willegisus der erst churfürst zu Maintz .. sonst eines schlechten herkommens, und von einem wagner in dem sächsischen dorff Stroningen erboren. Zinkgref apophth. 2; die comedie bestehet in schlechtem wesen unnd personen (sie spielt sich unter gewöhnlichen leuten ab und enthält vorkommnisse des gewöhnlichen lebens). Opitz poet. 22 neudruck. 14@cc) schlecht zur bezeichnung niedrigerer stellung innerhalb einer bestimmten rangordnung, also einer stellung, die an sich mit ansehen und würde verbunden sein kann: ich bin der mechtigst der gantzen welt, und vermag mich nit an vier schlechten rittern zu rechen. Aimon f 3b; dieweil jhr wol wisset, jhn von einem schlechten ritter geboren seyn, unnd aber jhr von königlichem stammen herkommen. buch d. liebe 233b; zwai tausend zue rosz und ein schlechten gemain hauptman. Aventinus 1, 435, 10; die einsetzung .. der italiänischen herzoge dependirte meistens von seinem willen; die übrigen provintzen des fränck. reichs liesze er gleichfalls entweder durch hertzoge, oder durch marggrafen, oder durch schlechte grafen, welche letztere man einige mal consules nennete, regieren. Hahn hist. (1721) 1, 136; client des herrn der ihn entliesz war er in beyden epochen, als schlechter freyer, und als römischer. Niebuhr m. gesch.2 1, 660; gefürst apt, gefurst pröbst eintraten, slecht ept, pröbst, tegen und prelaten. Liliencron hist. volksl. 1, nr. 50, 162; vordes mein herr ein könig war, jetzt ist er ein schlecht herr ganz und gar. Opel-Cohn 117; schlechte edelleute, den grafen und baronen gegenübergestellt. Scherz 1415. brem. wb. 4, 826; schlechter graf, der nicht mark- oder landgraf ist, ein schlechter burger, im gegensatz zum gewappneten, die schlechte diern, im gegensatze zur ober- und mitteldirne, ein schlechter engel, im gegensatze zum erzengel. Schm. 2, 501. die vorstellung des niedrigen ranges kann andererseits wieder stärker betont werden: het der selb meinster ie so vil lateins gelernt als ein schlechter dorfpfaff kan. Schade sat. u. pasqu. 3, 52, 1; die schlechten priester seind auff griechisch gekleydet. Franck weltb. 57b; es würd meh nutz eintragen ein abt zuo sein, dan ein schlechter münch. Fischart groszm. 10 neudruck; slecht krieghsman, miles caligatus, tenuissimae sortis, postremae classis. Kilian. 14@dd) freier, im sinne von gewöhnlich oder blosz: so viel ich aber doch von ihm weisz, war er kein bloszer schlechter medikus; sondern er galt zugleich für einen scharfsinnigen philosophen. Lessing 8, 467; mich hat ein schlechter doctor dicht, der nicht hat der kunst so grosz. Schade sat. u. pasqu. 3, 98, 12; weil er nicht allein eyn schlechter hurer ist geweszt. Fischart bienenk. 221a; denn er wer nicht ein schlechter dieb (nicht blosz ein dieb), sondern vergesz natürlich lieb. B. Waldis Esop. 3, 39, 35 Kurz. sprichwörtlich: schlechte diebe liegen in thürmen unnd stocken, offentliche gehen in gold und seiden. Petri (1605) 2, Ss 4a. 1515) auf wesen, sinn, verstand, verhalten, character, äuszere haltung, lebensführung bezogen (in neuerer sprache gewöhnlich schlicht, abgesehen von der reimformel schlecht und recht, die auf diesem vorstellungsgebiete besonders häufig angewandt wird). der gebrauch von schlecht geht hier in älterer sprache über das unserm schlicht gebliebene bedeutungsgebiet hinaus, wenn es geradezu für 'gerecht, zuverlässig' u. ähnl. steht, wobei die vorstellung der einfachen, ungekünstelten, nicht verbildeten sinnesart nicht hervorzutreten braucht. 15@aa) im sinne von 'treu, zuverlässig, aufrichtig, gerecht'; die zu grunde liegende sinnliche vorstellung ergibt sich aus dem schönen bilde bei Walther v. d. Vogelweide: des mannes muot sol veste wesen als ein stein, ûf triuwe sleht und eben als ein vil wol gemahter zein. 30, 28; sin muot was ebener denne sleht. Parz. 12, 26; sô wîs wol gezogen, getriuwe milte küene sleht. Winsbeke 19; ia, ia, daʒ ist wol recht. wir wollen dran auch wesen slecht. pass. 89, 5 Köpke; die ungerechten machest sleht und die gerechten unrecht. 16, 80; daʒ si daran wæren sleht, daʒ dâ niht anders wan daʒ reht geschæh ietwederm sicherlich. Ottokar reimchron. 3933; daʒ ir uns werdet sleht an des landes reht. 66505; die gab die plent die weisen slechten, und die gab verchert die gerechten. Vintler blum. der tugent 1978; der wachter sprach mit sitten: fraw, ich bin sicher schlecht (geradegesinnt, treu meinem herrn). Hätzlerin 1, 11, 11; so sehr als gott beliebt die schlechten, so strafft er auch die ungerechten. B. Waldis Esopus 3, 72, 37 Kurz; geistlîche liute, die sleht und âne gelîchsenheit sint. myst. 1, 348, 14; also auch ist gott gerecht, rein, warhafftig, starck, einfeltig, schlecht, weise. Luther 1, 70a. 15@bb) im einzelnen ist zu beobachten, wie der mit schlecht verbundene sinn, der in den unter a angeführten stellen ganz rein und klar hervortritt, allmählich herabgedrückt wird; ehrlichkeit, aufrichtige gesinnung erscheint gegenüber der schalkheit, der verschlagenheit als ein einfaches, schmuck- und kunstloses. diese vorstellung kann natürlich je nach dem zusammenhange stärker oder schwächer hervortreten, auch wiederum ganz schwinden. gern wird schlecht mit sinnverwandten worten formelhaft verbunden. schlecht und gut: das bäwrlein war so schlecht und gut, thet jhr (der schlange) kein leyd, wie mancher thut. Alberus fabeln 14, 29 neudruck; ähnlich: wir seint zwen guot schlecht piderman. Schmelzl verl. sohn 15a; darumb dasz er ein schlechter gütiger mann war. buch d. liebe 297d; es ist ein schlechter guter mann. A. Gryphius Peter Squentz 15 neudruck; schlecht und fromm: so ist kain mensch so frumb und schlecht, der allenthalben sey gerecht. Schwartzenberg 157d; die stadt sehr schlecht und fromme bürger hat. Alberus fabeln 25, 158; der regirt wol, ist schlecht und frum. Ayrer 1594, 15 Keller; bist du bös und ungerecht, ei, so ist gott from und schlecht. P. Gerhardt 62 Gödeke; der was ein frumer einfeltiger schlechter man. Aventinus 1, 117, 26; wo denn einer der schlecht frummen gartbrüder inn ein stuben kumpt. Wickram rollw. 64, 9 Kurz; schlecht und gerecht: schlecht und gerecht, redlich und auffrichtig, simplex, syncerus, candidus. Henisch 1507, 55; schlecht und gerecht, simplex et bonus. Steinbach 2, 440; das baierisch volk ... ist geistlich, schlecht und gerecht. Aventinus 1, 42, 6; ain schlechter gerechter fürst, des frids und glaubens ein liebhaber. 2, 234, 9; schlecht und gerecht, ist der sicherste weg. Petri (1605) 2, Ss 4a; schlecht und recht: slecht ende recht mensch, sincerus, simplex, apertus, liber, nihil dissimulans. Kilian; schlecht und recht, innocens et rectus. Stieler 1849; denn es ist sein gleiche im lande nicht, schlecht und recht, gottfürchtig, und meidet das böse. Hiob 2, 3; schlecht und recht das behüte mich. ps. 25, 21; das du mit aignen augen sehest wie all mein wesen recht und schlecht. Weckherlin 55; dasz er mich erfand fromb und arm, recht und schlecht. 65; schlecht und recht behüte mich, herr mein gott, das bitt ich dich. Chr. Gryphius poet. wälder 2, 60; sie ist so schlecht und recht; so unverkünstelt. Lessing 2, 346; sieh, schlecht und recht, ein bauersmann am wanderstabe schritt daher. Bürger 37a; sprichwörtlich: ich bin schlecht und recht, drumb bin ich ein armer knecht. Petri (1605) 2, Kk 2a; schlecht und recht kommt selten vor den richter; schlecht macht alle ding recht. Simrock; ironisch: schlecht und recht, besser herr denn knecht. ebenda; s. weitere belege unter c. vereinzelte verbindungen: disz volck ist an jm selbs so grob und schlecht, das es von unrecht thuon nit wissen will. Franck weltb. 208a; sie ist langweillig, schlecht und still, begert auch gelts und guts nicht vil. Ayrer 292, 18 Keller; in allem ding seyn schlicht und schlecht. Göthe 13, 126 (H. Sachsens poet. sendung). 15@cc) auf haltung, verhalten, lebensführung bezogen zum ausdrucke ehrlicher, redlicher, einfacher gesinnung, häufig verbunden mit der beziehung auf einfache, eingeschränkte, ja ärmliche äuszere lebensverhältnisse: in der kleidung schlächt unnd einfalte frauw, munditiis simplex mulier. Maaler 354c; ein schlechtes levent ane alle hovart. Schiller-Lübben 4, 237a; bis schlecht, such nit mer, dann dein blosz notturft. Keisersberg pred. (1510) 124a; (er) riet im aber, daʒ er næme an sich ein slehter leben. L. v. Regensburg St. Franc. leben 1425; ein prediger sol füren ein schlechtes leben. Schade sat. u. pasqu. 1, 30, 121; schlecht und recht: sein (des landmanns) thun ist schlecht und recht. Opitz 1, 137; lasz mich in deiner furcht bestehn, fein schlecht und recht stets einher gehn. P. Gerhardt 93 Gödeke; mit schärferer beziehung auf einfache äuszere verhältnisse in neuerer sprache: er lebte schlecht und recht, ohn' amt und gnadengeld, und niemands herr noch knecht. Lessing 1, 6; in gleichem sinne: sich schlecht und recht durchs leben schlagen, sein brod verdienen. 15@dd) schlecht zur bezeichnung der einfalt, mit mannigfaltiger abstufung des sinnes, die bis zu den begriffen 'beschränkt, thöricht, verlegen, befangen' hinleitet, häufig auch wieder in das gebiet des moralischen übergreift; in folgender stelle z. b. wie 'unschuldig': drum seit als die schlangen weisz und schlecht als tauben des habt ihr preisz. Schmelzl aussend. 6b; slecht ende on-geleerd mensch, idiota, illiteratus, imperitus. Kilian; alber, einfeltig, schlecht, simplex, idiota, imperitus. Henisch 38, 20; einfaltig, schlecht, simpliciter. 843, 38; schlecht, einfältig, simplex. Schottel 1400; nd. als man wol manchen schlechten menschen fint in der werlt, die des nicht begripen en konden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 237a; want hi is van sinnen so plomp, ende so slecht van sinen dinghen al, hi enkent nau wit voor root smal. Reinaert 5133; hd. ein gut slecht einfeldig man. Köditz leb. d. h. Ludwig 76, 21; dasz ein ieglich schlechter lei zuo guoter masz solich trug und wölf erkennen mög. Schade sat. u. pasqu. 3, 4, 34; der einfaltig schlecht burs oder hantwerks man. 5, 5; der schlecht einfeltig man mit rechter warheit den inquisitor und falschen mönch seiner geitigkeit genug züchtig strafet. Bocc. 13a (1535); zu diesem end hat Christus schlechte fischer unnd andere einfaltige leyen zu aposteln und evangelisten erkoren. Fischart bienenk. 68a; es kan sich aber wol zutragen, das etliche schlechte leut und alte andächtige weiblin, das ploch oder den stein selbst, wie es da steht, für ein rechten got ansehen. 175a; da er den menschen also schlecht und einfeltig ansahe. Kirchhof wendunm. 1, 161 Österley; schlechte und ungelerte leut richten kein ketzerey an. Petri (1605) 2, Ss 4a; eʒ ist noch billich unde recht, wer einvalt ist und dâ bî slecht, daʒ der des wol genieʒen sol. Boner edelst. 74, 100; worlich ist er an wyttzen schlächt. Brant narrensch. 90, 10; darnach sag ich von myn fünff synnen, wie wir schlechten leyen kynnen. Murner narrenbeschw. 95, 176 neudruck; der ich bin jung, einfeltig schlecht, und weisz auch gar nit zu regiern. H. Sachs 2 (1591), 1, 17a; der wolff und auch der esel schlecht die antworten. Alberus fabeln 11, 53; schlecht und einfeltig halten sollen mit unserm nehsten. Waldis Esop. 2, 1, 111 Kurz; der esel war der sach zu schlecht (zu einfältig). 1, 73, 20; es het ein reicher man ein knecht, der war einfeltig und gantz schlecht, in allen sachen gar unendig und auszzurichten unverstendig. 2, 61, 2; zu schützen seine christenheit, welchs nur sind schlecht einfältig leut. Opel-Cohn 15, 26; darbei kann gar wol spüren ein schlechter bauersmann, dasz er sich thut sehr irren in einer religion. 85, 7; die menschen die noch jetzt fast römisch muster tragen, zwar schlecht, doch witzig sind, viel dencken, wenig sagen. Opitz 1, 131; nicht schlüsse, die mit gott und guten sitten zancken, noch anders puppen-werck, das schlechte seelen fängt. Günther 376. schlecht und recht, vom einfältigen glauben: gleubt an seinen (gottes) sohn schlecht und recht. Hollonius somnium vit. hum. 70 neudruck. innerhalb dieses vorstellungsgebietes ebenso auch in neuerer sprache: er hält schlecht und recht am alten glauben fest. 15@ee) in den mundarten ist schlecht als 'einfältig', nur mit verschlimmerung des sinnes, noch gebräuchlich: schlecht, dumm, einfältig, albern. Kehrein 350; er ist seit einiger zeit schlecht geworden. oberd. bei Adelung; nd. he is man sligt, er ist der witzigste nicht. brem. wb. 4, 826; hê is 'n bîtje slicht fan ferstand. ten Doornkaat Koolman 3, 197b; auch geradezu für 'blödsinnig'. Schm. 2, 501. Vilmar 354. Woeste 239a; nach letzterem auch im sinne von verlegen. 1616) die verschlimmerte im neueren deutschen herrschende bedeutung von schlecht entwickelt sich leicht aus der vorstellung des 'einfachen, kunstlosen, nicht besonders wertvollen', daher begegnen vereinzelte belege für diesen übergang verhältnismäszig früh. ein vagant spottet über die frage des priesters, ob er das ave Maria beten könne: nun ist kein pawr schir ders nit kan, was sol ein ding so gar gemein? der priester: du magst ein schlechter crist sein. schlecht ist allerdings hier gewählt, um ein wortspiel zu ermöglichen, denn der vagant fährt fort: herr gestern aufgericht und schlecht, hewt kranck und krump als ir mich secht. Folz in der zeitschr. f. deutsches alterth. 8, 533. weitere belege aus älterer sprache: (bücher) die aber gar slecht geschriben und nirgen dorpei, was man keinem der stat arbeitter geb oder geben hab .. angeschriben. Tucher baumeisterb. 291, 21; sy wölten ein schlechten prelaten mit listen und mit spitzem fundt, der ir liedlin singen kundt. Murner narrenbeschw. 15, 40; (der teufel spricht:) so balt dir nur was schlechts fellt ein, meinstu, ich musz schlechts bey dir sein. Ayrer 2184, 22 Keller; (pabst Johannes XXIII ist) ein schlechter fels gewest. Schade sat. u. pasqu. 3, 44, 4; schlechte veraltete kleyder, obsoletae vestes. Dasyp.; bemerkenswert für die eintretende verschlimmerung sind beispiele bei Maaler 354c: schlächt und unachtbar handtwärck, humilis ars; schlächter kriegszmann, der im krieg kein eer erjagt hat, inglorius miles. die bedeutung 'einfach' verschlimmert sich zu 'elend, armselig' u. ähnl.: armer und schlächter tisch, darauff man schlächtlich und nachgültig läbt, mensa tenuis. ebenda; gemein, schlecht, gebräuchlich, trivialis, minime exquisitus, consultus, vulgaris. Henisch 1483, 56; schlecht, gering, vilis. Schottel 1400. interessant ist folgende stelle, wo schlecht zwar in der älteren bedeutung von geringwertig gebraucht, aber doch mit gut in gegensatz gestellt wird: ist schon mein wünschen schlecht, das hertz ist dennoch gut. Rist poet. lustg. c 1a. bei Stieler zeigt sich die verschlimmerte bedeutung schon weit entwickelt, doch ist die nachwirkung der älteren bedeutung von schlecht 'einfach, kunstlos, ohne besonderen wert, gewöhnlich', noch leicht erkennbar: schlechte sachen, alias lappalien, res viles et tenues, gerrae, quisquiliae, titivillitium, puerilia, nullius pretii; schlechter hausraht, curta suppellex, frivola; schlecht bier, cerevisia tenuis; schlechter wein, vappa; schlechte rede, genus dicendi vulgare, oratio incondita, languida, frigida, enervis; das sind schlechte bossen, incondita haec sunt jocularia et intempestiva; von der socialen bedeutung des adjectivums ausgehend: er ist ein schlechter kerl, nullo numero, infimus ac despicatissimus, plebis ultimae, atque ignavi animi est. 1849. Frisch 2, 194b bemerkt noch, dasz die zweideutigkeit des wortes den gebrauch desselben erschwere: ein schlechtes abend-essen, kan heiszen, coena sina apparatu modica, aber auch verächtlich wegen der wenigen oder übel zugerichteten speisen, nec bene cocta nec sufficiens comedentibus. hier in dem üblen sinne von gemein: schlechte, gemeine worte, trivialia verba; schlechte, gemeine tracht, amictus plebejus. die uns ganz geläufige übertragung auf das moralische gebiet ist für Adelung noch kein allgemeiner sprachgebrauch ('zuweilen wird es auch für niederträchtig gebraucht: ein schlechter mensch, schlecht denken, handeln, schlecht mit jemanden umgehen, schlechte reden führen'). volksthümliche verstärkungen sind z. b.: blut-, grund-, kreuz-, hunde-, mords-, spottschlecht. die formel schlecht und recht, die sonst vielfach den alten sinn von schlecht festgehalten hat, wird gleichwol durch die bedeutungsentwicklung des adject. beeinfluszt, in vielen verbindungen nimmt die formel einen pessimistischen zug (vgl. oben 8, f) an, was einst lob war, ist zu nachsichtiger, überlegener anerkennung geworden: er macht seine sache schlecht und recht; die aufführung war schlecht und recht; ähnlich schon bei Lessing: wehe ihm, wenn er nur schlecht und recht verbessert hat. 11, 752; schlecht alles zwar, doch recht. H. v. Kleist 3, 142 Hempel. in wendungen wie sich schlecht und recht durchschlagen, er lebt schlecht und recht u. ähnl. ist ebenfalls die verschlimmerte bedeutung von schlecht fühlbar. 1717) schlecht als gegensatz zu gut in weitester, allgemeinster anwendung; das gebrauchsgebiet kann nur andeutungsweise bezeichnet werden. 17@aa) dem gegenstande, den umständen, dem endzweck, der bestimmung nicht gemäsz, nicht tüchtig, unbrauchbar, ungeschickt; so als eigenschaft von personen; ganz allgemein: einen schlecht machen, ihn herabsetzen, dann auch ihn ausschelten (bei Dasypodius entsprechend der älteren bedeutung von schlecht: schlecht machen, humiliare, in ordinem redigere, vel cogere): dasz er das nicht sage, um sie schlecht zu machen. Göthe 16, 119; soll ich vergebens flehn und keinen brief von dir in versen sehn? du schenkst ja wohl an schlechtre deine lieder. Lessing 1, 29; meine tochter ist zu schlecht zu dero herrn sohnes frau, aber zu dero herrn sohnes hure ist meine tochter zu kostbar. Schiller kabale und liebe 1, 1. in engerer anwendung von mangelnder fähigkeit, unzureichendem können, untüchtigkeit: ein schlechter fuszgänger, tänzer, klavierspieler, turner, sänger, rechner, lehrer, schauspieler, prediger, arzt, koch, redner, schütze u. s. w. von anderem gesichtspunkte aus: ein schlechter kunde, bezahler. innerlich: er ist ein schlechter christ, er erfüllt den begriff eines christen nicht, ist gleichgültig in religiösen dingen; ebenso: ein schlechter freund, ehemann, kamerad, ein schlechter Deutscher, ein schlechter sohn u. s. w.; von hier ist der übergang zum moralischen leicht (s. unten 18): welcher in lebzeiten ein schlechter soldat gewesen. Simpl. 4, 230, 20 Kurz; an einen schlechten maler. Lessing 1, 14; unter uns, er schreibt ihm, glaub' ich, liebesbriefe, weil ich weisz, dasz der Alvarez ein schlechter Franzos ist (im französischen schwach ist). Lenz 1, 224; sprichwörtlich: dem schlechtesten arbeiter giebt man das beste beil. Simrock; eine schlechte maus, die nur ein loch weisz. Schmid 624; von einem guten, aber nicht recht brauchbaren menschen: ein guter kerl und schlechter musikant. 17@bb) von unpersönlichem in weitester anwendung: schlechte speise, schlechte nahrung, schlechtes bier, schlechter wein, ein schlechtes haus, brod, schlechter weg, schlechte ärnte; er hat schlechte augen, eine schlechte stimme, schlechtes gehör, gedächtnisz, schlechtes latein, schlechte handschrift, zeichnung, schlechter vortrag, schlechte betonung, schlechte entschuldigungen, schlechtes gedicht, schlechter verkehr, schlechten dank wissen, das ist ein schlechter trost, schlechtes lob, ein schlechtes ende nehmen, in schlechtem ansehen stehen, schlechter scherz, schlechter eindruck; von unerfreulichem: schlechte nachrichten, schlechte reise, schlechtes wetter; wie 'unfein': schlechter ton, schlechtes benehmen und so in weitester verzweigung. schlechter trost, levamen tenue, frigidum, debile, infirmum Stieler 2343; das laudatur ab his, culpatur ab illis — wird bei edeldenkenden leuten nur einen schlechten eindruck machen, da es leider! ein allgemeines übel ist. Schubart bei Strausz Schubarts leben 1, 204; hier erneuerte Alexius seinen antrag, aber mit eben so schlechtem erfolge. Schiller 9, 209; (er) wuszte es den freunden schlechten dank, die ihn theils durch gründe, theils durch thätigen widerstand abhielten. Göthe 26, 251; auf allen meinen gedächtniszfibern (diesen denkfäden und blättergerippen von so manchem schlechten zeug). J. Paul uns. loge 1, 36; ja, das war heut nacht ein schlechter schabernack. Freytag handschr. 1, 176; euch trug eine edle mutter; aber eine böse amme, (denn das zeigen eure reden,) säugte euch mit schlechter milch. Herder 28, 442 Suphan; am tage sang ich diese lieder, am abend ging ich wieder heim, nahm meine feder, schrieb sie nieder den guten und den schlechten reim. Göthe 56, 60; oft kehrt' ich noch mit immer schlechterm glücke auf die fatale flur zurücke. ebenda. sprichwörtlich: nichts ist so schlecht, es ist zu etwas gut; wer mit dem schlechten fürlieb nimmt, ist des bessern werth. Simrock; schlecht ist besser als gar nicht. Wander sprichw.-lex. 4, 229; mit groszen herren ist schlecht kirschen essen. nd. redensart von schlechtem getränk: et is te slecht, dat me 't den rüen vör den aes gütt. Wander sprichw.-lex. 4, 230. im sinne von niedrig: (ein vortheil der jüdischen religion ist,) dasz sie ihren gott in keine gestalt verkörpert und uns also die freiheit läszt, ihm eine würdige menschengestalt zu geben, auch im gegensatz die schlechte abgötterey durch thier- und unthiergestalten zu bezeichnen. Göthe 22, 21. das ist nicht schlecht, das ist gut, ist ausgezeichnet; ursprünglich in studentischer sprache. studentensprache und studentenlied in Halle 97. schlechts wert, von geringem wert, ohne wert: keusch sein und kein nieren (hoden) haben ist schlechts werd. Franck chron. (1531) 106b. 17@cc) das adv. in entsprechenden wendungen: schlecht geschriebener brief; schlecht spielen, schlecht gekleidet, besoldet, genährt sein, schlecht schlafen, er hat schlecht gelernt, schlecht hören, sehen, etwas schlecht behalten können; schlecht bezahlen, schlecht bewirthen, empfangen; schlecht bestehen, schlecht mit etwas zurecht kommen; etwas schmeckt schlecht, bekommt schlecht, läuft schlecht ab, seine sache schlecht machen; sich schlecht auf etwas verstehen, schlecht passen, sich schlecht aufführen, einführen, schlecht wegkommen, es macht sich schlecht, es ist schlecht bestellt mit etwas, etwas ist schlecht im stande, ein stück wird schlecht gegeben u. s. w.: in rücksicht auf die vortreffliche ausstattung der menschlichen natur und die derselben so schlecht angemessene kürze des lebens. Kant 2, 616; ich schäme mich zu gestehen, wie schlecht ich bedient bin — der läufer hat keine antwort gebracht. Gotter 3, 43; unter allen, die an den brüsten der majestät trinken, kommt die favoritin am schlechtesten weg. Schiller kab. u. liebe 2, 1; meine schuld ist es nicht, herr von Walter, dasz sie so schlecht unterhalten werden. 5, 7; wenn ein geschultes pferd aus natürlicher plumpheit seine lection schlecht macht. schrift. 10, in einem garten, der schlecht gewartet wird. ebenda; der arme körper war inwendig kalt und leer, von auszen war er schlecht behangen. Karschin ged. (1797) 249; die königinnen lieben schlecht — ein weib, das lieben kann, versteht sich schlecht auf kronen. Schiller don Carlos 2, 8; das wiszt ihr schlecht. Wallensteins lager 11; ey, deine weisheit hat sich schlecht bewährt. Wallensteins tod 5, 4; schlecht stünde mirs, vor einem edeln volk und seinem könig und senat zu zittern. schriften 15, 2, 438; mein Gretchen sieh! du bist noch jung, bist gar noch nicht gescheidt genung, machst deine sachen schlecht. Göthe 12, 196; frau muhme! sie versteht mir schlecht die zeiten. 214; mein' seel'! er wird schlecht hören. er ist todt. H. v. Kleist Amphitr. 3, 11; wahrscheinlich bin ich dort so schlecht bedient als hier. Grillparzer 5, 78; schlecht versteh' ich mich auf kleider; doch auf waffen gut, du weiszt's. 6, 179; nicht wahr, ich passe schlecht in diesen garten, der voll blüthe steht? der winterfeldzug hat mir zugesetzt. Uhland Ludwig der Baier 5, 1. 17@dd) besonders von wirtschaftlicher lage, geschäftlichen umständen, unternehmungen, äuszeren lebensverhältnissen, dann auch allgemeiner von umständen und verhältnissen: es geht mir gar schlecht, in egestate summa versor, res meae sunt pauperculae Stieler 1849; ein schlechter zustand, accisae res; die sache steht schlecht, res in angustiis est; wie steht es mit ihm? schlecht genung, quid rei gerit? sic tenuiter Steinbach 2, 440; schlechte zeiten, dura, difficilia tempora Frisch 2, 194b; man verkauft da alles sehr schlecht, vilissimo res distrahitur. ebenda; die handlung steht schlecht, eine schlechte handlung. Adelung; das geschäft geht schlecht, steht schlecht; er steht sich nicht schlecht dabei; er steht schlecht, es steht schlecht mit dieser firma; nd. he wart slegt, er falliert. Schütze 4, 115; diesen sprachgebrauch kennt auch Campe. allgemeiner: er ist schlecht dran, er hat es schlecht, hat schlechte tage u. ähnl.; nd. dat steid dâr in hûs man slecht to. ten Doornkaat Koolman 3, 194b. von politischen verhältnissen: wie es immer schlechter wurde mit Polen. Ludwig 3, 689. überleitend zur milderen bedeutung von schlecht (s. oben 15, c): er lebt schlecht, tenui victu utitur Stieler 1850; schlecht leben, parce et duriter vivere Steinbach 2, 440; sich schlecht behelfen müssen u. ähnl. 17@ee) mit besonderer beziehung auf körperliches befinden, körperliche zustände; auch hier (s. unter d) werden die wendungen es geht einem schlecht, steht schlecht mit jemanden u. ähnl. gebraucht. schlecht sein, krank sein (für uns ungewöhnlich): aber wenn ich ihnen klage, dasz ich nun fast seit sechs monaten so schlecht bin, dasz mir bei der geringsten anstrengung alle gedanken vergehen. Lessing 12, 310; frau M ... ist sehr schlecht; ich bete für ihr leben. Göthe 16, 52; so mundartlich: er ist schlecht, ist sehr krank. Frischbier 2, 283b; he is ganz sligt. brem. wb. 4, 826; de kranke is seer slicht. Dähnert 429b, vgl. Woeste 239b; er macht schlecht, ist sehr krank. Spiesz 215. mir ist schlecht, wird schlecht: mir ward es vor den augen schlecht, da flimmert' es, ich sah nicht recht. Göthe 41, 287. verstärkt durch un-: mir ist ganz unschlecht worden, ich habe mich krank gefühlt. Vilmar 354. auf krankheit deutend: schlechte hautfarbe, schlechtes aussehen u. ähnl. 17@ff) ebenso von seelischen zuständen: mir ist schlecht zu muthe (doch kann diese wendung auch auf körperliches unbehagen gehen), zu sinne; schlechter laune, in schlechter stimmung sein. bildlich: es ist heute schlechtes wetter bei ihm. 17@gg) von unfreundlicher stimmung, ungünstigem urtheil in beziehung auf andere: schlecht auf jemanden zu sprechen sein, schlecht von einem reden; eine schlechte meinung von jemandem haben; in besonderer wendung: ihr gebt mir schlechte meinungen, herr richter. H. v. Kleist zerbr. krug 7. 17@hh) im sinne von unfreundlich: jemanden schlecht behandeln, schlecht mit ihm umgehen u. ähnl.; mundartlich wie böse im sinne von 'zornig': slichte worde, harte reden, scheltworte. Dähnert 430a; ä wärd schlächt, böse, erzürnt. Jecht 94a. 17@ii) besonderes, 17@i@aα) ausdrücke der jägersprache: schlechte hirsche sind geringe schwache hirsche, spieszer. Döbel jägerpract. 1, 4a (hier im sinne von 'gewöhnlich'; so sagt man auch schlecht jagdbar von einem hirsche der 10 enden hat, und der geringste jagdbare hirsch ist. 18a); ein hund hat eine schlechte nase, wenn er die fährte nicht leicht annimmt oder oft verliert. Behlen lex. der forst- u. jagdk. 5, 490; in gleichem sinne schlechte suche; schlecht behangen ist der hühner- und schweiszhund, wenn er kleine und miszgestaltete ohrlappen hat, der leithund, wenn ihm die hängelippen fehlen; mageres wild heiszt schlecht bei leibe; schlechter wind ist der vom jäger nach dem standorte des wildes gehende wind. ebenda. 17@i@bβ) schlechtes geld (s. oben 8, b) ist minderwertiges; auch von besonderen münzsorten früher gebraucht: schlecht geld, im gegensatz von guten geld, ist soviel als kayser-geld, das ist österreichisch, bayrisch, und wo der gulden 60 kreuzer ist; fünff schlechte groschen machen 4 gute, da ist gut geld soviel als meisznisch, und wo der thaler 24 groschen, der gulden 16 groschen gilt. Frisch 2, 194b; schlechte groschen, schlechte thaler. Jacobsson 7, 229b; een sligten daler, thaler von 49 groten. brem. wb. 4, 826; in slichten gelde, in leichter geringhaltiger münze. Dähnert 429b. 17@i@gγ) schlechte krankheiten, ekelhafte. Jecht 94b; geschlechtskrankheiten Albrecht 202a. 17@i@dδ) das schlechte oder das alte nennen die kinder in Leipzig das concept, das unreine. Albrecht a. a. o. 17@i@eε) der schlechte ausschusz ist eine art des minderwertigen fabrikates bei den papiermachern. Jacobsson 5, 128a. 17@i@zζ) bergmännisch ein schlechtes, das das ganze flötz durchsetzt. Veith bergwb. 419, s.schlechte 4. 1818) auf das moralische übertragen: ein schlechter mensch, ein unsittlicher; ein schlechtes weib, eine schlechte dirne, schlecht werden, sein; schlechter character, schlechtes herz, schlechter zug, schlechte that, schlechtes gewissen; schlecht handeln an einem u. s. w.; es ist beim teufel nicht das schlechteste, was ich in meinem leben gethan habe. Schiller räub. 4, 5 schausp.; ich bin nie ein feiger gewesen, oder ein schlechter kerl. ebenda; weib, du bist zu schlecht um selbst zu empfinden — womit kannst du eines andern empfindungen wägen? kab. u. liebe 5, 7; sah er (gott) einen engel unter dem meiszel hervorgehen, und half diesem irrthum in der eile mit einem desto schlechteren herzen ab. ebenda; abscheu vor schlechten thaten. schr. 3, 515; hat gar einen schlechten ruf, die person. Iffland 4, 141 (spieler 2, 3); banden von schlechtem gesindel. Freytag soll und haben 2, 137; nicht immer ist mit schlecht der strenge sinn des moralisch verwerflichen verbunden: den schlechten mann musz mann verachten, der nie bedacht, was er vollbringt. Schiller 11, 305. je nach dem zusammenhange mildert sich die bedeutung von schlecht: nun vergilt er mirs so schlecht in meinem alter. Ludwig 3, 688; er mag nicht, sagst du? das ist recht schlecht von ihm. Grillparzer 7, 72; es schlecht meinen mit jemanden, übles gegen ihn im sinne haben. 1919) schlecht in scheltender rede: schlechter kerl, schlechtes mensch. Schm. 2, 501. Vilmar 353 (als starkes schimpfwort empfunden); schlechter aff. Birlinger 397b; schlechts stuck; du peitschen, du schlechte. Schm. a. a. o.; er is'n galgen z'schlecht. Hügel 138a; du bist schlechter als neun tage regenwetter. Frommanns zeitschr. 3, 390, 29; du bist zu schlecht, als dasz man dich in den arsch steckte. Weinhold 6b.
86881 Zeichen · 1441 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlêcht

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Das Schlêcht , S. Adelung Geschlecht .

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schlecht

    Goethe-Wörterbuch

    schlecht subst Neutr vereinzelt mit Kleinschr; superl vereinzelt ‘schlechste’ (in ‘Götz 1 ’) sowie ‘auf das s-este’ (zB …

  3. modern
    Dialekt
    schlëcht

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    schlëcht [lat S. O.; láχt M. U.; lǽχt Str. W. ] Adj. 1. schlecht. Dë r Wi n is t s.; ich glaüb, s is t g e machter C…

  4. Sprichwörter
    Schlecht

    Wander (Sprichwörter)

    Schlecht Schlecht (s. Schlicht). 1. Der ist schlecht vnd recht, der in Hosen vnd Hembden bad. – Lehmann, 169, 21. 2. Der…

  5. Spezial
    schlecht

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schlecht I adj. 1 (Mängel aufweisend) stlet (-ec, -a), da defet 2 (schwach: Gesundheit) stlet (-ec, -a) 3 (böse) ri (ri,…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlecht

128 Bildungen · 95 Erstglied · 24 Zweitglied · 9 Ableitungen

Zerlegung von schlecht 2 Komponenten

sch+lecht

schlecht setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlecht‑ als Erstglied (30 von 95)

schlechtab

DWB

schlechtab , adv. gebildet wie schlechtweg; einfach, durchaus: die stiel und schemel all gemein sindt all yetzundt so katzen rein, das sy sc…

schlechtachtsam

DWB

schlecht·achtsam

schlechtachtsam , adj. und adv. mit geringer aufmerksamkeit: welcher sehr geheymnszreicher, nam ( eheleute ) nicht schlechtachtsam ist auff…

Schlechta-Wssehrd

Meyers

Schlechta-Wssehrd , Ottokar, Freiherr von , Orientalist, geb. 20. Juli 1825 in Wien, gest. daselbst 18. Dez. 1894, Sohn des als Dichter beka…

schlechtbefiedert

DWB

schlechtbefiedert , adj. mit einfachem federkleide: er stand entzückt beym seelenrührenden liede der schlechtbefiederten nachtigallen. Siegf…

schlechtbetrogen

DWB

schlecht·betrogen

schlechtbetrogen , adj. : so gerieth dir deine untreu, schlechtbetrognes mädchen. Herder z. schön. lit. u. kunst 7, 137 .

schlechtbewacht

GWB

schlechtbewacht im vergleichenden Bild Wie wenn..die Auswahl|Stille ziehet des Heers..in feindliche Stadt, die s-e, zu dringen:|Also zogen a…

schlechtbiericht

DWB

schlechtbiericht , adj. tenuior Stieler 147 , von dünnem gebräu.

Schlechte (der)

Wander

schlech·teder

Schlechte (der) 1. Den Schlechten geht's in der Welt besser als den Rechten. Jüd.-deutsch : Dem Rusche (bösen, ruchlosen Menschen) geht es a…

Schlechte II

RhWB

Schlechte II -ē- = Weberkleister s. Schlichte bei schlichten;

schlechten

DWB

schlech·ten

schlechten , plur. kindsmasern, rötheln, purpeln; gewöhnlich urschlechten, s. Schmeller 2, 499 , durchschlechten, oben theil 2, 1667. das wo…

schlecht als Zweitglied (24 von 24)

Geschlecht

RDWB1

Geschlecht n пол грамматический род гениталии, половой орган, причинное место эвфем. , шутл.

Armengeschlecht

Wander

armen·geschlecht

Armengeschlecht Wer will in das Armengeschlechte, der maure, baue viel und – rechte. – Pistor., III, 15.

blutschlecht

DWB

blut·schlecht

blutschlecht , adj. und adv. pessimus, pessime, herzlich schlecht: sie hatte bewiesen, das paradies ihrer unschuldigsten liebe sei blutschle…

eulengeschlecht

DWB

eulen·geschlecht

eulengeschlecht , n. , eulenart: sie halten sich bei ihrer unwissenheit für glücklich, sie scheuen das licht der gelehrsamkeit. 'das eulenge…

geschlecht

DWB

geschlecht , adj. verstärktes schlecht ( s. d. ). 1 1) gerade: wer mir nur der ein fusz geslecht! ( wieder gerade, sagt Petrus, der als hink…

grottenschlecht

RDWB1

grotte·n·schlecht

grottenschlecht umg. из рук вон плохо идиом. , разг. , хуже некуда идиом. , разг.

katzengeschlecht

DWB

katzen·geschlecht

katzengeschlecht , n. genus felinum. Göthe 55, 309 : Robespierre wird nächstens beweisen, dasz die tiger zum katzengeschlechte gehören. Dahl…

Mannsgeschlecht

DRW

manns·geschlecht

Mannsgeschlecht, n. I von männlicher Art; häufig in der Wendung: j.s Erbe Mannsgeschlecht zur Bezeichnung der erbberechtigten männlichen Nac…

Mannsschlecht

DRW

manns·schlecht

Mannsschlecht, n. das männliche Geschlecht vgl. Mannsname sin dochter vnde ere kindere alle mannesslechte vnd vrowenslechte 1430 StaatsbMag.…

menschengeschlecht

DWB

menschen·geschlecht

menschengeschlecht , n. 1 1) geschlecht der menschen, die gesamten menschen: sieh, ich kann das menschengeschlecht nicht begreifen, das so w…

pfaffengeschlecht

DWB

pfaffen·geschlecht

pfaffengeschlecht , n. : er ist pfaffengeschlecht ( hat die gesinnung und handlungsweise eines pfaffen ). Frank sprichw. 2, 73 a ; es ist ei…

schwalbengeschlecht

DWB

schwalben·geschlecht

schwalbengeschlecht , n. art der schwalben: zu winterszeyt wychend alle schwalmengschlächt an warme ort. Gesner - Heuszlin vogelbuch 213 b ;…

Schäfergeschlecht

DRW

schäfer·geschlecht

Schäfergeschlecht, n. Abstammung aus einer Schäferfamilie vgl. Schäferssohn [zur Metzgerlehre zugelassen war, wer] nicht von schäffergeschle…

verschlecht

DWB

versch·lecht

verschlecht , f. obthuramentum stagni Maaler 429 a : wuor, das ist ein aufgeworffen bort und verschlecht für wasser gemacht, das es nit mit …

vogelschlecht

DWB

vogel·schlecht

-schlecht , adj. , horizontal, wie der vogel fliegt: vogelschlechte-richtung, kernschusz, tirer de niveau Fäsch kriegs.-lex. (1735) 264 b ; …

Ableitungen von schlecht (9 von 9)

geschlecht

DWB

geschlecht , adj. verstärktes schlecht ( s. d. ). 1 1) gerade: wer mir nur der ein fusz geslecht! ( wieder gerade, sagt Petrus, der als hink…

geschlechte

PfWB

ge-schlechte Adv. : ' gerade ', in der Verb. geschläächde voll 'gestrichen voll' [ ZW-Krähbg ] ; vgl. gehauft . — Zu mhd. sleht(e) (Adv.) 'g…

geschlechten

DWB

geschlechten , verb. nacharten: geslechten, parentare Dief. 413 a , wie nd. slachten, slechten brem. wb. 4, 796. Firmenich 1, 103, 8. 469, 4…

geschlechtlich

DWB

geschlechtlich , adj. und adv. zum geschlecht gehörig, im geschlechte gegründet, dem geschlechte nach, generisch: der geschlechtliche name, …

schlechte

DWB

schlechte , f. zu schlecht gebildet und in alter sprache der sinnlichen bedeutung des adj. folgend. 1 1) rectitudo, schlechte Dief. 488 a : …

unschlecht

DWB

unschlecht , adj. adv. , gth. v. schlecht 1, 3. mhd. unsleht, mnd. unslicht. discontinuus Diefenbach n. gl. 137 a . Staub-Tobler 9, 65 . Cre…

Urschlëcht

ElsWB

Urschlëcht [Ùrláχt Ruf. Logelnh. Horbg. Dü. ; Órlaχt Co. ] f. fast stets Pl. [-ə] Impfpocken: d Urschlëchte n i n setze n impfen, i n gset…

verschlecht

DWB

verschlecht , f. obthuramentum stagni Maaler 429 a : wuor, das ist ein aufgeworffen bort und verschlecht für wasser gemacht, das es nit mit …