recht,
n. ,
das substantiv des nachfolgenden adjectivs, als neutrum überhaupt nur im westgermanischen entwickelt. gothisch ist es ganz ohne entsprechendes; im altnord. wird es durch das masc. réttr,
gen. réttar
vertreten, das aber zum theil auch andere bedeutungen aufzeigt. es musz ein verhältnismäszig spät aufgekommenes wort sein, welches auf eine dem allgemeinen bewustsein durchgedrungene gegliederte gesellschaftliche ordnung fuszt und als schlagwort die feste stellung eines jeden innerhalb solcher gliederung anzeigt: recht
bezeichnet so zunächst ein geregeltes verhältnis, und die daraus folgende leistung sowol wie den darauf gegründeten anspruch; im weiteren die norm, die für die gesellschaftliche ordnung maszgebend ist. II. recht,
als subjectiver begriff. I@11)
stellung innerhalb der gesellschaftlichen ordnung. I@1@aa)
das recht
ist zunächst eine von gott gesetzte ordnung, die für jeden menschen lebenslänglich den festen stand und die damit verbundenen befugnisse und pflichten bedingt: nieman enmag erwerben ander recht, wen als im angeborn ist.
Sachsensp. 1, 16, 1; al ensie ein man sîme wîbe nicht ebenburtig, her ist doch ir vormunde, und si ist sîn genôʒinne und trit in sîn recht, swenne
sie in sîn bette gêt. swenne her aber stirbit, so ist sie ledig von sîme rechte und beheldet recht nâch irer geburt. 45, 1;
nach der gliederung der stände ist dieses recht
gegliedert (königes, dienestmannen, bischoves, burger recht
u. ähnl.);
durch frevel wird es verwirkt, so dasz der mensch aufhört, ein glied jener ordnung zu sein, vgl. rechtlos. I@1@bb)
daher recht
in alten quellen wie stellung, würde, mit näherer bezeichnung durch genitiv: mich dunket, solte ein ieglich man guot nâch sînen tugenden hân, so würde manic hêrre kneht, manc kneht gewünne hêrren reht. Freidank 76, 22;
aber auch, mit beziehung auf inneres, art, natur: swelch man ist des guotes kneht, der hât iemer schalkes reht. 56, 18. I@1@cc)
dann auch von thieren, die ähnlich wie die menschen gesellschaftlich gegliedert aufgefaszt werden: gottes gebot niht über gât wan der mensche den er geschaffen hât; vische, vogele, würme und tier hânt ir reht baʒ danne wir. Freidank 5, 14,
auch hier in der mehr innerlichen bedeutung der verliehenen art; in andern sprüchen, die diesen gedanken ebenfalls geben, steht dafür ê
oder orden: ein iewelîch ding diu ê noch havit di emi got von êrist virgab, ne wêre die zuei gescephte, die her gescûph die beʒʒiste: die virkêrten sich in diu dolheit.
Annolied 51; ein ieglîch dinc sîn orden hât, daʒ ist von der nâtûre rât, âne alters eine der man, der sînen ordn niht halten kan.
welsch. gast 2611. I@1@dd)
endlich selbst von gegenständen und natürlichen dingen: der himel ist kosmos genant: der name ist dâ vür erkant, daʒ eʒ genant sî ein geschaft von eines schephæres kraft. anegenge und ende er hât, nâch sînem rehte er umbe gât, nach der nâtûre gebote, als im geordent ist von gote.
Barlaam 237, 10. I@22) recht,
mit hervorhebung dessen, was die angegebene ordnung an leistungen mit sich bringt. I@2@aa)
allgemein, was sich gehört oder gebührt: ags. ûs is riht micel,þät we rodera weard, wereda wuldorcyningwordum hêrigen.
genesis 1;
mhd. her Gâwein, lieber herre mîn, waʒ mac ich sprechen mêre wan daʒ ich iuch êre als iuwer rîtr und iuwer kneht? daʒ ist mîn wille und mîn reht.
Iwein 7531; man dorfte der brûdere keinen manen, ir aller arbeit was genûc êr man daʒ volc da nider slûc. bie in was manich vromer knecht, der vil wol begienc sîn recht mit stechen und mit howen.
livl. reimchron. 11272; ist das guter fraun recht (
gehört sich das für frauen), das si laufent als di chnecht so fruo in disen garten, recht sam se der jungen chnechten warten?
Erlauer spiele 3, 1091
Kummer; in den formeln zu recht, nach recht,
gehörig, gebührend: dîn schatz ist, swaʒ dû lieber hâst denne ze rehte (
als es sich gehört).
d. myst. 1, 314, 39; ze rehte bedenke (
er) wie er getuo daʒ beste daʒ er die stunde getuon mac. 310, 13; diu dritte (leite) gêt ûf vorhte, diu reht und mæʒec ist, und gegen allen den dingen, diu wir ze rehte süllen vürhten, ob wir nâch rechte riuwe haben oder wol gebîhtet und ouch gebüeʒet haben. 353, 23; recht haben,
obliegenheit haben: doch hätt man recht (
es gehörte sich),das man die knecht berüft aus teutschen landen. Hildebrand
volksl. 2, 96; I@2@bb)
dann was eine amtliche stellung mit sich bringt, dienstpflicht: ôk iuhu ik sô huat sô ik thes gideda thes uuithar mîneru cristinhêdi uuâri .. endi uuithar mînemo rehte uuâri. Müllenhoff
und Scherer
nr. 72, 7; (ir) habt driu schœne ros hie unt zwelf frome knappen die wartent iuwer, daʒ ist ir reht.
Wigalois 91, 19; niemant dorfte sich sparn die under in sâʒen, noch von rechte lâʒen. eʒ wære lêhenman oder knecht, si vûren, daʒ was ir recht.
livl. reimchron. 11448; do sprach der rath uff das erste stuck (
eine beschwerde), das die bornmeister Trebes Fischer und Lander Trackenstedt ihre recht noch thun solten. Spittendorff 34
Opel; umb die 2 bornmeister heim zu heischen, ihre recht zu thun nach laut der wilkire. 35; uff sonabent vor fasnachten vor mittage wolten wir das recht thun zu der kire (
unsere wahlpflicht erfüllen). 39. I@2@cc)
leistungen von unterthanen oder dienstpflichtigen an arbeit oder abgabe: in demselben jore do sattent sich die von Berne wider kunig Rudolfen umb etliche reht, die sü ime duon soltent.
d. städtechron. 8, 49, 13; (
der laie soll) leisten dʒ er schuldig ist, mess hôren, zehenden, opfer und andere recht bezalen, die geordnet sind. Keisersberg
dreieck. spiegel Cc 1
a; recht,
quod jure vel consuetudine debetur, v. q. praestationes cuiuscunque generis, relevium, sportulae. Haltaus 1512; doch wer der narrnweis thut recht, der ist ain guter vasnachtkneoht, es sei von mannen oder von weiben.
fastn. sp. 735, 5; recht,
bestimmte geldsumme als reichnis oder als abgabe, welche ein anderer rechtlich beansprucht. Schm. 2, 26
Fromm. I@2@dd) recht,
in bezug auf das verhältnis des menschen zu gott; christliches recht
heiszen namentlich die sterbesacramente, die zur erlangung der seligkeit empfangen werden müssen: der keiser verschiet als ein kristenman mit allen kristenlichen rechten, die ime sin capelan det an sime tode.
d. städtechr. 8, 148, 5;
dasselbe ist gottes recht: zuo letst ward Ulenspiegel ia krank also, das in der pfaff ansprach, er manet in zuo beichten und gottes recht zuo nemen.
Ulenspiegel 38,
s. 55
Lappenberg. I@2@ee)
in bezug auf das verhältnis des menschen zu dem (
persönlich gedachten)
tode; es heiszt menschlicheʒ reht begên (
sterben) Lexer
handwb. 2, 378;
und mit dem gen. der abhängigkeit des tôdes reht begân,
die pflicht gegen den tod erfüllen: daʒ wir der sünden werden lære und die untugenden werden ân, ê wir des tôdes reht begân! Lamprecht v. Regensburg
St. Francisken leben 3206; ieslîch mensche als eʒ kunde lopten got, daʒ er in gunde daʒ der reine goteskneht bî in begienc des tôdes reht. 4045. I@2@ff) recht
verhüllend für die weibliche monatliche reinigung: macula menstruorum befleckung freulicher recht. Schm. 2, 27
Fromm.; einiche weibsbilde in seinem hausz wonende, so sie schwanger oder mit iren weiblichen rechten beladen .. were.
Nürnb. pol.-ordn. 120; das iren weiblichen rechten nicht widerwertig sei.
kuchenmeisterei d 7. I@33) recht,
vom einkommen auf grund der gesetzten ordnung. I@3@aa) recht
ist das, was einem auf grund seiner stellung zum leben nöthig ist, das gehörige: sô an them lande duod that korn mit kîðun, thâr it kî-grund haBad, endi imu thiu wurð bihagôdendi wedares gang, regin endi sunna,that it is reht haBad.
Heliand 2479;
im altgermanischen haushalt nicht nur das, was einer als haushaltungsglied als nahrung zugetheilt bekommt (
vgl. gericht speise),
sondern auch was er auf grund seiner besonderen leistung als besondere entschädigung empfängt, die gebühr: sceaphirdes riht is þät he häbbe twelf nihta ðingan tô mittan wintra and I lamb of geâres geogoðe.
Rectitud. s. 240
Leo; daher auch später sailrecht
was ein eigener mann für die besorgung eines jagdhundes, zaumrecht
was er für die besorgung eines pferdes beansprucht, vgl. Schm. 2, 26
Fromm. I@3@bb)
so bildet sich der begriff einer übervergütung oder zugabe zu dem gewöhnlichen lohn hervor: wenn sie das (
heimliche gemach) raumen, so gibt man inen nach altem herkomen acht pfunt alt und ire recht darzu, zwue masz weins, vier masz piers und kesz und prot. Tucher
baumeisterb. 113, 19;
die in geld ausgerichtet werden kann: item im dreu und sechzigisten jare vor Walpurgis hab ich von dem gemach im gewanthaus geben anderhalb nacht von vierhundert schefflein ie von einem ein pfenning, und für ire recht
etc. pei fünftzig pfenning. 114, 5. I@3@cc)
weidmännisch gebührt dem jäger ein recht
an dem erlegten wilde, vgl. jägerrecht 1,
th. 4
2, 2223;
aber auch den hunden, vgl. daselbst 3: wenn das beschehen (
der hase ausgeweidet ist), sol der jäger brot, käs und andere gute schleckbiszlin mehr nemen, dieselbige in den ausgeweideten hasen stoszen, solches mit dem hasenschweisz netzen und rot machen, und ihnen (
den hunden) also darvon das recht zubereiten und fürwerfen. Feierabend
jag- und weidwerkbuch 91
a. I@3@dd) recht
einkommen, vortheil aus einem bestimmten, damit bevorzugten stande (
vgl. vorrecht): daʒ reht ouch, daʒ man nemmet vuorwîn, ist ime (
dem bischof) ouch lidig, unde stât daʒ alsô: swaʒ wînes verkoufet wirt ze Basil in hiusern oder in kelren, ... daʒ gît dem bischove ein halpfierteil wîns.
Basler dienstmannenrecht 5;
im allgemeinen sinne des privilegs: er gab Israel seinem knecht erbschaft und recht. Weckherlin 292;
gern, auch in neuerer sprache, im plural, und mit verwandten begriffen verbunden: die rechte und privilegien der oberen stände; rechte und freiheiten einer corporation; ob jemandt .. das heilig reich, oder die glieder desselbigen .. an jhren ehren, freiheiten, rechten oder gerechtigkeiten (
vergewaltigen wollte).
reichstagsabsch. von 1512, 35; dasz ... alle unser (
der geistlichkeit) recht und gerechtigkeit durch die wort Christi umbgestoszen werden. Schade
sat. u. pasqu. 3, 96, 38; ein tyrann und undertrucker .. unserer recht und freiheiten. Zinkgref
apophth. 1, 133; von ihren gebräuchen, gewonheiten, rechten und privilegien.
Simpl. 1, 405
Kurz. I@44) recht,
in allgemeinerem sinn, die irgend einem als folge seiner stellung zukommende befugnis und berechtigung: recht im subjectiven sinne (
ist) ein dem individuum nach der rechtsordnung zustehender antheil an den lebensgütern. Dernburg
pandekten 1, 86; daʒ ist der kinde reht, diu under vierzehen jâren sint (
sie haben gewisse berechtigungen in ihrem verhältnis zum vormunde).
Schwabensp. cap. 54, 5; meisters sohn bringet das recht mit sich. Pistorius
thes. par. 8, 56; freundschaft oder guter wille macht kein recht. 9, 36; eine henne hat das recht über neun zäune. 5, 95;
in älterer und neuerer sprache auch in einer reihe von zusammensetzungen hervortretend, vgl. burgrecht,
bürgerrecht,
dorfrecht, hausrecht
u. s. w.; ist das bett beschritten,so ist das recht erstritten (
eheliches). Pistorius 2, 49;
sprichwörtlich entgegengesetzt ist glück und recht: er hat mehr glücks dann rechts. Agr.
spr. 57
b; es hat mancher mehr glück als recht. Pistorius
thes. par. 7, 25; es lebt aus Reineckens geschlechte ein jung und eitler abkömmling, der oft mit mehrerm glück als rechte der schnellen hunde spur entging. Lichtwer
fabeln 3, 6; des kaisers recht,
im sprichwort, das aber oft auf den rechtsstreit (
unten III, 2)
bezogen wird: wo nichts ist, da hat der käiser sein recht verlohren. Pistorius
thes. par. 1, 68,
vgl. auch unter kaiser 8,
th. 5, 38; aber wo nichts sei, habe selbst der kaiser das recht verloren. J. Gotthelf
schuldenb. 328;
und, persönlich gefaszt, hat auch die zeit ihr recht, musz der zeit ihr recht gelassen werden: man musz der kalb-zeit ihr recht lassen. Pistorius
thes. par. 7, 24; der zeit recht achtet nicht auf jugend, schönheit, stärke. R. Roberthin
in den ged. des Königsberger dichterkreises 9; indesz verkehrte sich das wetter, denn der april behält sein recht. Günther 162;
mit adjectiven, welche die stelle persönlicher substantiven vertreten, das arme recht,
das recht der armen von lasten jeder art frei zu sein; selbst das alte recht,
die eigenthümliche befugnis des alters: so bald das alte recht dem fieber macht verleiht, und aug und finger schon mit abschiedszeichen spielen. Günther 681.
die neuere sprache hat solche bedeutung in mancherlei wendungen recht ausgebildet. I@4@aa)
als collectivbegriff, mit dem gen. des besitzers: das recht des königs, des herrschers, des bürgers, des unterthanen; das recht des vaters, des sohnes, der verwandtschaft, des blutes; das recht des freundes, der freundschaft; das recht der blutfreundschaft, die zwischen uns ist. Zinkgref
apophth. 1, 55; die vermählung des Tiberius mit der jungen wittwe des Agrippa; eine verbindung, die ohne dem rechte der jungen Cäsarn nachtheilig zu sein, den Tiberius auf das engste mit August und seiner familie verkettete. Wieland 24, 376; wie und mit was vor art das recht der freundschaft wolle, dasz meine poesie den glückwunsch bringen solle. Günther 763; ein jeder (
der beiden freunde) nennet sie (
die tochter) sein wahres ebenbild, und will das vaterrecht nicht mit dem freunde theilen, das recht, das sie zugleich mit lust und neid erfüllt. Hagedorn 2, 94; das recht des herrschers üb ich aus zum letzten mal. Schiller
braut von Mess. v. 2592; den thron, den deine väter durch Erechtheus, der erde sohn, den mächtigen, ererbt, er kam auf Aegeus durch der kindschaft recht.
Phädra 2, 2. I@4@bb)
solches recht
wird als gut, heilig, geheiligt
bezeichnet: das gute recht der bürger; das heilige recht der menschheit; (
du sollst) das best stück ausz der platten zücken: das selb ist dein mit guotem recht.
Grobian. B 4
b (
v. 514); der mensch ist mehr, als sie von ihm gehalten. des langen schlummers bande wird er brechen und wieder fordern sein geheiligt recht. Schiller
don Carlos 3, 10; lasz du (
fremdling) mir ungeschwächt der väter fromme sitte, des hauses heilig recht! Uhland
ged. 95. I@4@cc) recht,
im gegensatz dazu als befugnis im einzelfalle; mit possessiven fürwörtern oder gen. des objects: das ist mein recht, unser recht; mein recht darf mir nicht verkümmert werden; das ist ein eingriff in mein recht; zu seinem rächt kommen,
aequum bonumve impetrare. Maaler 324
a; wir ganz verlohrnen sünder das recht der erbschaft deines reichs von nun an mit genieszen. Günther 52; dein wort ergänzt mein recht, dich bindet dein versprechen. Lichtwer
schriften 251; mein recht musz mir widerfahren;
in freier verwendung, von einem damit gewissermaszen persönlich gefaszten dinge: Serlo versicherte, dasz er jeder andern probe .. nachsehen wolle, sobald der leseprobe ihr recht widerfahren sei. Göthe 19, 183; und doch läszt sich die gegenwart ihr ungeheures recht nicht rauben. 17, 131;
ein recht wird gegeben, genommen: gefährlich ists ein mordgewehr zu tragen .. diesz stolze recht, das sich der bauer nimmt, beleidiget den höchsten herrn des landes. gewaffnet sei niemand, als wer gebietet. Schiller
Tell 3, 3; die ehr, die ihm gebührt, geb ich ihm gern; das recht, das er sich nimmt, verweigr ich ihm. 2, 1;
etwas ist einem zu recht,
steht ihm zu: der alte herr empfing uns schlecht. ein flottes fest ist uns zu recht. Göthe 41, 308; eurer tohter ermangl es an nichts, was irgend den todten nur zu rechte geschieht. 40, 15; ein recht zu etwas,
älter auch recht eines dinges: (
dasz sie) mehr böses, untrew, rauben, und stelen treiben, denn zuvor, als hetten sie es recht. Luther 6, 63
a; der flüchtling selbst, den die gewalt verbannt, erhält zwar oft der rückkunft recht und glücke. Hagedorn 2, 163; so sol er (
der fremdling) nach seinem verkeufen recht haben, wider los zu werden.
3 Mos. 25, 48; bis wir ihnen .. das recht geben, unsern geschmack zu verdammen. Lessing 3, 29; über meine tochter habe ich ein recht zu bestimmen. Iffland
auswahl 8, 176; so haben sie völlig das recht, das grosze und übergrosze, wenn es neben ihnen wirkt, so lange zu läugnen, bis es historisch wird. Göthe 39, 108,
vgl. dazu unten h, was anklingt; dasz sie durch den ehestand das recht erwerbe, über ihr herz und ihre person nach gefallen disponiren zu können. 20, 96; so sehr die kinder sich ietzt auf den christtag freun, so groszes recht hast du nicht minder froh zu sein. Günther 791; und der er ietzt das recht der freiheit wieder giebt, in einer andern wahl das leiden zu verschmerzen. 764; das will euch nicht behagen; ihr habt das recht gesittet pfui zu sagen. Göthe 12, 173; von wem sind alle deine gaben? wer kann ein nähers recht dich zu besitzen haben? Wieland 17, 166 (
Idris 3, 64); zwar meinen augen zu gefallen hat schönheit immer noch das recht. Gotter 1, 445; wenn der besitz der liebenswürdigsten gemahlin einem sterblichen ein recht zu diesem namen geben. Schiller
don Carlos 3, 10; mit recht (
verschieden von unten II, 1,
d. 2,
c, wiewol dahin überspielend, vgl. dort): ich, der ich dir sonst mit recht zu befehlen habe. Lessing 3, 40; Orestes und Lykurgus könnten sich mit eben so vielem rechte meinen guten freund nennen, als er. 54; und dein himmels werther pracht dich mit recht zur göttin macht!
ged. des Königsberger dichterkreises 92; ich drücke dich an meine brust zum ersten mal mit vollem ganzem rechte. Lessing 5, 3. I@4@dd)
der plur. die rechte
betont die verschiedenen seiten des collectivbegriffs recht (
oben a): die rechte der menschen,
vgl.menschenrechte; die rechte eines herrschers, eines königs; seine rechte als bürger dieser stadt; ein eingriff in seine rechte; ich will dem todtenschmiede seine rechte nicht nehmen. Gellert 3, 160; wegen des mangels unsrer verfassungen, die gewisse rechte nicht mit dem völligen nachdrucke schützen. Arnim
Hollins liebeleb. 26
Minor; dasz die grosze masse des englischen volkes gegen die katholiken gestimmt ist und täglich das parlament bestürmt, ihnen nicht mehr rechte einzuräumen. H. Heine 3, 118; auch die anglikanische kirche behauptet streng ihre rechte. 119; o! was dir widerfährt, du sterbliches geschlechte! kömmt nicht von ungefähr; vernimm der gottheit rechte. Lichtwer
schriften 172; für geld begiebt der mensch sich willig seiner rechte, giebt haus und äcker her, macht sich zu andrer knechte. 253; kein verhältnis schwächt die rechte der natur. Wieland 17, 170 (
Idris 3, 72); ihr freunde, höret mich, die ihr die schönheit nennet, für ihre rechte kämpft, und sie vielleicht nicht kennet! Uz 2, 318; ich kenne, glaube mir, der schönheit grosze rechte. 328; mein anspruch stöszt fürchterlich auf meines vaters rechte. Schiller
don Carlos 1, 2; die königin gehörte dir, war dir geraubt von dem monarchen — doch bis jetzt misztrautest du bescheiden deinen rechten. 215; der bürger sei wiederum, was er zuvor gewesen, der krone zweck — ihn binde keine pflicht, als seiner brüder gleich ehrwürdge rechte. 3, 10;
Rud. das volk hat aber doch gewisse rechte —
Geszl. die abzuwägen ist jetzt keine zeit!
Tell 4, 3; ehret nicht der göttin rechte!
klage der Ceres; eheliche rechte; er forderte nicht, bald ernst-, bald scherzhaft suchte er sie zu bereden, er dachte nicht daran, dasz er rechte habe und löschte zuletzt muthwillig die kerze aus. Göthe 17, 131; rechte,
gesagt von eigenschaften, zeiten, schicksal: da ich also hiermit vor meinen edlen und gutherzigen, aber in behauptung der rechte der tugend unbestechlichen richterinnen erscheine. Wieland 24, 327; denn so ist die liebe beschaffen, dasz sie allein rechte zu haben glaubt und alle anderen rechte vor ihr verschwinden. Göthe 17, 133; die nacht war (
nach abgebranntem feuerwerk) kaum in ihre rechte wieder eingetreten, als der mond aufging. 161; und sogar die unarten, gegen die Aurelie so viel gearbeitet hatte, waren, so schien es, nach dem tode dieser freundin alle wieder in ihre alten rechte getreten. 19, 139; der thorheit unverjährte rechte erstrecken sich auf jedes haubt. Hagedorn 3, 53; ich erkenn euch, ernste mächte! strenge treibt ihr eure rechte, furchtbar, unerbittlich ein. Schiller
Hero und Leander; rechte zu etwas haben,
wo sonst der singular steht (
oben c): ich habe grosze rechte, über die natur ungehalten zu sein, und, bei meiner ehre, ich will sie geltend machen.
räuber 1, 1. I@4@ee) recht,
den sinn von anrecht, gegründeten anspruch (
in rechtlichem oder sittlichem sinne)
annehmend. es heiszt recht an einen
oder etwas: das recht dieses jungen menschen an die königliche gewalt, deren er sich nach seines vaters tod anmaszte, war noch weniger als zweideutig. Wieland 2, 247; verdienste, die ihnen ein recht an die allgemeine hochachtung geben sollten. 256; dasz Tifan .. sich aufgefordert finden könnte, sein recht an die krone geltend zu machen. 7, 130; welches recht kann heiliger sein, als das recht einer ganzen nazion an glückseligkeit? 189; nicht zu theuer hab ich das recht eines zweiten vaters an dich erkauft. 192; allzugrosze sicherheit auf ihre vorzüge, und auf die rechte, die sie an die allgemeine liebe der Römer hatte. 25, 37; grosze summen baaren geldes wurden unter die officiere vertheilt und noch weit gröszere an ländereien, deren werth gegen fünf millionen thaler betrug und an die man kein anderes recht hatte, als das der eroberung. Schiller
hist.-krit. ausg. 8, 318; wodurch die zeit an deines fürsten ruhm ihr ganzes recht verlohren. Günther 521; die blasse schaar der halb verwelkten wangen erwirbt durch zärtliches bemühn, durch blicke die an seinen blicken hangen, und süszen scherz manch kleines recht an ihn. Wieland 10, 130; wer hat mir dieses leben, und dir, so grosz du bist, ein recht an mich gegeben? 17, 170 (
Idris 3, 72); ich bin die seine. sein geschenk allein ist dieses neue leben das ich lebe. er hat ein recht an sein geschöpf. Schiller
Piccol. 3, 8; ich weisz nunmehr, dasz euer gutes recht an England euer ganzes unrecht ist.
M. Stuart 1, 6; du, Margaretha, hast das nächste recht an meine groszmuth, denn ich lasse dich zurück als die unglücklichste von allen. 5, 6; warum ziehn wir mit rasendem beginnen unser schwert für das fremde geschlecht? es hat an diesen boden kein recht.
braut v. Mess. v. 205; ich suche schutz; der unterdrückte hat ein heilig recht an jede edle brust.
Demetrius v. 66;
im pl. rechte an einen
oder etwas: ich würde mich der rechte, die du mir an dich gegeben hast, freiwillig gegen keine macht im himmel noch auf erden begeben. Wieland 8, 400; um den kurfürsten von Brandenburg zu verhindern, seine auf eine erbverbrüderung und auf den Pragischen frieden gegründeten rechte an dieses herzogthum geltend zu machen. Schiller
hist.-krit. ausg. 8, 384;
ferner recht
und rechte auf etwas: wenn ich jemals mich wieder zur liebe entschliesze: so haben sie das erste recht auf mein herz. Gellert 3, 109; was dieses gold betrifft, worauf ich selber kein recht habe. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 212; bei der königlichen societät bringt Newton eigentlich nur sein neuerfundenes katoptrisches teleskop zur sprache. er legt es ihr vor, und bittet, seine rechte darauf zu wahren. Göthe 54, 45;
endlich, und älter als beide vorhergehende fügungen, ein recht zu etwas: in gleichem recht ston mit seinem bruoder zuo einem erbfaal, das ist, als vil recht zuo einem erb haben als sein bruoder,
in haereditatem legitimam fratri concurrere. Maaler 327
b; das recht zur krone war nicht erblich, und doch hätte ein längeres leben seines vaters die ansprüche seines einzigen sohnes mehr befestigt, und die hoffnung zur krone gesichert. Göthe 20, 73; wer nur einigermaszen consequent aufmerksam auf die erscheinungen war, der hatte schon ein gewisses recht zu jenem ehrennamen (
eines experimentalphilosophen). 54, 77; Budorgis freut sich schon auf deines vaters geist und dessen wiederkunft, die ihm die hoffnung weist, und deine brust verspricht. er hat auch recht zur freude. Günther 408; die welt hat recht genug zu meinem wohlergehn. was ich nicht selbst bedarf, musz ihr zu dienste stehn. Gellert 2, 7; ein jeder, den die hand des schweren schicksals krümmt, dem sie den letzten hauch der müden hoffnung nimmt, hat ein bethräntes recht zum mitleid aller herzen; nur henker kitzeln sich bei andrer schmach und schmerzen. Hagedorn 1, 97; Elektra hat nach ihm das erste recht zum thron. Gotter 2, 53; dein sohn ist hin — doch zagt noch auf dem thron Aegisth — er kennt der schwestern recht zum väterlichen reiche, und wähnt, dasz er vielleicht durch arglist es erschleiche. 60; sie, welcher die geburt ein unverletzlich recht zum zepter gab. Wieland 4.
suppl.-band s. 274;
auch im plur. rechte zu etwas: um land und puppenwerk vertauscht er seine rechte zu glänzender unsterblichkeit. Uz 1, 192. I@4@ff) recht,
auch als verfügungsrecht, gewalt; in der älteren sprache im juristischen sinne und mehr der bedeutung einerseits oben 3,
andrerseits unten III, 2
angeschlossen: des toten mannes halbe swestir kint hath recht zcu dem erbe unde gute.
Magdeb. fragen 1, 7, 22; ein man hat ein dorf zcu allem nutze und rechte. 1, 2, 22 (
nachher hat ein man ein dorf mit allem rechte und nutze.
ebenda); kein man mag besir recht eim andern an eim dinge loʒin, wen alʒ er selbir doran hatte.
Magdeb. blume 2, 3, 97; recht zuo einem ding haben, oder ein rechtliche anspraach an ein handel zuo vollstrecken,
habere actionem. Maaler 327
a; frei ledig und eigne gter, darzuo einer volles recht, macht und gewalt hat, und niemandt nichts darumb schuldig ist,
optimo jure, vel optima conditione praedia. 327
b (
vgl. dazu auch eine reihe von zusammensetzungen, baurecht, durchgangsrecht, fahrrecht, traufrecht
u. s. w.);
in der neueren sprache aber als recht über einen
oder etwas
von nr. 4
aus entwickelt: er hat durch seine wohlthaten das gröszte recht über mich erhalten. Lessing 1, 238; das entfernte blau der Schweizergebirge übte auch hier sein recht über uns aus, indem es uns zu sich forderte, und da wir nicht diesem triebe folgen konnten, ein schmerzliches gefühl zurück liesz. Göthe 26, 80; her präsident, wer gab ihnen das recht, ihre tochter unglücklich zu machen? welcher mensch hat das über einen andern? Gotter 3, 88;
der plur. rechte: hier, tochter, bringe ich dir den mann, dem ich alle meine rechte über dich abtrete. Lessing 1, 381; in der lampendämmerung sogleich behauptete die innere neigung, behauptete die einbildungskraft ihre rechte über das wirkliche. Göthe 17, 131. I@4@gg)
dem rechte
im angegebenen sinne steht die pflicht
gegenüber: ein recht schlieszt eine pflicht in sich; gleiche rechte, gleiche pflichten; die zeit begehrt ihr recht und weckt itzt meine pflicht. Günther
bei Steinbach 2, 183;
und als etwas allgemeines ist es von der bloszen gerechtsame
unterschieden: die früheren bestrebungen .. der freien städte in Deutschland und andern ländern .. verdienen nicht die ehre eine volkserhebung genannt zu werden; es war kein streben nach freiheit, sondern nach freiheiten, kein kampf für rechte, sondern für gerechtsame, korporationen stritten um privilegien. H. Heine 3, 145. I@4@hh) recht,
in verblasztem, auf oben c fuszenden, aber nach unten II, 2
hinüberspielenden sinne, folgerechten grund etwas zu thun, fug: sie hört ihn kommen.sie erschrickt, und hatte recht sich zu erschrecken. Hagedorn 2, 91; ich glaube, die natur hat groszes recht zu schelten, wann wir, was sie für uns gethan, nur mit verachtung ihr vergelten. Uz 2, 353;
in der verbindung fug und recht: jetzt habt ihr fug und recht, die dichter zu verklagen. Günther 491;
über mit recht
vgl. unten II, 2,
d. IIII. recht,
in objectivem sinne. II@11)
die vom sittengesetz gegebene norm, vorschrift für unser sittliches handeln, und das demgemäsze. II@1@aa)
in verbindung mit anderen sittlichen begriffen: recht ist warheit, warheit ist recht. recht ist das das weder got noch menschen, weder vernunft noch menschliche natur taddeln kan. Agr.
spr. 32
b; recht und gerechtigkeit lieb zu haben. Schade
sat. u. pasqu. 2, 52, 23; die werk seiner hende sind warheit und recht.
ps. 111, 7; denn wirstu verstehen gerechtigkeit und recht.
spr. Sal. 2, 9; der barmherzigkeit, recht und gerechtigkeit ubet auf erden.
Jes. 9, 24; haltet recht und gerechtigkeit. 22, 3; solcher weiszheit wegen, die stets nach recht und warheit strebt. Günther 30; du wirst ein mann vor mich, und wider alles das, was recht und wahrheit liebt, viel federkriege führen. 497; (
der dieb) nimmt ihm, ungerührt von des elenden klagen, ein gut, das gott und recht dem bösewicht versagen. Lichtwer
schriften s. 249; von leuten die recht und gerechtigkeit lieben. Göthe 40, 8; licht und recht und wahrheit schaffen.
lied '
brüder reicht die hand zum bunde'; zerhaut die schlangenknoten, die wahn und lüge flicht, und schickt die freien todten empor zu recht und licht. Arndt
ged. 91; froh für recht und vaterland faszt das eisen seine hand. 178; zeigt in desto schönrer klarheit reinen sinn für recht und wahrheit! Uhland
ged. 91;
die schon in einigen der eben gegebenen beispiele angedeutete persönliche fassung des begriffs tritt, seit alter zeit, oft sehr deutlich hervor: bûent ouh gimuatozuâ suester iro guato (reht inti frithu) thâr. Otfrid 5, 23, 126; gewalt vert ûf der strâʒe, fride unde reht sint sêre wunt. Walther 8, 26; dasz die güte spaht und früe mag die trewe grüszen, dasz sich recht und fried alhie freundlich mögen küssen. A. Adersbach
in den ged. des Königsberger dichterkreises 73; disz ist, du Joseph unsrer zeit! der nächste weg zur ewigkeit, worauf dich recht und wahrheit führen, die als ein unzertrennlich paar, bei so viel kummer und gefahr, dein leben wie den wahlspruch zieren. Günther 144; ja, was noch mehr, sie sah in unsers grafen herzen die wahrheit und das recht zwo holde schwestern sein. 547; licht und recht
als name von edelsteinen im ornat des hohenpriesters: und solt in das amptschiltlin thun liecht und recht, das sie auf dem herzen Aarons seien.
2 Mos. 28, 30; sie solten nicht essen vom allerheiligsten, bis ein priester stünde mit dem liecht und recht.
Esra 2, 63;
und mit bezug darauf: der tempel raucht von heilger pflicht, die priester tragen recht und licht, und liegen vor den dankaltären. Günther 128; Astraea winkt dir selbst mit ernstlich-holdem blicke, und zeigt ihr licht und recht auf ihrer priesterbrust, aus welchem du ihr volk die wahrheit lehren must. 822. II@1@bb)
im gegensatz zu unrecht: hundert jar unrecht, ward nie kein stund recht. recht bleibt allzeit und ewig recht, es kan auch nit unrecht werden. Agr.
spr. 32
b; dasz mann schliesze und setz, das ist recht, disz unrecht, disz sol man thuon, jhenes lassen. 122
b; unrecht ist auch recht. Pistorius
thes. par. 1, 73; zu viel recht ist unrecht. 7, 4;
unter dem bilde der wermut,
der galle: die jr das recht in wermut verkeret, und die gerechtigkeit zu boden stoszet.
Amos 5, 7; denn jr wandelt das recht in gallen, und die frucht der gerechtigkeit in wermut. 6. 12;
im gegensatz zu gewalt: warumb zeigestu mir raub und frevel umb mich? es gehet gewalt uber recht.
Habacuc 1, 3; gewalt geht für recht. Agr.
spr. 49
b; denn nicht vom rechte, von gewalt allein ist zwischen mir und Engelland die rede. Schiller
M. Stuart 1, 7;
zu macht: die macht allein giebt göttern selbst kein recht. Wieland 17, 171 (
Idris 3, 72). II@1@cc) recht
im verein mit pflicht (
verschieden oben I, 4,
g): die furcht erdachte recht und pflicht (
sagt der freigeist), und schuf den himmel und die hölle. Gellert 1, 170; herr, spricht er, laszt mich gehn, den frevler abzustrafen, ich wage nichts, wo pflicht und recht mich schützt. Wieland 22, 32 (
Oberon 1, 50). II@1@dd)
eine reihe von fügungen lassen vielmehr den begriff des solcher sittlichen norm entsprechenden, des rechtgemäszen hervortreten: nullum igitur iustum turpe. allez reht kezâme. Notker 1, 600, 3
Piper; etwas ist recht: mein bruder! alles was recht ist! der götter vorschlag war dieszmal billig. Göthe 33, 246; bleibt recht: denn recht mus doch recht bleiben.
ps. 94, 15; recht bleibt recht, und wer es auch that, es zeigt sich am ende. Göthe 40, 205; recht thun: droben ist gesagt recht bleibt recht, wahrheit bleibt wahrheit .. also hie auch, wer recht thuot, ob manns gleich nit für recht wil halten, der wirt es doch wol finden zu seiner zeit. Agr.
spr. 76
a; thuo recht, und förcht dir übel darbei zu hof. 94
a; wahrlich, ich habe recht gethan. Iffland
auswahl 8, 174;
auch einem recht thun,
sich gegen einem nach dem sittengesetze bezeigen: der weder feind noch freind (torrecht) ausz neid, hasz oder miszgunst schmähet, und der dem herren und dem knecht, und jedem menschen thut sein recht. Weckherlin 50 (
nach ps. 15, 3;
verschieden unten III, 2,
f und h); für das recht etwas thun: dasz dieses eisen ehrenwerth fürs recht nur aus der scheide fährt! Arndt
ged. 214; von recht,
solchem rechte gemäsz, eine formel, in welche auch die von rechts wegen
unten III, 2,
g einspielt: ich weisz ein schatz, leit in der erden, der doch von recht der herrschaft gbürt. B. Waldis
Esop 3, 58, 11; der dir zuosteht von altem recht.
Grobian. M 1
b (
v. 2957); solt ich dich nicht von recht verfluochen, dasz ichs huon underm disch muosz suochen? O 1
a (
v. 3453); was für krankheit, angst und weh uns von recht gebühret. P. Gerhard 166, 54; mit rechte, mit recht,
was mehr oder weniger deutlich in die bedeutung I, 4,
c und h hinüberspielt oder sich mit unten III, 2,
h berührt: wir die wir die werke der alten mit rechte verehren. Gellert 5, 267; eben die demuth, die uns unsern geringen werth fühlen läszt, bestimmt zugleich denjenigen über den wir uns mit recht erfreuen können. 7, 89; netn haistu Simon frawenknecht, den pachn verleustu wol mit recht. H. Sachs
fastn. sp. 1, 153, 206; ei wie nun will ichs greifen an? mit recht mags nie beschönen. Spee
trutzn. 61, 42; was muste Christus selbst auszstehen! .. und du vermeinst mit recht zu klagen in bösen tagen! S.
Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 37; mit allem, mit vollem, mit besserem rechte: mit gleichem rechte,
pari jure, eodem quo caeteri jure, mit gutem rechte,
jure, merito, mit dem grösten recht,
optimo jure. Frisch 2, 96
c; ich zweifle oft, ob der brief eben mich angehe, und ob nicht eine andere mich eines unbilligen raubes beschuldigen werde, welche diese angenehme zeilen mit besserm rechte solte gelesen haben. Chr. Weise
erzn. 55
Braune; sogar dann, wenn sich der dichter selbst durch eine ängstliche unterwürfigkeit gegen historische wahrheit seines künstlervorrechts begeben und der geschichte eine gerichtsbarkeit über sein product stillschweigend eingeräumt haben sollte, fordert die kunst ihn mit allem rechte vor ihren richterstuhl. Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 37; darf éiner gnade finden, mit welchem rechte wurden hunderttausend geopfert?
don Carlos 5, 10; auf recht: dann wir desz uberflusz mit maszen auf recht und wol brauchen mö
gen. Fronsperger
kriegsb. 2, 30
b; wider recht: da er jn also uberredet hatte, erstach er jn wider alles recht. 2
Macc. 4, 34; das er doch .. der unschüldigen kindlein, so wider alles recht erstochen wurden, gedenken wolt. 8, 4; das sie sich nicht entsetzen solten fur den feinden, noch sich fürchten fur der groszen menge der heiden, die sie wider recht und unbillich plageten. 16; wider recht und billigkeit: (
Demosthenes) welcher, nachdem er den gemeinen nutzen und das regiment der Athenienser dapfer und getreulich befördert und beschützet, wider alles recht und billigkeit .. desz landes verwiesen und in das elend verjaget ward.
Simpl. 1, 154
Kurz. II@1@ee) recht,
bezogen auf einen nach recht und billigkeit geforderten preis: die tag ich bei jhm kaufet hab; da trang er mich hart bisz aufs bein, bisz darzu kam die hauszfrau sein, die ist ein mutter aller armen. die hat frei mit mir ein erbarmen und gab mir das korn umb ein recht. J. Ayrer
fastn. sp. 94
d (2814, 17
Keller). II@22) recht,
das dem denken, beobachten, urtheilen gemäsz richtige; gewöhnlich in festen verbindungen. II@2@aa) recht haben,
vgl. theil 4
2, 62,
für älteres wâr haben: also dasz der maler noch recht hett, der aller nation völkertrachten an ein wandt malet, und so er an den Teutschen kommen, malt er jhnen nacket, dasz er etlich elen tuochs uff der achsel hett, und bedacht sich allererst, wie er sein kleid wolt machen lassen. Agr.
spr. 86
a; jüngst sagtest du, mir träumt. ach! du hast recht, auch wann du mich betrübest. Hagedorn 2, 164; der chevalier hat recht. es giebt noch riesen, doch keine ritter giebt es mehr. Schiller
don Carlos 1, 4; ja, herzog Alba, ihr habt recht — das könnte zu etwas schrecklichem mich führen. 3, 3;
mit bestimmung des subst. recht
durch ein adjectiv: hörte man ihn, man wunderte sich und glaubt ihn entschuldigt, ja, er hatte noch übriges recht, und vieles zu klagen. Göthe 40, 62;
aber die häufiger vorausgehenden adverbien deuten auf die versteinerung dieser formel, bei der das subst. in das adj. überschwankt (
vgl. unter haben
theil 4
2, 62
und unter kalt
theil 5, 85): du hast nicht recht, er hat ganz recht,
vgl. dazu auch unter ganz
theil 4
1, 1300,
nr. 3,
a; 'du hast nicht recht!' das mag wohl sein; doch das zu sagen ist klein, habe mehr recht als ich! das wird was sein. Göthe 3, 275; der könig hat ganz recht, ganz recht. Schiller
don Carlos 2, 5; mit etwas recht haben, er hat mit seiner behauptung, seinem ausspruche recht;
dafür auch der spruch hat recht, der zu bedachter eile auffordert; der satz hat grund und recht: dasz wir in diesen tagen vor wenigen verlust den grösten wucher tragen. Günther 654;
aber bloszes ganz recht
oder gar nur recht: recht, in Deutschland war es! Schiller
don Carlos 2, 5,
gehört nicht hierher, sondern ist adverb, s. unter dem adj. recht. II@2@bb) recht bekommen, behalten, lassen; er bekommt mit seinen schlüssen bei allen denkenden recht; man musz ihm bei seiner beweisführung recht lassen; er wird recht behalten; einem recht geben,
seiner darstellung oder seinen schlüssen zustimmen; Meph. ich hab doch recht!
Faust. hör! merk dir diesz .. wer recht behalten will, und hat nur eine zunge, behälts gewisz. Göthe 12, 159. II@2@cc) mit recht,
bezogen auf urtheil und erwägung, während die gleichlautende formel oben 1,
d sich auf sittliche notwendigkeit bezog; doch gehen beide bedeutungen in einander über: er behauptete das mit recht; mit recht lobte er die arbeit jenes, tadelte die arbeit dieses; ich habe dich mit recht meinen vater zu nennen. denn nach meinem wirklichen vater hast du dich am väterlichsten gegen mich bewiesen. Lessing 3, 40; wie sorglos schläft der sichre musensohn, wann er, bei kerz und nacht, in dichterischen stunden, nun, wie er glaubt, den einfall ausgefunden, den er gesucht, der ihn zu sehr geflohn! wie unruhvoll wird seine lagerstatt, wann ihm der nächste tag, so bald er ganz erwachet, des fundes werth mit recht verdächtig machet! Hagedorn 1, 129; sie sind empfindlich, herzog, und mit recht. Schiller
don Carlos 2, 5;
auch mit vollem, groszem, ganzem rechte: er behauptete mit vollem rechte, dasz diese darstellung falsch sei; mit groszem rechte wurde die beweiskraft jener urkunde bestritten; sie weisz ihm von gesunden speisen die trefflichsten stets anzupreisen, was aber schwächet oder zehrt, wird ihm mit vielem recht verwehrt. Hagedorn 2, 105;
vgl. auch mit recht
oben I, 4,
d am ende. II@33) recht,
ordnung, rechte, gebührende art, und das ihr gemäsze: ich hab ain wunderlichen mon, dem kan ich gar kain recht nit thon, als was ich thu gefalt im nit. H. Sachs
fastn. sp. 6, 5, 152;
zumal in präpositionalen verbindungen, ahd. bî rehte:
bene pi rehte (
neben wol). Steinmeyer-Sievers 1, 677, 34; wanta ob er giloubti ubar al, so iʒ bi rehte wesan sal. Otfrid 3, 2, 13;
mhd. von rehte, nâch rehte: der vride wart bestêtiget wol, als man von rechte vride sol.
livl. reimchron. 4604; dô daʒ hûs bereitet wart, daʒ volc wart geordent ûf die wer nâch rechte kein der heiden her. 10040;
auch ze rehte: der guote wîn wirt selten guot, wan in dem guoten vaʒʒe: wirt daʒ bereit ze rehte wol, sô habet eʒ den wî
n. Walther 106, 18; man lieʒ der geste pflegen wol, als man zû rechte boten sol.
livl. reimchron. 4560;
nhd. zu rechte,
richtig, ordnungsgemäsz, wie es sein soll: mann kann der welt nicht zu rechte predigen (
d. h. wie es sowol mit der pflieht gegen Christus als mit der rücksicht auf den geschmack der menschen zu vereinen ist). Luther
tischr. 1, 92
Förstem.; sein schreiben habe ich zu recht empfangen. Butschky
kanzl. 170; e. gräfl. gn. schreiben ist mir zu recht abgelifert. 795;
es ist, mit verben des helfens, bringens, legens, kommens u. ähnl. bis heute geblieben, vielfach auch zusammengerückt als adverb geschrieben, vgl. zurecht: sîn (
eines kindes) zunge wuohs ze rehte, daʒ eʒ reit (
redete) alsô rehte, als ob eʒ ie hæt gereit von sîner êrsten kintheit. Lamprecht v. Regensburg
St. Franzisken leb. 4802; hie ists denn verloren, der haufe bekeret sich nicht, enzele und wenig, welche gott erwelet, die komen wider zu recht, die andern bleiben in jrem fluch und gift. Luther 3, 312
b; solche beicht hat min evangelium auch zu recht bracht, und die blöden gewissen wider gesterket. 5, 81
a; wenn bringen sie solche verfurete christen zu recht? 6, 82
a; lieben brüder, so ein mensch etwa von einem feil ubereilet würde, so helft jm wider zu recht, mit sanftmütigem geist (
καταρτίζετε τὸν τοιοῦτον,
goth. gaþvastjaiþ þana svaleikana).
Gal. 6, 1; denn wie der tempel von den feinden eingenomen ward, da der herr zürnet, also ist er wider zu ehren und zu recht komen, da der herr jnen wider gnedig ward. 2
Macc. 5, 20; der könig in Mysien ... diesen hat Achilles so sehr verwundet, dasz er aus göttlicher weissagung nur einig und allein durch den Achilles konte geheilet werden. derentwegen ihm Achilles, als er sich mit ihm versühnet, den rost von der spitzen seines spieszes aufgeleget, und ihn also zu rechte gebracht hat. Opitz 1, 260; dasz er in einen esel verwandelt worden und durch herabreiszung eines rosenkranzes .. wider zu recht gekommen sei.
Simpl. 4, 227
Kurz; ich kan .. in der theologi wol zu recht kommen. Schuppius 27; da Elias sahe, dasz er mit den Baalspfaffen nicht zu recht kommen könne. 583; eine magd, welche .. war krank worden, und widerumb zu recht kam. 687; ich habe mir schon alle kleider zu rechte gelegt, die ich im sarge tragen will. Gellert 3, 210; wir haben noch hoffnung, den unglücklichen zu rechte zu bringen, versetzte der arzt. Göthe 20, 28 (
zusammengerücktes zurechte finden. 36, ein zimmer, in welchem verschiedene reinlich gekleidete mädchen .. einen tisch zurechte machten. 162); jetzt ist es hohe zeit, dasz du ihr (
Sion) gnädig seist, und werfest ab ihr leid. die reife stund ist da. denn wir, wir deine knechte, sehn gerne, dasz einmahl sie käme doch zu rechte, dasz ihre stein und kalk nur würden zugericht. Fleming 23. IIIIII.
besonders reich entwickelt hat sich seit den ältesten zeiten, und auf grund der vorigen bedeutung (II) recht
in dem engeren juristischen sinne der rechtsnorm und des daraus folgenden. III@11) recht,
als gesetzliche norm, welche die stellung der menschen in einem staatswesen nach maszgabe ihrer verbindlichkeiten regelt; recht im objectiven sinne ist die staatliche ordnung der lebensverhältnisse. Dernburg
pandekten 1, 86. III@1@aa)
entgegengesetzt sind natürliches
und gesetztes, geschriebenes recht: das natürlich recht, gesatz und ordnung so von natur kompt,
jus naturale. Maaler 327
a; beschrieben recht,
jus scriptum, unbeschrieben,
non scriptum. Stieler 1549; einer rühmte das natürliche recht, mit dem anhang, man solle es billich den geschriebenen rechten vorziehen. Zinkgref
apophth. 1, 252; ich besinne mich auf einen grundsatz des natürlichen rechts. Lessing 1, 250; die prügel, die ein bedienter von seinem herrn bekömmt, gehören nicht in das recht der natur, sondern in das bürgerliche recht. 251;
vgl. naturrecht; vom rechte das mit uns geboren ist, von dem ist leider! nie die frage. Göthe 12, 98;
wiewol das gesetzte recht
auf das naturrecht zurückgehen soll: o Rom! Europa selbst, von deiner herrschaft joch vorlängst entlediget, ehrt dein gesetze noch. aus quellen der natur sind deines rechtes lehren ursprünglich her geführt; sie müssen ewig währen! Lichtwer
schriften 164; wirkliches
und förmliches recht: von dem wichtigen unterschied des wirklichen und förmlichen rechts. Möser
patr. phant. 4, 113; was die kirche oder eine versammlung erwählter und berufener bischöfe zuletzt für wahrheit erkläret hat, das ist förmliche wahrheit für alle diejenigen, so zu dieser kirche gehören; und förmliches recht ist für streitende partheien, was ein erwählter oder verordneter richter zuletzt dafür erkannt hat. in beiden fällen kann die wirkliche wahrheit, oder das wirkliche recht zum grunde liegen .. in der that aber kommt es hierauf nicht
an. 114; das innre recht: und wenn sich männer frei erheben, und treulich schlagen hand in hand, dann tritt das innre recht ins leben, und der vertrag giebt ihm bestand. Uhland
ged. 100; des herzens recht: nach vernunft und yres herzens recht und guotdunken regieren. Frank
weltb. 193
a. III@1@bb)
gesprochen wird auch von einem rechten
und einem unrechten recht,
mit anspielung darauf, dasz die bedeutungen II
und III
des wortes sich nicht immer decken, ebenso von zweierlei recht: zweierlei recht ist, das rechte recht, und das unrecht recht. gottes recht ist ein rechtes recht, das einem jglichen recht richtig richtet, unangesehen die person der menschen. Agr.
spr. 33
a; der churfürst hat diese supplication (
einer witwe) seinen räthen fürgehalten, und gefraget, ob sie zweierlei recht hetten, es müszte ja nit ohn sein, dieweil dieses weib umb das rechte recht bittet, es müst zuvor von jhnen mit der frawen mit dem unrechten recht gehandelt sein worden.
ebenda; ein wittfraw klagte, es were jhr in jhrem rechtshandel zu kurz geschehen, die hiesze Clausz das rechte recht suchen. Zinkgref
apophth. 1, 379;
auch in einer urtheilsformel, allerdings in komischer rede: ein man, der frauen übels gant und iren namen hat geschant, den urtail ich mit rechten rehten, das er sol dreiszig jar an di haiden vehten.
fastn. sp. 707, 15. III@1@cc) strenges
und mildes recht: streng und rauch recht, so nichts von dem das es zuogibt nachlaszt, wenn man thuot das böst das man thuon kan,
jus summum. Maaler 327
a; eng recht, weit unrächt,
summum jus, summa injuria. 327
b; scharf recht, ein bös recht,
jus summum, maxima saepe injuria est. Stieler 1549; billiges recht,
jus aequabile, legitimum. ebenda; gelind recht,
lex mollior, jus remissum. ebenda; gleich wie strenges recht das gröst unrecht, also eitel gnad die gröste ungnad. Zinkgref
apophth. 1, 257; man versäumte nichts ihm alle kenntnis zu überliefern, alle thätigkeiten an ihm zu entwickeln, deren der staat jederzeit bedarf: die pflege des strengen gerichtlichen rechts, des läszlichern, wo klugheit und gewandtheit dem ausübenden zur hand geht. Göthe 21, 129. III@1@dd)
das alte recht: alt härkommen recht, recht ausz altem brauch angenommen,
jus moribus constitutum. Maaler 327
a; wenn ihr nun das alte recht zerrissen. Günther 828; wo je bei altem gutem wein der Würtemberger zecht, da soll der erste trinkspruch sein: das alte gute recht! Uhland
ged. 85; 'und immer nur vom alten recht? wie du so störrig bist!' ich bin des alten treuer knecht, weil es ein gutes ist. 89. III@1@ee)
das göttliche, ewige recht: das sei ein ewiges recht ewrn nachkommen.
3 Mos. 6, 18; verbürge nicht für mir, der ich ja kein weltkind, sondern ein frembdling bin, dein recht, gefallen, willen. Weckherlin 261; dir mich weihen? ich dir? stygische furie, Afterthemis, ich dir? die du mit schlangenlist unser göttliches recht, welches natur uns gab, raubtest? Stolberg 1, 8; menschliches recht; verstand empfingen wir, uns mündig selbst im irdschen element
zurecht zu finden, und was uns nützt ist unser höchstes recht. Göthe 9, 287. III@1@ff)
das recht
als masz gedacht: eine metz gunst, vermag mehr als ein scheffel rechts. Pistorius
thes. par. 5, 85; das recht wird weder weiter noch enger. Simrock
sprichw. 444;
häufig personificiert: das recht hat ein wachsin nasen. Agr.
spr. 34
a; das recht schiert haarscharf. Pistorius
thes. par. 7, 69; darumb ist auch das recht zurück gewichen, und gerechtigkeit ferne getreten, denn die warheit fellet auf der gassen, und recht kan nicht einher gehen.
Jes. 59, 14; als mir das falsche recht mein schlechtes erbtheil nahm. Günther 985; da war kein ansehn der person, es hielt die milde nicht den arm des rechts zurück. Göthe 9, 164; regierte recht, so läget ihr vor mir im staube jetzt: denn ich bin euer könig. Schiller
M. Stuart 3, 4. III@1@gg)
formelhaft verbunden sind recht und gerechtigkeit, recht und billigkeit: er wird den erdboden richten mit gerechtigkeit, und die völker mit recht.
ps. 98, 9; von handhabung recht und gerechtigkeit. Zinkgref
apophth. 1, 32; die juristen, die umb gelts willen böse sachen verthedigten, nente er (
kaiser Friedrich III) verkehrer der rechten, und schinder der gerechtigkeit. 73; wann die obrigkeiten in den stätten und allenthalben nach recht und billichkeit richteten. 60; gott und recht: das urtheil ist wider gott und recht. 2, 90; recht und brauch, recht und herkommen, recht und gesetz: ich soll dem alten recht und herkommen gemesz, ein verehrung under ewere burger ausztheilen lassen. 1, 31; als man disputierte, jus et mos, recht und bräuch, scheiden die land, und wo recht und sitten wenden, da wende auch ein herr mit seinen land und leuten. 382; daselbs stellet er jnen ein gesetze und ein recht (
gott den Israeliten).
2 Mos. 15, 25; dis sind die satzunge und recht und gesetz, die der herr zwischen jm und den kindern Israel gestellet hat.
3 Mos. 26, 46; ich bin .. zu gering im verstand des rechtes und gesetzes.
weish. Sal. 9, 5; wie bald entgehn uns deine schätze, die redlichkeit und deütsche treü, der hasz für schnöde heüchelei, die kunst der rechten und gesätze! (
ein verstorbener jurist ist angeredet). Drollinger 268; es erben sich gesetz und rechte wie eine ewge krankheit fort. Göthe 12, 97; einen tüchtigen braven mann zu haben, der den leuten recht sprechen soll und vor lauter recht nicht zu gerechtigkeit kommen kann. 21, 168; satzung und recht: nach aller seiner satzung und recht.
4 Mos. 9, 3; gebot und recht: dies sind die gebot und rechte die der herr gebot durch Mose den kindern Israel. 36, 13; ich hab euch geleret gebot und rechte. 5
Mos. 4, 5. III@1@hh)
gegenüber gestellt ist recht und gewalt: man seh nur deine (
des glückes) groszen knechte, die gold und ehr und stand erdrückt; sie machen die gewalt zum rechte. Günther 203; nicht ist von recht, noch von gericht die rede; hier ist gewalt! entsetzliche gewalt. Göthe 9, 329; recht und gnade (
vgl. dazu unten 2,
e): von gnade und recht will ich singen.
ps. 101, 1; die gnade flieszet aus vom throne, das recht ist ein gemeines gut. Uhland
ged. 100. III@1@ii)
das recht
soll gleich sein: gleiches recht für alle; ein gleich und gemein rächt dem armen und dem reichen,
aequabilitas juris. Maaler 323
d;
bildlich: der todt helt gleiches recht. wer hundertjährig stirbet, verweset ja so bald, als der so jung verdirbet. P. Fleming 129;
gemeinsam allen völkern: gemein recht aller völker,
jus gentium, jus humanum. Maaler 327
c;
wenigstens gemeinsam für ein volk: es sol einerlei recht unter euch sein, dem frembdlingen wie dem einheimischen.
3 Mos. 24, 22; ein gesetze, ein recht sol euch und dem frembdlingen sein der bei euch wonet.
4 Mos. 15, 16; jedes volk und land hat sein eigen sprach, gelegenheit und ort, also sein eigen sitten, recht, bräuch. Agr.
spr. 54
b;
oder für eine gemeinde: nun ist ein jeder fleck und statt éin grosz hausz, darinn éin recht, glaube und policey ist. 69
b. III@1@kk)
unterschieden ist jedoch das recht III@1@k@aα)
nach ländern: das römische recht, das deutsche recht;
jus quirinum, romisch recht Dief. 312
c; nach dem rechte der Meder und Perser, welchs niemand ubertretten thar.
Dan. 6, 8; du weiszest herr könig, das der Meder und Perser recht ist, das alle gebot und befelh, so der könig beschlossen hat, sol unverendert bleiben. 15;
und nach landestheilen; gemeines recht
im gegensatz zu landrecht, stadtrecht, sonderrecht,
vgl. unter landrecht 1,
th. 6, 128; sächsisches, preuszisches, bairisches recht; lübisch recht, glüpisch recht (
jus Lubecense, jus captiosum). Pistorius
thes. par. 1, 58; wir sind euer herrn und euer recht, und wann jemand beschriebenes oder gewönliches recht anzeigt, so ist es dem gebieter entgegen. Schütz
Preuszen 137; hat der Brüsseler nicht ein ander recht als der Antwerper? der Antwerper als der Genter? Göthe 8, 202; bedingt recht bricht landrecht. Simrock 446. III@1@k@bβ)
nach dem gesetzgeber: ouch sprichet daʒ bêbistlîche recht.
d. myst. 1, 93, 29; Witege und Heimedie brâchen gotes reht.
Alpharts tod 14, 1; dô gebôt er den fürsten sâ, daʒ si behielten Karles reht.
Wigalois 244, 10; noch hatte Drako nicht sein blutig recht geschrieben. Lichtwer
schriften 179. III@1@k@gγ)
nach stoffen, vgl. personenrecht, sachenrecht; obligationenrecht, handelsrecht, kirchenrecht, eherecht, erbrecht, schifffahrtsrecht
u. a.; und wenn ein frembdlinger bei euch wonet, der sol auch dem herrn passah halten, und sols halten nach der satzung und recht des passah.
4 Mos. 9, 14; das recht über ligende gter,
jus praediatorium. Maaler 327
a. III@1@k@dδ)
nach ständen: geistliches recht, weltliches recht;
jus canonicum geistelich recht,
jus civile leyenrecht
l. werltlich recht,
jus patronatus lehenhern recht Dief. 312
c;
legista, einer der da das weltlich recht weis 323
a; wältlich recht,
jus civile Maaler 327
a; die grauen räthe flehn den kaiser auf den knien, dem recht der ritter nachzugeben. Wieland 22, 33 (
Oberon 1, 52); des königs recht,
das recht das seinen stand betrifft, unter dem ein könig steht: hêrre, sô enwelt ir niht behalten iuwer wârheit? werdet ir des überseit, daʒ ir urwære (
wortbrüchig) sît, sone sult ir nâch derselben zît deheines landes künec wesen. heiʒet küniges reht lesen: vindet ir eʒ niht dâ, ich gân von mînem rehte (
anspruche) sâ.
Tristan 332, 34; königs recht
kann aber auch in die bedeutung der vorrechte eines königs (I, 3,
d)
hinüberspielen oder übergreifen: verkündige jnen das recht des königs, der uber sie herrschen wird.
1 Sam. 8, 9; das wird des königs recht sein, der uber euch herrschen wird, ewre söne wird er nemen zu seinem wagen, und reutern, die fur seinem wagen her draben. 11. III@1@ll)
der plur. rechte
in zweierlei bedeutungen. III@1@l@aα)
entweder mit bezug auf die bedeutung k, von den unter sich verschiedenen rechten: ein doctor beider rechte,
des geistlichen und weltlichen; die göttlichen und auch wältlichen recht lassen das zu,
fas et jura sinunt. Maaler 327
b; ein newer jurist .. sei im ersten jahr ein Justinianus, dunkt sich uber alle doctor, und hab alle recht in seinem kopf. Zinkgref
apophth. 1, 244; ja solches ist in allen rechten bräuchlich, und wird in heiliger schrift bestetiget.
Simpl. 1, 59
Kurz. III@1@l@bβ)
oder als theile eines in sich geschlossenen rechts, mit rücksicht auf kundgebung oder aufzeichnung zu verschiedenen zeiten oder bei verschiedenen gelegenheiten, oder auch auf verschiedenen stoff eines und desselben rechtes: diz sint diu reht ze Basil.
Basler bischofs- u. dienstmannenrecht s. 17; dis sind die rechte die du jnen solt furlegen.
2 Mos. 21, 1; das jr alle meine satzung, und alle meine recht haltet und thut.
3 Mos. 19, 37; nach meinen rechten solt jr thun, und meine satzung solt jr halten. 18, 4; die sitten, rechte, gesetz und gebot, die er (
gott) euch hat beschreiben lassen, die haltet.
2 kön. 17, 37; das ich deine rechte lerne.
ps. 117, 71; das heil ist ferne von den gottlosen, denn sie achten deine rechte nicht. 155; er zeiget Jacob sein wort, Israel seine sitten und rechte. so thut er keinen heiden, noch leszt sie wissen seine rechte. 147, 19. 20; donoch machet er (
Justinian) keiserlich recht die man noch haltet.
d. städtechr. 8, 32, 1; die keiserlichen recht verbieten monopolia, die fürkäufe. Agr.
spr. 125
a; die rechte bringens also mit,
jura hoc volunt, legibus hoc licet, sancitum est, obtinet. Stieler 1548; es ist den rechten zuwider,
leges vetant, obstant, contra fas, juri inimicum, adversarium est. ebenda; die sonderlichen rechte eines landes,
jus statutarium. Frisch 2, 97
a; der schöppenstuhl ... ist mit lauter leuten besetzt, die der römischen rechte unkundig sind. Göthe 8, 36; wie uns Niederländer zuerst einzelne fürsten regierten, alles nach hergebrachten rechten, privilegien und gewohnheiten. 201. III@1@mm) recht,
plur. rechte
als studium und wissenschaft: das recht, die rechte, rechte studieren; ein lehrer der rechte; ein doctor beider rechte; der rechte doctor; professor des römischen rechts; (
beisitzer) der recht gelehrt und gewürdigt (
mit einem grade versehen).
cammergerichts-ord. zu Worms 1521, i; ob sie lieber einen doktor der gottesgelahrtheit, oder der rechte .. zu ihrem manne haben will. Lessing 1, 258; nicht verdenke mich so schlechten ungeschickten zimmermann, ein so dumpfen, in den rechten ungelehrten unterthan! Spee
trutznacht. 189, 147; (
wo man) wissenschaft und recht nach würden schätzt und ehret. Günther 603; wir lieszen voller lust den ernst der rechte liegen, und dachten dir ein lied von netter kunst zu weihn. 596; du kannst den grund der rechte lernen, wo uns kein irrtum mehr bedöhrt. Drollinger 270; Aeneas Sylvius gibt diesem herrn das lob, das er sich sehr der römischen recht beflissen, die er jhm auch hatte verteutschen lassen. Zinkgref
apophth. 1, 164; als ich mich des rechts beflissen gegen meines herzens drang. Uhland
ged. 79; als etliche schullehrer disputierten von erhaltung der adelichen geschlechter und stammhäuser, und allerhand dahin gerichtete pacta familiae, wie mans in recht nennet, vorzogen und gedachten. Zinkgref
apophth. 2, 98. III@1@nn) recht,
mit bezug auf die practische handhabung. es heiszt das recht handhaben, vertheidigen, feststellen, setzen, das recht besteht: durch mich regiern die könige, und die ratherrn setzen das recht.
spr. Sal. 8, 15; die Holsten vertheidigen ihr recht mit dem schwerte. Pistorius
thes. par. 5, 63; das recht beraten, nachschlagen, nachlesen; uber das recht gon und von einsi schwären handels wägen radt suochen und bescheid nemmen,
jus consulere. Maaler 327
c; eim dʒ rächt aufthuon,
reddere judicium. 323
d; zermalmt habt ihr die fremden horden, doch innen hat sich nichts gehellt, und freie seid ihr nicht geworden, weil ihr das recht nicht festgestellt. Uhland
ged. 92; dasz weisheit nicht das recht begraben, noch wohlfahrt es ersetzen mag, dasz bei dem biedern volk der Schwaben das recht besteht und der vertrag. 101; das recht verletzen, beugen, verdrehen, mit füszen treten; meinstu das gott unrecht richte, oder der allmechtige das recht verkere?
Hiob 8, 3; einem das rächt abschlahen, nit tag gäben oder fürlassen,
judicium non reddere. Maaler 323
d; hab auch kein recht nie aufgezogen, gekrümt, verschrenket noch gebogen. H. Sachs
dicht. 2, 74, 83
Tittmann; Calandro beugt das recht, und hebt des bruders rang. Günther 530; so ist die welt Schlaraffenland, in dem sich straf und recht verkehren. 428; dein corpus juris liegt, darinnen sieh dich um, und mache hier das recht nach willen grad und krumm. 784; nach dem rechte, wider das recht; nach dem geltenden rechte verfahren, wider das recht nicht handeln; herrschaft ohn schutz,reichthumb ohn nutz, richter ohne recht,lother und spitzknecht, .. geizige plattenkan man wol entrathen. Zinkgref
apophth. 1, 249; verfahrt nach recht, nicht nach gewalt. Günther 148; Ptolemeus Macron, der die Jüden gern bei recht geschützt hette, weil sie bis her so viel gewalt und unrechts erlidden hatten. 2
Macc. 10, 12;
in sprichwörtlichen wendungen: das recht ist der wachenden. Agr.
spr. 71
b; schlagen ist kein recht. Pistorius
thes. par. 7, 67; wo der kaiser hinkommt, da stehet ihme das recht offen. 10, 7; das recht ist gut, aber die rechtspractica taugt nichts. das recht wär wohl gut, wenn mans nicht krumm machte. Simrock
sprichw. 444; geschriebenes recht ist ein breites dünnes netz, die mücken bleiben drin hängen, die hummeln brechen hindurch. 445; geschriebenes recht ist eine grosze glocke: wenn nur der schwengel nicht so leicht herunter fiele.
ebenda. III@1@oo)
da recht
vorzugsweise als ein aufgeschriebenes gedacht wird, so steht es auch mehr oder weniger deutlich im sinne von gesetzbuch: ein artickel stet in dem rechte also lutende.
Magdeb. fragen 2, 5, 2,
s. 173; wer ietz kan ungewonlich schwür, die dann verbieten duont all recht, den halt man für ein frischen knecht. Brant
narrensch. 87, 13; dieweil die recht ausztrücklich sagn: der kläger folgt dem beklagtn nach. J. Ayrer
fastn. sp. 40
d (2539, 29
Keller); die fürsten des kaiserreichs, so viel von ihnen zugegen, ein jeder sieht sich selbst in meiner verdammung gekränkt. sie murmeln, dem meere gleich, wenn sich von fern zu regen der sturm beginnt: sie bitten, dringen, legen das recht ihm vor. Wieland 22, 32 (
Oberon 1, 49). III@1@pp)
andrerseits zeigt sich ein ungeschriebenes recht,
als eine rechtsgewohnheit für besondere fälle, nicht nur im eigentlichen strengen sinne: ists auch recht bei euch, einen römischen menschen, on urteil und recht geiszeln?
ap. gesch. 22, 25; die von Sparta hetten ein recht, das sie mit wein füllten jr knecht, lieszen jr sön sehen mit fleisz der vollen knecht schendlich abweisz, die füllerei mit zu verschmehen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 64, 350;
sondern auch in freierem sinne, wie sitte, gewohnheit, der man sich zu fügen hat und ungestraft nicht entzieht: kannst du vom himmel es erbitten, so sei dein eigner herr und knecht, diesz bleibt des mittelstandes recht. Lichtwer
fabeln 2, 6;
es wird gesprochen von einem jägerrecht (
s. d. nr. 4,
theil 4
2, 2223),
von einem kutschenrecht
oder wagenrecht,
das bestimmt, wie in éiner kutsche zusammen fahrende sitzen sollen; ein mäulchen, kleine! das ist ballrecht. Wagner
kindermörderin 5;
von einem kriegsrecht (
s. d. nr. 1,
th. 5, 2288
fg.), faustrecht
u. s. w.: jus potandi oder zechrecht (
als tractat 1616
erschienen); wer das faustrecht hab, der könne auch leicht das recht im rechten haben. Zinkgref
apophth. 1, 258; als er (
Brennus) mit hörskraft Italien uberzogen, und jhn die Römer fragen lieszen, was er doch in jhrem land Hetrurien zu thun, und was recht oder ansprach er zu demselben hette? liesz er jhn antworten: er und seine soldaten tragen jhr recht in den waffen, und gehöre alles den dapferen mannhaften leuten zu. 402,
zugleich mit beziehung auf oben I, 4,
e; wann ich aber je zulassen wolte, dasz die weiber sie (
die flöhe) in ihren bann jagen, fangen und nach waldmanns recht metzeln dörften.
Simpl. 1, 268
Kurz; landtsknechts recht hie nicht helfen thut. J. Ayrer
fastn. sp. 49
c (2586, 4
Keller); nicht auf der stärke schrecklich recht beruft euch, mylady! es ist der gefangenen nicht günstig. Schiller
M. Stuart 1, 7; der liebe recht: hat dir dann gott ein pfand geschenket, so werd es von dir nicht versenket; halt nur damit der liebe recht, so bist du gott ein werter knecht. Reinh. v. Freientahl (1700)
s. 24. III@22) recht,
von der anwendung der gesetzlichen norm auf den einzelfall. III@2@aa)
das dieser norm gemäsze, eine gerechte sache; als recht haben (
verschieden von II, 2,
a oben): uuanda ih reht habeta, be diu gestreit ih. Notker
ps. 9, 5; wer wil mit mir haddern? last uns zusamen tretten, wer ist, der recht zu mir hat? der kome her zu mir.
Jes. 50, 8 (
vgl. dazu auch oben I, 4,
f); wann aber (
beim gericht) das gegentheil auch gehört wirt, so wirt es offenbar, welches theil recht oder unrecht hat. Agr.
spr. 112
b; glaubt mir, wenn wir recht haben, werden wir gerechtigkeit finden. Göthe 10, 61;
und sonst: denn ich weis, das der herr wird des elenden sache, und der armen recht ausfüren.
ps. 140, 13; wenn er des armen recht reden sol.
Jes. 32, 7; allein der kleine druck, am rande hier und da (
im corpus juris) das sind die glossen, herr papa, die von juristenfintchen handeln, der kern des ganzen rechts, das ränk und griffe lehrt, wodurch sich recht in schuld verkehrt. Lichtwer
fab. 4, 25. III@2@bb)
geordnete feststellung eines rechtsanspruchs, die eine partei sucht: es heiszt recht suchen, sein recht suchen; recht finden; er hat bei den gerichten dieses landes nicht recht finden können; recht weigern, sich recht verschaffen; sondern ich müst umb mein recht flehen.
Hiob 9, 15; wil man recht, wer wil mein zeuge sein? 19; ich bin gerecht, und gott wegert mir mein recht. 34, 5; ich will dem landesherrn einen fuszfall thun. ich will mir und meiner tochter recht schaffen. Gellert 3, 207; ich verlange mein recht. Wieland 20, 13; ich bitte mir zu meinem recht zu verhelfen.
ebenda; ihr erschlugt den landvogt, der euch böses that — auch ich hab einen feind erschlagen, der mir recht versagte. Schiller
Tell 5, 2; beschlosz er, da er recht nicht konnte finden, sich rach zu holen mit der eignen hand. 5, 1; versöhnt, vereinigt, sind sie mächtig gnug, euch zu beschützen gegen eine welt und recht sich zu verschaffen — gegen euch!
braut von Mess. v. 100;
an a rührend: ich habe es aber nunmehro beschlossen, mein recht nach den römischen gesetzen auszuführen. Lessing 3, 51; denn du führest meine sache und mein recht so herrlich ausz. H. Albert
in den ged. des Königsberger dichterkreises s. 8. III@2@cc)
die entscheidung eines richters in einem solchen falle; sie wird begehrt: rechts begeren,
jus postulare. Dasyp.;
und im alten gerichtsverfahren stets mündlich verkündet, daher recht sprechen, für recht sprechen
zuerst ganz sinnlich gemeint, aber schon früh auch von der rechtlichen entscheidung mittelst urkunde: iudicare est ius dicere, reht finden, reht sprechen. Notker 1, 617, 21
Piper; ab dy ratmanne ortel, do man sy umb froget unde betet, uswendigen umbsessen vorkoufen megen. hiruff spreche wir scheppin zcu Magdeburg recht: ratmanne sullen kein ortel uszgebin uszwendig irre stad.
Magdeb. fragen 1, 1, 4; hiruff sprechen wir scheppin zcu Magdeburg vor ein recht. 1, 1, 1; (
Friedrich Barbarossa), als er daselbst viel tag nach einander offene gerichtstag gehalten, die partheien selbst gehört, und jhnen in beisein etlicher rechtsgelehrten recht gesprochen. Zinkgref
apophth. 1, 34; die grichtsleuth sollen auch schwören, gleich recht zuo sprechen fürderlich, dem reichen alsz dem armen.
Basler rechtsqu. 2, 225 (
von 1687); einen tüchtigen braven mann zu haben, der den leuten recht sprechen soll. Göthe 21, 168; da solt ihr (
apostel), sag ich (
Christus) euch, mit mir den urtheilstab zerbrechen, und den geschlechtern Israels das recht auf stühlen sprechen. Günther 49; freund, einem armen recht zu sprechen und, wenn die unschuld weint, an frevlern sie zu rächen, ist göttlicher, als ein gedicht! Uz 2, 366; (
ich, der könig) habe recht gesprochen und recht geübt. Uhland
ged. 7;
in freiem sinne: morgen sitzt sie (
Venus) hier zu throne; morgen blinkt ihr richterstab. wie zur strafe, so zum lohne spricht sie mildes recht herab. Bürger 1
b; zu recht erkennen: dasz also aus diesen und andern angeführten gründen .. zu recht zu erkennen sei. Wieland 20, 33; leute welche für einen leidlichen preis alles was der hof gern sah, zu recht erkannten. 7, 82; das recht weisen. Haltaus 2061, das recht schöpfen,
ebenda 1643;
diese rechtsentscheidung geschieht durch urtheil, und recht und urtheil
sind daher formelhaft: sie haben uns on recht und urteil, öffentlich gesteupet.
ap. gesch. 16, 37; ists auch recht bei euch, einen römischen menschen, on urteil und recht geiszeln? 22, 25; der keiser verharrete auf seiner meinung, befahl jhn nachmals, angesichts, ohne urtheil und recht, zu tödten. Zinkgref
apophth. 1, 23; wie nun nach urtheil und recht gebunden Reineke da stand. Göthe 40, 63. III@2@dd)
durch solche entscheidung wird einem recht gegeben: wie soll jhm aber der gefallen baum und gebissen hundt thuon, kompt er für den richter, der ist auch ein mensch, der armuot feindt, der laszt dir im kat kein recht gehn, sondern spot (
spottet) dein, .. und helt es mit dem hohen zaun, und cederbäumen, die in allen ehren und lust daher blühen, den gibt er recht und gewunnen. Agr.
spr. 49
a;
oder die eine partei gibt der andern das recht: so bin ich der winter, ich gib dirs nit recht, o lieber sommer, du bist mein knecht! Uhland
volksl. 23,
in einem streit zwischen winter und sommer, der als rechtsstreit mit rede und gegenrede durchgeführt wird; schlieszlich: o lieber sommer, ich gib dirs recht, du bist mein herr und ich dein knecht. 29;
und der siegende behält recht: so komme der herr nur gleich stehenden fuszes wieder zurück nach Abdera vor die obrigkeit, .. da wollen wir sehen, wer von uns beiden recht behalten wird. Wieland 20, 8; beschlossen sie, dasz ihren streit ein kluger richter schlichten sollte. als nun der weisze recht behielt, da sprach das schwarze kind der Mohren: du siegst; ich habe hier verspielt, in Tunis hättest du verloren. Lichtwer
fab. 1, 15;
wie einem recht geschieht: aber die acta ich hie bring, wie hierin gschaffnen seind all ding. darinnen könd jr auch ersehen, ob euch sei recht oder unrecht gschehen. J. Ayrer
fastn. sp. 49
c (2585, 30
Keller). III@2@ee)
parteien haben nur vor dem richter recht zu nehmen
und recht zu geben,
seiner richterlichen entscheidung nachzuleben: wer in der stat bobin jar unde tag wonhaftig ist und andirs in keiner stat besessen, der sal recht haben, gebin unde nemen glich einem andirn besessen burger.
Magdeb. fragen 2, 5, 3,
s. 174; dasz sü denne vor den selben meister und rat zuo Hagenowe, die denne zuo ziten sint, recht geben und nemmen, und was in die von der geschiht wegen darumbe erteilent, sprechent oder erkennent, daʒ sü daʒ alle und jeglicher besunder halten und vollefüren süllen.
d. städechr. 9, 1025, 36; under einsi gericht ghören, und recht bei jm nemmen und suochen,
jus petere ab aliquo judice. Maaler 327
c; Braun der bär ist gekommen, des königs gerichtlicher bote, denn es hat der könig geschworen, ihr solltet bei hofe vor gericht euch stellen, ich soll euch holen, damit ihr recht zu nehmen und recht zu geben keinem verweigert. Göthe 40, 21,
wie mnd.: kome gi nicht to hove, to deme gedinge, unde ik ju nicht mit mi en bringe, dat gi dat recht nemen unde geven, dat wert ju kosten juwe leven.
Reineke fuchs 493; würd es in der kristenheit slecht (
übung), dasz iederman müst geben recht. Liliencron
volksl. 1, 464, 10,
d. h. statt der fehde dem ordentlichen richter sich stellte; eine variante liest: dasz iederman müst geben und nemen recht.
s. 466;
straffällig ist, wer sich selbst recht nimmt: und nimmt man selbst am wirthe recht iszt man profoszenbrot. Göthe 1, 148.
verschieden ist recht nehmen von einem,
unten 3,
k. III@2@ff)
auch die strafende entscheidung des richters gegen den übelthäter ist recht: wirt aber jemand ergriffen in der übelthat, über den laszt man gehen, was recht ist, dann offne that strafen, kan niemand für unbillich achten. Agr.
spr. 121
b; wers (
sie, die räuber) usz und in tuot laszen (
in burgen), si (
sei er) edel oder knecht, ist mit in in gleichem recht (
wird gleich gestraft). Uhland
volksl. 371; sölt ich sie (
meine frau) lan verbrennen, si het der sachen guot recht (
diese strafe käme ihr zu), si tregt iez einen erben bei meinem ältern knecht. 323;
daher einem sein recht thun,
ihn wegen eines verbrechens strafen; einem wird sein recht, er findet, leidet sein recht: und der könig sprach zu den weisen, die sich auf landes sitten verstunden .. was für ein recht man an der königin Vasthi thun solt, darumb das sie nicht gethan hatte nach dem wort des königs.
Esther 1, 15; ist er (
der dieb) erschrocken aus der kirche gangen, und als er auf diesen eisern rust zu stehen kompt, kan er nicht weiter fortgehen, die eisern zerschmelzen ihm unter den füszen, dasz er sinken und also stecken bleiben musz, bisz man kompt und jhn öffentlich absolvieret, und jhm sein recht thut (
d. h. ihn zum galgen verurtheilt).
pers. reisebeschr. 2, 3,
s. 71;
und so wol auch im plur. der rechte schuldig sein,
die betreffenden auf eine that stehenden strafen verdient haben: ach, gnediger herr, ich bin allein der recht schultig an diser that, die mich Gerwalt anglernet hat. J. Ayrer 419
d (2108, 16
Keller);
auch in freierem sinne, von nicht gerichtlicher strafe: es wäre zu wünschen, dasz jeder andere betrüger und gaukelhans ebenso sein recht und seinen meister finden möchte. Hebel 2, 50; das letzte recht
ist die todesstrafe: wiltu ja mich deinen diener hinrichten, so thue es doch mit einem schein des rechtens, damit das letzte recht dich nicht treffe.
pers. rosenthal 1, 25; du hast die tödtlich hitz, als sie so krank da lagen, dasz auch in sie der todt sein letztes recht wolt wagen, verendert in ein hitz, davon die lieb sich nehrt. Jac. Creutz
bei Opitz (1624) 191. III@2@gg)
der strenge dieses rechts
gegenüber steht die barmherzigkeit, gnade (
vgl. dazu vorher 1,
h): wann er zu gott rufe, so bitt er umb gnad und barmherzigkeit, und nit umb das recht, warumb er dann seinen underthanen nicht auch viel mehr die gnad ertheilen, als sie der strengen gerechtigkeit nach strafen solte? Zinkgref
apophth. 1, 75; lassen sie gnade für recht ergehen, mein fürst! Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 82; doch weil ein quintchen vaterhuld viel tausend centner meiner schuld durch dein erbarmen überwieget; so gieb genade vor das recht. Günther 77; herr landvogt, wir erkennen eure hoheit; doch lasset gnad für recht ergehen. Schiller
Tell 3, 3. III@2@hh) recht
aber auch der rechtsschutz im einzelfalle, rechtshilfe, und recht thun,
solche hilfe gewähren: und ist, daʒ ein man sînes wîbes morgengâbe verkoufen wil oder versezen, oder swie er si âne wirt, eʒ sî mit ir willen oder ân ir willen: die wîle der man lebet, ob si dar ûf klaget, man sol ir reht tûn umb ir morgengabe.
Schwabensp. cap. 20, 2. III@2@ii)
als schluszformel richterlicher entscheidungen steht schon im 14.
jahrh. von rechts wegen,
was sich ebenso auf die entscheidung wie auf das ihr zu grunde liegende recht (III, 1)
bezieht: von rechtis wegen.
Magdeb. fragen 1, 1, 1
u. oft; al daʒ gut, do ein man mit bestirbit, iʒ sy varent oder unvarend, daʒ unvorgabit ist und unvorpfendit, daʒ heist allis erbe von rechtis wegin.
Magdeb. blume 2, 1, 1;
oft abgekürzt als v. r. w.: so vint man: er sy seins vaters erbe unwerdig. v. r. w. 2, 1, 50; dasz .. kläger aber, einwendens ungeachtet, nicht nur mit seiner unbefugten forderung abzuweisen, sondern auch in alle kosten .. zu verurtheilen sei. v. r. w. Wieland 20, 34;
diese formel ist in freiere redeweise übergegangen, es heiszt etwas von rechts wegen haben, besitzen, thun, ausüben,
gleichsam nach zuerkanntem richterlichem rechte, daher mit unantastbarer berechtigung; von rechts wegen hätte der junge hiebe verdient,
sagt der über einen streich des sohnes erbitterte vater; von rechts wegen müszte er eine belohnung haben; von rechtswegen sollte ich dir dienen,
secundum civilitatis regulas. Frisch 2, 96
a; von rechts wegen sollte er wieder hier sein,
officii lege. ebenda; was solchergestalt sich wieder mit dem mit recht
oben II, 1,
d berührt. III@2@kk) recht
in den formeln zu recht,
eigentlich gemäsz rechtlicher entscheidung, daher mit rechtsgrund, unanfechtbar: diese ruhmbegierde .. wurde vor gericht gefordert, um die gültigkeit ihrer ansprüche und beschwerden untersuchen zu lassen; und es befand sich, dasz sie nicht zu recht bestehen konnten. Wieland 3, 388; alle Germanenfürsten im Römerreich waren sich wohl bewuszt, dasz ihr besetztes land ihnen nicht zu recht gehörte. G. Freytag
bilder 1, 126; noth erkennt kein gebot, und so besteht es zu rechte. Göthe 40, 156; es zeige sich dann ein würdiger gegner gleich mit mir von geburt, ein jeder führe sein recht aus. wer dann ehre gewinnt, dem mag sie bleiben. so hat es immer zu rechte gegolten, und ich verlang es nicht besser. 150,
für das mnd. dit recht heft hir alle tît gestâ
n. Reineke fuchs 4431; mit recht,
mit rechtsgrund, auf gesetzliche weise: auch kann durch keine macht im himmel und auf erden dem, der ihn nicht geraubt, der ring entrissen werden: die allgewalt, die in ihm ist, beschützt sich selbst und jede hand, die ihn mit recht besitzt. Wieland 23, 26 (
Oberon 7, 36); auf recht: landsmann! der has ist mein und ich neme ihn als ein gestolen gut auf recht hinweg.
Simpl. 1, 352
Kurz. III@33)
in einer gröszeren reihe von verbindungen geht recht
nicht sowol auf rechtsanspruch und rechtsentscheidung, als auf das ganze gerichtliche verfahren, die rechtsprozedur (
und hier der minne
gegenübergestellt, vgl. die formel minne oder recht,
th. 6, 2240): bi herren und bi knechten halt niemant nicht von rechten, ein ieder wils uszfechten wie es in dunket guot in sinem übermuot. Uhland
volksl. 369; ihr meint durch langes recht die schnelle pest zu dämpfen, die augenblicklich wächst! ihr meint mit recht zu kämpfen, indem er (
der gegner) spiesz ergreift! A. Gryphius (1698) 1, 14;
in bezug auf die processführenden (
a —
k). III@3@aa) ein recht anfangen,
einen rechtsstreit; ein recht schieben,
ihn an eine andere instanz leiten: als das recht nun geschoben ward für den kaiserlichen hof.
d. städtechr. 5, 206, 3; nun ist ze wissen, dasz es widerumb von dem kaiserlichen hof geschoben ward für das lantgericht gen Anspach und solten die von Argun das recht widerumb anfahen. 32; das recht treiben,
einen rechtshandel führen: dieselben sün und ir mueter triben das recht anfüro bei dem kaiserlichen hof bisz vol ausz an das end. 24; das recht mit einem ausstehen,
in demselben sinne: solt ein hausherr nicht recht und macht haben, einen gast oder knecht, heiszen ausziehen, er müszte denn zuvor ursache sagen, und das recht mit jm ausstehen, so were es ja ein armer gefangener hausherr, in seim eigen gut. Luther 49
b. III@3@bb) einem das recht bieten,
es auf ein rechtsverfahren abstellen. Schm. 2, 25
Fromm.: und puten dem marggrafen aber recht für unsern gnedigsten herrn den römischen könig gen allen fürsten.
d. städtechr. 2, 140, 9; also traten die von Nürmberg für die vorgenanten fürsten und herrn und sprachen: seint sie marggraf Albrecht bei solcher ir gerechtigkeit nit wölt bleiben lassen, so puten sie im recht von der stat wegen zu Nürmberg für unsern gnedigen herrn den römischen künig. 141, 15;
daher in freierem sinne, einem das recht bieten,
einem trotzen, nicht gutwillig eine forderung erfüllen: fürwitz. darumb weich bald und troll dich ferr!
tr. Eckhart. ei, last mich gehn! ich beut dirs recht. H. Sachs
fastn. sp. 1, 99, 25; das recht darschlagen (
vgl. dazu einem einen kampf darschlagen,
anbieten, th. 2, 789): als er geglaubt, er habe den schuldner auf der gabel, schlage dieser ihm recht dar, weil er beweisen wolle, Hans Joggi habe ihn betrogen und angelogen. J. Gotthelf
schuldenb. 328. III@3@cc) das recht brauchen: mit einanderen das recht brauchen,
jure certare inter se. Maaler 327
b; das recht geht über einen,
das rechtsverfahren wird eingeleitet: werdet jr mir nicht den traum sagen, so gehet das recht uber euch, als die jr lügen und geticht fur mir zu reden furgenomen habt.
Dan. 2, 9; ohne recht,
ohne (
vorherigen)
prozess: da man mir nunmehr ein laster angedichtet, und sonder schuld und recht das leben abgesagt. Günther 1016. III@3@dd) einem recht halten, abhalten,
rechtsverhandlung führen; als richter, auf anrufen: der künig helt ein statthalter da, der den gesten recht helt. Frank
weltb. 207
a; ja es were kein recht an dem hof, wan wir diesem Jesu nicht sein recht in dieser andern instanz abhalten wolten. Ayrer
proc. 2, 2;
als partei, rede stehen vor dem richter, namentlich als beklagter, der zu recht geboten, ins recht gefordert wird (
unten h): hette er aber dar über ichtes hinz uns zuosprechen, darumb wölten wir im gern recht halten an den stetten, da wir daʒ pillichen tuon söllten.
d. städtechr. 5, 341, 20 (
Augsburg, von 1414); eʒ sol auch ieder soldener halden recht, warumb man in anspricht, vor der stat richter. 1, 170, 32 (
Nürnberg, von 1356); eʒ sol auch kain burger briefe gewinnen, daʒ er niht rehtes halten sulle vor dem schulthaiʒem zu Nüremberg.
Nürnb. pol.-ordn. 20;
ebenso das recht thun: und wer, daʒ imant von deʒ amptmans zwin knechten oder ir eim gepfent burd (
würde), und sprech derselb, daʒ er niht pfant verborkt (
verwirkt) het, deʒ recht sol man dar umb nemen, und sol er daz recht vor den amptlewten tun.
d. städtechr. 1, 29, 30; doch so solt er auf einen tag komen gen Nurenberg und do sein recht mit dem aid thun. 3, 123, 22. III@3@ee) einen ins recht fassen, mit einander ins recht treten, geraten: lasset sie mit einander ins recht treten. Luther
br. 4, 448; nach seim, desz testators todt, gerahten die patres und der sohn derentwegen (
wegen der erbschaft) ins recht miteinander. Zinkgref
apophth. 2, 144; da habe er ihn ins recht fassen wollen. J. Gotthelf
schuldenb. 328; einen mit recht vornehmen: mit recht fürnemmen,
dicam scribere. Maaler 327
b; als er (
ein fuhrmann) aber den wein verkaufen will, und jhn niemand kaufen wolt, weil er fast aller wasser ware, kompt er wider zum würth, will jhn mit recht fürnemmen. Zinkgref
apophth. 1, 357; mit recht beklagen: und was er vil schuldig, dasz man in beclagt mit recht.
d. städtechr. 5, 70, 11. III@3@ff) ins recht, zu rechte gehen: do die von Nürmberg nicht in verdingte recht mit im gen wolten (
in ein rechtsverfahren vor parteiischen richtern).
d. städtechr. 2, 125, 21 (
vgl. sie sölten im rechtens sein vor ungeleichen und sundern, verdingten, fremden richtern und rechten, die im darzu gefügt hetten.
z. 16); verfolgen sich und gehen zu recht, wie die unglaubigen heiden. B. Ringwald
gebetbüchl., geistl. lied. C 8
b; (
er) liesz nicht die leut zu rechte gehn, sondern sich in die händel schlug, und als ein vater sie vortrug.
spec. mundi (1590) J 3
b; in recht kommen: daʒ er meint, sölt er mit den von Nürmberg in recht komen an pillichen steten, er gewünn nicht vil an seinen sprüchen.
d. städtechr. 2, 126, 9; sich ins recht begeben: sie weren nicht schüldig .. sich in recht mit jm zu begeben. Luther 3, 49
b. III@3@gg) zu recht stehen,
einer rechtsverhandlung sich unterwerfen: in diesem allen erbiete ich mich stehen zu recht für jederman. Luther 1, 138
b; so thar ich .. gegen solchem schrecklichen heiligen manne, des alles zu recht stehen. 6, 326
b; dasz sie kein christen oder heiden fur gut genug achten vor ihme zu recht zu stehen. Ayrer
proc. 2, 5; er soll, wenn er jemanden zu nahe tritt, zu rechte stehen, wie jeder bauer. Dahlmann
dän. gesch. 1, 462; der herzog von Lothringen erklärte, dasz er .. vor niemand sonst zu rechte stehe, auszer vor dem könig allein. Ranke
sämmtl. werke 1, 79; stenet den klägern zu recht, sonst werdens die eurigen büszen. Göthe 40, 37; doch es komme was will, ich stehe redlich zu rechte. 61; und bringe die klage gegen Reineken ordentlich vor, hier steht er zu rechte. 186; und er soll zu rechte mir stehn, nun mag er sich wahren. 188,
vergl. mnd.: nicht schal he van hir wiken efte gân, he schal mi hir to rechte stâ
n. Reineke fuchs 5624; einem zu recht sitzen,
der rechtsverhandlung warten: er solt ja schier wissen, das ich nach seinem tollen kopf nichts frage, und jm zu recht allzeit gesessen und gewertig bin. Luther 6, 325
a. III@3@hh) zu recht stellen: swelch burger sinen huobner andern enden ze recht stellet denne hie ze Nüremberg, der ist darumbe schuldig dem rihter und der stat zehen pfund haller.
Nürnb. pol.-ordn. 20; ich denke, da er zu rechte sich stellt, von seiner sache das beste. Göthe 40, 153; zu recht bieten, bringen: umb solch sprüch bot sich der vorgenanter herr von Heideck zu recht.
d. städtechr. 2, 123, 11; auch was nicht war, daʒ er sie nicht zu recht het mügen brengen. 125, 13; wie man den frevler endlich brächte zu recht, der schon so vieles verschuldet? Göthe 40, 45,
nach mnd.: he vragede, wat em best stunde to dôn, dat men Reinken to rechte mochte bringen.
Reineke fuchs 1251; zu rechte treiben: du frommer gottesknecht, treib deinen nechsten nicht zu recht, aus lauter boszheit mit den dingn sein sawren schweis an dich zu bringn. B. Ringwald
laut. warh. 120; zu recht fordern: sie foddern mich zu recht, und wollen mit jrem gott rechten.
Jes. 58, 2. III@3@ii) im rechte liegen, schweben, hangen: biszweilen hatten die richter nit die zeit, biszweilen sagten sie es wären die hundstäg und ferien, biszweilen ... hiengen die patroni in kleinern rechten (
prozessen), welche jetzo für sich selbst, jetzo durch denjenigen fleisz ausz dem ersten entsprungen. Schuppius 770; ja wenn dir gleich im recht zu schwebn von jemand wird anleitung gehn. B. Ringwald
l. w. 121 ('man sol sich nicht bereden lassen, eine alte sache zu fechten'); ein jeder der im rechte schwebt, sich selber nur zur helfte lebt. 124; die schwägern und die freunde seind wider einander schlecht, sich beiszen wie die feinde, und schweben hart im recht. 442; dann es ist besser was vermeidn, und etwa kleinen schaden leidn, als hoch geplagt mit hundesfliegn, im ungewissen rechte liegn. 123; mit leuten jetzt im rechte lieg.
tr. Eck. L
a. III@3@kk) recht nehmen von einem,
einen rechtsstreit gegen einen ausführen, als kläger: und auh swas der zolner hawet ze prugge oder ze stegen, da suln si kain reht von in umbe nemen (
ihn nicht verklagen).
Nürnb. pol.-ordn. 303; und hetten sy ichtes ze sprechen hinz uns oder den unsern, da sullen sey recht von den unsern nemen und von uns hie uf dem dinkhus und auch recht halten.
d. städtechr. 4, 153, 31;
als beklagter: dau fiengen die von Augspurg Jörg von Riedheim bei Werd und schluogen im und sein knächten ir häbt ab, wenn er kein recht von ieren armen leuten nämen wolt. 236, 3; einen mit recht vornehmen: darnach namen sie jn mit recht fur, und weil der könig gen Tyro komen war, lieszen jr drei, des rats gesandten, den handel fur jn gelangen, das er darin solt recht sprechen. 2
Macc. 4, 43; dasz wir denselben Jesum mit recht fürgenommen, wir haben aber gleichwol in der ersten instanz die sach verloren. Ayrer
proc. 2, 11; wilt jn ernstlich mit recht vornemen. B. Waldis
Esop 4, 44, 14;
verschieden ist recht nehmen vor dem richter,
was sich zunächst auf die richterliche entscheidung bezieht, oben 2,
d; mit recht scheiden,
im rechtsverfahren den streit zweier erledigen: das thier sprach: kanstus jetzund leiden, das uns disz pferd mit recht mög scheiden? (
indem wir es zum richter wählen). B. Waldis
Esop 4, 99, 138. III@3@ll)
in bezug auf den gegenstand des rechtsverfahrens: den handel zuo recht setzen,
contestari litem. Maaler 327
b; der wirt ward unwürsz, dan er wolt den wyszpfenning haben, und Ulenspiegel wolt im den nit geben, und stelt das in das recht.
Ulenspiegel 80,
s. 119
Lappenb.; darumb auch solche wettungssachen, wann sie ins recht gelangen, .. nicht nach der scherpfe der rechten, sondern der billicheit und gelegenheit aller umbstende nach, sollen entscheiden werden.
Frankf. reform. 2, 26, § 3; sachen und jrrungen, so entweder allbereit an das recht erwachsen, oder aber es an dem ist, und zu besorgen, dasz sie an das recht erwachsen möchten. 27, § 1;
richter. frau, sagt, setzt ir zu recht die sach?
frau. richter, ja, wie es sich halt mach!
richter. freunt, setzt ir eursz auch zu recht?
fastn. sp. 542, 9; etwas wird im wege rechts erstritten, erlangt, erreicht;
hieran anknüpfend, aber mit witziger beziehung auf recht haben
oben II, 2,
a: kurz, Vastola beweist, sie habe recht, mit so viel witz und geist, dasz sich mit ihr herum zu fechten Pervonten wenig edel däucht, und sie mit ihrem haberechten, zu künftgem präjudiz in ähnlichen gefechten, was sie gesucht im wege rechts erreicht. Wieland 18, 198. III@3@mm)
als sprichwörtliche redensart es steht im alten recht,
der alte streit geht weiter, wird fortgesetzt (
vergl.etwas ins recht stellen
oben l): hei, spricht der Wolf mit lachen, gefiel euch dieser schwank? ich stritt aus hasz der städte und nicht um euren dank. gut nacht und glück zur reise! es steht im alten recht. Uhland
ged. 369. III@3@nn)
einige formeln gehen sowol auf das formelle des rechtsverfahrens, als auf das damit in beziehung stehende materielle recht (
oben 2,
b): was ich im nahmen des erlauchten und hochwürdigen erzpriesters zu recht gefordert habe. Wieland 20, 171 (
Abderiten 4, 15,
in einer gerichtlichen rede); alles soll Reineke büszen, was Braun zu rechte begehret. Göthe 40, 31 (
nach mnd.: dat Reinken dit schal werden to lone, al dat Brûn to rechte begert.
Rein. fuchs 893); einen handschuh biet ich euch an, so wie ihn zu rechte jeder fordernde reicht. 40, 205. III@3@oo) recht
endlich, bezogen auf eine beispielsammlung von processfällen nach ihrer verschiedenen natur und verschiedenem verlaufe: als das ich des ein exempel gebe, in der bawren aufrhur nehest vergangen, hat man wol etliche funden, die ungern mit gezogen sind, sonderlich was wolhabende leute gewesen sind .. etliche auch sind mit gezogen, aus vergunst jrer oberherrn, welche sie zuvor darumb gefragt haben. und was dergleichen felle mehr sich möchten begeben haben, denn niemand kan sie alle erdenken, noch ins recht fassen. Luther 3, 318
d. III@44)
wenn bereits in der vorigen bedeutung (3) recht
aus dem sinne des rechtsverfahrens theilweise in den örtlichen und persönlichen begriff des gerichts und der richterschaft hinüberspielte, ohne ihn ausgesprochen anzunehmen, so tritt in einer reihe von fällen dieser begriff bestimmt hervor: stete, merkte adir dorfer, dy in meideburgische rechte legen (
lägen).
Magd. fragen 1, 1, 3,
gleich darauf: stete, merkte, dorfir, dy undir uwir stat gerichte gelegin sint; umb dy beschuldigunge bot sich der man zcu komene vor der stat recht adir vor alle dy recht, dy in des herren lande gesyn mogen, vor den welde her sich verantworten. 3, 9, 3; ein recht besetzen,
einen gerichtshof bilden: da kam von des Nenningers wegen maister Ruedolf und ander gelert leut, die begerten, dasz man in ain recht besatzte.
d. städtechr. 5, 80, 25; also ward ain recht besetzt und waren 13 maister von baiden tailen: da erkant das recht, dasz wir ausz dem bann solten sein. 27; und besatzten die von Münichen das recht nach ir gewonheit. 217, 6; ein recht sitzen lassen: der liesz ein recht über in sitzen (
über einen hochverräter). Aventin.
chron. 2, 218, 13
Lexer; das recht sitzen,
gerichtssitzung halten: der hirsch was schultheisz, sasz das recht. B. Waldis
Esop 2, 27, 15. 4, 94, 19; recht halten: dein gott der .. dich zum könige gesetzt hat, das du gericht und recht haltest.
1 kön. 10, 9; vor, auf recht bieten, laden, stellen, kommen: von dem brauch her haist noch der gemain man für recht pieten, laden, das die lateiner 'citirn' haiszen. Aventin.
chron. 1, 79, 32; wie Caspar Törringer herzog Heinrichen auf das westfälisch recht lued. 2, 551, 4 (
nachher lued herzog Heinrichen auf das westfälisch gericht. 7); wann (
denn) er sie nie für recht lud.
d. städtechr. 2, 125, 14; der wirt .. wolt für das recht nit.
Ulenspiegel 80,
s. 119
Lappenb.; beschlieszen kein ee, kummen ungern für recht. Frank
weltb. 151
a; (
gott wird) dich als einn mörder .. für gericht und recht stellen und fordern. Agr.
spr. 69
a; sie kommend für den richter oder für das recht,
procurrunt in jus. Maaler 327
c; du lügner, komm für recht. Opitz 2, 470, in jus, o fallax atque inficiator, eamus; sich ans recht bringen lassen,
ans gericht: umb geringe ding sol man sich nit ans recht bringen lassn. B. Ringwald
laut. warh. 122; auf recht stehen,
zu gericht, vor gericht. Schm. 2, 25
Fromm.; recht,
gerichtssitzung. ebenda; auch in dem folgenden ist wol recht
als gericht oder obrigkeit verstanden: doch nicht zu jhm (
dem händelstifter) mit feusten schlag, sondern des morgens jhn verklag, und lasz jhn eine halbe woch das recht (=
durchs gericht) verwaren in dem loch. B. Ringwald
laut. warh. 115. IVIV.
dem subst. recht
in der verschiedenen entfaltung seiner bedeutung geht das schwache das rechte
zur seite; vgl. im folgenden unter dem adj. recht.