grundrecht,
n. 11)
das auf grund und boden bezügliche recht (
vgl. comp.-typ. 5 f). 1@aa)
zufrühest ende des 13.
jhs., in österr. rechtsquellen in der bedeutung '
leistung, abgabe für die nutznieszung von grund und boden, grundzins' (
vgl.recht I 2 c): da man unser aller jerlich von dient neun phunt ze rechten purchrechte ... unt vierzich phenninge ... ze rechten gruntrecht (
v. j. 1292) Zeibig
urkundenb. d. stiftes Klosterneuburg 1, 41; daz wir dienen schullen von unserm haus ... sibentzich Wiener phenning ze rechtem gruntrecht hintz der Schotten chloster ze Wien (
v. j. 1335) Hauswirth
urk. d. Benedict.-abtei zu d. Schotten 206; und des der erwirdige herre brobst Rüdwein ze Newnburch gruntherre ist, dem man dient alle jar ze gruntrecht achtzehen Wiener phenninge (
v. j. 1340) Zeibig
urkundenb. d. stiftes Klosterneuburg 1, 276; omnes piscatores ..., quilibet ipsorum tenetur servire ecclesie ... decem denarios pro eo jure, quod vulgariter dicitur gruntrecht
österr. weisth. 7, 969; wann alle stiftung wirt des ersten auflassen mit etlichem gruntrecht
Wiener weichbildrecht, Wiener sitzgsberichte 36, 102; item ainem pfleger zu Liechtenberg sollen järlich in der nachbschaw die gruntrecht, darzue den mülln ir gerechtigkait gegeben werden (
hs. d. 17.
jh.)
österr. weisth. 1, 260. 1@bb)
rechte und gerechtsamen, die aus der grundherrlichen verfügungsgewalt entspringen (
vgl. grundgerechtigkeit): von grundrechten (
überschrift) Hohberg
georg. curiosa 1, 44; es giebt allerdings freischultiseien von ... beschränkteren grundrechten Holtei
erz. schr. 4, 42; unsere stadt fischte sich ... eine menge anderer grundrechte, die alle einst dem Johanniterhof ... gehört hatten Gutzkow
ritter v. geiste 3, 46;
die '
grundherrliche gewalt'
selbst, '
eigenthumsrecht':
gr.,
dominum directum Stieler 1550,
vgl. Krünitz 20, 285; (
sie) theilen ... den kriegsleuten ... länder aus, mit vorbehalt des grundrechts, doch ohne aufgesetzte satzungen Arnold
wahrhaft. beschreib. (1672) 120; dadurch, dasz sie (
die compagnie) sich das
gr. und eigenthum der länder allein vorbehält Forster
s. schr. 1, 82;
aber auch '
das recht, auf eines andern grund und boden ... etwas zu bauen ..., auch das platzrecht genannt' Krünitz
a. a. o.,
vgl. Stieler 1550;
abseitigere verwendungen vereinzelt: '
grundgericht': wann eine fälligkeit ... sich ereignet, kan der grundherr das grundstuck für sich selbst nicht einziehen ..., sondern er musz ein
gr. durch unverdächtige darzu erbettne unparteyische personen besetzen Hohberg
georg. cur. 1, 44;
wohl wie '
grundruhrrecht' (
s. dort): wir ... sein baidenthalben über ain komen, daz wir allew gruntrecht abgenomen haben, wann wir versten und wol enpfunden haben, daz sie der arbeit auf dem wazzer schedlich gewesen sind, und wellen, daz furbaz niemand darumb an gevodert ... werd Wittmann
monumenta Wittelsbac. 2, 524 (
v. j. 1375). 22) '
fundamentales recht, ursprüngliches recht' (
vgl. comp.-typen 5 o
und p): (
dein liebster) ... weisz dir, wenn er dich mit lieb und feuer küszt, das grundrecht der natur mit nachdruck zu erklären Chr. Günther
ged. 598; seine (
Kellers) derbheit geht ... nur so weit, als sie namens des ur- und grundrechts der poesie gehen darf Vischer
altes u. neues 2, 206;
seit der mitte des 19.
jhs. in specifischerem sinne die '
politischen und sittlichen rechte und freiheiten, die aus dem natürlichen recht entspringen',
die sog. '
allgemeinen menschenrechte',
die '
urrechte der menschen',
vgl. Sacher staatslex. 2, 939
ff., z. b. gleichheit aller vor dem gesetz, freiheit der religionsübung u. s. w.: Boie kannte den sonderbaren schwärmer für die grundrechte der menschheit zur genüge Weinhold
Boie 130; das recht, häuser zu bauen, gehörte zu den grundrechten der menschheit Freytag
ges. w. 6, 25; sie stützte sich ... auf ein protestantisches dogma, auf das
gr. des freien forschers Riehl
dtsche arbeit 307; Fichtes verlangen, dasz der staat die pflicht habe, jedem bürger das sittliche
gr., von seiner arbeit leben zu können, vollauf zu gewährleisten Windelband
gesch. d. neuer. philos.4 2, 229; die grundrechte Jehovas, die zehn gebote Hebbel
tageb. 3, 443
W.; als staatsrechtlicher begriff im entwurf der reichsverfassung vom 28. iii. 1849,
abschn. vi: die grundrechte des deutschen volks; wir sind bei der zweiten (definitiven) beratung der grundrechte
br. von u. an Herwegh 236; die grundrechte der Frankfurter verfassung Lagarde
dtsche schr. 83; eine verfassung ohne die sog. 1849er 'grundrechte' (
sei) ... nimmermehr annehmbar Bennigsen
d. nationalliber. partei 38;
vgl. artikel 48
der Weimarer reichsverfassung v. 11. viii. 1919;
etwas anders: das gegentheil von dem, was wir hier feststellen (
könnte) zu einem grundrechte der Deutschen erhoben werden Bismarck
polit. reden 1, 119; das
gr. der monarchie, die unabsetzbarkeit der auf eigenem rechte ruhenden staatsgewalt Treitschke
dtsche gesch. 4, 507. —