zurecht,
adv. ,
in enger verbindung mit verben wie bringen, finden, kommen, legen, machen
u. ä., erscheint in Luthers
schriften und in seiner bibel, z. b. Jer. 8, 4;
Matth. 17, 11;
Mark. 8, 25,
wird vielfach angeführt bei Frisius 246
b; 271
a; 416
a;
u. ö. nur in der form entspricht es dem mhd. ze rehte,
das ursprünglich und eigentlich der rechtsspr. angehört, dann weiter '
gebührend, geziemend'
bedeutete mhd. wb. 2, 619; 622
b; Lexer 2, 377.
diese bed. kennt auch noch das ältere nhd. bis ins 17.
jh. s. th. 8, 365: kan mir also niemand zue rechte ubel deuten Opitz
von d. d. poeterei 5
ndr.; ich hab zwar meinr bartey thun sagen, sie solt sich gütlich vertragen zurecht mit ihrem widerbart H. Sachs 13, 96
K.; lern erst,
was freiheit will zurecht bedeuten, eh wort und wahlspruch du entlehnst von ihr Grillparzer 3, 131
Sauer. gehalten haben sich formelhafte verbindungen der rechtsspr., wie zu recht bescheiden, erkennen, heischen, stehen,
s. th. 8, 374, 384.
noch lebendiger ist wohl zu unrecht.
dazu gehört das adj. zurechtbeständig Hippel
lebensläufe 2, 439.
alles dies unterscheidet sich durch die selbständigkeit der beiden theile und die entsprechende betonung von dem zur einheit gewordenen zurecht,
hinter dessen bedeutung das adj. recht
steht. den übergang können wendungen wie ze rehte helfen, setzen
vermittelt haben. das nhd. zurecht,
das dem mnd. ebenso fremd war wie dem mhd., ist vom hd. ausgegangen und von da ins nd. und nl. übernommen und weiter ins dän. tilrætte
und schwed. tilrätta.
die form zurechte
war dem 17.
und 18.
jh. auch auszer dem verse angenehm und erscheint auch noch später, wie die belege zeigen, bes. bei Göthe,
ist jetzt aber nicht mehr üblich. die verbindungen von zurecht
mit den verben erscheinen uns, wenn auch in verschiedenem grade, als zusammensetzungen, was sich in der immer mehr durchgesetzten zusammenschreibung zeigt, s. Duden
9 562.
darin hat es verschiedene bedeutungen; die sich auf die vorstellung des rechten weges
zurückführen lassen, s. th. 8, 388.
es drückt aus 11)
räumlich den rechten weg: wo ist jemand, so er irre gehet, der nicht gerne wieder zurecht käme
Jerem. 8, 4;
redire in viam wiederumb zurückkehren, zurecht kehren Corvinus (1603) 274; welche im .. wald verirret gewesen und durch meine music waren zurecht gebracht worden Grimmelshausen
Simplic. 13
ndr.; neulich hatte ich mich in einem nebel verirret, und da zeigte mich ein stockblinder bettler zurecht H. P. Sturz
schr. 2, 393. sich zurechtfinden, -fragen; einen zurechtweisen. 22)
die rechte zeit und gelegenheit: aber sich ich nit Phidippum eben zerecht (
ad tempus) herusz gon?
Terenz deutsch (1499) 161
a; vergangen donnerstag abendts habe ich ewer liebes schreiben vom 21/31 mertz zu recht entpfangen Elis.-Charl. v. Orleans 1, 131
Holland; wir kämen auff den krieg wol wieder was zurechte; wenn nur nicht aug und mund, pracht, schwälgerey uns schwächte Logau 592
Eitner; Hühnchen kam eben noch zurecht, mit seinen unzähligen paketen in einen wagen zu klettern H. Seidel
Leb. Hühnchen 82; es kommt einer eben, gerade noch, immer zurecht. 33)
die rechte lage: thue ihr (
der mutter, deren kind schlecht gelagert ist) pfeffer und nieswurtz .. in die nasen, so schütt sich der leib, und kompt die frucht zu recht Gäbelkover
arzneib. 2, 46; doch soll ein hebam die mutter zu recht schieben, so offt es sein bedarf 2, 67; das küsse zerecht legen Maaler 514
b; ich habe meinen stock zurechte gestellt Lichtenberg
br. 2, 4
L.; sie legte ihren kringen (
auf dem kopf für den krug) zurecht Göthe 19, 11
W.; (
er) zog mühsam das docht der halbverloschenen lampe zurecht Eichendorf
s. w. 3, 387.
von personen in reflexiven wendungen: Malwend legte sich .. zum tode zurecht Klopstock
Hermanns tod 2.
sz.; dann rückte er sich auf seinem koffer zurecht Eichendorf
s. w. 3, 389; ich setzte mich wieder zurecht und legte meine .. hände auf die tasten Storm 4, 176. 44)
überhaupt die rechte ordnung. 4@aa)
für die benutzung oder verwendung: aptare zerächt machen Frisius 109
a; doch ... sasz der mahler in der stube und machte die farben zu rechte Chr. Weise
die drei ärgsten narren 12
ndr.; der übersetzer, .., der ein solches stück für die deutsche bühne zurechtpassen will Sonnenfels
ges. schr. 6, 208; wir lieszen ... etliche stücke land umgraben und
zurechtmachen und säeten europäisches gartengesäme hinein G. Forster
s. schr. 1, 176; ich fing schon bei licht an und konnte keine ordentliche feder zurechtkriegen
aus Schleiermachers leben 2, 322; ich bat den wirth, dasz er mir eine stelle in seinem stalle für meinen fuchs zurecht räumen möchte Stifter
s. w. 2, 229; dann ... zählte (
er) .. das geld für Hackert zurecht Gutzkow
ritter vom geiste 3, 366. 4@bb)
im anzug u. ä., bes. mit rücksicht auf das ordentliche aussehn: das haar zerecht strälen Frisius 183
b; ein kleid zerächt machen und zierlich ordnen Maaler 514
a; sie drückte das geflechte der goldenen haare zurechte Sal. Geszner
w. (1778) 2, 46; Gretchen ... rückte ihr häubchen zurechte Göthe 26, 313
W.; sein einziger fehler als redner war, dasz er sich etwas lange vorher räusperte, den kragen zurechtschob usw. Tieck
schr. 9, 22.
vgl. zurechtmachen. 4@cc)
im denken, durch geistige verarbeitung: weil ich, in mich gekehrt, das viele was ich erfahren hatte, zurecht zu legen, das was auf mich gewirkt, zuverarbeiten trachtete Göthe 28, 293
W.; ich fuhr fort, das bisherige poetische durchzusehen und zurechtzurücken III 13, 72
W.; wer sich mit andern, von uns früher angedeuteten versuchen schon bekannt gemacht hat, der wird sich auch hier eher zurecht finden II 1, 93
W. 4@dd)
im verhältnis zum leben und handeln, mit dem man fertig werden musz, wie zurande, zustande
u. ä.: wir könten gern mit der hälfte unsrer glieder zurecht kommen H. P. Sturz
schr. 2, 392; wann ihre mahler schon bey blumen, bäumen, thieren und landschaften noch so ziemlich zurecht kommen Zimmermann
v. d. nationalstolze 292; das sind dinge, mit denen ich mich unter frohen menschen oft nicht mehr zurechtfinde Jac. Grimm
an Dahlmann 1, 66; sobald Motz sich in seinem neuen amte zurecht gefunden hatte Treitschke
dtsche gesch. 3, 478; für jetzt müssen wir ... sehen, auf welche weise er sich im leben zurecht findet W. Raabe
hungerpastor 1, 25.
ebenso zu menschen: kundt mit in (
deinen freunden) kommen nie zu recht, ihr seidt ein bösz, verflucht geschlecht Burkh. Waldis
Esopus 1, 17
Kurz; unser bruder .. sieht wohl ein, dasz er weder mit pächtern noch verwaltern zurecht kommt Göthe 24, 261
W. ohne nähere bestimmung: wer mit dem leben spielt, kommt nie zurecht Göthe 5, 106
W.; ach sieh! wie schöne pflanzt sich ein das völklein dort im schattenhain; ist wohl zurecht und wohl zu muth, zäunt jeder sich sein kleines gut 16, 4
W. 55)
die herstellung einer gestörten ordnung. 5@aa)
der glieder und der gesundheit: darnach leget er abermal die hende auf seine augen, ... und er ward wider zu rechte bracht, das er alles scharf sehen kundte
Mark. 8, 25; wenn ein glid, das verrenckt oder auszgefallen ist, widerumb zerächt oder in sein gleich kompt Frisius 123
a; disz tranck legt die mutter zurecht Gäbelkover
arzneib. 2, 25
vgl. o. 3; so wird das rosz wieder zurechte Mart. Böhme
roszartzney (1618) 11; das bad ... hatte mich ziemlich zurecht gebracht, allein auf meinem marsch hat sich mein bein wieder verschlimmert Pfeffel
pros. vers. 5, 60; (
sie) fluchten und renkten sich die arme und die beine zurecht O. Ludwig 2, 25
E. Schm. ähnlich: der wein kommt wider zurecht Hohberg
georg. cur. 1, 379
b. 5@bb)
von gegenständen: edolo zerächt machen, erneuweren, seuberen, verbesseren Frisius 459
b; das böse wetter, das zun zeiten die gewercken nicht mit kunst noch kosten besser machen und zurecht bringen mögen Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1621) 181; ich mögte wünschen, dasz Churpfaltz dasz libe schlosz auch wider wolte zurecht machen laszen Elisabeth-Charl. v. Orleans 2, 97
Holland; die cousine nähte meine handschuhe zurecht Bismarck
an s. braut u. gattin 186; zitternd drückte er die backsteinplatte wieder zurecht G. Keller
w. 4, 225. 5@cc)
von menschlichen verhältnissen und zuständen: Elias sol ja zuvor kommen und alles zurecht bringen
Matth. 17, 11; so helfet ihm wider zurecht mit sanftmütigem geist
Gal. 6, 1; welcher drey strittigkeiten hat, der richte zwo, wann er kan, zurecht Schupp
schr. (1663) 771; auch sie (
die vorwürfe) weisz ich zurecht zu legen Göthe IV 9, 91
W.; was ganz wie ein schlecht zurechtgelegter schreibfehler aussieht Ranke 39,
anh. 63.
von irrthümern: indem sie viele verkehrte begriffe von dem werth der dinge zurecht setzen Breitinger
crit. dichtk. 1, 377; es würde unbillig scheinen, ... einem wohldenkenden manne wehe zu thun, weil er sich nicht zurechte finden kann, so bald er sich aus dem felde der naturlehre verloren hatte Kant 3, 488
ak. 5@dd)
vom handeln und verhalten der menschen, bes. der zu erziehenden: sihe, das were eyn rechte weysse, eyn sundigs weyb wider zu rechte bringen Luther 10, 1, 1, 665
W.; dasz sie gott doch einmal lasse so zurecht werden, dasz sie mit ernst ein concilium müssten fürnehmen
br. 4, 622
de Wette; sie wuszte mich ... in manchen kleinen äuszerlichkeiten zurecht zu führen und zu verbessern Göthe 27, 63
W.; hab ich endlich mit vielem fleisz, ... meinen mündel Hanswurst erzogen und ihn ziemlich zurecht gebogen 38, 47
W.; Jobst ... war ganz verloren und konnte sich nicht zurecht finden G. Keller 4, 265; kein bericht wird je darüber sprechen, ob ein minister mit so und so viel mühe eine störrige mähre von fürsten zurecht geritten hat Lagarde
dtsche schr. 447; einen zurechtfuchteln J. G. Müller
die herren v. Waldheim (1787) 1, 87, -drillen
F. Wehl
am saus. webst. d. zeit 1, 6; einen zurechtbringen, -setzen, -stellen, -stoszen.
in stehender verbindung einem den kopf zurechtsetzen Lehmann
flor. (1662) 1, 101, zurechtrücken Gellert
w. 3, 262. 66)
die zurichtung von gegenständen für einen besonderen zweck. 6@aa)
von werkzeugen und werkstoff: grabstichel und dergleichen kleines geräth lernte er sehr bald zurecht feilen Müller v. Itzehoe
Siegfried v. Lindenberg 1, 215; sonntags, nach dem gottesdienst, ja dann posselt man so etwas kleines für sich selbst zurecht maler Müller 3, 113; tag für tag hämmert er schiefer zurecht O. Ludwig 1, 195
E. Schm.; ebenso etwas zurechtdrechseln, -hobeln, -klopfen, -kneten, -schmieden, -schneiden, -schneidern, -schnitzen, -schustern, -zimmern.
manchmal gleichbedeutend mit zusammensetzungen mit zu,
man vgl. zuschneiden und zurechtschneiden. 6@bb)
die zubereitung von speisen und genuszmitteln: die flaten sind zurecht gemacht Erlach
volksl. der Dtschen 3, 61; (
er) befahl, ... coffée zurechte zu machen Schnabel
insel Felsenburg 17
lit.-dkm.; lassen sie dieselbe (
m. tochter) einmal ... eine butter zurecht machen Just. Möser
s. w. 2, 45; beiden macht ich was zurechte, rupfte gleich die jüngsten tauben Göthe 3, 178
W. 6@cc)
gelegentl. überhaupt das fertigstellen: auf jene nachricht habe ich mir schon einen vollständigen plan zurechtgebaut J. H. Vosz
Göthejb. 5, 66. 77)
was mit rücksicht auf einen zweck und auf den schein in seinem wesen verändert wird. dadurch schlägt es in seinen gegensinn um und bekommt den tadelnden sinn des unechten, geschmacklosen: der inhalt ist lug und trug, alles zurechtgestellt und gefälscht Varnhagen v. Ense
tageb. 6, 153; in Blücher sah er den 'husarengeneral', dem eine excentrische partei eine popularität zurecht geredet habe, welche weit über seine befähigungen hinausreiche Droysen
York 2, 85; was das theater ist: immer ... etwas vergröbertes, etwas für die massen zurechtgebogenes, zurechtgelogenes! Nietzsche 8, 40.
allgemein üblich in wendungen mit refl. dativ: da kann es denn so weit kommen, dasz er aus liebe zur sünde eine eigene religion sich zurecht macht L. Hofacker
pred. 896; einzelne solcher käuze, wie jene ..., die ... sich auszüge und auswanderungen der Germanen und ihrer zweiten oder dritten Odine gegen westen zurechtgefabelt haben E.
M. Arndt
für u. an s. l. Deutschen 4, 306; dasz er sich nachträglich eine rechtfertigung für das ergebnis des krieges zurecht machte Bismarck
ged. u. er. 1, 217
volksausg. mehr mit behaglicher ironie in wendungen von der bereitung von speisen und daran anknüpfend, wie sonst zusammen: die beiden (
frauen) werden ihren wohlthätigen kohl zurecht kochen G. Freytag
verl. handschr. 3, 347; diejenigen ..., welche damals der katholischen welt die saubere bescheerung des concils zurechtbrauten Justi
Winckelmann 2, 1, 115; er hat sich etwas schönes zurecht geredet; sich etwas zurechtlügen, -schwindeln.
vgl.was rechts
th. 8, 396.
in der folgenden reihe werden die verbalen verbindungen mit zurecht
aufgeführt, welche begrifflich zusammengeschmolzen sind oder die mannigfache entfaltung der bedeutung zeigen.