gilfen,
vb.,
schreien, seitenform zu gelfen (
vgl. teil 4, 1, 2, 3014). gilfen
entspricht älterniederl. ghilpen, '
pipillare'
; vgl. ablautendes gülfen (
teil 4, 1, 2, 3014
sowie 4, 1, 6, 1071),
dazu noch dän. gylpe '
schluchzen, wie ein rabe schreien',
weiteres bei Falk-Torp 363, Walde-Pokorny 1, 628.
mit dem letztlich lautnachahmenden charakter der sippe hängt wohl die sonst schwer erklärbare bildung von gilfen
zusammen; gilpen, gilfen
im elementarablaut zu galfen, galpen
teil 4, 1, 1, 1160.
doch vgl. unten gillen.
vereinzelt als gilpfen: das hünlein pfipffset und gilpffet
Straszburger quelle von 1637
in d. zs. f. dt. wortf. 11, 172.
mundartlich heute bes. schwäbisch lebendig, doch auch sonst verbreitet, s. unten. literarisch besonders im schwäbischalemannischen neben gelfen
geläufig. hier ist auch mit der rundung gülfen
zu rechnen, sieh Fischer
schwäb. 3, 658.
bis ins 18.
jh. in der bedeutung '
klagend schreien'
besonders in geistlichem schrifttum gängig: auch die wilden thier werdend zu dir gilfen, wie die wasserbäch ausgetrocknet seind
Züricher bibel (1530) 426
b; auch uberkommen die klosterleut wol so vil von den freunden durch teglich gilffen und geylen, das sy jre erbschafft auch bey bringen Eberlin v. Günzburg 133
ndr.; stehend im zusammenklang und reim mit hilf, hilfst
u. s. w. sowie in synonymischer, steigernder verbindung: umb hilff ich gilff zu dir, Christe Hans Sachs 22, 104
lit. ver.; mein gaist nach deiner (
gottes) hilff zu gilfen (tag und nacht gewartend deines trosts) mit schwachheit wird beschweret G. R. Weckherlin
gedichte 1, 382
lit. ver.; wann er in angst laut schreit und gilfft, doch niemand hilfft Burkard Waldis
psalter (1553) 27
b; da wirt ruffen zu gott seyn mit wehe, zittern, zagen, gilffen, schreyen, ... mit heulen vnd weinen
volksbuch v. dr. Faust 37
Braune; hilf, Jesu, hilf, ach, Jesu, hilf. wer das begehrt, schrei, seuftz und gilf Joh. Val. Andreä
bei Fischer-Tümpel 3, 250; kannst du nicht mehr gilffen, so seuffze Otho
evangel. krankentrost (1671) 248.
nach dem ende des 17.
jh. seltener: hör ich dich doch offt selbsten gilffen: ich liege gefangen im kercker der sünden J. D. Frisch
neuklingende harpfe (
Stuttgart 1719) 1232; gilffen und seuffzen
ebenda 547; gilffen und lamentieren
ebda 282;
vgl. noch: sattgeplagte müde seele, ausgegilfter matter geist, auf, verlasz die kammerhöle! Magd Sib. Riegerin
ged. neueste samml. (
Carlsruhe 1754) 131.
im neueren schrifttum nur noch als lautmalendes wort für helles, hohes, klagendes schreien von tieren: mit verlust des schwanzes, der unter jämmerlichem gilfen (
des vogels) dem fänger in der hand blieb G. Gerok
Karl Gerok ein lebensbild (1897) 292; ganz eigentümlich ist der ton (
der weiszwale) ... derselbe gleicht dem gilfen eines ferkels und ist sehr durchdringend und laut
M. Th. v. Heuglin
reise in Norwegen und Spitzbergen (1872) 1, 122; von auszen hörte er schon das schluchzen und gilfen des hundes, der ihn erkannt hatte E. Strausz
kreuzungen (1925) 156; 108.
diese neuere verwendung greift auf die mundart zurück, in der das wort lebendig geblieben ist; vgl. besonders schwäbisch gilfen, '
vom wimmern des kranken, vom schrillen schrei des getretenen hundes, von dem leisen ton junger vögel' Fischer 3, 658; gilfa '
klagen, betteln' Kuen
oberschwäb. wb. 19; gilfen '
laut schreiend und schnell reden' Vilmar
kurhess. 126 (
Schmalkalden); '
schreien, zanken' Reinwald
henneb. 2, 156; Ruckert
unterfr. 61; '
schreien, singen wie die hühner (
Aschaffenburg)' Schmeller-Fr. 1, 901; gilpen '
einen schwachen feinen ton von sich geben, winseln junger hunde, piepen junger hühner etc.' Crecelius
oberhess. wb. 422; gilfen
vom schreien junger vögel Hertel
Thür. 106;
Salzungen 16; gilpen '
schreien wie enten und kinder' E. Krüger
Emden 54;
ebenso mecklenburg. vom huhn, s. zs. f. dt. wortf. 11, 173.
vgl. dazu gilfer '
schreier' Ruckert
unterfränk. 61; gilferin '
zänkerin' Reinwald
henneb. 2, 156. —