gezeug,
gezeuge,
substantivbildung ,
an der sich verschiedenartige verwendungen und ableitungen von einem stamm, zugleich aber auch beeinflussungen aus anderen stämmen nachweisen lassen. die durch besondere züge abgehobenen gruppen sollen im folgenden für sich behandelt werden, um so mehr als sie ihre eigenart in der neueren entwicklung immer schärfer betonen: einzelne gruppen sind der neueren sprache ganz abgestorben (
vgl.gezeug II
und das nomen actionis von gezeug III)),
andere haben sich —
unter abstreifung des präfixes —
durch die differenzierung des auslautes neue merkmale geschaffen, vgl. zeug für gezeug I
gegen zeuge
dem nomen agentis zu gezeug III.
um aber in dieser verschiedenartigkeit nicht auch das gemeinsame aus dem auge zu verlieren und um die möglichkeit einer für alle spielarten geltenden erklärung nicht von vornherein preiszugeben, soll der sonderdarstellung ein gesamtüberblick vorausgeschickt werden, der auch solche bildungen würdigt und zur aufklärung heranzieht, die im sprachgebrauch keine spuren eingegraben haben. 11)
der auffallendste gegensatz, der in der bedeutung von vasa, instrumenta (gezeug I)
gegenüber von testimonium
und testis (gezeug III, gezeuge)
entgegentritt, gilt für die ältere schicht der belege noch nicht, da die beiden letzten gruppen erst aus der mittelhochdeutschen zeit beobachtet sind. das ist für die erklärung in mehrfacher hinsicht ein fingerzeig. der ausgangspunkt der erklärung ist zunächst allein in der ersten gruppe zu suchen, und dann zu fragen, ob für die zweite gruppe in dem engeren sprachkreis, mit dem sie zunächst ans licht tritt, besondere anhaltspunkte zu gewinnen sind. auszerdem ist aber für eine dritte gruppe dadurch die entscheidung gegeben. schon im Hrabanisch-Keronischen glossar ist gebucht: genitalia, caciugi, kiziuki
s. Steinmeyer-Sievers 1, 164;
vgl. dazu: daʒ hâr reiset auʒ ... an den mannen, die maiden sint und ir gezeug nicht habent Conrad v. Megenberg
buch der natur 7;
vgl. auch die bildung gezeuglein (
s. d.)
für das lat. testiculi. es liegt nun nahe, die in der lat. sprache aus zwei verschiedenen stämmen erwachsene lautverwandtschaft von testis, testimonium
und von testiculus
auch für die deutsche ähnlichkeit von bezeugen
und erzeugen, zeuge
und zeugung
heranzuziehen. als vorbild für diese bedeutungsentwicklung kann aber —
wie sich aus dem obigen ergibt —
das lat. testis
nicht in betracht kommen; wohl aber wird das lateinische analogon den späteren gebrauch gestützt haben. 1@aa)
ähnlich wie dieses fremdsprachliche analogon mag auch ein deutsches zu bewerthen sein: schon unter gezau,
s.gezäh
sp. 6877
ff. ist auf die enge berührung mit gezeug
aufmerksam gemacht worden, die in den varianten der alten glossenhandschriften ebenso wie in denen der handschriftlichen überlieferung literarischer texte entgegentritt und sich auch sonst in verbindungen und zusammenstellungen äuszert: vgl. vasa, gizou
Regensburger handschr. des 10.
jahrh. zu Jeremias 21, 4; giziuch
Tegernseer des 11.
jahrh. und ältere s. Steinmeyer-Sievers 1, 630;
suppellex, gizaw
St. Gall. handschr. d. 10.
jahrh. 2, 496;
subpellectiles, kiziugi 1, 620; und er deʒ selben alleine ist ein gezOewe (
var. gezöge) Seuse
s. 164; gezowe (gezüge) 167
vgl. oben sp. 6878; hegondin zu bereitin gezouwis und gereitis gnûc, des zu gebûwe was vûc. Nic. v. Jeroschin 10101 (
Dresdener handschr. geczeuges);
vgl.gezewg
neben gezew, gezau
bei Luther
u. a. s. oben sp. 6882; andere künstler müssen zeug und gezau haben Mathesius
Johannes 20
a s. oben sp. 6882; gezähe oder gezeug J. Hübner
natur-kunstlexicon (1712) 577
u. a.; vgl. auch sturmgezau
sp. 6879, kampfgezau
u. a. feuergezau, schrîpgezau
gegen kriegsgezeug, feuer-, schreibgezeug
u. a. 1@a@aα)
diese berührung erstreckt sich jedoch im wesentlichen nur auf den bedeutungsumfang des instrumentum,
der die sinnlichen verwendungen von gezeug I
nur zum kleinsten theile umfaszt. und auch innerhalb des begriffes von instrumentum
gehen die verwendungen von gezau
und gezeug
sowohl landschaftlich als auch in den bedeutungsfärbungen viel auseinander. für das handwerkzeug der fischer ist gezau
vor allem aus mitteldeutschen zeugnissen belegt, während gezeug
hier nach süden ausgreift. niederdeutschen denkmälern entstammt gezau
für die ausrüstung zur schiffahrt und ebenso für die fahrzeuge auf dem lande, die wagen, während gezeug
durchaus hier nur das, was gefahren wird, umfaszt. in der weberei kennzeichnet gezau
den webstuhl, während gezeug
hier entweder allgemeinern begriffen dient oder entsprechend seiner verwendung für den begriff materia
und für die bedeutung des verarbeiteten
auch den begriff textilis
zum ausdruck bringt, der bei gezau (
s. sp. 6881)
nur selten beobachtet ist; neben: ein iglich handtwerksman verschost mit seinem handtwerge das gezeugk, dae er sein handtwerck mit arbeit, als gezaw, fas, beil, barten, hamer, amboss, cheren. und dergleichen
Eisenacher verordnung für die weber 14.
jahrh. s. oben sp. 6882;
vgl.: tuch ... gt von zúg
tuchpolizei zu Freiburg (1476)
ztsch. gesch. Oberrh. 9, 146; von gtem zúge und hare (1486) 9, 149
s.zeug in weisszeug, leinenzeuge.
die engsten berührungen finden innerhalb der bergmannssprache statt, wo gezau
und gezeug (
s. oben sp. 6881)
thatsächlich meist als synonyma erscheinen und höchstens insofern gelegentlich auseinandergehen, als gezeug
nicht nur den begriff des gerätes
deckt, sondern auch den des vorrats
durchschimmern läszt. wo sich die begriffe decken, sind landschaftliche abweichungen wahrzunehmen, indem bei der form gezäh
für gezau
mitteldeutsche, vom niederdeutschen aufgenommene, neigungen den ausschlag gegeben haben. 1@a@bβ)
diese thatsachen kommen jedenfalls dem versuch nicht entgegen, gezeug
und erzeugen, zeugen (
vgl. unten gezeugen)
auf gezawa
und zawjan (
exercere s. oben sp. 6877)
zurückzuführen und die unterschiede aus späteren lautvorgängen (
guttural statt labial)
zu erklären. allerdings liegt gerade im verbum der punkt, wo die beiden sippen am engsten sich berühren und wo für die bedeutungslehre auch ein ausgang zu finden wäre. aber diese berührung kann ja auch secundär zustande gekommen sein und braucht nicht den ausgangspunkt zu bilden; abgesehen davon, dasz sich dann Osthoffs
hypothese empfehlen würde, die guttural und labial schon im urstamm vereinigt wissen will. die beweisbaren momente, mit denen unsere darstellung zu arbeiten hat, erlauben nur den nachweis, dasz in späteren litterarischen belegen eine immer wieder sich wiederholende beeinflussung und berührung zwischen beiden gruppen stattfindet, die verständlich und erklärlich wird, auch wenn man gezeug, zeugen
ganz und gar zu der sippe stellt, an die es sich zunächst anschlieszt. 1@bb)
bedeutsam ist hier die glosse: vasa transmigrationis, giziuch (
neben geziuch virword) Steinmeyer-Sievers 1, 643 (
vgl. nim dein wander gerete und zeuch am liechten tage davon ... von einem orte soltu ziehen an einen andern ort Luther
Hesekiel 12, 3).
bei der genauigkeit, mit der die glossen sämmtliche bestandtheile einer lateinischen wortverbindung im deutschen wiederzugeben pflegen, fällt die kürze des deutschen wortes in einigen handschriften auf. giziuch
giebt hier nicht, wie sonst so oft (
s. u.)
blosz den lateinischen collectivbegriff vas
wieder, sondern den hausrath, als ein geräth, geschirr, das auf die wanderschaft, auf den zug mitgenommen wird. hierin liegen zahlreiche verwendungen des substantivs begründet und ist eine art der anlehnung an ziehen (
vgl. auch Meringer
indogerm. forsch. 19, 544)
und an die zugehörigen verbalsubstantiva (
s. u.)
bestimmt. damit ist das substantiv lebensvoll in den rahmen der wanderzüge und kriegsfahrten eingestellt, gegen: ob die stett ... des zugs und der hilff über die berg gen Rom zu ziehen ... überhebt werden möchten
schwäb. bundesvers. zu Geislingen 1495
s. Klüpfel 1, 168;
vgl.: as nu die vrauwen begunden uis zu ziehen mit wagen und karren umb houltz zu halen ... die viant ... braechen ... up ind wolden si upsetzen mit irem gezuige Koelhoffsche
chronik s. dtsch. städtechron. 13, 299
u. a. vgl. die varianten sinen zug ... sinen geczeuk
zu sin varende gut
im Sachsenspiegel landr. 1
art. 15 § 1. 1@b@aα)
es ist nicht ganz sicher, ob in dem vorletzten zeugnisse sächliches oder persönliches subst. vorliegt. denn die verwendung von geziug, gezeug,
die am weitesten von gezau
sich entfernt, faszt eine gruppe von personen zusammen, vgl. reisiger gezeug, zeug (
s.gezeug II);
vgl.: ind als Maria wirt genoempt in dem boich canticorum erschrecklich als ein spitz von eime stritberlichem gezuge Koelhoffsche
chron. s. dtsch. städtechron. 13, 287 (schrecklich wie die heerspitzen Luther
hohes lied 6, 9). 1@b@a@11))
in diesem gebrauch knüpft das substantiv in anderer weise als gezeug I
an das nomen actionis zug
an, indem es nicht die begleitbestimmung, sondern das subject des verbs erfaszt, wie heute noch zug
im sinne eines reiterzugs festzugs, pilgerzugs: wurden alle trummeter ... zuo blasen bewegt durch den gantzen zug hindersich ... als lang der zug was
krieg des schwäb. bundes gegen herzog Ulrich s. Baumann, bauernkrieg in Oberschwaben 760.
in manchen belegen ist es strittig, ob mehr an das geschehnisz oder an die personen gedacht ist, die daran theilnehmen: si zogten für daʒ bürgtor. daʒ wart gesagt hern Hector, der wâpent sich minniclîch, des gezoges was er freudenrîch. Jansen Enikel
weltchronik 15 942.
die varianten zu dieser stelle (gezeuges, zoges, zuges
u. a.)
zeigen eine mannigfaltigkeit von formen, die sich nicht blosz aus den schwankungen in der schreibung der vocale und des diphthongen (
vgl. z. b. Braune
althochd. gramm.3 § 49
u. a.)
erklärt, sondern die auch auf eine verschiedenheit in der deutung und in der anlehnung an die zuständigen präfixlosen substantiva weist. doppelformen mit u
und o,
sind bei dem verbalsubstantiv zug,
ductus (
vgl. Graff 5, 611)
beobachtet und ihnen entsprechen varianten der präfigierten bildung, vgl. auch sp. 7006
und s. gezog. 1@b@a@1@aa))
für das collectiv in beziehung auf personen: du rief Gerhart der wechter offe dem kirchentorne das ein grosz gezug von gewapenden luden hielten of Linther pusse
Limburger chronik 103
Wysz u. a.; der marckgrave ... diewil er ein kleine gezug hette ... hat er sie nit angegriffen Cochläus
v. aufruhre d. bauern (
Baumann 1)
s. 790
u. a. (
s. u.).
dazu vgl. die mischform: agema, ein rott oder hauf, ein gezOeg Cholinus - Frisius (1540) 47;
gegen materia ... gezüg 539. 1@b@a@22))
für das nomen actionis: nu hOeret wen der herzoge hie fuoret in siner schar gezoge. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Oesterreich 16630; als ir uns von der lewff wegen des getzogs gen Beheim verschriben und gebetten habt
Nürnberg an Ulm s. dtsch. städtechron. 2, 36;
vgl. dazu: di zogen ... mit grosser gewalt ober den herren von Meilon ... der zoch unde reise werte binach ein ganz jar
Limburger chronik s. 55
Wysz; desgl. 85; — umb eingen gezog ze tuond
Basler chroniken 5, 95; und alle die des gotzhus aigen sint, die sont han ainen frien gezog, ob sich ainer anderswa basz mag began, denn hinder dem gotzhus
vogtbuch v. Alpirsbach (15.
jahrh.)
s. Reyscher 38. 1@b@bβ)
in der gleichen schreibung (gezoc, gezog)
sind —
meist aus mitteldeutschen denkmälern —
auch verwendungen überliefert, die, wenn auch nicht so unmittelbar, aber doch unverkennbar auf ein verbalsubstantiv mit der bedeutung von zug
weisen. in diesen zeugnissen finden wir anhaltspunkte für die bedeutungsentwicklung, die von dem begriff trahere
zu manigfachen vorstellungen weiterführt, wie sie auch in geziuc (
s. u.)
zum theil wiederkehren. 1@b@b@11))
als neutrum 1@b@b@1@aa))
im sinne eines nomen actionis: ein kleiner heime, sunder groʒ, des stimme witen erdoʒ als er begonde schallen. nu quam er her gevallen uf des guten mannes roc; sunder alles gezoc sweic er stille unde saʒ.
pass. 526, 25
Köpke; er teilte alda entzwei zu hant die habe ane alleʒ gezoc. 608, 95.
und mit der gleichen bedeutung wie sie geziug
im sinne von zeugniss (
s. u.)
bietet: des heiʒet her durch sin valsches gezok in kriescher zungen Antemok. 19405. 1@b@b@1@bb))
fraglich ob nomen actionis oder collectivbegriff: daʒ Got truc priesterlichen rok, daʒ dutet menschlich gezok und des truben vleisches cleit, daʒ got über die gotheit zoch als einen gewebenen rok. Heinrich v. Hesler
apokalypse 1834. 1@b@b@1@cc))
ausgesprochenes collectiv: die maeren helde küene fuorten ritterlich gezoc. da schein vil manic wâpenroc der mit golde was durchweben. Konrad v. Würzburg
Engelhard 2657;
vgl. auch die variante gezoh
zur krone 25957 (ir geziuc). 1@b@b@1@dd))
dazu vgl. das bei gezäh, gezau
gestreifte zusammentreffen von gezog
und gezeug
in den verwendungen für instrumentum: das unsere burger ... mit deheinen cleinern gezoge noch garne varen sOellen
Straszburger rathsschreiben v. 1434
s. ztsch. gesch. Oberrheins 4, 78 (gezog, enges zugnetz); ordenung der engen gezoge (1537) 69;
desgl. s. 83 (
s. u.);
vgl. auch: dem steinmeister, henffin und besten gezoye zu koufen
Marienburger Treszlerbuch 174
u. a.; vor geczoge, do man kalk mete bricht
ausgabebuch d. Marienb. hauskomturs 67
Ziesemer; desgl. (geszchoy) 144
u. a. 1@b@b@22))
ein nomen actionis, das die rechtsbedeutungen des subst beleuchtet, ist als masc. belegt: des küniges erber botten ... die appelliertent, das ist einen gezog noment, von dem vorgenanten urteil an unsern herren Jhesum Cristum Königshofen
s. dtsch. städtechron. 9, 614. 1@b@gγ)
in solcher engen berührung mit dem masc. zug
liegen auch die anhaltspunkte, die gezeug
in seiner zugehörigkeit zu der sippe von ziehen
genauer bestimmen und erklären lassen. 1@b@g@11))
zugleich wird dadurch einer erklärung begegnet, die an sich viel verlockendes hätte, gezeug
als analogon zu getreide
aufzufassen, das in der älteren form und verwendung getregide = fahrende habe (
s. oben sp. 4454/5)
die bildungsweise deutlich erkennen läszt; vgl.: varende gut (
vgl. sp. 6983) ... alleʒ daʒ man getriben unde getragen mag
Schwabenspiegel § 168
Laszberg; des clôstris getreigede in îsene oder in gewandin
Hohenfurter benedictinerregel s. o.; vgl. getregede
für das was lastthiere oder lastschiffe von einem orte zum andern tragen sp. 4455;
vgl. suppellex, getregede
glossen zu Heinrici summarium s. Steinmeyer-Sievers 3, 260.
beide substantiva wechseln demgemäsz in den glossenhandschriften zu einer und derselben stelle: sumptuum, giziugo, giziugi, giziuch, gitreides (
prolog zur chronica) Steinmeyer-Sievers 1, 527;
inpensas, giziuch, giziuge, gezuge ... getregida, gitragida
u. a. (
zu Daniel 14, 7) 1, 664. 1@b@g@22))
dieser bildung getregide
entsprechen innerhalb der bedeutungsgemeinschaft aber die nächsten ableitungen von ziehen
keineswegs; solche weisen vielmehr auf andere bedeutungen des verbums; vgl.: suffragia, follazukitha, follazugida
neben subsidia, follazuht
Hrabanisch - Keronische glossen s. Steinmeyer-Sievers 1, 251 (
vgl. Grimm
gram. 2, 243
ff.); gezuchide,
fetura Conrad v. Megenberg 622
Peiffer; vgl. andererseits geczugete
als variante neben gezeugniss
und gezug (geziug)
Freiberger stadtrecht 31 § 6. 1@b@g@33))
die verbindungen, die das substantiv als etwas gezogenes veranschaulichen, fallen später und können auch secundär entwickelt sein: so zihen den gezeug 8 pferd
Nürnberger kriegsordnung (1388)
s. dtsch. städtechron. 1, 180; ouch furt man in gezeug zuo 1, 145
u. a. ebenso ist im bergmännischen gebrauch von gezeug
im sinne von kunstgezeug (gezeug so berg und wasser heben,
machinae tractoriae Bech
übers. des Agricola im register)
die anknüpfung an trahere (ziehen)
wohl nicht unmittelbar aus der grundbedeutung des subst. zu gewinnen sondern mittelbar aus dem begriff der im dienste des bergbaus hergestellten maschine s. u. die verschiedenen genera des subst. (
s. u.),
wenn sie auch zum theil auf späteren verschiebungen beruhen, weisen zum anderen theil doch auch auf verschiedenartige bildungen hin. das masc. auf ein verstärktes masc. zug
mit der bedeutung: 'das, was zu einem zuge gehört',
wobei die bedeutungsverschiedenheiten des letzteren (
vgl. neben zug [
agmen]
auch ziug, ziuch,
captura, piscatio Graff 5, 611,
vgl.gezeug im fischfang)
zu berücksichtigen sind. das neutrum zeigt an, dasz die in solcher verwendung vortretende collectivbedeutung ihr eigenes, in der analogie mit den collectivbildungen auf i
gegebenes ausdrucksmittel gewonnen hat: ir ros und ir gewant alleʒ was geziert gên dem urliuge ir helm und ir wâpen.si vuorten harte ritterlîch giziuge.
Gudrun 1103, 4
u. a. vgl. auch die deminutivform utensilia kaziugili Steinmeyer-Sievers 1, 336. 1@b@g@44))
für die frage, warum im bereich von gezeug
die '
brechung'
so wenig beobachtet ist (
vgl. Wilmanns
dtsch. gramm. 1
3, 258),
haben schon die oben zusammengestellten schwankungen der schreibung einiges beigebracht. wenn am ende u, iu
in der stammsilbe durchdrang, so ist neben den flexionsformen, die diese entwicklung begünstigten und die auch bei dem grundwort zug
zu berücksichtigen sind, sicherlich die collectivbedeutung mit anzuschlagen, die je länger je stärker hervortrat und die auf die bildungsweise ja, wie oben nachgewiesen (
s. auch unten),
ihren einflusz ausübte. 22)
unmittelbar an das verbum läszt sich ungezwungen der gebrauch der rechtssprache anlehnen (gezeug, gezeuge
im masc. u. neutr. für zeugniss,
im masc. für zeuge.
vgl. urcunda,
testimonium, urcundo,
testis im althochd. Graff 4, 427).
im gegensatz zu J. Grimm
rechtsalterthümer s. 85. (
vgl. auch die deutung des fem. zauganzuht
in der lex Baiuvariorum als 'heranziehen von zeugen' Dietr. v. Kralik
die deutschen bestandtth. d. lex Bai. s. 131)
dürfte hier aber nicht die sinnliche bedeutung des verbums den übergangspunkt bilden, sondern eine übertragene, die in manchen —
der jetztzeit weniger verständlichen —
formeln zu fassen ist. dies läszt sich näher und sicherer nachweisen, wenn das verhältnisz des nomen actionis zum nomen agentis, von welch letzterem die ältere auffassung ausgeht, eingehender untersucht, und gezeigt wird, wie der ursprünglich unpersönliche begriff in bestimmten zusammenhängen (
vgl. die formel geziuge, geziuc sîn)
die wendung ins persönliche nimmt. für das verbum ziehen
vgl.: daʒ pfert ... da wil ich mich zu halden unde zu zihen, alse recht ist. zu dem zoume unde zu den isen zihe ich mich nicht
Freiberger stadtrecht cap. 9 § 1
Ermisch; he sulle sich dazu zihn mit zwen vingern uf den heiligen § 2; do greif grave Friderich von Toggenburg an sin geziuge ... und zoch sin warheit an Vinclin den Juden ... von dem diu sache von erste ruorte, der da ze gegen waʒ in dem hove
gerichtsprotokoll v. 1301
s. monum. germ. leg. IV. 4.
s. 1098; do greif er an ander sin geziuge und gedingete siner warheit an herrn Rodigern den Manessen
ebenda; 'waʒ die boten des herzogen an solhe liute hânt gezogen die mit dienstlichem sit habent iu gewont mit und dem goteshûs alsam, ê daʒ ir im ie wurdet gram'. den bischolf guoter muot flôch, dô der kunic daʒ dinc zôch mit geziucnuss an die, die im wurden nie holt noch getriu. Ottokar 38058;
vgl. dazu: der muʒ die erziugen selbe dritte mit den dinchluten die des tages vor gerihte waren, und enphellet ir einer so ziuhet ers wol an einen andern, unde mak der geziuge ... sin
zusatz zum Augsburger stadtrecht s. 178
Meyer; vgl. auch: ich ziuch eʒ an die wârheit. Jansen Enikel
weltchron. 10272
Strauch; ich ziuch eʒ an got den guoten ... daʒ ich wol gar unschuldic bin. 25803;
vgl. dazu: des züg ich an den werden gott das ich doch tuon nach sîn gebott. Hugo v. Montfort 1, 16
Wackernell; es wär dann daʒ ein zeugschaft an si gezogen wurde, so mag in ain richter zu den rechten gebieten
österr. weisth. 5, 100;
vgl. auch die umstrittene stelle Iwein 2868 (dâne gezieh [er] sî niemer zuo;
vgl. Lachmann
anm.);
vgl. andererseits die verbindung von geziuge
und leiten Lexer 1, 1873; ê dirre tac kome, so wir unser geziuge leiten sulen
Schwabenspiegel cap. 151
Gengler 131.
zu beachten sind auch die rechtsverwendungen des grundwortes zug (
vgl. auch schub)
in zusammensetzungen (
vgl.auszug für exceptio s. theil 1
sp. 1042)
wie in festen verbindungen, vgl. gezog noment
sp. 6985
für die appellation im rechtshandel: das hat man ... getan lange zeit und hat ieder tail sich gewert mit zug nemen, ainen nach dem andern, und ist verzogen worden mit recht und zug nemen von ainem rechten zu dem andern von ... 1451. jar, als es angefangen hat, bisz in das 1458. jar B. Zink
s. dtsch. städtechron. 5, 206
f. u. a. wenn diese verschiedenen gebrauchsformen für die heutige auffassung weiter auseinanderstreben, so lassen sie sich doch ungezwungen auf einen gemeinsamen ausgangspunkt zurückführen. für die bezugnahme auf gewährsmänner und zeugen wäre der anschlusz etwa von dem begriff: 'an einen sich wenden', 'sich zurückziehen auf jemand'
zu gewinnen sein. unser heutiger begriff des zeugen
ist zu eng an den träger einer aussage, eines bekenntnisses gebunden. allgemeinere fassungen, wie sie in der mhd. dichtung begegnen, brauchen nicht immer auf secundärer erweiterung zu beruhen, sie können auch unmittelbar der schicht entstammen, in der sich das subst. vom verbum löst: 'er muoʒ sehs lai wirde han der in ze haubt binden schol: daʒ knnen iu bewaeren wol die sehs stain glantz die ligen in dem crantz ... swem der sehs wird ainiu brist der die stain sint geziuge ... swenne der den helm strtzet, zehant der stain uʒ brtzet der der selben tugend walt'. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Oesterreich 4065.
zur engen verbindung des subst. mit mündlicher aussage über selbst erlebtes vgl. andererseits: dô sî sich alsus versprach und unrehtes selbe jach, des wart der künec Artûs vrô: ze geziuge zôch ers alle dô. er sprach 'vrouwe, ir hât verjehn. daʒ ist vor sô vil diet geschehn, daʒ irs niht wider muget komen.
Iwein 7664; der man ziehe des geziuge
Schwabenspiegel lehnr. § 69
Laszberg.