zeug,
n., m. ,
sammelwort für sächliche concreta. form: aus älterem gezeug, gezeuge
unter rhythmischen bedingungen im satz und in der composition verkürzt; s. darüber unter gezeug (
th. 4, 1, 4, 6990
ff.).
ausgangsstelle dieses vorganges ist die bair.-österr. landschaft; hier begegnet schon im 10.
jahrh. die glosse: armamenta ... ziuhc (
Salzburg)
ahd. gl. 1, 752;
danach: vasa ziuch (12.
jahrh., Benedictbeuren) 1, 643; Joseph deme chunige sagete, welihen ziuch sin vater habete
Wien. genes. 5113; ist der wercman guotes ziuges frî, sô mac er gewürken niht Teichner 16
Karaj. im 15.
jahrh. breitet sich die neue form nach norden und westen aus; dabei leistet ge-
bei abstracteren verwendungen sowie in der bergmannssprache dem abfall noch lange widerstand; vgl. hierzu die nachweise th. 4, 1, 4, 6990
ff.; ebda 6994
sind die literarischen ausläufer für gezeug,
die bis zur gegenwart, z. th. in alterthümelnder schreibweise, reichen, aufgeführt. md. mdaa. bewahren ge-
gleichfalls; s. ebda 6993.
einem masc. und wohl auch neutral. ga-, giziuc,
das nach der a-
declination flectiert, steht im ahd. eine collective ja-
form mit neutral. geschlecht zur seite; s. die belege th. 4, 1, 4, 6987.
für den ansatz einer neutralen a-
form sprechen doch wohl glossen wie instrumenta, expensas giziuch
ahd. gl. 2, 123, 59; 729, 52,
in denen giziuch
plur. sein dürfte. beide geschlechter des a-
stammes sind als einfache verbalsubstantive von der präsensstufe des verbums ziehen (
s. u.)
aufzufassen und haben parallelen an got. gafahs
fang, ahd. giheiz,
m., versprechen, mhd. geniez,
m., sowie an got. galiug
lüge, ahd. gifëht,
n., gefecht. in der flexion zeigen die ältesten belege den plural verhältnismäszig oft, vgl. nom.-acc. kiziuki diniu, giziuga,
dat. giziugin, giziugon (
th. 4, 1, 4, 6987),
gen. giziugo (6988),
später schränkt er sich auf sonderbedeutungen (
ebda 6996)
ein und hält sich bei der kurzform z.
nur noch in deren verwendung für tuch- oder stoffart, weil hier ein collectives z. (
s. u.)
den plural bei den einzelnen stoffarten und -stücken. geradezu fordert. andere fälle bleiben vereinzelt: jäger, hunde und z-e (
jagdnetze) machen jagen v. Heppe
lehrpr. 18; das stechen in hohen z-en (
s. I 2
e); sechs sticher (
stecher, d. i. wettkämpfer im turnier) mit iren zeügen
privatbr. d. ma.s 1, 170
Steinh.; pumpanlage in bergwerken (
s. I 1
b); (
der herzog) rait ... (
vor dem angriff) zu allen z-en (
heeresabtheilungen) und haufen, trost und manet sie alle
Wilwolt v. Schaumburg 24;
darüber hinaus wird der plural an zss. wie werkzeug
üblich. eine abweichende plur.-endung -er
weist H. Paul
gr. 2, 26
bei einigen schriftstellern des 18.
jahrh. s nach. seit der 2.
hälfte des 18.
jahrh. s macht sich der gen. z-s
selbständig und tritt im niederen stil der jüngsten bedeutungsentwicklung von z.
als verächtlicher ausdruck für etwas geringwerthiges zur seite. die doppelheit des geschlechtes macht in spätmhd. und frühnhd. zeit bis auf einen geringen rest dem einzigen masc. platz. dieser vorgang setzt schon bei der vollen form ein im anschlusz an die allgemeine tendenz der verbalsubstantive, wie sie sich etwa in einer reihe got. fraweit,
n.: mhd. verwîz,
m., nhd. der verweis (
s. Wilmanns 2
2, 206)
kund thut; nachlebende gezeug-
belege weisen das neutrum auf (
s. th. 4, 1, 4, 6995).
einen rückhalt findet das neutrum bei der kurzform z.
nur einestheils an dem collectiven begriff eines gesamtbesitzes von kleidstoffen, offensichtlich als fortsetzung des collectiven gezeuge,
der ahd. ja-
bildung, und anderntheils für die bedeutung werkzeug unter einwirkung des sinnverwandten geräth
und wohl auch des lat. instrumentum. während sich die erste regelung bis zum absterben des masc. geschlechts im 19.
jahrh. wirksam erhält, indem einander gegenüberstehen das weisze z.
das leinenzeug insgesamt (das weisze z. steifen
lassen Gabr. Voigtländer
od. u. lied. [1642] 30; weis z.
oder leingez. Kramer
teutsch-it. 2, 1447
a; leinen
oder weiszes z. Adelung
2 4, 1697)
und ein geblmter z. Kramer, ein wollener z. Adelung
2 4, 1696,
tritt die zweite bald zurück; nur bei Luther,
der im übrigen z.
in seinen anderen anwendungen masc. gebraucht, finden sich einige fälle: 2. kön. 23, 4 (
cit. th. 4, 1, 4, 6995); auch lasz ich als ein armes zeug e. k.
f. gn. aus meinem armen gebet nicht
br. 5, 234
de W.; über diese regelung hinaus macht sich im md. und norddeutschen gebiet eine neigung für das neutrum geltend, wie denn das mnd. keinen sicheren fall des masc. geschlechts kennt, vgl.: das abgenutzte ... z. (
zum einwickeln) Grimmelshausen 3, 494
Keller; equitatus das reisige z.
nomencl. lat.-germ. (
Hamb. 1634) 552;
art kleiderstoff: Gabr. Voigtländer
od. 77; buntes zeuch zum wammes Just. Möser 1, 301. Schottel
haubtspr. 1447
scheidet z.,
m., equitatus reiszig z.
von z.,
n., materia, stoff, tout ce dont l'homme se sert; den für die schriftsprache gültigen stand beschreibt Adelung
2 4, 1695
ff.: das masc. gilt nur noch in fachsprachen, bes. des obd. gebiets, und hat so für den bau- und werkstoff (
papiermasse, mörtel, teig u. a., kleidstoff)
und einige werkzeuge (
im bergbau und der jagd)
noch in der schriftsprache raum, die bedeutungen stoff, materia und kriegshaufe, -zug sind veraltet; für den begriff werkzeug, aber eig. nur in zss. wie hebe-, reisz-, schreibz.,
gibt er das neutrum an. völlig durchgedrungen war zu Adelung
s zeit mithin das neutrum nur, wenn z.
meist in herabsetzender, geringschätziger weise sowohl als ein sammelwort für sachen, dinge, worte, wie auch für ein einzelnes ding gebraucht wurde. diese ausdrucksweise läszt sich seit dem ausgehenden 17.
jahrh. belegen (
s. III);
nachzügler mit dem masc., bes. obd.: der menschen seele kan nicht allen z. verstehen Chr. Weise
zeitvertreib (1699) 2, 10,
der wohl noch den affectlosen begriff stoff im sinne hat; er nimmt wol nAerrischern z. vor Stranitzky
ollapatr. 157
Wien. ndr. (: unverschAemtes z. 303); den ungereimtsten z. ... aufkaufen, durchlesen
disc. d. mahl. 1, 2. z.
für materie als masc. belebt sich durch verwendung im philosophischen schrifttum noch ausgangs des 18.
jahrh.s; so findet es sich denn noch bei D. Fr. Strausz
glaubenslehre (1840) 2, 733;
anderseits taucht das neutr. schon bei den md. v. Besser
schr. 2, 805
K. (
m. 2, 746
K.)
und bei Lindenborn
Diog. 1, 22
auf. die redensart er hat das z. dazu
gebraucht Matth. Claudius
noch masc.: der mann, der in ernst nüzen will und den z. dazu hat
Asmus 1/2, 94.
kleiderstoff als art bleibt, nam. im obd., lange masc.: Schiller 4, 191
G.; Mörike
w. 1, 264; Iffland
theatr. w. 4, 233; Börne
ges. schr. 5, 214; H. Laube
ges. schr. 8, 143; Fr. Th. Vischer
ästh. 2, 54; Göthe IV 42, 281
W., der sonst nur das neutr. gebraucht; n. ist z.
in diesem sinne: futter ... das innere z. eines kleides Gottsched
sprachk. 74;
aber: zitz ein bunter baumwOellener z. 103; die knäuel ..., woraus der weberstuhl ... das z. macht Gerstenberg
lit. br. 340
lit. dkm.; Triller
poet. betr. 5, 349;
und setzt sich im 19.
jahrh. durch. auch in die österr. fachsprache hat z.
als neutr. schon im 18.
jahrh. eingang gefunden, vgl.: das z.
litzen, die senkrecht hangenden, zu zwei gebündelten fäden hinter dem kamm des webstuhls, sonst geschirr
genannt, Popowitsch
versuch 341
gegen der z.
fluszwate, ein groszes zugnetz 132; der fiaker hat a hübsches z. (
wagen und pferde) Loritza 147
a; Hügel 194
b.
die lautgestalt des stammvocals setzt im obd. und md. unumgelautetes iu
wie in feuer, heute, neunzehn, knie
voraus (
s. E. Mertes im
Teuth. 7, 275);
daher steht tirol. (
Imst) zuig
gegen taitsch
deutsch und erscheint hess. zaug, gezaug Schmidt
westerw. 337;
s. auch md. u
in den älteren belegen von gez.
th. 4, 1, 4, 6996;
auch in Schwaben gilt der umlautlose diphthong, s. H. Fischer
geogr. § 33.
dagegen behandelt die Schweiz z.
abweichend nach dem muster von leute,
worin vielleicht die ja-
flexion nachwirkt. den consonantischen auslaut bildet im obd. und dem südl. md. die tenuis -k:
noch zick
niederhess., thür., erzgebirg., norddeutsches -ch
begegnet nicht selten auch in der literatur: Chr. Arnold
off. thür (1663) 68; Just. Möser 1, 301; E.
M. Arndt 6, 64
R.-M.; Ranke
s. w. 27, 165;
aber auch bei G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 20
B.; sogar im inlaut (
nur für kleidstoff): mit ... theuren zeuchen Marperger
kaufm.-mag. 438; Tieck
schr. 17, 162; J. A. Naumann
naturg. d. vög. 5, 503.
entrundeter diphthong: zeige Chr. Reuter
Schelmuffsky 123
ndr. vollst.; J. G. Schmidt
rockenphilos. 1, 138.
bedeutung. eine wgerm. bildung: ahd. giziug,
as. gitiug (gitiuhc
impensa, aufwand Wadstein 186
b),
ags. getéog
geräth (
in egeð-, sulhgetéog
ackergeräth),
mhd. geziuc, ziuc,
mnd., nnd. tch,
mnld. ghetuuch,
nld. tuig;
aus dem mnd. ist spätaltn. týgi
werkzeug, ausrüstung, das sich im dän. tøi,
schwed. tyg
und norw. ty
zeug fortsetzt, entlehnt. sie geht auf *(ga-)teuΧ-á-
vom verbum *teuΧan,
ahd. ziohan
ziehen wie geld
von gelten
zurück. möglicherweise haben neutrale und masculine form von anfang an nebeneinander bestanden; die collective ja-
bildung dürfte jüngeren ursprungs sein. sie aber hat die erhaltung des diphthongs iu
in den fränk. mdaa. bedingt, jedoch im obd. reste der a-
flexion nicht tilgen können. die th. 4, 1, 4, 6988
ff. aufgeführten lat. entsprechungen des wortes giziug
lassen sich in die gruppen rüst- und werkzeug, vorrath, rohstoff, kleiderstoff und baustoff gliedern, und daraus wird ebda der bedeutungskern '
ausrüstung, die zum zug gehört'
abgeleitet; s. auch ebda 6982.
indessen setzt man besser und einfacher die bedeutung '
das ziehen'
im sinne von hervorziehen, -bringen an, woraus sich sowohl das hervorbringende, das geräth, wie das hervorgebrachte, der stoff, vorrath, ergibt. nahe steht die bedeutung von zeuge,
m. (
s. d.),
und weiter läszt sich die sippe zauen (
sp. 396),
in der sich das deutsche gezau, gezähe (
th. 4, 1, 4, 6876)
und das altn. tól,
n., ebenfalls mit der bedeutung werkzeug entwickelt haben, etymologisch nahe rücken (
idg. wurzeln dou
und dou-k).
der im folgenden dargestellte bedeutungsumfang setzt lediglich die bereits bei gez., gezeuge
vollzogene entwicklung fort. II.
activ geräth, werkzeug, rüstung, ausrüstung. I@11)
geräthschaften a)
für die wirtschaft: von eim tollen hirten und seinem z-e (
den stäben, hörnern und taschen, vorher gez-e) Luther 23, 641
W.; fuhrwagen, kAerch ... und ander z. und rüstung zum feldbau dienstlich Sebiz
feldbau (1579) 31; soll auch, allweil es regnet, vilerlei z. ... von holtz schnitzeln 61; sie (
die südwinde) verursachen, das ... hausraht und aller z. rostig wird v. Hohberg
georg. cur. aucta 3, 6
b; es musz scharfer z. sein beides das seglein und das messer (
zum pfropfen der obstbäume) Coler
hausb. 111;
patibulum ein instrument, z. oder rüstung zum herbsten oder zum trotten (
kelter) Frisius 957
b; allerley z., darmit man etwas hebt
retinaculum (
seil) Maaler 519
b;
vgl.ackerz. Stieler 2626. b)
für das handwerk und gewerbe: hantwerckleut mit irem z. (
Nürnb.)
chron. d. st. 2, 256;
instrumentum Diefenbach 302
a;
n. gl. 218
a; ein iglicher z., wenn er nicht gut ist, so schneit und hawet er auch nichts guts, und ist bald der rost im werck zu sehen Luther 37, 55
W.; übertr.: in der schrift heiszt ein iglicher leib ein z., wie auch act. 9 Christus von
s. Paulus saget, er ist mein auszerwelter z. (ein ausserwelt rstz.
apost. 9, 15), darumb das gott damit wircket wie ein handwercksman mit seinem z-e
randglosse zu 1. Sam. 21, 5; und der knaben z. (
vasa puerorum vulg.) war heilig
1. Sam. 21, 5; mein sohn, bring uns den zeug, durch den ich blitz errege und leichen auferweck und Hecaten bewege A. Gryphius
trauersp. 93
P.; sprw.: guter z. braucht einen guten meister Wander 5, 567; er ... trachtet da, wie er ein grab machte, und forcht, er mOecht es nit allein machen, wann er het kein z. darzuo
heyl. leb. summert. 6
b a; ein hltzener oder eisiner keil, so durch ein lind holtz mit eim z. geschlagen wirdt Bech
Agricolas bergwerkb. 48;
für die einzelnen handwerke: du bist, o zart schneeweisze hand, der beste zeug, die lieb zu weben Weckherlin
ged. 1, 479
F.; mäurer pflegens so zu thun, dasz sie nach des bogens schlieszen ihre böck und andren zeug ab- und wegzureumen wissen Logau 424
E.; s kloppert eim zeuche (
des tischlers), s ward arbeit setza K. Rother
schles. sprw. 327
a; darzu leihet der mulherr ihnen die muhle und den z.
haushalt. in vorwerk. 158; wenn ... der untermüller das z. hebt, so musz er ... auch das wasserrad ... hOeher machen E.
M. Schilling
mühlenrecht 35; z. ... gährungsmittel zu semmeln, welche weder sauerteig noch bierhefen sind, daher: auf den z. backen, sich solcher gährungsmittel bedienen Krünitz 241, 178; Adelung
2 4, 1696; z.
hefe zum bieransatz H. Fischer 6, 1167;
sauerteig Unger-Kh. 649
a;
in der buchdruckerei die lettern (schriftz.) Bucher
kunstgew. 446
a; die feder ist hier (
beim drucken) zeug, die dinte rusz und öl, die presse schreiberin, der drucker ihre seel, als der sie rege macht P. Fleming
d. ged. 1, 126
L.; das unbrauchbar gewordene schriftmaterial, das man wieder umgieszen kann (altz.): Klenz 111
a;
daher die redensart: ins z. werfen
in eine kiste werfen zum späteren einschmelzen ebda; Adelung;
die instrumente des arztes: setz ... den ... (
der das bein gebrochen hat) uff das instrument oder zeüg und ... schrube den schenckel ganz strack ... und bind in denn uff den zeüg Gersdorf
wundarz. (1517) 42; herr, hie ligt der zeug allersammen, zangen, schermesser und blutschwammen H. Sachs 5, 8
G.; in dem fischereigeräth scheidet H. Fischer 6, 1164
den groszen z. (
kahn, netze)
und den kleinen z. (
reusen, angeln, handnetze)
und bringt belege aus dem 15.
bis 17.
jahrh.; do Christus Petrum selber hiesz, dasz er sin züg in das wasser liesz und bracht ein fisch an das land
N. Manuel
v. papst u. s. priestersch. 1329
B.; es sol fürbas niemandts mit ainicherley z. noch angel mer auf der Thunau vischen, ausgenomen die fron- und gemainen vischer, die verdingte wasser ... haben
landpot in Ober- u. Niederbayern (1516) 55
a; diese magst du in eine reusen oder andern z. legen
fischbüchl. 28; 137;
bergmännisch (
veraltet)
zunächst das gesamte geräth der hauer: der hauer z. ... seindt die: nemlich kyel, plötz, feder, feustel, knebel, brechstange, keilhauw, stoszkarren, schaufel Bech
Agricolas bergwerkb. 111, 72; Veith 588
zählt folgende zss. auf: arbeits-, bohr-, eisen-, förder-, häuer-, lade-, laden-, markscheider-, schiesz-, schin-, schlepp-, senk-, siel-, spreng-, treibez.; vorgelege, zwischengeschirr oder gangbares z.
die zwischenmaschine, wodurch die bewegung der umtriebsmaschine abgeändert und auf die arbeitsmaschine übertragen wird Weisbach
ingenieur- u. maschinenmechan. (1862) 3, 54;
auch gehendes z. Veith 587;
spec. eine maschine, welche das wasser aus der grube hebt, gewöhnlich die kunst
genannt: Minerophilus
bergwerkslex. (1730) 729; Müller-Fr. 2, 702
a;
auch kunstgezeug
bergmänn. wb. (1778) 616; z. ... da man mit leuten, wasser und wind die verschroten wasser auf die stolln oder zu tag auszhebet Mathesius
Sarepta (1571) 145
b; sind zu viel sAetze (
pumpensätze) angehangen, die der z. nicht bewAeltigen kan, so sagt man: die z-e verlieren den hub Herttwig
bergb. 432
b; wenn die teuffe so grosz worden, dasz die z-e nichts mehr thun kOennen, so heist es: die z-e sind bersuncken
ebda; den z. stellen
stehen lassen Voigtel
wb. 3, 693
b;
älter: z-e, so wetter in die gruben bringen oder bOeses herauszziehen Agricola
de re metall. index 31
b;
jünger maschine einer fabrik: nei ins z. kumme
bei der fabrikarbeit von einer maschine erfaszt und verletzt werden Müller-Fr. 2, 702
a;
dim. z-el
kleine maschinerie, fabrikanlage ebda; z.
sind auch bei pochwerken die stampfen: Krünitz 241, 178; z.
als werkzeug noch vielfach in mdaa. gebraucht: der z. Loritza
id. vienn. 147
a; zéj,
m., Ch. Schmidt
Straszb. 119
b; zaug, gezaug Schmidt
westerw. 337; tüg C. Schumann
Lübeck 44; Dähnert 497
a;
u. a. volksläufige redewendungen mit übertragenem sinn haben sich an der hantierung mit dem werkzeug ausgeprägt: ins züg haue
wacker arbeiten Seiler
Basl. mda. 329
a; sük fast upt tüg setten
sich gut vorbereiten, auf alles gefaszt machen ten Doornkaat-Koolman 3, 443
a; sich ins z. legen (werfen), ins z. gehen
tüchtig an die arbeit gehen, sich anstrengen Müller-Fr. 2, 701
b; Jecht
mansfeld. 127
a;
so auch literarisch und hier auf mancherlei bethätigung angewendet: nun fuhren sie ... mit einem ... leidenschaftlichen monolog ins z. Göthe 24, 168
W.; der componist ... geht ... (
bei der arbeit) ins z. O. Jahn
Mozart 4, 92; allzu verwegen ins z. gehen Häuszer
d. gesch. 4
2, 266; sich ins z. legen: Rückert
w. 1, 317; mit feuereifer warf er sich ins z. Treitschke
d. gesch. 1, 617;
freier: so seufzt ich für mich, da jener ins zeug nun schwatzt Geibel
w. (1888) 5, 162;
s. auch H. Fischer 6, 1164;
gegentheilig: aus dem z-e (gehen)
flott arbeiten Müller-Fr. 2, 701
a; auf, an, bei, in dem z-e sein
ein werk, handwerk betreiben; vgl.: de meischt zeit ischt er dahoimda am z. gwä H. Fischer 6, 1163; er ischt nit im z.
er geht nicht seinem geschäft nach ebda; du bist immer glei da beim z.
gleich bereit Loritza 147
a;
hieraus entwickelt sich der sinn leistungsfähig, tüchtig, energisch sein: ar is widder bein z.
arbeitsfähig Ruckert 199; beständig im z. und voll begeisterung Brentano
ges. schr. 8, 261; ihm, der schärfer auf dem z-e war O. Ludwig
ges. schr. 1, 200; bam zuig sein
einer sache gewachsen sein Schöpf 832; er is noch e man bein z.
hat noch manneskraft; auch etwas zem z. bringen
zustande bringen Schmeller-Fr. 2, 1091;
auf körperliche zustände bezogen: auf dem z-e seyn
sich wohl befinden, gesund sein K. G. Anton
Oberlaus. 15, 18; Jecht
mansfeld. 127
a; Müller-Fr. 2, 701
b; mein ohr ist wieder auf dem z-e
in ordnung, gesund Bruns
volksw. d. prov. Sachs. 77
a; Holtei
erz. schr. 36, 263; nit recht bam zuig sein
nicht recht bei troste, bei sinnen sein Schöpf 832;
eine dritte redensart das z. dazu haben
zu etwas befähigt, begabt sein stammt aus demselben sprecherkreis: der ... had z. zu dem gschäft Hügel 194
b; dar hett he tüg noog to Dähnert 497
a;
u. a.; wer das z. hat zu einem dichter Treitschke
hist. aufs. 1, 470; W. Scherer
kl. schr. 2, 42;
allgemein üblich; was das z. halten will
s. I 2
b. c)
bereits ahd. giziug
zeigt die verschleiernde einsetzung des wortes z.
für körperliche organe, insbes. die genitalien (
th. 4, 1, 4, 6982),
ein brauch, der sich später ausbreitet und in unsere tage hinein im volke hält; s. Schmeller-Fr.; Schöpf; H. Fischer 6, 1167; Schiller-L. 4, 624
a;
testis eins manns zeüg Frisius 1306
b; also hauwent sy dem münich sein manlichen zeüg ab und werffen den irer schwester in ir anlütz Marqu. vom Stein
spieg. d. tug. (1498) e 4
b; denn er (
der mönch) mit zeug so ist stafflert, wie eim sAeweber wol gebrt Sandrub
kurzweil 135
ndr.; so spricht mein jockel, lasz es bleiben, der zeug ist nur vor junge flinck Männling
blumengart. (1717) 581;
der begriff des thätigen organs tritt bei den weiblichen brüsten und dem euter deutlich hervor: der milizuig
euter, brüste Schmeller-Fr. 2, 1091; Mensing 5, 200;
nachgeburt des viehes ebda; brem. wb. 5, 121; ten Doornkaat-Koolman 3, 443
a;
verhüllend für menstruation: Tobler
appenz. 462
b; Müller-Fr. 2, 701
b. I@22)
ausrüstungs- und ausstattungsstücke a)
im hause: er hat köstlich z. in seinem hause Ludwig
teutsch-engl. 2584;
arma allerley zeüg und geschirr Frisius 119
a;
bettzeug Schiller-L. 4, 624
a; da nun der haus-Christ den kinderlein solchen z. bescheret, der zur schulen gehOeret J. Prätorius
saturn. 345; z., womit die kinder spielen Ludwig
teutsch-engl. 2584;
jouer au faux compagnon falschen z-es spielen Duez
nomencl. (1652) 169;
reichlicher in zss. wie kaffee-, thee-, zinn-, töpferz.
-geschirr; s. Woeste-Nörr. 276
a; Dähnert 497
a. b)
geschirr des reit- und zugthieres: wellicher dann hatt guot gerätt, hübsch ziug und schöne pferd, der duncket sich maniger pon wert
liederb. d. Hätzlerin 152
H.; und sollen ire pferd an die zuwc henken (
in der herberge festmachen)
weisth. 6, 40; gesessen auf ein schwartz pferdt mit schwartzem z. und gereht geziert
buch der liebe 118
b; Göthe 33, 22
W.; ein z., mit edelstein besetzt, verbessert keinen gaul Wander 5, 567;
meist mit sattel
verbunden, von dem es sich also absondert: mit einem teldene perde, dat koste mit dem tuge und mit dem sadele ... (1402
Magdeb.)
chron. d. st. 7, 311; so war sein sattel und z. auch kaum drey batzen werth Grimmelshausen
Simplic. 182
ndr.; Lohenstein
Armin. 2, 1164
b; macht nur sattel und z. zurecht Göthe 13, 2, 316
W.; Ranke
s. w. 2 16, 148;
u. a. häufig; vgl. vorderz. am pferde
antilena, hinderz.
postilena Stieler 2626;
selten vom zaum
geschieden: der zaum, der sattel und der köstliche z. und zierd Äg. Albertinus
Lucif. 37
L.; Gries
Ariosts ras. Rol. 2, 150;
vgl. noch: es will nicht zeug noch zügel haben Mörike
ges. schr. 1, 131;
zuggeräth, sielen: macht plancken mb den zaun, schnitzt flegel, stielt die hauen, ergAenzt der pferde zeug G. Treuer
Dädal. 1, 31; (
die büffel) kosten auch nicht allzu viel, mit z. und geschirr auszzuhalten Sebiz
feldbau 488;
s. H. Fischer 6, 1164; sieltöuch
sielzeug der pferde Woeste-Nörr. 276
a; en knecht mit twee per int tüg
mit zwei vorgespannten pferden Mensing 5, 200;
gespann: dat ganse tüg (
pferde und wagengeschirr), as et da rullt un löppt Schütze 4, 287;
ebenso der modern-österr. beleg sp. 827;
dabei tritt die vorstellung der zugthiere deutlich in den vordergrund und auch der begriff des ziehens wird hinzugenommen, vgl. auch: es zeucht sich ungleich, wenn man ungleichen z. anspannt Petri
d. Teutsch. weiszh. Dd 5
r; ein alter mann, ein junges weib ein ungleicher z. S 6
r;
hierzu die geläufige wendung was das z. halten will
d. h. mit allen kräften: aus Danzig gings heraus, was das z. halten wollte Hermes
Sophiens reise 4, 119; rennen, wat det zeich hält Brendicke 195
b;
in der mda. sehr gewöhnlich, mit deutlicher abkunft aber auch aus dem sinnbezirk werkzeug (
ob. 1
b)
und mda. lich wie liter. auf allerlei vorgänge bezogen: sie schreiben, so viel das z. halten will Lessing 13, 103
M.; er asz, was das z. halten wolte Bahrdt
gesch. s. leb. 2, 34; trAeumen, was nur das z. halten will Lichtenberg
verm. schr. 9, 424; die jubeln, was s z. halt Nestroy
ges. w. 1, 83; er sauft, was s z. halt Hügel 194
b; schläge kriegen, was das z. hält Spiesz
henneb. 289;
auch schimpfen, lügen,
kurzum von jeder übereifrig betriebenen thätigkeit. c)
die ausrüstung des jägers mit waffen, tüchern, fanggeräthen und stellnetzen: so nim nu deinen z., kOecher und bogen und gehe aufs feld und fahe mir ein wildbret
1. Mos. 27, 3; wenn gefragt wird: ist aller z. beysamm? so wird alles und jedes, was an eisen, hefteln, stangen, schlegeln wie auch anderm, so zum jagdz. gehOeret, verstanden; brigens aber deutet dieses wort nur die tcher und netze an v. Heppe
wohlred. jäg. 2 420
a; ein hirsch, so von dem z. entrunnen
Amadis 1, 40
K.; des edlen hirsches sein widergäng haben den jäger geblendt, und der zeug hat den edlen hirsch gewendt Grässe
jägerbrevier 14; den z. bestellen
spannen v. Göchhausen
notab. venat. 246;
dieses ist der hohe z.,
vgl.: kein windgeschwindes wild hat man hier mOegen fAellen, noch mit dem hohen zeug nach schwartzem wildpret stellen S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäf. 75; (
der luchs) wird mit dem kleinen z-e ... gefangen v. Göchhausen
notab. venat. 49; der hirsch ... ist den hunden entlaufen, über den zeuch gefallen (
d. i. ber die tcher gesprungen)
geöffn. jägerhausz (1715) 12; der jAeger ... hAengt den lauf bisz zum z. oder dem schusz, da der hirsch gefangen oder gefallen v. Friedenberg
v. d. in Schles. übl. rechten 2,
forstrecht 21; Frisch 2, 473
a; H. Fischer; der finstere z.
die tücher und planen, der lichte z.
die netze Adelung
2 4, 1696; der wolfsz. Müller-Fr. 2, 701
b;
vom vogelfang: und aller zeug peinander ist Oswald v. Wolkenstein 48, 29
Sch. d) z.
alles tauwerk mit inbegriff des rundholzes wie auch der segel und blöcke Campe 5, 855
b; Röding
wb. d. mar. 2, 942; Kluge
seemannsspr. 844;
aus dem nld. tuig
im 18.
jahrh. entlehnt; ein schweres z. fordert ... eine zahlreichere bemannung Müller
schiffbaukunst (1791) 176; tüg
takelage Mensing 5, 200;
vgl. tügasje
takelwerk nebst segel ten Doornkaat-Koolman 3, 443
a;
auch: armamenta rüstz. oder allerley werckz., fürnemlich aber zum schiffen dienlich Frisius 120
a; schiffz. Stieler 2626. e)
im turnier hiesz das stechen zu rosz in hohen z-en stechen: stachen ... in hochen z-en (
Augsb.)
chron. d. st. 5, 74; (
Nürnb.) 1, 406; der das pest in hohen z-en mit rennen gethon het
zimm. chron. 1, 212; 50
B.; wir wöllen heut ausz rath der alten dem frauenzimmer zu ehrn halten im hohen zeug ein gsellenstechen H. Sachs 8, 100; 746
K.; das gesteche in hohen z-en v. Fleming
teutsch. sold. 24; in dem alten hohen teutschen z.
bei Schmeller-Fr. 2, 1091. f)
rüstung eines kriegers, harnisch, waffen: Teurdank legt sich in sein zeug an und reit hinfürhin auf die ban
Teuerdank 131
G.; den zeüg oder harnisch anlegen Frisius 224
a; Maaler 524
c;
armiger ein troszbuob, der seinem herren den zeüg nachtregt Frisius 119
b; harnisch und andern zugehörig z.
Amadis 1, 72
K.; da ward auch mengerhand zügs gewunnen von harnisch, mortbiel, armbrust, spiesz und ... anders, das sie lieszent vallen H. Fründ
chron. 32; seine (
Cupidos) vOelcker ziehn mbher, welcher zeg ist ohn gefehr bogen, pfeil und liechte kertzen
Königsb. dichterkreis 245
ndr.; welcher ... eins schutzes zwen boltz schusse, der wer umb das armbrust und den zg kommen Tschudi
chron. helv. 2, 563;
weitere alte belege bei H. Fischer 6, 1164;
vielleicht noch hierher: mein z., das muszt (
während der soldatenzeit) ock immer a so finkeln G. Hauptmann
weber 34. g)
das gesamte auf wagen mitgeführte kriegs-, insbes. belagerungs- oder vertheidigungsmaterial, train, artillerie mit munition (
vgl.gezeug th. 4, 1, 4, 7004): wie man einen z. aufladen sol ..., ein ietlichen wagen nach seinen staten; darob sol ein zeugmeister sein (
Nürnb.)
chron. d. st. 2, 255; 47; von dem z. der wagenburg 252; (
Augsb.) 4, 29; liesen sten allen z. und fluhen mit schanden (
Nürnb.) 10, 161; 217; mit büchsen, pulver und allem züg Richental
Constanz. concil 65
lit. ver.; der z., gepAeck, trosz eines heers Hulsius (1618) 2, 51
a;
erneuert: von Zürich her kam der z. zu wasser und zu land Jer. Gotthelf
ges. schr. 15, 231; lieszen flotten mit gewaltigem z. und kriegsgeräth ins meer E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 231;
einige zeugnisse gestatten die beziehung auf das geschütz, vgl. den jungen beleg: schlug die heiden weit und breit mit ihrem zeug von widdern und balisten J.
N. Götz
verm. ged. 3, 132; do het der pischof vil zewgs auf der purk und schos vast mit puchsen in di stat (
Nürnb.)
chron. d. st. 1, 33; (
Augsb.) 4, 101; huob ich an ze schieszen mit meinem z.
bei H. Fischer 6, 1164; das slosz wollen wir gewinnen mit geschosz, dasz ir am sechsten tag dorinnen seit, wenn man uns zeug und schirm geit H. Rosenblüt
in d. histor. volkslied. 1, 334
Liliencron; mag man von irem z., den man erobert hat, ein soliche seulen ... aufrichten A. Dürer
underweis. d. mess. H 4
a; nachdem die mauern durch den schweren z. gefället worden Harsdörfer
lust- u. lehrr. gesch. 1, 301; Bucholtz
Herkulisk. (1665) 48; aus groszem und klainem z. schieszen
bei Schmeller-Fr. 2, 1091; Adelung
2 4, 1696;
s.zeughaus, -meister, -wagen. h)
im engen anschlusz an den begriff des trains, des in bewegung befindlichen kriegsgeräthes, bildet sich die vorstellung des gerüsteten zuges heraus; nahe liegt die auch th. 4, 1, 4, 7006; 6983
geäuszerte annahme von einer einwirkung des nom. act. zug,
wie denn ja dieses wort auch in starken wettbewerb mit z.
in dem hier berührten bereich tritt (
s. th. 16, 387);
vgl. die nachbarschaft beider wörter: so auch in disem land kain geraisig zewg aufpracht mag werden, ist nicht not, sich lang vorhin zu ainem zug zu rusten
urk. z. gesch. Maximilians I. 315
Ch.; kaum dasz noch zug und zeug in rechter ordnung stunden v. König
ged. 204;
und die vorstellung des sturms in folgendem beleg: haben sich dise drei ungewitter uber die stat in einem schnellen z-e zuosammengewickelt L. v. Rosenroth
warh. n. zeitg (1536) A 4
b;
oder des festumzuges: pompa hochzeytliche rüstung, prachtlicher zeüg, umbzug der leüten und beleitung allerley schauspil Frisius 1017
b;
so denn für den kriegs-, heereszug, eine heerschar, ein heer, eine bedeutung, in welcher die collective kraft des alten gezeuge
sich fortsetzt: do kom herzog Fridrich mit ainem starken ziug gar haimlich und fiel in das closter (
Augsb.)
chron. d. st. 4, 80; hiergegen raffeten die polnischen weywoden einen z. von 12000 mann in der eyl zusammen H. Rätel
Curäi chron. Schles. 331; und der Philister (
Goliath) sprach, ich habe heute dem z-e Israel hohn gesprochen
1. Sam. 17, 10; dem chönig wardt gesagt, wie der Ottman den z. nidergelegt (
geschlagen) hett Schiltberger
reiseb. 17
L.; Stumpf
Schweizerchron. 16
a; keiner einen zeugk bas fren kan, dann der des feindes vermOegen weis Friedr. Wilhelm
sprw.-reg. c
β nr. 88;
acies ... gerster z. Calepinus
XI ling. 23
a;
erneuert: dasz er ... irrsal und trug, den zeug des hochverräthers, hinunterschreck in alte nacht J. H. Vosz
ged. 4, 5; als Xerxes mächtiger zeuch dahinfuhr über ganz Hellas E.
M. Arndt 6, 64
R.-M.; gelegentlich als heeresabtheilung kenntlich: Wilwolt liesz hintretten, dem volgt ain z. uf den andern
Wilwolt v. Schaumburg 43
K.; sodann reisiger z.
schar berittener knechte, die reiterei, der heerestheil zu pferde: darnach zugen hie aus etlich fuszvolck und ein tail geraisigs z-s (
Nürnb.)
chron. d. st. 2, 151; Wickram 2, 409
B.; 1.
Macc. 4, 7; 9, 11; Luther 19, 433
W.; schlachtordnungen der fuszknecht sampt dem reissigen z. Reutter v. Speir
kriegsordn. 94; indem da sah er
dort von weyten ein reysing zeugk gegen ihm reyten H. Sachs 9, 256; 8, 37; 2, 385
K.; equitatus der reysige z. Zehner
nomencl. 125;
vgl. auch: classis ein schiffzeüg auf dem meer Frisius 232
b;
der kriegerische zweck kann fehlen, dann bedeutet z.
nur das gerüstete gefolge: armatum satellitium ein gerüster z. Er. Alberus 66
b; (
Christus) non habet alium rustigen z. quam asellum ... seyn reysig z. ist eyne esselin Luther 32, 204
W.; darnach huob sich herzog Stephan und fuor gen Rom mit clainem ziug (
Augsb.)
chron. d. st. 4, 92; und der z. und hofgesind kamen hernach
V. Arnpeck
s. chron. 641; H. Sachs 8, 420
K.; Schweinichen
denkw. 19
Ö.; zum gesamtabschnitt vgl. ältere zeugnisse bei Schmeller-Fr. 2, 1091; H. Fischer 6, 1165; Weinhold
schles. 109
a;
vielfach in wbb.: Frisius 4
a; 64
a; Maaler 518
d; Stieler 2626; Götze
gl. 2 235
b; Frisch 2, 473
a; Adelung
2 4, 1696; Tobler
appenz. 462
b; Stalder 2, 469;
über die ablösung der form z.
aus dem älteren gez.
s. th. 4, 1, 4, 7006;
an der verwendung von z.
für eine schar menschen knüpft dann der jüngere brauch, den III 1
b darstellt, an. IIII.
passiv vorrath, stoff (
das beschaffte, hervorgebrachte). II@11)
vorrath a)
an speise: er gab den eehalten übel zuo essen, und man gab ime doch z-s (
fleisch) genuog (
um 1560
Augsb.)
chron. d. st. 34, 488; es ist dir besser, der zeug bleib uber, als dasz dein bauch zerschnelle druber Guarinonius
greuel 752; so viel zeügs (
vorräthe)
bei H. Fischer 6, 1167; züg,
n., speise und dazu gehöriges fett Hunziker 313;
im bes. früchte: türrs züg
gedörrte früchte ebda; dröge tüg Schambach 236
a; tüg
früchte, graintüg
unreifes obst Woeste-Nörr. 276
a; wenn ... solch ein ausgehungertes gesicht von betteljungen so recht ins z. hineinbeiszt O. Ludwig
ges. schr. 2, 415. b)
auch pflanzen als bestand eines gartens: du kanst viel besser mich erfreuen als tausend tulpen in dem maien und aller gAerte schmuck und zeug A. Silesius
seelenlust 139
ndr.; (
die häuser) lagen mit streuchern und anderem z-e bewachsen
Olfert Dapper Africa 635
b;
bereits unter einflusz der gruppe III 3: dat tügs will jao gar nich wassen Danneil 228
b. c)
nahe steht der begriff mitgift, heiratgut, so zuig Birlinger
volkst. 95;
die bewegliche habe, aussteuer der braut: H. Fischer 6, 1167;
ferner besitzthum: Schmeller-Fr. 2, 1091;
sowie hab und gut, vermögen im lebendigen gebrauch des volkes: wo z. genug ist, ist gut hausen H. Fischer 6, 1167,
der u. a. noch folgende redensarten anführt: die armen leute hant die kinder und die reichen hant s z.; im z. sein
reich sein; beim z. sein
imstande sein; zum z. bringen
instand setzen; s wenk (
wenig) z.
kleine hinterlassenschaft Müller-Fr. 2, 702
a;
auch bauerngut: s pfarrgut is s gräszte zeig im dorf
ebda. d)
bäuerliche sprache benennt auch das vieh als z.: züg,
n., herde kühe, deren milch auf einer alp gemeinschaftlich verarbeitet wird Stalder 2, 469; Martiny
wb. d. milchwirtsch. 140; tüg,
n., vieh, bes. rindvieh; lose tüg
schafe oder federvieh Mensing 5, 200; Schütze 4, 288;
unsicher zeich,
f., flug (
rebhühner u. a.)
lux. wb. 499
a. II@22)
stoff a)
als materie, weltstoff; schon für gezeug
durch Notker
ausgebildet, s. th. 4, 1, 4, 6989; weil ein z. schwärer dan der ander Kepler
op. 5, 590; dasz das blut das wesen oder der z. und gebrauch unserer leiber sey Guarinonius
greuel 977;
hierher läszt sich wol auch der folgende beleg, in dem z.
anscheinend aber auch auf die verwendung als metallische guszmasse anspielt, ziehen: dieweyl ... hierausz abzenemmen, dasz disz thier (
maulesel) kein eigne art, sondern ein vermischleter z. ist Herold-Forer
Gesners thierb. 49;
als übersetzung des franz. matière bei Tob. Hübner
sieb. tageszeit (1661) 11; Lohenstein
Armin. 2, 1244
a; ich, ein mensch von schlechtem zeuge, kan mir selbst nicht widerstehn Günther
ged. 206; den raum des öden orts erfüllt verschiedner zeug A. v. Haller
ged. 126
H.; diese sind der zeug der sachen, draus natur, der geist des lichts, alle dinge weisz zu machen Brockes
ird. vergnüg. 2, 213; den rohen z. der materie beleben Kant
s. w. 3, 64; 60; aus dem rohen z-e der elemente welten ... bilden 8, 330,
öft.; vereinzelt noch: welche im feuer des absoluten geistes ... gleichsam den z., woraus ihr ich besteht, gestählt und gehärtet haben D. Fr. Strausz
glaubenslehre 2, 733;
sprw.: er ist von dem rechten z-e gemacht Wander 5, 568; es ist alles ains z-s
ebda; hier schlieszt sich der gebrauch für den literarischen stoff an: ich wolt, wann ich nicht so vil brigs zeügs hett (
mich ausführlicher ausgelassen haben) Joh. Nas
antipap. 3, 33
a; sintemahl nichts mehr das gemüthe und den verstand ergetzet ... als ein schöner z. mit einer ungezwungenen und zierlichen schreibart ausgemachet Chr. v. Ryssel
v. seelenfried. (1685) 278; wo nun der zeug nicht fehlt, den wir in verse binden, da wird der ausdruck sich schon von sich selber finden Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 47. b)
als rohstoff im gewerbe, dem haushalt und für das schaffen des plastischen künstlers, malers oder schreibers: allerley z., daraus man etwas machet
materia Maaler 519
b; Frisch 2, 473
a;
zusammenfassender ausdruck für alles baumaterial: auch soll ... (
der schaffer) der stat holtz, pretter, kalch, stein, eisen und andern iren z. getreulichen bewaren Tucher
baumeisterb. 64
L.; bietend uns den züg! wolher mit dem kalg, wolher mit den stainen, wolher mit dem holcz und mit anderm züg! Steinhöwel
Äsop 71
Ö.; Lohenstein
Armin. 2, 728
b;
thon: die ziegler sOellent kainen zuge insetzen (
zum brennen), ustragen noch verkoufen, er si denn zuovor ... geschezt (1484)
württ. geschichtsqu. 13, 432; doch gab der stathafner ... den z. dartzuo (
zu öfen; Augsb.)
chron. d. st. 32, 492; Oefen ..., die von gutem tOepferthon oder z. gemacht ... sein Ercker
min. ertzt (1580) 5
a;
früher hiesz die porcellanerde das weisze z. Müller-Fr. 2, 701
b; gebrannter z.
zigelsteine in belegen bei H. Fischer 6, 1166; roter z.
rote backsteine ebda; mörtel: der alte zeig sollte herausgehauen und dann wider mit frischem guettem dreckhzeig ... beworfen werden (
Ulm 1603)
bei H. Fischer 6, 1166;
s. dort noch mehr belege; zick anmachen Martin-L. 2, 895
b; Krünitz 241, 178; Adelung
2 4, 1696;
auch grober sand Martin-L.;
bauholz: wer an dem perg holz ... oder zewg oder was das ist, nymbt (1463) v. Lori
baier. bergrecht 60; holtz und z. ..., schiff zu machen Xylander
Plutarch 136
b; Spreng
Ilias 227
a; schiffsmasten und ander z. zum schiffsbau Lohenstein
Armin. 2, 1170
a;
metall als speise zum formgusz: die form mit geckenunschlit salb, damit der zeüg lauf allenthalb! Wickram 5, 128
B.; ist es guoter metallischer zeüg, so fürt man in zuo stampf S. Münster
cosm. 13; die nothbüchs wirdt dick vom zeüg gegossen L. Zubler
büchsenmeist. (1608) 40; bi 50 centner zügs, der noch im ofen was J. v. Watt
hist. schr. 3, 284; die kanone taugt nichts, der z. dazu ist spröde Schwan
n. dict. 2, 1102;
s. H. Fischer 6, 1166;
auch: ein trinckgeschirre, dessen z. ... gold ... war Lohenstein
Armin. 2, 435
b; eine kugel von 5 pfunden eins gewissen z-s, bley, zinn, eysen oder stein Kepler
op. 5, 511; z.
der mit anderen metallen verbundene messing Krünitz 241, 178;
das zum gieszen der drucktypen dienende material: z. der schriftgieszer besteht aus bley, spieszglasz und eisen, darunter etwas zinn und kupfer genommen wird
bei Klenz 111
a,
wo mehr belege; mein zeug (
schriftmetall) der wil nit flieszen Jörg Busch (16.
jahrh.)
bei O. Schade
handwerkslied. 25; Adelung
2 4, 1696; Hellwig
wb. d. fachausdr. 101
a;
masse des glases: klarheit des z-es Chr. v. Ryssel
seelenfried. 326;
stoffmasse für papier: (1394
Nürnb.)
chron. d. st. 1, 78; aus lumpen thut man machen des edlen schreibers zeug
volkslied d. Deutsch. 1, 72
v. Erlach; die bereitung beschreibt J. B. v. Rohr
Oberhartz (1739) 516;
n. büchersaal d. schön. wiss. (1745) 7, 62; Cramer
nord. aufseher 1, 55; der halbe z.
sind nur einmal gestampfte lumpen Adelung
2 4, 1695;
leder: den zuig, den er daselbs hett, zu verarbeiten (
Augsb.)
chron. d. st. 34, 318; den machten wir stiefel und schu, wann er hatt allen zeug darzu H. Sachs 9, 514
K.; diese tartschen ist auch von starckem z. gemacht Xylander
Polyb. 334;
rohstoffe des pulvers: Hoyer
wb. d. artill. 2, 2, 56; Schmeller-Fr. 2, 1091; z.
satz oder füllung eines feuerwerkkörpers Krünitz 241, 178;
brennstoff: man soll inen ... fragen ..., mit was feuerwerck er den brandt gethan, von wem, wie oder wo er solch feuerwerck oder den z. darzu zu wegen bracht habe
Carolina art. 51; v. Besser
schr. 1, 56
König; stoff zum flicken: er ... soll ... seine ... rosztaschen mit allerhand z., das roszgeschirr ... darmit zu flicken, ... versehen Sebiz
feldbau 148;
textilrohstoff: dasz der parchat am z., so man zu den bemelten tuechern verpraucht, mangel leiden werd (1434
Augsb.)
chron. d. st. 34, 228; (kriegseile,) die von gehecheltem z. gemacht sein Tucher
baumeisterb. 109
L.; ein garn, das lOewen fangen und riesen fAesseln soll, ja kAeyser schlingen ein, musz nicht aus schlechtem zeug und irdschem drate seyn Lohenstein
Ibrah. sult. 5; z.
wolle und haare, welche zu filz gebraucht werden Krünitz 241, 178;
stoff zu flüssigkeiten: einen lOeffel voll dieses z-es (
vieharznei) Mich. Böhme
viehartzney 48; anstrich mit palmOehle, schmeere und dergleichen fetten z-e (
auf den körper der wilden)
Olfert Dapper Africa 28
b; sechszehn und acht und darnach vier ist dintenzeugs ein recht manier, das ist 16 groszer und kleiner gallOepfel in masz und zahl, 8 des vitriols und 4 des gummi in gewichte W. Spangenberg
anm. weiszh. lustgart. 491; weiszes z.
käse und molken Schmeller-Fr. 2, 1091;
teig: welcher nit recht prot buoch von zuig oder von gewicht, den liesz man in ain korb vallen in die lachen (1442
Augsb.)
chron. d. st. 4, 324; (1627) H. Fischer 6, 1166; marzepanz.
trincirbuch (1652) 163; mandelz. Kramer
teutsch-it. 2, 19
b; der butterz., mandelz., pastetenz., pillenz. Adelung
2 4, 1696; knedelz., nudelz. Schmeller-Fr.; z. ...
der unreine, grobe zucker, der noch raffiniert werden soll Krünitz 241, 178; schwarzer, weiszer z.
die zum keltern getretenen oder geraspelten trauben H. Fischer 6, 1167; z.
die weinbeeren und auch die weinstöcke Adelung
2 4, 1696;
stoff zum malen und schreiben: fieng ... an zuo malen ... und gab allen z. darzuo (
Augsb.)
chron. d. st. 29, 22; Wickram 1, 145
B.; Pauli
schimpf 266
Ö.; wilt du durchzeychnen, was du for dir sihest, so rst for einen geschickten z. darzu A. Dürer
underweys. d. mess. Q 1
b; man bring uns zeug zu schreiben A. Gryphius
trauersp. 554
P.; volkslied. 687
Uhland; rohstoff des plastikers: gleich einem bildschnitzer, der mancherley z. musz haben, bisz er seine kunst auszbereit (
wo auch an das schnitzgeräth gedacht werden kann) Paracelsus
chir. büch. (1618) 301
a Hus.; das ist nun die materia oder der thon und z., darausz der son gottes das allerschOenste weyb Eua bawet und formiret Mathesius
w. 2, 36
L.; faber ein yetlicher werckmann, so in herter matery oder z. wercket, als in holtz, eysen, steinen und dergleychen Frisius 528
b; er (
Prometheus) trieb den rohen zeug in förmliche gestalt Günther
ged. 496. c)
im gegensatz zu dem veralteten oder in aussterbende fachsprachen abgewanderten gebrauch von a und b gilt z.
für den kleiderstoff allgemein; z-e
sind bes. schmale stoffe; es gibt leinene, baummwollene, seidene, wollene z-e;
die letzten unterscheiden sich vom tuch
auszer durch die gröszere schmalheit der stoffbahn noch dadurch, dasz sie glatt, wenig oder gar nicht gewalkt sind und grobe wolle haben; α)
unverarbeitet: legen in Mariae in ir schosz, das sy in sehe, nackent und blosz, bis ich den zúg getrag harzuo, darin ich in hie winden tuo
schausp. d. ma.s 2, 331
Mone; der ... brachte zeüg zu hosen und wambes Lindener
katzip. 70
L.; die kaufleut nennen einen gewissen zeuch puffi Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 2, 103; wer es irgend haben kann, trAegt des sommers seidnen z. S. G. Bürde
gesellsch. reise (1785) 145; die besten tücher und z-e Göthe 27, 56
W.; kauften geschenke für sie, nicht schlechte: der einen zum roten mieder den zeug Mörike
w. 1, 264; leinwad und allerley z-e zu weben J. Prätorius
winterflucht 131; halbseidene z-e Lohenstein
Armin. 2, 83
a; leichte wollene z-e Nicolai
reise d. Deutschld. 1, 312;
sprw.: es ... ist schad, wenn man newen z. auf alten rock flickt Lehman
flor. (1662) 1, 13; 349; s best züg vom garn, das selbsch me spinnt Wander 5, 567; weisz(es) z.
ist leinenwäsche, vgl.: sie hat ... etwas von weiszem z. ... aufhenken wollen Grimmelshausen 4, 560
Keller; die wAescherinnen ..., so den brgern ihr weisz z. waschen
F. v. Pinto wund. reis. (1671) 194; in das weiszeste zeug gewickelt den schönsten knaben Göthe 24, 33
W.; doch ein weiszer kleidstoff: das brautkleid war ... ein weiszer z. v. Besser
schr. 2, 645
Kön.; im gegensatz zu weisz z.
bezeichnet schwarz z.
die schmutzige wäsche: Stieler 2626; Kramer
teutsch-it. 2, 1447
a;
gröber: bschisses züg Hunziker 313;
übertrag. für literar. stoff: der z. ist schon verschnitten Lessing 10, 208
M.; bildl.: der dichter soll seine umrisse auf ein weitläufig gewobenes z. aufreiszen, damit der musicus vollkommenen raum habe, seine stickerey ... auszuführen Göthe IV, 23, 23
W. β)
fertige kleider: ich schone mein z. sehr A. Feuerbach
an s. mutter 1, 249; mir schlottert s z. ock am leibe rum G. Hauptmann
Rose Bernd 99; n biszchen kurz im z. (
die mädchen tragen kurze kleider) H. Seidel
Leb. Hühnch. 216; Hans Grimm
volk ohne raum 1, 58;
sprw.: der z. ist der billigste, der vor den büchsen der apotheken schützt Wander 5, 567;
in dieser bedeutung als ausdruck der umgangssprache sehr geläufig; bes. redewendungen: sich ins z. werfen
sich ankleiden, bes. stattlich, vgl.: sich ins z. werfen
sich in staat, putz werfen K. G. Anton
Oberlaus. 15, 19; er warf sich ins z. (ins abgetragene, beschabte) Holtei
erz. schr. 36, 144; Gutzkow
zaub. 1, 317; Grillparzer
s. w. 19, 218
S.; u. a.; noch beliebter einem am z-e flicken
ihm zusetzen, an ihm etwas auszusetzen haben: zwar wär es billig, diesen frechen vögeln auch tüchtig was am bunten zeug zu flicken Göthe 5, 171
W.; der nachbar sey brav in allen stücken, doch könne man ihm auch am zeuge flicken
ebda 173
W.; brem. wb. 5, 121; ten Doornkaat-Koolman 3, 443
a; Brendicke 195
b;
vielfach bezeugt; dazu treten in mdaa. noch einige andere wendungen: in kortem tüge
unangekleidet Richey 317; Schütze 4, 287;
jetzt veraltet, s. Mensing 5, 199;
auch ut t tüg wesen
ausgekleidet sein ebda; he is hellisch ut t tüg fullen
ist abgemagert ebda; in dem tüge wesen
angekleidet sein brem. wb. 5, 121; to tüge kamen
in die kleider kommen Richey 317,
was aber Schütze 4, 287
durch zu kleidern kommen, sich besser als zuvor kleiden ausdeutet; vgl. im z-e seyn
im staate sein K. G. Anton 15, 19. IIIIII.
in jüngerem gebrauch ein ganz allgemeiner ausdruck für gegenstände und abstractes aller art, aber meist nur in herabminderndem, geringschätzigem, verächtlichem sinne. oft ist z.
ein ersatzwort für den rechten ausdruck, wenn der gerade nicht einfällt, z. b.: aim s züg ferläse
jem. den standpunkt klar machen Seiler
Basl. ma. 329
a.
ausgangsstellen der entwicklung lassen sich u. a. bei II 2
c finden: nur abgetragenes z. reden A. v. Arnim 15, 9; ungewaschenes z.
vorbringen G. Freytag
ges. w. 17, 339;
ein anderer liegt in dem abschlusse einer aufzählung, vgl.: bohrer ..., stemmeisen ..., zwickel ... und dergleichen z-es mehr v. Hohberg
georg. 1, 394,
ein fall, welcher z.
noch in dem ursprünglichen sinne von werkzeug bietet, aber bereits die auffassung einer gefühlsbetonten, kurz abbrechenden und collectiven ausdrucksweise andeutet; fertig liegt sie vor in dem folgenden beleg: auf hochzeiten, meisterstückschmäuszen und was des z-s mehr ist H. L. Wagner
kindermörd. 28
lit. dkm. III@11)
so denn ein collectivausdruck, woraus sich wohl noch die neigung für das neutr. herleitet, für a)
gegenstände verschiedener art: wir wollen das z. (
mäntel und hüte) zum pfande behalten Thomasius
ged. u. erinn. 2, 71; (
das losen um die töpfe auf dem markte) ist deszwegen erfunden, damit nicht eine person allein die besten stcken vorher herauslesen kan und das schlimmste z. denen andern hinterlAest Amaranthes
frauenz.-lex. 1170; alte vasen und urnen! das zeug wohl könnt ich entbehren Göthe 5, 207
W.; Tieck
schr. 3, 241;
bes. die mdaa. bedienen sich dieser ausdrucksweise: si händ fil züg und sache Hunziker 313; Tobler 462
b; Stalder 2, 469; Mensing 5, 200;
u. v. a.; das z.
werthlose sachen Martin-L. 2, 895
b; liederliches z.
schlechte geräthschaften Adelung
2 4, 1697;
bereits an gez.
heftet sich dieser sinn: allerhand gez.
res variae Stieler 2626. b)
thiere und menschen, gewöhnlich in stark abschätziger bewerthung: dar kam veel tg (
viel gesinde) upn hupen Dähnert 497
a; tüg
gesindel Woeste-Nörr. 276
a; dat tüg fan folk ten Doornkaat-Koolman 3, 443
a; das hungrige z. (
für arme edelleute) P. A. Schrader
scherze (1762) 1, 199; man wird oft angeführt von dem z., den weinhändlern Jer. Gotthelf
ausgew. werke 8, 321
B.; dieses beflügelte z. (
bienen) G. Freytag
handschr. 2, 36; allerhand kleines z. (
fische) Storm
w. 1, 206;
in zss. geradezu anstatt eines plurals: flegen-, wiwer-, spitzbobentüg Danneil 228
b; haiden-, kattentüg Woeste-Nörr. 276
a; kroppz., rackerz. Weinhold 109
a; rappaliez. Schmidt
westerw. 161; untüg
ungeziefer, geschmeisz brem. wb. 5, 121; diebes-, zigeunerz. Adelung
2 4, 1697;
die herleitung dieser verwendung aus I 2
h liegt nahe; schon bei gez.,
s. th. 4, 1, 4, 6994. c)
worte, gedanken, handlungen, gebärden (
ebenfalls schon von gez.
vorbereitet und z. th. auch durch neues betonen des collectivischen präfixes erweitert, s. ebda): wenn man ... solch z. lieset Chr. Reuter
Schelm. vollst. ausg. 5
ndr.; er schmiert ein haufen z-es dahin Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2583; gemeines und ausgedroschenes z. (
vom schriftstellerischen stil) Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 402; Lessing 10, 271
M.; er bringt selzam z. vor Stieler 2626; der alte bringe lauter geringe z. und kinderey vor
wohlgeplagt. priest. (1695) 91; er schwatzt ... eine menge dummes z. Lessing 17, 275
M.; Frisch 2, 473
a; dummes zeug kann man viel reden, kann es auch schreiben Göthe 3, 256
W.; allgemein verbreitet; das einfältigste z.
Shakespeare 1, 280; närrisches z. Schiller 14, 150
G.; u. ä.; aus diesem ziegenbocke macht man ... wunderlich z. J. Prätorius
reform. astrol. 183; das tolle zeug, die rasenden gebärden Göthe (
Faust 2533) 14, 124
W.; (
der) noch wunderlicheres z. angab 28, 20
W. III@22)
auch von dem individuellen begriff kann der gebrauch bei genügend starker betonung des abscheus, verdrusses oder der geringschätzung herkommen. a)
wenn der eiter ursprünglich rein feststellend wesseriger z.
von Conradinus
ungerisch sucht (1574) 167
genannt wird und in den maa. diese bezeichnung in dem fremdwort materie
fortlebt, so kommt jüngerer sprachgebrauch nicht mehr ohne die vorstellung des widerlichen aus; so denn wohl in züg,
n., eiternde masse Hunziker 313; Seiler
Basl. mda. 329
a;
gewis für krankheiten, wobei auch euphemismus mitwirkt: das katarrhalische z. Göthe IV 29, 197
W.; böses z.
epilepsie Krünitz 241, 178;
ebenso das garstige z. Müller-Fr. 2, 701
b; ich musz mir das z. (
fieber) durch die erkältung zugezogen haben Eichendorf
s. w. 2, 221. b)
von einem lebenden wesen: so ist ... dieser iltis ein widrig und stinkendes z. v. Göchhausen
notab. venat. 59; een vuul stukke tüges vam wive
brem. wb. 5, 121;
s.zeugelchen
unt. IV 1;
von speisen, getränken, frucht: clepit, das dünne z. (
bier) Chr. Schultze
Gardelegen (1668) 122; weil mir das z. ... sehr wohl schmeckte Chr. Reuter
Schelm. vollst. ausg. 10
ndr.; unschmackhaftes z. (
wein) Göthe IV 29, 112
W.; was soll ich mit dem zeuge machen, dem wasser ohne saft und kraft? E.
M. Arndt 4, 156
R.-M.; das z. (
arzneimittel) schmeckt gut Müller-Fr. 2, 701
b;
s. 3. c)
völlig abstract: so is der zuig
so steht die sache Schmeller-Fr. 2, 1091; ist desz a zuig!
welches elend! Schöpf 832; züg
schmutzige sache, schmutziger handel, widriges geschäft; in das züg ine cho
in die politische bewegung, den strudel hineingerissen werden Seiler
Basl. mda. 329
a; Jer. Gotthelf
ges. schr. 3, 167; im ne züg si
in aufregung sein Baumgartner
mda. Bern. oberland. 52. III@33)
aus dem genitiv in fester syntaktischer fügung löst sich in der 2.
hälfte des 18.
jahrh. s eine form zeug(e)s ab, wie dings
aus ding (
th. 2, 1176);
aus geht sie von fällen wie: viel schOenes, zierliches ... dings und z-s P. Kentz
güld. handwercksbod. (1629) 139; (
sie) paplen viel z-s daher Elis. Charl. v. Orleans 4, 303
H.; und was des z-s mehr alle war Chr. Reuter
Schelm. vollst. ausg. 19
ndr.; ich mag des z-s nicht mehr Herder 18, 211
S.; ein früher fall, der aber noch als genitiv zu fassen ist: das er gutes eisenen z-s ... habe Sebiz
feldbau (1579) 50;
nam. die maa. bilden einen stehenden brauch aus: dan war i (
dem werde ich) sei z-s amal flicken Ruckert 199; Müller-Fr. 2, 701
b; Frischbier 2, 492
a; H. Fischer 6, 1167; dat tügs Danneil 228
b (
cit. ob. II 1
b); Mi 95
a; Seiler
Basl. ma. 328; Mensing 5, 200,
der sogar einen plural tügs
vermeldet, sowol von sachen wie von menschen (
äpfel, frauensleute sünd schöne [dulle, söte] tügs); son jrinet zeijes aus de aptheke Brendicke 195
b;
liter.: etliche bogen mit z-s zu überschmieren Wieland
an Merck (1777) 1, 120
W.; das z-s (
bier) steigt einem sogleich so in den kopf Tieck
schr. 5, 325; das z-s (
gepäck) Holtei
erz. schr. 13, 26; Coclo kokettirt, was z-s hält
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 395;
sogar: ich weisz ... nicht einmal genau, wo das z-s (
New York) liegt Tieck
novellenkr. 4, 364;
und für kinder: Arnim
w. 3, 399; G. Keller
ges. w. 1, 56. IVIV.
gramm.: 1)
die schwache neigung zur diminutiv- bildung erfaszt nur die concreten gruppen lebender wesen und geräthe: es ist ein arm z-elchen
misellus, paupertinus, humillimus homuncio est (
ein armseliges geschöpf, wesen) Stieler 2626,
vorstufe zu dem gebrauch von III 2
b; dat es ok so tügelken, hadde de düwel saght, doa hadde ne kar füarske (
frösche) oppelad (
weil sie wieder hinunterspringen) Frommann 3, 257,
zu III 1
b (
oder fracht, ladung im anschlusz an I 2
g?);
österr. häufig für kleines gefährt, bespanntes wägelchen: (sie) fuhren ... in feschen z-eln in den Prater
F. v. Saar
s. w. 2, 109; J. Nordmann
meine sonntage 20; z-el
n., leichter wagen samt pferden und geschirr Unger-Khull 649
b;
sonst noch für kleine tabakpfeife: P. Rosegger
schr. 3, 254;
für taschenmesser: försterbub. 66;
obersächs. für kleine fabrik, kleines bauerngut (
s. ob. I 1
b); Müller-Fraureuth 2, 702
a; z-elchen
tela subtilis Stieler 2626;
älter auch als dim. zu z.
bewaffnete schar: zoch ... mit ainem klainen z-l gen Landshut
V. Arnpeck
s. chron. 649; S. Franck
chron. Germ. (1538) 264
b; Stumpf
Schweizerchron. 266
b;
und zu z.
hode, geschlechtsglied: darumb dasz der same ausz dem gerechten zeuglin krefftiger denn ausz dem lincken Euchar. Röszlin
hebammenbüchl. 12; oben an der muotter seind zu beiden seiten zeuglin, darin der weibliche samen ist 4
b; Vesalius wil, sein (
des eichhorns) zeüglin und zümpelin sey von bein Herold
Gesners thierb. 13. 2)
mit unorganischem -t: nim gereinigeth eierweis tzw dem rosenwasser und milch, mache denn zceügt (
salbe, arzenei, oder teig? zu ii 2
b) an v. Pfolsbundt
bündthertznei (1460) 32
H.-M. 3)
zusammensetzungen s. ob. I 1
a; 2
a; b; c; d; II 2
b; III 1
b. ferner: acker-, barbier-, bau-, bindeblase-, brand-, butter-, fahr-, feuer-, fisch(er)-, fuhr-, hebe-, hinter-, jagd-, jäger-, kriegs-, leinen-, lumpen-, mahl-, marcipan-, mühl-, näh-, narren-, pasteten-, pferde-, pillen-, reise-, reisz-, rüst-, sau-, schanz-, scher-, schiff-, schmiede-, schreib-, seiden-, siel-, spiel-, strick-, trage-, vorder-, zimmerzeug.