wildbret,
n. ,
zu wild
adj. und mhd. brât
n. '
das eszbare fleisch',
s.brate
th. 2, 309. II.
herkunft und form: I@11)
mhd. wildbrât, wildbræte
das zum braten bestimmte fleisch des wildes Lexer 3, 894; zameʒ und ouch wildpræte
St. Oswald 2243 = 3215. I@22)
in der schreibung herrscht bis ins 18.
jahrhundert die gröszte willkür: wiltpret
voc. theut. 005
b; wilbred Frey
gartengesellsch. 210, 5; wilpret P. Gerhardt
geist. andachten 547, Steinbach; wilprett Fischart
Eulenspiegel 446
Hauffen; wilbrett Ayrer 1931, 30; wilt brat, wildbrat Diefenbach
gloss. 76, 171
a; wildbrait (
Eifel 1398) Grimm
weisth. 6, 563; wiltbrat, wildprat Hertzog
schildwache Bij, Dedekind 49
b, g 6
a; wiltbrot
Alsfelder passionsspiel 27, 887; wilbrat, wilprat
pfarrer von Kalenberg 622
neudr., Montanus
schwankbücher 524; wiltprecht (
Bodensee) Diefenbach
gloss. 76; wildbrecht, wiltprecht Luther 3, 150
b, Hutten
clag und vermanung 405; wilbrecht Joachim
treszlerbuch 85, 15; wilprecht Bock
kreuterbuch iii xx
b; wilpart (
rheinl.) Diefenbach
gloss. 76; wilpert Duez
nomencl. 191, Weise
überfl. gedanken 176; wildpert Kretschmann 2, 252, Ch. Jäger
weltbeschauung 28; wildbert Phil. v. Sittewald
vorr. 1
b, Grob
dichter. versuchg. 37;
von der mitte des 18.
jahrhunderts werden mehr und mehr vorherrschend wildbret, wildpret
und wildprett;
daneben vereinzelt wildprät Hagedorn, Pocci; wildbrät Uhland. I@33)
neuere mundartliche nebenformen: niederd. wildbradt Richey
idiot. hamburg.; sächs. wilbert Albrecht
Leipz. mundart; westfäl. wilbert Woeste;
schlesisch wilpert Holtei
erz. schr. 15, 244; 23, 113;
thür. wildbrät, wilberd Hertel;
luxemb. welpert, wilbert,
[] wälpert
wb. d. luxemb. mundart; unterfränk. wilpert (wilpertsdiab) Ruckert;
schwäb. wildprecht Schmid;
elsäss. wildbert, gewildbert Martin-Lienhart 2, 820;
bair.-österr. wildbrat.
als lehnwort dän. vildbrad,
schwed. vildbrd,
gegenüber altisl. villi-bráð
f. (Cleasby-Vigfússon),
niederl. wildbraad. wildbretlein
und wildgebret
s. unten; gewildbert
s. oben. I@44)
ausnahmsweise auch als plural: unter den kleinen wilbret, ist zu rechnen das rehe Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 3, 113. I@55)
verbale ableitungen, ausgehend von der mundartlichen form wilpert,
sind wildbräunen
und wildpern,
s. diese. IIII)
bedeutung und gebrauch. II@AA.
bedeutungsentwicklung. die grundbedeutung ist '
zum braten bestimmtes oder gebratenes, auch gesottenes wild' Kluge
7 493;
sie bleibt nach den wörterbüchern die vorherrschende verwendung: E. Alberus
nov. dict. genus 44
a deutet es als ferina, vel caro ferina; Duez
nomenclat. 26
de la venaison; Steinbach
ferina; compend. u. nutzb. haushaltungslex. 1036 das fleisch von den wilden thieren.
daneben findet sich vom 16.
jahrhundert an die bedeutung '
wild',
ursprünglich wohl für erlegtes, totes, das zum braten bestimmt war, bald aber auch für lebendes; und zwar wie wild
ebensowohl collectiv als für ein einzelnes thier: bestes légères, leicht wilpert Duez
nomencl. 191,
ferner rot, schwarz, hauswilpert; wildpret, wild als roth wildpret, schwarz wildpret Rädlein;
noch Adelung
bucht diese bedeutung neben der zuerstgenannten. die neuere sprache versteht unter wildbret
meist nur das fleisch des erlegten thieres, und zwar hauptsächlich im rohen zustand; wegen der gröszeren deutlichkeit behält sie es gern statt wild
n. in zusammensetzungen (
s. diese unten).
für das als speise zubereitete fleisch ist heute wild, wildbraten
gebräuchlicher. wie sehr zeitweise und örtlich die verwendung des worts für lebendes wild vorherrschte und die grundbedeutung verdrängt hatte, zeigen bildungen wie wildbretsbraten, wildbretsdieb
und wildbretsfleisch
oder verbindungen wie totes wildbret.
vgl. zu diesem und allem folgenden auch oben den artikel wild
n. II@BB.
gebrauch im einzelnen: II@B@11)
das fleisch des wildes einschlieszlich des wilden geflügels, sowohl im rohen als im zubereiteten zustand. II@B@1@aa)
das fleisch im rohen zustande, II@B@1@a@aα)
sowohl collectiv als für ein einzelnes stück fleisch: item 1
m. Juden im gebite zu Osterrode geben am dinstage noch Luce ewangeliste, als her dem meister wilbrecht brachte Joachim
Marienb. treszlerbuch 85, 15; so leszt im der alte Isaac ein gut wildpred zurichten Mathesius
Sarepta X
a; II@B@1@a@bβ)
verschiedene arten: edels wilpret
fastnachtspiele 748, 23; ain pfund schweinich wilpredt
chron. d. deutschen städte 23, 328; hirtzen wildpret Ryff
spiegel u. reg. der gesundheit 48
a; hirschein, reherein oder sweinein wildpret
Nürnb. polizeiordn. 312; rot, schwarz, stinkend wilpert Duez
nomencl. 191; schwarz-, rot-, rauh-, eszwilpert Stieler; bratwildbret und kochwildbret Fürst
jagd- u. forstlex. 796; kurz-wildpret,
die hoden des hirsches Döbel
jägerpract. 2 1, 18
b; schweinwildbrät Steinbach; schweinwildbret, hirschwildbret Adelung;
s. auch unten 2 b
γ und vorne die artikel birk-, reh-, gemswildbret
u. a. II@B@1@a@gγ)
im gegensatz zu zahmem oder hausfleisch: die jäger henken das fleisch und wilprät darein Seb. Münster
cosm. cccci; das land hat überflusz an haus- oder zammem fleisch, an wilbrat, butter, kees Quadt von Kinckelbach
teutscher nation herligkeit 48; gleichwie mons. Canard mehr wildpret hinweg zuwerfen, als mancher zufressen hatte, der eine eigne wildbahne vermag, und ihm mehr zahmes verehrt ward, als er und die seinigen verzehren konnten Grimmelshausen
Simpl. 295
Kögel; vgl. auch oben I
den beleg aus St. Oswald. [] II@B@1@a@dδ)
in der weidmannssprache das '
fleisch des wildes'
im gegensatz zu dem fell, den knochen usw. Döbel
jägerpract. 4, 26
a : viele wilderer schieszen etwan ein stück allein von der haut wegen und lassen das wildbret ihren gemeinern zustehen
würtemb. wildbretschützenordnung 22; die zwei streifen wildpret am halse heiszen die kehlbraten Döbel
jägerpract. 1, 18
b; (
die ortolane) fressen sich .. so fett, dasz fast kein wildpret an ihnen zu sehen ist 57
a; (
das thier, wenn es feist ist) ist gut und stark am wildpret Heppe
lehrprinz 114; das wildbrett (
der nilgans) unterscheidet sich .. nicht von dem anderer wildgansarten Brehm
thierleben 6, 621; die enten sind (
in diesem jahre) .. gut im wildbret Frenzel
Leipz. neu. nachrichten 17. 7. 1905, 3.
beilage. II@B@1@a@eε)
der längeren genieszbarkeit wegen wird es gerne in einem kleinen fasz eingesalzen, eingeschlagen oder gebeizt; vgl. wildbret einsalzen Adelung;
näheres über das verfahren dabei s. Chomel
öcon. u. phys. lex. 8, 233;
ferner s. unten wildbretfäszlein: dri häringtunnen desselben wildprätz Richental
chronik d. Constanzer conzils 100; wiltbret in dem salz Pauli
schimpf u. ernst 18; das eingebeizte wiltbret wollte die frau selbst aus dem keller holen Grimmelshausen 2, 341
Keller (
vogelnest); das eingeschlagene wildprett in dem fasz Abraham a St. Clara
mercks Wien (1680) 57. II@B@1@a@zζ)
der geruch findet häufige und nicht sehr lobende erwähnung: da sie doch eben ein stück stinkend wildpret aus einem fäszlein langete Grimmelshausen 2, 341
Keller (
vogelnest). II@B@1@a@hη)
auch übertragen vom menschenfleisch und dem fleisch von thieren, die gewöhnlich nicht gejagt werden, wie affen: auch in der kunst, das vornehmste und schönste wildpret, den mann, zu schlachten .. bin ich .. meisterin Wieland
Lucian 4, 236; kein besseres wildpret .. als menschenfleisch Prätorius
anthropodemus plutonicus 1, 384; mancher reisende hat .. die affen als .. wildbret .. betrachten müssen Brehm
thierleben 1, 202. II@B@1@bb)
als zubereitete speise, II@B@1@b@aα)
als speise der reichen, der leckermäuler und als inbegriff alles köstlichen, woher das sprichwort wildpret und fisch gehören auf des herren tisch Wander 5, 235; die richen ladt man zuo dem tisch und bringt inn wiltpret, vogel, visch Brant
narrensch. 17, 15
Zarncke; wie man den vernaschten weibern ein abscheuen vorm wildbret macht Grimmelshausen 4, 508;
daher bildlich für leckerbissen überhaupt: der schlangen kost und most, der würmer süsze speise, der raben wildprät Treuer
deutscher Dädalus 4, 35; äpfel und hart schimlich brod .. (
waren) mein bestes wildbret Grimmelshausen
Simpl. 1, 409, 26
Kurz. stehender bestandtheil jeder festlichen mahlzeit und gerne in verbindung mit geflügel, fisch, pasteten, austern, wein: der wirt stelt wildpret für und fisch J. Fischart
Eulenspiegel 11085
Hauffen; all ding örnlich und wol versehen, zu knechten, keller, bett und tisch, mit köstling drank, wildpret und fisch Hans Sachs 2, 46, 25
Keller; hätt ich wiltpret, wein und fisch und die ganze weide Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel,
kirchenlied 3, 408
b; dein austern liebt er nur, dein wilprät, gar nicht dich Logau 168 (
nr. 30); mehr denn kein andre zeit der winter als ein koch vih, wildbret, vögel, fisch uns auf den tisch fürsetzet Weckherlin 2, 396; nicht wildprät und pasteten Simon Dach 718; man setzt die braut zu tische, man gab ihr wildpret und fische Herder 25, 109; meiner mutter ziemet wildbrät und fisch Uhland
ged. 2 343;
[] es wäre so wenig standesgemäsz, als wenn er wildpret und fisch auf eine hochzeittafel bringen wollte Riehl
deutsche arbeit 25.
s. auch unten wiltbretundfischbrief. II@B@1@b@bβ)
bald als stärkend empfohlen, bald als zu scharf verboten: er soll sich hüten vor dürrem und gesalzenem fleisch und soll kein speck, wiltpret, gewürz oder derglichen vilerlei essen Gersdorff
wundarznei xlvii 1
b; ich dachte nicht, dasz wildbratt ungesund were
briefe der prinz. E. Ch. v. Orleans 439; damit die mönche .. durch das wildpret, wenn sie krank würden, sich laben und stärken könnten Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 495. II@B@1@b@gγ)
die gewöhnliche zubereitung ist das braten; die häufige verbindung gebratenes wildbret
zeigt das völlige verblassen der grundbedeutung: gebradet wilprat als hasen Krumbholtz
die gewerbe der stadt Münster 289; wie gern woltest du dein gebraten wildpret hergeben Grimmelshausen 2, 416;
auch sauer zubereitetes fleisch zahmer thiere kann wildbret
heiszen, so ndd. wildbradt
brem.-niederd. wörterb. 5, 256;
schwäb. dîtsch wildpret
gebeiztes rindfleisch Buck
med. volksabergl. 6;
siehe auch unten wildbretsbraten, -keule, -pfeffer, -ragout, -sauce. II@B@22)
das wild selbst, und zwar sowohl das erlegte oder gefangene, als das noch lebende und in freiheit befindliche; der älteste beleg für letztere verwendung ist wohl bei Grimm
weisth. 6, 563 wildbrait (
Eifel 1398). II@B@2@aa)
das erlegte wild, die jagdbeute: da man doch sonsten darinn den schweinen, wildpret .. und dergleichen thieren .. die borsten, haare und federn abbrühet Birken
der vermehrte Donaustrand 65; ein reh und ander todt wildpret (
aus dem katalog einer gemäldegalerie) Göthe 47, 368
Weim.; aus eben dem messer, mit dem der wilde sein wildpret zerlegte, erfand Lionet dasjenige Schiller 1, 155 (
versuch über den zusammenhang)
; alterthümlich als synonym zu thierleiche, cadaver: die arme häsinn .. sieht noch, mit sterbenden augen, manchen stattlichen jäger sich um ihr wildpret versammeln Thümmel
Wilhelmine 34, 37
neudr. der 1.
ausg. II@B@2@bb)
das lebende wild, auf das jagd gemacht wird, II@B@2@b@aα)
collectiv: (
die insel Schütt) ist .. ein kostlicher ort mit wilbrecht
mitth. d. vereins für gesch. von Erfurt 4, 12 (
erlebnisse eines landsknechts, um 1530); es ist sunst ein guot land an viech .., wildpret und ander dingen Seb. Münster
cosmogr. dcxciiii; keine raubthierer gibts nicht, aber sonst allerhand gut wildpert Ch. Jäger
weltbeschauung 28; die jungen wölfe .. lernen die schlupfwinkel des wildbrets kennen J. Grimm
Reinhart Fuchs, vorrede xxii;
gerne in verbindung mit herde, rudel, volk: (
der berg Ida) da des wildprets unzehlbarlich umblaufen thut ein grosze herd Spreng
Ilias 203
a; ein rudel wildpret Döbel
jägerpractica 2 1, 19
a; es wohnt' im selben eichenwald ein volk von wildprett mannichfalt Rückert
ges. ged. (1837) 3, 328. II@B@2@b@bβ)
von dem einzelnen thier: gehe aufs feld, und fahe mir ein wildbret
1 Mos. 27, 3; weil keiner richtiger des rammlers fährte spürte, noch anschlug, so wie er, wo sich ein wildprät rührte Hagedorn 1, 41; worauf musz der lauern? auf ein wildbret nicht Ludwig 3, 96 (
erbförster 4, 6);
gerne, wie wild,
in verbindung mit stück: als wann ein stuck wildbret verhanden gewest wäre Grimmelshausen 2, 31, 18
Keller; um .. ein anständiges stückgen wildpret zu schieszen Schnabel
ins. Felsenbg. 27. II@B@2@b@gγ)
für verschiedene arten wie das fliegende wildpret Paracelsus
opera 2, 326; laufendes und fliegendes wildprät Guler v. Weineck
Raetia 164
a; hohes und kleines, stiebendes und fliegendes Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 3, 113; rothes und schwarzes wildbrett
Württemb. erneu. vorstordn. 92; federwildbrett
eb. 93, Schottel
haubtsp. 78; schwarz-, rot-, eszwilpert, federwilpert Stieler; schmalwildbret Döbel 1, 5
a;
vgl. auch [] Rädlein
und Adelung; fallwildbret
s. unten wildfall;
scherzhaft auch zahmes wildbret
für hausthiere: hab nie kein hoch wilbret geschossen H. Sachs 3, 55, 29
Keller; einem calecutischen hahn, oder wie man das zahme wildpret auf hoch teutsch .. nennet, einem truthahn Weise
die drei ärgsten erznarren 202
neudr.; sonst vgl. Marperger
vollst. küch- und kellerdict. 1317
b; Amaranthes
frauenz. lex. 2124; schwarz wildpret soll nur im thiergarten geduldet werden
allg. deutsche bibliothek 92, 162;
das wilde geflügel wird manchmal in das wildbret
eingerechnet, gewöhnlich aber neben diesem besonders erwähnt: von wildem geflügel giebt es .. mehrere arten als von anderm wildpret G. Forster 1, 46; ain haselhun, das fleugt, ain rech, das da steubt, .. sei das best wildpret
Garg. 3, 58
neudr.; die andern artikel von freiheit des wiltprets, vogel, fisch, holz, welde Luther 18, 327, 28
Weim.; weidvögel (
geflügel) und wildprät
volksb. v. dr. Faust 64, 113
neudr.; viel wildpret und vögel Holtei
erz. schr. 13, 177. II@B@2@b@dδ)
in der weidmannssprache mit vorliebe das rothwild, besonders die hirschkuh,
sonst auch wild
oder thier
genannt Heppe
lehrprinz 32: des wildbrets sollten sie verschonen, aber bachen zusamt den frischlingen und keulern nidermachen Opel-Cohn
30 jähr. krieg 278, 47; die jungen hirsche sind dem wildbret zur brunftzeit sehr angenehm Fleming
vollk. teutsch. jäger 90
b; die schlechten hirsche oder spieszerte, die sich noch bei dem wildprete oder thieren im truppe oder rudel bisher gehalten Döbel
jägerpractica 1, 4
a; II@B@2@b@eε)
gerne mit verben, die sich auf das jagen beziehen, wie aufjagen, aufspüren, stellen, wittern, hetzen, fällen, erlegen, hegen
u. a., vielfach bildlich: der bapst mit disen falken beiszt, die jagen im das wiltprecht auf Hutten
clag und vormanung v. 405
Balke; ihr jäger spürt und häzt das wiltpret in dem holz! Rompler von Löwenhalt 1.
gebüsch 17; allein der schnupfen, so mich plagt, benimmt mir alle kraft, das wildpret auszuspüren Lichtwer
äsopische fabeln 140; könnt ihr schon mein wildpret wittern? Zach. Werner
das kreuz an der Ostsee 22; schönstes wildpret dieser fluren, fällt dich niemals schusz und netz? Vosz
sämmtl. gedichte 2, 140; das wildpret zu erlegen, mein lust hab' ich daran Böhme
volksthüml. lieder der Deutschen im 18. und 19. jh. 443; es ist wildbret, das ich eigentlich nicht selbst hege, das nur von ungefehr in mein gehege übergetreten ist Lessing 11, 36. II@B@33)
übertragen auch irgend ein anderes thier, wobei das tertium comparationis entweder das wohlschmeckende fleisch oder das gejagtwerden ist, stets scherzhaft: II@B@3@aa)
ein hausthier, z. b. ein schaf oder rind; vgl. hauswilpert Duez
nomencl. 191: und ach! was auch musz denken der fromme vatter mein sich, weil so spät last fenken das wüllen wiltprat (
schaf) sein Spee
trutznacht. 222; ein stück stallwilpert aus meinem hof (
rind) Musäus
phys. reise 1, 37. II@B@3@bb)
eine fliege: je nachdem sie (
die spinne) sich eines netzes gebrauchet, ihr wildpret zu belaustern Grimmelshausen
Simpl. 1, 157, 27
Kurz. II@B@3@cc)
im 16.
jahrhundert mit vorliebe das ungeziefer, wie flöhe oder läuse: sie muoszte zwischen beide bein mit groszem ernst greifen hinein, und jagen das schwarze wildpret, das sich im forst gesamlet het Fischart
flöhhaz 13, 379
neudr.; ouch der sich kratzet in dem grind und luog, ob er kein wiltpret find Brant
narrensch. 110
a, 128;
[] II@B@44)
in vielfacher bildlicher verwendung: II@B@4@aa)
ausgehend von der bedeutung '
wildbraten'
und mit dem tertium comparationis des wohlschmeckenden und willkommenen oder des seltenen und verlockenden. II@B@4@a@aα)
ein leckerbissen: din buch hast gmästet wie ein schwin, den würmen wirst du wildbrät sin!
N. Manuel 17, 78; so versteh ich nun wol, dasz es ihnen ein wildpret ist, und ihnen im herzen schmecket
theatrum diabolorum 2, 187
c; sporteln sind eine art von einkünften (
der beamten), welche den stolgebühren der geistlichkeit gleichen; sie sind also das wildbrät auf beiden tafeln Wekhrlin
paragrafen 1 (1791), 130;
häufig von verlockenden weibern: die edle (
mädchen) wären einheimisch, diese (
die bauernmägdlein) aber wildpret Weidner
Zinkgrefs apophthegmata (1653) 3, 34; es (
ein bestimmte art mägdlein) ist ein wildpret, worauf sich die schmeiszfliegen gar bald setzen Stranitzky
ollapatrida 355, 23
neudr.; II@B@4@a@bβ)
sonst etwas hochgeschätztes: der tod ist mir (
dem papst) ein guot wildbrät, dardurch mine diener und mine rät mögend füeren hohen gebracht
N. Manuel 49; II@B@4@bb)
ausgehend von der vorstellung des gejagten wildes ein verfolgter mensch: die geistlich herrn jagten mich als wilpredt Luther 18, 445
Weim.; darumb wil ich mich wider rüsten und wil noch mehr wildpret (
feinde) fahen
buch der liebe 13
c;
auch wieder gerne von mädchen oder frauen, denen von ihren verehrern nachgestellt wird: dessen war der fuhrmann wol zufrieden, denn es daucht ihn, das wildprat (
ein junges starkes mädchen) were der arbeit wol werth Hertzog
die schiltwache Bij; schafft mir das heimlich wildprät (
ein frauenzimmer) aus euerem haus, damit die gelegenheit vermeidet sei Abraham a St. Clara
Judas 1, 95; das biszchen wildpret zu hüten, das in seinem häuslichen park, zwischen tisch und bett friedlich einherging Lichtenberg
verm. schriften 5, 180; geschwind! dasz wir das wildpret (
das mädel) nicht verlieren Göthe 14, 47
Weim.; auch von mühsam gesuchten gedanken: es ist ein ander studiern in der schrift, wenn man tunkel schrift und figuren auslegt, das wirt genennet ein weidewerk da man etlich lustige vorstand als das wilprett sucht und fehet Luther 7, 639
Weim.; nun aber ermahnte man uns auch ganz ernstlich, auf die bilderjagd auszugehen, die uns denn doch zuletzt nicht ohne frucht liesz, obgleich Apels garten, die kuchengärten, das Rosenthal, Gohlis, Raschwitz und Konnewitz das wunderlichste revier sein mochte, um poetisches wildpret darin aufzusuchen Göthe 27, 102, 14
Weim. (
aus meinem leben 7); II@B@4@cc)
seltener ausgehend von der vorstellung, dasz das wild im gegensatz zu den hausthieren sich selbst erhalten musz: dasz wir noch keinen galgen für die nachdrucker haben, ist .. beweis, dasz unsre .. fürsten noch keinen funken liebe für gelehrte haben, sondern diese menschenart betrachten, wie das wildpret, das sich selbst erhalten musz Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 82. II@B@55)
häufig in festen redensarten und in sprichwörtern, namentlich des 16.
und 17.
jahrhunderts, gern bildlich; vgl. auch Wander
sprichwörterlex. 5, 235;
so mit bezug II@B@5@aa)
auf den wohlgeschmack: der brei schmeckt den bauern basz dann groszen herrn wildpret Seb. Franck
sprichwörter 1, 109
a; man lasz den edelleuten ihr wilpret, den pauern ihr kirchweihe J. Agricola 750
teutscher sprichwörter k I
a;
daher wildpret essen,
schlemmen, faulenzen: wann holzhauen auch wer ein orden, so wern der münch so viel nicht worden, als der im Faulharts orden sind, wie mans in allen clostern find,
[] weil sie auch oft am tisch gesessen und mit andern vom willpret gessen Eyering
proverb. cop. 1, 803;
sonst auch wildpret naschen: wann der hund von dem wildpret nascht, dest lieber er fort hasen hascht 3, 381;
dies auch im sinn von '
zu hoch hinaus wollen': ich merk, sie hat kein lust zu mir, ich hab kein schwere taschen, sie sprach: du leckest noch wol ein schnee, darbei ich ihr meinung versteh, ich solt nit wilpret naschen
Ambraser liederbuch 178, 11. II@B@5@bb)
auf den scharfen geruch oder geschmack, der das wildbret leicht verräth und eine besonders scharfe zubereitung oder allerlei zuthaten nöthig macht: advocaten .., welche .. über ein jedes stinkendes wildpret ein brühle zu machen wissen Albertinus
hirnschl. 503;
ähnlich Butschky
Pathmos 285; wildprät will pfeffer haben Kirchhofer
schweizerische sprüchwörter 255; es heiszt: wer wildprett essen will, der kenn es und warmit man's füll Fischart
Eulenspiegel 4989
Hauffen; II@B@5@cc)
auf die schwierigkeit des fangens und die mühseligkeiten der jagd überhaupt, vor allem des wildtragens: Nicanor uberschluog gering, verkouft das wiltpret, ee ers fing Brant
narrenschiff 15, 26;
ähnlich Gengenbach 3, 21; die aber drauf (
auf dem thron) sitzen, müssen oft auch blut schwitzen und schlafen gehen, als hetten sie wilbret getragen Mathesius
Sarepta xciiii
b. II@B@5@dd)
auf der seltenheit und daher kostbarkeit dieser speise für den gemeinen mann beruht die redensart wildpret sein, '
selten, fremd, unbekannt sein' (
vgl. oben 4 a); II@B@5@d@aα)
zuweilen von personen: wo sint aber ietz sölche jungen, worlich es ist wiltpret, wo man si ietz findt Keisersberg
bilg. 151
b;
vgl. auch Dentzler
clavis linguae latinae 352
b; solch diener jetzund wildpret sein Ayrer 3069, 3
Keller; dann solcher (
der guten weiber) man die meng nicht hat und seind schier wiltbret wordn auf erdn Rebhun 130 (
hochz. zu Cana act 3,
v. 787); II@B@5@d@bβ)
noch häufiger und wohl auch früher von unpersönlichem: die mörin sprach: das ist wilbret in minem herzen sicherlich H. v. Sachsenheim
Mörin 2482
Martin; es was mir vor wilpret, e ich die warheit fand
sleigertüchlein 215, 30; gedenk wie ein sölcher (
spater) rüw so kum überkommen werd, und so seltzam ist, es ist wilpret, wo es ist Keisersberg
bilg. 48
d.
oft auch von guten eigenschaften oder seltenen kenntnissen: treüw ist wildprät
fides concidit Maaler; dankbarkeit ist jetzt ein wilpert (
pro raritate) Stieler; liebe ist wildprät Kirchhofer
schweizerische sprüchwörter 196; treu ist ein wildpret, könnte doch aus der treu auch eine untreu werden Schweinichen
denkwürd. 7; dasz klug und edel sein jetzt fast ein wildprät ist Chr. Gryphius
poet. wäld. 2, 142; wie dann selbiger zeit gut latein, bevorab in disen landen, wildprät war Guler von Weineck
Raetia 87
b; II@B@5@d@gγ)
besonders gerne in der verbindung wildbret im himmel: so spricht man, es ist wilpret im himmelrich, darumb das es also seltzam ist Keisersberg
bilg. 48
d;
von der seltenheit guter fürsten: wer weisz das nicht, das ein furst wiltprett im himel ist? Luther 11, 273
Weim.; ähnlich 6, 468; 7, 591; 10, I 1, 309; 19, 648;
sprichwörtlich nach Eyering
proverb. cop. 2, 75;
nur selten in neuerer zeit: ein fürst ist wildpret im himmel Bauernfeld 6, 210 (
Franz von Sickingen 4, 7);
vgl. auch bei Eyering:
[] ein fürst ist so seltzam im himmel, als ein hirsch in eines armen küchen
prov. cop. 2, 75.
bei den dichtern des 17.
jahrhunderts häufig in der verbindung ein wildbret dieser zeit (
oder dieser welt): du warst ein wildprät unsrer zeit Simon Dach 750; lieben, lieben ist ein wildpret dieser zeit B. Schmolck 2, 370; die edle gottesfurcht, das wildpret dieser welt H. v. Hoffmannswaldau
und anderer Deutschen auserl. u. bisher ungedr. gedichte 3, 299.
oft mit dem erklärenden zusatz selten, seltsam, nicht gemein
u. a.: es ist im ein seltzam kraut und solch wildprett, das nicht gemein ist, das ein heubtmann solchen glauben sol haben Luther 6 (1557), 318
a; es ist ein köstliches, aber gar ein seltzames wilpret umb einen treuen freund Schupp 404; dasz sie (
die rednerkunst) ein gar seltenes wildbret unter denen gelehrten sei Thomasius
kleine teutsche schriften 2 376.
zusammensetzungen: wildbretbahn, f., dasselbe wie wildbahn: an denen orten, da gute wiltpretbahnen unterhalten ... werden Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 2, 89. —