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schleppen

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schleppen verb.

Bd. 15, Sp. 642
schleppen, verb. am boden fortschleifen, langsam und mit mühe ziehen. ein lehnwort aus dem nd. slêpen, dem causativ zu slîpen, also einem mhd. sleifen entsprechend, vgl. schleifen und Weigand 2, 588 f. die identität von schleppen und schleifen hat schon Wachter 1430 erkannt. mnd. slepen Schiller-Lübben 4, 233b f., ebenso mnl. und nnl., s. Franck 890. in neueren nd. mundarten slepen brem. wb. 4, 822 f. Schütze 4, 116. Schambach 194b, slepen, släpen ten Doornkaat Koolman 3, 197a, släpen Mi 80a, slöpn Danneil 196a, sliepen Woeste 240b. in neufries. mundarten slîpje, slîpi, slippen, s. ten Doornkaat Koolman a. a. o. den andern german. sprachen fehlt die bildung. altn. sleppa, gleiten, entschlüpfen, darf natürlich nicht verglichen werden; schwed. släpa, n. slæbe schleppen, schleifen, schwere arbeit thun, stammt wol erst aus dem nd. im mhd. begegnet neben der gewöhnlichen hd. form sleifen, sleiphen, s. Lexer handwb. 2, 970 und schleifen, bereits vereinzelt die entlehnte form, und zwar zuerst seit dem 13. jahrh. in der deutschordensdichtung, in deren gebiete sich hd. und nd. sprache am leichtesten mischten: swaʒ er gevlete und gebat uf den vorbenanten sin, doch slepte si in vaste hin uf den marct durch die gaʒʒen. pass. 190, 50 Köpke; vgl. die belege unten. ob hier bereits die kürzung des nd. ê vollzogen ist, läszt sich aus den belegten formen nicht ersehen; es ist aber wol das wahrscheinliche. im nhd. geht die form schleppen durch, zuweilen auch schläppen geschrieben. ganz vereinzelt mit falscher verschiebung schlepfen (s. 1, a). in hd. mundarten ist schleppen nur vereinzelt (aus der schriftsprache) eingedrungen, so schweiz. schlepe neben schleipfe Hunziker 222; österreichisch schleppen anhaltend tragen Hügel 138b. 11) schleppen mit persönlichem object, einen widerstrebenden gewaltsam fortziehen. schleppen, rapere aut trahere violenter, emmener par force Schottel 1401; einen schleppen, der nicht fort will, nolentem trahere Steinbach 2, 442. 1@aa) mit betonung des gewaltsamen und des widerstrebens des objects: hole sie herein, wollen sie nicht, so schlepfe die ungehorsamen fort. kunst über alle künste 209, 4 Köhler (der [] widerspenst. zähm. 5, 2); allein ich traf in Gotha so höchstgefällige leute, die mich ... mit gewalt nach ihrem garten schleppten. Lessing 13, 233; du führst den, der dir folgt, und schleppst die widerstehn. Opitz 2, 295. daher sprichwörtlich: schleppe mich, ich gehe gern, wenn einer sich nur aus ziererei sträubt. Wander 4, 237. 1@bb) daher verstärkt, einen an den füszen schleppen, sodasz der körper auf dem boden nachschleift: weiche mir, greis, von der thüre, bevor du am fusze geschleppt wirst! merkst du nicht, wie jeder bereit mit den augen mir zuwinkt und dich zu schleppen gebeut? Voss Od. 18, 10—12; das er stieg in das grab zu handt und tappet nach dem todten umb, Alexandrum bein füszen numb und jn hin ausz dem grabe schleppet, der kopf jm hinden nachhin kleppet auff der erdt hin und wider schlug. H. Sachs 2, 4, 100d. einen an den haaren schleppen, vgl.: sleypen met den hayre, crinibus prostratum raptare Kilian: nechst schleppte Florida den armen Polidor mit haaren durch das hausz, und schlug ihm stüber vor. Günther 554. bildlich: zu Hamburg hingegen, wo pastor Götze die menschen an den haaren nach dem himmel schleppt, ist der kindermord sehr gemein. Lichtenberg 7, 39. seltener: die herren, vest, gestreng und freygeboren, ergriffen mich, wie ein gemeines lamm, und schleppten mich bey beiden ohren an ihren heldenstamm (stammbaum). Thümmel reise 10, 155. an einem seile schleppen, ziehen: da thät er einen narren spüren ... schleppt hinter sich an einer leinen alle narren, grosz und kleinen. Göthe 13, 129. 1@cc) schleppen zu einem besondern zwecke. in die gefangenschaft: unde wuntin dâ inmanc einin Prûʒin ... und den sleptin ouch hin in dî stat gewisse. Nicl. v. Jeroschin 14386. ins gefängnis: einen ins gefängnisz weg schleppen, aliquem in vincula abripere Steinbach 2, 442; ich folge ihnen, schleppen sie mich in einen kerker. Göthe 14, 235. in der studentensprache des 18. jahrh. bedeutete schleppen allein oder kollée schleppen einen fidelen bruder aufs karzer bringen Kindleben stud.-lex. (1781) 186; häscher. wie bringen wir ihn durch, wenn wir ihn fangen? die herren studenten schwören ja uns arm und beine zu zerschlagen, wenn wir ihn schleppen. Arnim Halle u. Jerusalem 3, 14 (s. ebenda). vor gericht: man reiszt und schleppt sie vor den richter. Schiller 11, 246. einen zur marter fort schleppen, in cruciatum aliquem abripere Steinbach 2, 442; zur richt-statt schleppen Frisch 2, 197b; zum tode schleppen, ad supplicium trahere Stieler 1807; einen zum galgen schleppen, ad patibulum aliquem rapere Steinbach a. a. o.; dar wart en deel gheslepet, radebraket unde quarteret, en deel gheslepet unde radebraket, en deel gheslepet unde koppet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 233b; zu irre libes plagen slepte man do uzer tur ieglichen so hinvur. pass. 467, 63 Köpke; (Blaubart) schleppt sie (seine frau) drauf, mit eigner hand, in des hofes innre mauer. Gotter 1, 54. eine leiche: gar ungestalte creaturn .. dy slepten hynder en eynen blutygen körper, aber ich woste nicht wasz es wasz. altdeutsche blätter 1, 126. zum grabe schleppen auch bildlich, wie an den rand des grabes bringen: er soll diesen engel noch besitzen, den er so schändlich beleidigt, den er an das grab geschleppt hat. Göthe 10, 85. 1@dd) in andern verwendungen, oft abgeblaszt, einen veranlassen, wohin mitzugehen: Cäsarn wär ich wohl nie zu fernen Britannen gefolget, Florus hätte mich leicht in die popine geschleppt! Göthe 1, 281; den (Faust) schlepp' ich (Mephistopheles) durch das wilde leben. 12, 93. bildlich: der kinderball. wie lächelt, wie hüpfet ihr blumige genien, kaum von der wolke gestiegen! der kunsttanz und der wahn schleppt euch nicht und hüpfet über die regel hinweg. J. Paul flegelj. 1, 120. [] 1@ee) vereinzelt ist folgende wendung: abfretten, etiam est improbo labore se, vel jumentum conficere, vulgo strapazzare, alias schleppen, ausmergeln. Stieler 900 f. 22) mit sächlichem object, trahere aliquid, quod jacet Frisch 2, 197b; vgl.sleypen, trahere, verrere, raptare, ita aliquam rem trahere aut gestare, ut tamen humo non attollatur. Kilian. 2@aa) die ursprüngliche bedeutung des 'schleifens' ist besonders deutlich an stellen wie: eyne maget was so gichtich, dat se up den handen kroep unde dat lame licham over de erden slepede. quelle bei Schiller - Lübben 4, 233b; mit der andern hand schleppte sie mühselig ein abgebrochenes kleines birkenbäumchen hinter sich her. Keller 3, 131; den fusz schleppen, auf dem boden herziehen, beim gehen, infolge eines fehlers (vgl. 5, b und schleppfusz): und (ich) schlepp meinen fusz und knick mein knie. Herder 25, 514 Suphan var. (bettlerlied). den schwanz schleppen, auf dem boden nachziehen, vom hunde, daher bildlich: hä sliepede den stert und gong af. Woeste 240a. mit anstrengung ziehen: die pferde können den wagen kaum aus dem kothe schleppen. Adelung; (im bilde:) denn der karn in der pfütze leit, niemand kan jhn herausz schleppen. Soltau hist. volksl. 467 (vom j. 1622). so besonders im seewesen, wenn ein schiff, das beschädigt ist oder sich selbst nicht fortbewegen kann, von einem andern schiffe (s.schlepper, schleppdampfer, schleppschiff) mittelst des schlepptaus (s. das.), das um seinen groszen mast geschlungen ist, gezogen wird, s. Bobrik 603a: die Ville de Paris vom Napoleon geschleppt leitet. Weserzeitung 1854, 3364, s. 1c. der flusz schleppt schlamm, führt ihn mit: dasz die flüsse den schlamm, ... den die regenbäche von den höhen des festen landes abgespült haben, in das meer schleppen. Kant 9, 14; ähnlich: einem schnell einfallenden regengusz aber ists nicht untersagt, allen den in die ecken geschobnen kehrig aufzurühren, in die canäle zu schleppen, ja ... in die abzüge zu führen. Göthe 27, 143. 2@bb) meist bedeutet schleppen 'eine schwere last mit anstrengung tragen': das kreutze schleppen, crucem trahere Steinbach 2, 442; einige leute schleppten Philinens koffer. Göthe 19, 47; ein schweres schwerdt meine Bella, doch schleppen kann ichs noch wol. Schiller Fiesko 5, 5; sie schleppt mit keichend-wankenden schritten eine grosze tafel in holz geschnitten. Göthe 13, 128. mit aufgabe des begriffs des schweren, mühsamen: indem er ein paar pappdeckel voll seiner elenden skizzen geschleppt bringt. Thümmel reise 6, 306. neben tragen: kinder schleppten wächserne engel in den armen oder trugen chinesische krüge in den händen. Keller 1, 81. 2@cc) intransitiv gewendet: an etwas schleppen; im bilde: dasz ich mir eine neue bürde auflade, an der ich nachher zu tragen und zu schleppen habe. Göthe 21, 38; so auch: meine kerls haben ihnen (den nonnen) ein andenken hinterlassen, sie werden ihre neun monathe dran zu schleppen haben. Schiller räuber 2, 3 schauspiel. 2@dd) in freierer verwendung, 'wohin schaffen, bringen': dasz aber ein ehrliebender teutscher buchhändler solche werke nach dem galanten Leipzig zum vertrieb schleppen kann, beweist, wie weit wir nun schon in der kultur gekommen sind. Klinger 11, 58; alles schleppten sie (die Römer) drauf an diese stätte zusammen. Göthe 1, 283. 2@ee) bildlich: da kluge thorheit (in büchern) wird von so viel tausend händen durch land und see geschlept. Opitz 1, 58; in solchem laster, welchs alle andere nach sich schleppet. Fischart Bodin 215b; was ich thun kann thu' ich, und häufe soviel von allen diesen begriffen und talenten auf mich, als ich schleppen kann. Göthe 29, 67; hast du eine sünde in jene welt geschleppt, die dir den eingang in die pforten des paradises verrammelt? Schiller räuber 4, 5 schausp.; die grosze schandthat soll er mit sich in die ewigkeit hinüber schleppen! 5, 2; was die ameise Vernunft mühsam zu haufen schleppt, jagt in einem hui der wind des zufalls zusammen. Fiesko 2, 4; gleich heiszt ihr (der jugend) alles schändlich oder würdig, bös oder gut — und was die einbildung phantastisch schleppt in diesen dunkeln namen, das bürdet sie den sachen auf und wesen. Wallenst. tod 2, 2. [] 2@ff) so besonders sein leben u. ä. schleppen, wie eine schwere last, mühsam und verdrossen weiter führen: indessen, weil ich noch mein nasses elend bauen, und durch viel creutz und noth mein leben schleppen musz. Günther 579; sage, was ich für die müh meiner jungen zeit erbeute, nichts als unruh in dem alter und des lebens uberdrusz, das ich bey so schwerem creutze mir zur sünde schleppen musz. 845; der tyranney, der todesscenen müde, ermüdet zwischen furcht und banger hoffnung ein ungewisses leben fortzuschleppen. Wieland suppl. 4, 219; arm am beutel, krank am herzen, schleppt' ich meine langen tage. Göthe 1, 198; so schleppte ihr (der Spartaner) staat ein jahrhundert hindurch nach seinem fall .. ein ganz sieches daseyn. Niebuhr 1, 538; da hüpfte er als schuldloses kind den gang hin, den entlang er jetzt die überlast seines elends schleppte. Ludwig 1, 329. ähnlich mit unbestimmtem object: dem gerichtshalter und mir ist das ganze geschäft aufgewälzt. ein glück, dasz er eben ein so guter rechtsmann ist, als ich ein finanzmann bin, und dasz wir beide etwas zu schleppen gewohnt sind. Göthe 20, 245. 2@gg) etwas hinziehen, in die länge ziehen: mit solchen und dergleichen scharmützeln ward noch etliche jahre dieser krieg geschleppet. Schütz beschreib. der lande Preuszen 117. 33) technisches und besonderheiten. 3@aa) ein schiff schleppen, s. 2, a; den anker schleppen, s. 5, e. 3@bb) bergmännisch, fördergefäsze in stollen oder strecken durch ziehen fortbewegen. Veith 420. 3@cc) den fuchs schleppen, träge, nachlässig arbeiten. ebenda. 3@dd) bei den jägern heiszt schleppen füchse oder anderes raubwild durch eine schleppe (s. das. 4) an einen platz locken, wo man sie schieszen oder fangen kann. Behlen 5, 497. Jacobsson 3, 622b. 3@ee) niederdeutsche eigenthümlichkeiten (slêpen, vgl. schleifen): 3@e@aα) lasten auf einem schlitten (s.schleppe 6) fortschaffen. Danneil 196a. 3@e@bβ) flachs oder hanf auf einer mit eisen beschlagenen breche reinigen. brem. wb. 4, 823. 44) reflexiv sich schleppen. 4@aa) im eigentlichen sinne, sich mit mühe fortbewegen; von menschen: habt ihr denn gar kein eingeweid', dasz ihr den greis, der kaum sich selber schleppen kann, zum harten frohndienst treibt? Schiller Tell 1, 3. sich wohin schleppen u. s. w.: ... zuletzt bey später tageszeit ... hab' er, erschöpft von müdigkeit, mit schwerem haupt und leerem magen, sich heim geschleppt. Wieland 21, 187; er (der betrogene liebhaber) .. schleppte sich wie ein hungriges, verwundetes ungeheuer verdrüszlich und langsam aus dem hause hinaus. J. Paul Titan 3, 153; schau wie sich der faule lümmel heranschleppt, als zöge er einen frachtwagen. Arnim kronenwächter 1, 4; tödtlich verwundet, schleppt er sich in die kammer Isoldens. Immermann 13, 285. 4@bb) von sachen, die einen langsamen fortgang haben, im gewohnten geleise weiter gehen: die händel sich aber wie zuvor schleppeten. Schütz beschreib. der lande Preuszen 86; aber weit entfernt von so groszen wirkungen, schleppte das gericht .. sich nur kümmerlich hin. Göthe 26, 131; er zeigt eine anwandlung von besserung, die nicht lange dauert, und die sache schleppt sich ihren alten gang. 54, 25; es erben sich gesetz' und rechte wie eine ew'ge krankheit fort; sie schleppen von geschlecht sich zum geschlechte, und rücken sacht von ort zu ort. Göthe 12, 97. 4@cc) sich mit etwas schleppen, für etwas schleppen. 4@c@aα) mit einer concreten last: denn da er (Diogenes) gesehn, das einer mit der hand wasser geschöpffet, ... hat er auch seinen höltzernen trincknapff, welchen er bisz daher ... bey sich getragen, von sich geworffen, und sich damit hinfort nicht wollen schleppen. Hollonius somnium vitae hum. s. 3 neudruck; da Pickelh. hastu ihn (den lorbeerkranz), ich kan mich mit solcher lumperey nicht schleppen. Schoch stud.-leb. D 8a; ich habe geschworen, mich auf dieser reise nicht mit steinen zu schleppen. Göthe 27, 9; die mäntel, die tabarros, womit man sich ja das ganze jahr schleppt. 27, 143; auch so keuchten die weiber und kinder mit bündeln sich schleppend. 40, 239. [] 4@c@bβ) mit menschen. sich mit huren schleppen, meretrices sectari, cum scortis volutari Stieler 1807, ducere scortas Frisch 2, 197b; sich mit einer person (andern geschlechts) schleppen, mit ihr in unerlaubtem verkehre stehen; auch eine lange brautschaft haben Frischbier 2, 285a; das ist auch eine ursache nicht geringe, das er (Carlstad) sich mit den himelischen propheten schleppet .. von denen lernet er, zu denen helt er sich. Luther 3, 46b; Moses aber weis nichts zuschreiben, denn wie sich Isaac mit der frawen schlept und mit jr schertzet und narret. 4, 143b; dasz ich mich erbar und reputirlich einstellete und nicht mehr wie hiebevor meiner art nach mich mit lumpenpossen, buben und bernhäutern schleppete. Simpl. 1, 432, 32 Kurz; indem er (Hiob) sich vielleicht mit huren geschleppt, und dadurch diese kranckheit an hals gezogen hab. Schuppius 165; hernach schleppen sich solche personen mit einander, bis sie nach allzuvieler familiaritaet einander gram werden. d. wohlgeplagte priester (1691) 143; könig Franciscus I schleppte sich mit einer gräfin von Chateaubrian. Paulini philosoph. luststunden (1709) 2, 37; hat sie dir gesagt, dasz du dich mit jungen kerlen schleppen sollest? Weisze kom. opern 1, 176; wenn die männer sich mit den weibern schleppen, so werden sie so gleichsam abgesponnen wie ein wocken. Göthe 49, 82. 4@c@gγ) in übertragener verwendung: sich mit etwas schleppen, possidere aliquid quod incommodum est, a quo quis non facile liberari potest, quod adhaeret moleste. Frisch 2, 197b; sich mit verdrieszlicher arbeit schleppen müssen, multum negoti habere cum aliqua re. ebenda; ich habe mich lange mit der arbeit geschleppet. Stieler 1807; sich mit einem kranken leibe, sich mit dem fieber schleppen, die krankheit, das fieber nicht los werden. Frischbier 2, 285a; weil ich (Mammon) mich dessen zum höchsten rühme, dasz sich alles, was mir beygethan ist, mit bittrer sorge, angst, noht, mühe und arbeit schläppen musz. Simpl. 2, 142, 8 Kurz; dieser geschichten halber hat besagter fendrich nachgehends ein lied gemacht .. mit welchem sich in folgender zeit gantz Teutschland etliche jahr geschleppt. 3, 81, 16; weil der grosze mann bisz in den tod sich mit der logic schleppe, und lasse das sein principalstudium seyn. Schuppius 817; sieh wie ich mich noch immer mit träumen schleppe. Göthe briefe 2, 103 Weim. ausgabe. 4@dd) bergmännisch, von gängen und klüften, in streichen zusammenkommen, auf eine längere oder kürzere strecke vereinigt fortgehen und sich dann wieder trennen. Veith 420: man sagt von gängen, welche mit einander vereinigt fortsetzen, dasz sie sich schleppen. quelle s. ebenda; denn das gibt die erfarung, das ein gang allein, wo sich nicht ander mit jhm schleppen, ramlen oder gadten, selten ertz füret. Mathesius Sar. 31b; wie sich im Buchholtz silber und zwittergenge mit einander schleppen. 99b. 55) intransitiv gewendet. 5@aa) eigentlich, auf der erde herschleifen: das kleid, der mantel schleppt. Adelung; sie kommen hervor, ein weib da, ein mann, in weiszen und schleppenden hemden. Göthe 1, 229. vgl. besonders nachschleppen. 5@bb) schleppend, langsam gehen; so mnd. mnl.: sleypen ... repere, serpere, segniter incedere Kilian; (processie tho holden) dat alle papen und monneke mosten des morgens tho 5 in dem dome mit eren ornatien wesen, alsdann slepeden se mit grotem prale umme de stadt her. quelle bei Schiller-Lübben 4, 234a; jetzt besonders in der verbindung ein schleppender gang, bei dem der fusz nicht vom boden gehoben wird: Marie hätte die grosze veränderung, die mit Julien vorgegangen war, selbst in dem schleppenden, sorglosen gange erkennen müssen. Ludwig 2, 622. bildlich: um ihnen den schleppenden gang zu ersparen, den in unserm zirkel, ein mädchen wie das andere, aus der kinderstube gähnend in das gesellschaftszimmer und gähnend in das brautbette nimmt. Thümmel reise 6, 142. 5@cc) übertragen, von der sprache, ausdrucksweise, dem stil: eine schleppende schreibart Adelung; hat er (der ausdruck) mehr (ausdehnung, als er soll), so ist er schleppend, hat er weniger, so ist der gedanke gleichsam in der klemme und wird erstickt. Ramler einl. in die schönen wissensch. (1774) 4, 70; ein müsziges oder schleppendes wort wegzulassen. Thümmel reise 6, 208; wir wollen die hälfte davon auf rechnung der deutschen sprache setzen, die schleppend, verbindend, dehnend, und an überflüssigen füllwörtern nicht so edelarm ist, wie die lateinische. Herder 4, 334 Suphan; kaum war das ehrliche trinklied verklungen, so sangen sie, auf eine ernst gehaltene [] weise übergehend, obgleich nicht im schleppenden tempo, das andere schöne lied von Claudius. Keller 2, 231. 5@dd) auch sonst vom langsamen fortgang von geschäften, von der lebensweise u. s. w.: kaufmännisch ein schleppendes geschäft; die sache schleppet, negotium trahitur Stieler 1807; um das einförmige, schleppende einer langen bekanntschaft zu unterbrechen. Göthe 10, 84; sie verfluchte die schleppende, träumerische gewohnheit, durch die ihr ein so unbedeutender bräutigam hatte werden können. 17, 328; in der einzigen aussicht, uns in einem schleppenden, geistlosen, bürgerlichen leben hinhalten zu müssen. 26, 219; der ich mir fest vorgenommen hatte, kein schleppendes verhältnisz wieder anzuknüpfen. 48, 60; ich genas bald und trauerte über die lange schleppende zeit. J. Paul Tit. 2, 240. unpersönlich: es schleudert und schleift und schleppt nichts an ihm (Garrick), und da, wo andere schauspieler in der bewegung der arme und beine sich noch einen spielraum von sechs und mehr zollen zu beiden seiten des schönen erlauben, da trifft er es .. auf ein haar. Lichtenberg 3, 209. 5@ee) seemännisch, der anker schleppt, ancora navem non tenet sed a nave trahitur Frisch 2, 197b, wenn der anker im grunde nicht festhält Jacobsson 1, 49a; gleichbedeutend: der anker ist triftig, setzt durch, das schiff treibt vor anker. Bobrik 39b; auch transitiv: das schiff schleppt den anker. 603a.
20235 Zeichen · 339 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlêppen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schlêppen , verb. reg. welches theils von schlaff, schlapp abstammet, theils auch das Intensivum von schleifen ist. Es i…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schleppen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schleppen ( Bugsieren ), mit einem Dampfer Lastkähne, Baggerprähme, Leichterfahrzeuge oder Segelschiffe an einem Hanf- o…

  3. modern
    Dialekt
    schleppen

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schleppe n 1. schleppen Obhergh. Ruf. Bf. Syn. schleife n 3. Zss. Schleppsack (Schlapps- Hag. ) 2. betrügen Str. — Bayer…

  4. Sprichwörter
    Schleppen

    Wander (Sprichwörter)

    Schleppen 1. Schleppe mich, ich gehe (ich thu's) gern. – Blass, 18. Von denen, die sich zu irgendeiner Sache aufgeforder…

  5. Spezial
    schleppen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schlep|pen vb.tr. 1 (schwer schleppen) stracé (-cia), porté cun gran fadia 2 (hinter sich herziehen) streflé (strëfla), …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schleppen

78 Bildungen · 10 Erstglied · 63 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von schleppen 2 Komponenten

sch+leppen

schleppen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schleppen‑ als Erstglied (10 von 10)

schleppen II

RhWB

schleppen II -e- = zur Schleife binden s. schlippen bei Schlopp III.

schleppen III

RhWB

schleppen III RhWBN PfWB das Wort ist neben schleifen II, schleipen durchgedrungen (freilich nicht allg., so nicht WEif, selten Rhfrk, wo sc…

schleppenmesser

DWB

schleppen·messer

schleppenmesser , m. : ich brauche lieber bei damen keinen schleppenmesser, den ich an ihre schleppen anlege. J. Paul literar. nachlasz 4, 6…

schleppennatter

DWB

schleppen·natter

schleppennatter , f. eine asiatische natternart mit zwei gelblichen streifen auf dem rücken und braunen querbändern, coluber stolatus. Nemni…

schleppenschwanz

DWB

schleppen·schwanz

schleppenschwanz , m. schleppe ( wofür die ältere sprache swanz sagte, s. DWB schleppe 1, a ): ach, feins mein lieb, nun spitz die füsz, woh…

schleppenträger

DWB

schleppen·traeger

schleppenträger , m. syrmatophorus Frisch 2, 197 a , der einer vornehmen person die schleppe nachträgt Adelung ; auch übertragen: schleppent…

schleppen als Zweitglied (30 von 63)

Überschleppen

Campe

Überschleppen , v. trs . D. Überschleppen. D. — ung. 1. \Uumlacute;berschleppen, ich schleppe über, übergeschleppt, überzuschleppen , über e…

Úmschleppen

Campe

Úmschleppen , v. trs . ich schleppe um, umgeschleppt, umzuschleppen . 1) Um etwas schleppen, schleppend bringen. — wie ein Stier oft Stöhnet…

Únterschleppen

Campe

Únterschleppen , v. trs . ich schleppe unter, untergeschleppt, unterzuschleppen , unter etwas hin schleppen. D. Unterschleppen. D. — ung .

abschleppen

DWB

abschleppen , clam surripere, heimlich forttragen: die köchinnen haben gute freunde, die das essen abschleppen. durch tragen abnützen: kleid…

anschleppen

DWB

anschleppen , vi et clam trahere: schwere stein anschleppend. Voss Od. 14, 10 ; mühsam schleppt das wichtel eine kornähre auf der treppe an;…

ausschleppen

DWB

aus·schleppen

ausschleppen , extrahere, ausschleifen: eine ansteckende krankheit ausschleppen, verschleppen.

beschleppen

DWB

beschleppen , scheint wie schleppen für schleifen niederdeutsch, also für beschleifen, im koth herumschleifen gesetzt. s. DWB anschleppen un…

durchschleppen

DWB

durch·schleppen

durchschleppen , 1 1. mühsam durch einen ort fortschaffen, ziehen, schleifen, niederd. dôrslêpen Schambach 46 b . sie fanden einen hirsch im…

einschleppen

DWB

ein·schleppen

einschleppen , invehere, importare, nnl. inslepen, praet. insleepte, frühe schon vorkommende nebenform für einschleifen, wie eben unter dies…

Entgegenschleppen

Campe

entgegen·schleppen

Entgegenschleppen , v. trs. des Weges, den jemand kömmt, diesem Kommenden zuschleppen. Das arme Opfer wurde ihm schon entgegengeschleppt. Da…

entschleppen

DWB

ent·schleppen

entschleppen , abripere, nnl. ontslepen: Bonn, Neus und Werl dem reich entschlept. postreuter 1591 E 1 a .

erschleppen

DWB

ersch·leppen

erschleppen , attrahere, heranschleppen: die lenden thun mir so weh, dasz sie mich kaum erschleppen können. Schoch stud. leben K; alles was …

fortschleppen

DWB

fort·schleppen

fortschleppen , 1 1) porro rapere, weiter schleppen. 2 2) abripere, wegschleppen: die feinde schleppen ihre todten mit sich fort; alle vorr…

fuchsschleppen

DWB

fuchs·schleppen

fuchsschleppen , n. , s. oben sp. 333 den fuchs schleppen. 1 1) das schleifen einer gebratenen katze, eines gebratenen fuchses, in frischer …

heimschleppen

PfWB

heimsch·leppen

heim-schleppen schw. : 'nach Hause schleppen', -schleppe [vereinzelt]; vgl. PfWB heimschleifen 1. Er hot schun sein Däil Holz häimgeschleppt…

Herabschleppen

Campe

herab·schleppen

Herabschleppen , v. trs . von einem höhern Orte an diesen, wo man oder der Redende sich befindet, überhaupt nach unten zu schleppen. Der Ort…

heranschleppen

GWB

heran·schleppen

heranschleppen auch refl sich/jdn/etw gegen Widerstand, als Last herbeitragen, -bringen; auch in Metapher [ Palmire, von Sopir: ] Ach! er is…

heraufschleppen

GWB

herauf·schleppen

heraufschleppen mehrf Getrenntschr; im Tgb einmal abgekürzt ‘herauf geschl.’ 1) etw, jdn mit Mühe u Kraftanstrengung von dort unten nach hie…

herbeischleppen

GWB

herbei·schleppen

herbeischleppen zweimal -ey-, einmal Getrenntschr jdn, etw unter großer phys Anstrengung (gewaltsam) heranbringen, -tragen, -schleifen [ Cho…

hereinschleppen

GWB

herein·schleppen

hereinschleppen 1 jdn, etw mühselig od umständlich nach hier drinnen, an diesen Ort transportieren; einmal ‘jdn die Füße voran h.’ für: jds …

herschleppen

DWB

hersch·leppen

herschleppen , verb. : warf ich ihm ein seil um den hals, aus drei mächtigen stricken, weiber-, fürstengunst und schmeichelei gedreht, und s…

herüberschleppen

GWB

herueber·schleppen

herüberschleppen wie herübernehmen d [>herübernimmt R ] GWB B34,365 Preen 4.4.21 K [ Zit s v herübernehmen ] Syn GWB herübernehmen Rüdiger W…

Herumschleppen

Campe

herum·schleppen

Herumschleppen , v. trs . 1) Um einen Ort, um eine Sache, dem ganzen Umfange nach, schleppen. 2) Hin und her schleppen oder, bei sich tragen…

herunterschleppen

PfWB

herunter·schleppen

herunter-schleppen schw. : '(den Kahn) flußabwärts schleppen', runneʳschleppe [ LU-Altr ]; vgl. PfWB hinunterschleppen . SHW Südhess. III 44…

hervorschleppen

GWB

hervor·schleppen

hervorschleppen vor die Öffentlichkeit zerren; von der Liebe eines gefangengesetzten u öffentl verhörten Paares GWB 21,75,22 Lj I 13 ~ GWB 5…

Ableitungen von schleppen (5 von 5)

beschleppen

DWB

beschleppen , scheint wie schleppen für schleifen niederdeutsch, also für beschleifen, im koth herumschleifen gesetzt. s. DWB anschleppen un…

entschleppen

DWB

entschleppen , abripere, nnl. ontslepen: Bonn, Neus und Werl dem reich entschlept. postreuter 1591 E 1 a .

erschleppen

DWB

erschleppen , attrahere, heranschleppen: die lenden thun mir so weh, dasz sie mich kaum erschleppen können. Schoch stud. leben K; alles was …

verschleppen

DWB

verschleppen , verb. schleifend entfernen ( an einen falschen ort ), mhd. mnd. nicht nachgewiesen. dem einfachen schleppen entspricht ein nd…

zerschleppen

DWB

zerschleppen , verb. , zu schleppen ( th. 9, 642), auseinander schleppen: solches zerrissen, zerschleppt und zum fenster hinausgeworfen E. C…