schleppen,
verb. am boden fortschleifen, langsam und mit mühe ziehen. ein lehnwort aus dem nd. slêpen,
dem causativ zu slîpen,
also einem mhd. sleifen
entsprechend, vgl. schleifen
und Weigand 2, 588
f. die identität von schleppen
und schleifen
hat schon Wachter 1430
erkannt. mnd. slepen Schiller-Lübben 4, 233
b f., ebenso mnl. und nnl.,
s. Franck 890.
in neueren nd. mundarten slepen
brem. wb. 4, 822
f. Schütze 4, 116. Schambach 194
b, slepen, släpen ten Doornkaat Koolman 3, 197
a, släpen Mi 80
a, slöpn Danneil 196
a, sliepen Woeste 240
b.
in neufries. mundarten slîpje, slîpi, slippen,
s. ten Doornkaat Koolman
a. a. o. den andern german. sprachen fehlt die bildung. altn. sleppa,
gleiten, entschlüpfen, darf natürlich nicht verglichen werden; schwed. släpa,
dän. slæbe
schleppen, schleifen, schwere arbeit thun, stammt wol erst aus dem nd. im mhd. begegnet neben der gewöhnlichen hd. form sleifen, sleiphen,
s. Lexer
handwb. 2, 970
und schleifen,
bereits vereinzelt die entlehnte form, und zwar zuerst seit dem 13.
jahrh. in der deutschordensdichtung, in deren gebiete sich hd. und nd. sprache am leichtesten mischten: swaʒ er gevlete und gebat uf den vorbenanten sin, doch slepte si in vaste hin uf den marct durch die gaʒʒen.
pass. 190, 50
Köpke; vgl. die belege unten. ob hier bereits die kürzung des nd. ê
vollzogen ist, läszt sich aus den belegten formen nicht ersehen; es ist aber wol das wahrscheinliche. im nhd. geht die form schleppen
durch, zuweilen auch schläppen
geschrieben. ganz vereinzelt mit falscher verschiebung schlepfen (
s. 1,
a).
in hd. mundarten ist schleppen
nur vereinzelt (
aus der schriftsprache)
eingedrungen, so schweiz. schlepe
neben schleipfe Hunziker 222;
österreichisch schleppen
anhaltend tragen Hügel 138
b. 11) schleppen
mit persönlichem object, einen widerstrebenden gewaltsam fortziehen. schleppen,
rapere aut trahere violenter, emmener par force Schottel 1401; einen schleppen, der nicht fort will,
nolentem trahere Steinbach 2, 442. 1@aa)
mit betonung des gewaltsamen und des widerstrebens des objects: hole sie herein, wollen sie nicht, so schlepfe die ungehorsamen fort.
kunst über alle künste 209, 4
Köhler (
der [] widerspenst. zähm. 5, 2); allein ich traf in Gotha so höchstgefällige leute, die mich ... mit gewalt nach ihrem garten schleppten. Lessing 13, 233; du führst den, der dir folgt, und schleppst die widerstehn. Opitz 2, 295.
daher sprichwörtlich: schleppe mich, ich gehe gern,
wenn einer sich nur aus ziererei sträubt. Wander 4, 237. 1@bb)
daher verstärkt, einen an den füszen schleppen,
sodasz der körper auf dem boden nachschleift: weiche mir, greis, von der thüre, bevor du am fusze geschleppt wirst! merkst du nicht, wie jeder bereit mit den augen mir zuwinkt und dich zu schleppen gebeut? Voss
Od. 18, 10—12; das er stieg in das grab zu handt und tappet nach dem todten umb, Alexandrum bein füszen numb und jn hin ausz dem grabe schleppet, der kopf jm hinden nachhin kleppet auff der erdt hin und wider schlug. H. Sachs 2, 4, 100
d. einen an den haaren schleppen,
vgl.: sleypen met den hayre,
crinibus prostratum raptare Kilian: nechst schleppte Florida den armen Polidor mit haaren durch das hausz, und schlug ihm stüber vor. Günther 554.
bildlich: zu Hamburg hingegen, wo pastor Götze die menschen an den haaren nach dem himmel schleppt, ist der kindermord sehr gemein. Lichtenberg 7, 39.
seltener: die herren, vest, gestreng und freygeboren, ergriffen mich, wie ein gemeines lamm, und schleppten mich bey beiden ohren an ihren heldenstamm (
stammbaum). Thümmel
reise 10, 155. an einem seile schleppen,
ziehen: da thät er einen narren spüren ... schleppt hinter sich an einer leinen alle narren, grosz und kleinen. Göthe 13, 129. 1@cc) schleppen
zu einem besondern zwecke. in die gefangenschaft: unde wuntin dâ inmanc einin Prûʒin ... und den sleptin ouch hin in dî stat gewisse. Nicl. v. Jeroschin 14386.
ins gefängnis: einen ins gefängnisz weg schleppen,
aliquem in vincula abripere Steinbach 2, 442; ich folge ihnen, schleppen sie mich in einen kerker. Göthe 14, 235.
in der studentensprache des 18.
jahrh. bedeutete schleppen
allein oder kollée schleppen
einen fidelen bruder aufs karzer bringen Kindleben
stud.-lex. (1781) 186;
häscher. wie bringen wir ihn durch, wenn wir ihn fangen? die herren studenten schwören ja uns arm und beine zu zerschlagen, wenn wir ihn schleppen. Arnim
Halle u. Jerusalem 3, 14 (
s. ebenda).
vor gericht: man reiszt und schleppt sie vor den richter. Schiller 11, 246. einen zur marter fort schleppen,
in cruciatum aliquem abripere Steinbach 2, 442; zur richt-statt schleppen Frisch 2, 197
b; zum tode schleppen,
ad supplicium trahere Stieler 1807; einen zum galgen schleppen,
ad patibulum aliquem rapere Steinbach
a. a. o.; dar wart en deel gheslepet, radebraket unde quarteret, en deel gheslepet unde radebraket, en deel gheslepet unde koppet.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 233
b; zu irre libes plagen slepte man do uzer tur ieglichen so hinvur.
pass. 467, 63
Köpke; (
Blaubart) schleppt sie (
seine frau) drauf, mit eigner hand, in des hofes innre mauer. Gotter 1, 54.
eine leiche: gar ungestalte creaturn .. dy slepten hynder en eynen blutygen körper, aber ich woste nicht wasz es wasz.
altdeutsche blätter 1, 126. zum grabe schleppen
auch bildlich, wie an den rand des grabes bringen: er soll diesen engel noch besitzen, den er so schändlich beleidigt, den er an das grab geschleppt hat. Göthe 10, 85. 1@dd)
in andern verwendungen, oft abgeblaszt, einen veranlassen, wohin mitzugehen: Cäsarn wär ich wohl nie zu fernen Britannen gefolget, Florus hätte mich leicht in die popine geschleppt! Göthe 1, 281; den (
Faust) schlepp' ich (
Mephistopheles) durch das wilde leben. 12, 93.
bildlich: der kinderball. wie lächelt, wie hüpfet ihr blumige genien, kaum von der wolke gestiegen! der kunsttanz und der wahn schleppt euch nicht und hüpfet über die regel hinweg. J. Paul
flegelj. 1, 120.
[] 1@ee)
vereinzelt ist folgende wendung: abfretten,
etiam est improbo labore se, vel jumentum conficere, vulgo strapazzare, alias schleppen, ausmergeln. Stieler 900
f. 22)
mit sächlichem object, trahere aliquid, quod jacet Frisch 2, 197
b;
vgl.sleypen,
trahere, verrere, raptare, ita aliquam rem trahere aut gestare, ut tamen humo non attollatur. Kilian. 2@aa)
die ursprüngliche bedeutung des '
schleifens'
ist besonders deutlich an stellen wie: eyne maget was so gichtich, dat se up den handen kroep unde dat lame licham over de erden slepede.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 233
b; mit der andern hand schleppte sie mühselig ein abgebrochenes kleines birkenbäumchen hinter sich her. Keller 3, 131; den fusz schleppen,
auf dem boden herziehen, beim gehen, infolge eines fehlers (
vgl. 5,
b und schleppfusz): und (
ich) schlepp meinen fusz und knick mein knie. Herder 25, 514
Suphan var. (
bettlerlied). den schwanz schleppen,
auf dem boden nachziehen, vom hunde, daher bildlich: hä sliepede den stert und gong af. Woeste 240
a.
mit anstrengung ziehen: die pferde können den wagen kaum aus dem kothe schleppen. Adelung; (
im bilde:) denn der karn in der pfütze leit, niemand kan jhn herausz schleppen. Soltau
hist. volksl. 467 (
vom j. 1622).
so besonders im seewesen, wenn ein schiff, das beschädigt ist oder sich selbst nicht fortbewegen kann, von einem andern schiffe (
s.schlepper, schleppdampfer, schleppschiff)
mittelst des schlepptaus (
s. das.),
das um seinen groszen mast geschlungen ist, gezogen wird, s. Bobrik 603
a: die Ville de Paris vom Napoleon geschleppt leitet.
Weserzeitung 1854, 3364,
s. 1
c. der flusz schleppt schlamm,
führt ihn mit: dasz die flüsse den schlamm, ... den die regenbäche von den höhen des festen landes abgespült haben, in das meer schleppen. Kant 9, 14;
ähnlich: einem schnell einfallenden regengusz aber ists nicht untersagt, allen den in die ecken geschobnen kehrig aufzurühren, in die canäle zu schleppen, ja ... in die abzüge zu führen. Göthe 27, 143. 2@bb)
meist bedeutet schleppen '
eine schwere last mit anstrengung tragen': das kreutze schleppen,
crucem trahere Steinbach 2, 442; einige leute schleppten Philinens koffer. Göthe 19, 47; ein schweres schwerdt meine Bella, doch schleppen kann ichs noch wol. Schiller
Fiesko 5, 5; sie schleppt mit keichend-wankenden schritten eine grosze tafel in holz geschnitten. Göthe 13, 128.
mit aufgabe des begriffs des schweren, mühsamen: indem er ein paar pappdeckel voll seiner elenden skizzen geschleppt bringt. Thümmel
reise 6, 306.
neben tragen: kinder schleppten wächserne engel in den armen oder trugen chinesische krüge in den händen. Keller 1, 81. 2@cc)
intransitiv gewendet: an etwas schleppen;
im bilde: dasz ich mir eine neue bürde auflade, an der ich nachher zu tragen und zu schleppen habe. Göthe 21, 38;
so auch: meine kerls haben ihnen (
den nonnen) ein andenken hinterlassen, sie werden ihre neun monathe dran zu schleppen haben. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel. 2@dd)
in freierer verwendung, '
wohin schaffen, bringen': dasz aber ein ehrliebender teutscher buchhändler solche werke nach dem galanten Leipzig zum vertrieb schleppen kann, beweist, wie weit wir nun schon in der kultur gekommen sind. Klinger 11, 58; alles schleppten sie (
die Römer) drauf an diese stätte zusammen. Göthe 1, 283. 2@ee)
bildlich: da kluge thorheit (
in büchern) wird von so viel tausend händen durch land und see geschlept. Opitz 1, 58; in solchem laster, welchs alle andere nach sich schleppet. Fischart
Bodin 215
b; was ich thun kann thu' ich, und häufe soviel von allen diesen begriffen und talenten auf mich, als ich schleppen kann. Göthe 29, 67; hast du eine sünde in jene welt geschleppt, die dir den eingang in die pforten des paradises verrammelt? Schiller
räuber 4, 5
schausp.; die grosze schandthat soll er mit sich in die ewigkeit hinüber schleppen! 5, 2; was die ameise Vernunft mühsam zu haufen schleppt, jagt in einem hui der wind des zufalls zusammen.
Fiesko 2, 4; gleich heiszt ihr (
der jugend) alles schändlich oder würdig, bös oder gut — und was die einbildung phantastisch schleppt in diesen dunkeln namen, das bürdet sie den sachen auf und wesen.
Wallenst. tod 2, 2.
[] 2@ff)
so besonders sein leben
u. ä. schleppen,
wie eine schwere last, mühsam und verdrossen weiter führen: indessen, weil ich noch mein nasses elend bauen, und durch viel creutz und noth mein leben schleppen musz. Günther 579; sage, was ich für die müh meiner jungen zeit erbeute, nichts als unruh in dem alter und des lebens uberdrusz, das ich bey so schwerem creutze mir zur sünde schleppen musz. 845; der tyranney, der todesscenen müde, ermüdet zwischen furcht und banger hoffnung ein ungewisses leben fortzuschleppen. Wieland
suppl. 4, 219; arm am beutel, krank am herzen, schleppt' ich meine langen tage. Göthe 1, 198; so schleppte ihr (
der Spartaner) staat ein jahrhundert hindurch nach seinem fall .. ein ganz sieches daseyn. Niebuhr 1, 538; da hüpfte er als schuldloses kind den gang hin, den entlang er jetzt die überlast seines elends schleppte. Ludwig 1, 329.
ähnlich mit unbestimmtem object: dem gerichtshalter und mir ist das ganze geschäft aufgewälzt. ein glück, dasz er eben ein so guter rechtsmann ist, als ich ein finanzmann bin, und dasz wir beide etwas zu schleppen gewohnt sind. Göthe 20, 245. 2@gg)
etwas hinziehen, in die länge ziehen: mit solchen und dergleichen scharmützeln ward noch etliche jahre dieser krieg geschleppet. Schütz
beschreib. der lande Preuszen 117. 33)
technisches und besonderheiten. 3@aa) ein schiff schleppen,
s. 2,
a; den anker schleppen,
s. 5,
e. 3@bb)
bergmännisch, fördergefäsze in stollen oder strecken durch ziehen fortbewegen. Veith 420. 3@cc) den fuchs schleppen,
träge, nachlässig arbeiten. ebenda. 3@dd)
bei den jägern heiszt schleppen
füchse oder anderes raubwild durch eine schleppe (
s. das. 4)
an einen platz locken, wo man sie schieszen oder fangen kann. Behlen 5, 497. Jacobsson 3, 622
b. 3@ee)
niederdeutsche eigenthümlichkeiten (slêpen,
vgl. schleifen): 3@e@aα)
lasten auf einem schlitten (
s.schleppe 6)
fortschaffen. Danneil 196
a. 3@e@bβ)
flachs oder hanf auf einer mit eisen beschlagenen breche reinigen. brem. wb. 4, 823. 44)
reflexiv sich schleppen. 4@aa)
im eigentlichen sinne, sich mit mühe fortbewegen; von menschen: habt ihr denn gar kein eingeweid', dasz ihr den greis, der kaum sich selber schleppen kann, zum harten frohndienst treibt? Schiller
Tell 1, 3. sich wohin schleppen
u. s. w.: ... zuletzt bey später tageszeit ... hab' er, erschöpft von müdigkeit, mit schwerem haupt und leerem magen, sich heim geschleppt. Wieland 21, 187; er (
der betrogene liebhaber) .. schleppte sich wie ein hungriges, verwundetes ungeheuer verdrüszlich und langsam aus dem hause hinaus. J. Paul
Titan 3, 153; schau wie sich der faule lümmel heranschleppt, als zöge er einen frachtwagen. Arnim
kronenwächter 1, 4; tödtlich verwundet, schleppt er sich in die kammer Isoldens. Immermann 13, 285. 4@bb)
von sachen, die einen langsamen fortgang haben, im gewohnten geleise weiter gehen: die händel sich aber wie zuvor schleppeten. Schütz
beschreib. der lande Preuszen 86; aber weit entfernt von so groszen wirkungen, schleppte das gericht .. sich nur kümmerlich hin. Göthe 26, 131; er zeigt eine anwandlung von besserung, die nicht lange dauert, und die sache schleppt sich ihren alten gang. 54, 25; es erben sich gesetz' und rechte wie eine ew'ge krankheit fort; sie schleppen von geschlecht sich zum geschlechte, und rücken sacht von ort zu ort. Göthe 12, 97. 4@cc) sich mit etwas schleppen,
für etwas schleppen. 4@c@aα)
mit einer concreten last: denn da er (
Diogenes) gesehn, das einer mit der hand wasser geschöpffet, ... hat er auch seinen höltzernen trincknapff, welchen er bisz daher ... bey sich getragen, von sich geworffen, und sich damit hinfort nicht wollen schleppen. Hollonius
somnium vitae hum. s. 3
neudruck; da Pickelh. hastu ihn (
den lorbeerkranz), ich kan mich mit solcher lumperey nicht schleppen. Schoch
stud.-leb. D 8
a; ich habe geschworen, mich auf dieser reise nicht mit steinen zu schleppen. Göthe 27, 9; die mäntel, die tabarros, womit man sich ja das ganze jahr schleppt. 27, 143; auch so keuchten die weiber und kinder mit bündeln sich schleppend. 40, 239.
[] 4@c@bβ)
mit menschen. sich mit huren schleppen,
meretrices sectari, cum scortis volutari Stieler 1807,
ducere scortas Frisch 2, 197
b; sich mit einer person (
andern geschlechts) schleppen,
mit ihr in unerlaubtem verkehre stehen; auch eine lange brautschaft haben Frischbier 2, 285
a; das ist auch eine ursache nicht geringe, das er (
Carlstad) sich mit den himelischen propheten schleppet .. von denen lernet er, zu denen helt er sich. Luther 3, 46
b; Moses aber weis nichts zuschreiben, denn wie sich Isaac mit der frawen schlept und mit jr schertzet und narret. 4, 143
b; dasz ich mich erbar und reputirlich einstellete und nicht mehr wie hiebevor meiner art nach mich mit lumpenpossen, buben und bernhäutern schleppete.
Simpl. 1, 432, 32
Kurz; indem er (
Hiob) sich vielleicht mit huren geschleppt, und dadurch diese kranckheit an hals gezogen hab. Schuppius 165; hernach schleppen sich solche personen mit einander, bis sie nach allzuvieler familiaritaet einander gram werden.
d. wohlgeplagte priester (1691) 143; könig Franciscus I schleppte sich mit einer gräfin von Chateaubrian. Paulini
philosoph. luststunden (1709) 2, 37; hat sie dir gesagt, dasz du dich mit jungen kerlen schleppen sollest? Weisze
kom. opern 1, 176; wenn die männer sich mit den weibern schleppen, so werden sie so gleichsam abgesponnen wie ein wocken. Göthe 49, 82. 4@c@gγ)
in übertragener verwendung: sich mit etwas schleppen,
possidere aliquid quod incommodum est, a quo quis non facile liberari potest, quod adhaeret moleste. Frisch 2, 197
b; sich mit verdrieszlicher arbeit schleppen müssen,
multum negoti habere cum aliqua re. ebenda; ich habe mich lange mit der arbeit geschleppet. Stieler 1807; sich mit einem kranken leibe, sich mit dem fieber schleppen,
die krankheit, das fieber nicht los werden. Frischbier 2, 285
a; weil ich (
Mammon) mich dessen zum höchsten rühme, dasz sich alles, was mir beygethan ist, mit bittrer sorge, angst, noht, mühe und arbeit schläppen musz.
Simpl. 2, 142, 8
Kurz; dieser geschichten halber hat besagter fendrich nachgehends ein lied gemacht .. mit welchem sich in folgender zeit gantz Teutschland etliche jahr geschleppt. 3, 81, 16; weil der grosze mann bisz in den tod sich mit der logic schleppe, und lasse das sein principalstudium seyn. Schuppius 817; sieh wie ich mich noch immer mit träumen schleppe. Göthe
briefe 2, 103
Weim. ausgabe. 4@dd)
bergmännisch, von gängen und klüften, in streichen zusammenkommen, auf eine längere oder kürzere strecke vereinigt fortgehen und sich dann wieder trennen. Veith 420: man sagt von gängen, welche mit einander vereinigt fortsetzen, dasz sie sich schleppen.
quelle s. ebenda; denn das gibt die erfarung, das ein gang allein, wo sich nicht ander mit jhm schleppen, ramlen oder gadten, selten ertz füret. Mathesius
Sar. 31
b; wie sich im Buchholtz silber und zwittergenge mit einander schleppen. 99
b. 55)
intransitiv gewendet. 5@aa)
eigentlich, auf der erde herschleifen: das kleid, der mantel schleppt. Adelung; sie kommen hervor, ein weib da, ein mann, in weiszen und schleppenden hemden. Göthe 1, 229.
vgl. besonders nachschleppen. 5@bb)
schleppend, langsam gehen; so mnd. mnl.: sleypen ...
repere, serpere, segniter incedere Kilian; (processie tho holden) dat alle papen und monneke mosten des morgens tho 5 in dem dome mit eren ornatien wesen, alsdann slepeden se mit grotem prale umme de stadt her.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 234
a;
jetzt besonders in der verbindung ein schleppender gang,
bei dem der fusz nicht vom boden gehoben wird: Marie hätte die grosze veränderung, die mit Julien vorgegangen war, selbst in dem schleppenden, sorglosen gange erkennen müssen. Ludwig 2, 622.
bildlich: um ihnen den schleppenden gang zu ersparen, den in unserm zirkel, ein mädchen wie das andere, aus der kinderstube gähnend in das gesellschaftszimmer und gähnend in das brautbette nimmt. Thümmel
reise 6, 142. 5@cc)
übertragen, von der sprache, ausdrucksweise, dem stil: eine schleppende schreibart Adelung; hat er (
der ausdruck) mehr (
ausdehnung, als er soll), so ist er schleppend, hat er weniger, so ist der gedanke gleichsam in der klemme und wird erstickt. Ramler
einl. in die schönen wissensch. (1774) 4, 70; ein müsziges oder schleppendes wort wegzulassen. Thümmel
reise 6, 208; wir wollen die hälfte davon auf rechnung der deutschen sprache setzen, die schleppend, verbindend, dehnend, und an überflüssigen füllwörtern nicht so edelarm ist, wie die lateinische. Herder 4, 334
Suphan; kaum war das ehrliche trinklied verklungen, so sangen sie, auf eine ernst gehaltene
[] weise übergehend, obgleich nicht im schleppenden tempo, das andere schöne lied von Claudius. Keller 2, 231. 5@dd)
auch sonst vom langsamen fortgang von geschäften, von der lebensweise u. s. w.: kaufmännisch ein schleppendes geschäft; die sache schleppet,
negotium trahitur Stieler 1807; um das einförmige, schleppende einer langen bekanntschaft zu unterbrechen. Göthe 10, 84; sie verfluchte die schleppende, träumerische gewohnheit, durch die ihr ein so unbedeutender bräutigam hatte werden können. 17, 328; in der einzigen aussicht, uns in einem schleppenden, geistlosen, bürgerlichen leben hinhalten zu müssen. 26, 219; der ich mir fest vorgenommen hatte, kein schleppendes verhältnisz wieder anzuknüpfen. 48, 60; ich genas bald und trauerte über die lange schleppende zeit. J. Paul
Tit. 2, 240.
unpersönlich: es schleudert und schleift und schleppt nichts an ihm (
Garrick), und da, wo andere schauspieler in der bewegung der arme und beine sich noch einen spielraum von sechs und mehr zollen zu beiden seiten des schönen erlauben, da trifft er es .. auf ein haar. Lichtenberg 3, 209. 5@ee)
seemännisch, der anker schleppt,
ancora navem non tenet sed a nave trahitur Frisch 2, 197
b,
wenn der anker im grunde nicht festhält Jacobsson 1, 49
a;
gleichbedeutend: der anker ist triftig, setzt durch, das schiff treibt vor anker. Bobrik 39
b;
auch transitiv: das schiff schleppt den anker. 603
a.