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Schleifen

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schleifen

Bd. 3, Sp. 1516
Schleifen, ein Zeitwort, welches so, wie alle, eine unmittelbare Nachahmung eines eigenthümlichen Lautes ist, und hernach zu Bezeichnung aller derjenigen Handlungen gebraucht wird, welche mit diesem Laute verbunden sind, oder doch zuerst unter demselben gedacht wurden. Daher kommt es denn, daß es in mehrern, dem Anscheine nach so verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein reguläres Zeitwort, welches wiederum in einer zwiefachen Form vorkommt. 1. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, eigentlich einen schleifenden Laut von sich geben, und in weiterer[] Bedeutung, sich mit diesem Laute fortbewegen; wo es noch in manchen Gegenden für schleichen und das sehr nahe verwandte schliefen, dessen Intensivum schlüpfen und schlüpferig ist, gebraucht wird. Nieders. slipen, Engl. to slipp, Angels. slipan, Schwed. släpa, slipa, kriechen, ingleichen heimlich entfliehen. Daher ist für Schleichhandel auch Schleifhandel, für Schleichweg auch Schleifweg, für Schleichtreppe auch Schleiftreppe üblich. Im Hochdeutschen kommt es in dieser Bedeutung nur selten vor. 2. Als ein Activum, einen schleifenden Laut hervor bringen, und in weiterer Bedeutung diejenige Veränderung mit einem Dinge vornehmen, welche mit diesem Laute verbunden ist. 1) Einen Buchstaben schleifen, ihn ohne Stoß aussprechen. So wird das f geschleifet, dagegen das v gestoßen wird. In einem andern Verstande wird ein Buchstab geschleifet, wenn er gelinde und ohne Stoß mit dem folgenden Selbstlaute verbunden wird; z. B. Leibes, wo das b sanft in das e übergehet. Eben so werden in der Musik zwey Noten geschleifet, wenn sie ohne Stoß mit einander verbunden werden, daher zwey oder mehrere auf solche Art verbundene Noten auch wohl ein Schleifer genannt werden. 2) Einen Knoten schleifen, ihn vermittelst einer Schleife, eines um sich selbst geschlungenen Bandes oder Fadens, hervor bringen. 3) Einen auf einer Fläche ausgedehnten Körper unmittelbar auf derselben fortziehen. (a) Eigentlich, wo man es in einigen Gegenden in allen den Fällen gebraucht, wo dieser Begriff Statt findet. Z. B. ein Kleid schleifen, nach sich schleifen, einen Theil desselben auf der Erde nach sich ziehen; ein Kleid schleifen lassen; der Mantel schleift, als ein Neutrum, wird auf der Erde fortgezogen. Ich will Samaria zum Steinhaufen machen, und will ihre Steine ins Thal schleifen, Micha 1, 6. Die Juden schleifeten den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt, Apost. 17, 6. In welchen sämmtlichen Fällen im Hochdeutschen schleppen üblicher ist, indem man daselbst schleifen nur von größern Körpern gebraucht, wenn sie auf die obige Art fortgezogen werden. Ein Stück Bauholz aus dem Walde schleifen, es ganz oder zum Theil auf der Erde liegend, aus dem Walde fortziehen lassen. Einen Missethäter auf einer Haut zum Richtplatze schleifen. Die Juden steinigten Paulum und schleiften ihn zur Stadt hinaus, meynten, er wäre gestorben, Apost. 14, 19. Das Pferd schleifte seinen Reiter. Im Fischfange schleifet man, wenn man mit einem Garne hart auf dem Grunde herfähret, (S. Schleifhamen.) Man siehet hieraus, daß schleifen im Hochdeutschen gerade nur in den Fällen üblich ist, wo der damit verbundene Laut diesem Worte angemessen ist. Schleppen ist zwar gewisser Maßen das Intensivum davon, allein es tritt in demselben auch der Begriff des schlapp mit ein, daher dasselbe in mehrern Fällen üblich ist als schleifen. Wenn aber die Oberdeutschen das letztere in allen Fällen für schleppen gebrauchen, so scheinet sich alsdann der Begriff des schlaff damit zu verbinden. In noch engerer Bedeutung schleifet man Waaren, Güter, Laster u. s. f. wenn man sie auf einer Schleife von einem Orte zum andern schaffet. (b) Figürlich. Eine Feuermauer schleifen, sie nach einer schiefen Richtung führen, anstatt sie senkrecht gehen zu lassen. Eine geschleifte Feuermauer. S. auch Schleiflade. 4) Einreißen, zerstören. Im Niedersächsischen ist ein Schiff slopen, es, wann es baufällig ist, aus einander nehmen oder einreißen. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur von Städten und Schlössern, seltener von Gebäuden und Mauern, wenn sie mit Gewalt zerstöret und gleichsam dem Erdboden gleich gemacht werden. Wir müssen das Land räumen, denn sie haben[] unsere Wohnungen geschleifet, Jer. 9, 19. Eine Stadt, ein Schloß schleifen lassen. Die Mauern hast du ihm herunter lassen reißen, Und seine Festungen ganz schleifen und zerschmeißen, Opitz. Ps. 89. Mit andern Endlauten ist dafür im Nieders. sligten, (schlichten, von schlecht, eben,) und in der Schweiz schleizen (S. Schleißen) üblich. II. Als ein irreguläres Zeitwort; Imperf. ich schliff; Mittelw. geschliffen; Imperat. schleife oder schleif. Auch dieses wird in einer zwiefachen Form gebraucht. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Von dem Auerhahne sagt man, daß er schleife, wenn er im Balzen einen aus Zischen und Kirren zusammen gesetzten Laut von sich hören läßt, von welchem das Wort schleifen eine Nachahmung ist. 2) Stehend auf dem glatten Eise fortfahren, auch als eine unmittelbare Nachahmung des damit verbundenen Lautes. S. Gleiten. 2. Als ein Activum, durch Umdrehung einer scharf oder glatt machenden Scheide schärfen oder polieren. Messer, Scheren schleifen, durch Haltung an den um seine Achse sich drehenden Schleifstein; wodurch sich wetzen von schleifen unterscheidet. Ein geschliffener Degen. Glas, Marmor, Edelsteine schleifen, ihnen vermittelst einer um ihre Achse beweglichen Scheibe Glätte und Glanz ertheilen. Von den Edelsteinen sagt man auch schneiden. Figürlich bedeutete es ehedem auch gesittet machen, welche Bedeutung doch jetzt nur noch in dem Gegensatze ungeschliffenen übrig ist, S. dasselbe. So auch das Schleifen, und in einigen wenigen activen Bedeutungen des regulären Zeitwortes die Schleifung. Anm. Bey dem Ottfried, der es auch für fortgehen, fortschreiten gebraucht, sleifan, in dem alten Gedichte des heil. Anno in der letzten activen Bedeutung des irregulären Zeitwortes slifan, wovon noch das irreguläre Imperfect und Mittelwort unsers heutigen schleifen abstammen, im Österreich. schlaipfen, im Nieders. slepen, sliepen, im Schwed. slipa, im Wallis. yslipanu, wo ohne Zischlaut auch Ilifo schärfen, und Ilifio feilen ist, wohin auch das Lat. laevis, glatt, laevigare, glätten, und Griech. λειος, glatt, gehören. Schleppen ist das Intensivum davon, so wie auch schliefen und dessen Intensivum schlüpfen nahe damit verwandt sind.
6466 Zeichen · 94 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schleifen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Schleifen , ein Zeitwort, welches so, wie alle, eine unmittelbare Nachahmung eines eigenthümlichen Lautes ist, und herna…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    2schleifen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    2 schleifen Zusammenschr ‘konkavgeschliffen’ N5 2 ,50,9 Fl u ‘ideellgeschliffen’ B48,3,26 ; überwiegend PartPrät; auch s…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schleifen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Schleifen , in der Kriegswissenschaft das Zerstören von Festungswerken; in der Musik das Vortragen von 2 oder mehren Tön…

  4. modern
    Dialekt
    schleifen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    schleife n , schleipfe n [laifə S. O. Bf. Str. ; lèifə M. ; læìfə K. Z. Betschd. ; lǽfə Barr Altw. ; láfə Ndrröd. ;…

  5. Sprichwörter
    Schleifen

    Wander (Sprichwörter)

    Schleifen 1. Es ist böss schleiffen ohne Wasser. – Lehmann, II, 129, 166; Petri, II, 166; Simrock; 9084. Holl. : Tis qua…

  6. Spezial
    schleifen2

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schleifen 2 I vb.tr. 1 (schleppen) streflé (strëfla) 2 (mitnehmen) trá para, fá gní para 3 (Holz) strozé (-za), trá a st…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schleifen

39 Bildungen · 24 Erstglied · 10 Zweitglied · 5 Ableitungen

schleifen‑ als Erstglied (24 von 24)

schleifenband

DWB

schleifen·band

schleifenband , n. : die langen rosenfarbenen schleifenbänder flatterten munter und lustig. Göthe 43, 286 .

schleifenbinden

DWB

schleif·enbinden

schleifenbinden , n. : da händezusammenschlagen und schleifenbinden dinge sind, die zu vereinigen man ein taschenspieler sein musz. Ludwig (…

schleifenblauel

DWB

schleifenblauel , m. schwelger, müssiggänger: umb der edeln zeit willen, die ein sollich schleiffenblawel sein leben lang unnutz zubrengt. J…

Schleifenblitz

Meyers

schleifen·blitz

Schleifenblitz , ein Blitz mit gewundener Bahn, der scheinbar eine Schleife bildet (vgl. Gewitter, S. 807).

Schleifenfahrt

Meyers

schleifen·fahrt

Schleifenfahrt , das Durchfahren einer aufrecht stehenden Schleife oder Schlinge in einem Schlitten oder auf einem Fahrrad, wobei der Fahren…

schleifengehen

PfWB

schleifen·gehen

schleifen-gehen st. : 'dem Ruin zutreiben, verlorengehen', schleifegehⁿ , -gihⁿ , -gehn, -gehe, -gäh, -gähⁿ , -gäi, s. gehen [verbr., Kieffe…

schleifenhaft

DWB

schleifen·haft

schleifenhaft , adj. und adv. : gegliedert schnürten goldne riemen schleifenhaft. Göthe 40, 406 .

schleifen II

RhWB

schleifen II das Wort, auf sleifen, sleipen zurückgehend, ist ausser dem Rhfrk an Nahe u. Hunsr, wo schleipen herrscht (doch selten daneben …

Schleifenkanäle

Meyers

Schleifenkanäle , die Nieren der Ringelwürmer, s. Nieren .

schleifenkette

DWB

schleifen·kette

schleifenkette , f. kette an der schleife, einem schlittenartigen gestell ( s. schleife 5): von einer sleipfenketten und ortscheit zu beschl…

schleifenkufe

DWB

schleifen·kufe

schleifenkufe , f. eine der beiden stangen, auf denen die schleife ( s. schleife 5) gleitet. Jacobsson 3, 618 b .

schleifenlassen

PfWB

schleifen·lassen

schleifen-lassen st. : 'nachgiebig sein, ver- nachlässigen', schlääfelosse [ RO-Obd , vereinzelt]. Er dut alles sch. [Kaislt]. RA.: Er läßt …

Schleifenreihe

GWB

schleifen·reihe

Schleifenreihe poet für Folge der Maschen, Schlaufen, Schlingen eines aus feinen (Seiden-)Fäden bestehenden netzartigen Gewebes bzw metonym …

Schleifenstellen

DRW

schleifen·stellen

Schleifenstellen, n. Auslegen von ³Schleifen (I) edict wider das unbefugte jagen ... und schleifenstellen in gehegen 1695 CCMarch. IV 1 Sp. …

schleifenswert

GWB

schleifen·swert

schleifenswert -th zu ‘ 2 schleifen’ 2 gepulverte Granaten [ Material zum Schleifen von etw ] , wobey alles [ von dem Mineral ] gebraucht we…

schleifentreiber

DWB

schleifen·treiber

schleifentreiber , m. , nd. slependriver brem. wb. 4, 823, eigentlich fuhrknecht bei einer schleife ( s. schleife 5), dann als schimpfwort f…

Schleifen und Wenden

GWB

Schleifen und Wenden Name in ‘Reineke Fuchs’ [ Martin: ] hat nun am [ päpstlichen ] Hofe|Cardinal Ohnegenüge die ganze Gewalt..Horchegenau, …

Schleifenzins

DRW

schleifen·zins

Schleifenzins, m. für die Nutzung eines Schleifsteins in einer Schleifmühle zu zahlende Pacht item damit armen stückwerkern von den reichen …

schleifen als Zweitglied (10 von 10)

abschleifen

DWB

abschleifen , acuere, deterere, mhd. abeslîfen, nnl. afslijpen, das unebene, rauhe, rohe wegschleifen, reinigen, glätten: den rost, die spit…

anschleifen

DWB

anschleifen , parum acuere, polire: einen edelstein anschleifen; der spiegel ist nur angeschliffen; der klinge, dem messer die spitze anschl…

ausschleifen

DWB

aus·schleifen

ausschleifen , ausschleifte, ausgeschleift , extrahere: den missethäter ausschleifen; eine schwere last ausschleifen.

durchschleifen

DWB

durch·schleifen

durchschleifen , mit schleifen durchlöchern. er hat das glas, die metallplatte durchgeschliffen. vergl. abschleifen.

einschleifen

DWB

ein·schleifen

einschleifen , tornando indere, part. eingeschliffen, nnl. inslijpen, dän. indslibe: buchstaben, namen, bilder ins glas einschleifen.

Glasschleifen

Adelung

glas·schleifen

Das Glasschleifen , des -s, plur. car. das Schleifen des Glases, und die Kunst, dem Glase durch Schleifen eine jede verlangte Figur zu geben…

Salzeinschleifen

DRW

salz·einschleifen

Salzeinschleifen, n. illegale Einfuhr und Verkauf, Schmuggel von Salz bdv.: Salzeinführen [Befehl,] daß sie dieses ungebuͤhrliche saltz-eins…

verschleifen

DWB

ver·schleifen

verschleifen , verb. stark flectiert. 1 1) durch abschleifen zu grunde richten, mhd. verslîfen, mnd. vorslîpen: eine degenklinge verschleife…

wegschleifen

DWB

weg·schleifen

wegschleifen ( mit starker flexion ), durch schleifen beseitigen: aber warumb schleiffen die steinschneider von denen diamanten nicht alle f…

Ableitungen von schleifen (5 von 5)

beschleifen

DWB

beschleifen , cote acuere, das messer beschleifen.

entschleifen

DWB

entschleifen , elabi, ahd. intslîfan ( Graff 6, 808 ), mhd. entslîfen, entgehen, entweichen: wand in ir vreude gar entsleif. pass. K. 16, 1 …

erschleifen

DWB

erschleifen , expolire, durch schleifen bearbeiten.

verschleifen

DWB

verschleifen , verb. stark flectiert. 1 1) durch abschleifen zu grunde richten, mhd. verslîfen, mnd. vorslîpen: eine degenklinge verschleife…

zerschleifen

DWB

zerschleifen , verb. , zu schleifen ( th. 9, 590, wo angaben über das starke und schwache verbum und die berührung mit mhd. slöufen schlüpfe…