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schliefen

nhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schliefen verb.

Bd. 15, Sp. 680
schliefen, verb. schlüpfen, gleiten. II. form und verwandtschaft. I@11) schliefen ist ein gemeingermanisches wort, das sich über das germanische hinaus nicht verfolgen läszt; doch bieten die verwandten sprachen einzelne ableitungen aus derselben wurzel. so gehört hierher lat. lūbricus, ferner wahrscheinlich lit. slùbnas 'schwach'. Fick4 1, 577 zieht ferner hierher die gr. glossen ἀπο-λύγματος! ἀπογύμνωσις. Κύπριοι und λυμνός! γυμνός bei Hesych. in den osteurop. und asiatischen zweigen des indogerman. sprachstammes ist die wurzel nicht nachzuweisen. I@22) schliefen berührt sich in der bedeutung sehr nahe mit schleifen (vgl. daselbst). der unterschied, der indes nicht strenge inne gehalten wird, besteht darin, dasz schleifen mehr das leichte hingleiten über eine fläche, schliefen das hindurchgleiten durch ein loch, eine öffnung bezeichnet; der begriff einer leichten, leisen, geschmeidigen bewegung ist beiden gemeinsam. daher nimmt Noreen urgerm. lautlehre s. 67 wurzelvariation mit altem (vorgermanischem) ablaut an; vielleicht liegen in beiden wörtern verschiedene erweiterungen derselben urwurzel vor. weiterhin lieszen sich vielleicht ags. slîdan (engl. to slide, mhd. slîten, vergl. schlitten) und altes slûkan (s.schlauchen und schlucken sowie Noreen s. 150) heranziehen. jedenfalls wird schliefen in der neuern sprache oft mit schleifen vermischt, vgl. die belege, in denen zuweilen das eine als variante zum andern auftritt. fest geworden ist diese verwechslung in den ableitungen schleife (neben schläufe), schleifkanne und unterschleif, vgl. daselbst und Andresen volksetym.4 s. 209 f. 212. 239. I@33) schliefen bildet ein causativ schlaufen (s. das. sp. 514 f.) und eine steigerungsform schlüpfen, schlupfen, durch die es jetzt selbst ganz verdrängt ist. auch das causativ geht später in die intransitive bedeutung über; zu den belegen ist nachzutragen: doch kamen wir je länger je tiefer in die schulden, und muszten immer aus einem sack in den andern schleufen. der arme mann im Tockenb. 19. fernere ableitungen sind schläufe bez. schleife, schlupf (vgl. das.) und das adj. mhd. slupfer, slupferic Lexer handwb. 2, 992, nhd. schlüpfrig (vgl. das.); dazu auch ags. slipor, und altn. slyppr unbewaffnet? I@44) die formen der ältern german. dialekte sind zusammengestellt bei J. Grimm gramm. 12, 1026; es sind: goth. sliupan; altn. nicht vorhanden, dafür sleppa-slapp-sluppu (vgl.slyppr unter 3); dem entsprichtn. slippe-slap-sluppet, und schwed. slippa. ags. slûpan-sléap-slupon-slopen Bosworth-Toller 886a; im neuengl. aufgegeben, dafür schwaches slip, welches wol zu slîpan, schleifen gehört, in der bildung sich unserm schlüpfen vergleicht, dem es auch lautlich entsprechen könnte, vgl. darüber Skeat 563a. altfries. sliapa, prät. sleph Richthofen 1037; neuwestfries. sluwppen ebenda. altniederd. *slûpan ist unbezeugt; doch begegnet das causativ slôpian, s.schlaufen. mnd. slupen Schiller-Lübben 4, 252, ebenso nnd., s. 6. mnl. slupen, bei Kilian sluypen; ebenso im jetzigen holl. sluipen-sloop-geslopen, vgl. Franck 901. ahd. sliufan, sliofan, sliafan, slieffen-sloufslufen-gesloffan Graff 6, 804 f.; mhd. sliefen, scliefen, slüffenslouf, md. auch slûf-sluffen-gesloffen Lexer handwb. 2, 974 f. über das anlautende scl, das oft für sl begegnet, vgl. z. b. schlagen sp. 347; es begegnet sclovf, sclovfton Grieshauer pred. 2, 84, vgl. II, 2, a; ferner; dô scluffin die recken in stâlîne roche. Rother 4081. das alte sliupan ist also im nordischen aufgegeben, im goth. und westgerm. gewahrt, doch mit dem unterschiede, dasz das nd. und ags. an stelle des diphthongs im präs. ein û zeigen. die flexion ist überall die starke ablautende. I@55) in der nhd. schriftsprache der ältern zeit ist schliefen sehr gewöhnlich, namentlich im 15. und 16. jahrh.; im 17. wird es merklich seltener und stirbt gegen ende desselben aus. seitdem nur vereinzelt bei süddeutschen schriftstellern im anschlusz an die mundartliche redeweise, so bei Pestalozzi, Usteri, Raimund; bei Schiller nur einmal als lesart: das sind die spione und maschinen. bedeutende herren, denen die groszen ein ohr leihen, wo sie ihre allwissenheit hohlen, die sich wie blutigel in seelen einbeiszen, das gift aus dem herzen schlürfen (in den ersten ausgaben ABC schliefen), und an die behörde speien. Fiesko 1, 3, vgl. die belege. auffällig ist, dasz die ältern wörterbücher das wort nicht aufführen. Stieler 1810 kennt schluffen als nebenform zu schlupfen. im übrigen ist es verzeichnet bei Wachter 1430, bei Frisch 2, 198b f. als veraltet; bei Adelung und Campe als besonders oberdeutsch. I@66) schliefen flectiert im nhd. in folgender weise. I@6@aa) das präs. lautet durchweg schliefen; die schreibungen schlieffen und schlifen bezeichnen keinen lautlichen unterschied. dagegen ist dies zweifelhaft bei schliffen; vergl.: die jungen nerrlin schliffen dryn. Murner narrenbeschw. 96, 11 (s. 287 neudr.); dagegen ebenda v. 16: die narren drinnen schlieffen lon. — schlifft mir all nach wider ins loch. H. Sachs 3, 1, 156a; mein lieber herr, bald schliffet in den ofen. fastn. sp. 3, 128, 128 neudruck. I@6@bb) die 2. 3. sing. ind. präs. und die 2. sing. imp. zeigen in der ältern sprache vocalwechsel, mhd. du sliufest, er sliufet, sliuf. ähnliche formen begegnen mundartlich im ältern nhd.: wan sü (die sonne) fület (macht faul), was sü begrift, wiewol sü lustlich uszerslüft. Konr. Dangkrotzheim heil. namenb. 230; wer slüfft jnn esel, umb das schmär, der ist vernunfft, und wiszheyt lAer. Brant narrenschiff 52, 1; die regelmäszigen entsprechungen sind nach eintritt der bairischen diphthongierung du schleufst, er schleuft, schleuf, die in der sprache des 15. und 16. jahrh. durchaus herrschen: 2. sing.: das du von weib und kinden schleuffst. H. Sachs fastn. sp. 1, 60, 200 neudruck; dafür verdruckt: sag, wie offt du zum wein dar schleuffts. 126, 61; 3. sing.: der sibent gern in haimlich winkel schleuft. fastn. sp. 730, 25; imp.: darumb schlewff in die hell herein; dw muest mein gefangene sein. H. Sachs d. hürnen Seufrid 394. hiernach wird auch eine 1. pers. sing. ich schleufe gebildet: denn schleuff ich in das leer weinfasz. H. Sachs fastn. sp. 4, 30, 229 neudruck. später dringt der vocal der übrigen präsensformen auch in diese; also du schliefst, er schlieft, imp. schlief. so vereinzelt schon im 16. jh.: so kommen die pfaffen und spielen dann fuorter: hänlein schlieff ausz dem schälchen (ei): füchslein komm ausz dem hölchen. Fischart bienenk. 140a; ergo, die hörner hastu noch, komm ich nicht bald, schlief selbst ins loch. Jesuiterhütl. 900 (dicht. 2, 265 Kurz); dafür schliff geschrieben: hui teuffel schlag dem vasz den boden ausz, unnd schliff inns korn unnd fahr zum tachfenster ausz. Garg. 191b. 2 Sam. 14, 14 liest die concordanz von Conr. Agricola (Frankfurt a. M. 1640) 1107b: wie das wasser in die erden verschliefft, die ausgabe von 1674 hat dafür verschleufft, Luther verschleifft. die neuere sprache verwendet nur noch die ausgeglichenen formen. Frisch 2, 198b gibt an: schliefen, ist meistens veraltet, und was noch übrig, ist vulg ... praes. ich schliefe, du schliefest, er schliefet oder schleuft, als 2 Sam. XIV, 14. wie das wasser in die erde verschleuft, sensim intrare, absorberi. Adelung und Campe geben beide du schliefst, er schlieft, schlief, daneben als oberd. du schleufst, er schleuft, schleuf. I@6@cc) das prät., mhd. slouf, lautet nhd. gewöhnlich schloff, wie auch die wörterbücher angeben: sölchs werete, bisz sie baid ins haus kamen, darin verschloff sich der sone. Zimm. chr.2 1, 509, 14 Barack; also verbot einer seiner frawen, sie solt nit in den offen schlieffen, und da sie hinyn schloff, da fiel der ofen uff sie. Pauli schimpf u. ernst 201 Österley; daneben auch schluff: der schalck schluff under das beth. Keisersberg emeis (1517) 44c; zuweilen begegnen beide formen in derselben quelle neben einander: ob aber yemant chöm stelen und sluff hinein, daz er viel in die potigen ... da slof der vater deʒ ersten hinein. gesta Romanorum s. 113 Keller; schon bei Nic. v. Jeroschin 16417 (s. II, 1, a) steht sluf (im reime auf ûf, also slûf? eher ist wol beides mit kurzem vocal zu lesen). die form schliff gehört nicht hierher, sondern zu schleifen (s. dieses). über das prät. in neuern oberd. mundarten s. 7. I@6@dd) auch die pluralformen lauten schloffen und schluffen: da schloffen sie mit grosser mühe unversehenlichen durch die schwibogen, da das wasser hinausz fleust, in die statt. Zimm. chron.2 1, 306, 29 Barack; schloffen wir mit dem arm aus dem wammesermel. Jucundiss. 52; St. Antonius und andere die schluffen in die greber. Keisersberg brösaml. 1, 28a; wie wir hinein schluffen, begegnet uns mit einem bickel ein arbeiter. der verzucket Pasquin (1543) C 7b; dan dieweil sie (die bösen geister) subtil geist sein .. schluffen si unendphindlich in die leib des vichs und der leut. Aventin chron. 1, 72, 7; ebenso im conj. schlüffe und schlöffe, s. 3, a; Megenberg hat slüffe: ain trinker legt air under ain küssein und sprach, er möht sô lang trinken, unz hüendl auʒ den airn slüffen. 196, 6. I@6@ee) das part. lautet ausnahmslos geschloffen bez. gesloffen (über geschliffen in gleicher bedeutung s. schleifen). die zusammengesetzten zeiten der vergangenheit werden mit sein gebildet: ich bin geschloffen. I@77) von den hd. mundarten haben nur die oberdeutschen das wort bewahrt: schweiz. schlieffe Seiler 255a, schlfa, schlffa Tobler 391a, schwäb. schliefen Schmid 466 (unter schleifen), augsburgisch dafür schläfen Birlinger 396a (wol causativ, vgl. schlaufen), bair. schlieffe, schloiffe, schluiffe Schmeller 2, 510. ebenso tirol. schlieffen Schöpf 622, kärntn. schliefn, schloifn Lexer 220. die bair.-österreichischen mundarten haben, wie auch sonst bei starken verben, so auch hier das alte starke prät. aufgegeben und durch eine schwache neubildung ersetzt. Schmeller a. a. o. gibt an: cond. ich schluff und schlieffet, Schöpf schluff', schlieffet', schluiffet', Lexer schliefet, schloifet. das part. heiszt überall g(e)schloffen. das schwache prät. ist durch Raimund auch in die litteratursprache eingedrungen, vgl. II, 1, d. niederd. slupen ist verzeichnet brem. wb. 4, 849. ten Doornkaat Koolman 3, 217b, findet sich indes auch im binnenlande. IIII. bedeutung. II@11) zunächst, durch ein loch, eine öffnung hindurchgleiten, vgl. I, 2. schliefen .. in oder aus etwas enges kriechen. Frisch 2, 198b. II@1@aa) in etwas schliefen, vgl. 2, a. in ein haus, eine höhle, einen sack u. s. w. schliefen: ahd. sliuffit in daʒ nest. quelle bei Graff 6, 805; ir biginnet thanne ruafanjoh innan erda sliafan. Otfrid 4, 26, 47; nu ging et zuo dem schober her, und sliuf dar în. Grimm Reinh. Fuchs 328, 1020; in sîn nest er (der phönix) danne sliuffet. Karajan sprachdenkm. 106, 13; he n' is nicht to der dore in komen, he is hindene geslopen in dat hus. deutsche chron. 2, 176, 40; der kunic hieʒ si in ein kercker sliefen, der waʒ vinster unn tief. quelle bei Scherz-Oberlin 1510; und als der wider also in die hundshut geschloffen was. Steinhöwel Äsop 233 Österley; daʒ grabe daʒ von merberstein was, dar in der pischoff lage, palde auf gethon hetten und unterseczt, also hoch daʒ einer wol hin ein schlieffen mocht. Bocc. 88 Keller (2, 5); sanctus Gallotus, der wolt uff ein mal usz einer krussen trincken, da was der tüffel vor in die krussen geschloffen. Pauli schimpf u. ernst 69 Österley; der drach ist der teufel, sein cörper ist die welt, das heubt ist Roma, die die welt regiret, und unter jr hat, ist klein worden, und in S. Peters fischreuslin geschloffen. Luther 1, 97a; denn er (der teufel) hat ein schlangenkopff, welcher, wo er ein lücken gewinnet, darein er schlieffen kan, so gehet der gantze leib hinach unauffgehalten. 4, 420b; die menschen werdend in die holen velsen schliefen (introibunt) und in die kluften der erden. Züricher bibel 1530 321b (Jes. 2, 19); wann ein schlang in sein huolen schliefen will. Herr veldtbaw (Straszb. 1545) 114a; beürlin, lieber, lang dein sack här, und lasz mein Clausen dareyn schlieffen und bind den sack zuo. Wickram rollwagenb. 177, 19 Kurz; darumb ... schleufft sie (die maus) eylents in die fallen. Kirchhof wendunmuth 1, 105 Österley (1, 82); wann er von solchem beschaidt fürgab, so schloff er in ain ler weinfasz. Zimm. chr.2 1, 513, 7 Barack; wan sie jne (die bienen ihren könig) verlieren .. alsdan schlieffen sie all traurig in jre hölen. Fischart bienenk. 240a; Androdus Dacus, welcher von seinem herren .. mit unbillichen schlegen zu der flucht in ein wüste einöden, und finsters loch oder hölen zu schlieffen, genötiget und gedrungen. Fronsperger kriegsb. 1, 115a; wenn ein zündloch vergossen, vernagelt oder sonst verschlagen würd .. so müste man behend ein ander zündloch boren, oder man möchte öl darneben hineyn schlieffen lassen. 154b; dis sei die ursach, das die groszen wasserflüsz nit gar in die erden schlieffen, nemlich dasz das erdtreich so vol wasser sei, das nichts mehr hinein schliefen möge. Thurneisser von wassern (1572) 40; jetzt schleuft der teufel in den wolf. Paracelsus (1590) 9, 182; wann man desz (hanf-)saffts ein wenig in die ohren lasse, so töde er die würm darinnen, [oder anders, dasz darein geschloffen ist]. Tabernaemont. 937 C; einen esel laszt euch bauen, so grosz, wie das trojan'sche pferd, und schlieft's mit eurer tapferkeit hinein. Raimund 2, 133; was darinn (im felsen) ein tieffe speluncken, inn die schloff es (das fräulein) nach meym beduncken. H. Sachs 1, 103b; komb lasz uns schlieffen in die hecken. 3, 1, 184d; fürwar Teütschland sollt nit erschrecken, wann sie (die pfaffen) schon bey Canibaln stecken und in der insel Teneriffen in denselben Aeten schlieffen. Fischart dicht. 1, 93 Kurz (nachtrab 3592); o Phalaris, du solst heut leben, du thest dem, so es (flöhfallen) hat angeben, wie dem, der den ochsen erfund, darinn man die leut praten kund, das nämlich er die erste prob müszt thun seim neuen fund zu lob, und in ain grose leimthonn schlifen. 2, 31 (flöhh. 1093); demnach ir doch so torecht seit, das jr schlift ainer inn ain or? 90 (3409). zu einer thür hinein schliefen: der thorhüter sprach, zuo dem thürlin müsen ir hinyn schlieffen, da sahen sie einander an. da schloff der ein hindersich hinyn. Pauli schimpf u. ernst 216. von blumen, sich schlieszen: dârnâch schiere kam ein regen, dô sluffens aber wider in. Lamprecht v. Regenburg tochter Syon 2186. bildlich: diu dritte sache ist von ûʒern verlâʒen unmuoʒen mit rede oder mit gedanken ... diu sliefent uns denne in daʒ herze unde bildent sich in unsern gedanken. d. mystiker 1, 389, 14 Pfeiffer; want der tûvil ... mit valscheit in ir herze sluf. Nic. v. Jeroschin 16417; die dachshunde schliefen in die dachslöcher. sprichwörtliche redensart: vor angst in ein mauseloch schliefen. Adelung. — beim brunnengraben, einen tunnel graben Seiler 255a; vom nagel, leicht ins holz dringen. ebenda. II@1@bb) aus etwas schliefen, vgl. 2, b und 3: daʒ der track gern won in den tiefen abgrünten der erd, und wenn er ains ungewiters enpfint, sô sleuft er etswenn her auʒ. Megenberg 269, 11; da was ein schlang usz der muren geschloffen. Pauli schimpf u. ernst 169 Österley; das er nit anders sache (aussah), als ob er ein ziegler und erst user der laimgruben were geschloffen. Zimm. chron.2 3, 625, 35 Barack; doe saghic minen vader comen ute enen hole gheslopen. Reinaert 2379; sî kêrten ûʒ für diu gezelt ... und kâmen drûʒ gesloffen. Konr. v. Würzburg tr. krieg 32810; bald schloff ich ausz dem steynen hol. H. Sachs 1, 106d. II@1@cc) durch etwas schliefen: sliufet dâdurch. quelle bei Graff 6, 805; sô suochet si (die natter) denne ein engiʒ loch an einem steine, dâr durch si sliuffet. Karajan sprachdenkm. 88, 20; sy (die jagdhunde) sprinngen über die zeün, und schlieffen durch die dornhecken. Keisersberg pred. 5b; Kriegli sprach, er wer in den himmel geschloffen durch ein neberloch. Marie himelfart 3d; und liesz ein joch, daran die ochsen ziehen, auf zween stotzen (stützen) schlahen, dadurch sie zum zeichen der gehorsame allesamment schliefen musten. Carbach Liv. 44; der letst der het die junkfraw lieber dann sich selbst, unnd fahet an zuo schlieffen durch die dörn, die stachen jhn. Pauli schimpf u. ernst 90c; in dem liesz der babst ein kleine nidere thür machen, das sie dadurch müsten schlieffen. 216 Österley; doch muesten si all durch einen galgen, von den Teutschen nit hoch von der erd gemacht, schliefen. Aventin chron. 1, 506, 11; solche compaction, bricht mauren, schleufft durch alle poros, reist von einander. Paracelsus opp. (1616) 1, 597 B; wanneer hi hem (Isegrijn den Reinaert) waende te slaen, is hi hem tuschen die been ontgaen onder sinen buuc, ende sloop so door. Reinaert 7045; leicht kumbt zuo mir, dye mich erweckt mit gantzen freuden tröstlîch kûn gesloffen durch die lucke. O. v. Wolkenstein 71, 2, 10; eins mals, da er (der fuchs) het lang geloffen, und durch viel dicker hecken gschloffen. B. Waldis Esop 4, 2, 8 Kurz; ein gleichnus jn auch darauff seit, das eim camel wer müglich mehr zuo schlieffen durch ein nadel öhr, dann eim reichen in gottes reich. Wickram irr. reit. bilger 86b; bald hub sie im (dem kinde) das ärslin uff, es mit dem kopf durch d bain ir schluf. Fischart dicht. 2, 44 Kurz (flöhh. 1612); das füchslein schloff behend durch's loch. Rückert ges. poet. werke (1882) 6, 91; bildlich: gedenke slüffen dur den stein, dur stahel unt durch îsen. minnes. 2, 258b Hagen. durch eine öffnung in etwas schliefen: sy werdend in der statt hin und her rennen und auf den mauren umblaufen, die häuser besteigen und durch die fenster hinein wie ein dieb schliefen. Züricher bibel 1530 426b (Joel 2, 9). II@1@dd) unter etwas schliefen, vgl. ahd. untar sliufên, subrepant Murbacher hymn. 4, 4, 2; und was die schlang under die wagen (wiege) geschloffen. Pauli schimpf u. ernst 169 Österley; dem künig ward nit mêr, dan das er under ein penklein vor dem pet was geschloffen; und kam also wunderperlich davon. Aventin chron. 2, 376, 16; o, ihr Persier, es sey denn sach, dasz ihr wie die vögel in der lufft fliegen, oder wie die mausz unters erdreich schlieffen könten .. so mögen ihr sonst nicht wider dahin kommen. Kirchhof 3, 21 Österley (4, 12); wenn er in die kuchel kommt, so wär's nothwendig, ich schlieft' unter den herd. Raimund 2, 230; der in den oven niht entran, der slouf under die banc. meier Helmbr. 1617; der mantel der liebe ist lang und ist breit, doch schliefet der kluge nicht drunter. Usteri dicht.3 (1877) 1, 10. II@1@ee) andere verbindungen: die (sau) ist im .. ein mal zwüschen bainen herdurch geschloffen, het in nahent umbgestoszen. Zimm. chron.2 4, 283, 14 Barack; die wurtzen (des süszholzes) schlieft in der erden hin und her. Hohberg 2, 68a. II@22) besonders mit bezug auf kleidung. II@2@aa) in ein kleid schliefen, es (eilig) anziehen, vgl. Schm. 2, 510. so sehr häufig in der ältern sprache: ahd. slieffen in ein kutten Graff 6, 805; der (könig) stuont ûf ab sinem küneclichen stuol, und warf sin guot gewant von im, und sclouf in ainen sack. Grieshaber pred. 2, 84; si slouf in ain hemede. kaiserchron. 15497, vgl. Grimm rechtsalterth. 912; die wîle was ouch Sîfrit ... zuo dem schiffe gegân, dâ er sîn tarnkappeverborgen ligen vant. dar in slouf er schiere. Nib. 410, 4; in sîniu rîchiu wâpenkleit slouf er zuo den zîten. Konrad v. Würzburg Engelh. 2487; diu reine süeʒe maget Îsôt slouf in wîplîch gewant. Ulr. v. Türheim Trist. 312; der (bischof) werte sich sô verre ze sliefen in der êren ric. Ottokar reimchron. 5359; ich urtail ümb sein prankiern und ümb sein groszs hofiern, das er schol in den hadern schliefen. fastn. sp. 786, 12; bin in kein harnisch nie geschloffen. B. Waldis Esop 1, 55, 9; so bald der könig das kleidt angreuft und in die beide erwel schleuft. H. Sachs 3, 2, 87b; bildlich: doch wisse dabey, dasz du noch nicht über den graben, sondern mit gefahr deiner vernunfft in diese narrenkappe geschloffen bist. Simpl. 1, 138, 9 Kurz; aber der tölpische leib kan darumb nicht hinein .. er musz das dritte principium zuvor ablegen, als diesen peltz, darein vatter Adam und mutter Heva sind geschloffen. J. Böhme 3 princip. 89. — vgl. die entsprechenden verbindungen des causativs schlaufen: mhd. einen in ein kleit sloufen, ihn damit bekleiden, ein kleit an sich sloufen, es anlegen, s. sp. 514; vgl.: und (die leute in Ninive) zugen in ier gewant ab, und sclouften secke an sich. Grieshaber pred. 2, 84 (s. oben); hierher gehört wol auch das schwäb. schleifen, schläfen, an-, be-, auskleiden Schmid 466; zahlreiche belege aus dem Augsb. meszbuche bei Birlinger 396. ferner das fries.: hwasa otherum .. thene silrap (strick?) an thene hals sleph (l. slepth?) Richthofen 96, 4, das im wörterbuche unter sliapa gestellt ist. II@2@bb) entsprechend aus einem kleide schliefen: ih bin ûʒe mînemo rocche gesloffan, uuîe scal ih in uuidere anegetûon? Williram 78, 1; Gînôver ûʒ ir mantel slouf. Heinr. v. d. Türlin crone 12375; ähnlich vom widder: er sliufet ûʒ der wollen. Konrad v. Würzburg tr. krieg 9342; bildlich: diu reine minne lêrte dich,trût, sliefen ûʒ der schanden wât. minnes. 2, 255b Hagen. II@33) als bezeichnungen der geburt: aus der mutter, dem mutterleibe schliefen, hühner schliefen aus dem ei u. s. w. II@3@aa) seltener von menschen: reumbt ihm all sein complexion, als ob er aus seiner ersten mutter schlüff. Paracelsus (1590) 6, 32 (1570: als ob er erst aus seiner mutter schlöffe); umgekehrt: durch sîn tougenlich geberc slouf ein rise in ein getwerc (Christus in Maria), dô dîn bilde almehteclich hal in kindes forme sich. minnes. 2, 312a Hagen. vergl.: syehe aber, wie aines starcken gemüts die Lacena gewesen, welche, als jre söne ausz der schlacht entpflohen, und zuo jr kummen waren, hat sye jr klaider aufgehaben, und den bloszen leib zaigt, und gesagt: wahin fliehet jr, wölt jr wider in den leib schlieffen, darausz jr kummen seit? Frölich Stob. 511; übertragen von städten: die hauptstat und, wies die Kriechen nennen, metropolis, das ist die mueterstat, darausz al ander stet in disem land geporn und geschloffen sein. Aventin werke 1, 257, 21. II@3@bb) besonders von thieren, die aus dem ei kriechen: des (der ente) kindel habent die art, daʒ si zehant swimment, wenne si auʒ der schaln sliefent. Megenberg 169, 17; dar umb sô diu air erwarmt werdent von der sunnen in dem sant, sô sliefent jungeu sträuʒel dar auʒ. 223, 6; sô die jungen (heuschrecken) des êrsten dar auʒ sliefent, so sint si klain und swarz sam die âmaiʒen. 304, 10; denn der alte rapp hatt die art, wenn seine jungen erst ausz der schalen geschloffen sind, so nympt er sich ir nitt an. Keisersberg seelenpar. 36a; wenn es (das ei) ganntz auszgebrüttet ist, so schleüfft ain hünlin darausz. has im pfeffer Aa 4d; der befangenen menge, die, wie gänse, welche, seitdem sie aus der schale geschloffen, im stall und in der küche gefüttert wurden, alle flug- und schwimmkraft verloren hat. Pestalozzi 5, 17; bildlich: also hat man vor jaren das mies den jungen herren ab den oren plasen und sie woler deponiert; iezund, do sie kaum user der schalen geschloffen, sein sie gleich gnad herren und grosz Federhannsen. Zimm. chron.2 3, 438, 8 Barack; das jhr, so bald jhr ausz der schalen schlieffet, werd nit wissen, wie jr euch breit genug machen sollet. Garg. 43a. II@3@cc) von pflanzen oder pflanzentheilen: das vorderst gras ee das es ist ausgeschloffen. quelle bei Schmid 466; aus den knöpfen schliefen heraus schöne leibfarbe weisze röslin. Bock kräuterbuch (1560) 340; so bald die zwey erste fäiszte blätter ausz dem grund schlieffen, musz man stäts wasser darbey haben. Tabernaemont. 862 B; die blumen (des indianischen jasmins) ... schlieffen ausz starcken schalen oder schelffen herfür. Hohberg 1, 607a; ûʒer bollen schône sliufet manger lôsen blüete kluft. minnes. 2, 322b Hagen; reht als ein vrischiu rôse, diu naʒ von touwe triufet und ûʒ der bollen sliufet alrêrst an einem morgen vruo. Konrad v. Würzburg troj. krieg 7530. II@44) in vielen fällen tritt bei schliefen die bedeutung des schlüpfens durch eine öffnung ganz zurück und es überwiegt der begriff des schleichens überhaupt, meist mit der vorstellung des leisen, geschmeidigen, verstohlenen, vgl.: sluypen, prorepere tacite, occulte gradi, latenter ire: tecte suggredi, furtim proripere se: occulto gradu insidiari. Kilian: kund ich nu sliefen sô der fuchs. Wolfr. v. Eschenbach Willeh. 61, 8; als ist, wer bösen herren nach sleuft, on ere und on gemach. Hugo v. Trimberg renner 977; swar sô die liute sliefent, siu mun doch niht entrinnen. Hugo v. Langenstein Martina 131d, 110; richter, ich klag euch uber disen lappen, der get mir des nachts umb mein haus trappen und get mir schlifen umb den mist, als einer, dem not scheiszens ist. fastn. sp. 221, 9; ins wirtshaus schliefen, zu jemand schliefen u. ähnl.: der schnod pub, der schalk und lecker hat mir verthan wiesen und ecker, verhurt, verspilt und auch versoffen, zu tenzen in wirtsheuser geschloffen. 481, 14; darumb kom ik sus hemeliken slupen, als ein wulf, de dar bit de schapen. Daniel v. Soest 146, 1048 Jostes; schleufft zu nacht auff der gassen umb. H. Sachs fastn. sp. 4, 9, 227 neudruck; was sucht man durch die ohrenbeicht, dann dasz man heimlichkeit erschleicht, und dasz die lauren (hinterlistigen menschen) schlieffen mögen zu den mägdlin, die sich gern legen? Fischart dicht. 2, 346 Kurz (die gel. die verkehrten 558); (Balenicus:) kom her, wir wollen gehn hinein und mit einander frölich sein. (Nidtstifftrio:) ... ich wil bald komn hinach geschloffen. Römolt christl. spiel B 8a; aber die rehten megde sliefent dem lambe nâch dur engi und dur wîti unt swâ eʒ hin sliufet. d. mystiker 2, 299, 6 Pfeiffer; die hinde gehet für sich in den waldt, unnd suocht die dickung, unnd schleüfft von einer stauden in die ander, unnd bestattet sich inn einer dicken, dabey solt du wissen, dasz das ein hinde sey, wann sie also umb sich schleüfft, das doch der hirsch nicht mag thuon, dann er muosz die weyten gehen. Meurer von forstgerechtl. oberherrlichk. 93b; von dingen, gleiten, fallen: ob dem swerte lieʒ er hin sliefen die schaide. gesammtabent. 2, s. 628, 349. bildlich in der redensart: du bist nicht so simpel, als du schinst van buten, lest ok den schalk wol heimliken slupen! du bist ein huchler in diner hut. Daniel v. Soest 182, 2208 Jostes. mnd. auch mit ethischem dativ und ergänzendem infinitiv des zweckes: in mening, noch dre dage frist to hebbende .. slop sik dat gemene volk van deme rechte tor maltyt gahn. quelle bei Schiller-Lübben 4, 252b. an ein wirkliches reflexix ist natürlich nicht zu denken. II@55) vereinzelt ist transitives schliefen mit acc. des weges: swaʒ finster hecken sliufet und mîdet liechte genge. Hadamar v. Laber jagd 41. tirolisch sagt man ketten schlieffen, lucke schlieffen für eine art knabenreigen; ferner schuech schlieffen, ein mit einem schuh ausgeführtes kunststück Schöpf 622. II@66) besonderheiten oberd. mundarten: II@6@aa) beim spiel, ohne gewinn und verlust durchkommen Seiler 255a. II@6@bb) schmeicheln, jemandes zutrauen zu gewinnen suchen: er schlieft schier inn-sen ine, thut äuszerst verliebt. si schlieft -im schier in 's fuodle ine. ebenda. II@6@cc) beim stimmensammeln, in verschiedenc haufen auseinandergehen, damit die köpfe gezählt werden können Tobler 391. II@6@dd) gut, leicht schliefen, sterben Schöpf 622. II@6@ee) der hafer schluoft, wenn die ähre sich entwickelt Tobler 391a. II@6@ff) es mag grad gschlüfa, es reicht gerade so knapp hin. er mag nüd z 'schlüfe koh, er kommt nicht zu gange Tobler 391b; leicht, ohne zwang vor sich gehen: es mag nicht schliefen, es geht nicht; mach dasz es schliefen mag, dasz der handel vor sich geht Schmid 466.
27897 Zeichen · 613 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schliefen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schliefen , verb. irreg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert; ich schliefe, du schliefst, (Oberd. schleufst,) er…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schliefen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schliefen , in der Jägersprache das Kriechen des Dachshundes.

  3. modern
    Dialekt
    schliefen

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schliefe n [lìəfə Olti. Fisl. Roppenzw. Mü. ; liəfə M. ; Part. klofə] schlüpfen. Auf die Frage ‘Hasch kalt?’ die Sche…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schliefen

5 Bildungen · 0 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

schliefen als Zweitglied (3 von 3)

ausschliefen

DWB

aus·schliefen

ausschliefen , prorepere, auskriechen, nnl. uitsluipen, zumal von küchlein, aus der schale schliefen ( Garg. 43 a ): schleuft ein hünlin dar…

durchschliefen

DWB

durch·schliefen

durchschliefen , wie durchschlüpfen, durchkriechen, perrepere, ahd. duruhsliufan Graff 5, 805. 1 . untrennbar, ein wurm der durchsleufet in …

verschliefen

DWB

ver·schliefen

verschliefen , verb. schlüpfend verschwinden, fortkriechen, mhd. versliefen, s. schliefen theil 9, 680. schon mhd. ist bei weitem vorherrsch…

Ableitungen von schliefen (2 von 2)

entschliefen

DWB

entschliefen , elabi, entschlüpfen, nnl. ontsluipen: und der apostel wil das ganz gesetz Mose und solch tradition zugleich begriffen haben, …

verschliefen

DWB

verschliefen , verb. schlüpfend verschwinden, fortkriechen, mhd. versliefen, s. schliefen theil 9, 680. schon mhd. ist bei weitem vorherrsch…