schliefen,
verb. schlüpfen, gleiten. II.
form und verwandtschaft. I@11) schliefen
ist ein gemeingermanisches wort, das sich über das germanische hinaus nicht verfolgen läszt; doch bieten die verwandten sprachen einzelne ableitungen aus derselben wurzel. so gehört hierher lat. lūbricus,
ferner wahrscheinlich lit. slùbnas '
schwach'. Fick
4 1, 577
zieht ferner hierher die gr. glossen ἀπο-λύγματος! ἀπογύμνωσις.
Κύπριοι und λυμνός! γυμνός bei Hesych. in den osteurop. und asiatischen zweigen des indogerman. sprachstammes ist die wurzel nicht nachzuweisen. I@22) schliefen
berührt sich in der bedeutung sehr nahe mit schleifen (
vgl. daselbst).
der unterschied, der indes nicht strenge inne gehalten wird, besteht darin, dasz schleifen
mehr das leichte hingleiten über eine fläche, schliefen
das hindurchgleiten durch ein loch, eine öffnung bezeichnet; der begriff einer leichten, leisen, geschmeidigen bewegung ist beiden gemeinsam. daher nimmt Noreen
urgerm. lautlehre s. 67
wurzelvariation mit altem (
vorgermanischem)
ablaut an; vielleicht liegen in beiden wörtern verschiedene erweiterungen derselben urwurzel vor. weiterhin lieszen sich vielleicht ags. slîdan (
engl. to slide,
mhd. slîten,
vergl. schlitten)
und altes slûkan (
s.schlauchen und schlucken sowie Noreen
s. 150)
heranziehen. jedenfalls wird schliefen
in der neuern sprache oft mit schleifen
vermischt, vgl. die belege, in denen zuweilen das eine als variante zum andern auftritt. fest geworden ist diese verwechslung in den ableitungen schleife (
neben schläufe), schleifkanne
und unterschleif,
vgl. daselbst und Andresen
volksetym.4 s. 209
f. 212. 239. I@33) schliefen
bildet ein causativ schlaufen (
s. das. sp. 514
f.)
und eine steigerungsform schlüpfen, schlupfen,
durch die es jetzt selbst ganz verdrängt ist. auch das causativ geht später in die intransitive bedeutung über; zu den belegen ist nachzutragen: doch kamen wir je länger je tiefer in die schulden, und muszten immer aus einem sack in den andern schleufen.
der arme mann im Tockenb. 19.
fernere ableitungen sind schläufe
bez. schleife, schlupf (
vgl. das.)
und das adj. mhd. slupfer, slupferic Lexer
handwb. 2, 992,
nhd. schlüpfrig (
vgl. das.);
dazu auch ags. slipor,
und altn. slyppr
unbewaffnet? I@44)
die formen der ältern german. dialekte sind zusammengestellt bei J.
Grimm gramm. 1
2, 1026;
es sind: goth. sliupan;
altn. nicht vorhanden, dafür sleppa-slapp-sluppu (
vgl.slyppr
unter 3);
dem entspricht dän. slippe-slap-sluppet,
und schwed. slippa.
ags. slûpan-sléap-slupon-slopen Bosworth-Toller 886
a;
im neuengl. aufgegeben, dafür schwaches slip,
welches wol zu slîpan, schleifen
gehört, in der bildung sich unserm schlüpfen
vergleicht, dem es auch lautlich entsprechen könnte, vgl. darüber Skeat 563
a.
altfries. sliapa,
prät. sleph Richthofen 1037;
neuwestfries. sluwppen
ebenda. altniederd. *slûpan
ist unbezeugt; doch begegnet das causativ slôpian,
s.schlaufen.
mnd. slupen Schiller-Lübben 4, 252,
ebenso nnd., s. 6.
mnl. slupen,
bei Kilian sluypen;
ebenso im jetzigen holl. sluipen-sloop-geslopen,
vgl. Franck 901.
ahd. sliufan, sliofan, sliafan, slieffen-sloufslufen-gesloffan Graff 6, 804
f.; mhd. sliefen, scliefen, slüffenslouf,
md. auch slûf-sluffen-gesloffen Lexer
handwb. 2, 974
f. über das anlautende scl,
das oft für sl
begegnet, vgl. z. b. schlagen
sp. 347;
es begegnet sclovf, sclovfton Grieshauer
pred. 2, 84,
vgl. II, 2,
a; ferner; dô scluffin die recken in stâlîne roche.
Rother 4081.
das alte sliupan
ist also im nordischen aufgegeben, im goth. und westgerm. gewahrt, doch mit dem unterschiede, dasz das nd. und ags. an stelle des diphthongs im präs. ein û
zeigen. die flexion ist überall die starke ablautende. I@55)
in der nhd. schriftsprache der ältern zeit ist schliefen
sehr gewöhnlich, namentlich im 15.
und 16.
jahrh.; im 17.
wird es merklich seltener und stirbt gegen ende desselben aus. seitdem nur vereinzelt bei süddeutschen schriftstellern im anschlusz an die mundartliche redeweise, so bei Pestalozzi, Usteri, Raimund;
bei Schiller
nur einmal als lesart: das sind die spione und maschinen. bedeutende herren, denen die groszen ein ohr leihen, wo sie ihre allwissenheit hohlen, die sich wie blutigel in seelen einbeiszen, das gift aus dem herzen schlürfen (
in den ersten ausgaben ABC schliefen), und an die behörde speien.
Fiesko 1, 3,
vgl. die belege. auffällig ist, dasz die ältern wörterbücher das wort nicht aufführen. Stieler 1810
kennt schluffen
als nebenform zu schlupfen.
im übrigen ist es verzeichnet bei Wachter 1430,
bei Frisch 2, 198
b f. als veraltet; bei Adelung
und Campe
als besonders oberdeutsch. I@66) schliefen
flectiert im nhd. in folgender weise. I@6@aa)
das präs. lautet durchweg schliefen;
die schreibungen schlieffen
und schlifen
bezeichnen keinen lautlichen unterschied. dagegen ist dies zweifelhaft bei schliffen;
vergl.: die jungen nerrlin schliffen dryn. Murner
narrenbeschw. 96, 11 (
s. 287
neudr.);
dagegen ebenda v. 16: die narren drinnen schlieffen lon. — schlifft mir all nach wider ins loch. H. Sachs 3, 1, 156
a; mein lieber herr, bald schliffet in den ofen.
fastn. sp. 3, 128, 128
neudruck. I@6@bb)
die 2. 3.
sing. ind. präs. und die 2.
sing. imp. zeigen in der ältern sprache vocalwechsel, mhd. du sliufest, er sliufet, sliuf.
ähnliche formen begegnen mundartlich im ältern nhd.: wan sü (
die sonne) fület (
macht faul), was sü begrift, wiewol sü lustlich uszerslüft. Konr. Dangkrotzheim
heil. namenb. 230; wer slüfft jnn esel, umb das schmär, der ist vernunfft, und wiszheyt lAer. Brant
narrenschiff 52, 1;
die regelmäszigen entsprechungen sind nach eintritt der bairischen diphthongierung du schleufst, er schleuft, schleuf,
die in der sprache des 15.
und 16.
jahrh. durchaus herrschen: 2.
sing.: das du von weib und kinden schleuffst. H. Sachs
fastn. sp. 1, 60, 200
neudruck; dafür verdruckt: sag, wie offt du zum wein dar schleuffts. 126, 61; 3.
sing.: der sibent gern in haimlich winkel schleuft.
fastn. sp. 730, 25;
imp.: darumb schlewff in die hell herein; dw muest mein gefangene sein. H. Sachs
d. hürnen Seufrid 394.
hiernach wird auch eine 1.
pers. sing. ich schleufe
gebildet: denn schleuff ich in das leer weinfasz. H. Sachs
fastn. sp. 4, 30, 229
neudruck. später dringt der vocal der übrigen präsensformen auch in diese; also du schliefst, er schlieft,
imp. schlief.
so vereinzelt schon im 16.
jh.: so kommen die pfaffen und spielen dann fuorter: hänlein schlieff ausz dem schälchen (
ei): füchslein komm ausz dem hölchen. Fischart
bienenk. 140
a; ergo, die hörner hastu noch, komm ich nicht bald, schlief selbst ins loch.
Jesuiterhütl. 900 (
dicht. 2, 265
Kurz);
dafür schliff
geschrieben: hui teuffel schlag dem vasz den boden ausz, unnd schliff inns korn unnd fahr zum tachfenster ausz.
Garg. 191
b.
2 Sam. 14, 14
liest die concordanz von Conr. Agricola (
Frankfurt a. M. 1640) 1107
b: wie das wasser in die erden verschliefft,
die ausgabe von 1674
hat dafür verschleufft, Luther verschleifft.
die neuere sprache verwendet nur noch die ausgeglichenen formen. Frisch 2, 198
b gibt an: schliefen, ist meistens veraltet, und was noch übrig, ist vulg ...
praes. ich schliefe, du schliefest, er schliefet oder schleuft, als 2
Sam. XIV, 14. wie das wasser in die erde verschleuft,
sensim intrare, absorberi. Adelung
und Campe
geben beide du schliefst, er schlieft, schlief,
daneben als oberd. du schleufst, er schleuft, schleuf. I@6@cc)
das prät., mhd. slouf,
lautet nhd. gewöhnlich schloff,
wie auch die wörterbücher angeben: sölchs werete, bisz sie baid ins haus kamen, darin verschloff sich der sone.
Zimm. chr.2 1, 509, 14
Barack; also verbot einer seiner frawen, sie solt nit in den offen schlieffen, und da sie hinyn schloff, da fiel der ofen uff sie. Pauli
schimpf u. ernst 201
Österley; daneben auch schluff: der schalck schluff under das beth. Keisersberg
emeis (1517) 44
c;
zuweilen begegnen beide formen in derselben quelle neben einander: ob aber yemant chöm stelen und sluff hinein, daz er viel in die potigen ... da slof der vater deʒ ersten hinein.
gesta Romanorum s. 113
Keller; schon bei Nic. v. Jeroschin 16417 (
s. II, 1,
a)
steht sluf (
im reime auf ûf,
also slûf?
eher ist wol beides mit kurzem vocal zu lesen).
die form schliff
gehört nicht hierher, sondern zu schleifen (
s. dieses).
über das prät. in neuern oberd. mundarten s. 7. I@6@dd)
auch die pluralformen lauten schloffen
und schluffen: da schloffen sie mit grosser mühe unversehenlichen durch die schwibogen, da das wasser hinausz fleust, in die statt.
Zimm. chron.2 1, 306, 29
Barack; schloffen wir mit dem arm aus dem wammesermel.
Jucundiss. 52; St. Antonius und andere die schluffen in die greber. Keisersberg
brösaml. 1, 28
a; wie wir hinein schluffen, begegnet uns mit einem bickel ein arbeiter.
der verzucket Pasquin (1543) C 7
b; dan dieweil sie (
die bösen geister) subtil geist sein .. schluffen si unendphindlich in die leib des vichs und der leut. Aventin
chron. 1, 72, 7;
ebenso im conj. schlüffe
und schlöffe,
s. 3,
a; Megenberg
hat slüffe: ain trinker legt air under ain küssein und sprach, er möht sô lang trinken, unz hüendl auʒ den airn slüffen. 196, 6. I@6@ee)
das part. lautet ausnahmslos geschloffen
bez. gesloffen (
über geschliffen
in gleicher bedeutung s. schleifen).
die zusammengesetzten zeiten der vergangenheit werden mit sein
gebildet: ich bin geschloffen. I@77)
von den hd. mundarten haben nur die oberdeutschen das wort bewahrt: schweiz. schlieffe Seiler 255
a, schlfa, schlffa Tobler 391
a,
schwäb. schliefen Schmid 466 (
unter schleifen),
augsburgisch dafür schläfen Birlinger 396
a (
wol causativ, vgl. schlaufen),
bair. schlieffe, schloiffe, schluiffe Schmeller 2, 510.
ebenso tirol. schlieffen Schöpf 622,
kärntn. schliefn, schloifn Lexer 220.
die bair.-österreichischen mundarten haben, wie auch sonst bei starken verben, so auch hier das alte starke prät. aufgegeben und durch eine schwache neubildung ersetzt. Schmeller
a. a. o. gibt an: cond. ich schluff und schlieffet, Schöpf schluff', schlieffet', schluiffet', Lexer schliefet, schloifet.
das part. heiszt überall g(e)schloffen.
das schwache prät. ist durch Raimund
auch in die litteratursprache eingedrungen, vgl. II, 1,
d. niederd. slupen
ist verzeichnet brem. wb. 4, 849. ten Doornkaat Koolman 3, 217
b,
findet sich indes auch im binnenlande. IIII.
bedeutung. II@11)
zunächst, durch ein loch, eine öffnung hindurchgleiten, vgl. I, 2. schliefen .. in oder aus etwas enges kriechen. Frisch 2, 198
b. II@1@aa) in etwas schliefen,
vgl. 2,
a. in ein haus, eine höhle, einen sack
u. s. w. schliefen:
ahd. sliuffit in daʒ nest.
quelle bei Graff 6, 805; ir biginnet thanne ruafanjoh innan erda sliafan. Otfrid 4, 26, 47; nu ging et zuo dem schober her, und sliuf dar î
n. Grimm
Reinh. Fuchs 328, 1020; in sîn nest er (
der phönix) danne sliuffet. Karajan
sprachdenkm. 106, 13; he n' is nicht to der dore in komen, he is hindene geslopen in dat hus.
deutsche chron. 2, 176, 40; der kunic hieʒ si in ein kercker sliefen, der waʒ vinster unn tief.
quelle bei Scherz-Oberlin 1510; und als der wider also in die hundshut geschloffen was. Steinhöwel
Äsop 233
Österley; daʒ grabe daʒ von merberstein was, dar in der pischoff lage, palde auf gethon hetten und unterseczt, also hoch daʒ einer wol hin ein schlieffen mocht.
Bocc. 88
Keller (2, 5); sanctus Gallotus, der wolt uff ein mal usz einer krussen trincken, da was der tüffel vor in die krussen geschloffen. Pauli
schimpf u. ernst 69
Österley; der drach ist der teufel, sein cörper ist die welt, das heubt ist Roma, die die welt regiret, und unter jr hat, ist klein worden, und in S. Peters fischreuslin geschloffen. Luther 1, 97
a; denn er (
der teufel) hat ein schlangenkopff, welcher, wo er ein lücken gewinnet, darein er schlieffen kan, so gehet der gantze leib hinach unauffgehalten. 4, 420
b; die menschen werdend in die holen velsen schliefen (
introibunt) und in die kluften der erden.
Züricher bibel 1530 321
b (
Jes. 2, 19); wann ein schlang in sein huolen schliefen will. Herr
veldtbaw (
Straszb. 1545) 114
a; beürlin, lieber, lang dein sack här, und lasz mein Clausen dareyn schlieffen und bind den sack zuo. Wickram
rollwagenb. 177, 19
Kurz; darumb ... schleufft sie (
die maus) eylents in die fallen. Kirchhof
wendunmuth 1, 105
Österley (1, 82); wann er von solchem beschaidt fürgab, so schloff er in ain ler weinfasz.
Zimm. chr.2 1, 513, 7
Barack; wan sie jne (
die bienen ihren könig) verlieren .. alsdan schlieffen sie all traurig in jre hölen. Fischart
bienenk. 240
a; Androdus Dacus, welcher von seinem herren .. mit unbillichen schlegen zu der flucht in ein wüste einöden, und finsters loch oder hölen zu schlieffen, genötiget und gedrungen. Fronsperger
kriegsb. 1, 115
a; wenn ein zündloch vergossen, vernagelt oder sonst verschlagen würd .. so müste man behend ein ander zündloch boren, oder man möchte öl darneben hineyn schlieffen lassen. 154
b; dis sei die ursach, das die groszen wasserflüsz nit gar in die erden schlieffen, nemlich dasz das erdtreich so vol wasser sei, das nichts mehr hinein schliefen möge. Thurneisser
von wassern (1572) 40; jetzt schleuft der teufel in den wolf. Paracelsus (1590) 9, 182; wann man desz (
hanf-)saffts ein wenig in die ohren lasse, so töde er die würm darinnen, [oder anders, dasz darein geschloffen ist]. Tabernaemont. 937 C; einen esel laszt euch bauen, so grosz, wie das trojan'sche pferd, und schlieft's mit eurer tapferkeit hinein. Raimund 2, 133; was darinn (
im felsen) ein tieffe speluncken, inn die schloff es (
das fräulein) nach meym beduncken. H. Sachs 1, 103
b; komb lasz uns schlieffen in die hecken. 3, 1, 184
d; fürwar Teütschland sollt nit erschrecken, wann sie (
die pfaffen) schon bey Canibaln stecken und in der insel Teneriffen in denselben Aeten schlieffen. Fischart
dicht. 1, 93
Kurz (
nachtrab 3592); o Phalaris, du solst heut leben, du thest dem, so es (
flöhfallen) hat angeben, wie dem, der den ochsen erfund, darinn man die leut praten kund, das nämlich er die erste prob müszt thun seim neuen fund zu lob, und in ain grose leimthonn schlifen. 2, 31 (
flöhh. 1093); demnach ir doch so torecht seit, das jr schlift ainer inn ain or? 90 (3409). zu einer thür hinein schliefen: der thorhüter sprach, zuo dem thürlin müsen ir hinyn schlieffen, da sahen sie einander
an. da schloff der ein hindersich hinyn. Pauli
schimpf u. ernst 216.
von blumen, sich schlieszen: dârnâch schiere kam ein regen, dô sluffens aber wider in. Lamprecht v. Regenburg
tochter Syon 2186.
bildlich: diu dritte sache ist von ûʒern verlâʒen unmuoʒen mit rede oder mit gedanken ... diu sliefent uns denne in daʒ herze unde bildent sich in unsern gedanken.
d. mystiker 1, 389, 14
Pfeiffer; want der tûvil ... mit valscheit in ir herze sluf. Nic. v. Jeroschin 16417; die dachshunde schliefen in die dachslöcher.
sprichwörtliche redensart: vor angst in ein mauseloch schliefen. Adelung. —
beim brunnengraben, einen tunnel graben Seiler 255
a;
vom nagel, leicht ins holz dringen. ebenda. II@1@bb) aus etwas schliefen,
vgl. 2,
b und 3: daʒ der track gern won in den tiefen abgrünten der erd, und wenn er ains ungewiters enpfint, sô sleuft er etswenn her auʒ. Megenberg 269, 11; da was ein schlang usz der muren geschloffen. Pauli
schimpf u. ernst 169
Österley; das er nit anders sache (
aussah), als ob er ein ziegler und erst user der laimgruben were geschloffen.
Zimm. chron.2 3, 625, 35
Barack; doe saghic minen vader comen ute enen hole gheslopen.
Reinaert 2379; sî kêrten ûʒ für diu gezelt ... und kâmen drûʒ gesloffen. Konr. v. Würzburg
tr. krieg 32810; bald schloff ich ausz dem steynen hol. H. Sachs 1, 106
d. II@1@cc) durch etwas schliefen: sliufet dâdurch.
quelle bei Graff 6, 805; sô suochet si (
die natter) denne ein engiʒ loch an einem steine, dâr durch si sliuffet. Karajan
sprachdenkm. 88, 20; sy (
die jagdhunde) sprinngen über die zeün, und schlieffen durch die dornhecken. Keisersberg
pred. 5
b; Kriegli sprach, er wer in den himmel geschloffen durch ein neberloch.
Marie himelfart 3
d; und liesz ein joch, daran die ochsen ziehen, auf zween stotzen (
stützen) schlahen, dadurch sie zum zeichen der gehorsame allesamment schliefen musten. Carbach
Liv. 44; der letst der het die junkfraw lieber dann sich selbst, unnd fahet an zuo schlieffen durch die dörn, die stachen jhn. Pauli
schimpf u. ernst 90
c; in dem liesz der babst ein kleine nidere thür machen, das sie dadurch müsten schlieffen. 216
Österley; doch muesten si all durch einen galgen, von den Teutschen nit hoch von der erd gemacht, schliefen. Aventin
chron. 1, 506, 11; solche compaction, bricht mauren, schleufft durch alle poros, reist von einander. Paracelsus
opp. (1616) 1, 597 B; wanneer hi hem (
Isegrijn den Reinaert) waende te slaen, is hi hem tuschen die been ontgaen onder sinen buuc, ende sloop so door.
Reinaert 7045; leicht kumbt zuo mir, dye mich erweckt mit gantzen freuden tröstlîch kûn gesloffen durch die lucke. O. v. Wolkenstein 71, 2, 10; eins mals, da er (
der fuchs) het lang geloffen, und durch viel dicker hecken gschloffen. B. Waldis
Esop 4, 2, 8
Kurz; ein gleichnus jn auch darauff seit, das eim camel wer müglich mehr zuo schlieffen durch ein nadel öhr, dann eim reichen in gottes reich. Wickram
irr. reit. bilger 86
b; bald hub sie im (
dem kinde) das ärslin uff, es mit dem kopf durch d bain ir schluf. Fischart
dicht. 2, 44
Kurz (
flöhh. 1612); das füchslein schloff behend durch's loch. Rückert
ges. poet. werke (1882) 6, 91;
bildlich: gedenke slüffen dur den stein, dur stahel unt durch îsen.
minnes. 2, 258
b Hagen. durch eine öffnung in etwas schliefen: sy werdend in der statt hin und her rennen und auf den mauren umblaufen, die häuser besteigen und durch die fenster hinein wie ein dieb schliefen.
Züricher bibel 1530 426
b (
Joel 2, 9). II@1@dd) unter etwas schliefen,
vgl. ahd. untar sliufên,
subrepant Murbacher hymn. 4, 4, 2; und was die schlang under die wagen (
wiege) geschloffen. Pauli
schimpf u. ernst 169
Österley; dem künig ward nit mêr, dan das er under ein penklein vor dem pet was geschloffen; und kam also wunderperlich davon. Aventin
chron. 2, 376, 16; o, ihr Persier, es sey denn sach, dasz ihr wie die vögel in der lufft fliegen, oder wie die mausz unters erdreich schlieffen könten .. so mögen ihr sonst nicht wider dahin kommen. Kirchhof 3, 21
Österley (4, 12); wenn er in die kuchel kommt, so wär's nothwendig, ich schlieft' unter den herd. Raimund 2, 230; der in den oven niht entran, der slouf under die banc.
meier Helmbr. 1617; der mantel der liebe ist lang und ist breit, doch schliefet der kluge nicht drunter. Usteri
dicht.3 (1877) 1, 10. II@1@ee)
andere verbindungen: die (
sau) ist im .. ein mal zwüschen bainen herdurch geschloffen, het in nahent umbgestoszen.
Zimm. chron.2 4, 283, 14
Barack; die wurtzen (
des süszholzes) schlieft in der erden hin und her. Hohberg 2, 68
a. II@22)
besonders mit bezug auf kleidung. II@2@aa) in ein kleid schliefen,
es (
eilig)
anziehen, vgl. Schm. 2, 510.
so sehr häufig in der ältern sprache: ahd. slieffen in ein kutten Graff 6, 805; der (
könig) stuont ûf ab sinem küneclichen stuol, und warf sin guot gewant von im, und sclouf in ainen sack. Grieshaber
pred. 2, 84; si slouf in ain hemede.
kaiserchron. 15497,
vgl. Grimm
rechtsalterth. 912; die wîle was ouch Sîfrit ... zuo dem schiffe gegân, dâ er sîn tarnkappeverborgen ligen vant. dar in slouf er schiere.
Nib. 410, 4; in sîniu rîchiu wâpenkleit slouf er zuo den zîten. Konrad v. Würzburg
Engelh. 2487; diu reine süeʒe maget Îsôt slouf in wîplîch gewant. Ulr. v. Türheim
Trist. 312; der (
bischof) werte sich sô verre ze sliefen in der êren ric. Ottokar
reimchron. 5359; ich urtail ümb sein prankiern und ümb sein groszs hofiern, das er schol in den hadern schliefen.
fastn. sp. 786, 12; bin in kein harnisch nie geschloffen. B. Waldis
Esop 1, 55, 9; so bald der könig das kleidt angreuft und in die beide erwel schleuft. H. Sachs 3, 2, 87
b;
bildlich: doch wisse dabey, dasz du noch nicht über den graben, sondern mit gefahr deiner vernunfft in diese narrenkappe geschloffen bist.
Simpl. 1, 138, 9
Kurz; aber der tölpische leib kan darumb nicht hinein .. er musz das dritte principium zuvor ablegen, als diesen peltz, darein vatter Adam und mutter Heva sind geschloffen. J. Böhme 3
princip. 89. —
vgl. die entsprechenden verbindungen des causativs schlaufen:
mhd. einen in ein kleit sloufen,
ihn damit bekleiden, ein kleit an sich sloufen,
es anlegen, s. sp. 514;
vgl.: und (
die leute in Ninive) zugen in ier gewant ab, und sclouften secke an sich. Grieshaber
pred. 2, 84 (
s. oben);
hierher gehört wol auch das schwäb. schleifen, schläfen,
an-, be-, auskleiden Schmid 466;
zahlreiche belege aus dem Augsb. meszbuche bei Birlinger 396.
ferner das fries.: hwasa otherum .. thene silrap (
strick?) an thene hals sleph (
l. slepth?) Richthofen 96, 4,
das im wörterbuche unter sliapa
gestellt ist. II@2@bb)
entsprechend aus einem kleide schliefen: ih bin ûʒe mînemo rocche gesloffan, uuîe scal ih in uuidere anegetûon? Williram 78, 1; Gînôver ûʒ ir mantel slouf. Heinr. v.
d. Türlin
crone 12375;
ähnlich vom widder: er sliufet ûʒ der wollen. Konrad v. Würzburg
tr. krieg 9342;
bildlich: diu reine minne lêrte dich,trût, sliefen ûʒ der schanden wât.
minnes. 2, 255
b Hagen. II@33)
als bezeichnungen der geburt: aus der mutter, dem mutterleibe schliefen, hühner schliefen aus dem ei
u. s. w. II@3@aa)
seltener von menschen: reumbt ihm all sein complexion, als ob er aus seiner ersten mutter schlüff. Paracelsus (1590) 6, 32 (1570: als ob er erst aus seiner mutter schlöffe);
umgekehrt: durch sîn tougenlich geberc slouf ein rise in ein getwerc (
Christus in Maria), dô dîn bilde almehteclich hal in kindes forme sich.
minnes. 2, 312
a Hagen. vergl.: syehe aber, wie aines starcken gemüts die Lacena gewesen, welche, als jre söne ausz der schlacht entpflohen, und zuo jr kummen waren, hat sye jr klaider aufgehaben, und den bloszen leib zaigt, und gesagt: wahin fliehet jr, wölt jr wider in den leib schlieffen, darausz jr kummen seit? Frölich
Stob. 511;
übertragen von städten: die hauptstat und, wies die Kriechen nennen, metropolis, das ist die mueterstat, darausz al ander stet in disem land geporn und geschloffen sein. Aventin
werke 1, 257, 21. II@3@bb)
besonders von thieren, die aus dem ei kriechen: des (
der ente) kindel habent die art, daʒ si zehant swimment, wenne si auʒ der schaln sliefent. Megenberg 169, 17; dar umb sô diu air erwarmt werdent von der sunnen in dem sant, sô sliefent jungeu sträuʒel dar auʒ. 223, 6; sô die jungen (
heuschrecken) des êrsten dar auʒ sliefent, so sint si klain und swarz sam die âmaiʒen. 304, 10; denn der alte rapp hatt die art, wenn seine jungen erst ausz der schalen geschloffen sind, so nympt er sich ir nitt
an. Keisersberg
seelenpar. 36
a; wenn es (
das ei) ganntz auszgebrüttet ist, so schleüfft ain hünlin darausz.
has im pfeffer Aa 4
d; der befangenen menge, die, wie gänse, welche, seitdem sie aus der schale geschloffen, im stall und in der küche gefüttert wurden, alle flug- und schwimmkraft verloren hat. Pestalozzi 5, 17;
bildlich: also hat man vor jaren das mies den jungen herren ab den oren plasen und sie woler deponiert; iezund, do sie kaum user der schalen geschloffen, sein sie gleich gnad herren und grosz Federhannsen.
Zimm. chron.2 3, 438, 8
Barack; das jhr, so bald jhr ausz der schalen schlieffet, werd nit wissen, wie jr euch breit genug machen sollet.
Garg. 43
a. II@3@cc)
von pflanzen oder pflanzentheilen: das vorderst gras ee das es ist ausgeschloffen.
quelle bei Schmid 466; aus den knöpfen schliefen heraus schöne leibfarbe weisze röslin. Bock
kräuterbuch (1560) 340; so bald die zwey erste fäiszte blätter ausz dem grund schlieffen, musz man stäts wasser darbey haben. Tabernaemont. 862 B; die blumen (
des indianischen jasmins) ... schlieffen ausz starcken schalen oder schelffen herfür. Hohberg 1, 607
a; ûʒer bollen schône sliufet manger lôsen blüete kluft.
minnes. 2, 322
b Hagen; reht als ein vrischiu rôse, diu naʒ von touwe triufet und ûʒ der bollen sliufet alrêrst an einem morgen vruo. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 7530. II@44)
in vielen fällen tritt bei schliefen
die bedeutung des schlüpfens durch eine öffnung ganz zurück und es überwiegt der begriff des schleichens überhaupt, meist mit der vorstellung des leisen, geschmeidigen, verstohlenen, vgl.: sluypen,
prorepere tacite, occulte gradi, latenter ire: tecte suggredi, furtim proripere se: occulto gradu insidiari. Kilian: kund ich nu sliefen sô der fuchs. Wolfr. v. Eschenbach
Willeh. 61, 8; als ist, wer bösen herren nach sleuft, on ere und on gemach. Hugo v. Trimberg
renner 977; swar sô die liute sliefent, siu mun doch niht entrinnen. Hugo v. Langenstein
Martina 131
d, 110; richter, ich klag euch uber disen lappen, der get mir des nachts umb mein haus trappen und get mir schlifen umb den mist, als einer, dem not scheiszens ist.
fastn. sp. 221, 9; ins wirtshaus schliefen, zu jemand schliefen
u. ähnl.: der schnod pub, der schalk und lecker hat mir verthan wiesen und ecker, verhurt, verspilt und auch versoffen, zu tenzen in wirtsheuser geschloffen. 481, 14; darumb kom ik sus hemeliken slupen, als ein wulf, de dar bit de schapen. Daniel v. Soest 146, 1048
Jostes; schleufft zu nacht auff der gassen umb. H. Sachs
fastn. sp. 4, 9, 227
neudruck; was sucht man durch die ohrenbeicht, dann dasz man heimlichkeit erschleicht, und dasz die lauren (
hinterlistigen menschen) schlieffen mögen zu den mägdlin, die sich gern legen? Fischart
dicht. 2, 346
Kurz (
die gel. die verkehrten 558); (
Balenicus:) kom her, wir wollen gehn hinein und mit einander frölich sein. (
Nidtstifftrio:) ... ich wil bald komn hinach geschloffen. Römolt
christl. spiel B 8
a; aber die rehten megde sliefent dem lambe nâch dur engi und dur wîti unt swâ eʒ hin sliufet.
d. mystiker 2, 299, 6
Pfeiffer; die hinde gehet für sich in den waldt, unnd suocht die dickung, unnd schleüfft von einer stauden in die ander, unnd bestattet sich inn einer dicken, dabey solt du wissen, dasz das ein hinde sey, wann sie also umb sich schleüfft, das doch der hirsch nicht mag thuon, dann er muosz die weyten gehen. Meurer
von forstgerechtl. oberherrlichk. 93
b;
von dingen, gleiten, fallen: ob dem swerte lieʒ er hin sliefen die schaide.
gesammtabent. 2,
s. 628, 349.
bildlich in der redensart: du bist nicht so simpel, als du schinst van buten, lest ok den schalk wol heimliken slupen! du bist ein huchler in diner hut. Daniel v. Soest 182, 2208
Jostes. mnd. auch mit ethischem dativ und ergänzendem infinitiv des zweckes: in mening, noch dre dage frist to hebbende .. slop sik dat gemene volk van deme rechte tor maltyt gahn.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 252
b.
an ein wirkliches reflexix ist natürlich nicht zu denken. II@55)
vereinzelt ist transitives schliefen
mit acc. des weges: swaʒ finster hecken sliufet und mîdet liechte genge. Hadamar v. Laber
jagd 41.
tirolisch sagt man ketten schlieffen, lucke schlieffen
für eine art knabenreigen; ferner schuech schlieffen,
ein mit einem schuh ausgeführtes kunststück Schöpf 622. II@66)
besonderheiten oberd. mundarten: II@6@aa)
beim spiel, ohne gewinn und verlust durchkommen Seiler 255
a. II@6@bb)
schmeicheln, jemandes zutrauen zu gewinnen suchen: er schlieft schier inn-sen ine,
thut äuszerst verliebt. si schlieft -im schier in 's fuodle ine.
ebenda. II@6@cc)
beim stimmensammeln, in verschiedenc haufen auseinandergehen, damit die köpfe gezählt werden können Tobler 391. II@6@dd) gut, leicht schliefen,
sterben Schöpf 622. II@6@ee) der hafer schluoft,
wenn die ähre sich entwickelt Tobler 391
a. II@6@ff) es mag grad gschlüfa,
es reicht gerade so knapp hin. er mag nüd z 'schlüfe koh,
er kommt nicht zu gange Tobler 391
b;
leicht, ohne zwang vor sich gehen: es mag nicht schliefen,
es geht nicht; mach dasz es schliefen mag,
dasz der handel vor sich geht Schmid 466.