schlaufen,
verb. schlüpfen machen, schlüpfen. causativbildung zu schliefen,
vgl. daselbst über etymologie und verwandtschaft. goth. in der zusammensetzung afslaupjan,
abstreifen, im nord. unbekannt, ags. slíepan, slîpan, slêpan,
an- oder abstreifen, woraus frühengl. slipe, slype Bosworth-Toller 885
a,
alts. slôpian
losmachen und thurhslôpian
durchschlüpfen lassen, mnd. slOepen,
schlüpfen, schleichen Schiller-Lübben 6, 263
b,
ahd. sloufen,
dazu gasloufen
inserere, anasloufen
induere, antsloufen
excidere Graff 6, 805
f., mhd. sloufen Lexer
handwb. 2, 986
f., vgl. Schm. 2, 508.
während das wort hier ungemein häufig ist und durchgehends transitive bedeutung zeigt, erscheint es im nhd. nur noch ganz vereinzelt und dann stets in intransitiver verwendung. die flexion ist schwach, der zu erwartende umlaut ist nicht durchgedrungen. den mundarten ist das wort ganz fremd; nur Frischbier 2, 283
b verzeichnet schlaufen,
streifen, aufziehen, aufstreifen, eine hülle, decke überziehen. 11)
transitiv, schlüpfen lassen. 1@aa)
besonders von kleidern: in ein kleit sloufen,
damit bekleiden u. s. w.; so soltu wizzen, dc der tiufel dich reht sclofet in den rôten mantel. Grieshaber
pred. 2, 63; er zôh ûʒ sîn gewendelîn, den hêrren slouft er dar î
n. kaiserchron. 1745
Schröder; er slouft in in sîn gewant. 16159; nû wart ouch er gesloufet in sîn westerkleit.
der jüng. Titurel 1082;
bildlich: frowe, ir habet ein werdeʒ tach an iuch geslouft, den reinen lîp. Walther v.
d. Vogelweide 62, 37; ane sloufen: als man daʒ kint toufet unde eʒ anesloufet mit cristenlîchem kleide. Heinr. v. Krolewitz
vaterunser 361;
umgekehrt: swenne wir aber uz geslofet werden von disem gewate. Schönbach
altd. pred. 1, 262, 27
var. (
im texte: dis gewandis ledich werden);
so auch die erbsen aus der schote nehmen: als man die arweiʒ drischetûʒ halmen und slouffet.
d. jüng. Tllurel 6050 (
vgl. dazu Schm. 2, 50).
in diesem sinne '
enthülsen, schälen',
auch noch von Campe
als landschaftlich aufgeführt. 1@bb)
sonst in mannigfacher verwendung, oft bildlich: taʒ man in den bûosen sloûfet.
quelle bei Graff 6, 806; er (
Laban) hiet si (
Rahel und Lea) ovch verchöffet, in sînen munt geslovffet (
in seine gewalt gebracht).
genesis 60, 25
Diemer; solch varwe (
blässe) tuot die wârheit kunt, die man sloufet in den munt (
verschluckt, verbirgt, s. Germ. 7, 299
f.).
Parz. 551, 26; er wart getouft und in die cristenheit geslouft.
pass. 567, 68
Köpke; pherde mag her (
der ritter) wole koufin und di jung uf stallin und eine winnunge daruz sloufin. Bartsch
mitteld. ged. 158, 2195; wer da sijhe getaufft und usz dem wasszer geschlaufft und gleubet, der ist seligk.
Alsf. passionssp. 7861. 1@cc)
reflexiv, sich schlaufen,
oft in dem sinne '
sich losmachen, befreien': slôpi thî fan themo sîmon (
strick).
Hel. 5587; so sal er sich e toufen, von ungelouben sloufen.
pass. 187, 30
Köpke; sult ir uch alle toufen, und uch mit willen sloufen van den bosen abgoten. 257, 62; dâ sich der milde (
Christus) sloufte in die menscheit also cranc. Hugo v. Langenstein
Martina 90
a, 10; ûʒ freuden si sich slouft. Ottokar
reimchron. 1162. 22)
mit aufgabe der causativbedeutung, intransitiv, schlüpfen, so vereinzelt in der ältern sprache (
mhd.),
und stets in den wenigen mnd. und nhd. belegen (
auszer bei Frischbier
s. oben). 2@aa) de sus seten in gantzen hOepen, mosten wedder to huss slOepen.
quelle bei Schiller-Lübben 6, 263
b; ach, ich wil dir doch nit entlauffen noch ausz deinen banden schlauffen. Haberer
Abraham (1592) H 8
b; es ist dasselbe hosenbein, das jener abgestraufet am abend hat, in das hinein am morgen dieser schlaufet. Rückert
ges. poet. werke 2, 39.
in folgender stelle scheint die bedeutung '
träge, saumselig sein, trödeln'
vorzuliegen: ein böse magd vol arger list, verschlaffen, faul und fressig ist, geth schlauffen, wil gar nirgend fort. B. Ringwaldt
die lauter wahrh. 316. 2@bb)
an stelle des alten sloufen
erscheint nun schlaufen lassen,
einmal schon mhd.: daʒ gewant der junge man lîʒ von dem houbte sloufen. Joh. v. Frankenstein
Kreuziger 4247; er helt auch an die mitgeselln, sich hin und wider, schlim zustelln, und, gleich wie er, in sachter massn, die arbeit fein zuschlauffen lassn. B. Ringwaldt
die lauter wahrh. 313 (
vgl. a). 2@cc)
unklar ist: als die traug (
träge?) tantzerin, die da tantzend die schlauffenden täntz. Ingold
das goldene spiel 72, 28
Schröder; nach der anm. ist unsicher, ob slâfende
oder sleifende (slöufende) tenze
gemeint sind; doch darf man vielleicht auch hier die bedeutung annehmen, die in den beiden stellen aus B. Ringwaldt
zu tage liegt.